News 27.04.2023, 20:37

Nationalrat beschließt Teile des Medienpakets und Patentrechtsnovelle

Der Nationalrat hat in seiner jüngsten Sitzung das Aus für die Wiener Zeitung in der bisherigen Form besiegelt. Die Abgeordneten stimmten mit 88 gegen 74 Stimmen für das von ÖVP und Grünen vorgeschlagene neue Geschäftsmodell, das unter anderem eine Umwandlung des Blattes in ein Online-Medium bringt. Gleichzeitig soll die Wiener Zeitung eine wichtige Rolle in der praxisnahen Ausbildung von Journalist:innen und als Inhalte-Lieferantin für staatliche Stellen spielen. Das Amtsblatt wird durch eine digitale Veröffentlichungs- und Informationsplattform ersetzt. Scharfe Kritik äußerte die Opposition, sie hätte die älteste noch bestehende Tageszeitung der Welt gerne erhalten.

Weitere Beschlüsse betreffen die Gewährung eines Kostenersatzes für Telekom-Unternehmen in Zusammenhang mit dem geplanten öffentlichen Katastrophen- und Notfallwarnsystem, die Einrichtung einer "Stiftung Forum Verfassung" und eine Novelle zum Medientransparenzgesetz. Diese sieht insbesondere mehr Transparenz bei Regierungsinseraten durch erweiterte Melde- und Informationspflichten vor und wurde auch von der SPÖ mitgetragen. Zuletzt wurde per Abänderungsantrag noch sichergestellt, dass in Medien, die wegen Verhetzung oder aufgrund von Verstößen gegen das Verbotsgesetz verurteilt wurden, ein Jahr lang keine Inserate von staatlichen Stellen bzw. Unternehmen geschaltet werden dürfen.

Ziel der neuen Verfassungsstiftung ist es, das Verfassungswissen in der Bevölkerung zu verbessern und das Verfassungsbewusstsein zu erhöhen. Mit einer Änderung des Parlamentsmitarbeiter:innengesetzes werden persönliche Mitarbeiter:innen von Abgeordneten besser für den Fall abgesichert, dass diese vorzeitig aus dem Nationalrat ausscheiden.

Kein Patent auf Leben

Auf Vorschlag von Umweltministerin Leonore Gewessler haben die Abgeordneten Änderungen im österreichischen Patentrecht verabschiedet. So wird etwa das Patentierverbot von konventionellen Tier- und Pflanzenzüchtungen durch präzisierende Bestimmungen im Patentgesetz bekräftigt. Ein neuer Rat für Forschungs-, Wissenschafts-, Innovations- und Technologieentwicklung (FWIT-Rat) wird den bisherigen Rat für Forschung und Technologieentwicklung und den Wissenschaftsrat ersetzen und die Regierung künftig bei der FTI-Strategie beraten.

Ebenfalls weitgehend auf Schiene sind die Einrichtung eines Klubregisters sowie die Erweiterung der sogenannten "Verhältnismäßigkeitsprüfung". Demnach sollen künftig auch Gesetzesanträge von Abgeordneten und Ausschussanträge, die Berufsregulierungen zum Inhalt haben, dahingehend geprüft werden, ob sie eine grenzüberschreitende Arbeitsaufnahme oder Dienstleistungen behindern. Allerdings wird die endgültige Abstimmung über diese Vorhaben aus formalen Gründen erst im Mai erfolgen.

In Form von Entschließungen spricht sich der Nationalrat unter anderem dafür aus, mehr Therapieangebote für Patient:innen mit chronischem Erschöpfungssyndrom (ME/CFS) bereitzustellen und die österreichische Sicherheitsstrategie der geänderten militärischen Gefahrenlage in Europa anzupassen. Außerdem ist den Abgeordneten eine Informationsoffensive zu Betriebsnachfolgen im Tourismusbereich und die Erarbeitung eines Berufssportgesetzes mit speziellen arbeits-, steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen für Sportler:innen, Trainer:innen und Funktionär:innen ein Anliegen. Die Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hinsichtlich der Teilnahme von Sportler:innen aus Russland und Belarus an internationalen Wettkämpfen als "neutrale Athlet:innen" wollen sie streng ausgelegt wissen.

Dringlicher Antrag der NEOS zum Arbeitskräftemangel in Österreich

Auf Verlangen der NEOS diskutierten die Abgeordneten über den Arbeitskräftemangel in Österreich. "Fehlanreize" im Abgaben- und Sozialsystem müssten beseitigt werden, damit sich Arbeit bzw. mehr Arbeit in jedem Fall auszahle, mahnte NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger. Zudem forderte sie eine Einwanderungsstrategie nach kanadischem Vorbild, mehr Kinderbetreuungsplätze, Erleichterungen bei der Erlangung eines Aufenthaltstitels für integrierte, arbeitende Menschen und mehr Flexibilität im Bereich der Lehre.

Ein von den NEOS dazu eingebrachter Dringlicher Antrag fand allerdings ebenso wenig eine Mehrheit wie mehrere Fristsetzungsanträge der Opposition. Die SPÖ drängte etwa auf eine Meldepflicht für tatsächlich geleistete Arbeitszeiten von Teilzeitbeschäftigten, um die Datenlage in diesem Bereich zu verbessern.

Darüber hinaus standen der Abschlussbericht des ÖVP-Korruptions-Untersuchungsausschusses sowie zwei Sonderberichte der Volksanwaltschaft zum Terroranschlag in Wien bzw. zum Thema soziale Grundrechte auf der Tagesordnung. Auch einen Bericht der Volksanwaltschaft zum Jugendstrafvollzug sowie Prüfberichte des Rechnungshofs zur Beschaffungsplanung des Bundesheers, zum Zustand der Miliz und zu weiteren Themen der Landesverteidigung nahmen die Abgeordneten in Verhandlung.

In der Aktuellen Stunde ging es auf Wunsch der SPÖ um die Gesundheitsversorgung in Österreich. Es brauche Maßnahmen gegen "die Krise in den Spitälern und bei Ärzt:innen", machte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner geltend. Zu Beginn der Sitzung war Maximilian Linder als neuer FPÖ-Abgeordneter angelobt worden. Er folgt Erwin Angerer nach, der in den Kärntner Landtag gewechselt ist.