Stenographisches Protokoll

34. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

 

 

XXII. Gesetzgebungsperiode

 

Mittwoch, 22. Oktober 2003

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 


Stenographisches Protokoll

34. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

XXII. Gesetzgebungsperiode             Mittwoch, 22. Oktober 2003

Dauer der Sitzung

Mittwoch, 22. Oktober 2003: 9.05 – 22.49 Uhr

*****

Tagesordnung

1. Punkt: Erklärung des Bundeskanzlers gemäß § 19 Absatz 2 der Geschäftsordnung des Nationalrates anlässlich der Ernennung von Bundesminister Hubert Gorbach zum Vizekanzler

2. Punkt: Erklärung des Vizekanzlers gemäß § 19 Absatz 2 der Geschäftsordnung des Nationalrates

3. Punkt: Bericht betreffend den Wahrnehmungsbericht des Rechnungshofes über Teilgebiete der Gebarung des Bundes

4. Punkt: Bericht betreffend den Wahrnehmungsbericht des Rechnungshofes über Teilgebiete der Gebarung des Bundes

5. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Schifffahrtsgesetz geändert wird

6. Punkt: Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über Seilbahnen erlassen wird (Seilbahngesetz 2003 – SeilbG 2003) und mit dem das Eisenbahngesetz 1957 geändert wird

7. Punkt: Protokoll vom 3. Juni 1999 betreffend die Änderung des Übereinkommens über den internationalen Eisenbahnverkehr (COTIF) vom 9. Mai 1980 (Protokoll 1999) samt Erklärung der Republik Österreich

8. Punkt: Ersuchen des Stadtmagistrats Innsbruck (II-STR-02104/2003) um Zu­stim­mung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Klaus Wittauer

9. Punkt: Erste Lesung: Antrag der Abgeordneten Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Straßenverkehrsordnung (StVO 1960) geändert wird (141/A)

10. Punkt: Erste Lesung: Antrag der Abgeordneten Mag. Terezija Stoisits, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Antidiskriminierungsgesetz (146/A)


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34. Sitzung / Seite 2

11. Punkt: Erste Lesung: Antrag der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Futtermittelgesetz geändert wird (150/A)

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Inhalt

Personalien

Verhinderung .................................................................................................................. 20

Geschäftsbehandlung

Verkürztes Verfahren gemäß § 28a der Geschäftsordnung (Verzicht auf Vor­beratung der Regierungsvorlagen 218 und 223 d. B.) ......................................................................... 41

Verlangen auf Durchführung einer kurzen Debatte über die Anfragebeant­wor­tung 711/AB gemäß § 92 Abs. 1 der Geschäftsordnung .................................................................................................... 41

Durchführung einer kurzen Debatte gemäß § 57a Abs. 1 der Geschäftsordnung ........ 150

Redner:

Beate Schasching ...................................................................................................... 150

Bundesministerin Elisabeth Gehrer ........................................................................ 153

Dr. Gertrude Brinek ................................................................................................... 154

DDr. Erwin Niederwieser ........................................................................................... 156

Mares Rossmann ....................................................................................................... 157

Dieter Brosz ................................................................................................................ 159

Redezeitbeschränkung nach Beratung in der Präsidialkonferenz gemäß § 57 Abs. 3 Z. 2 der Geschäftsordnung .......................................................................................................... 41

Antrag der Abgeordneten Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen auf Ein­set­zung eines Untersuchungsausschusses zur Untersuchung der Vorwürfe gegen­über Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser gemäß § 33 Abs.1 der Geschäftsordnung .......................... 232

Bekanntgabe ................................................................................................................... 52

Verlangen gemäß § 33 Abs. 2 der Geschäftsordnung auf Durchführung einer kurzen Debatte im Sinne des § 57a Abs. 1 GOG ............................................................................................................. 52

Antrag der Abgeordneten Dr. Alfred Gusenbauer, Kolleginnen und Kollegen auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Aufklärung über die Gebarung des Bundesministers für Finanzen hinsichtlich des Verstoßes gegen das Unvereinbarkeitsgesetz und damit möglicherweise verbundener Einflussnahmen, des Vollzuges des Stellenbesetzungsgesetzes samt Vertrags­schablonen­verord­nung, des Vollzuges des ÖIAG-Gesetzes und aller anderen damit in Zusammen­hang stehenden Gesetzen seit 4.2.2000, der Vergabe von Berater- und Werbe­aufträge seit 4.2.2000, des Bezuges von Honoraren als Vortragender entgegen dem Berufsverbot samt der entsprechenden Steuerfolgen, der Erstellung einer Homepage (www.karlheinzgrasser.at) sowie Steuerfolgen der Finanzierung die­ses Mediums samt Prüfung dieses Sachverhaltes durch das BMF unter der Leitung von Staatssekretär Dr. Finz, des geplanten Verkaufes der 5 Bundes­wohn­baugesellschaften und des Ankaufes von Abfangjägern der Marke


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Eurofighter Typhoon unter besonderer Berücksichtigung der Einhaltung des ge­wähl­ten Vergabeverfahrens sowie vertraglicher Beziehungen zwischen dem Finanzminister und Magna International gemäß § 33 Abs. 1 der Geschäfts­ordnung ......................................................................................................................... 233

Bekanntgabe ................................................................................................................... 52

Verlangen gemäß § 33 Abs. 2 der Geschäftsordnung auf Durchführung einer kurzen Debatte im Sinne des § 57a Abs. 1 GOG ............................................................................................................. 52

Gemeinsame Debatte über die beiden Anträge auf Einsetzung von Unter­suchungsausschüssen:

Redner:

Dr. Günther Kräuter ................................................................................................... 237

Mag. Werner Kogler ................................................................................................... 238

Wolfgang Großruck ................................................................................................... 242

Mag. Melitta Trunk ..................................................................................................... 243

Detlev Neudeck ........................................................................................................... 245

Ablehnung der beiden Anträge auf Einsetzung von Untersuchungsausschüssen ....... 245

Unterbrechung der Sitzung .......................................................................................... 85

Wortmeldungen zur Geschäftsbehandlung im Zusammenhang mit der Beant­wortung der Dringlichen Anfrage durch Bundesminister Mag. Karl-Heinz Grasser:

Dr. Alexander Van der Bellen ................................................................................... 126

Peter Schieder ...................................................................................................  127, 129

Herbert Scheibner ...................................................................................................... 128

Mag. Wilhelm Molterer .............................................................................................. 128

Aktuelle Stunde (8.)

Thema: „Generationenreiches Österreich“ ............................................................ 20

Redner:

Barbara Rosenkranz .................................................................................................... 21

Bundesminister Mag. Herbert Haupt ......................................................................... 23

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler ............................................................................. 26

Mag. Andrea Kuntzl ..................................................................................................... 28

Mares Rossmann ......................................................................................................... 29

Sabine Mandak ............................................................................................................. 31

Werner Amon, MBA ..................................................................................................... 33

Gabriele Heinisch-Hosek ............................................................................................. 34

Elmar Lichtenegger ..................................................................................................... 36

Mag. Brigid Weinzinger ............................................................................................... 37

Bundesregierung

Schreiben des Bundeskanzlers Dr. Wolfgang Schüssel betreffend Enthebung des Bundesministers für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumenten­schutz Vizekanzler Mag. Herbert Haupt vom Amt als Vizekanzler durch den Bun­despräsidenten sowie Ernennung von Herrn Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie Hubert Gorbach zum Vizekanzler durch den Bun­despräsidenten                20


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Rechnungshof

Verlangen gemäß § 99 Abs. 2 der Geschäftsordnung im Zusammenhang mit dem Antrag 240/A betreffend Gebarungsüberprüfung ................................................................................................ 246

Ausschüsse

Zuweisungen .........................................................................................  39, 223, 228, 231

Unvereinbarkeitsangelegenheiten

Vierter Bericht des Unvereinbarkeitsausschusses ........................................................ 40

Dringliche Anfrage

der Abgeordneten Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundes­minis­ter für Finanzen betreffend Aktien, Treuhänder und Verfassungsbruch (913/J) ..................................................... 114

Begründung: Dr. Peter Pilz ......................................................................................... 115

Bundesminister Mag. Karl-Heinz Grasser .............................................................. 120

Debatte:

Mag. Werner Kogler ................................................................................................... 129

Karlheinz Kopf ............................................................................................................ 132

Dr. Christoph Matznetter ........................................................................................... 134

Detlev Neudeck ........................................................................................................... 136

Dr. Gabriela Moser ..................................................................................................... 138

Werner Amon, MBA ................................................................................................... 139

Dr. Christian Puswald ................................................................................................ 141

Michaela Sburny ......................................................................................................... 144

Bettina Stadlbauer ..................................................................................................... 145

Dr. Johannes Jarolim ................................................................................................ 146

Karl Öllinger ................................................................................................................ 148

Peter Haubner ............................................................................................................. 149

Verhandlungen

Gemeinsame Beratung über

1. Punkt: Erklärung des Bundeskanzlers gemäß § 19 Absatz 2 der Geschäfts­ordnung des Nationalrates anlässlich der Ernennung von Bundesminister Hubert Gorbach zum Vizekanzler ....... 42

Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel ..................................................................... 42

2. Punkt: Erklärung des Vizekanzlers gemäß § 19 Absatz 2 der Geschäfts­ord­nung des Nationalrates ............................................................................................................................... 42

Vizekanzler Hubert Gorbach ....................................................................................... 47

Verlangen auf Durchführung einer Debatte gemäß § 81 Abs. 1 der Geschäfts­ord­nung                   20

Redner:

Dr. Alfred Gusenbauer ................................................................................................ 53

Mag. Wilhelm Molterer ................................................................................................ 56

Dr. Alexander Van der Bellen ..................................................................................... 60

Herbert Scheibner ........................................................................................................ 64

Dr. Josef Cap ................................................................................................................ 69


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34. Sitzung / Seite 5

Dkfm. Dr. Günter Stummvoll ...................................................................................... 72

Dr. Eva Glawischnig .................................................................................................... 74

Mag. Dr. Magda Bleckmann ........................................................................................ 77

Rudolf Nürnberger ....................................................................................................... 79

Fritz Grillitsch ............................................................................................................... 81

Dr. Peter Pilz ................................................................................................................. 82

Dr. Helene Partik-Pablé ............................................................................................... 83

Doris Bures ................................................................................................................... 85

Ridi Steibl ...................................................................................................................... 86

Mag. Werner Kogler ..................................................................................................... 88

Dr. Reinhard Eugen Bösch ......................................................................................... 89

Bundesminister Mag. Herbert Haupt ......................................................................... 91

Dr. Caspar Einem ......................................................................................................... 93

Peter Haubner ............................................................................................................... 94

Dr. Gabriela Moser ....................................................................................................... 96

Mag. Eduard Mainoni ................................................................................................... 97

Mag. Gisela Wurm ........................................................................................................ 98

Fritz Neugebauer ........................................................................................................ 100

Bundesminister Mag. Karl-Heinz Grasser .............................................................. 101

Karl Öllinger ................................................................................................................ 102

Dipl.-Ing. Uwe Scheuch ............................................................................................. 104

Josef Broukal .............................................................................................................. 105

Staatssekretärin Ursula Haubner ............................................................................. 106

Christine Marek .......................................................................................................... 108

Dr. Evelin Lichtenberger ........................................................................................... 109

Klaus Wittauer ............................................................................................................ 110

Kai Jan Krainer (tatsächliche Berichtigung) ............................................................... 111

Entschließungsantrag (Misstrauensantrag) der Abgeordneten Dr. Alexander Van der Bellen, Kolleginnen und Kollegen betreffend Versagen des Vertrauens gegenüber dem Bundesminister für Finanzen gemäß Artikel 74 Abs. 1 des Bun­des-Verfassungsgesetzes – Ablehnung .......................  63, 112

Gemeinsame Beratung über

3. Punkt: Bericht des Rechnungshofausschusses betreffend den Wahrneh­mungsbericht (III-29 d.B.) des Rechnungshofes über Teilgebiete der Gebarung des Bundes (229 d.B.) ................... 112

4. Punkt: Bericht des Rechnungshofausschusses betreffend den Wahrneh­mungsbericht (III-13 d.B.) des Rechnungshofes über Teilgebiete der Gebarung des Bundes (231 d.B.) ................... 112

Redner:

Dr. Günther Kräuter ..........................................................................................  112, 161

Hermann Gahr ............................................................................................................ 163

Mag. Werner Kogler ................................................................................................... 164

Detlev Neudeck ........................................................................................................... 166

Mag. Kurt Gaßner ....................................................................................................... 167

Gabriele Tamandl ....................................................................................................... 169

Michaela Sburny ......................................................................................................... 170

Mag. Dr. Magda Bleckmann ...................................................................................... 172

Gerhard Reheis .......................................................................................................... 172

Edeltraud Lentsch ...................................................................................................... 173

Dr. Kurt Grünewald .................................................................................................... 175

Nikolaus Prinz ............................................................................................................. 176

Mag. Ruth Becher ...................................................................................................... 177


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34. Sitzung / Seite 6

Johann Ledolter ......................................................................................................... 178

Karl Öllinger ................................................................................................................ 179

Christian Faul ............................................................................................................. 180

Ing. Erwin Kaipel ........................................................................................................ 181

Mag. Christine Lapp ................................................................................................... 182

Hermann Krist ............................................................................................................ 183

Dr. Christian Puswald ................................................................................................ 184

Rosemarie Schönpass .............................................................................................. 185

Herbert Scheibner ...................................................................................................... 186

Kenntnisnahme der beiden Berichte ............................................................................ 187

Gemeinsame Beratung über

5. Punkt: Bericht des Verkehrsausschusses über die Regierungsvorlage (203 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Schifffahrtsgesetz geändert wird (245 d.B.) ......................................................... 187

6. Punkt: Bericht des Verkehrsausschusses über die Regierungsvorlage (204 d.B.): Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über Seilbahnen erlassen wird (Seilbahngesetz 2003 – SeilbG 2003) und mit dem das Eisenbahn­ge­setz 1957 geändert wird (246 d.B.) ......................................................... 187

Redner:

Dr. Evelin Lichtenberger ........................................................................................... 187

Dipl.-Ing. Mag. Roderich Regler ............................................................................... 189

Gabriele Binder .......................................................................................................... 190

Anton Wattaul ............................................................................................................. 191

Astrid Stadler .............................................................................................................. 192

Mag. Dietmar Hoscher ............................................................................................... 193

Klaus Wittauer ............................................................................................................ 195

Franz Xaver Böhm ..................................................................................................... 196

Anita Fleckl ................................................................................................................. 198

Staatssekretär Mag. Helmut Kukacka ..................................................................... 199

Mag. Dr. Alfred Brader .............................................................................................. 200

Johannes Zweytick .................................................................................................... 201

Annahme der beiden Gesetzentwürfe .......................................................................... 201

7. Punkt: Bericht des Verkehrsausschusses über die Regierungsvorlage (46 d.B.): Protokoll vom 3. Juni 1999 betreffend die Änderung des Überein­kom­mens über den internationalen Eisenbahnverkehr (COTIF) vom 9. Mai 1980 (Pro­tokoll 1999) samt Erklärung der Republik Österreich (247 d.B.) ....... 202

Redner:

Werner Miedl ............................................................................................................... 202

Kurt Eder ..................................................................................................................... 204

Anton Wattaul ............................................................................................................. 206

Dr. Evelin Lichtenberger ........................................................................................... 207

Christoph Kainz .......................................................................................................... 208

Anton Heinzl ............................................................................................................... 209

Klaus Wittauer ............................................................................................................ 210

Franz Glaser ................................................................................................................ 211

Petra Bayr ................................................................................................................... 212

Josef Broukal (tatsächliche Berichtigung) ................................................................. 214

Staatssekretär Mag. Helmut Kukacka ..................................................................... 214

Mag. Eduard Mainoni ............................................................................................. ... 216


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Mag. Karin Hakl .......................................................................................................... 217

Peter Marizzi ............................................................................................................... 218

Genehmigung des Staatsvertrages ............................................................................. 219

8. Punkt: Bericht des Immunitätsausschusses über das Ersuchen des Stadt­magistrats Innsbruck (II-STR-02104/2003) um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Klaus Wittauer (216 d.B.) ...................................................................................................................... 219

Annahme des Ausschussantrages .............................................................................. 219

9. Punkt: Erste Lesung: Antrag der Abgeordneten Mag. Christine Lapp, Kolle­gin­nen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Straßenverkehrsordnung (StVO 1960) geändert wird (141/A) .......................................................................................................................... 220

Redner:

Mag. Christine Lapp ................................................................................................... 220

Werner Miedl ............................................................................................................... 221

Anton Wattaul ............................................................................................................. 221

Dr. Evelin Lichtenberger ........................................................................................... 222

Theresia Haidlmayr .................................................................................................... 222

Zuweisung des Antrages 141/A an den Verkehrsausschuss ...................................... 223

10. Punkt: Erste Lesung: Antrag der Abgeordneten Mag. Terezija Stoisits, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend ein Antidiskriminierungsgesetz (146/A) ....................................................... 223

Redner:

Mag. Terezija Stoisits ................................................................................................. 224

Matthias Ellmauer ...................................................................................................... 225

Mag. Walter Posch ..................................................................................................... 226

Dipl.-Ing. Elke Achleitner ........................................................................................... 227

Zuweisung des Antrages 146/A an den Ausschuss für Menschenrechte ................... 228

11. Punkt: Erste Lesung: Antrag der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Futter­mittel­gesetz geändert wird (150/A) ................ 228

Redner:

Mag. Johann Maier ..................................................................................................... 228

Martin Preineder ......................................................................................................... 229

Dipl.-Ing. Uwe Scheuch ............................................................................................. 229

Dipl.-Ing. Wolfgang Pirklhuber ................................................................................. 230

Dipl.-Ing. Werner Kummerer ..................................................................................... 231

Zuweisung des Antrages 150/A an den Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft ..... 231

Eingebracht wurden

Petition .......................................................................................................................... 39

Petition betreffend „Handelsware Wasser“ (Ordnungsnummer 14) (überreicht durch die Abgeordnete Erika Scharer)

Gesetzesantrag des Bundesrates ............................................................................ 39

232: Gesetzesantrag des Bundesrates vom 9. Oktober 2003 betreffend ein Bun­desverfassungsgesetz, mit dem das Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) geändert wird


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34. Sitzung / Seite 8

Regierungsvorlagen ................................................................................................... 39

217: Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über Fachhochschul-Studien­gänge (Fachhochschul-Studiengesetz) geändert wird

218: Protokoll über die Vorrechte und Immunitäten der Europäischen Orga­nisation für die Nutzung von Meteorologischen Satelliten (EUMETSAT) in der Fassung der Änderung vom 26. Juni 2001

223: Übereinkommen zur Durchführung der Bestimmungen des Seerechtsüber­einkommens der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1982 über die Erhaltung und Bewirtschaftung gebietsübergreifender Fischbestände und weit wandernder Fischbestände – Erklärungen

224: Außerstreitgesetz – AußStrG

225: Außerstreit-Begleitgesetz – AußStr-BegleitG

230: Vertrag zwischen dem Königreich Belgien, dem Königreich Dänemark, der Bun­desrepublik Deutschland, der Hellenischen Republik, dem Königreich Spa­nien, der Französischen Republik, Irland, der Italienischen Republik, dem Groß­herzogtum Luxemburg, dem Königreich der Niederlande, der Republik Öster­reich, der Portugiesischen Republik, der Republik Finnland, dem Königreich Schweden, dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland (Mitglied­staaten der Europäischen Union) und der Tschechischen Republik, der Republik Estland, der Republik Zypern, der Republik Lettland, der Republik Litauen, der Republik Ungarn, der Republik Malta, der Republik Polen, der Republik Slowe­nien, der Slowakischen Republik über den Beitritt der Tschechischen Republik, der Republik Estland, der Republik Zypern, der Republik Lettland, der Republik Litauen, der Republik Ungarn, der Republik Malta, der Republik Polen, der Re­publik Slowenien und der Slowakischen Republik zur Europäischen Union samt Schlussakte

233: Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über den Transport von Tieren auf der Straße (Tiertransportgesetz-Straße-TGSt) geändert wird

234: Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen und Dolmetscher (SDG) und das Bun­desgesetz über die Gerichts- und Justizverwaltungsgebühren (Gerichts­ge­büh­rengesetz – GGG) geändert werden

235: Bundesgesetz über die Verlegung des Bezirksgerichts Linz-Land nach Traun und die Änderung des Jugendgerichtsgesetzes 1988

236: Bundesgesetz, mit dem das Medizinproduktegesetz geändert wird

237: Bundesgesetz, mit dem das Zweckzuschussgesetz 2001 geändert wird

244: Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Republik Namibia über die Förderung und den Schutz von Investitionen samt Protokoll

Berichte ......................................................................................................................... 39

Vorlage 15 BA: Bericht über die Genehmigung von überplanmäßigen Ausgaben im 3. Quartal 2003; BM f. Finanzen

III-44: Bundesrechnungsabschluss für das Jahr 2002


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34. Sitzung / Seite 9

III-58: Tätigkeitsbericht der Bundeswettbewerbsbehörde 2002/2003; BM f. Wirt­schaft und Arbeit

III-59: Bericht des Akkreditierungsrates gemäß § 4 Abs. 9 UniAkkG, BGBl. I Nr. 168/1999 i.d.g.F., über die Tätigkeit des Akkreditierungsrates im Jahre 2002; BM f. Bildung, Wissenschaft und Kultur

III-60: Bericht des Fachhochschulrates gemäß § 6 Abs. 2 Z 7 FHStG über die Tätigkeit des Fachhochschulrates im Jahre 2002; BM f. Bildung, Wissenschaft und Kultur

III-61: Bericht des Universitätenkuratoriums im Sinne des § 83 Abs. 3 des UOG 1993 über seine Tätigkeit in den Kalenderjahren 2002/2003; BM f. Bildung, Wissenschaft und Kultur

III-62: Bericht über die Lage der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in Öster­reich 2002; BM f. Wirtschaft und Arbeit

Anträge der Abgeordneten

Dr. Eva Glawischnig, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Aufnahme der Musik CD in den Anhang H der Richtlinie 92/77/CEE des Rates vom 19. Oktober 1992 (236/A) (E)

Dr. Kurt Grünewald, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verbesserung der medizi­nischen Datenlage (237/A) (E)

Dr. Kurt Grünewald, Kolleginnen und Kollegen betreffend Einsetzung einer unabhän­gigen internationalen ExpertInnenkommission zur Klärung von Versorgungsdefiziten im Bereich der Kinderheilkunde in Österreich (238/A) (E)

DDr. Erwin Niederwieser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Schaffung von 100 000 Ganztagsplätzen in Schulen (239/A) (E)

Dr. Josef Cap, Kolleginnen und Kollegen auf Gebarungsüberprüfung durch den Rech­nungshof gemäß § 99 Abs. 2 GOG (240/A und Zu 240/A)

Dr. Alfred Gusenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Programm zur Konjunk­tur­belebung (241/A) (E)

Dkfm. Dr. Hannes Bauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend vierspurigen Ausbau der B 303 beziehungsweise E 59 (242/A) (E)

Petra Bayr, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz vom 6. Juli 1960, mit dem Vorschriften über die Straßenpolizei erlassen werden (Straßenverkehrsordnung 1960 – StVO 1960), BGBl. Nr. 159/1960, zuletzt ge­ändert mit BGBl. I Nr. 128/2002, geändert wird (243/A)

Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über eine nachhaltige Abfallwirtschaft (Abfallwirtschafts­gesetz 2002 – AWG 2002), BGBl. I Nr. 102/2002, geändert wird (244/A)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz geändert wird (245/A)

Anfragen der Abgeordneten

Doris Bures, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Wohnungsokkasionen für ÖVP-Parteigänger (859/J)


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34. Sitzung / Seite 10

Dr. Helene Partik-Pablé, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Artikel „Die Presse“ vom 20.08.2003 (860/J)

Anton Gaál, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung betreffend Wortlaut des Briefes von Bundesminister Scheibner an US General Walters von der DSCA (861/J)

Mag. Heribert Donnerbauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend ÖBB-Reform (862/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Ski- und Snowboarddiebstähle in Österreich – Daten 2002/2003 (863/J)

Mag. Melitta Trunk, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz be­treffend Missbrauch des Weisungsrechts zur Verfahrenseinstellung im Fall der falschen Zeugenaussage von Franz Koloini (864/J)

Heinz Gradwohl, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Ausnützung der Möglichkeit der Förderungen für besonders umwelt- und tiergerecht produzierende Betriebe durch die Umsetzung der EU-Agrarreform in Österreich (865/J)

Mag. Christine Muttonen, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Buchpreisbindung und beabsichtigte zentrale Beschaffung des Bundes für Bücher und Zeitschriften (866/J)

Petra Bayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend seine Einschätzung der Konsequenzen nach dem Scheitern des WTO-Gipfels in Cancun (867/J)

Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung in einem Bundestierschutzgesetz (868/J)

Mag. Werner Kogler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landes­verteidigung betreffend Einsatzfähigkeit der Draken nach 2003 (869/J)

Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Einsparungen bei den Tiertransport-Kontrollen (870/J)

Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Ver­kehr, Innovation und Technologie betreffend Einsparungen bei den Tiertransport-Kontrollen (871/J)

Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finan­zen betreffend Personaleinsparungen auf Kosten des Tierschutzes (872/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen be­treffend YLine (873/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Sicherheitswachebeamte – Überstundenerlass – Verminderung des Auf­wandes für Mehrleistungen im Jahre 2003 (874/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Ski- und Snowboarddiebstähle in Österreich – Daten 2002/2003 (875/J)


Nationalrat, XXII.GP
Stenographisches Protokoll
34. Sitzung / Seite 11

Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesund­heit und Frauen betreffend Ausbildung zahnärztlicher Assistentin/Assistenten (876/J)

Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Ge­sundheit und Frauen betreffend sozial-, gesundheits- und finanzpolitisch kontra­pro­duktive Schließung von GKK-Außenstellen am Beispiel der Außenstelle in Gratkorn in der Steiermark (877/J)

Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend sozial-, gesundheits- und finanzpolitisch kontraproduktive Schließung von GKK-Außenstellen am Beispiel der Außenstelle in Gratkorn in der Steiermark (878/J)

Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Ab­fangjäger-Aussagen, die vom Bundeskanzler der Republik Österreich zur Täuschung der Wählerinnen und Wähler vor der letzten Nationalratswahl getätigt wurden (879/J)

Ing. Erwin Kaipel, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Bedachtnahme auf die regionale Versorgungsstruktur durch Klein- und Mittelbetriebe durch die Bundesbeschaffung-Gesellschaft m.b.H. (880/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend wirklichkeitsfremde In­sera­tenkampagne zur Besteuerung der Unfallrenten (881/J)

Michaela Sburny, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Verkauf der Bundesimmobilie „Dürnhof“ im NÖ Zwettl (882/J)

Mag. Ulrike Lunacek, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für aus­wärtige Angelegenheiten betreffend Wahlempfehlung für Arnold Schwarzenegger auf Kulturseite der Homepage des Außenamtes (883/J)

Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Zivildienerzuweisung Oktober 2003 (884/J)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen be­treffend Vergabe-Vorgänge und politische Repressionen im Finanzministerium (885/J)

Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Vernichtung von Steuergeldern und die Ver­nichtung von Mitteln der Eisenbahnunternehmen und die Gefährdung von Men­schen­leben auf Grund der seit Jahren vom BMVIT verschleppten Modernisierung der Eisen­bahnkreuzungsverordnung (886/J)

Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend unterbliebene Meldung von Aktiengeschäften des Finanzministers an den Unvereinbarkeitsausschuss (887/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend EURATOM-Vertrag und Wettbewerbsrecht (888/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Aktien und Unvereinbarkeit (889/J)


Nationalrat, XXII.GP
Stenographisches Protokoll
34. Sitzung / Seite 12

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten betreffend Aktien und Unvereinbarkeit (890/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung, Wis­senschaft und Kultur betreffend Aktien und Unvereinbarkeit (891/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit und Frauen betreffend Aktien und Unvereinbarkeit (892/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Aktien und Unvereinbarkeit (893/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Aktien und Unvereinbarkeit (894/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landes­vertei­digung betreffend Aktien und Unvereinbarkeit (895/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Aktien und Unvereinbarkeit (896/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Aktien und Unvereinbarkeit (897/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Inno­vation und Technologie betreffend Aktien und Unvereinbarkeit (898/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Aktien und Unvereinbarkeit (899/J)

Mag. Ulrike Lunacek, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für aus­wärtige Angelegenheiten betreffend Finanzierung des Filmteams, das die Außen­ministerin bei der UNO-Generalversammlung in New York begleitete (900/J)

Dipl.-Ing. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend das proble­ma­tische Engagement der ÖBf AG in der Ukraine (901/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend „Kinderschänder von Saalfelden – Unschuldiger tagelang verfolgt – Ver­mutlicher Täter entkam – Erst nach zwei Monaten in Moldawien verhaftet!“ (902/J)

Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend treuhändigen Aktienbesitz (903/J)

Astrid Stadler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Inno­vation und Technologie betreffend Umsetzung des Generalverkehrsplanes in Tirol – „Verkehrsprojekte Tschirgant-Tunnel und zweite Röhre Roppener Tunnel“ (904/J)

Mag. Ruth Becher, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend die katastrophalen und unhaltbaren baulichen Zustände der HTL Donaustadt (905/J)

Mag. Ruth Becher, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend die katastrophalen und unhaltbaren baulichen Zustände der HTL Donaustadt (906/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen be­treffend Treuhänder (907/J)

Dipl.-Ing. Klaus Hubert Auer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Sondermautstrecken – Einführung der fahrleistungsabhängigen LKW-Maut (908/J)


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34. Sitzung / Seite 13

Dipl.-Ing. Klaus Hubert Auer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Sondermautstrecken – Einführung der fahrleistungsabhängigen LKW-Maut (909/J)

Dkfm. Dr. Günter Stummvoll, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Auswirkungen des Konjunkturpaketes I und II der Bundes­regie­rung (910/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Verschwendung von Steuermitteln – Ungereimtheiten in parlamentarischen Anfragebeantwortungen (911/J)

Dr. Helene Partik-Pablé, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirt­schaft und Arbeit betreffend Vertragsverhältnis zwischen der SPÖ-Firma Cafe „Glo­riette“ Betriebs GmbH und der Schloß-Schönbrunn Kultur Betriebs GmbH (912/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen be­treffend Aktien, Treuhänder und Verfassungsbruch (913/J)

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Förderungen, Aufwendungen, Projekte und sonstige Leistungen des Ressorts für das Bundesland Kärnten (914/J)

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundes­­ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend Förderungen, Aufwendun­gen, Projekte und sonstige Leistungen des Ressorts für das Bundesland Kärnten (915/J)

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Förderungen, Aufwendungen, Projekte und sonstige Leistungen des Ressorts für das Bundesland Kärnten (916/J)

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundes­ministerin für Gesundheit und Frauen betreffend Förderungen, Aufwendungen, Projek­te und sonstige Leistungen des Ressorts für das Bundesland Kärnten (917/J)

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Förderungen, Aufwendungen, Projekte und sonstige Leistungen des Ressorts für das Bundesland Kärnten (918/J)

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Förderungen, Aufwendungen, Projekte und sonstige Leistungen des Ressorts für das Bundesland Kärnten (919/J)

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung betreffend Förderungen, Aufwendungen, Projekte und sonstige Leistungen des Ressorts für das Bundesland Kärnten (920/J)

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Förderungen, Aufwendungen, Projekte und sonstige Leistungen des Ressorts für das Bundesland Kärnten (921/J)

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Förderungen, Aufwendungen, Projekte und sonstige Leistungen des Ressorts für das Bundesland Kärnten (922/J)


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34. Sitzung / Seite 14

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Förderungen, Aufwendungen, Pro­jekte und sonstige Leistungen des Ressorts für das Bundesland Kärnten (923/J)

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Förderungen, Aufwendungen, Projekte und sons­tige Leistungen des Ressorts für das Bundesland Kärnten (924/J)

Gerhard Steier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres be­treffend Auswirkungen des „Team04“-Konzepts der „Exekutive Neu“ auf das Burgen­land (925/J)

Dr. Helene Partik-Pablé, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Beteiligung der Firma „Merkur-Unternehmensbeteiligung, Vermögensverwaltung und Finanzierungsvermittlung Gesellschaft mbH“ (926/J)

DDr. Erwin Niederwieser, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend Härtefälle bei den Studienabschluss-Stipendien (927/J)

Dr. Eva Glawischnig, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Zur Lage der österreichischen Filmwirtschaft (928/J)

Mag. Werner Kogler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Rahmenverträge für Beratungstätigkeit (929/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend kriminelle ÖVP-Manipulationen im Internet – Namensfälschung durch ÖVP-Salzburg (930/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend kriminelle ÖVP-Manipulationen im Internet – Namensfälschung durch ÖVP-Salzburg (931/J)

Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Vernichtung von Steuergeldern – Teil 3 (932/J)

Mag. Barbara Prammer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit und Frauen betreffend das Programm DAPHNE, das EU-Aktionsprogramm zur Unterstützung vorbeugender Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen (933/J)

Mag. Barbara Prammer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend das Programm DAPHNE, das EU-Aktionsprogramm zur Unterstützung vorbeugender Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen (934/J)

Mag. Barbara Prammer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend das Programm DAPHNE, das EU-Aktionsprogramm zur Unterstützung vor­beugender Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen (935/J)

Mag. Barbara Prammer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend die Regionalisierung der Kunstförderung des Bundes (936/J)


Nationalrat, XXII.GP
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34. Sitzung / Seite 15

Gerhard Reheis, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend die Regionalisierung der Kunstförderung des Bundes (937/J)

Gerhard Reheis, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend die Modernisierung des Bahnhofes Imst-Pitztal und den zweigleisigen Bahnausbau der Strecke Ötztal–Landeck (938/J)

Heidrun Walther, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend die Mobilität von Frauen im ländlichen Raum (939/J)

Dr. Johannes Jarolim, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend die Reform der Geschworenengerichtsbarkeit (940/J)

Gerhard Steier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend die Regionalisierung der Kunstförderung des Bundes (941/J)

Josef Broukal, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung, Wis­senschaft und Kultur betreffend Definitivstellung von Universitätsbediensteten (942/J)

Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend den inakzeptablen EURATOM-Vertrag und Österreichs Beitrag zur Förderung der Nuklear­industrie (943/J)

Ulrike Königsberger-Ludwig, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler be­treffend die Regionalisierung der Kunstförderung des Bundes (944/J)

Anita Fleckl, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend die Re­gionalisierung der Kunstförderung des Bundes (945/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend die Regionalisierung der Kunstförderung des Bundes (946/J)

Stefan Prähauser, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend die Entwicklung der Kriminalität im Bundesland Salzburg (947/J)

Stefan Prähauser, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Autobahnhalbanschluss Siezenheim (948/J)

Mares Rossmann, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Anstieg von Straftaten und Personalnot der Grazer Polizei (949/J)

Mag. Christine Muttonen, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend die Regionalisierung der Kunstförderung des Bundes (950/J)

Rudolf Parnigoni, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend alarmierende Zustände im Flüchtlingslager Traiskirchen (951/J)

Mag. Melitta Trunk, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, In­novation und Technologie betreffend Trassenführung der Koralmbahn im Bereich der Tourismusregion Klopeiner See–Turnersee (952/J)

Kurt Eder, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend die Abhörsicherheit österreichischer Mobiltelefone (953/J)

Kurt Eder, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Einführung von privaten Mautsheriffs zur Kontrolle des LKW-Road-Pricings (954/J)

Anton Heinzl, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, In­no­vation und Technologie betreffend Klagen gegen ÖBB-Mitarbeiter (955/J)


Nationalrat, XXII.GP
Stenographisches Protokoll
34. Sitzung / Seite 16

Georg Oberhaidinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Sicherheit der Stromversorgung in Österreich (956/J)

Kurt Eder, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend höhere Kaskoversicherungsbedingungen für L-17-Ausbil­dungs­fahrten (957/J)

Bettina Stadlbauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend den „Weltgipfel über die Informationsgesellschaft in Genf Dezember 2003 und in Tunis 2005“ (958/J)

Bettina Stadlbauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit und Frauen betreffend den „Weltgipfel über die Informationsgesellschaft in Genf Dezember 2003 und in Tunis 2005“ (959/J)

Bettina Stadlbauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend die UNIFEM-Studie „Women, War and Peace“ (960/J)

Bettina Stadlbauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landes­verteidigung betreffend die UNIFEM-Studie „Women, War and Peace“ (961/J)

Mag. Terezija Stoisits, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend die genaue Aufschlüsselung der Minderheiten­förderung des BMBWK in den Jahren 2000, 2001, 2002 (962/J)

*****

Mag. Heribert Donnerbauer, Kolleginnen und Kollegen an den Präsidenten des Nationalrates betreffend Sicherheit im und um das Parlament (10/JPR)

Anfragebeantwortungen

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Helene Partik-Pablé, Kolleginnen und Kollegen (725/AB zu 745/J)

des Präsidenten des Rechnungshofes auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (726/AB zu 752/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten DDr. Erwin Niederwieser, Kolleginnen und Kollegen (727/AB zu 748/J)

des Bundesministers für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz auf die Anfrage der Abgeordneten Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen (728/AB zu 769/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Anton Heinzl, Kolleginnen und Kollegen (729/AB zu 755/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Karl Dobnigg, Kolleginnen und Kollegen (730/AB zu 794/J)

des Bundesministers für Justiz auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (731/AB zu 732/J)

des Bundesministers für Justiz auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Dr. Magda Bleckmann, Kolleginnen und Kollegen (732/AB zu 782/J)


Nationalrat, XXII.GP
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34. Sitzung / Seite 17

des Bundesministers für Justiz auf die Anfrage der Abgeordneten Bettina Stadlbauer, Kolleginnen und Kollegen (733/AB zu 739/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Eva Glawischnig, Kolleginnen und Kollegen (734/AB zu 775/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Caspar Einem, Kolleginnen und Kollegen (735/AB zu 754/J)

der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Anfrage der Abgeordneten Ing. Erwin Kaipel, Kolleginnen und Kollegen (736/AB zu 801/J)

des Bundesministers für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Eva Glawischnig, Kolleginnen und Kollegen (737/AB zu 776/J)

des Bundesministers für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Barbara Prammer, Kolleginnen und Kollegen (738/AB zu 744/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (739/AB zu 737/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (740/AB zu 729/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (741/AB zu 731/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (742/AB zu 733/J)

der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Anfrage der Abge­ordneten Erika Scharer, Kolleginnen und Kollegen (743/AB zu 738/J)

der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Anfrage der Abge­ordneten Josef Broukal, Kolleginnen und Kollegen (744/AB zu 746/J)

der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Anfrage der Abge­ordneten Dr. Eva Glawischnig, Kolleginnen und Kollegen (745/AB zu 780/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Rainer Wimmer, Kolleginnen und Kollegen (746/AB zu 751/J)

des Bundeskanzlers auf die Anfrage der Abgeordneten Josef Broukal, Kolleginnen und Kollegen (747/AB zu 747/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen (748/AB zu 765/J)

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (749/AB zu 741/J)

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (750/AB zu 743/J)


Nationalrat, XXII.GP
Stenographisches Protokoll
34. Sitzung / Seite 18

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen (751/AB zu 750/J)

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Eva Glawischnig, Kolleginnen und Kollegen (752/AB zu 777/J)

der Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten auf die Anfrage der Abge­ordneten Dr. Caspar Einem, Kolleginnen und Kollegen (753/AB zu 753/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen (754/AB zu 766/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen (755/AB zu 764/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen (756/AB zu 763/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen (757/AB zu 761/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen (758/AB zu 760/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen (759/AB zu 758/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen (760/AB zu 757/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen (761/AB zu 762/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Eva Glawischnig, Kolleginnen und Kollegen (762/AB zu 778/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten DDr. Erwin Niederwieser, Kolleginnen und Kollegen (763/AB zu 749/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Ruth Becher, Kolleginnen und Kollegen (764/AB zu 725/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (765/AB zu 734/J)

der Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Ulrike Lunacek, Kolleginnen und Kollegen (766/AB zu 774/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen (767/AB zu 759/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abge­ordneten Anton Heinzl, Kolleginnen und Kollegen (768/AB zu 756/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen (769/AB zu 767/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Evelin Lichtenberger, Kolleginnen und Kollegen (770/AB zu 772/J)


Nationalrat, XXII.GP
Stenographisches Protokoll
34. Sitzung / Seite 19

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Eva Glawischnig, Kolleginnen und Kollegen (771/AB zu 779/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Erika Scharer, Kolleginnen und Kollegen (772/AB zu 783/J)

des Bundesministers für Finanzen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen (773/AB zu 724/J)

des Bundesministers für Finanzen auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Johannes Jarolim, Kolleginnen und Kollegen (774/AB zu 726/J)

des Bundesministers für Finanzen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (775/AB zu 742/J)

des Bundesministers für Finanzen auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Evelin Lichtenberger, Kolleginnen und Kollegen (776/AB zu 771/J)

des Bundesministers für Finanzen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Dr. Magda Bleckmann, Kolleginnen und Kollegen (777/AB zu 781/J)

des Bundesministers für Landesverteidigung auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (778/AB zu 740/J)

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Dietmar Hoscher, Kolleginnen und Kollegen (779/AB zu 727/J)

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (780/AB zu 736/J)

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Ulrike Lunacek, Kolleginnen und Kollegen (781/AB zu 773/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten DDr. Erwin Niederwieser, Kolleginnen und Kollegen (782/AB zu 793/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (783/AB zu 790/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Heribert Donnerbauer, Kolleginnen und Kollegen (784/AB zu 862/J)

des Bundesministers für Landesverteidigung auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Josef Cap, Kolleginnen und Kollegen (785/AB zu 812/J)

*****

des Präsidenten des Nationalrates auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen (9/ABPR zu 9/JPR)

des Präsidenten des Nationalrates auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Heribert Donnerbauer, Kolleginnen und Kollegen (10/ABPR zu 10/JPR)

 



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34. Sitzung / Seite 20

Beginn der Sitzung: 9.05 Uhr

Vorsitzende: Präsident Dr. Andreas Khol, Zweiter Präsident Dr. Heinz Fischer, Dritter Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn.

*****

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Meine Damen und Herren! Ich bitte Sie, die Plätze ein­zunehmen. Ich eröffne die 34. Sitzung des Nationalrates und begrüße Sie alle sehr herzlich.

Die Amtlichen Protokolle der 32. und 33. Sitzung vom 24. September 2003 sind in der Parlamentsdirektion aufgelegen und unbeanstandet geblieben.

Als verhindert gemeldet ist Herr Abgeordneter Lackner.

Einlauf

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Ferner liegt mir ein Schreiben des Herrn Bundes­kanz­lers mit folgendem Wortlaut vor:

„Ich beehre mich mitzuteilen, dass der Herr Bundespräsident mit Entschließung vom 21. Oktober 2003, Zl. 300.000/005-BEV/03, gemäß Artikel 74 Absatz 3 Bundes-Verfas­sungs­gesetz den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsu­men­ten­schutz Vizekanzler Mag. Herbert Haupt vom Amt als Vizekanzler enthoben hat.

Gleichzeitig hat der Herr Bundespräsident auf meinen Vorschlag gemäß Arti­kel 70 Absatz 1 Bundes-Verfassungsgesetz Herrn Bundesminister für Verkehr, Innova­tion und Technologie Hubert Gorbach zum Vizekanzler ernannt.

Wolfgang Schüssel“

*****

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Der Herr Bundeskanzler und der Herr Vizekanzler ha­ben ihre Absicht bekannt gegeben, gemäß § 19 Abs. 2 des Geschäftsordnungsge­setzes Erklärungen abzugeben. Diese stehen als Punkte 1 und 2 auf der Tages­ordnung.

Darüber hinaus liegt ein Verlangen von fünf Abgeordneten vor, über diese Erklärungen gemäß § 81 Abs. 1 des Geschäftsordnungsgesetzes sogleich eine gemeinsame De­batte durchzuführen. Die Erklärungen sowie die anschließende Debatte werden im An­schluss an die Aktuelle Stunde stattfinden.

Aktuelle Stunde

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir gelangen nunmehr zur Aktuellen Stunde mit dem Thema:

„Generationenreiches Österreich“

Als Erste zu Wort gemeldet hat sich Frau Abgeordnete Rosenkranz. Ich erteile ihr das Wort und darf sie bitten, die Redezeitbeschränkung von 10 Minuten zu beachten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 



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9.07

Abgeordnete Barbara Rosenkranz (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Sehr verehrter Herr Minister! Frau Staatsekretärin! Hohes Haus! „Generationenreiches Österreich“: Die Entwicklung der österreichischen Bevölkerung ist von zwei Konstanten gekennzeichnet. Das erste Mal in der Geschichte leben vier Generationen zeitgleich. Die meisten von uns haben ihre Großeltern noch gut kennen gelernt, viele haben sogar ihre Urgroßeltern kennen gelernt – eine an sich sehr erfreuliche Entwicklung. Das sich weit über die Generationen hinaus spannende Wissen und auch die Erfahrung aus authentischer Erinnerung sowie die Möglichkeit, diese an Jüngere weiterzugeben, sind natürlich ein großer Gewinn für das kollektive Bewusstsein, an sich ein großer Gewinn für die gesamte Gesellschaft. (Der Geräuschpegel im Sitzungssaal ist hoch.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Meine Damen und Herren! Ich bitte Sie, den all­gemeinen Geräuschpegel zu senken. Wir haben in der Präsidialkonferenz vereinbart, dass wir hier aufmerksam zuhören. – Frau Kollegin, Sie sind am Wort.

 


Abgeordnete Barbara Rosenkranz (fortsetzend): Danke vielmals, Herr Präsident. – Die zweite Konstante allerdings ist, dass die Zahl der jungen Menschen immer geringer wird. Es ist ein Verdienst dieser Regierung, dass sie das erste Mal, nachdem die öster­reichische Politik dem gegenüber jahrzehntelang ignorant geblieben ist, die Tatsache ins Bewusstsein und in die politische Debatte gehoben hat, dass die demographische Entwicklung eine Grundtatsache ist, die alle wirtschaftlichen und sozialen Entwicklun­gen beeinflusst und damit auch die politischen Konsequenzen beeinflussen muss.

Was sagt die Statistik Austria dazu? – Die Statistik Austria fasst das schon im Titel sehr gut zusammen. (Der Geräuschpegel im Sitzungssaal ist weiterhin hoch.) – Ich glaube, ich muss ein bisschen provokantere Dinge sagen, damit hier Ruhe einkehrt! Daran sieht man, wie wenig wichtig dieses Thema noch immer genommen wird, obwohl es letztlich entscheidend für uns alle sein wird. Jetzt sind wir jung, rüstig, sitzen hier im Parlament und beschließen Gesetze, auch über die Pensionsreform, aber irgendwann einmal werden wir diejenigen sein, die das zu erleiden oder sich an dem zu erfreuen haben, was wir hier machen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Die Statistik Austria fasst zusammen: Die Menschen werden immer älter, und es wer­den immer weniger Kinder geboren. Drei Eckdaten dazu: Zurzeit sind 1,7 Millionen Menschen – das sind 21 Prozent der österreichischen Bevölkerung – über 60 Jahre alt. Im Jahre 2030 werden das 2,9 Millionen Menschen sein – 36 Prozent, also jeder Dritte. Vor allem aber wird die Zahl der über 80-Jährigen bis 2030 massiv steigen, und zwar von 290 000 auf 600 000 – das ist eine Verdoppelung!

Noch ein Wort vor allem zu den sehr jungen Abgeordneten: Der Mensch neigt dazu, die Dinge sehr statisch zu sehen – vor allem wenn man jung ist, kann man sich über­haupt nicht vorstellen, dass man irgendwann einmal alt sein wird. Es wird oftmals so gesehen: Hier sind wir, die Jungen, und dort sind die Alten; und wir schaffen nun die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dafür, wie diese Alten leben werden! Es wird dabei aber nicht bedacht, dass wir dabei von uns reden – 2030 werden die meisten von uns, die wir hier sitzen, über 60 sein, im Jahr 2050 werden wir es dann alle sein.

Das, was wir jetzt hier sagen, sagen wir über uns; und das, was wir hier in die Wege leiten, leiten wir für uns in die Wege. Es ist nämlich nicht so, dass wir „die Jungen“ sind, und irgendwo gibt es „die Alten“, sondern wir bestimmen damit unseren eigenen Lebensweg mit! Das muss man zur Kenntnis nehmen, auch dann, wenn es darum geht, zu sagen: Wir Jungen wollen diese hohen Lasten nicht mehr tragen. – Gerade die jetzt Jungen müssen darauf achten, dass sie, die dann Alten, noch eine Pension bekommen! Eine Klage darüber, dass es zu viel sei, was man jetzt für die Alten tut, ist


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an und für sich eine Klage, die die eigene Altersversorgung in Frage stellt. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Die Bevölkerungsentwicklung ist also nicht linear, sondern dynamisch. Würde nur – und das wäre ja an sich sehr erfreulich – die Lebenserwartung steigen, wäre es ganz einfach: Wir müssten vielleicht ein bisschen bei der Lebensarbeitszeit nachjustieren, viel­leicht auch die Pensionen ein bisschen reduzieren – alles relativ einfach. Der eigentliche Zündstoff ist aber die Frage der Zusammensetzung der Bevölkerung, ihrer Struktur! Diese Erkenntnis hat sich offenbar noch nicht jeder zu Eigen gemacht, denn sonst könnte es nicht zu so einfachen Lösungsvorstellungen kommen.

Die Gesellschaft wird sich massiv verändern, wenn es immer weniger Junge und im­mer mehr Alte gibt! Dass das eine massive Auswirkung auf die sozialen Einrichtungen hat, das hat jetzt jeder erkennen müssen – allerdings erst zu jenem Zeitpunkt, als es schlagend geworden ist. Man hätte das auch schon vor 30 Jahren wissen können: Man hat immer gewusst, dass der geburtenstärkste Jahrgang des Jahrhunderts, nämlich der Jahrgang 1940, im Jahr 2000 in Frühpension gehen und im Jahre 2005 regulär in Pension gehen wird. Man hätte also ganz genau wissen können, was passieren wird: Im Jahr 2000 wird man massiv eingreifen müssen, und wenn man es 2005 nicht noch einmal machen will, dann muss man vorher schon etwas tun. Es handelt sich da um keine Voraussagen oder Prognosen, sondern um statistische Gewissheiten. Dennoch ist das bis jetzt ignoriert worden. Erst dann, als es schlagend geworden ist, hat man reagieren müssen.

Ähnlich wenig verantwortungsbewusst verhalten sich viele jetzt bei den Schluss­folge­rungen daraus, nämlich dass demographische Entwicklungen politische Konzepte nach sich ziehen müssen. Man versucht jetzt alles, nur eines nicht, nämlich es irgendwie zustande zu bringen, dass die Bevölkerungsstruktur wieder ausgeglichen wird. Da wird einmal vorgeschlagen, man müsse die Produktivität steigern: Viel Glück dabei! In einer alternden Gesellschaft ist ja die Nachfrage eine ganz andere. Es ist mittlerweile unbe­stritten, dass gerade alternde Gesellschaften natürlich auch massiv gedämpfte Wirt­schaftswachstumsraten nach sich ziehen werden. Das ist ja eigentlich auch leicht ver­ständlich: Den Wirtschaftsstandort Seniorenheim, den wird es einfach nicht geben.

Man hat auch damit zu rechnen, dass die Arbeitslosigkeit steigen wird, weil auch viel weniger dynamische junge Leute, die bereit sind, Arbeitsplätze zu schaffen, vorhanden sein werden. Man wird sich darauf einstellen müssen, aber man wird keinesfalls sagen können, dass man mit einer gesteigerten Produktivität – die sich nicht abspielen wird; sie hat sich ja auch in den letzten zehn Jahren nicht abgespielt, obwohl davon immer die Rede war – den Ausfall an Jungen kompensieren könnte.

Oder aber es gibt die Vorstellung: Machen wir es eben dann, wenn es wenige Beitrags­zahler gibt, steuerfinanziert! – Gerade das Steueraufkommen wird natürlich bei einer Bevölkerung, in der sich immer mehr Leute im Ruhestand und immer weniger im Er­werbsleben befinden, massiv sinken.

All das sind keine Lösungen, und das sollten wir hier auch zur Kenntnis nehmen. Wir können nicht, so wie wir das Problem zuerst jahrzehntelang ignoriert haben, jetzt wie­derum jahrzehntelang falschen Lösungen anhängen, weil sie uns ideologisch sehr gut gefallen. Da müsste man sich schon fragen, wie naiv und wie unrealistisch ein Politiker sein darf, dass man ihn nicht unverantwortlich nennen muss.

Die am nächsten liegende Lösung, nämlich die Rahmenbedingungen für Familien so zu verbessern, dass jeder, der Kinder haben möchte – ich sage nicht, dass jeder Kin­der haben muss! –, sie auch haben kann, diese nahe liegende Lösung werden wir ins Auge fassen müssen.


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Ich darf auch eines zur Kenntnis bringen: Die Bevölkerungsstruktur im Gesamten muss ausgeglichen sein! Das heißt also, für jede Frau, die kein Kind haben möchte oder keines hat, muss eine andere vier Kinder haben; für jede, die nur eines hat oder nur eines haben möchte, muss eine andere drei Kinder haben! Das heißt also, dass die Rahmenbedingungen so sein müssen, dass Vierkinderfamilien, Dreikinderfamilien eine Normalität werden. Sie wissen aber, wie es heute ist: Ab dem dritten Kind fällt eine Beamtenfamilie unter die Armutsgrenze, bei Arbeiterfamilien ist dies bereits ab dem zweiten Kind der Fall.

Familien sind die Drehscheibe der Generationensolidarität. Das sieht man auch, wenn man sich fragt: Wie werden die alten Leute betreut? – 85 Prozent der alten Menschen werden zu Hause betreut. Und dennoch kommen wir an die Leistungsgrenze unserer finanziellen Möglichkeiten! Es werden jene, die in der Familie betreut werden, natürlich in Hinkunft immer weniger sein, weil viele Leute gar keine Verwandten mehr haben. Dennoch: Die Leute wollen das auch! Der überwiegende Anteil der alten Menschen sagt, dass sie in der Familie betreut werden wollen. Und es ist dies auch vernünftig: Die Familie ist nicht nur der Ort, wo Kinder heranwachsen, sondern sie ist auch der Ort, wo die dann erwachsenen Kinder ihren alten Eltern diesen Dienst angedeihen lassen, weil sie miteinander verbunden sind.

Ich sage jetzt noch etwas: Zuwanderung wird diese Frage nicht lösen können, denn es geht nicht nur darum, wer mit wem wohnt, sondern auch darum, wie diese Menschen miteinander verbunden sind! Es ist eine ungeheure Zumutung an die Zuwanderer zu glauben, dass sie, die ja selbst alte Eltern haben, in liebevoller Zuwendung für uns Alte aufkommen werden, und es ist überdies auch eine irreale Vorstellung, was die Inte­grationsfähigkeit betrifft – ich weiß nicht, welche Titanenarbeit Sie sich da zumuten wollen, um das sicherzustellen. Nur ein Beispiel: Wien hat, bedingt durch die Zuwan­derung, die jüngste Bevölkerung – und Wien hat immer wieder „Lainz“! – So schaut es aus.

Es führt kein Weg daran vorbei, die Barrieren abzubauen, die Familien mit Kindern ent­gegenstehen. Es führt kein Weg daran vorbei, wenn wir unseren Sozialstaat, unsere soziale Sicherheit und die Identität unseres Landes bewahren wollen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

9.17

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Für eine einleitende Stellungnahme hat sich Herr Bundesminister Mag. Haupt zu Wort gemeldet. Seine Redezeit soll 10 Minuten nicht überschreiten. – Bitte, Herr Minister.

 


9.17

Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz Mag. Herbert Haupt: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Hohes Haus! Das Schicksal des Staates hängt vom Zustand seiner Generationen ab. Alle Generationen sollen in einem sicheren Staat eine sichere und freie Lebensge­staltung haben. Diese Bundesregierung hat sich das zum Ziel gesetzt.

Die Generationen spiegeln sich am besten in der Familie wider. Familie bedeutet für uns: der gesellschaftliche Zusammenhalt der Generationen in einem Verband – sei es das Kind, sei es die Frau, sei es der Mann, sei es die Generation der Senioren und Pensionisten. Die Familie bedeutet Schutz, soziale Sicherheit, sozialen Zusammenhalt für alle Generationen, daher hat diese Bundesregierung der Familie ihr besonderes Au­genmerk gewidmet. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Verantwortungsvolle Generationenpolitik umfasst daher alle Bereiche des Lebens: Vom Kinderbetreuungsgeld, dem sozialpolitischen Meilenstein dieser Koalitionsre­gie-


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rung, über die Sicherung von Arbeitsplätzen in schwierigen Zeiten an der Spitze der europäischen Staaten bis hin zu den Rahmenbedingungen für zu pflegende ältere Mitmenschen – der Pflegehospiz – reicht die Palette der Maßnahmen, die diese und die vorangegangene Bundesregierung gesetzt haben. Wir haben in den letzten dreieinhalb Jahren gemeinsam viele Maßnahmen getroffen, die allen Generationen in unserem Lande soziale Sicherheit und mehr Sicherheit geben werden. Wir können auf einzigartige Leistungen im europäischen Vergleich verweisen: Ich behaupte, sehr ge­ehrte Damen und Herren: Österreich ist das europäische Familienland der Mus­ter­klasse! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Wir haben mit dem Kindergeld die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich ver­bessert. Wir haben mit dem Recht auf Elternteilzeit nunmehr vor, dieses Angebot zu komplementieren. Wir werden auch das Kindergeld für Mehrlingsgeburten mit 1.1.2004 ausweiten.

Die Familienbeihilfe wurde mit 1. Jänner 2003 trotzdem in allen Bereichen deutlich erhöht. Wir schaffen auch sukzessive eine eigenständige Alterssicherung für Frauen, und wir verankern die Kinderrechte in der Verfassung, sehr geehrte Damen und Her­ren!

All das sind wichtige Maßnahmen, die wir im Spitzenfeld der europäischen Gemein­samkeit als Erste in Österreich umsetzen. Man sollte hier die Vorreiterrolle Österreichs im Bereich der Familienpolitik nicht gering schätzen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Ich habe als Frauen- und dann auch als Generationenminister durchsetzen können, dass wir entscheidende Maßnahmen gegen Gewalt gegen Kinder, gegen Gewalt in den Medien endlich auch in der europäischen Agenda implementieren konnten und diesem verheerenden Weg, dass gegen Gewalt in unseren Medien und gegen Gewalt gegen Kinder zu wenig getan wird, nun Einhalt gebieten können. Wir sind für mehr Sicherheit in diesem Bereich, und wir werden das in dieser Bundesregierung mit aller Härte durchsetzen, sehr geehrte Damen und Herren! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Wir wollen keine wochenlangen Diskussionen wie in Portugal zum Thema sexuelle Übergriffe gegen Kinder. Wir wollen eine klare rechtliche Regelung, wir wollen die Kin­der vor Übergriffen von Gewalt und sexueller Gewalt schützen. Das ist das Ziel der Freiheitlichen, das ist das Ziel der österreichischen Bundesregierung, und das werden wir umsetzen!

Wir haben Maßnahmen gegen die Gewalt in den Medien gesetzt, und wir werden ein Auge darauf haben, dass sich auch die neue Führung im ORF dessen bewusst wird, dass Gewalt in den Medien keine Bagatelle, sondern eine Vorbereitung zu Gewalt in der Gesellschaft ist.

Wir werden auch darauf achten, dass das Pflegegeld für Kinder mit Behinderungen, das von uns ab der Geburt eingeführt wurde, in dieser Legislaturperiode nicht nur für Kinder, sondern für betroffene Menschen aller Generationen erhöht werden wird. Wir arbeiten an einem Gleichstellungsgesetz für Behinderte. Ich darf Sie, sehr geehrte Damen und Herren hier im Parlament, darum ersuchen, endlich die Situation von be­hinderten Menschen so zu berücksichtigen, dass sie vor Übergriffen im Bereich der Forschung und Medizin so geschützt sind, dass wir ruhigen Gewissens in Zukunft in Österreich die Biotechnologierichtlinie verabschieden können.

Ich darf Sie auf das Ergebnis der Ethikkommission dieser Bundesregierung für die behinderten Menschen in Österreich verweisen. Ich ersuche Sie dringend, diese Ergebnisse endlich mit uns gemeinsam im österreichischen Parlament umzusetzen,


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weil wir die beste Sicherheit haben werden, wenn es eine verfassungsmäßige Mehrheit und Implementierung gibt. Es gibt allerdings auch über das ABGB einen Weg, aber das ist nur der zweitbeste Weg.

Wir werden ein Maßnahmenpaket für ältere Arbeitnehmer schnüren. Wir haben es als Erstes bereits geschafft, für ältere Arbeitnehmer ab 1. Jänner 2004 eine deutliche Ent­lastung der Lohn- und Lohnnebenkosten zu erreichen. Wir werden darüber hinaus im Strukturpaket für die Beschäftigung der Älteren, aber auch für die Beschäftigung der Jüngeren in dieser Gesellschaft mehr tun.

Mit den 1 000 € für Lehrlingsausbildung zahlen wir im Endeffekt für die Betriebe die Berufsausbildung. Wir haben bei der Lehrlingsausbildung einiges erreicht. Wir werden aber bei der Lehrlingsausbildung noch erreichen müssen, dass es komplette Lehrlings­ausbildungen auch durch freiwillige Verbünde der Betriebe gibt – so wie es in Vorarl­berg der Fall ist –, damit mehr Lehrlinge in Österreich unter Einbindung des dualen Systems und unter Einbindung von Lehrlingswerkstätten eine Zukunft am Arbeitsmarkt und nicht eine Zukunft außerhalb der Gesellschaft haben.

Wir senken mit 1. Jänner 2004 in einer ersten Etappe die Steuern: Bis zu einer Höhe von 14 000 € wird es keine Einkommensteuer und keine Steuerleistungen mehr aus dem Bereich der Lohnsteuer geben. Morgen wird hier im Parlament ein Antrag dis­kutiert, in dem man von 10 000 € Steuerfreiheit geträumt hat. Ab 1. Jänner 2004 wird das Gesetz umgesetzt und Realität werden. Die Bundesregierung ist Vorreiterin in diesem Bereich, sehr geehrte Damen und Herren! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Wir haben gemeinsam mit den Sozialpartnern in der vergangenen Legislaturperiode die „Abfertigung neu“ geschaffen. Vorher hatten nur 20 Prozent der Arbeitneh­me­rinnen und Arbeitnehmer das Anrecht auf Abfertigung und diese auch tatsächlich be­kommen. Heute kann jeder Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin die „Abfertigung neu“ in Anspruch nehmen. Das ist ein Meilenstein der Sozialpolitik, den die schwarz-blaue Regierung gemeinsam mit den Sozialpartnern verabschiedet hat. Sehr geehrte Damen und Herren! Man sollte das nicht gering achten. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Wir haben einen Akzent im Bereich der Menschlichkeit gesetzt: Mit der Pflege­hos­pizkarenz haben wir nicht nur die Möglichkeit geschaffen, dass mehr als 70 Prozent der Menschen, die sich wünschen, in schwierigen Lebenslagen zu Hause gepflegt zu werden, auch dort gepflegt werden, sondern wir haben für die pflegenden Angehörigen auch die Mitversicherungsmöglichkeit geschaffen. Wir haben darüber hinaus eine Au­tomatik geschaffen, wonach es möglich ist, ab der Inanspruchnahme der Pflegehospiz ein Pflegegeld zumindest der Pflegestufe 3 zu bekommen, damit von Anfang an kom­petente Zusatzleistungen zur häuslichen Pflege gewährleistet werden können.

Ich glaube, sehr geehrte Damen und Herren, dass diese Bundesregierung damit be­wiesen hat, dass die Interessen der Menschen auch in den letzten Lebensphasen von uns optimal und humanitär gewahrt und beachtet werden.

Wir haben das österreichische Pensionssystem reformiert. Wir werden im österrei­chischen Pensionssystem auch noch die Harmonisierung der Systeme leisten. Und wir werden mit dem Schwerarbeiter-Pensionsmodell auch endlich das leisten, was wir in den letzten fünf Jahrzehnten nicht erleben konnten, dass nämlich Arbeiter, Bauarbeiter, die gleichen Regelungen haben, wie sie die heutige Hackler-Regelung bietet. Ich halte das für wichtig, weil es gerade diese Berufsgruppe ist, die auf Grund der körperlichen Beanspruchung meistens in der Mitte des fünften und sechsten Lebensjahrzehnts nicht mehr in der Lage ist, jene Arbeitsleistungen zu erbringen, die eine stabile Beschäf­ti­gung am Arbeitsmarkt garantieren. Das ist also eine soziale Zukunftstat, die in den


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letzten vier Jahrzehnten nicht möglich war. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Ab­ge­ordneten der ÖVP.)

Bezüglich der Debatte um die Pensionen habe ich mir das Modell der Sozialdemo­krati­schen Partei und das Modell des Österreichischen Gewerkschaftsbundes genau ange­sehen. Wenn ich die Eckdaten des Pensionsmodells der Bundesregierung damit ver­gleiche, so glaube ich, dass wir von Seiten der Bundesregierung mit 40 Jahren gegen­über 45 Jahren Durchrechnung beim Modell des Österreichischen Gewerkschafts­bun­des, mit 1,78 Prozent Steigerungsbetrag, mit 80 Prozent Leistungen ab dem 65. Le­bensjahr und mit dem Wunsch, einen Pensionskorridor gemeinsam mit dem leistungs- und beitragsorientierten Konto zu schaffen, deutliche Vordenker sind. Die anderen sind uns dann gefolgt.

Manches, was vor Monaten noch an unseren Vorschlägen kritisiert worden ist, liegt heute in Form von Modellen auf dem Tisch, die schlechter und für die Menschen be­deutend einschränkender wären als das, was die Bundesregierung verabschiedet hat. Ich glaube, sehr geehrte Damen und Herren, wir sind durch Ihre Modelle spät, aber immerhin, auch von unseren Kritikern in der österreichischen innenpolitischen Land­schaft in der Umsetzung unseres Modells im Parlament bestätigt worden. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister! Die 10 Minuten Redezeit sind zu Ende. Sie können aber weitersprechen, Sie haben das Recht dazu.

 


Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz Mag. Herbert Haupt: (fortsetzend): Ich möchte einen Schlusssatz sagen: Die öster­reichische Bundesregierung, das österreichische Parlament und die österreichische Öf­fentlichkeit erwarten sich, dass die Familie als Grundsäule dieses Staates auch in Zu­kunft für alle Generationen die grundsätzlichen Überlegungen des österreichischen Par­laments trägt. Wir von Seiten der Bundesregierung sind bereit, diese Überlegungen umzusetzen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

9.29

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Vielen Dank, Herr Bundesminister.

Ich mache darauf aufmerksam, dass die Redezeit aller weiteren Redner 5 Minuten nicht übersteigen darf.

Als Erste gelangt Frau Abgeordnete Mag. Scheucher-Pichler zu Wort. – Bitte.

 


9.30

Abgeordnete Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler (ÖVP): Herr Präsident! Sehr ge­ehrte Vertreter der Regierung! Meine Damen und Herren! Einen schönen guten Mor­gen! Es ist oberstes Ziel dieser Regierung, vor allem auch der ÖVP-Fraktion, im Inter­esse der jungen Menschen, im Interesse der älteren Menschen, im Interesse der Familien – der Herr Sozialminister hat es bereits ausgeführt – gerade durch familien­freundliche Maßnahmen den Generationenvertrag in Österreich zu sichern, ja in ge­wisser Weise auch neu zu schreiben. Auf das Kippen der Bevölkerungspyramide nicht rechtzeitig reagiert zu haben ist und bleibt das größte Versäumnis der Sozial­demokratie. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Heinisch-Hosek: Wer hat die Kindergartenmilliarde abgeschafft? – Nicht die Sozialdemokraten, Sie waren das!)

Über Jahrzehnte wurde übersehen, dass die Geburtenzahl ständig gesunken ist, dass die Menschen immer kürzer im Erwerbsleben stehen und auf Grund des frühen Pen­sionsantrittes und dank besserer medizinischer Versorgung – Gott sei Dank! – auch länger den Ruhestand genießen können, Frau Kollegin. (Abg. Heinisch-Hosek: Sie zerstören die Pyramide!) Da braucht man gar kein Sozialexperte zu sein, um zu sehen,


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dass hier Handlungsbedarf besteht. Das versteht heute jeder, nur die Sozialdemokratie versteht es leider noch immer nicht. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ich möchte Ihnen die Zahlen noch einmal in Erinnerung rufen: 1970 erfolgte der durch­schnittliche Eintritt in das Erwerbsleben mit 18,5 Jahren, 2001 erfolgte der Berufseintritt mit 21 Jahren. 1970 dauerte die durchschnittliche Berufstätigkeit 42,7 Jahre, 2001 sank die Aktivzeit auf 37 Jahre. 1970 folgte eine 8,8 Jahre dauernde Pension, 2001 stieg die Pensionszeit auf mehr als 20 Jahre. Von 8,8 Jahren auf mehr als 20 Jahre! Meine Damen und Herren, das sind Tatsachen, auf die es zu reagieren gilt – und diese Re­gierung hat das zeitgerecht getan.

Es ist uns gelungen, in wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten die Versäumnisse der Ver­gangenheit aufzuholen. Unsere Senioren können sich heute über sichere Pen­sionen freuen. Die Menschen, die im Erwerbsleben stehen, können auf ein stabiles Pen­sionssystem zurückgreifen und sich darauf verlassen.

Wie groß der Erfolg ist, lässt sich auch leicht durch einen Blick über die Grenzen feststellen. In Deutschland haben die Versäumnisse in der Budgetkonsolidierung dazu geführt, dass auch die Pensionisten eine echte Rentenkürzung zu befürchten haben. Das ist die Wahrheit. Schauen Sie nach Deutschland, meine Damen und Herren! (Bei­fall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Nach einer aktuellen Umfrage befürchten 90 Prozent der Deutschen, dass ihre Alters­versorgung nicht mehr sicher ist. In Österreich haben wir es besser gemacht, wie auch Pensionsexperte Universitätsprofessor Tomandl kürzlich festgestellt hat. Er meinte unter anderem: Man sieht überhaupt, dass wir es in Österreich besser gemacht haben. In Deutschland ist man Zickzack gefahren, in Österreich gibt es mittlerweile eine Reform, die tatsächlich in die Zukunft reicht. – Und darauf kommt es an, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Dieser österreichische Weg macht es auch möglich, dass wir mit der ersten Etappe der Steuerreform Entlastungen zu Gunsten der Menschen schaffen. Der Sozialminister ist schon darauf eingegangen. Ich freue mich über diese Steuerbefreiung für ein Jah­reseinkommen bis 14 500 €, vor allem auch als Kärntner Abgeordnete, weil es in Kärn­ten ein niedriges Durchschnittseinkommen und einen hohen Anteil an Frauen gibt, die beispielsweise als ungelernte Arbeitskräfte in der Zulieferindustrie beschäftigt sind. Diese werden damit letztlich auch entlastet. Und das ist mir wichtig. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Mag. Posch: Zehn Jahre Ambrozy ...!)

Die Steuerentlastung der nicht entnommenen Gewinne wird genauso gut sein, gerade für den klein- und mittelständischen Bereich in Kärnten. Da sind sehr, sehr viele Frauen unternehmerisch tätig, und auch der Tourismus wird davon sehr stark profi­tieren.

Das sind ganz wichtige Maßnahmen, Herr Kollege Posch. Auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen, das sind ganz wichtige Maßnahmen für die Kärntnerinnen und Kärntner! (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Zum Abschluss noch Folgendes: Es ist mir ein großes Anliegen, Kärnten aus der wirtschaftlichen Isolation zu führen. Ich sage Ihnen auch, warum: vor allem deswegen, weil wir die Chancen durch die neue Situation, durch die Öffnung nach Slowenien wirtschaftlich nutzen müssen. (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Mag. Posch.) Das ist vor allem im Interesse der Jugend, für die wir in Kärnten Zukunftsperspektiven schaffen müssen, wofür wir zusätzliche sichere qualifizierte Ar­beitsplätze brauchen. Kärnten wird prozentuell am stärksten an Bevölkerung abneh­men. Wir brauchen also die jungen Menschen in Kärnten und müssen alles tun, damit


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sie in Kärnten bleiben und dort Zukunftsperspektiven haben. Sie müssen spüren, dass sie in Kärnten auch etwas erreichen können.

Meine Damen und Herren! Die ÖVP steht für eine umsichtige, die ÖVP steht für eine Generationen verbindende und die ÖVP steht auch für eine zukunftsfähige Politik, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht. Das ist für uns das Wichtigste. (Anhaltender Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

9.35

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Mag. Kuntzl. Redezeit: 5 Minuten. – Bitte.

 


9.35

Abgeordnete Mag. Andrea Kuntzl (SPÖ): Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Bundesminister Haupt, wenn man Sie heute die großartigen Erfolge der Freiheitlichen Partei in der Regierung darstellen hört, so fühlt man sich unweigerlich an den kleinen Buben erinnert, der vor Angst laut pfeifend durch den Wald geht. (Beifall bei der SPÖ.)

Herr Bundesminister! Das ist auch nicht wirklich verwunderlich, wenn man sich die Wahlergebnisse Ihrer Partei in den letzten Monaten, in den letzten Wochen ansieht und die diversen Regierungskrisen – so wie die aktuelle. Dann versucht man natürlich das darzustellen, was zu präsentieren ist. Ich denke aber, dass jeder, der Ihnen zuge­hört hat, erkannt hat, dass herzlich wenig zu präsentieren ist. Und auf das wenige möchte ich eingehen. Wenn man Ihnen so zuhört, wenn Sie über die eigene Politik sprechen, hat man das Gefühl, dass Sie wirklich den Boden unter den Füßen verlieren.

Sie reden vom „Familienmusterland Österreich“. – Ja „wunderbar“: Wir sind bei den absoluten Schlusslichtern, was zum Beispiel die Kinderbetreuungseinrichtungen be­trifft! (Widerspruch bei der ÖVP.) Und da nützt das Jammern nichts mehr, wenn Sie fragen: Warum bekommen die jungen Menschen keine Kinder? – Sie müssen etwas an den Rahmenbedingungen ändern, dann wird sich auch etwas ändern! Das Jammern im Parlament nützt überhaupt nichts. (Beifall bei der SPÖ.)

In der vergangenen Nationalratssitzung haben wir über die Mikrozensus-Untersuchung diskutiert, die Frau Staatssekretärin Haubner vorgelegt hat. 90 000 Kinderbetreuungs­plätze fehlen in Österreich! (Abg. Mag. Molterer: Ich sage nur Wien, Arbeitslosigkeit in Wien!) Ich habe damals gesagt, es sei gut, dass immerhin Konsens über diesen Mangel besteht.

Dann veranstalten Sie einen Kinderbetreuungsgipfel, und auf einmal werden aus den 90 000 Plätzen, die die Frau Staatssekretärin selbst festgestellt hat, nur noch 50 000. Also nicht einmal darüber besteht noch Konsens. Und es gibt nicht die geringste Spur irgendeiner Maßnahme, dass sich das ändern würde. Nichts, nur ein Riesentheater­donner, keine Maßnahmen! Es ist schade um die Zeit, vor allem schade um die Zeit, die wieder vergeht, in der nichts passiert, in der Kinderbetreuungsplätze und somit bes­sere Rahmenbedingungen geschaffen werden könnten. Das wäre sinnvoller als zu jammern. (Beifall bei der SPÖ sowie der Abg. Mandak.)

Der nächste riesengroße Theaterdonner war das Recht auf Teilzeitarbeit. – Wunder­bar, davon reden wir seit langem. Das wäre eine ganz wichtige Maßnahme. (Zwi­schenruf der Abg. Rossmann.) Zwei Tage später stellt sich heraus: ein reiner Bluff, eine Maßnahme, die nur ein Viertel derer, die sie bräuchten, in Anspruch nehmen kann. Das ist reine Pflanzerei, was Sie hier machen! (Abg. Großruck: Reden Sie über Lainz!)

Sie wollen darstellen, dass Sie etwas tun, die Leute kommen aber drauf, wenn sie das in Anspruch nehmen wollen, dass es ihnen überhaupt nichts nützt. Es kommt keine


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Hilfestellung von Ihnen, nichts, nur Bluff und Täuscherei! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Beim Kindergeld gäbe es so viel zu tun! Das Modell des Kindergeldes könnte man wunderbar verbessern, ohne dass es viel kosten würde, wenn sich die Leute maß­geschneiderte Modelle machen könnten. (Abg. Ellmauer: Ein Sinneswandel!) Sie wollen aber nicht. Warum nicht? – Das würde Sie nichts kosten, das wäre eine sinn­volle Maßnahme und würde helfen! (Abg. Mag. Molterer: Sie haben es aber abge­lehnt! Sie haben nein gesagt!)

Nächster Punkt. Warum gibt es keine Mehrkinderfamilien mehr? – Dazu möchte ich Ihnen etwas sehr Interessantes sagen (Zwischenruf des Abg. Murauer): Ich habe eine Studie gelesen, in der Frauen gefragt werden, warum sie kein zweites Kind bekom­men. Einer der ganz wesentlichen Punkte dabei ist das Verhalten des Vaters, nachdem das erste Kind da ist.

Eine Aufforderung an Sie, eine Aufforderung an uns ist: Wir sollten uns in diesem Zusammenhang mehr mit der Rolle der Väter auseinander setzen (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen), denn in den letzten Jahrzehnten haben sich die Frauenleben ganz massiv verändert, die Männerleben jedoch fast überhaupt nicht. Die meisten Männer leben heutzutage noch genau so wie ihre Großväter.

Wir sollten uns überlegen, wie wir jene Männer unterstützen können, die anders leben wollen, die ihre Frauen unterstützen wollen, und wie wir die entsprechenden Maß­nahmen setzen können.

Kommen wir zu den alten Menschen in unserer Gesellschaft! Das ist ein sehr wichtiges Thema. Dazu haben wir eine sehr oberflächliche Beschreibung der demographischen Entwicklung der Kollegin Rosenkranz gehört, da gäbe es noch sehr viele wichtige Dinge zu sagen. (Abg. Großruck: Reden Sie über Lainz! Die SPÖ zeigt in Lainz, wie es geht!)

Wenn Sie die Pensionsreform als Erfolg darstellen, dann finde ich das höchst über­raschend, weil Sie da wirklich eingegriffen und kleinste Pensionen gekürzt haben. (Abg. Scheibner: Das zeigt sich bei Lainz!)

Wenn ich mir vor Augen halte, dass die Hälfte der weiblichen Pensionistinnen in Öster­reich um 50 € – 50 €! – über der Armutsgrenze lebt, dann muss ich sagen, dass das eine Maßnahme ist, die ich nicht als Erfolg darstellen würde. (Zwischenbemerkung von Bundesminister Mag. Haupt.) Aber Sie haben Recht, wir sollten nicht nur darüber reden, wovon wir im Alter leben werden, sondern auch darüber, wie, und dazu gäbe es sehr viel zu sagen. Da wären sehr viele Reformen notwendig, und in Wien gibt es diesbezüglich auch schon hervorragende Modellprojekte. (Beifall bei der SPÖ.)

9.40

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Rossmann. 5 Minuten Redezeit. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


9.41

Abgeordnete Mares Rossmann (Freiheitliche): Herr Präsident! Hohes Haus! Herr Vizekanzler! Herr Sozialminister! Frau Staatssekretärin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Kollegin Kuntzl! Sie können hier nicht so tun, als ob Sie nicht wüss­ten, wer für die Kinderbetreuung in den Ländern zuständig ist. Das ist Ihr sozialde­mo­kratischer Bürgermeister Häupl als Landeshauptmann der Stadt Wien! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Sie können hier auch nicht das – ich weiß schon: von Ihnen ungewollte – Kindergeld noch einmal schlecht machen. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Mir leuchtet das insofern


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ein, als Sie selbstverständlich von Lainz ablenken wollen. Sie wollen von Lainz ablen­ken, von dem Pflegeskandal sozialdemokratischer Politiker über viele Jahre hinweg. Für mich ist das wirklich ein Beispiel des Versagens sozialistischer Pflegepolitik, sozialistischer Sozialpolitik und ein exemplarisches Beispiel für Vertuschung und Freunderl-Wirtschaft. Das sei Ihnen hier gesagt! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Aber nun zu dem von uns gewählten Thema „generationenreiches Österreich“. (Abg. Mag. Mainoni: Pittermann müsste schon längst gehen!) Das Thema der Aktuellen Stunde wurde von uns gewählt, um einerseits das Miteinander der Generationen in Österreich zu dokumentieren und um andererseits unsere gezielte Politik, die damit verbunden ist, darzustellen. Herr Sozialminister Herbert Haupt hat schon einiges dar­gelegt. Das Miteinander der Generationen, Kinder, Jugend, Eltern und Großeltern, heißt für uns Freiheitliche, die Familie als das höchste Gut, als schützenswerten Wert ständig zu pflegen, und heißt für uns, Kindergeborgenheit, Nestwärme zu geben. Es heißt für uns aber auch, Jugendlichen Rückhalt zu geben und Zeit und Konflikt­lösungen zu ermöglichen. Und es heißt für uns Freiheitliche auch, der älteren Gene­ration Respekt und Dank zu zollen, nämlich Dank für den Wiederaufbau.

Ich komme aus einer Generation, deren Großeltern und Eltern noch am Wiederaufbau beteiligt waren, und ich habe oft die Bemerkung gehört: Unsere Kinder sollen es einmal besser haben! Hinter dieser Aussage ist Verzicht gestanden, Verzicht der älteren Generation. Und es ist jetzt an der Zeit, dass die jetzt am Ruder befindliche Generation dieser älteren Generation Würde zollt. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abge­ordneten der ÖVP.)

Deshalb ist das tiefste freiheitliche Denken und Handeln all unserer Sozialpolitiker und Familienpolitiker – das reicht, wie wir gehört haben, auch in den Justizbereich bis hin zum Wirtschaftsbereich – darauf ausgerichtet, das Miteinander der Familien, der Gene­rationen zu fördern und die Familien zu schützen. Das beginnt bei Fördermaßnahmen im Wirtschaftsbereich für Familienbetriebe, für Kleinbetriebe und geht über das Recht auf Teilzeit, das wir demnächst beschließen werden, über die Schüler- und Lehrlings­freifahrt, die unter Herbert Haupt österreichweit eingeführt wurde, bis hin zur Erhöhung der Ausgleichszulage und zur Steuerbefreiung aller Einkommen bis 14 500 € im Jahr ab 1. Jänner. Und das trifft auch die ältere Generation, denn über 730 000 Pen­sionisten und 350 000 Alleinerziehende sind davon betroffen. Das ist auch ein Quan­tensprung in der Steuerpolitik. Es ist dies der erste Schritt zur Entlastung der unteren Einkommen. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Daher wundert es mich schon, dass die sozialdemokratische Fraktion bei diesem Be­schluss dagegen gestimmt hat, aber wir werden das noch veröffentlichen. Sie hat auch gegen die Abschaffung der Ambulanzgebühren gestimmt, das sei hier ebenfalls ge­sagt. (Abg. Dr. Jarolim: So ein Schwachsinn!)

Ein Meilenstein der Familienpolitik – ich werde es noch einmal erwähnen – ist und bleibt aber das Kindergeld. Ich erinnere daran: Das Kindergeld hat seinen Ausgang in Kärnten genommen. Ich erinnere mich, dass, als der Kärntner Landeshauptmann das Kindergeld vorgestellt hat, unisono, fast reflexartig zu hören war: schlecht finanzierbar, Frauen zurück an den Herd, Wahlkampfgag von Jörg Haider. Sie kennen den Weg des Kindergeldes: Es begann in Kärnten als Pilotprojekt und wurde dann flächendeckend in Kärnten und schließlich – auf Grund der Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen, die die Einführung des Kindergeldes zur Bedingung für die Regierungsbeteiligung gemacht haben – in ganz Österreich eingeführt.

Jetzt gibt es bereits Parallelen, nämlich was den Pflegescheck betrifft. Ich muss schmunzeln: Der Kärntner Landeshauptmann präsentiert mit unserer Staatssekretärin


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Ursula Haubner den neuen Pflegescheck, um endlich auch den pflegenden An­gehörigen eine Leistung zukommen zu lassen, um Älterwerden zu Hause leichter zu ermöglichen, damit Lainz nie passiert. Wäre Jörg Haider Landeshauptmann in Wien, wäre der Pflegescheck eingeführt und die Pflegepolitik in Wien anders als unter Häupl, das kann ich Ihnen sagen. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Gaál: Wo leben Sie eigentlich?)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Das war Ihr Schlusssatz, Frau Abgeordnete!

 


Abgeordnete Mares Rossmann (fortsetzend): Ich komme zu meinem Schlusssatz: Sie werden sich wundern, der Pflegescheck wird auch von Kärnten aus seinen Weg über ganz Österreich nehmen, und er wird nicht zu verhindern sein. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

9.46

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Mandak. 5 Minuten Redezeit. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


9.46

Abgeordnete Sabine Mandak (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Liebe Politikinteressierte! „Generationenreiches Österreich“ – ich weiß nicht, wie es Ihnen mit diesem Begriff gegangen ist. Das Erste, das mir dazu eingefallen ist, war die Bundeshymne. Diese bin ich dann im Geiste durchgegangen: Es ist zwar das „viel geliebte Österreich“, das „viel geprüfte Österreich“ und das „viel gerühmte Österreich“ enthalten, aber nicht das generationenreiche Österreich. (Abg. Scheibner: Jetzt haben Sie es wenigstens verstanden, diesen Vergleich!)

Die zweite Idee, die mir dazu gekommen ist, war, ob die FPÖ damit das Thema behandeln will, wie viele Generationen von Ministern und Ministerinnen, wie viele Generationen von Parteivorsitzenden (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ) und Vizekanzlern sie mittlerweile in knapp vier Jahren Regierungstätigkeit schon verbraucht hat. (Abg. Scheibner: Das ist nicht Ihr Problem!) Es war mir aber dann klar, Herr Kollege Scheibner, dass es bei Gott wichtigere Dinge in Österreich gibt, als sich immer mit Ihrer zerbröselnden FPÖ auseinander zu setzen. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Scheibner: Fangen Sie endlich mit dem Thema an, Sie haben nur 5 Minuten!)

Sie möchten gerne davon ablenken, das verstehe ich schon. (Abg. Scheibner: Wir würden gerne einmal hören, was Sie zu den Generationen zu sagen haben, zu der Jugend, zu den Senioren! Dazu fällt Ihnen nichts ein!) Ich meine, es bleibt trotzdem noch genug Zeit, und wenn Sie zuhören, dann hören Sie auch, worum es sonst im Bereich Generationen geht.

Was tut die Regierung für die Generationen? – Herr Sozialminister Haupt hat vorher bekundet, wie wichtig der Regierung zum Beispiel die Menschen mit Behinderung seien, und hat sehr salbungsvoll erklärt, wie er sich für sie einsetzt. Die Realität ist: Sie haben in den letzten sieben Jahren das Pflegegeld für genau diese Menschen mit Be­hinderung um keinen Cent erhöht! Das heißt, die Menschen müssen mit immer we­niger Geld auskommen. – Das ist Ihre Politik für Menschen mit Behinderung! Das ist der Unterschied zwischen dem, was Sie sagen, und dem, was Sie tatsächlich tun. (Beifall bei den Grünen.)

Was tut die Regierung sonst für die Generationen? – Sie beklagt hauptsächlich, dass es zu wenige Kinder gibt; das haben wir auch heute wieder gehört. Frau Ministerin Gehrer macht es sich am einfachsten, sie hängt nämlich die Verantwortung den jungen Erwachsenen um und sagt: Seid nicht so partysüchtig, sondern bekommt Kinder!, statt


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zu fragen: Warum gibt es denn weniger Kinder in Österreich, und warum gibt es immer weniger Paare, die sagen: Ja, wir wollen Kinder haben!?

Kollegin Kuntzl hat es vorher schon angesprochen: Es gibt 48 000 Kinder in Österreich, die einen Betreuungsplatz brauchen, deren Eltern dringend darauf warten, dass es eine Möglichkeit gibt, ihr Kind in eine Kindergruppe, in einen Kindergarten, in eine SchülerInnenbetreuung zu geben. (Beifall bei den Grünen.)

Dazu gibt es noch einmal 42 000, die ein Mehr an Betreuung brauchen würden. Es ist lächerlich, gerade Wien den Vorwurf zu machen, hier geschehe nichts, denn da ist die Situation im Verhältnis noch gut. Schauen Sie sich die anderen Bundesländer an, dort ist sie katastrophal! – Und dann wird ein Gipfel einberufen, und man kommt zu keinem anderen Ergebnis, als dass man wieder eine Untersuchung machen muss.

Untersuchen Sie, erheben Sie – das ist in Ordnung –, aber schaffen Sie sofort Kin­derbetreuungsplätze in Österreich! 48 000 Kinder brauchen dringend einen solchen, und das werden für Sie wohl genug sein, um Sofortmaßnahmen zu ergreifen. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Wie schaut es für die junge Generation mit der Ausbildung in Österreich aus? – In den Bildungsbereich investieren Sie derzeit weniger, als das zuvor der Fall war, als es die Regierungen zuvor getan haben. Sie behaupten immer wieder: Wir investieren ohne­dies mehr. – Die Grünen, insbesondere Alexander Van der Bellen hat dem Finanz­minister vorgerechnet, dass es weniger ist, und es war so, dass sich der Finanz­minis­ter wieder einmal verrechnet hatte.

De facto investieren Sie weniger in Bildung als zuvor! – So schaut es aus mit Ihrer großen Ankündigungspolitik, mit der Sie mehr Bildung für die Jugend versprechen.

Ich sage Ihnen eines: Ich bin jedes Mal zornig, wenn ich am Semesterbeginn die Stu­diengebühr für meine Töchter zahlen muss. Ich bin privilegiert, ich kann es mir mit mei­nem Gehalt leisten. Aber trotzdem: 1 450 € im Jahr zahlen zu müssen dafür, dass sie nicht einmal in den Hörsaal hineinkommen, dafür, dass sie Arbeitsgruppen mit 120 Stu­dierenden haben, ist eine Sauerei, wirklich wahr! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Frau Kollegin! Das Wort „Sauerei“ verwenden wir an diesem Rednerpult eigentlich nicht!

 


Abgeordnete Sabine Mandak (fortsetzend): Das nehme ich zurück. Ich denke es mir nur immer, ich habe also meine Gedanken zitiert, weil ich nicht anders kann. (Heiterkeit und Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Die Gedanken sind frei. (Abg. Eder: Danke, Herr Präsi­dent!)

 


Abgeordnete Sabine Mandak (fortsetzend): Danke. – Ihr letzter Streich: die Pensions­reform. Auf der einen Seite sprechen Sie immer über die Familie, aber mit Ihrer Pen­sionsreform strafen Sie all diejenigen, die sich für die Familie engagieren, die für die Familie arbeiten, und das sind die Frauen. Sie haben eindeutig Schritte dahin gehend gesetzt, dass Frauen noch mehr durch die Finger schauen und noch weniger Pension haben können. (Präsident Dr. Khol gibt das Glockenzeichen.)

Es klingelt. – Herr Kollege Scheibner, Sie sehen, 5 Minuten sind trotz schneller Sprech­geschwindigkeit zu knapp, um Ihnen all das an den Kopf zu werfen, was Sie falsch machen. – Danke. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

9.52

 



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Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist der jüngste Vater dieses Hohen Hauses, Herr Abgeordneter Amon. (Beifall bei der ÖVP.) 5 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


9.52

Abgeordneter Werner Amon, MBA (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Vize­kanzler! Herr Bundesminister! Frau Staatssekretärin! Meine Damen und Herren! Das größte Problem, das wir im Zusammenhang mit der Debatte um die Generationen haben – die Ausführungen von Kollegin Mandak haben das gezeigt, aber in noch viel beeindruckenderer Art und Weise jene von Frau Kollegin Kuntzl –, ist die Realitäts­verweigerung bei Rot und Grün. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Die Fakten sind ziemlich eindeutig, meine Damen und Herren: Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in den letzten 30 Jahren um mehr als acht Jahre gestiegen. Die Geburten in Österreich sind im längeren Zeitverlauf stark zurückgegangen. Während es im Jahr 1971 noch 1,2 Millionen Kinder unter zehn Jahren gab, wird die Anzahl der Kinder unter zehn Jahren im Jahr 2041 um fast die Hälfte geringer sein. Gleichzeitig steigt aber auch die Anzahl der älteren Menschen in unserer Bevölkerung. Während es im Jahr 2001 noch 1,7 Millionen Menschen gab, die über 60 Jahre alt waren, werden im Jahr 2041 2,8 Millionen Menschen – 2,8 Millionen Menschen! – über 60 Jahre alt sein, und das bedeutet einen Anstieg der älteren Bevölkerung um über 70 Prozent.

Wer angesichts dessen noch immer die Meinung vertritt, dass keine Maßnahmen notwendig seien, die das soziale Gleichgewicht auch zwischen den Generationen sicherstellen, der betreibt eine verantwortungslose Realitätsverweigerung, meine Da­men und Herren! (Beifall bei der ÖVP.)

Frau Kollegin Kuntzl! Sie kritisieren die Bundesregierung. (Zwischenruf des Abg. Dr. Jarolim.) Es wäre besser – auch für Sie, Kollege Jarolim –, sich die Zahlen in Wien einmal genau anzusehen. Sie bekritteln das Problem der Jugendarbeitslosigkeit. Ich sage Ihnen eines: Jeder zweite Lehrstellensuchende in diesem Land ist in Wien (Ruf bei der SPÖ: Weil jeder vierte Arbeitende ...!), weil Ihre Politik in Wien mit einer absoluten SPÖ-Mehrheit schlichtweg falsch ist (Zwischenruf der Abg. Heinisch-Hosek), meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Während in Wien die Arbeitslosenrate um 8 Prozent gestiegen ist, meine Damen und Herren, ist sie in Oberösterreich um 8 Prozent gesunken. (Beifall bei der ÖVP.) Nehmen Sie das zur Kenntnis! Sie können doch diese Zahlen, die dokumentiert sind und beweisen, dass Ihre Politik falsch ist, nicht negieren. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Die Situation betreffend den Generationenausgleich hat nachhaltige Auswirkungen nicht nur auf das Pensionssystem, sondern selbstver­ständ­lich auch auf andere Bereiche, die von dieser Situation beeinflusst sind, nämlich auf das Gesundheitssystem, auf die Wirtschafts- und Arbeitswelt, auf den Pflegebereich und natürlich auch auf die Bildungspolitik.

Sie können unsere Maßnahmen kritisieren, aber haben Sie bessere, haben Sie andere Maßnahmen? – Sie kritisieren etwa, dass die Bundesregierung beschlossen hat, ein Recht auf Teilzeit für Eltern einzuführen. Sie kritisieren, dass es nicht ausreichend wäre, dass wir dieses Recht auf Teilzeit für Eltern, die in Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern arbeiten, einführen.

Meine Damen und Herren! Natürlich ist das ein wichtiger erster Schritt, aber es ist eine Antwort auf die Probleme der Zeit – eine Antwort, die Sie nicht geben! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)


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Sie kritisieren Maßnahmen in der Pensionsreform und haben selbst in diesem Zu­sammenhang nichts anzubieten. Ein kurzer Blick über die Grenze zeigt, was eine so­zialdemokratisch geführte Bundesregierung im Zusammenhang mit der Pensions­re­form anzubieten hat. Erstens: Die Renten werden für das Jahr 2004 nicht erhöht. Zwei­tens: Alle Rentner müssen volle Beiträge zur Pflegeversicherung zahlen. Drittens: 2 Milliarden € Kürzung des Bundeszuschusses bei der Rentenversicherung. Viertens: höhere Zuzahlungen der versicherten Patienten in der Krankenversicherung. Fünftens: Der Auszahlungstermin für die Renten wird vom Monatsanfang an das Monatsende verlegt. Und sechstens kommt eine 50-prozentige Verringerung des Weihnachtsgeldes bei den Renten. – So schauen sozialdemokratische Antworten auf die Situation der Generationen und im Bereich der Pensionen aus!

Meine Damen und Herren! Da sind die Antworten dieser Bundesregierung deutlich die besseren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

9.57

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Heinisch-Hosek. 5 Minuten Redezeit. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


9.58

Abgeordnete Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ): Herr Präsident! Meine Damen und Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Kollege Amon, auf diese Antworten kann ich als sozialdemokratische Kinder- und Jugendsprecherin verzichten, denn das sind keine Antworten, sondern das, was du jetzt dargelegt hast, ist realitätsfern! (Abg. Dr. Stummvoll: Sie wollen die Wahrheit nicht hören!) Wenn ich bedenke, dass jeder vierte Arbeitsplatz in Wien angesiedelt ist, dann muss ich sagen, dass das, was du soeben geliefert hast, mehr als unseriös ist. – Das sei nur zur Einleitung gesagt. (Beifall bei der SPÖ.)

Im Allgemeinen, meine Damen und Herren, möchte ich nur auf die Aussage von Herrn Bundesminister Haupt bezüglich Generationen eingehen, denn alle anderen Aussagen waren unseriös und nicht diskutabel. Der Herr Bundesminister hat gesagt: Der Zustand der Generationen ist wichtig für eine Gesellschaft. Jetzt frage ich mich: Wie schauen Sie auf diese Generationen? Wie viel sind Ihnen diese Generationen wert? Was ma­chen Sie denn, Herr Kollege Scheibner, für die Generationen, die in Österreich leben? (Abg. Scheibner: Mehr als in Wien!) Wissen Sie, was Sie sich leisten, Herr Kollege Scheibner? – Sie leisten sich 240 000 Arbeitslose in Österreich. Das ist Ihnen das wert, 240 000 Arbeitslose? – Uns nicht, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Scheibner: Schauen Sie sich das einmal an! Was haben Sie gemacht für die Familien, was haben Sie gemacht für die älteren Menschen? – Nichts haben Sie gemacht!)

Der Herr Bundeskanzler hat gestern in der „ZiB 2“ angekündigt, dass es Mitte No­vember das nächste Konjunkturpaket geben werde. Wenn das so greift wie das letzte Konjunkturpaket, dann sage ich: Gute Nacht, Österreich! – Es hat keinen einzigen Lehr­platz mehr gebracht, und von Monat zu Monat steigt die Zahl der Lehr­stellen­suchenden, anstatt dass sie sinkt. Herr Kollege Scheibner! Erklären Sie mir, was das Konjunkturbelebungspaket gebracht hat! (Abg. Scheibner: Das Wirtschaftswachs­tum ... gerettet, das Konjunkturpaket!) Na, ich bin schon neugierig, wenn Sie sich zu Wort melden.

Außerdem bezeichnen Sie Arbeitslosigkeit, Frau Kollegin Bleckmann, als Schönheits­fehler. Wir tun das nicht. Das ist aber typisch für Ihre neoliberale Politik. Wissen Sie, was neoliberale Politik ist? (Abg. Scheibner: Das werde ich Ihnen erklären!) – Den Menschen und seine Schicksale auszuklammern. Das ist Ihre Politik, die Sie seit dem Jahr 2000 betreiben! (Beifall bei der SPÖ.)


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Die Jungen werden sehr stark ausgeklammert. Ich erinnere beispielsweise nur an die Nicht-Einladung der Jugend zum Österreich-Konvent. Ein eigener Jugend-Konvent hat stattgefunden – mit sehr reifen, sehr tollen Entscheidungen. Ich möchte der österreichi­schen Bundesjugendvertretung von dieser Stelle aus herzlich gratulieren dazu. Viel­leicht nehmen Sie die Ideen ernst. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Sie klammern auch die Generation der österreichischen Lehrlinge aus, meine sehr ge­ehrten Damen und Herren. Herr Bundesminister Haupt hat die 1 000 € Lehrlingsprämie erwähnt. Aber es kann nicht sein, dass diese gegriffen hat, wenn insgesamt 15 000 junge Leute eine Lehrstelle suchen und wenn es jeden Monat mehr werden.

Sie klammern auch die Generation der jungen Mütter aus, sehr dezidiert klammern Sie diese aus; ich werde Ihnen auch beweisen, warum.

Man kann nicht nur von Vereinbarkeit von Beruf und Familie sprechen, sondern man muss auch Maßnahmen setzen, die diese Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermög­lichen. (Abg. Scheibner: Wieso waren Sie dann gegen das Kinderbetreuungsgeld? Wieso waren Sie dagegen? Sie waren dagegen!) Das Kindergeld allein ermöglicht das nicht. Kollege Amon, du bist Vater geworden, ich weiß nicht, ob nicht auch für dich das Kind karrierehemmend ist wie für so viele Väter – weil immer noch unter 2 Prozent Männer in Väterkarenz gehen. (Abg. Neugebauer: Er tut etwas für den Generationen­vertrag!) Vielleicht gehst du in Karenz, das wäre sicher nicht schlecht. (Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Die österreichische Bundesregierung, meine Damen und Herren, möchte den Gene­rationenvertrag nicht unterstützen. Die Botschaft heißt: In Ländern, in denen genug Kinderbetreuungseinrichtungen geschaffen wurden, wird der Generationenvertrag insofern erfüllt, als wieder mehr Kinder zur Welt kommen; in Frankreich, Schweden, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Sie hätten sich den Kinderbetreuungsgipfel sparen können, wenn das Ergebnis nur lautet: Ich als Bund fühle mich nicht verantwortlich, Länder und Gemeinden, wenn ihr wollt, dann zahlt euch die Kinderbetreuungseinrichtungen, aber ich nehme diese Ver­antwortung nicht wahr! – Das ist nicht mein Verständnis von Politik, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Die Generation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land wird von Ihnen von der Bundesregierung auch sträflich vernachlässigt. Es ist egal, ob man Single ist, ob man Familie hat, es ist Tatsache, dass die arbeitenden Menschen in Österreich durch die Abgaben und Steuern, die durch Sie das höchste Niveau seit vielen Jahren erreicht haben, eigentlich nichts herausbekommen. (Bundesminister Mag. Haupt: Wir sind dort, wo wir 1998 bei Ihnen waren!) Wo sind die Reformen, die genau diesen Bevölkerungsgruppen zugute kommen? Leistungen des Staates wurden zurückgeschraubt und nicht erhöht – und trotzdem macht Herr Grasser immer mehr Schulden. (Abg. Scheibner: Beim Schuldenmachen dürfen Sie nicht sehr laut reden!) Wir müssen uns daher schön langsam fragen, wohin das Geld gekommen ist. Vielleicht können Sie es mir sagen, Herr Klubobmann Molterer.

Natürlich geht es auch um die Aufbaugeneration, um die älteren Österreicher, um die Pensionistinnen und Pensionisten. (Präsident Dr. Khol gibt das Glockenzeichen.)

Wenn Sie, meine Damen und Herren von den Regierungsparteien, hinsichtlich der Wert­schätzung und Unterstützung aller Generationen so weitertun, kann ich Ihre Politik nur als arm bezeichnen. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

10.03

 



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Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Lichtenegger. Auch er spricht 5 Minuten. – Bitte. (Abg. Scheibner: Endlich einmal ein gescheiter Jugendsprecher!)

 


10.03

Abgeordneter Elmar Lichtenegger (Freiheitliche): Herr Präsident! Vertreter der Re­gierung! Hohes Haus! Liebe Zuschauer zu Hause! Wir können sehr wohl auf unsere Fahnen heften, dass wir Politik für die Jugend und somit auch Politik für die Zukunft machen. Wir haben uns dafür eingesetzt, das Wahlalter zu senken – das wurde im vergangenen Monat auch umgesetzt, das Wahlalter wurde gesenkt. Das bedeutet mehr Mitsprache für die Jugend.

Es ist das Stichwort „Jugendarbeitslosigkeit“ gefallen. Wir in Kärnten konnten einen Beschäftigungsboom erreichen. (Abg. Dr. Glawischnig: Aber das ist das größte Märchen überhaupt!) Wir haben 6 500 Ausbildungsplätze. (Beifall bei den Freiheit­lichen. – Abg. Scheibner: Bravo!) Frau Kollegin, wenn Sie einmal nach Kärnten kom­men – nach Spittal, wo man Sie nicht so gerne hat; Sie bleiben besser in Wien –, werden Sie sehen, wie das in Kärnten ist.

Wir haben in Kärnten auch eine Offensive gestartet, durch die es 10 000 neue Ar­beitsplätze gibt. (Abg. Öllinger: Wo?)

Es ist auch das Stichwort „Nachmittagsbetreuung“ gefallen. Wir setzen uns für eine wahlweise Nachmittagsbetreuung ein. Das bedeutet natürlich, dass die Lehrer länger da sein müssen. Daher verlangen wir, dass das Dienstrecht geändert wird in die Richtung, dass es höhere Einstiegsgehälter gibt und die Kurve dann abflacht.

Wir setzen uns auch dafür ein, dass es in diesem Bereich keine Pragmatisierung gibt, denn wir wollen, dass unsere Jugendlichen in eine Arbeitswelt geschickt werden, in der es keine Vorteile, keine Privilegien und keine Sonderrechte gibt – alle Jugendlichen sollen in der Arbeitswelt die gleichen Rechte haben. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Ruf bei der SPÖ: Das müssen Sie der Frau Gehrer sagen!)

Es ist auch das Thema Kinderbetreuungsplätze angesprochen worden. Es ist das Problem der Wiener, dass sie glauben, hinter dem Semmering sei es aus. Sie meinen, dass es überall so wie in Wien, wo Rot regiert, sei. Aber das Gros der Kinder­betreuungsplätze fehlt in Wien, das muss man auch einmal sagen. (Zwischenruf der Abg. Sburny.)

Ich verstehe nicht, warum Sie die Leute, speziell auch die Jugendlichen immer wieder verunsichern wollen, warum Sie für Streiks eintreten, auf die Straße gehen und unseren Jungen so zeigen wollen, dass das eine Möglichkeit ist, Demokratie zu be­treiben. – Es ist vielleicht eine Möglichkeit, aber meiner Meinung nach eine schlechte.

Wir haben die Pensionen gesichert, und meine Generation kann uns dankbar dafür sein, denn sie möchte auch eine Zukunft mit gesicherten Pensionen haben. Wir wollen, dass der Staat für uns nach wie vor – vielleicht etwas weniger, aber dafür noch immer – Pensionen zahlt.

Dass es schwieriger wird, wissen wir, seit wir der EU beigetreten sind. Wir Frei­heitlichen waren die Einzigen, die damals darauf hingewiesen haben, dass nicht alles nur gut und schön ist, dass man auch sehr EU-kritisch sein muss. Da brauchen Sie nicht den Kopf zu schütteln, das ist wirklich so. Wir haben zwar mehr Perspektiven für unsere Jugendlichen, aber es ist schwieriger für sie, sie müssen mehr Eigeninitiative zeigen. Und unsere Aufgabe ist es, den Jugendlichen Perspektiven zu bieten. Ich glaube, innerhalb eines guten Rahmens funktioniert das auch.


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Diese neue große Welt für unsere Jugendlichen bedeutet allerdings auch, dass sie die Sache selbst in Angriff nehmen müssen und lernen müssen, dass es in unserer Ar­beitswelt schwieriger wird. Vor dem EU-Beitritt haben fast alle gesagt: Na ja, wenn die EU kommt, dann sind alle Probleme weg (Abg. Öllinger: Das sind ja Binsenweis­heiten, was Sie da verbreiten!), alles wird günstiger, alles wird zentral gesteuert, jeder hat die Möglichkeit zum Arbeiten!, wir waren die Einzigen, die auf diese Probleme hingewiesen haben. Damals haben Sie alle gesagt: Schaut, wie EU-kritisch die von der FPÖ sind, die wollen das nicht!

Unsere Jugendlichen sind – ich war bei einigen Projekten in Kärnten dabei – sehr wohl daran interessiert, unsere Zukunft mitzugestalten. Wir hatten in Kärnten ein Schü­lerprojekt, bei dem es darum ging, Kärntens Zukunft mitzugestalten. Es sind 200 Pro­jekte von Schulklassen eingelangt, wir haben sie dann prämiert, und da sind einige interessante Vorschläge gekommen. Wir alle können uns an der Nase nehmen, denn wir könnten den Jugendlichen noch mehr Möglichkeiten bieten, denn es sind ihrerseits sehr wohl die Bereitschaft und das Interesse vorhanden, mitzugestalten. Wir versu­chen, dem bestmöglich zu entsprechen.

Ich glaube nicht, dass es eine verantwortungsvolle Politik ist – bei aller Freundschaft hier herinnen –, wenn man alles schlecht macht, wenn man auf die Straße geht und den Leuten sagt, dass alles, was gemacht wird, schlecht ist. (Abg. Dr. Glawischnig: Wer geht auf die Straße? Wer geht schon wieder auf die Straße?) Wir bemühen uns, und Sie täten gut daran, Konzepte vorzulegen und zu sagen: In dem einen Punkt haben Sie Recht, aber wir würden das gerne so machen! – Alles nur schlecht zu machen, das ist keine gute Politik! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

10.08

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Als letzte Rednerin dazu zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Mag. Weinzinger. 5 Minuten, Frau Kollegin. – Bitte.

 


10.09

Abgeordnete Mag. Brigid Weinzinger (Grüne): Herr Präsident! Hohes Haus! Mein Vorredner hat in einem Satz eloquent zusammengefasst, was diese Bundesregierung auszeichnet, nämlich alles schlecht zu machen! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Da hilft es auch nicht, wenn man in schönen Reden das generationenreiche Österreich beschwört. Ich darf nur als Detail am Rande festhalten: Dieser Generationenreichtum spiegelt sich zumindest in diesem Haus nicht wider. (Abg. Mag. Molterer: In der ÖVP-Fraktion schon!) Es ist schon fast merkwürdig, wenn die Erstrednerin, Abgeordnete Rosenkranz, eine Art „vorsorgenden Egoismus“ pflegt und uns auffordert, wir mögen doch hier dafür sorgen, dass das Schicksal der alten Menschen gut abgesichert wird, denn das werde uns alle ereilen. – Wenn das Ihr Zugang zur Jugend- und zur Ge­nera­tionenpolitik ist, dann danke. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Scheibner: Sie haben wieder überhaupt nichts verstanden! Wie immer!)

Es kommt mir auch merkwürdig vor, wenn zwar gefordert wird, man möge der Auf­baugeneration die ihr gebotene Ehre erweisen – anständige Pensionen, insbesondere für die Frauen der Aufbaugeneration, gibt es aber nicht. Da hätte ich lieber eine gute Pension, als Frau eine eigenständige Pension, als diesen Appell an die Ehre. (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Halten Sie nichts von Ehre?) – Am Konto habe ich lieber „Euros“ als „Ehres“. (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Ehre ist auch etwas Wichtiges, nicht nur Euro! – Abg. Scheibner: Seit wann sind die Grünen so materialistisch?)

Man muss sich wirklich einmal anschauen, was von dem, was hier so großmundig verkündet wird, in der Realität gemacht wird, und zwar quer über alle Generationen:


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Bei der jüngsten Generation gibt es fehlende Kinderbetreuungsplätze, fehlende Nach­mittagsbetreuung, fehlende Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche unterschied­licher sozialer Gruppen und unterschiedlichen Geschlechts. Bei den ganz alten Men­schen gibt es teilweise wirklich verheerende Missstände in der Pflege, in der Existenz­versorgung. Und für alle Generationen dazwischen gibt es die Sparpakete der Re­gierung, die für jeden etwas beinhalten, nämlich an Kürzungen.

Es ist auch das beträchtlich, was der Generationenreichtum ganz konkret für Männer und Frauen unterschiedlich bietet. Wir haben eine Generation von Frauen, die in der Bildung noch halbwegs gleichgestellt ist, aber auch da wäre es mir neu, dass im Bildungswesen tatsächlich die Eigenständigkeit von Mädchen und Frauen genauso gefördert wird, dass die Lehrinhalte tatsächlich den realen Verteilungen der Ge­schlechterrollen entsprechen.

Junge Frauen zwischen 20 und 40 Jahren haben mit den allseits bekannten Problemen der fehlenden Kinderbetreuung, der fehlenden Mobilität, insbesondere auf dem Land, der fehlenden Arbeitsmarktchancen zu kämpfen. Sie verdienen weniger als gleich alte Männer, haben jedoch eine Doppel- und Dreifachbelastung zu tragen. Und was machen Sie in dieser Situation, die hinlänglich bekannt ist? – Sie appellieren, wie das zum Beispiel ein Tiroler Kollege von Ihnen einmal gemacht hat, dort an die Nach­barschaftshilfe, wo die Kinderbetreuungsplätze fehlen. Sie erklären – wie auch der Vorredner – die Wahlfreiheit zum Prinzip des Angebots, aber die Wahlfreiheit zwischen nichts und nichts ist leider keine große Hilfe! (Beifall bei den Grünen und bei Abge­ordneten der SPÖ.)

Die 40- bis 60-jährigen Frauen – das ist ein ganz merkwürdiges Phänomen – schiebt man schon fast zum „alten Eisen“ ab. Versuchen Sie als 45-jährige Frau, einen Ar­beitsplatz zu finden und vom Arbeitsmarktservice vermittelt zu werden – schwer vermit­tel­bar! Nachdem man sozusagen zuerst reduzierte Chancen auf dem Arbeitsmarkt hatte, denn frau könnte ja Kinder bekommen, die sie dann betreuen muss, hat man später keine Chancen mehr, weil man ab 40 einfach zu alt ist. Das ist sehr prekär.

Man dient als Frau dann allerdings noch dazu, Enkelkinder und Eltern zu pflegen – das wurde ja heute auch zur großen sozialen Errungenschaft der Regierung erhoben. Man sagt den Leuten, kümmert euch selbst um eure Familienangehörigen, denn der Staat hat nicht sehr viel zu bieten, wir haben vor, die private Pflege und Versorgung zum obersten Prinzip zu erheben. – Und das heißt in Wirklichkeit, Gratisfrauenarbeit noch sehr viel mehr einzufordern von Staats wegen. – Danke, diese Generationenpolitik brauchen wir nicht! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Sehr geehrte Damen und Herren der Regierungskoalition! Erzählen Sie mir bitte nicht, dass es außerhalb von Lainz das vollkommene Leben in Würde, Selbstbestimmung und Freiheit für alte Menschen in Pflegeheimen gibt. (Präsident Dr. Khol gibt das Glockenzeichen.)

Ich komme zum Schlusssatz: Es braucht nicht nur einen Ausgleich – und zwar nicht einen rhetorischen, sondern einen realen Ausgleich – der Interessen zwischen den Generationen, sondern auch einen innerhalb der Generationen und zwischen Männern und Frauen. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

10.14

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zum Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.


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Einlauf und Zuweisungen

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Hinsichtlich der eingelangten Verhandlungsgegenstände und deren Zuweisungen verweise ich gemäß § 23 Abs. 4 der Geschäftsordnung auf die im Sitzungssaal verteilte Mitteilung.

Die schriftliche Mitteilung hat folgenden Wortlaut:

A. Eingelangte Verhandlungsgegenstände:

1. Schriftliche Anfragen: 859/J bis 912/J.

Schriftliche Anfrage an den Präsidenten des Nationalrates: 10/JPR.

2. Anfragebeantwortungen: 725/AB bis 785/AB.

Anfragebeantwortungen (Präsident des Nationalrates): 9/ABPR und 10/ABPR.

3. Regierungsvorlagen:

Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über Fachhochschul-Studiengänge (Fach­hochschul-Studiengesetz) geändert wird (217 d.B.),

Außerstreitgesetz – AußStrG (224 d.B.),

Außerstreit-Begleitgesetz – AußStr-BegleitG (225 d.B.),

Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über den Transport von Tieren auf der Straße (Tiertransportgesetz-Straße-TGSt) geändert wird (233 d.B.),

Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die allgemein beeideten und ge­richtlich zertifizierten Sachverständigen und Dolmetscher (SDG) und das Bundes­gesetz über die Gerichts- und Justizverwaltungsgebühren (Gerichtsgebührengesetz – GGG) geändert werden (234 d.B.),

Bundesgesetz über die Verlegung des Bezirksgerichts Linz-Land nach Traun und die Änderung des Jugendgerichtsgesetzes 1988 (235 d.B.),

Bundesgesetz, mit dem das Medizinproduktegesetz geändert wird (236 d.B.),

Bundesgesetz, mit dem das Zweckzuschussgesetz 2001 geändert wird (237 d.B.).

4. Gesetzesantrag des Bundesrates:

Gesetzesantrag des Bundesrates vom 9. Oktober 2003 betreffend ein Bundesver­fas­sungsgesetz, mit dem das Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) geändert wird (232 d.B.).

B) Zuweisungen:

Zuweisungen seit der letzten Sitzung gemäß §§ 32a Abs. 4, 80 Abs. 1, 100 Abs. 4, 100b Abs. 1 und 100c Abs. 1:

Budgetausschuss:

Bericht des Bundesministers für Finanzen über die Genehmigung von überplan­mäßi­gen Ausgaben im 3. Quartal 2003 (Vorlage 15 BA);

Ausschuss für Petitionen und Bürgerinitiativen:

Petition Nr. 14 betreffend „Handelsware Wasser“, überreicht von der Abgeordneten Erika Scharer.

2. Zuweisungen in dieser Sitzung:

a) zur Vorberatung:


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Budgetausschuss:

Bundesrechnungsabschluss für das Jahr 2002 (III-44 d.B.);

Finanzausschuss:

Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Republik Namibia über die Förderung und den Schutz von Investitionen samt Protokoll (244 d.B.);

Verfassungsausschuss:

Vertrag zwischen dem Königreich Belgien, dem Königreich Dänemark, der Bundes­republik Deutschland, der Hellenischen Republik, dem Königreich Spanien, der Fran­zösischen Republik, Irland, der Italienischen Republik, dem Großherzogtum Luxem­burg, dem Königreich der Niederlande, der Republik Österreich, der Portugiesischen Republik, der Republik Finnland, dem Königreich Schweden, dem Vereinigten König­reich Großbritannien und Nordirland (Mitgliedstaaten der Europäischen Union) und der Tschechischen Republik, der Republik Estland, der Republik Zypern, der Republik Lettland, der Republik Litauen, der Republik Ungarn, der Republik Malta, der Republik Polen, der Republik Slowenien, der Slowakischen Republik über den Beitritt der Tsche­chischen Republik, der Republik Estland, der Republik Zypern, der Republik Lettland, der Republik Litauen, der Republik Ungarn, der Republik Malta, der Republik Polen, der Republik Slowenien und der Slowakischen Republik zur Europäischen Union samt Schlussakte (230 d.B.);

b) zur Enderledigung im Sinne des § 28b GOG (vorbehaltlich der endgültigen Entscheidung des Ausschusses):

Wirtschaftsausschuss:

Tätigkeitsbericht der Bundeswettbewerbsbehörde 2002/2003, vorgelegt vom Bundes­minister für Wirtschaft und Arbeit (III-58 d.B.),

Bericht des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über die Lage der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in Österreich 2002 (III-62 d.B.);

Ausschuss für Wissenschaft und Forschung:

Bericht des Akkreditierungsrates gemäß § 4 Abs. 9 UniAkkG, BGBl. I Nr. 168/1999 i.d.g.F., über die Tätigkeit des Akkreditierungsrates im Jahre 2002, vorgelegt von der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur (III-59 d.B.),

Bericht des Fachhochschulrates gemäß § 6 Abs. 2 Z 7 FHStG über die Tätigkeit des Fachhochschulrates im Jahre 2002, vorgelegt von der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur (III-60 d.B.),

Bericht des Universitätenkuratoriums im Sinne des § 83 Abs. 3 des UOG 1993 über seine Tätigkeit in den Kalenderjahren 2002/2003, vorgelegt von der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur (III-61 d.B.).

*****

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weiters gebe ich bekannt, dass der Vierte Bericht des Unvereinbarkeitsausschusses an alle Mitglieder des Nationalrates verteilt wurde.

Weiters sind folgende Vorlagen eingelangt:

Protokoll über die Vorrechte und Immunitäten der Europäischen Organisation für die Nutzung von Meteorologischen Satelliten (EUMETSAT) in der Fassung der Änderung vom 26. Juni 2001 (218 der Beilagen) und


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Übereinkommen zur Durchführung der Bestimmungen des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1982 über die Erhaltung und Bewirt­schaf­tung gebietsübergreifender Fischbestände und weit wandernder Fischbestände – Er­klärungen (223 der Beilagen).

Nach Rücksprache mit den Mitgliedern der Präsidialkonferenz schlage ich gemäß § 28a der Geschäftsordnung vor, von der Zuweisung dieser Gegenstände an einen Ausschuss abzusehen und sie bei der Erstellung der Tagesordnungen der nächsten Sitzungen zu berücksichtigen.

Wird dagegen Widerspruch erhoben? – Das ist augenscheinlich nicht der Fall. Wir ge­hen daher so vor.

Ankündigung einer Dringlichen Anfrage

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Der Klub der Grünen hat gemäß § 93 Abs. 2 der Ge­schäfts­ordnung das Verlangen gestellt, die vor Eingang in die Tagesordnung einge­brachte schriftliche Anfrage 913/J der Abgeordneten Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend „Aktien, Treuhänder und Ver­fas­sungsbruch“ dringlich zu behandeln.

Gemäß der Geschäftsordnung wird die Dringliche Anfrage um 15 Uhr behandelt werden.

Verlangen auf Durchführung einer kurzen Debatte über die Anfragebeantwortung 711/AB

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weiters teile ich mit, dass das gemäß § 92 der Ge­schäfts­ordnung gestellte Verlangen vorliegt, eine kurze Debatte über die Beantwor­tung 711/AB der Anfrage 697/J der Abgeordneten Schasching, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend ganztägige Schulformen in Österreich durch die Frau Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur abzuhalten.

Da für die heutige Sitzung die dringliche Behandlung einer schriftlichen Anfrage verlangt wurde, wird die kurze Debatte im Anschluss an diese stattfinden.

Behandlung der Tagesordnung

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Es ist vorgeschlagen, die Debatten über die Punkte 1 und 2, 3 und 4, 5 und 6 der Tagesordnung jeweils zusammenzufassen.

Wird dagegen eine Einwendung erhoben? – Das ist nicht der Fall. Wir gehen daher so vor.

Redezeitbeschränkung

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir gehen in die Tagesordnung ein.

In der Präsidialkonferenz wurde Konsens über die Dauer und Gestaltung der Debatten erzielt: Demgemäß wurde eine Tagesblockzeit von 8 „Wiener Stunden“ vereinbart, so­dass sich folgende Redezeiten für die Fraktionen ergeben: ÖVP und SPÖ je 140 Mi­nuten, Freiheitliche 96 Minuten, Grüne 104 Minuten.

Weiters wurde folgende Redezeitvereinbarung für die Debatten in der Zeit bis 14.50 Uhr, die vom ORF übertragen werden, getroffen: Erklärung des Bundeskanzlers mit 20 Minuten sowie Erklärung des Vizekanzlers mit 20 Minuten, anschließend je eine


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Wortmeldung jeder Fraktion mit je 15 Minuten, sodann eine Wortmeldung jeder Frak­tion mit je 10 Minuten, anschließend je eine Wortmeldung pro Fraktion mit je 5 Minu­ten, wobei der den Vorsitz führende Präsident darauf achtet, dass die letzte Runde gleichmäßig zu Wort kommt.

Ferner besteht die Absicht, die Sitzung von 13 Uhr bis 13.15 Uhr zu unterbrechen. In der Folge wird pro Fraktion eine Wortmeldung mit je 5 Minuten, dann ein Regie­rungs­mitglied mit 7 Minuten, dann pro Fraktion ein Redner mit je 5 Minuten, weiters eine Wortmeldung eines Regierungsmitgliedes mit 7 Minuten, sodann eine Wortmeldung pro Fraktion mit 4 Minuten, in weiterer Folge eine Wortmeldung eines Regierungsmit­gliedes mit 7 Minuten und schließlich je eine Wortmeldung pro Fraktion mit 4 Minuten. Die vor der letzten Rednerrunde verbleibende Redezeit wird gerecht verteilt.

Weiters besteht darüber Einvernehmen, dass tatsächliche Berichtigungen erst nach 14.50 Uhr, allerdings nicht länger als bis 15 Uhr, aufgerufen werden.

Wird dagegen ein Einwand erhoben? – Das ist nicht der Fall.

Wir kommen sogleich zur Abstimmung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die diesem Vorschlag zustimmen, um ein diesbe­zügliches Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen.

1. Punkt

Erklärung des Bundeskanzlers gemäß § 19 Absatz 2 der Geschäftsordnung des Nationalrates anlässlich der Ernennung von Bundesminister Hubert Gorbach zum Vizekanzler

2. Punkt

Erklärung des Vizekanzlers gemäß § 19 Absatz 2 der Geschäftsordnung des Na­tionalrates

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir gelangen nun zu den Punkten 1 und 2 der Tages­ordnung, über welche die Debatte unter einem durchgeführt wird.

Ich erteile nun dem Herrn Bundeskanzler zur Abgabe der Erklärung das Wort. 20 Minu­ten. – Herr Bundeskanzler, Sie sind am Wort.

 


10.20

Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel: Herr Präsident! Hohes Haus! Ich darf Ihnen einen Wechsel in der Bundesregierung vorschlagen (ironische Heiterkeit bei der SPÖ und den Grünen): Hubert Gorbach übernimmt von Herbert Haupt die Verantwortung als Vizekanzler der Republik Österreich. Die Regierungsmannschaft und -frauschaft bleibt sonst unverändert.

Meine Damen und Herren! Ich möchte an dieser Stelle Herbert Haupt ein Wort des Dankes sagen. Er bleibt natürlich Sozialminister. Er hat immerhin in schwierigen Zeiten die Freiheitliche Partei als Parteiobmann übernommen, und das bleibt er natürlich auch. (Neuerliche ironische Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ und der Grünen.) Er hat in einer sehr interessanten und spannungsreichen Zeit die gesamte Frage der Ar­beit in der Pensionssicherungsreform, in der Sozialpolitik übernommen, und er hat seit Angelobung dieser Bundesregierung das Amt des Vizekanzlers innegehabt.

Ich kann nur sagen: Ich habe mit Herbert Haupt sehr gerne zusammengearbeitet. Wir haben uns auch gut verstanden und haben, glaube ich, in den ersten sechs, sieben


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Monaten einiges weitergebracht. – Ein großes Dankeschön für seine Leistung! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Hubert Gorbach ist relativ neu in unserem Team, er ist allerdings ein langjähriger Re­gierungsprofi. Ich erinnere mich: Wir waren gemeinsam für Infrastrukturaufgaben ver­antwortlich – ich als Wirtschaftsminister auf Bundesebene, er im Land Vorarlberg. Seit Februar ist er nun Infrastrukturminister und damit zuständig für die wichtigsten Zu­kunftsaufgaben, nämlich für die Infrastruktur und für die Forschung in Österreich, und er hat dies mit großer Fachkenntnis, mit Zähigkeit und auch mit einem enormen euro­päischen Einsatz geschafft.

Was er einbringt – und das hier festzuhalten ist, glaube ich, auch wichtig –, sind Nüch­ternheit, alemannische Trockenheit und Umsicht, Offenheit und Gewissenhaftigkeit in seiner Arbeit, Erfahrung und Einsatzfreude. – Ich wünsche ihm alles Gute für seine Arbeit in den kommenden Jahren. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Mag. Posch: Bei den Jahren wäre ich mir nicht so sicher!)

Erlauben Sie mir auch ein offenes persönliches Wort: Es ist natürlich nicht ganz so einfach, innerhalb von drei Jahren mit drei ganz verschiedenen Persönlichkeiten – zuerst Susanne Riess-Passer, dann Herbert Haupt und jetzt Hubert Gorbach – zu­sammenzuarbeiten. Aber ich habe es gestern schon gesagt: Nur wer sich ändert, bleibt sich treu! Dieses Motto muss jeder für sich selbst anwenden, und ich versuche es. Ich werde versuchen, ein möglichst guter Partner zu sein, und ich erwarte das natürlich auch von den Teammitgliedern in der österreichischen Bundesregierung.

Meine Damen und Herren! Die Freude und vor allem den Schwung, den Hubert Gorbach gestern und vorgestern bereits ausgestrahlt hat, brauchen wir alle, und er gibt uns auch die Sicherheit, nach unserem Motto „Mit ganzer Kraft für Österreich“ in den kommenden Jahren gut zusammenzuarbeiten. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Der Arbeitsumfang der ersten sieben Monate war ja tatsächlich gewaltig. Wenn Sie etwa nur daran denken: Wir haben ein Doppelbudget zustande gebracht! Und wenn Sie heute ein wenig – ein wenig! – versuchen, objektiv zu sein und sich auch die Ver­gleichszahlen anderer europäischer Länder anzusehen, dann werden Sie draufkom­men, dass Österreich seine Sache nicht so schlecht gemacht hat.

Wir haben jetzt zwei Jahre – 2001 und 2002 – ein ausgeglichenes Budget, und wir ha­ben mehr Wirtschaftswachstum als alle anderen Länder, die teilweise exzessive Defi­zite haben. Derzeit verletzen vier europäische Länder den Stabilitätspakt. Alle diese Länder haben Defizite über 3 Prozent und wesentlich weniger Wirtschaftswachstum als Österreich.

Das heißt, wir haben in schwieriger Zeit bewiesen – ich will die Probleme überhaupt nicht negieren oder schönreden, nein! –, wir haben es zustande gebracht, in schwie­riger Zeit die fiskalpolitische und stabilitätspolitische Balance zu halten, aber trotzdem Wachstumsimpulse zu halten und damit auch eine beachtliche Zahl von Arbeitsplätzen in Österreich zu sichern. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Wir sind in diesen Jahren europapolitisch auf der Über­holspur. Wenn Sie sich die Durchschnittszahlen der Euro-Zone ansehen; werden Sie feststellen, wir haben voriges Jahr ein halbes Prozent mehr Wirtschaftswachstum ge­habt als die Euro-Zone und werden aller menschlichen Voraussicht nach auch heuer stärker wachsen als die Euro-Zone. Ich glaube daher, dass wir mit Fug und Recht sagen können, dieser Kurs ist – bei aller Schwierigkeit – gerechtfertigt.

Es ist auch die Ausgabenquote in Österreich innerhalb der letzten Jahre deutlich ge­sunken. Wir hatten im Jahr 1999 eine Ausgabenquote von über 54 Prozent, gemessen


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am Bruttoinlandsprodukt, und wir haben sie um 3 Prozentpunkte gesenkt. Das zeigt, dass eigentlich die gesamte Sanierung tatsächlich auf der Ausgabenseite gelungen ist, und das ist wichtig, denn die Steuer- und Abgabenbelastung in Österreich ist ja relativ hoch.

Dennoch haben wir in dieser Zeit Akzente gesetzt: Wir geben für Bildung im nächsten Jahr 9 Milliarden € aus, für Infrastruktur 2,5 Milliarden, für die Familien rund 5 Milliar­den. Und ich glaube, dass man auch darauf hinweisen sollten, dass jetzt die Ent­lastung der Steuerzahler und der Bürger beginnt, und zwar massiv: Ab 1. Jänner werden alle Steuerzahler, die weniger als 14 500 € verdienen – und das sind zusam­mengerechnet immerhin fast 2,5 Millionen Österreicher – überhaupt keine Steuern mehr zahlen.

Es werden 200 000 Betriebe massiv entlastet, weil für den nicht entnommenen Ge­winn, also für das Geld, das im Betrieb verbleibt, nur mehr der halbe durchschnittliche Steuersatz bezahlt werden muss; der 13. Umsatzsteuermonat entfällt. Damit haben wir mit den Konjunkturprogrammen ab Jänner netto eine Entlastung von rund 1 Milliarde €. Das heißt: die Steuersenkung, die Entlastung beginnt. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Anhand der Abgabenquote, die Sie ja immer wieder kritisiert haben, meine Damen und Herren von der Opposition, sieht man auch sehr klar diese Entwicklung: Ja, wir haben im Jahr 2001 mit 45,4 Prozent eine relativ hohe Abgabenquote gehabt. Mittlerweile sind wir bereits um fast 2 Prozent darunter und liegen heuer schon unter den Werten der Jahre 1997, 1998 und 1999. Das heißt, sowohl die Ausgabenquote als auch die Ein­nahmenquote ist gesunken, und wir sind damit eigentlich in einer günstigeren Position als in der Zeit, als wir die Verantwortung in der Bundesregierung im Jahr 2000 übernommen haben.

Dazu kommen zwei Konjunkturpakete, die uns nachweislich – bewiesen vom Wirt­schaftsforschungsinstitut – ein halbes, ein drei viertel Prozent mehr Wirtschaftswachs­tum gebracht haben. In Österreich haben wir die niedrigste Inflationsrate in Europa. Wir waren voriges Jahr der Exportsieger in Europa und haben erstmals einen Handelsbi­lanz­überschuss gehabt.

Nochmals: keine Lobeshymnen, aber eine realistische Betrachtung dessen, was ist. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Politik lebt von zwei Dingen: von der Stabilität und von der Veränderung. Die Politik braucht auch die Veränderung, weil wir natürlich mit sehr vielen wechselnden Rahmenbedingungen konfrontiert sind. Es ist so, wie es gestern die deutschen Wirtschaftsforscher öffentlich gesagt haben: Es braucht auch die Sta­bilität und die Berechenbarkeit eines Kurses. Und wir in Österreich leben das. Wir ha­ben rascher und früher – ich glaube: auch sorgfältiger – als andere Länder, wie etwa Italien, Deutschland, Frankreich, die Pensionssicherungsreform durchgesetzt. Und wer sich heute ansieht, was alles rings um uns diskutiert oder schon umgesetzt wird, wird erkennen, dass Österreich auch in diesem Bereich einen vernünftigen Weg gewählt hat.

In Deutschland denkt die rot-grüne Regierung jetzt laut darüber nach, das Pen­sionsantrittsalter auf 67 Jahre anzuheben. Die Rentner in Deutschland werden nächs­tes Jahr wahrscheinlich überhaupt keine Pensionserhöhung bekommen. Ich bin stolz darauf – ich sage das offen –, dass wir es in Österreich zustande gebracht haben, Ähnliches durch eine rechtzeitig angesetzte Pensionssicherungsreform zu verhin­dern. – Herbert Haupt gehört hier vor den Vorhang, denn er war und ist der verant­wort­liche Sozialminister und Generationenminister im wahrsten Sinne dieses Wortes, der dies durchgesetzt hat. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)


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Wenn in Italien jetzt das Pensionsantrittsalter um fünf Jahre hinaufgesetzt werden soll, und zwar in relativ raschem Tempo, muss ich wieder sagen: Wir haben eben recht­zeitig – im Jahr 2000 – begonnen, und wir werden im Jahr 2017, also mit einer langen Per­spektive von einer ganzen Generation, diesem Ziel nachgekommen sein.

Meine Damen und Herren! Ich glaube, dass dieser Weg durchaus kritisiert werden kann, aber er ist verantwortbar. Und ich stehe nicht an, mit meinem ganzen Herzen und mit meiner ganzen Kraft auch die Richtigkeit dieses Kurses öffentlich zu vertreten, weil ich überzeugt bin davon, dass dies der Generationensicherheit und -gerechtigkeit, der Fairness des Sozialvertrages am besten dient und nützt. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Erlauben Sie auch, meine Damen und Herren, dass ich ein Wort zu Europa sage, nachdem wir ja am vergangenen Wochenende einen sehr wichtigen Europäischen Rat gehabt haben.

Wer im neuen Europa, im erweiterten Europa eine Rolle spielen will – politisch, wirt­schaftlich, kulturell –, der muss sich mit den Entwicklungen in dieser Region aus­einan­der setzen.

Da ist zunächst einmal die Erweiterung, die in 28 Wochen stattfinden wird. – Ich war immer ein absoluter, überzeugter Anhänger der Notwendigkeit dieser Wiedervereini­gung Europas, und ich glaube, dass bisher auch alle wirtschaftlichen Daten, alle Er­fahrungen diese Erwartung vieler von uns bestätigen.

Auf der anderen Seite müssen wir aber genauso kritisch und selbstkritisch fragend eingestehen, dass es nicht nur Gewinner geben wird, denn wir sehen ganz klar, dass der Wettbewerb härter werden wird, dass wir uns mehr anstrengen müssen, dass es nicht genügt, sich auf den Lorbeeren von gestern oder auf dem bewährten Status quo von vorgestern auszuruhen.

Sehen wir uns die Situation rings um uns an! – Hubert Gorbach hat mit Recht darauf hingewiesen, dass wir hier ein ständiges Monitoring machen müssen: Wie schaut es mit den Steuersätzen, mit den Rahmenbedingungen rings um uns aus?, damit wir in Österreich die Standortvorteile im Herzen Europas optimal nützen können. Daher werden wir eine solche Ständige Arbeitsgruppe einrichten, die diese Bewertung macht, und wir werden natürlich auch darauf reagieren. Das wird notwendig sein, wenn wir die Chancen der Erweiterung für unsere Arbeitnehmer, für die Unternehmer, für die Bauern, für alle Berufsgruppen optimal nützen wollen. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Daher ist das Nützen dieser Chancen das eigentliche Thema der nächsten Monate und Jahre, und da gibt es eine ganze Reihe von spannenden Möglichkeiten und Instru­menten. Darf ich in diesem Zusammenhang etwa nur an die Strukturfonds, an die Re­gionalförderungen der Europäischen Union erinnern: Die Union bietet uns für die Jah­re 2000 bis 2006 immerhin 6,6 Milliarden € an Geld für Strukturreformen; davon kom­men rund 1,2 Milliarden direkt aus den EU-Budgets. Und es kommen noch 7 Milliar­den € für den so genannten ländlichen Raum dazu. Das sind sogar 3,2 Milliarden aus den Brüsseler Töpfen.

Was mir aufgefallen ist: Wir haben derzeit über 50 Prozent der Projekte, von denen meiner Meinung nach etwa 1 bis 1,5 Milliarden € für die Grenzregionen nutzbar ge­macht werden können, noch nicht ausgeschöpft. Und das ist eine gemeinsame Auf­gabe für die Minister, für Sepp Pröll etwa oder Martin Bartenstein besonders und vor­rangig, aber natürlich auch für das Zusammenspiel mit den Gebietskörperschaften. Und wir werden genau darauf achten, dass diese europäische Chance einer struk-


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turellen Erneuerung optimal genützt wird, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ein weiterer Bereich ist der Infrastruktur- und Forschungsbereich, etwas, wofür vor allem der neue Vizekanzler zuständig sein wird. Er hat durchgesetzt – und das ist ein ganz großer Erfolg, der nicht von Anfang an klar gewesen ist –, dass die Europäische Union – Vorschlag der Kommission – nunmehr 29 konkrete transeuropäische Netz­werkprojekte vorschlägt, mit einem Volumen von 220 Milliarden €, davon immerhin sechs Projekte für uns, mit einem Volumen von, vorsichtig geschätzt, 15 Milliarden € – allein für Österreich! Wenn Sie das umsetzen und herunterbrechen auf die Erfahrung, die natürlich jeden Bürger interessiert, dann kommt heraus, dass wir damit 1 600 Kilo­meter Straße, 2 500 Kilometer Schiene, zusammen also 4 000 Kilometer Infrastruk­tur, ganz konkret nützen können.

Meine Damen und Herren! Wir werden uns gemeinsam anstrengen und unseren Infrastrukturminister und Vizekanzler dabei optimal unterstützen müssen, damit wir diese historische Chance des Instruments der TENs, der Forschung, der Regional­politik auch wirklich umsetzen können.

Noch etwas: Wir haben am Wochenende natürlich neben der Wachstumsinitiative, die die Kommission vorbereitet hat und die jetzt auf österreichische Initiative um 25 na­tionale Konjunkturbelebungsprogramme ergänzt wird, die Frage des Projekts der euro­päischen Verfassung diskutiert. Natürlich ist es weit zu früh, hier Ergebnisse zu nen­nen, aber nachdem wir im entsprechenden Europa-Ausschuss die Frage doch intensiv behandelt haben, will ich hier doch einen Zwischenbericht insofern geben, als ich sage, dass ich durchaus optimistisch bin, dass einige ganz wichtige Anliegen, die uns alle verbinden, zumindest in greifbare Nähe gerückt sind.

Es wird schwierig sein, bis Dezember den Zeitplan und die Substanz einzuhalten, aber ich glaube doch, dass sich in der Frage der Institutionen etwa herauskristallisiert, dass es wahrscheinlich einen gewählten Präsidenten des Europäischen Rates geben wird, aber er wird begleitet von einer rotierenden Teampräsidentschaft, etwas, was unsere Außenministerin Benita Ferrero-Waldner schon sehr früh in die Diskussion geworfen hat und was immer mehr europäische Anhänger gewinnt. Und es wird auch so sein, dass dieser Präsident des Europäischen Rates nicht eine Konkurrenz etwa zum Kommissionspräsidenten ist oder gar eine überragende Vorsitzfunktion, Sprecherfunk­tion für die gesamte Union haben wird, sondern er wird ein Vorsitzender – nicht mehr und nicht weniger – für den Europäischen Rat sein.

Der europäische Außenminister gewinnt Gestalt. Immer mehr Länder schließen sich diesem Konsens an. Sicher ist die Frage: eher beim Rat oder eher bei der Kommission angesiedelt, mit welchen parlamentarischen Befugnissen und Kontrollrechten ausge­stattet? Das wird noch heftig diskutiert werden, aber im Prinzip steht diese Idee.

Und genauso ist es in der Frage der Kommission, wo es Zuspruch zu unserem Modell gibt, nämlich: Jedes Mitgliedsland soll ein Mitglied der Kommission benennen dürfen, der oder die dann als europäischer Repräsentant tätig wird, mit Sitz und Stimme, wenn­gleich auch nicht mit vollen Kompetenzen, wohl aber Aufgaben in der Kom­mission ausgestattet. Ich würde sagen, dass wir, quasi als Zwischenstufe, etwa 15, 16 Länder in unser „Camp“ gebracht haben, dass aber immer noch etwa ein Drittel der Mitgliedsländer dieser Idee skeptisch gegenüber steht.

Was interessant gewesen ist, war die Sicherheitsdiskussion, etwas, was wir auch im Ausschuss erörtert haben, wo wir große Bedenken hatten, dass hier ein kleiner geschlossener Klub entstehen könnte, der nicht für alle Mitgliedsländer der Union offen wäre und der möglicherweise sicherheitspolitisch nicht vom Willen aller getragen wäre.


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Da gibt es nach der ersten Diskussion doch immerhin die Bereitschaft der eigentlichen Erfinder dieser Idee, dass es ein offenes Modell sein soll, bei dem jeder zu jedem Zeitpunkt beitreten kann, und dass es ein europäisches Modell sein soll, abgestützt auf die Friedensziele der Europäischen Union.

Meine Damen und Herren! Ich glaube, dass damit in der europäischen Perspektive einiges in Bewegung gekommen ist.

Für den Herbst haben Hubert Gorbach und ich uns Folgendes an Aufgaben vorge­nommen:

Wir beginnen bereits nächsten Montag mit einer großen Gesundheitskonferenz, einem Reformdialog, bei dem sämtliche Parteien des Hohen Hauses, alle Sozialpartner, alle Bundesländer mit eingeschlossen sind.

Die Harmonisierung der Pensionsreform wird bis Jahresende dem Hohen Haus unter­breitet werden.

Wir werden Mitte November an einem Konjunkturprogramm arbeiten, das wir Ihnen dann auch Mitte November vorstellen werden.

Eine Forschungsinitiative gewinnt Gestalt.

Die ÖBB-Reform ist derzeit in Verhandlung, und die Steuerreform wird von Dezember bis Mitte Jänner so weit vorbereitet, dass wir sie Ihnen dann vorstellen können.

Hohes Haus! Meine Damen und Herren! Das Arbeitsprogramm ist mit Sicherheit an­spruchsvoll. Ja, wir müssen vieles anpacken, was unkorrigiert so nicht mehr haltbar ist! Ich gebe zu, Reformen sind nicht immer bequem. Sie sind manchmal schmerzhaft, sie sind manchmal unbequem. Aber wir sind nicht angetreten, um uns an die Ver­gangenheit zu klammern, wir wollen und müssen für die Zukunft arbeiten, für eine nach­haltige Sicherung unserer Möglichkeiten, für mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen, für zukunftsfeste Bildungschancen, für Arbeitsplätze in leistungsstarken Betrieben, für eine haltbare Balance zwischen Zuwanderung und den Notwendigkeiten und Wünschen der einheimischen Bevölkerung und für einen guten Platz in Europa.

Meine Damen und Herren! Ich bitte Sie, ich lade Sie ein: Begleiten Sie diese not­wendigen Reformen! Prüfen Sie unsere Vorschläge, kritisieren Sie oder ergänzen Sie, aber verweigern Sie sich nicht! Machen wir diese Reformen gemeinsam, Schritt für Schritt – nachvollziehbar, transparent, für den Bürger verständlich. – Die Bundesre­gierung wird mit neuem Schwung und ganzer Kraft für Österreich arbeiten! (Lang anhaltender Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

10.39

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Ich danke dem Herrn Bundeskanzler für seine Aus­führungen. (Abg. Dr. Jarolim: Für seine Plauderstunde! Eine herzzerreißende Plauder­stunde!)

Nunmehr erteile ich dem Herrn Vizekanzler das Wort. Auch Ihre Redezeit beträgt 20 Minuten. – Bitte.

 


10.40

Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie Vizekanzler Hubert Gorbach: Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Präsident! Geschätzte Abgeordnete! Zuseher und Zuhörer, die Sie live via Fernsehen dabei sind! Meine Damen und Herren Kollegen auf der Regierungsbank! Wir Freiheitlichen haben uns bereits im Jahr 2000 mit mutigen Ideen und Reformeifer entschlossen, Regierungsverantwortung zu über­nehmen. Wir haben uns 2003 erneut mit der Österreichischen Volkspartei auf ein Re­gierungsprogramm geeinigt und setzen dieses nun auch gemeinsam um.


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Ich selbst war beim ersten wie beim zweiten Mal Mitglied des Verhandlungsteams und kann deshalb mit Fug und Recht behaupten – weil ich dabei war, weil ich es weiß –, dass wir sehr viele freiheitliche Ideen, sehr viel freiheitliche Politik in dieses Regie­rungs­programm mit hineinverhandeln, mit hineinpacken konnten. Und ich bin nach wie vor sicher, meine Damen und Herren, dass es sich hier um ein Regierungsprogramm handelt, das für dieses Land exzellente Rahmenbedingungen schafft. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Rahmenbedingungen, damit wir unseren Wirtschaftsstandort ausbauen und sichern können, Rahmenbedingungen, damit wir uns im internationalen Wettbewerb nicht nur behaupten, sondern in Zukunft noch besser bewegen können, Rahmenbedingungen, damit wir unsere und auch die Pensionen unserer Kinder sichern können, damit wir jungen Menschen helfen können, ihre Lebensmodelle umzusetzen, sei es mit einer guten Ausbildung – auch das ist ein Schwerpunkt dieser Regierungsarbeit (Abg. Dr. Glawischnig: Wo denn?) –, sei es mit Förderungen für Familien – das ist uns Freiheitlichen immer ein wichtiges Anliegen gewesen und auch dieser Bundesre­gierung –, oder sei es durch die Schaffung, nicht nur Erhaltung, sondern Schaffung, neuer, attraktiver, zukunftsorientierter Arbeitsplätze, Rahmenbedingungen, damit wir sicher in diesem Land leben können, und Rahmenbedingungen, dass die Gesund­heitsvorsorge nicht gefährdet ist. Kurz: Dieses Reformprogramm ist ein Garant für eine nachhaltige hohe Lebensqualität der Österreicherinnen und Österreicher, eben für eine gute Zukunft in unserem Land. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Ich glaube an dieses Modell der bürgerlichen Regierung, ich habe das immer getan. Es hat der Herr Bundeskanzler schon gesagt, dass ich vorher zehn Jahre in einer Landesregierung war, ebenfalls in einer bürgerlichen Zu­sammenarbeit, und es wurde heute auch schon erwähnt, dass man sich auch einen Blick über die nationalen Grenzen erlauben muss. Und wenn ich einen Blick in das benachbarte Deutschland mache, wo bekanntlich Rot-Grün am Werk ist, dann über­zeugt mich das noch mehr darin, dass ich immer schon richtig lag mit der Aussage: Eine bürgerliche Zusammenarbeit ist das beste für das Land heute und vor allem auch morgen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Natürlich freuen wir alle uns nicht darüber, wie es im Nachbarland aussieht, aber es ist eine politische Realität, dass dort ein rentenpolitisches Chaos herrscht, dass dort eine Rekordneuverschuldung von 42 Milliarden € debattiert wird, dass dort sozialpolitische Realität übergangen wird und wir einen Tiefpunkt der deutschen Sozialpolitik fest­stellen können. Das ist politische Realität! Meine Damen und Herren, glauben Sie uns deshalb, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben!

Ich weiß natürlich, dass ich gerade in meinem Ressort noch viel zu tun habe, da gibt es Versäumnisse aus den letzten Jahrzehnten. Ich zeige hier nicht mit dem Finger auf irgendeine politische Partei, aber die Verantwortung der letzten Jahrzehnte ist klar. Es gibt viel zu tun, und ich werde auch auf europäischer Ebene – so wie bisher in den ersten acht Monaten meiner Zeit in der Bundesregierung – gerne und engagiert kämpfen, zum Beispiel um eine Verlängerung des Transitvertrages zu erzielen. Das wird für uns Österreicher noch ganz wichtig sein, nicht nur, weil heute Tirol die großen Probleme hat, sondern auch, weil wir berücksichtigen müssen, dass sich durch die Ostöffnung einiges gerade im Osten Österreichs abspielen wird.

Wenn man weiß, dass die Prognosen für 2015 eine Zunahme im Bereich der LKW von etwa 70 Prozent und im Bereich der PKW von rund 30 Prozent ausweisen, dann ist klar, dass man alles zu tun hat, um die Bevölkerung vor diesen Lasten, vor dieser Mo­bilitätslawine zu schützen. Deshalb wird es wichtig sein, erstens eine Verlängerung des Transitvertrages zu erzielen – deshalb kämpfe ich auch so – und zweitens dafür zu sorgen, dass die Wegekostenrichtlinien auch mit Fleisch am Knochen, wie ich immer


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zu sagen pflege, möglichst rasch beschlossen werden, um verkehrspolitisch etwas zu tun, nämlich die umweltfreundlichen Verkehrsträger wie etwa die Schiene zu forcieren. Auch da gibt es jahrzehntelangen Nachholbedarf, und ich werde mit großem Engage­ment daran arbeiten, diesen zu beseitigen. Ich hoffe mit Ihrer aller Unterstützung. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Es genügt nicht, gerne in der Europäischen Union zu sein. Europa ist kein Verein, wo man gelegentlich Briefmarken austauscht und jährlich den Mitgliedsbeitrag einzahlt, um dann vielleicht am Ende des Jahres zur Weihnachtsfeier eingeladen zu werden, natürlich nicht. Europa ist unsere Zukunft, Europa ist unsere Chance, Europa stellt uns aber auch vor Herausforderungen, die wir gemeinsam und besonnen angehen und bewältigen müssen, und dazu lade ich Sie ein, so wie ich das am Anfang schon getan habe.

Die Verkehrspolitik wäre so eine Frage, wo ich Sie zur Zusammenarbeit einlade, sei es, wenn es darum geht, die ÖBB neu aufzustellen, oder sei es, wenn es darum geht, die internationalen Verkehrswege in Europa gemeinsam zu forcieren und zu vertreten, wie es schon gesagt wurde, Stichwort „TEN“, „Transeuropäische Netze“. Ich lade Sie ein, auch in meiner neuen Funktion – ich bleibe gerne Verkehrsminister –, in diesen Fragen, die keine parteipolitische Punzierung haben sollten, mit mir gemeinsam das Beste für Österreich zu machen. Diese Herausforderungen, vor die uns Europa stellt, sollten wir gemeinsam annehmen, über Parteigrenzen hinweg, dann werden wir einen großen Schritt nach vorne machen und werden auch das Lob der heutigen Bevöl­kerung und der nachfolgenden Generationen bekommen. Es ist ein Gebot der Stunde! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Unsere heutige Standortpolitik wird über den Wohlstand von morgen entscheiden. Da ich in den letzten Tagen von so manchem, insbesondere Journalisten, aber auch von Freunden, auch von Ihnen, gefragt wurde, ob denn mein Ressort, das Infrastrukturressort, nicht schon groß genug sei, ob ich nicht schon aus­gelastet sei und warum ich jetzt auch noch bereit sei, Vizekanzler dieser Republik zu werden, darf ich Ihnen sagen: Natürlich werden die wichtigen Aufgaben des Bundes­minis­teriums für Verkehr, Innovation und Technologie auch in den nächsten Jahren von enormer Bedeutung sein, in Österreich, in Europa. Ich bin mir dessen voll bewusst.

Wir werden im Mai 2004 vom Rand Europas, wenn man so will, in das Herz Europas rücken, weil Europa größer wird, weil es die Osterweiterung, weil es eine Erweiterung Richtung Süden gibt, und ich glaube, das sind nicht nur Herausforderungen, die ich vorher erwähnt habe, das sind auch Chancen, die wir nützen sollten.

Der Blick nach Europa erfordert auch, dass wir interne Aufgaben rasch lösen. Die heimische Wirtschaft, meine Damen und Herren, wird im Jahr 2003 um nur 0,7 Prozent wachsen – eine Konjunkturprognose, die uns zum Handeln zwingt, wie ich meine. Dass es überhaupt 0,7 Prozent sind, verdanken wir den Konjunkturpaketen I und II. Es wurde schon erwähnt, dass das Wirtschaftswachstum zwischen 0,5 und 0,75 Prozent das Resultat insbesondere der Förderung von Forschung und Entwicklung, aber auch der Investitionen in Infrastruktur in Österreich, die wir in den Konjunkturpaketen I und II verabschiedet haben, ist. Das heißt, Österreich hätte, so wie viele andere vergleich­bare Länder, ein Nullwachstum oder sogar ein Minus, hätte man diese Entscheidungen nicht rechtzeitig getroffen. Deshalb ist es, glaube ich, gut und richtig, wenn wir, Herr Bundeskanzler, wie besprochen, intensiv ein Konjunkturprogramm III mit dem richtigen Inhalt verabschieden, um Arbeitsplätze zu sichern, um die Kaufkraft zu stärken und auch unseren Unternehmen in einer international schwierigen konjunkturellen Phase unter die Arme zu greifen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)


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Meine Damen und Herren! Ich habe das Jahr 2003 zum Jahr des Straßenbaus aus­gerufen, weil wir erstmals in dieser Republik für das hochrangige Straßennetz – Auto­bahnen und Schnellstraßen – 1 Milliarde € ausgeben und das auch fortschreiben wol­len – das Jahr 2004 wird das auf jeden Fall bringen. Ich habe auch dafür gekämpft, dass für den Ausbau der „Schieneninfrastruktur neu“ – Bahnhofsoffensive, Gleisan­lagen, zusätzliche Gleise, Modernisierungen, Attraktivierung der Bahn – jährlich 1 bis 1,2 Milliarden € zur Verfügung stehen werden beziehungsweise eingesetzt werden können. Man sollte aber auch dazusagen, dass die Investition von 1 Milliarde € in Infra­strukturbereiche 16 000 bis 18 000 neue Arbeitsplätze schafft, und das ist eine Zahl, die man auch einmal erwähnen sollte. Es ist gut investiertes Geld, wenn wir in den Straßenausbau, in die Erhöhung der Sicherheit, vor allem in den umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene mehr Geld investieren, jeweils 1 bis 1,2 Milliarden €. Das wird auch in den nächsten Jahren gut sein. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Es wurde schon gesagt: Wir sind eine sehr reformfreudige Regierung. Es stehen auch noch einige Reformen an, die Mut und Entschiedenheit brauchen. Wir Freiheitliche werden diesen Mut und auch die Entschiedenheit mit ein­bringen, die vorgesehenen Reformen, wie sie im Regierungsprogramm stehen, mit ab­zuarbeiten.

Nicht immer und überall stoßen diese Reformpläne auf Freude, man weiß das, denn die österreichische Mentalität ist ja so, dass eigentlich mehr oder weniger alle Re­formen wollen, aber sich halt nichts verändern soll. Das geht nicht, meine Damen und Herren!

Ich komme an dieser Stelle auf die ÖBB-Reform zu sprechen, nicht im Detail, wir haben noch an anderer Stelle und zu einem anderen Zeitpunkt Möglichkeiten genug, die ÖBB-Reform, wie sie jetzt in Begutachtung ist, zu diskutieren. Aber ich sage Ihnen, meine Damen und Herren: Wir brauchen diese Bahn, um die Mobilitätsanforderungen, um die Mobilitätswünsche nicht nur in Österreich, sondern in Europa mit Österreich als Partner überhaupt bewältigen zu können. Um unserer Bevölkerung, unseren An­rainern – den Bahnanrainern, den Straßenanrainern – auch weiterhin in die Augen schauen zu können und behaupten zu können: Wir haben jahrelang alles getan, um möglichst viel Verkehr, sowohl Personen- als auch Güterverkehr, von der Straße auf die Schiene, auf das umweltfreundliche Schienennetz zu verlagern!, müssen wir diese Bahnreform umsetzen, möglichst schnell und auch, das sage ich dazu, möglichst konsequent. Die Eckpunkte stehen.

Wir brauchen eine international wettbewerbsfähige Bahn, wir brauchen eine Bahn, die wieder stolz macht und vor allem ein Stück österreichische Identität darstellt – das wird wichtig sein. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Wir werden auch noch viel Mut für Reformen brauchen, wenn es gilt, zum Beispiel das Gesundheitswesen zu reformieren, wenn es gilt, Maß­nahmen für mehr Sicherheit der Bevölkerung zu treffen, wenn es gilt, die Pensions­systeme gerecht zu gestalten, sprich: zu harmonisieren, wenn es gilt, die Konjunktur durch gezielte Maßnahmen anzukurbeln. Ich habe in diesem Hohen Haus schon ein­mal gesagt: Wer Visionen hat, braucht Mut und die richtige Strategie. Und diese Bun­desregierung hat Mut und auch die richtigen Strategien. Ich werde gerne in Zukunft einen noch größeren Beitrag leisten in meiner Funktion als Vizekanzler, Österreich diesen Schwung zu verleihen, der Jahrzehnte gefehlt hat, den Österreich aber verdient und nötig hat. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Es wurde auch die Steuer- und Abgabenquote schon erwähnt: Sie ist im Sinken, aber sie ist immer noch zu hoch. Da dürfen wir die Augen nicht davor verschließen, dass wir europaweit an der Spitze liegen, was die Abgabenquote betrifft. Deshalb ist es wichtig,


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dass wir in dieser Richtung alles unternehmen, um unseren Wirtschaftsstandort in die­sem wachsenden Europa zu festigen. Ich mache darauf aufmerksam, dass immerhin vier von den zehn Ländern, die neu dazukommen, an Österreich angrenzen, dass immerhin 1 300 Kilometer Außengrenze wegfallen werden und dass das Länder sind, die wirtschaftspolitisch und steuerpolitisch flott unterwegs sind. Um den Wirtschafts­standort Österreich auch international zu festigen und wettbewerbsfähig zu machen, haben wir diese steuer- und finanzpolitischen Entwicklungen im Auge zu behalten.

Es freut mich deshalb sehr, geschätzter Herr Bundeskanzler, dass wir in Zukunft eine konstante, eine laufende Beobachtung, Evaluierung der nationalen, aber auch inter­nationalen steuerpolitischen, finanzpolitischen, wirtschaftspolitischen, konjunkturellen Ent­wicklungen vornehmen werden und dass wir daraus, wie gesagt wurde, nicht nur die Schlüsse ziehen, sondern, wenn notwendig, auch entsprechende Maßnahmen einleiten. Damit ist gesichert, meine Damen und Herren, dass wir eine flexible Steuer- und Wirtschaftspolitik haben werden, damit ist gesichert, dass wir kein starres Pro­gramm haben. – Ich bin sehr für Programme, die eingehalten werden, die abgearbeitet werden, aber wir müssen gerade in dieser Frage in diesem wachsenden Europa, wo sich wirtschaftspolitisch, steuerpolitisch so viel um uns herum tut, Flexibilität zeigen.

Deshalb freue ich mich sehr, dass der erste Schritt der großen Steuerreform, der größten in der Zweiten Republik überhaupt, mit 1. Jänner 2004 kommen wird: Einkom­men bis 14 500 € jährlich werden künftig steuerfrei gestellt sein, gut 200 000 Öster­reiche­rinnen und Österreicher werden direkt profitieren, die Nettowirksamkeit wird im­merhin 524 Millionen € ausmachen! (Abg. Mag. Kogler: Da war der Haupt noch klar!) Entlastet werden dadurch nicht weniger als 1,65 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, 730 000 Pensionisten und 60 000 Selbständige. Insgesamt mehr als 2,3 Millionen Österreicherinnen und Österreicher werden von diesem ersten Schritt bereits profitieren, und das in Zeiten, wo in Nachbarländern wie Deutschland ganz andere Dinge und Probleme diskutiert werden müssen.

Noch etwas, meine Damen und Herren: Ich glaube, dass wir – abgesehen von der Höhe der Abgabenquote – auch daran denken müssen, unser Steuersystem zu verein­fachen, und deshalb greife ich auch eine alte Idee der Freiheitlichen Partei gerne wieder auf – der Herr Präsident nickt schon und weiß, was jetzt kommt –: Ja selbst­verständlich werden wir auch das Modell der Flat-Tax, der einfachen Steuern, das wieder Transparenz herstellt und dafür sorgt, dass man sich auskennt, und das vor allem auch weniger Bürokratismus und Verwaltung bedeutet, wieder ins Auge fassen müs­sen. Das gehört bei mir zu einer Steuerreform mit dazu. (Beifall bei den Frei­heitlichen.)

Meine Damen und Herren! Ich könnte Ihnen noch einige freiheitliche Ansätze in diesem Regierungsprogramm erklären – wir werden das sukzessive beim Diskutieren der jeweiligen Punkte tun. Ich erkenne in Bundeskanzler Wolfgang Schüssel einen lang­jährigen politischen Wegbegleiter, wenn ich das so bezeichnen darf – er hat das selbst gesagt –, mit dem ich schon als kleiner Provinzpolitiker zu tun hatte oder verhandeln durfte. Ich sage Ihnen etwas: Ich habe mich immer fair behandelt gefühlt, Vorarlberg ist nie zu kurz gekommen, und jetzt hoffe ich, dass diese faire Behandlung weitergeht, obwohl wir jetzt natürlich in einer ganz anderen Partnerschaft sind, und auch der Re­gierungspartner nicht zu kurz kommt, was auch heißt, dass Österreich nicht zu kurz kommt. Das muss unser gemeinsames Anliegen sein: dass wir für die Österreiche­rinnen und Österreicher die optimale Zukunftspolitik machen – ich bin jedenfalls dazu bereit. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Lassen Sie mich am Schluss meiner Ausführungen, meine Damen und Herren, einem Mann danken, meinem Vorgänger in der Funktion als Vizekanzler, Herbert Haupt, der in den letzten Monaten sehr vieles erreicht hat. Ich möchte mich hier in aller Form bei


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dir, lieber Herbert, für deine Arbeit und deinen Einsatz als Vizekanzler dieser Republik bedanken. Unter deiner Führung ist es dem freiheitlichen Regierungsteam gelungen, freiheitliche Grundsatzpolitik in Österreich umzusetzen, zu verwirklichen, und, lieber Herbert, du weißt, du hast weiterhin eine ganz, ganz wichtige Aufgabe in den nächsten Wochen und Monaten, nämlich als Sozialminister. Ich danke dir für das bisher Ge­leistete und freue mich, dass du weiterhin mit viel Engagement und Freude ein guter Sozialminister dieser Republik sein wirst. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Mit dir, Kollege Haupt, und dem ganzen Regierungsteam werde ich insbesondere auch die Aufgaben als Infrastrukturminister sehr ernst nehmen und auch weiterhin mit viel Engagement verfolgen: die Verbesserung der nationalen und internationalen Schienen- und Straßeninfrastruktur, die bessere Anbindung an die internationalen Verkehrsnetze, die Stärkung des Forschungsstandortes Österreich sowie die Modernität der Infra­struktur im Bereich der Telekommunikation – um nur einiges zu nennen. (Präsident Dr. Fischer übernimmt den Vorsitz.)

Ich schließe mit einem Zitat von Richard von Weizsäcker, der einmal gesagt hat: Die wichtigste Aufgabe für uns, die wir heute Verantwortung tragen, ist die lebenswerte Zukunft für nachfolgende Generationen.

Ich bin bereit, diese Verantwortung mit Freude und Engagement zu tragen. Unter­stützen Sie mich dabei! (Lang anhaltender Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Dr. Jarolim: Ich glaube, jetzt geht es wieder aufwärts! – Heiterkeit bei der SPÖ.)

11.01

Ankündigung von Anträgen auf Einsetzung von Untersuchungsausschüssen

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Meine Damen und Herren! Bevor wir in die Debatte über die beiden Erklärungen eintreten, darf noch Folgendes bekannt gegeben werden: Die Abgeordneten Dr. Pilz, Kolleginnen und Kollegen haben nach § 33 der Geschäfts­ord­nung beantragt, einen Untersuchungsausschuss zur Untersuchung der Vorwürfe ge­genüber dem Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser einzusetzen.

Es liegt in diesem Zusammenhang das von fünf Abgeordneten nach § 33 Abs. 2 der Ge­schäftsordnung unterstützte Verlangen vor, eine Debatte über diesen Antrag durchzuführen.

*****

Weiters haben die Abgeordneten Dr. Gusenbauer, Kolleginnen und Kollegen gemäß § 33 Abs. 1 der Geschäftsordnung beantragt, einen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung über die Gebarung des Bundesministers für Finanzen hinsichtlich des Verstoßes gegen das Unvereinbarkeitsgesetz, des Vollzuges des Stellenbe­setzungs­gesetzes, des Vollzuges des ÖIAG-Gesetzes und der Vergabe von Berater- und Wer­beaufträgen einzusetzen.

Auch in diesem Zusammenhang wurde ein Verlangen auf Durchführung einer Debatte gestellt.

Es gibt eine parlamentarische Praxis, dass, wenn mehr als ein Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zum gleichen oder fast identischen Thema bean­tragt wird, eine gemeinsame Debatte durchgeführt wird. Im Einvernehmen mit den Erstantragstellern wird daher unter Bezugnahme auf diese Praxis vorgeschlagen, die Debatte über beide Anträge auf Einsetzung von Untersuchungsausschüssen unter


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einem durchzuführen. Die Begründungen erfolgen, soweit ich mich erinnern kann, ge­trennt, die Debatte wird dann unter einem abgeführt.

Gibt es dagegen einen Widerspruch? – Das ist nicht der Fall. Dann werden wir so vor­gehen. Die Debatte findet nach Erledigung der Tagesordnung statt.

*****

Wir kommen nun zur Debatte über die abgegebenen Erklärungen. Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dr. Gusenbauer. Redezeit: 15 Minuten. – Bitte.

 


11.04

Abgeordneter Dr. Alfred Gusenbauer (SPÖ): Herr Präsident! Mitglieder der Bundes­regierung! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herbert Haupt hat offensichtlich vor gut drei Wochen sein Schicksal als Vizekanzler besiegelt, als er in der „Pres­se­stunde“ gemeint hat, die Wirtschaftspolitik dieser Regierung sei gänzlich gescheitert.

Die Erwartungshaltung nach einer derartigen Aussage war, dass entweder die dafür ver­antwortlichen Minister – Grasser und Bartenstein – wegen nachgewiesener Unfähigkeit ihrer Ämter entlassen werden oder dass ein Kurswechsel in der Wirt­schaftspolitik stattfindet oder dass die Regierung insgesamt die Verantwortung trägt. Aber nein! Weit gefehlt! Gerade derjenige, der als Einziger richtig festgestellt hat, dass dieser Kurs in der Wirtschaftspolitik gänzlich gescheitert ist, muss nun als Vizekanzler gehen. – Das ist der falsche Schritt, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Es war zu erwarten, nachdem nun dieser Wechsel innerhalb der Regierung stattge­funden hat – nennen wir es: Sesselrücken in der Regierung, und weniger: Regie­rungsumbildung –, dass heute die großen Ansagen kommen, dass der Bundeskanzler und der Vizekanzler heute die Chance wahrnehmen und sagen, was jetzt anders ge­macht wird; was zum Beispiel die Bundesregierung angesichts einer Prognose, die besagt, dass Österreich im nächsten Jahr beim Wirtschaftswachstum das Schlusslicht in der Europäischen Union sein wird, zu tun gedenkt. Wie lauten die spannenden Vor­schläge, um diese Situation zu vermeiden?

Man hätte annehmen können, dass Sie heute endlich sagen, wie Sie das Versprechen einlösen werden, dass die Lehrlinge, die noch immer auf einen Lehrplatz warten, heuer im Herbst eine Lehrstelle bekommen werden.

Es wäre interessant gewesen, wenn Sie erzählt hätten, wie die Konjunktur angekurbelt wird – nämlich nicht nach dem Bartenstein-Schema, wonach die Konjunktur nur dann angekurbelt wird, wenn es nichts kostet –, wenn Sie erzählt hätten, welche Mittel dafür zur Verfügung gestellt werden.

Aber auf all diese Fragen hat es keinerlei Antworten gegeben. All das, was Sie uns heute erzählt haben, war bereits altbekannt – altbekannt! Sie bezeichnen heute, wo Österreich seit acht Jahren Mitglied der Europäischen Union ist und es seit acht Jahren Mittel aus den Struktur- und Regionalfonds gibt, diese Strukturfonds als neue und span­nende Möglichkeiten. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Diese Struktur­fonds hätte die Regierung zur Vorbereitung der EU-Erweiterung schon längst nützen sollen, nicht erst ab dem heutigen Tag! (Beifall bei der SPÖ.)

Besonders bezeichnend war die Ansage: Wer sich nicht ändert, bleibt sich nicht treu! – Damit hat der Herr Bundeskanzler darauf hingewiesen, dass in immer kürzerer Zeit die Anzahl der Vizekanzler oder Vizekanzlerinnen, die er verbraucht, steigt. (Abg. Dr. Bri­nek: Menschen „verbraucht“ man nicht!) Daher stellt sich die Frage: Wann kommt die


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nächste Änderung, damit er sich treu bleiben kann? (Die Abgeordneten Dr. Brinek und Dr. Trinkl: „Verbrauchen“ Sie Menschen?)

In diesem Zusammenhang war die Antwort von Vizekanzler Gorbach bezeichnend: er hoffe auf eine faire Behandlung durch den Bundeskanzler. – Zeugt das von einer Zu­sammenarbeit von zwei gleichberechtigten Parteien in der Bundesregierung, oder win­selt da eine Partei um Gnade und hofft bereits am ersten Tag der Amtsinhabe nur noch auf eine faire Behandlung? So, meine sehr geehrten Damen und Herren, werden Sie die Probleme nicht lösen können! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich weiß, die ÖVP kann bis zur Flat-Tax noch lachen, denn alles, was sich bisher als Problem dieser Regierung dargestellt hat, war Folgendes: Es gibt ein ÖVP-Regierungsprogramm und dabei Einzelne in der FPÖ, die Hilfsdienste leisten. Das Problem in den letzten acht Monaten war, dass sich immer öfter gezeigt hat, dass Teile der FPÖ diesen Kurs nicht mitgehen wollen, weil sie ge­meint haben, die Pensionskürzungen zum Beispiel seien vielleicht doch etwas zu scharf und doch etwas zu ungerecht. Es hat Unmut gegeben. Nicht alle waren so scharf auf die Abfangjäger, wie Klubobmann Scheibner das gewesen ist. Und auch in der Frage der Steuersenkung waren einige in der FPÖ der Meinung, man sollte vielleicht doch etwas couragierter in dieser Frage vorgehen.

Aber das Problem war, dass die ÖVP auf jede einzelne Frage mit Njet geantwortet hat und die FPÖ auf Granit gebissen hat. Die heutigen Vorstellungen von Bundeskanzler Schüssel und Vizekanzler Gorbach versprechen in Bezug auf dieses zentrale Problem der Regierung überhaupt keine Verbesserung. Es ist die Fortsetzung derselben Politik mit anderen Personen, aber denselben Mitteln, meine sehr geehrten Damen und Her­ren! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

In diesem Zusammenhang gibt es aber eine interessante Veränderung: Herr Minister Gorbach ist Mitglied einer Partei, die noch bis vor kurzem gemeint hat, mit dem 1. Jänner des Jahres 2004 müsse es eine Steuersenkung geben, damit die Wirtschaft angekurbelt wird. (Rufe bei der ÖVP: Gibt es auch! – Zwischenbemerkung von Vizekanzler Gorbach.) – Ihre Zufriedenheit hat sich rasch eingestellt. Bis vor kurzem war das, was die Regierung in Sachen Steuerpolitik gemacht hat, laut Ex-Vizekanzler Haupt gänzliches Scheitern!

Sie haben eine große Steuersenkung mit 1. Jänner 2004 gefordert. – Was ist daraus geworden? Herr Vizekanzler Gorbach teilt uns mit, er habe sich bereits gnadenlos in der Regierung durchgesetzt. Man würde jetzt gemeinsam die Steuerentwicklung der anderen europäischen Staaten beobachten. (Ironische Heiterkeit bei der SPÖ.) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Eine gnadenlose Ansage zur Veränderung der Steuerpolitik dieser Regierung durch den neuen Vizekanzler: er habe durchgesetzt, dass jetzt die Steuersätze beobachtet werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Soll es zu einer Steuersenkung kommen, die verhindert, dass Österreich im nächsten Jahr beim Wirtschaftswachstum Schlusslicht in der Europäischen Union ist, dann wird das Beobachten nicht ausreichen, sondern dann muss man noch in diesem Herbst eine Steuersenkung beschließen, die wirklich einen Beitrag für Wachstum und Beschäftigung leistet, und nicht nur beobachten! (Beifall bei der SPÖ.)

Herr Vizekanzler! Sie haben in Ihrer Rede auch angekündigt, eine Zusammenarbeit bei den Österreichischen Bundesbahnen erreichen zu wollen, denn Österreich brauche diese Bahn. – Sie haben vollkommen Recht damit, dass Österreich diese Bahn braucht, vor allem deshalb, weil sie im Güterverkehr bedeutend erfolgreicher war als alle anderen Bahnen im europäischen Maßstab. Echten Aufholbedarf gibt es beim Per­sonenverkehr, aber beim Güterverkehr war unsere Bahn in der Tat erfolgreich. Wenn


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Sie eine Zusammenarbeit bei der Bahn erreichen wollen, so können Sie diese auch erreichen, aber nicht nach dem Motto Ihres Staatssekretärs, der meint, zuerst müsse man dort alles zusammenschlagen, damit man dann alles neu aufbauen könne. Für diese Art von Kooperation werden wir Sozialdemokraten sicher nicht zur Verfügung stehen! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Interessant, meine sehr geehrten Damen und Herren, war auch die Wortlosigkeit in der Frage der Weiterführung der Pensionsharmonisierung. Der Herr Bundeskanzler hat im­mer von zwei Etappen gesprochen: zuerst Pensionssicherung und im Herbst die große Pensionsharmonisierung, die bereits mit 1. Jänner des nächsten Jahres in Kraft treten soll. (Bundeskanzler Dr. Schüssel: Nein! Nein! ...!) – Heute kein Wort von dieser Pensionsharmonisierung, nur Polemik gegenüber anderen Mitgliedsstaaten. (Die Ab­ge­ord­neten Dr. Brinek und Dr. Baumgartner-Gabitzer: Zuhören!)

Ich sage Ihnen etwas: Ihre Vergleiche mit der Bundesrepublik Deutschland leben nur von Polemik und Unwissenheit! Wir wollen diese Probleme, die die Deutschen haben, nicht haben. Wenn Sie schon im Zusammenhang mit der Pensionsfrage Deutschland ansprechen, dann sagen Sie dazu, dass dort die durchschnittliche Pension pro Monat um 180 € höher ist als in Österreich und dass in Deutschland geringere Pensions­versicherungsbeiträge zu leisten sind als in Österreich! (Abg. Dr. Brinek: Auch die Einkommen sind anders!) Also wenn Sie schon Vergleiche durchführen, dann bitte gesamte und nicht nur polemische Einzelvergleiche! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Regierung hat heute für den Neuanfang, den Neustart einer Regierung personell nichts Neues geboten, hat inhaltlich nichts Neues geboten und hat im Wesentlichen versucht, das darzustellen, was der Bundes­kanzler bereits gestern Abend angekündigt hat. Er hat gesagt, es brauche Berechen­barkeit und Stabilität und das werde mit diesem Wechsel in der Regierungsmannschaft der FPÖ auch verwirklicht. – Wenn ich Herbert Haupt wäre, würde ich mich schön bedanken für dieses Kompliment, dass sozusagen erst jetzt, durch diesen Wechsel, Berechenbarkeit und Stabilität verwirklicht werden. Das einem abtretenden Vizekanzler noch mit auf den Weg zu geben, finde ich doch einigermaßen stark, vor allem dann, wenn sich die Stabilität im Nichtstun, im absoluten Nichtstun bewegt.

Was haben Sie heute für einen Vorschlag zur Gesundheitsreform gemacht? – Null! Welcher Vorschlag ist zur Wirtschaftsankurbelung gekommen? – Null! Welcher Vor­schlag ist zur Pensionsharmonisierung gekommen? – Null! Welcher Vorschlag ist ge­kom­men, um für die Lehrlinge Lehrplätze zu schaffen? – Wieder null! Absolute Inhalts­leere, was die zukünftigen Probleme betrifft, meine sehr geehrten Damen und Herren! Absolute Inhaltsleere! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Der ÖVP – einer Partei, die oft, ohne etwas zu lesen, sagt, die anderen Parteien hätten keine Vorschläge – möchte ich sagen: Zur Frage Pensionsharmonisierung gibt es seit April dieses Jahres einen Vorschlag der Sozialdemokraten. (Abg. Dr. Fasslabend: Zeigts ihn uns!) Na wie oft soll ich Ihnen den noch zeigen? Sie lesen ihn ja wieder nicht! Herrn Fasslabend muss man ein Papier zehnmal geben, er wird das Lesen trotzdem nicht lernen, denn er hat es bis heute nicht gelesen. (Beifall bei der SPÖ.)

Es gibt seit zwei Wochen einen Harmonisierungsvorschlag des Österreichischen Ge­werkschaftsbundes, der als Diskussionsgrundlage genommen werden kann. Es gibt also Vorschläge von der SPÖ, Vorschläge von den Gewerkschaften, aber keinen Vor­schlag von der Regierung.

Es liegen in der Frage Steuersenkung und Ankurbelung der Wirtschaft fix und fertige Anträge von den Sozialdemokraten hier im Parlament zur Behandlung im Finanz-


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ausschuss auf. Von wem gibt es keine Vorschläge? – Von der ÖVP und von der FPÖ! (Abg. Dr. Brinek: Das stimmt nicht!)

Es gibt fertige Vorschläge von den Sozialdemokraten im Unterrichtsausschuss für eine zeitgemäße Bildungspolitik, damit die Ganztagsschule wahlweise wirklich für die österreichischen Kinder und Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden kann. Von wem gibt es keine Vorschläge? – Von der ÖVP und von der FPÖ! (Abg. Dr. Brinek: Lesen Sie die Gesetze! Das Schulunterrichtsgesetz lesen!)

So lässt sich die Liste fortsetzen. Wir haben es in der Zwischenzeit mit einer österrei­chischen Bundesregierung zu tun, die keinerlei Vorschläge zu bieten hat, keinerlei Ant­worten auf die Herausforderungen unserer Zeit und deren Beweglichkeit sich auf das Sesselrücken in der Regierung beschränkt. Reichlich wenig, meine sehr geehrten Da­men und Herren! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Die Zeit wird schön langsam knapp – bis zum Jahresende sind es nur noch wenige Monate –, um die entscheidenden Maßnahmen zu treffen, meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn sich die FPÖ in der Zwischenzeit damit begnügt, die Steuer­entwick­lung zu beobachten, dann würde ich Ihnen Folgendes empfehlen (Abg. Scheibner: Ihre Ratschläge brauchen wir überhaupt!): Schließen Sie diesen Beobachtungszeit­raum mit der nächsten Sitzung des Nationalrates ab, damit wir noch im November eine Steuersenkung beschließen können, die der österreichischen Wirtschaft und den österreichischen Arbeitnehmern tatsächlich mehr hilft als dieses Sesselrücken in der Regierung! (Lang anhaltender Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

11.18

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Bevor ich dem nächsten Redner das Wort erteile, möchte ich einen Gast aus Indien herzlich begrüßen, und zwar den Speaker der Himachal Pradesh Legislative Assembly G. R. Musafir. Herzlich willkommen in Wien! (Allgemeiner Beifall.)

Zu Wort gemeldet ist Klubobmann Mag. Molterer. Redezeit: 15 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


11.19

Abgeordneter Mag. Wilhelm Molterer (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Öster­reicherinnen und Österreicher haben sich jetzt wirklich überzeugen können: Die SPÖ hat genau jene Position, wo sie hingehört, nämlich in die Opposition. Es ist besser, wenn Sie dort verbleiben. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Die Österreiche­rinnen und Österreicher haben sich auch davon überzeugen können, dass unser Land bei dieser Bundesregierung, die von der Österreichischen Volkspartei und der FPÖ gebildet wird, in guten Händen ist. Das ist wichtig für das Land, das sicher und ruhig geführt wird, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ich möchte zunächst namens der Österreichischen Volkspartei Herrn Vizekanzler Hubert Gorbach herzlich in dieser seiner neuen Funktion begrüßen und ihn korrigieren: Herr Vizekanzler! Ein Mitglied einer Landesregierung ist grundsätzlich kein kleiner Pro­vinzpolitiker! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Heiterkeit auf der Regie­rungsbank.) Heute möchte ich diese Aussage für alle Landesregierungsmitglieder machen – selbstverständlich für die Vorarlberger, und möglicherweise ist morgen auch Kollege Van der Bellen dieser Meinung, dass ein Landesrat grundsätzlich kein kleiner Provinzpolitiker ist. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP. – Rufe bei der SPÖ und den Grünen: „Tosender“ Applaus!)

Herr Vizekanzler! Ich möchte Sie begrüßen als jemand, der in seinem Ressort profes­sionelle Arbeit geleistet hat und leistet, der durchschlagskräftig und durchsetzungsfähig


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ist. Und ich möchte Sie als Vizekanzler begrüßen, der sich persönlich und für Öster­reich auf europäischer Ebene großen Respekt erarbeitet hat und auch für die euro­päische Dimension seiner Arbeit großen Respekt verdient. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Wir wünschen Herrn Vizekanzler Hubert Gorbach daher viel Erfolg bei seiner Arbeit. Erfolg für ihn heißt: Erfolg für Österreich!

Ich möchte mich namens der Österreichischen Volkspartei und des Klubs der Öster­reichischen Volkspartei an dieser Stelle auch bei Herbert Haupt bedanken. Seine Ar­beit als Vizekanzler war nicht leicht – von den Umständen, unter denen er Verantwor­tung übernommen hat. Umso mehr hat es mir persönlich Respekt abverlangt, wie Herbert Haupt dieses Amt ausgefüllt hat. (Abg. Dr. Wittmann: Ist das der Nachruf?)

Meine Damen und Herren! Herbert Haupt hat sich vor allem dadurch Respekt verdient, dass er mit seinen sozialpolitischen Initiativen die Geschichte der Sozialpolitik der Zweiten Republik mit geschrieben hat. (Ruf bei der SPÖ: ... ruiniert!) – Herzlichen Dank, Herbert Haupt, und alles Gute für jene Funktion, die du ja weiter ausübst, nämlich als Sozialminister! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Öllinger: ... VfGH-Urteile! Das ist ja unglaublich!)

Ich möchte aber die heutige Debatte über die Erklärungen zur Regierungsumbildung auch dazu benützen, dass ich mein, dass ich unser Verständnis von Politik als christlich-soziale Österreichische Volkspartei erläutern möchte.

Eine der Hauptaufgaben von Politik ist es meiner Meinung nach, in Zeiten, in denen sich sehr vieles ändert, auf der einen Seite den Mut zur Verantwortung, zur Verän­derung zu haben und auf der anderen Seite Sicherheit und Stabilität zu geben. Und ich bedaure, ich sage Ihnen das sehr offen, so manche der Diskussionen, die in den Parteien geführt werden, wonach es vielleicht vernünftiger und klüger sei, die eine oder andere Reform nicht umzusetzen oder nicht so rasch umzusetzen oder nicht so weit­gehend umzusetzen.

Allen, die das sagen, sei ins Stammbuch geschrieben: Wer Reformen zu spät angeht, wer Reformen nicht tief greifend genug angeht, schadet der Zukunft des Landes! Daher, meine Damen und Herren, werden wir diesen verantwortungsbewussten Re­form­weg konsequent fortsetzen. Warum? – Weil wir vor dem, was sich in der Zukunft abzeichnet, einfach nicht die Augen verschließen können und dürfen.

Es ist die demographische Entwicklung heute schon angesprochen worden: Wenn wir wissen, dass es in den nächsten 25 bis 30 Jahren zu einer Verdoppelung der Menschen über 60 Jahren und zu einer massiven Reduktion des prozentuellen sowie des absoluten Anteils junger Menschen in der Gesellschaft kommen wird, dann müs­sen wir jetzt reagieren. Wer da nicht die Wahrheit sagt und den Menschen diese Wahr­heit nicht zumutet, handelt unverantwortlich, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Wir dürfen nicht die Augen verschließen! Herr Kollege Gusenbauer, das ist auch der Kernvorwurf, den ich der Sozialdemokratie in Österreich mache: Sie sagen den Men­schen nicht die Wahrheit darüber, welche Notwendigkeiten sich aus der zunehmenden Globalisierung und welche Notwendigkeiten sich aus der EU-Erweiterung ergeben. (Abg. Mag. Prammer: Unsinn!) Beides wird dazu führen, dass wir härtere Wettbe­werbsbedingungen haben werden. Das müssen wir offen angehen, dieser Tatsache müssen wir offen ins Auge blicken, weil wir nur dann richtig darauf reagieren können.

Es gibt Entwicklungen, etwa im Bereich der Technologie, auf die die Politik voraus­schauend reagieren muss, statt den Menschen Sand in die Augen zu streuen und so zu tun, als ob sie nicht stattfänden. Es gibt Entwicklungen in der Arbeitswelt, ange-


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sichts deren es der fatalste Fehler wäre, Herr Präsident Verzetnitsch, auf Besitz­stän­den zu beharren und nach hinten und nicht nach vorne zu schauen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.) Das ist Aufgabe der Politik, wie wir sie verstehen, meine Damen und Herren!

Diese Bundesregierung, gebildet von ÖVP und FPÖ, geführt von Bundeskanzler Schüssel und Vizekanzler Gorbach, wird diesen Weg der verantwortbaren und not­wendigen Veränderungen auf Basis einer klaren Wertorientierung und Zielvorstellung für unser Heimatland weitergehen. (Zwischenruf des Abg. Verzetnitsch.)

Wir können auf soliden Staatsfinanzen aufbauen. – Meine Damen und Herren! Ich frage Sie: Welches europäische Land kann von sich sagen, in einer schwierigen Kon­junktursituation die Staatsfinanzen erstens in Ordnung gebracht zu haben und zwei­tens in Ordnung zu halten? Österreich kann das sagen! Ich danke dieser Bundesre­gierung, ich danke dem Finanzminister Karl-Heinz Grasser für diese Perspektive der klaren, stabilen und soliden Finanz- und Budgetpolitik, die uns eine gute Zukunft sichert! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Wir können auf einem Reformweg aufbauen, den diese Bundesregierung in der letzten Legislaturperiode erfolgreich eingeschlagen hat. Und ich gehe nicht einfach so darüber hinweg, dass dieses Land dasjenige ist, dass in Europa – und ich würde sagen: auch weltweit! – wohl am meisten für die Familien und für Kinder tut. Das Kindergeld, lange umstritten, gehört heute zum Allgemeingut und ist eine Selbstverständlichkeit. Die SPÖ hat es abgelehnt. Heute sagt die SPÖ, vielleicht sollte man etwas verbessern. Offen­sichtlich haben wir beim Kindergeld richtig gehandelt.

Wir haben mit der „Abfertigung neu“ einen für die Arbeitnehmer in diesem Land revo­lutionären Schritt getan. Das ist eine Maßnahme, die soziale Sicherheit im Alter und breite Eigentumsstreuung auch unter den Arbeitnehmern in diesem Land langfristig sicherstellt, meine Damen und Herren! Und mit der allgemeinen Zukunftsvorsorge gibt es nun auch eine Perspektive für die dritte Säule.

Die Pensionssicherungsreform war umstritten, das weiß ich. Aber sie ist ein mutiger und ein richtiger Schritt. – Herr Kollege Gusenbauer, lesen Sie doch einmal inter­na­tionale Zeitungen! (Abg. Dr. Gusenbauer: Ich lese sie ...! Lesen Sie sie selber!) Die europäischen Länder, die Industriestaaten beneiden uns, erstens um diese Bundesre­gierung, aber vor allem um die Erfolge etwa mit der Pensionssicherungsreform. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei der SPÖ.) Andere Länder trauen sich das, was wir bereits gemacht haben, noch nicht einmal zu diskutieren!

Selbstverständlich werden wir auch eine Steuerentlastung umsetzen. Eben das hat dazu geführt, dass wir heute auf einer soliden wirtschaftlichen Grundlage, auf Basis einer ausbalancierten, gerechten Verteilung (Zwischenrufe bei der SPÖ) zwischen Jung und Alt in die Zukunft, und zwar positiv in die Zukunft blicken können.

Ich kann Ihnen nicht ersparen, hier die Frage zu stellen, wie die SPÖ reagiert. Wer Erich Haider heute Nacht gesehen hat: so einen wehleidigen Verlierer habe ich über­haupt noch nicht erlebt! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Gaál.) Offensichtlich hat er es verdient, letztendlich diese Antwort bekommen zu haben.

Aber wie reagiert die SPÖ? – Die SPÖ diskutiert in dieser Phase beispielsweise (Abg. Gaál: 11 Prozent plus ist für Sie ein „Verlierer“?!) die Aushöhlung und Aufhebung des europäischen Stabilitätspaktes.

Meine Damen und Herren! Was heißt denn das? – Sie wollen schon wieder mehr Schulden machen! (Abg. Dr. Matznetter: Nein!) Die SPÖ diskutiert in dieser Situation


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Ausgabensteigerungen, ohne auf die Budgetsituation Rücksicht zu nehmen, das heißt: Sie wollen schon wieder mehr Schulden machen. (Abg. Dr. Matznetter: Im Gegenteil!) Davon haben wir genug, denn für Ihre Schulden müssen wir heute noch viel, viel Geld zahlen (Abg. Dr. Matznetter: Nein! Das sind Ihre Schulden!), und das wollen wir nicht! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Sie reagieren also damit, dass Sie Steuersenkungen verlangen. Aber was tun Sie dann? – Die konkreten Steuersenkungen hier im Parlament lehnen Sie ab! Eine Steu­erbefreiung bis 14 500 € steht in Ihrem Forderungsprogramm. Wir haben es verwirk­licht, Sie haben es abgelehnt! Diesen Widerspruch müssen Sie erst einmal aufklären. (Abg. Dr. Gusenbauer: Reden Sie keinen Unsinn! Unsinn schmerzt!)

Sie schlagen vor, Transferzahlungen zu kürzen. Also, Herr Kollege Gusenbauer, wenn Ihre Antwort darin liegt, die Wohnbauförderungsmittel, das Pflegegeld und die Fa­milien­beihilfe zu kürzen, dann kann ich Ihnen nur sagen: Mit uns nicht! Sie haben schon den richtigen Platz in der politischen Landschaft. Wir werden diesen Weg nicht mitgehen, wir werden ihn verhindern, meine Damen und Herren (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen), ebenso wie wir die von Ihnen vorge­schla­genen Beitragserhöhungen verhindern werden. Das ist offensichtlich Ihre einzige Ant­wort! (Abg. Dr. Gusenbauer: Sie wollen nur Selbstbehalte! Sie wollen eine Zwei-Klas­sen-Medizin! Das Unmenschliche ist das Selbstverständliche für Sie!)

Da kürzlich der ÖGB-Kongress zu Ende gegangen ist, möchte ich mich aber auch mit der Gewerkschaft und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund auseinander setzen.

Herr Präsident Verzetnitsch, ich sage Ihnen mit Bedauern, dass ich nach diesen Ge­werkschaftstagen des ÖGB den Eindruck habe, dass sich der Österreichische Gewerk­schaftsbund von der Überparteilichkeit verabschiedet (Rufe bei der ÖVP: Leider!) und entweder der verlängerte Arm der Löwelstraße oder die Löwelstraße der verlängerte Arm der Hohenstaufengasse ist. Das ist nicht unser Verständnis von überparteilicher Gewerkschaftsbewegung, Herr Präsident! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Ich halte es zudem offen gesagt für bedenklich, dass der Österreichische Gewerk­schaftsbund den Streik bei der AUA, also den Streik der Top-Verdiener unterstützt und dabei die Existenz des gesamten Unternehmens riskiert. (Ruf bei der ÖVP: Und der Mitarbeiter!) Und für ebenso bedenklich halte ich es, dass Sie im Bereich der Öster­reichischen Bundesbahnen offensichtlich das Besitzstanddenken zu Ihrem Prinzip erhoben haben, Herr Präsident Verzetnitsch. Das Besitzstanddenken in der ÖBB ver­hindert eine gute Zukunft für die Bundesbahn. Wir wollen Veränderung, damit die Bun­desbahn in eine gute Zukunft geführt wird. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheit­lichen. – Abg. Dr. Gusenbauer: Sie wollen zerstören! Das ist alles!)

Meine Damen und Herren! Für interessant halte ich den Diskussionsbeitrag des Gewerkschaftsbundes zur Harmonisierung. Das sage ich so. (Abg. Verzetnitsch: Jetzt sind wir wieder die Guten?!) Ich sage Ihnen offen (Abg. Dr. Gusenbauer: Wieso haben Sie keine eigenen Vorschläge? Ihre Vorschläge sind nur Zerstörungsvorschläge! Har­monisierungsvorschläge machen Sie keine!), ich bedaure, dass Sie vor dem Sommer offensichtlich nicht in der Lage gewesen sind, diesen Schritt zu tun. (Abg. Verzet­nitsch: ... das Angebot abgelehnt!) Wir werden Ihre Überlegungen selbstverständlich mit einbeziehen, wenn – und davon bin ich fest überzeugt – dieses Modell der Harmo­nisierung auf Basis der Eckpunkte 45 Beitragsjahre, 65 Lebensjahre und 80 Prozent tatsächlich konsequent durchgehalten wird und nicht durch die Hintertür Frühpen­sionie­rungsmöglichkeiten neuerlich eingeführt werden. Herr Präsident Verzetnitsch, da müssen Sie konsequenter sein. (Abg. Verzetnitsch: Durch die Vordertür! Wir machen nichts durch die Hintertür!)


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Meine Damen und Herren! Wir gehen den Reformweg mit Hochdruck weiter! (Abg. Dr. Gusenbauer: Mit Hochdruck den Zerstörungsweg!) Wir werden diese Re­formprogramme für Österreich – für Vollbeschäftigung, für Wachstum, für die Verein­barkeit von Beruf und Familie, für Forschung und Entwicklung, für eine moderne Infra­struktur und moderne Infrastrukturunternehmen wie eine moderne, weil reformierte Bun­desbahn – mit einem mutigen Harmonisierungsmodell für alle Pensionen, mit einer Strategie der Entlastung der Wirtschaft und der Bürger sowie einem offensiven Weg für eine sichere und hoch qualitative Gesundheitsversorgung fortsetzen.

Diesen Weg, meine Damen und Herren, gehen wir mit Entschlossenheit und mit Ent­schiedenheit. Die Menschen können sich darauf verlassen: Dieser Weg ist verlässlich und berechenbar. Mit ganzer Kraft für Österreich! Das ist unser Motto. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

11.34

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner – und damit wieder zurück am Red­nerpult – ist Kollege Van der Bellen. Redezeit: 15 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Dr. Gusenbauer: ÖVP setzt Zerstörungskurs fort!)

 


11.34

Abgeordneter Dr. Alexander Van der Bellen (Grüne): Meine Damen und Herren! Gestatten Sie mir zunächst eine persönliche Vorbemerkung! Ich war ja einige Wochen unfreiwillig im Allgemeinen Krankenhaus in Linz. (Abg. Mag. Molterer: Gut betreut!) – Gut betreut, sehr gut betreut! Anlässlich dieses Aufenthaltes beziehungsweise der Ta­ge danach haben mich viele gute Wünsche erreicht, nicht nur von den Grünen – das hätte ich ja schon erwartet (Heiterkeit) –, sondern auch von den Sozialdemokraten, von der Volkspartei und von den Freiheitlichen, mit anderen Worten: von allen vier Frak­tionen dieses Hauses. Dafür möchte ich herzlich danken, das freut einen schon persönlich! (Allgemeiner Beifall.)

Da ich den Eindruck habe, dieser Tage verselbständigen sich bestimmte Gerüchte, sage ich gleich dazu: Unter diesen Schreiben und Blumensträußen befand sich auch einer des Herrn Landeshauptmannes Pühringer. Das war aber lange vor der Land­tagswahl. (Heiterkeit.) Mit anderen Worten: Ich bin völlig unschuldig an dieser so ge­nannten schwarz-grünen Vereinbarung in Oberösterreich. (Abg. Dr. Fekter: Das ist aber nichts Unanständiges!) – Eh nicht! Aber: Ehre, wem Ehre gebührt! Es sind in die­sem Fall Rudi Anschober und die oberösterreichischen Grünen. (Abg. Scheibner: Das ehrt sie!) Und, Herr Molterer, Sie haben Recht: In Zukunft werde ich Landesräte noch wichtiger nehmen, als ich es ohnedies schon immer getan habe. (Allgemeine Heiterkeit sowie Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Mag. Molterer: Erst wenn man Posten hat, nimmt man sie ernst!)

Im Übrigen: Wenn ich mich nicht täusche, dann war sogar ein guter Wunsch des jet­zigen Vizekanzlers, damaligen Bundesministers Gorbach dabei, und ich wäre auch unschuldig an Blau-Grün, was es ja nicht gibt. Ich wäre also hier ebenso wenig schuld wie im anderen Fall. (Abg. Scheibner: Da müssen wir uns noch sehr anstrengen!) – Ja! Da müssen wir uns noch viel anschauen, Herr Scheibner, sehr viel! (Abg. Scheib­ner: Anstrengen! – Abg. Mag. Stoisits – in Richtung Freiheitliche –: Ihr!) – Ja, ja.

Wenn ich mir die heutige Debatte anhöre: auf der einen Seite „neuer Schwung“, „Neu­anfang“, was nicht alles jetzt neu geworden sei, fallen mir drei Dinge auf. Erstens: Dem Austausch von Türschildern wird offenbar eine geradezu magische Wirkung zuge­schrieben. Zweitens: Haider versucht auf allen Ebenen, sich neue Bühnen zu schaffen, das ist okay. Und drittens: Über die eigentliche Schwachstelle dieser Bundesregierung, nämlich den Finanzminister, wird kein Wort verloren. (Bundesminister Mag. Grasser


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sitzt nicht mehr auf der Regierungsbank. – Rufe bei den Grünen und der SPÖ: Jetzt ist er eh schon weg! Ist schon weg!)

Es gibt ja keine neuen Köpfe! Was tatsächlich passiert – und jetzt lassen wir einmal die internen Führungsfragen der Freiheitlichen Partei beiseite –, ist, dass auf Regie­rungsebene der Schraubenzieher genommen wird und das Schild, auf dem „Vizekanz­ler Haupt“ stand, abmontiert und das Schild „Vizekanzler Gorbach“ anmontiert wird. Das ist die magische Wirkung des Türschildes, die vollkommen neuen Schwung in die­se Bundesregierung bringen und, wie schon mein Kollege Gusenbauer ironisch bemerkt hat, einen Neuanfang auf allen Ebenen geradezu garantieren wird. Ich meine das nicht – nur der Klarheit halber (Heiterkeit) –, dass das allein den Neuanfang ga­rantiert. (Beifall bei den Grünen.)

Es ist uns allen natürlich schon aufgefallen, dass selbst dieser, wenn man schon davon sprechen will, kleine Neubeginn desavouiert wird, und zwar vom neuen Presse­spre­cher der Bundesregierung, einem gewissen Jörg Haider aus Klagenfurt, der zur selben Zeit, als Schüssel und Gorbach, Kanzler und Vizekanzler, beim Bundespräsidenten sind, um ihm dieses Revirement mitzuteilen (Zwischenruf des Abg. Mag. Molterer) – Haupt und Schüssel, danke, Herr Molterer; Haupt und Schüssel waren bei Bundes­präsident Klestil, um ihm das vorzutragen –, all das bereits über die Medien mitteilt.

Gratuliere! Nur so weiter! Das wird uns noch viel Freude bereiten. (Heiterkeit bei den Grünen und der SPÖ.)

Auf der anderen Seite: Was probiert der Kärntner Landeshauptmann denn? – Er ver­sucht einfach, sich neue Bühnen zu schaffen! Warum? – Weil die Kärntner Bühne für die Kärntner Landtagswahlen nach seiner eigenen Einschätzung offensichtlich nicht ausreicht. Und diesbezüglich teilen wir seine Einschätzung. Diese Einschätzung teilen wir tatsächlich. Die Kärntner Wirtschaftsdaten beispielsweise sind so verheerend, dass er sich sehr anstrengen wird müssen, um diesen Misserfolg seiner Zeit als Landes­hauptmann zu überdecken! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.) Es ist also kein Wunder, wenn er alles versucht, um von seiner Performance in Kärnten abzulenken.

Wir werden einmal die anderen Bundesländer und die Kärntner Performance ver­gleichen, denn es scheint ja innerhalb der Bundesregierung Usus geworden zu sein, sich immer mit dem international jeweils schlechtesten Land zu vergleichen, um dann zu sagen: Aber Österreich ist eh besser! (Bundesminister Dr. Schüssel und Abg. Mag. Molterer: Eurozone! Eurozone!) – Eurozone, Durchschnitte! Vielleicht bin ich auch schon ein Romantiker der Vergangenheit! Wenn es so wäre, korrigieren Sie mich bitte in jeder Minute, Herr Kollege Molterer und andere! Aber ich bilde mir ein, dass es uns in der österreichischen Politik vor 10, 20, 30 Jahren oder noch länger beunruhigt hat, dass andere besser sind – nicht beruhigt hat, dass andere schlechter sind!

Es ist keine Kunst, irgendein Land zu finden, das hinsichtlich Wirtschaftswachstum, Ar­beitslosigkeit, Bildungsausgaben oder Analphabetentum schlechter ist als Österreich. Das ist wirklich keine Kunst! Da brauchen Sie nicht wie ein Gorilla herzugehen und sich auf die Brust zu trommeln: Wahnsinn, wunderbar, die Österreicher sind einfach groß­artig und einmalig! (Beifall bei den Grünen.)

Das war jetzt nicht persönlich gemeint, Herr Molterer, aber: Mit den Anführern, mit den Leadern – mit Finnland in der Bildungspolitik beispielsweise –, mit diesen Ländern sollten wir uns vergleichen und fragen, wieso wir nicht mit an der Spitze sind. (Abg. Mag. Molterer: Sie haben offensichtlich versäumt, dass es ein massives Aufholen und Positionsverbesserungen gab! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.) Darüber würde ich mit Ihnen gerne eine Auseinandersetzung führen, anstatt dass Sie immer wieder


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sagen: Deutschland! Deutschland!, das zufällig in verschiedenen Indikatoren derzeit nicht hält, was wir alle erhofft haben.

Um auf Kärnten zurückzukommen: Das ist halt Ihr stiller Regierungspartner – ich schaue jetzt Sie von der ÖVP an –, das haben Sie sich seinerzeit so ausgesucht, das ist er immer noch, und er wird weiterhin täglich eine Show abziehen. Und wenn er am Wochenende frei hat, war er vielleicht vorher bei Saddam Hussein zum Tee. Ich weiß nicht, was ihm in Zukunft noch an außenpolitischen, den österreichischen Interessen sicherlich sehr „förderlichen“ Dingen einfällt. (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Zur Sache!)

Die Frage ist im Gegensatz zu früher: Wie viel verliert die FPÖ in Kärnten? – Früher haben wir gefragt: Wie viel wird die FPÖ gewinnen? (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Das hat Sie sicherlich nicht gefreut!) Jetzt ist die Frage: Verliert Haider weniger als der Durch­schnitt der FPÖ in Tirol, in Oberösterreich, in Niederösterreich?, und so weiter. (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Die Frage ist, wie viel die Grünen in Kärnten verlieren werden! – Zwischenruf der Abg. Dr. Partik-Pablé.)

Zu Grasser (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Auch ein Kärntner!): Die ärgste Schwachstelle dieser Bundesregierung ist unserer Überzeugung nach der Finanzminister. Dieser Kopf, wenn Sie schon in diesen kriegerischen Tönen sprechen – ich tue es lieber nicht ... Es gibt dort kein Sesselrücken, kein Türschilder-Ab- und -Aufmontieren, son­dern: Der Finanzminister bleibt, jener Finanzminister, der uns in seiner Budgetrede zu täuschen versucht hat (Widerspruch bei der ÖVP), und zwar mit seinen Daten über Bildung und Wissenschaft, die frei erfunden waren. (Abg. Dr. Fasslabend: Das ist falsch! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Ich habe den Verdacht, dass Sie bis heute daran glauben, dass diese Daten gestimmt haben – sechs Monate später! Das ist echt arg! (Heiterkeit und Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Molterer: Herr Van der Bellen, das ist unter Ihrem normalen Niveau!)

Wenn Sie mir schon nicht glauben, vielleicht lesen Sie die Stellungnahme der Indus­triellenvereinigung, die einmal wieder und gerade auch in diesen Tagen darauf hingewiesen hat, dass die österreichischen Ziele für Forschung und Entwicklung nicht erreicht werden – und das eben nicht zuletzt auf Grund der Budgetpolitik von Grasser und Gehrer, muss ich dazusagen.

Aus Zeitgründen kann ich jetzt nicht im Einzelnen aufzählen, was uns der Finanz­minis­ter in den vergangenen Monaten alles zugemutet hat: angefangen vom Schock – für mich persönlich – dieser unrichtigen, unwahren Budgetrede, über die ich mich damals wirklich von Herzen geärgert und echauffiert habe, denn ich sehe meine Aufgabe nicht darin, falsche Daten in detektivischer Arbeit nachzuprüfen, sondern ich erwarte mit Selbstverständlichkeit, dass der Minister einem die Wahrheit sagt.

Weiters: die steuerpolitischen Probleme, die der Finanzminister persönlich auf sich geladen hat mit der Finanzierung seiner Homepage durch die Industriellenvereinigung, mit uns immer noch unbekannten Gutachten, die diesen Verein sowie ihn persönlich reinwaschen sollten. Es ist das Verdienst des Kollegen Matznetter von der SPÖ, die Verfasser dieser so genannten deutschen Gutachten, mit denen Staatssekretär Finz von der ÖVP versucht hat, den Finanzminister reinzuwaschen, diese Verfasser sozu­sagen an Land zu ziehen, nach Österreich zu holen und uns bestätigen zu lassen: Nein, nein, diese Interpretation von Staatssekretär Finz ist geradezu abenteuerlich, das ist doch geradezu eine Einladung zu Steuerverkürzung und Steuerhinterziehung! Diese Interpretation ist mit Sicherheit unzulässig! (Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Um es auf den Punkt zu bringen, meine Damen und Herren: Wer zahlt schon gerne Steuern?! Nur: Dass alle Steuern zahlen müssen, nur einer nicht, nämlich Karl-Heinz Grasser, ausgerechnet der Finanzminister, das kann’s wohl auch nicht sein!


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Ich würde mich aber doch freuen, wenn ausnahmsweise einmal der eine oder andere auch von der freiheitlichen Fraktion, denen es ja langsam auch bis daher stehen muss (der Redner macht eine entsprechende Handbewegung), den Finanzminister zu vertei­digen, verteidigen zu müssen, wenn Sie schon meinem Misstrauensantrag nicht zu­stimmen werden – wovon ich ja fast ausgehe –, wenigstens der Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zustimmt, eines Untersuchungsausschusses, der ver­schie­dene Fragen zu klären hätte, Fragen, die aufgeklärt werden müssen.

Ich kann noch einmal in diesem Punkt an die Vergangenheit der FPÖ appellieren und sagen: Früher, verehrte Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, waren Sie immer dabei, wenn es etwas aufzuklären galt, wenn es Sachen gab, wo es im Interesse des Parlaments und der politischen Hygiene lag, Klarheit zu schaffen – wie immer dann und zu wessen Gunsten oder Ungunsten das ausgeht. Jetzt hingegen tun Sie von der FPÖ das nicht mehr! Jetzt decken Sie Finanzminister Grasser – und das, obwohl ich mir vorstellen kann, wie es innerlich bei Ihnen ausschaut. Aber das nützt nichts, das müssen Sie von der FPÖ vertreten, bis hin zu den verletzten Meldepflichten auf Grund des Unvereinbarkeitsgesetzes, also einer Verletzung der Gesetze, in diesem Fall sogar eines Verfassungsgesetzes, die sich der Finanzminister zu Schulden hat kommen lassen.

Deswegen bringe ich heute wieder folgenden Antrag ein – und das zum wiederholten Male –:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Dr. Van der Bellen, Dr. Pilz, Freundinnen und Freunde betreffend Versagung des Vertrauens gegenüber dem Bundesminister für Finanzen

Der Nationalrat wolle beschließen:

Dem Bundesminister für Finanzen wird im Sinne des Artikels 74 Bundes-Verfassungs­gesetz das Vertrauen versagt.

*****

(Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Die anderen Ereignisse dieser Tage wären an und für sich reine „Privatangelegenheit“ der FPÖ, wenn man so will, wäre diese nicht zweite Regierungspartei. Und insofern interessiert uns das natürlich schon auch. Soweit ich das von außen sehen kann – wie soll ich das jetzt sagen? –: Sie von der FPÖ wollten unbedingt weg von Ihrem Image der „Führerpartei“ und schaffen jetzt eine kollektive Führung.

Früher haben wir uns ausgekannt: Haupt war der Parteichef. – Jetzt ist es Haupt irgendwie formal noch. Dann hat er eine geschäftsführende Parteichefin zur Seite bekommen, Frau Staatssekretärin Haubner. Sie ist im Moment nicht im Saal. (Abg. Eder: Die ist jetzt fort! Schon bei ihrem Bruder!) Es gibt praktisch einen dritten Par­teichef, denn was soll ein Vizekanzler Gorbach sonst sein als ein impliziter dritter Parteichef? Und wir haben natürlich unseren Freund in Kärnten. (Abg. Parnigoni: Freund ist das nicht!) – Sicherlich habe ich den einen oder anderen jetzt noch übersehen.

Das alles soll Klarheit schaffen innerhalb der zweiten Regierungspartei?! Sogar die Kollegen von den Freiheitlichen lächeln ob dieser rhetorischen Frage. (Staatssekretär Mag. Schweitzer: Ich habe gar nicht gewusst, dass ihr Freunde seid! – Ruf bei der


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SPÖ – in Richtung des auf der Regierungsbank sitzenden Staatssekretärs Mag. Schweitzer –: Sei froh, dass du noch da oben sitzen darfst!)

Heute natürlich hat es von der Regierungsbank aus so quasi geheißen – so, wie das üblich ist –: Toter Indianer, guter Indianer! Auch ich sehe Qualitäten des scheidenden Vizekanzlers Haupt, die man irgendwie honorieren muss: Er hat zumindest sechs oder zwölf Monate lang eine Zermürbungstaktik ausgehalten. Knittelfeld war ja nur einmal; das war sozusagen „Knittelfeld neu“. „Neu regieren“ gibt es – und „Knittelfeld neu“ gibt es auch: dieses scheibchenweise Demontieren; jeden Tag ein bisschen eine Dosis der Zermürbung und des Mobbings, dem Herr Haupt dann schlussendlich nachgegeben hat.

Dafür kann man, wie ich meine, ein gewisses Mitgefühl haben, aber dass das die neue Führung der FPÖ sein soll, der Regierungspartei FPÖ, das glaubt doch niemand in diesem Land! (Abg. Wittauer: Ich glaub’s!) Und das werden Sie uns auch heute nicht weismachen können, Herr Kollege Scheibner, der Sie, glaube ich, nach mir sprechen werden. (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Wittauer.)

Abschließend: Herr Kollege Molterer, nicht nur Sie, sondern auch andere von der Regierungsbank haben heute wiederholt auf die Probleme der so genannten Verän­derung der Alterspyramide hingewiesen. D’accord, einverstanden, da gibt es Proble­me, aber es gibt bei diesen Fragen, die in diesem Zusammenhang auftauchen, welche, die Sie mit diesem Ihrem Regierungspartner schwer lösen werden. Und bisher haben Sie das ja nicht einmal versucht.

Erstes Problem: Erhöhung der so genannten Erwerbsquote der Frauen. – Das werden Sie von der ÖVP mit einem Regierungspartner – und vielleicht ist das auch Ihre eigene Ideologie –, der die Frauen lieber am Herd als in der Erwerbstätigkeit sieht, nicht schaffen. Aber das ist Ihre Entscheidung. (Präsident Dr. Fischer gibt das Glocken­zeichen.) Ich sage dazu nur: Das ist eine offene Flanke Ihrer Regierungspolitik – danke, Herr Präsident! –, und die zweite ist die: Die Antwort auf die Veränderung der Alterspyramide ohne ein Mindestmaß eines Konzepts zur Zuwanderung zu haben, das wird auch nicht gehen! (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Das ist kein guter Start für Ober­österreich, was Sie da sagen!) Mit diesem Regierungspartner, nämlich mit der FPÖ, werden Sie das ebenso wenig schaffen wie die Erhöhung der Erwerbsquote der Frauen. – Danke. (Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

11.50

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Der von Herrn Abgeordnetem Van der Bellen vorgetra­gene Entschließungsantrag betreffend Versagung des Vertrauens gegenüber dem Finanzminister ist ordnungsgemäß unterfertigt und steht mit zur Verhandlung.

Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Scheibner. Gleiche Redezeit von 15 Minuten. – Bitte, Herr Klubobmann.

 


11.50

Abgeordneter Herbert Scheibner (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Meine Damen und Herren! Herr Kollege Van der Bellen, bei allem Respekt – und wir alle freuen uns, dass Sie wieder genesen und hier bei uns sind –: Ich sage Ihnen, warum wir gelächelt haben. Ich habe mir gedacht, wie lange 15 Minuten sein können, wenn man darauf wartet, dass von Ihnen endlich einmal Alternativen zu dem kommen, was die Bundesre­gie­rung, was Bundeskanzler und Vizekanzler heute hier präsentiert haben. (Abg. Dr. Van der Bellen: Haben Sie nicht aufgepasst?)

Wir haben bei Ihnen, Herr Abgeordneter Van der Bellen, aber auch bei Herrn Abge­ordnetem Gusenbauer vergeblich auf Alternativen gewartet. (Zwischenrufe bei der


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SPÖ und den Grünen.) Aber es ehrt uns Freiheitliche ja, Herr Abgeordneter Van der Bellen, wenn Sie weite Teile Ihrer Rede der Freiheitlichen Partei, dem Landes­haupt­mann von Kärnten und auch innerparteilichen Diskussionen und Strategien der FPÖ widmen, zeigt das doch, dass Meldungen, wonach man uns abschreiben würde und es bei uns ohnehin nur weitere Wahlverluste geben werde, nicht stimmen, sondern – ganz im Gegenteil! – dass Sie in Ihrem Inneren, Herr Abgeordneter Van der Bellen und Herr Abgeordneter Gusenbauer, ganz genau wissen, dass, wenn die FPÖ wieder zu dem zurückkehrt – und das wird so sein! –, was sie ausgezeichnet hat, wofür die FPÖ gewählt worden ist (Abg. Dr. Van der Bellen: Dann stimmen Sie dem Untersu­chungsausschuss zu!), und zwar in immer stärkerem Maße, Herr Abgeordneter Van der Bellen, nämlich Inhalte zu präsentieren, Lösungen für die Probleme der Bevölke­rung Österreichs nicht nur auszuarbeiten, sondern in einer Regierung auch umzu­setzen, wir dann wieder ein sehr, sehr starker Faktor sein werden, mit dem Sie und alle anderen in Österreich zu rechnen haben werden. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Dass Ihre Grünen in Kärnten offensichtlich so schwach sind – man weiß ja gar nicht, wer dort für die Grünen kandidieren wird –, dass Sie hier als Klub- und Parteiobmann eine wichtige Debatte über eine Regierungserklärung dazu verwenden müssen, um Kärntner Landespolitik schon für den Wahlkampf zu präsentieren, das zeigt auch ein bisschen die Probleme Ihrer Fraktion! (Abg. Dr. Glawischnig: Der Wahlkampf findet woanders statt!)

Herr Abgeordneter Gusenbauer und Herr Abgeordneter Van der Bellen, interessant ist: Offensichtlich muss in Österreich erst jemand zurücktreten, um eine gute Nachrede zu haben. – Ja, auch ich stimme Ihnen bei Ihrer positiven Beurteilung von Vizekanzler Herbert Haupt zu, und ich möchte mich hier namens meiner Fraktion all diesem Lob anschließen, aber: Es wäre jedoch schön gewesen, meine Damen und Herren von SPÖ und Grünen, auch von manchen Mitgliedern anderer Parteien, wenn es dieses Lob, wenn es diese Unterstützung Ihrerseits auch in den vergangenen Wochen und Mo­naten gegeben hätte. Herbert Haupt hätte sich das für seine Arbeit verdient, meine Damen und Herren! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Lob und Anerkennung für Herbert Haupt! Er hat es geschafft, die Freiheitlichen auch in einer schwierigen Phase auf Neupositionierung in dieser Bundesregierung zu bringen, und er hat es auch geschafft, die positive Sozialpolitik, für die wir Freiheitlichen immer gestanden sind, auch in der Regierung zu vertreten – und das wird auch in Zukunft seine wichtige Aufgabe sein.

Von Ihnen, Herr Abgeordneter Gusenbauer, brauchen wir aber keine Ratschläge, auch nicht, was Inhalte anlangt – aber diesbezüglich ist ohnehin nicht viel von Ihnen ge­kommen (Abg. Dr. Gusenbauer: Haben Sie das nicht gehört? – Ohren waschen, Scheibner!) –, denn Ihre Inhalte kennen wir ja: Krankenkassenbeiträge erhöhen, Wohn­bau­förderung abschaffen, all das haben Sie, Herr Abgeordneter Gusenbauer, in letzter Zeit präsentiert. Und das ist sicherlich nicht unsere Politik! Ansonsten haben Sie heute mit einem bemerkenswert akzentfreiem Russisch „njet“ gesagt zu all dem, was von der Freiheitlichen Partei und von der Regierung gekommen ist. Ich weiß nicht, warum das so akzentfrei kommt. Vielleicht ist das, Herr Abgeordneter Gusenbauer, irgendwo auch in Ihrer politischen, ideologischen Vergangenheit – oder auch Gegen­wart – bedingt. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

„Njet“, Herr Kollege Gusenbauer, ist auch das Symbol für eine Veto-Politik, ohne sich um die Inhalte zu kümmern, ganz einfach deshalb, weil man unbedingt dagegen sein will und weil man keine eigenen Ideen einzubringen hat. Das jedoch ist zu wenig: zu wenig für eine Opposition – und selbstverständlich auch zu wenig für eine Partei, die


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sich gerne als staatstragend bezeichnet und Regierungsverantwortung übernehmen möchte.

Da Sie, Herr Abgeordneter Gusenbauer, uns dann auch noch Ratschläge zu geben versuchten, wie man mit innerparteilichen Diskussionen, wie man mit einer Regie­rungs­umbildung umgeht: Sie glauben doch nicht im Ernst, dass wir alle schon ver­gessen hätten, wie Sie von der SPÖ das damals gemacht haben! – Durchaus selbst­kritisch sage ich Ihnen an einem Tag wie heute: Wir von der FPÖ führen Diskussionen zu sehr in der Öffentlichkeit. Aber so, wie Sie von der SPÖ das immer gemacht haben – dass nämlich die Betroffenen bei Regierungsumbildungen erst aus den Medien davon erfahren haben und etwa Bundeskanzler Vranitzky 20 Regierungsmit­glieder verbraucht hat, so lange, bis er dann selbst in einer Nacht- und Nebelaktion weggeschoben wurde –, ist das sicherlich kein Vorbild für eine transparente, für eine konsequente Personalpolitik in einer Bundesregierung, Herr Abgeordneter Gusen­bauer! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP. – Rufe bei den Freiheitlichen: Unglaublich, 20 Minister hat der Vranitzky verbraucht! – Weitere Zwi­schenrufe bei den Freiheitlichen sowie Gegenrufe bei der SPÖ.)

Sie, Herr Abgeordneter Gusenbauer, haben gesagt, Sie sind nicht für ein Köpfe­rollen. – Wunderbar, da finden wir uns, und das ist auch gar nicht notwendig, denn es sind ausgezeichnete Mitglieder in der Bundesregierung – und das wird auch in Zukunft so sein. Das, was wir aber nicht brauchen und wovon Sie, Herr Abgeordneter Gusen­bauer, gesprochen haben, ist ein Kurswechsel, denn den Kurs in die Richtung, die Sie uns verordnen wollen, haben wir 30 Jahre lang in Österreich gehabt. (Abg. Dr. Gu­senbauer: Mit Erfolg!) Diesen Kurs haben die Österreicherinnen und Österreicher im Jahre 1999 abgewählt. Dorthin wollen wir nicht wieder zurück! Wir wollen nicht zurück zu einer Verschwendungspolitik, wo man auf Kosten künftiger Generationen Wahl­zuckerln verteilt, wo man dann, wenn es notwendig ist, Einschnitte macht, so, wie Sie von der SPÖ das getan haben, nämlich bei den Ärmsten in unserem Lande, wo Sie, nämlich Ihr Parteivorsitzender Vranitzky, vor den Wahlen Pensionistenbriefe geschrie­ben und Versprechungen gemacht haben, jedoch nach den Wahlen genau zu Lasten dieser Generation dann das Budget wieder zu sanieren versucht haben!

Das ist nicht der Kurs, den wir uns vorstellen, sondern wir wollen den Kurs, den wir im Jahre 2000 eingeschlagen haben, fortsetzen: Politik für Österreich, Politik für die Menschen in unserem Lande zu machen – nicht jedoch für Interessengruppen, nicht für die eigene Partei und nicht für persönliche Interessen, wie Sie von der SPÖ das über viele Jahre, ja Jahrzehnte gemacht haben. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abge­ordneten der ÖVP. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Herr Abgeordneter Van der Bellen meinte hier, wir sollten uns nicht mit den Schwä­cheren messen. – Natürlich wollen wir uns nicht mit den Schwächeren messen, son­dern wollen uns die Latte hoch legen. Aber wenn dauernd von einem „Kurswechsel“, von „anderen Modellen“ gesprochen wird, so ist es doch wohl erlaubt, ja notwendig, sich anzusehen, wo es solche Modelle in der Realität gibt. Und da gibt es halt ein Land wie Deutschland, wo Ihr Modell – vielleicht jetzt auf Grund verschiedener Gegeben­heiten weniger aktuell – einer rot-grünen Regierung Realität ist.

Und da sehen wir ja, welche Folgen das in Deutschland hat: Rekorddefizite, Rekord­arbeits­losigkeit, keine Perspektiven für die Zukunft, Abwanderung von Unternehmen et cetera. Das ist Ihr „Modell Rot-Grün“ – und damit wollen wir uns wirklich nicht vergleichen, aber man muss der Bevölkerung schon vor Augen führen, wohin Ihre Per­spektiven, jene von Rot-Grün führen und dass das für Österreich keinesfalls das Ziel sein kann!


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Wir sind stolz darauf, meine Damen und Herren von SPÖ und Grünen, dass wir solche Projekte und Abenteuer in Österreich auch in Zukunft verhindern werden! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Die Leistungen dieser Bundesregierung können sich sehen lassen: Familien­förderun­gen wie nie in den letzten Jahrzehnten, eben mit dem Kinderbetreuungsgeld. (Zwi­schenrufe bei der SPÖ.) – Sie waren dagegen; genauso wie bei der Verwaltungs­reform, genauso wie bei den wichtigen Initiativen der Sicherheitspolitik, genauso, wie Sie auch lange Widerstand geleistet haben gegen die „Abfertigung neu“, wo dann aber Gott sei Dank die Sozialpartner auf diese unsere Linie eingeschwenkt sind.

Ebenso sind Sie dagegen gewesen, dass das Budget saniert wird, um für die Zukunft wieder einen Spielraum zu bekommen, einen Spielraum, den wir jedoch Gott sei Dank jetzt nützen können. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Herr Abgeordneter Gusenbauer, Sie haben 14 Jahre lang Zeit gehabt, Wahlnie­der­lagen zu verkraften. Ich kann Ihnen sagen: Uns reicht ein Jahr! – Und jetzt geht es wieder in die Gewinnzone: mit einer aktiven Regierungspolitik und einer aktiven Frei­heit­lichen Partei. Auch diesbezüglich brauchen wir Ihr Beispiel nicht nachzuahmen! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Meine Damen und Herren, es geht um wirklich wichtige Projekte der Zukunft. Diese Bundesregierung wird sich auch diesen Herausforderungen zu stellen haben, und ich bin sicher, dass auch Vizekanzler Gorbach, der ja als Infrastruktur- und Verkehrs­minis­ter zeigt, dass er mit Inhalten, mit Ideen für Österreich sowohl innen- als auch außen­politisch gute Arbeit leistet, das konsequent und in diesem Sinne fortsetzen wird.

Wir sind jetzt dabei, ein Konjunkturpaket zu schnüren. Da wurde jetzt von irgendeiner Rednerin vorhin gesagt (Abg. Heinisch-Hosek: Ich war das!) – ja, von Ihnen kam das –, diese Konjunkturpakete hätten nichts bewirkt. – Na selbstverständlich haben sie etwas bewirkt! Diese beiden Konjunkturpakete haben Österreich vor einer Rezession, haben das kleine Wirtschaftswachstum noch bewahrt! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Das nächste Konjunkturpaket wird dafür sorgen, dass 2004 der Konjunkturmotor wirk­lich anspringt. Das ist eine Initiative dieser Bundesregierung, auch für die Wirtschaft und für die Kaufkraft. Deshalb wird es notwendig sein, die erste Etappe dieser Steu­erreform 2004 umzusetzen – das ist ja bereits beschlossen – und 2005 das größte Steuerentlastungspaket, das es in den letzten Jahrzehnten gegeben hat, für die Be­völkerung umzusetzen. Wir werden auch – und das sage ich Ihnen ebenfalls in aller Deutlichkeit – selbstverständlich noch zu überprüfen haben, welche für die Konjunktur positiven Maßnahmen, die Konjunktur fördernden Maßnahmen und die Kaufkraft för­dernden Maßnahmen wir aus diesem Paket 2005 schon 2004 in Kraft setzen kön­nen.

Da wären Ideen von Ihnen gefragt, aber Sie bringen ja nicht einmal einen Antrag auf Steuersenkung zustande (Abg. Dr. Gusenbauer: Der liegt im Parlament!), sondern Sie haben ehemals eine Steuererhöhung beantragt. Also bringen Sie einmal gescheite Ideen ein, dann können wir auch darüber diskutieren. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Dr. Gusenbauer: Der Antrag liegt im Parlament zur Bearbeitung!)

Weitere Punkte: Gesundheitsreform – ein wichtiges Anliegen! – und Pensionsharmo­nisierung, damit das Sozialsystem in der jetzigen Qualität auch für künftige Genera­tionen aufrechterhalten werden kann.

Meine Damen und Herren! Die Sicherheit wird immer ein bisschen nebenbei be­trach­tet. Das ist auch für uns Freiheitliche ein ganz besonderes Anliegen: Die hohen Sicher­heitsstandards in Österreich müssen erhalten bleiben. Meine Damen und Herren von der Bundesregierung, Sie wissen, dass hier ein bisschen meine Kritik ansetzt und im-


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mer schon angesetzt hat. Einsparungen und Verwaltungsreform: ja, das ist notwendig, es ist auch durchgesetzt worden und muss weitergeführt werden; aber bei der Sicher­heit zu sparen, das kann von uns und von mir keine Unterstützung bekommen! (Abg. Dr. Glawischnig: ... mehr Sicherheit!) Dort, wo die Exekutive und das österreichische Bundesheer ein Mehr an Personal und an Infrastruktur brauchen, um die Sicherheit der Bevölkerung auch in Zukunft zu garantieren, wird es notwendig sein, unter Einhaltung der Sparsamkeitskriterien zusätzliche Mittel zu geben. Wir werden dafür sorgen, dass da die Standards und Prinzipien eingehalten werden. (Abg. Dipl.-Ing. Kummerer: Drei Jahre habt ihr ...!)

Kollege Kummerer, weil du als Heeresexperte hier einen Zwischenruf machst, darf ich dir sagen: Es wird auch an euch liegen, dass in der Bundesheer-Reformkommission nicht darüber diskutiert wird, wie wenig Bundesheer man in Zukunft hat, sondern ganz im Gegenteil darüber – und zwar ohne ideologische Scheuklappen –, wie das öster­reichische Bundesheer mit seinen vielen Tausenden engagierten Soldaten auf die neu­en, künftigen Herausforderungen ausgerichtet wird, sodass wir vermeiden und verhin­dern können, dass diese so wichtige Institution in Zukunft als Spielball der politischen Parteien und der Ideologien missbraucht wird. Da hättet auch ihr einiges zu arbeiten! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Europa ist angesprochen worden – ja, das ist ein wichtiges Zukunftsprojekt! Wir alle setzen große Hoffnungen in dieses gemeinsame, in dieses friedliche Europa, aber es ist auch notwendig, eine kritische Komponente in Europa und in der Europäischen Union mit einzubringen. Wir wissen, dass viele Mechanismen nicht in die Richtung gehen, die wir uns vorstellen: die Strukturen mit demokratischen Instrumenten und mit möglichst wenig Verwaltung auszugestalten, auch die Anliegen der Bürger optimal zu vertreten. Gerade wenn es darum geht, die Sicherheits­interes­sen der Europäer mit zu berücksichtigen und eine europäische Identität zu schaffen, sind Europa und die Europäische Union noch sehr, sehr weit von Ziel entfernt. Ich er­warte mir von der österreichischen Bundesregierung – und das österreichische Parla­ment wird hier ebenfalls Initiativen setzen –, auch diese positive und konstruktiv kriti­sche Rolle als Motor, aber auch als Kontrollor dieser europäischen Entwicklung dar­zustellen. Wenn wir sagen, dass die Europäische Union eine Wertegemeinschaft ist, dann müssen sich diese Werte aber auch bei allen Mitgliedsländern widerspiegeln, und wo dies nicht der Fall ist, muss es entsprechende Kritik geben.

Meine Damen und Herren! Für die Außenpolitik Österreichs stelle ich mir vor, diese kritische Rolle einzunehmen, für die wir geschätzt werden, und diese objektive Rolle auch wahrzunehmen. Überall dort, wo Gewalt gegen Unschuldige und gegen Zivilisten ausgeübt wird, wo das Völkerrecht durch kriegerische Mittel gebrochen wird – egal, von wem und wo –, hat auch Österreich seine mahnende und kritische Stimme zu erheben. Das erwartet die Staatengemeinschaft von uns, und ich glaube, das erwarten sich auch die Österreicher von einer aktiven und konsequenten Außenpolitik.

Meine Damen und Herren! Abschließend sei noch gesagt: Es ist auch klar, dass wir alle gemeinsam Zukunftsperspektiven entwickeln müssen, etwa im Bildungssystem, bei den Forschungsausgaben und Forschungsprojekten. Wir müssen dafür sorgen, dass Österreich Standorte in der Wirtschaft behält und vielleicht sogar wieder neue Standorte bekommt, denn nur eine funktionierende, eine aktive, eine zukunftsorien­tier­te Wirtschaft schafft langfristig sanierbare und haltbare Arbeitsplätze.

Das ist die Politik für die Menschen, das ist die Politik für die Zukunft, die wir uns von dieser Bundesregierung erwarten. Wir sind sicher, dass sie mit dieser Bundesregierung in der geänderten Zusammensetzung noch besser als bisher gewährleistet ist. Die frei­heitliche Fraktion steht hinter dieser Bundesregierung, und sie steht zu dieser Bundes-


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regierung. Wir wissen, dass es keine Alternative zu diesem Projekt der bürgerlichen Reformpartnerschaft für Österreich gibt! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

12.05

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Meine Damen und Herren! Ich bitte um eine ganz schnelle Entscheidung.

Wir sind davon ausgegangen, dass wir um 12 Uhr mit der vorletzten Runde beginnen – vier mal 10 Minuten – und dann bis 13 Uhr mit vier mal 5 Minuten abschließen. Das geht sich offenbar nicht aus. Mein Vorschlag ist jetzt: vier mal 9 Minuten, und dann ent­scheiden, ob noch vier mal 5 Minuten möglich sind oder ob auf vier mal 4 Minuten ge­kürzt werden muss. Das scheint mir sinnvoll zu sein.

Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Cap. Redezeit: 9 Minuten – bitte exakt einhalten. (Staatssekretär Mag. Schweitzer: ... zu viel für Cap!)

 


12.06

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ): Herr Präsident! Hohes Haus! Ich möchte vorerst einmal dem Herrn Bundeskanzler und der Bundesregierung gratulieren zu der tollen schau­spielerischen Leistung, die sie vollbracht haben (demonstrativer Beifall bei Abge­ord­neten der ÖVP – Bundesminister Dr. Bartenstein: Danke!), denn das muss man einmal zusammenbringen, dass man, wenn eine Regierung derart in den letzten Zügen liegt, wirklich nur noch keucht und eigentlich nichts mehr weiterbringt, hierher kommt und so tut, als ob es noch das Potenzial für einen Neubeginn und für einen Aufbruch gäbe, und diese Regierung als „Team“ bezeichnet. Das ist also eine ganz tolle schau­spielerische Leistung.

Sie scheinen allerdings einen Fehler im Sprechtext gehabt zu haben, Herr Bun­des­kanzler, als Sie dem neuen Vizekanzler alles Gute im kommenden Jahr gewünscht haben. Heißt das, in einem Jahr gibt es wieder einen neuen Vizekanzler? (Zwischen­rufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Oder: Sie sind nicht mehr Bundeskanzler und erkennen vielleicht, dass es besser ist, einmal den Bundeskanzler auszuwechseln und nicht immer die Vizekanzler? – Bitte klären Sie uns endlich auf! (Beifall bei der SPÖ.)

Heute sind Studien erwähnt und Zahlen verglichen worden, und Alexander van der Bellen hat wirklich sehr interessant darauf hingewiesen, dass man immer auf schlech­tere Regierungen schaut und nicht auf bessere. Es hat am Montag die Präsentation einer interessanten Studie gegeben, worin acht vergleichbare Länder, Länder der Eu­ro­päischen Union und die Schweiz, hinsichtlich wichtiger, zentraler Wirtschaftsdaten und anderer Kennzahlen untersucht worden sind – es handelt sich um Belgien, Däne­mark, Finnland, Irland, Niederlande, Schweden, Österreich und die Schweiz –, und dabei hat sich bei insgesamt 24 wirtschaftlichen Indikatoren herausgestellt, dass Öster­reich in sieben Bewertungen besser, hingegen in 17 Bewertungen schlechter als der Durchschnitt war. (Abg. Mag. Molterer: Jetzt sind Sie glücklich, oder was?) Dazu muss man sagen, dass die Studie von der oberösterreichischen Industriellenvereinigung bei Professor Dr. Friedrich Schneider, Volkswirtschaftslehrer an der Johannes Kepler Uni­ver­sität Linz, in Auftrag gegeben wurde, und er hat auch diese Präsentation vorge­nommen. (Abg. Mag. Molterer: Jetzt ist Cap glücklich: Er kann negativ sein!)

Das Interessante dabei ist, dass wir beim Wirtschaftswachstum, gemessen am na­tiona­len Bruttoinlandsprodukt, mit durchschnittlich 2,2 Prozent über die Jahre 1998 bis 2003 im hinteren Mittelfeld der Länder sind, dass Österreich bei den Brutto-Inlands­ausgaben für Forschung und experimentelle Entwicklung über alle untersuchten Jahre einen der geringsten Werte im Vergleich der Volkswirtschaften hat und dass wir – im Ge­gen­satz zu diesen vergleichbaren Ländern – die Abgabenquote schrittweise erhöht, das heißt die Österreicherinnen und Österreicher belastet haben. Von der Arbeits-


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losenrate rede ich jetzt gar nicht, es ist ohnehin eine der schlechtesten, die Sie auf­zuweisen haben. Das heißt, in allen wichtigen Daten kommt heraus, dass Sie schlech­te Arbeit geleistet haben und Versäumnisse aufzuweisen haben.

Nun sagen Sie am Schluss, fast selbstverräterisch: Aber jetzt müssen wir die Ärmel auf­krempeln! – Das hörte ich bei der Präsentation des neuen Vizekanzlers. Was haben Sie dann bisher gemacht, dass Sie jetzt die Ärmel aufkrempeln müssen? – Sie müssen sich anscheinend in einem Tiefschlaf oder in gegenseitiger Blockade befunden haben! (Zwischenrufe bei der SPÖ und den Grünen.) Dann werden Studien erstellt wie diese hochinteressante Studie, die einen Volkswirtschaftsvergleich bringt und in welcher herauskommt, dass da Österreich so schlecht zu liegen kommt!

Wissen Sie, und dann die Negation, nicht nur, wie Sie mit dem Parlament umgehen, Herr Bundeskanzler und sehr geehrte Regierungsmitglieder: Mühsam ist es, hier Aus­schusstermine zustande zu bringen. Na ja, was wollen Sie auch den Ausschüssen vorlegen, wenn diese Regierung nichts arbeitet oder nur sehr sporadisch arbeitet? Allein bis man einen Termin des Sozialausschusses zusammenbringt – eben weil es keine Initiativen des von Ihnen benannten „größten“ Sozialministers dieser Regierung gibt!

Da sage ich Ihnen, was besonders keck ist. Wir werden Ihnen unsere Konzepte einmal auf den Tisch legen, Herr Bundeskanzler (Abg. Schöls: Eine gefährliche Drohung!), und man wird es über die Fernsehkamera nicht mehr aufnehmen können, weil Sie dann nicht mehr sichtbar sein werden (Abg. Mag. Molterer: Weil sie nicht da sind!), denn so viele Konzepte haben wir bereits zu den wesentlichen Punkten: ob das die Pensionsharmonisierung ist, ob das den Gesundheitsbereich betrifft, ob das die Steuerreform ist, ob das ein Konjunkturpaket ist. Da liegen die Konzepte auf dem Tisch, die Sie nicht interessieren, weil Sie überheblich und arrogant in dieser Re­gierung sitzen und im Nichtstun verharren. Das ist in Wirklichkeit Ihre Haltung! (Beifall bei der SPÖ.)

Richtig ist, was die „Kronen-Zeitung“ am Beginn dieser Woche in einem Kommentar als Schüssel’sche Meinung geschrieben hat – ich zitiere –: „Wir bleiben in der Regierung, wir bringen nichts mehr zusammen, das aber schon.“

Weiter unten heißt es dann – wiederum Zitat –: „Und Schüssel regiert, indem er nicht regiert. Er sitzt aus. Da ist er groß.“

Was hat das mit einem Regierungsprogramm zu tun? Welche Arbeitsbasis ist das, um für Österreich zu arbeiten? – Daher habe ich gesagt, Ihnen gebühre der Iffland-Ring für eine besondere schauspielerische Leistung, wenn Sie dann mit einem treuherzigen Augenaufschlag sagen, das alles geschehe nur für Österreich. Da werden sich die Österreicherinnen und Österreicher aber bedanken für das, was hier geschieht, und vor allem für das, was hier nicht geschieht! Das erkennen viele in diesem Land. (Bei­fall bei der SPÖ.)

Damit kommen wir zu einem Punkt, der mir in diesem Zusammenhang besonders wich­tig ist. Jetzt beginnt man schon langsam damit, den Weihrauchkübel in Richtung Außenministerium zu schwenken, sodass man die Frau Außenministerin auf der Re­gierungsbank kaum mehr erkennt. Aber lassen wir doch einmal kurz Revue pas­sieren, was Sie auf außenpolitischer oder europäischer Ebene wirklich zu verantworten haben.

Da sage ich Ihnen, Sie hätten – und darauf haben wir schon mehrfach hingewiesen –die Chance gehabt, gerade im Rahmen der italienischen Präsidentschaft Schritte mit zu initiieren, dass es eine europäische Wachstumsinitiative gibt. Mitnichten war hier Österreich der Motor! Wenn Sie sich hier herstellen und uns erzählen, wie „motorig“ Österreich überall unterwegs ist, und wir dann nachfragen, ob das auch stimmt, dann


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kommt regelmäßig heraus, dass Sie bestenfalls schweigender Zuseher sind, aber nur dort, wo es um Posten geht, munter werden und ansonsten für Österreich auf dieser Ebene nichts leisten. Es wäre aber wichtig gewesen, dass es diese Wachs­tums­ini­tiative auf europäischer Ebene gegeben hätte, weil das in Koppelung mit nationalen Wachstumsinitiativen Auswirkungen für Beschäftigung und Standortsicherung hat und weil das für die Wirtschaft entscheidend ist. Aber die ist Ihnen anscheinend gleich­gültig. Da muss ich Ihnen sagen: Das halte ich für ein ganz großes Versäumnis, und dafür ist natürlich auch Ihre Konzeption des Nichtstuns mit verantwortlich.

Oder: Meines Wissens hat es schon drei oder vier Verkehrsminister seit Februar 2000 gegeben. Wo ist eine Lösung des Transitproblems erreicht worden? Herr Vizekanzler, Sie sind jetzt, glaube ich, der Vierte in der Reihe. (Zwischenbemerkung von Vize­kanzler Gorbach.) Ja, es wird zwar gelobhudelt, aber von den Ergebnissen her muss ich Ihnen sagen: In Wirklichkeit ist es erbärmlich! Über Anti-Atompolitik wird nicht mehr gesprochen, und darüber, wo unsere bedeutende und integrative Rolle im Bereich der Erweiterung ist, sowie über die nationalen Vorbereitungen haben Sie auch heute wieder keine Zahlen, keine Daten, keine Fakten auf den Tisch legen können!

Jetzt möchte ich Ihnen nicht weiter schildern – und das ist ein besonderes Ver­säumnis –, was den gesamten Forschungs-, Wissenschafts- und vor allem auch Uni­ver­sitätsbereich betrifft. Da kann ich nur auf Veröffentlichungen in Magazinen und Zei­tungen hinweisen: Studiengebühren werden gezahlt, aber für die Studenten hat sich nichts geändert – Schlange stehen, zur Prüfung kommt man nicht dran, es ist eine Katastrophe! (Abg. Dr. Glawischnig: Es ist schlechter geworden!) Manche Einfüh­rungs­vorlesungen sind mit 1 200 Hörern begrenzt. (Abg. Mag. Molterer: Und Broukal will ...! „Zugangsbeschränkungen“ ist das deutsche Wort dafür!) Es gibt einen Inves­titions-Stopp, an der Technischen Universität können Stromrechnungen nicht bezahlt werden, in Salzburg steht an manchen Stellen das Wasser, es wächst der Schimmel und es bröckelt von den Decken. Das alles ist Ihnen gleichgültig. Ich kann Ihnen eine ganze Liste darüber aufzählen, was sich an den Universitäten an Mängeln ereignet, weil Ihnen die Bildungspolitik egal ist.

Aber Sie kuscheln sich peinlich an den Arnold Schwarzenegger heran und tun so, als ob er quasi Ihr Kandidat gewesen wäre. Er hat gesagt: Wenn gespart wird, dann nicht auf Kosten der Bildung. – Schreiben Sie sich das in Ihr Stammbuch, zumal Kalifornien jetzt Ihrer Meinung nach schon das zehnte Bundesland ist! (Beifall bei der SPÖ.)

Interessant war auch, was Frau Staatssekretärin Haubner in der „Presse“ vom 22. Ok­tober gesagt hat, nämlich, es sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für Köpferollen und dafür, dann neue Köpfe zu setzen. Da frage ich Sie: Wann ist es denn der richtige Zeitpunkt? Wie ist das in Ihrer Partei, in Ihrer Fraktion? Man hört ja, Ministerin Gehrer sei amtsmüde, Strasser wolle Außenminister werden. Was ist da los? Sind Sie vielleicht schon ein bisschen müde? (Abg. Dr. Glawischnig: Strasser will Außenminis­ter werden!) Was steht hier wirklich im Hintergrund? Wann gibt es die nächste Re­gierungsumbildung?

Ich kann Ihnen nur eines sagen: Mit Berechenbarkeit und Stabilität hat das nichts zu tun! Mit einer Partei, die sagt, dass sie die Partei der Mitte ist, hat das nur in einem Punkt etwas zu tun: Sie ist in der Mitte des Schlamassels, sie muss das verantworten, und Sie sind der Architekt dieser Regierungskonstruktion! (Beifall bei der SPÖ.)

12.16

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Stummvoll. Gleiche Redezeit: 9 Minuten. – Bitte.

 



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12.16

Abgeordneter Dkfm. Dr. Günter Stummvoll (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundes­kanz­ler! Herr Vizekanzler! Meine Herren auf der Regierungsbank! Unser Klubobmann Willi Molterer hat nach der Rede des Herrn Dr. Gusenbauer gemeint, seine Rede wäre der beste Beweis dafür gewesen, dass Dr. Gusenbauer die richtige Funktion in der Politik innehabe, nämlich die Oppositionsrolle. – Herr Kollege Cap, ich kann dazu nur eines sagen: Mit Ihrer Rede haben Sie das doppelt und dreifach bestätigt! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Es ist für mich immer erstaunlich, welch geballtes Ausmaß von negativer Energie man aufbringen kann, wie es möglich ist, auf einem Auge total blind zu sein, und wie wenig Vertrauen man, Herr Kollege Cap, auch in die Leistungsfähigkeit dieses Landes hat.

Eines haben wir immer gesagt: Dass wir im Vorjahr eine positive Leistungsbilanz hatten, erstmals eine positive Handelsbilanz, das ist nicht nur der Erfolg der Regierung, sondern das ist vor allem auch der Erfolg von Tausenden Unternehmen und vielen, vielen Mitarbeitern in den Betrieben. Diese zeigen, wie groß die Leistungsfähigkeit die­ses Landes ist, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Herr Kollege Gusenbauer und Herr Kollege Cap! Ich würde mir mehr Respekt vor der Leistungsfähigkeit von Millionen Erwerbstätigen in Österreich erwarten. Machen Sie das Land nicht schlecht! (Neuerlicher Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Matznetter: Sie machen es schlecht! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Mir sind noch zwei Dinge aufgefallen. Erstens ist mir Folgendes aufgefallen – und auch da setze ich bei unserem Klubobmann fort –: Er hat kurz das Verhältnis zwischen ÖGB und SPÖ angesprochen. Meine Damen und Herren, ist Ihnen aufgefallen, was Herr Dr. Gusenbauer zu dem Vorwurf gesagt hat, dass die SPÖ kein Konzept der Pen­sionsharmonisierung habe? – Er hat gesagt, der ÖGB habe ohnehin ein Konzept vorgelegt. Da frage ich Sie: Sind SPÖ und ÖGB wirklich schon identisch, Herr Kollege Gusenbauer? (Abg. Dr. Gusenbauer: ... völliger Blödsinn!) Lesen Sie das Protokoll nach! (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Sie haben hier gesagt, der ÖGB habe ohnehin ein Konzept vorgelegt. Herr Kollege Gusenbauer, Sie haben keinen einzigen konstruktiven Vorschlag gemacht! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Wittmann: Das ist Ihre Methode: bewusst die Unwahrheit sagen!)

Ich würde mir wünschen – und da spreche ich auch den Präsidenten Verzetnitsch an –, dass Sie nach diesem blamablen Abstimmungsergebnis, was den christlich-sozialen Vizepräsidenten betrifft, und nach der heutigen Aussage von Gusenbauer hier heraus­kommen und betonen, dass Sie wieder zur Überparteilichkeit des ÖGB zurückkehren werden. Herr Präsident Verzetnitsch, ich glaube, das wäre notwendig für dieses Land! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Gradwohl: Seien Sie froh, dass Sie keine Abstimmung ...!)

Lassen Sie mich zwei Worte zum Wechsel in der Bundesregierung sagen: Herr Vize­kanzler Gorbach, Sie kennen meine Sympathie, meine Wertschätzung und mein Ver­trauen in Ihre Person. Ich sage hier im Hohen Haus aber auch: Dieses Vertrauen und diese Wertschätzung gründet sich auf die charakterlichen Eigenschaften, die ich an Hubert Gorbach kennen gelernt habe: Geradlinigkeit, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Enga­gement, ständig bereit, das Beste zu geben – Herr Vizekanzler, das sind die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Regierungsarbeit! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ich möchte aber auch ein Wort des Dankes an Herbert Haupt sagen – Herbert Haupt, ein freiheitliches Urgestein, würde ich sagen, ein unglaublich kenntnisreicher Sozial­minister! Ich sage aber augenzwinkernd: Ein bisschen leiden wir zeitlich manchmal unter diesem Wissen, weil jede Sitzung ein bisschen länger dauert, wenn er es in voller Breite ausbreitet, aber uns ist ein solcher Sozialminister zehnmal lieber als einer, des-


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sen Hauptcharakteristikum es ist, ein rotes Parteibuch zu haben und Gewerk­schafts­mitglied zu sein. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ich habe einmal – ich gebe sonst Vier-Augen-Gespräche nicht wieder – Herbert Haupt gefragt: Wieso tust du dir das alles eigentlich an? Die Antwort lautete sinngemäß – und das ist bemerkenswert –: Ich spüre die Verantwortung, die ich trage!

Meine Damen und Herren! Solche Politiker braucht das Land – Politiker, die von sich sagen: Ich spüre die Verantwortung, die ich trage! (Abg. Dr. Glawischnig: Und dann soll man ihn austauschen?) – Herr Sozialminister, mein Respekt für diese geistige Ein­stellung! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ich kehre zurück zu den Ausführungen meines Vorredners, des Kollegen Cap. Er hat krampfhaft versucht, eine Statistik zu finden, in der etwas nicht so perfekt ist an der Performance dieses Landes und dieser Regierung. (Abg. Dr. Matznetter: Das ist aber nicht schwer!)

Herr Kollege Cap, ich weiß, es ärgert Sie immer, wenn man den Vergleich Österreich-Deutschland anstellt. Ich sage Ihnen noch einmal, warum wir das tun. Erstens: Wir sind mit keinem Land der Welt wirtschaftlich so eng verflochten wie mit Deutschland, und was dort geschieht, hat für uns enorme Auswirkungen! (Abg. Dr. Matznetter: Schauen Sie sich doch einmal die Materialien des Europäischen Statistischen Zentralamts an!)

Zweitens: Wir haben erstmals im deutschsprachigen Raum beide Regierungskon­stel­lationen, hier in Österreich die bürgerliche Koalition, Schwarz-Blau, und dort Rot-Grün, und dieser Vergleich macht uns eben sicher, auch wenn Sie es nicht gern hören.

Egal, welche Statistik Sie zitieren, es gibt seit vielen Jahren drei wirtschaftliche Kenn­zahlen, wo sich alle Ökonomen einig sind, nämlich beim Wirtschaftswachstum, bei der Inflation/Preissteigerung und beim Arbeitsmarkt, und in all diesen drei Bereichen liegt Österreich an hervorragender Stelle. Während Deutschland stagnierte, hatten wir in den letzten zwei Jahren insgesamt ein Wachstum von 2 Prozentpunkten. Das ist zwar nicht viel, aber ohne diese Regierung – fragen Sie das WIFI! (Abg. Dr. Glawischnig: Wen?) – hätten wir nicht einmal dieses Wachstum gehabt. Das ist der Unterschied zwischen Rot-Grün in Deutschland und Schwarz-Blau in Österreich! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Wir waren heuer im Sommer das preisstabilste Land in der EU, und was den Ar­beitsmarkt betrifft, hat Deutschland eine doppelt so hohe Arbeitslosigkeit wie wir. Das deutsche Modell würde bei uns bedeuten, Herr Kollege Cap – ich wage es gar nicht auszusprechen –, dass wir 450 000 bis 500 000 Arbeitslose in diesem Land hätten. Unvorstellbar! In Deutschland ist es aber so, unter Rot-Grün! (Abg. Dr. Glawischnig: Die haben aber auch andere Aufgaben zu lösen!)

Eine dritte Zahl, Frau Kollegin Glawischnig, und zwar eine Zahl betreffend die Budget­politik: Unter Federführung von Finanzminister Karl-Heinz Grasser, den Sie mit einer Schmutzkübelkampagne zu diffamieren versuchen, und gemeinsam mit Staatsekretär Alfred Finz ist es gelungen, dass wir wie in den Jahren 2001 und 2002 auch heuer wieder de facto ein ausgeglichenes Budget haben werden. Wir hatten einen Über­schuss von 0,3 Prozent im Jahr 2001, ein Minus von 0,1 Prozent im Jahr 2002, und ich wage bei aller nötigen Vorsicht die Prognose, dass wir heuer ein Budgetdefizit von weniger als 1 Prozent haben werden. Das ist erfolgreiche neue Finanz- und Wirt­schafts­politik dieser Bundesregierung, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Aber lassen Sie mich auch sagen: Wir sind uns dessen bewusst, dass gewaltige Herausforderungen vor uns stehen. Die Neugestaltung Europas beziehungsweise die Ost-Erweiterung der Europäischen Union bedeutet wirtschaftlich, dass Chancen und


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Risiken neu verteilt werden. Wenn ich mir anschaue, was in den künftigen, neuen EU-Beitrittsländern – und ich war erst am Wochenende in einem solchen – alles unternommen wird, um die Konkurrenzfähigkeit zu stärken, dann muss ich sagen: Da bin ich froh, dass heute sowohl der Bundeskanzler als auch der Vizekanzler das Thema Zukunftssicherung ist gleich Standortssicherung, und Wirtschaftsstandort heißt auch Arbeitsstandort, heißt auch Arbeitsplätze, Einkommen und soziale Sicherheit so wichtig nehmen.

Herr Vizekanzler! Mich hat der Vorschlag sehr gefreut, gleichsam ein ständiges Moni­toring durchzuführen, was unsere wichtigsten Konkurrenzländer im Bereich der Steuer­politik unternehmen. Ich würde es fast noch ein bisschen ausweiten. Mein Wunsch­traum war immer, eine Gruppe zu haben, die praktisch eine ständige Beurteilung der Standortsicherung macht, also nicht nur die Steuerpolitik, sondern noch erweitert um Flexibilität, Mobilität und Innovation. Wenn wir das erreichen könnten, dann hätten wir vielleicht ein objektives Kriterium für jene Politik, für die diese Bundesregierung steht: eine Politik der Zukunftssicherung, eine Politik der Standortsicherung, eine Politik, über die man sagen kann: Das Land ist bei dieser Regierung in guten Händen. Ich lade die Opposition ein, wegzugehen von einer Politik des Hickhack und sich einer Politik der Zukunftssicherung anzuschließen. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Vize­kanzler Gorbach: Danke schön!)

12.24

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Dr. Glawischnig. Gleiche Redezeit. – Bitte.

 


12.24

Abgeordnete Dr. Eva Glawischnig (Grüne): Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Herr ehemaliger Vizekanzler! Meine Herren Bundesminister! Hohes Haus! Wir haben jetzt einiges sehr Positives über Herbert Haupt gehört. Beide Regie­rungsparteien haben dem ehemaligen Vizekanzler Rosen gestreut. Da frage ich mich: Warum haben Sie ihn dann eigentlich als Vizekanzler abgelöst? Warum eigentlich? (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Eine Erklärung haben wir heute schon gehört, nämlich die, dass Herbert Haupt einmal zuviel die Wahrheit gesagt hat, nämlich als er meinte, die Wirtschaftspolitik der Bun­des­regierung sei gescheitert. Damit hat er eingestimmt in einen Chor von Landes­hauptleuten, die irgendwie meinen, die Bundesregierung sei eine Katastrophe, die Bun­desregierung sei abgehoben und – eben! – die Wirtschaftspolitik sei gescheitert. Ist das der Grund? Ich weiß es nicht.

Ich habe noch eine andere Erklärung, die man vielleicht diskutieren könnte, und die hat mehr mit den Österreicherinnen und Österreichern zu tun, nämlich mit den Wahlen in Tirol und in Oberösterreich. Das Signal, das die Wählerinnen und Wähler dort aus­gesandt haben, war sehr deutlich, nämlich dass der Kurs der blau-schwarzen Bun­desregierung von den Wählerinnen und Wählern in Österreich nicht mehr gewollt wird, dass sich dieses Projekt totgelaufen hat und dass Bundeskanzler Schüssel massiv an Vertrauen verloren hat. Nur mehr 23 Prozent wollen ihn als Kanzler sehen. Sie versuchen jetzt in homöopathischen Dosen, nämlich mit Hubert statt Herbert, dieses tote Projekt wieder zu beleben. Ich meine, das kann nicht gehen, das kann nicht einmal mehr mit einer Herztransplantation mehr gelingen. Ich meine, Schwarz-Blau ist ein­deutig gescheitert und Sie stehen nun vor dem Scherbenhaufen dieser Politik. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Ich meine auch nicht, dass die Sätze, die Rhetorik oder die Klarheit, mit der Herbert Haupt sich manchmal auszudrücken versuchte, der Grund für die Misserfolge in Oberösterreich und Tirol war, sondern ich denke, dass es die Politik war. Es ist


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offenkundig die Politik dieser Bundesregierung und auch die Politik der FPÖ, das war nicht Herbert Haupt allein. Die FPÖ hat in Oberösterreich und Tirol dramatische Einbrüche zu verzeichnen gehabt, und das war ein sehr klares Signal. Meine Damen und Herren von den Freiheitlichen, mit Ihren Stimmen sind letztendlich die Abfangjäger beschlossen worden, mit Ihren Stimmen ist letztendlich eine Pensionskürzungsreform beschlossen worden, mit Ihren Stimmen ist die Voest in eine völlig unnötige Priva­tisierung getrieben worden, und jetzt bekommen Sie eben die Rechnung dafür präsen­tiert!

Mit dieser Regierungsumbildung versuchen Sie, in irgendeiner Form die Situation wieder in den Griff zu bekommen, aber es ist der falsche Weg, denn Hubert statt Herbert reicht nicht. Im Wesentlichen ginge es um eine inhaltlich völlig andere Orien­tierung für Österreich, und Sie sollten ihren inhaltlichen Kurs überdenken und nicht Vornamen austauschen! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Doch was kommt nun? Ich habe heute mit Interesse und Neugier gelauscht, was so für die nächsten Monate angekündigt wird, und etwas, was wir schon kennen, nämlich das Vorziehen einer Steuerreform, ist wieder einmal als wichtigstes Projekt eines Vize­kanzlers vorgestellt worden. Das war schon letztes Jahr das wichtigste Projekt der damaligen Vizekanzlerin und der Landeshauptleute. Doch was daraus geworden ist, sehen wir: Es sind Neuwahlen daraus geworden. Die FPÖ hat zwei Drittel ihrer Wähle­rinnen verloren, und die Steuerreform haben Sie bis heute nicht gemacht. Ich weiß nicht, ob das ein erfolgreicher Kurs ist, den man fortsetzen sollte.

Wenn ich dann höre, dass eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden soll, ein Arbeits­kreis – und zwar nach dem Motto: Wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann gründe ich einen Arbeitskreis! –, der die internationale Entwicklung in Europa analysieren soll, und das schon als Erfolg verkauft wird, dann muss ich sagen: Das ist schon sehr wenig! Dabei muss ich dazusagen, dass das in der Regierung noch nicht einmal Konsens ist, weil der Bundeskanzler dazu nur gesagt hat, dass es ein sehr interessanter Vorschlag sei. Also nicht einmal mit diesem Arbeitskreis haben Sie sich durchgesetzt, Herr neuer Vizekanzler! (Bundeskanzler Dr. Schüssel: Das machen wir!)

Aber das Dramatische daran ist, dass Sie wieder mit einem Konzept daherkommen, das Flat-Tax heißt und im Wesentlichen eines bedeutet: weniger Steuern für die Reichen! (Abg. Wattaul: Falsch! Das heißt flache Steuern!) Da frage ich Sie: Ist das tatsächlich Ihre Lösung, wo Sie doch noch vor wenigen Monaten gesagt haben, die untersten Einkommensbereiche, die Bezieher kleinster Einkommen müssten entlastet werden, die Steuerreform müsste eine Entlastung für diejenigen bringen, die jetzt am meisten draufgezahlt haben? Flat-Tax heißt 25 Prozent für alle, was wiederum das Gleiche heißt: weniger Steuern für die Reichen! So ist es, es tut mit wirklich Leid! (Abg. Scheibner: Das stimmt doch nicht! Fragen Sie Professor Van der Bellen!) Ein sehr interessanter Vorschlag für eine Partei, die sich einmal für den „kleinen Mann“ und die „kleine Frau“ stark gemacht hat. (Beifall bei den Grünen.)

Wo stehen wir nun? – Hubert statt Herbert! Ich habe mit Interesse Ihrer Rede ge­lauscht und muss Folgendes sagen: Obwohl sich der vorige Vizekanzler manchmal et­was schwerer getan hat, etwas auf den Punkt zu bringen, so hat er doch hie und da noch etwas Konkretes gesagt. Sie haben heute überhaupt nichts Konkretes gesagt! Das war eine Ansammlung von Gemeinplätzen, von Plattitüden, eine Darstellung der internationalen Entwicklung, ein Blablabla, also ich habe überhaupt keine Vorstellung davon, was sich mit Ihrem Amtsantritt jetzt tatsächlich ändern wird.

Im Gegenteil: Wenn Sie von Ihrem ureigensten Bereich sprechen, nämlich von der ÖBB, dann wird deutlich, dass Sie die Zeichen der Zeit nicht sehen und weiter darauf beharren, Ihren Zerschlagungskurs, Ihren Abspeckkurs fortzusetzen. Ein Beispiel nur:


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Wenn Sie sagen, dass ein Viertel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der ÖBB weggespart werden soll, dann frage ich Sie: Was denken Sie, wie sich das auf das Angebot auswirken wird? Heißt das jetzt weniger Straße oder mehr Straße? Ich meine, die Rechnung ist sehr einfach: Das heißt mehr Straße und weniger Schiene!

Was bedeutet es, wenn ein Finanzminister immer noch nicht fix zugesagt hat, Infra­strukturprojekte zu finanzieren? Also ich muss sagen: Ich habe heute von Ihnen in dieser Hinsicht eigentlich nichts Neues und auch, was sonstige Politikbereiche betrifft, eigentlich nichts Vertrauen Erregendes gehört, sodass ich mir vorstellen könnte, dass dadurch irgendetwas besser würde.

Nun auch ein paar Sätze zur ÖBB: Die Schienenmaut zu verdoppeln, bedeutet auch nicht mehr Schiene und weniger Straße, sondern genau das Gegenteil. Wenn Sie diese systematische Aushungerungspolitik fortsetzen, dann werden Sie damit auf euro­päischer Ebene nicht mehr ernst genommen. Das Transitproblem werden Sie damit nicht lösen, und auch alle anderen Probleme nicht!

Der Herr Bundeskanzler hat heute von EU-Reform und Verfassungsreform gespro­chen, was er das letzte Mal auch schon getan hat. – Herr Bundeskanzler! Da möchte ich Sie auch einmal etwas fragen, denn Sie haben da viele wichtige Themen ver­gessen: Was ist mit EURATOM geworden? Ist es so wichtig, dass jedes Land einen eigenen Kommissar hat, dass man die inhaltlichen Fragen, nämlich die Neugestaltung der Verkehrspolitik, die Neugestaltung der Antiatompolitik, den europäischen Atom­ausstieg hintanstellt? – Ich habe dazu heute kein einziges Wort gehört. (Abg. Mag. Mol­terer: Im letzten Hauptausschuss ist das alles erklärt worden!)

Ansprechen möchte ich auch noch andere Themenbereiche, die für diese Bundes­regierung vielleicht recht relevant wären, wenn schon über Generationengerechtigkeit und Jugendpolitik gesprochen wird und Herr Stummvoll immer wieder den Vergleich mit Deutschland bemüht, und Sie auffordern: Bitte richten Sie Ihre Augen auf Öster­reich und auf die Probleme, die wir hier haben! 38 127 junge Menschen zwischen 19 und 24 Jahren haben Ende Oktober – also zum jetzigen Zeitpunkt – keine Arbeit. Da frage ich Sie: Ist Ihnen das egal? – Ich würde Sie wirklich bitten: Hören Sie auf mit den unseligen Vergleichen, was in anderen Ländern gut, schlecht und so weiter läuft, son­dern kümmern Sie sich um das, wofür Sie gewählt wurden – offensichtlich aber nicht mehr gewählt würden –, nämlich um die Probleme in Österreich zu lösen, schauen Sie sie zumindest an und nehmen Sie sie ernst! (Beifall bei den Grünen und bei Abge­ordneten der SPÖ.)

Ich sage es noch einmal: 38 127 junge Menschen ohne Arbeit! – das sind um fast 10 Prozent mehr als letztes Jahr, und das sind um 55 Prozent mehr als im Jahr 2000. Diese jungen Menschen zahlen die Zeche für die Pensionsreform 2000, nämlich für die Anhebung des Pensionsalters. Aber nicht nur im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit haben wir ein Problem, sondern auch bei den Ausbildungsplätzen. All dies sind The­men, zu denen der Vizekanzler heute kein Wort verloren hat und um die er sich im Wesentlichen auch nicht kümmern wird.

Es gibt aber noch andere Probleme, deren Lösung angegangen werden muss. Stich­wort: Wirtschaftsimpulse. Sie werden morgen in diesem Hohen Hause einen Antrag der Grünen ablehnen – das haben Sie im Ausschuss nämlich schon getan –, in wel­chem es darum geht, die Wirtschaft mit Impulsen zum Klimaschutz und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Österreich anzukurbeln – ein Konzept, das sehr gut funktioniert und das viele Staaten bereits durchführen. Mit Kyoto haben wir ein Problem, mit dem Klimaschutz haben wir ein Problem, wir haben eine sehr hohe Arbeitslosigkeit, im Bau­gewerbe schaut es sehr schlecht aus, und da stellt sich doch die Frage: Warum soll man nicht jetzt dieses Projekt angehen, nämlich Klimaschutz und Arbeitsplatzbe­schaf-


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fung miteinander zu verbinden? (Abg. Großruck: Falsch!) – Nein, keine Neuorientie­rung, klassisch niederstimmen, das ist Ihr Weg!

Ich weiß, der „erfolgreiche“ Reformkurs wird fortgesetzt, ja, aber sehr erfolgreich ist Ihr Erfolgskurs nicht, und ich denke, dass die Wählerinnen und Wähler das sehr gut ver­standen haben, denn sie haben in Oberösterreich und in Tirol dieser Bundesregierung schon eine Absage erteilt, aber das werden die Wähler auch bei allen kommenden Wahlen tun. Hoffentlich kommt die nächste Nationalratswahl bald! – Danke. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ. – Abg. Wattaul: Märchentante!)

12.33

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Dr. Bleckmann. Gleiche Redezeit. – Bitte.

 


12.33

Abgeordnete Mag. Dr. Magda Bleckmann (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Werte Regierungsmitglieder! Hohes Haus! Es ist ja schön, dass sich die Kollegen der Sozialdemokratie Sorgen machen und sagen, es sei falsch, dass der Vizekanzler – der freiheitliche Vizekanzler – Herbert Haupt geht. Es ist ja schön, dass Sie sich solche Sorgen machen, nur, Sie vergessen eines: Er selbst hat diese Entscheidung als Bun­des­parteiobmann getroffen (ironische Heiterkeit bei der SPÖ), er selbst übernimmt dafür auch die Verantwortung, und er ist bereit für Veränderung. Sie, meine Damen und Herren von der Sozialdemokratischen Partei, stehen dagegen für Stillstand, für Blockade, für opponieren. Das ist das, wofür Sie stehen und wofür Sie sich einsetzen! Sie sind für Veränderungen nicht bereit! Doch die einzige Konstante und das einzig Stabile auf der Welt – und das wissen Sie –, das ist die Veränderung! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Sie wissen auch, dass wir die Vergangenheit nicht verändern können, sondern das Einzige, das wir verändern können, das ist die Zukunft, und wer anderer ist geeigneter dafür als der Zukunftsminister Hubert Gorbach, der hier in einem neuen Team in der Frei­heitlichen Partei und in der Regierung die Zukunft mitgestaltet. Deshalb haben wir ein neues Team! Wir Freiheitliche starten durch mit einer neuen Aufgabenverteilung – mit einer Verteilung auf mehrere Schultern, denn in schwierigen Zeiten ist es nun ein­mal notwendig, eine Lastenverteilung durchzuführen.

Wir Freiheitliche haben das Signal der Bevölkerung verstanden, wir können nicht die Wähler verändern, sondern wir müssen uns selbst verändern. Wir haben daher Veränderungen eingeleitet, denen auch andere Veränderungen, nämlich inhaltliche, folgen werden. Aber wir werden uns nicht den Grünen anpassen, da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, wir werden nicht für Drogenfreigabe sein oder für Marxismus und andere Dinge, sondern wir werden uns inhaltlich positionieren und zu unseren Grundthemen und Grundwerten zurückkehren.

Aber diejenigen, die hier in diesem Hohen Haus überhaupt kein Interesse an Veränderungen haben, das sind nun einmal Sie, meine Damen und Herren von der Sozialdemokratie. Ich habe es schon gesagt: Sie stehen für Stillstand, für Blockade und für opponieren! Sie haben keinerlei Interesse, irgendwelche Reformen in Österreich durchzuführen. Sie sind es ja, die verantwortlich dafür sind, dass es solch einen Reformstau in Österreich gegeben hat und auch heute noch gibt. Die einzige merkbare Veränderung und Erneuerung, die Sie einmal durchgeführt haben, war die Änderung des Parteinamens von sozialistisch auf sozialdemokratisch, und auch das ist schon eine sehr lange Weile her.

Das, was Sie können, und was Sie daher auch erwartet haben, ist ein Köpferollen. – Die Köpfe sind geblieben, es ist zu einer Neuaufstellung innerhalb der freiheitlichen


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Regierungsmannschaft gekommen. Köpferollen, das ist das, was Sie können, und das haben Sie gezeigt, als Sie beispielsweise bei Ihrem damals sehr glücklosen Kanzler Klima dann auch einfach „Rübe ab!“ gesagt haben und Köpfe haben rollen lassen. Das ist die Art und Weise, wie Sie vorgehen, und nicht wie die jetzige freiheitliche Re­gierungsmannschaft vorgeht!

Wir haben mit dieser Regierungsumbildung unseren Willen zur Veränderung bekundet und wollen eine dynamische Erneuerung zur Optimierung der Reformarbeit durch­führen. Ein Negativbeispiel für eine verabsäumte, notwendige, wichtige Regierungsum­bildung zeigt uns das rote Wien, wo es eine Stadträtin gibt, die für den Lainzer Skandal verantwortlich ist, die verantwortlich dafür ist, dass sich diejenigen, die in Wien zu pflegen sind, nicht mehr sicher fühlen, dass sie Angst haben, die aber sagt, dass sie keinerlei Verantwortung und keinerlei Veranlassung sieht, zu gehen. Das ist wirklich nicht die Art und Weise, wie Sie Verantwortung übernehmen sollten! Sie sollten ihr auch sagen: Es wäre Zeit für eine Veränderung, es wäre wichtig, Verantwortung in Wien zu übernehmen, statt sich einzubunkern und zu sagen: Es ist alles bestens, es ist alles in Ordnung für die Leute, die in Wien zu pflegen sind! – Die SPÖ-Truppe bunkert sich ein, zementiert sich ein, die FPÖ mit ihrem FPÖ-Team stellt sich neu auf – das ist der Unterschied! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Das, was Sie, meine Damen und Herren von der Sozialdemokratie, machen, ist alte Politik mit alten langen Zöpfen. Sie sind – und das werden wir Ihnen sagen, auch wenn Sie es nicht mehr hören können – verantwortlich für die Schuldenpolitik, Sie sind ver­antwortlich dafür, dass es in Österreich sehr viele Schulden gegeben hat und auch heute noch gibt, denn solch einen riesigen Schuldenberg kann man nicht innerhalb kürzester Zeit wieder abbauen. (Abg. Dr. Niederwieser: Sie sagen immer das Glei­che!) Sie sind verantwortlich für eine Politik auf Kosten der Steuerzahler, auf Kosten der Jugend, auf Kosten der Österreicherinnen und Österreicher und auf Kosten der nächsten Generation. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Sie, meine Damen und Herren von der SPÖ, sind für diesen Schuldenhaufen verant­wortlich, auch wenn Sie es nicht mehr hören können! Kollege Matznetter, Sie sind der Finanzsprecher, und Ihnen sage ich es daher: Hätten Sie es damals gesagt, hätten Sie es in Ihrem Verantwortungsbereich damals besser gemacht! – Sie nicken, Sie sagen: Jawohl, man hätte es besser machen können! – Ja, aber Sie haben es nicht besser gemacht!

Wir Freiheitliche machen Politik für Österreich und für eine gute Zukunft in Österreich, und zwar mit Reformen, die für eine positive Zukunft notwendig sind, und wir können da auf Erfolge verweisen. (Zwischenrufe bei der SPÖ. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) Ich wiederhole es, auch wenn Sie es nicht mehr hören können: Wir haben das Kinderbetreuungsgeld eingeführt und umgesetzt – etwas, das Sie heute nicht einmal mehr bestreiten und abschaffen wollen, sondern maximal verändern –, wir haben die „Abfertigung neu“ umgesetzt, die Gleichstellung der Arbeiter und Ange­stellten – etwas, wovon die Sozialdemokratie jahrzehntelang gesprochen hat und es nie umgesetzt hat, wir haben es umgesetzt –, und wir werden morgen ein neues Asyl­gesetz beschließen.

Diesbezüglich haben wir uns die Sorgen der Bevölkerung angehört, und wir können sagen, dass das neue Asylgesetz die freiheitliche Handschrift trägt, auch wenn Ihnen das nicht gefällt, aber für uns ist das wichtig, denn wir nehmen die Sorgen der Bevöl­kerung ernst. Es geht dabei darum, dass die Asylverfahren beschleunigt werden, dass es keinen Asylmissbrauch gibt und es deshalb zu Verschärfungen kommt. Das ist für uns Freiheitliche wichtig, und deshalb ist dieser Beschluss morgen auch sehr wichtig.


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Sie scheinen es übersehen zu haben, dass es schon einen ersten Schritt der Steu­erreform gibt, der ja hier in diesem Hohen Haus schon beschlossen wurde. (Zwischen­ruf bei der SPÖ.) Ich betone: Die Steuerreform, der erste Schritt, wurde beschlossen, nämlich eine Entlastung für den kleinsten Einkommens- und Unternehmensbereich! Eine Entlastung von fast 1 Milliarde €! (Abg. Dr. Matznetter: Die größte Steuerbe­las­tung!) Eine Entlastung, Herr Kollege Matznetter! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Aber Sie haben anscheinend nicht mitbekommen, was das geheißen hat, denn in irgendeiner Forderung, die Sie aufgestellt haben, fordern Sie auf einmal 10 000 € jährlich steuerfrei! – Das ist eine gute Forderung , und wir haben diese mit dieser ersten Etappe der Steuerreform auch schon umgesetzt, nämlich 14 500 € steuerfrei. Das ... (Zwischenruf des Abg. Dr. Matznetter.) Steuerfrei ist ja netto für brutto, Kollege! Ich habe das auch studiert. (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Dr. Matznetter.) Das ist ja brutto für netto, Kollege! Das heißt: jährlich 14 500 € steuerfrei! Wir haben um­gesetzt, was Sie fordern. Das scheint Ihnen entgangen zu sein, denn Sie haben ja bei guten und sinnvollen Maßnahmen hier im Hohen Haus nicht mitgestimmt! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Mag. Molterer: Sie haben da­gegen gestimmt! – Abg. Silhavy: Sie vergessen die Belastungen, die Sie beschlos­sen haben!)

Sehr geehrte Damen und Herren! Es gibt für diese Regierung noch viel zu tun. Wir müssen die Harmonisierung der Pensionssysteme umsetzen und durchführen. Damit verbunden ist auch die Schwerarbeiterregelung, womit wir endlich das tun, was Sie jahrzehntelang versprochen haben, dass es nämlich zu einer Schwerarbeiterregelung kommt. Das werden wir umsetzen.

Weiters müssen wir den Menschen in Österreich Sicherheit geben. Das ist ein wich­tiger Schritt. Ferner müssen wir auch die Steuerreform mit dem Vorziehen von einzel­nen Maßnahmen weiterführen. Wir haben am Anfang der Diskussion gesagt, dass wir Freiheitliche fordern, dass als nächster Schritt der Steuerreform einzelne Maßnahmen vorgezogen werden, und das werden wir umsetzen. Sie werden sehen: Das wird schneller gehen, als Sie glauben! (Abg. Dr. Matznetter: Was?)

Wir wollen langfristig das Flat-Tax-System, nämlich eine flache, gerechte, faire Steuer, ein System, bei dem alle weniger Steuern zahlen. Darum geht es! Alle sollen in einem fairen und gerechten System weniger Steuern zahlen. Es geht darum, endlich das System, das Sie geschaffen haben, zu beseitigen und ein faires und gerechtes System in Österreich umzusetzen. Wir Freiheitlichen arbeiten an einer positiven Zukunft für ein lebenswertes und schönes Österreich. Jammern Sie nicht immer alles krank, sondern arbeiten Sie konstruktiv mit! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

12.42

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Meine Damen und Herren! Vier mal fünf Minuten wür­den sich nicht ausgehen. Vier mal vier Minuten plus Applaus und Rednerwechsel gehen sich aus.

Zu Wort gelangt nun Herr Abgeordneter Nürnberger. 4 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


12.42

Abgeordneter Rudolf Nürnberger (SPÖ): Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich bin nur froh, dass Frau Abgeordnete Bleckmann bei ihrer Passage über die Regierungs­um­bildung am meisten selbst gelacht hat, weil sie offenbar auch nicht ernst genommen hat, was sie uns erzählt hat. (Beifall bei der SPÖ.)


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Was an dieser Regierungsumbildung neu sein soll, hat uns bisher kein Redner von den Regierungsparteien sagen können! Die Rede, Herr Bundeskanzler, die Sie heute gehal­ten haben, haben wir hier schon drei oder vier Mal gehört, es ist immer das Gleiche!

Etwas ist dabei allerdings neu: In der FPÖ gab es bisher zwei, die quasi vorne gestan­den sind und den Takt angegeben haben, jetzt haben wir bald ein Dutzend! – Der neue Vizekanzler hat gesagt, dass er die Kapitänsstreifen hat. Herr Haupt ist immer noch Parteichef, beziehungsweise glaubt er das zumindest selbst. Der Landeshauptmann von Kärnten hat, wie wir gehört haben, angekündigt, dass die neue Parteichefin Haub­ner mit den Landesparteiobmännern spricht. Jetzt frage ich mich: Wenn es eine neue gibt, wo ist denn noch der alte?

Weiters gibt es einen Klubobmann Scheibner. – Deine zukünftige Rolle besteht, wie wir gestern in der „Zeit im Bild“ gesehen haben, darin, dass du nur noch interpretieren darfst, was der Landeshauptmann vorgegeben hat.

Sehr gut hat mir der Ausdruck „Pressesprecher“ für Landeshauptmann Haider aus Kärnten gefallen, denn er ist der eigentliche Chef dieser Regierung, und zwar der ge­samten Regierung, denn auch der Bundeskanzler muss das tun, was ihm aus Kärnten mitgeteilt wird.

Meine Damen und Herren! Folgendes war doch fürchterlich blamabel: Der Bundes­kanzler und der Vizekanzler gehen beim Herrn Bundespräsidenten hinaus, demen­tie­ren und sagen: Kein Kommentar!, aber zum gleichen Zeitpunkt erklärt Herr Landes­hauptmann Haider, welche Regierungsumbildung es gegeben hat.

Heute sind dem Herrn Sozialminister und ehemaligen Vizekanzler viele Rosen gestreut worden, und es wurde gesagt, dass er weiterhin Sozialminister bleibt. – Neuer Herr Vizekanzler, das kommt einer gefährlichen Drohung sehr nahe, was Sie da gesagt haben! (Zwischenruf der Abg. Dr. Bleckmann.) Auch wenn Sie es nicht hören wollen, Frau Bleckmann, werde ich trotzdem sagen, was Herr Sozialminister Haupt in seiner bisherigen Tätigkeit geleistet hat, und zwar im Telegrammstil.

Bisher hat er sich nicht einmal als Postenvermittler für FPÖ-Funktionäre berühmt ge­macht. Man hat ihm eine ehemalige Büroleiterin aus Kärnten unterjubelt, und dann hat sich herausgestellt, dass sie nicht einmal Magistra ist, aber mehr Gehalt als der Bun­deskanzler gehabt hat. Einem Pressesprecher von Frau Ministerin Sickel musste Haupt einen leitenden Posten geben. Die Krönung der Postenbesorgung war wohl die Bestellung von Gaugg. Das war das Glanzstück!

Für den Hauptverband hat uns der ehemalige Vizekanzler Haupt eine neue sparsame und billige Struktur versprochen, aber dann waren er und die gesamte Regierung nicht einmal fähig, ein verfassungskonformes Gesetz dem Parlament vorzulegen. Die Regie­rungsparteien haben hier ein Gesetz beschlossen, bei welchem alles wieder aufge­hoben wurde! (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf der Abg. Dr. Partik-Pablé.)

Minister Haupt hat gesagt, dass Kosten gespart werden sollen, aber in Wirklichkeit haben sich die Kosten vervielfacht! Heute sitzen dort fünf Direktoren, und aufgeblähte Körperschaften bestimmen dort. Einen Direktor – und damit hat er auch wieder „großes Geschick“ bewiesen – hat er aus Kärnten geholt. Dieser hätte die Chip-Card umsetzen sollen, aber das ist ihm bis heute nicht gelungen.

Ich rufe seine Flops in Erinnerung: Ambulanzgebühr, Unfallrentenbesteuerung, mas­sive Verschlechterung der Pensionen. (Abg. Scheibner: Das war nicht er!) Zum ÖGB-Modell kann ich nur sagen: Herr Haupt, bitte orientieren Sie sich an dem Leitspruch von Max Walch: Lesen, denken und dann reden! Das ÖGB-Modell kann Herr Haupt näm­lich nicht gelesen haben beziehungsweise jedenfalls nicht so wie Herr Klubob-


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mann Molterer, denn dieser hat uns eingeladen, da mitzuarbeiten, und hat somit dem Modell etwas Gutes getan.

Meine Damen und Herren! Wissen Sie, was eine vernünftige Regierungsumbildung ge­wesen wäre? – Wenn uns der ehemalige Vizekanzler in aller Klarheit – wie er es immer so gerne formuliert hat – gesagt hätte, dass er von allen Ämtern zurücktritt! Wissen Sie, Herr Bundeskanzler, was eine wirklich innovative Regierungsumbildung gewesen wäre? – Sie haben einen Finanzminister, der ein riesengroßes Problem mit den Nullen hinter dem Komma hat. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Die Nullen hinter dem Kom­ma sind nicht so wichtig!) Wenn Sie den Finanzminister ausgetauscht hätten und den Menschen in diesem Lande einen Finanzminister neu gegeben hätten, der sich mit Zahlen auskennt und rechnen kann, dann wäre das ein Dienst an Österreich gewesen! (Beifall bei der SPÖ.)

12.46

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Grillitsch. Gleiche Redezeit von 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


12.46

Abgeordneter Fritz Grillitsch (ÖVP): Werte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Parlament! Herr Dr. Gusenbauer, wenn Sie davon sprechen, dass diese Regierung keine Antworten gegeben und keine Lösungsansätze für die Menschen in diesem Lan­de gefunden hätte, um das Land zukunftsorientiert zu gestalten, so sage ich Ihnen: Sie sind selten hier, anscheinend haben Sie nicht mitbekommen, was diese Regierung leistet!

Ich glaube viel eher, dass Sie wirklich keine Antworten hinsichtlich Ihrer Konzeptlo­sig­keit und Ratlosigkeit betreffend Ihre Vorstellungen von der Zukunft Österreichs finden! Ich glaube beziehungsweise bin überzeugt davon, dass diese Regierung auch in Zukunft Mut zu Reformen haben wird, um dieses Land zukunftsorientiert gestalten zu können. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Ich sage auch: Diese Regierungsumbildung wird diesen mutigen Weg fortsetzen! Es ist dies in Wahrheit die Sicherung für den Zukunftsstandort Österreich. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Ich bin überzeugt davon, dass in der Person des neuen Vizekanzlers Hubert Gorbach ein wirklicher Profi fungiert. Ich bin sehr froh, dass er dieses Amt übernommen hat, um mit uns gemeinsam an diesem richtigen Reformprojekt zu arbeiten. Er hat in Vorarlberg und mittlerweile auch als Infrastrukturminister bewiesen, dass er das kann.

Ich danke aber auch Herbert Haupt ganz besonders – er ist leider im Moment nicht da –, denn ich kann, gerade auch aus meiner Verantwortung für die Bauernschaft, eines sagen: Er ist in der Politik ein wirklicher Profi mit großem Wissen. Wir haben das bei der BSE-Krise und beim Hormonskandal gesehen, wozu es auch verunsichernde Äußerungen von sozialistischer Seite gegeben hat, doch er hat mit Professionalität agiert und damit großen Schaden für Österreichs Landwirtschaft abwenden können.

Ich glaube, dass wir gerade für die Zukunft und angesichts der Herausforderungen, vor welchen wir stehen – EU-Erweiterung, Harmonisierung der Pensionssysteme, Gesund­heitsreform – das Wissen und die Kraft Herbert Haupts in dieser Bundesregierung brauchen! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Wenn Frau Dr. Glawischnig sagt, man sollte keine Ver­gleiche mit anderen Ländern anstellen, dann erwidere ich: Ich muss es tun! Frau Dr. Glawischnig! Wissen Sie, warum ich es tun muss? (Abg. Dr. Glawischnig: Sie können es gerne tun! Aber schauen Sie doch lieber auf die Probleme in Österreich! Diese blenden Sie jedoch aus!) Nur anhand eines Vergleichs sehen Sie nämlich, dass


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wir in Österreich eine stabile und berechenbare Politik für die Menschen machen. Sie werden es sehen! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Ich bringe Ihnen einen Vergleich: Ländermatch Österreich – Deutschland betreffend Agrarinvestitionen: Ein österreichischer Durchschnittsbetrieb hat 17 Hektar Fläche. Die Nettoinvestitionen der österreichischen Betriebe sind von 2000 auf 2002 im Durch­schnitt um 31 Prozent gestiegen. Frau Dr. Glawischnig, die Nettoinvestitionen beim durchschnittlichen bäuerlichen Betrieb betragen plus 31 Prozent! (Neuerlicher Zwi­schen­ruf der Abg. Dr. Glawischnig.)

Deutsches Beispiel: Deutschland hat bekanntlich eine rot-grüne Regierung, und im selben Zeitraum gab es auf Grund der rot-grünen Politik in Deutschland im Bereich der Nettoinvestitionen bei deutschen landwirtschaftlichen Betrieben ein Minus von 78 Pro­zent! – Ich danke unserer Bundesregierung, unserem Bundeskanzler und unserem Land­wirtschaftsminister für deren stabile, kalkulierbare Politik für den ländlichen Raum und für die Konsumenten in unserem Lande! (Beifall bei der ÖVP und den Frei­heit­lichen.)

Meine Damen und Herren! Ich muss ehrlich sagen: Ich halte es für sehr sonderbar, wie gerade von sozialistischer Seite in letzter Zeit Politik betrieben wird! Diese Hasstiraden und dieser Neidkomplex sind beängstigend. Ich fordere Sie daher auf: Beenden Sie diesen Weg! Verunsichern Sie die Menschen nicht!

 


Präsident Dr. Heinz Fischer (das Glockenzeichen gebend): Bitte die Redezeit zu beachten!

 


Abgeordneter Fritz Grillitsch (fortsetzend): Dr. Gusenbauer behauptet, die Steier­mark sei ein Notstandsgebiet. – Offensichtlich hat er wirklich keine Informationen darüber, welch zukunftsträchtiger Wirtschaftsstandort die Steiermark ist! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

12.51

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Pilz. Gleiche Redezeit. – Bitte.

 


12.51

Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Sozialminister bleibt der Sozialminister, der Verkehrsminister bleibt der Verkehrsminis­ter, und was noch viel schlimmer ist: Die Regierungspolitik dürfte dieselbe Regierungs­politik bleiben. Und das nennen Sie einen Neuanfang?!

Ich habe jetzt die ganze Zeit auf die Regierungsbank geschaut und mir gedacht: Was hat sich geändert? – Das Einzige, was ich feststellen kann, ist, dass nach 17 Jahren zum ersten Mal der Vizekanzler wieder einen Schnurrbart trägt. (Abg. Steibl: Das ist aber sehr tief!) Das ist das Einzige, was sich geändert hat! Wenn das ein Neubeginn ist, dann sage ich Ihnen: Meine Herren von der Regierungsbank, lassen Sie sich Bärte wachsen, dann hat Österreich endlich einen harmlosen Grund, über Sie zu lachen, und nicht immer die Gründe, die Sie uns sonst mit Ihrer Politik vorgeben! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Molterer: Ich fühle mich als Vollbartträger diskriminiert!)

Wenn man einen Neuanfang verspricht, dann meint man normalerweise einen sach­lichen und personellen Neuanfang. (Abg. Mag. Molterer: Ich erkläre mich mit Kollegen Van der Bellen solidarisch!) Sehen Sie, mit Rasieren dürfte ich wirklich einen wunden Punkt getroffen haben! (Zwischenrufe bei der ÖVP. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen. – Abg. Steibl: Zur Sache!) Es gibt also doch noch etwas, was Sie wirklich interessiert, nämlich die Barttracht des regierenden Mannes! – Wenn Sie sich so für Politik und für die Anliegen der Österreicherinnen und Österreicher interessieren, dann wäre das ein wirklicher Fortschritt!


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Was wäre ein Reformneubeginn? – Einen Neubeginn würde etwa eine ökologische Steuerreform darstellen, nicht aber die Einführung einer Flachsteuer für Reiche! Eine ökologische Steuerreform wäre endlich ein Versuch, eine Grundsicherung für berufs­mäßig in Probleme geratene junge Generationen einzuführen und neue Arbeitsmärkte sozial abzusichern. Es wäre dies ein Versuch, Einwanderung intelligent zu nützen und damit Pensionssysteme zu stützen. Es wäre dies ein ernsthafter Versuch, Armut in Österreich zu bekämpfen, anstatt einfach in Anbetracht dessen, dass im Sozialbericht zu lesen steht, dass mehr als 100 000 Kinder in Österreich, also mit Sicherheit Un­schul­dige, unter dieser Regierung unter der Armutsgrenze leben, zu resignieren. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Wehrpflicht abzuschaffen und endlich diesen sinnlosen Zwang für junge Männer zu beseitigen. – Das wäre ein sachlicher Neubeginn! Genau das haben sicherlich zumindest einige heute von Ihnen, Herr Bundeskanzler, erwartet! (Beifall bei den Grünen.)

Außerdem bestünde die Notwendigkeit, auch bei der jetzt bestehenden Bundesregie­rung einen personellen Neuanfang zu probieren: Dazu gibt es nur ein Beispiel, und dieses Beispiel ist der Finanzminister. Er ist der Problemfall dieser Regierung. Wir hatten – zumindest, soweit ich mich zurückerinnern kann – noch kein Mitglied einer Bundesregierung, das bei der Begehung einer fortgesetzten Verfassungsverletzung erwischt wurde und im Hinblick auf welches gerichtlich erlaubt wird, es der Schiebung in einem großen Beschaffungsvorgang zu bezichtigen, und das im Verdacht des Amts­missbrauches, der Steuerhinterziehung, der Geschenkannahme und einer Reihe ande­rer Delikte steht.

Meine Damen und Herren! Einen Finanzminister beziehungsweise ein Regierungsmit­glied dieser Art hat es in dieser Republik noch nicht gegeben!

Herr Bundeskanzler! Sie hätten heute nicht die Aufgabe gehabt, zu erklären, warum Sie Hubert nehmen und Herbert degradieren! Vielmehr hätten Sie die Aufgabe gehabt, zu erklären, wie ein sachlicher Neuanfang ausschaut und wie Sie mit einem neuen Finanzminister überzeugend neu beginnen wollen! Wenn Sie nicht in der Lage sind, die Regierung umzubilden, dann wird hoffentlich möglichst bald die österreichische Bevöl­kerung die Möglichkeit zu einer Totalumbildung dieser Bundesregierung bekommen. Ich hoffe, dass das eher früher als später der Fall sein wird! – Danke. (Beifall bei den Grünen.)

12.55

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Als Nächste zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Dr. Par­tik-Pablé. Gleiche Redezeit von 4 Minuten. – Bitte.

 


12.55

Abgeordnete Dr. Helene Partik-Pablé (Freiheitliche): Sehr geehrte Damen und Her­ren! Im Anschluss an die Rede des Abgeordneten Pilz muss ich sagen: Opposition bleibt Opposition! Diese Debatten über die Regierungsarbeit, die wir ja öfters führen, spielen sich immer ähnlich ab, nämlich: Die Opposition spult reflexartig ein Ritual ab, das Angstmachen, Miesmachen und noch dazu auch Lächerlichmachen zum Inhalt hat, statt endlich einmal anzuerkennen, was im internationalen Vergleich in Österreich positiv läuft! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Der Herr Bundeskanzler hat es schon gesagt: Wir haben eine der niedrigsten Infla­tionsraten, und wir haben einen Handelsbilanzüberschuss. Das ist etwas, was in der heutigen Zeit wirklich geradezu gigantisch ist! Wir haben gutes Wachstum. Wir haben bezüglich Budgetsanierung wirklich eine bessere Stellung als viele andere Länder. (Zwischenruf des Abg. Öllinger.)


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Herr Abgeordneter Van der Bellen! Sie haben gesagt: Schauen wir nicht immer in die Bundesrepublik Deutschland! – Ich glaube Ihnen schon, dass Ihnen das nicht recht ist, weil dort Rot-Grün regiert! Aber wir sollten doch hinschauen, weil es dort ähnliche Strukturen gibt. In der Bundesrepublik Deutschland wird nämlich unter einer rot-grünen Bundesregierung wirklich soziale Kälte praktiziert, nicht jedoch in Österreich! In Deutschland werden wirklich irrsinnige, einschneidende Maßnahmen zu Lasten der Pensionisten und der armen Menschen getroffen. In Österreich haben wir all das mit unserer Regierungspolitik verhindert.

Meine sehr geehrten Damen und Herren von der Opposition! Sie wurden immer wieder aufgefordert, an dem Reformkonzept mitzuarbeiten, auch heute wieder. So hat Ihnen der neue Vizekanzler Gorbach angeboten, mit Ihnen gemeinsam Regierungstätigkeiten zu besprechen. (Ironische Heiterkeit des Abg. Öllinger.) Sie lachen! Aber vielleicht ist es wirklich besser, wenn Sie Ihre Vorschläge gar nicht einbringen. – Ich zitiere jetzt einen Journalisten, der zur Methode der SPÖ Folgendes gemeint hat:

„,Vorwärts, wir müssen zurück in die Vergangenheit.‘ Pfui sind diesem Verständnis nach Privatisierungen, pfui ist die Globalisierung, pfui sind ausländische Beteiligungen in Österreich, pfui sind tief greifende Reformen (von der Pension bis hin zu den ÖBB).“

Auf solch eine Mitwirkung verzichtet man wahrscheinlich wirklich besser! (Zwischenruf des Abg. Marizzi.)

Wenn Herr Obmann Gusenbauer heute kritisiert hat, dass die Regierung auf die Herausforderungen der Zeit nicht eingeht, dann möchte ich schon sagen: Mit Ihrer Politik würden Sie uns in eine Zeit zurückversetzen, die wir noch in sehr, sehr unan­genehmer Erinnerung haben. Die Folgen dieser Ihrer Verschwendungspolitik haben wir mit einem milliardenschweren Defizit heute noch zu tragen.

Aber nicht nur „Vorwärts in die Vergangenheit!“ ist Ihre Marke, sondern auch politische Konzeptlosigkeit. Das werde ich Ihnen sofort anhand des folgenden Beispiels be­weisen: Am 2. Oktober sagte Finanzsprecher Matznetter, dass die Sozialversiche­rungsquote von 14,9 auf 9,5 Prozent gesenkt werden muss. Am nächsten Tag rudert Herr Obmann Gusenbauer in die andere Richtung, indem er sagt: Nein, es soll keine Herabsetzung geben! Zur Abschaffung der Wohnbauförderung sagen Gusenbauer ja, Burgstaller nein und Haider aus Oberösterreich nein. Ähnlich verhält es sich hin­sicht­lich der Einschränkung oder Abschaffung des Pflegegeldes. Weiter geht es mit den Studienzutrittsplätzen und so weiter und so fort.

Sehr verlässlich scheint Ihre Politik wirklich nicht zu sein, und ich bin froh, dass diese blau-schwarze Regierung die Arbeit in Österreich zu machen hat und ohnehin von Ihren Vorschlägen nicht belästigt ist!

Ich möchte Ihnen noch Folgendes sagen: Es wird immer bemängelt, dass die großen Reformen von der Regierung noch nicht in Angriff genommen worden sind. (Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) – Ich komme schon zum Schlusssatz.

Die großen Brocken haben Sie jahrzehntelang vor sich hergeschoben. Die Sanierung des Budgetdefizits, die Reformierung der Bundespensionen und des Gesund­heits­systems, das haben Sie alles nicht in Angriff genommen, und deshalb gibt es solche Skandale wie beispielsweise im Pflegeheim Lainz, mit denen wir uns jetzt auch noch auseinander setzen müssen. – Danke. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Zwischenruf des Abg. Parnigoni.)

13.00

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Meine Damen und Herren! Ich bitte Sie, zu beachten, wie exakt es möglich war, die Redezeiten gleich zu verteilen. Danke für die Disziplin!


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Die Sitzung wird jetzt unterbrochen und um 13.15 Uhr wieder fortgesetzt. Das Wort erhält dann als erste Rednerin Frau Abgeordnete Bures.

Die Sitzung ist unterbrochen.

(Die Sitzung wird um 13 Uhr unterbrochen und um 13.16 Uhr wieder aufgenom­men.)

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn (den Vorsitz übernehmend): Meine Damen und Herren! Ich bitte, Platz zu nehmen. Ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf.

Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet hat sich Frau Abgeordnete Bures. Ihre Rede­zeit beträgt wunschgemäß 5 Minuten. – Bitte.

 


13.17

Abgeordnete Doris Bures (SPÖ): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Herr Bundes­minister! Hohes Haus! Es ist schade, dass es die Regierungsmitglieder offensichtlich nicht der Mühe wert finden, der weiteren Debatte zu folgen. (Rufe bei den Frei­heitlichen und der ÖVP: Und die SPÖ-Abgeordneten?) Es geht um die Regie­rungs­erklärung. (Abg. Scheibner: Wo ist die Klubführung? Aus Ihren eigenen Reihen wollen sie nicht zuhören! – Abg. Wittauer: Da wollen Sie uns einen Vorwurf machen? – Unruhe bei den Freiheitlichen und der ÖVP.) – Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich halte es für äußerst unhöflich, dass Sie mich am Rednerpult niederbrüllen. Das ist sehr unhöflich, meine Kolleginnen und Kollegen!

Wir haben heute von Ihnen die zweite Regierungserklärung in nur einem Jahr gehört, eine Regierungserklärung der Wunschkoalition des Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel. (Abg. Wittauer: Das ist gut, wenn die Regierung eine Erklärung abgeben will! Das ist die Zukunft von Österreich!) Wir haben heute die zweite Regierungs­erklärung erlebt, in der es keinen einzigen Ansatz zu einer Alternative im Bereich der für die Menschen wichtigen Zukunftsfragen gegeben hat. Sie haben heute leider kei­nen einzigen konstruktiven Ansatz dazu geliefert, obwohl es für Österreich so wichtig gewesen wäre. (Beifall bei der SPÖ.)

Wir haben heute nur erlebt, dass es innerhalb der FPÖ-Regierungsmannschaft offen­sichtlich einen Titelwechsel oder ein Sesselrücken gegeben hat. Die Bilanz von heute ist also leider nichts Neues: nichts wird klarer, in Wirklichkeit bleibt alles beim Alten. Das Traurige dabei ist, dass es von diesen acht Monaten schwarz-blauer Regierung ei­gentlich nur eine Bilanz des Scheiterns gibt. Ich rufe die Ambulanzgebühren in Erin­nerung und die Tatsache, dass wir in Österreich einen dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen haben. Offensichtlich hat diese Regierung vor, diese Bilanz des Scheiterns zum Schaden von Österreich auch fortzusetzen. (Beifall bei der SPÖ.)

Die Regierung zeichnet sich weiterhin durch Instabilität und Stillstand aus (Abg. Wittauer: Wo denn?), und wissen Sie, wer dafür verantwortlich ist? – Jener Herr, der eigentlich hier sitzen sollte, nämlich Herr Bundeskanzler Schüssel! Er ist dafür verant­wortlich, dass wir eine instabile Regierung haben, weil er persönlich offensichtlich nicht in der Lage ist, Partnerschaft auch tatsächlich zu leben. (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Wittauer.)

Ich sage Ihnen das deshalb, denn schauen wir uns die Partner von Bundeskanzler Schüs­sel in der Vergangenheit an. Wie hat sein erster Partner geheißen? – 1995: Franz Vranitzky. Nach nur sechs Monaten Partnerschaft mit Franz Vranitzky hat Wolf­gang Schüssel mutwillig Neuwahlen vom Zaun gebrochen. (Lebhafte Zwischenrufe bei der ÖVP.)


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Wie hat seine zweite Partnerschaft ausgesehen? – 1999: Viktor Klima. Klima wurde von Wolfgang Schüssel getäuscht und hintergangen. (Ironische Heiterkeit und lebhafte Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Trinkl: Fragen Sie den Nürnberger!) Der Herr Bundeskanzler hat seine schwarz-blaue Wunschkoalition gebildet.

Wer war die dritte Partnerin von Wolfgang Schüssel im Jahr 2000? – Susanne Riess-Passer hat sie geheißen. Nach nur zwei Jahren ist sie an der Partnerschaft mit Wolfgang Schüssel gescheitert, und wir hatten schon wieder Neuwahlen in Österreich.

Sein vierter Partner, Herbert Haupt, hat die Gnade, heute noch hier zu sitzen. Nach nur acht Monaten ist es dem Bundeskanzler gelungen, dass Herbert Haupt heute zwar noch hier sitzt, aber politisch in Wirklichkeit am Ende ist.

Und heute stellt sich Wolfgang Schüssel her und sagt: Ich habe es nicht leicht. – Eigentlich ist dem Herrn Bundeskanzler auszurichten: Das ist ja lächerlich. Was heißt, er hat es nicht leicht? Es ist der Schluss zu ziehen, dass er offensichtlich nicht in der Lage ist, politische Partnerschaften einzugehen, und dass er tatsächlich der Unru­heherd in dieser Regierung ist. Wolfgang Schüssel ist dialogunfähig, Wolfgang Schüs­sel ist kooperationsunfähig.

Sie, Herr Vizekanzler Gorbach, werden das auch noch zu spüren bekommen. Es wird Kanzlerlob in der Öffentlichkeit geben, doch Sie werden null politischen Bewegungs­spielraum haben. Das ist das böse Spiel, das Wolfgang Schüssel auch mit Ihnen spie­len wird. (Beifall bei der SPÖ.)

Herr Vizekanzler, Sie haben es ja bereits erlebt. Sie waren noch nicht einmal als Vize­kanzler angelobt, als Sie neuerlich korrekterweise die Forderung erhoben haben, dass es mit 1. Jänner 2004 zu einer Steuersenkung kommen soll. Was war das Ergebnis? – Der Herr Bundeskanzler hat den Finanzminister aufgefordert, Ihnen auszurichten: Das kommt nicht in Frage. Er gibt keine Steuersenkung mit 1. Jänner 2004, obwohl sie für Österreich so wichtig wäre. Der Herr Finanzminister hat davon gesprochen, dass der Sack zu ist. Sie haben null politischen Bewegungsspielraum, und dieses Spiel, das Wolfgang Schüssel hier treibt, ist in Wirklichkeit zum Schaden Österreichs.

Die SPÖ hat ein Reformkonzept, die SPÖ hat, weil Sie keine Alternativen haben, politische Alternativen anzubieten. (Abg. Wittauer: Wo? Wo denn? Das ist nur Wäh­lertäuschung! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Wir bieten das Projekt „Chance Rot-Weiß-Rot“ an und laden – im Unterschied zu Ihnen – die Be­völkerung zum Dialog ein. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

13.23

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Steibl. – Bitte. (Abg. Dr. Khol: Welch ein Unterschied!)

 


13.23

Abgeordnete Ridi Steibl (ÖVP): Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundes­regie­rung! Hohes Parlament! Wenn Abgeordnete Bures sagt, die Regierung hätte keine Zu­kunftsthemen, so frage ich, ob Sie welche haben. Ein Stück Papier reicht nicht aus. Es ist schlimm genug, wenn Abgeordneter Gusenbauer die Steiermark als Notstands­ge­biet ausruft (Abg. Dr. Trinkl – in Richtung SPÖ –: Das ist ja lächerlich!), obwohl wir bestens dastehen, obwohl wir in vielen Dingen weit voraus sind. Ich kann Ihnen nur sagen: Die SPÖ verunglimpft Regionen und Menschen und hat keine Zukunftsthemen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Nun aber zu tatsächlichen Zukunftsthemen, die uns bewegen und die wir auch be­wegen wollen. Eines der wichtigsten gesellschaftlichen Ziele dieser Regierungsarbeit


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ist die Förderung der Familie und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dem wurde bisher mit der Einführung des Kinderbetreuungsgeldes für alle, der Anhebung der Familienbeihilfe und dem Kinderbetreuungsgeld auch für Mehrlings­geburten Rechnung getragen. Mit Ihnen von der SPÖ wäre das nicht möglich ge­we­sen. Sie haben weder bessere Modelle gehabt und schon gar nicht zugestimmt. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Sehr geehrte Damen und Herren! Diese ÖVP/FPÖ-Regierung mit Bundeskanzler Wolf­gang Schüssel an der Spitze ist der Garant für Stabilität, Verlässlichkeit (ironische Heiterkeit bei der SPÖ und den Grünen) – jawohl – und Sicherheit. (Abg. Mag. Kogler: Das ist die Unwahrheit!) Das kann man nicht mit einem Lächeln abtun, sondern kann es ernst nehmen. (Beifall bei der ÖVP.)

Werte Kolleginnen und Kollegen von der Opposition! Dass Ihnen Österreich nicht wichtig ist, wissen wir aus der Zeit der EU-Sanktionen. (Widerspruch bei der SPÖ.) – Jawohl.

Wir wollen unseren guten Lebensstandard in Österreich ausbauen. Dies ist aber nur mit Reformen möglich. So wurde im Zuge der Pensionsreform zum Beispiel die Ver­ankerung von familien- und frauenspezifischen Maßnahmen vorgenommen, was sich nachhaltig für die kommende Generation auswirken wird.

Sehr geehrte Damen und Herren! Zur Erinnerung: Die SPÖ ist bei der Pen­sions­siche­rungsreform nicht mitgegangen, obwohl sie genau weiß, dass Reformbedarf besteht. Die deutschen Kollegen oder die Italiener zeigen das vor. (Zwischenruf der Abg. Silhavy.) – Kollegin Silhavy, ich habe schon lange darauf gewartet. Ich habe an­schei­nend wieder deinen Nerv getroffen, sprich die Wahrheit gesagt. Wir haben den bes­seren Weg gewählt. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Neustart heißt, zukunftsorientierte Politik zu machen. Fa­mi­lien­themen waren ausschließlich in dieser Regierung bisher schon in guten Händen und werden es in Zukunft noch mehr sein. (Abg. Silhavy: Das merkt man bei den Kin­derbetreuungseinrichtungen!) – Die Kinderbetreuungseinrichtungen hätte auch eine sozialistische Frauenministerin Helga Konrad schon verändern können. Sie wissen das. (Abg. Silhavy: Kindergartenmilliarde!) Die Kindergartenmilliarde wurde nur ein­ge­setzt, um Bauten auszuweiten, aber SPÖ-Landesrat Flecker hat nicht einmal dieses Geld ausgegeben. In der Steiermark liegen noch 200 000 S brach, die die SPÖ nicht verwendet hat. (Beifall bei der ÖVP.)

Ich denke, dass wir in Zukunft darauf schauen sollen, weitere Reformen umzusetzen, und die SPÖ ist wiederum herzlich eingeladen – natürlich auch die Grünen – mitzu­gestalten, zum Beispiel bei der Beschlussfassung über die Elternteilzeit, zum Beispiel beim Paket Bildung nach Maß. (Abg. Silhavy: Sie brauchen nur etwas Gescheites vor­zulegen, dann haben Sie unsere Mitwirkung!) Wir haben auch bei der Elternteilzeit etwas sehr Vernünftiges vorgelegt, und wir sind bereit, ab 20 Mitarbeiter Teilzeit bis zum siebenten Lebensjahr des Kindes einzuführen; mit Rückkehrrecht trotz der ange­spannten Lage auf dem Arbeitsmarkt. (Abg. Silhavy: Was ist mit denen, die unter 20 Mit­arbeiter haben?)

Ich denke, dass wir ein Bündnis zwischen Familie und Wirtschaft schließen sollen, in das wir mit neuen Arbeitszeitmodellen, mit steuerlicher Absetzbarkeit für Kinder­betreu­ung in der Familie und mit der Erweiterung von qualifizierten Kinderbetreuungsplätzen hineingehen.

Sehr geehrte Damen und Herren von der Opposition! Mut zur Verantwortung ist gefragt (Abg. Silhavy: Aber da muss man Geld auch in die Hand nehmen!), denn nur so ist


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zukunftsorientierte Politik machbar. – Danke schön. (Beifall bei der ÖVP und bei Abge­ordneten der Freiheitlichen.)

13.27

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner gelangt Herr Abgeord­neter Mag. Kogler zu Wort. – Bitte. (Abg. Dipl.-Ing. Missethon: Jetzt musst du aber die Wahrheit sagen! – Abg. Mag. Kogler – auf dem Weg zum Rednerpult –: Wie immer!)

 


13.28

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Herr Alt-Vizekanzler! Herr Neu-Vizekanzler! (Abg. Wittauer: Die graue Kra­watte gefällt mir!) In einer nüchternen Zusammenfassung (Abg. Mag. Mainoni: Hof­fent­lich nüchtern!): Wo halten wir? – Die Titelrochade soll den Neubeginn eröffnen, wur­de vom „Pressesprecher vom Wörthersee“ verkündet. Mehr war bis jetzt nicht zu er­fahren. Das ist nichts Aufregendes, das ist nicht einmal aufregend, wenn die Op­position das feststellt. Die Frage stellt sich nur: Von welchem Neubeginn wird hier dauernd geredet? Welcher Neubeginn? (Abg. Wittauer: Ein Neubeginn mit freiheit­li­cher Reformpolitik!)

Ich kann keinen erkennen, obwohl ich zugestehe – gehen wir einmal auf die wirklichen Probleme ein, die Österreich hat –, dass nicht alles schlecht ist. Es ist überhaupt nicht alles schlecht in Österreich, die Frage ist manchmal nur: Trotz oder wegen der Bun­desregierung? Aber ich konzediere, es hat Maßnahmen gegeben, die wir auch ein­stimmig beschlossen haben. Das Wifo zum Beispiel – um auf den Wirtschaftsbereich einzugehen – erklärt jetzt, dass Teile der Konjunkturpakete gegriffen haben, nämlich ge­nau jene im fiskalpolitischen Bereich, die wir gemeinsam beschlossen haben. Das ist offensichtlich ein Beweis dafür, dass das, was die Opposition des Weiteren vorschlägt, nämlich weitere fiskalpolitische Maßnahmen, so falsch nicht sein kann, also etwa vor­gezogene Steuerreform, Investitionsprogramme. Selbstverständlich. Was kommt? – Nichts! Und wer hat Recht gehabt? – Haupt, auch wenn er jetzt nicht mehr Vizekanzler ist: Dieser Wirtschaftskurs ist tatsächlich gescheitert, nämlich jener von Bartenstein und Grasser; das ist ja erwähnt worden.

Das halte ich deshalb für sehr bemerkenswert, weil ich mich umgehend auch noch ein­mal mit der Problematik – man muss es ja leider schon so nennen – des Herrn Finanz­ministers auseinander setzen will. In Wirklichkeit könnte man ja meinen, das Ganze ist ein riesengroßes Ablenkungsmanöver. Eine durchgehende Skandalkette von mindes­tens fünf Skandalen soll davon ablenken, dass der Herr Finanzminister nicht einmal das tut, was er eigentlich tun sollte, nämlich Finanzpolitik machen. Auch hier geschieht nichts! Hier geschieht aussitzen und durchtauchen. Das haben Sie gemeinsam gelernt, das hat er noch von der FPÖ mitgebracht. Aber es ist auch ein Versagen der Wirt­schafts- und Finanzpolitik, das diagnostiziert werden muss und das alleine schon den Rücktritt rechtfertigen würde. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Wittauer: Ein matter Applaus!)

Aber nicht genug damit. In dieses Bild hat auch die Irreführung des Parlaments bei den Budgetdaten gepasst. Der Bogen spannt sich jetzt bis hin zur Irreführung des Parla­ments, was seine persönlichen Angaben betrifft.

Herr Präsident Khol, weil wir hier einen mehr oder weniger fruchtbringenden Diskurs pflegen: Die Meldung des Unvereinbarkeitsausschusses an alle Abgeordneten, an alle 183 Abgeordneten, hat sowohl bei Schwarz-Blau I als auch bei Schwarz-Blau II die Meldung des Finanzministers beinhaltet, er hätte keine Aktien. Das hat er uns allen, uns 183 frei gewählten Abgeordneten und auch Ihnen, wie Sie da sitzen von der ÖVP, mit­geteilt. Und dann erklärt er in der Öffentlichkeit: Nein, so ein Pech, ich habe eigent­lich welche! – Wobei zunächst nicht so sehr das Problem ist, dass er welche hat, das


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Problem ist, dass er Sie und das ganze Parlament mehr oder weniger absichtlich falsch informiert hat. Und das kann nicht geduldet werden! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Das kann nicht geduldet werden, auch nicht mit dem Hinweis, dass das Gesetz so kompliziert sei. Sie bedauern ja ständig die komplizierte Gesetzesflut. Ich kann Ihnen nur sagen, der betreffende § 3 des Unvereinbarkeitsgesetzes, eine Verfassungsbe­stimmung, ist so einfach wie nur selten etwas. Der Herr Finanzminister hat qualifi­zierten Rechtsbruch begangen und erklärt öffentlich, von Rechtsbruch könne eigentlich keine Rede sein, möglicherweise sei das ein Formalfehler. Bitte, entschuldigen Sie das Pech!

Arme Republik! Mit solchen Finanzministern werden wir wirklich nicht mehr weit kommen. Das ist auch eine Begründung. (Beifall bei den Grünen und bei Abge­ordneten der SPÖ.)

Über all das, was inzwischen noch war, von der ÖIAG bis hin zu überzogenen Berater­verträgen und Vergabeschwindel, haben wir ja heute noch Gelegenheit zu debattieren. Aber was mir schon auffällt, ist, dass möglicherweise noch mehrere Interesse daran haben, dass der Herr Finanzminister in seinem Amt bleibt, und das vielleicht nicht nur aus lauteren Motiven.

Allen voran – ich muss das leider ansprechen – der Herr Bundeskanzler. Erstens politisch natürlich, weil der Herr Finanzminister einfach den Blitzableiter spielen muss, denn er ist ja schon längst nirgends mehr wohl gelitten. Aber es kommt noch schlim­mer. Es ist der Herr Bundeskanzler selbst, der gegen das Unvereinbarkeitsgesetz ver­stoßen hat, wenn wir alle seine Aussagen zusammenzählen. Er hat in seiner Regie­rungsperiode I seit Antritt des Kanzleramtes mehrere Interviews gegeben, in denen er mehrmals öffentlich festgestellt hat, er hätte sowohl wenige inländische, aber jedenfalls mehrere ausländische Aktien.

Okay. Er soll es dem Parlament melden und nicht in die Unwahrheit abtauchen. Ich werfe ihm das vor, denn er verlässt einfach den Boden der Sachlichkeit mit dieser Art; und er soll nicht die Opposition knebeln, wenn sie das aufdeckt. (Beifall bei den Grü­nen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

13.33

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner gelangt Herr Abgeord­neter Dr. Bösch zu Wort. – Bitte. (Abg. Öllinger – in Richtung des sich zum Rednerpult begebenden Abg. Dr. Bösch –: Jetzt sagen Sie etwas dazu!)

 


13.33

Abgeordneter Dr. Reinhard Eugen Bösch (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Vize­kanzler! Meine Herren auf der Regierungsbank! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir haben heute in der Früh eine Erklärung vom Herrn Bundeskanzler und vom Herrn Vizekanzler gehört, und diesen Erklärungen wird von Seiten der Opposition – ich ent­nehme das deren Redebeiträgen – erhebliches Misstrauen entgegengebracht. Doch gerade die Tatsache, meine Damen und Herren, dass dieser Regierungserklärung von Ihnen Misstrauen entgegengebracht wird, beweist, dass Hubert Gorbach und Wolfgang Schüssel auf dem richtigen Weg sind. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Dr. Glawischnig: Wieso?)

Herr Kollege Nürnberger! Sie hatten die Stirn, hier herauszukommen und der FPÖ Postenschacher vorzuwerfen. Ich darf Ihnen sagen: Jemand, der wie die SPÖ zu diesem Thema so viel Butter auf dem Kopf hat, sollte sich diesem Thema etwas demü­tiger nähern.


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34. Sitzung / Seite 90

Frau Kollegin Bures! Es reicht nicht, dass Sie hier heraustreten und nur mit Pro­pagandabroschüren herumwinken. Wir hätten gerne von Ihnen inhaltliche Vorschläge gehört, aus denen wir eine klare Alternative erkennen können. (Abg. Bures: Die liegen im Parlament!) Diese Alternative der Opposition ist nicht erkennbar. (Abg. Bures: Un­sere Vorschläge liegen im Parlament!)

Meine Damen und Herren! Wir Freiheitlichen sind im Jahre 2000 in die Bundes­regie­rung eingetreten, um eine Reformpolitik zu ermöglichen, weil das in den Jahren davor, in den Jahren der großen Koalition nicht möglich war. Es gab damals eine verantwor­tungslose Schuldenpolitik unter Führung der SPÖ, eine strukturelle Erstarrung und eine vollkommene Unbeweglichkeit des Systems. Es bestand daher die dringende Not­wendigkeit, dass es hier in Österreich zu Reformen kommt.

Meine Damen und Herren! Nur durch den Beitritt von uns Freiheitlichen in die Bun­desregierung ist diese neue Reformpolitik möglich geworden. All die Punkte, die wir bisher durchgesetzt haben, sind ja auch Punkte, die gerade Sie, meine Damen und Herren von der SPÖ, mittlerweile nur mehr halbherzig bestreiten. (Ironische Heiterkeit bei der SPÖ.)

Diese Bundesregierung hat das Budget saniert. Diese Bundesregierung hat einen aus­geglichenen Haushalt auf den Weg geschickt, und keine SPÖ-Regierung würde das je wieder rückgängig machen können.

Diese Bundesregierung mit uns Freiheitlichen, meine Damen und Herren, hat die „Abfertigung neu“ beschlossen, eine Maßnahme im sozialpolitischen Bereich, die kein SPÖ-Politiker mehr rückgängig machen wird.

Diese Bundesregierung hat auch das Kindergeld beschlossen (Abg. Öllinger: Die hat schon einen Bart, diese Geschichte!), und ich habe heute verwundert gehört, dass es von Seiten der SPÖ, die eigentlich massiv dagegen aufgetreten ist, jetzt plötzlich Ver­besserungsvorschläge zum Kindergeld gibt. Willkommen im Klub! Das hätten wir gerne früher von Ihnen gehört. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP. – Zwischenruf der Abg. Bures.)

Meine Damen und Herren! Diese Regierung hat auch schwierige Punkte angepackt. Diese Regierung hat sich darangemacht, die Pensionen zu sichern, und auch in die­sem Bereich wird keine andere Regierung – auch Ihre Vorschläge sind dazu nicht ausreichend – diesen Weg verlassen können, den wir Freiheitliche mit der ÖVP be­gonnen haben. Auch Sie können nicht dekretieren, dass sich die Bevölkerungs­pyra­mide umkehrt. Das wird nicht einmal Ihr großer Vorsitzender Gusenbauer schaffen.

Meine Damen und Herren! Wir haben im Rahmen dieser Koalition noch enorme Arbeit zu leisten. Diese Arbeit liegt vor uns und in diese Arbeit hinein wollen wir unsere Ener­gie legen. Wir haben klar die Sanierung des Gesundheitswesens vor uns, eine wichtige Thematik, die diese Regierung in ihrer Gesamtheit fordern wird und die wir anpacken werden. (Abg. Eder: Da habt ihr noch viel Arbeit vor euch!) Wir haben die Har­mo­nisierung der Pensionen durchzuführen, wir haben die Sicherheitspolitik auf einen neuen Weg zu bringen und auch im Sinne der Menschen das Land weiter zu moder­nisieren, wie wir es im Jahre 2000 begonnen haben.

Meine Damen und Herren! Es wird auch im Steuerbereich Maßnahmen geben. Mit 1. Jänner 2004 wird die erste Etappe der Steuerreform eingeführt werden. 14 500 € sind steuerfrei. Das betrifft 2,5 Millionen Österreicher, und ich habe noch keinen SPÖ-Politiker getroffen, der das wieder rückgängig machen möchte. Nicht entnommene Ge­winne im Wirtschaftsbereich werden nur mehr mit dem halben Steuersatz belegt werden. Der 13. Umsatzsteuertermin entfällt.


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34. Sitzung / Seite 91

All das sind Beschlüsse dieser Bundesregierung, die von uns Freiheitlichen mitgetra­gen worden sind und die eine klare Politik in die Zukunft hinein zeigen. Die Opposition ist eingeladen, sich zu diesen wichtigen Themen einzubringen in der Debatte hier im Nationalrat und nicht, wie es ihr großer Vorsitzender heute Morgen hier dokumentiert hat, einfach eine sozialdemokratische Njet-Politik an den Tag zu legen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

13.38

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Von der Regierungsbank aus zu Wort ge­meldet hat sich Herr Bundesminister Mag. Haupt. – Bitte, Herr Bundesminister.

 


13.38

Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz Mag. Herbert Haupt: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Damen und Herren zu Hause vor den Fernsehapparaten! Hohes Haus! Ich habe mich als Vizekanzler der Republik Österreich entschlossen, mein Amt als Vizekanzler in die Hand von Hubert Gorbach zu legen und mich wieder voll auf das Sozialministerium zu konzentrieren.

Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn in der heutigen Debatte oftmals auch die Arbeitsplätze in Österreich in die Ziehung genommen worden sind, so ist, glaube ich, mit Hubert Gorbach nunmehr der richtige Vizekanzler in dieser Bundesregierung, denn sein Struktur- und Infrastrukturpaket hat im letzten Jahr nachweislich 0,7 Prozent des BIP-Zuwachses und damit Tausende Arbeitsplätze in Österreich gesichert, und das ist gut so. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Es war ja heute fast schön zu hören, dass von allen vier Fraktionen des Hohen Hauses an meine Adresse nahezu lobende Worte gekommen sind: von der Seite der Re­gierungsparteien ohne Hintergedanken, von der Seite der Oppositionsparteien mit dem Hintergrund, jemanden zu loben, um jenem, der nunmehr in den Funktionen dieses Amtes ist, sofort eines am Zeug zu flicken.

Sehr geehrte Damen und Herren von den Oppositionsparteien! Ich glaube, Sie haben sich damit in den Augen der Österreicherinnen und Österreicher keinen guten Dienst er­wiesen. Diese wünschen sich, dass alle in diesem Hohen Hause die Interessen aller Österreicher umsetzen und nicht wider besseres Wissen jemanden, der sein Amt antritt – und der ein schwieriges Amt antritt –, schon von vornherein madig machen. Sie werden dafür von den Österreicherinnen und Österreichern auch die Rechnung präsentiert bekommen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Zwischenruf bei der SPÖ.)

Sie können ruhig darüber lachen. Ich weiß, gerade auch als Parteiobmann – und das sei mir auf Grund Ihres Lachens und Ihres Zwischenrufes auch zu sagen gestattet –, dass es uns und unserer Partei zurzeit nicht gut geht. Aber Kollege Kummerer wird mir auch Recht geben, wenn ich sage, dass es in dieser Regierung und in dieser Zu­kunftspartnerschaft auch so ist, dass sich das Erneuerungsferment im Rahmen der Er­neuerung aufgerieben hat. Wir werden jetzt darangehen, das Ferment – die freiheit­liche Handschrift – in dieser Erneuerungsgemeinschaft so stark zu machen, dass sie eine Zukunftspartnerschaft ist und im Interesse aller Österreicherinnen und Österrei­cher auch bleibt. Und das ist gut so, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Sie von Seiten der Sozialdemokratie haben es ja 1999 abgelehnt, die Regierungs­verantwortung zu übernehmen. Es sind noch die Worte von manchen aus der So­zialpartnerschaft, die damals stolz darauf waren, nicht in die Regierung eingetreten zu sein, in Erinnerung.


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34. Sitzung / Seite 92

Im Jahre 2002 in den Regierungsverhandlungen haben Sie es mit der Sperrminorität von 36 Prozent hier im Hohen Haus wieder abgelehnt, Verantwortung für Österreich zu übernehmen. Ich bin stolz darauf, dass meine Partei, obwohl sie bei den Wahlen deutlich schwächer geworden ist, die Verantwortung für Österreich übernommen hat, und ich gebe daher mit gutem Gewissen die Stafette an Hubert Gorbach als Vize­kanzler weiter. Er wird für Österreich das umsetzen, was für diese Republik notwendig ist. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Gestatten Sie mir als Sozialminister auch noch ein Wort zur Arbeitslosigkeit! Wenn Sie sich die Arbeitsmarktdaten des Monats September ansehen, sehr geehrte Damen und Herren, so werden Sie mir Recht geben: Wenn es nicht die exorbitanten Zuwächse der Arbeitslosigkeit in Wien gegeben hätte, dann hätten wir nicht nur in Europa, sondern auch im langjährigen Schnitt gut abgeschnitten.

Und was die Jugendbeschäftigung in Österreich betrifft, so haben wir in fünf Bundes­ländern den Turnaround erreicht: mehr Arbeitsplätze für Lehrlinge in der Lehrlings­aus­bildung als Lehrlinge, die Lehrstellen suchen. Nur in Wien und in drei anderen Bundes­ländern ist es anders. Machen Sie Ihre eigene Politik in Wien verantwortlich und plakatieren Sie nicht: Was mache ich mit 1 000 Lehrlingen?! – Zerbrechen Sie sich selbst den Kopf darüber, was Sie mit den Lehrlingen machen! Ein so hilfloses Plakat wie das von der Sozialdemokratie in Wien habe ich schon lange nicht mehr gesehen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Ich werde mich in den nächsten Wochen und Monaten um das Schwerarbeitermodell für die Frühpensionierung kümmern. 50 Jahre hat es gebraucht, und kein Einziger aus dem Bereich der BUAK, der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse, ist als Arbei­ter in den Genuss der Hackler-Regelung gekommen. Das muss endlich beendet wer­den, und darauf werde ich als Sozialminister hinarbeiten. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Sehr geehrte Damen und Herren! Ich darf Sie schon auch darauf aufmerksam machen, dass Sie bei der Pensionsdebatte im Frühjahr dieses Jahres vollmundig für Ende September das Modell der Sozialpartnerschaft versprochen haben. Wir haben jetzt Ende Oktober und stehen knapp vor dem Nationalfeiertag unserer Republik. Ich hoffe, dass wenigstens zu diesem Tag die Sozialpartnerschaft mit uns gemeinsam in den Dialog zur Harmonisierung der Pensionen eintreten wird – so, wie es versprochen ist –, sonst wird diese Regierung für die Zukunft Österreichs auch dieses Problem im Ei­genen lösen müssen. Aber Sie, sehr geehrte Damen und Herren von der Opposition, werden keine Ausrede haben, dass Sie nicht eingeladen gewesen wären, mitzu­machen und mitzugestalten. Das möchte ich heute hier auch in aller Klarheit fest­stellen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Weil Sie mir in den letzten Tagen das Verfassungsgerichtshoferkenntnis zum Haupt­verband vorgeworfen haben, darf ich dazu Folgendes sagen: Ich habe es mir nicht leicht gemacht. Wir haben wissenschaftliche Gutachten von renommierten Professoren österreichischer Universitäten eingeholt – im Übrigen auch von jenem, der bezüglich des morgen zur Debatte stehenden Vorhabens des Asylgesetzes meint, dass es nicht verfassungskonform sei; beim Hauptverband hat er die gegenteilige Meinung vertreten, nämlich dass die Reform verfassungskonform sei. Sie sehen daher: Eine Regierung ist gut beraten, sich nicht auf Gutachter zu verlassen, sondern auf den Rechtsstaat. Und in einem Rechtsstaat ist es gut, dass wir Gerichte haben, die dann judizieren, wenn es unterschiedliche Rechtsauffassungen gibt – und nicht die Sachverständigen über die Medien einmal die eine und einmal die andere Meinung vertreten. In einem Rechts­staat ist es gut, dass es Höchstgerichte gibt. Wir werden auch mit Dieter Böhmdorfer dafür sorgen, dass dieser Rechtsstaat ausgebaut wird, sehr geehrte Damen und Her­ren! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)


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Ich möchte mich aber in dieser Situation hier und heute auch bei Ihnen allen, die mit mir in meiner Funktion als Vizekanzler zusammengearbeitet haben, bedanken. Ich lade Sie alle ein, mit mir auch in meiner Funktion als Sozialminister weiterhin auf einer brei­ten Basis aller Fraktionen dieses Hohen Hauses zusammenzuarbeiten.

Ich darf mich auch beim Herrn Bundeskanzler und seinem Team in der Bun­des­re­gierung für die freundschaftliche Aufnahme und die gute Zusammenarbeit bedanken. Eines ist mir auch klar geworden, sehr geehrte Damen und Herren: Die Guten in dieser Republik sind nicht jene, die die Verantwortung ablehnen, sondern jene, die die Zu­kunft für Österreich gewinnen. Manchmal dauert es Jahre, bis die Bevölkerung erkennt, wer es gut mit ihr meint, aber ich bin mir sicher, dass die Verdienste in der Zukunft anders bewertet werden als gestern und vorgestern. – Ich danke Ihnen für die Auf­merk­samkeit. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Bundeskanzler Dr. Schüs­sel reicht Bundesminister Mag. Haupt die Hand.)

13.46

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner gelangt Herr Abge­ordneter Dr. Einem zu Wort. – Bitte.

 


13.46

Abgeordneter Dr. Caspar Einem (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Herr Vize­kanzler! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Lassen Sie mich zum Herrn Sozialminister vielleicht ein Wort sagen, weil er sagt, derjenige ist gut, der Verantwortung übernimmt. – Herr Bundesminister! Wenn Sie sagen, das Problem der Arbeitsmarktpolitik in Österreich bestehe darin, dass in Wien so große Probleme bestehen, dann nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass die Verantwortung dafür dem Bund zukommt und nicht der Stadt Wien! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Dr. Stummvoll: Na geh! – Abg. Wittauer: Schuld für Wien ist auch der Bund!)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben heute eine Regierungserklärung des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers gehört. Der einzige Anlass dafür, dass die­se Reden gehalten worden sind, ist die Tatsache, dass jetzt ein anderer Vizekanzler geworden ist. Die einzige Grundlage dafür ist, dass innerhalb der Freiheitlichen Partei die Erkenntnis gedämmert ist, dass ein neuer Reiter her muss für dieses nicht reitbare Pferd oder nicht reitbare Tier.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das, was man überall anders schon weiß, ist, dass dieses Tier nicht zu reiten ist, weil es nämlich nicht weiß, wer es ist und wo es hin will: Die einen wollen in Opposition, die anderen wollen in die Regierung. Und das, was Sie tun, ist: Sie tauschen den Reiter aus – und lassen bei dieser Gelegenheit auch noch den einzigen Tierarzt, der vielleicht geholfen hätte, gehen. Das ist das Problem, das wir heute diskutieren – und nicht eine Regierungserklärung! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Scheibner: Es gibt genug Beispiele, wie die SPÖ mit Leuten umgeht!)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich habe mich natürlich auch gefragt, was der Hintergrund ist, dass gerade Verkehrsminister Gorbach jetzt in dieses Amt nach­rückt. Seine berufliche Vergangenheit als Exportkaufmann kann es schwerlich sein. Aber immerhin, er war einige Jahre in Vorarlberg Landesstatthalter. Und wenn man im Duden nachschlägt, was „Statthalter“ heißt, dann stellt man fest, es heißt „Stellvertreter für einen Fürsten“. Die Frage, die sich hier stellt, ist: Ist vielleicht das die Qualifikation, weshalb er von seiner Partei in dieses Amt vorgeschlagen worden ist? Aber die Frage ist letztlich: Für wen hält er statt, für wen ist er der Stellvertreter in dieser Funktion, meine sehr geehrten Damen und Herren?

Lassen sich mich ein Drittes sagen! Ich denke, dass Verkehrsminister Gorbach durch­aus auch in einem gewissen Umfang Anerkennung verdient: Er ist der erste frei­heit-


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liche Minister in diesem Ressort, der die Hoffnung mit sich gebracht hat, dass er viel­leicht wirklich etwas weiterbringt – im Gegensatz zu seinen drei freiheitlichen Vorgän­gern.

Aber, meine sehr geehrten Damen und Herren, die Tatsache, dass er jetzt in die Funk­tion des Vizekanzlers aufrückt und sich um die ganzen Querelen innerhalb dieser Re­gierung – und insbesondere seiner Partei – zu kümmern hat, führt notwendigerweise dazu, dass er die Zeit, die er benötigt, um für Österreich und die Menschen, die in diesem Lande leben, eine vernünftige Verkehrspolitik machen zu können, nicht mehr hat, und den Aufwand, den er dafür treiben muss, nicht mehr treiben kann. Und das ist das Problem, das wir heute zu beklagen haben. (Abg. Wittauer: Der Gorbach braucht Ihre Verteidigung nicht!)

Verkehrsminister Gorbach würde beispielsweise Zeit brauchen, um mit seinen europäischen Amtskolleginnen und -kollegen zu reden, um eine Übergangslösung für den Transitvertrag zu erreichen. Das kostet Zeit, das kostet Engagement – und das kann er nicht aufwenden, wenn er sich gleichzeitig um die Querelen innerhalb seiner Partei kümmern muss.

Das Gleiche gilt, wenn es darum geht, die österreichischen Interessen im Bereich einer Wachstumsinitiative der Europäischen Union aktiv zu vertreten. Und das ist notwendig, damit diese Projekte kommen und damit sie entsprechend gefördert werden. Dazu braucht es Zeit und Engagement des Verkehrsministers. (Abg. Eder: Zeit hat er keine!)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Entscheidung, dass dieser Verkehrs­minister, der vielleicht die Chance gehabt hätte, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, wirklich etwas weiterzubringen, jetzt Vizekanzler wird, ist eine schlechte Entscheidung!

Lassen Sie mich ein Allerletztes sagen: Herr Bundeskanzler, auch Sie tragen Verant­wortung dafür, dass in diesem Verkehrs- und Technologieressort etwas weitergeht. Auch Sie tragen Verantwortung dafür, dass auch jetzt, da Verkehrsminister Gorbach Vizekanzler wird, dort weiterhin etwas weitergeht. Ich verstehe daher nicht, wieso Sie ihm einen Staatssekretär ins Haus setzen, der nur eines kann: bremsen oder ver­hin­dern. Mit einem Statthalter Kukacka wird im Verkehrsministerium überhaupt nichts mehr weitergehen, und daher war das eine schlechte Entscheidung, von der Sie uns heute in Kenntnis gesetzt haben. (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Dr. Grünewald.)

13.50

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Haubner. – Bitte.

 


13.51

Abgeordneter Peter Haubner (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Herr Kollege Einem, ich denke, eines ist nicht ganz fair: dass Sie Erfolge für Wien monieren, aber die Misserfolge, die durch die Wiener Stadtpolitik verursacht werden, an den Bund abgeben. Ich glaube, so geht es nicht! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und unter dem neuen Vizekanzler Hubert Gorbach wird ihren Kurs, ihre Reformarbeit und ihre Freude am Arbeiten für die österreichische Bevölkerung weiter fortsetzen, denn der eingeschla­ge­ne Weg ist der einzig richtige, und das wissen die Österreicherinnen und Österreicher, meine Damen und Herren! Die österreichische Bevölkerung unterstützt den Reform­kurs dieser Bundesregierung, denn langfristige Reformen sind notwendig, um Öster­reich lebenswert und konkurrenzfähig zu halten. Andere waren lange genug in Regierungsverantwortung und hätten diesen Kurs vorgeben und Reformen angehen


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können, aber es braucht eben viel Mut und Willen, langfristig zu denken und voraus­schauend zu planen.

Sehr geehrte Damen und Herren! Geschätzte KollegInnen! Eines dürfen wir nicht ver­ges­sen: Ein attraktiver, dynamisch flexibler Wirtschaftsstandort, wie Österreich einer ist, kann nur unter berechenbaren Verhältnissen und Rahmenbedingungen bestehen, denn die zahlreichen klein- und mittelständischen Unternehmen, die schließlich unse­ren Standort ausmachen, brauchen sichere Rahmenbedingungen, auf die sie sich ver­lassen können und die ihnen Sicherheit in ihrem Wirtschaftsleben geben.

Gerade in Zeiten wie diesen gibt es schon genug, das instabil ist und Anlass zur Sorge gibt. Dazu brauchen wir nur in die anderen europäischen Länder zu schauen: Frank­reich, Italien, Deutschland – sie alle sind mehr oder minder von politischen und ge­sellschaftlichen Unruhen geprägt. Das sind heute keine Vorbilder mehr.

Oder werfen wir überhaupt einen Blick über den Kontinent hinaus: Das Budgetdefizit der USA beträgt heuer 374 Milliarden US-Dollar. Das ist der höchste Stand, den es je in der Geschichte der USA gegeben hat. Krieg, schwache Konjunktur (Abg. Dr. Cap: ... Irak-Krieg!) und Steuerzuckerl, die die Regierung Bush in den letzten Jahren verteilt hat, sind ein Weg, der uns nicht als empfehlenswert erscheint.

Schauen wir nicht auf andere, sondern schauen wir auf uns selbst! Auch wenn die Maß­nahmen dieser Regierung nicht immer populär sind, so sind sich doch die Öster­reicherinnen und Österreicher dessen bewusst, dass gerade im Sozialbereich, im Ge­sundheitswesen, in der Sicherheitspolitik, in der Finanz- und Steuerpolitik Änderungen herbeigeführt werden müssen, um den Standort Österreich attraktiv zu halten, die Lebensqualität für lange Zeit zu gewährleisten (Abg. Parnigoni: Aber nicht kaputt­sparen!) und Standards zu sichern. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Gerade im Angesicht dieser Notwendigkeiten und der damit verbundenen Maßnahmen hat diese Koalition bereits bewiesen, dass Umsetzungswille, Umsetzungsfähigkeit und Durchschlagskraft zu ihren Stärken zählen. Das Motto: „Wandel heißt Handeln“ bringt es auf den Punkt. Wir haben die Chance, Österreich zukunftsweisend zu gestalten. Und eines haben wir bereits gezeigt: Wir wissen, was Wirtschaftspolitik heute bedeutet: Standortpolitik! Die Politik muss die besten Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Österreich als Standort für hochwertige und innovative Investitionen von Industrie, Handel und Gewerbe attraktiv gehalten und noch attraktiver gemacht wird.

Seit einigen Jahren hat sich die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich auf Grund unserer gezielten Standortpolitik deutlich verbessert. Im gesamten europäischen Wettbewerb und in einem Bericht der Europäischen Kommission, in dem nach 88 Kri­terien bewertet wird, liegt Österreich klar vor Ländern wie Deutschland, Großbritannien, Belgien, Frankreich, Spanien, Griechenland oder Italien. – Ein Beweis mehr, dass diese Regierung richtig arbeitet, denn Österreich ist ein sicherer Wirtschaftsstandort und ein Land der sicheren Arbeitsplätze! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Der Vergleich macht uns sicher, denn wenn ich die Reformvorschläge der SPÖ an­schaue, wie zum Beispiel die Erhöhung der Krankenversicherung oder die Abschaffung der Bezirkshauptmannschaften oder der Wohnbauförderung, dann kann ich nur von einer gefährlichen Bedrohung für die österreichische Bevölkerung sprechen.

Meine Damen und Herren! Zum Abschluss möchte ich Ihnen einen Vergleich aus der Fußballersprache bringen: Meine Damen und Herren von der SPÖ! Mit Ihrer Politik spielen Sie in der Kreisliga. – Dank unserer Regierung spielt Österreich in der Cham­pions League! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

13.55

 



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Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Dr. Moser. – Bitte.

 


13.56

Abgeordnete Dr. Gabriela Moser (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehr­te Mitglieder auf der Regierungsbank! Meine Damen und Herren! Österreich und die Champions League? – Bitte lesen Sie doch die internationalen Medien! „Süddeutsche Zeitung“, 15. Oktober: „Lichtfigur als Trickbetrüger“. „Der österreichische Finanzminis­ter hat abgewirtschaftet.“

Kann uns der jetzige Finanzminister, der als Belastung für die ganze Bundesregierung empfunden wird, international überhaupt ein Renommee wahren, wenn derartige Schlag­zeilen überall zu lesen sind?

Herr Kollege, ich glaube, da sollten Sie sich neu umschauen und nicht von der Cham­pions League reden, sondern anstreben, dass bei uns wieder einmal eine Cham­pions League auf die Regierungsbank kommt – und nicht das letzte Aufgebot. Darum geht es, meine Damen und Herren! (Beifall bei den Grünen und bei Abge­ordneten der SPÖ.)

Mit der vorgestrigen Regierungsumbildung ist deutlich geworden, dass jetzt nur mehr „Umgelobungen“ stattfinden. Angelobungen waren im Jahr 2000 ja praktisch nur über einen unterirdischen Gang möglich. (Abg. Scheibner: Da erinnern Sie mich an etwas! Wer war denn da mit dabei, Frau Kollegin? Das sollten Sie besser nicht erwähnen!) Die „Umgelobungen“ haben, wie gesagt, zu einer – wie soll man sagen? – Taferlwechslerei geführt. Es bleibt nicht viel übrig, als einen Herrn aus Vorarlberg als den der ÖVP angenehmsten Partner als Vizekanzler zu nehmen.

Ja, so steht es halt: Die ÖVP gibt den Ton an, und die FPÖ zersplittert immer mehr. Inzwischen gibt es fünf Menschen, die in der FPÖ das Sagen haben. Ich weiß nicht, wie lange die Regierung angesichts dieser Entwicklung überhaupt noch, und sei es auch nur ansatzweise, zu einer gemeinsamen Sprache finden kann. Herr Minister Haupt hat uns auch manchmal – das muss ich schon sagen, auch mir persönlich – ein authentisches Bild geboten: Er war engagiert in verschiedenen Bereichen. Er hat auch Verständnis gezeigt. Ich kann selbiges von Herrn Minister Gorbach, der jetzt als Vize­kanzler hier sitzt, noch nicht sagen.

Die größte Hypothek dieser Regierung – und das ist, bitte, international nachzulesen! – heißt aber KHG, Karl-Heinz Grasser. Sie wissen: die Blase mit dem Nulldefizit, das Privatisierungsfiasko, Homepage, Honorare, Nichtangabe von Aktien. Das ist eine lange Liste, die ihn im internationalen Politikvergleich längst ins Ausgedinge geschickt hätte – längst! Aber wir hier in Österreich müssen es erdulden, dass nach wie vor ein Mensch Finanzminister ist, der nicht ordentlich unterscheiden kann zwischen Privatem und Staatlichem, zwischen Steuerkorrektheit und gewisser Freunderlwirtschaft. Das geht nicht mehr! Sie haben, bitte, den Falschen ausgetauscht! Sie hätten längst KHG in die New oder die Friends Economy hineinschicken sollen. Das wäre der richtige Weg gewesen!

Wir wissen, dass es auch ÖVP-intern Kritik an dieser Regierungskonstellation gab. Nicht umsonst hat Herr Landeshauptmann Pühringer in Oberösterreich gesagt, die Landtagswahlen waren im massiven Zuwachs der Grünen und im massiven Zuwachs der SPÖ ein deutlicher Denkzettel in Richtung Wien. – Die Landtagswahlen waren praktisch fast schon eine Abwahl dieser Bundesregierung! Endlich in Tirol, wo die ÖVP beileibe nicht das Ergebnis erzielte, das sie anstrebte, und wo auch ein eklatanter Anstieg der Grünstimmen zu verzeichnen war. Das wäre für uns die Zukunftsrichtung!


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Neuwahlen sind deshalb für mich nicht eine Sache des Jahres 2006, sondern Neu­wahlen müssen möglichst bald stattfinden, denn mit diesem Aufgebot hat Österreich gerade auf der internationalen Bühne abgewirtschaftet. Und das haben die Öster­rei­cherinnen und Österreicher nicht verdient. Wir brauchen nicht einen anderen Vize­kanzler, wir brauchen eine neue, andere Regierung! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

14.00

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner hat sich Herr Abge­ordneter Mag. Mainoni zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


14.00

Abgeordneter Mag. Eduard Mainoni (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Sie von der Opposition sollten etwas vor­­sichtiger damit sein, die Regierungsarbeit, vor allem aber auch die Regie­rungs­mitglieder so leichtfertig zu kritisieren und deren Arbeit herunterzumachen. Diese Bun­desregierung ist angetreten, um diesen Staat zu reformieren, ist angetreten, um in diesem Staat die Schulden abzubauen, und ist angetreten, um den Österreicherinnen und Österreichern eine bessere Zukunft zu garantieren. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Unsere freiheitlichen Regierungsmitglieder sind alle berufserfahren. Sie kommen alle aus der Praxis. Sie wissen, wo der Schuh drückt. Sie wissen, welche Probleme die Bevölkerung hat.

Da Herr Abgeordneter Einem es angesprochen hat: Hubert Gorbach, unser Vize­kanzler, kommt aus der Wirtschaft. Er ist Exportmanager gewesen, hat berufliche Er­fahrung, war langjähriger Prokurist eines großen Textilunternehmens, bevor er Landes­statthalter wurde, sich dem Straßen- und Hochbau widmete und sich auch da Kom­petenzen angeeignet hat. Er gehört zu den Menschen, die Erfahrung haben, die wis­sen, worum es bei der Regierungsarbeit geht. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Herbert Haupt ist seit 1975 Tierarzt, hat seinen Beruf in der Praxis ausgeübt. Er war seit 1986 im Nationalrat, seither auch Mitglied des Sozial­ausschusses. Ich glaube, es ist unzweifelhaft, dass er höchste soziale Kompetenz hat. Österreich kann sich keinen Besseren als Sozialminister wünschen als unseren Her­bert Haupt! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Sehr geehrte Damen und Herren von der Opposition! Uschi Haubner, die von Ihnen mit­unter etwas schräg kommentiert wird, ist unsere Staatssekretärin für Soziales. Sie ist ausgebildete Professorin, hat ihren Beruf 23 Jahre lang aktiv ausgeübt und sich nicht wie so manche Professoren hier karenzieren lassen. Sie war dann Landesrätin für Konsumentenschutz, hat auch in diesem Bereich das nötige Fachwissen, bevor sie unter anderem Staatssekretärin für Konsumentenschutz und Soziales wurde.

Karl Schweitzer – um weiter fortzufahren –: Es gibt doch niemanden, der geeigneter ist, in Sportangelegenheiten das Wort zu ergreifen, als Karl Schweitzer, der ebenfalls Pro­fessor ist (Abg. Dipl.-Ing. Kummerer: Im Turnsaal!), aktiver Sportprofessor ist, der sich sowohl beim Breitensport als auch beim Spitzensport auskennt, beim Leistungs­sport und beim Schulsport. Wenn dieser Mann spricht, dann hat er höchste Kompe­tenz, weil er selbst weiß, worum es in diesem Metier geht. (Beifall bei den Freiheit­lichen.)

Wir können natürlich auch auf Staatssekretär Reinhart Waneck zählen. Er ist seit 1971 aktiver Arzt, Universitätsprofessor und Direktor eines Krankenhauses, der weiß, was sich im Gesundheitswesen abspielt. (Abg. Gaál: Hat keine Kompetenz!) Das ist kein


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Theoretiker, er ist nicht aus einer Kaderschmiede oder aus irgendeiner politischen Vor­feldorganisation. Er weiß, worum es geht.

Oder: Bundesminister Dieter Böhmdorfer. Ich glaube, wenn man 27 Jahre lang selb­ständiger Rechtsanwalt ist, dann kennt man sich im Justizbereich aus und weiß wirk­lich, wo die Probleme liegen und wo die Reformen anzusetzen sind. (Zwischenruf des Abg. Schieder.)

Das sind unsere freiheitlichen Regierungsmitglieder – allesamt mit Erfahrung! (Abg. Dr. Gusenbauer: Ausverkauf! – Abg. Dr. Cap: Räumungsverkauf!)

Wenn Sie schon so kritisch sind, komme ich natürlich auch auf das Schattenkabinett der Opposition zu sprechen; Herr Einem hat ja das Berufliche angesprochen.

Alfred Gusenbauer – ich entnehme die Daten Ihrer eigenen Homepage –: Beruf: Arbei­ter­kammerbeschäftigter, Angestellter der SPÖ. – Das ist Ihre ganze Erfahrung.

Josef Cap: Beruf: sozialistischer Studentenaktivist, Geschäftsführer der sozialistischen Zukunftswerkstatt, Parteiangestellter der SPÖ. – Also reine Parteileute.

Doris Bures – weil sie vorhin hier so kritisch gesprochen hat –: Sie war beruflich Ver­bandssekretärin der sozialistischen Gemeinde- und Bezirksvertreter. Dann ist sie gänzlich in die Politik, in die SPÖ herübergewandert.

Wo sind bei Ihnen, in Ihrem Schattenkabinett, die Praktiker, meine Damen und Herren von der SPÖ? – Da ist ja der Bürgermeister von Wien, Herr Häupl, geradezu noch ein Vorbild für Sie. Er war wenigstens einige Jahre – allerdings nur kurz – wissen­schaft­licher Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums, bevor er sich der Politik widmete.

Meine Damen und Herren von der SPÖ, welchen Erfahrungswert haben Ihre Spit­zenpolitiker? – Ich muss konstatieren: überhaupt keinen!

Und bei den Grünen kann ich es relativ kurz bezüglich ihrer politischen Erfahrung machen.

Bei Peter Pilz steht auf seiner Homepage zu lesen: Freiberuflicher – selbsternannter – Sozialwissenschafter.

Werner Kogler: Mitarbeit bei verschiedenen Forschungsprojekten.

Dieter Brosz ist wenigstens ein halbes Jahr lang Mietrechtsberater gewesen. (Abg. Dr. Gabriela Moser: 20 Jahre ...!)

Österreich vertraut lieber berufserfahrenen Politikern, denn sie sind der Garant für Reformen! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

14.05

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächste Rednerin hat sich Frau Abge­ordnete Mag. Wurm zu Wort gemeldet. – Bitte. (Abg. Wittauer – in Richtung der sich zum Rednerpult begebenden Abg. Mag. Wurm –: Gisela, zeig es uns jetzt!)

 


14.05

Abgeordnete Mag. Gisela Wurm (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Herren auf der Regierungsbank! Herr Abgeordneter Mainoni kann es drehen und wen­den, wie er will: Das Menetekel über das Ableben der Regierung Schüssel II ist bereits an die Wand geschrieben. Der Zerfall schreitet voran, das Ende naht. Die Regierung liegt in ihren letzten Zügen. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Wie ein Ertrinkender schlägt diese Bundesregierung nun wild um sich und zerstört das soziale und rechtliche Gefüge Österreichs. Immer weniger Gesetze halten einer stren­gen Überprüfung durch den Verfassungsgerichtshof stand. (Zwischenruf des Abg.


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Wittauer.) Das Errichten von Seilschaften und Freunderlwirtschaft gehört zum Tages­ge­schäft. Einerseits wird Staatseigentum unter seinem Wert verkauft und andererseits taucht zum Beispiel Frau Ex-Ministerin Monika Forstinger, die aus der Regierung entlassen wurde, die abgedankt hat, wieder in einem Bereich auf, von dem sie vorher abgesetzt wurde. Auch das ist ein Zeichen des Abdankens dieser Bundesregierung. (Beifall bei der SPÖ.)

Die Liste der MinisterInnen für Verkehr und Technologie ist lang, Herr Bundesminister und jetzt Vizekanzler. Sie wissen das und Sie haben eine Hypothek, denn das Ergeb­nis der bisherigen Verkehrspolitik ist jämmerlich. Wir wissen, dass der Transitvertrag ausläuft, es ist keine Nachfolgeregelung in Sicht. (Abg. Wittauer: Wieso seid ihr wieder in die Regierung hineingegangen? Landesrat für Verkehr! Das ist doch eine Frechheit, was gesagt wird!) Es ist leider nichts in Sicht und vor allen Dingen die Tiroler und Tirolerinnen leiden darunter. Das ist ein trauriges Beispiel, das ist eine traurige Bilanz. (Beifall bei der SPÖ.)

Damit wir aber in Österreich den hohen Lebensstandard halten können, für den die So­zialdemokraten in diesem Staat verantwortlich waren, für den sie Verantwortung tru­gen, ist neben einer guten Infrastrukturpolitik auch noch eine effiziente Wirtschafts­po­litik wichtig, die jedoch nicht vorhanden ist. Es wäre auch noch eine hervorragende Bil­dungs- und Forschungspolitik wichtig. In diesem Bereich, sehr geehrte Damen und Her­ren, wurde aber überhaupt alles verhunzt, was zu verhunzen ist. (Abg. Scheibner: Also bitte!)

Die zuständige Ministerin, Elisabeth Gehrer, übt sich immer mehr in Realitätsver­weige­rung und redet ihr Ressort schön, wo es schon lange nichts mehr zu beschönigen gibt. Die österreichischen Universitäten und auch Schulen leiden unter eklatantem Geld­mangel. Vergangene Woche sind in Innsbruck 2 500 Schüler und Schülerinnen auf die Straße gegangen, weil sie um ihre Zukunft fürchten, weil die entsprechenden Mittel nicht vorhanden sind, weil sie Angst haben, dass sie bei dieser Politik schlicht und einfach keine Zukunft haben und nicht jene Bildung erlangen, die notwendig wäre. (Beifall bei der SPÖ.)

Doch das rührt Frau Ministerin Gehrer nicht. Sie träumt von Nobelpreisen. Im Gegen­satz dazu werden aber morgen Honoratioren wie der Star-Chirurg Professor Margreiter auf die Straße gehen, um sich dagegen zu wehren, was hier passiert, nämlich die Zerschlagung der Medizinischen Fakultät Innsbruck. All diese Professoren gehen mor­gen auf die Straße, können keine Menschenleben retten, weil sie der Meinung sind, da können sie nicht mehr zuschauen. (Abg. Scheibner: Was heißt das wieder?)

Das ist auch eine Absage an die Forschungspolitik. Das ist eine Absage an diese so genannte Scheinautonomie – und diese haben Sie zu verantworten! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Sehr geehrte Damen und Herren! In diesem Klima, in dem solche Zustände herrschen (Abg. Wittauer: Gisela, sag doch endlich einmal die Wahrheit!), kann auf der anderen Seite natürlich auch keine Spitzenforschung gemacht werden. Und das ist das Trau­rige! (Beifall bei der SPÖ.)

Lassen Sie mich zum Schluss noch sagen: Diese Regierungsumbildung greift zu kurz – Strasser, Grasser, Gehrer hätten dazu gehört. Doch was bleibt dann? (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Scheibner: Unerträglich ist das!)

14.09

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner hat sich Herr Abgeord­neter Neugebauer zu Wort gemeldet. – Bitte.

 



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34. Sitzung / Seite 100

14.09

Abgeordneter Fritz Neugebauer (ÖVP): Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bun­desregierung! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Ich darf dich, Herr Vize­kanzler, ermuntern und beglückwünschen, dass du heute in deiner bewährten Art gemeint hast, Mut und Entschiedenheit wirst du in Anspruch nehmen, um die Themen anzugehen. Ich bedanke mich auch dafür, dass du in Sachfragen den Dialog gegen­über den Sozialpartnern, auch wenn er schwierig ist, pflegst.

Von Herbert Haupt brauche ich mich nicht zu verabschieden, wir werden weiterhin die sozialen Belange in der uns eigenen unkonventionellen Art, miteinander umzugehen, besprechen. Ich denke, dass wir sicherlich gute Ergebnisse erzielen werden.

Etwas bedenklich stimmt mich allerdings der Redebeitrag des Vorsitzenden der Sozial­demokratischen Partei Dr. Gusenbauer, der heute sehr viele Nullen gemalt hat. Es wäre gut, wenn der Kontakt zwischen meinem Kollegen Verzetnitsch und dem Herrn Parteivorsitzenden etwas enger wäre. Es hat zum Beispiel in der Frage der Harmo­nisierung bereits einen Runden Tisch gegeben. Der Herr Bundeskanzler hat mit den Sozialpartnern – auch mit Fritz Verzetnitsch – vereinbart, dass in wenigen Tagen, nach dem ÖGB-Kongress, eine weitere Runde dazu stattfinden wird. – Also keine Null!

Zum Dialog betreffend Gesundheitsforum werden Sie, Herr Dr. Gusenbauer, für Mon­tag eine Einladung bekommen haben. Ich bin neugierig darauf, ob Sie auch den Stein der Weisen dazu präsentieren können.

Das dritte Konjunkturpaket ist in Vorbereitung. Das dürfte sich hoffentlich schon bis zu Ihnen durchgesprochen haben. (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe in den letzten Stunden gelesen – ich glaube, es war der Herr Zentralsekretär; ich möchte Ihnen aber nichts unterstellen –: Herr Dr. Gusenbauer hat heute früh im Radio seine Enttäuschung über das Regierungsbündnis in Oberösterreich mit der Bemerkung „Das Wahlergebnis ist verfälscht worden!“ kundgetan.

Es ist schon klar: Herr Haider hat in Oberösterreich durchaus einen persönlichen Zu­gewinn erreicht (Abg. Dr. Gusenbauer: 11 Prozent!), aber Erster ist noch immer derjenige, der am weitesten springt, am höchsten springt oder als Erster die Ziellinie passiert. Und das ist noch immer Herr Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer! (Beifall bei der ÖVP.)

Ich habe von der mittleren Entfernung immer mit Interesse den Stil in Oberösterreich – Zusammenarbeit, Miteinanderreden – registriert, der dieses Bundesland eigentlich zu einem der erfolgreichsten in Österreich gemacht hat. Offensichtlich war das aber im letzten Wahlkampf nicht mehr die politische Kultur. Die SPÖ Oberösterreich mit ihrem Vorsitzenden Erich Haider hat dieses Klima bewusst aufs Spiel gesetzt.

In diesem Zusammenhang möchte ich die Sprache erwähnen, da wir heute früh von Generationen und davon geredet haben, dass die Politik im Gebrauch der Sprache ein Vorbild für die junge Generation sein sollte. Doch niemand Geringerer – und ein Lan­desrat, wurde heute attestiert, ist jemand in einer hohen Funktion – als Herr Landesrat Ackerl hat heute gemeint: Es hat wahrscheinlich noch nie so ein G’sindel Österreich regiert wie jetzt. – Er hat das auf Nachfrage sogar nochmals bestätigt.

Auf einer SPÖ-Homepage – und das ist der Tiefpunkt an politischer Kultur, der Gipfel an Geschmacklosigkeit – erfolgt die Verunglimpfung der Politik des oberöster­reichi­schen Landeshauptmannes durch die Darstellung von Exkrementen. Da bitte hört sich doch jede Dialogfähigkeit auf! Dann brauchen wir nicht von Beispielwirkung gegenüber der jungen Generation zu reden. Das ist ein untergriffiger Wahlkampfstil, das ist ener­gisch zurückzuweisen und abzulehnen! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)


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34. Sitzung / Seite 101

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auf die Inhalte in einer Partnerschaft und darauf, wie die Menschen miteinander umgehen, kommt es an. Die Österreichische Volkspartei kann mit den Sozialdemokraten in Tirol, weil sie wahrscheinlich fair miteinander um­gehen, die Österreichische Volkspartei kann mit den Grünen in Oberösterreich und die Österreichische Volkspartei kann mit den Freiheitlichen im Bund. – Auf eine gute Zu­kunft für unsere Republik! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheit­li­chen.)

14.14

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Von der Regierungsbank aus hat sich Herr Bundesminister Mag. Grasser zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


14.14

Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Werte Kollegen auf der Regierungsbank! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Ich habe den Eindruck, Herr Abgeordneter Gusenbauer, da Sie da einen polemischen Einwand machen, dass die So­zial­demokratie mit einem besonderen Kurzzeitgedächtnis in diese Debatte hinein­gegangen ist, denn Sie haben 30 Jahre lang gezeigt, was Sie in der Finanzpolitik zu­sam­menbringen. (Abg. Heinzl: Sie haben Ihre Aktien auch vergessen!)

Sie dürften vergessen haben, dass Sie es waren, die uns einen Sanierungsfall über­lassen haben. Ihre Bilanz heißt: Sie haben uns Schulden in der Höhe von 133 Milliar­den € hinterlassen, Sie haben uns eine jährliche Zinsbelastung in der Höhe von 6,6 Mil­liarden € hinterlassen. 6 600 Millionen € müssen die Steuerzahler alleine an Zin­sen bezahlen! (Abg. Gaál: ... Ihr Sanierungsfall!) Sie haben uns außerbudgetäre Schul­den in der Höhe von 19,5 Milliarden € hinterlassen. – Das ist die Bilanz, die Sie zu ver­antworten haben.

Diese Koalition ist – ganz im Unterschied dazu – angetreten, um mit ganzer Kraft für Österreich zu arbeiten. Und es hat sich ausgezahlt, meine Damen und Herren! (Abg. Parnigoni: Wieso sind Sie noch nicht zurückgetreten?)

Wir haben folgende Position Österreichs in der Welt, was die Wettbewerbsfähigkeit be­trifft, übernommen: Im Jahr 1999 waren wir die Nummer 18, das achtzehntwett­be­werbs­fähigste Land der Welt. Im Jahr 2002 waren wir bereits die Nummer 13. – Also von 18 auf 13 nach vor.

Was den Institutional Investor betrifft, was die Kreditwürdigkeit eines Landes angeht, waren wir die Nummer 16. Wir sind heute die Nummer 10. Was die EU-Struktur­indi­katoren angeht, ist zu sagen: Wir sind das fünftbeste Land der Europäischen Union.

Das heißt, meine Damen und Herren: Es hat sich ausgezahlt für Österreich, und zwar nachweisbar. Die Daten und Fakten zeigen es. Das ist ein großer Erfolg dieser Bundesregierung in der Finanz- und Wirtschaftspolitik. (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren von der SPÖ! Sie haben Defizite von 3 Prozent, 4 Prozent, selbst noch von 5 Prozent in den neunziger Jahren gemacht. (Abg. Parnigoni: Sie haben Aktien geschaufelt!) Wir haben 2001 das erste Mal seit mehr als 30 Jahren einen Überschuss von 0,3 Prozent erwirtschaftet. (Abg. Dr. Cap: Was haben Sie zu verbergen?) Wir haben eine Wende in der Finanzpolitik geschafft. Sie haben uns darauf gesagt, das werde ein Einmal-Ereignis sein, das sei nur über die Einnahmen­seite geschafft worden, wir würden das nicht noch einmal zusammenbringen.

Meine Damen und Herren! Im Jahr 2002 hatten wir ein ganz kleines Defizit von 0,1 Pro­zent, das heißt, praktisch zweimal hintereinander einen ausgeglichenen Haus­halt.


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Wir haben es auch geschafft, die Abgabenquote, die Steuerbelastung, deutlich zu redu­zieren. Sie haben uns eine Abgabenquote von 44,6 Prozent hinterlassen. (Zwi­schen­ruf des Abg. Dr. Gusenbauer.) Die Abgabenquote ist bereits im letzten Jahr, 2002, auf 43,9 Prozent zurückgegangen, sie wird im nächsten Jahr das Ausmaß von 43,6 Prozent haben. (Abg. Dr. Cap: Wie geht es Ihren Aktien?) Das letzte Mal hatte Österreich eine so niedrige Abgabenquote im Jahr 1995. Diese Bundesregierung hat es also geschafft, die Abgabenbelastung für die Bevölkerung um 1 Prozent des Brutto­inlandsprodukts, also um mehr als 2 Milliarden €, zu reduzieren. Und wir sind stolz darauf!

Wir haben die erste Etappe der Steuerreform bereits beschlossen. Sie tritt am 1. Jän­ner nächsten Jahres in Kraft. All das senkt die Steuern und Abgaben. Das ist der richtige Weg für Österreich, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP.)

Sie haben gegen, wir haben für diese Reform gestimmt, dass Jahres-Brutto­einkom­men bis 14 500 € ab dem 1. Jänner nächsten Jahres in Österreich steuerfrei gestellt werden. Wir haben dafür gestimmt, dass die kleinen und mittleren Einkommen damit deutlich entlastet werden. Bis zu 580 € im Jahr werden der Bevölkerung mehr in der Brieftasche verbleiben. Das heißt, von 5,9 Millionen steuerpflichtigen Österreicherinnen und Österreichern werden ab dem nächsten Jahr 2,4 Millionen keine Steuern mehr zahlen. 40 Prozent der Steuerpflichtigen zahlen ab dem nächsten Jahr keine Steuern mehr. Daran sieht man, wie hoch die soziale Gerechtigkeit unseres Steuersystems ist: Uns ist es wichtig, die kleinen und mittleren Einkommen zu entlasten.

Wir haben es geschafft, dass es bis zu 100 000 € Gewinn, falls er im Unternehmen bleibt, ein Halbsatz-Verfahren gibt, also den halben Steuersatz. Das ist wichtig, damit Eigenkapital aufgebaut werden kann.

Meine Vorgänger im Amt des Finanzministers hatten die „Kreativität“, eine 13. Um­satzsteuervorauszahlung einzuführen. Sie haben damit die Wirtschaft belastet und haben sich einen Kredit in der Höhe von 1,7 Milliarden € geben lassen. Wir haben gesagt: Auch in Österreich hat das Jahr nur zwölf Monate. Daher: Diese Geldbeschaf­fungs­aktion gibt es nicht mehr, wir haben die 13. Umsatzsteuervorauszahlung abge­schafft. (Abg. Parnigoni: Sie haben das auch selbst steuerschonend ...!)

Meine Damen und Herren! Stimmen Sie der nächsten Etappe der Steuerreform zu, der großen Entlastung mit 2,5 Milliarden €, die wir erarbeiten werden, die wir in den nächsten Monaten präsentieren werden! Daran wird die Bevölkerung erkennen, dass es unsere Priorität ist, Steuern und Abgaben zu senken und gleichzeitig eine stabilitäts­orientierte Fiskalpolitik zu betreiben. Wir wissen: Entlastung und Leistungsorientierung sind wichtig für das Wachstum, für den Standort, für die Beschäftigung und für die Existenzabsicherung.

Wir sind keine Insel der Seligen, aber wir sind ein sicherer Hafen. Wir haben ein gutes Fundament geschaffen. Das Konjunkturbelebungspaket 3, die nächste Etappe der Steu­er­reform, wird einen ganz wichtigen Wachstumsimpuls, einen wichtigen Beschäfti­gungsimpuls für Österreich bringen. Stimmen Sie diesem richtigen Weg für Österreich zu! (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Scheibner. – Abg. Parnigoni: Das ist eine gefährliche Drohung!)

14.20

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Öllinger zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


14.20

Abgeordneter Karl Öllinger (Grüne): Hohes Haus! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Menschlich, Herr Bundeskanzler, ist es ja schon fast rührend, wenn Sie sich


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34. Sitzung / Seite 103

zum jetzt zurückgetretenen Vizekanzler setzen, um ihn Ihrer Solidarität zu versichern. Menschlich ist das okay, aber politisch, Herr Bundeskanzler, müssen Sie sich genau so wie die ÖVP insgesamt in der Bundesregierung fragen, ob Sie an dem Schicksal des Herrn Haupt nicht auch Mitverantwortung tragen.

Waren es nicht Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren von der ÖVP innerhalb der Bundesregierung, die sich beispielsweise, als Herr Vizekanzler Haupt die undank­bare und von ihm bei weitem nicht geliebte Aufgabe übernommen hat, den Hauptver­band zu demontieren, in die erste Reihe fußfrei gesetzt und gesagt haben, das schau­en wir uns jetzt an, ob der Herr Vizekanzler das schafft. Er hat es nicht geschafft.

Jetzt sind wir in einem Stadium, meine sehr geehrten Damen und Herren, in dem man sich die Frage stellen muss: Wird es nicht langsam etwas zu eng? – Jetzt sitzen Sie heute schon wieder da und machen eine Regierungserklärung. (Abg. Scheibner: Seid froh, dass ihr diskutieren könnt!) Jetzt kommen die Regierungserklärungen und die Stel­lung­nahmen der Bundesregierung fast schon in einer Taktrate von einem Monat, in denen Sie sich zu den nächsten Vorhaben der Regierung immer neu erklären müssen. Es fällt Ihnen nichts ein als wieder der Verweis: Das Kindergeld haben wir für Öster­reich geschaffen – und jetzt nehmen wir uns vieles vor.

Aber wo sind die Antworten bezüglich Pensionsreform? Wo sind die Antworten be­züglich Steuerreform? (Abg. Dr. Cap: Null!) Wo sind die Antworten, meine sehr ge­ehrten Damen und Herren von der ÖVP, bezüglich der Frage Gesundheitsreform? (Abg. Dr. Cap: Nullen!)

Dazu könnte man noch viele Beispiele anführen. Ich muss feststellen, ich hätte mir dies­bezüglich schon etwas mehr Klarheit gewünscht und nicht eine weitere Ankün­digung, dass Sie das jetzt angehen wollten.

Was – darauf wurde schon hingewiesen – haben Sie in den letzten Tagen und Wochen im Bereich Arbeitslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit getan? – Ich kann nichts entdecken. Es gibt keine vorwärts gerichteten Programme. 26 000 junge Menschen unter 25 Jah­ren sind ohne Beschäftigung. Wo sind die Konzepte? – Ein um das andere Mal ver­weisen Sie darauf, dass es in anderen Ländern noch schlechter ist. Das kann es doch nicht gewesen sein!

Es wird eng, meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn etwa Herr Ex-Vizekanzler Haupt erklärt, er übergebe die Stafette. Herr Bundesminister Haupt! Sie haben ver­gessen zu erklären, wie viele Stafettenläufer von Seiten der FPÖ noch an diesem Sta­fet­tenlauf teilnehmen werden? Wer wird der Nächste nach Hubert Gorbach? Wer ist der nächste Vizekanzler, meine sehr geehrten Damen und Herren? (Abg. Dr. Cap: Karl Schweitzer!) Das hätte uns interessiert. Wie lange soll dieses Spiel weiter betrieben werden?

Es wird aber auch in anderer Hinsicht eng, meine sehr geehrten Damen und Herren, nämlich dort, wo es um die persönliche Glaubwürdigkeit von Regierungsmitgliedern geht. Darum freut es mich, dass ich jetzt die Gelegenheit habe, mit dem Herrn Finanz­minister einige Worte zu wechseln. Ich habe vor dem Sommer eine Pressekonferenz gemacht und darauf hingewiesen, dass entweder Grasser oder Finz die Unwahrheit sagt. Ich habe darauf hingewiesen, dass wir bessere Regelungen zur Unvereinbarkeit in Österreich brauchen. Die Antwort darauf war eine Klage des Herrn Finanzministers. Herr Finanzminister! Das werden wir uns noch anschauen! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

14.25

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Scheuch zu Wort gemeldet. – Bitte.

 



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34. Sitzung / Seite 104

14.25

Abgeordneter Dipl.-Ing. Uwe Scheuch (Freiheitliche): Meine geschätzten Damen und Herren! Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Ich möchte als erster Kärntner Abgeordneter, der heute spricht, dem Kärntner Vizekanzler, der er ja war, sehr herzlich danken dafür, dass er die Freiheitliche Partei in einer schwierigen Zeit geführt hat, dass er die Freiheitliche Partei in der Regierung in einer schwierigen Zeit geführt hat und dass er bewiesen hat, dass Kärntner Abgeordnete wissen, wofür sie stehen, dass Kärntner Abgeordnete wissen, was gut für das Land ist. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Öllinger: Wofür? – Zwischenruf der Abg. Dr. Glawischnig.)

Ich möchte aber auch die Zeit dafür nutzen – Frau Dr. Glawischnig, zu Ihnen komme ich noch –, meinen Unmut – Abscheu darf man, so glaube ich, nicht sagen –, meinen großen Unmut darüber zu äußern, dass das, was heute hier in diesem Haus passiert ist, eigentlich sehr traurig war. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Abscheu ist erlaubt!) Es ist der neue Vizekanzler Hubert Gorbach ernannt geworden. Er ist ins Amt berufen worden. Es wurde ihm gratuliert. Die Koalitionsparteien haben applaudiert. Von der Opposition hat es niemand wert gefunden, zu applaudieren. (Ironische Heiterkeit bei der SPÖ und den Grünen.)

Meine geschätzten Damen und Herren! Es sind wenig später dankende Worte an den Vizekanzler gerichtet worden. Niemand – ich betone: niemand! – hat es wert gefunden, zu applaudieren. (Abg. Scheibner: Von der Opposition!) Und abschließend – das ist wirklich traurig – hat sich der Herr Vizekanzler hier im Hohen Haus bei allen Abgeord­neten für die Zusammenarbeit und für die Mitarbeit bedankt. Wissen Sie, was beschä­mend ist? – Ein einziger Abgeordneter der SPÖ hat geklatscht. Das ist beschämend für dieses Haus, beschämend für die Republik und beschämend für die Bürgerinnen und Bürger, die zusehen. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Partik-Pablé: Die haben keine Manieren!)

Herr Klubobmann Dr. Van der Bellen ist momentan nicht anwesend, aber er hat heute einen „berauschenden“ Kärntner Wahlkampf geführt. Es war wirklich interessant, hier zu sitzen und zuzuhören. Ich muss sagen, ich bin genauso froh wie mein Klubobmann, dass Herr Klubobmann Van der Bellen wieder genesen ist. Ich wünsche ihm eine lange Ge­sundheit, weil er eine Bereicherung für dieses Hohe Haus und sicherlich eine wich­tige Persönlichkeit ist.

Ich bin da gesessen und habe mir gedacht, ich werde ihm eine Zigarette offerieren, denn vielleicht ist er deswegen so grantig, weil er zu rauchen aufgehört hat. Da jedoch Rauchen der Gesundheit schadet, habe ich das unterlassen, weil wir ihn ja lange gesund unter uns haben wollen. (Abg. Öllinger: Was wollen Sie uns damit sagen?)

Aber man sollte ihm schon ins Stammbuch schreiben, dass die Kärntner Grünen, von denen er in solch lobenden Worten gesprochen hat, bei weitem nicht dort sind, wo sie hingehören. Meine geschätzten Damen und Herren! Ich habe mir die Ergebnisse der Kärntner Grünen in den letzten 14 Jahren angeschaut. (Zwischenruf der Abg. Dr. Gla­wischnig.) Der Gipfel waren 3,9 Prozent. Es gibt im Internet die aktuellsten Termine der Grünen in Kärnten. Das Interessante ist, es gibt nur einen einzigen Termin. (Abg. Öl­linger: Ich glaube, Sie fürchten sich!) Wenn man sich dann die Pressemel­dungen der Kärntner Grünen anschaut, so bemerkt man, dass die aktuellste Presse­meldung drei Wochen alt ist, und die drittälteste stammt vom Juli dieses Jahres.

Ich glaube, Frau Dr. Glawischnig, sowohl Sie als auch Herr Dr. Van der Bellen sollten, wenn Sie schon Wahlkampf für Kärnten betreiben, diesen in Kärnten machen, denn meiner Meinung nach haben es Ihre grünen Kärntner Freunde dringend nötig. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Öllinger: Kommt noch! Keine Angst!) – Ich freue mich darauf!


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Abschließend: Wenn man in die APA, in die Zeitungen, schaut, dann kann man einen Tag nach Abschluss der schwarz-grünen Regierung in Oberösterreich lesen – ich zitiere –: Das schwarz-grüne Arbeitsabkommen stößt bei den Grünen auf heftigen Wi­derstand. Die Linzer Bezirksorganisation fordert eine Urabstimmung. Sie drohen mit dem Auszug aus der Parteizentrale. (Abg. Öllinger: Passen Sie auf Ihr Herz auf!)

Meine geschätzten Damen und Herren! Einen Tag schwarz-grüne Regierung – und die Grünen liegen im Argen. Da lobe ich mir doch meine freiheitliche Regierungs­mann­schaft und meine freiheitlichen Freunde, denn wir werden es Ihnen zeigen. – Danke schön. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

14.29

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner hat sich Herr Abge­ordneter Broukal zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


14.29

Abgeordneter Josef Broukal (SPÖ): Einen schönen Nachmittag, meine Damen und Herren! Ich freue mich, dass Sie guter Stimmung sind.

Herr Abgeordneter Neugebauer! Ich bin eines jener „roten Gfrießer“, die der Herr Prä­sident seinerzeit aus dem ORF entfernt haben wollte und habe daher über grobe Worte in der Politik eine eigene und auch sehr persönliche Anschauung. Ich finde sie immer deplatziert. Sollte Sie das, was Sie heute zitiert haben, beleidigt haben, dann entschul­dige ich mich im Namen des Kollegen Ackerl oder zumindest im Namen meiner Person und vieler anderer. (Abg. Dr. Khol: Weiß er etwas davon?)

Aber ich bitte Sie nur, Folgendes zu sehen: Wir alle sitzen hier in einem Glashaus, und wir alle sollten nicht mit Steinen werfen, sondern schauen, dass wir das Glashaus so gut es geht verlassen. (Abg. Wittauer: Das hat man im letzten Ausschuss gesehen!)

Ich möchte heute zum Thema „Eisenbahn“ sprechen, weil der Herr Vizekanzler auch als Vizekanzler noch Verkehrsminister bleiben will.

Herr Vizekanzler Gorbach! Sie üben seit Monaten auf die 50 000 Eisenbahnerinnen und Eisenbahner in diesem Land einen beispiellosen Druck aus – aber nicht nur auf sie, auch auf ihre Ehepartner und auf ihre Kinder. Sie vernadern diese Menschen, Sie versorgen die Zeitungen mit Halbwahrheiten, und Sie tun so, als ob man nur einige Vergünstigungen, welche die Eisenbahner vielleicht haben mögen, wegnehmen müss­te, und schon wäre bei der Bahn alles in Ordnung.

Ich möchte von dieser Stelle aus sagen: Wir, die Nationalratsabgeordneten der SPÖ, stehen zu den Eisenbahnern, wir stehen zum Unternehmen, und wir stehen zu ihren Familien! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Sie, Herr Vizekanzler, sprechen bei den Eisenbahnern von erworbenem Unrecht. Er­worbenes Unrecht! Das ist in diesem Land noch nie 50 000 Menschen und ihren Familien gesagt worden. Es ist beleidigend, es ist zynisch, und – was für mich noch schwerer wiegt – es ist falsch!

Sie sind zumindest für meine Verhältnisse – ich bin schon fast sechzig – ein junger Mann, und daher wissen Sie vielleicht nicht, wie die Bundesbahn vor Jahren die Eisen­bahner angeworben hat, die Sie heute vernadern. (Abg. Mag. Mainoni: Es vernadert niemand! – Der Redner stellt eine große ÖBB-Tafel auf das Rednerpult.) Ich zeige zunächst Ihnen, und am Schluss dem Herrn Vizekanzler, gerne dieses Inserat der Österreichischen Bundesbahnen aus den achtziger Jahren mit folgendem Titel: „Seine Zukunft ist gesichert. Vati ist bei der Bahn.“


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Im Text heißt es: „Schüler, Maturanten, Arbeiter, Angestellte, Handwerker, Techniker, Ingenieure, wir bilden euch aus. Schulen euch ein. Schulen euch um. Sorgt dafür, dass eure Familien sorglos leben können. Heute wie auch in Zukunft.“

Mit diesen Versprechungen hat man Menschen vor 20 Jahren zur Bundesbahn ge­bracht, und Sie bezeichnen das heute als erworbenes Unrecht! (Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Sie sagen heute diesen Menschen, ihren Frauen und Kindern: Wir brauchen euch nicht mehr! (Abg. Kopf: Auf dass die Welt stehen bleibt!) Wir bilden euch nicht aus! Wir schulen euch nicht um! Wir schieben euch ab! Wir haben einen Weg gefunden, euch zu kündigen! Wir sind nicht bereit, uns an das zu halten, was euch die Bahn vor 20 Jahren versprochen hat.

Herr Gorbach, ich fordere Sie auf: Kehren Sie um auf diesem Weg, stehen Sie zu dem Wort, das die Bahn und die Republik Österreich diesen Eisenbahnern gegeben hat! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Zwischen den Jahren 1993 und 2001 hat die Bahn investiert, rationalisiert und 16 000 Arbeitsplätze abgebaut. Seit 1995 sind neu eingestellte Eisenbahner ASVG-Angestellte wie Millionen andere Arbeitnehmer auch. In diesen Jahren ist die Bahn mit Zustim­mung der Eisenbahnergewerkschaft intern umgekrempelt worden, ist moderner gewor­den, und die Leistung der Mitarbeiter ist gestiegen.

Warum gehen Sie heute nicht genau so vor? Warum sagen Sie nicht dem Unter­nehmen ÖBB, Ihrem Generaldirektor Vorm Walde: Setz dich hin mit der Eisenbahner­gewerkschaft, du hast ein halbes Jahr Zeit! Wir wollen Ergebnisse sehen, aber wie diese Ergebnisse aussehen, das macht euch am besten intern aus, denn ihr kennt euch intern besser aus als wir von außen!

Stattdessen haben Sie einen pragmatisierten Universitätsprofessor, der nichts Besse­res zu tun hat, als Wege zu suchen, wie man Menschen, denen Unkündbarkeit und lebenslängliche Anstellung versprochen wurde, diese dann im Alter von 40 und 50 Jah­ren noch wegnehmen kann.

Wir bitten Sie, auch im Interesse Österreichs und der Bahn, um so wenig Störung wie möglich, das muss Ihr Ziel sein. Alles andere ist eine Gefahr für die Bahn, nützt nur der Straßenlobby. Österreich braucht die Bahn, die Eisenbahner brauchen unsere Hilfe! Ihre Experimente brauchen sie nicht! (Beifall bei der SPÖ.)

14.34

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Von der Regierungsbank aus zu Wort gemeldet hat sich Frau Staatssekretärin Haubner. – Bitte.

 


14.34

Staatssekretärin im Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz Ursula Haubner: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegen auf der Regierungsbank! Meine Damen und Herren im Nationalrat! Ich be­daure es, dass Herr Nationalratsabgeordneter Broukal im Zusammenhang mit den ÖBB aus dem Zug der Fairness ausgestiegen ist (ironische Heiterkeit bei der SPÖ), denn er behauptet Dinge, die einerseits aus der Vergangenheit stammen und ande­rerseits nicht stimmen.

Der Herr Vizekanzler und Infrastrukturminister hat nie die Mitarbeiter und ihre Familien angegriffen, hat nie dahin gehend argumentiert, dass den Mitarbeiterinnen und Mitar­beitern und ihren Familien Nachteile entstehen, sondern er hat immer nur das System angegriffen. (Abg. Scheibner: Und die Privilegien!) Und damit haben Sie, meine Da­men und Herren, ein Problem, denn Sie haben jahrzehntelang dieses System gefördert


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und in diesem System gelebt, das letztendlich zu Dingen geführt hat, die wir in der Re­gierung, also Freiheitliche und ÖVP, reparieren müssen. (Heftige Zwischenrufe bei der SPÖ.) Das ist bei der Pension und bei vielen anderen Sachen auch so. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Broukal: Wer hat Unrecht erworben? Wer?)

Meine Damen und Herren! Wir haben in den vergangenen Tagen mit der Neuaufteilung verschiedener Funktionen im freiheitlichen Regierungsteam für Emotionen gesorgt, und ich freue mich, dass gerade die Damen und Herren der Opposition so starken Anteil nehmen an der FPÖ und sich fragen, ob es der FPÖ gut geht. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Ich kann Ihnen versichern, dem freiheitlichen Regierungsteam geht es gut, denn wir müssen uns nicht ständig unserer Solidarität versichern, sondern wir haben Solidarität untereinander, und wir leben diese Solidarität mit dem Bundesminister für Soziales Herbert Haupt, mit Infrastrukturminister Hubert Gorbach, der jetzt Vizekanzler ist, mit Justizminister Böhmdorfer und mit den beiden Staatssekretären Karl Schweitzer und Reinhart Waneck.

Wir brauchen unsere ganze Kraft nicht für gegenseitige Bezeugungen von Solidarität, sondern wir setzen unsere Kraft für dieses Land und für Österreich ein. Dazu sind wir da! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Ich sage Ihnen: Die bisherige gute Arbeit im Sozial­minis­terium – und ich schätze die Zusammenarbeit, die ich als Staatssekretärin in diesem Ministerium mit meinem Minister Herbert Haupt gepflegt habe – wird weiter­gehen. Diese gute Zusammenarbeit hat wirklich jene Dinge in den Mittelpunkt gestellt, die für die Menschen im Land notwendig sind. Das heißt einmal, Familien leistbar und lebbar zu machen. Wir gestalten eine Generationenpolitik, die nicht die einen gegen die an­deren ausspielt, sondern die letztendlich die Maßnahmen so setzt, dass Familien, dass Generationen auch nachhaltig leben und sicher sein können.

Wir arbeiten und stärken die Kinderrechte, die Rechte für die Jungen und die Kinder. Die Kinderrechte in die Verfassung aufzunehmen, ist, so glaube ich, ein gemeinsamer Wunsch und ein gemeinsamer Wille dieses Hauses. Wir Freiheitlichen in dieser Regierung setzen dazu den ersten Schritt.

Wir kümmern uns auch darum, dass die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger im Alter nicht nur bestmöglich versorgt sind, sondern selbstbestimmt ihren Lebensabend ver­bringen können. Da haben wir das Problem der Hochbetagten, die besonders unserer Pflege und unserer Fürsorge bedürfen.

Wir wissen auch, dass das Familiennetzwerk ein ganz wichtiges Netzwerk in der zukünftigen Pflege ist, und das werden und müssen wir weiter stärken, denn wenn die Familien nicht mehr funktionieren, dann geht es auch unseren älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern nicht mehr gut.

Worauf wir auch sehr großes Augenmerk legen, ist, dass Konsumentinnen und Konsu­menten zu ihrem Recht kommen. Meine Damen und Herren! Ich meine damit auch die erfolgreiche Zinsenrückholung von den Banken seitens des Konsumentenschutz­minis­teriums gemeinsam mit dem VKI für jene Kunden, denen zwischen 1992 und 1997 zu viel an Zinsen verrechnet wurde, und das sind nicht die großen Kreditnehmer, das sind nicht die großen Unternehmer, sondern das sind Tausende kleine Privatkredite, die in Auftrag gegeben wurden und für die in dieser Zeit zu viel verrechnet wurde. Wir haben es geschafft, dass es jetzt zumindest einmal mit einem großen Verband zu einer Ver­einbarung kommt, dass diese Kunden ganz unbürokratisch 70 Prozent dessen zurück bekommen, was ihnen vorenthalten wurde.


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Das, meine Damen und Herren, ist Regierungspolitik, das ist nachhaltige Regierungs­politik, und das ist nachhaltige Arbeit für die Menschen in Österreich! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Daher ersuche ich die Damen und Herren von der Opposition, zur Kenntnis zu nehmen, dass wir Politik für die Menschen mit Herz und Verstand machen, dass wir unsere ganze Kraft für dieses Land einsetzen und dass wir zu unserem Wort stehen und uns mit Vernaderungspolitik und Ähnlichem nicht abgeben, wie meine Vorredner argumentiert haben.

Wir setzen all unsere Kräfte ein, und ich bin optimistisch und positiv, dass die nächsten Schritte für dieses Land wirklich gute sein werden. – Danke schön. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

14.40

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Marek. – Bitte.

 


14.40

Abgeordnete Christine Marek (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Meine Damen und Herren der Bundesregierung! Was passiert, wenn Rot regiert, meine Damen und Herren? – Ein Blick nach Wien: Der Vergleich macht uns sicher! (Abg. Dr. Cap: Die Brille!)

Thema Wirtschaft: Wien hatte 2001 als einziges Bundesland eine Rezession zu ver­zeichnen. Die Wiener SPÖ-Alleinregierung hat es damit geschafft, Wien zum Schluss­licht unter allen Bundesländern zu machen. Die Arbeitsmarktdaten sind katastrophal. (Abg. Dr. Cap: Wer sagt das?) Auch hier ist Wien anders – im negativen Sinn. Seit 1985 hat sich die Arbeitslosigkeit in Wien mehr als verdoppelt, und auch sonst kann Wien mit der Bundesentwicklung nur mühsam – wenn überhaupt – Schritt halten.

Während bundesweit die Zahlen der unselbstständig Erwerbstätigen (Abg. Dr. Gusen­bauer: Toll sind!) ständig neue Rekorde erreichen, hatte Wien im Jahr 2002 nicht ein­mal den Beschäftigtenstand von 1965. Österreichweit konnte hier ein Zuwachs von über 35 Prozent verzeichnet werden. Wirklich ein tolles Renommee! Hut ab!

Wien hatte im vergangenen Jahr mit 9 Prozent die höchste Arbeitslosenquote, das sind über 2 Prozent mehr als der Durchschnittswert in Gesamtösterreich. Zwei Drittel aller Langzeitarbeitslosen befinden sich in Wien, und auch die Dauer der Arbeitslosigkeit ist in Wien beispielhaft schlecht. Im Jahr 2002 waren es durchschnittlich 154 Tage, während es in Tirol 67 und im Österreich-Durchschnitt 102 Tage waren. (Abg. Krainer: Bundeskompetenz! – Zwischenruf der Abg. Mag. Lapp.)

Zur Lehrlingssituation: In Wien kommen auf eine Lehrstelle 7,7 Lehrstellensuchende, österreichweit sind es 2,6. Wien hat wirklich ein Herz für die Jugend! (Abg. Krainer: Bundeskompetenz!) Die Gebühren sind in Wien seit 2001 explodiert, zum Beispiel Müllabfuhr und Fahrpreise für öffentliche Verkehrsmittel. Die Preise für Kinderbetreu­ung sind in Wien am höchsten von ganz Österreich. (Abg. Mag. Lapp: Soziale Staf­felung!) Wien hat es sogar geschafft, durch die Einführung einer so genannten Strom­steuer die Liberalisierung und die damit verbundenen Preissenkungen für die Konsu­menten einfach zu boykottieren. (Abg. Mag. Lapp: Bla bla bla!)

Auch der Sozialabbau in Wien ist einzigartig, wo auf dem Rücken der Ärmsten gespart wird. Besonders die Heuchelei von Häupl und Laska finde ich dabei absolut uner­träglich, wenn ihnen nichts anderes einfällt, als immer wieder reflexartig auf den Bund zu zeigen. Von Lainz möchte ich dabei gar nicht erst reden, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Mag. Lapp: Ja, weil da kennen Sie sich nicht aus!)


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34. Sitzung / Seite 109

Förderungen werden in Wien ideologisch motiviert vergeben. (Abg. Dr. Cap: Stimmt nicht!) Der zuständigen Stadträtin Laska war es nicht einmal zu blöd, den so ge­nannten Warenkorb – eine ohnehin nicht allzu hohe Förderung für Schulen – für die konfessionellen Privatschulen von heute auf morgen einfach zu streichen. (Abg. Mag. Lapp: Der Warenkorb ist ...! – Abg. Dr. Glawischnig: Sind wir im Wiener Ge­meinderat?)

Meine Damen und Herren von der SPÖ! Bevor Sie jetzt wieder von Eliten sprechen, darf ich Sie darauf hinweisen, dass dort viele Kinder einfacher Familien hingehen. All das zeigt die Ideenlosigkeit der Wiener SPÖ beim Finden von echten Lösungen. Wirk­lich kreativ ist die SPÖ aber beim Finden von Ausreden, wer denn für all die Miss­stände in Wien zuständig und verantwortlich ist. (Abg. Mag. Mainoni: Genau!)

Meine Damen und Herren! Die Verantwortung dafür trägt jedoch einzig und allein die SPÖ in Wien, und das lässt sich auch durch noch so viele Plakatkampagnen nicht leugnen.

Meine Damen und Herren! Die SPÖ versucht immer wieder krampfhaft, den Eindruck zu erwecken, als ob alle Probleme in Österreich erst in den letzten Jahren entstanden seien. Tatsache ist aber, dass diese Bundesregierung seit dem Jahr 2000 damit be­schäftigt ist, das, was Sie über Jahrzehnte hinweg verschleppt haben, in Angriff zu nehmen und Reformen durchzusetzen. Und das werden wir auch in den nächsten Jahren, zusammen mit der FPÖ, für die Menschen in diesem Land und für Österreich weiter tun. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

14.44

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Dr. Lichtenberger. – Bitte.

 


14.45

Abgeordnete Dr. Evelin Lichtenberger (Grüne): Sehr geehrte Damen und Herren! Wir diskutieren heute eine Regierungsumbildung, die – ganz klar und ganz offen (Abg. Dr. Cap: Keine war! – Heiterkeit bei der SPÖ) – die falsche ist. Die Regierungs­um­bil­dung, die eigentlich notwendig gewesen wäre, hätte anders ausgesehen. (Abg. Mag. Mainoni: Sie hätten lieber Grüne auf der Regierungsbank, so gesehen ist es falsch!) In erster Linie sitzt noch immer jemand auf dieser Regierungsbank, der schon seit längerer Zeit überaus rücktrittsreif ist, nämlich Herr Finanzminister Grasser. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Mainoni: Die Basis wird euch in Oberösterreich einen Baum aufstellen!)

Er sitzt bequem auf seinem Aktienpaket und verrechnet sich das eine um das andere Mal. Vor allem wenn es um Nullen oder Kommastellen geht, hat er gröbere Schwie­rigkeiten, was für einen Finanzminister schon ein größeres Problem darstellt, weil er es als solcher mit doch eher wichtigen Zahlen zu tun hat.

Die zweite Regierungsumbildung, die wir heute zu beobachten haben, ist ja eine, die in Wirklichkeit im Hintergrund stattfindet. Da Gorbach als Vizekanzler in erster Linie in Kärnten antichambrieren wird müssen, um den Zusammenhalt der Reste seiner Partei zu garantieren, wird das überaus wichtige Verkehrsressort nun ein ganz anderer Mann führen, und dieser Mann gehört natürlich der ÖVP an.

Nun hätte ich damit zunächst nicht so große Probleme, wüsste ich nicht, dass dieser Mann kein Verkehrspolitiker, sondern ein reiner Parteipolitiker ist, der all seine ver­kehrs­politischen Entscheidungen – und das hat Kukacka des Langen und Breiten be­wiesen – in erster Linie aus einer parteipolitischen Rationalität heraus trifft. (Abg. Mag. Mainoni: Ich habe das doch gerade erzählt und gesagt, dass dieser Mann Praxiserfahrung hat!)


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34. Sitzung / Seite 110

Ihm geht es nicht um die Zukunft der Bahn, vor allem nicht der Bahnkunden und schon gar nicht der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, ihm geht es um die Zerschlagung von Strukturen, die er als „rote Strukturen“ interpretiert. Das ist sein Hauptziel. Das ist keine Bahnpolitik, sondern Parteipolitik, die in dieser Art in diesem zukunftsweisenden Ressort überhaupt nichts zu suchen hat, meine Damen und Herren! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Ellmauer: 3 Milliarden Bundeszuschuss!)

Gorbach wird aber durch die nun oft notwendigen Reisen nach Kärnten andere wich­tige Reisen nicht machen können, die im Moment mehr als dringlich wären, nämlich Reisen nach Brüssel. Wir stehen am Vorabend des Auslaufens des Transitvertrages. Es gibt keinerlei Nachfolgeregelung, Österreich hat hier nichts in der Hand, und derjenige, der angekündigt hat, dass er diesen Transitvertrag retten wird, wird in erster Linie mit dem Kärntner Landeshauptmann über Koralmbahn oder Drautalbundesstraße (Vizekanzler Gorbach: Auch wichtig!) diskutieren müssen. Die wichtigen, zukunfts­wei­senden und notwendigen Projekte in Sachen Erweiterung der Europäischen Union oder Rettung Österreichs vor dem Transitdesaster werden wahrscheinlich untergehen, den Weg alles Irdischen gehen, weil dieser Verkehrsminister keine Zeit mehr haben wird, sich um die wichtigen Fragen der Republik zu kümmern.

In noch einem Punkt werden seine Kapazitäten auch enorm fehlen: Es wird von einer Investitionsoffensive geredet. Das ist aber aus der Sicht des Verkehrsministers – er hat es deutlich gesagt – eine reine Asphaltinitiative. Es wird nicht darüber geredet, dass die Europäische Union auch Projekte von Wissenschaft und Forschung von den Län­dern haben will, denn das, meine Damen und Herren, wäre ein Zukunftsweg. Darüber redet in dieser Bundesregierung kein Mensch. Das interessiert offensichtlich nieman­den, genauso wenig wie das drohende Transitdesaster auf den alpinen Strecken und auf den Verbindungsstrecken zu den Beitrittsländern. – Danke. (Beifall bei den Grü­nen.)

14.49

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Wittauer zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


14.49

Abgeordneter Klaus Wittauer (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Werte Regierungsmitglieder! Hohes Haus! Ich weiß nicht, warum die Grünen klatschen. Das, was da gesagt worden ist, haben wir schon sehr oft gehört. Hubert Gorbach wird seine Aufgabe wahrnehmen. Er hat das in der Vergangenheit bewiesen und wird es auch in der Zukunft beweisen! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Es grenzt schon an Lächerlichkeit, wenn sich die Damen und Herren der Opposition ausschließlich mit der Freiheitlichen Partei und deren Führung beschäftigen. Ich sage Ihnen: Die Freiheitliche Partei wird ihre Angelegenheiten innerhalb der Freiheitlichen Partei regeln und selbst bestimmen und braucht keine Zurufe von den Grünen, die in Oberösterreich, wo sie in die Landesregierung gegangen sind, nicht einmal am ersten Tag fähig sind, Verantwortung wahrzunehmen. Die sollten sich gefälligst zurückhalten! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Lichtenberger: Da redet der Richtige!)

Für Österreich ist es gut, dass Herbert Haupt weiterhin Sozialminister bleibt und in die­sem Bereich die hervorragende Arbeit der Vergangenheit fortführt. Damit ist eine Garantie für die Zukunft gerade in diesem Bereich gegeben.

Mit Hubert Gorbach haben wir einen neuen Vizekanzler. Ich habe deine Rede, Hubert, mit Aufmerksamkeit verfolgt, und ich glaube dir. Du bist derjenige, der mit uns Frei­heitlichen das Beste für Österreich will und es auch umsetzen wird. Die Zielsetzungen von uns Freiheitlichen sind auch deine, und wenn du davon sprichst, dass du in dieser


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Regierung exzellente Rahmenbedingungen für das Land schaffen willst, dann glaube ich dir, denn als Infrastrukturminister und Verkehrsminister hast du es in der Vergan­gen­heit bewiesen.

Wir Freiheitlichen sind seit dem Jahre 2000 der Reformmotor dieser Regierung (Abg. Gradwohl: Der stottert aber ein bisschen!), und eine Garantie dafür, dass der Wirt­schaftsstandort Österreich gesichert ist und ausgebaut wird, sodass wir uns – und das betrifft auch die ÖBB – im internationalen Wettbewerb behaupten können. Es wird von der Opposition immer polemisiert und alles schlecht gemacht. Die Zielsetzung ist, dass es besser wird und dass die Arbeitnehmer der ÖBB auch in Zukunft ihre Arbeit behalten, und nicht, dass diese ÖBB in den Graben gefahren wird. (Abg. Gaál: Wissen Sie, was in dem Reformpapier steht?)

Wir schauen auf die Familien. Wir haben das in der Vergangenheit mit dem Kindergeld bewiesen. Wir schauen auf die Kranken und auf die Alten. Wir beweisen es tagtäglich mit unserer Politik, und wir werden diese Politik weiterhin umsetzen. (Abg. Gaál: Ken­nen Sie das Reformpapier? – Zwischenruf des Abg. Dr. Wittmann.) Ich sage Ihnen auch: Ich bin dankbar dafür, dass Kanzler Schüssel Hubert Gorbach viel Erfolg für die nächsten Jahre gewünscht hat. Wir wissen, dass er Erfolg hat. Für uns ist das aber auch die Garantie dafür, dass die Opposition – Rot-Grün, dieses Chaos – nicht in die Regierung kommt. Lernen Sie einmal, Ihre Oppositionsarbeit richtig zu machen, dann können wir einmal andenken, was es bedeutet, Regierungsarbeit zu machen. (Abg. Dr. Wittmann: Schau dir das Wahlergebnis in Tirol an!) 30 Jahre lang haben Sie eine falsche Politik betrieben, und bis heute haben Sie nicht daraus gelernt. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Dr. Wittmann: Kennen Sie das ÖBB-Papier?)

Ich möchte nicht wie in Deutschland ein rot-grünes Chaos auf der Tagesordnung haben, wo die Menschen in der Vergangenheitspolitik jeden Tag neu bestraft werden. (Abg. Dr. Glawischnig: Schauen Sie einmal nach Tirol!) Ich möchte mich den Worten von Hubert anschließen: Dieses Österreich braucht die Freiheitlichen (Abg. Nürn­ber­ger: Immer weniger!), denn wir waren es, die hergegangen sind, dieses Land mit Re­for­men in eine positive Zukunft zu führen. (Abg. Dr. Rada: Sie sind nicht wählbar! – Abg. Reheis: Die Wähler haben euch verlassen!)

Es ist immer schwierig, Reformen durchzuführen und den Menschen diese begreifbar zu machen, aber wir werden es diesen Menschen beweisen, und sie werden begreifen, dass diese Regierung ihre Verantwortung für eine positive Zukunft für Österreich wahr­nimmt. (Abg. Reheis: Das ist die Wahrheit! Ihr habt keine Wähler mehr!) Für uns Freiheitliche hat immer gezählt: Österreich zuerst! Diesem Grundsatz werden wir treu bleiben. (Abg. Dr. Jarolim: Gibt es das auch auf Video?)

Wir Freiheitlichen werden diese Regierung auf alle Fälle unterstützen, wir brauchen auch keine Ratschläge von Rot-Grün. Wir werden keinerlei Misstrauensanträge oder Untersuchungsausschüsse unterstützen und bis 2006 durchregieren. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Dr. Wittmann: Diese Rede erklärt das Wahlergeb­nis in Tirol!)

14.54

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Krainer zu Wort gemeldet.

Ich ersuche Sie, mit der Wiedergabe der Behauptung zu beginnen, die Sie zu berich­tigen wünschen. – Bitte.

 


14.54

Abgeordneter Kai Jan Krainer (SPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren! Kollegin Marek hat in einer beispiellosen Schlechtmachung von Wien soeben behauptet (Wider-


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spruch bei der ÖVP – Abg. Prinz: Wahrheit!), dass Wien die höchsten Gebühren bei Kindergartenplätzen hätte.

Ich berichtige tatsächlich: Wien hat für sozial Schwache die allerniedrigsten Gebüh­ren für Kindergartenplätze, nämlich null €. (Beifall bei der SPÖ. – Empörter Wider­spruch bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Scheibner: Das ist falsch!)

Für Durchschnittsverdiener ist der Tarif durchschnittlich, und für Spitzenverdiener ist er hoch, weil die Tarife nämlich sozial gestaffelt sind. – Danke. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Scheibner: Das stimmt überhaupt nicht! Da gibt es Bundesländer, wo es für sozial Schwache gratis ist!)

14.55

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Ich bitte die Damen und Herren, Platz zu nehmen.

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abge­ordneten Dr. Van der Bellen, Kolleginnen und Kollegen betreffend Versagen des Vertrauens gegenüber dem Bundesminister für Finanzen gemäß Artikel 74 Absatz 1 des Bundes-Verfassungsgesetzes.

Da zu einem solchen Beschluss des Nationalrates gemäß Absatz 2 der zitierten Ver­fas­sungsbestimmung die Anwesenheit der Hälfte der Abgeordneten erforderlich ist, stelle ich diese ausdrücklich fest.

Ich bitte jene Damen und Herren, die sich für den gegenständlichen Misstrauensantrag aussprechen, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit und damit abgelehnt.

3. Punkt

Bericht des Rechnungshofausschusses betreffend den Wahrnehmungsbericht (III-29 d.B.) des Rechnungshofes über Teilgebiete der Gebarung des Bundes (229 d.B.)

4. Punkt

Bericht des Rechnungshofausschusses betreffend den Wahrnehmungsbericht (III-13 d.B.) des Rechnungshofes über Teilgebiete der Gebarung des Bundes (231 d.B.)

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Wir gelangen nunmehr zu den Punkten 3 und 4 der Tagesordnung, über welche die Debatte unter einem durchgeführt wird.

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Als erster Redner hat sich Herr Abgeordneter Dr. Kräuter zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


14.56

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Rechnungshof kritisiert massiv die Werbeausgaben der Bundesregierung, und das zu Recht (Abg. Hornek: Das ist unrichtig!), denn wozu teure Inserate für eine Bun­desregierung schalten, die nur von 6 Prozent der Bevölkerung akzeptiert wird? (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Hornek: Der Edlinger hat um 40 Prozent mehr gebraucht!)


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Meine Damen und Herren! Wie hält es eigentlich der Finanzminister? Ist er ein Vorbild? Ein Vorbild an Sparsamkeit? Ein Vorbild an Rechtschaffenheit? Ein Vorbild an Ge­setzestreue? Und ganz grundsätzlich: Was kann er? (Abg. Mag. Wurm: Fesch ist er!) Was kann er nicht? Was leistet dieser Finanzminister? Was leistet er sich? Was kann er also nicht? (Präsident Dr. Khol übernimmt wieder den Vorsitz.)

Er kann nicht rechnen und zusammenzählen. Zum Beispiel sein nicht gemeldetes Aktienbündel: Da hat er sich um die „Kleinigkeit“ von 51 000 € verzählt, der Herr „Kleinstaktionär“.

Er kann auch nicht immer „plus“ und „minus“ auseinander halten. Wir erinnern uns alle mit Schaudern an die Budgetrede, die Herr Präsident Khol so brillant gefunden hat.

Und: Er hat Schwierigkeiten beim Ausfüllen von Formularen, das muss auch gesagt werden.

Was kann er dagegen gut, der Herr Finanzminister? – Er kann sehr gut für Eigen­werbung Steuergeld beim Fenster hinausschmeißen, zum Beispiel für ein Inserat in der „Financial Times“, um schlappe 812 000 S seinerzeit.

Was kann er noch gut? – Er kann sehr gut schlechte Berater beschäftigen. Um sage und schreibe 27 Millionen € kann das dieser Finanzminister, meine Damen und Herren!

Und er kann sehr gut eine Roadshow veranstalten, um 2,2 Millionen €.

Aber, meine Damen und Herren, die FPÖ hat ja ursprünglich zugesagt, sie werde all das untersuchen, und wir können ja optimistisch sein, was den Untersuchungs­aus­schuss-Antrag betrifft.

Im Rechnungshofausschuss hat Staatssekretär Morak seine bescheidene Schauspiel­kunst eingesetzt und sich ungemein darüber aufgeregt, dass die Werbeausgaben der vorvorigen Regierung, nämlich der Regierung Klima, so hoch waren. – Herr Staats­sekretär Morak! Ich sage präventiv dazu: Das haben SPÖ und ÖVP beschlossen. Die SPÖ und die ÖVP haben da geworben, und es sind natürlich die Gesichter der ÖVP-Politiker mitbeworben worden.

Was kann die Konsequenz sein, wenn man etwas als schlecht empfindet? – Dann kann man es ja nicht noch ärger weitertreiben! Das ist doch der Punkt. Natürlich ist Regierungswerbung auch früher betrieben worden, aber, meine Damen und Herren, eine Verhöhnung der Bevölkerung per Inserat, das hat es vorher nie gegeben! (Der Red­ner hält eine Tafel in die Höhe, auf der ein Inserat mit dem Titel „Unfallrenten ab 1.1.2004 steuerfrei“ und Fotos von Bundesminister Mag. Haupt und Staatssekretärin Haubner zu sehen ist.)

Wenn man sich vor Augen führt, dass sich hier Parteivorsitzender Herbert Haupt und die Parteichefin Ursula Haubner – oder was halt gerade tagesaktuell sein mag – per In­serat dafür loben lassen, dass sie ein Versprechen eingelöst und die Unfallrenten­be­steuerung aufgehoben hätten, dann ist das das Letzte, meine Damen und Herren!

Wie Sie wissen hat die blau-schwarze Bundesregierung ...

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Abgeordneter! Wir sind jetzt um 15 Uhr angelangt. Ich unterbreche daher Ihre Rede, um die verlangte Behandlung einer Dringlichen An­frage gemäß der Geschäftsordnung aufrufen zu können. (Abg. Dr. Kräuter: Ich möchte nur den Satz zu Ende ...!)

Sie können den Satz beenden, und dann rufe ich die Dringliche Anfrage auf.

 


Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (fortsetzend): Richtig ist, dass die blau-schwarze Regierung das eingeführt hat und dass die SPÖ das erfolgreich bekämpft hat. Dass


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sich auf Kosten der Steuerzahler Haupt und Haubner jetzt in öffentlichen Zeitungen dafür loben, das ist wirklich das Letzte, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

15.00

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Abgeordneter Kräuter! Wünschen Sie nach der Dringlichen noch weiter das Wort? (Abg. Dr. Kräuter: Es gibt noch viel zu sagen zum Zustand dieser Regierung!) Ja oder nein? (Abg. Dr. Kräuter: ... viel zu sagen!) Ja? (Abg. Dr. Kräuter: Ja! ...!) – Dein Wort soll sein: ja, ja – nein, nein.

Dringliche Anfrage

der Abgeordneten Dr. Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Aktien, Treuhänder und Verfassungsbruch (913/J)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir gelangen zur dringlichen Behandlung der schrift­lichen Anfrage 913/J.

Da diese inzwischen allen Abgeordneten zugegangen ist, erübrigt sich eine Verlesung durch den Schriftführer.

Die Dringliche Anfrage hat folgenden Wortlaut:

Der Finanzminister hat schon am Beginn seiner Amtszeit mit der Leermeldung an den Unvereinbarkeitsausschuss die Verfassung gebrochen. Jetzt hat er mit dreieinhalb Jahren Verspätung seinen aktuellen Bestand an Aktien gemeldet. Seiner Meldepflicht über alle Aktien, die er seit seiner Angelobung besessen hat, ist er bis heute nicht nachgekommen. Damit bricht er weiter die Verfassung.

Über andere Bestandteile seines Vermögens hat er bis heute nichts gesagt. Daher richten die unterfertigten Abgeordneten an den Finanzminister folgende

Anfrage:

1. Die Beteiligung an Unternehmen kann zur Beeinflussung der Amtsführung eines Mitglieds der Bundesregierung führen. Daher sieht das Unvereinbarkeitsgesetz eine unbeschränkte Meldepflicht solcher Beteiligungen vor. Warum haben Sie dem Unvereinbarkeitsausschuss bis heute nicht alle Beteiligungen an Unternehmen, die sie während Ihrer Zeit als Finanzminister besessen haben, gemeldet?

2. Welche Beteiligungen an Unternehmen haben Sie im einzelnen zu Beginn Ihrer Tätigkeit als Finanzminister besessen?

3. Welche Beteiligungen an Unternehmen haben Sie im einzelnen während Ihrer Tätigkeit als Finanzminister erworben?

4. Welche Beteiligungen an Unternehmen haben Sie im einzelnen während Ihrer Tätig­keit als Finanzminister veräußert?

5. Wie hoch war der Wert Ihrer Aktien zum Zeitpunkt des Entstehens der Meldepflicht im einzelnen?

6. Wann werden Sie dem Unvereinbarkeitsausschuss endlich alle Beteiligungen an Unternehmen, die sie während Ihrer Zeit als Finanzminister besessen haben, melden?

7. Zu Ihrer Rechtfertigung haben Sie behauptet, in Bezug auf die Verpflichtung, Ihre Anteile an Unternehmen zu melden, „falsch beraten“ worden zu sein. Wer hat Sie falsch beraten?


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8. Das Unvereinbarkeitsgesetz verpflichtet im § 3a Regierungsmitglieder, ihr Eigentum an Immobilien dem Präsidenten des Rechnungshofs zu melden. Welchen Besitz an Immobilien haben Sie gemeldet?

9. Welchen Besitz an Immobilien haben Sie nicht gemeldet?

10. An welchen Stiftungen sind Sie beteiligt?

11. An welchen Fonds halten Sie Anteile?

12. Welche Treuhänder halten für Sie Vermögenswerte?

13. Hält bzw. hielt Treuhänder Stephan Medwed für Sie Aktien bzw. andere Vermö­gens­werte oder Anteile?

14. Wenn ja, welche und in welcher Höhe?

15. Hält bzw. hielt der Vaduzer Treuhänder Michael Feichtinger für Sie Aktien bzw. andere Vermögenswerte oder Anteile?

16. Wenn ja, welche und in welcher Höhe?

17. Welche Besprechungen haben zwischen Michael Feichtinger, Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp und Ihnen wann und wo stattgefunden?

18. Was war der Zweck dieser Besprechungen?

19. Warum haben Sie zur Besprechung mit dem Chef von Daimler Chrysler und damit dem Eigentümervertreter von EADS Ihren Treuhänder beigezogen?

20. Wie und wodurch konnte Sie der Vertreter von Daimler-Chrysler/EADS von den Vorzügen des Eurofighter überzeugen?

21. Haben Sie als Finanzminister Aufträge an Firmen vergeben, an denen Sie beteiligt waren oder sind?

22. Haben Sie Anteile an FirstInEx oder deren Mutterfirma Yline besessen?

23. Haben Sie als Finanzminister Aufträge an FirstInEx vergeben?

24. Wenn ja, welche, wann und zu welchem Preis?

25. War das Anbot von FirstInEx in jedem Fall das billigste?

26. Wenn nein, in welchem Fall war es nicht das billigste?

27. Hat FirstInEx für das Bundesministerium für Finanzen und für Ihre private Website mit Ihrem Wissen an der Erstellung der Websites teilgenommen?

In formeller Hinsicht wird die dringliche Behandlung dieser Anfrage unter Verweis auf § 93 Abs. 2 GOG verlangt.

*****

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Ich erteile Herrn Abgeordnetem Dr. Pilz als erstem Fra­gesteller zur Begründung der Anfrage, die gemäß § 93 Abs. 5 der Geschäftsordnung 20 Minuten nicht überschreiten darf, das Wort. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


15.01

Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! An dieser Stelle habe ich bei den Finanzminister-Dringlichen bis jetzt auch immer gesagt: „Herr Bundeskanzler!“ Zum ersten Mal kann ich den Herrn Bundeskanzler bei einer Anfrage an den Finanzminister im Zusammenhang mit den verschiedenen Vorkomm­nissen rund um seine Person und rund um seine Amtsführung nicht begrüßen. Das


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wird nach dieser missglückten Regierungsbildung sicherlich sachliche und persönliche Gründe haben.

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich möchte unsere Dringliche Anfrage wie folgt begründen:

Das Unvereinbarkeitsgesetz ist vom österreichischen Nationalrat aus einem sehr, sehr einfachen Grund genau so entworfen und beschlossen worden und nicht anders: weil man wissen muss, was einem Politiker oder einer Politikerin gehört, damit man weiß, wem eventuell ein Politiker oder eine Politikerin gehört. Das ist die entscheidende Frage, die zur Meldepflicht im Unvereinbarkeitsgesetz geführt hat und die insbeson­de­re Regierungsmitglieder verpflichtet, ganz penibel auszufüllen, nicht, ob sie irgendwo ein Unternehmen dominieren – denn das ist normalerweise öffentlich hinlänglich be­kannt –, sondern ob sie irgendein Interesse am besonderen Wohlergehen eines Unter­nehmens haben.

Es hängt vom persönlichen Reichtum – vermute ich einmal – ab, ob jemand ab einer Aktie, ab hundert, ab tausend oder ab viel mehr Aktien erst dieses persönliche Inter­esse versteht.

Zur Sicherheit nimmt der Gesetzgeber an, dass jeder Aktienbesitz ein derartiges Inter­esse begründen kann, und zwingt deswegen zur Meldung – und zwingt deswegen auch einen Bundeskanzler und einen Finanzminister.

Wir sind immer davon ausgegangen, dass diese Meldungen ordnungsgemäß erfolgt sind. Wir hatten auch keinen Grund anzunehmen, dass es hier zu Unregelmäßigkeiten oder vielleicht sogar ungesetzlichen Handlungen durch Regierungsmitglieder gekom­men ist. Erst als es den Hinweis gegeben hat, dass der Finanzminister mit YLine-Aktien besonders bemerkenswerte Aktien besessen hat, hat sich die Frage gestellt, ob er das dem Nationalrat ordnungsgemäß gemeldet hat. Die Antwort kennen wir inzwi­schen: Nein, er hat es nicht getan. (Rufe bei der SPÖ: Rücktritt! – Ironische Heiterkeit bei der ÖVP.)

Und jetzt wieder die Frage: Warum hat er das nicht getan? – Er sagt – zumindest war das bisher seine Stellungnahme –: Ich bin schlecht beraten worden. Ich habe schlechte Berater gehabt. (Ironische Heiterkeit bei den Grünen und der SPÖ.)

Herr Finanzminister! Wissen Sie, wie „kompliziert“ der § 3a des Unvereinbarkeits­gesetzes ist? – Es gibt wenige Gesetzesstellen, die so einfach und so klar zu lesen sind! Das sind Gesetzesstellen, die man jedem des Lesens Fähigen in dieser Republik und anderswo zumuten kann. Da steht nämlich ganz einfach drinnen: Alle Beteili­gungen an Unternehmen sind dem Ausschuss zu melden. – Punkt. Das ist alles, was drinnen steht.

Jetzt frage ich Sie nur zwischendurch, Herr Finanzminister: Sind das die Berater, die Sie auch in Ihrer sonstigen Ressortführung beraten? Sind das die Berater, die Sie auch bei der Steuerreform beraten? Beim Nulldefizit? Bei der Voest-Privatisierung? Beim Bundesimmobilienverkauf? (Rufe bei der SPÖ: Eurofighter!) Und vielleicht bei der Eurofighter- – und das Gericht sagt mir, ich darf es sagen – -Schiebung?

Sind das diese Berater? – Dann gibt es zum ersten Mal einen Hinweis darauf, warum an der Spitze dieses Ressorts so viel falsch entschieden wird: Es sind die schlechten Berater!

Nur: Was ist das für ein Minister, der keine Konsequenzen daraus zieht, der sagt: Ich habe besonders schlechte Berater; die sind nicht einmal in der Lage, einen Absatz eines einfachen Gesetzes ordnungsgemäß zu lesen, aber mit denen privatisiere und


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verkaufe ich jetzt weiter die Bundesimmobilien!? (Abg. Öllinger: Er zieht ja Konse­quenzen: noch mehr Berater!)

Das ist die Frage, auf die Karl Öllinger zu Recht hinweist. Ist Ihre Antwort darauf: noch mehr Beratungsverträge? Noch mehr Beratungsverträge an befreundete Firmen? Noch mehr Beratungsverträge an Firmen, die dann bei Gelegenheit öffentlich erklären und bestätigen, dass steuerlich alles in Ordnung sei, obwohl alle Experten sagen, dass genau das Gegenteil der Fall ist? Ist das dann wieder der Weg? Und ist das die Kon­se­quenz?

Ich komme zurück auf den Anlassfall. – Herr Finanzminister! Wir haben Grund zur An­nahme, dass Sie nach wie vor das Unvereinbarkeitsgesetz nicht beachten und die österreichische Bundesverfassung weiter verletzen. Der Grund ist ganz einfach: Sie sind nicht nur verpflichtet, Ihr aktuelles Portefeuille zu melden. Sie sind nicht nur verpflichtet zu melden, was Sie jetzt gerade haben. Sie sind verpflichtet, dem öster­reichischen Nationalrat zu melden, was Sie gehabt haben, was Sie besessen haben, was Sie erworben haben und was Sie veräußert haben seit Beginn Ihrer Funktion als Bundesminister für Finanzen dieser Republik. – Nach wie vor sind Sie dieser Melde­pflicht nicht nachgekommen.

Nach wie vor halten Sie wesentliche Teile, zumindest Ihres ehemaligen Aktienbesitzes, geheim – und jetzt stellt sich die Frage: warum? –, weil in Ihrer aktuellen Meldung – und das könnte eine Erklärung sein – etwa YLine nicht drinnen steht und weil mög­licherweise andere Aktien auch nicht drinnen stehen, die für Sie ein wesentlich größeres politisches Problem begründen können, als es irgendwelche kanadischen oder südamerikanischen Bergbauaktien sind. Da können Sie schon argumentieren, dass der Einfluss des österreichischen Finanzministers auf den kanadischen Bergbau vernachlässigbar klein ist. Sie können aber nicht argumentieren, dass der Einfluss des österreichischen Finanzministers auf die Auftragsvergabe des Finanzministeriums an Firmen, an denen der Finanzminister Anteile besitzt, verschwindend gering ist. Da handelt es sich um den entscheidenden Einfluss.

Da gibt es etwa die Firma FirstInEx, und da gibt es auch andere Firmen, und da gibt es YLine, und da gibt es Gutachter, und da gibt es nahe stehende sonstige Firmen, Wirtschaftsprüfer, und, und, und. Und da stellt sich die Frage, ob nicht das, was Ihnen gehört oder gehört hat, Interesse begründet hat an dem, was Sie tun, was Sie vergeben und was Sie entscheiden.

Wenn Sie heute sagen: Nein, ich habe YLine rechtzeitig verkauft!, dann stellen sich zwei Fragen:

Erstens: Was war „rechtzeitig“? – Es gab nämlich eine einzige Bank, der Sie bei allen Beratungen vertrauen, und das ist die Bank Lehman Brothers. Egal ob Veräußerung der Bundesimmobilien oder sonst etwas: Immer müssen Lehman Brothers beraten. Lehman Brothers haben gesagt: Kauft YLine! – Finanzminister Grasser war einer der wenigen, die den Rat von Lehman Brothers in den Wind geschlagen haben und zu einem der letztmöglichen günstigen Zeitpunkte verkauft haben.

Das Zweite ist: Sie wissen, Herr Bundesminister, dass es sich bei YLine um den größten Fall mit Verdacht auf schweren und gewerbsmäßigen Betrug im Internet-Bereich in der Geschichte dieser Republik handelt.

Jetzt schreibt „profil“ in seiner jüngsten Ausgabe, es soll am Mittwoch im Finanzminis­terium zu einem bemerkenswerten Sechs-Augen-Gespräch gekommen sein. Angeb­liche Teilnehmer: Grasser, Böhm sowie Grassers Kabinettchef Matthias Winkler.

Wer Winkler ist, wissen wir, wer Grasser ist, wissen wir auch. Wer Böhm ist, wissen zumindest Sie, Herr Finanzminister, sehr gut: Herr Böhm war der ehemalige Chef von


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YLine, und gegen ihn laufen in erster Linie die gerichtlichen Vorerhebungen in dieser Causa.

Hat es dieses Treffen gegeben? – Sie haben dem nicht öffentlich widersprochen. – Und wenn ja: Wozu? Wozu genau vor einer Woche? Und warum, wie „profil“ weiter berichtet, passiert dann Folgendes?

Am Donnerstag, also einen Tag später jedenfalls, rief Grassers Sprecherin Petra Bergauer in der „profil“-Redaktion an und machte sich erbötig, ein geheimes Treffen mit Böhm zu arrangieren. Ihre Pressesprecherin, Herr Finanzminister, bietet „profil“ ein geheimes Treffen mit dem Hauptbetrugsverdächtigen in der Causa YLine an? Wozu vermitteln Sie? Was vermitteln Sie? Und welches Interesse haben Sie, damit „profil“ die Causa Böhm und YLine möglicherweise aus einer anderen Perspektive sieht?

Und wenn die andere Perspektive die des Verdächtigen Böhm ist, warum setzen Sie sich für diese Perspektive ein und mobilisieren Ihre Pressesprecherin, um diese Sichtweise „profil“ nahe zu bringen? Stimmt das? Oder stimmt das nicht? Und wenn es stimmt, Herr Finanzminister, dann haben Sie auch in diesem Punkt Erklärungsbedarf, weil das dann der nächste Hinweis darauf ist, dass die Causa YLine auch für Sie persönlich und politisch längst nicht abgeschlossen ist. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Und dann fragt man sich weiter: Sind es nur diese Firmen? Ist es nur die Meldepflicht? Gibt es bei der Meldepflicht noch mehr? Haben Sie dem Rechnungshof ordentlich und ordnungsgemäß möglichen Immobilienbesitz gemeldet? Haben Sie die Öffentlichkeit und den Nationalrat über Anteile an Fonds oder Stiftungen informiert? Und haben Sie den Nationalrat informiert über Ihre Nähe zu bestimmten Treuhändern? Und haben Sie die Frage beantwortet, ob vielleicht Treuhänder in bestimmten Bereichen für Sie tätig werden?

Haben Sie endlich – und da schließt sich ein bestimmter Bogen – beantwortet, was Ihr persönliches Interesse ist, das Sie dazu gebracht hat, die Vergabe der Eurofighter – und das ist nach wie vor die größte Investition der Republik Österreich – zumindest zwei Mal in äußerst problematischer Art und Weise zu beeinflussen und zu mani­pulieren – erstens bei der Beeinflussung der Ausschreibung, zweitens bei der Beein­flus­sung der Vergabe?

Wir haben immer gefragt: Warum hat sich hier der Finanzminister so engagiert? Wa­rum hat der Finanzminister so vehement für das teuerste Flugzeug gekämpft? Warum hat der Finanzminister den Chef von EADS, der Flugzeugherstellerfirma, getroffen? Warum hat der Finanzminister wiederholt den Chef der Mutter Daimler-Chrysler getrof­fen? Ist der Finanzminister zuständig für militärische Luftfahrtindustrie? Ist der Finanz­minister zuständig für internationale Automobilindustrie? Warum trifft er sich mit diesen Herren, für die normalerweise sachlich entweder der Bundeskanzler oder der Wirt­schafts­minister oder der Verkehrsminister zuständig wären? – Vielleicht noch andere, aber mit Sicherheit nicht der Finanzminister, wenn er nicht bereit ist, die Frage der Steuerbelastung oder der steuerlichen Verpflichtung dieser Unternehmen zu diskutie­ren, und das sollte doch normalerweise eher ein Fall fürs Finanzamt und nicht für den Ressortchef sein.

Also: Warum hat es diese Treffen gegeben? Und welche Rolle haben Treuhänder ge­spielt? Und welche Rolle spielt der Treuhänder Michael Feichtinger in Vaduz, einer der größten Treuhänder Liechtensteins? Und welche Rolle spielt der Grasser-Freund Feich­tinger auf allen Yachturlauben, bei den berühmten Philharmoniker-Essen im Fi­nanz­ministerium und möglicherweise auch bei Treffen mit Daimler-Chrysler-Chef Schrempp und anderen? Gibt es da wirtschaftliche Verbindungen neben den engen


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freundschaftlichen Verbindungen? Was läuft hier? Und wie ist das Interesse an der Eurofighter-Entscheidung begründet?

Das sind Fragen, Herr Finanzminister, die Sie bis heute nicht beantworten konnten. (Abg. Murauer: Sie wünschen sich Antworten, die es nicht gibt!) Sie konnten nicht beantworten, warum etwa im Vorwort des Rechnungshof-Rohberichtes, den der Vertei­digungsminister irrtümlich so stolz präsentiert hat, drinsteht, dass eigentlich entschei­dend für die Vergabe nicht das Votum des Verteidigungsministers, sondern jenes des Fi­nanzministers war. Woher kommt dieses unglaubliche Interesse, genau dieses Flug­zeug zu kaufen? Und können Sie uns über diese Hintergründe heute genauer Auskunft geben?

Wir versuchen es jedenfalls mit diesen Fragen und gehen davon aus, dass Sie zumin­dest heute einen Versuch machen werden, einen Teil dieser Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Sie können nachschauen, wo Sie wollen, Sie können untersuchen, was Sie wollen: Das Erstaunliche beim System Grasser ist, dass Sie, egal wo Sie mit einer Recherche beginnen, nach kürzester Zeit etwas finden. Ich wäre nicht so leicht auf die Idee gekommen, dass schon die einfache Nachfrage nach Vorträgen nach einer wirklich sehr kurzen Recherche zum begründeten Verdacht führt, dass hier die Steuerpflicht verletzt worden ist, und zum begründeten Verdacht führt, dass sich der Finanzminister gegen Geld selbst als Referent anbietet.

Ich hätte nicht geglaubt, dass die einfache Nachfrage der SPÖ im Rahmen einer Dring­lichen Anfrage dazu führt, dass man erfährt, dass eine Interessenvertretung per­sönliche Einrichtungen, eine persönliche Website des Finanzministers finanziert.

Ich hätte nicht geglaubt, dass es so einfach ist, egal wo man sucht, immer wieder auf Unvereinbarkeiten, auf Ungereimtheiten, auf problematische Zustände und manchmal auch auf Hinweise auf gesetzwidriges Vorgehen zu stoßen.

Und deswegen lohnt es sich, nicht nur über Einzelfälle zu sprechen und nicht nur Einzelfälle zu untersuchen, sondern zu untersuchen, was eigentlich das System Gras­ser ist, diese Friends Economy, und wie sich eigentlich ein System wie das System von Karl-Heinz Grasser mit seinen verschiedenen Freundesgruppen unter Duldung durch die beiden Regierungsparteien in dieser Republik so ungehemmt entwickeln konnte.

Es lohnt sich, nachzufragen, wie so leichtfertig von einem Finanzminister an Freunde Aufsichtsratsposten, Vorstandsposten, Untersuchungsaufträge, Beratungsverträge, Gestaltungsaufträge und, und, und vergeben werden konnten.

Es lohnt sich, nachzufragen, warum hier die Kontrolle innerhalb des Ressorts und im Rahmen der Bundesregierung überhaupt nicht mehr funktioniert hat.

Es lohnt sich, nachzuforschen, warum – und ich kenne keinen ähnlichen Fall, trotz vieler Skandale in der Vergangenheit! – es einen Ressortchef gibt, der offensichtlich davon überzeugt ist, in jeder Hinsicht über den österreichischen Gesetzen und den Zuständigkeiten des österreichischen Parlaments zu stehen.

Es lohnt sich, nachzufragen, warum Sie der Meinung sind, dass unsere Fragen nicht das ureigenste Interesse und die Aufgabe der Opposition sind, sondern die Beläs­tigung eines Finanzministers, der das Parlament für ein Theater hält und es öffentlich als solches bezeichnet hat. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Deshalb verstehe ich Sie, meine Damen und Herren – insbesondere von der Frei­heitlichen Partei – nicht. Warum hindern Sie den Nationalrat an einer so wichtigen Aufgabe, nämlich gerade in solchen Situationen zu kontrollieren, zu schauen: Was ist passiert, was kann man noch verhindern, was kann man in Ordnung bringen, wer muss


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auch politisch zur Verantwortung gezogen werden, wie kann man in Zukunft Ähnliches verhindern? Warum hindern Sie den Nationalrat an einer seiner wichtigsten kontrol­lierenden Aufgaben? Warum sind Sie nach wie vor nicht bereit, einem Untersuchungs­ausschuss zuzustimmen? Wenn Sie noch lange nicht zustimmen, wird die Freiheitliche Partei so schmelzen, dass sie in Zukunft in solchen Fragen nicht mehr mehrheits­bildend sein wird. Tun Sie es rechtzeitig! Schauen Sie, dass Sie einen Rest von politi­scher Kompetenz in diesem Haus aufrechterhalten. Stimmen Sie diesem Untersu­chungs­ausschuss zu! Lassen Sie das Parlament endlich arbeiten!

Herr Abgeordneter Scheibner! Wir haben oft gemeinsam für Untersuchungsaus­schüs­se argumentiert. In letzter Zeit erklären Sie öffentlich – und ich verstehe das nicht –, eine Regierungspartei könne das ja anders klären, sie brauche keinen Untersuchungs­ausschuss. (Abg. Scheibner: Nein, den Misstrauensantrag!) Sie haben das auch beim Untersuchungsausschuss gesagt!

Das ist ein wichtiger Punkt, Herr Abgeordneter Scheibner, denn das heißt, solange das ein Mehrheitsrecht ist, kann es gar keinen Untersuchungsausschuss geben. (Abg. Scheib­ner: Wenn was daliegt, dann stimmen wir dafür! Es liegt schon etwas da, aber nicht für einen Untersuchungsausschuss!)

Ich komme zum Schluss. – Herr Bundesminister! Sie sind falsch beraten worden. Sie haben bei Ihrem eigenen Aktienbesitz falsch berechnet, sogar um den Faktor tausend. Sie haben viele Male – nicht einmal, sondern mehrmals! – den Nationalrat falsch infor­miert. Wir haben wiederholt begründet, warum wir Sie für dieses Amt für äußerst un­geeignet halten. Wir hoffen, dass Sie zumindest heute einige der vorliegenden Fragen korrekt beantworten.

Ich sage Ihnen aber zum Schluss eines dazu, unabhängig davon: Mit einer ÖBB-Re­form, einer Postreform und insbesondere einem drohenden Billigverkauf der Bundes­im­mobilien an ganz bestimmte Interessengruppen in Sichtweite geht es für uns nicht nur darum, diese Fragen zu klären – das ist unsere erste wichtige Aufgabe –, sondern auch darum, weiteren Schaden von dieser Republik abzuwenden. Und das geht nur dann, wenn der Finanzminister nicht mehr Karl-Heinz Grasser heißt! – Danke. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

15.20

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Abgeordneter, Sie haben im Zuge Ihrer Einleitung ein Wort, das den Ausdruck „Schiebung“ et cetera enthielt, in den Mund genommen. Der Klubobmann der ÖVP hat hiefür einen Ordnungsruf angeregt. Ich werde das Pro­tokoll herbeischaffen lassen und, sobald ich es habe, darüber befinden.

Zur Beantwortung der Anfrage hat sich Herr Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser zu Wort gemeldet. Die Redezeit soll 20 Minuten nicht überschreiten. – Herr Bundesminister, Sie sind am Wort.

 


15.21

Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Herr Präsident! Herr Bun­deskanzler! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeord­ne­ten! Ich darf und muss – nicht zum ersten Mal, leider Gottes – auch heute die mehrfach infamen und unwahren Unterstellungen und Vorwürfe des Herrn Abgeordneten Pilz in aller Deutlichkeit zurückweisen. (Abg. Schieder: „Infam“?! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ und den Grünen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Minister! „Infam“ ist kein Wort, das wir hier verwen­den, auch nicht von der Regierungsbank aus!

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser (fortsetzend): Ich ziehe es gerne zurück: Dann darf ich die unrichtigen und unwahren Unterstellungen und Vor-


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wür­fe in aller Deutlichkeit zurückweisen. Ich darf Ihnen sagen, Herr Abgeordneter Pilz: Wenn man seriöse Sacharbeit zu 100 Prozent durch Polemik und durch Zynismus ersetzt, dann bleibt von Ihrer Glaubwürdigkeit genau null übrig! Es ist eigentlich schade für einen Abgeordneten, wenn er jeden Wettbewerb der Ideen, wenn er jede Kon­frontation in der Sache aufgegeben hat.

Was den zweiten Punkt betrifft, nämlich die Meldung an den Unvereinbarkeits­aus­schuss, so ist es mir ein Anliegen, das Hohe Haus darüber zu informieren, wie sich das zugetragen hat und warum es zu dieser Nichtmeldung beziehungsweise Fehlmeldung gekommen ist. (Abg. Öllinger: Mehrmalig!) Ich beantworte damit auch gleichzeitig die Frage 7 Ihrer Dringlichen Anfrage.

Ich habe damals den Fragebogen bekommen. Ich habe mich mit den Mitarbeitern meines Hauses zusammengesetzt, habe diesen Fragebogen ausgefüllt und bin zu dem Punkt gekommen, wo es heißt „Anteilsrechte an Unternehmen“. Ich habe damals klar dargestellt, welche Aktien ich an welchen Unternehmen habe – alles Positionen, wie Sie mittlerweile wissen, in einer Größenordnung zwischen 0,6 Prozent Anteil am jeweiligen Unternehmen und 0,00-irgendwas Prozent. Es handelt sich also um sehr kleine Anteile an Unternehmen.

Die Auskunft, die ich dann bekommen habe, war, dass ich diese Anteile nicht melden müsste, weil man von Seiten der Mitarbeiter meines Hauses (Abg. Dr. Kräuter: Von wem genau? Wer hat Sie beraten?) in Bezug auf § 3 des Unvereinbarkeitsgesetzes die Rechtsauffassung vertreten hat, dass er in eine Richtung abzielen würde, dass nur der Besitz jener Anteile zu melden ist, der eine bestimmte Höhe überschreitet (Abg. Öl­linger: Stimmt ja nicht!) und dadurch die Einflussnahme auf ein Unternehmen ermög­licht. Das wurde mir gesagt.

Ich will Ihnen nur erklären, wie es passiert ist. – Ich darf Ihnen sagen, mir ist das plausibel erschienen, weil „Unvereinbarkeitsgesetz“ schon von der Semantik her bedeutet: Wann kann etwas unvereinbar mit der Verantwortung und der Position eines Finanzministers sein? Wenn Sie weiter im § 3 des Unvereinbarkeitsgesetzes lesen (Abg. Öllinger: 3a!), dann wissen Sie, dass dort auch geregelt ist: Wenn ein Regie­rungsmitglied an einem Unternehmen beteiligt ist und diese Beteiligung an dem Unter­nehmen kleiner als 25 Prozent ist, dann darf zum Beispiel dieses Unternehmen, an dem beispielsweise das Regierungsmitglied mit bis zu 24 Prozent beteiligt sein könnte, bei öffentlichen Aufträgen und bei der Vergabe solcher Aufträge nicht diskriminiert wer­den.

Das heißt, der Gesetzgeber hat offensichtlich – schließe ich – eine Grenze bei 25 Pro­zent gezogen insofern, als Einflussnahme auf ein Unternehmen als Bevorzugung beurteilt wird.

Wie auch immer, meine Damen und Herren: Ich nehme selbstverständlich zur Kennt­nis, dass es eine falsche Rechtsauffassung war, die ich hier in finaler Verantwortung ausgelegt habe. Ich betone Ihnen gegenüber aber in aller Deutlichkeit: Ich wollte über­haupt nichts verheimlichen, ganz im Gegenteil. Sie wissen, es gibt eine zweite Mel­dung im Sinne des Unvereinbarkeitsgesetzes, die wir an den Präsidenten des Rech­nungshofes zu übergeben haben, was das Vermögen des jeweiligen Regierungsmit­gliedes betrifft.

Ich möchte auch an dieser Stelle noch einmal sagen: Die Meldung meines Kapital­ver­mögens hat selbstverständlich auch wertmäßig alle meine Aktien beinhaltet. Das heißt, das Kapitalvermögen, das ich dem Rechnungshofpräsidenten bekannt gegeben habe, hat selbstverständlich auch diese Aktien wertmäßig beinhaltet.


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Außerdem lege ich Wert auf die Feststellung, dass ich alle Aktien offen gelegt habe, dass ich die Meldung an den Unvereinbarkeitsausschuss nachgeholt habe, dass es letzten Freitag, wie Sie wissen, diese Sitzung des Unvereinbarkeitsausschusses ge­geben hat. Dort hat man mein Aktienportefeuille zur Kenntnis genommen und damit sehr klar bestätigt, dass es keine Unvereinbarkeit dieser Aktien mit meiner Ver­antwortung als Finanzminister gibt. Darauf lege ich Wert, meine Damen und Herren, dass ich inhaltlich, was das Unvereinbarkeitsgesetz betrifft, die Vorgaben dieses Ge­setzes stets eingehalten habe. Das ist aus meiner Sicht das wirklich Entscheidende! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Schließlich, meine Damen und Herren, gestatten Sie ein offenes Wort:

„Ich bin dafür, dass man die Funktion eines Regierungsmitglieds nicht mit Schikanen versieht, die den Kreis jener Personen, die sich für diese Position zur Verfügung stellen, so einschränken, wie es für die res publica nicht nützlich sein kann.“

Niemand Geringerer als unser Präsident Heinz Fischer hat das gesagt, wie Sie wahr­scheinlich wissen, nämlich im Jahre 1991. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.) Damals hat es einen vergleichbaren Fall gegeben. (Abg. Dr. Ja­rolim: Sie sollten seriös bleiben!) Die Vorgangsweise, die damals von einem Regie­rungsmitglied gewählt worden ist, nämlich eine Nachmeldung von Beteiligungen vorzu­nehmen und eine Erklärung vor dem Nationalrat abzugeben, „hält Präsident Fischer für richtig“, wird er zitiert. „Er gehe mit einem Vertrauensvorschuss an“ diese Frage „heran.“

Zur Wertigkeit dieser ganzen Thematik: Ja, es war ein Formalfehler (Abg. Öllinger: Nein, kein Formalfehler!), aber ich lege Wert darauf: Der Inhalt des Gesetzes, die Substanz des Gesetzes wurde selbstverständlich immer eingehalten.

Meine Damen und Herren! Was die Fragen im Einzelnen betrifft, so möchte ich vor­ausschicken, dass ich die Fragen nach meinen Vermögensverhältnissen in den Schrei­ben an den Vorsitzenden des parlamentarischen Unvereinbarkeitsausschusses des Na­tional­rates beantwortet habe, beziehungsweise sind Ihnen ja auch, zumindest den Teilnehmern dieses Ausschusses, die Ergebnisse der vertraulichen Beratungen – eigentlich sollten sie vertraulich sein – dieses Ausschusses am 17. Oktober 2003 be­kannt. Sie wissen daher auch, dass es diese Unvereinbarkeit, wie ich bereits gesagt habe, nicht gegeben hat, zu keinem Zeitpunkt!

Ich möchte vorausschicken, dass ich Fragen nach meinen persönlichen Vermö­gens­verhältnissen und danach, mit welchen Personen ich privat Umgang pflege, nicht be­antworten werde, weil sie meine persönlichen Verhältnisse betreffen und weil sie daher grundsätzlich dem § 90 des Geschäftsordnungsgesetzes nicht unterliegen, dieser da­her nicht anwendbar ist.

Was die Fragen, die ich nicht beantworte, betrifft, möchte ich hinzufügen, dass ich mich selbstverständlich an alle gesetzlich vorgesehenen Meldepflichten voll und ganz halte, sowohl was den Unvereinbarkeitsausschuss auf der einen Seite als auch den Präsi­denten des Rechnungshofes auf der anderen Seite betrifft.

Zu den Fragen 1 bis 4:

Hiezu darf ich auf meine Schreiben an den Vorsitzenden des Unvereinbarkeits­aus­schusses vom Oktober dieses Jahres und auf das Ergebnis der Beratungen dieses Ausschusses vom 17. Oktober 2003 verweisen. Daher nochmals auch im Sinne dieser vier Fragen: Es lag und liegt in keinem einzigen Fall eine Unvereinbarkeit mit meiner Funktion als Finanzminister vor. (Abg. Dr. Pilz: Sie haben nichts gemeldet!) Im Übrigen sind diese Beteiligungen wertmäßig auch in den laufenden Meldungen an den Prä-


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sidenten des Rechnungshofes enthalten. (Abg. Dr. Pilz: Ein Bekenntnis zur Gesetzes­verletzung!)

Was die Fragen 5 und 6 betrifft, habe ich alle Beteiligungen im Sinne des Unverein­barkeitsgesetzes dem dafür zuständigen Unvereinbarkeitsausschuss mit den Schrei­ben vom Oktober 2003 gemeldet. Dieser Unvereinbarkeitsausschuss, in dem auch Vertreter der Oppositionsparteien vertreten sind, hat meine Meldung, wie Sie wissen, zur Kenntnis genommen.

Die Frage 7 habe ich bereits in meiner Einleitung beantwortet.

Was die Fragen 8 und 9 betrifft, möchte ich sagen: Auch diese Fragen unterliegen, Herr Abgeordneter, wie Sie wahrscheinlich wissen, nicht dem parlamentarischen Inter­pellationsrecht. Ich verweise nochmals auf meine Meldungen gemäß § 3a Unverein­bar­keitsgesetz an den Herrn Präsidenten des Rechnungshofes und gemäß § 3a Unvereinbarkeitsgesetz, was den Ausschuss betrifft.

Ich darf Ihnen darüber hinaus sagen, Herr Abgeordneter: Selbstverständlich habe ich meinen gesamten Immobilienbesitz dem Präsidenten des Rechnungshofes gemeldet.

Was die Frage 10 betrifft, so möchte ich ausführen, dass man an einer Stiftung – im Gegensatz zu Ihrer Fragestellung; schauen Sie sich das Gesetz an! – nicht beteiligt sein kann, sondern man kann im Sinne des Gesetzes bei einer Stiftung nur entweder Stifter sein oder als Begünstigter auftreten. (Abg. Dr. Puswald: Wortklauberei!) Ich habe keine derartige Funktion. Im Übrigen unterliegt auch diese Frage nicht dem Fra­ge­recht gemäß § 90 Geschäftsordnungsgesetz. (Abg. Dr. Pilz: Warum geben Sie dann eine Antwort?) Weil ich mir gedacht habe, ich will Ihnen einmal etwas Gutes tun, Herr Abgeordneter, und Ihre Neugier befriedigen, weil ich überhaupt nichts zu verbergen habe. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Was die Frage 11 betrifft, verweise ich auf meine Meldungen an den Vorsitzenden des Unvereinbarkeitsausschusses sowie auf meine Meldung an den Herrn Präsidenten des Rechnungshofes.

Was die Fragen 12 bis 16 betrifft, so sind dies Fragen nach Umständen meiner pri­vaten Lebensführung und sind daher ebenso vom Fragerecht nach § 90 GOG-NR nicht umfasst. – Ich sage Ihnen aber auch hier, Herr Abgeordneter, dass keine Ver­mögenswerte oder Anteile von mir über einen Vaduzer Treuhänder oder über einen anderen gehalten werden. Ich habe keinen Treuhänder zur Verwaltung meines priva­ten Vermögens; leider ist es nicht groß genug dafür!

Was die Frage betreffend Rechtsanwalt Dr. Medwed betrifft, möchte ich Ihnen eine Klarstellung von Dr. Medwed selbst vorlesen, die dieser an das Magazin „NEWS“ geschickt hat. Ich lese Ihnen den entscheidenden Punkt vor. Dr. Medwed schreibt an Herrn Kuch, einen Journalisten von „NEWS“:

Ich habe für Herrn Minister Grasser niemals Aktien oder sonstige Wertpapiere gehalten: weder direkt noch indirekt. Ich habe Minister Grasser bis zum heutigen Zeitpunkt auch nicht anwaltlich vertreten. – So die maßgebliche Aussage von Dr. Medwed.

Was die Fragen 17 bis 20 betrifft, muss ich Ihnen ehrlich sagen: In den Fragestellun­gen, die Sie in dieser Anfrage verarbeitet haben, wird mit einem derartigen Ausmaß an ungeheuerlichen Unterstellungen und Unwahrheiten gearbeitet, sodass ich das auf das Schärfste zurückweise.

Und wenn ich mir die Frage 19 anschaue, die ich da jetzt spezifisch meine, in der es heißt – ich zitiere –: „Warum haben Sie zur Besprechung mit dem Chef von Daimler Chrysler und damit dem Eigentümervertreter von EADS Ihren Treuhänder


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beigezogen?“, kann ich dazu nur sagen: Verzeihen Sie, ich habe den Eindruck, Sie lesen zu viele Kriminalromane. Wie der Schelm denkt, so ist er offensichtlich.

Zur Beantwortung selbst: Erstens haben Sie die Unwahrheit unterstellt, weil es nie ein Dreiertreffen zwischen Michael Feichtinger, Jürgen Schrempp und mir gegeben hat, wie Sie das in Frage 17 unterstellen. Zweitens habe ich, wie ich bereits in Beant­wortung der Fragen 12 bis 16 ausgedrückt habe, keinen Treuhänder. Drittens sagen Sie die Unwahrheit auch insofern, als ich zu einer Besprechung mit Schrempp selbst­verständlich keinen Treuhänder beigezogen habe. Viertens, was die Aussagen zur Eu­ro­fighter-Entscheidung betrifft: Ich verweise nochmals auf eine Vielzahl von Beantwor­tun­gen von Dringlichen Anfragen, und zwar sowohl durch den Bundesminister für Landesverteidigung als auch durch mich selbst, in dieser Angelegenheit.

Herr Abgeordneter Pilz, ich ersuche Sie, dass Sie eine objektive Entscheidung in der Frage Eurofighter zur Kenntnis nehmen, eine Entscheidung, die auf der Grundlage eines nachvollziehbaren, transparenten, klaren und gesetzlichen Vergabeverfahrens zustande gekommen ist, eine Entscheidung, die mittlerweile, wie Sie wissen – auch auf Ihre Anregung hin –, durch ein unabhängiges Organ dieses Hauses, des Parlaments, nämlich durch den Rechnungshof, geprüft worden ist, eine Entscheidung, die in ihrer Summe bestätigt worden ist, wodurch Ihre Angriffe auf objektiver Basis entkräftet wurden! (Abg. Gradwohl: Das ist unrichtig, was Sie hier behaupten!)

Ich kann Sie nur dringend darum ersuchen: Unterlassen Sie in Hinkunft derartige Unterstellungen! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Im Übrigen, Herr Abgeordneter Pilz, habe ich Ihnen bereits an anderer Stelle, und zwar bei einer anderen Dringlichen Anfrage – man entwickelt ja eine gewisse Routine mit all diesen Dringlichen Anfragen –, gesagt: Egal, ob ich jetzt den Herrn Vorstands­vorsit­zenden von Daimler-Chrysler Schrempp oder den Herrn Vorstandsvorsitzenden von Mercedes Jürgen Hubbert, von Porsche den Herrn Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking treffe, ob ich Verantwortliche von Audi oder von Opel wie etwa den Herrn Vorstandsvorsitzenden Carl-Peter Forster oder viele andere nationale und interna­tiona­le Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Industrie treffe, so tue ich das im Interesse un­seres Landes, im Interesse des Wirtschaftsstandortes Österreich, im Interesse von In­vestitionen und im Interesse der Beschäftigten unseres Landes. Das, Herr Abgeord­neter Pilz, werde ich mir von Ihnen weder kriminalisieren noch verbieten lassen! Das ist gut für Österreich, was diesbezüglich an Treffen stattfindet. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Was die Fragen 21 bis 26 betrifft, möchte ich festhalten, dass ich als Finanzminister per­sönlich überhaupt keine externen Aufträge vergebe, sondern derartige Aufträge nach den im Bundesvergabegesetz vorgesehenen Verfahren von meinem Hause ver­geben werden. Natürlich bin ich Letztverantwortlicher, keine Frage.

Sie haben die YLine-Aktien angeführt. Ich habe vom 15. November 1999 bis zum 22. De­zember 2000 295 Stück YLine-Aktien besessen; damals ein Wert von rund 150 000 S beim Kauf, 210 000 S beim Verkauf.

Wenn Sie sich das anschauen, Herr Abgeordneter, und nur ein kleines Maß an Ob­jektivität versuchen, dann müssen Sie sagen – und das ist ja gar nicht positiv für mich als Finanzminister –: Ich habe diese Aktien wirklich zu einem Zeitpunkt verkauft, wo man sie eigentlich nicht verkauft, denn ich bin diese ganze Kursentwicklung sozusagen rauf- und dann auch wieder runtergefahren. Ich habe diese Aktien also zu einem möglichst schlechten Zeitpunkt verkauft, war außerdem ein wirklich unbedeutender Klein­aktionär und hatte mit diesem Unternehmen – im Gegensatz zu manchen Abge­ord­neten dieses Hauses – nichts zu tun.


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Was den Relaunch der Website des Bundesministeriums für Finanzen betrifft: Wir haben eine Vergabe gemacht, nach einem zweistufigen Verfahren nach dem Bun­desvergabegesetz. Es wurde die Firma FirstInEx mit einem solchen Auftrag betraut. Ich betone: Ich war nie an der Firma FirstInEx beteiligt, und ich stelle Ihnen die formelle Auftragsvergabe dar, damit Sie sehen, nach welch strengen Vergabevorschriften Auftragsvergaben im Bundesministerium für Finanzen erfolgen.

Wir haben die Vergabe nach einem zweistufigen Verfahren nach dem Bundes­ver­gabegesetz gemacht. Es hat zuerst eine öffentliche Erkundung des Bewerberkreises stattgefunden. Nach einem Auswahlverfahren anhand allgemeiner und spezieller Aus­wahl- und Eignungskriterien sollten jene Agenturen zur Angebotslegung eingeladen werden, die auf Grund ihrer Größe und Spezialisierung im Bereich Multimedia und Web-Gestaltung ausreichend Erfahrung mit vergleichbaren Internetprojekten vorweisen können und somit die notwendigen Kapazitäten und Qualifikationen für die Neukon­zeption und Neugestaltung der Website des Bundesministeriums für Finanzen auf­bringen konnten.

Sodann hat es eine Bekanntmachung gegeben im Supplement zum „Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften“; das war am 14. August 2000. Die Veröffentlichung in der „Wiener Zeitung“ hat am 21. August 2000 stattgefunden. Bis zum Endtermin 20. September 2000 hatten 15 Bewerber ihr Interesse bekundet.

Zweitens sind dann bei der Evaluierung der vorgelegten Bewerbungsunterlagen die Mitglieder der Kommission zur Ansicht gekommen, dass zur Sicherstellung eines möglichst breiten Wettbewerbs, damit man eben das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bekommt, zehn Bewerber zur Erstellung eines Angebots eingeladen werden. Zehn Firmen haben daher die Ausschreibungsunterlagen erhalten; neun Anbieter haben die Angebote fristgerecht vorgelegt.

Am 24. November 2000, und zwar um 10.30 Uhr, erfolgte eine kommissionelle Öffnung dieser Angebote. Am selben Tag erfolgte die Präsentation der Angebote vor einer fünfköpfigen Kommission des Bundesministeriums für Finanzen. Von den Mitgliedern der Kommission wurden diese einzelnen Angebote evaluiert, anhand der in den Ausschreibungsunterlagen festgelegten Kriterien bewertet, und im Zuge der Evaluierung beschloss die Kommission dann auch, vom Vorbehalt, nämlich nur Teilleistungen zu vergeben, Gebrauch zu machen. Es wurde zu einem Pauschalpreis vergeben. Der Bestbieter war, wie ich bereits gesagt habe, auf Grund der nach einem Punktesystem – sehr transparent, sehr objektiv, in einer strengen Kommission – erfolgten Bewertungen die Firma FirstInEx Internet Services AG. Der Auftrag hatte das stolze Volumen von 59 000 €.

Zur Frage 27:

Hinsichtlich meines Hauses verweise ich auf meine Beantwortung zu den Fragen 21 bis 26. – Was die Homepage des Vereins der New Economy anlangt, verweise ich auf die Vielzahl von Anfragebeantwortungen, in denen ich festgehalten habe, dass ich weder Mitglied des Vereins bin noch sonst eine Funktion innehabe, weshalb dieser Teil der Frage auch nicht dem Fragerecht gemäß § 90 GOG unterliegt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, abschließend: Frau Abgeordnete Helene Partik-Pablé hat einmal zu dieser Serie von Dringlichen Anfragen, zu dieser Hetzjagd auf meine Person, wie sie sich für mich darstellt, gesagt beziehungsweise dies so interpretiert, dass die Kritik die Steuer ist, die der Neid dem Talent auferlegt. (Abg. Dr. Jarolim: Bleiben Sie bitte am Boden! – Abg. Dr. Kräuter: Peinlich!)

Ich habe bereits einmal für Herrn Abgeordneten Cap Giacomo Casanova zitiert. – Ich darf ein Zitat von Giacomo Casanova auch Ihnen widmen, Herr Abgeordneter Pilz.


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Casanova sagte, die Tochter des Neides ist die Verleumdung. (Abg. Gaál: Halten Sie sich an die Gesetze, dann passiert Ihnen das nicht!) Sie machen offensichtlich nichts anderes als das, was zum Beispiel der Politologe Filzmaier den Sozialdemokraten empfohlen hat, nämlich dass man ein negative campaigning machen soll – und Filz­maier hat damit nichts anderes gemeint als: Man soll beliebte Persönlichkeiten des politischen Gegners systematisch diskreditieren.

Und ich sage Ihnen, genau das ist die Methode: ganz bewusste Diskreditierung, ganz bewusste Kriminalisierung. Sie haben mehrfach Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft gemacht. Sie schütten an, Sie machen schlecht.

Ich sage Ihnen: Nichts davon ist wahr! Ich hatte einen Formalfehler gemacht, eine Nicht­meldung; dieser ist mittlerweile korrigiert. (Abg. Öllinger: Ein Verfassungsgesetz haben Sie nicht eingehalten!) Sonst habe ich mir überhaupt nichts vorzuwerfen!

Ich sage Ihnen: Keine Ihrer Verleumdungen hat mit der Wahrheit irgendetwas zu tun, und ich werde dieser Vernaderungskampagne ganz sicherlich auch nicht weichen.

Ganz im Gegenteil, meine Damen und Herren: Wir arbeiten mit aller Kraft für Öster­reich, wir treffen Entscheidungen, wir lösen Probleme, wir sichern die Zukunft. Messen Sie uns an den Leistungen!

Heute Vormittag wurde folgender Vergleich angestellt: Deutschland: null Wachstum, Rekordarbeitslosigkeit, Rekorddefizit. Österreich: Wachstum liegt um 50 Prozent über dem Wachstum des Durchschnitts der Europäischen Union, stabile Staatsfinanzen, sin­kende Steuern und Abgaben. – Das ist eine Leistung, die sich sehen lassen kann, und daran wird die Bevölkerung den Finanzminister messen. – Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

15.40

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zur Geschäftsbehandlung hat sich Herr Abgeordneter Van der Bellen zu Wort gemeldet.

 


15.41

Abgeordneter Dr. Alexander Van der Bellen (Grüne) (zur Geschäftsbehandlung): Herr Präsident! Als ich mich zu Wort gemeldet habe, wusste ich noch gar nicht, dass ich mehrere Anlässe habe, mich zur Geschäftsordnung zu Wort zu melden.

Erster Punkt: Für mich ist es neu, dass ein Bundesminister von der Regierungsbank aus einen Abgeordneten eines strafbaren Verhaltens beschuldigt. Verleumdung ist ein strafrechtlich relevantes Verhalten. Ich werde mich informieren, ob Sie, wenn Sie hier von der Regierungsbank aus sprechen, der Immunität eines Abgeordneten unterliegen. Wenn nicht, dann werden wir uns mit dieser Sache juristisch entsprechend auseinan­der zu setzen haben.

Ich kann nur wiederholen, Herr Finanzminister: Dieses Ihr Verhalten – ganz egal, ob wir jetzt inhaltlich einer Meinung sind oder nicht –, diese Wortwahl einem Abgeord­neten dieses Hauses gegenüber ist unerträglich. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Zweitens, Herr Präsident – und das war der ursprüngliche Grund meiner Wortmel­dung –: Ich weiß jetzt nicht, wie ich mit folgendem Problem umgehen soll, und ich denke, wir werden das in der Präsidiale zu behandeln haben: Wenn ich richtig gehört habe, dann hat der Finanzminister hier unter anderem unter mehrfacher Berufung auf § 90 GOG zu den Fragen 2 bis 6 behauptet, diese dem Ausschuss gegenüber beantwortet zu haben. – Meines Wissens hat er diese Fragen dem Unvereinbarkeits­ausschuss gegenüber nicht behandelt. Er hat dort zwar eine Vermögenserklärung abgegeben ...

 



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Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Abgeordneter, wenn Sie sich zur Geschäftsbe­handlung zu Wort melden, dann haben Sie einen Antrag zu stellen. Ich würde bitten, dass Sie einen Antrag stellen. Allgemeine Ausführungen zur Rede erfolgen in Wortmel­dungen am Rednerpult. – Bitte. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Mit dem Herrn Pilz soll er sich auseinandersetzen!)

 


Abgeordneter Dr. Alexander Van der Bellen (fortsetzend): Okay, mein Kollege Kogler wird sicher noch weiter darauf eingehen. Es wundert mich, Herr Präsident, dass Sie es anscheinend für kein Problem halten (Abg. Dr. Partik-Pablé: Sie sind das Problem!), wenn ein Finanzminister hier möglicherweise offensichtlich die Unwahrheit spricht, nämlich was sein Verhalten im Ausschuss betrifft, und uns das Gegenteil von dem erklärt, was Wahrheit ist. (Beifall bei den Grünen.)

15.43

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Abgeordneter Van der Bellen! Ich habe das Thema und den Gegenstand der Untersuchungsausschüsse, die heute von den Sozialde­mo­kraten und von den Grünen beantragt wurden, sehr einlässlich geprüft. Es ist mir natürlich klar, dass Sie die Absicht hatten, hier im Plenum die Fragen der Un­verein­barkeit zur Sprache zu bringen.

Die Angelegenheiten der Unvereinbarkeit sind kein Gegenstand der Vollziehung, kein Gegenstand der staatlichen Verwaltung, sondern Gegenstände des Parlaments, das über die Unvereinbarkeit wacht, und daher nicht Gegenstand eines Untersuchungs­aus­schus­ses.

Ihre Klubdirektoren haben Sie gut beraten, die Anträge sind so formuliert.

Was die Fragen betrifft, so hätte ich heute Früh schon die Möglichkeit gehabt, weil sie nämlich fast ausschließlich auf Dinge gerichtet sind, die nicht dem Fragerecht unter­liegen – und hier interpretiere ich § 90 der Geschäftsordnung so, wie das herrschende Praxis ist –, zu sagen, ich lasse dieses und dieses und dieses nicht zu.

Der Herr Finanzminister hat in seiner Anfragebeantwortung die Geschäftsordnung in­ter­pretiert. Ich stelle fest, dass ich diese Interpretation teile.

Zur Geschäftsbehandlung: Herr Abgeordneter Schieder.

 


15.44

Abgeordneter Peter Schieder (SPÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Sehr geehrter Herr Präsident! Selbst wenn man Ihrer Auffassung folgt, dass all diese Fragen betreffend die Erfüllung des Unvereinbarkeitsgesetzes hier nicht zu debattieren oder zu beantwor­ten sind, stellt sich doch erstens die Frage, ob es erlaubt ist, von der Regierungsbank aus zu sagen, man hätte einem Ausschuss des Parlaments etwas vorgelegt, wenn es nicht stimmt, dass all das tatsächlich diesem Ausschuss vorgelegt worden ist. (Abg. Scheibner: Woher wissen Sie das alles?) Von meinen Kollegen. (Abg. Scheibner: Das unterliegt der Vertraulichkeit!) Nein, die Tatsache, ob etwas vorgelegt wurde oder nicht, unterliegt nicht der Vertraulichkeit. Der Inhalt dessen unterliegt der Vertrau­lichkeit! Ich habe über die Tatsache gesprochen. (Beifall bei der SPÖ und den Grü­nen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Abgeordneter Schieder, ich würde Sie bitten, dass Sie auch die Geschäftsordnung beachten und einen Antrag stellen.

 


Abgeordneter Peter Schieder (fortsetzend): Herr Präsident! Ich stelle den Antrag, dass Sie hinsichtlich der Fragen 17 bis 20, die klarerweise dem Fragerecht und der Beantwortungspflicht unterliegen, und 21 bis 27, die auch nicht zur Gänze beantwortet worden sind – der Finanzminister hat zum Beispiel gesagt, er gebe keine Aufträge, sondern das mache das Finanzministerium, aber es wurde nicht darüber gesprochen,


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welche Aufträge –, den Finanzminister auffordern, diese Fragen zu beantworten. (Bei­fall bei der SPÖ und den Grünen.)

15.46

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Scheib­ner.

 


15.46

Abgeordneter Herbert Scheibner (Freiheitliche) (zur Geschäftsbehandlung): Herr Prä­si­dent! Meine Damen und Herren! Ich stelle jetzt wirklich geschäftsordnungsmäßig den Antrag, dass sich die Präsidiale in ihrer nächsten Sitzung noch einmal – und ich sage, anscheinend wird das leider notwendig sein – mit der Frage der Handhabung der Vertraulichkeit der im Unvereinbarkeitsausschuss getätigten Angaben, Diskussionen und Beschlüsse befasst. Wie wir sehen, berufen sich hier sogar Redner darauf, dass sie von Kollegen, anscheinend von Mitgliedern dieses Ausschusses, über Inhalte aus diesem Ausschuss informiert worden sind. (Abg. Schieder: Nicht über Inhalte! Über die Tatsache, ob er dem Ausschuss berichtet hat! Nicht über Inhalte!)

Also wenn Sie diese Dringliche Anfrage gelesen haben, dann müssen Sie erkannt haben, dass es hier nicht nur darum geht, ob etwas gemeldet worden ist oder nicht, sondern auch um Inhalte. Daher ist es notwendig, dass wir über diese Vertraulichkeit noch einmal in der Präsidiale befinden. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abge­ordneten der ÖVP.)

15.47

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weitere Wortmeldung zur Geschäftsbehandlung: Herr Abgeordneter Molterer.

 


15.47

Abgeordneter Mag. Wilhelm Molterer (ÖVP) (zur Geschäftsbehandlung): Herr Präsi­dent! Ich schließe mich dem Antrag des Kollegen Scheibner, dass wir das in der nächsten Präsidiale behandeln sollen, an. Ich halte aber fest:

Erstens: Die Unvereinbarkeitsfrage ist keine Frage der Vollziehung, sondern aus­schließlich eine Frage des Parlaments. (Zwischenruf des Abg. Schieder.)

Zweitens, Herr Kollege Schieder: Ich erinnere an die letzte Präsidiale, in der wir ganz klar festgehalten haben, dass für alle Fraktionen die Vertraulichkeit gilt. Meine, unsere Fraktion hält sich daran – offensichtlicht tun das nicht alle!

Drittens: Es gilt selbstverständlich § 90 der Geschäftsordnung.

Und viertens: Ich verweise auf § 91 der Geschäftsordnung, wonach es selbstver­ständ­lich dem Minister obliegt, eine Frage nicht zu beantworten, dann aber auch zu begrün­den, weshalb er das nicht tut. Insofern ist es vollkommen korrekt, wie Karl-Heinz Gras­ser hier geantwortet hat. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

15.48

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nachdem sich jetzt entsprechend unserer Praxis alle Klubobleute einmal zu Wort gemeldet haben, stelle ich zum Antrag des Herrn Abge­ordneten Schieder fest, dass dies kein Antrag zur Geschäftsbehandlung ist, wie er unserer Geschäftsordnung entspricht. (Abg. Dr. Fischer – auf Abg. Scheibner wei­send –: Das war ein Antrag?)

Ich darf noch einmal sagen – Sie waren nicht da, Herr Präsident Fischer –: Das war kein Antrag! Es wurde die Frage der Beantwortung der einzelnen Fragen durch den Minister releviert. Der Minister hat darauf hingewiesen, dass er nach § 90 der Ge­schäftsordnung nur verpflichtet sei, zu Fragen der Vollziehung Stellung zu nehmen. Ich


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habe diese Interpretation geteilt, die dem Präsidenten in Wahrung der Geschäfts­ord­nung obliegt, und habe Herrn Abgeordnetem Schieder das Wort erteilt.

Dieser hat einen Antrag gestellt, der ausschließlich die Vollziehung des Unverein­bar­keits­gesetzes betrifft (Abg. Schieder: Nein!) und die Zulassung dieser Fragen durch mich sowie die Aufforderung an mich, dafür zu sorgen, dass der Minister sie beant­wortet. (Abg. Schieder: Nein!) – Nun, welchen Antrag haben Sie gestellt?

 


15.49

Abgeordneter Peter Schieder (SPÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Ich habe beantragt, dass, wenn Sie sagen, er muss Fragen im Hinblick auf das Unvereinbarkeitsgesetz nicht beantworten, er zumindest jene Fragen beantworten muss, die die Vollziehung des Bundes betreffen. Und das sind die Fragen 17 folgende, aber auch diese hat er nicht zur Gänze beantwortet. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Zweitens, Herr Präsident, würde ich gerne jenen Passus in der Geschäftsordnung sehen, auf den Sie sich bezogen haben, als Sie gesagt haben, man darf sich nur dann zur Geschäftsbehandlung zu Wort melden, wenn man einen Antrag stellt. Dieser Pas­sus ist mir nicht bekannt, vielleicht können Sie ihn mir einmal zeigen. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

15.49

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Ich werde erstens der Anregung der Herren Abgeord­neten Scheibner und Molterer folgen und diese ganze Angelegenheit in der nächsten Präsidiale wieder zur Sprache bringen.

Zweitens, Herr Abgeordneter Schieder: Ich habe die Beantwortung der Fragen durch Minister Grasser sorgfältig verfolgt. Er hat alle Fragen von 1 bis 27 angesprochen. Ob er sie beantwortet hat und Sie mit dieser Antwort zufrieden sind, ist eine andere Sache. Das ist nicht Gegenstand der Geschäftsbehandlung.

Schlussendlich zur Frage, weshalb man zur Geschäftsbehandlung nur dann sprechen kann, wenn man einen Antrag stellt: Wir haben in der Präsidiale die Praxis festgelegt, dass wir eine Wortmeldung jeder Fraktion zulassen und dann die Debatte darüber schließen. Das ist die Praxis. (Abg. Dr. Jarolim: Das ist ein Skandal, Herr Präsident!)

*****

Wir kommen jetzt zur Debatte über die Dringliche Anfrage, und ich erteile Herrn Ab­geordnetem Mag. Kogler das Wort. Redezeit: 10 Minuten. – Herr Abgeordneter, Sie sind am Wort.

 


15.51

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Präsident! Meine Herren auf der Regierungsbank! Wieso es „Geschäftsordnung“ heißt, wenn es möglich ist, eine derar­tige Unordnung hineinzubringen, ist auch aufklärungsbedürftig.

Herr Präsident! Ich möchte darauf hinweisen – so viel sei mir schon gestattet –, dass die Kollegen Scheibner und Molterer darauf verwiesen haben, dass sich die Präsidiale mit irgendetwas befassen möge. Erstens ist dieser Hinweis schon einmal gekommen, und zweitens ist das auch kein Antrag zur Geschäftsordnung im Sinne des Geschäfts­ordnungsgesetzes. Somit hätte der betreffende Hinweis auch in diesem Fall Platz grei­fen können.

Aber beschäftigen wir uns vielleicht einfach damit, was der Herr Finanzminister gesagt und was er nicht gesagt hat, ohne in der Tat die Geschäftsordnung zu verletzen.


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Es ist schon interessant, dass die Anregung – Antrag hin oder her – des Kollegen Schieder nicht weiterverfolgt wird. Diese hat nämlich mit Unvereinbarkeit oder Verein­barkeit überhaupt nichts zu tun, denn er bezog sich auf die Fragen 17 bis 20, und darin geht es um Treffen des Herrn Finanzministers mit bestimmten Managern (Rufe bei der ÖVP: Er hat sie beantwortet!) – nein, nicht alle! –, von denen er selbst sagt, dass er solche Leute hauptsächlich deshalb trifft, weil das zu seinen Amtspflichten gehört. Trotzdem ist das nicht Gegenstand der Vollziehung? – Ich bitte um Aufklärung! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ. – Bundesminister Mag. Grasser: Ich habe sie beant­wortet!) Aber nicht alle! (Bundesminister Mag. Grasser: Na freilich!) Sie haben in Be­zug auf Fragen ähnlichen Zusammenhangs teilweise darauf verwiesen, das sei Ihre Privatangelegenheit.

Wie dem auch sei, ich habe wirklich Verständnis für Sie, Herr Finanzminister. Wir erin­nern uns an die Anfragenserie von Mai, Juni, Juli, die Sie hier schon leidvoll bedauert haben. Aber Sie sind tatsächlich von einem kleineren Problem zielsicher in das nächst­größere gesprungen – genau auf Grund dieser Anfragen-Serie. Auch damals ging es um Treffen, nicht mit Herrn Vorstandsvorsitzendem Schrempp von Daimler-Chrysler, nein, sondern mit Herrn Bischoff.

Auf eine Anfrage des Kollegen Pilz haben Sie geantwortet, diese Art von Treffen habe es nicht gegeben. Ein paar Tage später hat „NEWS“ aufgedeckt – und Sie haben das bis heute nicht dementiert –, dass Sie in diesem fraglichen Zeitraum Herrn Bischoff, seines Zeichens wichtiges Aufsichtsratsmitglied bei EADS, sehr wohl getroffen haben. Er ist sogar zu Ihnen ins Ministerium gefahren. Ein paar Tage vorher haben Sie gesagt, dieses Treffen habe es nicht gegeben. – Das ist doch sehr interessant! (Bundes­minis­ter Mag. Grasser: Habe ich nicht gesagt!) Haben Sie schon gesagt! Lesen Sie die Protokolle nach! Das hat Sie ja in dieses immer größere Schlamassel geführt!

Ich verstehe mittlerweile Ihre Zurückhaltung – wenigstens in diesem Punkt sind Sie ganz offensichtlich besser beraten worden –, trotzdem, wohlgemerkt, haben Sie hier nicht in allen Punkten richtig Auskunft gegeben, und darauf wollen wir uns jetzt kon­zentrieren.

Zunächst, damit wir es nicht vergessen, noch einmal zu dem erwähnten Treffen Gras­ser-Winkler-Böhm. Es hat erst vor kurzem stattgefunden, aber Sie haben überhaupt nichts dazu gesagt. (Bundesminister Mag. Grasser: Hat es nicht gegeben!) – Hat es auch nicht gegeben, gut! „profil“ ist aber meines Wissens noch nicht dementiert worden. Wenn doch, so habe ich es überhört, dann täte es mir Leid. Aber wir werden dieser Sache ebenso wie einigen anderen auch nachgehen. Immerhin hat das schon sehr oft dazu beigetragen, dass dann tatsächlich die Wahrheit ans Licht gekommen ist. Aber ich nehme Ihren Widerspruch einmal zur Kenntnis, es tut mir Leid, wenn ich das Dementi überhört habe.

Aber das ändert wiederum nichts daran, dass die Art und Weise, wie Sie hier mit dem Unvereinbarkeitsgesetz umgehen, nicht duldbar ist. Es ist nicht so, dass man einfach zur Tagesordnung übergehen und sagen kann, es sei nur ein Formfehler begangen worden, der Inhalt des Gesetzes sei immer eingehalten worden. Das Wesen dieses Unvereinbarkeitsgesetzes ist – und das ist immanent! –, dass es bestimmte Transpa­renz­gebote – wenn auch dann wieder vertraulich abgegrenzte – vorschreibt, sonst wäre es ja überhaupt ein Gesetz für das Christkind. Es ist immanenter Inhalt des Ge­set­zes, dass bestimmte Meldepflichten eingehalten werden, weil nämlich das Gesetz ansonsten seine Wirkung gar nicht entfalten kann.

Sie können sich nicht hierher stellen und von einem kleinen Formfehler reden, Herr Bundesminister, wenn diese doch sehr einfache Bestimmung ganz offensichtlich, und zwar lange Zeit hindurch – dem möchte ich mich jetzt einmal widmen: lange Zeit hin-


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durch! –, nicht eingehalten wurde. Eine so genannte Leermeldung zu einem bestimm­ten Zeitpunkt ist eine Sache, aber das Nicht-Ändern dieser Meldung ist ein andauern­der verfassungsbrecherischer Zustand, möchte ich fast sagen!

Jetzt kommen wir zu den Fragen 1 bis 6, die bereits als sehr heikel moniert wurden. Ich gehe nur darauf ein, was Sie hier gesagt haben, das dürfte offensichtlich zulässiger­weise Gegenstand der Debatte gewesen sein. Herr Bundesminister! Ich muss Sie darauf aufmerksam machen, und auch schon die Kollegen hier im Haus, dass Sie hier den Eindruck erwecken, dass eine Meldung zum Zeitpunkt x – irgendein Oktober, ich habe mir Ihre Meldung im Ausschuss gar nicht angesehen, ich sage es Ihnen ganz ehrlich – alles saniert, was vorher vorgefallen ist. – Das Gegenteil ist selbstverständlich richtig!

Das Interesse des Kollegen Pilz hat sich offensichtlich darauf gerichtet, welche Aktien oder – wie es einfacherweise im Gesetz heißt – sonstige Anteilsrechte oder Eigentü­mer­schaft von Anteilsrechten Sie zu jenem Zeitpunkt gehabt haben, zu dem Sie gesetzlich schon verpflichtet gewesen wären, es zu melden. Und da besteht ein Rie­sen­unterschied, was im Übrigen auch den Herrn Bundeskanzler betrifft, aber dieses Fenster lassen wir heute noch zu; es reicht die Zeit nicht. Es hilft nichts, wenn man am soundsovielten Oktober sagt: Ich habe jetzt keine Aktien mehr beziehungsweise ich habe diese und jene Aktien! Der Versuch der wirklichen Sanierung dieses, wie Sie sagen, Formfehlers, wie wir sagen, Verfassungsbruchs ist nie ehrlich unternommen worden. Das soll den Abgeordneten hier, die genauso betroffen gewesen sind von dieser Falschinformation, wie auch der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Das muss festgehalten werden! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Vielleicht gibt es ja auch einen Grund dafür, dass in der Sache selbst nicht weiter aufgeklärt wird. Bleiben wir kurz bei YLine. Sie haben ja im Unterschied zum Herrn Bundeskanzler immerhin eine Nachmeldung – wie Sie das nennen – fabriziert, was wieder einmal über die Öffentlichkeit geschah, worin Sie eben einen bestimmten Zu­stand zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgezeigt haben. Aber das hat nichts damit zu tun, was damals war. Wenn Sie hier jetzt erklären wollen, dass Sie sich betreffend YLine eigentlich selbst ein schlechtes Finanzzeugnis ausstellen, so hält sich mein Bedauern in Grenzen. Sie sind nämlich einer der weniger als 1 Prozent glücklichen Aktieninhaber von YLine, die immerhin noch einen erkennbaren, ja gar nicht so geringen Gewinn schlagen konnten. Von der weiteren Kursentwicklung haben Sie nicht gesprochen; die meisten, ja eine große Anzahl dieser Aktieninhaber sind in den Keller gefahren, bis die Aktie plötzlich nur mehr 1 € wert war.

Jetzt ist es natürlich von Interesse, wieso gerade Sie als Finanzminister ein paar Tage, bevor dieser Abschwung in Gang gekommen ist, noch mit Gewinn abgestoßen haben. Das ist die Frage und sonst gar nichts! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Zum Thema FirstInEx. Es ist vielleicht nicht der größte Vergabeauftrag, die Homepage des Finanzministeriums, wohlgemerkt, dieser Firma zu überantworten, aber dabei wird es wirklich heikel, denn da geht es genau um jene Punkte, auf die das Unverein­barkeitsgesetz – und zwar sinnvollerweise – abzielt. Es geht genau um diese Punkte. Möglicherweise sind die New Economy, der Verein und die zugehörige Homepage eine Privatsache – obwohl Sie doch deshalb steuerbefreit worden sind, weil das angeblich zum öffentlichen Amt gehört. Sei’s drum, mit den Widersprüchen werden wir uns später wieder beschäftigen. Aber ein Auftrag des Finanzministeriums ist ein Auftrag des Finanz­ministeriums – und Sie sind mittelbar an dieser Firma beteiligt gewesen! Das kön­nen Sie nicht wegwischen.

Wenn Sie jetzt sagen, das sei der Bestbieter gewesen, dann halte ich Ihnen entgegen, dass Ihnen der Rechnungshof in vielen Bereichen nachgewiesen hat, dass Sie nicht


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immer den Bestbieter genommen haben. Als Sie dabei ertappt wurden, haben Sie wieder ein Gutachterkarussell in Gang gesetzt – auf Steuerzahlerkosten! –, um den Rech­nungshof zu widerlegen. Das ist unglaublich, meine Herren und Damen! Ein Gutachten, das gegen die Vergabevorschriften bestellt wurde, ein weiteres Gutachten, das den Rechnungshof widerlegen soll – wo soll denn das noch hinführen? Das ganze Ressort wird in einer einzigen Gutachtertätigkeit aufgehen, und dann sind Sie immer noch so schlecht beraten?! – Also tauschen Sie sich selbst aus oder zumindest Ihre Mitarbeiter, entschließen Sie sich nur zu irgendetwas! (Beifall bei den Grünen.)

Da wir schon das Treffen mit Herrn Bischoff erwähnt haben, so ist es schon sehr ver­dächtig, wenn Sie bestimmte Dreierkonstellationen jetzt wieder abstreiten, unter anderem eine mit Herrn Feichtinger, Treuhänder in Vaduz. Wir werden jedenfalls der Sache nachgehen. Allerdings ist es noch kein Beweis, dass Sie hier sagen: Es war nicht so! Oft hat sich nämlich später herausgestellt, dass es dann doch so war. Also: Abwarten! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Letzter Punkt: Eurofighter. Angesichts von Aktenvermerken des Verteidigungsminis­teriums, aus denen nicht nur die Intervention des Finanzministeriums – Ihres Ka­binetts, des Herrn Christl – eindeutig hervorgehen, sondern in denen etwa, um nur ein Schmankerl zu nennen, auch erwähnt wird, dass Grasser am 13. Juli zu EADS fliegt und das BMF eine Woche später – im Jahre 2001, ein Jahr vor dem Hochwasser! – moniert, dass die 18-Stück-Variante kommen und die Ausschreibungsfrist gefälligst auf 18. Jänner 2002 verlängert werden soll – was dann im Übrigen auch passiert ist –, angesichts solcher Umstände wundern Sie sich, wenn Sie sich in diesem Zusam­menhang Fragen gefallen lassen müssen? Sie wollen wirklich bestreiten, dass das ein berechtigter Fragenkomplex ist?

Was haben all diese Treffen mit diesen Managern mit den Vorgangsweisen und Ein­fluss­nahmen des Finanzministeriums zu tun? Auch wenn Sie das nicht aufklären, irgend­wann wird es sich aufklären! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

16.01

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Kopf. 10 Minu­ten Redezeit. – Bitte.

 


16.01

Abgeordneter Karlheinz Kopf (ÖVP): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Geschätzte Herren Bundesminister! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist unbestritten und war auch nachzuempfinden, dass die Oppositions­parteien mit dem Ergebnis der Nationalratswahlen 2002 keine besondere Freude hatten. Analysen der SPÖ haben offenbar ergeben, dass einer der Erfolgsfaktoren im Wahlkampf speziell der ÖVP die Nominierung von Karl-Heinz Grasser zum auch künf­tigen Finanzminister war. Es gibt sogar eine Analyse innerhalb der SPÖ, die besagt, dass es ein Fehler gewesen sei, Karl-Heinz Grasser im Wahlkampf nicht persönlich zu attackieren.

Ich will jetzt gar nicht den Charakter bewerten, den man haben muss, um so etwas festzustellen (Abg. Dr. Fasslabend: Das ist unerhört!), aber der Ärger über diesen vermeintlichen Fehler muss schon riesengroß sein – auch heute noch! –, sonst wäre es für mich nicht erklärbar, dass man gegen einen amtierenden Bundesminister eine derartige Schmutzkübelkampagne fährt. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Sie folgen hier offenbar einem aus Amerika bekannten Konzept, nämlich dem so genannten dirty campaigning, also Schmutzkübelkampagnen zu fahren, nach dem Motto: „Man bewerfe eine angesehene, erfolgreiche Persön-


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lichkeit, des gegnerischen Lagers offenbar, so lange mit Schmutz (Abg. Gaál: Das ist ein Verfassungsbruch! – Abg. Dr. Wittmann: Ist das so normal, was da passiert?), bis sie tatsächlich schmutzig ist, zeige dann mit dem Finger auf sie und rufe: Jö schau, ist der schmutzig!“ – Ich gebe Ihnen in Ihrer Analyse Recht: Karl-Heinz Grasser war und ist ein erfolgreicher Finanzminister. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Frei­heitlichen.)

Zwei Nulldefizite, zwei Jahresabschlüsse ohne Neuverschuldung – so etwas haben wir seit vielen Jahren nicht mehr gekannt! (Rufe bei der SPÖ und den Grünen: Abgaben­quote!) Gleiches gilt für die inzwischen wieder auf das Niveau von 1995 gesunkene Steuer- und Abgabenquote, die Durchführung der bereits beschlossenen ersten Etappe der Steuerreform, und zwar für Kleinstverdiener bis zu 14 500 € ebenso wie für die Unternehmen, für den Wirtschaftsstandort eine Halbierung der Besteuerung auf nicht entnommene Gewinne und einer Abschaffung der 13. Umsatz­steuervoraus­zah­lung. Jetzt bereitet der Minister den zweiten Teil der wohl größten Steuerreform aller Zeiten in diesem Land vor – zur Standortsicherung, durch Senkung unserer Steuern.

Meine Damen und Herren von der Opposition! Es gibt, glaube ich, noch einen Grund dafür, warum Sie unseren Finanzminister so anschütten: Sie wollen natürlich von der Vergangenheit ablenken. Sie wollen davon ablenken, was alles sozialdemokratische Finanzminister dieses Landes in der Vergangenheit verursacht haben. Was war denn die große Überschrift über der Finanzpolitik der sozialdemokratischen Finanzminister? (Rufe bei der ÖVP: Schuldenpolitik!) – Schulden! Aber Schulden sind Zukunfts­ver­brauch, Schulden erzeugen Zinsbelastungen, welche uns wiederum den Handlungs­spielraum für Zukunftsinvestitionen nehmen. Man könnte diese Liste leicht fortsetzen: Verstaatlichten-Debakel während der SPÖ-Regierungsverantwortung, „Konsum“-Pleite in Ihrem Verantwortungsbereich.

Meine Damen und Herren! Die Experten sind sich längst darüber einig und haben geurteilt: Die SPÖ war mit dieser Politik auf dem Irrweg, Karl-Heinz Grasser ist mit seiner Politik auf dem richtigen Weg! (Beifall bei der ÖVP.)

Und es gibt noch einen weiteren Grund für diese Schmutzkübelkampagne, ganz nach dem Motto „Haltet den Dieb!“ – Lieber Kollege Matznetter, du schaffst es, medial sehr viel an heißer Luft zu erzeugen. Diese Luft, heiß, wie sie ist, steigt auf und verursacht tatsächlich Aufmerksamkeit. Das gibt dir ein Mäntelchen von Wirtschaftskompetenz. In der Tat, du zeigst wirklich wirtschaftliche Kompetenz, nämlich bei der Verfolgung und Verquickung privater Geschäftsinteressen mit den geschäftlichen Interessen der Partei (Oh-Rufe bei der ÖVP), und das in einem recht undurchsichtigen Geflecht, das noch mit Insiderwissen optimiert wird und ... (Abg. Dr. Puswald: Ist das der Versuch ...?) – Nein, das ist nur eine Feststellung von Tatsachen! Dieses wirtschaftliche SPÖ-Netz­werk ist in weiten Teilen ein Matznetter-Netzwerk (Aha-Rufe bei der ÖVP), wenngleich der rote Faden, der sich da durchzieht, nicht auf den ersten Blick erkennbar ist.

Herr Kollege Pilz! Wir wissen ja, Kollege Matznetter hat den Jahresabschluss bei YLine gemacht. Ich nehme doch wohl nicht an – ich halte das ausdrücklich fest! –, dass Sie mit dem Hinweis auf einen Betrugsfall gemeint haben, Kollege Matznetter hätte etwas damit zu tun. Ich sage ausdrücklich, ich nehme das nicht an. (Abg. Dr. Matznetter: Das muss der Herr Kollege Amon vor Gericht verantworten!)

Meine Damen und Herren! Österreichs Finanzpolitik unter Finanzminister Karl-Heinz Grasser ist eine Finanzpolitik der Stabilität und der Standortsicherung. Und wer es noch immer nicht glauben will, der mache den Vergleich mit Deutschland! (Abg. Dr. Kräuter: Fällt dir nichts anderes ein?) Budgetdaten: Um vieles besser! Export­quote: Um vieles besser! Arbeitsmarktsituation: Um vieles besser! Wachstum in Öster-


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reich: Um vieles besser als in Deutschland. Inflationsrate: Um vieles besser als in Deutschland!

Ich wandle einen Spruch von Edmund Stoiber ab, der gesagt hat: Die Österreicher sind nicht besser als die Deutschen – aber sie haben den besseren Finanzminister! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

16.08

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Matznetter. Redezeit: 8 Minuten. – Bitte.

 


16.08

Abgeordneter Dr. Christoph Matznetter (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister für Finanzen! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Als Mastermind der YLine-Desaster und des roten Netzwerkes – wie es die ÖVP zumindest darzustellen hofft – nütze ich zwei Sekunden zur Klarstellung für diejenigen, die nicht einmal im Firmenbuch nachschauen können: Eine Firma YLine gibt es erst seit 1999. Es wird jedem Kollegen schwer fallen, für diese 1998 einen Abschluss zu machen. (Abg. Scheibner: Habt ihr jetzt gearbeitet für diese Firma oder nicht?)

Aber vielleicht gehen wir einmal zu den Kernproblemen. Kollege Kopf hat uns die Frage der Wirtschaftsperformance gestellt. Na, da bin ich gleich fertig! (Abg. Dr. Spin­delegger: Abschluss gemacht oder nicht?) Kollege Molterer sagt, wir sollen nicht irgendwelche Daten suchen. Wir gehen in die Statistik Austria und stellen fest: Wir sind mit dem heutigen Tag, 12.58 Uhr, laut Tabelle 16.1, im Jahre 2003 an viertletzter Stelle beim Wirtschaftswachstum, 2004 an letzter Stelle. Das ist die Performance von Karl-Heinz Grasser! (Beifall bei der SPÖ. – Der Redner übergibt dem auf der Regie­rungsbank sitzenden Bundesminister Mag. Grasser schriftliche Unterlagen.)

Ich komme aber jetzt wirklich zum Kern des heutigen Tages. Das eigentlich Ent­scheidende ist: Der Herr Finanzminister gibt uns hier in der Beantwortung von An­fragen Leermeldungen ab, dieselbe Art von Leermeldungen, wie er sie zu seinem Ak­tienbesitz gemacht hat (Ruf bei der ÖVP: Habt ihr nicht aufgepasst, oder was?), und hofft, dass auf diesem Wege die Aufklärung der aufklärungswürdigen Umstände nicht erfolgt.

Es kommt die nächste unbeantwortete Frage: Herr Mag. Grasser ist nicht das erste Mal in einer Funktion, die dem Unvereinbarkeitsgesetz unterliegt. Wie war denn das als stellvertretender Kärntner Landeshauptmann? Auch da gilt das Unvereinbarkeits­ge­setz. (Abg. Mag. Molterer: Dafür ist bekanntlich das Parlament zuständig, oder wie?) Wurde schon damals die Beratung von Dritten vorgenommen? Haben Sie damals alles ordentlich erklärt? Ich weiß es nicht. (Abg. Mag. Molterer: ... das Parlament zustän­dig!)

Meine nächste Frage lautet: Ist es Aufgabe der von den Steuerzahlern bezahlten Be­amten, die persönlichen Erklärungen in der Privatsache Karl-Heinz Grasser auszu­füllen? Aber es war ja anders, er hat uns heute gesagt, er hätte es zuerst brav selbst ausgefüllt, dann musste er es wieder entfernen, weil er von diesen anders beraten worden sei. Haben die Beamten Ihres Hauses Ihre Erklärungen abgeändert, Herr Bun­desminister? (Bundesminister Mag. Grasser: Habe ich nie gesagt!) – Ich hoffe nicht, dass das der Fall ist. Jedenfalls: Bekannt gegeben wurde es nicht. (Abg. Dr. Fassl­abend: Jetzt tun wir nicht schon wieder ...! Ein bisschen mehr Fairness! – Abg. Mag. Molterer: Nicht Fairness! Mehr Korrektheit!)

Damit kommen wir zum dritten Problemkreis, und ich möchte alles aufzählen, denn die stillschweigende Unterstellung ist, dass hier ein planmäßiges Campaigning gegen Grasser gemacht worden sei. Erinnern wir uns! Als Kollege Scheibner eine Auswahl


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der Flieger vornehmen hat lassen, lautete das Ergebnis nicht auf EADS-Eurofighter, sondern auf ein anderes Flugzeug. (Abg. Scheibner: Das ist ja nicht wahr!) Wir haben inzwischen festgestellt – und das war im Frühjahr dieses Jahres –, dass unter in­tensiver Mitwirkung des Mag. Grasser am 2. Juli eine andere Entscheidung getroffen wurde. (Ruf bei der ÖVP: Alte Hüte!)

Das wäre noch kein Problem, wenn nicht aus den Anfragebeantwortungen eben dieses Ministers hervorgegangen wäre, dass es sehr wohl Treffen diverser Natur gegeben hat. Er ist uns bis heute den Inhalt dieser Gespräche schuldig geblieben. Obwohl die Frage danach durch § 90 GOG zweifelsohne gedeckt ist, hat er sie nicht beantwortet. (Zwischenruf des Abg. Murauer.)

Nun kommen wir zu den nächsten Punkten: War es so, dass die Grünen oder die SPÖ in Erfüllung eines Ratschlags eines Masterminds den Herrn Finanzminister böswillig in die Falle gelockt haben, sodass er uns hier in diesem Haus, von diesem Platz aus, plötzlich erzählt, meine Homepage ist privat und von Sponsoren bezahlt? (Abg. Mag. Wurm: Mehr privat, weniger Staat!) Er hat doch die Fragestellungen selbst aus­gelöst. (Abg. Dr. Fasslabend: Weil er ehrlich ist!) Er hat doch selbst, in dieser etwas hochnäsigen Art: Schaut her, wie gut ich bin, die Bilder meiner Homepage finanzieren mir sogar Sponsoren!, damit begonnen, den Faden aufzurollen.

Er war es, der das Thema hier hereingebracht hat, nicht wir. Wir haben nur die Fragen gestellt, die daran anzuschließen sind. Und jede Beantwortung führt zu neuen Fragen. Heute sagt er, belehrt er den Kollegen Pilz, dass man an einer Stiftung nicht beteiligt sein kann – das stimmt schon! –, führt selbst aus, man könne Begünstigter sein oder Stifter, und sagt uns dann: Ich hatte keine dieser beiden Funktionen. – Auf jener Home­page jedoch, bezahlt mit den 2,4 Millionen Schilling von der Industriellenvereinigung, war ein Foto, auf dem uns der glückliche Herr Finanzminister die Stiftungsurkunde zeigt. Wie kann denn das richtig sein? Er unterschreibt als Stifter eine Stiftungsurkunde und erklärt uns hier an dieser Stelle – belehrend, nach dem Motto: Ich muss ja nicht, das ist keine Angelegenheit der Vollziehung! –: Ich bin nicht Stifter!

Was wurde denn jenen Leuten gesagt, die in den Fonds eingezahlt – ich weiß schon: ohne Aufforderung in den Fonds eingezahlt haben? Zum Fonds sagt er uns: Ich habe mit keinem Fonds etwas zu schaffen! – Wohin haben die Leute gezahlt? Wem ist das Konto beim Notar Dr. Weißmann zuzurechnen? Herrn Matthias Winkler? Wem ist das zuzurechnen?

Wieso werden klare Fragen wie jene von Dr. Pilz, ob Herr Feichtinger an einem Ge­spräch mit Herrn Schrempp teilgenommen hat, in einer verwaschenen Art beantwortet wie: Ich habe nie mit einem Treuhänder daran teilgenommen?

Warum ist die Frage: Gab es ein Treffen, bei dem Herr Feichtinger, Herr Schrempp und Herr Mag. Grasser anwesend waren? noch offen? Das ist doch kein Geheimnis! Er soll sagen: Ja, es gab das Treffen! oder: Nein, es gab das Treffen nicht! Über den Inhalt wird das Parlament und alle anderen eine Aufklärung erwarten.

Und ich will bei dieser Gelegenheit ein paar Dinge ... (Abg. Mag. Molterer: Wie oft haben sich denn Sie schon mit den YLine ... getroffen, Herr Matznetter? Wie ist Ihre YLine-Connection?) – Um diese Dinge auch noch, ganz nebenbei, anzuführen: Mir ist schon klar, warum mich die ÖVP in öffentlichen Aussendungen als den Verant­wort­lichen der Pleite sieht: Wenn man die Lohnverrechnung für diese Dienstnehmer macht, Dienstnehmer, die ja aus ÖVP-Sicht ein unnötiger Kostenfaktor sind, dann ist man, wenn diese auch noch einen Lohn bekommen, natürlich verantwortlich für die Pleite. Ich weiß schon: Sie wollen Löhne kürzen, Sie wollen die Leute hinausschmeißen. Wir haben diesbezüglich keine Interessen! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Mag. Molterer: So weit reicht das rote Netzwerk?)


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Ich komme, da die Redezeit schon zu Ende geht, zum wichtigsten Punkt. (Zwi­schen­rufe bei der ÖVP.) Meine Damen und Herren von der FPÖ! Wenn Kollege Strutz von Ihnen einen U-Ausschuss fordert, so stimmen Sie heute zu! Wenn der Minister nichts zu verbergen hat, können wir einen Untersuchungsausschuss machen. Wenn der Ob­mann der Salzburger FPÖ den Rücktritt von Grasser fordert, sollten Sie das hier auch tun! (Abg. Jakob Auer: Wie hoch war Ihre Gage?) Kollege Walch hat gesagt: Wenn das alles stimmt, nämlich dass er Aktien nicht gemeldet hat, dann muss man über­legen, ob Grasser noch tragbar ist! – Sie haben Recht, Herr Kollege Walch. (Zwi­schen­ruf des Abg. Scheibner.)

In diesem Sinne und auch in Verteidigung dieses Hauses: Überlegen Sie sich, ob es sinnvoll ist, hier mit Treueschwüren mitzumachen!

Zum Thema dirty campaigning empfehle ich Ihnen, das „profil“ zu lesen, in dem die Mitarbeiterin des Herrn Grasser versucht, gegen mich Schmutzkampagnen zu machen und Treffen mit dem Herrn Böhm zu veranstalten. (Anhaltende Zwischenrufe bei der ÖVP.) Das sagt genug aus. Es kommt direkt aus dem Büro von Herrn Mag. Grasser. – Danke, meine Damen und Herren. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

16.15

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gelangt nunmehr Herr Abgeordneter Neudeck. 10 Minuten Redezeit. – Bitte. (Abg. Großruck: ... ein richtiger Sympathieträger!)

 


16.16

Abgeordneter Detlev Neudeck (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die heutige Dringliche Anfrage der Grünen dient lediglich der Fortsetzung einer Menschenhatz, die meiner Meinung nach unwürdig ist. Ich betone, dass die Vorgangsweise der Nichtmeldung des Aktienbesitzes sicher nicht unsere Zustimmung findet; das wird jeder verstehen. Aber so eindeutig dürfte die Regelung nicht gewesen sein, da ja auch andere Regierungs­mitglieder Aktienbesitz in kleinem Ausmaß nicht gemeldet haben. (Abg. Dr. Wittmann: Sie wissen aber schon, dass der Finanzminister Verfassungsbestimmungen missach­tet! Das wissen Sie schon?!)

Herr Bundesminister Grasser hat heute mehrfach gesagt – und das hat keiner Ihrer Redner aufgegriffen –: Sie wollen nur skandalisieren. Er hat gesagt, dass er sein Ge­samtvermögen dem Rechnungshofpräsidenten gemeldet hat, darin waren seine Aktien enthalten. Das zeigt durchaus, dass das eine Interpretationssache war, er aber keinen Wert verschweigen wollte. (Abg. Dr. Wittmann: Sie wissen, was Ihnen passiert, wenn Sie ein Gesetz verletzen?) – Kollege! Es ist immer eine Frage ... (Abg. Dr. Wittmann: Sie wissen das schon?!) – Ja, dann muss man aber auch die Regelung so treffen, dass derjenige, der sie einzuhalten hat, weiß, worum es geht. Und das wissen mehrere nicht, nicht nur er.

Es bedarf daher weder eines Untersuchungsausschusses noch dieser Dringlichen An­fragen, denn wir haben gleich, nachdem diese Frage auf den Tisch gekommen ist, reagiert, es wurden die Aktien gemeldet. (Abg. Dr. Wittmann: Wenn jemand als Minis­ter die Verfassungsbestimmungen nicht beachtet!) Und diese Aktien sind alle in einer Größenordnung, durch die es keinerlei Einfluss auf irgendein Unternehmen geben konnte.

Wenn wir dem, was Kollege Pilz gesagt hat, folgen, nämlich dass im Falle einer Beteili­gung an einer Firma in einer Größenordnung der dritten Kommastelle die Auftrags­vergabe zu bedenken ist, dann frage ich mich, ob dann die Mitarbeiter eines Ministe­riums nicht mehr mit einer privatisierten AUA fliegen dürfen, nur weil der Minister fünf


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Aktien der AUA besitzt. Das kann doch nicht der Sinn dieser gesetzlichen Regelung sein. Es geht im Unvereinbarkeitsteil vielmehr sicher darum, dass er keine wesent­lichen Beteiligungen hat.

Jetzt aber ist alles gemeldet. Der Bundesminister hat auch gesagt, dass er dem Rech­nungshofpräsidenten seinen Vermögensstand gemeldet hat und darin seien die Aktien enthalten gewesen. Es ist ja auch interessant, dass derartige Meldungen vom Rech­nungshofpräsidenten noch nie an die Öffentlichkeit gelangt sind. Ich glaube daher, dass in Zukunft auch dieser Teil der Meldungen beim Rechnungshofpräsidenten ange­siedelt werden soll, denn wenn mit diesen Meldungen und mit der Vertraulichkeit im Ausschuss so umgegangen wird wie hier im Unvereinbarkeitsausschuss, dann wird sich jeder überlegen, dort etwas zu melden, weil die Hatz, die hier betrieben wird, men­schenverachtend ist und meiner Meinung nach dem Sinn dieses Gesetzes nicht entspricht. (Beifall bei Abgeordneten der Freiheitlichen und bei der ÖVP.)

Als Mitglied des Unvereinbarkeitsausschusses möchte ich die Anregung aufgreifen, neue und eindeutige Richtlinien dafür zu erarbeiten sowie ein Meldeformular zu ent­wickeln, das auch leicht verständlich ist. Ich muss nämlich ganz ehrlich sagen, auch ich habe bei der einen oder anderen Passage nicht gewusst, was gemeint ist, denn da wird auf irgendwelche Paragraphen Bezug genommen wie etwa in der Formulierung: Bekommen Sie Bezüge von einer Organisation, die gemäß Paragraph sowieso der Prüfung ... unterliegt? Man könnte doch gleich schreiben, dass es um diese und jene Unternehmen und um diese und jene Organisationen geht! So viele sind es ja nicht. Ich weiß nicht, warum man immer alles so formulieren muss, dass man lange suchen muss.

Es ist ja Gott sei Dank so, dass die Finanzpolitik des Finanzministers für Österreich wesentlich erfolgreicher als sein persönlicher Aktienkauf ist. In der „Kronen Zeitung“ – und es wird ja gerade von den Kollegen von der SPÖ immer so gerne die Zeitung zitiert – vom 14. Oktober steht:

„Reich ist er mit diesen Papieren auf keinen Fall geworden, Verluste sind wahr­schein­licher, ...“ – So ein Fachmann.

Die Grünen haben die Jagdsaison gegen Karl-Heinz Grasser mit Hilfe der SPÖ eröff­net, ohne Fakten und ohne Inhalte. Eine lückenlose Aufstellung – das hat Karl-Heinz Grasser schon gesagt – wurde von ihm am 13. Oktober 2003 an den Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses weitergeleitet, und es sind darin alle Aktien enthalten. Die Meldung erfolgte verspätet – auch das hat der Herr Finanzminister schon gesagt –, da es in seiner Umgebung, in seinem Kabinett eine andere Interpretation dieses Textes gegeben hat. (Abg. Silhavy: Na geh, das Kabinett ist schuld! Das ist ein Witz!)

Man fragt sich irgendwann einmal: Wenn man Fachleute von außen hinzuzieht, ist es nicht recht, und wenn man sich nur auf das Ministerium konzentriert, ist es der Op­position anscheinend auch nicht recht. (Abg. Silhavy: Das ist die allerletztklassige Ar­gumentation, die Sie führen!) Meine Damen und Herren, er hat mit seiner Meldung nach­gewiesen, dass seine Aktienbeteiligung im zweiten oder dritten Komma­stellenbe­reich hinter der Null liegt, somit also keine Unvereinbarkeit gegeben ist.

Werte Kollegen von Rot und Grün! Lassen Sie die Kirche im Dorf und verwenden Sie Ihre Energie anders! Wenn ich dem Kollegen Matznetter dabei zuschaue, wie akribisch er das vorbereitet, dann würde ich sagen: Es ist gescheiter, wenn man sich mit unseren Konzepten, den Konzepten dieser schwarz-blauen Regierung, auseinander setzt und versucht, dort konstruktiv mitzuarbeiten, sich aber nicht irgendwo einsperrt und danach sucht, ob man noch irgendwo eine Laus findet, mit der man ein Regie­rungsmitglied quälen kann. Arbeiten Sie mit an der Steuerreform, an neuen Asyl­ge-


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setzen und an der Gesundheitsreform! Auch in Opposition ist es nicht verboten, kreativ, konstruktiv und inhaltlich für unser Land zu arbeiten.

Zu den Fragen eine persönliche Anmerkung; die Fragen sind in einer solchen Art und Weise gestaltet, dass ich sage: Wann haben Sie sich wo mit wem warum getroffen? – Wenn man dann hört, der Minister hat sich nicht in der Zusammensetzung oder überhaupt nicht getroffen, erwähne ich: Ich bin 1958 aus einem System geflohen – aus der DDR –, in dem derartige Fragen zur Tagesordnung gehörten. (Zwischenruf der Abg. Sburny.) Ich hoffe, sie werden in Österreich nicht zur Tagesordnung. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

16.22

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gelangt nunmehr Frau Abgeordnete Dr. Moser. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 5 Minuten. – Bitte.

 


16.23

Abgeordnete Dr. Gabriela Moser (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Minis­ter! Meine Damen und Herren! Eines wird hier auf jeden Fall klar, Herr Minister: Sie haben gegen ein Verfassungsgesetz verstoßen! (Beifall bei den Grünen.)

Das ist kein Formalfehler, das ist ein klarer Gesetzesverstoß. Da hilft es nichts, wenn Sie darauf hinweisen, dass Sie es dem Rechnungshof gemeldet haben. Das ist nicht die Sache; das haben Sie gemacht, und wir kreiden Ihnen auch gar nicht an, dass Sie da Verfehlungen begangen hätten. Nein, Sie kneifen dort, wo es um die Hauptsache geht. Die Hauptsache ist: Sie haben das Unvereinbarkeitsgesetz nicht eingehalten, Sie haben dagegen verstoßen, und dieses steht im Verfassungsrang. Herr Minister, das ist wirklich auch ein Verstoß gegen die Grundlagen der Republik! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Ganz konkret ist dieser Verstoß ein Stück Ihrer laufenden etwas unkorrekten Verhält­nisse, etwas unkorrekten Vorgangsweisen, etwas unkorrekten Auslegungen von Geset­zen. Wir haben jetzt bereits eine Art Grasser’sche Kaskade – zur Abwechslung einmal KK, eine richtige Grasser’sche Kaskade. Angefangen hat es mit Ihrer Home­page, die Fortsetzung waren Ihre Honorare, jetzt kommen Ihre Aktien samt dem Unver­einbarkeitsausschuss. Im Hintergrund gibt es eine gewisse KHG-Gemeinde, die sich auch immer wieder in die Bereiche einmischt, die Ihnen oft angekreidet werden.

Herr Minister! Meiner Meinung nach ist auch eine Unvereinbarkeit gegeben, wenn man Freunde wie Herrn Ernst Karl Plech in maßgebliche Aufsichtsräte wie jene der Bun­desimmobiliengesellschaft, der Bundeswohnbaugesellschaft und der WAG hineinsetzt, obwohl da ein eindeutiger Interessenkonflikt in der Person dieses Herrn Plech gegeben sein muss: auf der einen Seite Vertreter der Republik-Interessen in den Aufsichtsräten, auf der anderen Seite Inhaber einer Immobilienfirma, die sehr wohl Bescheid weiß über die Vorgänge auf dem Markt, wobei Herr Plech auf Grund seiner Aufsichtsrats­posi­tionen natürlich Informationsvorsprünge hat.

Solche Vorgänge, solche Besetzungen nehmen Sie vor! Ich habe mich extra erkundigt: Das wird auch im Rechnungshof nicht ganz so einfach „gegessen“, wie Sie sich das vorstellen. Es wird auch im Rechnungshof noch einer genaueren Untersuchung zugeführt werden, inwieweit diese Dinge nicht entsprechend den Usancen sind.

Aber zurück zu dem Hauptvorwurf, Herr Minister, dass Sie sozusagen ein sehr salop­pes Verhältnis – um es noch charmant auszudrücken – zu Gesetzesvorlagen oder zu gesetzlichen Rahmenbedingungen haben. Jeder von uns muss seine Steuererklärung machen – Sie verschanzen sich hinter Vereinen, die vielleicht steuerpflichtig sind oder auch nicht, Sie verschanzen sich hinter Gutachten, die in Deutschland erstellt worden sind. Dann nehmen Sie noch den armen Herrn Staatssekretär, der Ihnen die Stange


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für solche Gutachter-Ausdeutungen halten muss, die wirklich windelweich und schwind­lig von vorn bis hinten sind. Ehrlich gesagt, ich als Staatssekretär Finz hätte Ihnen schon längst den Sessel vor die Tür gestellt! (Beifall bei den Grünen.)

Herr Finanzminister! Sie brauchen sich nicht zu fürchten, da gibt es keine Schmutz­kübel-Kampagne. Sie brauchen nur ganz konkret auch die internationalen Medien zu lesen, Sie brauchen sich nur einmal wirklich ganz seriös Rede und Antwort stehend im Rechnungshofausschuss zu bewegen. Aber im Rechnungshofausschuss akzeptieren Sie in keiner Weise die Kritik des Rechnungshofes, sondern legen ein Gutachten auf den Tisch und wollen mit diesem Ihrem privaten Gutachten beziehungsweise ministe­riellen Gutachten praktisch Republik-Gutachten, Rechnungshof-Gutachten aushebeln. Ich meine, das ist doch impertinent zum Quadrat, Herr Minister!

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Frau Abgeordnete, „impertinent“ ist auch nicht die feine englische Art! (Abg. Mag. Mainoni: So eine Unkultur darf nicht einreißen! – Zwischen­rufe bei den Grünen.)

 


Abgeordnete Dr. Gabriela Moser (fortsetzend): Ich sage nur, der Vorgang ist imper­tinent zum Quadrat. Das ist vielleicht auf Grund meiner Emotionen etwas scharf ge­zeichnet, aber manchmal hat man auch das Recht auf Emotionen. Ich bitte um Gnade, Herr Präsident. (Heiterkeit.)

Zurück zum internationalen Bereich: Ich habe heute Vormittag schon einmal darauf hingewiesen, dass Sie in der seriösen internationalen Presse jetzt wirklich schlecht beleumundet sind, Herr Minister. „Lichtfigur als Trickbetrüger“ titelt die „Süddeutsche Zeitung“ – ich habe es schon einmal gesagt –, Untertitel: „Der österreichische Finanz­minister hat abgewirtschaftet“. (Zwischenruf bei der ÖVP.) – Nein, das ist die „Süd­deutsche Zeitung“. – Die Beweisführung beziehungsweise die Argumentation, die hier angeführt wird, zeigt es eindeutig: Internetseite, Selbstdarstellung, Aktiengeschäfte, YLine et cetera.

Mit diesen Vorgangsweisen, mit Ihrem sozusagen etwas schlechten Verhältnis zu ge­wis­sen Gesetzeslagen bringen Sie nicht nur sich persönlich in Misskredit, damit schädigen Sie nicht nur nachhaltig Ihren Ruf, sondern es überträgt sich diese Schä­digung auch auf den Ruf der Republik Österreich. Das ist es, was mich besonders empört, weil es die Österreicherinnen und Österreicher nicht verdient haben, einen Finanzminister zu haben, der – ich zitiere wieder – „zuerst das Schoßkind des Kanzlers war und jetzt eine Hypothek ist“. – Bitte, das ist ein Zitat!

Herr Minister! Ich glaube, es wird Zeit, dass Sie selbst einmal für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses eintreten. Dann besteht für Sie die letzte Chance zur Weißwaschung der Weste, auf der öfter auch „KHG“ zu lesen ist. Nehmen Sie die Chance wahr, Herr Minister, seien Sie sozusagen Manns genug und schauen Sie, dass Sie wirklich einmal alle Ihre Dinge ganz konkret offen legen und sich da nicht herumschwindeln mit Sachen, die überhaupt nicht stimmen und bei denen die Rede von Verfassungsgesetzen und nicht von Rechnungshofberichten ist! Hier haben Sie sich bei Ihrer Antwort auf unsere Dringliche Anfrage leider selbst ein Armutszeugnis ausgestellt, vor allem mit den Nicht-Antworten, Herr Minister! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

16.29

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Amon. Die Redezeit beträgt 10 Minuten. – Bitte.

 


16.30

Abgeordneter Werner Amon, MBA (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bun­desminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zu dieser


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Dringlichen der Grünen möchte ich zunächst bemerken, dass es mir Leid tut, dass Dr. Matznetter im Augenblick nicht im Plenarsaal ist. (Abg. Dr. Stummvoll: Wer weiß, warum!) Ich glaube, es wird ihn interessieren, was ich hier sage; vielmehr wird es die Öffentlichkeit interessieren, was ich sage. Aber Dr. Matznetter ist ein viel beschäftigter Mann, ich werde in der Folge noch darauf eingehen.

Zunächst möchte ich bemerken, dass ich es eigentlich schade finde, dass sich die Grünen hier vor den Karren der SPÖ spannen lassen. (Ruf bei den Grünen: Das ist aber unsere Dringliche!) Es ist eigentlich eine Kampagne gegen den Finanzminister im Gang, die ihren Ursprung bereits vor der Nationalratswahl genommen hat, als die SPÖ – mein Kollege Karlheinz Kopf hat das ja heute schon zitiert; ich hatte bei anderer Gelegenheit bereits die Möglichkeit, darauf einzugehen – eine Geheimstudie in Auftrag gegeben hat, in der es wörtlich hieß, dass es Ziel sein muss, etwa Finanzminister Karl-Heinz Grasser nachhaltig politisch zu desavouieren. (Abg. Dr. Wittmann: Das hat er eh selber gemacht!) Nach der Wahl hat es dann in einer anderen Studie geheißen, dass es ein schwerer Fehler war, genau das nicht zu tun, und dass das letztlich auch möglicherweise wahlentscheidend war (Abg. Dr. Wittmann: Verschwörungstheorie!), sodass sich die SPÖ nunmehr auf dem zweiten Platz hinter der ÖVP befindet. (Abg. Dr. Wittmann: Ihre Verschwörungstheorie!)

Sie lassen sich nicht auf einen Wettbewerb der Ideen ein – was traurig ist –, sondern Sie betreiben hier ein Spiel der Gräuelpropaganda und der Diffamierung. Aber selbst wenn man das der Oppositionspartei zubilligt, muss man sich doch anschauen, wer die Speerspitzen einer solchen Kampagne sind. Damit bin ich bei Herrn SPÖ-Ab­geordneten Dr. Christoph Matznetter.

Zunächst möchte ich Ihnen sagen – warum er jetzt wahrscheinlich nicht da ist (Ruf bei der ÖVP: Sich versteckt!), da er eben, wie gesagt, ein viel beschäftigter Mann ist –, welche Funktionen Herr Dr. Christoph Matznetter alle ausübt. (Abg. Dr. Stummvoll: Welche?) Er ist Aufsichtsrat der Firma MERKUR Unternehmensbeteiligung, Vermö­gens­verwaltung und Finanzierungsvermittlung GmbH – an der im Übrigen auch die SPÖ relativ stark beteiligt ist –, er ist Gesellschafter der Firma Matznetter Steuer­bera­tungsgesellschaft m.b.H., er ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Firma STAN­DARD Wirtschaftsprüfungsges.m.b.H., er ist Vorstand der PYROR Privatstiftung, er ist Vorstand der Roma Privatstiftung, er ist Aufsichtsrat der Nord-Süd-Institut für Entwick­lungs­zusammenarbeit-Gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung, er ist Aufsichtsrat der Firma Prom Ocean Werbeartikel AG, und er ist Geschäftsführer der MERKUR-TREUHAND Wirtschaftstreuhand- und Steuerberatungsges.m.b.H. (Abg. Broukal: ... Kollegen haben noch einen Beruf! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Ich könnte jetzt noch eine sehr lange Liste darüber vortragen, was Herr Dr. Matznetter schon vorher ... (Demonstrativer Beifall bei der SPÖ.) – Das Klatschen wird Ihnen gleich vergehen, wenn Sie noch einen Augenblick Geduld haben. (Beifall bei der ÖVP.) Hier wurde ja das Verhalten des Herrn Bundesministers für Finanzen im Zusam­menhang mit der YLine-Affäre sehr scharf kritisiert. In diesem Kontext ist doch darauf hinzuweisen, wie tief SPÖ-Budgetsprecher Matznetter in diese so genannte YLine-Affäre verwickelt ist. (Oh-Rufe bei der ÖVP.) Das ist belegt durch ein Gutachten von Dr. Thomas Keppert in dem Strafverfahren im Zusammenhang mit der YLine, dem die Jahresabschlüsse 1998 bis 2000 zugrunde liegen.

Im Jahresabschluss 1998, der von der Vorläuferfirma der YLine ... (Zwischenruf des Abg. Dr. Puswald.) – Ja, Sie haben mich richtig verstanden. Das freut mich, dass meine Stimme bis in die letzte Reihe verstanden wird. (Heiterkeit bei der ÖVP.) – Der Jahresabschluss 1998 der YLine-Vorläuferfirma wurde also von der MERKUR-TREU­HAND Wirtschaftstreuhand- und Steuerberatungsges.m.b.H erstellt. Herr Matznetter ist einer der vier Geschäftsführer dieser Gesellschaft und persönlich mit Herrn Böhm, dem


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Gründer der YLine, bestens bekannt. (Oh-Rufe bei der ÖVP.) Denn Böhms Schwester Ursula hat in der MERKUR gearbeitet und die beiden zusammengebracht. (Neuerliche Oh-Rufe bei der ÖVP.)

Die in der Gründungsversammlung vom 2. April 1998 – und da wird es jetzt wirklich interessant – beschlossene Prüfung des Jahresabschlusses 1998 durch die STAN­DARD Wirtschaftsprüfungsges.m.b.H. wurde erst nachträglich wegen Befangenheit abgelehnt, weil Herr Matznetter nicht nur in der MERKUR, sondern auch in der STANDARD Geschäftsführer ist. (Abg. Kopf: Aber probiert hat er es!) Er hätte damit sich selbst geprüft, meine Damen und Herren! (Oh-Rufe bei der ÖVP.) – So viel zur korrekten Vorgangsweise des Herrn Dr. Matznetter.

Meine Damen und Herren! Im Punkt 2.1.5, „Die Jahresabschlüsse der YLine Internet Business Services AG“, kommt das Gutachten zu dem Schluss, dass die MERKUR an verschiedenen Quartalsabschlüssen der YLine mitgewirkt hat

Im Punkt 2.1.6, „Die Finanzbuchhaltung der YLine Internet Business Services AG“, kommt das Gutachten zu dem Schluss – das ist immer bestritten worden –, dass die Lohnverrechnung von der MERKUR-TREUHAND durchgeführt wurde, und zwar ohne zeitliche Beschränkung, das heißt vom Anfang bis zum Ende. (Abg. Broukal: Was hat das mit der Anfrage zu tun?) Und dort – das ist der letzte Punkt, den ich zitieren möchte – kommt das Gutachten auch zu dem Schluss, dass die MERKUR-TREUHAND mit Herrn Matznetter als Geschäftsführer der „steuerliche Vertreter der YLine“ war, und zwar auch ohne zeitliche Einschränkung, vom Anfang bis zum Ende. (Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Jetzt wird es besonders interessant, denn Herr Matznetter kaufte auch noch aus der Konkursmasse der YLine kräftig ein. (Abg. Dr. Stummvoll: Das gibt’s ja nicht!) Der SPÖ-Abgeordnete hat offenbar gewartet, bis die Firma YLine in Konkurs gegangen ist, und hat dann mit Hilfe seines Firmen-Netzwerkes den Unternehmensbereich „dvo“ aus der Konkursmasse gekauft.

Was besonders gescheit ist: Er veröffentlicht das selbst auf seiner eigenen Firmen-Homepage, meine Damen und Herren! (Heiterkeit bei der ÖVP. – Abg. Broukal: Weil er, im Gegensatz zu Herrn Grasser, nichts zu verbergen hat!)

Es ist also, mit einem Wort, sehr klar zu sehen, dass hier in Wirklichkeit ein großes Ablenkungsmanöver in Gange ist, dass man von eigenem Fehlverhalten ablenken will und hier eigentlich versucht, den Finanzminister zum Sündenbock zu machen. (Abg. Broukal: ... Fehlverhalten gibt!) Das weisen wir deutlich und scharf zurück. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Abschließend, meine Damen und Herren, weil Herr Dr. Matznetter begehrt, dass ich aus meiner Presseaussendung etwas zurücknehme: Ich habe ihn als „Mastermind“ hinter der ganzen YLine-Problematik bezeichnet. Ich habe darüber nachgedacht. Ich muss das wirklich in aller Deutlichkeit und ganz offen zurücknehmen: Der Begriff „Mas­termind“ ist zu positiv besetzt! (Heiterkeit und Beifall bei der ÖVP und den Frei­heit­lichen.)

16.38

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Puswald. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 7 Minuten. – Bitte. (Unruhe im Saal. – Präsident Dr. Khol gibt das Glockenzeichen.) Meine Damen und Herren! Hören Sie dem Redner zu!

 


16.38

Abgeordneter Dr. Christian Puswald (SPÖ): Herr Präsident, herzlichen Dank für die Einleitung und auch für die Aufforderung! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär!


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Hohes Haus! Es ist wirklich interessant, wenn man von Herrschaften, die offenbar nicht über ausreichende Informationen, möglicherweise auch nicht über ausreichende Bildung verfügen, Herr Kollege Amon (Zwischenrufe bei der ÖVP), von Ablenkungs­ma­nö­vern hört. Das Einzige, was ich Ihrem Redebeitrag entnehmen kann, ist Folgendes: Erstens, lieber Christoph Matznetter – ich hoffe, du kannst mich hören –, ich bin stolz auf dich. Was du neben deiner Abgeordnetentätigkeit alles schaffst, ich gratuliere dir und bewundere dich! (Beifall bei der SPÖ. – Rufe und Gegenrufe zwischen Ab­geordneten von ÖVP und SPÖ.)

Das Zweite, Herr Kollege Amon und auch Herr Kollege Kopf: Sie haben leider offenbar nicht das mindeste Rechtsverständnis, geschweige denn Rechtskenntnisse. Erstens rate ich Ihnen, was die Unvereinbarkeit betrifft, einen Unterschied zwischen einem Re­gierungsamt und einem Abgeordneten zu machen. – Das ist der eine Punkt.

Der zweite Punkt – das scheint mir noch viel wichtiger zu sein – ist der Punkt, in dem das „Ablenkungsmanöver“, Herr Kollege Amon, schon in sich zusammenbricht. Gegen die YLine und die sonstigen Machenschaften sind Strafverfahren beziehungsweise Voruntersuchungen anhängig. (Abg. Amon: Das ist bei einem Abgeordneten aber auch problematisch!)

Herr Kollege, ich tue mir da schwer, wissen Sie, die Lautsprecher funktionieren tadellos, und Sie reden hier dazwischen. Sie können auch gerne dazwischen fragen, ich sage nur den Satz schnell fertig, wenn Sie einverstanden sind. – Da sind Straf­verfahren anhängig, gegen den Kollegen Matznetter meines Wissens nicht.

Jetzt bitte Ihre Zwischenfrage, ich harre voller Interesse. (Abg. Amon: Insider-Wissen ist, glaube ich, auch bei einem Abgeordneten problematisch, oder nicht?) – Herr Kolle­ge, ich stimme Ihnen zu, was es für furchtbare Dinge in der Juristerei gibt. Ich helfe Ihnen aber auch gerne auf die Sprünge. Fragen Sie einen Rechtskundigen, machen Sie eine Strafanzeige gegen Kollegen Matznetter, ich ersuche Sie darum – ich denke, ich sage das auch in seinem Namen –, und er wird auch von der Staatsanwaltschaft weißgewaschen werden.

Aber zurück zum Thema, um das es eigentlich geht. Der Finanzminister, Abgeordneter Kopf und Abgeordneter Amon drücken Krokodilstränen und sagen, es gibt ein dirty campaigning gegen eine beliebte Persönlichkeit. (Zwischenbemerkung von Bundes­minister Mag. Grasser.) – Negative campaigning, Herr Finanzminister, ich danke Ihnen.

Herr Finanzminister! Ich möchte aber auch eine persönliche Anmerkung machen, weil sie mir am Herzen liegt. Diese beliebte Persönlichkeit, die Sie selbst angesprochen haben, habe ich vor vielen Jahren in Kärnten, im Warmbaderhof kennen gelernt. Der damalige Noch-nicht-Finanzminister hat einen Vortrag gehalten, und ich muss ganz ehrlich sagen, ich war begeistert: ein junger Mensch, der Sachverstand hat, der sympathisch ist, der bodenständig ist, der wirklich wie ein richtiger Mensch auftritt und nicht wie ein Politiker. Ich stehe nicht an, das zu sagen. (Demonstrativer Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Aber umso mehr – und das möchte ich auch betonen – tut es mir weh, wenn ich sehe, welche Entwicklung dieser Mensch genommen hat, wenn ich sehe, was ich seit Dezember 2002 persönlich in diesem Hause miterleben muss und was sich eigentlich nicht treffender charakterisieren lässt als durch die „Kurier“-Karikatur, die ich in der Vorwoche sehen und lesen durfte, die den Herrn Finanzminister, so attraktiv er auch sein mag, sehr unattraktiv darstellt, nämlich aufgeblasen wie ein Luftballon, wie er abgehoben im Weltraum schwebt und offenbar jede Bodenhaftung verloren hat. Das ist aber nicht das Ergebnis eines dirty campaigning oder negativ campaigning, sondern


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das ist Ergebnis dessen, dass der Herr Finanzminister sich sukzessive selbst zur Ziel­scheibe der öffentlichen Kritik gemacht hat. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Er selbst war derjenige, der uns alle, die wir völlig naiv waren und ihn wie die kleinen Kinder mit großen Augen beobachtet und gehört haben, als er uns von seiner Home­page erzählt hat, erst auf die Fährte gebracht hat. Er selbst hat uns mit der Nase darauf gestoßen und nicht nur uns, sondern auch die Medien. Und die Medien und nicht die böse Opposition sind es, die etwa in der letzten Ausgabe des „profil“ von „schlam­perten Verhältnissen des Herrn Finanzministers“ sprechen. Er stehe in Ver­dacht und so weiter und so fort. Am Mittwoch werde möglicherweise ein Untersu­chungs­ausschuss beschlossen werden.

Oder etwa „FORMAT“, das unseren gemeinsamen sportlichen Ambitionen entspre­chend von „Grassers letztem Abschlag“ spricht.

Meine Damen und Herren von der einen Regierungspartei! Noch etwas Interessantes scheint mit in diesem „FORMAT“ zu stehen, nämlich, dass zuletzt im Büro des Herrn Finanzministers in der Himmelpfortgasse ein Krisenmanagement tagte und der Herr Minister immer wieder während dieser fünf Stunden seine neuen Parteifreunde in der ÖVP – wie es heißt – um fernmündliche verbale Unterstützungsgesten aufforderte. Doch er bekam sie nicht! Weder bei einem Telefonat mit ÖVP-Klubchef Wil­helm Molterer, das, wie Zuhörer berichten, mit deutlich erhöhter Stimme geführt worden sein soll, noch hat – ich zitiere das „FORMAT“, Sie erlauben, dass ich das tue – sich sonst jemand hinter ihn gestellt, auch nicht der Herr Bundeskanzler, son­dern – so formuliert „FORMAT“ – kein ranghoher ÖVP-Politiker wollte ihn vertei­digen.

Wenn ich heute angesichts dessen, dass auch die FPÖ in den Bundesländern lauthals den Rücktritt des Finanzministers fordert, erkennen muss, wie Sie unisono diesen wunderbaren Menschen verteidigen, dann kann das offenbar nur Schützenhilfe in einer verzweifelten Situation sein, und darum beneide ich Sie nicht. (Beifall bei der SPÖ.)

Um das Bild abzurunden, sage ich Ihnen: Der Herr Finanzminister ist in guter Gesell­schaft mit dem Herrn Bundeskanzler, der es mit seinen Aktien auch nicht so genau nimmt. Es heißt in der Zeitungen: Schüssels schlampiger Aktienbesitz. – Wie schlam­pig, das wird sich auch noch herausstellen. Zuerst sagt er ein bisschen Aktien, dann sind es ausländische Aktien, dann sind es keine österreichischen Aktien und in Wirk­lich­keit gibt er eine Leermeldung beim Unvereinbarkeitsausschuss ab.

Dazu kommt als Letztes noch Herr Präsident Khol, der als eigentlicher Hüter der Verfassung in diesem Hause agieren müsste, der angesichts eines Verstoßes gegen ein Verfassungsgesetz, und ein solches ist das Unvereinbarkeitsgesetz, insbesondere die §§ 3 und 3a, von einem Formalfehler spricht. Der Präsident dieses Parlaments spricht von einem Formalfehler, wenn ein Verfassungsgesetz verletzt wird! Das ist ein Sittenbild, das wirklich nicht mehr erträglich ist. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Ich kann nur sagen, diese Sittenschilderung ließe sich noch lange fortsetzen, aber der Herr Präsident wird das dadurch verhindern, dass er so wie heute bei der Wortmeldung zur Geschäftsordnung der Herren Kollegen von welcher Fraktion auch immer jedenfalls nur Anträge zulässt, während er Klubobmann Molterer lange Ausführungen gestattet. Das ist eine Vorsitzführung eines Präsidenten, wie ich sie mir nicht wünsche. – Danke. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

16.45

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Sburny. Re­dezeit: 5 Minuten. (Zwischenruf des Abg. Mag. Posch.) – Meine Geduld hat Ursache, Herr Posch.

 



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16.45

Abgeordnete Michaela Sburny (Grüne): Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Herr Präsident Khol hat heute in diesem unglaub­lichen Kuddelmuddel und Durcheinander, bei dem es offenbar nicht mehr viel Durch­blick gegeben hat, zur Frage, ob jetzt der Herr Finanzminister gewisse Fragen beant­worten muss oder nicht, gesagt, das Parlament wache über die Unvereinbarkeit. Und genau das hätten wir gerne. Wir hätten gerne, dass das Parlament über die Un­vereinbarkeit wacht. Aber was kommt von Ihnen auf der Regierungsseite? – Von Ihnen kommt „Menschenhatz“ – von Kollegem Neudeck –, „Verleumdung“ – von Minister Grasser – und das Harmloseste war noch „Schmutzkübelkampagne“ – von Kollegem Kopf. Das alles in Richtung Opposition, die versucht, Vorgänge aufzudecken, die absolut zum Schaden der Republik sind.

Herr Kollege Neudeck schreckt nicht einmal davor zurück, ein Bespitzelungssystem, das es gegen Privatpersonen gegeben hat und teilweise, und zwar nicht nur in der DDR, gibt, mit der Kontrollarbeit der Opposition zu vergleichen. Mit den Kontroll­aufgaben, die die Opposition hier wahrnimmt, vergleichen Sie ein privates Bespitze­lungssystem! Das finde ich wirklich unter jeder Kritik. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Es zeigt sich auch einmal mehr, dass Sie offenbar privat und Funktion nicht aus­einander halten können, aber das sind wir beinahe schon gewöhnt. In den Fragen EADS, Homepage und jetzt eben auch von Aktienbesitz zeigt sich immer wieder, dass Herr Minister Grasser nicht wirklich in der Lage ist, einerseits zwischen privat und Funktion zu unterscheiden und andererseits gewisse Unvereinbarkeiten wahrzuneh­men. Aus meiner Sicht ist das für einen Minister absolut untragbar. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Zurück noch einmal zur Aussage des Herrn Präsidenten Khol: Das Parlament wacht über die Unvereinbarkeit. – Wie tut denn das Parlament das? Das Parlament tut das – oder sollte das wenigstens tun – mittels eines Ausschusses, des Unvereinbarkeits­ausschusses, in dem es aber derzeit offenbar gang und gäbe ist, dass Regierungs­mitglieder zumindest schlampig – und das ist wirklich ein harmloser Ausdruck – mit dem Unvereinbarkeitsgesetz umgehen. Verantwortlich für diesen Ausschuss ist der Ausschussvorsitzende, Abgeordneter Schultes von der ÖVP. Man darf sich schon fra­gen, wie es zustande kommen kann, dass offenbar über Monate oder Jahre hinweg ein derartiger Umgang mit dem Unvereinbarkeitsgesetz in diesem Ausschuss möglich ist, dem ein Mitglied der ÖVP vorsteht.

Verfassungsrechtler Heinz Mayer meint, die Handhabung des Gesetzes in diesem Ausschuss sei eine Katastrophe. – Zitat Verfassungsrechtler Mayer. – Er nimmt quasi den Finanzminister in Schutz, indem er sagt: Wenn das dort schon seit Jahren üblich ist, muss man sich ja fragen, ob das wirklich so schlimm ist. Aber dass das Gesetz so gehandhabt wird, ist eine Katastrophe und das ist tatsächlich eine Angelegenheit der Regierungsfraktionen, die das offensichtlich seit Jahren zulassen. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Es ist eine Katastrophe, wie diese Regierung mit dem Gesetz umgeht, und das ne­gative Aushängeschild in dieser Beziehung unter dem Schutz und auch mit Unter­stützung der ÖVP ist Herr Minister Grasser. In diesem Sinne wäre es einfach sehr schön, wenn dieses negative Aushängeschild einfach abmontiert werden würde. (Bei­fall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

16.49

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Stadlbauer. Wunschredezeit: 5 Minuten. – Bitte.

 



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16.50

Abgeordnete Bettina Stadlbauer (SPÖ): Herr Präsident! Herr Minister! Herr Staats­sekretär! Hohes Haus! Finanzminister Grasser und andere Regierungsmitglieder ha­ben einen Verfassungsbruch begangen, wie wir heute schon ein paar Mal gehört ha­ben. Was passiert normalerweise mit Regierungsmitgliedern auf der ganzen Welt, die die Verfassung brechen? – Es werden Konsequenzen gezogen bis hin zum Rücktritt. Was passiert aber in Österreich? Wie reagiert diese Regierung? – Man zieht sich auf ein Delikt zurück und nennt es Formalfehler. Es gibt ein paar wehleidige Rund­um­schläge, es wird von Menschenhatz gesprochen, aber in Wirklichkeit ist es nur ein „Formalfehler“.

Sehr geehrte Damen und Herren! Ich denke, was Sie hier machen, ist Verharmlosung. Ich frage mich nur: Was sind Sie für ein Vorbild für die Bevölkerung? Nämlich gar keines!

Was mich jedoch ganz besonders ärgert, ist der Umgang mit der Aufgabe des parla­mentarischen Unvereinbarkeitsausschusses beziehungsweise diese Missachtung der parlamentarischen Arbeit an sich. Der springende Punkt ist nämlich meiner Meinung nach der, ob Sie es selber entscheiden, also die Mitglieder dieser Regierung, ob etwas mit einem Minister-, Ministerinnenamt, Staatssekretär-, Staatssekretärinnenamt verein­bar ist oder ob das Aufgabe des Unvereinbarkeitsausschusses ist, das zu entscheiden. Ich denke, es ist Aufgabe des Ausschusses, das zu entscheiden. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Um jedoch diese Entscheidung treffen zu können, muss zunächst einmal alles ge­meldet werden. Und diese Ausrede, die wir jetzt immer wieder hören und auch heute wieder von Herrn Minister Grasser gehört haben, dass ohnehin alles in Ordnung wäre, weil doch durch die Nachmeldungen ersichtlich würde, dass keine Unvereinbarkeit vorliegt, gilt einfach nicht. Es wäre nämlich genau dasselbe, wenn ein Autofahrer, wenn er in eine Verkehrskontrolle gerät, auf die Frage, ob er etwas getrunken hat, mit Nein antwortet, obwohl das gar nicht stimmt, weil er ohnehin der Meinung ist, keine 0,5 Promille erreicht zu haben.

Ich sehe in diesem Fall eine Drei-Stufen-Verfehlung Minister Grassers, und zwar nur in diesem Fall, denn es gibt ja mehrere Fälle, wie wir heute bereits mehrfach gehört haben.

Erste Verfehlung: die Nichtmeldung der Aktien unmittelbar nach Amtsantritt nach der letzten Nationalratswahl. Aber vielleicht gehörten Sie ja auch zu den Vertretern und Vertreterinnen der Regierung, die der Meinung waren, dass der Fragebogen, den sie erhalten haben, zu kompliziert wäre. Ich möchte Ihnen die einschlägige Frage dazu vorlesen. Hier steht: „Steht ein Unternehmen in Ihrem Eigentum, oder sind Sie Eigen­tümer von Anteilsrechten an einer Gesellschaft oder sonstiger Anteilsrechte an einem Unternehmen?“ Und dann gilt es nur, Ja oder Nein anzukreuzen. Ich frage mich wirk­lich, was daran kompliziert ist.

Frau Ministerin Rauch-Kallat hat ja relativ blauäugig zugegeben, dass sie nicht wusste, dass es sich bei Anteilsrechten unter anderem um Aktien handelt. Ich frage mich allerdings, wenn sie das nicht weiß, ob Frau Ministerin Rauch-Kallat wusste, als sie dem Verkauf der Voest zugestimmt hat, was sie da verkauft hat. Wusste sie und wussten auch die anderen Regierungsmitglieder, was ihr Regierungsbeschluss zu diesem Thema aussagte?

Zweite Verfehlung: das Abschieben der Schuld auf die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Finanzministerium – heute wieder gehört – und auch auf die Berater. Ich denke: Warum so viel Geld für Beratungen ausgeben, wenn die Beratung dann ohnehin falsch ist? Gänzlich abzulehnen ist aber, dass Sie Ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die


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Schuld geben, so wie Sie das heute wieder getan haben. Zuerst nehmen Sie die Arbeit dieser Beamten und Beamtinnen nicht ernst oder Sie nehmen sie nicht an, lagern die Arbeiten aus, und jetzt denunzieren Sie sie, dass Sie falsch beraten wurden. Das ist wirklich ein starkes Stück, Herr Minister! (Beifall bei der SPÖ.)

Dritter Punkt: die Grasser’schen Grundrechnungsarten oder: „Der Minister nimmt es mit den Kommastellen nicht ganz so ernst!“ oder: „Was scheren mich ein paar Nullen?“ Zur Erinnerung: Zuerst hatten wir den kleinen Irrtum mit der Anzahl von Nullen; 0,015 statt 0,000015 bei der Angabe bezüglich Ihrer YLine-Aktien. Aber das ist wohl kein Wunder, wenn man den ganzen Tag mit so vielen Nullen zu tun hat, dann spielt nämlich die eine oder andere Null keine Rolle mehr. Aber auch die Addition bezie­hungsweise die Multiplikation Ihrer Aktien läuft nicht problemlos, hat sie doch einen satten Wertunterschied von 51 568,36 € ergeben zwischen dem, was Sie der APA angegeben haben und was tatsächlich herauskommt, wenn man es berechnet.

Im Übrigen: Das sind über 700 000 S. Aber was soll es! „Was kostet die Welt?“ ist Ihre Devise. Apropos Umrechnung: 1 € sind 13,7603 S. Herr Minister, ich konnte dem dieswöchigen „profil“ entnehmen, dass Sie bei einem Vortrag vor einer Schulklasse bei der „GEWINN“-Messe mit den Kommastellen Schwierigkeiten hatten, womit wir wieder beim Thema wären.

Ja, das ist eine lange Liste von Verfehlungen, die dazukommen, und ich denke, Herr Minister, es handelt sich dabei nicht um Kavaliersdelikte, es sind keine kleinlichen österreichischen Streitereien, wie Sie bei einem Finanzministertreffen angegeben haben. Ich meine, Sie sollten auch nicht so handeln, wie Sie es erst am Sonntag wieder im Radio gesagt haben: Wenn man etwas ausgefressen hat, versucht man zu bezirzen. – Nein, Herr Minister, es geht um mehr: Erlösen Sie uns endlich und vor allem die Bevölkerung, halten Sie uns und die Bevölkerung nicht länger am Schmäh und ziehen Sie endlich die Konsequenzen! – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

16.55

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gelangt nunmehr Herr Abgeordneter Dr. Jaro­lim. Redezeit: 5 Minuten. Restredezeit der SPÖ: 3 Minuten! – Bitte.

 


16.55

Abgeordneter Dr. Johannes Jarolim (SPÖ): Herr Präsident! Herr Minister! Meine Damen und Herren! Es ist ein desaströses Bild, das sich hier heute im Laufe dieser Debatte geboten hat bezüglich des Verständnisses, wie man mit den Geschicken des Staates umgeht.

Herr Präsident Khol! Ich darf vielleicht zu Beginn appellieren: Bei allem Verständnis für die Schwierigkeiten, die Sie vielleicht mit der unparteilicher Waltung Ihres Amtes hier im Haus haben, aber ich darf Sie doch ersuchen, und zwar wirklich im Interesse des Gesamten, wenn Sie den Vorsitz führen und wenn es sich um massive, offenbar parteipolitische Auseinandersetzungen handelt, zu versuchen, doch wenigstens ein Quäntchen Objektivität walten zu lassen, denn das, was wir heute hier erlebt haben, war, und das muss ich sagen, wirklich skandalös. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Abgeordneter! Ich könnte Ihnen ebenso wie Herrn Abgeordneten Puswald für diese Kritik an der Vorsitzführung einen Ordnungsruf ertei­len. Das tue ich nicht. Ich halte mich hier an das Vorbild von Heinz Fischer, der seinerzeit bei ähnlichen Kritiken von Seiten der Freiheitlichen die Dinge ebenfalls sehr ruhig hingenommen hat.


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Ich sage Ihnen nur, dass so, wie ich heute die Geschäftsordnung interpretiert habe und wie die Gestaltung der Wortmeldungen zur Geschäftsbehandlung war, die von der Präsidialkonferenz geübte übliche Praxis ist.

Sie sind am Wort und bekommen 1 Minute Redezeit mehr. (Abg. Mag. Posch: Da sind Sie aber gut beraten!)

 


Abgeordneter Dr. Johannes Jarolim (fortsetzend): Danke, Herr Präsident. Ich darf Sie ersuchen, das wirklich nicht in erster Linie nur als Kritik aufzufassen, sondern es ist, meine ich, ein Appell, weil es nicht so sein sollte, dass wir uns derartige Debatten in der Form in Zukunft leisten. Es ist hauptsächlich ein Appell. Ich denke auch, die Dinge sind zu wertvoll und zu wichtig, als dass wir sie hier jetzt mit einem kleinen Sidestep erledigen könnten. (Beifall bei der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Es ist ein desaströses Gesamtbild. Herr Bundesminister! Wenn Sie sich heute als junges, sympathisches Talent darstellen, so mag das dahin­gestellt bleiben. Es gibt sicherlich viele Personen, die sagen, er ist jung, er ist sym­pathisch, aber das ist hier nicht der Punkt. Es geht darum, mit welcher Sachkom­petenz, mit welcher Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit Sie Ihr Amt ausüben. Sie sagen, man lässt den Wettbewerb der Ideen nicht zu, sodass sich die Sachkompetenzen wirklich aneinander messen könnten.

Ich darf Ihnen entgegenhalten: Wir haben hier letzte Woche völlig klare Beweise vor­gelegt, die Sie selbst provoziert haben, indem Sie zur Überprüfung – und das muss man sich ja wirklich auf der Zunge zergehen lassen – der Richtigkeit Ihres Vorgehens – Sie hatten bekanntlich das Problem mit diesem Verein „New Economy“, der mit 175 000 € dotiert eine Homepage mit durchaus berührenden Szenen aus dem Leben des Herrn Finanzministers erstellt hat – eine Kommission unter Leitung des Herrn Staats­sekretärs Finz eingesetzt haben. Diese Kommission hat nun ein Ergebnis geliefert, meine Damen und Herren, das Österreich, das die Beamten des Finanz­ministeriums international zum Gespött macht.

Herr Staatssekretär, es ist beschämend! Entweder sind Sie dazu gezwungen worden, oder Sie lassen offensichtlich wirklich jegliche Kompetenz vermissen. In beiden Fällen wür­de ich meinen, dass es sich gut machen würde, wenn Sie gemeinsam mit dem Finanzminister Ihren Rücktritt anbieten würden, weil das für dieses Land unzumutbar ist. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Herr Staatssekretär! Sie haben sich in Ihrem Bericht dazu verstiegen, zu sagen, es gibt internationale Experten, Steuerrechtsexperten in Deutschland, die meinen, es gebe keine Schenkungssteuer, und daher wäre entgegen allen anderen Gepflogenheiten in diesem Land in diesem Fall keine Schenkungssteuer bezahlt worden.

Ich darf Ihnen einmal vorlesen, was die Experten, die Sie zitieren, auf einen Brief hin, den wir an diese Experten gerichtet haben, weil wir nicht glauben konnten, dass es wirklich so sein kann, dass das deren Sachkompetenz ist, geantwortet haben. Wir haben die Antwort von Dieter Gebel, das ist der Vizepräsident des Finanzgerichtes und Herausgeber einer der großen deutschen Schenkungssteuerkommentare.

Er sagt hier eindeutig: In dem dargestellten Fall „kommt danach eine steuerbare Zu­wendung auf beiden Ebenen“ – nämlich sowohl beim Verein als auch bei der Indus­triellenvereinigung – „in Betracht. Zu den von Prof. Dr. Doralt angesprochenen Preis­ver­leihungen verweise ich“ zum Kommentar. – Das ist genau das Gegenteil von dem, was Sie hier gesagt haben!

Es gibt auch eine weitere Stellungnahme von Dr. Dorazil. Er ist der Guru zum Steuerrecht in Österreich, und er sagt: „Ich teile darin die Meinungen Professor Doralts


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und Dr. Fellners“ – die Sie missdeutend auch noch als Ihre Meinung dargestellt ha­ben – „in deren kritischer Stellungnahme zur Presseerklärung ...“

Es gibt auch noch eine Stellungnahme von Kapp, Ebeling & Partner. Herr Ebeling ist ebenfalls einer der großen Herausgeber von Kommentaren zu Schenkungen. Er sagt – das muss man auf der Zunge zergehen lassen –: „Die bisher von der österreichischen Finanzverwaltung vertretene Auffassung würde geradezu zu missbräuchlichen Gestal­tun­gen herausfordern, wenn eine Vielzahl von Personen (zum Beispiel politische An­hän­ger) einen Kandidaten über die gesetzlich geregelten Spenden hinaus steuerfrei fördern will.“ – Wollen Sie es noch klarer haben? (Präsident Dr. Fischer übernimmt den Vorsitz.)

Meine Damen und Herren! Sie haben gesagt, dass Sie Sachkompetenz wollen, Herr Minister! Sie haben gesagt, dass die Ideen hier in einen Wettbewerb treten sollen! Sie haben gesagt, Herr Staatssekretär, dass diese Personen die Rechtsstellung des Fi­nanz­ministers und Ihres Modells als richtig bewiesen hätten! – Wir lesen hier Dinge, die eindeutig sind. Wir lesen hier Dinge, die in jedem anderen Land logischerweise dazu führen würden, was wir alle von Ihnen und vom Minister erwarten, nämlich Ihren Rücktritt! – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ.)

17.02

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Öllinger. Die restliche Redezeit der grünen Fraktion beträgt 5 Minuten, und auf 5 Minuten stelle ich daher die Uhr. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


17.02

Abgeordneter Karl Öllinger (Grüne): Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Abgeordneter Amon! Bei allem Verständnis dafür, dass Entlastungsoffensiven durch eine Regierungspartei manchmal notwendig sind, möchte ich Sie um Folgendes bitten: Erklären Sie uns doch den Sinn Ihrer Entlastungsoffensive!

Sie werden doch nicht allen Ernstes behaupten wollen, dass es sich bei dem Versuch unserer Seite, die Vorwürfe gegen den Finanzminister hier dokumentieren und untersuchen zu lassen, um ein Ablenkungsmanöver davon handelt, dass der eigentli­che Vorfall im Zusammenhang mit Herrn Matznetter, den Sie in einer kruden Argumen­tation zu beweisen versucht haben, schon vor Jahren stattgefunden hat!

Ihrer Argumentation folgend ist der Finanzminister mit seinen wissentlichen oder un­wis­sentlichen Ablenkungsversuchen, indem er eine entweder private oder öffentliche Homepage einrichtet, indem er Gelder von der Industriellenvereinigung nimmt und sie nicht versteuert und indem er sich zahlreicher anderer Verstöße wissentlich oder un­wissentlich schuldig gemacht hat, offenbar ein Komplize des Herrn Matznetter! (Zwi­schenruf des Abg. Amon.) Wissen Sie, wohin Sie sich verstiegen haben? Wissen Sie das wirklich, Herr Kollege Amon? (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Amon.) – Macht nichts, Herr Kollege Amon! Macht nichts! Beim nächsten Mal wird es besser! (Zwi­schenruf des Abg. Dr. Jarolim.)

Folgendes hätte ich gerne noch gewusst: Herr Finanzminister, Sie haben uns heute erklärt, dass das Treffen zwischen Grasser, Winkler und Böhm, so wie es in der Zeit­schrift „profil“ beschrieben wurde, nicht stattgefunden hat. Sie haben das erklärt und so getan, als ob Sie schon vorher dementiert hätten, dass dieses Treffen stattgefunden hat. – Meines Wissens haben Sie das nicht dementiert!

Mein Kollege Kogler hat Sie darauf hingewiesen, dass Sie schon einmal ein Treffen dementiert haben, nämlich das mit Herrn Bischoff am 23. April 2002. Heute erklären Sie, dass Sie nie ein Treffen mit Herrn Bischoff, dem EADS-Aufsichtsratsvorsitzenden,


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dementiert haben. – Ich lese Ihnen jetzt vor, was Sie in Beantwortung der Dringlichen Anfrage am 17. Juni 2003 wörtlich gesagt haben:

„Ich habe den Herrn Aufsichtsratsvorsitzenden Bischoff in Sachen Abfangjäger das erste Mal im Juni 2001 getroffen, das zweite Mal im März 2003.“

Damit haben Sie das Treffen vom 23. April 2002, das Sie später zugeben mussten, wis­sentlich verschwiegen! (Zwischenbemerkung von Bundesminister Mag. Grasser.) Herr Finanzminister, Sie können mir doch nicht erklären, dass Sie sich zwischendrin mit Herrn Bischoff, dem EADS-Aufsichtsratsvorsitzenden, getroffen und über Ihre Auto­vorlieben gesprochen haben! Das kann doch wohl nicht Ihr Ernst sein, Herr Finanz­minister! (Beifall bei den Grünen.)

Ich hätte gerne gewusst, um das in aller Klarheit – die der Sozialminister sonst immer einfordert – von Ihnen noch einmal zu hören: Hat es ein Treffen oder irgendeine Absprache zwischen Grasser, Winkler und Böhm gegeben? Hat es von Seiten Ihrer Ihnen unterstellten Mitarbeiter Versuche gegeben, mit der Zeitschrift „profil“ Kontakt aufzunehmen, um ein derartiges Treffen zu vermitteln: ja oder nein? – Das sind Fra­gen, die Sie beantworten sollten!

Letzter Punkt: Wissen Sie, Herr Bundesminister, was mich an Ihrer heutigen Stellung­nahme sehr stark irritiert hat? – Dass Sie nämlich irgendwann einmal, als es um § 3 beziehungsweise § 3a des Unvereinbarkeitsgesetzes ging, davon gesprochen haben, dass Beteiligungen unter 25 Prozent eine nicht diskriminierende Wirkung haben. Das bezieht sich auf den § 3, ich merke dazu aber an, dass wir hier nicht über § 3, sondern über § 3a diskutieren! Sie kommen mit einer Rechtfertigung zu § 3 und sprechen im Zu­sammenhang mit § 3, der tatsächlich Beteiligungen über 25 Prozent an sehr strenge Sanktionen koppelt, im Hinblick auf Beteiligungen unter 25 Prozent von einer nicht diskriminierenden Wirkung diese Gesetzes. – Das heißt, Sie meinen, dass das Gesetz, Beteiligungen von Ministern diskriminiert, wenn sie über 25 Prozent gehen. (Bundes­minister Mag. Grasser: Das stimmt nicht!) Herr Bundesminister, ich halte diese Bestimmung noch für viel zu milde!

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Bitte um den Schlusssatz!

 


Abgeordneter Karl Öllinger (fortsetzend): Diese Bestimmung ist meines Erachtens noch viel zu milde, weil sie tatsächlich nicht vor diesen Unvereinbarkeiten, die uns immer wieder zu schaffen machen, schützt. Dass Sie aber hier § 3 und § 3a ver­wechseln und dann noch von Diskriminierung und Nichtdiskriminierung sprechen, das ist ein starkes Stück! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

17.08

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Haubner. Ge­wünschte Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


17.08

Abgeordneter Peter Haubner (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Jetzt haben wir das ganze „tolle“ Programm an Anschuldigungen von der SPÖ und den Grünen gehört. – Ich habe hier eine APA-Meldung in Händen, in der es unter dem Titel „Unvereinbarkeit: SPÖ-Landesrat meldet nachträglich Aktienbesitz“ (ironische Heiter­keit und Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen) unter anderem heißt:

Nachdem die SPÖ in den vergangenen Tagen den ungemeldeten Aktienbesitz von Re­gie­rungs­mitgliedern heftig kritisiert hatte, meldete jetzt ein SPÖ-Landesregierungs­mitglied aus Salzburg seinen Aktienbesitz nach.“ (Lebhafte Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Stummvoll: Na geh!)


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Weiter heißt es in dieser Meldung: „Der Unvereinbarkeitsausschuss des Salzburger Landtags beschäftigte sich heute, Mittwoch, mit einer Meldung von Landesrat Othmar Raus ... Im Zuge dieser Diskussion sei er draufgekommen, dass von ihm die Meldung fehle, was er sofort nachgeholt habe. Er habe das einfach vergessen.“ (Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren von der SPÖ! Wie werden Ihre Spitzen in Wien und Salz­burg und etwa Frau Burgstaller damit umgehen? Was fordern Sie für Salzburg und Herrn Landesrat Raus? Wir warten auf Ihre Antwort! – Danke schön. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

17.09

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Weitere Wortmeldungen dazu liegen nicht vor. Damit schließe ich diese Debatte.

Anträge wurden keine gestellt.

Kurze Debatte über die Anfragebeantwortung 711/AB

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Wir gelangen nun als Nächstes zu der Kurzdebatte über die Anfragebeantwortung der Frau Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur mit der Ordnungszahl 711/AB. Die erwähnte ... (Lebhafte Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von ÖVP und SPÖ.)

Ich setze fort: Die erwähnte Anfragebeantwortung ist verteilt worden, sodass sich de­ren Verlesung durch den Schriftführer erübrigt.

In der Debatte, die jetzt zu führen sein wird, kann jede Fraktion einen Redner mit einer Redezeit von 5 Minuten nominieren. Der Erstredner und Begründer erhält 10 Minuten Redezeit. Ein Regierungsmitglied, das Stellung nehmen will, soll ebenfalls eine Re­dezeit von 10 Minuten nicht überschreiten.

Als Begründerin gelangt Frau Abgeordnete Beate Schasching zu Wort. Redezeit, wie gerade gesagt, 10 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


17.10

Abgeordnete Beate Schasching (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundes­ministerin! Herr Vizekanzler! Hohes Haus! 55 Prozent aller Eltern wünschen es sich für ihr Kind und nur 5,8 Prozent aller Kinder haben es tatsächlich, nämlich einen Platz in einer Ganztagsschule.

Sehr geehrte Damen und Herren! Um das herauszufinden, habe ich schon vor einigen Monaten eine Anfrage an die Frau Bundesministerin Gehrer gerichtet, welche genau dieses Thema zum Inhalt hatte, und ich habe am 10. September eine Anfrage­beant­wortung erhalten, die meiner Meinung nach mehr als unzureichend und voller Lücken war.

Sehr geehrte Damen und Herren! Damit wurde mir und uns als Fraktion einmal mehr gesagt, dass die Frau Bundesministerin Gehrer die Verantwortung für die Pflicht­schu­len ablehnt. Sie lehnt es ab, diesbezüglich genaue Zahlen und Fakten auf den Tisch zu legen, denn sie liefert zwar eine Beantwortung für den Bereich des Bundes, verweigert uns aber in diesem Zusammenhang jede genaue Zahl.

Frau Bundesministerin! Das ist meiner Auffassung nach eine Verweigerung von Bil­dungs­verantwortung, und das weise ich wirklich aufs Schärfste zurück! (Beifall bei der SPÖ.)


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Für mich ist allerdings die Tatsache besonders verwunderlich, dass 14 Tage später, nämlich am 24. September, wir alle gemeinsam, also auch wir von Seiten der SPÖ, eine Entschließung eingebracht und dieser geschlossen zugestimmt haben, die zum Inhalt hatte, dass – und das möchte ich jetzt vorlesen – der Nationalrat die Ankün­digung der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur begrüßt, bis zum Jahr 2006 das freiwillige Nachmittagsangebot für Schüler um 10 000 Betreuungsplätze zu erweitern, und ersucht, möglichst rasch eine österreichweite Bedarfserhebung für schulische Nachmittagsbetreuung durchzuführen. (Rufe und Gegenrufe bei der ÖVP und der SPÖ.)

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Meine Damen und Herren! Wir nähern uns wieder je­nem Geräuschpegel, der am Beginn der Sitzung zu einer Ermahnung geführt hat. Ich bitte Sie um ein bisschen Konzentration!

Am Wort ist die Rednerin! – Bitte, Frau Kollegin. (Weitere Rufe und Gegenrufe zwi­schen Abgeordneten von ÖVP und SPÖ.)

Am Wort ist Frau Abgeordnete Schasching!

 


Abgeordnete Beate Schasching (fortsetzend): Danke Herr Präsident. – Was mich in diesem Zusammenhang ganz besonders erstaunt, das ist der Umstand, dass jetzt plötzlich eine Bedarfserhebung betreffend 10 000 Plätze für die Nachmittagsbetreuung in den Schulen durchgeführt wird. Wir stimmen dem zu beziehungsweise haben dem zugestimmt! Ich frage mich allerdings, wer diese Bedarfserhebung jetzt durchführen soll. Die Frau Bundesministerin hat sich nämlich vor 14 Tagen geweigert, eine aus­sage­kräftige Zahl zu nennen, beziehungsweise gesagt, dass sie nicht kompetent sei, uns hier Auskunft zu geben.

Frau Bundesministerin! Bitte schön, wer soll denn das machen? Wie lange wissen Sie denn schon, dass in diesem Bereich ein Bedarf besteht? Ist es nicht schon seit langem allerhöchste Zeit, in diesem Bereich tätig zu werden? Es ist nämlich von uns nicht erst vorgestern erfunden worden, dass in diesem Bereich Bedarf gegeben ist. Ganz im Gegenteil! Wie lange wollen wir da überhaupt noch zuschauen? Wie lange wollen Sie überhaupt noch zuschauen, bis wir diesem Bedarf an Nachmittagsbetreuungsplätzen in Schulen und, so wie wir meinen, ganztägig geführten Schulen in Österreich endlich entsprechen können?

Frau Bundesministerin! Ich frage Sie daher: Was ist in der ÖVP mit dieser Debatte los? In der steirischen ÖVP konnten wir nämlich in der letzten Zeit sehr wohl sehr vernünftig und, wie ich meine, auch ideologiefrei debattieren. Ich bin auch sehr froh über die Debatten mit dem Landesgeschäftsführer der steirischen ÖVP Dr. Andreas Schnider, der sehr vernünftig und klar sagte, dass ein pädagogisches Grundkonzept ausgear­bei­tet werden müsse, welches genau festlegt, wie Kinder in der Schule den ganzen Tag optimal betreut werden.

Frau Bundesministerin! Bitte beenden Sie einmal das Chaos innerhalb der ÖVP in Sachen Debatte um die Schule! Setzen Sie sich, bitte, mit diesen vernünftigen Men­schen zusammen, damit wir gemeinsam zu dem Entschluss kommen können, diesem positiven Konzept der ganztägigen Schule – und zwar der Ganztagsschule mit einem pädagogischen Grundkonzept – zuzustimmen. (Beifall bei der SPÖ.)

Ich bestehe darauf, dass diese Form der Schule, die wir uns als Sozialdemokraten wirklich schon seit langer Zeit vorstellen und sehr wünschen, auch ideologiefrei geführt wird. Es geht nämlich in diesem Zusammenhang um die Qualität von Bildung und Ausbildung. Es geht darum, dass wir auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen, insbesondere auf die Bedürfnisse der Kinder, die den ganzen Tag in der Schule verbringen sollen und auch wollen, aber auch auf die Bedürfnisse der berufstätigen


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Eltern und vieler alleinerziehender Mütter, die ihre Kinder am Nachmittag sicher und gut betreut wissen wollen. (Abg. Dr. Fekter: Die Zwangstagsschule!) Frau Kollegin, reden Sie mit den Kollegen in der ÖPV in der Steiermark! Diese haben nämlich schon gesagt, dass es ein alter Zopf der ÖVP ist, dazu immer „Zwangstagsschule“ zu sagen. (Beifall bei der SPÖ.)

Frau Bundesministerin! Wir wünschen uns, dass es endlich eine konzeptive Arbeit im Bildungsministerium im Sinne der Menschen und vor allem im Sinne der Kinder gibt und nicht nur immer der Sparstift angesetzt wird. Wir wollen die pädagogische Qualität sichern, was eine Abkehr von den kleinen Bildungseinheiten in 50-Minuten-Portionen und eine Hinwendung zu projektorientiertem, über den Tag verteiltem Lernen bedeutet, Kinder sollen gefördert und gestützt werden. Die Lehrer sollen sich mit Kindern beschäftigen, die besondere Bedürfnisse, aber auch besondere Talente haben. Das soll über den ganzen Tag gehen, und das funktioniert wunderbar!

Wenn Lehrer mit Kindern einen ganzen Tag arbeiten können, dann entsteht auch ein wesentlich positiveres Lernklima, in welchem soziale Kompetenz, Teamfähigkeit, De­mokratiebewusstsein und Demokratiefähigkeit geschult, erlernt und erarbeitet werden kann. Auf diese Weise wird ein Klima geschaffen, das sowohl zum Nutzen der Kinder als auch zum Nutzen der Lehrer und somit sehr wohl zum Nutzen unserer Gesellschaft ist, Frau Bundesministerin! (Beifall bei der SPÖ.)

Ich spreche hier aber auch als Mutter von Pflichtschulkindern, die sich sehr wohl auch Gedanken darüber machen muss, wie ihre Kinder am Nachmittag betreut werden können. Ich würde mir wünschen, dass meine Kinder die Chance hätten, in einer Ganztagsschule den ganzen Tag mit pädagogisch geschultem Personal zu verbringen und alle Ressourcen einer Schule zu nutzen. Es sollten dies optimal eingerichtete Schulen mit Zugang zu Computern, zur Schulbibliothek, zu einem ausgebauten Turn­saal und allen Freizeiteinrichtungen sein, die man sich nur wünschen kann, in welchen die Kinder den Tag gemeinsam mit ihren Freunden verbringen können. Das ergibt näm­lich ein wunderbares soziales Umfeld und positive Lernerfolge.

Unser Familienleben am Abend wäre schulbelastungsfrei, denn die Kinder hätten dann die Schule in der Schule gelassen und das Familienleben könnte am Abend statt­finden. Es muss dann nicht noch nachgearbeitet, erarbeitet und erklärt werden, denn die Lehrer haben diese Arbeit ja in der Schule positiv erledigt. Das wäre der Wunsch einer Mutter und vieler, vieler Eltern, denn das wünschen sich, wie wir wissen, 55 Pro­zent.

Frau Bundesministerin! In Anbetracht dessen meine ich, dass es an der Zeit ist, diese Chancengleichheit in Österreich herzustellen! Wohlhabende Eltern haben schon immer gewusst, dass sie, wenn sie ihre Kinder in Privatschulen schicken, die den ganzen Tag offen haben, den Kindern einen sehr guten Start in das Leben ermöglichen, weil dort alle Ressourcen für sie kaufbar sind. Ich möchte, dass diese Art von Schule für alle österreichischen Kinder möglich ist und dass sich das alle leisten können, denn unsere Kinder sind uns das wert! (Beifall bei der SPÖ.)

Daher möchte ich Sie alle dazu auffordern, unseren Anträgen, die wir diesbezüglich einbringen, zuzustimmen! Wir wünschen uns den Ausbau von Ganztagsschulen in den nächsten zehn Jahren auf mindestens 100 000 Plätze.

Wir sind nicht so zukunftsgläubig, dass wir meinen, es wären gleich 100 Prozent mög­lich, aber ich wünsche mir, dass 50 Prozent aller Schulen als Ganztagsschulen geführt werden. Das würde sowohl die Wahlfreiheit sicherstellen, die Sie ja immer fordern, und gleichzeitig allen österreichischen Kindern die gleichen Chancen geben. Stimmen Sie diesen Anträgen zu und entziehen Sie sich nicht noch länger der Verantwortung für


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das gesamte Bildungssystem, Frau Bundesministerin! (Beifall bei der SPÖ sowie der Abg. Mag. Lunacek.)

17.20

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gelangt Frau Bundesministerin Gehrer zur Abgabe einer Stellungnahme, die nach den Bestimmungen der Geschäftsordnung 10 Minuten nicht überschreiten soll. – Bitte, Frau Ministerin.

 


17.20

Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur Elisabeth Gehrer: Herr Präsident, Hohes Haus! Ich stelle erstens fest, dass wir die Anfragen nach unserem Wissensstand gewissenhaft beantwortet haben. Wir haben die tatsächlichen Zahlen der Bundesschulen und haben die Länder dann gebeten, uns nach Schulanfang et­waige Zahlen dazu zu nennen, wie es bei ihnen jetzt ausschaut.