News 07.12.2023, 13:54

Nationalrat: Dichtes Programm zum Jahresausklang

Nationalratssitzungen von 13. bis 15. Dezember

Drei Tage wird der Nationalrat in diesem Jahr noch zu Sitzungen zusammenkommen, und zwar vom 13. bis 15. Dezember. Mit dem neuen Finanzausgleich für die Jahre 2024 bis 2028 und begleitenden Reformen im Gesundheits- und Pflegebereich stehen dabei mehrere gewichtige Beschlüsse an. Der Bund hat den Ländern unter anderem zugesagt, einen mit 1,1 Mrd. € dotierten "Zukunftsfonds" für die Bereiche Elementarpädagogik, Wohnen und Klimaschutz einzurichten, deutlich mehr Mittel für Gesundheit und Pflege bereitzustellen sowie die Länder und Gemeinden auch bei der Erfüllung anderer Aufgaben stärker zu unterstützen. So soll es etwa höhere Zuschüsse für die Wasserversorgungs-Infrastruktur, den Personennahverkehr und die Nachmittagsbetreuung an Schulen geben. Ebenso werden Bund-Länder-Vereinbarungen zur 24‑Stunden‑Betreuung und zum Nachholen von Pflichtschulabschlüssen verlängert. Im Gegenzug hat man sich unter anderem auf mehr Transparenz bei staatlichen Förderungen verständigt.

Verbesserungen bei ärztlicher Versorgung

Um die ärztliche Versorgung – auch an Tagesrandzeiten und Wochenenden – zu verbessern, sieht eine von Gesundheitsminister Johannes Rauch vorgelegte Sammelnovelle unter anderem vor, die Gründung von Gruppenpraxen, Primärversorgungseinheiten und Ambulatorien zu vereinfachen. Außerdem ist geplant, die Gesundheitsberatung 1450 auszubauen, eine verpflichtende Diagnosecodierung im niedergelassenen Bereich einzuführen, Wahlärzt:innen zur Anbindung an das e‑card- und ELGA‑System ab dem Jahr 2026 zu verpflichten und Patient:innenströme besser zu steuern. Für unbesetzte Kassenstellen werden kreative Zwischenlösungen ermöglicht. Bisherige Einspruchsmöglichkeiten der Ärztekammer – etwa gegen neue Kassenstellen oder Ambulatorien der Sozialversicherungsträger – sollen entfallen. 

Zusätzliche Mittel stellt der Bund unter anderem für die Gesundheitsförderung von Schwangeren und Kleinstkindern – sogenannte "Frühe Hilfen" – bereit. Überdies wollen die Abgeordneten verschiedene Maßnahmen zur künftigen Vermeidung von Medikamentenengpässen beschließen. Eine Novelle zum Lebensmittelsicherheitsgesetz und zum Tierseuchengesetz enthält vor allem technische Anpassungen in Bezug auf Lebensmittel- und Tiergesundheits-Kontrollen.

Erweiterung der Spendenabsetzbarkeit, Mindeststeuer für Konzerne

Mit dem Gemeinnützigkeitsreformgesetz will die Regierung zum einen freiwilliges Engagement fördern und zum anderen die Bevölkerung zu Spenden motivieren. So können künftig etwa auch Spenden an gemeinnützige Organisationen im Kultur- und Sportbereich steuerlich geltend gemacht werden. Außerdem wird eine "Freiwilligenpauschale" eingeführt, die es in Hinkunft ermöglicht, ehrenamtliche Tätigkeit bis zu einem festgesetzten Höchstbetrag – je nach Tätigkeit 30 € bzw. 50 € pro Kalendertag bzw. maximal 1.000 € bis 3.000 € pro Kalenderjahr – steuerfrei zu vergüten. Weiters werden im Finanzbereich gesetzliche Regelungen zur Umsetzung der auf internationaler Ebene vereinbarten effektiven Mindestbesteuerung globaler Konzerne im Ausmaß von 15 % getroffen.

Darüber hinaus ist geplant, das Mindeststammkapital für GmbHs auf 10.000 € herabzusetzen und mit Flexiblen Kapitalgesellschaften eine neue Rechtsform für Unternehmen einzuführen, um spezifischen Bedürfnissen von Startups und Gründerinnen Rechnung zu tragen. In diesem Zusammenhang soll auch ein eigenes steuerliches Modell für Start-Up-Mitarbeiterbeteiligungen normiert werden.

Ein Gesellschaftsrechtliches Digitalisierungsgesetz sieht vor, Geschäftsführer:innen und Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften oder Genossenschaften für drei Jahre von diesen Tätigkeiten auszuschließen, wenn sie wegen bestimmter Wirtschaftsdelikte wie Untreue, organisierte Schwarzarbeit oder Betrug zu mehr als sechs Monate Freiheitsstrafe verurteilt wurden. Der Bundeswettbewerbsbehörde wird eine neue Aufgabe übertragen: Damit kann sie auch prüfen, ob die temporäre Umsatzsteuerbefreiung für Photovoltaikanlagen tatsächlich weitergegeben wird.

Verbot von Gasheizungen im Neubau

Noch offen ist, ob für das geplante Verbot von Gasheizungen im Neubau die erforderliche Zweidrittelmehrheit zustandekommen wird. Die Opposition macht ihre Zustimmung zum vorliegenden Gesetzentwurf der Koalitionsparteien davon abhängig, ob es noch zu Änderungen im Plenum kommen wird. Auch Änderungen im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz und im Ökostromgesetz, die unter anderem vorsehen, die Ökostrompauschale für Haushalte auch im Jahr 2024 auszusetzen, benötigen die Zustimmung mindestens einer großen Oppositionsfraktion. Für den Umstieg auf klimafreundliche Heizungen und für thermische Sanierung will die Regierung den Ländern jeweils 50 Mio. € für die Jahre 2024 und 2025 zur Verfügung stellen. Ein Gesetz über die höhere berufliche Bildung (HBB-Gesetz) hat das Ziel, die Lehre durch neue Weiterbildungsmöglichkeiten aufzuwerten.

Höherer Pensionsbonus für längeres Arbeiten

Um längeres Arbeiten attraktiver zu machen, schlagen ÖVP und Grüne vor, den jährlichen Pensionszuschlag für Personen, die über das Regelpensionsalter hinaus weiterarbeiten, von 4,2 % auf 5,1 % zu erhöhen. Außerdem will der Bund künftig einen Teil der Pensionsbeiträge von Beschäftigten übernehmen, die neben der Pension erwerbstätig sind. Bei Personen, die eine Korridor- bzw. eine Schwerarbeitspension beziehen, wird eine Toleranzgrenze beim erlaubten Zuverdienst eingeführt.

Neu geregelt wird die Feststellung der Arbeitsfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit von Menschen mit Behinderung. Künftig soll eine entsprechende Beurteilung nicht vor Vollendung des 25. Lebensjahrs erfolgen. Damit erhalten Betroffene Zugang zu AMS-Angeboten.

Verbotsgesetz-Novelle, neue Regeln für Elternschaft

Aus dem Justizausschuss liegt die Empfehlung vor, das Verbotsgesetz – erstmals seit mehr als 30 Jahren – umfassend zu reformieren. Somit wird es in Hinkunft unter anderem auch möglich sein, Österreicher:innen, die vom Ausland aus NS-Propaganda im Internet verbreiten, zur Verantwortung zu ziehen. Auch jegliche – und nicht nur "gröbliche" – Verharmlosung des Holocaust wird unter Strafe gestellt. Weitere Punkte betreffen die Möglichkeit der Diversion im niederschwelligen Bereich, Erleichterungen beim Einziehen von NS-Devotionalien, ein automatischer Amtsverlust von Beamt:innen bei Verurteilungen nach dem Verbotsgesetz und strengere Strafen für die Verwendung von in Österreich verbotenen Symbolen. Das gilt etwa auch für Symbole der Hamas, der Grauen Wölfe und der PKK.

Mit einer ABGB-Novelle soll einem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs zum Thema Elternschaft Rechnung getragen werden. Demnach werden künftig auch Kinder, die in einer gleichgeschlechtlichen Ehe geboren wurden, künftig automatisch zwei Elternteile haben, unabhängig davon, ob das Kind mit oder ohne medizinisch-technische Hilfe gezeugt wurde. Das entspricht der Regelung für heterosexuelle Paare. Der Samenspender hat keine Vaterrechte bzw. -pflichten. Überdies wird jede Kommerzialisierung und Vermittlung nicht-medizinisch unterstützter Fortpflanzung ausdrücklich verboten.

Mietpreisbremse, Nulllohnrunde für Spitzenpolitiker:innen,

Schließt der Bautenausschuss seine Beratungen rechtzeitig ab, werden die Abgeordneten darüber hinaus über die von den Koalitionsparteien angekündigte Mietpreisbremse und alternative Vorschläge der Opposition beraten. Auch für die angepeilte Anhebung der jährlichen Zuverdienstgrenze beim einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld von 7.800 € auf 8.100 € fehlt noch das grüne Licht des zuständigen Ausschusses.

In eigener Sache soll eine Nulllohnrunde für Spitzenpolitiker:innen wie Regierungsmitglieder, Bundespräsident und Klubobleute beschlossen werden. Für die Abgeordneten selbst und die Mitglieder des Bundesrats ist eine halbe Inflationsanpassung und somit eine Bezugserhöhung von 4,85 % in Aussicht genommen. Deutlich besser steigen Beamt:innen und Vertragsbedienstete aus: Ihre Gehälter sollen um 9,15 % bzw. mindestens 192 € steigen.

Bargeld-Volksbegehren

Weitere Gesetzesvorhaben betreffen die Umsetzung des Digital Service Act (DSA) der EU zur Bekämpfung von Hass im Netz, die Bereitstellung von Zweckzuschüssen des Bundes für den Ausbau der Grazer Straßenbahn sowie Novellen zum Klimabonusgesetz, zum Kraftfahrliniengesetz und zum Ausländerbeschäftigungsgesetz. Zudem liegt den Abgeordneten eine Vereinbarung des Bundes mit dem Land Wien zur Überprüfung des Projekts "INTERACT Office Vienna 2021-2027" vor. Auch über ein Volksbegehren, das sich gegen eine Abschaffung von Bargeld sowie eine Beschränkung von Bargeldzahlungen wendet, werden die Abgeordneten abschließend diskutieren.

Hearing zum Bargeld-Volksbegehren (Video-Aufzeichnung vom 5.12.2023)

Entschließungen sind unter anderem zur Einrichtung eines zentralen Registers über Samen- und Eizellenspenden, zu Extremismusprävention an Schulen, zum Akw Krsko, zur Wiedereinführung eines Staatspreises für Erwachsenenbildung und zum Thema Online-Gaming zu erwarten. Ebenso stehen der ÖBB-Rahmenplan für die Jahre 2024 bis 2029, der Sportbericht 2022, mehrere Rechnungshofberichte – etwa zu den Österreichischen Bundesforsten und zur Lebensmittel-Versorgungssicherheit – und verschiedene Bürgeranliegen in Verhandlung.

Die Sitzung am Mittwoch beginnt mit einer Aktuellen Stunde, am Donnerstag und Freitag finden Fragestunden mit Innenminister Gerhard Karner bzw. Justizministerin Alma Zadić statt.

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