Deregulierung und Entbürokratisierung sind ein wiederkehrendes Thema, dem aktuell international ein zentraler Stellenwert beigemessen wird. Teile der Politik und Wirtschaft erhoffen sich davon eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und damit auch der Innovationskraft. Im Fokus der Debatten steht zumeist der Abbau einer oft attestierten Regelungsflut im quantitativen Sinn, das heißt eine Reduktion der Menge an Regelungen. Kritisiert wird dabei etwa sogenanntes Gold-Plating, das heißt die Übererfüllung von unionsrechtlichen Vorgaben durch EU-Mitgliedstaaten (siehe dazu etwa eine Rede der EU-Kommissionspräsidentin im Europäischen Parlament mit konkreten Beispielen). Ein weiterer Aspekt, der weniger im Mittelpunkt steht, ist die Häufigkeit, mit der bestehende Regelungen geändert werden. Dabei stellt die Verlässlichkeit von Regelungen im Sinne von Kontinuität auch einen Faktor für Investitionen dar (vgl. dazu die Informationen zu Investitionspolitik des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus).
Die österreichische Bundesregierung hat Maßnahmen zur Deregulierung und Entbürokratisierung im Regierungsprogramm 2025–2029 (siehe ab Seite 35) angekündigt und erste Vorschläge in einem Ministerratsvortrag präsentiert. Zur Umsetzung bedarf es noch konkreter Rechtsakte (Gesetze und Verordnungen). Wie aus einer Broschüre des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten ersichtlich wird, nimmt die Regierung die Vielzahl an Regelungen als zentrales Problem wahr. Zur Sammlung von Ideen wurde eine Servicestelle für Entbürokratisierungs- und Deregulierungsanliegen (SEDA) eingerichtet.
Auch die EU-Kommission sieht dringenden Handlungsbedarf zur Deregulierung und Vereinfachung von Regelungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu stärken und mit anderen Großmächten wie den USA und China mithalten zu können (siehe dazu etwa den Kompass für Wettbewerbsfähigkeit der EU-Kommission und das Omnibus-Paket zur Vereinfachung der Berichterstattungs- und Sorgfaltspflichten von Unternehmen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit).
Vor dem Hintergrund dieser vor allem auf die Reduktion von Regelungen zielenden Deregulierungsinitiativen stellt das Fachdossier dar, wie häufig neue Bundesgesetze erlassen oder bestehende Bundesgesetze geändert werden. Das erfolgt auf Grundlage einer Auswertung von Metadaten des Rechtsinformationssystems des Bundes (RIS) der XXVII. Gesetzgebungsperiode (GP), die von 23.10.2019 bis 23.10.2024 dauerte. Anschließend wird auf die grundlegende Bedeutung von Gesetzesbeständigkeit eingegangen und es werden Instrumente aufgezeigt, mit denen diese gefördert werden kann.