News in einfacher Sprache 06.03.2026, 16:02

Wer waren die ersten Frauen im Hohen Haus?

Das Frauenwahlrecht in Österreich wurde am 18. Dezember 1918 beschlossen. Nur wenige Wochen später fand der erste Wahlsonntag statt, an dem auch Frauen teilnehmen konnten. Der Andrang war groß: 82,1 % der wahlberechtigten Frauen nutzen ihr Wahlrecht. Gewählt wurden die 170 Abgeordneten der Konstituierenden National-Versammlung. Acht von ihnen waren Frauen, das ergibt einen Anteil von 4,7 %.

Ein historischer Moment: Eine Wienerin gibt am 16. Februar 1919 ihre Stimme ab.

Pionierinnen im Parlament

Die Konstituierende National-Versammlung trat am 4. März 1919 zu ihrer ersten Sitzung zusammen. An diesem Tag nahmen erstmals auch Frauen ihre Arbeit im Parlament auf: Diese acht Frauen waren Anna Boschek, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Gabriele Proft, Therese Schlesinger, Amalie Seidel und Maria Tusch für die Sozialdemokratische Partei sowie Hildegard Burjan für die Christlichsoziale Partei.

Zum Zeitpunkt ihres Eintritts in die Konstituierende National-Versammlung hatten diese Frauen eines gemeinsam: Sie alle waren seit Jahren in Partei-Organisationen oder Gewerkschafts-Organisationen aktiv.

Sieben von ihnen wurden in Wiener Wahlkreisen gewählt, Maria Tusch als einzige im Wahlkreis Kärnten. Die meisten stammten aus einfachen Verhältnissen. Sie waren Arbeiterinnen oder Hausgehilfinnen. Ausgebildet haben sie sich in Privatstudien. Hildegard Burjan war die einzige, die studiert hatte.

H. Burjan - Keyvisual - Portrait. Wien 1928

Hildegard Burjan

Gründerin der Caritas Socialis

Bildnis in mittleren Jahren. ANMERKUNG: Auf der Rückseite des Fotos eigenhändiger Namenszug

Anna Boschek

Pionierin der österreichischen Gewerkschaft

Portrait von Emmy Freundlich, 1878 - 1948.

Emmy Freundlich

Einzige Frau in der Wirtschaftssektion des Völkerbundes

Portrait der Adelheid Popp [1869-1939]

Adelheid Popp

Vom Weberkind zur politischen Leitfigur

Portrait der Gabriele Proft in mittleren Jahren. Originalfoto

Gabriele Proft

Parlamentarierin der Ersten und Zweiten Republik

Therese Schlesinger

Therese Schlesinger

Schaffte mit "Zentralküchen" mehr Zeit im Alltag der Frauen

Bildnis der Seidel, Amalie [1876-1952], in Oval. Postkarte

Amalie Seidel

Organisierte mit 17 Jahren den ersten Streik

Portraitfoto

Maria Tusch

Setzte sich für die Straffreiheit der Abtreibung ein

"Frauen, ihr müsst selbstbewusst werden"

Adelheid Popp war die erste Frau, die eine Rede im Hohen Haus hielt. In der Rede ging es um die Abschaffung des Adels. Die acht Abgeordneten brachten auch Gesetze und Initiativen ein. Sie befassten sich zum Beispiel mit mehr Rechten für Haushaltsgehilfinnen, mit dem Achtstunden-Arbeitstag oder der Arbeitsruhe. Die Parlamentarierinnen setzten sich schon damals für die soziale Absicherung von Frauen und Müttern ein und für die Straffreiheit von Abtreibungen. Maria Tusch beendete fast jeden ihrer Redebeiträge mit den Worten "Frauen, ihr müsst selbstbewusst sein!".

Sechs der weiblichen Abgeordneten der Sozialdemokratischen Partei bei der ersten Sitzung der Konstituierenden National-Versammlung.

In 85 Minuten durch die österreichische Frauenbewegung

In der Führung "Parlamentarismus und Frauen" geht es nicht nur um diese acht Parlamentarierinnen. Sie erfahren dabei Vieles über die gesamte Frauenbewegung vom ersten Internationalen Frauentag 1911 bis zu den Pionierinnen an der Spitze von Parlamentsklubs, in den Präsidien des National- und Bundesrats und in Ministerien.

Die Führung wird jeden Donnerstag und Samstag angeboten.

Alle Informationen zur Führung "Parlamentarismus und Frauen"

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