Anneliese KITZMÜLLER: Von der Parlamentsdirektion muss ich sagen, bin ich immer gut unterstützt worden. Vor allem dann später als Präsidentin muss ich sagen, war die Unterstützung immer ausgesprochen freundschaftlich, angenehm und immer zu meiner vollsten Zufriedenheit.
Peter IKRATH: So einen großen Ausschuss zu führen mit kontroversiellen Themen, ohne dass neben mir ein Mitarbeiter der Parlamentsdirektion gesessen wäre, der auch in der Geschäftsordnung sehr routiniert und sattelfest ist, hätte mich sicher viel öfter in Schwierigkeiten in der Vorsitzführung gebracht
Sonja HAMMERSCHMID: Der Budgetdienst war super. Der Herr Berger damals, ich habe ihn sehr, sehr geschätzt und seine Kolleginnen und Kollegen. Es war wirklich ohne ihre Arbeit, ohne der Basis die wir in der Aufbereitung und Analyse des Budgetziegels bekommen hätten, hätte man das nie geschafft.
Michael KRÜGER: Die persönliche Betreuung durch die Mitarbeiter des Parlaments war sehr erfreulich, sie war sicher von einer Äquidistanz getragen gegenüber allen Parteien.
Clemens HAIPL: Wenn man als Abgeordnete oder Abgeordneter zum ersten Mal ins Parlament kommt, fühlt sich das ein bisschen an wie der erste Schultag. Man kennt zwar das Ziel, aber noch längst nicht alle Abläufe. Wann muss ich wo sein? Wer ist wofür zuständig? Und warum scheint hier eigentlich jeder ganz genau zu wissen, was als Nächstes passiert – außer mir?
Natürlich wird niemand ins kalte Wasser geworfen. Im eigenen Klub helfen Referentinnen und Referenten sowie erfahrene Kolleginnen und Kollegen dabei, sich möglichst rasch zurechtzufinden. Doch vieles, was den parlamentarischen Alltag überhaupt erst möglich macht, passiert hinter den Kulissen. Dort bereiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Parlamentsdirektion Sitzungen vor, koordinieren Termine, stellen Informationen bereit, organisieren Veranstaltungen und sorgen dafür, dass das Getriebe Parlament möglichst reibungslos läuft. Deshalb dauert es meist nicht lange, bis jede Abgeordnete und jeder Abgeordnete mit den Menschen und den Serviceangeboten der Parlamentsdirektion in Berührung kommt.
Doch wie haben Parlamentarierinnen und Parlamentarier diese Unterstützung erlebt? Welche Services gab und gibt es eigentlich im Parlament? Und welche Angebote richten sich nicht nur an Abgeordnete, sondern auch an Bürgerinnen und Bürger? Genau diesen Fragen gehen wir in der heutigen Folge nach.
JINGLE
HAIPL: In diesem Podcast hören Sie Anekdoten und persönliche Erinnerungen von ehemaligen Mitgliedern des National- und Bundesrats, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der parlamentarischen Klubs und der Parlamentsdirektion. Die Aufnahmen stammen aus den Archiven des Parlaments aus den letzten Jahren und sie geben uns vor allem eines: Einblicke ins Parlament.
Wir habe ja schon viele Bereiche des Parlaments kennengelernt – von der Gesetzgebung über Ausschüsse bis hin zu den Menschen, die hinter den Kulissen dafür sorgen, dass der parlamentarische Betrieb funktioniert. Dabei ist immer wieder ein Name aufgetaucht: die Parlamentsdirektion.
Zeit also, sie einmal selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Was sind eigentlich ihre Aufgaben? Wie unterstützt sie die Arbeit der Abgeordneten? Und wie haben ehemalige Parlamentarierinnen und Parlamentarier diese Unterstützung erlebt?
Die Parlamentsdirektion unterstützt Nationalrat und Bundesrat sowie die österreichischen Mitglieder des Europäischen Parlaments und sorgt unter der Leitung der Präsidentin oder des Präsidenten des Nationalrates dafür, dass der parlamentarische Betrieb reibungslos funktioniert.
Manches davon bekommt man als Besucherin oder Besucher direkt mit. Etwa Führungen durch das Parlament, die Demokratiewerkstatt, das Demokratikum, das Infoteam für Anfragen aus der Bevölkerung oder die Parlamentsbibliothek, die seit der Wiedereröffnung allen offensteht. Über einige dieser Angebote haben wir in früheren Folgen bereits ausführlich gesprochen. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, finden Sie die Links dazu in den Shownotes.
Der weitaus größere Teil der Arbeit bleibt allerdings unsichtbar. Die Parlamentsdirektion ist in verschiedene Fachbereiche – sogenannte Dienste – gegliedert. Dort werden Sitzungen vorbereitet, Unterlagen erstellt, Abläufe koordiniert und unzählige organisatorische Aufgaben erledigt, ohne die parlamentarische Arbeit gar nicht möglich wäre. Wie sich das für die Abgeordneten angefühlt hat, erzählt Matthias Strolz, ehemaliger Klubobmann der NEOS.
Matthias STROLZ: Die Parlamentsdirektion hier als große Dienstleistungsorganisation im Hintergrund, mit vielen Arbeitsprozessen, die für den einzelnen Abgeordneten, auch für einen Klubobmann, -obfrau nicht sichtbar sind. Man muss ja nicht alles wissen, Hauptsache es funktioniert. Aber je länger man dabei ist, je tiefer man Einblick bekommt, umso mehr wird einem natürlich bewusst, das sind hochkomplexe, hochdifferenzierte, expertengetriebene Prozesse, die im Hintergrund laufen, damit auch eine Gesetzeswerdung optimal unterstützt ist. Man kann sich ja fragen, wieso kann ein jeder Parlamentspräsident werden und da oben eine Sitzung leiten und besonders kompetent wirken, obwohl er kein Jurist ist, keine Juristin? – Na ja, weil hier eine Servicewalze im Hintergrund läuft – wie g’schmiert! Dass der da nichts übersieht, die lesen das vom Blatt, müssen natürlich ein Verständnis mitbringen.
HAIPL: Für diese "Servicewalze", wie Matthias Strolz sie nennt, sind bei Plenar- und Ausschusssitzungen vor allem der Nationalratsdienst und der Bundesratsdienst verantwortlich. Dort wird unter anderem das sogenannte Croquis erstellt – gewissermaßen das Drehbuch einer Sitzung. Es enthält den genauen Ablauf und unterstützt die Präsidentinnen und Präsidenten, die den Vorsitz führen, dabei, jederzeit den Überblick zu behalten und die richtigen Abläufe und das richtige Wording einzuhalten.
Anneliese Kitzmüller, ehemalige Dritte Nationalratspräsidentin der FPÖ erinnert sich noch gut an die Zusammenarbeit mit der Parlamentsdirektion:
KITZMÜLLER: Und auch von der Parlamentsdirektion muss ich sagen, bin ich immer gut unterstützt worden. Vor allem dann später als Präsidentin muss ich sagen, war die Unterstützung immer ausgesprochen freundschaftlich, angenehm und immer zu meiner vollsten Zufriedenheit. Ich könnte über keinen, der mich unterstützt hat oder der mir auch im Plenum zur Seite gewesen ist, irgendetwas sagen, dass ich auch nur annähernd eine Vermutung gehabt hätte, dass da irgendwas nicht funktioniert hätte oder dass mir irgendetwas nicht gesagt worden wäre.
[…]
Die ersten Sitzungen waren furchtbar schwierig und da bedanke ich mich noch einmal herzlich bei der Parlamentsdirektion, die mich da ganz toll vorbereitet haben in den Besprechungen, wie gehen wir das an, was muss ich machen. Und auch so während den Sitzungen habe ich immer Unterstützung gehabt.
HAIPL: Neben den Sitzungen gibt es ja auch noch die Ausschüsse, die ebenfalls von Bediensteten des Nationalrats- bzw. Bundesratsdienst organisiert und betreut werden. Peter Ikrath, ehemaliger ÖVP-Abgeordneter, erinnert sich an die Hilfestellungen, die er in seiner Zeit als Ausschussvorsitzender von Seiten der Parlamentsdirektion bekam:
IKRATH: Was die parlamentarische Arbeit betrifft, vor allem wenn man dann einen Vorsitz in einem großen Ausschuss hat, da war jetzt sicherlich eine Kombination aus dem zuständigen Klubsekretär und der Parlamentsdirektion. Der Klubsekretär mehr in den inhaltlichen Themen und die Parlamentsdirektion im Prozedere. Also einen großen Ausschuss zu führen mit kontroversiellen Themen, ohne dass neben mir ein Mitarbeiter der Parlamentsdirektion gesessen wäre, der auch in der Geschäftsordnung sehr routiniert und sattelfest ist. hätte mich sicher viel öfter in Schwierigkeiten in der Vorsitzführung gebracht, weil es gibt Oppositionsabgeordnete, die sich geradezu ein Vergnügen daraus machen, einen dann aus Glatteis zu führen. Also da ist die Parlamentsdirektion enorm hilfreich mit ihrer Expertise
HAIPL: Andreas Khol, ehemaliger ÖVP-Klubobmann und späterer Nationalratspräsident erinnert sich noch gut an die Einführung von PCs und Laptops für die Abgeordneten und die Unterstützung durch die Parlamentsdirektion dabei:
Andrea KHOL: Erstens, alle Abgeordneten wurden von der Parlamentsdirektion auf die PCs eingewiesen und eingeschult. Das war sehr, sehr wichtig, und ich bin den Kollegen, die mir damals die Grundbegriffe beigebracht haben, die ich heute noch namentlich kenne, bin ich dankbar. Als ich Klubobmann wurde, wusste ich, wie das mit ... mein Klubobmann damals, hat mit dem PC ... er kann heute noch nicht, denn das hat immer jemand für ihn gemacht. Ich war ein kleiner Kofferlabgeordneter und habe alles am PC gemacht.
[…]
Der epochale Schritt war der Laptop. Also ich glaube, das Parlament hat da eine fantastische Lehrfunktion eingenommen. Es hätte die Abgeordneten nicht von selber die Laptops sich besorgt, aber dadurch, dass die Parlamentsdirektion die Laptops zur Verfügung gestellt hat, dann sehr schnell alles umgestellt hat und alle Klubs mitgemacht haben ... Wenn wir nicht diese Laptops von der Parlamentsdirektion und die Einschulung durch die Herren Schwarzwald und wie sie alle heißen, die uns angelernt haben, gehabt hätten, wäre es auch nie dazu gekommen, dass wir ein faktisch papierloses Parlament zustande gebracht haben. Das ist alles zurückzuführen auf die Laptops und auf die Lernwilligkeit der Abgeordneten und der Klubs. Das war schon ein gewaltiger Schritt, und jetzt haben sie alle Tablets. Also das ist schon eine sehr gute Sache.
HAIPL: Ein weiterer Bereich, der die Parlamentarierinnen und Parlamentarier mit seiner Expertise unterstützt, ist der Rechts-, Legislativ- und Wissenschaftliche Dienst – im Haus meist einfach "RLW" genannt. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten die Abgeordneten in rechtlichen, wirtschaftlichen und politikwissenschaftlichen Fragen und stellen Analysen sowie fachliche Informationen für die parlamentarische Arbeit bereit.
Zum RLW gehört unter anderem auch der Budgetdienst. Er analysiert das Bundesbudget, bewertet finanzpolitische Vorhaben und unterstützt den Nationalrat bei seiner Kontrollfunktion gegenüber der Bundesregierung.
Gerade diese Expertise ist für viele Abgeordnete von großer Bedeutung. Schließlich sind Budget- und Finanzfragen oft hochkomplex, und nicht jede Parlamentarierin und jeder Parlamentarier ist Finanzexpertin oder Finanzexperte. Wie wertvoll diese Unterstützung sein kann, schildert Bruno Rossmann, ehemaliger Abgeordneter der Grünen und der Liste Pilz.
Bruno ROSSMANN: Ich war ja Budgetexperte, ich habe mich mein ganzes Leben mit öffentlichen Aussagen, mit dem Bundesbudget befasst. Ich wusste mir zu helfen, aber nun gibt es natürlich viele Abgeordnete im Budgetausschuss, die verfügen nicht über das Know-how, über das ich verfüge, und die können mit diesen Berichten schlichtweg nichts anfangen. Das sind im Wesentlichen Zahlenfriedhöfe oder viele Zahlen gepaart mit Hinweisen auf verschiedene Gesetze und: that’s it! Aber welche wirtschaftliche Relevanz, welche volkswirtschaftliche Relevanz das hat, das konnte man aus diesen Berichten niemals herauslesen, und das macht der Budgetdienst wirklich hervorragend – der macht aus unleserlichen Berichten, Berichte mit hoher Qualität, mit denen die Abgeordneten im Budgetausschuss etwas anfangen können. Super, kann ich nur sagen.
HAIPL: Sonja Hammerschmid, ehemalige Nationalratsabgeordnete und Ministerin der SPÖ kann sich ebenfalls noch gut an die Unterstützung durch den Budgetdienst während ihrer Zeit als Abgeordnete erinnern:
HAMMERSCHMID: Im Parlament war es in der Parlamentsdirektion, um ein Beispiel herauszuziehen, der Budgetdienst war super. Der Herr Berger damals, ich habe ihn sehr, sehr geschätzt und seine Kolleginnen und Kollegen. Es war wirklich ohne ihre Arbeit, ohne der Basis die wir in der Aufbereitung und Analyse des Budgetziegels bekommen hätten, hätte man das nie geschafft. Also das war eine ganz, ganz tolle Unterstützung […]
HAIPL: Der Budgetziegel ist übrigens das Bundesbudget in ausgedruckter und gebundener Form. Mit sehr vielen Seiten… Ein echter Ziegel eben.
Eine wichtige Unterstützung erhalten Abgeordnete auch vom internationalen Dienst. Neben der inhaltlichen und organisatorischen Durchführung von ausländischen Besuchen oder Besuchen von Abgeordneten in anderen Ländern, ist der Dienst auch für die Schnittstelle zwischen österreichischem Parlament und EU zuständig. Für den ehemaligen Bundesratspräsidenten der ÖVP, Gottfried Kneifel, ist insbesondere dort die Unterstützung sehr wichtig:
Gottfried KNEIFEL: Es gibt natürlich auch Materien, die uns in Österreich weniger tangieren, wie zum Beispiel eine neue Fischfangrichtlinie in der Ostsee oder in der Nordsee. Das wird das österreichische Parlament kaum und den Bundesrat noch weniger berühren. Es gibt natürlich eine automatische Vorselektion, die uns nicht berührt, und es gibt dann eine zweite durch die Landtage, wo wir avisiert werden, als Bundesräte hier aufzupassen, und es gibt eine dritte, die Vorselektion durch die EU-Abteilung des Hauses, die natürlich mit den Vorsitzenden und mit den Mitgliedern des EU-Ausschusses in ständigem Kontakt stehen. Also, da gibt es eine ganze Kette von Horchposten, von Radarstellen, die sagen: Hier aufpassen, hier vorsichtig sein, und hier eine klare Stellungnahme abgeben.
HAIPL: Apropos international: Wenn hochrangige internationale Besucher ins Haus kommen, sind auch sie im Einsatz: das Sicherheitspersonal. Aber nicht nur dann, sie wachen ständig über das Parlamentsgebäude, sorgen für die Sicherheit von Abgeordneten, Mitarbeiterinnen und Besuchern, sind aber auch zuständig für das Zutrittsmanagement.
Und auch mit diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben die Abgeordneten immer wieder Kontakt. Bei dem ehemaligen ÖVP-Abgeordnete Hans Hafner hatte das z.B. mit den langen Arbeitszeiten zu tun:
Hans HAFNER: Ich habe jedenfalls guten Kontakt gehalten mit der Nachtwache, weil ich habe nämlich die Gelegenheit immer genützt und geschaut, dass ich möglichst viel erledige. Die Zeit war immer zu kurz, da habe ich meistens die Nachtwache gebraucht.
HAIPL: Gute Connections im Haus zu haben, ist sicher kein Nachteil. Diese Erfahrung machte Theresia Haidlmayr, ehemalige Grünen-Abgeordnete auch, als ihr eine heimlich zugesteckte Information dazu verhalf, den einzigen barrierefreien Zugang zum Grünen-Klub zu erhalten:
Theresia HAIDLMAYR: Auch wie es darum gegangen ist ... da war dann einmal eine Diskussion, nur als Beispiel, dass unser Tor zugesperrt werden sollte – ich sage immer noch "unser" Tor – auf der Schmerlingplatzseite, denn damals ist das Liberale Forum reingekommen, und die haben sich beschwert, dass sie kein Tor haben. Also, alle Fraktionen haben ein Tor gehabt, nur die fünfte Fraktion hat keines gehabt. Und dass man in das Gebäude nicht eine fünfte Tür reinschlägt in die Außenmauer, nur damit die auch einen eigenen Eingang haben, war klar. Das war ja immer Prestigesache. Und dann hat es die Überlegung gegeben, naja, wenn wir den kleinen Fraktionen überhaupt die Tore wegnehmen ... das heißt, unser Tor wird zugesperrt, dann brauchen sich die Liberalen auch nicht mehr aufzuregen, dass sie keines haben. Ich habe davon Wind bekommen, weil ich habe immer zu den Mitarbeitern des Parlaments, mit denen hab ich allen einen guten Draht gehabt, immer, und das haben sie mir "g’steckt", irgendwer hat mir das "g’steckt". "Haben Sie schon gehört, Frau Haidlmayr ...?" Und dann bin ich zum Fischer nach hinten gefahren, der war damals noch Parlamentspräsident, und habe gesagt: "Herr Dr. Fischer, Sie haben vor, dass Sie unser Tor zusperren, weil sich die Liberalen so aufregen." "Ja", hat er gesagt, "Frau Abgeordnete, was tun wir, was tun wir ...? Ja, wo würden Sie dann ins Parlament reinkommen, wenn wir das Tor zusperren?" Da habe ich gesagt: "Gar nicht mehr, weil das der einzige Zugang ist!" – Und das Thema war gegessen, das Thema war erledigt.
HAIPL: Marga Hubinek, ehemalige Zweite Nationalratspräsidentin der ÖVP hatte wiederum mit sehr pflichtbewussten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Parlamentsdirektion zu tun, die an ihre Zukunft dachten:
Marga HUBINEK: Von der Parlamentsdirektion habe ich vorwiegend in Erinnerung, dass sie versucht hat, mir die Vorteile meiner Pensionsregelung schmackhaft zu machen. Nur, wenn Sie noch in einem gewissen jugendlichen Alter sind oder voller Schaffenskraft, hat mich das gar nicht so wild interessiert. Ich war ja in der Handelskammer hauptberuflich tätig, und alle Ansprüche waren dort zu bemessen, und das ist mir nicht dieses Anliegen gewesen.
HAIPL: Ein zentrales Prinzip der Parlamentsdirektion ist die sogenannte Äquidistanz – also der neutrale und unparteiische Umgang mit allen politisch tätigen Personen im Parlament, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Nur so ist gewährleistet, dass alle Abgeordneten dieselbe Unterstützung und dieselben Serviceleistungen erhalten. Politische Positionen spielen dabei keine Rolle – entscheidend ist allein die parlamentarische Funktion.
Dieses Prinzip prägt auch die Arbeit des Kommunikationsdienstes. Dazu gehört unter anderem die Parlamentskorrespondenz, die über das Geschehen im Hohen Haus berichtet – ähnlich wie die Social-Media-Kanäle des Parlaments, allerdings mit einem anderen Schwerpunkt. Maria-Luise Janota hat viele Jahre für die Parlamentskorrespondenz aus Ausschüssen und Plenarsitzungen berichtet. Wie wichtig dabei die Äquidistanz im redaktionellen Alltag ist, erzählt sie selbst.
Maria-Luise JANOTA: Die Parlamentskorrespondenz ist ja im Grunde genommen ein Informationsmedium. Ich habe immer gesagt: unsere Berichte sind nicht sexy – das ist halt nicht so, weil auch die Themen ... Ich kann mir auch nicht aussuchen, wie von einem anderen Medium, von einem Printmedium oder vom ORF oder anderen TV-Medien, dass ich mir halt die Schmankerl raussuche. Das geht bei mir nicht. Ich muss eine objektive Berichterstattung gewährleisten: Worum geht es in dem Gesetz, worum geht es in der Diskussion, wie sind die Linien der einzelnen Fraktionen, welche Änderungen gibt es, wie wurde abgestimmt? Das sind die fünf Parameter, die ich zu beachten habe, mit der Notwendigkeit der Äquidistanz, und da kann man natürlich nicht reißerisch sein.
HAIPL: Einigen Abgeordneten ist die äquidistante Arbeitsweise der Bediensteten der Parlamentsdirektion sehr positiv in Erinnerung geblieben. Z.B. Michael Krüger, ehemaliger Nationalratsabgeordneter der FPÖ und Justizminister:
KRÜGER: Parlamentarisch hat man immer Unterstützung gehabt durch den Parlamentsdienst, durch die Mitarbeiter der Parlamentsdirektion in allen Abteilungen, vor allem war dort der Kontakt zwischen dem eigenen parlamentarischen Mitarbeiter und eben dem Mitarbeiter des Hauses, da glaub ich gab es einen sehr engen Kontakt. Die mussten sich ja auch informieren, was los ist, wo kriegt man was. Also, das habe ich als sehr angenehm empfunden. Ich muss auch dazusagen, die persönliche Betreuung durch die Mitarbeiter des Parlaments war sehr erfreulich, sie war sicher von einer Äquidistanz getragen gegenüber allen Parteien.
[…]
Und da war – um jetzt wieder darauf zurückzukommen – ganz besonders bemerkenswert, dass man gegenüber der Parlamentsdirektion, allen Mitarbeitern des Parlaments, auch die Kameraleute und so weiter, nie den Eindruck hatte, dass da irgendwie eine Ausgrenzung oder sowas stattfindet, sondern ich bin fest der Überzeugung – das war auch so –, es war eine Äquidistanz, eine wirklich Äquidistanz, das ist vorbildlich gewesen.
HAIPL: Das Schlusswort überlassen wir nun Georg Oberhaidinger, ehemaliger Nationalratsabgeordneter der SPÖ, der noch einmal gut zusammenfasst, was die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Parlamentsdirektion ausmacht:
Georg OBERHAIDINGER: […] ich glaube, da kann man wirklich sagen, die beste Unterstützung ist die, die man gar nicht merkt. Sie waren einfach da. Also gleich, wenn irgendwo ein Problem auftreten ist oder eine Frage nicht zu beantworten gegangen ist, waren sie einfach, die waren einfach da. Wurscht, also vom Parlamentsdirektor runter, das war nicht so, dass man direkt wen ansprechen hat müssen, sondern wenn wir auch im Klub ein Problem gehabt haben, dann ist halt das weitergegangen zur Parlamentsdirektion oder umgekehrt. Aber ich hätte mir das nicht anders und besser vorstellen können. Also da hat man immer wen gehabt, den man aussprechen kann. Also wenn es so wäre, würde ich es auch sagen, Aber ich hab's immer nur positiv empfunden. Aber auch das Haus selber, das lebt ja auch miteinander. Und aus dem Grund nochmal das ganze Tragen war eigentlich immer... Positiv. Ich habe mich auch immer wohl gefühlt.
HAIPL: Ich hoffe, Sie haben sich auch wohlgefühlt und diese Folge hinterlässt bei Ihnen einen positiven Eindruck. Dieser Podcast ist übrigens auch eine Serviceleistung der Parlamentsdirektion, ebenso wie unsere Social-Media-Kanäle und unsere Website. Wenn Ihnen diese Folge gefallen hat, abonnieren Sie doch gerne den Podcast oder hinterlassen uns eine Bewertung. Die muss auch gar nicht äquidistant sein, sondern darf ruhig individuell ausfallen. Und falls Sie eine oder mehrere Fragen haben, oder etwas ergänzen möchten, können Sie uns einfach an diese E-Mail-Adresse schreiben: podcast@parlament.gv.at. Wir behandeln das alles natürlich pflichtgemäß unabhängig und unparteiisch, freuen tun wir uns trotzdem, wenn wir von Ihnen hören!
Weitere Informationen rund ums Parlament und seine Geschichte finden Sie auf unseren Social-Media-Kanälen sowie auf der Webseite www.parlament.gv.at. Dort finden Sie auch die Interviews in voller Länge, die diesem Podcast als Grundlage dienen. Ich danke Ihnen fürs Zuhören, freue mich aufs nächste Mal und sage Ciao.