Antisemitismusprävention

Angebote im Bereich Antisemitismusprävention

Antisemitismus stellt eine Gefahr für die Demokratie dar und erfordert entschiedenes Handeln. Das Parlament, als Herz unserer Demokratie, setzt daher vielfältige Initiativen in der Antisemitismusprävention um, um Wissen zu vermitteln, Bewusstsein zu stärken und den Dialog mit Zivilgesellschaft, Wissenschaft und verschiedenen Stakeholdern zu fördern. Ziel ist es, Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen zu erkennen, zu verstehen und zu bekämpfen – für eine starke Demokratie und ein respektvolles Miteinander. Im folgenden Abschnitt finden Sie eine Übersicht über die zentralen Initiativen und Maßnahmen in diesem Bereich.

Antisemitismusstudie:

Angebote im Demokratikum – Erlebnis Parlament:

Dialogformate und Sensibilisierung:

Veranstaltungen und Kampagnen:

Antisemitismus ist eine der ältesten Formen von Diskriminierung. Er zeigt sich in Vorurteilen, Ausgrenzung, Hass und Gewalt gegenüber Jüdinnen und Juden – und bedroht damit nicht nur Einzelne, sondern die Grundlagen unserer Demokratie.

In Österreich hat Antisemitismus eine lange und schmerzvolle Geschichte: von religiös geprägten Feindbildern im Mittelalter über die Hetze des 19. Jahrhunderts bis zur systematischen Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen im Nationalsozialismus. Auch nach 1945 ist Antisemitismus in unterschiedlichen Formen präsent geblieben – offen oder subtil, im Alltag, im Internet, im Bildungssystem oder im öffentlichen Diskurs.

Das Parlament trägt daher eine besondere Verantwortung, Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen entgegenzutreten. Im Rahmen der Antisemitismusprävention versteht es sich als Plattform für Austausch, Dialog und Sensibilisierung. Ziel ist es, den Diskurs mit Expertinnen und Experten aus Gesellschaft, Wissenschaft und Forschung zu fördern, das Bewusstsein für die historischen wie aktuellen Dimensionen des Antisemitismus zu stärken und wirksame Ansätze für demokratiepolitische Bildung und Prävention weiterzuentwickeln.

Durch den kontinuierlichen Dialog mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteuren wird der Kampf gegen Antisemitismus als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden. Im Zentrum steht das gemeinsame Anliegen, eine Kultur der Verantwortung, des Respekts und der Wachsamkeit zu fördern – damit demokratische Werte dauerhaft geschützt bleiben.

Die Antisemitismusstudie des Parlaments

Seit 2018 lässt das österreichische Parlament regelmäßig eine umfassende Antisemitismusstudie durchführen. Sie erscheint alle zwei Jahre und untersucht auf breiter empirischer Basis antisemitische Einstellungen sowie gesellschaftliche Entwicklungen in Österreich. Die Ergebnisse liefern fundierte Erkenntnisse, die als Grundlage für politische Entscheidungen, Präventionsstrategien und Bildungsmaßnahmen dienen. Die Fortsetzung der wissenschaftlichen Forschung im Auftrag des Parlaments betreffend Antisemitismus ist als feste Maßnahme der nationalen Strategie gegen Antisemitismus geführt, welche seit 2021 vom Bundeskanzleramt koordiniert wird.

Die Studienergebnisse werden immer wieder auf nationalen und internationalen Konferenzen präsentiert und diskutiert. Damit trägt das Parlament aktiv zur wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Antisemitismus bei.

Zusatzstichproben

Ein zentraler Bestandteil der Studien sind auch Zusatzstichproben. Diese ermöglichen eine differenzierte Analyse jener Gruppen, die laut internationaler Forschung tendenziell höhere antisemitische Einstellungen aufweisen.

Sonderauswertungen und zusätzliche Studien

Zwischen den zweijährlichen Hauptstudien wurden ebenfalls Sonderauswertungen und kleinere Begleitstudien durchgeführt. Diese vertiefen aktuelle Fragestellungen, liefern zusätzliche Einblicke in relevante gesellschaftliche Entwicklungen und tragen zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Maßnahmen gegen Antisemitismus bei.

Antisemitismus 2024, Wien, März 2025

Antisemitismusstudie 2024

Ein zentraler Schwerpunkt der Untersuchung war der Einfluss des Nahostkonflikts, insbesondere nach dem Angriff der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023.

Im Parlament beauftragte Antisemitismusstudie

Antisemitismusstudie 2022

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Einfluss von Verschwörungsmythen auf antisemitische Einstellungen.

Im Parlament beauftragte Antisemitismusstudie

Antisemitismusstudie 2020

Ein zusätzlicher Schwerpunkt lag auf den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf antisemitische Tendenzen.

Im Parlament beauftragte Antisemitismusstudie

Antisemitismusstudie 2018

Die Antisemitismusstudie bietet die empirische Grundlage für Debatten über Antisemitismus in Österreich.

Angebote im Demokratikum – Erlebnis Parlament.

Ausstellung: Tacheles reden. Antisemitismus – Gefahr für die Demokratie

Antisemitismus ist kein Phänomen der Vergangenheit, sondern tritt noch heute in unterschiedlichen Formen auf und bedroht das demokratische Miteinander. Die Ausstellung "Tacheles reden. Antisemitismus – Gefahr für die Demokratie" in der Parlamentsbibliothek zeigt, wie sich Judenhass historisch entwickelt hat und wie er sich heute äußert. Stimmen jüdischer Jugendlicher und interaktive Medienstationen geben persönliche Einblicke und regen zur Auseinandersetzung an. Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Parlaments jederzeit selbstständig besucht werden. Zusätzlich werden Führungen angeboten, bei denen zentrale Inhalte vertieft und offene Fragen gemeinsam besprochen werden.

Weitere Informationen zur Ausstellung Tacheles reden. Antisemitismus - Gefahr für die Demokratie.

Weitere Informationen zu den Führungen für Einzelpersonen.

Sammlungsschwerpunkt in der Parlaments­bibliothek

Einer der zentralen Sammlungsschwerpunkte der Parlamentsbibliothek ist Antisemitismus. Ausgewählte Publikationen werden im öffentlich zugänglichen themenspezifischen Freihandbereich in einem eigenen Handapparat und unter anderem im Kontext des Nationalsozialismus präsentiert. Durch diese Schwerpunktsetzung im Bestandsaufbau, die Präsentation ausgewählter Werke im Freihandbereich sowie anlassbezogen online veröffentlichte Literaturtipps trägt die Parlamentsbibliothek zur historischen Aufarbeitung sowie zur vertieften Auseinandersetzung mit aktuellen Erscheinungsformen von Antisemitismus bei und leistet damit einen Beitrag zur politischen Bildung und Erinnerungskultur.

Weitere Angebote im Demokratikum - Erlebnis Parlament

Neben der Ausstellung "Tacheles reden. Antisemitismus – Gefahr für die Demokratie" finden Besucherinnen und Besucher auch im Demokratikum – Erlebnis Parlament vertiefende Inhalte zum Thema, etwa am Geschichtstisch oder an der Geschichtswand des Demokratikum - Erlebnis Parlament.

Ergänzend dazu laden zwei in situ-Kunstwerke zur Reflektion ein: Peter Weibels "Vertreibung der Vernunft" in der Bibliothek sowie Heimrad Bäckers Werk "nachschrift" auf der Terrasse mit Blick auf die Hofburg.

Raumbezeichnungen erinnern

Im Parlament sind seit der Wiedereröffnung nach der Sanierung 2023 Ausschusslokale, Arbeitsräume und Nutzflächen nach verstorbenen Persönlichkeiten benannt, die den österreichischen Parlamentarismus und die Kultur geprägt haben. Darunter sind unter anderem folgende jüdische Frauen und Männer, die hier als Zeichen für das Bewahren und Anerkennen des jüdischen Kulturerbes in Österreich besonders gewürdigt werden:

  • Elise Richter (* 2. März 1865 in Wien; gest. 21. Juni 1943 im Ghetto Theresienstadt) Romanistin, Universitätsprofessorin, erste Frau, die an der Universität Wien habilitierte
  • Ludwig Wittgenstein (* 26. April 1889 in Wien; gest. 29. April 1951 in Cambridge) Philosoph (Logik, Sprache, Bewusstsein)
  • Lise Meitner (* 7. November 1878 in Wien; gest. 27. Oktober 1968 in Cambridge) Kernphysikerin, 1906 Promotion Universität Wien, 1938 Flucht nach Schweden
  • Viktor Frankl (* 26. März 1905 in Wien; gest. 2. September 1997 in Wien) Neurologe, Psychiater, Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse
  • Sigmund Freud (* 6. Mai 1856 in Freiberg in Mähren,; gest. 23. September 1939 in London) Arzt, Begründer der Psychoanalyse, 1938 Emigration nach London
  • Eugenie Schwarzwald (* 4. Juli 1872 in Polupanowka Galizien; gest. 7. August 1940 in Zürich) Pädagogin, Sozialreformerin und Frauenrechtsaktivistin
  • Hans Kelsen (* 11. Oktober 1881 in Prag; gest. 19. April 1973 in Orinda, USA) Rechtswissenschafter, Rechtstheoretiker, Architekt der österreichischen Verfassung
  • Hedy Lamarr (* 9. November 1914 in Wien; gest. 19. Jänner 2000 in Casselberry, USA) Schauspielerin und Erfinderin (Funkfernsteuerung) 

Weitere Persönlichkeiten: Nomenklatur

Dialogformate und Workshops in der Demokratievermittlung

Das Parlament bietet ein breites Angebot an demokratiebildenden Maßnahmen an. Im Bereich der Antisemitismusprävention werden unter anderem verschiedene Dialogformate und Workshops zur Stärkung des demokratischen Bewusstseins angeboten.

Workshops in der Demokratiebildung

Zum Beispiel werden in der Demokratiewerkstatt für Kinder, Jugendliche und Lehrlinge verschiedene Workshops zum Thema Parlamentarismus und Demokratie angeboten. Die hierbei erhaltenen Informationen werden von den Teilnehmenden in einem Medienprodukt (Zeitung, Podcast, Film) festgehalten und stehen auf der Website www.demokratiewebstatt.at als Download zur Verfügung. Dadurch sollen Demokratie und Parlamentarismus für die Jugendlichen erlebbar und verständlich gemacht werden. Insbesondere die folgenden Workshops laden dazu ein, sich auf unterschiedliche Weise auch mit dem Thema Antisemitismus auseinanderzusetzen – direkt oder im weiteren Kontext demokratischer Bildung.

Diskussion im Rahmen der Werkstatt "Tacheles reden: Antisemitismus  Gefahr für die Demokratie"

Werkstatt „Tacheles reden: Verstehen verbindet“

Im Workshop erarbeiten Schülerinnen und Schüler, wie systematische Diskriminierung von Menschen einer Demokratie schadet und wie Stereotypen, Ideologien und Zuschreibungen erkannt werden können.

Zeitzeuge Erich Finsches im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern

Werkstatt mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen

Die Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sollen geschichtliche Wendepunkte bzw. Marksteine lebendig und damit nachvollziehbar werden lassen.

Kinderreporter:innen befragen Christoph Clar, Mitarbeiter des Parlaments, parlamentswissenschaftliche Grundsatzarbeit

Werkstatt Medien: Wie informiere ich mich?

In diesen Workshops beschäftigen sich die Teilnehmenden mit dem Umgang mit Medien, der Meinungsbildung und Informationsverarbeitung und ihre bedeutende Rolle in der Demokratie.

Lehrlinge bei der Gruppenarbeit

Werkstatt Neue Medien: Meine Rolle und Verantwortung

Schülerinnen und Schüler analysieren Chancen und Risiken (digitaler) Medien und diskutieren deren Bedeutung für demokratische Prozesse.

Racheli Kreisberg - Enkelin von Simon Wiesenthal und Schüler:innen

SWIGGI-Workshops

Dieses Bildungsformat basiert auf der Simon Wiesenthal Genealogy Geolocation Initiative (SWIGGI) und wurde gemeinsam mit Racheli Kreisberg, der Enkelin von Simon Wiesenthal, entwickelt. In den Workshops erkunden Jugendliche auf festgelegten Routen ehemalige Wohnorte jüdischer Wienerinnen und Wiener vor 1938 und lernen dabei persönliche Lebensgeschichten kennen.

Workshopleiter und Schülerinnen und Schüler besprechen die Themen

Parlament kommt zu dir

Der zweistündige Workshop „Demokratie und Verantwortung — das Format gegen Antisemitismus“ sensibilisiert Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 2 sowie Lehrlinge mit den Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen von Antisemitismus auseinander.

Kooperation mit Yad Vashem

Im September 2022 unterzeichnete das österreichische Parlament einen Letter of Intent mit Yad Vashem, um die Bildungsarbeit im Bereich Holocaustgedenken und Antisemitismusprävention in Kooperation mit der internationalen Holocaust-Gedenkstätte zu stärken. Die Zusammenarbeit ermöglicht den Austausch von Expertise bei der Vermittlung der Geschichte des Holocaust und fließt in die Konzeption neuer Formate, Workshops und Ausstellungen ein, wie etwa in die Ausstellung "Tacheles reden. Antisemitismus – Gefahr für die Demokratie".

Auf Grundlage dieser Kooperation wurde unter anderem im Oktober 2024 die Ausstellung "Aus dem Leben gerissen" gemeinsam mit Yad Vashem entwickelt. Sie erinnert an das Schicksal der österreichischen Jüdinnen und Juden nach der Annexion Österreichs durch Nazideutschland 1938, welches von systematischer Verfolgung, Vertreibung und Ermordung geprägt war.

Veranstaltungen und Kampagnen


Das österreichische Parlament setzt mit vielfältigen Veranstaltungen und Kampagnen ein Zeichen für eine aufrechte Gedenkkultur und gegen jeden Antisemitismus, Diskriminierung und Rassismus. Diese Initiativen fördern das Bewusstsein für die Geschichte, regen zum Nachdenken an und ermutigen dazu, Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu übernehmen.

Gedenkveranstaltungen

Gedenkkultur ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Demokratie. Sie lädt dazu ein, bewusst und kritisch mit der Vergangenheit umzugehen und daraus Lehren für die Gegenwart zu ziehen. An verschiedenen Tagen des Jahres wird besonders der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Ziel ist es, kritisches Denken, historisches Lernen sowie das Erkennen und Bekämpfen von Antisemitismus und Diskriminierung heute zu stärken.

Simon-Wiesenthal-Preis

Im Parlament wird jährlich der Simon-Wiesenthal-Preis für besonderes zivilgesellschaftliches Engagement gegen Antisemitismus sowie für die Aufklärung über den Holocaust vergeben. Die Auszeichnung richtet sich an Einzelpersonen, Gruppen, Schulprojekte oder Vereine und ist mit insgesamt € 30.000 dotiert. Auch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen werden im Rahmen der Veranstaltung für ihren Einsatz ausgezeichnet. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Parlament. Diese wird in Zusammenarbeit mit dem beim Parlament eingerichteten Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus organisiert, welcher für die Abwicklung des Preises zuständig ist.

Im Vorfeld der Veranstaltung findet zudem ein Dialogformat mit den Nominierten sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen statt, in dem Best Practices und Erfahrungen ausgetauscht werden.

Die WeRemember-Kampagne

Das österreichische Parlament beteiligt sich seit 2021 an der internationalen #WeRemember-Kampagne zum Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner. Seither setzt das Hohe Haus jährlich sichtbare Zeichen des Erinnerns, unter anderem durch die Projektion des Schriftzugs "#WeRemember" an der Parlamentsfassade, durch begleitende Veranstaltungen und durch digitale Beiträge. Diese Aktionen unterstreichen das klare Bekenntnis des Parlaments zu historischer Verantwortung sowie zum entschlossenen Einsatz für eine aktive Gedenkkultur sowie gegen jeden Antisemitismus und Hass.