Plenarsitzung
des Bundesrates


Stenographisches Protokoll

 

889. Sitzung des Bundesrates der Republik Österreich

Donnerstag, 14. Februar 2019

 

 

 

Großer Redoutensaal

 


Stenographisches Protokoll

889. Sitzung des Bundesrates der Republik Österreich

Donnerstag, 14. Februar 2019

Dauer der Sitzung

Donnerstag, 14. Februar 2019: 9.01 – 16.31 Uhr

*****

Tagesordnung

1. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Ökostromgesetz 2012 (ÖSG 2012) geändert wird

2. Punkt: Bericht der Bundesregierung über Maßnahmen für die Land- und Forstwirt­schaft im Jahre 2019

3. Punkt: Bundesgesetz, mit dem die Straßenverkehrsordnung 1960 geändert wird (30. StVO-Novelle)

4. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Kraftfahrgesetz 1967 geändert wird (36. KFG-Novelle)

5. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Kraftfahrliniengesetz geändert wird

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Inhalt

Bundesrat

Antrittsansprache des Präsidenten Ingo Appé ........................................................... 8

Schreiben des Präsidenten des Niederösterreichischen Landtages betreffend Mandatsverzicht der Bundesrätin Sandra Kern sowie eines Ersatzmitglieds des Bundesrates beziehungsweise Wahl eines Mitglieds und eines Ersatzmitglieds des Bundesrates .................................................... 51

Schreiben des Präsidenten des Oberösterreichischen Landtages sowie des Am­tes der Oberösterreichischen Landesregierung betreffend Mandatsverzicht der Bundesräte Ferdinand Tiefnig und Ewald Lindinger sowie eines Ersatzmit­glieds des Bundesrates beziehungsweise Wahl eines Mitglieds und eines Ersatz­mitglieds des Bundesrates ............................................................................................................. 52

Schreiben der Präsidentin des Landtages Steiermark betreffend Mandatsver­zicht des Bundesrates Armin Forstner, MPA beziehungsweise Wahl eines Er­satzmitglieds des Bundesrates .......... 55


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 2

Schreiben des Ersten Präsidenten des Wiener Landtages betreffend Mandats­verzicht des Bundesrates Reinhard Todt beziehungsweise Wahl eines Ersatz­mitglieds des Bundesrates .......... 57

Angelobung der BundesrätInnen Mag. Dr. Doris Berger-Grabner, Dipl.-Ing. An­drea Holzner, Rudolf Kaske, Mag. Bettina Lancaster und Ernest Schwind­sackl ...................................... 11

Erklärung des Landeshauptmannes von Kärnten Dr. Peter Kaiser gemäß § 38 Abs. 3 GO-BR zum Thema „Gemeinsam für Österreich – Miteinander für Euro­pa“ – Bekanntgabe ....................... 11

Verlangen auf Durchführung einer Debatte gemäß § 38 Abs. 4 GO-BR ...................... 11

Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser ........................................................................... 11

Debatte:

Günther Novak ............................................................................................................. 16

Mag. Christian Buchmann ........................................................................................... 18

Josef Ofner ................................................................................................................... 21

Dr. Gerhard Leitner ...................................................................................................... 24

Martin Preineder (tatsächliche Berichtigung) ............................................................... 25

Mag. Dr. Ewa Dziedzic ................................................................................................. 26

Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser ........................................................................... 28

Schreiben des Bundeskanzlers Sebastian Kurz gemäß Art. 23c Abs. 5 B-VG be­treffend Nominierung eines Mitglieds für den Ausschuss der Regionen bezie­hungsweise eines Mitglieds für den Europäischen Wirtschafts- und Sozialaus­schuss ...................................................................................................... 58

Schreiben des Generalsekretärs des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres gemäß Art. 50 Abs. 5 B-VG betreffend Erteilung der Vollmacht zur Aufnahme von Verhandlungen über ein Abkommen zwischen der Regierung der Republik Österreich und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland über die Zusammenarbeit gegen nichtmilitärische Bedrohungen aus der Luft durch den Bundespräsidenten        ............................................................................................................................... 66

Antrag des Bundesrates David Stögmüller, dem Kinderrechteausschuss zur Berichterstattung über den Selbständigen Entschließungsantrag 237/A(E)-BR/2017 der BundesrätInnen David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Hil­fen für junge Erwachsene“ gemäß § 45 Abs. 3 GO-BR eine Frist bis 14. März 2019 zu setzen – Ablehnung .................................................................................  70, 139

Antrag des Bundesrates David Stögmüller, dem Kinderrechteausschuss zur Berichterstattung über den Selbständigen Entschließungsantrag 252/A(E)-BR/2018 der BundesrätInnen Inge Posch-Gruska, David Stögmüller, Kolleginnen und Kol­legen betreffend „Erhalt des Kinderbetreuungsgeldes für Krisenpflegeeltern“ gemäß § 45 Abs. 3 GO-BR eine Frist bis 14. Februar 2019 zu setzen – Ablehnung  70, 139

Verlangen auf Durchführung einer namentlichen Abstimmung ................................. 105

Unterbrechung der Sitzung ........................................................................................ 106

Aktuelle Stunde (68.)

Thema: „Das Ende des fossilen Zeitalters – Österreichs Position als Vorrei­ter bei erneuerbaren Energien ausbauen“ .................................................................................................... 30

RednerInnen:

Dr. Peter Raggl ............................................................................................................. 30

Andrea Kahofer ............................................................................................................ 32


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 3

Michael Bernard ........................................................................................................... 34

Bundesministerin Elisabeth Köstinger ............................................................... 36, 44

Karl Bader ..................................................................................................................... 38

Mag. Elisabeth Grossmann ......................................................................................... 40

Mag. Reinhard Pisec, BA MA ...................................................................................... 41

Mag. Dr. Ewa Dziedzic ................................................................................................. 42

Bundesregierung

Schreiben des Bundeskanzleramtes betreffend Aufenthalt eines Mitgliedes der Bundesregierung in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union ............................................................. 69

Vertretungsschreiben ..................................................................................................... 70

Nationalrat

Beschlüsse und Gesetzesbeschlüsse ............................................................................ 70

Ausschüsse

Zuweisungen .................................................................................................................. 45

Verhandlungen

1. Punkt: Beschluss des Nationalrates vom 30. Jänner 2019 betreffend ein Bun­desgesetz, mit dem das Ökostromgesetz 2012 (ÖSG 2012) geändert wird (505/A und 395 d.B. sowie 10119/BR d.B. und 10123/BR d.B.) ............................................................................................................... 71

Berichterstatter: Robert Seeber .................................................................................... 71

RednerInnen:

Günther Novak ............................................................................................................. 71

Dr. Magnus Brunner, LL.M. (tatsächliche Berichtigungen) ..................................  75, 79

Sonja Zwazl ................................................................................................................... 75

Stefan Schennach ........................................................................................................ 77

Ing. Bernhard Rösch .................................................................................................... 80

Jürgen Schabhüttl ...............................................................................................  82, 102

David Stögmüller .......................................................................................................... 85

Andrea Kahofer ............................................................................................................ 89

Bundesministerin Elisabeth Köstinger ..................................................................... 91

Martin Preineder ........................................................................................................... 94

Martin Weber ................................................................................................................. 96

Michael Bernard ........................................................................................................... 97

Silvester Gfrerer ........................................................................................................... 98

Dr. Magnus Brunner, LL.M. ....................................................................................... 100

Marianne Hackl ........................................................................................................... 101

Karl Bader ................................................................................................................... 102

Wolfgang Beer ............................................................................................................ 104

Entschließungsantrag der BundesrätInnen Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen betreffend „5-Punkte-Plan für mehr Ökostrom“ – Ablehnung .................................................................  74, 107

Entschließungsantrag der BundesrätInnen Karl Bader, Monika Mühlwerth, David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend „die zukünftigen Ver­handlungen über den Ausbau der erneuerbaren Energie“ – Annahme (E 258-BR/2019) .................................................................  89, 107

Annahme des Antrages des Berichterstatters, gegen den vorliegenden Be­schluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben ................................................................................................... 105


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 4

Ablehnung des Antrages des Berichterstatters, dem vorliegenden Beschluss des Nationalrates im Sinne des Art. 44 Abs. 2 B-VG die verfassungsmäßige Zustim­mung zu erteilen (namentliche Abstimmung)           ............................................................................................................................. 105

Verzeichnis des Ergebnisses der namentlichen Abstimmung ..................................... 106

2. Punkt: Bericht der Bundesregierung über Maßnahmen für die Land- und Forstwirtschaft im Jahre 2019 (III-660-BR/2018 d.B. sowie 10124/BR d.B.) ..................................................................... 107

Berichterstatterin: Andrea Wagner ............................................................................. 108

RednerInnen:

Martin Preineder ......................................................................................................... 108

Jürgen Schabhüttl ...................................................................................................... 110

Christoph Längle, BA ................................................................................................ 111

David Stögmüller ........................................................................................................ 113

Bundesministerin Elisabeth Köstinger ................................................................... 114

Ing. Eduard Köck ........................................................................................................ 115

Annahme des Antrages der Berichterstatterin, den Bericht III-660-BR/2018 d.B. zur Kenntnis zu nehmen         ............................................................................................................................. 117

3. Punkt: Beschluss des Nationalrates vom 30. Jänner 2019 betreffend ein Bun­desgesetz, mit dem die Straßenverkehrsordnung 1960 geändert wird (30. StVO-Novelle) (449 d.B. und 479 d.B. sowie 10120/BR d.B.) ............................................................................................................. 117

Berichterstatter: Christoph Steiner ............................................................................ 118

RednerInnen:

Dominik Reisinger ...................................................................................................... 118

Gerd Krusche ............................................................................................................. 119

Bundesministerin Elisabeth Köstinger ................................................................... 120

Mag. Marlene Zeidler-Beck, MBA ............................................................................. 121

Annahme des Antrages des Berichterstatters, gegen den vorliegenden Be­schluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben ................................................................................................... 122

4. Punkt: Beschluss des Nationalrates vom 30. Jänner 2019 betreffend ein Bun­desgesetz, mit dem das Kraftfahrgesetz 1967 geändert wird (36. KFG-Novelle) (471 d.B. und 480 d.B. sowie 10121/BR d.B.). ............................................................................................................................. 122

Berichterstatter: Christoph Steiner ............................................................................ 123

RednerInnen:

Dominik Reisinger ...................................................................................................... 123

Peter Samt ................................................................................................................... 124

Bundesministerin Elisabeth Köstinger ................................................................... 126

Mag. Doris Schulz ...................................................................................................... 127

Annahme des Antrages des Berichterstatters, gegen den vorliegenden Be­schluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben ................................................................................................... 128

5. Punkt: Beschluss des Nationalrates vom 30. Jänner 2019 betreffend ein Bun­desgesetz, mit dem das Kraftfahrliniengesetz geändert wird (448 d.B. und 482 d.B. sowie 10122/BR d.B.) .... 128

Berichterstatter: Christoph Steiner ............................................................................ 128

RednerInnen:

Gerd Krusche ............................................................................................................. 129

Andrea Wagner ........................................................................................................... 129


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Mag. Elisabeth Grossmann ....................................................................................... 131

Bundesministerin Elisabeth Köstinger ................................................................... 131

Inge Posch-Gruska .................................................................................................... 132

David Stögmüller ........................................................................................................ 137

Karl Bader ................................................................................................................... 137

Monika Mühlwerth ...................................................................................................... 138

Ingo Appé .................................................................................................................... 138

Annahme des Antrages des Berichterstatters, gegen den vorliegenden Be­schluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben ................................................................................................... 139

Eingebracht wurden

Antrag der BundesrätInnen

Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Ökostromgesetz 2012 (ÖSG 2012) geändert wird (256/A-BR/2019)

Anfragen der BundesrätInnen

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres be­treffend „Neuüberprüfung (Stichwort: Asyl auf Zeit) von Asylbescheiden im BFA 2018“ (3615/J-BR/2019)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Breitbandausbau in Oberösterreich (3616/J-BR/2019)

Martin Weber, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus betreffend „Schildbürgerstreich“ bei der Ausnahme von E-Autos von der IG-Luft-Geschwindigkeitsbegrenzung (3617/J-BR/2019)

Martin Weber, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, In­novation und Technologie betreffend „Schildbürgerstreich“ bei der Ausnahme von E-Au­tos von der IG-Luft-Geschwindigkeitsbegrenzung (3618/J-BR/2019)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Nachhaltig­keit und Tourismus betreffend die Rückkehr des Wolfes in Österreich (3619/J-BR/2019)

Ingo Appé, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Ge­sundheit und Konsumentenschutz betreffend „Masern impfen – Leben retten“ (3620/J-BR/2019)

Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Nachhal­tigkeit und Tourismus betreffend Klimapolitik der österreichischen Regierung (3621/J-BR/2019)

Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend der geplanten Einführung eines „Katastrophen­warnsystemes via SMS“ (3622/J-BR/2019)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres be­treffend rechtsextreme Straftaten in Oberösterreich im Jahr 2018 (3623/J-BR/2019)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres be­treffend Rechtsextreme Straftaten 2018 (3624/J-BR/2019)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz betreffend Jugendliche in Untersuchungshaft (3625/J-BR/2019)


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Mag. Elisabeth Grossmann, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus betreffend „Postenschacher und Geldverschwendung beim Weltkulturerbe ‚Spanische Hofreitschule‘“ (3626/J-BR/2019)

Anfragebeantwortungen

der Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz auf die Anfrage der BundesrätInnen Dominik Reisinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend Sozialversicherungsreform (3311/AB-BR/2018 zu 3583/J-BR/2018)

des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft und Forschung auf die Anfrage der BundesrätInnen Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen betreffend Petition der FPÖ Oberösterreich gegen den Bildungsminister Dr. Faßmann (3312/AB-BR/2019 zu 3580/J-BR/2018)

des Bundesministers für Landesverteidigung auf die Anfrage der BundesrätInnen Wolf­gang Beer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Bericht zur Zukunft der Luftraumüber­wachung (3313/AB-BR/2019 zu 3579/J-BR/2018)

des Bundesministers für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz auf die An­frage der BundesrätInnen Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen betreffend Unter­laufen des eigenen Vorhabens auf Auflösung von Art 12B-VG durch die Bundesregie­rung (3314/AB-BR/2019 zu 3578/J-BR/2018)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der BundesrätInnen Martin Weber, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Kardinal Schönborn zum humanitären Bleibe­recht“ (3315/AB-BR/2019 zu 3582/J-BR/2018)

des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft und Forschung auf die Anfrage der BundesrätInnen David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend Bestellung der pädagogischen Leitung der Bildungsdirektionen (3316/AB-BR/2019 zu 3588/J-BR/2018)

der Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus auf die Anfrage der Bundes­rätInnen Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen betreffend Fortbewegungs­mittel der Regierungsmitglieder (3317/AB-BR/2019 zu 3585/J-BR/2018)

der Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus auf die Anfrage der Bundesrä­tInnen David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend aktuellen Stand der na­tionalen Machbarkeitsstudie und den Aktionsplan von Glyphosat in Pflanzenschutzmit­tel (3318/AB-BR/2019 zu 3587/J-BR/2018)

des Bundesministers für Landesverteidigung auf die Anfrage der BundesrätInnen Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen betreffend den Ernennungsvor­schlag von Mag. Hubert Keyl zum Verwaltungsrichter (3319/AB-BR/2019 zu 3584/J-BR/2018)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der BundesrätInnen Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen betreffend Umgang mit LGBTIQ-Personen im Asylverfahren (3320/AB-BR/2019 zu 3586/J-BR/2018)

des Bundesministers für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz auf die An­frage der BundesrätInnen Wolfgang Beer, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Aufklärung der österreichischen Bevölkerung über die Datenschutz-Grundverordnung (3321/AB-BR/2019 zu 3581/J-BR/2018)


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des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft und Forschung auf die Anfrage der BundesrätInnen David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend Ansuchen der „LAIS Schule Klagenfurt“ um Öffentlichkeitsrecht (3322/AB-BR/2019 zu 3591/J-BR/2018)

des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft und Forschung auf die Anfrage der BundesrätInnen David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend Öffentlich­keitsrecht der Weinbergschule Seekirchen (3323/AB-BR/2019 zu 3590/J-BR/2018)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der BundesrätInnen David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend BMVIT Chan­nel auf oe24.at (3324/AB-BR/2019 zu 3593/J-BR/2018)

des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft und Forschung auf die Anfrage der BundesrätInnen David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend „der forma­tiven Evaluation der Grundschulreform“ (3325/AB-BR/2019 zu 3592/J-BR/2018)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der BundesrätInnen Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen betreffend Zwischenfall vor der Botschaft der Ukraine (3326/AB-BR/2019 zu 3594/J-BR/2018)

des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft und Forschung auf die Anfrage der BundesrätInnen Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verein TeenSTAR (3327/AB-BR/2019 zu 3599/J-BR/2018)

der Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort auf die Anfrage der BundesrätInnen Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen betreffend Lebens­mittelsicherheit bei Eiern und Eiprodukten (3328/AB-BR/2019 zu 3597/J-BR/2018)

des Bundeskanzlers auf die Anfrage der BundesrätInnen Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kol­leginnen und Kollegen betreffend Repräsentationsaufwand (3329/AB-BR/2019 zu 3595/J-BR/2018)

des Bundesministers für Landesverteidigung auf die Anfrage der BundesrätInnen Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen betreffend Zuneigung zu MILF (3330/AB-BR/2019 zu 3598/J-BR/2018)

der Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres auf die Anfrage der Bun­desrätInnen David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend der gefangenen österreichischen StaatsbürgerInnen und Journalisten in der Türkei (3331/AB-BR/2019 zu 3601/J-BR/2018)

der Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres auf die Anfrage der Bun­desrätInnen Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen betreffend Sicherheit österreichischer diplomatischer Vertretungen in der Türkei (3332/AB-BR/2019 zu 3596/J-BR/2018)

des Bundesministers für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz auf die An­frage der BundesrätInnen Mag. Elisabeth Grossmann, Kolleginnen und Kollegen be­treffend „Schutz von Kindern, die Opfer oder Zeugen von Gewalt in der Familie wur­den“ (3333/AB-BR/2019 zu 3602/J-BR/2018)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der BundesrätInnen David Stögmül­ler, Kolleginnen und Kollegen betreffend Was hat BM Kickl mit dem „Hitler Geburts­haus“ in Braunau vor? (3334/AB-BR/2019 zu 3603/J-BR/2018)


 


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 8

09.01.41Beginn der Sitzung: 9.01 Uhr

Vorsitzende: Präsident Ingo Appé, Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M., Vize­präsident Hubert Koller, MA.

09.01.42*****


Präsident Ingo Appé: Ich eröffne die 889. Sitzung des Bundesrates.

Das Amtliche Protokoll der 887. Sitzung des Bundesrates ist aufgelegen, unbeanstan­det geblieben und gilt daher als genehmigt.

09.02.04Antrittsansprache des Präsidenten


9.02.06

Präsident Ingo Appé: Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuschauer via Live­stream und vor den Fernsehgeräten zu Hause! Liebe Besucherinnen und Besucher auf der Galerie! Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser! Hohes Haus! Mit Jahresanfang hat Kärnten den Vorsitz im österreichischen Bundesrat und auch in der Landeshauptleutekonferenz übernommen. Es ist für mich eine große Ehre und Freude, für das nächste halbe Jahr als Bundesratspräsident tätig zu sein. Besonders freue ich mich heute über die Anwesenheit von so vielen Menschen aus meiner Heimatgemein­de Ferlach. – Seid herzlich willkommen! (Allgemeiner Beifall.)

Das Amt des Bundesratspräsidenten ist eine ganz besondere Verpflichtung und He­rausforderung; Herausforderung auch deshalb, weil meine bisherige Amtsphase im Bundesrat sehr kurz war, wurde ich doch erst im Mai letzten Jahres von Kärnten in den Bundesrat gewählt. – Vielen Dank dir, lieber Peter Kaiser, und dem Land Kärnten für dieses Vertrauen!

Bereits vor 17 Jahren, als ich Bürgermeister wurde, war ich in einer ähnlichen Situa­tion. An meiner ersten Gemeinderatssitzung nahm ich als ordentliches Gemeinderats­mitglied teil, und in der zweiten Sitzung wurde ich schon zum Bürgermeister gewählt – eine Herausforderung, die ich gemeistert zu haben glaube, da ich seit damals das Amt des Bürgermeisters von Ferlach ausüben darf.

So, wie ich meine Aufgabe als Bürgermeister erfülle, möchte ich auch die Funktion des Bundesratspräsidenten gut erfüllen. Ich werde allen demokratisch gewählten Parteien mit Respekt gegenübertreten und werde dafür arbeiten, auch ihr Vertrauen zu gewinnen.

Meine Vorgängerin Inge Posch-Gruska hat immer darauf hingewiesen: Der Bundesrat ist nicht nur eine Länderkammer, sondern auch Zukunftskammer und Europakammer in einem. In diesem Sinne muss das Vertrauen in den Bundesrat und in die Politik ge­stärkt werden. Da die zweite Kammer ein Vetorecht besitzt, ist der Nationalrat gezwun­gen, annehmbare Entwürfe auszuarbeiten. Die doppelte Beratung in beiden Kammern durch verschiedene Personen sollte zu nicht übereilten, wohlüberlegten und damit zu konsensfähigen Beschlüssen beitragen.

Liebe Bundesratskolleginnen und -kollegen, wir vertreten die Länderinteressen, wir schlagen eine Brücke zwischen den Ländern und dem Bund. Leider erhält der Bundes­rat aber nicht immer die Wertschätzung, die er verdient. Während meiner Präsident­schaft möchte ich versuchen, die Wichtigkeit des Bundesrates zu stärken und den Bun­desrat in der öffentlichen Wahrnehmung besser zu positionieren. (Allgemeiner Beifall.)

Mit zukunftsweisenden Themen schafft es der Bundesrat, wichtige Themen innerhalb der Regierung zu thematisieren. So werden von den Präsidenten Schwerpunkte ge-


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 9

setzt, die dann sehr wohl von der Regierung und von der EU auf Initiative des Bun­desrates behandelt oder sogar umgesetzt werden. Die Mitwirkung des Bundesrates in EU-Angelegenheiten darf man nicht außer Acht lassen, schließlich vertritt der Bundes­rat die Länderinteressen auch innerhalb der EU und wirkt maßgeblich bei der EU-Ge­setzgebung mit.

Ein neuer Präsident hat natürlich ganz bestimmte Vorstellungen und möchte bestimmte Schwerpunkte setzen; auch ich habe einen Schwerpunkt gewählt, der mir persönlich sehr wichtig ist.

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich dir, liebe Inge, meinen Respekt aussprechen. In­ge Posch-Gruska hat viel erreicht. Während ihrer sechsmonatigen Präsidentschaft hat sie es geschafft, sich eindringlich für Kinderrechte und Kindermitbestimmung zu enga­gieren. Im Rahmen der von Inge beauftragten Studie „Mitbestimmung in Österreich – das kann doch jedes Kind!“ wurde die aktuelle Lage der Kindermitbestimmung auf kommunaler Ebene untersucht. Die geplante Publikation mit Best-Practice-Beispielen wird es den Gemeinden als Ideenlieferant erleichtern, Kindern Mitbestimmung in ihren Gemeinden zu ermöglichen. – Liebe Inge, vielen Dank dafür! (Allgemeiner Beifall.)

Ich möchte an die hervorragende Arbeit von Inge anknüpfen, denn die Zukunft sind un­sere Kinder, und wir haben die Verpflichtung, der nächsten Generation eine intakte Um­welt zu hinterlassen.

Ein Thema, welches mich bereits als Bürgermeister immer wieder beschäftigte, ist die Ressource Wasser. Den Schwerpunkt meiner Präsidentschaft möchte ich somit auf das Thema „Wasser – die Quelle der Zukunft“ legen. Wasser ist ein Element, das nicht nur Kinder fasziniert, auch mir selbst ist das Schwimmen im See oder das unbeschwer­te Spielen am Bach noch bestens in Erinnerung geblieben. Meine Liebe zum Wasser hat sich darin fortgesetzt, dass ich den internationalen Segelschein gemacht habe und seither bei Reisen auf unterschiedlichen Meeren unterwegs bin.

Auf diesen Reisen sehe ich nur allzu oft, dass Trinkwasser nicht selbstverständlich ist. In Österreich sind wir noch in der glücklichen Lage, Trinkwasser in der besten Qualität zu haben, aber die Bereitstellung von qualitativ hochwertigem Trinkwasser muss auch zukünftig gewährleistet sein. Sauberes Trinkwasser ist für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung von wesentlicher Bedeutung. Wasserverunreinigung und Wasserknappheit können erhebliche soziale und wirtschaftliche Kosten, aber auch zukünftige Konflikte verursachen. Schutz und Sicherung der Wasserressourcen für un­sere nächsten Generationen müssen oberste Priorität haben.

Auch ich habe bereits vor Jahren in meiner Gemeinde vorgesorgt und habe die Haupt­wasserquelle in den Besitz der Gemeinde gebracht, ehe ein Industrieller oder Privater dies tun konnte. Der damalige Ankauf der Quelle war nicht einfach und stieß bei vielen auf Widerstand, aber es hat sich gelohnt und mich darin bestärkt, dass dies der richtige Weg war. Negative Beispiele wie in der kleinen französischen Ortschaft Vittel, wo ge­winnorientierte Konzerne trotz Wasserknappheit weiterhin Wasser abschöpfen, soll und darf es in Österreich nicht geben. (Allgemeiner Beifall.) Wasser ist ein öffentliches Gut und muss ein öffentliches Gut bleiben.

Besonders stolz bin ich auf Kärnten, da es in Bezug auf den Schutz des Trinkwassers bereits einige Maßnahmen setzt. So will das Land Kärnten unter der Federführung von Landesrat Daniel Fellner mit der Kärntner Wassercharta die Versorgung mit dem Le­bensmittel Nummer eins in den Verfassungsrang heben und somit Wasser mit dem größtmöglichen Schutz absichern. Mit dieser Initiative tritt man allen Privatisierungs­bestrebungen geschlossen entgegen und kann zukünftig das Kärntner Wasser für die nächsten Generationen absichern.


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Wir müssen nichts neu erfinden. Slowenien war 2016 das erste europäische Land, das Recht auf Trinkwasser in den Verfassungsrang gehoben hat. Gemeinsam mit Kärntens Landesrat Daniel Fellner konnte ich vergangene Woche bei einem Besuch des slo­wenischen Parlaments gute Gespräche führen und viele Informationen und wertvolle Tipps zu diesem Thema einholen. Der Klimawandel macht auch vor Österreich nicht halt. Zukünftig wird die Versorgung mit der Ressource Wasser auch in Österreich eine Herausforderung darstellen. Auf längere Trockenperioden folgen starke Unwetter, die Schäden in Millionenhöhe verursachen.

Österreich ist wahrlich ein Wasserparadies. Bei einer österreichweiten Umfrage im Jahr 2006 wurden die Österreicherinnen und Österreicher gefragt, worauf sie stolz sei­en. 25 Prozent nannten das saubere Wasser, die vielen Seen und Flüsse. Die Sauber­keit unserer Gewässer, intakte Wälder, unberührte Berglandschaften und unsere viel­fältige Flora und Fauna sind im Zeitalter der Industrie keine Selbstverständlichkeit. Um diese Schätze zu bewahren, müssen Geld und Zeit in Forschung investiert werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Im Rahmen einer Enquete sollen mit Exper­ten und Expertinnen Herausforderungen und Maßnahmen zum Schutz unseres Trink­wassers diskutiert und umgesetzt werden, damit auch die nächsten Generationen ein wasserreiches Österreich erleben dürfen. Zu dieser Enquete am 8. Mai möchte ich Sie schon heute recht herzlich einladen.

Ich halte mich an das Motto des amerikanischen Informatikers Alan Kay: Die Zukunft lässt sich am besten vorhersagen, wenn man sie selbst mitgestaltet. – Es liegt jetzt also in unserer Verantwortung, das Trinkwasser für zukünftige Generationen zu schüt­zen und zu sichern.

In diesem Sinne freue ich mich, in diesem halben Jahr mein Bundesland Kärnten prä­sentieren zu dürfen und dem Bundesrat die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die er verdient. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit. (Allgemeiner Beifall.)

9.11

09.11.52Mandatsverzicht und Angelobung


Präsident Ingo Appé: Eingelangt sind die Schreiben

des Präsidenten des Niederösterreichischen Landtages betreffend Mandatsverzichte beziehungsweise Wahl eines Mitgliedes und eines Ersatzmitgliedes des Bundesrates,

des Präsidenten des Oberösterreichischen Landtages sowie des Amtes der Oberöster­reichischen Landesregierung betreffend Mandatsverzichte beziehungsweise Wahl ei­nes Mitgliedes und eines Ersatzmitgliedes des Bundesrates,

des Bundesrates Ewald Lindinger betreffend Mandatsverzicht,

der Präsidentin des Landtages Steiermark betreffend Mandatsverzicht beziehungswei­se Wahl eines Ersatzmitgliedes des Bundesrates und

des Ersten Präsidenten des Wiener Landtages betreffend Mandatsverzicht bezie­hungsweise Wahl eines Ersatzmitgliedes des Bundesrates. (siehe S. 51)

Da Bundesrat Reinhard Todt mit Wirkung vom 31. Dezember 2018, Bundesrat Armin Forstner, MPA mit Ablauf des 14. Jänner 2019 beziehungsweise Ewald Lindinger mit Ablauf des 11. Februar 2019 auf ihr Mandat verzichtet haben, sind deren Ersatzmitglie­der Rudolf Kaske, Ernest Schwindsackl beziehungsweise Mag. Bettina Lancaster ex lege auf das jeweils frei gewordene Mandat nachgerückt.

Weiters haben Bundesrätin Sandra Kern mit Wirkung vom 3. Jänner 2019 beziehungs­weise Bundesrat Ferdinand Tiefnig mit Ablauf des 30. Jänner 2019 auf ihr Mandat ver-


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zichtet. Die Wahl des jeweils neuen Mitgliedes des Bundesrates wurde vom Niederös­terreichischen Landtag beziehungsweise vom Oberösterreichischen Landtag entspre­chend durchgeführt.

Die neuen Mitglieder des Bundesrates sind im Hause anwesend. Ich werde daher so­gleich die Angelobung vornehmen.

Nach Verlesung der Gelöbnisformel durch die Schriftführung wird die Angelobung mit den Worten „Ich gelobe“ zu leisten sein. – Ich ersuche nun die Schriftführung um Ver­lesung der Gelöbnisformel.


Schriftführerin Marianne Hackl: Ich verlese hiermit die Gelöbnisformel für die Mitglie­der des Bundesrates: „Sie werden geloben unverbrüchliche Treue der Republik Öster­reich, stete und volle Beobachtung der Verfassungsgesetze und aller anderen Gesetze sowie gewissenhafte Erfüllung Ihrer Pflichten.“

*****

(Über Namensaufruf durch Schriftführerin Hackl leisten die BundesrätInnen Mag. Dr. Do­ris Berger-Grabner, Dipl.-Ing. Andrea Holzner, Rudolf Kaske und Mag. Bettina Lan­caster die Angelobung mit den Worten „Ich gelobe“. – Bundesrat Ernest Schwind­sackl leistet nach Aufruf seines Namens die Angelobung mit den Worten „Ich gelobe, so wahr mir Gott helfe“.)

*****

Ich heiße Sie im Bundesrat herzlich willkommen.


Präsident Ingo Appé: Ich begrüße die neuen Mitglieder des Bundesrates recht herz­lich in unserer Mitte. (Allgemeiner Beifall.)

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, auf der Besuchergalerie die Gruppe aus der Ge­meinde Tarsdorf im Bezirk Braunau in Oberösterreich recht herzlich willkommen zu heißen. (Allgemeiner Beifall.)

09.17.05Ankündigung einer Erklärung des Landeshauptmannes von Kärnten gemäß § 38 Abs. 3 GO-BR


Präsident Ingo Appé: Ich begrüße nun den Herrn Landeshauptmann von Kärnten, Dr. Peter Kaiser, sehr herzlich bei uns im Bundesrat und gebe bekannt, dass er seine Absicht bekundet hat, eine Erklärung gemäß § 38 Abs. 3 der Geschäftsordnung des Bundesrates zum Thema „Gemeinsam für Österreich – Miteinander für Europa“ abzu­geben.

Es liegt mir hierzu ein schriftliches Verlangen im Sinne des § 38 Abs. 4 der Geschäfts­ordnung des Bundesrates vor, im Anschluss an die vom Herrn Landeshauptmann von Kärnten abgegebene Erklärung eine Debatte durchzuführen. Da das Verlangen ausrei­chend unterstützt ist, werde ich diesem ohne Weiteres stattgeben.

Ich erteile nun dem Herrn Landeshauptmann von Kärnten zur Abgabe seiner Erklärung das Wort. – Bitte. (Allgemeiner Beifall.)

09.18.10Erklärung des Landeshauptmannes von Kärnten zum Thema „Gemeinsam für Österreich – Miteinander für Europa“


9.18.11

Landeshauptmann von Kärnten Dr. Peter Kaiser: Geschätzter Herr Präsident! Wer­te Mitglieder der Ländervertreterkammer, des österreichischen Bundesrates! Geschätz-


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te Damen und Herren aus allen Teilen Österreichs! Geschätzte Zuseherinnen und Zu­seher vor den Fernsehgeräten und via Internet! Gestatten Sie mir, dass ich, da ich die Ehre habe, zum zweiten Mal hier vor dem österreichischen Bundesrat das Wort ergrei­fen zu dürfen, etwas mache, was vielleicht manchen von Ihnen ungewohnt erscheinen mag!

Als ich 2014 hier stand, war das Bundesland Kärnten in keiner sehr einfachen Situa­tion. Hypo, Heta brachten uns in Situationen, die damals das Zusammenstehen aller im Kärntner Landtag vertretenen Parteien, aller in der Kärntner Landesregierung vertrete­nen Parteien, aber auch des Nationalrates, des Bundesrates und letztendlich der öster­reichischen Bundesregierung notwendig machten. Und da hat sich erwiesen, dass ein Österreich auch auf allen unterschiedlichen Ebenen funktioniert. Ich möchte mich an dieser Stelle namens des Bundeslandes Kärnten und seiner politischen Repräsentan­tinnen und Repräsentanten bei allen, die ich genannt habe, dafür bedanken, dass in diesen schweren Stunden Kärnten nicht allein war, sondern dass wir gemeinsam eine nicht leichte Situation bewältigen konnten. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

Geschätzte Damen und Herren! Ich möchte meine Erklärung auch dahin gehend nut­zen, dieses Motto, das ich gemeinsam mit dem Präsidenten Ingo Appé gewählt habe, auch aus meiner Sicht sehr wohl politisch, den Bundesrat miteinbeziehend, und auch die Interdependenz, die wechselseitige Wirkung verschiedenster politischer Ebenen, darzustellen.

Das Motto „Gemeinsam für Österreich – Miteinander für Europa“ ist eines, das darauf abzielt, dass Politik immer nur in engster Abstimmung mit der Bevölkerung, aber auch auf einer entsprechenden Gesprächsebene zwischen den politischen Parteien stattfin­den kann. So wie wir in Österreich und in Kärnten auf gewissen Ebenen gut kooperie­ren, so ist es auch notwendig, dies in der einen Richtung mit den Gemeinden, in der anderen Richtung mit der europäischen Ebene zu praktizieren, denn eines ist, glaube ich, für uns alle klar: Politik, die sich isoliert, nur auf eines fokussiert, wird niemals reüs­sieren können, Politik aber, die sich mit dem Blick auf die Bevölkerung, mit dem Blick auf das Gemeinsame orientiert, wird auch eine Chance haben, das, was sie will, umzu­setzen.

Miteinander reden, verhandeln, diskutieren, auch disputieren, von mir aus auch gegen­sätzlich, aber letztendlich gemeinsam einbinden, das sind aus meiner Sicht Bestand­teile einer politischen Gemeinsamkeit, die gute Chancen hat, zu reüssieren und damit auch das zu machen, was unser aller gemeinsame Aufgabe ist, nämlich Österreich und seine Menschen ein weiteres Stück des Weges voranzubringen. (Beifall bei der SPÖ, bei BundesrätInnen der ÖVP sowie des Bundesrates Stögmüller.)

Ich habe ganz bewusst das Beispiel Kärnten am Anfang genannt. Wir haben es er­fahren, was es heißt, dass man schwierige Situationen in Gemeinsamkeit lösen kann. Ich sehe das daher auch als etwas Beispielgebendes, denn alle von Ihnen, die Sie hier heute den Bundesrat repräsentieren, wissen, dass diese Situation auch eine war, bei der Politik allein nicht mehr erfolgreich sein konnte, sondern dass es notwendigerweise auch wichtiger Instrumente auf Landesebene bedurfte, nämlich gesetzgebende Körper­schaft zu sein und damit auch Voraussetzungen zu schaffen, die letztendlich entschei­dend waren, dass Krisen bewältigt werden konnten; und wie wichtig solche gesetzge­bende Körperschaften sind, hat dieser zitierte Bereich aus meiner Sicht bereits bewie­sen.

Ich kann daher auch von dieser Seite her mit der dahinterstehenden Erfahrung einmal mehr nur appellieren, sich daran zu erinnern, dass das Gemeinsame zwischen Län­dern und Bund, das Gemeinsame zwischen der Republik Österreich und der Europäi­schen Union, aber auch das Gemeinsame im Sinne der Subsidiarität mit den Gemein­den und Städten Österreichs etwas ist, das dieses Österreich zu dem gemacht hat,


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was es heute ist, und die Basis dafür ist, auch in Zukunft weitere positive Entwick­lungen einleiten zu können.

Geschätzte Damen und Herren! Das Miteinanderreden ist, glaube ich, eines der we­sentlichsten Elemente der Demokratie, das ist nicht übertriebene Harmonie. Damit spreche ich auch an, dass beim Miteinanderreden – und das impliziert auch das Zuhö­ren – Argumente ausgetauscht werden können und damit vielleicht auch positive Argu­mente des anderen oder der anderen in eigene Meinungsbildungen einfließen können. Das ist für mich das Wesen der Demokratie und damit auch des Parlamentarismus – egal auf welcher Ebene, egal unter welchen Stärkeverhältnissen, egal welches Thema. Daher glaube ich auch, dass dieses Miteinanderreden eines jener Elemente ist, das immer wieder dann im Besonderen anzuwenden ist, wenn es zu unterschiedlichen Be­wertungen kommt.

Ich möchte eines sehr offen ansprechen, denn die Chance eines Landeshauptmannes, vor Bundesräten zu reden, möchte ich auch dahin gehend nutzen, ein klares Plädoyer für die Gewaltentrennung nach Montesquieu auszusprechen: Die Exekutive hat zu voll­ziehen, was die Legislative entscheidet. Das ist das Wesen unserer Demokratie, unse­rer Gewaltentrennung; und gerade aus diesem Aspekt heraus ist es mir sehr wichtig, dass wir in allen notwendigen Bereichen Entscheidungen treffen, die letztendlich auch so zu treffen sind, dass sie dem Positiven entsprechen, was die Intention von Anträgen ist. (Beifall bei der SPÖ sowie des Bundesrates Stögmüller.)

Wenn ich konkret auf ein Beispiel der jüngeren Vergangenheit in Österreich verweisen darf, dann möchte ich sagen, die Kinderbetreuung war eines jener Themen, bei dem ich mir gewünscht hätte, dass alle Bundesländer und ihre diese Ressorts vertretenden Persönlichkeiten in die Verhandlungen zur 15a-Vereinbarung – ein Staatsvertrag zwi­schen Bund und Ländern – eingebunden werden. Es bedurfte einiger politischer Maß­nahmen, die ich mir gerne erspart hätte, um das zu erreichen, was letztendlich einge­treten ist, nämlich ein Gespräch auf Augenhöhe und dann postwendend am nächsten Tag unter Einbeziehung aller neun Bundesländer Verbesserungen für die 15a-Verein­barungen, die somit einen Sieger hatten, nämlich die Kinder in Österreich. Das war das Ziel und die Intention. (Beifall bei der SPÖ sowie der BundesrätInnen Dziedzic und Stögmüller.)

Geschätzte Damen und Herren! Heute kann der Bundesrat seine Bedeutung und seine Stärke deutlich machen. Ich hätte mir persönlich, wie im vorhergehenden Fall, eine an­dere Form gewünscht, aber die Ökostromnovelle ist ein aktuelles Beispiel dafür, warum Gespräche auf Augenhöhe vor einer Beschlussfassung der bessere und der zielfüh­rendere Weg sind, inklusive auch gesetzlich vorgeschriebener und in den meisten Fällen auch anzuwendender Begutachtungsverfahren. Ich persönlich hoffe inständig im Interesse von uns allen, dass man daraus lernt, neu verhandelt und rasch zu einer von einer breiten Masse getragenen Beschlussfassung kommt. Ich glaube, dass auch das im Interesse Österreichs ist. (Beifall bei der SPÖ.)

Geschätzte Damen und Herren! Ein positives Beispiel, wie diese Zusammenarbeit auf den unterschiedlichen Ebenen funktioniert, was auch Aufgabenstellung im Rahmen meiner Vorsitzführung in der Landeshauptleutekonferenz ist, ist die Causa Brexit. Wir haben es in engster Abstimmung mit Bundesminister Blümel geschafft, eine außeror­dentliche Landeshauptleutekonferenz abzuhalten, die die enge gesetzliche Abstim­mung zwischen Bundeskompetenzen und Landeskompetenzen und ein einheitliches Auftreten Österreichs im Konzert der Europäischen Union der dann 27 ermöglicht. Auch das ist eine jener Aufgabenstellungen, die aus meiner Sicht zeigen, wie wichtig es ist, Dinge gemeinsam zu erörtern, um damit die für Österreich notwendigen Posit­ionen beziehen zu können, denn die NutznießerInnen, auch dort, werden viele Studie­rende sein, die im Vereinigten Königreich oder aus dem Vereinigten Königreich bei uns


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studieren; es werden viele Menschen sein, die Wohnbauförderungen auf Landesebene beziehen. Für sie haben wir auch die notwendigen Verantwortlichkeiten zu tragen.

Ich glaube aber auch, dass es heute hoch an der Zeit ist, ein klares Bekenntnis zu Eu­ropa abzugeben – zu einem Europa, das ich mir gerade angesichts der globalen Si­tuation noch stärker, noch intervenierender, dort, wo es im Interesse der Menschen ist, wünsche; ein Europa, das ich in vielen seiner Entwicklungen nicht unkritisch sehe, aber ein Europa, das meiner Meinung nach unersetzbar ist, weil es als politische Institution nicht nur die längste Periode des Friedens gesichert hat, sondern weil es, glaube ich, auch die Voraussetzung ist, um im globalen Kontext wichtige Interessen der Menschen entscheidend vertreten zu können. (Beifall bei der SPÖ und bei BundesrätInnen der ÖVP.)

Die enge Abstimmung europäischer Politik mit der Bundespolitik ist meiner Ansicht nach auch eine wichtige Aufgabe des österreichischen Bundesrates. Ich bin daher auch sehr froh darüber, dass wir auch aufgrund entsprechender Verfassungsänderun­gen in den Ländern, wie am Beispiel Kärntens, immer wieder Europastunden abhalten können, Europaabgeordnete genauso wie Bundesräte das Rederecht erwirkt haben, um damit diesen Zusammenhang, der in der politischen Gestaltung unverzichtbar ist, auch öffentlich dokumentieren zu können.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch darauf hinweisen, dass die europäische Ebene im Verhältnis zur Regionalpolitik eine sehr entscheidende ist. Ich spreche mich daher auch als Sprecher der Landeshauptleute ganz deutlich dafür aus, dass im Mehr­jährigen Finanzrahmen der Europäischen Union, der die Jahre 2021 bis 2027 betrifft, alles dafür getan wird, dass insbesondere die Mittel für die Kohäsionspolitik, Regional­förderungen, die Interregprojekte, die Efreprojekte, nicht gekürzt werden, denn sie sind die unabdingbare Voraussetzung für eine positive Entwicklung in allen neun Bundes­ländern und damit auch in der Republik Österreich. Wir haben alles zu tun, dass so­wohl die Mittel für die Gemeinsame Agrarpolitik als auch für die Kohäsionspolitik mit den Regionalprogrammen möglichst ungekürzt bleiben. Das muss auch das Ziel ge­meinsamer Anstrengungen der österreichischen Bundesregierung, der österreichi­schen Parlamente, aber auch der Landesregierungen sein. Dafür spreche ich mich ganz deutlich aus. (Beifall bei der SPÖ sowie des Bundesrates Stögmüller.)

Geschätzte Bundesräte, gestatten Sie mir auch, dass ich eine sehr kritische Anmer­kung zu einer Tendenz mache, die in der Gesellschaft leider immer stärker wird! Ich bemerke so etwas wie ein immer stärker werdendes Empathiedefizit. Wie es anderen geht, scheint immer mehr an Bedeutung zu verlieren. Auch bei politischen Diskussio­nen in der Öffentlichkeit ist das meiner persönlichen Wahrnehmung nach leider spür­bar. Es geht mir nicht besser, wenn es anderen schlechter geht: Das ist ein für mich sehr wichtiges Bekenntnis, das immer wieder auch Leitfaden in der Politik bei Entschei­dungen werden soll, was Soziales, die Absicherung von Menschen, die Schwierigkei­ten haben, betrifft, sei es finanzieller, sei es anderer Natur, dass das eben mitgedacht wird. Ich spreche mich daher als Landeshauptmann von Kärnten und als Sprecher der Landeshauptleute auch sehr eindeutig für einen Grundsatz aus, den ich in der Politik immer wieder angewendet sehen möchte: Rechtsanspruch anstatt Almosen – das ganz bewusst in dieser Zuspitzung. (Beifall bei der SPÖ sowie des Bundesrates Stögmüller.)

Geschätzte Damen und Herren! Ähnliches gilt auch für andere politische Bereiche, ganz besonders für den Gesundheits- und den Pflegebereich. Ich denke, dass das ös­terreichische Gesundheitssystem ein positives und beispielgebendes ist. Was mir wich­tig ist, ist, dass es im Gesundheitswesen den gleichen Zugang zu den gleichen Leis­tungen gibt, dass wir zu einer Harmonisierung im Zuge dieser Reform, die sehr unter­schiedlich bewertet wird, kommen, dass es aber jedenfalls zu keiner Benachteiligung der Bundesländer kommt, sei es auf direktem oder indirektem Weg. Das gilt es aus-


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zuschalten, daher haben wir diesbezüglich auch gemeinsam mit einem anderen Bun­desland den Konsultationsmechanismus ausgelöst, um eben, wie es in einer Demo­kratie notwendig ist, diese Frage sehr tiefgehend zu erörtern und von der einen Seite her Beweise erbringen zu können oder von der anderen Seite her solche falsifizieren zu können.

Ich möchte aber in meiner Zeit als Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz auch einen Bereich ansprechen, der viel zu wenig diskutiert wurde, obwohl er alle, jede und jeden von uns betreffen wird. Es ist der Bereich der Hospiz- und Palliativmedizin. Es gab in jeder Regierungserklärung aller Bundesregierungen in den letzten Jahren ein klares Bekenntnis dazu. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass wir gemeinsam, alle Bundesländer, eine Position der Länder zustande bringen, die diesen Bereich nachhal­tig regelt, sei es auf Ebene einer 15a-Vereinbarung oder – aus meiner Sicht noch bes­ser – im Rahmen der wieder stattfindenden Finanzausgleichsverhandlungen. Hospiz- und Palliativmedizin sind in einer modernen Gesellschaft Bereiche, die nicht tabuisiert, sondern offen angesprochen werden sollen. Das sehe ich auch als Aufgabe eines am­tierenden Vorsitzenden der Landeshauptleutekonferenz. (Beifall bei der SPÖ sowie bei BundesrätInnen von ÖVP und FPÖ.)

Geschätzte Damen und Herren! Wir alle sind mit dem Phänomen der sozialen Medien konfrontiert, die leider eine neue – nennen wir es unter Anführungszeichen – „Qualität“ gebracht haben: Hasspostings sei das dafür verwendete Schlagwort. Ich bin sehr dankbar dafür – das zeigt auch, wie gut Zusammenarbeit funktionieren kann –, dass Bundesminister Moser und ich als Sprecher der Landeshauptleute gemeinsam Schritte überlegen werden, die wir bei der nächsten Landeshauptleutekonferenz erörtern wer­den, basierend auf Vorschlägen einer Arbeitsgruppe aus Expertinnen und Experten des Bundes und der Länder. Es geht darum, dass wir da keine Straffreiheit dulden kön­nen. Es ist notwendig, dass man sich nicht in der Anonymität des Netzes hinter ge­wissen Schutzmechanismen, die die Falschen schützen, verstecken kann und – und das ist mir wichtig – dass wir mit aller Kraft gegen den Hass im Netz, gegen die Gewalt der Worte antreten, denn die Gewalt der Worte, geschätzte Damen und Herren, führt leider allzu oft zur Gewalt in Taten; und davon ist Österreich gerade in jüngster Zeit im Besonderen betroffen. (Beifall bei der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Der Präsident des Bundesrates Ingo Appé hat einige Dinge, insbesondere Wasser, die Wassercharta, genannt, die uns im Rahmen der Vorsitzfüh­rung wichtig sind. Ich möchte von meiner Seite her nur zwei Aspekte abschließend ansprechen, für die ich mich auch im Besonderen miteinsetzen möchte: Das ist die Stärkung der Regionalität, insbesondere was den Bereich unserer Lebensmittel betrifft.

Ich möchte mich aber auch dafür einsetzen, dass wir sehr zukunftsorientiert gegen ge­wisse Entwicklungen antreten. Manchmal zeigt sich auch, dass es Bundesländern ge­lingen kann, die eine oder andere EU-Rechtsprechung und -Meinung zu konterkarie­ren, dann nämlich, wenn es um das Wohl der Menschen geht. Ich verweise darauf, dass es gelungen ist, in Teilbereichen Glyphosat und andere Pestizide vom Markt zu verbannen, indem wir in Kärnten – EU-notifiziert – die Möglichkeit bekommen haben, dass nur noch jene Menschen solche Mittel anwenden dürfen, die dafür die entspre­chende Ausbildung haben – ein Erfolg des Kärntner Landtages, ein Erfolg, den ich ger­ne mit vielen anderen Bundesländern, wie beispielsweise dem als nächsten folgenden, dem Burgenland, teilen möchte.

Geschätzte Damen und Herren! Ich komme zum Schluss. Ich weiß – ich habe das an den Mienen ablesen können –, dass Sie nicht alle meine Worte und Gedanken geteilt haben, zumindest nicht alle hier im Haus befindlichen Fraktionen. Ich habe sie trotz­dem ausgesprochen, weil ich ein Mensch der offenen Worte bin, und der Wunsch nach Gemeinsamkeit in der Politik, verbunden mit der Bedeutung, aber auch der Verantwor-


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tung, die Sie, die wir alle, die in der Politik tätig sind, zu tragen haben, hat mich dazu veranlasst, auch an einem Tag, der eine gewisse Historizität für den österreichischen Bundesrat bringt, so klar und so deutlich zu sein. Ich ersuche Sie, das auch in der ent­sprechenden Form zur Kenntnis zu nehmen. Sollte es zu hart gewesen sein, ent­schuldige ich mich (Bundesrätin Mühlwerth: Das halten wir schon aus!), sollte es zu wenig hart gewesen sein, drohe ich Ihnen an, dass ich in viereinhalb Jahren wieder hier stehen werde. (Heiterkeit bei der SPÖ.) – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksam­keit. (Anhaltender Beifall bei der SPÖ sowie Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie der Bun­desrätInnen Dziedzic und Stögmüller.)

9.36


Präsident Ingo Appé: Ich danke Herrn Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser für seine Ausführungen.

Ich möchte noch eine Begrüßung nachholen: Es freut mich, dass Herr Präsident außer Dienst Edgar Mayer und Herr Vizepräsident außer Dienst Ewald Lindinger auf der Ga­lerie sind. Herzlich willkommen! (Allgemeiner Beifall.)

Wir gehen in die Debatte ein.

Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Günther Novak. Ich erteile ihm dieses.


9.37.30

Bundesrat Günther Novak (SPÖ, Kärnten): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Lan­deshauptmann! Sehr geehrte Damen und Herren auf der heute vollbesetzten Galerie hier im Plenarsaal! Meine sehr verehrten Damen und Herren zu Hause vor den Bild­schirmen! „Gemeinsam für Österreich – Miteinander für Europa“: ein kurz und knapp formuliertes Motto, jedoch mit einer entscheidenden und bedeutenden Aussage – einer Aussage, die in Zeiten der wachsenden nationalen Egoismen in der Gesellschaft an Geltung gewinnt. Es steckt darin ein klares Bekenntnis zur Demokratie, zum Rechts­staat, ein Bekenntnis zur Gleichberechtigung und unteilbaren Menschenwürde in ei­nem starken, stabilen, gerechten Österreich und einem einigen und erfolgreichen Europa.

Der Herr Landeshauptmann hat es schon angesprochen: Wir erleben jetzt aufgeregte Tage in der EU, die nicht enden wollende Diskussion zum Thema Brexit. Niemand weiß, wie das ausgehen wird. Wenn es so ausgeht, wie wir uns das alle vorstellen, dann wird das nicht gut sein, nicht gut für Großbritannien, nicht gut für Europa. Es ist auch erschreckend, zu sehen, mit welcher Kurzsichtigkeit gegen die EU vorgegangen wird. Man muss sich stets bewusst sein, dass die EU bei allen Unzulänglichkeiten, die es gewiss auch gibt, doch die bedeutendste zivilisatorische Leistung der Nachkriegs­zeit darstellt; als ein von Waffen und Ideologen zerstörter, am Boden liegender Kon­tinent einen Weg des Miteinanders eingeschlagen hat, der Hunderte Jahre alte Kon­flikte, Rivalität und Chaos durch einen gemeinsamen Geist des Friedens ersetzt hat.

Es ist nun unsere gemeinsame Aufgabe in der Politik, Europa über alle Parteigrenzen hinweg zu stärken und zu kooperieren. Kärnten profitierte in vielfacher Hinsicht davon. Der Herr Landeshauptmann hat es schon erklärt, ich möchte das noch einmal mit Zah­len unterlegen: Wir in Kärnten haben seit dem Beitritt 1995 2 Milliarden Euro in der EU abgeholt. Wir haben bis zum Jahr 2020 420 Millionen Euro zur Verfügung.

Viele, die hier herinnen sitzen, sind Bürgermeister, arbeiten vor Ort und wissen, dass man Geld aus dem Leaderbereich heranschaffen kann und gute Projekte damit unter­stützen kann. Das trifft auch auf den Efrebereich zu, auf den ESF, und man kann mithilfe von Erasmus Studentenaustausch fördern. Das alles ist sehr wichtig. Die Un­terstützung und die Förderung von Standortentwicklung und grenzüberschreitender Zu­sammenarbeit – so wie es bei uns in Kärnten in vielen Bereichen, im Bereich der In­frastruktur, der Forschung, der Innovation, der Bildung ist – tragen vor allem auch zu den positiven Wirtschaftszahlen, die wir in Kärnten haben, bei. Wenn man sich allein


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die milliardenschwere Investition von Infineon anschaut, dann weiß man, wie wichtig das Zusammenwirken dieses Wirtschaftsraums ist. (Beifall bei der SPÖ.)

Nicht umsonst sitzt unser Landeshauptmann im Europäischen Ausschuss der Regio­nen – das ist Chefsache –: um mit dabei zu sein, um zu sehen, was passiert und was für unser Land Kärnten gemacht werden kann.

Meine Damen und Herren! Wir reden nicht nur von einer Wirtschaftsgemeinschaft, wir reden auch von einer Wertegemeinschaft. Wir reden von Werten wie Freiheit, Demo­kratie und Achtung der Menschenrechte, basierend auf Grundfreiheiten sowie auf der Rechtsstaatlichkeit. Das alles muss garantiert werden und bleiben. Die großen globa­len Fragen der Migration, der Steuergerechtigkeit bei Großkonzernen, der gerechten Vermögensverteilung, der Handelsabkommen – das haben wir hier ja lange genug dis­kutiert –, des Umwelt- und Naturschutzes sind nur in Europa zu lösen. Mitbewerbern wie den USA, Russland und China können wir nur als geeintes Europa gegenüber­treten.

Wenn ich mir vorstelle, dass der letzte Präsidentschaftswahlkampf in Amerika von ei­nem Mann, von Steve Bannon, beeinflusst worden ist, der sich im Darknet herumge­trieben hat, um dort den Wahlkampf zu beeinflussen – das ist ihm auch grundsätzlich gelungen –, und sich dieser Mann jetzt nach Europa begeben hat und versucht, den EU-Wahlkampf zu beeinflussen, dann kann ich mir ausrechnen, was auf uns zukommt. Ich glaube bei dieser Gelegenheit sagen zu können, dass Europa als solches - - (Bun­desrat Steiner: Silberstein!) – Entschuldigung, was hast du gesagt? (Bundesrat Stei­ner: Tal Silberstein! – Bundesrat Köck: Den habt ihr gehabt! – Bundesrat Weber: Lass ihn reden!) – Also Bannon und Silberstein sind, glaube ich, nicht zu vergleichen.

Es braucht ein handlungsfähiges Europa, meine Damen und Herren. Das wird für uns in weiterer Folge sehr wichtig sein, denn wenn wir ein schwaches Europa haben, wür­de das diesen drei großen Nationen nur nützen. Freilich bedarf es mancher Korrektu­ren und Verbesserungen. Die EU hat manchen Irrweg hinter sich und darf nicht zu einem bürokratischen Gerippe verkommen. Kritik muss konstruktiv sein und sie muss weiterbringen. Wir Kärntner sind bereit, aktiv mitzugestalten.

Es lässt aber nichts Gutes erahnen, wenn etwa der FPÖ-Spitzenkandidat zum Wahl­kampfauftakt mit echter Kampfrhetorik seinen Mitbewerbern verbal den Fehdehand­schuh ins Gesicht wirft. Es lässt nichts Gutes erahnen, wenn die AfD, die offen die Ab­schaffung des EU-Parlaments fordert, in der FPÖ einen Partner im Geiste sieht oder wenn ein Kommissionspräsident oder andere Staatschefs unqualifiziert attackiert wer­den. Umso mehr müssen wir hier und heute die Begeisterung bei den Menschen in Ös­terreich wecken, zur Wahl zu gehen, um ein gerechtes Europa zu erarbeiten.

Zu Österreich: Die Globalisierung hat die Welt näher zusammengerückt, aber sie hat sie nicht im gleichen Ausmaß gerechter gemacht. Das gilt im Großen, vor allem aber auch im Kleinen. Die bisherige Bilanz dieser Regierung mit dem 12-Stunden-Tag, mit der Zerschlagung der Sozialversicherung, dem Kippen des Rauchverbots in der Gastro­nomie oder der Kürzung der Mindestsicherung – um nur einige Gesetzesinitiativen zu nennen – ist verheerend und ein Beleg für die großen Einschnitte, die auf uns und auf die Bevölkerung zukommen. (Bundesrätin Mühlwerth: Das habt ihr beim 12-Stunden-Tag auch gesagt! Und hat es gestimmt? – Nein!) Wir Sozialdemokraten wollen, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, ein gutes Leben zu führen, mit dem Recht auf eine gute Ausbildung, auf fair bezahlte Arbeit, auf beste medizinische Versorgung und auf Pflege und Unterstützung, wenn es notwendig ist. (Beifall bei der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Wenn ich mir die Änderungen, die im Bereich der Bedarfs­orientierten Mindestsicherung auf uns zukommen werden oder zumindest angedacht sind, anschaue, sehe ich, dass das vor allem Familien (Bundesrätin Mühlwerth: Fami­lien? Aha!), in besonderem Maße kinderreiche Familien, Pflegebedürftige, aber auch


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Zuwanderer betrifft. Es trifft damit vornehmlich einen Personenkreis, der ohnedies viel­fach an der Armutsgrenze lebt und für den weitere Einsparungen eine Existenzfrage darstellen. (Bundesrätin Steiner-Wieser: Energiearmut!)

Im Zuge des Begutachtungsverfahren – da hat es ja eines gegeben – gab es 130 Stel­lungnahmen, davon waren drei positiv. Das sollte euch endlich einmal zu denken ge­ben, nämlich was die Menschen vor Ort denken. Wenn Kardinal Christoph Schönborn sagt, dass am Rand der Gesellschaft gespart wird, dann hat er wohl recht. Besonders gut gefallen hat mir der Spruch des Herrn Landeshauptmannes, den er hier getätigt hat: „Es geht mir nicht besser, wenn es anderen schlechter geht“. – Das ist wahr und richtig! (Beifall bei der SPÖ.)

Meine Damen und Herren, ich möchte gar nicht auf die 150 Euro eingehen, die laut der Sozialministerin reichen, um davon einen Monat lang leben zu können, ich habe aber das Gefühl, dass man in der Regierung mit Aussagen bewusst provozieren will und die allgemeine Empörung dazu nutzt, um sich als missverstandenes Opfer darzustellen. Das ist ein Spiel, das Ausreizen der Grenzen des Erträglichen, das Ausloten des Mögli­chen. Ein brandgefährliches Spiel hat ja auch Bundesminister Kickl gespielt, indem er an der Rechtsstaatlichkeit und an der Europäischen Menschenrechtskonvention ge­zweifelt hat. (Bundesrätin Mühlwerth: Kickl hat trotzdem recht gehabt!)

Meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss: Wir in Kärnten haben einige Pro­jekte auf den Weg gebracht; mein Kollege Gerhard Leitner wird noch über die Pflege reden. Ich aber möchte vielleicht eines noch kurz verstärken, bevor ich zum Abschluss komme: Sie haben in den letzten drei Tagen im Fernsehen gesehen, dass über die Artenvielfalt in der Tierwelt bei uns in Österreich und auch in Deutschland diskutiert wird. Es wurde gezeigt, dass die Hälfte der Arten weggefallen ist. Wir in Kärnten sind mit unserem Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser die Ersten, die zumindest im privaten Bereich ein Verbot von Glyphosat angekündigt haben. Strengen Sie sich an, versuchen wir, das auf österreichischer Ebene durchzusetzen und dann weiter im Bereich der Landwirtschaft, sonst wird das passieren, was im Fernsehen jeden Tag berichtet wird, nämlich dass die Artenvielfalt der Tiere verschwindet! (Beifall bei der SPÖ sowie der BundesrätInnen Dziedzic und Stögmüller.)

Einen Satz noch zum Wasser, weil der Herr Präsident dieses Thema angesprochen hat: Sie wissen, dass 97,5 Prozent des Wassers auf der ganzen Welt Salzwasser sind, 2,5 Prozent Süßwasser. Wie bewusst wir mit der Ressource Wasser umgehen müs­sen, ist, glaube ich, jedem klar; in diesem Raum sitzen genug Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die das wissen. Wir in der Nationalparkgemeinde Mallnitz verlangen für einen Kubikmeter Wasser 0,90 Cent, in Kopenhagen kostet er derzeit 6,79 Euro. Sie sehen also, welche Probleme auf uns zukommen. Auf dieser Welt gibt es siebenein­halb Milliarden Einwohner, und davon haben 783 Millionen keinen Zugang zu saube­rem Wasser – wir wissen, was in diesem Bereich auf uns zukommt.

Zum Abschluss: Das Miteinander in der Politik, auf Augenhöhe eine offene, vorurteils­freie Diskussion zu maßgeblichen und dringenden Problemen unserer Gesellschaft zu führen, das ist das Wichtigste. Wir Sozialdemokraten stehen für eine lösungsorientierte Sachpolitik und für „Gemeinsam für Österreich“. (Beifall bei der SPÖ.)

9.49


Präsident Ingo Appé: Ich darf nun noch eine weitere Präsidentin des Bundesrates au­ßer Dienst begrüßen: Ana Blatnik, herzlich willkommen! (Allgemeiner Beifall.)

Zu Wort gemeldet ist Bundesrat Christian Buchmann. Ich erteile ihm dieses.


9.50.01

Bundesrat Mag. Christian Buchmann (ÖVP, Steiermark): Geschätzter Herr Präsi­dent! Lieber Herr Landeshauptmann! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Bundesrat! Meine sehr geehrten Damen und Herren hier im Hause, vor den Fernsehgeräten und


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via Internet! Diese Debatte mit dem Landeshauptmann des vorsitzführenden Bundes­landes Kärnten findet, wie ich meine, in einer besonders spannenden Zeit statt, in einer besonders herausfordernden Zeit, in der wir – Herr Landeshauptmann Kaiser hat es angesprochen – den globalen Kontext nie außer Acht lassen sollten: dass wir in einer Welt leben, in der es Kriege gibt, dass wir in einer Welt leben, in der es Krisen gibt, in einer Welt, in der die Wirtschaft zum Spielball gemacht wird, wenn es um Interessen von Regionen und Nationalstaaten geht, und in einer Welt, in der Armut, Hunger, Not und Leid nicht vom Erdball verbannt sind.

So ist es, glaube ich, notwendig, auch einige Schlaglichter auf diese Welt zu werfen, auf unsere Europäische Union zu werfen, auf Österreich und die Möglichkeiten, die Re­gionen und Bundesländer und somit wir als Ländervertreter im österreichischen Parla­ment haben, um einzugreifen, um den Menschen bei uns im Land und vielleicht auch darüber hinaus ein Stück weit Sicherheit und Zukunft zu offerieren, auf Basis der Grundrechtecharta der Europäischen Union, der Menschenrechtscharta und der Grundfreiheiten, die es in der Europäischen Union gibt – die für viele heute eine Selbst­verständlichkeit sind, aber nicht wirklich eine Selbstverständlichkeit sind –, nämlich vom freien Personenverkehr über den freien Warenverkehr, über den freien Dienstleis­tungsverkehr bis hin zum freien Kapitalverkehr. Wir können den Menschen, die in Eu­ropa leben, ein Stück weit Sicherheit und eine Perspektive für die Zukunft geben.

Ich kenne Herrn Landeshauptmann Kaiser seit vielen Jahren als einen engagierten Vertreter seines Heimatbundeslandes, aber auch der österreichischen Bundesländer insgesamt, im Ausschuss der Regionen. Wir beide waren auch in der Fachkommission für Wirtschaftspolitik und haben versucht, unsere Regionen und Europa insgesamt durch Initiativen weiterzubringen. Es sind meist die Themen, die selten in den Head­lines großer Medien stehen, die die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes ganz be­sonders betreffen.

Es wurde der Brexit angesprochen: Man könnte meinen, das sei ein Problem zwischen einem Land und den 27 in der Europäischen Union verbleibenden Ländern und werde sich schon irgendwie ausgehen, aber wir haben gestern im EU-Ausschuss des Bun­desrates eine sehr engagierte Debatte über Notfallmaßnahmen für den Fall, dass kein Deal, also kein Abkommen mit Großbritannien zustande kommt, geführt, um sicherzu­stellen, dass die Österreicherinnen und Österreicher, die Menschen aus unseren Bun­desländern, die in Großbritannien leben und arbeiten, Möglichkeiten vorfinden, um dortbleiben zu können. Es soll auch vice versa so sein, es soll Reziprozität gegeben sein, damit auch Briten in Österreich und in Europa diese Möglichkeiten haben. Das sind ja existenzielle Fragen, nicht nur für die einzelnen Personen, sondern sehr oft auch für deren Familien, die mit ihnen in diesen Ländern leben, und damit auch Zu­kunftsfragen, mit denen Ängste verbunden sind. Ich glaube, unsere vornehmste Aufga­be als Repräsentanten der österreichischen Bevölkerung ist es, diesen Menschen ein Stück weit Sicherheit zu offerieren, soweit man das beim jetzigen Stand der Verhand­lungen überhaupt tun kann.

Es wurde angesprochen, dass der Mehrjährige Finanzrahmen in Verhandlung steht, und ja, der Mehrjährige Finanzrahmen auf europäischer Ebene hat auch große Auswir­kungen auf die österreichischen Bundesländer. Kollege Novak hat die Erfolgsge­schichte seines Bundeslandes beim Einwerben von europäischen Fördermitteln ange­sprochen. Ich als Steirer könnte Ihnen dieselbe Erfolgsgeschichte betreffend mein Hei­matbundesland erzählen: Wir konnten seit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union in meinem Heimatbundesland über 70 000 Beschäftigungsverhältnisse zusätz­lich aufbauen.

Das allein sind doch, neben den Fragen der Friedenssicherung, neben den Fragen der sozialen Sicherheit, Argumente, die für diese gemeinsame Europäische Union spre-


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chen. Ausgedrückt wird das natürlich in den Budgetzahlen und in der Budgetpolitik der Europäischen Union. Wenn der Mehrjährige Finanzrahmen jetzt in Verhandlung steht, ist es natürlich wichtig, dass die Fragen der Landwirtschaft geklärt sind, dass die Mittel insbesondere für den ländlichen Raum, die Elermittel, aber beispielsweise auch die Efremittel für die Wirtschaft gesichert sind, dass darüber hinaus aber, und dazu be­kenne ich mich schon, einige neue Akzente gesetzt werden.

Ich glaube, es ist notwendig, dass wir, und damit meine ich Europa insgesamt, als eine der wirtschaftlich stärksten Regionen der Welt auf das Thema Innovation, auf das The­ma Forschung und Entwicklung und ganz besonders auf das Thema Jugend – und da­mit ist unter anderem die Ausweitung des Erasmusprogramms gemeint – setzen. Es wird notwendig sein, in Nuancen Verschiebungen in den Budgetbestandteilen vorzu­nehmen, andernfalls kann diese fortschrittliche Zukunftspolitik in Europa nicht stattfin­den.

„Gemeinsam für Österreich – Miteinander für Europa“ ist das Motto des Kärntner Vor­sitzes der Landeshauptleutekonferenz. Ich als Steirer habe es schon angesprochen, Kärnten und die Steiermark trennt zwar eine Grenze, aber beide Bundesländer haben über die letzten Jahre hinweg sehr viel Gemeinsames entwickelt. Wenn ich das Thema Innovation anspreche, meine ich, dass es zwischen diesen beiden Bundesländern Zu­kunftsinitiativen gibt – die gibt es auch zwischen anderen Bundesländern, aber heute geht es um Kärnten –, und diesbezüglich setzen wir, glaube ich, Akzente, die in Europa auffällig sind. Da geht es beispielsweise um Silicon Alps, um den Silicon Cluster, der zwischen den beiden Bundesländern entsteht. Die Steiermark hat eine sehr starke For­schungseinrichtung, Joanneum Research, und da ist Kärnten seit einiger Zeit Mitge­sellschafter. Wir versuchen gemeinsam, den Wirtschaftsraum zu entwickeln und für Menschen in der Forschung ganz besondere Arbeitsmöglichkeiten einzurichten. Silicon Alps ist beispielsweise ein Spitzenforschungsinstitut für elektronikbasierte Technolo­gien, das uns in Zukunft noch sehr viel Freude machen wird.

Da die Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern und der österreichischen Bun­desregierung angesprochen wurde: Wenn Infineon in Villach permanent Erweiterungs­schritte setzt, ist das ja auch ein Stück guter Zusammenarbeit zwischen der österrei­chischen Bundesregierung und dem Bundesland Kärnten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist viel Richtiges angesprochen worden: Wir alle wollen saubere, sichere und gesunde Lebensmittel, wir alle wollen den Schutz unseres Wassers. Der EU-Ausschuss des Bundesrates hat sich wiederholt mit den Fragen der Trinkwasserrichtlinie und des Abwassermanagements auseinandergesetzt und ist diesbezüglich auch bei der Europäischen Kommission vorstellig geworden. Wir werden diese konsequente Haltung auch weiter ausbauen, weil uns gute Nachbar­schaft wichtig ist. Wir hatten gestern im EU-Ausschuss eine sehr intensive Debatte mit den Botschaftern der sechs Westbalkanländer, also den Botschaftern Südosteuropas, wo es auch um eine gute Nachbarschaft geht. Diesbezüglich zeichnen ja Kärnten und mein Heimatbundesland, die Steiermark, mit ihren Nachbarn in der Alpen-Adria-Allianz in den vergangenen Jahren für einige sehr, sehr positive Beispiele verantwortlich.

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Kaiser, du hast über „Gemeinsam für Öster­reich“ gesprochen. Es wurde schon angesprochen, dass heute auf der Tagesordnung des Bundesrates durchaus noch ein interessanter Punkt steht, nämlich die Debatte zum Ökostromgesetz. Dieses Gemeinsame hätte ich mir diesbezüglich natürlich von dir und den Kärntner Bundesräten gewünscht. Du weißt, dass es um 47 Anlagen in Ös­terreich geht, die mit dieser Ökostromnovelle über die nächsten drei Jahre eine Absi­cherung erfahren sollten. Damit wäre gewährleistet, dass der ländliche Raum gestärkt wird, damit wäre gewährleistet, dass mehrere Tausend Arbeitsplätze abgesichert sind, und damit wäre insbesondere auch ein Mosaikstein dafür gesetzt, dass wir hinsichtlich


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der Klimaziele entsprechend weiterkommen. Wie es aussieht, scheint das nicht mög­lich zu sein. Ich hätte mich trotzdem sehr gefreut, wenn die Vertreter deines Heimat­bundeslandes – und ich weiß, dass die SPÖ-Vertreter meines Heimatbundeslandes diese Frage durchaus differenziert sehen – sich diesbezüglich anders verhalten wür­den. Das würde Österreich gut anstehen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, wir sind uns darin einig, dass wir starke Regionen, starke Bundesländer in einem star­ken gemeinsamen Europa wollen; dafür treten wir gemeinsam ein, dafür ist dieses den Vorsitz innehabende Bundesland mit seinem Motto bereits entsprechend eingetreten. Wenn wir diese Ziele gemeinsam verfolgen – der EU-Ausschuss des Bundesrates wird sich schon nächste Woche in Brüssel mit dem für die Finanzen zuständigen EU-Kom­missar Oettinger und dem Nachbarschaftskommissar Hahn austauschen –, wenn wir das gemeinsam wollen, dann werden wir Europa und damit Österreich ein Stück nach vorne bringen, und das ist im Interesse der Österreicherinnen und Österreicher. – Herzlichen Dank. (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie bei BundesrätInnen der SPÖ.)

10.00


Präsident Ingo Appé: Zu Wort gemeldet ist Bundesrat Josef Ofner. Ich erteile ihm dieses.


10.00.53

Bundesrat Josef Ofner (FPÖ, Kärnten): Geschätzter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Landeshauptmann! Werte Kollegen! Werte Zuhörer hier auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Zu Beginn möchte ich dir, geschätzter Herr Präsident, zu deiner neuen Aufgabe als Präsident des Bundesrates recht herzlich gratulieren und dir für diese Aufgabe auch alles erdenklich Gute wünschen. (Beifall bei FPÖ, ÖVP und SPÖ.) – Ja, selbstverständlich darf hier auch applaudiert werden.

Kommen wir nun aber zum Thema: Wie es bei einem politischen Diskurs üblich ist, das haben wir heute schon gehört, gibt es bei Themenstellungen natürlich da oder dort Übereinstimmungen, da oder dort unterschiedliche Ansätze und nicht zuletzt auch auf­grund ideologischer Grundhaltungen stark divergente Positionen, aber das ist auch wichtig für eine gelebte Demokratie.

Da wir heute eben die Erklärung des Landeshauptmannes von Kärnten hier diskutie­ren, möchte ich das unter diesem Gesichtspunkt so betrachten und mitunter auf einige Punkte auch durchaus kritisch eingehen, denn in der Politik werden wir nicht nur an den Worten, sondern vor allem an den Taten gemessen. Daher ist es wichtig, dass wir einige der heute getätigten Ausführungen unter anderem auch mit den Kärntner Gege­benheiten vergleichen – aber davor ein paar Worte zu Europa.

Ja, wir stimmen zu, wir brauchen Europa als Friedensprojekt, denn es hat sich über Jahrzehnte bewährt, ja, es braucht selbstverständlich auch die wirtschaftliche Zusam­menarbeit und den gemeinsamen Binnenmarkt in Europa, denn er ist von großer Be­deutung; aber nein, wir wollen keine Vereinigten Staaten von Europa, wir wollen den Föderalismus wahren, und wir brauchen auch keine zentralistische Organisation sei­tens der EU. Ich bin überzeugt davon, dass es wichtig ist, dass auch der Nationalstaat, der sich ausprägt in Form der Identifizierung mit der Heimat, mit der eigenen Kultur und auch mit der eigenen Lebensweise, Bestand hat.

Es ist genau diese Überregulierung, die oft aus diesem, sage ich einmal, zentralisti­schem Moloch entsteht, die es zu reduzieren gilt, denn daran wird berechtigte Kritik ge­übt; davon haben die Menschen auch genug, das sieht man ja auch daran, dass die Wahlbeteiligung entsprechend rückläufig ist. Ich denke, da müssen wir ansetzen und eine entsprechende positive Veränderung einleiten.

Wir müssen vielleicht auch die Aufgaben der EU dort und da neu definieren, aber, und das ist wichtig, ohne Aufgabe der eigenen Identität. Genau wir Kärntner sollten wissen,


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wie wichtig die eigene Identität ist, denn nach einem erfolgreichen Abwehrkampf gegen den SHS-Staat hat die erste Volksabstimmung dieser damals jungen Republik Öster­reich in Kärnten stattgefunden und die Basis dafür geschaffen, dass wir in dieser De­mokratie bleiben konnten und uns der Kommunismus entsprechend erspart geblieben ist. (Beifall bei der FPÖ und bei BundesrätInnen der ÖVP.)

Im Hinblick auch auf diese hundertjährige Wiederkehr der Volksabstimmung und mit Blick auf die stolze Kärntner Geschichte wäre es wichtig, in Kärnten auch bildungspoli­tisch anzusetzen und das entsprechende Bewusstsein gerade auch bei der jungen Be­völkerung zu schaffen. Das wäre weit zielführender, als auf Steuerzahlerkosten Malbü­cher in arabischer Sprache zu verteilen, wie es Ihre Landesrätin (in Richtung Landes­hauptmann Kaiser) gemacht hat, denn das ist weder identitätsstiftend, noch trägt es in irgendeiner Form zur Integration bei. (Beifall bei der FPÖ.)

Ich bin daher überzeugt davon, dass wir nur mit einem starken Heimat- und Identitäts­bewusstsein auch ein starkes Europa haben können. Wir brauchen ein Europa der Re­gionen, mit unseren Bundesländern, mit unseren Bezirken und Gemeinden, wir brau­chen Europa als Einheit, aber in der staatlichen Vielfalt und eben, wie gesagt, mit redu­ziertem Zentralismus. Ich weiß schon, das stößt bei Menschen, die den Zentralismus als Teil ihrer politischen Ideologie täglich ausleben, leider auf Unverständnis und Ab­lehnung, aber umso wichtiger ist es auch, dafür einzutreten. (Beifall bei der FPÖ und bei BundesrätInnen der ÖVP.)

Wir haben heute von der politischen Zusammenarbeit auf allen Ebenen gehört. – Das klingt in Worten sehr toll und auch sehr löblich, tatsächlich sieht die Realität aber etwas anders aus, und ich darf auch dahin gehend auf einige Aspekte eingehen. Beispiels­weise stellt der Herr Landeshauptmann diese politische Zusammenarbeit heute in den Vordergrund, übernimmt zeitgleich aber immer auch die oppositionelle Speerspitze, wenn es gilt, gegen die Bundesregierung Attacken zu reiten – mag sein, dass das auf­grund der mangelnden Präsenz der eigenen Oppositionschefin in Wien geschieht, aber auf jeden Fall ist es nicht sehr glaubwürdig und mehr als durchschaubar. (Beifall bei der FPÖ.)

Auch in Kärnten hat diese politische Zusammenarbeit auf Augenhöhe, von der immer gesprochen wird, eine ganz eigene Entwicklung genommen, denn dort hat man noch schnell vor der Landtagswahl eine Verfassungsänderung vorgenommen und den Pro­porz abgeschafft. Begründet hat man das damit, dass man von sieben auf fünf Re­gierungsmitglieder einsparen möchte – es sind heute noch sieben. Nach der Verfas­sungsänderung hat man geschwind einmal auch der ÖVP die rote Karte gezeigt und hat gesagt: So, und jetzt machen wir die Koalition vom eben beschlossenen Einstim­migkeitsprinzip abhängig! Wir schaffen dieses Einstimmigkeitsprinzip ab, und damit ist auch den Allmachtsfantasien Tür und Tor geöffnet.

Eine weitere Begründung der Verfassungsänderung war die Stärkung der Oppositions- und Kontrollrechte, aber in der Realität hat sich gezeigt, dass das im Landtag, allein was beispielsweise die Akteneinsicht anbelangt, nicht in dieser Form ausgeführt wor­den ist, sodass sogar SPÖ-Landtagsabgeordnete gesagt haben, da müsse es entspre­chende Nachschärfungen geben, damit das ausreichend ist. – So geht es immer weiter.

Wenn man das hier dann als erfolgreiche Entwicklung in der politischen Zusammenar­beit anführt, dann kann ich das nicht ganz nachvollziehen. Es gibt immer mehr Ver­waltung als Gestaltung, man hat in Kärnten in den letzten Jahren auch neue Abteilun­gen geschaffen, hat Geschäftsführerwechsel vorgenommen und besetzt alle diese Posten mit sogenannten Vertrauenspersonen. (Bundesrätin Posch-Gruska: General­sekretär heißt das! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.) Vertrauenspersonen sind in Kärnten entweder Leute, die eine SPÖ-Mitgliedschaft haben oder enge Golfplatz­freundschaften sind oder, wenn man ein Spitzenmandat bekleiden möchte, so wie im


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Falle der EU-Kandidatur, am besten noch aus dem eigenen Familienkreis kommen, al­so bestmöglich Sohn sind. (Beifall bei der FPÖ und bei BundesrätInnen der ÖVP.) Das nennt man dann politische Zusammenarbeit zum Wohle aller. – Ja, vielleicht zum Wohle aller Sozialisten, aber politisch Andersdenkende fühlen und sehen sich halt in Kärnten in die Zeit der Siebzigerjahre zurückversetzt.

Wir hatten heute auch das Thema Hass im Netz, und es ist zu Recht angesprochen worden. Das ist ein Thema, bei dem wir alle uns einig sind, glaube ich: dass Hass im Netz und in diversen Foren wirklich unterbunden gehört, dass diesen Tätigkeiten unter dem Deckmantel der Anonymität ein Riegel vorgeschoben werden muss. Es gilt aber auch hier die Devise der Eigenverantwortung bei den politischen Fraktionen, und das vor allem ebenso wieder nicht nur mit löblichen Worten, sondern in Taten.

Erinnern wir uns nur an den Nationalratswahlkampf, für den gerade die SPÖ-Fraktion ja Dirty Campaigning geradezu zugekauft hat (Bundesrätin Mühlwerth: Silberstein!) und mit einem Herrn Silberstein darauf abgezielt hat, in allen Facetten und vor allem im Netz auch entsprechend zu handeln! Da verwundert es mich schon, wenn sich der Herr Landeshauptmann heute hierherstellt und richtigerweise vehement Maßnahmen gegen Hass im Netz fordert, aber im Gegenzug selbst im Vorjahr einen Herrn Sucher als Landesgeschäftsführer bei der SPÖ Kärnten einstellt, der genau wegen solcher Postings im Stadtrat in Villach seinen Platz räumen musste, im Jahr 2016 auch als Klubobmann dort seinen Platz räumen musste – und heute ist er Landesgeschäftsführer.

Diesbezüglich, denke ich, wäre es schon auch notwendig, die entsprechenden Haus­aufgaben zu machen und vor allem vor der eigenen Haustüre zu kehren – und das ist wirklich nicht nur sprichwörtlich gemeint, denn es war der Sohn des Herrn Landes­hauptmannes, der Österreich als „Nazion mit einem scheiß Innenminister“ bezeichnet hat. Somit ist er also ein glanzvoller und würdiger Kandidat für die EU-Wahl, der auch mit dem nötigen Respekt vor den Ämtern unserer Demokratie aufwarten kann.

Kommen wir nun aber zu einem anderen Thema – und das scheint mir wichtig zu sein, weil ich dem hundertprozentig zustimmen kann –, und das ist der Schutz der Natur, der Schutz des Trinkwassers, den der Herr Präsident auch als Motto seiner Präsident­schaft gewählt hat. – Ja, gerade die natürlichen Ressourcen und die Natur gilt es zu schützen, vor allem aber auch das entsprechende Bewusstsein dafür zu fördern. Hin­sichtlich dieser Bewusstseinsbildung vom Kindesalter an spreche ich beispielsweise auch ganz klar an – vielleicht noch einmal auf Kärnten bezogen –, dass wir den Wald in der Natur kennenlernen und ihn den Kindern nicht mittels eines künstlichen Waldes im Wörtherseestadion näherbringen sollten, denn wir haben ja 60 Prozent unserer Lan­desfläche dafür zur Verfügung.

Herr Landeshauptmann, von Ihnen hört man immer: „Kärnten kann mehr.“ – Ich bin der Überzeugung, Kärnten könnte mehr, würden wir weniger verwalten und mehr gestal­ten, aber das mag wohl auch der Unterschied der divergenten Ideologien im Zugang sein. (Bundesrat Weber: Das habt ihr bewiesen! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Geschätzter Herr Präsident, ich weiß, dass du – wie wir beide es als Bürgermeister ge­wöhnt sind – auf die Worte auch Taten folgen lassen wirst. Ich bin davon überzeugt, dass du die Auswahl des Themas Wasser nicht nur mit Bedacht getroffen hast, son­dern dass du auch die Umsetzung mit vollstem Engagement betreiben wirst, und ich freue mich wirklich auf die Zusammenarbeit hier. (Beifall bei der FPÖ und bei Bundes­rätInnen der ÖVP.)

10.1


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1


Präsident Ingo Appé: Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Gerhard Leitner. Ich ertei­le ihm dieses.


10.12.13

Bundesrat Dr. Gerhard Leitner (SPÖ, Kärnten): Herr Präsident! Herr Landeshaupt­mann! Sehr geehrte Damen und Herren Bundesräte! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Dass Kärnten für die Zeit des Vorsitzes in der Landeshauptleutekonferenz das Motto „Gemeinsam für Österreich – Miteinander für Europa“ gewählt hat, geschah natürlich ganz bewusst. Dies gründet sich auf der Erkenntnis, dass viele Herausforde­rungen und Anliegen sowohl der Politik als auch der Bevölkerung nicht allein auf re­gionaler oder lokaler Ebene alleinverantwortlich zu bewältigen und zu lösen sind. Man muss heute eng kooperieren, man muss sich, auch wenn es unterschiedliche Meinun­gen, Gedankenansätze oder Ideologien gibt, abstimmen, die Standpunkte vorerst ab­klären, sich Verbündete suchen, um die Erfolgsaussichten im Sinne der Problemlösun­gen im Interesse der Bevölkerung, der Menschen, für die und in deren Auftrag wir Poli­tik machen und gestalten, bestmöglich zu erhöhen.

Es ist eine gemeinsame Aufgabe, aber auch eine aktuelle und zukünftige Herausforde­rung, sowohl örtlich wie regional und national, verantwortungsbewusst zu handeln und offene Fragen und Probleme gemeinsam zu lösen. Ein aktuelles Beispiel ist etwa, die Verantwortung dafür, den österreichischen solidarischen Sozialstaat zu schützen und weiterhin zu bewahren, gemeinsam zu tragen. Es darf nicht sein, dass – aus welchen Gründen auch immer – ein funktionierendes System, das im internationalen Vergleich eines der effektivsten und besten ist, aus machtpolitischen Gründen zerstört wird.

Die Regierung hebelt mit der Fusion der Krankenkassen die Selbstverwaltung aus, oh­ne Gründe dafür anzugeben, was eine solche Aktion bringen soll, was sie kostet und woher das Geld kommen soll, das zur Umsetzung erforderlich ist. (Bundesrat Schus­ter: ... Funktionäre!) Künftighin werden also Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber über die Leistungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entscheiden. Ein Drittel der Bei­tragszahler unserer Gesellschaft wird aber aus jedem Entscheidungsprozess eliminiert, nämlich die Pensionistinnen und Pensionisten. Das kann nicht widerspruchslos hinge­nommen werden, es ist nämlich zu befürchten, dass nächste Schritte folgen, wie zum Beispiel die Erhöhung beziehungsweise die Einführung von Selbstbehalten, Ambulanz­gebühren, Leistungskürzungen beziehungsweise Erhöhung der Gebühren, und, und, und.

Mit der VIP-Behandlung in den Ambulanzen haben wir schon einen kleinen Vorge­schmack bekommen – die Credit Card wird künftighin also entscheidender sein als die e-card. (Hallo-Rufe bei der ÖVP.) Steuererleichterungen für Privatversicherungen wei­sen bereits einen klaren Weg: Es droht mehr Privatisierung der Gesundheit – und das soll nicht sein.

Die Länderbudgets werden durch die Sozialversicherungsreform gesprengt. Ein Bei­spiel aus Kärnten: Dort können aufgrund der Kassenreform rund 218 Millionen Euro für das Gesundheitssystem nicht gewährleistet werden; ein Viertel des Budgets kann da­her nicht garantiert beziehungsweise durch Einsparungen kompensiert werden. – So, meine Damen und Herren, sieht die Realität aus!

Sehr geehrte Damen und Herren! Das Gesundheitswesen und der Pflegebereich sind doch ganz bedeutende Herausforderungen unserer Zeit. Sinnhaftigkeit und Nachhaltig­keit im Interesse auch unserer Kinder und Enkelkinder müssen doch die Grundlage für so wichtige Entscheidungen sein. Gerade im Pflegebereich ist das Bundesland Kärnten wegweisend. Die Pflege der Zukunft braucht Weitblick, die Pflege der Zukunft braucht Vision. Kärnten hat die Vision nun zur Realität gemacht und übernimmt mit der soge­nannten Pflegenahversorgung eine österreichweite Vorreiterrolle. Pflege braucht Ver­antwortung, fachliche Kompetenz und nicht zuletzt auch Herz, das bedeutet auch, für jeden Betroffenen die erforderliche Pflege in dem für ihn richtigen, gewohnten Umfeld sicherzustellen.


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Die Kärntner Pflegenahversorgung ist ein Pflegemodell, bei dem die Pflege vor dem tatsächlichen Pflegebedarf einsetzt. Es ist ein aktives, ein aufsuchendes, ein voraus­schauendes, ein präventives und damit auch ein kostendämpfendes Pflegemodell. Es nutzt allen Beteiligten, und ich erwähne es hier, weil es natürlich zur Nachahmung empfohlen werden kann – und zwar im Interesse vor allem der Betroffenen, aber auch aller anderen Beteiligten.

Allein, autonom zu regieren kann in einer Demokratie nur zu Konflikten und Gegensät­zen führen, das hat die Regierung bereits in mehreren Fällen bewiesen. Man sollte Lehren daraus ziehen. Die Form der Kassenfusion und die Reduzierung der Mindestsi­cherung sind für viele Tausende Menschen ein Schlag ins Gesicht. Die Kärntner Politik trägt im Gegensatz dazu eine soziale Handschrift, Herr Kollege Ofner; seien das nun Vorschläge anderer politischen Bewegungen, seien sie im Landtag vertreten oder nicht, und auch die Sozialpartner werden gehört und in die Entscheidungen mit einge­bunden, wenn man das will. Man muss daran auch teilnehmen, insbesondere natürlich auch die FPÖ. (Beifall bei der SPÖ.)

Es freut mich ja, lieber Kollege Ofner, dass du dir so viele Sorgen um die SPÖ in Kärn­ten machst, ich bin aber davon überzeugt: Es ist eine gute Regierung – und die FPÖ hatte ja die Möglichkeit beziehungsweise hätte sie gehabt. (Bundesrat Ofner: Mit der SPÖ! – Bundesrat Weber: Wir haben eh gesehen, wie das geendet hat: mit der ...! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.) – In welcher Konstellation auch immer. Zur FPÖ: Ich möchte ja gar nicht darauf eingehen, es weiß ja die ganze Welt, was damals pas­siert ist, man muss das alles ja jetzt nicht wiederholen; man kann aber nicht nach Wien fahren und auf Kärnten schimpfen und in Kärnten doch sehr, sehr viel nicht so gemacht haben, wie es eigentlich gewünscht worden wäre.

Soziale Maßnahmen, meine Damen und Herren, und soziale Hilfe sollen dort ankom­men, wo sie gebraucht werden. Eine der Kärntner Prämissen ist es, dass der Rechts­anspruch gilt und nicht Almosen vergeben werden. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf des Bundesrates Weber.)

Wenn bei allen politisch Beteiligten die Gemeinsamkeit im Vordergrund steht, wenn die Gemeinsamkeit im Vordergrund des politischen Handelns steht, können viele Unter­schiedlichkeiten und Gegensätze im Vorhinein abgewendet und beseitigt werden. (Ru­fe und Gegenrufe zwischen den Bundesräten Weber und Samt.) Das geht aber nur dann, wenn man das Miteinander vor das Gegeneinander stellt, wenn man bereit ist, sich gemeinsam Problemen zu stellen, und auf Augenhöhe verhandelt, bevor Entschei­dungen gefallen sind.

Die Bundesregierung darf nicht die Armut forcieren und den Kapitalismus fördern. Sie muss den Wohlstand sichern, damit der Sozialstaat den Menschen eine Perspektive für die Zukunft gibt. Der Dialog, der zu pflegen wäre, meine Damen und Herren, findet heute zum Leidwesen jener Menschen, die wir zu vertreten haben, vielfach nicht statt; darüber sollte man vermehrt nachdenken. – Ich danke Ihnen. (Beifall bei der SPÖ.)

10.19


Präsident Ingo Appé: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Bundesrat Mar­tin Preineder zu Wort gemeldet. – Ich erteile es ihm.


10.20.01

Bundesrat Martin Preineder (ÖVP, Niederösterreich): Geschätzte Kolleginnen und Kol­legen! Herr Bundesrat Leitner hat in seinen Ausführungen behauptet, dass in einer Spi­talsambulanz eine Credit Card wichtiger ist als eine e-card.

Ich berichtige: Man wird in Österreich nur mit einer e-card in einer Ambulanz behan­delt. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

10.20



BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 26

Präsident Ingo Appé: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Ewa Dzie­dzic. – Bitte.


10.20.35

Bundesrätin Mag. Dr. Ewa Dziedzic (Grüne, Wien): Herr Präsident! Sehr geehrter Landeshauptmann! Werte Kollegen und Kolleginnen! Das Thema Europa könnte ja nicht aktueller sein, nicht nur im Vorfeld der anstehenden EU-Wahl am 26. Mai, son­dern auch deshalb, weil wir noch nie in der Geschichte der Europäischen Union – wa­ge ich zu sagen – vor größeren Herausforderungen gestanden sind als aktuell; darin sind wir uns, glaube ich, hier parteiübergreifend – ich sehe, auch die ÖVP nickt – einig. Nur die Antworten sind natürlich unterschiedlich – auch das wenig überraschend, da wir unterschiedlichen Fraktionen und Parteien angehören.

Heute war schon Thema, dass mit Großbritannien zum ersten Mal ein Land diese Ge­meinschaft verlassen wird und uns das natürlich auch in Österreich vor große He­rausforderungen stellt. Da zeigt sich aber schon die Unterschiedlichkeit, auch in der Perspektive: Die einen legen den Fokus nur auf österreichische Interessen, die ande­ren sind mehr bemüht, gemeinsam mit den anderen Mitgliedstaaten zu schauen, wie wir diesen Verlust, diesen Brexit gut über die Bühne bringen und womöglich auch kom­pensieren.

Im Gründungsland Italien, das werden Sie wissen, regieren ja mittlerweile Antieuro­päer. In Polen, in Rumänien, in Ungarn – auch das sind immer wieder genannte Bei­spiele – werden der Rechtsstaat, die Demokratie, aber auch die Selbstbestimmungs­rechte der Frauen angegriffen. Leider muss man sagen, dass diese Entwicklung auch vor Österreich nicht haltmacht, und daran – dies ist auch meine Kritik, die Sie mittler­weile schon kennen – ist die österreichische Regierung nicht ganz unbeteiligt.

Aber nochmals ganz zurück zur Metaebene: Wir wissen, dass die transatlantische Partnerschaft, die ja als Garant auch für unsere Sicherheit gegolten hat, mittlerweile am seidenen Faden hängt, weil auch in den USA ein Rechtspopulist regiert, dem inter­nationales Recht nicht mehr so wichtig zu sein scheint und der Europa auch zum wirt­schaftlichen Feind erklärt hat. Währenddessen und gleichzeitig sind wir damit konfron­tiert, dass Menschen weltweit vor Krieg, vor Verfolgung und Hunger fliehen, dass unser Planet sich rasant erhitzt und dass die Vielfalt mittlerweile nicht als etwas Bereichern­des empfunden wird, sondern als Bedrohung.

Die Unsicherheit der Menschen wird von den einzelnen europäischen Regierungen na­türlich auch deshalb zum Thema gemacht, weil man daraus sehr gut politisches Klein­geld schlagen kann. Die Antworten sind nicht differenziert, sondern sehr oft verein­facht, und genau darin sehe ich das größte Problem, vor dem Europa gerade steht. Der Populismus, der herrscht, wird zudem durch die Unfähigkeit der europäischen Re­gierungen genährt, die darin liegt, dass sie sich in dieser Frage eben auf das Regio­nale, auf das Föderale beschränken. Das ist zwar nicht immer schlecht, aber die Be­schränkung führt dazu, dass man die Weitsicht verliert und hier in einer Kurzsichtigkeit agiert, die weder Österreich noch Europa guttut noch die globalen Herausforderungen tatsächlich bewältigen kann.

Ein Beispiel dafür ist sicherlich – ich gehe jetzt nicht weiter auf die EU-Ratspräsident­schaft Österreichs ein, die ja vor zwei Monaten erst geendet hat (Bundesrat Längle: Die war sehr gut, ja!), aber ein Beispiel sei erwähnt, weil das ja bis heute Auswirkun­gen hat und uns in Europa weiterhin beschäftigen wird; das war nämlich gleichzeitig auch ein Tiefpunkt dieser Ratspräsidentschaft – der Beschluss der Familienbeihilfenin­dexierung. Ich erwähne dieses Beispiel deshalb, weil es nämlich, wenn wir über Euro­pa reden, über Solidarität reden, über Souveränität reden, natürlich sehr gut deutlich macht, wie sich Österreich aktuell innenpolitisch und Europa gegenüber positioniert: Es


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setzt nicht auf Solidarität, es setzt nicht auf die Schaffung von Gleichheit zwischen den Mitgliedstaaten, sondern verschärft umso mehr diese Spaltung, die auch zu dem be­reits erwähnten Brexit geführt hat. (Bundesrat Längle: Das ist ja lächerlich!)

Eines möchte ich schon noch festhalten, weil sich die FPÖ natürlich als Regierungs­partei mittlerweile viel subtiler gibt, wenn es um Aussagen in Richtung Europa geht: Einige von Ihnen werden sich vielleicht erinnern, was der aktuelle Vizekanzler Strache noch 2014 gesagt hat, nämlich dass er selbstverständlich dafür ist, die Österreicher und Österreicherinnen zu befragen, ob sie und wie sie zu einem Austritt Österreichs aus der Europäischen Union stehen. Das ist nicht so lange her. (Bundesrat Rösch: Das stimmt einfach nicht! Das ist falsch! Das ist einfach falsch! Das hat er nicht ge­sagt!) Es könnte schon sein, dass bei Ihnen ein Sinneswandel stattgefunden hat, aber ich warne davor, nicht genauer hinzuschauen (Bundesrat Schuster: Wir warnen vor den Grünen!), wenn Sie jetzt in Ihren schön geschriebenen, auswendig gelernten Sonntagsreden behaupten, dass Sie sich für das Gemeinsame einsetzen, gleichzeitig aber im Hintergrund alles tun, um hier zu spalten, und Österreich insofern nichts Gutes tun, als Sie behaupten, zuerst auf Österreich zu schauen, gleichzeitig aber vergessen, dass Österreich ein wichtiger Teil dieser Europäischen Union ist.

Auf die Spirale der Angst, mit der wir es zu tun haben, gibt es ebenfalls unterschiedli­che Antworten. Wir können den Menschen in Europa, in Österreich Mut machen, wir können aber diese Angst auch vertiefen. Auch das ist eine Kritik meinerseits: Ich orte gerade bei den Freiheitlichen, dass sie versuchen, aus dieser Angst nur noch mehr politisches Kleingeld zu schlagen (Bundesrat Steiner: Sagen Sie das einmal den Fami­lien der Opfer! Genau das!), anstatt auch ihre Wähler und Wählerinnen dort abzuholen, wo ihre Sorgen sind (Bundesrat Steiner: Sagen Sie das einmal den Familien der Op­fer! – Unglaublich!), und gleichzeitig zu sagen, dass wir nur gemeinsam als Europa in Zusammenarbeit mit den Bundesländern, in Zusammenarbeit mit den anderen Mit­gliedstaaten überhaupt imstande sind, Lösungen auf europäische, auf globale Heraus­forderungen zu finden.

Sie sagen ja gerne: Austria first! – Stellen Sie sich vor, Trump würde hergehen und be­haupten: Texas first! – Das wäre undenkbar! Sie wehren sich gegen vereinigte Natio­nen, Sie wehren sich gegen eine gemeinsame Republik Europa, Sie wehren sich ge­gen gemeinsame Lösungen, sehen aber nicht, dass die Stärke beispielsweise auch der USA genau dieser Zusammenhalt ist, dass genau diese vereinigten Nationen sie aus­machen – und nicht die Kurzsichtigkeit; insofern sollten Sie sich vielleicht hier ein ande­res Beispiel suchen. (Bundesrätin Mühlwerth: Ist sie jetzt Trump-Fan geworden? – Bundesrat Krusche: Ja, schaut so aus! – Heiterkeit der BundesrätInnen Mühlwerth und Krusche.)

Tatsache ist, dass Europa jedenfalls ein großer Faktor ist, auf den wir nicht verzichten können und auf den wir Grünen natürlich auch nicht verzichten wollen. Die europäische Idee ist aus meiner Sicht das Wertvollste, was dieser Kontinent je geschaffen hat. Ge­rade in dieser schwierigen Zeit mit all ihren Herausforderungen sind wir als Repräsen­tanten auch von Österreich gefordert, hier wirkliche Antworten zu finden und keine ver­kürzten. Ich glaube, es wird umso wichtiger sein, im Vorfeld dieser Europawahl dieses Versprechen betreffend Europa zu erneuern – und nicht den Menschen zu verspre­chen, dass wir die Probleme national lösen können.

Ein letzter Gedanke noch dazu: Subsidiarität ist ja hier im Bundesrat, in der Länder­kammer, immer wieder Thema und wird ins Treffen geführt, wenn es darum geht, dass wir unsere Probleme vermeintlich nur auf nationaler Ebene lösen können. Ich möchte Sie, und hier vor allem die christlich-soziale ÖVP, an die geistesgeschichtlichen Wur­zeln dieser Subsidiarität erinnern. Diese geht nämlich auf das calvinistische Gemein­wesenkonzept im 16. Jahrhundert zurück, und im 19. Jahrhundert wurde es dann auch


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von der katholischen Soziallehre aufgegriffen. In der Europäischen Union konnte es erst in den Siebzigerjahren Fuß fassen, als es damals um die Auseinandersetzung ging, wo die Kompetenzen wie gelagert sind.

Wieso erwähne ich das alles? (Bundesrat Krusche: Das frag’ ich mich auch!) – Die Subsidiarität hatte immer einen sehr starken sozialen Aspekt, sie hat sich immer nur dann selbst wirklich erfüllt, wenn sie solidarisch war. Und genau das ist der Punkt: dass wir hier mit Subsidiarität, mit dem Wort Souveränität, wie wir es heute in Österreich auch benutzen, ganz, ganz anders umgehen, dass diese Solidarität ganz, ganz anders verstanden wird, als sie ursprünglich angelegt war, und die politischen Interessen der zwei Regierungsparteien mehr im Vordergrund stehen als eben diese gemeinsame so­ziale Idee dessen.

Fall das nicht genügt und weil ich die Sonntagsreden heute schon erwähnt habe, wür­de ich gerne sogar Papst Franziskus zitieren, der nämlich 2014 bei seiner Ansprache im Europaparlament und im Europarat in Straßburg Folgendes sagte, was uns auch im Bundesrat beschäftigen sollte – Zitat –: „Das Motto der Europäischen Union ist Einheit in der Verschiedenheit, doch Einheit bedeutet nicht politische, wirtschaftliche, kulturelle oder gedankliche Uniformität. [...] Man muss sich immer an die besondere Struktur der Europäischen Union erinnern, die auf den Prinzipien der Solidarität und der Subsidiari­tät gründet, so dass die gegenseitige Hilfe vorherrscht und man, beseelt von gegensei­tigem Vertrauen, vorangehen kann.“

Sie, finde ich, verlassen ein bisschen diesen Weg, der in diesem Zitat beschrieben wird, und versuchen, die Solidarität unter den Tisch zu kehren. Ich glaube, das ist kein richtiger Weg für den europäischen Zusammenhalt, und ich hoffe, dass sich christlich-sozial eingestellte Menschen immer mehr aus der Deckung wagen und wie auch heute wieder ein Ex-Bürgermeister – nicht nur gestern – sagen: „Arno, ich gehe mit dir“, ich mach’ bei dieser unsolidarischen Auslegung der christlich-sozialen Werte einfach nicht mit! Mir ist dieses Europa viel zu wichtig, deshalb sage ich: Stopp!

Ich glaube, das bringt Sie mit der Zeit vielleicht ein bisschen zur Räson, und ich hoffe auch mit Blick auf Ihren Koalitionspartner, dass Sie vielleicht überlegen, für wen Sie da Steigbügelhalter sind und wie Sie angesichts dessen überhaupt noch argumentieren können, eine Europapartei zu sein, die wirklich im Sinne der christlich-sozialen Solida­rität handelt und die das Gemeinsame in den Vordergrund stellt. – Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ sowie des Bundesrates Stögmüller.)

10.32


Präsident Ingo Appé: Zu Wort gemeldet hat sich Herr Landeshauptmann Peter Kai­ser. Ich erteile ihm dieses.


10.32.47

Landeshauptmann von Kärnten Dr. Peter Kaiser: Ich möchte die Debatte zu diesem Tagesordnungspunkt nicht in die Länge ziehen, aber ich glaube, der Respekt verlangt es, dass ich auf einige Punkte eingehe im Sinne dessen, dass Meinungsvielfalt auch zu Disput führen soll, auf den ich mich immer gerne einlasse. Ich versuche, nur auf ein paar Punkte einzugehen, weil sehr wichtige Anmerkungen seitens der Bundesräte und der Bundesrätin gemacht worden sind. – Drei Punkte, die mir ganz wesentlich sind (Bun­desrat Steiner: Jetzt geht’s los!):

Erstens, der Ausschuss der Regionen, dessen Aufgabenstellung ja in vielen Bereichen jener des Bundesrates sehr ähnlich ist, der zwar keine Rechtskompetenz hat, aber ob­jektiv gesehen an Bedeutung gewinnt: Wir sehen, dass diese 350 Repräsentantinnen und Repräsentanten der Regionen sehr viel von dem, was wir Subsidiarität nennen, dorthin bringen, wo manchmal auch Zentralentscheidungen fallen. Gerade Kollege Christian Buchmann hat im Rahmen seiner Vorsitzführung in einer der wesentlichen


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Arbeitsgruppen bewiesen, wie notwendig es ist, immer wieder auch Erfahrungen aus Regionen und Städten mit einzubringen, und es ist diesbezüglich auch sehr viel an positiver Veränderung gelungen.

Eine gemeinsame Aufgabenstellung – und hier ersuche ich auch den EU-Ausschuss des Bundesrates, im Interesse aller, der Republik, aber auch der Bundesländer, unter­stützend tätig zu werden – ist, dass es im neuen Mehrjährigen Finanzrahmen zu Ver­schränkungen von Programmen kommt. Es wird wichtig sein, Horizon 2020 mit der Di­gital Agenda zu verbinden, um wirkliche, auch finanzielle Hebel zu haben, um im For­schungskontext, dort, wo wir Rückstände gegenüber Asien, gegenüber dem amerikani­schen Bereich haben, wirkungsvoll als Europa und als eine Forschungseinheit tätig werden zu können. Ich halte das auch für einen der wesentlichsten Bereiche. Danke, dass du das Beispiel erwähnt hast, was Silicon Austria betrifft, die Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern Steiermark und Kärnten, in diesem Fall auch Oberöster­reich, gemeinsam mit dem Bund, aber auch gemeinsam mit der Industriellenvereini­gung und der Elektrizitätsindustrie, denn da sind wichtige Synergien herstellbar, und damit ist auch so etwas wie eine kritische Masse für weitere Innovationen möglich.

Ich habe in einem Bereich, Kollege Ofner, etwas entgegenzusetzen: Ich gehe nicht die Meinungsveränderung an, aber ich glaube, dass man auch in der Geschichtsdeutung korrekt bleiben sollte. Die Verfassungsreform Kärntens, die im Übrigen dem Kärntner Landtag Rechte wie keinem anderen in Österreich existierenden Landtag – sogar die größten Rechte – einräumt, hat in der Entwicklung vier Jahre lang, eine ganze Legisla­turperiode lang gedauert. Ich akzeptiere und respektiere, dass die Freiheitliche Partei als einzige Partei diese Verfassungsreform nicht mitgetragen hat, aber deswegen ist sie nicht schlecht, deswegen schränkt sie Rechte nicht ein, ganz im Gegenteil, Opposi­tionsrechte werden von uns auch gelebt. Und ich sage dazu, dass wir auch bereit sind, da und dort berechtigte Verbesserungsvorschläge, wenn es sie gibt, umzusetzen. Das würde ich mir halt auch anderswo gerne wünschen. (Beifall bei der SPÖ.)

Die Volksabstimmung ist historisch und sie ist richtig und wichtig, aber sie war – und auch darauf lege ich Wert – neben dem, ein Bekenntnis zum Kärntner Patriotismus zu sein, auch ein solches zur jungen Demokratie und Republik, gegen ein Königreich, ge­gen eine Monarchie, die Österreich selbst lange Zeit hatte, und gegen eine Monar­chie – und nicht den Kommunismus – in der damaligen Zeit des SHS-Staates, des Kö­nigreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. Kommunismus, Tito-Kommunismus, wie Sie ihn genannt haben, ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg, den niemand wollte, als politische Form angewandt worden.

Mein letzter Punkt – und das ist mir sehr wichtig, weil es auch meiner persönlichen Identität entspricht –: Man mag unterschiedlicher Meinung über die größte Kunstinstal­lation im öffentlichen Raum sein; es geht um „For Forest“, wie der Titel des Projekts von Klaus Littmann im Klagenfurter Stadion lauten wird. Ich bin für die Freiheit der Kunst, ich bin auch für die Freiheit der Kunstinteressierten, und ich bin für die Freiheit der Konsumenten. Niemand wird irgendjemanden zwingen, in diesem Stadion zu ver­suchen, diese Installation zu verstehen, sie anzuschauen, sich seine Meinung zu bil­den, sich kritisch damit auseinanderzusetzen, aber gehen wir nicht von Haus aus ge­gen Künstler, gehen wir nicht von Haus aus gegen ein Kulturprojekt vor, denn es ist doch auch so, dass viele vielfach belächelte Projekte – ich denke etwa an Christo und seine Verpackung des Reichstags und vieler anderer Objekte – erst im Nachhinein ein Land, eine Stadt, eine Region in den Mittelpunkt gerückt haben. Geben wir Kärnten ge­meinsam diese große Chance! (Beifall bei der SPÖ und bei BundesrätInnen der ÖVP.)

10.37


Präsident Ingo Appé: Weitere Wortmeldungen liegen dazu nicht vor.

Wünscht noch jemand das Wort? – Das ist nicht der Fall. Die Debatte ist geschlossen.


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Ich möchte mich beim Herrn Landeshauptmann recht herzlich dafür bedanken, dass er uns heute im Bundesrat besucht hat. Danke, Peter! (Beifall bei der SPÖ, bei Bundes­rätInnen von ÖVP und FPÖ sowie der BundesrätInnen Dziedzic und Stögmüller.)

10.38.09Aktuelle Stunde


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M. (den Vorsitz übernehmend): Wir gelangen nun zur Aktuellen Stunde zum Thema

„Das Ende des fossilen Zeitalters – Österreichs Position als Vorreiter bei erneuerbaren Energien ausbauen“

mit der Frau Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Elisabeth Köstinger, die ich hiermit herzlich im Bundesrat willkommen heiße. (Allgemeiner Beifall.)

In der Präsidialkonferenz wurde Einvernehmen über folgenden Ablauf erzielt: Zunächst kommt je ein Redner/eine Rednerin pro Fraktion zu Wort, dessen/deren Redezeit je­weils 10 Minuten beträgt. Dann folgt die Stellungnahme der Frau Bundesministerin, die ebenfalls 10 Minuten nicht überschreiten sollte; danach wiederum je ein Redner der Fraktionen sowie anschließend eine Wortmeldung der Bundesräte ohne Fraktionszu­gehörigkeit mit jeweils einer 5-minütigen Redezeit, und zuletzt kann noch eine ab­schließende Stellungnahme der Frau Bundesministerin erfolgen, die nach Möglichkeit ebenfalls 5 Minuten nicht überschreiten sollte.

Als Erster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Dr. Peter Raggl. Ich erteile es ihm und bitte ihn, die Redezeit von 10 Minuten einzuhalten.


10.39.17

Bundesrat Dr. Peter Raggl (ÖVP, Tirol): Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Sehr ge­ehrte Frau Bundesministerin! Hoher Bundesrat! Wir alle haben noch die Bilder des letztjährigen Jahrhundertsommers im Kopf. Viele von uns werden sagen: Ein wunder­barer Sommer mit sehr guten Freizeitgestaltungsmöglichkeiten!, es gibt aber auch vie­le, vor allem aus meiner Berufsgruppe, die ich hier vertreten darf, die schreckliche Erin­nerungen an den letzten Sommer haben.

Der letzte Sommer war verbunden mit langen Dürreperioden mit massiven Folgen für die Landwirtschaft – mit Ernteausfällen, mit Schädlingsbefall, aber auch mit Problemen in der Wasserversorgung. Die Quellen versiegen und die Brunnen sind ausgetrocknet. Verbunden mit dieser Trockenheit gab es lokal extreme Gewitterereignisse mit Stark­regen und Sturm, mit Schäden an Gebäuden, mit Schäden an kommunalen Infrastruk­turen, aber auch an landwirtschaftlichen Fluren und im Wald.

Die Folgen dieser Schäden sind längst noch nicht beseitigt, trotzdem – die Zeit ist ins Land gezogen – ist für viele von uns vieles schon wieder in Vergessenheit geraten; nicht so bei den direkt betroffenen Landwirten, deren Scheunen aufgrund der Trocken­heit längst leer sind, nicht so bei den Kartoffelbauern, die aufgrund des Schädlingsbe­falles einen Großteil ihrer Ernte vernichten mussten, aber auch nicht so bei den Wald­bauern, die vielerorts darauf warten, dass der Schnee im Wald endlich schmilzt, damit das Schadholz so schnell wie möglich aufgearbeitet werden kann, damit die nächste Borkenkäferplage, die uns unter Umständen schon wieder bevorsteht, so gut wie mög­lich vermieden werden kann.

Viele Wissenschaftler bestätigen uns: Das sind eindeutige Zeichen eines rapiden Kli­mawandels, welcher gerade bei uns im Alpenraum seine Auswirkungen noch deutli­cher und noch schneller zeigt. Sowohl global mit dem Pariser Klimaabkommen aus dem Jahr 2015 als auch auf EU-Ebene mit der Formulierung der Klimaziele sind sehr


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ambitionierte Ziele zur Eindämmung des Klimawandels definiert worden. Diese Be­schlüsse führen aber erst zum angestrebten Ziel, wenn dazu konkrete Maßnahmen for­muliert werden und die Nationalstaaten sie auch umsetzen.

Im Bewusstsein der Dringlichkeit dieses globalen, aber, wie bereits erwähnt, für unser Alpenland besonders aktuellen und akuten Problems hat unsere Frau Bundesminister Köstinger als eine ihrer ersten Aufgaben als Nachhaltigkeitsministerin die Erarbeitung der Klima- und Energiestrategie 2030 in Auftrag gegeben. Die Strategie beinhaltet nicht nur Ziele, sondern notwendige Maßnahmen für eine saubere und sichere Energiewen­de, Maßnahmen, um den Klimawandel zu bremsen und eine möglichst autonome und saubere Energieversorgung in Österreich sicherzustellen.

Die Strategie gibt mehrere Ansätze vor. Ein wesentlicher dabei ist die Steigerung der Energieeffizienz, und diese Steigerung wird sich vor allem durch thermische Sanierun­gen bei Raumwärme umsetzen lassen. Raumwärme gehört zu den größten Verursa­chern von Emissionen, und man denkt, dass man da mit relativ einfachen Maßnahmen auch zum Ziel kommt.

Eine zweite Strategie ist die eines noch stärkeren Einsatzes von erneuerbarer Energie. Da setzt man vor allem auf Photovoltaik und Windenergie. Die Schwäche dieser An­lagen liegt darin – das wissen wir alle –, dass sie nur Energie erzeugen, wenn die Son­ne scheint oder wenn der Wind weht. Es braucht daher zum Ausgleich auch eine alter­native Stromerzeugung, die steuerbar ist, die zurückgefahren werden kann, wenn viel elektrische Energie aus Wind- und Photovoltaikanlagen am Markt ist, und die angefah­ren werden kann, wenn aus Wind und Sonne gerade keine oder wenig Energie zur Verfügung steht. Daher müssen wir unbedingt auf die Wasserkraft, die Gott sei Dank in unserem Land so zahlreich vorhanden ist, mit ihren Speicher- oder Pumpspeicherkraft­werken, aber auch – und da kommen wir zu dem Punkt, der heute, glaube ich, noch sehr wichtig werden wird – auf die Biomassekraftwerke setzen. Auf keinen Fall, und das ist, glaube ich, unser aller Wille, darf der Ausgleich dieser Stromschwankungen mit importiertem Strom aus Atomkraftwerken oder mit fossilen Stoffen betriebenen Kraft­werken getätigt werden. Das widerspräche ja wiederum klar der Klimastrategie.

Eines sei auch vorangestellt, weil es immer um die Marktfähigkeit des aus erneuerba­ren Energien erzeugten Stromes geht: Atomstrom und Strom aus kalorischen Kraft­werken sind zweifellos billiger am Markt zu kaufen. Das ist aber aus meiner Sicht eine sehr kurzfristige Betrachtungsweise, denn nicht eingerechnet sind da natürlich die Fol­gekosten dieser Energieformen, beispielsweise die Kosten für die Endlagerung oder Zwischenlagerung der Brennstäbe oder die nicht abschätzbaren Kosten für Umwelt­schäden, verursacht durch den Betrieb dieser Kraftwerke. Und an die wirklich großen Katastrophen im Zusammenhang mit dem Betrieb dieser Anlagen, wie wir sie alle in Erinnerung haben, in Tschernobyl, in Fukushima, will man gar nicht erst denken. Wenn man also die Kosten der Nachsorge hinzurechnet, dann, davon bin ich überzeugt, kön­nen die Kosten für Strom aus alternativen Energien schon heute jederzeit mithalten.

Am Ende meiner Ausführungen darf ich noch kurz auf das Hauptthema dieser heutigen Bundesratssitzung zu sprechen kommen, eben auf die Novelle des Ökostromgesetzes. Die Klimapolitik, glaube ich, schon sehr früh erkennend, haben sich vor gut zehn Jah­ren vorausschauend Gemeinden, Unternehmen, aber auch Landwirte überzeugen las­sen, in Biomasseanlagen für Wärme- und Stromerzeugung zu investieren und so einen wesentlichen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels einerseits und zur Errei­chung einer gesteigerten Unabhängigkeit von Energieimporten andererseits zu leisten.

Die gestützten Einspeisetarife laufen in diesem Jahr oder in den zukünftigen zwei Jah­ren aus. Die Biomasseanlagen können aber nach wie vor, wie ich schon gesagt habe, nicht mit den Preisen von Strom aus Atomkraftwerken konkurrieren. Das wissen wir und das weiß auch die SPÖ. Bei der weiteren Unterstützung der Biomasseanlagen


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geht es uns also um das Klima, es geht uns aber auch um 40 Kommunen, Unterneh­men oder Bauern als Betreiber der Biomasseanlagen, die eben vor zehn Jahren auf diese umweltfreundliche Energieerzeugung gesetzt und entsprechend investiert haben. Es geht aber auch um Tausende Arbeitsplätze, meist im ländlichen Raum, die mit dem Betrieb dieser Anlagen verbunden sind. Es geht aber auch um eine große Anzahl an Waldbauern, die auch im heurigen Jahr, wie leider auch schon in den letzten Jahren, dringend einen Abnehmer für ihr Schadholz, verursacht durch die Sturmschäden, aber auch durch den Borkenkäferbefall, brauchen.

Die angekündigte Verweigerung der Zustimmung zur Ökostromgesetz-Novelle durch die SPÖ führt unweigerlich zur baldigen Schließung eines Großteils dieser Biomasse­kraftwerke. (Bundesrätin Grimling: Der weiß mehr als wir!) Ich appelliere bereits jetzt an die SPÖ-Mandatarinnen und ‑Mandatare, die Zustimmung zum Ökostromgesetz nicht zu verweigern. Eine Verweigerung Ihrer Zustimmung ist mit nichts zu argumen­tieren. (Heiterkeit bei der SPÖ. – Bundesrat Weber: Abwarten!) Es geht leider nur um Parteipolitik im Sinne von: Heute wischen wir der ÖVP/FPÖ-Regierung einmal eins aus! (Bundesrat Weber: Na, na!) Dabei wird auf das Schicksal von mehr als 40 Un­ternehmen, von Tausenden Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen, aber auch von Hun­derten Land- und Forstwirten vergessen.

Landeshauptmann Kaiser hat es heute angesprochen, was er in der Politik vermisst, er hat das Empathiedefizit angesprochen, das in der Politik heute vorherrscht. (Heiterkeit bei der SPÖ.) – Zeugt das nicht von Empathiedefizit, wenn wegen Parteipolitik auf Tau­sende Arbeitnehmer vergessen wird? (Beifall bei ÖVP und FPÖ.) Ist das, und ich frage das wirklich, die soziale SPÖ? – Nein, das ist soziale Kälte! (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Heiterkeit bei der SPÖ.)

Abschließend darf ich noch festhalten: Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf. – Danke. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

10.48


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Andrea Kahofer. Ich erteile es ihr.


10.49.07

Bundesrätin Andrea Kahofer (SPÖ, Niederösterreich): Werte Frau Minister! Hohes Präsidium! Liebe Kolleginnen und Kollegen des Bundesrates! Liebe Zuseherinnen und Zuseher hier und vor den Bildschirmen! „Österreichs Position als Vorreiter bei erneuer­baren Energien ausbauen“: Hat Österreich da eine Vorreiterrolle? Oder haben Sie, Frau Minister, beziehungsweise die Regierung nicht eine Vorreiterrolle in einem ganz anderen Sektor, nämlich in dem Sektor der PR-Maßnahmen, wenn es darum geht, halbherzige Lösungen als ganz große Projekte zu verkaufen?

Ja, wir brauchen es, wir müssen Vorreiter sein. Wir wollen es nicht nur, es ist notwen­dig, wenn wir eine lebenswerte Welt erhalten wollen! (Bundesrätin Mühlwerth: Aber ihr seid die Ersten, die das verhindern!)

Mein Vorredner Peter Raggl hat gesagt, die Frau Minister hat sich gleich einmal die Maßnahmen vorgenommen. Dazu möchte ich schon sagen: Die Energie- und Klima­strategie ist keine freiwillige Errungenschaft. Sie war ja notwendig, sie musste der EU-Kommission vorgelegt werden, um darzulegen, wie Klimaziele erreicht werden sollen. – Und für mich ist das Ergebnis genau so, nämlich eine Pflichtübung. Da steht genau das Minimum drin, nicht wirklich große Ambitionen. Es ist ein bisschen wie mit dem Regie­rungsprogramm: große Ankündigungen – und dann kam wenig. (Beifall bei der SPÖ. – Bundesrätin Mühlwerth: Und große Ergebnisse!)

Nennen wir einmal als Beispiel das E-Auto: Ein toller PR-Gag, dass wir jetzt die E-Au­tos von der Geschwindigkeitsbeschränkung nach dem IG-Luft ausnehmen. Gesamtkli-


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matechnisch, was bringt’s? Dafür befürworten einige jetzt Tempo 140. Das ist klima­technisch sicher sehr sinnvoll!

In dem „Raus aus dem Öl“-Bonus oder dem Projekt „100.000 Dächer“ sind schon eher inhaltliche Ziele enthalten. Aber werden sie reichen? Ist das genug? – Nein.

In dieser Strategie ist viel zu wenig von Zahlen, in dieser Strategie ist viel zu wenig von klaren Umsetzungsschritten die Rede, und es ist überhaupt nicht von Finanzierungen die Rede.

Eine Zahl wird schon genannt: 36 Prozent Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2030; das große Ziel, das erreicht werden muss. In den beiden großen Handlungs­feldern Verkehr und Wärme ist da sehr viel zu machen. Aber wir wissen auch, dass der CO2-Ausstoß in Österreich auf 49,5 Millionen Tonnen angestiegen ist; um 2,1 Prozent mehr als das vorgegebene Ziel. Und wir wissen auch, dass das Klimaschutzgesetz die Ministerin in dem Fall dazu auffordert, innerhalb von sechs Monaten konkrete Maßnah­men vorzulegen. Passiert da etwas? Geschieht da etwas? – Das wissen wir nicht so ganz sicher.

Aber was definitiv sicher ist, was wir wissen, dass passiert ist, das steht in den Bud­getvorgaben. Die Fördermittel für den Ausbau der Fernwärmeinfrastruktur wurden ge­strichen, ebenso jene für die Ökologisierung der Wasserkraftanlagen, und es gab Kür­zungen für thermische Sanierungen.

Was wir auch wissen, was vorher so lobend angesprochen worden ist: In Wahrheit herrscht Leere, wenn es um Energieeffizienz geht. Wahrscheinlich denkt man: Nehmen wir halt wieder mehr Ökostrom!, vergisst aber, dass der auch begrenzt ist. (Bundesrat Schuster: Ihr nehmt den Atomstrom! – Stimmt ja, wenn ihr dagegenstimmt!) Es sind entsprechende Flächen, Naturschutzmaßnahmen und auch finanzielle Mittel erforder­lich.

Bis sich die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien so eingespielt hat, dass sich Erzeugung und Bedarf decken, dauert es noch. Dazu braucht es Kraftwerkleistungen, und die werden momentan ganz, ganz stark aus Erdgas gewonnen. Das könnte auch auf Öko umgestellt werden, durch Biomethan, durch synthetisches Gas, aber das steht halt auch nicht wirklich auf der Prioritätenliste. (Bundesrätin Mühlwerth: Wir haben so viel zu tun, um eure Defizite aufzuarbeiten!)

Wenn man jetzt vollmundig vom Ende des fossilen Zeitalters spricht, dann muss man da auch die Frage der sozial-ökologischen Steuerreform bedenken. Die wird ja jetzt schon wieder beworben, nur, so wirklich gesagt, was da drinsteht, wird halt nicht. Ich befürchte, es wird wohl eher das „sozial“ gestrichen werden und die finanzielle Last bei den Haushalten bleiben. Aber es wird keine Energiewende, es wird keine Klimagerech­tigkeit geben, wenn das nicht auch von denen mitgetragen wird, die dafür bezahlen müssen. (Beifall bei der SPÖ. – Bundesrat Köck: Das ist ein Vollholler! – Heiterkeit bei ÖVP und FPÖ.)

Die Umsetzung der Energie- und Klimastrategie bleibt in vielen Bereichen sehr unklar. Die Maßnahmen sind nicht benannt oder viel zu vage. Fehlende Finanzierungen zie­hen sich durch. Aber das Finanzministerium hat ja auch in der Konsulationsphase schon durch Abwesenheit geglänzt. (Bundesrätin Mühlwerth: Konsultation heißt das!)

Es fehlt ein Umsetzungspaket für saubere Mobilität. Alle Finanzierungen, zum Beispiel für den Ausbau der Radinfrastruktur, werden auf die Gemeinden übergewälzt; die dür­fen dann die Schuldigen sein. (Bundesrat Längle: Das ist aber teilweise Landessache, Frau Kollegin!) Genehmigungen für Großverfahren werden zugunsten der Wirtschaft und zulasten der Menschen und der Umwelt erleichtert. Klimaverträglichkeitsprüfungen bei Großprojekten kommen nicht einmal zur Sprache.


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Damit aber Österreich als einer der ersten Industriestaaten einen ordentlichen Beitrag zur Energiewende leisten kann und muss, braucht es viel, viel mehr als das, was in dieser Strategie vorzufinden ist. Dazu braucht es wirklich ernsthafte und glaubwürdige Politik dahinter. Es muss Verantwortung übernommen werden. Es müssen konkrete Schritte und auch Finanzierungspläne auf dem Tisch liegen.

Frau Minister, ich glaube, Greta Thunberg hätte keine große Freude mit dieser Strate­gie; Greta Thunberg, ein Mädchen, das einer Generation eine so gute, laute und starke Stimme gibt, nämlich der Generation, die in dieser Welt leben wird, die jetzt eine Zu­kunft vor Augen hat. Ich glaube, wir bräuchten auch hier ein paar Greta Thunbergs, denn wie es ausschaut, kann die Energiewende, kann Klimagerechtigkeit nur von un­ten erkämpft werden, weil von oben zu wenig kommt.

Ich glaube, wenn jetzt nicht wirklich mehr passiert, dann wird aus der #mission 2030 wohl eher eine Mission Impossible als ein wirklich zukunftsträchtiges, zielbringendes Projekt werden. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

10.57


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Auf der Zuschauergalerie darf ich ganz herzlich den Bundesratspräsidenten außer Dienst Josef Pfeifer begrüßen. – Herzlich will­kommen. (Allgemeiner Beifall.)

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Michael Bernard. – Bitte.


10.57.59

Bundesrat Michael Bernard (FPÖ, Niederösterreich): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesminister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Bun­desrates! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie und vor den Bildschirmen! Das Thema der heutigen Aktuellen Stunde, „Das Ende des fossilen Zeitalters – Öster­reichs Position als Vorreiter bei erneuerbaren Energien ausbauen“, ist sicher ein The­ma, das uns in den nächsten Jahren noch viel beschäftigen wird. Leider hat meine Vor­rednerin, Frau Bundesrätin Kahofer, bei ihrer Rede bewiesen, dass sie von erneuerba­ren Energien wirklich keine Ahnung hat. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Im gemeinsamen Regierungsprogramm von ÖVP und FPÖ wurden als wichtige Ziele unter anderem gesetzt: Klimaschutz muss konsequent vorangetrieben werden; verant­wortungsvoller Umgang mit unserer Umwelt und deren Ressourcen; nationale Maß­nahmen zur Schaffung einer Kreislaufwirtschaft; Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz; vollständiger Verzicht auf Kohlekraftwerke und Atomkraft; in­tegrierte Klima- und Energiestrategie; Gewährleistung der Energieversorgungssicher­heit und innovative Energiezukunft und saubere Mobilität. (Bundesrat Schabhüttl: Al­les nur Überschriften!)

Das Ziel, die Energieversorgung unseres Landes kontinuierlich durch erneuerbare Ener­gieträger aus eigener Produktion zu decken, macht uns nicht nur unabhängiger von Energieimporten, sondern gibt gleichzeitig einen großen Impuls für neue Investitionen und damit nationale Wertschöpfung. Die Schaffung von Arbeitsplätzen und zusätzli­ches Wirtschaftswachstum sind sicher weitere positive Folgen. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Wenn wir uns zurückerinnern an den Beginn des industriellen Zeitalters, den damali­gen Beginn der Mobilität: Da wurde aus fossilen Energieträgern wie zum Beispiel Steinkohle aus 1 Kilo Steinkohle 10 Kilowattstunden Wärme im Zuge eines Verbren­nungsverfahrens produziert. Es entstand dadurch Rauchgas, die Wärme des Rauchga­ses erzeugte Wasserdampf und der trieb dann den Kolben der jeweiligen Maschine an. Nur, von dem Zeitalter sind wir schon lange weg. (Bundesrat Schabhüttl: Na hoffent­lich!)


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Die Zukunft mit den jetzt schon verfügbaren Technologien ist die thermochemische Um­wandlung von erneuerbaren Energieträgern, zum Beispiel Holz, das, nachdem es zer­kleinert wird, in einem Behälter mit Wasserdampf zu einem synthetischen Gas, das aus Kohlenmonoxid, Wasserstoff und Kohlendioxid besteht, umgewandelt wird. Diese Form nennt man Wasserdampfvergasung. Dieses Syngas kann man über Gasmotoren in Strom und Wärme umwandeln, jedoch auch durch einen weiteren Vorgang zu Dime­thylether oder Butylether umwandeln. Das ist dann ein Brennstoff, den man als Ersatz­treibstoff zum Beispiel für die herkömmlichen Dieselfahrzeuge nutzen kann.

Bei den ebenfalls wichtigen erneuerbaren Energieträgern aus Wind, Sonne oder Klein­wasserkraft können wir auch jetzt mit den neuen Technologien Wasserstoff erzeugen, der im Zusammenwirken mit Kohlendioxid aus Dimethylether und Butylether durch klassische Elektrolyse umgewandelt werden kann. Aus 5 Kilowattstunden sogenannter überschüssiger elektrischer Energie, da ja diese Energieträger, wie es vorher schon erwähnt wurde, bis jetzt aufgrund der teilweisen Unberechenbarkeit mit gewissen be­rechtigten und unberechtigten Vorurteilen zu kämpfen haben, ist es möglich, 1 Kubik­meter Wasserstoff zu produzieren, mit dem man mit einem bereits in Österreich erhält­lichen Familien-Pkw mittlerweile 11,2 Kilometer fahren kann.

Für unsere Lebensqualität und unseren Wohlstand ist die Mobilität von Personen und Gütern eine wesentliche Voraussetzung. Ein innovatives und funktionierendes Mobili­täts- und Transportsystem ist nicht nur für das persönliche Wohlbefinden, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit und die Attraktivität als Standort entscheidend.

Mobilität ist aber auch in ländlichen Regionen ein ganz wichtiges Thema, nicht nur für den Weg zum Arbeitsplatz, sondern auch für die Freizeit und Erledigungen der tägli­chen Bedürfnisse. Ein Großteil der Strecken im ländlichen Raum wird mit dem Pkw zu­rückgelegt. Wir müssen daher sicherstellen, dass Mobilität leistbar bleibt und dass die Menschen das Verkehrsmittel frei wählen können. Alternative umweltschonende An­triebsformen, die den CO2-Ausstoß im Verkehr reduzieren, sind zukunftsträchtige Mo­bilitätsangebote.

Um diese Ziele zu erreichen, ist es notwendig, erneuerbare Energieformen zu forcieren und zu fördern, um einen guten Mix zu bekommen.

Nach wie vor ist natürlich unsere Wasserkraft ein ganz wichtiger und unverzichtbarer Produzent von erneuerbarer Energie. Auch sehr wichtig für die Grundlastabdeckung sind die Biomasseanlagen für die Strom- und Wärmeproduktion; die werden wir ja heute noch unter Tagesordnungspunkt 1 extra behandeln. Biogasanlagen, Photovol­taik, Windkraftanlagen schließen den Kreis. Für Wohngebäudeheizungen sind zum Beispiel Wärmepumpen und Solaranlagen hervorzuheben.

In der #mission 2030 haben ÖVP und FPÖ ihren klima- und energiepolitischen Rah­men für die nächsten Jahre festgelegt. Die Strategie sieht zwölf Leuchtturmprojekte vor, unter denen die erneuerbare Energie einen besonderen Schwerpunkt bildet.

Ein wichtiger Eckpfeiler der #mission 2030 wird das noch in diesem Jahr zu verab­schiedende Erneuerbaren Ausbau Gesetz sein, mit dem unter anderem die Fördersys­tematik neu aufgestellt werden wird. Durch dieses Gesetz soll ein weiteres definiertes Ziel erreicht werden, das lautet, dass der Anteil erneuerbarer Energie am Stromver­brauch national bilanziell auf 100 Prozent steigt.

Als freiheitlicher, heimatbewusster Energiesprecher bin ich davon überzeugt, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben und dass wir auch die Verantwortung gegen­über unseren Kindern, Enkelkindern und nachfolgenden Generationen haben, die Ener­giewende einzuleiten. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

11.05



BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 36

Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Für eine erste Stellungnahme zu Wort gemeldet hat sich die Frau Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus. Ich er­teile es ihr.


11.05.30

Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Elisabeth Köstinger: Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Hohes Haus! Ich freue mich wirklich sehr, dass der Bundesrat heute als Thema der Aktuellen Stunde „Das Ende des fossi­len Zeitalters“ gewählt hat und somit natürlich einhergehend auch das Thema der Ener­giewende diskutiert.

Für uns als Bundesregierung hat dieses Thema des Klimaschutzes, vor allem auch bei mir im Ressort, oberste Priorität, bei dem wir die notwendigen Maßnahmen eigentlich von Anbeginn an – auch in der letzten Legislaturperiode – sukzessive umsetzen und so versuchen, die Auswirkungen des Klimawandels, des menschengemachten Klimawan­dels, einzudämmen. Und nicht erst seit den alarmierenden Ergebnissen des letzten IPCC-Reports, der festgestellt hat, dass die Klimaerwärmung um vieles schneller vo­rangeht als eigentlich prognostiziert, ist uns klar, dass wir wirklich alle gemeinsam zum Handeln aufgefordert sind.

Die letzten 20 Jahre waren die wärmsten Jahre seit Beginn der Messreihen im Jahr 1850. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist zurzeit die höchste in drei Millionen Jah­ren. Und die Folgen sind nicht nur irgendwo spürbar, sondern mittlerweile auch bei uns hier in Österreich. Egal, ob das Hitzeperioden sind, immer wieder auftretende Stark­regenniederschläge oder eben auch Trockenheit und Dürre, alles das spüren wir mitt­lerweile auch in Österreich, und dieser Trend wird sich fortsetzen. Daher ist es ge­meinsam unsere Aufgabe, Klimaschutzmaßnahmen voranzutreiben.

Deswegen war es auch unser wichtigstes Anliegen, eine große Klimastrategie ins Le­ben zu rufen, als wirklicher Leuchtturm dessen, dass wir unsere Klimaziele auch errei­chen können, dass wir die 36-prozentige Emissionssenkung auch zustande bringen. Allein das zeigt, dass wir als Bundesregierung zum einen die Brisanz erkannt haben und zum anderen auch die notwendigen Schritte in die Wege leiten. Mit der Strategie haben wir vor allem unsere Eckpfeiler der Klimaschutzpolitik eingeschlagen, um unser Ziel zu erreichen, rund ein Drittel der jetzt bestehenden Emissionen wirklich einzuspa­ren.

Unser langfristiges Ziel – und darum muss es uns allen eigentlich wirklich gehen – ist die vollständige Dekarbonisierung unseres Wirtschaftssystems, unseres Energiesys­tems und auch unserer Gesellschaft, denn wenn wir unsere fossilen Energieträger nicht aus unserem System bringen, werden wir unseren Kindern und Kindeskindern keine gute Zukunft ermöglichen können.

Die #mission 2030 wird jetzt Schritt für Schritt umgesetzt. Sie ist vor allem die stra­tegische Grundlage, auf die wir alle unsere Maßnahmen aufbauen. Gemeinsam mit dem Ressort von Bundesminister Hofer konzentrieren wir uns insbesondere auf Leuchtturmprojekte, die wir herausgearbeitet haben, vom Ausbau der E-Mobilität – vor allem legen wir auch den Fokus auf den öffentlichen Verkehr – über das Thema der Gebäudesanierung und vor allem auch die erneuerbare Wärme bis hin zu Biogas und auch neuen Technologien wie Wasserstoff aus erneuerbarer Energie, was wirklich ei­nen Meilenstein für die Zukunft darstellen wird.

Ende des letzten Jahres, 2018, haben wir gemeinsam mit den Bundesländern den Ent­wurf eines nationalen Energie- und Klimaplans vorgelegt. Dieser ist mittlerweile an die EU-Kommission übermittelt worden und zeigt auf, wie wir gemeinsam diese Klima­schutzziele erreichen wollen und erreichen können. Wir arbeiten jetzt, das heurige Jahr 2019, gemeinsam mit den Bundesländern, den Sozialpartnern, der Wirtschaft, al-


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len Stakeholdern daran, diesen Klima- und Energieplan fertigzustellen und auch unse­re Sektorziele zu erreichen.

Da angesprochen worden ist, dass in der Klima- und Energiestrategie Zahlen fehlen: Das kann ich so nicht nachvollziehen, weil wir durch die öffentliche Konsultation, die wir gemacht haben, die Klima- und Energiestrategie der Bundesregierung mit Zeitplä­nen, mit Zuständigkeiten, eben auch mit einzelnen Sektorzielen belegt haben: 7 Millio­nen Tonnen CO2 müssen im Verkehrssektor reduziert werden, 3 Millionen Tonnen im Gebäudebereich.

Vielleicht zuerst zum Gebäudebereich: „Raus aus dem Öl“-Bonus – eine sehr erfolg­reiche Maßnahme, die wir vorgezogen und bereits umgesetzt haben. Bereits im letzten Jahr haben wir schon 25 Millionen Euro an Fördergeldern ausbezahlt.

Es ist der Vorwurf gekommen, wir hätten das Budget gekürzt. Im Gegenteil: Es ist gleich geblieben, und es wird jetzt erstmals wirklich ausgeschöpft und abgeholt. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Wir geben den erneuerbaren Energieträgern den Vorrang. Das heißt, jeder, der seine Ölheizung austauscht und ein erneuerbares Energiesystem einbaut, bekommt von der Bundesregierung 5 000 Euro – wenn man noch sonstige thermische Maßnahmen dazu setzt, bis zu 10 000 Euro. Dazu kommen dann auch noch die Förderungen der Bun­desländer.

Das zweite wichtige Thema ist die Mobilität, E-Mobilität. Wir haben gemeinsam mit Verkehrsminister Hofer ein E-Mobilitätspaket aufgelegt. Auch das im Widerspruch zu dem, was wir gerade gehört haben: 93 Millionen Euro Förderung für E-Fahrzeuge und Wasserstofffahrzeuge. Also wir setzen hier klare Anreize für den Umstieg auf Zukunfts­technologien. Damit einher gehen natürlich auch der Ausbau des Tanknetzes, der La­deinfrastruktur und das Setzen von Anreizen, die dem Einzelnen, der sich ein Auto an­schafft, die Entscheidung leichter machen, auf ein sauberes Fahrzeug zu setzen.

Ja, und das Eigentliche, worum es uns geht, unser großer Wurf, den wir gerade vorbe­reiten, das ist das Erneuerbaren Ausbau Gesetz. Damit uns dieser Ausstieg aus den fossilen Energien gelingen kann, brauchen wir einen verstärkten Ausbau von erneuer­baren Energieträgern. Wir brauchen alle erneuerbaren Energieträger, um es wirklich schaffen zu können, unser Ziel von 100 Prozent Stromversorgung aus Erneuerbaren zu erreichen.

Wir setzen da zwei konkrete Projekte sehr schnell um. Das eine wird das 100 000-Dä­cher-Photovoltaik-Programm in Kombination mit dem Programm für Kleinspeicheran­lagen sein. Die Speichertechnologie wird der Schlüssel sein, ob es uns gelingen wird, unsere Ziele zu erreichen. Und wir setzen zum anderen vor allem auf erneuerbaren Wasserstoff und Biomethan. Das sind zwei große Leuchtturmprojekte, die sehr schnell und konkret umgesetzt werden. Im Erneuerbaren Ausbau Gesetz wird wirklich die Energiezukunft der nächsten Dekade festgeschrieben, weil es ja darum geht, dass wir sukzessive den Wirtschaftsstandort, den Nachhaltigkeitsstandort und auch den Innova­tionsstandort Österreich weiterbringen.

Österreich wird hier mit sehr gutem Beispiel vorangehen. Wir haben im Vergleich zu vielen anderen Ländern eine Klima- und Energiestrategie mit Verpflichtungen für die einzelnen Sektoren, und wir sind Spitzenreiter im Bereich der erneuerbaren Energie­träger. In Österreich wird Strom jetzt schon zu 74 Prozent aus erneuerbarer Energie produziert. Im Vergleich dazu: In Polen werden derzeit rund 80, 85 Prozent aus Kohle verstromt. Ich glaube, das zeigt schon, dass wir durchaus stolz sein können auf die Leistungen in der Vergangenheit. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Sehr geehrte Damen und Herren! Es geht aber auch um das Thema der Versorgungs­sicherheit, weil wir sehen, dass es durch die erneuerbaren Energieträger immer stärker


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zu Schwankungen kommt. Wenn es dunkel ist, im Winter, gibt es natürlich Ausfälle, und wenn beispielsweise auch kein Wind geht und wir auf die Windräder nicht setzen können, braucht es einfach immer wieder Sicherheitsmechanismen, mit denen wir si­cherstellen können, dass in Österreich nicht die Lichter ausgehen. Da sind natürlich auch Anlagen, die aus Biomasse betrieben werden, mehr als hilfreich und sinnvoll. Es wird in Zukunft für uns ganz entscheidend sein, genau diesen Sektor weiter auszubau­en und wirklich darauf zu setzen, dass wir Versorgungssicherheit haben.

Und das, geschätzte Damen und Herren, ist kein Interesse eines einzelnen Bundeslan­des, das ist kein Interesse einer einzelnen Partei, das muss unser gemeinsames natio­nales Interesse und unser gemeinsames nationales Ziel sein. – Vielen Dank. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

11.13


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke, Frau Bundesminister.

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Karl Bader. Ich erteile es ihm.


11.14.05

Bundesrat Karl Bader (ÖVP, Niederösterreich): Sehr geehrter Herr Präsident! Ge­schätzte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen hier im Plenum! Sehr geehrte Damen und Herren! Zunächst ein herzliches Danke an unsere Frau Bundes­ministerin, dass wir heute gemeinsam diese Aktuelle Stunde bestreiten und uns inhalt­lich austauschen können über die Strategie der Bundesregierung im Bereich des Kli­ma- und Umweltschutzes. „Das Ende des fossilen Zeitalters“ – unsere „Position als Vorreiter“, das ist das Thema; die erneuerbaren Energien stehen ja heute ganz beson­ders im Fokus dieser Bundesratssitzung.

Wenn wir uns mit dem Thema der erneuerbaren Energien, des Klimawandels und all seiner Folgen auseinandersetzen, so ist schon eines klar, nämlich dass wir im Ziel bei vielem einer Meinung sind, auch über die Parteien hinweg. Das möchte ich eingangs schon einmal festhalten. Es mag beim Tempo, bei der Umsetzung, bei einigen Schwer­punktsetzungen da und dort Diskussionen geben, aber heute erleben wir wohl, wie an­gekündigt, gerade beim Ökostromgesetz, bei der Beschlussfassung einer Übergangs­lösung, eine Blockadehaltung der Sozialdemokraten aus rein parteipolitischen und tak­tischen Gründen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, das ist der Punkt, und ich möchte heute noch ein­mal appellieren, diese Ziele, die wir gemeinsam in unserem Land gesetzt haben, zu unterstützen und diese nicht zu konterkarieren.

Wir haben mit Frau Bundesministerin Elisabeth Köstinger in der Bundesregierung eine Frau, die ambitioniert und engagiert für Klimaschutz und Umweltschutz eintritt und die mit der Klima- und Energiestrategie #mission 2030 eine Strategie auf den Weg ge­bracht hat, die auf der einen Seite eine breite Aufgabenstellung beinhaltet, aber auch klar verlangt, dass wir uns alle gemeinsam diesen Themen verschreiben müssen, um diese Ziele auch zu erreichen. Unsere Frau Bundesministerin hat das vorhin auch an­gesprochen.

Umweltschutz ist oberste Priorität im Ministerium, das ist heute klar dokumentiert wor­den, und dafür möchte ich auch ein großes Danke sagen.

Am Beispiel Niederösterreichs möchte ich ein wenig festmachen, welche Strategien in den einzelnen Bundesländern gesetzt wurden. Wir haben, glaube ich, als Bundesland Niederösterreich in diesem Bereich schon vor vielen Jahren eine Vorreiterrolle einge­nommen. 2011 hat der Landtag von Niederösterreich den Energiefahrplan 2030 be­schlossen. Hier war auch das erste und ganz wesentliche erklärte Ziel, 100 Prozent Strom aus erneuerbarer Energie zu schaffen, und 2015 ist das tatsächlich auch schon


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gelungen. Gelungen aber nur dadurch, dass es eine Breite an erneuerbaren Energien gibt, wie das auch die Frau Bundesministerin schon angesprochen hat. Wir brauchen alle erneuerbaren Energiequellen. Mit Strom aus Wasser, Wind, Sonne, Biomasse ist diese 100-prozentige Versorgung und Deckung mit erneuerbarer Energie möglich ge­worden.

Heute stehen wir im Bundesland Niederösterreich bei einem Strommix, der schon 104 Prozent der Stromversorgung aus erneuerbarer Energie gewährleistet. 104 Pro­zent hört sich ein bisschen eigenartig an, aber wir sind mit dieser kalkulierten Rech­nung eben dort. Wir sehen, dass ein Großteil davon natürlich aus der Wasserkraft kommt. In Niederösterreich sind es fünf Großkraftwerke und sage und schreibe 570 Kleinwasserkraftanlagen, die zur Verfügung stehen. 62 Prozent dieses 104-pro­zentigen Volumens kommen also aus der Wasserkraft. Wir haben 700 Windkraftanla­gen, die schon 32 Prozent dieser erneuerbaren Stromenergie produzieren, und wir ha­ben 90 Biomasseanlagen, die insgesamt mit einem Anteil von 8 Prozent an dieser ge­samten Stromversorgung aus erneuerbarer Energie in Niederösterreich beitragen.

Das Ziel ist natürlich, diesen Ausbau an erneuerbaren Energien weiter voranzutreiben. Es ist selbstverständlich auch Konsens auf Bundesebene, hier weiter daran zu arbei­ten. Es war auch in Niederösterreich nur im Konsens zwischen Politik, Bevölkerung und Wirtschaft möglich, dieses Ziel zu erreichen, und in diesem Konsens wollen wir als Vorreiter auch bei vielen anderen Themen weiterarbeiten.

Es wird aber gewaltiger Anstrengungen bedürfen, um die ambitionierten Ziele in der Strategie des Bundes zu erreichen, wie eben auch diese 100 Prozent Strom aus er­neuerbarer Energie. Wir müssen hier vor allem den Ausbau vorantreiben. Das Erneu­erbaren Ausbau Gesetz ist schon angesprochen worden, das gilt es zu verhandeln und auf den Weg zu bringen. Und die Biomasse wird auch weiterhin einen ganz wesentli­chen Beitrag zu leisten haben.

Diese Energiegewinnung aus Biomasse zu gefährden halte ich insgesamt für sehr, sehr fahrlässig. Daher glaube ich auch, dass die Klassenkampfrhetorik der Frau Kolle­gin Kahofer hier fehl am Platz ist. Ich glaube auch, dass unrichtige Behauptungen, die hier aufgestellt wurden, unrichtige Zahlen, die genannt wurden, fehl am Platz sind. Ich weiß ja nicht, ob das die Taktik der Sozialdemokratie ist, ich kann es nur nicht glauben. Es kann ja wohl nicht die Taktik sein, sich hierherzustellen und so zu tun, als ob diese Ziele alle scheitern, oder das Engagement dorthin zu lenken, die Ziele scheitern zu las­sen, um nachher sagen zu können, wir haben es eh gewusst, ihr werdet diese Ziele nie erreichen. Das verstehe ich nicht als engagierte demokratiepolitische Verantwortung einer großen Oppositionspartei.

Zum Schluss danke ich, dass wir hier engagiert weiterarbeiten. Wir müssen immer auch im Fokus haben, dass klar ist: Wer Biostrom abdreht, dreht Atomstrom auf. – Das wollen wir nicht, und ich glaube, das ist auch nationaler Konsens. Daher ist hier jede und jeder aufgerufen, die jeweiligen Entscheidungen in diese Richtung zu überlegen und zu treffen.

Ich wünsche dir, liebe Frau Bundesministerin, alles Gute auf diesem ambitionierten Weg in der Klima- und Umweltpolitik in unserem Land. Wir als Mandatare der Regierungs­parteien werden jeden Beitrag dazu leisten, dass wir die Ziele dieser #mission 2030 auch erfolgreich erreichen können. – Vielen Dank. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

11.20


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke.

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Mag. Elisabeth Grossmann. Ich er­teile es ihr.



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11.21.02

Bundesrätin Mag. Elisabeth Grossmann (SPÖ, Steiermark): Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir erinnern uns wahr­scheinlich alle noch daran: Wer noch vor wenigen Jahren von Klimaschutz gesprochen hat, ist oft milde belächelt worden. Ich denke aber, heute ist wohl allen Skeptikern des Klimawandels das Lachen vergangen, wenn man Jahr für Jahr sieht, wie Trockenheit, Überschwemmungen und Stürme und damit einhergehende Ernteausfälle, massive Schadensereignisse und vieles mehr lebensbedrohliche und existenzbedrohliche Aus­maße annehmen. Seit nämlich die Folgen des Klimawandels vor der eigenen Haustür angekommen sind, ist wohl allen klar, dass etwas geschehen muss – besser gestern als heute. (Zwischenruf des Bundesrates Stögmüller.)

Der nächste Tagesordnungspunkt wurde in den Reden schon vorgezogen, und ich sa­ge: Dass die Förderzeiträume auslaufen, das weiß man auch schon seit Jahren. (Bun­desrätin Ecker: Ihr hättet das ja machen können!) Aber jetzt hat es halt die Ministerin gar so eilig und möchte die Änderung per Initiativantrag im Nationalrat ohne Begutach­tung, ein schlechtes Gesetz, durchpeitschen. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenrufe bei der FPÖ.)

In diesem Zusammenhang müssen wir uns noch Zeit nehmen für Verhandlungen, um ein gutes Gesetz auf Schiene zu bringen. Hoffentlich ist schon morgen der Tag eins dieser Verhandlungen, wobei ich hoffe, dass Sie sich den Gesprächen nicht verschlie­ßen werden, wenn Sie es wirklich ernst meinen! Diesen Appell richte ich an Sie. (Beifall bei der SPÖ.)

Das Problembewusstsein in der gesamten Bevölkerung ist stärker. Aber schauen wir uns die Faktenlage an: Die Treibhausgasbilanz hat sich weiter verschlechtert. Der CO2-Ausstoß ist weiter um 3,3 Prozent gestiegen, und besonders dafür verantwortlich sind die Bereiche Energie, Wärmeverbrauch, Industrie und Verkehr. Es gibt jetzt jede Men­ge Absichtsbekundungen bei Konferenzen und man klopft einander gegenseitig auf die Schulter wie zum Beispiel bei jener im polnischen Katowice, wenn man der „High Am­bition Coalition“ beitritt, also dem Bündnis jener besonders ambitionierten Staaten, die höhere Levels durchsetzen und einführen wollen. Man hat sich dazu verpflichtet, dass die nationalen Klimaziele so überarbeitet werden sollen, dass die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt wird.

Ja, das ist schön und gut! Aber zurück in Österreich, Frau Ministerin, sieht es nach ei­nem Originalzitat von Ihnen beziehungsweise zumindest aus dem Umweltministerium dann so aus, dass man ab 2020 darüber reden werde, um gegebenenfalls nachzu­schärfen. (Bundesrat Krusche: Ihr wollt ja reden! – Bundesrat Samt: Ihr redet, wir han­deln!)

Frau Ministerin! Allein durch das Reden kann man die Erderwärmung nicht stoppen. Ganz im Gegenteil! Bei so viel heißer Luft, die Sie gemeinsam mit Ihren Regierungs­kolleginnen und -kollegen verbreiten, kommt es zu einer Beschleunigung der Erderwär­mung, und wenn Sie mit Pomp und Gloria die Klima- und Umweltstrategie verkünden, dann sage ich – wie Kollegin Kahofer schon ausgeführt hat –: Das ist ja eine EU-Ver­pflichtung! Diese wird von Österreich leider ohnehin relativ halbherzig wahrgenommen, und wenn man sich wiederum die Faktenlage ansieht, dann wird schon klar, dass Sie es nicht wirklich ganz ernst meinen. Der beste Klimaschutz ist nämlich die Erhöhung der Energieeffizienz, was aber tun Sie? – Sie nehmen die Mittel im Bereich der thermi­schen Sanierung zurück. Das ist eine absolut falsche Entscheidung! (Zwischenbemer­kung von Bundesministerin Köstinger.)

Der Bedarf steigt und Sie nehmen das weiterhin zahlenmäßig zurück. Man braucht sich nur die Budgetzahlen anzuschauen. All das, wofür Geld investiert wird, lässt sich ja überprüfen und nachlesen. Budgetmittel werden in vielen Bereichen zurückgenommen,


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das ist auch im Bereich der Dotierung des Klimafonds sichtbar. Wenn jetzt 35 000 Öl­kessel in die Jahre kommen und die Haushalte entsprechend nachrüsten müssen, dann muss den Menschen unter die Arme gegriffen werden, damit all das möglich wird, natürlich auch bei Mietwohnungen und im geförderten Wohnbau, denn Energie muss umweltbewusst und für alle leistbar sein. (Zwischenruf des Bundesrates Preineder.)

Wir wollen keine Energiearmut und wir wollen auch in der Energiepolitik keine Zwei­klassengesellschaft. Es kann sich nicht jeder Smarthomegeräte, Photovoltaik im mo­dernsten Ausmaß und Elektroautos leisten, vielmehr muss bei der Förderpolitik darauf Bedacht genommen werden, dass sich alle umweltschonende Energie leisten können. Diesen Appell möchte ich auch noch an Sie richten. – Danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der SPÖ.)

11.26


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke.

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Mag. Reinhard Pisec. Ich erteile es ihm.


11.26.45

Bundesrat Mag. Reinhard Pisec, BA MA (FPÖ, Wien): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Eingangs zu­nächst ein Dankeschön an unsere Frau Bundesministerin Köstinger und an unseren Technologieexperten und Technologieminister Norbert Hofer, die mit ihrem Konzept #mission 2030 ein ganz ausgezeichnetes – wie ich es nennen möchte – Natur- und Energiestrategiekonzept bis 2030 vorgelegt haben, das von unserer Bundesregierung umgesetzt werden wird. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Ich möchte die Symbiose ansprechen, denn Energie ist immer eine Symbiose mit der Natur und mit der Umwelt und letzten Endes auch mit dem Klima.

Wie haben die Ureinwohner Nordamerikas, heute First Nations genannt, gesagt? – Stirbt die Natur, dann sterben die Tiere und zuletzt der Mensch. Oder, induktiv abge­leitet von unserem Vizekanzler Heinz-Christian Strache: Umweltschutz ist zugleich auch Naturschutz und Heimatschutz.

Betreffend die Transformation des Energiesystems, die Energiewende müssen wir uns zurückerinnern in die 1970er-Jahre: Ein bürgerlicher Schulterschluss ist immer ein Erfolg der bürgerlichen Opposition gewesen. Die Energiewende begann 1978. Ich erin­nere an die legendäre Volksabstimmung gegen das Atomkraftprogramm der damals regierenden Einheitspartei SPÖ.

Ich erinnere weiter: 1984 gab es die legendäre Bürgerbewegung in der Hainburger Au gegen die Verbauung durch ein Kraftwerk. Heute erinnert dort noch ein Denkmal an diese legendären Stunden.

Im Jahr 2000 erhielt die Wachau von der Unesco die Zertifizierung zum Unesco-Welt­kulturerbe und wurde und wird dadurch vor einer Verbauung für die ewige und immer­währende Zukunft geschützt. – Anders ist es in Wien, aber darauf komme ich noch.

Auch 2019, vor wenigen Tagen, ist eine wichtige Entscheidung aus Brüssel gekom­men: Fossile Energie ist gegen erneuerbare Energie auszutauschen. Das wird aber nie zu 100 Prozent möglich sein.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf das Erdgas zurückkommen, das zwar als fossiler Rohstoff gilt, aber CO2-frei ist und damit die Natur in unserer Region unmittel­bar schützt. Das ist vor allem ein wesentlicher Beitrag zur Versorgungssicherheit von Wirtschaft und Gesellschaft, wie die Frau Ministerin schon gesagt hat.


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Ich möchte jetzt auf Wien zu sprechen kommen, denn Wien ist, wie wir wissen, immer anders. Der Wiener Treibhauseffekt ist vor allem hausgemacht. Wir alle wissen – Pendler können das im Auto leicht verfolgen –, dass der Temperaturunterschied zwi­schen dem Stadtrand und dem Stadtzentrum etwa 3 Grad beträgt, und die Statistik, Frau Grossmann, ist in Wien ganz anders: 41 Prozent des Strombedarfs in Wien wer­den importiert, und wir wissen: Importstrom ist Strom aus Atomkraftwerken und ver­stromte Kohle.

Nur 15 Prozent des Wiener Strombedarfs stammen aus erneuerbarer Energie. Derzeit liegt – wie Sie gesagt haben – Österreich insgesamt bei bereits 74 Prozent. In Wien sind es nur 15 Prozent, und wenn jetzt Simmering abgestellt wird, weil Sie dem Öko­stromgesetz nicht zustimmen, wird dieser Wert weiter in den Keller rasseln. Wien ist absolut an letzter Stelle! (Bundesrat Schuster: Unglaublich!)

Was sind die Ursachen für den Wiener Strombedarf? – Diesbezüglich muss man sich ein bisschen mit den Statistiken beschäftigen: Es handelt sich vor allem um die Ver­bauung der letzten Grünflächen und die Errichtung von monströsen Glaspalästen. Wir alle wissen, dass sich Letztere innen wie außen auf bis zu 60 Grad aufheizen, und der Strombedarf ist mittlerweile im Sommer in Form des Kühlbedarfes genauso hoch wie in den Wintermonaten. Die Tendenz hier in Wien ist stark steigend.

Wien hat ein völlig falsches Stadtkonzept und damit ein völlig falsches Energiekonzept. Die massiv geförderten Hochhausbauten, der Abriss von Ziegelhäusern mit ihrem na­türlichen Raumklima und die Errichtung von Glaspalästen lassen erstens die Tempe­ratur und zweitens durch Kühlaggregate den Strombedarf und damit den Bedarf an im­portiertem Strom stark steigen. Dass uns dadurch vermutlich sogar das Unesco-Welt­kulturerbe aberkannt werden wird, ist Ihnen völlig egal! Ihnen geht es um den Schulter­schluss zwischen Bauspekulanten und rot-grüner Stadtregierung. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Die erneuerbare Energie ist auch deshalb so interessant, weil sie für die investive und innovative Wirtschaft ein ganz großes Wachstumspotenzial in sich birgt, und in diesem Zusammenhang ist Norbert Hofer mit seinem Ministerium intensiv beschäftigt, damit die Verstromung von Wind, Sonne und Biomasse einen noch größeren Wirkungsgrad erreicht. Zudem ist bei den Österreichischen Bundesbahnen eine hundertprozentige Dekarbonisierung in kürzester Zeit geplant.

Ziel muss es sein, die erneuerbare Energie durch neue Technologien vernunftorientiert unter Erhalt der Umwelt und Tierwelt einzusetzen und die Versorgungssicherheit für unsere Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt zu bewahren. Wien gehört jedoch mit ei­nem bürgerlichen Schulterschluss in die Pflicht genommen. (Bundesrat Weber: Ja, ja!) – Vielen Dank. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

11.32


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Dr. Ewa Dziedzic. Ich erteile es ihr.


11.32.27

Bundesrätin Mag. Dr. Ewa Dziedzic (Grüne, Wien): Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Frau Ministerin! Kollegen und Kolleginnen! 30 Jahre Grüne im Parlament tragen Früchte. Forderungen, für die wir geprügelt wurden, sind immerhin mittlerweile Kon­sens. Das freut uns sehr! Nichtsdestotrotz möchte ich aufzeigen, wo Sie an der Glaub­würdigkeit doch noch ein bisschen schrauben müssen.

Es steht ja wohl außer Frage, dass die vordergründigste Aufgabe unserer Generation die Reduktion von Treibhausgasen und der Aufbau einer umweltfreundlichen und res­sourcenschonenden Wirtschaft und Gesellschaft ist, die frei von fossiler Energie sind und ohne diese auskommen. Die Ökologisierung unserer Wirtschaft ist auch eine his-


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torische Chance für uns, und zwar nicht nur, um neue Arbeitsplätze zu schaffen und unsere Lebensqualität zu verbessern, sondern auch, um niemanden hier zurückzulas­sen. Diese aktuell vielzitierte Klimakrise, Naturzerstörung und Übernutzung von Res­sourcen bedrohen – das wissen wir mittlerweile alle – die Grundlagen, unseren Wohl­stand, aber auch unsere Sicherheit. Umweltverträglichkeit ist kein Luxus mehr, son­dern – auch darüber sind wir uns mittlerweile zum Glück einig – eine Notwendigkeit.

Wir Grüne fordern überhaupt ein europäisches Klimagesetz mit verbindlichen CO2-Budgets, um die Emissionen bis 2030 um mindestens – ich wiederhole: mindestens! –55 Prozent zu senken und eine emissionsfreie Wirtschaft aufzubauen. Von Österreich vernimmt man da zwar ein wenig Ambition, aber es wird Sie kaum überraschen: Aus­reichend ist das für uns nicht! Wenn es nach uns ginge, dürfte kein einziger Euro der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen mehr für die Finanzierung fossiler Brennstoffe ver­wendet werden. Mittel, die noch für die fossilen Energien verwendet werden, können in nachhaltige Lösungen wie Energieeffizienz, grenzüberschreitenden Zugverkehr und nachhaltige Landwirtschaft reinvestiert werden.

Um die Klimaziele zu erreichen – auch das wissen wir –, müssen wir in Europa bis 2030 stufenweise aus der Kohle und so schnell wie möglich danach aus allen anderen fossilen Brennstoffen, einschließlich Gas, aussteigen. Kernkraft – das steht außer Fra­ge – und Fracking dürfen für die Zukunft der sauberen Energien keine Rolle mehr spie­len.

Deshalb komme ich jetzt auch zu Ihrer ambitionierten #mission 2030. Diese wird zwar teuer kampagnisiert, wenn man aber dahinter schaut, zeigen sich doch ein paar Defi­zite, die diese Kampagne eben nicht ganz glaubwürdig erscheinen lassen. Im Zusam­menhang mit Ölheizungen wird beispielsweise der angekündigte Ausstieg aus dieser Beheizungsart gleich in den nächsten Zeilen wieder abgeschwächt. Weiters heißt es auch, dass der Ausstieg aus fossiler Energie im Neubau ab spätestens 2030 kommen soll, aber auch hier ist ein paar Zeilen später zu lesen, dass es durchaus Ausnahme­fälle geben soll. Auch der Ausbau des Gasnetzes wird nur „nach Möglichkeit“ – unter Anführungszeichen – eingestellt.

Festzuhalten ist weiters, dass ein Ausbau des Gasnetzes mit den Klimazielen absolut unvereinbar ist.

Bis 2030 ist eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um mindestens 50 Prozent, eine Senkung des Energieverbrauchs um 30 Prozent und eine Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien auf 60 Prozent nicht nur möglich, sondern auch notwendig. Die­se Klarheit fehlt mir noch von Ihnen, Frau Ministerin!

Weil meine Zeit heute nicht ausreicht, um auf die anderen Punkte einzugehen, möchte ich zu dem kommen, was ich als nicht gänzlich glaubwürdig bezeichnet habe: Sie ge­ben zwar vor, hier richtige Schritte zu setzen, auf der anderen Seite widersprechen Ihre Maßnahmen genau diesen Schritten, die dann in der Praxis unrealistisch werden. Ich erwähne jetzt nur das hier im Bundesrat vieldiskutierte Standortentwicklungsgesetz.

Aber es gibt noch eine Sache, die äußerst interessant ist, wenn wir über den Ausstieg aus fossilen Energien reden und uns vor allem auch das von mir erwähnte Gas näher anschauen: Als Wladimir Putin im Juni in Österreich war, hat die OMV einen Gasab­nahmevertrag mit der Gazprom im Beisein Putins und des Kanzlers Kurz unterzeich­net. – Ich weiß nicht, ob Sie wissen, dass dieser Vertrag bis 2040 geht, also bis in eine Zeit, in der wir schon längst aus diesen fossilen Energieträgern ausgestiegen sein soll­ten! Es ist dies einer der am längsten gültigen Verträge in der EU überhaupt. Öster­reich hätte in diesem Zusammenhang die Möglichkeit gehabt, während der EU-Rats­präsidentschaft Verhandlungen aufzunehmen. Es wurde auch seitens vieler europäi­scher Mitgliedstaaten der Wunsch an Österreich geäußert, diese Verhandlungen auf-


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zunehmen. Das ist jedoch leider nicht geschehen. Gleichzeitig haben wir eine Richtlinie verzögert, die zu mehr Energiedemokratie und weniger Abhängigkeit von Russland führt.

Wieso sage ich das? – Weil das ein Kniefall vor Putin ist und gleichzeitig genau diese propagierten Klimaziele nicht nur vollkommen außer Acht lässt, sondern konterkariert.

Das heißt: Ihre #mission 2030 wird nur dann glaubwürdig, wenn auch konsequent vor­gegangen wird, und konsequent zu sein bedeutet gerade beim Thema Klimawandel eine Absage an einseitige Konzerninteressen. Wir stehen vor einem lebensbedrohli­chen Monstrum und machen Babyschritte!

Ich bringe hier ein paar Beispiele, weil Sie von Leuchtturmprojekten gesprochen ha­ben. (Bundesrätin Ecker: Die Lampe leuchtet!) Ich denke, bei Ihren Leuchttürmen wird das Licht sehr schnell ausgehen, wenn Sie hier außer schönen Strategien nicht die Basis dafür schaffen! (Bundesrat Schuster: Der Leuchtturm sagt: Schluss machen!) Und 140 km/h auf der Autobahn sind wahrlich kein Leuchtturm! Der Ausbau des Re­gionalverkehrs steckt noch immer auf der Strecke. Sie wollen den Radverkehr aus­bauen, und es gibt dafür kein Budget. (Zwischenruf der Bundesrätin Ecker.) Die Wär­medämmung in Österreich ist noch immer ein Stiefkindthema. Windenergie, Photovol­taik, all das scheitert an fehlenden Förderungen.

Der große Wurf ist es nicht. Entschlossenes Handeln schaut für uns anders aus. Des­halb ist auch nach 30 Jahren unser Auftrag klar: Wir werden weiterhin Druck machen, damit diesen Versprechungen auch konkrete Maßnahmen folgen. Ich hoffe, wir sind uns zumindest hier einig, dass diese einseitigen Interessen auch einmal in Angriff ge­nommen werden sollten, denn sonst wird sich einfach nichts bewegen in Österreich. – Danke. (Beifall bei BundesrätInnen der SPÖ sowie des Bundesrates Stögmüller.)

11.40


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke.

Zu einer abschließenden Stellungnahme hat sich nochmals die Frau Bundesministerin zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihr.


11.40.30

Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Elisabeth Köstinger: Herr Präsident! Hohes Haus! Ich darf mich noch einmal sehr herzlich für die heutige Aktuelle Stunde bedanken. Auch ich bin der Meinung, dass Debatten wie genau jene heute extrem wichtig sind, um einerseits ins Bewusstsein zu rufen, dass es wirklich fünf nach zwölf ist und wir alle wirklich etwas tun und handeln müssen, dass andererseits aber vor allem auch Sie hier als Vertreterinnen und Vertreter der Bundesländer einen ex­trem wichtigen Auftrag haben.

Es ist zwar immer ganz nett, von irgendjemandem irgendetwas zu fordern, aber seien wir bitte ehrlich: Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen, dann muss jeder Einzelne etwas tun, dann muss jeder Einzelne einen Beitrag leisten. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.) Dann genügt es nicht, wenn irgendein Ministerium oder irgendeine Klimakonferenz irgendwo irgendwelche Maßnahmen setzt, sondern dazu muss jeder Einzelne von uns durch ei­genes Handeln und Verhalten beitragen.

Sehr geehrte Frau Abgeordnete Grossmann! Ich muss ganz ehrlich sagen: Ihre ver­ächtliche Art und der Ton haben mich jetzt schon etwas verwundert! (Bundesrätin Grim­ling: Na geh! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Ich glaube, wir alle müssen gemeinsam etwas tun! Wir haben gestern den Auftakt zur Erarbeitung der Wärmestrategie, der Klima- und Energiepläne gehabt. Dabei sind die Bundesländer mit an Bord. Das ist nicht ein Auftrag der Bundesregierung, sondern das betrifft uns alle. Das ist der Geist dieser Bundesregierung, und daher auch meine Ein-


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ladung hier: Machen wir das gemeinsam! Schieben wir die Verantwortung nicht ab, sondern tun wir das gemeinsam! (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Noch einmal: Ich halte diese Debatten wirklich für sehr wichtig, und ich glaube, so et­was sollte es viel öfter auch hier im Bundesrat geben. Sie alle sitzen ja mit im selben Boot, Sie sind von den Auswirkungen betroffen, und Sie können auch handeln. Das ha­ben auch wir als Bundesregierung getan.

Erlauben Sie mir jetzt, noch ein paar Punkte anzuführen. Wir haben die Ratspräsident­schaft intensiv genutzt, und zwar nicht nur, um zu sagen: Ihr alle müsst weniger mit dem Auto fahren!, sondern wir haben die Hersteller in die Verantwortung genommen. Unter österreichischem Ratsvorsitz haben wir beschlossen, dass die CO2-Reduktion bei Autos vonseiten der Automobilhersteller selbst, der Industrie 37,5 Prozent betragen muss.

Es ist uns in der letzten Woche vor Weihnachten gelungen, auch betreffend Lkws noch eine Einigung unter den EU-Mitgliedstaaten zustande zu bringen, dass es bei Lkws bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent weniger CO2-Ausstoß geben muss. Es geht um die Au­tomobilhersteller, die dafür sorgen müssen. Also auch da wird wirklich angesetzt. Das ist heute allerdings überhaupt nicht zur Sprache gekommen. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Etwas ist uns auch gelungen, was unserem kleinen Land Österreich niemand zugetraut hätte: Es gibt in der Europäischen Union nach wie vor wirklich Milliardenförderungen für Atomenergie und für Kohlestrom. Kohlestrom ist nach wie vor eigentlich die größte Elektrizitätsform, die es in der Europäischen Union gibt. Unter österreichischem Rats­vorsitz und mit unseren Verhandlungen ist es allerdings gelungen, mit dem Jahr 2025 – das werden wir alle hier noch erleben! – diese Subvention von Kohle mit einem End­datum zu versehen. – Das ist auch ein konkreter Verhandlungserfolg dieser österreichi­schen Ratspräsidentschaft!

Im Hinblick darauf bitte ich, wenn über irgendetwas hier diskutiert wird, genau auch sol­che Erfolge wirklich zur Kenntnis zu nehmen und als Zeichen zu sehen, dass wir bei uns selbst beginnen und dann den Klimaschutz gemeinsam zu einer echten Bewegung machen wollen. Das ist unser gemeinsames Interesse.

Sie, Frau Grossmann, haben heute gesagt: Besser heute als morgen. Ich glaube, es gibt keinen besseren Tag als heute, wenn es darum geht, über unser Energiesystem zu sprechen und für den Ausbau wirklich etwas zu tun. (Bundesrätin Grossmann: Ich habe gesagt: Gestern!) Gestern haben wir schon sehr viel gemacht. Biomasse ist et­was, was es in Österreich mittlerweile flächendeckend gibt. Stadt Wien, Simmering: hocheffizientes Werk, das modernste überhaupt. Und es geht jetzt auch darum, wirk­lich zu zeigen, dass wir nicht nur in den Ausbau investieren, sondern dass wir auch un­sere Bestandsanlagen absichern. Wir wollen von den Reden am Rednerpult wegkom­men und wirklich an die konkrete Umsetzung gehen. Es geht darum, nicht nur von ir­gendjemandem irgendetwas zu fordern, sondern auch selbst zu handeln. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

11.44


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke, Frau Bundesministerin.

Die Aktuelle Stunde ist beendet.

Einlauf und Zuweisungen


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Hinsichtlich der eingelangten, vervielfäl­tigten und verteilten Anfragebeantwortungen,


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der Schreiben des Präsidenten des Niederösterreichischen Landtages, des Präsiden­ten des Oberösterreichischen Landtages, der Präsidentin des Landtages Steiermark sowie des Ersten Präsidenten des Wiener Landtages betreffend Mandatsverzichte be­ziehungsweise Wahl von Mitgliedern und Ersatzmitgliedern des Bundesrates,

der Unterrichtung des Bundeskanzlers gemäß Art. 23c Abs. 5 B-VG betreffend die No­minierung eines Mitglieds für den Ausschuss der Regionen beziehungsweise eines Mitglieds für den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss,

eines Schreibens des Verbindungsdienstes des Bundeskanzleramtes betreffend den Aufenthalt eines Mitglieds der Bundesregierung in einem anderen Mitgliedstaat der Eu­ropäischen Union sowie

eines Schreibens des Generalsekretärs des Bundesministeriums für Europa, Integra­tion und Äußeres gemäß Art. 50 Abs. 5 B-VG

verweise ich auf die im Sitzungssaal verteilten Mitteilungen gemäß § 41 Abs. 1 der Ge­schäftsordnung, die dem Stenographischen Protokoll dieser Sitzung angeschlossen werden.

Ebenso verweise ich hinsichtlich der eingelangten Verhandlungsgegenstände und de­ren Zuweisungen im Sinne des § 19 Abs. 1 der Geschäftsordnung auf die gemäß § 41 Abs. 1 der Geschäftsordnung im Sitzungssaal verteilten Mitteilungen, die ebenfalls dem Stenographischen Protokoll angeschlossen werden.

Die schriftliche Mitteilung hat folgenden Wortlaut:

A. Eingelangt sind:

1. Anfragebeantwortungen:

(Anlage 1) (siehe auch S. 6)

2. Schreiben der Landtage:

Schreiben des Präsidenten des Niederösterreichischen Landtages betreffend Mandats­verzichte bzw. Wahl eines Mitgliedes und Ersatzmitgliedes des Bundesrates (Anla­ge 2),

Schreiben des Präsidenten des Oberösterreichischen Landtages betreffend Mandats­verzichte bzw. Wahl eines Mitgliedes und eines Ersatzmitgliedes des Bundesrates (An­lage 3),

der Präsidentin des Landtages Steiermark betreffend Mandatsverzicht bzw. Wahl eines Ersatzmitgliedes des Bundesrates (Anlage 4) sowie

Schreiben des Ersten Präsidenten des Wiener Landtages betreffend Mandatsverzicht bzw. Wahl eines Ersatzmitgliedes des Bundesrates (Anlage 5)

3. Schreiben des Bundeskanzlers:

Schreiben des Bundeskanzlers betreffend Unterrichtung gemäß Art. 23c Abs. 5 B-VG betreffend die Nominierung von Herrn Landesrat Markus Achleitner zum Mitglied des Ausschusses der Regionen bzw. von Frau Sophia Reisecker zum Mitglied des Euro­päischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (Anlage 6)

4. Aufenthalt von Mitgliedern der Bundesregierung in einem anderen Mitglieds­staat der Europäischen Union:

Schreiben des Verbindungsdienstes des Bundeskanzleramtes betreffend den Aufent­halt von Frau Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres Dr. Karin Kneissl am 13. (spätnachmittags) und 14. Februar 2019 in Polen, wobei ihre Angelegenheiten im Bundesrat am 14. Februar 2019 durch Herrn Bundesminister Mario Kunasek wahr­genommen werden (Anlage 8)


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5. Unterrichtung/en gemäß Art. 50 Abs. 5 B-VG:

Schreiben des Generalsekretärs des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres betreffend Aufnahme von Verhandlungen über ein Abkommen zwischen der Regierung der Republik Österreich und der Regierung der Bundesrepublik Deutsch­land über die Zusammenarbeit gegen nichtmilitärische Bedrohungen aus der Luft (An­lage 7)

B. Zuweisungen

1. Gesetzesbeschlüsse (Beschlüsse) des Nationalrates:

(siehe Tagesordnung)

2. Vorlagen der Bundesregierung oder ihrer Mitglieder:

(siehe Tagesordnung) sowie

Mittelstandsbericht 2018 (III-667-BR/2018 d.B.)

zugewiesen dem Wirtschaftsausschuss

Bericht der Bundesministerin für Frauen, Familien und Jugend betreffend EU-Jahres­vorschau 2019 (III-668-BR/2019 d.B.)

zugewiesen dem Ausschuss für Familie und Jugend

Gemeinsamer Bericht des Bundeskanzlers und des Bundesministers für EU, Kunst, Kultur und Medien betreffend EU Jahresvorschau 2019 gemäß Artikel 23f Absatz 2 B-VG (III-669-BR/2019 d.B.)

zugewiesen dem Ausschuss für Tourismus, Kunst und Kultur

Bericht des Bundesministers für Landesverteidigung betreffend Arbeitsprogramm der Europäischen Kommission und Vorhaben des Rates für das Jahr 2019 (III-670-BR/2019 d.B.)

zugewiesen dem Landesverteidigungsausschuss

Bericht der Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres über das EU-Ar­beitsprogramm 2019 (III-671-BR/2019 d.B.)

zugewiesen dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten

Bericht der Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz betreffend Jahresvorschau 2019 gemäß Artikel 23f Absatz 2 B-VG (III-672-BR/2019 d.B.)

zugewiesen dem Ausschuss für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz

Bericht des Bundesministers für Inneres betreffend Legislativ- und Arbeitsprogramm der Europäischen Kommission für 2019 sowie dem Achtzehnmonatsprogramm des ru­mänischen, finnischen und kroatischen Vorsitzes des Rates der Europäischen Union (III-673-BR/2019 d.B.)

zugewiesen dem Ausschuss für innere Angelegenheiten

Bericht des Bundesministers für öffentlichen Dienst und Sport betreffend EU-Jahres­vorschau 2019 (III-674-BR/2019 d.B.)

zugewiesen dem Ausschuss für Sportangelegenheiten

Bericht des Bundesministers für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz be­treffend Jahresvorschau des BMVRDJ auf Grundlage des Legislativ- und Arbeitspro­gramms der Europäischen Kommission für 2019 sowie des Achtzehnmonatspro­gramms des rumänischen, finnischen und kroatischen Ratsvorsitzes (III-675-BR/2019 d.B.)


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zugewiesen dem Ausschuss für Verfassung und Föderalismus

Bericht des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft und Forschung betreffend EU-Vorhaben – Jahresvorschau 2019 (III-676-BR/2019 d.B.)

zugewiesen dem Ausschuss für Wissenschaft und Forschung

Bericht der Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort betreffend EU Vorhaben 2019 im Wirkungsbereich des BMDW (III-677-BR/2019 d.B.)

zugewiesen dem Wirtschaftsausschuss

Bericht der Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus betreffend Jahresvor­schau 2019 auf Grundlage des Legislativ- und Arbeitsprogrammes der Europäischen Kommission sowie des Achtzehnmonatsprogrammes des Rates (III-678-BR/2019 d.B.)

zugewiesen dem Ausschuss für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft

und

Bericht des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Jah­resvorschau 2019 auf der Grundlage des Legislativ- und Arbeitsprogrammes der Kom­mission sowie des operativen Jahresprogrammes des Rates (III-679-BR/2019 d.B.)

zugewiesen dem Ausschuss für Verkehr

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Vertretung von Mitgliedern der Bundesregierung


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Weiters eingelangt sind Schreiben des Verbindungsdienstes des Bundeskanzleramtes betreffend

den Aufenthalt des Herrn Bundesministers für EU, Kunst, Kultur und Medien Mag. Ger­not Blümel vom 2. bis 17. Februar außerhalb der EU bei gleichzeitiger Beauftragung von Herrn Bundesminister für Finanzen Hartwig Löger mit seiner Vertretung,

den Aufenthalt des Herrn Bundesministers für Bildung, Wissenschaft und Forschung Universitätsprofessor Dr. Heinz Faßmann vom 13. bis 17. Februar in Südkorea und Ja­pan bei gleichzeitiger Beauftragung des Herrn Bundesministers für Verfassung, Refor­men, Deregulierung und Justiz Dr. Josef Moser vom 13. bis 17. Februar mit seiner Ver­tretung,

den Aufenthalt von Frau Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsu­mentenschutz Mag. Beate Hartinger-Klein vom 10. bis 14. Februar in New York bei gleichzeitiger Beauftragung des Herrn Bundesministers für Landesverteidigung Mario Kunasek mit ihrer Vertretung,

den Aufenthalt von Herrn Bundeskanzler Sebastian Kurz vom 13. bis 17. Februar in Südkorea und Japan bei gleichzeitiger Beauftragung von Herrn Vizekanzler Heinz-Christian Strache mit seiner Vertretung sowie

den Aufenthalt des Herrn Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie Ing. Norbert Hofer vom 13. bis 17. Februar in Südkorea und Japan bei gleichzeitiger Beauftragung von Frau Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Elisabeth Köstinger mit seiner Vertretung.

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Eingelangt sind und den zuständigen Ausschüssen zugewiesen wurden jene Be­schlüsse des Nationalrates beziehungsweise jener Bericht, die beziehungsweise der Gegenstand der heutigen Tagesordnung sind. Die Ausschüsse haben ihre Vorberatun­gen abgeschlossen und schriftliche Ausschussberichte erstattet.

Ich habe die zuvor genannten Verhandlungsgegenstände auf die Tagesordnung der heutigen Sitzung gestellt.

Wünscht zur Tagesordnung jemand das Wort? – Das ist nicht der Fall.

Fristsetzungsanträge


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Vor Eingang in die Tagesordnung gebe ich bekannt, dass Herr Bundesrat David Stögmüller einen Antrag gemäß § 45 Abs. 3 der Geschäftsordnung eingebracht hat, wonach dem Ausschuss für Kinderrechte zur Berichterstattung über den Entschließungsantrag betreffend „Hilfen für junge Erwach­sene“ eine Frist bis 14. März 2019 gesetzt wird.

Den Bestimmungen der Geschäftsordnung entsprechend werde ich den Fristsetzungs­antrag nach der Erledigung der Tagesordnung zur Abstimmung bringen.

Weiters gebe ich vor Eingang in die Tagesordnung bekannt, dass ebenfalls Herr Bun­desrat David Stögmüller einen Antrag gemäß § 45 Abs. 3 der Geschäftsordnung einge­bracht hat, wonach wiederum dem Ausschuss für Kinderrechte zur Berichterstattung über den Entschließungsantrag betreffend „Erhalt des Kinderbetreuungsgeldes für Kri­senpflegeeltern“ eine Frist bis zum 14. März gesetzt wird.


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Auch diesfalls werde ich den Bestimmungen der Geschäftsordnung entsprechend den Fristsetzungsantrag nach Erledigung der Tagesordnung zur Abstimmung bringen.

11.48.521. Punkt

Beschluss des Nationalrates vom 30. Jänner 2019 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Ökostromgesetz 2012 (ÖSG 2012) geändert wird (505/A und 395 d.B. sowie 10119/BR d.B. und 10123/BR d.B.)


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Wir gehen nun in die Tagesordnung ein und gelangen zum 1. Punkt.

Berichterstatter ist Herr Bundesrat Robert Seeber. – Ich bitte um den Bericht.


11.49.12

Berichterstatter Robert Seeber: Hohes Präsidium! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich darf den Bericht des Wirtschaftsausschusses über den Beschluss des Nationalra­tes vom 30. Jänner 2019 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Ökostromge­setz 2012 geändert wird, zur Kenntnis bringen.

Der Bericht liegt Ihnen in schriftlicher Form vor. Ich komme daher gleich zur Antrag­stellung.

Der Wirtschaftsausschuss hat nach Beratung der Vorlage am 12. Februar mit Stim­menmehrheit den Antrag gestellt,

1. gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben sowie

2. dem vorliegenden Beschluss des Nationalrates gemäß Art. 44 Abs. 2 B-VG die ver­fassungsmäßige Zustimmung zu erteilen.


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke für den Bericht.

Wir gehen in die Debatte ein.

Als Erster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Günther Novak. Ich erteile es ihm.


11.50.16

Bundesrat Günther Novak (SPÖ, Kärnten): Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bun­desministerin! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren hier auf der Galerie, vor allem aber jene, die zu Hause vor dem Fernsehschirm sitzen! Die Bundesregierung hat nicht nur eine völlig ambitionslose Ökostromnovelle präsentiert, in der ein zukünftiges Energiekonzept gänzlich fehlt, sondern jetzt will sie auch noch 150 Millionen Euro im wahrsten Sinne des Wortes zum Schornstein hinausheizen. Dadurch werden die Kli­maziele durch die Bank verfehlt, und Österreich gehört mittlerweile zu den Klimasün­dern Europas. (Zwischenruf des Bundesrates Pisec.) Das ist ja an sich schon schlimm genug, und Frau Kollegin Grossmann hat das ja eindrucksvoll hier am Rednerpult ge­sagt. (Bundesrat Krusche: Wir waren nicht sehr beeindruckt!)

Frau Bundesministerin! Es ist jetzt nicht fünf vor zwölf, sondern es ist fünf nach zwölf! (Zwischenrufe bei der FPÖ.) Dass die Bundesregierung aber gleichzeitig auch punk­tuelle Aktionen als großen Wurf in Richtung grüne Energiezukunft verkaufen will, macht diese Maßnahme alles andere als durchsichtig. Diese ist ein Tropfen auf den heißen Stein im Hinblick auf den Klimawandel. Andererseits gibt es aber eine Förderung für große Energiekonzerne, die den Löwenanteil dieser Summe von 150 Millionen Euro er­halten werden.

Meine Damen und Herren! Das ist ein Blankoscheck ohne Transparenz, ohne Kontroll­möglichkeiten und vor allem ohne Verbesserung für die Beitragszahler und Beitrags­zahlerinnen! Das geht direkt in die Kassen einiger. (Beifall bei der SPÖ.)


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Ich sage Ihnen hier an dieser Stelle: Es wäre besser gewesen, wenn Sie die Energie, die Sie für dieses Gesetz gebraucht haben, aufgebracht hätten, um mit uns zu reden, anstatt im Vorfeld eine Maschinerie in Bewegung zu setzen, uns Falschinformationen zu unterstellen und uns Briefe zuzuschicken. (Zwischenruf der Bundesrätin Mühl­werth. – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.) Ich weiß nicht, wer alles – das sage ich jetzt speziell in die Richtung der ÖVP – herumgelaufen ist, um auf dem Land draußen uns Bürgermeister teilweise zu denunzieren. Die Pressemaschinerie wurde in Bewe­gung gesetzt. Klubobmann Wöginger hat selbst festgestellt: Da wird wohl einer übrig bleiben, und dann haben wir eh die Mehrheit. – Das wird aber nicht passieren! (Zwi­schenruf des Bundesrates Samt.)

Frau Bundesministerin! Zwei Tage vorher sind Sie draufgekommen, dass es auch noch einen Bundesrat gibt. Das ist ja eine Sensation! (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf des Bundesrates Weber.)

Sie sind draufgekommen, dass es auch noch einen Bundesrat gibt, der womöglich die Zweidrittelmehrheit verhindern könnte. Es ist aber Gott sei Dank nicht so, dass wir al­lein die Schuldigen sind. Sie haben ja den Keil selbst in Ihren Bereichen, nämlich die Wirtschaftskammer mit der Papierindustrie, den Betreibern und der Holzindustrie. Sie sind sich ja im Grunde genommen alle zusammen nicht einig.

Dass Herr Lettenbichler dann auch noch gesagt hat, dass es nicht möglich gewesen wäre, in diesem Bereich eine Begutachtungsfrist zu machen, und dass wir dann halt wie immer zuschauen, wie im Nationalrat Abänderungsanträge oder Initiativanträge kurzfristig eingebracht werden, um Gesetze durchzupeitschen, das sind wir ja schon gewohnt. – Ich kann Ihnen an dieser Stelle nur etwas ausrichten lassen, Herr Letten­bichler: Es ist auch jetzt noch möglich, ein Gesetz zu machen! Das können wir bis Os­tern unter Dach und Fach haben. Aber ihr müsst einmal mit uns reden. Wir sind jeden­falls ab morgen bereit, mit euch über dieses Gesetz zu reden. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf des Bundesrates Samt.)

Warum ist diese Ökostromnovelle ein so schlechtes Gesetz, meine Damen und Her­ren? – Es ist kein Ausbau von erneuerbarer Energie, sondern ein Blankoscheck in Hö­he von 150 Millionen Euro an die Holzindustrie. Meine Damen und Herren, die Sie heute auch zu Hause hier zuschauen: Diese 150 Millionen Euro, die Österreich zahlen muss, werden von Ihnen als StromkundInnen verlangt, und zwar in Form höherer Stromrechnungen, Monat für Monat, für die Zukunft, und niemand weiß, wer diese 150 Millionen erhält. Klar ist nur, dass es alle österreichischen Haushalte zahlen müs­sen. (Bundesrat Bader: Und ihr nehmt es den sozial Schwachen wieder weg, so schaut es nämlich aus!)

Was fordert die SPÖ? – Wir wollen das ganz klar hier an dieser Stelle auf den Punkt bringen. (Bundesrat Spanring: Keiner weiß, was die SPÖ fordert!) Herr Kollege aus Ti­rol! (Bundesrat Steiner: Ich habe nichts gesagt!) – Du hast jetzt nichts gesagt? (Bun­desrat Steiner: Mein Nachbar hat etwas gesagt!) Aha, es war der Nachbar!

Was die SPÖ klar fordert: Wir haben eine Punktation, bestehend aus sechs Punkten. Erstens: Mehr Ökostrom für mehr saubere Energie. Das ist keine Frage, denn wir sind und bleiben Verfechter von Ökostrom, aber unter anderen Voraussetzungen.

Zweitens: Tarife müssen im Gesetz festgeschrieben werden. Das ist eine Forderung von uns, und auch das hätte man vorher verhandeln können.

Drittens: Abgestuftes Fördermodell je nach Effizienz, damit mehr Anlagen und Konsu­mentInnen profitieren. Wir alle wissen, dass von diesen 47 Betrieben wahrscheinlich ein Drittel die Effizienz nicht erreicht. Deshalb müssen wir darüber nachdenken, wie wir alle dort hineinbekommen. (Bundesrätin Mühlwerth: Einfach dem Gesetz zustimmen!)


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Viertens: Eine Begutachtung ist ein Muss. Ich wiederhole noch einmal: Eine Begut­achtung ist ein Muss! Wir haben die Möglichkeit, das jetzt noch zu tun. (Beifall bei der SPÖ.)

Fünftens: Förderungsnehmer öffentlich machen wie in Deutschland. Ich glaube, ich ha­be schon in meiner ersten Rede dazu Stellung genommen, ob das das Datenschutzge­setz zulässt. Sie haben aber verhindert, dass wir draufgekommen sind, wer denn diese 47 Betriebe sind, die diese Förderung in Anspruch nehmen. Wir mussten es mühsam er­fragen. Sie haben das zugedeckt und verhindert! (Zwischenruf des Bundesrates Seeber.)

Sechstens: Automatische Befreiung von der Ökostromabgabe für alle Bezieher kleiner Einkommen, die auch GIS-befreit sind. Dazu haben wir heute einen Genehmigungsan­trag eingebracht.

Schauen Sie: Alle diese Punkte sind eigentlich, wenn man darüber nachdenkt, relativ realistisch nachzuvollziehen und vielleicht auch in Verhandlungen zu erledigen. Was aber machen Sie dann wieder, wenn der Bundesrat oder wir als SPÖ nicht zustim­men? – Sie sagen, dann haben wir in Österreich mehr Kohle- und Atomstromimporte durchzuführen. (Bundesrat Rösch: Das ist so, das geht gar nicht anders!)

Lieber Herr Kollege! Du weißt schon, dass alle 130 Biomasseanlagen in Österreich 3,4 Prozent des Stromaufkommens ausmachen! Wenn man jetzt von diesen 47 Anla­gen redet, dann geht es da um knapp 1 Prozent. (Bundesrat Schuster: Man kann es auch schönreden!) Und wenn unsere Energieministerin nicht imstande ist, 1 Prozent zu substituieren, dann ist das ein Armutszeugnis! Das muss ich an dieser Stelle ganz klar und deutlich sagen. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenrufe bei der FPÖ.)

Wenn Sie immer mit dem Argument kommen, dass von der SPÖ 6 000 Arbeitsplätze – im Zusammenhang mit Zulieferern und so weiter – zerstört werden, dann sage ich Ih­nen: Wir wissen tatsächlich aus der Studie der IG der Biomasseanlagenbetreiber – und Sie haben diese sicherlich auch –, dass es hier um 200 direkte Arbeitsplätze geht und bei den heruntergerechneten 47 Anlagen um 120 Arbeitsplätze. Sie können das dann hier berichtigen, wie auch immer. Es gibt natürlich - - (Bundesrat Bader: Sind 200 Ar­beitsplätze für die SPÖ wurscht?) Nein, das ist nicht wurscht! Aber es besteht ein gro­ßer Unterschied zwischen 6 000 und 200! Das muss man auch einmal sagen.

Dass der bestehende Gesetzentwurf 47 Anlagen rettet, ist auch nicht richtig, denn wir wissen, dass ein Nutzungsgrad von 60 Prozent nicht erreicht werden kann und die Ta­rife auch nicht in Ordnung sind.

Schauen Sie: Es wäre möglich, Punkt für Punkt darüber zu sprechen, und wir werden selbstverständlich auch noch darüber sprechen. Davon bin ich überzeugt.

Dass keine Zeit für eine umfassende Begutachtung bleibt, ist nicht wahr. Wir haben besprochen, dass das möglich ist. Es handelt sich nicht um die Verlängerung des be­stehenden Gesetzes, sondern es handelt sich um die Sonderregelung des Ökostrom­gesetzes. Die Änderung des Ökostromgesetzes soll für eine außertourliche Geldspritze in Höhe von ungefähr 150 Millionen Euro für jene Biomasseanlagen sorgen, deren 13-jäh­riger Fördervertrag von 2017 bis 2019 ausgelaufen ist. (Bundesrat Schuster: Das ha­ben wir schon gehört!) – Ich weiß nicht, ob du das schon gehört hast!

Meine Damen und Herren! Ich komme zum Schluss. (Bundesrat Schuster: Applaus!) – Wenn ihr mit uns geredet hättet, dann hätten wir heute hier eine ganz andere Situation und würden wahrscheinlich alle ein gemeinsames Gesetz beschließen. (Bundesrätin Mühlwerth: Ihr seid nur eingeschnappt und beleidigt! – Bundesrat Schuster: Und das auf dem Rücken der Bevölkerung!) Aber man nimmt halt die Opposition und auch die jeweiligen Energiesprecher nicht ernst, und zwar nicht nur hier im Bundesrat, sondern auch im Nationalrat. (Bundesrat Rösch: Das ist doch kindisch!)


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Das, was diese Ökostromnovelle einleiten würde, ist ein Abwirtschaften des Biomasse­energiesektors auf Etappen für weitere drei Jahre, und dann wird sich das aktuelle Szenario für die Übriggebliebenen wiederholen.

Meine Damen und Herren, die einzige langfristige Lösung ist, sich mit uns ab morgen an den Verhandlungstisch zu setzen und zu verhandeln. Ich weiß auch nicht, wovor Sie Angst haben! Was planen Sie mit den 150 Millionen Euro? Sie wollen um keinen Preis verraten, was Sie damit anstellen wollen! Was passiert denn genau damit? – Man muss wirklich noch einmal an diesen Blankoscheck erinnern, der in dieser Hinsicht als Parameter festgelegt wird. (Vizepräsident Koller übernimmt den Vorsitz.)

Ich verdeutliche noch einmal zum Abschluss: Ja, wir wollen eine Lösung, ja, wir wollen zusammen an einer Lösung arbeiten. Es muss aber eine Lösung für die Menschen, also die Strombezieher sein. (Zwischenrufe bei der FPÖ.) – Nein, es muss nicht für uns passen, es muss für die Menschen passen (Bundesrat Seeber: Dann stimmt zu!), es muss für die kleinen Betriebe passen und nicht nur für die großen Konzerne. Das möchte ich an dieser Stelle ganz klar deponieren. (Beifall bei der SPÖ.)

Ich glaube, dass das eine reine Verschleppung von Problemen ist und dass das Kopf­zerbrechen von heute zur Migräne von morgen gemacht wird. Kommen Sie zurück an den Verhandlungstisch! Wir stehen ab morgen Früh bereit. (Beifall bei der SPÖ.)

Deshalb, Herr Präsident, möchte ich folgenden unselbständigen Entschließungsantrag der BundesrätInnen Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen betreffend „5-Punkte-Plan für mehr Ökostrom“ einbringen:

Die Bekämpfung der Klimaerhitzung ist eine der großen politische Herausforderungen unserer Zeit. Obwohl die Elektrizität nur rund ein Fünftel des Energieverbrauchs aus­macht, sind Maßnahmen in diesem Bereich im besonderen Fokus der Öffentlichkeit. Die Frage von Biomasse-Nachfolgetarifen, bei denen es um knapp mehr als 1 Prozent der heimischen Stromerzeugung geht, hat in den letzten Wochen die Republik be­schäftigt wie schon lange kein Thema der Energiepolitik mehr. (Die BundesrätInnen von ÖVP und FPÖ halten Tafeln mit der Aufschrift „Wer Ökostrom abdreht, dreht Atom­strom auf!“ in die Höhe.)

Was steht denn da drauf? – „Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf!“ (Bundesrat Seeber: Richtig!) – Super! (Bundesrat Schuster: Das ist nicht super! – Weitere Zwi­schenrufe bei ÖVP und FPÖ.)

Die strategische Frage, wie ein Mix aus erneuerbarer Stromerzeugung mittelfristig aus­sehen wird, sollte in einer großen Neuaufstellung der Ökostromförderung, wie sie das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz der Bundesregierung ankündigt, geklärt werden. Unab­hängig vom Zeitpunkt der Umsetzung sollen aber bezüglich der Biomassenachfolgere­gelung wichtige Eckpunkte festgemacht werden.

Die unterfertigten Bundesrätinnen und Bundesräte stellen daher folgenden Entschlie­ßungsantrag:

Entschließungsantrag

Der Bundesrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat auf Basis von Gesprächen al­ler Fraktionen eine Novelle des Ökostromgesetzes vorzulegen, die folgenden Anforde­rungen gerecht wird und für mehr saubere Energie sorgt:

- Die einmaligen Nachfolgetarife für Biomassekraftwerke werden im Gesetz festge­schrieben.


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- Ein abgestuftes Fördermodell nach Effizienz sorgt dafür, dass Anlagen und Konsu­mentInnen von mehr Ökostrom profitieren.

- Begutachtung ist ein Muss.

- Fördernehmer sollen ähnlich wie in Deutschland öffentlich gemacht werden.

- Es soll eine automatische Befreiung von der Ökostromabgabe für alle kleinen Ein­kommen, die auch GIS-befreit sind, geben.“

*****

Das ist der Entschließungsantrag, den wir somit eingebracht haben. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

12.04


Vizepräsident Hubert Koller, MA: Der von Bundesrat Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen eingebrachte Entschließungsantrag betreffend „5-Punkte-Plan für mehr Ökostrom“ ist genügend unterstützt und steht demnach mit in Verhandlung.

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Vizepräsident Brunner zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihm.


12.04.49

Bundesrat Dr. Magnus Brunner, LL.M. (ÖVP, Vorarlberg): Ich habe mich zu einer tat­sächlichen Berichtigung zu Wort gemeldet.

Lieber Kollege Novak! Du hast gemeint, dass diese 130 beziehungsweise 134 Biomas­seanlagen 3 Prozent des Stroms in Österreich produzieren, und dann hast du gesagt, dass diese 47 Anlagen nur 1 Prozent produzieren. – Das ist unrichtig: Diese 47 Anla­gen produzieren 60 Prozent des gesamten Stroms aus Biomasse. 60 Prozent des Stroms aus Biomasse kommen aus diesen 47 Anlagen! (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Rufe und Gegenrufe zwischen SPÖ und ÖVP.)

12.05


Vizepräsident Hubert Koller, MA: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Sonja Zwazl. Ich erteile dieses.


12.05.40

Bundesrätin Sonja Zwazl (ÖVP, Niederösterreich): Frau Minister! Herr Präsident! Ge­schätzte Kolleginnen und Kollegen! Bei diesem Gesetz geht es vor allem um eine Übergangsregelung.

Herr Kollege Novak, ich schätze dich sehr, und wir haben auch schon im Wirtschafts­ausschuss darüber gesprochen, aber ich muss ganz ehrlich sagen: Als ich dir heute zugehört habe, ist für mich schon deutlich herausgekommen, dass du sehr beleidigt bist – sage ich jetzt ganz einfach –, weil mit dir keiner geredet hat. Darauf erwidere ich: Mit mir alleine hat auch keiner geredet, aber ich weiß, dass mit allen Fraktionen ge­sprochen wurde. (Beifall und Zwischenrufe bei ÖVP und FPÖ.)

Ich bin ganz einfach bemüht, hier Sachlichkeit hereinzubringen, das ist mir ganz wich­tig, und ich sage noch einmal: Es geht um eine Übergangsregelung, wir sprechen von nichts anderem. Es ist nämlich vereinbart und schon längst fällig, dass aus dem bishe­rigen Stückwerk ein großer gemeinsamer Guss wird. Erstmals ist geplant, Ökostrom­ausbau, Ökoenergieeinspeisung ins Gasnetz, Ökoenergiespeicherung, nationale Wär­mestrategie, Aufbringen von Regelenergie in eine Ökoenergiestrategie zusammenzu­führen. Mit dieser Übergangsregelung sollen die Ökostromverträge für Biomasse um drei Jahre verlängert werden.


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Der tatsächliche Hintergrund für diese notwendige Übergangsregelung ist, dass der Großteil der Anlagen im Zeitraum von 2003 bis 2008 errichtet wurde, und durch den 15-jährigen Förderzeitraum fallen die ersten festen Biomasseanlagen aus diesem För­derregime hinaus. (Bundesrätin Grimling: 13!) Wir wissen, dass eine solche Anlage aus wirtschaftlicher Sicht ohne Förderung ganz einfach nicht betreibbar ist. Konkret sind davon 47 Anlagen betroffen, und wir in Niederösterreich sind mit 14 Anlagen be­ziehungsweise 35 Prozent der installierten Leistungen hauptbetroffen.

Kollege Novak, du hast die mediale Wirkung angesprochen. Liebe Kollegen, ihr habt aber bei euren Aussendungen auch vergessen, den Anlagenbetreibern mitzuteilen, dass mit einem Veto die Förderung gestoppt wird und dass sie daher ihre Anlagen 2019 stilllegen müssen. Gleichzeitig habt ihr aber auch vergessen, der Öffentlichkeit mitzuteilen, welcher Schaden damit angerichtet wird.

Wir wissen, dass pro Megawatt elektrischer Leistung 21 - - Herr Novak! (Bundesrat No­vak: Ich höre zu!) – Gut. (Bundesrätin Posch-Gruska: Er ist fast eine Frau, er kann zwei Dinge gleichzeitig tun!) – Nun ja, das glaube ich nicht. – Pro Megawatt elektri­scher Leistung werden 21 Vollarbeitsplätze in der Region geschaffen. Allein in Nieder­österreich sprechen wir von 1 300 Arbeitsplätzen. 3,5 Prozent des Stromaufkommens stammen laut E-Control aus Biomasse, und es werden alleine in Niederösterreich 138 514 Haushalte mit Strom aus Biomasse versorgt. Das entspricht einer Wertschöp­fung von 63 Millionen Euro, und da sprechen wir überwiegend von einer regionalen Wertschöpfung. Diese ist bei der Verwendung von Biomasse achtmal höher als bei im­portierten fossilen Energieträgern.

Außerdem werden die kleinteiligen Biomasse- und Biogasanlagen im Regelfall von re­gionalen Unternehmen wie Bau- und Elektrikunternehmen, technischen Büros und Un­ternehmen für Rohrleitungsbau errichtet. Nur bei der Wasserkraft gibt es vergleichbare Zahlen zur heimischen Wertschöpfung. Bei der Photovoltaik und bei der Windenergie findet die Wertschöpfung zu einem großen Teil außerhalb Österreichs beziehungswei­se außerhalb Europas statt.

Gleichzeitig geht es aber bei diesem Thema auch um Energiesicherheit und Beseiti­gung von Fällen der Energiearmut. Wenn wir uns auch in Zukunft zu den Einsparungs­zielen bekennen, dann werden wir feste und flüssige Biomasse als einzige regelbare Quelle für die Abdeckung des Strom- und Wärmebedarfs benötigen. Alle anderen Energieträger unterliegen Schwankungen – so etwa auch die Wasserkraft, denn wir wissen genau, dass es sowohl niedrige Pegelstände als auch Hochwasser und somit enorme Produktionsverluste gibt –, die unsere Energiesicherheit stören können.

Wir haben innerhalb der Wirtschaft, wie du angesprochen hast, auch immer wieder Diskussionen, wenn es um Biomasse und die thermische Verwertung von Holz geht. Ich stehe in diesem Zusammenhang uneingeschränkt zur kaskadischen Nutzung. Wird Holz nach diesem Grundsatz zum Heizen genutzt, dann wird sichergestellt, dass unser Wald nicht verheizt wird. Im Gegenteil! 80 Prozent des in Österreich geernteten und importierten Holzes werden als Sägerundholz und Industrierundholz zu Holz- und Pa­pierprodukten verarbeitet. Erst am Ende der Lebensdauer werden diese energetisch verwertet, das heißt verbrannt, nur 20 Prozent werden direkt als Brennholz und Hack­gut in Energie verwandelt. Beinahe 100 Prozent des in den Markt gebrachten Holzes werden am Ende der Wertschöpfungskette Holz noch zur Energiegewinnung genutzt.

Darüber hinaus haben wir derzeit in Niederösterreich auch die große Herausforderung, dass wir Borkenkäferbefall haben und dass es daher schadhaftes Holz gibt, das na­türlich verwendet wird. Auch da geht es um thermische Verwertung.

Betragsmäßig steht die vorgesehene Überbrückungsförderung aktuell in Diskussion. Selbstverständlich sollen Anlagen mit einem Wirkungsgrad von unter 60 Prozent sinn-


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vollerweise durch moderne Anlagen mit hohem Wirkungsgrad ersetzt werden. Darüber brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Im Zusammenhang mit der Förderung und der Höhe der Förderung pro Kilowattstunde geht es uns um die Abdeckung der variablen Kosten. Das ist auch der Sinn der Nachfolge- beziehungsweise Überbrückungstarife, da die Abschreibung bereits verdient wurde. Ich bin aber überzeugt, dass seitens des zuständigen Ministeriums ein betriebswirtschaftlich orientiertes Modell festgelegt ist.

Ich richte jetzt meinen Blick auch zu meinen KollegInnen von der SPÖ in Niederös­terreich. Ich sage euch: Wenn ihr euch mit eurer Stimme gegen diese Überbrückung wendet, dann seid ihr in der Ziehung und habt auch die Verantwortung, unseren Bürge­rinnen und Bürgern in St. Pölten, Gmünd, Amstetten, Traiskirchen und in weiteren acht Gemeinden zu sagen, dass sie ab 1.1.2020 nicht mehr in gewohnter Art und Weise versorgt werden können. (Zwischenruf des Bundesrates Beer.)

Ihr habt jetzt die Gelegenheit, die Chance und die Verantwortung, das zu tun. Dass na­türlich der Eindruck entsteht, dass ihr gerne Atomkraft forciert, das müsst ihr selbst ent­kräften. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

12.13


Vizepräsident Hubert Koller, MA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Stefan Schennach. Ich erteile es ihm.


12.13.42

Bundesrat Stefan Schennach (SPÖ, Wien): Herr Präsident! Ich gratuliere Ihnen dazu, dass Sie zum ersten Mal den Vorsitz führen.

Liebe Kollegen! Liebe Kolleginnen! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Wenn ich mir all die Dinge durchlese, die wir in den letzten Tagen bekommen haben – die Bürger­meister auf dem Land und wir teilweise direkt und so weiter –, dann frage ich mich: Wo ist denn die Seriosität bei all euren Argumentationen geblieben, Kollege Bader? Offen­sichtlich befindet ihr euch in einer argumentativen Kampflinie. Das ist man immer, wenn man öffentliche Mittel entfremden will, indem man Klientelbehandlung betreibt. (Bundesrat Seeber: Ihr seid in einer Kampflinie, nicht wir!) Es ist auch interessant, dass das von der Koalition in erster Linie die ÖVP ausgefochten hat und die FPÖ ein­mal eher zugeschaut hat.

Lieber Magnus, zu deiner tatsächlichen Berichtigung: Du hast nicht zugehört, sondern du hast irgendetwas berichtigt! Ich habe zugehört: Kollege Novak hat vom nationalen Stromverbrauch gesprochen. (Bundesrat Brunner: Nein!) Du kannst es auch gerne im Protokoll nachlesen. Er hat gesagt, dass die 134 Biomasseanlagen 3,4 Prozent des nationalen Stromaufkommens ausmachen und die 47 Anlagen, um die es jetzt geht, 1 Prozent des nationalen Stromaufkommens abdecken. – Ist das jetzt angekommen? Somit halte ich für Kollegen Novak fest, dass diese Berichtigung danebengegangen und Makulatur ist. (Beifall bei der SPÖ.)

Der nächste Punkt: Natürlich war die SPÖ immer für den Ausstieg aus der fossilen Energie, aber dazu braucht man eine gesamte Ökostromstrategie und nicht eine aus einem Initiativantrag hervorgegangene kurze Übergangslösung, die als Ökostromno­velle bezeichnet wird.

Liebe Frau Bundesministerin, vor zwei Tagen hat es hier eine Sitzung gegeben, bei der wir Ihnen noch einmal eindeutig dargestellt haben, dass wir natürlich verhandlungsbe­reit sind. Allerdings wären all die Zahlen, die Frau Zwazl hier bekannt gegeben hat, Gegenstand beziehungsweise Produkt eines ordentlichen Begutachtungsverfahrens gewesen. Zweitens ist mir noch etwas besonders aufgefallen: Wie viele der Biomasse­betreiber haben sich gemeldet und gesagt: Bitte stimmt nicht zu, denn selbst wenn ihr zustimmt, können wir nicht überleben!? Diesbezüglich wurde nämlich etwas nicht ge­macht, und zwar ein abgestuftes Förderungsmodell.


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In einem Punkt gebe ich der Frau Bundesministerin vollinhaltlich recht: Das effizientes­te Biomassekraftwerk steht in Wien Simmering. (Beifall bei der SPÖ.) Wir haben heute einen neuen Bundesrat aus Simmering angelobt. Aber selbst dieses hocheffiziente Werk kann das nicht erfüllen, weil die Technik von Biomasseanlagen zum Teil so be­schaffen ist, dass sie gar nicht nachgerüstet werden können. Aber wir können das Werk in Wien Simmering gerne besichtigen, dann kann sich jeder selbst überzeugen.

Ein bisschen kommt man sich jetzt so vor wie im Bibelunterricht hinsichtlich der wun­derbaren Vermehrung der Fische oder der Verwandlung von Wasser in Wein. Das ist vergleichbar mit dem, was über die Arbeitsplätze gesagt wurde. (Bundesrat Schuster: Das sagt ein Ex-Grüner!) Wart ihr wirklich schon einmal in einem Biomassewerk? (Bundesrätin Ecker: Natürlich!) Habt ihr gesehen, wie viele Leute, nämlich Vollbe­schäftigte, dort arbeiten? – Schauen wir uns das ein bisschen an: Da geht es um maxi­mal 120 direkte Arbeitsplätze, und wenn ich dazu noch das Augenmerk auf die Vollzeit lege, dann sind es 60 Ganztagsarbeitsplätze. (Bundesrat Schuster: Jeder Arbeitsplatz zählt!)

Natürlich sind das auch 60 Ganztagsarbeitsplätze, aber wenn jetzt die Betreiber sagen, dass sie mit dieser Förderung sowieso nicht überleben können, dann frage ich: Warum verbrennen wir dann 150 Millionen Euro? (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Köstinger.) – Sicherlich ist das wahr, Frau Bundesministerin, und Sie wissen das auch! Es haben sich auch einige bei Ihnen gemeldet und haben gesagt, dass das nicht geht. Dabei gibt es ja auch keine Nachhaltigkeit und keine Innovation.

Kollege Bader, ihr könnt es euch leichter machen, ihr könnt dieses Gesetz heute zu­rückziehen. Wenn ihr es aber nicht zurückzieht, müssen wir diese Notmaßnahme heu­te auch im Sinne der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen ergreifen und die Zweidrittel­mehrheit verweigern.

Frau Bundesministerin, kommen wir noch zu einem anderen Punkt, zu den Nutzungs­graden: Das ist ja eine Scheinmaßnahme. Sie wissen genau, dass die derzeit laufen­den Anlagen diese Nutzungsgrade gar nicht erreichen. In Wirklichkeit haben da auch die Forschung, die Innovation und die Technik gefehlt.

Die Biomasse ist aus dem ganz großen Blumenstrauß des Ökostroms und der erneu­erbaren Energie eine schöne, eine wichtige und eine vor allem regional wirkende Blu­me. Deshalb ist sie ganz wichtig, aber da gibt es noch sehr viel mehr.

Ich war selber jahrelang an der Ausarbeitung des Mediterranen Solarplans beteiligt, der auch Realität geworden ist und dem, bis auf ein Land, alle Länder zugestimmt ha­ben. Darin haben wir das gesamte Spektrum der erneuerbaren Energien abgebildet, um den Ausstieg aus der fossilen Energie auch rund um das Mittelmeer – in den euro­päischen und den nordafrikanischen Staaten – zu animieren, zu motivieren und auch das Denken, dort einzusteigen, möglich zu machen.

Frau Bundesministerin, wir haben es Ihnen noch einmal gesagt: Wir stehen dazu, ja, Österreich braucht eine Ökostromstrategie. Österreich braucht ganz, ganz konkrete Schritte diesbezüglich, und Sie werden uns von der ersten Minute an als Mitstreiter finden. Wir haben Ihnen gesagt, wir stehen Ihnen ab morgen für diese Verhandlungen zur Verfügung. (Bundesrat Schuster: Morgen ist es zu spät! Morgen ist ein bissl spät!) – Nein, morgen ist nicht zu spät. (Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.) Morgen wäre es zu spät, wenn wir nicht auf die 150 Millionen Euro aufpassen würden, die wir hier mit einer Ermächtigung hergeben sollen. Niemand von uns kennt die Verordnung, und wir werden uns hüten, einen Blankoscheck – so wie es Kollege Günther Novak ge­sagt hat – auszustellen, von dem wir nicht wissen, was am Ende herauskommt, denn das bedeutet noch immer nicht den Ausbau erneuerbarer Energiequellen.


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Nun zu Kollegen Raggl und zu all diesen Taferln: Das ist ja fast schon lustig. Ich mei­ne: Bei dieser – wenn ihr ehrlich seid – minimalen Leistung, die die Biomasse und die­se 47 Kraftwerke in Wirklichkeit erbringen und darstellen, kommt ihr auf einmal mit dem Atomstrom? Wie leistungsfähig, bitte, ist denn unsere Energiewirtschaft, dass wir an­gesichts eines so minimalen Beitrags plötzlich die Atomstromkeule schwingen müs­sen? (Bundesrat Schuster: Na, ist ja so! Die Versorgung ist sehr wohl wichtig!) – Na, never! Never! (Beifall bei der SPÖ.)

Ich sehe es ja Herrn Raggl ein bisschen im Gesicht an, dass ihm das peinlich ist, das sagen zu müssen. Man sieht es ihm ja an, wie er schaut. (Allgemeine Heiterkeit.)

Mich würde ja noch viel mehr interessieren, ihn als Tiroler anzusprechen, und unter Ti­rolern frage ich jetzt einmal zurück: Was unternimmt das Bundesland Tirol, das die höchsten Quoten an Ölfeuerungen hat und diese so lange gefördert hat, um aus dieser Ölheizungslawine einmal herauszukommen? (Bundesrätin Mühlwerth: Sind dort nicht die Grünen in der Regierung?!) Das ist eine ganz wichtige Frage, Frau Kollegin Mühl­werth. Was unternehmt ihr? – Denn: Das größte Problem mit Ölbefeuerungen hat das Land Tirol, und das weißt du ganz genau. Das wäre für eine Klimastrategie, und die Frau Bundesministerin will das ja - - (Zwischenruf bei der ÖVP.) – Ich weiß, dass das schon gesagt wurde, dass es Strategien gibt, aber wisst ihr, da ist immer so viel Wolki­ges, so viel Schaum herum (Bundesrat Seeber: Ihr seids gegen den kleinen Mann!), da ist nichts greifbar, da gibt es nichts Handfestes. Deshalb sprechen wir unsere Einla­dung aus: Ja, wir wollen Ökostrom, ja, wir wollen eine umfassende Ökostromnovelle und sind offen und bereit zur Zusammenarbeit. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

12.24


Vizepräsident Hubert Koller, MA: Zu einer weiteren tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Vizepräsident Dr. Magnus Brunner zu Wort gemeldet. Ich erteile ihm das Wort.


12.24.47

Bundesrat Dr. Magnus Brunner, LL.M. (ÖVP, Vorarlberg): Ich hoffe nicht, dass ich jetzt nach jeder Wortmeldung zu einer tatsächlichen Berichtigung raus muss, aber in diesem Fall kann ich es mir natürlich nicht verkneifen. (Zwischenruf der Bundesrätin Posch-Gruska.) Ich bin mit dem Mitschreiben dieser Unrichtigkeiten auch nicht ganz mitgekommen. Zwei aber möchte ich hier auf jeden Fall noch einmal erwähnen. Das ist eine einfache Schlussrechnung. Ich bin ein schlechter Mathematiker, aber meine Kin­der lernen gerade die Schlussrechnung. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Also, Stefan: 47 von 134 sind circa ein Drittel, oder? – 3 Prozent hast du beziehungs­weise hat auch Günther gesagt. (Bundesrat Schennach: 3,4!) – 3,4 Prozent, genau! Dann hast du gesagt, die 47 Anlagen produzieren 1 Prozent. Nein, das ist unrichtig, denn diese 47 Anlagen produzieren 1 190 Gigawattstunden im Jahr – das sind eben gro­ße Anlagen, wie zum Beispiel Simmering. Alle 134 produzieren 1 900 Gigawattstun­den, also 1 190 zu 1 900. Das ist nicht ein Drittel, sondern das sind eben 60 Prozent, wie vorher gesagt. (Bundesrätin Grimling: Nein! Nein!) – Doch! (Beifall bei der ÖVP.)

Zu dem, dass die meisten Anlagen die 60 Prozent Wirkungsgrad erreichen (Bundesrat Schennach: Das ist ja nicht wahr! – weitere Zwischenrufe bei der SPÖ) – hör zu!; wenn du jetzt nicht zuhörst, dann sagst du wieder etwas Falsches, das ist ja blöd! –: Da du gesagt hast, die meisten erreichen den 60-Prozent-Wirkungsgrad nicht: Wenn Anlagen einen Antrag auf Nachfolgetarif stellen – so ist es bisher schon geltendes Recht –, dann müssen sie angeben, ob sie die 60 Prozent erreichen oder nicht. Das haben die meisten gemacht. Überall in den Anträgen steht: Wir erreichen 60 Prozent. (Beifall bei der ÖVP. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

12.26



BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 80

Vizepräsident Hubert Koller, MA: Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Bernhard Rösch. Ich erteile ihm das Wort. (Bundesrätin Grimling: Pass auf, jetzt kommt der Nächste!)


12.26.33

Bundesrat Ing. Bernhard Rösch (FPÖ, Wien): Sehr geehrtes Präsidium! Sehr ge­ehrte Frau Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseher! Wir befinden uns im Fasching, habe ich so das Gefühl. Das sollte ein politischer Fasching der SPÖ sein. (Heiterkeit bei der FPÖ.) Es ist aber eher einem Halloween ähnlich, wenn man euch zuschaut, in welcher Verzweiflung ihr versucht, etwas schlechtzureden, wobei ihr seit 2002, als das Ökostromgesetz geschaffen wurde, 2012 und 2017 in Wirklichkeit immer die gleiche Materie vor euch habt. Ihr seid nicht informiert gewesen, sagt ihr, und weil man mit euch nicht geredet hat, wollt ihr das ablehnen.

In Wirklichkeit ist da kein einziges Argument, das schlagend werden kann, warum man das ablehnt. (Ruf bei der SPÖ: Hast du nicht zugehört?!) – Ja, ich habe zugehört, aber das waren ja keine Argumente. (Bundesrätin Gruber-Pruner: Zuhören! Zuhören!) Das war doch ein Um-Luft-Ringen, damit man irgendwo, nur aus politischem Kalkül, he­rauskommt, weil man jetzt eine Situation vor sich hat, in der man irgendetwas verhin­dern kann, sodass man irgendwo sieht, man ist politisch noch da. Das ist verantwor­tungslos! (Beifall bei der FPÖ und bei BundesrätInnen der ÖVP.)

Jeder kann sich das, was da eingebracht wird, ja anschauen (zwei Schriftstücke in die Höhe haltend): unselbständiger Entschließungsantrag, Gesetzesantrag des Bundesra­tes. Habt ihr voneinander nicht gewusst, wer was geschrieben hat? – Wenn ich mir das dann so anschaue, heißt es im letzten Punkt des unselbständigen Entschließungs­antrages, es soll eine automatische Befreiung von Ökostromabgaben für alle kleinen Einkommen, die auch GIS-befreit sind, geben. – Das könnt ihr haben, wenn ihr heute zustimmt. (Allgemeine Heiterkeit. – Zwischenruf des Bundesrates Novak.)

Das Gleiche – ich bin ja noch nicht fertig, gebt mir ein bisschen Zeit – kommt dann im Gesetzesantrag des Bundesrates. Was wollt ihr denn überhaupt? (Bundesrat Weber: Eine gescheite Verhandlung und eine gescheite Begutachtung!) Ja, aber ihr müsst doch zumindest von der Basis, von der ihr redet, Bescheid wissen. Ich meine, ihr kennt das Prozedere. Ihr könnt Opposition anscheinend überhaupt nicht und auch das nicht. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Dann kommt zum Beispiel: Die einmaligen Nachfolgetarife für Biomassekraftwerke werden im Gesetz festgeschrieben. – Das war zuerst auch schon Teil einer Verord­nung. Ihr wisst seit dem letzten Jahr ganz genau, wie das ausschaut und auch dass die Förderung nicht mehr für die Abschreibung sein wird, sondern dass sich das alles re­duziert, dass das alles mit Augenmaß gemacht wird, damit wir diese drei Jahre über­brücken können, bis wir ein gescheites, neues Gesetz mit den ganzen neuen Techno­logien, die da drinnen sind und dann auch gefördert werden, entworfen haben.

Wir haben heute Taferl hochgehalten, auf denen zu lesen ist, dass jemand, der Bio­masse und Ökostrom nicht will, Atomstrom fördert. Es ist ganz klar: Wir haben in Ös­terreich Graustrom. Jeder, der etwas anderes behauptet, sagt die Unwahrheit. Wer die­se Übergangslösung für die Stromspitzen nicht möchte, ist natürlich ein Einkäufer von Atomstrom, außer er dreht die Energieversorgung in den Stromspitzen ab.

Wie erklärt ihr das euren Kindern? – Da können wir gleich zu dir, Inge, in den Kinder­rechteausschuss kommen (Bundesrätin Posch-Gruska: Gerne!) und diesen Antrag einbringen, die Kinder haben nämlich auch Rechte. (Bundesrätin Posch-Gruska: Das weiß ich eh!) Wo wird der Atommüll dann gelagert? – Ihr wisst es ganz genau und re­det euch jetzt um Kopf und Kragen, wenn es darum geht, sich da irgendwie herauszu­lavieren. (Heiterkeit der Bundesrätinnen Posch-Gruska und Grimling.)


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2012 habt ihr das schon genauso gewusst. Das sind genau die gleichen Sachen (Zwi­schenruf der Bundesrätin Grimling), sie sind nur für drei Jahre fortgeschrieben. Es ist nur etwas weniger Zuschuss, weil es ja die Amortisationen nicht mehr gibt, und es dient der Abdeckung von Stromspitzen, der Umwelt und ist CO2-verträglich – nämlich wesentlich mehr, als wenn wir Gas, Öl, Kohle oder sonst irgendetwas verheizten. Das wollen wir alles nicht, aber ihr müsst einmal sagen, was ihr wollt! (Rufe bei der SPÖ: Sicher! Habt ihr nicht zugehört?! – Zuhören! Ihr müsst zuhören!) – Ja, ihr wollt das nicht. Nur: Etwas nicht zu wollen ist noch keine Lösung. Ihr wollt vielleicht alle frieren lassen, das ist schon möglich.

Wenn ich mir dann noch anschaue, wie ihr als SPÖ die Arbeiterkammer instrumen­talisiert, weil ich gerade Rudi Kaske da hinten sehe (Rufe bei der SPÖ: Ich habe ge­glaubt, das gehört zu den Arbeiterkammerwahlen! Arbeiterkammerwahl! – weitere Zwi­schenrufe bei der SPÖ) – na ja, das muss schon gesagt werden –: Wenn die Arbeiter­kammer sich schon im Vorfeld von der SPÖ politisch vereinnahmen lässt und Nein zur Biomassesonderförderung sagt, dann ist das ganz einfach etwas, was nicht geht. Das muss ich sagen. Die Arbeiterkammer hat sich um die Arbeitnehmerangelegenheiten zu kümmern (Bundesrat Weber: Haben wir hier AK-Wahlkampf?! – weitere Zwischenrufe bei der SPÖ) und nicht um die Befindlichkeiten der SPÖ. Das wollte ich dazu noch ein­mal gesagt haben. (Beifall bei der FPÖ.)

Wenn ich mir dann das Konzept der Energiesprecherin Duzdar gegen Energiearmut durchlese, dann frage ich: Ja, und wo sind die 200 Betroffenen, wenn ihr das jetzt ab­lehnt? Wo sind denn die 200 Betroffenen, die praktisch von der Abgabe befreit werden würden? – Die riskiert ihr. Ihr redet zwar über Energiearmut, aber wenn die Regierung etwas macht, sagt ihr: Nein, da sind wir nicht dabei! (Bundesrätin Posch-Gruska: Da liegt der Antrag vor dir, ... ja mitstimmen!) – Ja, ich bin ja mit dem Antrag noch nicht fertig. (Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.) Ich würde sagen, wenn das ein Kabarett wäre, könnten wir vielleicht drüber schmunzeln; damit kommt ihr aber nicht einmal beim Villacher Fasching durch.

Wenn ich mir die Fördermodelle, nach Effizienz und so weiter, anschaue: Da geht es gar nicht darum, ob wir jetzt ein Fördermodell nach Effizienz, praktisch nach den neu­esten Kriterien, schaffen, sondern darum, dass wir mit den Anlagen, die die 60 Prozent schaffen – und das wird überprüft –, die Spitzen noch in den nächsten drei Jahren abdecken, damit ein neues Konzept für die neue Ökostromtechnologie geschaffen wer­den kann. Da seid ihr sicher auch mit dabei und werdet euch einbringen.

Ich verstehe nicht, dass ihr so ein wichtiges Gesetz, so etwas Wesentliches für die Be­völkerung, für die Österreicher, einfach als politische Bühne verwendet und heute stop­pen werdet. Das verstehe ich nicht. Zwei Drittel der Anlagen stehen immerhin im Ho­heitsgebiet der SPÖ beziehungsweise dort, wo die SPÖ die Verantwortung trägt. Wie werdet ihr das dort weitertransportieren? – Das schaue ich mir noch an. (Bundesrätin Posch-Gruska: Darum mach dir keine Sorgen! – Zwischenruf des Bundesrates Weber.)

Was ich ganz genau gehört habe, von Kollegen Schennach und Kollegen Novak, als es um die 6 000 Mitarbeiter, die in der Wertschöpfungskette sind, gegangen ist: Die in­teressieren euch nicht. (Zwischenruf der Bundesrätin Grimling.) Da habt ihr gesagt: Na, wo sind die 6 000? Das sind ja dann vielleicht nur 200 oder sonst irgendetwas! (Bundesrat Weber: Was hat wer wann gesagt?) – Das muss ich euch ganz ehrlich sa­gen: Atomstrom kaufen und für Wertschöpfung irgendwo anders sorgen, aber die ei­genen Leute sind einem egal – der Kreisky dreht sich im Grab um! (Beifall bei FPÖ und ÖVP. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Er hat gesagt, lieber 1 Milliarde ausgeben als einen Arbeitslosen. Damals hat er sicher maßlos übertrieben und überzeichnet. (Bundesrätin Grimling: Aber sicher nicht Kreis­ky! ...! Das ist eine Beleidigung von Kreisky, er kann sich nicht mehr wehren, er ist im


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Grab! – Anhaltende Zwischenrufe bei der SPÖ.) Ihr seid aber praktisch die Totengrä­ber der Arbeitsplätze. Ihr habt das heute hier am Rednerpult direkt gesagt. Das geht nicht, und ihr zeigt in Wirklichkeit, dass man sich auf euch nicht verlassen kann.

Ihr wart damals bei klimaaktiv und bei den ganzen Sachen dabei (ein Schriftstück in die Höhe haltend); da steht genau das drinnen. Ich weiß nicht, wovon ihr euch verabschie­den wollt. Die SPÖ in Guntramsdorf zum Beispiel (ein weiteres Schriftstück in die Höhe haltend) – ich habe ein bisschen recherchiert (Rufe bei der SPÖ: Na geh, hör auf!) – schreibt in den höchsten Tönen über das Biomassekraftwerk und dass praktisch 1 Mil­lion Tonnen CO2 eingespart wurden, und, und, und. Da ist es gut, wenn aber die Re­gierung jetzt sagt, wir machen einen Übergang, wir bleiben auf diesem Ökostromkurs, dann ist das schlecht. – Das versteht keiner. Gott sei Dank kann man diese Debatte auch im Fernsehen sehen, und die Zuschauer werden sich sicher ihre eigene Meinung bilden. Da sind wir uns ganz sicher, und ich weiß auch, wie das ausgehen wird.

Wir wollen uns im Bereich Ökostrom ganz einfach weiterentwickeln. Wenn man sich das Burgenland mit den Windrädern, mit der Photovoltaik anschaut: Im Burgenland konnte man das erste Mal über 100 Prozent Ökostrom produzieren und wäre energie­autark, würde es die Nacht nicht geben, in der es ganz einfach Windflauten aufgrund mangelnder Thermik gibt und natürlich auch keine Sonne scheint, wir müssen aber die Stromspitzen abdecken. (Bundesrätin Grimling: Der Wind kommt oder er kommt nicht! – Bundesrätin Mühlwerth: Für die SPÖ kommt der Strom aus der Steckdose!) Ihr wollt das anscheinend jetzt nicht mehr, es ist keine Errungenschaft mehr und völlig wurscht, oder ihr wollt die Stromspitzen tatsächlich mit Atomstrom bewältigen. Von euch hat man bis jetzt nichts gehört.

Resümee ist auf jeden Fall: Wir benötigen diese Übergangsregelung für die Strom­spitzen. Die SPÖ kennt das Gesetz hinlänglich, man braucht mit ihnen gar nicht viel zu reden, weil es jährlich praktisch immer wieder fortgeschrieben wird und bekannt ist. Da braucht man nicht viel zu reden. (Bundesrat Weber: Aha, man braucht mit uns nicht zu reden! Das ist eure Einstellung! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Das Ganze ist transparent, die Zuschüsse sind immer in einer Verordnung festgelegt worden; das ist auch ein alter Hut, das kennt ihr zur Genüge. Die Tarife sind bekannt. Die Lösung ist CO2-neutral, was für uns sehr, sehr wichtig ist. Das Ganze gilt nur für drei Jahre. (Bundesrat Beer: Zuhören kannst du nicht! Lesen tust du es nicht! Und jetzt siehst du nicht einmal das rote Licht!) – Ja, ja, das rote Licht sehe ich, aber auf Rot bin ich vielleicht ein bisschen allergisch, und es hat mich noch nie gestoppt. (Beifall bei der FPÖ.)

Wichtig ist, dass wir ganz einfach Materie haben; wir haben Bruchholz, wir verwenden also nicht irgendetwas, das man noch anderweitig brauchen könnte. Man verwendet Bruchholz, das man sonst nicht, außer zum Kompostieren, verwenden könnte. Damit wird Energie geschaffen, und deswegen ist diese Lösung ganz einfach eine sehr, sehr gute Lösung, die wir – natürlich nachhaltig – durchzubringen versuchen werden. Ich kann nur sagen: Geht in euch! Wer keinen Atomstrom will, der stimmt heute dieser Lö­sung zu! (Beifall bei FPÖ und ÖVP. – Bundesrat Schennach: Ist doch eine Bibelstunde!)

12.38


Vizepräsident Hubert Koller, MA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Bundesrat Jür­gen Schabhüttl. Ich erteile dieses.


12.38.23

Bundesrat Jürgen Schabhüttl (SPÖ, Burgenland): Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Kolleginnen und Kollegen im Bundesrat! Geschätzte Zusehe­rInnen hier und zu Hause! Ich repliziere noch ein bisschen auf meinen Vorredner. (Bundesrat Rösch: Das ehrt mich!) – Das glaube ich nicht, dass Sie das ehren wird.


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 83

Ich glaube, Sie haben noch nie in Ihrem Leben eine Biomasseanlage gesehen, ge­schweige denn dass Sie eine angeschaut hätten oder drinnen gewesen wären. Ihre Rede reicht nicht einmal fürs letzte Faschingskabarett in einem kleinen Dorf, also das war unterste Schiene. (Bundesrat Seeber: Was soll diese Herabwürdigung eines klei­nen Dorfes? – Ruf: ... das war eine fachlich profunde Analyse! – Allgemeine Heiter­keit.) – Ja, fachlich profund ist gut!

Ich möchte eines gleich vorweg feststellen: Wir haben jetzt sehr viele Pros und Kontras gehört, und es steht jeder Partei frei, hier ihre Meinung anzubringen, und es steht auch jeder Partei frei, andere Zugänge zu haben. Eines müssen Sie aber zur Kenntnis neh­men (Bundesrätin Mühlwerth: Müssen tun wir gar nichts!): Die SPÖ ist für eine Bio­masseförderung. Sie müssen das einfach zur Kenntnis nehmen. (Beifall bei der SPÖ.)

Die SPÖ sagt Ja zu einer nachvollziehbaren, transparenten Förderpolitik, das müssen Sie zur Kenntnis nehmen. Das vorliegende Ökostromgesetz der Regierung ist eine Ge­fahr für die österreichischen und für die burgenländischen – wo ich herkomme – Bio­masseanlagen, für deren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Unsere Devise lautet ganz einfach: transparentes Gesetz statt Blankoscheck. (Beifall bei der SPÖ. – Bun­desrat Seeber: Da stimme ich Ihnen eh zu, dann passt’s eh! – Ruf bei der FPÖ: In Wien ist nix transparent bei der SPÖ!)

In den letzten Tagen und Wochen wurde von der ÖVP alles versucht, Druck, im Spe­ziellen auf die SPÖ-Bundesräte, auszuüben und diesen Druck so groß werden zu las­sen, dass wir heute dieses Stückwerk von Gesetz, dieses intransparente Gesetz befür­worten oder mitunterstützen sollen; ich kann dem hier nur eine Abfuhr erteilen, das wird nicht geschehen.

Ich möchte ein Beispiel bringen, mit welchen Methoden da gearbeitet wurde. Ich habe hier (ein Schriftstück in die Höhe haltend) eine Aussendung der ÖVP Burgenland mit. (Bundesrat Rösch: Was wollt ihr denn, entweder das oder das?!) Da stehen nament­lich Frau Bundesrätin Posch-Gruska und ich ganz oben drauf, das Schreiben ist an uns gerichtet. Es ist ein offener Brief, der an alle Medien ausgeschickt wurde. (Bundesrätin Posch-Gruska: ... lesen können!) Da stehen so viele Unwahrheiten drauf, das ist un­wahrscheinlich! (Ruf: Von wem ist das?) – Von der ÖVP-Burgenland.

Wenn da draufsteht, dass wir 500 Arbeitsplätze im Burgenland gefährden – vier Anla­gen sind betroffen –, dann muss man sagen, diese Arbeitsplatzzahlen sind völlig aus der Luft gegriffen. Wenn hier drinnen steht, dass Atomstrom statt Ökostrom kommt, dass 52 777 Haushalte in Zukunft keinen Ökostrom beziehen, dann muss man sagen, Kollege Rösch hat ja vorhin mit dem Burgenland das beste Beispiel gebracht. Das Bur­genland deckt 150 Prozent seines Strombedarfs mit erneuerbaren Energieträgern selbst ab (Bundesrat Rösch: ... 24 Stunden!), und dass dann 52 777 Haushalte keinen Ökostrom beziehen können, diese Aussage ist schon ein starkes Stück und das glaubt Ihnen keiner. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf des Bundesrates Rösch.)

Jetzt sage ich Ihnen noch etwas – das hat mich am meisten getroffen –: Hier (das Schriftstück erneut in die Höhe haltend) steht: Wir, die SPÖ, unterstützen nicht die Ein­kommensschwachen, die befreit werden sollen. Wissen Sie, was da drinnen steht? – Wir sind verantwortlich dafür (Zwischenruf bei der FPÖ) – hören Sie zu! –, dass diese um 80 Euro umfallen. Jeder von uns, hoffe ich, weiß, dass die Deckelung bei 20 Euro liegt und wir dafür einstehen, dass diese einkommensschwachen Menschen auch in Zukunft per Gesetz befreit werden. (Beifall bei der SPÖ. – Ruf bei der ÖVP: Na, stimmts mit!)

Ich sage es ganz offen und ganz ehrlich: Mit Lügen und Unwahrheiten (Bundesrat Rösch: Hallo, hallo! – weitere Zwischenrufe bei ÖVP und FPÖ) Politik zu machen wie in diesem Fall – ich kann es dokumentieren – ist sehr, sehr schäbig vonseiten der


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ÖVP. (Beifall bei der SPÖ. – Bundesrätin Schulz: Na, so geht das nicht! – Ruf: Nimm das zurück! – Bundesrat Seeber: Das sind Tatsachen! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.) – Ja, die Aussendung, das war eine Tatsache.

Wenn solche Schreiben in Umlauf gebracht werden, die einem dann persönlich unter die Nase gehalten werden, wenn sie per E-Mail kommen, dann muss man darauf re­agieren. Ich habe darauf reagiert und ich sage Ihnen, wie: Ich habe bei den zustän­digen Bezirksgeschäftsstellen der ÖVP angerufen, habe dort meine Telefonnummer hinterlegt und habe gesagt: Mit solchen Aktionen könnt ihr mich nicht beeindrucken, aber wenn es der zuständige Bezirksobmann richtig ernst meint, könnte er mich jeder­zeit anrufen und könnte jederzeit mit mir ein Gespräch führen! Was glauben Sie, wie viele Anrufe ich bekommen habe? (Bundesrat Brunner: ... nicht, hoffentlich!) – Null, keinen Anruf, kein persönliches Gespräch, nur Propaganda; kein Gespräch, kein ein­ziges! (Beifall bei der SPÖ. – Ruf bei der ÖVP: Es wäre ein müßiges Gespräch!)

Eines sage ich Ihnen gleich: Wir werden Sie heute mit den Stimmen der SPÖ an den Verhandlungstisch zwingen, wir werden heute der Garant dafür sein, dass die Biomas­se in Zukunft den Stellenwert bekommt, den sie braucht. Wir werden heute mit unseren SPÖ-Stimmen sicherstellen, dass die Biomassebetreiber, die Mitarbeiterinnen und Mit­arbeiter und auch die Stromkunden in Zukunft Klarheit darüber haben, wie der Weg in den nächsten Jahren weitergeht, und wir von der SPÖ werden uns für ein gutes, nach­haltiges Gesetz einsetzen, die Anlagen nicht zusperren, sondern retten und die Ar­beitsplätze sichern. Das werden wir heute machen. (Beifall bei der SPÖ.)

In Wirklichkeit ist die SPÖ noch nie gegen Fördermaßnahmen für Ökostrom gewesen, sie wird es auch in Zukunft nicht sein, sondern wir sind gegen politische Willkür und gegen Intransparenz. Wir, die SPÖ, wollen eine faire, gerechte, nachhaltige Lösung für alle erneuerbaren Energieträger auch schon mit Blick Richtung 2030. (Beifall bei der SPÖ.)

Wir wollen zusätzlich eine faire Lösung für die Betriebe und die damit verbundenen Arbeitsplätze und natürlich auch für die Stromkundinnen und -kunden. Wissen Sie, was mich so sicher macht, dass das, was wir heute machen, der richtige Weg ist und dass der Weg, den die Regierungsparteien und die Frau Bundesministerin eingeschlagen haben, der falsche Weg ist? – Das waren ganz einfach die vielen Besuche in den Bio­masseanlagen und die vielen Kontakte mit den Biomassebetreibern und den Mitarbei­tern in den letzten Tagen und Wochen. (Zwischenrufe bei ÖVP und FPÖ.)

Was mir dort als Erstes attestiert worden ist: Ich war bis jetzt der einzige Politiker, der sich darum gekümmert hat, der bei ihnen in den Anlagen aufgetaucht ist, der mit ihnen gesprochen hat und sie gefragt hat, was sie davon halten und welche Rahmenbedin­gungen sie in Zukunft brauchen. (Beifall bei der SPÖ.) Während meine burgenländi­sche Kollegin hier im Bundesrat gefakte Presseaussendungen ausgeschickt hat, habe ich mich mit den Betroffenen auseinandergesetzt. – So schaut Politik für Menschen aus! (Beifall bei der SPÖ.)

Was ist bei diesen vielen Gesprächen herausgekommen? – Ich kann es Ihnen sagen: Die Betreiber sind unisono mit den vorgelegten Lösungen absolut nicht zufrieden. Sie wissen zum Teil selber nicht, wie es mit dem Gesetz weitergehen soll, wie es mit ihren Anlagen weitergehen soll. Es ist ihnen zu intransparent, und für viele ist es zu wenig Unterstützung zum Weiterleben; und was sie noch gesagt haben: Sie fühlen sich von der ÖVP im Stich gelassen. Es haben mich mehrere Betreiber aufgefordert, heute of­fensiv gegen dieses Gesetz zu stimmen. (Ruf bei der ÖVP: Wer war denn das? – Zwi­schenruf der Bundesrätin Hackl.) Ich zitiere Ihnen sogar einen, das ist nicht irgendje­mand, sondern der Betreiber der viertgrößten Anlage in ganz Österreich. Es ist der Be­treiber der Anlage in Heiligenkreuz im Lafnitztal.


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Ich zitiere: Das Gesetz geht an der Wirklichkeit vorbei, ich ersuche Sie, bei der Ab­stimmung gegen dieses Gesetz zu stimmen. – Zitatende. Ich wiederhole: Der Betreiber der viertgrößten Biomasseanlage, jener in Heiligenkreuz, hat mich aufgefordert, offen­siv dagegenzustimmen. (Zwischenrufe bei der ÖVP.) Noch vorgestern, geschätzte Kol­leginnen und Kollegen, hat er mir ein Mail geschickt. Ich zitiere auch aus diesem Mail: Sehr geehrter Herr Bundesrat! Als Kraftwerksbetreiber aus der Praxis möchte ich Sie dringend bitten, dass Sie dem Ökostromgesetz am Donnerstag im Bundesrat Ihre Zu­stimmung verweigern. Nicht nur greift es für eine Übergangsregelung viel zu weit in die geplanten Handlungsspielräume des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes 2020 ein, es ge­fährdet auch den Weiterbetrieb eines großen Teils bestehender Kraftwerke, und damit vernichtet es volkswirtschaftliches Vermögen im Wert von mehreren Hundert Millio­nen. – Zitatende. (Beifall bei der SPÖ. – Bundesrat Rösch: Ja wenn der Genosse das sagt, muss das passen, oder?! – Ruf: Das ist kein Genosse! – Weitere Zwischenrufe bei ÖVP und FPÖ. – Ruf: Redezeit!) – Ich bin gleich fertig.

Ich sage Ihnen noch etwas: Er war nicht der Einzige, der mich aufgefordert hat dage­genzustimmen (Bundesrat Rösch: Das ist doch ein Schmäh! – weitere Zwischenrufe bei ÖVP und FPÖ), es waren mehrere, nur haben sie sich nicht in die Öffentlichkeit ge­traut, weil sie vielleicht von irgendjemandem abhängig sind; aber es waren mehrere, die mich aufgefordert haben, diesem Gesetz hier nicht zuzustimmen.

Sie haben gefragt, was unsere Bundesräte von der SPÖ wollen. Kollege Novak hat es Ihnen ohnedies schon gesagt, aber ich werde es Ihnen noch einmal sagen: Wir fordern ordentliche Tarife, die im Gesetz festgeschrieben sind. Wir wollen ein abgestuftes För­derungsmodell nach Effizienz, damit wir mehr Anlagen mitnehmen können. Wir fordern eine ordentliche Begutachtung, eine automatische Befreiung von der Ökostromabgabe für alle Menschen mit kleinen Einkommen, die auch GIS-befreit sind, und wir wollen natürlich, dass die Fördernehmer und alles andere, was diesen Fördervollzug betrifft, transparent werden.


Vizepräsident Hubert Koller, MA: Bitte zum Schluss kommen!


Bundesrat Jürgen Schabhüttl (fortsetzend): Ja, ich bin schon beim Schlusssatz. (Ruf: Gott sei Dank!) Ich habe eine Aufforderung an die Frau Bundesministerin. Sie hat vor­hin gesagt, es sei genug Zeit damit vertan worden und die Sonntagsreden sollten be­endet werden. – Ich werde Sie wörtlich nehmen und fordere Sie auf, dass Sie die Sonntagsreden beenden. Machen wir es gemeinsam!, haben Sie gesagt. – Ich werde Sie wörtlich nehmen und schauen, ob wir es gemeinsam machen können.

Frau Ministerin, Damen und Herren der Regierungsparteien, packen wir es an! Wir ste­hen ab sofort – ich sage: ab sofort – für Verhandlungen bereit. Wenn Sie es ernst mei­nen, können wir zügig ein nachhaltiges und transparentes Gesetz machen. Wir stehen auf jeden Fall zur Verfügung. (Beifall bei der SPÖ. – Die BundesrätInnen von ÖVP und FPÖ halten erneut die Tafeln mit der Aufschrift „Wer Ökostrom abdreht, dreht Atom­strom auf!“ in die Höhe.)

12.51


Vizepräsident Hubert Koller, MA: Zu Wort gemeldet ist Bundesrat David Stögmüller. Ich erteile ihm das Wort. (Bundesrat Längle: Was ist mit dem Ordnungsruf?!)


12.51.26

Bundesrat David Stögmüller (Grüne, Oberösterreich): Werte Frau Präsident- - – Ent­schuldigung, wir haben ja zurzeit gar keine Frau Präsidentin. – Werter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Frau Ministerin! Wir Grüne wollen die Energie­wende in Österreich und in Europa. Das heißt für uns, wir müssen uns vom klima­schädlichen Öl, von der Kohle und dem Atomstrom endlich befreien. Es ist klar und muss uns allen hier klar sein: Das gelingt uns nur, wenn wir auf einen Energiemix aus


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erneuerbaren Energieformen setzen. Das sind Photovoltaik, Windenergie, Wasser­energie und eben auch die Biomasse.

Ich will heute ganz ehrlich versuchen, es so pragmatisch wie möglich zu machen, ohne irgendein parteipolitisches Hickhack – das steht uns Grünen, die wir hier mit zwei Bun­desrätInnen vertreten sind, auch nicht zu. Ich möchte das deswegen machen, weil es mir wichtig ist, weil es uns Grünen wichtig ist, dass die Holzkraftwerke in Österreich, die Ökostrom und Ökowärme produzieren, abgesichert sind (Bundesrat Schennach: Das sind sie ja nicht!), dass wir keinen Rückschritt im Ökostromausbau haben und kein Betreiber eines effizienten Holzkraftwerks schließen muss. Es geht um knapp 47 Anla­gen in ganz Österreich, die vor der Schließung stehen. Einige haben bereits mit dem Abbau begonnen. Glaubt mir das – wir haben das Energieressort, zum Beispiel in Salz­burg –: Die bauen ab! (Bundesrat Schennach: Und? Trotz des Gesetzes werden wei­tere ...!) Genau diese Schließungen, dieser Rückbau droht uns, wenn wir nicht schnell, nämlich ganz schnell zu einer Lösung und zu einer Rechtssicherheit kommen, Kollege Schennach.

Heute geht es um eine Übergangslösung – das hat die Frau Kollegin schon gesagt –, es geht um eine Übergangslösung bis zum Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz. Das kommt, soviel ich weiß – der Ministerialentwurf ist schon im Dezember vorgelegt worden –, noch im März, April, Mai; da in etwa soll der Entwurf kommen, ich hoffe wirklich, dass dieser im Herbst auch in Umsetzung ist.

Jetzt können wir hier gerne politisch diskutieren, warum wir dieses Gesetz nicht einer gescheiten Begutachtung im Parlament unterzogen haben; ja, das können wir. Da gibt es auch massive Kritik von unserer Seite, denn das ist wieder einmal ein Treten der Bundesregierung gegen das Parlament. Das gilt ganz besonders dann, wenn es um eine so heikle Materie geht, bei der man weiß, dass es dann an der SPÖ scheitern wird. Genau durch dieses politische Nadelöhr wird dann erzwungen, dass wir hier eine politische Diskussion haben.

Man kann aber auch kritisieren, warum man jetzt erst hellhörig geworden ist. Dass die Nachfolgetarife auslaufen, weiß man seit Jahren. Man hätte schon vor Jahren eine Lö­sung finden müssen, und da ergeht auch Kritik an die Vorgängerregierung. Schon seit Jahren weisen wir Grüne auf diese Problematik hin. Man hätte das schon unter Rupp­rechter lösen können, auch in der schwarz-roten Regierung dazumal. (Bundesminis­terin Köstinger: Ja, stimmt!)

Jetzt müssen wir uns aber einmal die Fakten ansehen: Worum geht es bei der Öko­stromnovelle? – Man hat schon sehr viel in den Zeitungen lesen können, in den letzten Wochen oder Tagen ist sehr viel darüber berichtet worden. Ich würde mir persönlich wünschen, dass viel mehr Ökothemen eine so große PR bekommen würden wie das Ökostromgesetz. (Beifall des Bundesrates Brunner.)

In Wirklichkeit aber ist es ja nicht etwas ganz besonders Spektakuläres, das muss uns klar sein. Es geht de facto darum, bis zum Inkrafttreten des Erneuerbaren-Ausbau-Ge­setzes 2020 eine Übergangslösung in Form von finanzieller Unterstützung für die Holz­kraftwerke in Österreich, die Ökostrom und Ökowärme produzieren, zu schaffen, damit diese weiterhin in Betrieb sein können. Dabei geht es nicht um irgendwelche neuen Anlagen oder irgendetwas Neues, sondern es dürfen nur jene Anlagen weiter gefördert werden, die bereits im Vorfeld gefördert sind, also keine neuen Anlagen. Es geht um 47 Anlagen, die einen Wirkungsgrad von über 60 Prozent aufweisen müssen. Mich wundert immer, dass das im Vorfeld der Diskussion in allen möglichen OTS-Aussen­dungen, in der Presse zu lesen war, denn das ist nichts Neues, die 60 Prozent sind be­reits 2009 im Gesetz gestanden. Das ist nichts besonders Neues, das hat bereits be­standen. (Beifall bei der ÖVP. – Bundesministerin Köstinger: Genau!)


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Das Ganze wird dann von den Ökostromabgaben finanziert. Jetzt heißt es immer wie­der, auch in verschiedenen Tweets, dass das jetzt auf einmal Mehrkosten seien; das habe ich heute auf Twitter gelesen. – Nein, diese 150 Millionen Euro sind bereits in der Ökostromabgabe verankert. Dazu stehen wir Grüne auch. Wir brauchen diese Öko­stromabgabe für die Ökostromreform, damit wir in die Energiewende kommen. Dazu brauchen wir das, und da stehen wir auch dahinter.

Das Ganze wird per Verordnung je nach Kilowattstunde gefördert. Das ist genau der Punkt, wir hätten uns auch schon 2009 gewünscht, dass es eine gesetzliche Regelung gibt. Da sind wir unter Schwarz-Rot leider gescheitert.

Jetzt ist aber die Frage: Was machen wir in diesen Übergangsregelungen? – Eine Ver­ordnung – das ist nun einmal so – wird vom Ministerium entworfen und erlassen, und da muss auch die Ministerin den Kopf dafür hinhalten. Das ist draußen auch jedem klar: Wenn heute dieses Gesetz durchgehen würde, dann müsste die Ministerin dafür geradestehen und den Kopf hinhalten, weil die Betriebe zu ihr laufen und sagen: Frau Ministerin, bitte! Und wenn es Klientelpolitik ist, na bitte, dann werden ihr die ÖVPler aber reinrennen. Ja, es ist so. (Bundesministerin Köstinger nickt zustimmend.) Ich er­warte mir – das haben wir in den Vorbesprechungen, in den Verhandlungen mit der Mi­nisterin klar ausgemacht und das ist eine Forderung –, dass genügend Mittel zur Verfü­gung stehen müssen, die genau in dieser Verordnung abgesichert werden, sodass die effizienten Biostromanlagen weiterbetrieben werden können und nachhaltige Tarife entstehen.

Vor dem Erlass gibt es nochmals Gespräche mit allen im Parlament vertretenen Frak­tionen, das war uns im Vorfeld auch wichtig. Es ist nichts Neues, dass Verordnungs­entwürfe nachverhandelt werden, das haben wir schon öfter gemacht.

Jetzt kann man darüber diskutieren, warum diese Anlagen überhaupt gefördert werden müssen. Da haben wir sehr viel an Kritik gehört. Man muss aber wissen, dass faktisch kein einziger Energieträger nach den Marktregeln operiert; sei es Atomstrom, bei dem für die Entsorgung des Atommülls die Steuerzahler aufkommen müssen, sei es Gas oder Kohle – alle profitieren in irgendeiner Form von den politischen Rahmenbedin­gungen. Die drücken den Preis, sodass alternative und ökologische Energiegewinnung einfach nicht mitziehen kann.

Werte Kolleginnen und Kollegen! Für uns ist klar, Ökostrom und Ökowärme sind na­türlich ein wichtiger Teil der Energiewende. Wir Grüne werden nicht dabei zusehen, wie dies irgendeinem politischen Spiel zum Opfer fällt. Dafür sind uns Grünen die The­men Klima und Umweltschutz einfach zu wichtig. Das meine ich nicht nur heute im Par­lament, sondern auch hinsichtlich der Umsetzung der Verordnung. Wir werden ganz gewiss ein Auge darauf haben, wie das dann in Zukunft ausschauen wird; und auch beim Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz werden wir, wenn wir dieses verhandeln, ein Auge darauf haben.

Wir werden mit allen Mitteln versuchen – das kann ich garantieren –, die Energiewende voranzutreiben. Deswegen haben wir Grüne uns von Anfang an mit der Ministerin an einen Tisch gesetzt – sogar noch ein paar Wochen vor dem Nationalratsbeschluss – und haben klare Rahmenbedingungen gefordert. Wir haben gesagt, wir wollen klare Rahmenbedingungen, damit diese Anlagen nicht abgebaut werden. Das war uns von grüner Seite wichtig, weil es in den Ländern draußen entsprechenden Druck von den Biostromanlagen gab. Die wollten eine Lösung haben. Das haben wir versucht, wir sind an die Ministerin herangetreten und haben gesagt: Gehen wir in die Verhandlungen!

Wir werden mit allen Mitteln versuchen, wie gesagt, hier mitzuverhandeln, denn für uns Grüne ist klar: Ökostrom zu blockieren schadet der Energiewende. Unser Ziel ist es, bis spätestens 2030 die Stromversorgung in Österreich vollständig von fossiler Energie


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auf erneuerbare Energie umzustellen und – das muss das Wichtigste sein – immer we­niger auf grauen Importstrom und Atomstrom angewiesen zu sein. Das braucht Kraft­anstrengung. Das ist aber nicht nur eine wesentliche Maßnahme für den Klimaschutz, sondern auch eine große Chance für den österreichischen Arbeitsmarkt. Das bringt Ar­beitsplätze und Green Jobs.

Nichtsdestotrotz mussten bei den Verhandlungen mit der Ministerin ein paar Rahmen­bedingungen klargestellt werden, und das ist uns gelungen: zum einen, dass es För­dertarife gibt, die den Weiterbetrieb der Anlagen nachhaltig absichern. Es muss klar sein, dass die effizienteste, größte Anlage in Simmering – da war ich zu Besuch, habe mir das vor Ort angeschaut, habe mit den Geschäftsführern geredet – ausreichend Un­terstützung bekommt. Im Ausschuss wurde auch klargestellt, dass es auch weiterhin Förderung gibt und der Weiterbetrieb abgesichert ist.

Wenn das nicht kommt, sperren die im Juli zu. Das hat uns die Geschäftsführung klipp und klar so gesagt: Im Juli sperren sie den Kasten zu. Dann ist der Ökostrom dort ab­gestellt, die Wärmeenergie ist aus, und dann heißt es: Import der Wärme und des Stroms. Das wollen wir alle hier herinnen nicht. Es gab aber auch Zusicherungen vom Ministerium, von der Ministerin, und auch noch im Ausschuss wurde uns bestätigt, dass der Weiterbetrieb in Simmering gewährleistet und garantiert ist; und auch nicht weniger, sondern dass sie auch ordentlich arbeiten können.

Für uns Grüne war in den Verhandlungen weiter wichtig, dass es zu keiner Doppelför­derung von Anlagen kommt; das war uns auch immer unklar.

Und wenn wir ganz ehrlich sind, meine sehr geehrten Damen und Herren: Was es – ganz ehrlich – endlich braucht, sind klare, transparente und faire Förderbedingungen für den Ökostrom und den Klimaschutz. Die würden wir schon seit Jahren brauchen. Es wäre auch einmal zu überdenken, ob wir statt Förderungen nicht in Form von An­teilsübernahmen vom Staat in die Anlagen investieren, die dann mit höheren Erträgen wieder zurückgekauft werden können. So könnte auch sichergestellt werden, dass es nicht zu einer Sozialisierung der Verluste, aber zu einer Privatisierung der Gewinne kommt.

Noch viel wichtiger wäre auch eine ökologische, soziale und wirtschaftlich gerechte Steuerreform in Österreich. (Bundesrat Schennach: Da könntest du mit deiner Glaub­würdigkeit ... !)

Ich bin partout keiner, der dieser Regierung unterstellen will, die großen Schritte für den Klimaschutz irgendwie zu unternehmen, ganz im Gegenteil, es braucht aber Rechtssicherheit für die Ökostromanlagen, und es braucht in Österreich mehr Öko­stromanlagen und nicht weniger. Das ist der Punkt. (Bundesrätin Posch-Gruska: Ge­nau! Das ist der Punkt!)

Uns Grünen war es wichtig, dass alle Parteien in die zukünftigen Verhandlungen mit­einbezogen werden, denn nur gemeinsam über die Parteigrenzen hinweg können wir – ganz ehrlich – die Klimakrise stoppen. Wir Grünen fordern dazu auf, gerade weil wir nicht im Nationalrat sitzen. Man sieht das hier leider auch wieder, wie schmerzlich rund um dieses Ökostromdesaster verhandelt wird, und auch, welche Rückschritte es ohne eine Umweltpartei im Nationalrat in der Klimapolitik gibt und was passieren würde, wenn wir Grünen nicht schon im Vorfeld mit einem starken Mandat auch mitverhandelt hätten.

Auch wir zwei Bundesräte versuchen zumindest, noch die Punkte eines Entschlie­ßungsantrages mit der Regierung herauszuverhandeln, und diesen werde ich jetzt vor­tragen.


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Entschließungsantrag

der BundesrätInnen Karl Bader, Monika Mühlwerth, David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend „die zukünftigen Verhandlungen über den Ausbau der erneuerba­ren Energie“

Der Bundesrat wolle beschließen:

„Die Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus wird ersucht, dass

• der Parameter der Effizienz (Brennstoffnutzungsgrad) der Biomasse Anlagen eine zentrale Rolle für die Ausschüttung der Förderungen spielt

• es zu keinen Doppelförderungen für Stromerzeugungsanlagen auf Basis von Biomas­se auf Bundesebene kommt

• vor Erlass der Biomasse-Nachfolgetarifverordnung 2019 (NFT-VO 2019) ein Ge­spräch mit allen Fraktionen des Bundesrates und Nationalrates geführt wird, um einen nachhaltigen Tarif für sämtliche effizienten Anlagen sicherzustellen, sowie

• im Zuge der Ausarbeitung von strategischen Eckpunkten des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes alle Fraktionen des Bundesrates und des Nationalrates einbezogen werden.“

*****

Sehr geehrte Damen und Herren! Für uns Grüne gibt es keine Alternative. Wir müssen die effizienten Anlagen und Ökostromanlagen in Österreich weiterführen.

Ein Schlussappell noch: Auch wenn heute dieses Gesetz durch die SPÖ blockiert oder abgelehnt wird, fordere ich sie auf, im Sinne der Klimapolitik, der Energiepolitik, des Klimaschutzes, des Naturschutzes doch wieder irgendwie zurück an den Verhand­lungstisch zu finden, zurückzukommen und auch gemeinsam für die Energiewende, den Naturschutz und den Umweltschutz zu kämpfen. Es ist notwendig. Es darf nicht da­zu kommen, dass Naturschutz und Umweltschutz aufgrund irgendeines politischen Hick­hacks irgendwie zu leiden haben. Das ist uns Grünen wirklich sehr, sehr wichtig. – Vie­len Dank. (Beifall bei BundesrätInnen von ÖVP und FPÖ sowie der Bundesrätin Dziedzic.)

13.04


Vizepräsident Hubert Koller, MA: Der von den Bundesräten Bader, Mühlwerth, Stög­müller, Kolleginnen und Kollegen eingebrachte Entschließungsantrag betreffend „die zukünftigen Verhandlungen über den Ausbau der erneuerbaren Energie“ ist genügend unterstützt und steht demnach mit in Verhandlung.

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Andrea Kahofer. Ich erteile es ihr.


13.04.53

Bundesrätin Andrea Kahofer (SPÖ, Niederösterreich): Werte Frau Ministerin! Hohes Präsidium! Kolleginnen und Kollegen des Bundesrates! Werte Zuseherinnen und Zu­seher! Landeshauptmann Peter Kaiser hat heute ein Wort gesagt, er hat das Wort Wert­schätzung genannt. Ich möchte das noch um das Wort Achtsamkeit ergänzen. – Das sind nicht nur Worte, sondern diesen Worten wohnen Werte inne, und ich kann nur sa­gen: Im Zusammenhang mit dem Gesetzentwurf zur Änderung des Ökostromgeset­zes 2012 fehlen diese. (Bundesrätin Mühlwerth: Nehmt euch auch einmal bei eurer ei­genen Nase! Fangt einmal bei euch selber an! – Bundesrat Schuster: Gekränkte Eitel­keit!) Da fehlt die Wertschätzung und da fehlt die Achtsamkeit.

Das beginnt dabei, dass die Achtsamkeit bei der Art fehlt, wie dieses Gesetz auf den Weg gebracht worden ist: mittels eines Initiativantrages im Nationalrat. Ein Gesetz, das


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eine Zweidrittelmehrheit benötigt, das Länderkompetenzen berührt, im Vorgehen so zu missachten, ist unglaublich! (Beifall bei der SPÖ.)

Es fehlt aber auch – und das ist noch viel wichtiger – an Wertschätzung und Achtsam­keit im Umgang mit den Anlagebetreibern. Ja, denn den Anlagebetreibern wird mit die­ser Änderung kein bisschen Sicherheit gegeben, nein, der Wirkungsgrad, der Nut­zungsgrad ist ein Knock-out-Kriterium.

Ich möchte an dieser Stelle Kollegin Sonja Zwazl etwas mitgeben: Es stimmt wohl, von den 14 Anlagen in Niederösterreich fällt die Hälfte hinaus. Sie haben vorher gesagt (Bun­desrat Rösch: Ihr habt ja keine Ahnung! – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ), wir sind schuld, dass in Gmünd und Traiskirchen die Lichter ausgehen. – Das sind zwei dieser Anlagen, die den Wirkungsgrad nicht erreichen. (Bundesrat Rösch: Die Expertin für alles!) Gmünd, Unterradlberg, Ennsdorf, Ernsthofen, Mödling, Traiskirchen, sie alle wer­den nicht profitieren, das sagen die Anlagebetreiber selber. Wenn ihr es besser wisst, frage ich: Wo ist die Unterlage dazu? Wo sind die Daten? – Anscheinend haben die nur die Grünen. (Beifall bei der SPÖ.)

Mit den Grünen wurde anscheinend lange verhandelt (Heiterkeit und Rufe bei der FPÖ: Wo sind Ihre Unterlagen? Ihr seid ja nur beleidigt, Frau Kollegin! Die hat ja keine Unter­lagen, die redet ja nur so laut!), wie wir gerade gehört haben, bevor wir überhaupt et­was wussten. Wir sollen einer Gesetzesänderung zustimmen, in der relevante Anga­ben fehlen.

Die Zwischenrufe der FPÖ erinnern mich an einen Kindergarten. In der Öffentlichkeit hat man nichts gehört. (Beifall bei der SPÖ.) Die FPÖ dient hier nur dazu, willfährig die Hand zu heben, und dafür bekommt sie Tempo 140 auf der Autobahn. (Heiterkeit und Beifall bei der SPÖ.)

Kommen wir jetzt aber zurück zu den Anlagen: Es werden nicht alle profitieren, und deshalb ist unsere Forderung – weil wir alle mit ins Boot holen wollen – eine Staffelung; wir wollen eine Staffelung der Förderung nach Wirkungsgrad. Es kann nicht das Ziel sein, dass die Hälfte der niederösterreichischen Anlagen als Ruinen stehen bleiben, dass die Technik, die dort vorhanden ist, ungenutzt bleibt, dass das Wissen der Mitar­beiter ungenutzt bleibt. Ich kann mich da nur meinem Kollegen Jürgen Schabhüttl an­schließen. Nicht nur aus Heiligenkreuz (Bundesrat Rösch: Arbeitslose um jeden Preis! – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ), von wo es das schriftlich gibt, kommt die Aufforde­rung: Bitte stimmt dagegen, wir können so nicht überleben! (Beifall bei der SPÖ.)

Ihr bringt auch den MitarbeiterInnen keine Wertschätzung entgegen. (Zwischenrufe bei der FPÖ.) Ihr kolportiert falsche Zahlen. (Neuerliche Zwischenrufe bei der FPÖ.) Ihr spielt mit diesen Zahlen, hinter denen Menschen stehen. Auch wenn es nur 200 Ar­beitsplätze sind, ist jeder Verlust einer zu viel (Ruf bei der FPÖ: Um Gottes willen, was macht dann ihr? Ihr produziert Arbeitslose! – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ), und es ist der Verlust von Wissen und Erfahrung, von angeeignetem Können. (Ruf bei der FPÖ: Da sind die dafür verantwortlich, nicht wir!)

Weiters fehlen die Tarife, sie sind nicht festgeschrieben. Im Ökostromgesetz 2012 wa­ren sehr wohl Tarife für Sonderlösungen festgeschrieben. Das kann also gemacht wer­den.

Ich vermute zum Teil, dass das, was hier passiert, geplant war (Bundesrat Rösch hält eine Tafel mit der Aufschrift: „Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf!“ in die Hö­he), denn innerhalb der ÖVP gibt es zwischen der Wirtschaftskammer und dem Bau­ernbund einen ganz tiefen Graben. Denken wir an die Aussagen des Vorstandsvorsit­zenden der Bioma AG Herbert Mandl! Er selbst sagt, dass dieses Gesetz nicht im In­teresse der Papierindustrie ist. (Ruf bei der ÖVP: Das hat ja keiner behauptet!)


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Es ist auch so, dass Drohungen, die Sie, Frau Minister, vor drei Tagen in der Presse mitteilen ließen, nämlich dass wir schön schauen werden, was mit Simmering passiert, wohl auch nicht das geeignete Mittel sein können. (Beifall bei der SPÖ. – Rufe bei der FPÖ: Eh net! – Bundesrat Schuster: Ihr habt es auf die sozial Schwachen abgesehen!)

Ich kann mich jetzt nur fragen: Fehlt es an Wissen, wie Parlamentarismus funktioniert, oder fehlt es am Willen, ordentliche Wege zu gehen? (Bundesrat Rösch: An Wissen! – Bundesrätin Ecker: Es fehlt überhaupt an Wissen!) Fehlt es an der Zeit, sich mit An­lagebetreibern auszutauschen, oder fehlt es am Willen, dazu auch deren Meinung zu hören? Es ist doch viel einfacher, den schwarzen Peter der Opposition zuzuschieben. Damit wollt ihr spielen. (Beifall bei der SPÖ.)

Woran es auf keinen Fall liegen kann, ist die Zeit. Sie ist auch keine Ausrede für die fehlende Begutachtung, weil wir es seit Langem wissen und weil auch genug Zeit war, mit ganz starken Initiativen an die Medien zu gehen und durchaus Fakemeldungen zu versenden. Mich wundert auch, dass die Medien durchwegs nur das bringen, was sie hören dürfen. – Davon gehe ich aus. (Bundesrat Bader: Was heißt das?)

Wir haben es hier mit einem Entwurf einer Abänderung zu tun, der mehr offene Fragen bringt als Lösungen; vor allem bringt er keine Lösungen für die Anlagebetreiber, für die Mitarbeiter, für die Menschen und für das Klima.

Wir müssen alle miteinbeziehen. Wir brauchen viel mehr Biomasseanlagen, wir brau­chen keine Ruinen in unseren Bundesländern. (Bundesrat Steiner: Aber das schafft ihr, ihr schafft ... Ruinen!) Wir müssen mit den Anlagebetreibern sprechen. Das ist un­ser Job, das ist unsere Aufgabe. Wir müssen für die Menschen arbeiten und nicht für Gruppen.

Wenn ihr jetzt behauptet, die SPÖ hat die Biomasse sterben lassen (Rufe bei der FPÖ: Richtig!), dann kann ich euch sagen: Wenn ihr aus Sturheit und aus dem unbedingten Beharren auf politische Macht heraus nicht an den Verhandlungstisch zurückkehrt, habt ihr die Biomasse auf dem Gewissen! (Beifall bei der SPÖ. – BundesrätInnen der FPÖ halten Tafeln mit der Aufschrift „Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf!“ in die Höhe.)

13.13


Vizepräsident Hubert Koller, MA: Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich Frau Bun­desministerin Elisabeth Köstinger. Ich erteile es ihr.


13.13.28

Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Elisabeth Köstinger: Herr Prä­sident! Geschätzte Damen und Herren im Bundesrat! (In Richtung der BundesrätInnen der SPÖ, die im Bemühen, die Tafeln mit den Aufschriften „Mehr Ökostrom“ bezie­hungsweise „Kein Blanko-Scheck“ in die Höhe zu heben, aneinanderstoßen:)  Nicht erschlagen! Vielen herzlichen Dank!

Ich glaube, besonders viel Nostalgie hinsichtlich der letzten Legislaturperiode kommt im Rahmen dieser Debatte nicht auf. (BundesrätInnen der FPÖ sowie Bundesrat Ba­der halten Tafeln mit der Aufschrift „Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf!“ in die Höhe.) Ich befürchte auch, dass sich nicht allzu viele die SPÖ so zurückwünschen.

Ich befürchte auch, dass viele, die heute dieser Debatte folgen, nicht wirklich verstehen können, worum es eigentlich geht, und ich glaube, Herr Bundesrat Stögmüller von den Grünen hat es ganz gut auf den Punkt gebracht und angesprochen: Es ist eigentlich gar nicht einmal so spektakulär.

Sehr geehrte Damen und Herren von der SPÖ, die Auswirkungen eines parteipolitisch motivierten Neins heute hier im Bundesrat könnten sehr wohl fatale Folgen haben. Sie


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 92

alle hier können heute aber auch zeigen, dass es Ihnen um die Sache geht. Das haben die Grünen beispielsweise bewiesen, das haben auch die NEOS im Nationalrat ge­zeigt, denn im Nationalrat gibt es eine Zweidrittelmehrheit für die Verlängerung dieser gesetzlichen Regelung. Ich glaube, dass es schon an der Zeit wäre, irgendwo auch aus der etwas beleidigt wirkenden Frontalopposition (Beifall bei ÖVP und FPÖ) rauszu­kommen und zu überlegen, worum es eigentlich wirklich geht, und auch zu zeigen, dass Ihnen die Menschen in diesem Land und die Sache wirklich am Herzen liegen.

Geschätzte Damen und Herren, jedes einzelne Kraftwerk, und wenn es auch noch so klein ist, leistet einen wichtigen Beitrag für die Energieversorgung in diesem Land. (Bundesrätin Posch-Gruska: Da wissen wir nicht, welche Sie meinen!) Es wäre ab­surd, nur auf den Ausbau zu schauen und nicht eben auch Sorge dafür zu tragen, dass bestehende, effiziente Anlagen auch weiter bestehen können, und sich somit eben auch für unsere Energieversorgung verantwortlich zu zeigen.

Sie, sehr geehrte Damen und Herren hier im Bundesrat, stimmen über die Zukunft von 47 bestehenden Anlagen ab. Es sind Anlagen, deren Förderverträge ausgelaufen sind und für die es keine Übergangslösung gibt – weil da heute eben auch schon so getan und gesagt wurde, dass das ja kein großer Wurf sei. (Bundesrat Schabhüttl: Sie sind säumig ...!) – Na, eh nicht! Das war auch nie geplant, sondern das Ziel war immer, eine Übergangslösung für 47 bestehende Anlagen zu schaffen, bis wir im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz die gesamte Zukunft des Energiesektors in Österreich regeln.

Ein Aspekt ist noch einmal erschwerend hinzugekommen: Wir haben in Österreich – und ich glaube, davon sind vor allem auch Sie in den Bundesländern sehr betroffen – zurzeit wirklich massive Schadholzereignisse. Das sind Windwürfe, Unwetterereignis­se – speziell auch in Kärnten im letzten Herbst –, das ist ein enormes Auftreten des Borkenkäfers. Dass also heute die Papierindustrie vonseiten der SPÖ in Schutz ge­nommen wird, ist fast ein bisschen amüsant (Zwischenrufe bei der SPÖ), weil ich glau­be, es hat in Österreich noch nie so viel Holz gegeben wie jetzt. Herr Abgeordneter Knes (Bundesrätin Grimling: Wir haben hier keinen Knes!) – und da darf ich Sie viel­leicht auch bitten, Ihren eigenen Abgeordneten zuzuhören – hat im Nationalrat eine Brandrede für die Papierindustrie gehalten. Es ist genug Holz da, auch für die Papier­industrie. Es ist aber vor allem auch das massive Schadholzaufkommen durch den ex­tremen Winter heuer, das dazu geführt hat, dass wir wirklich mit einer extremen Holz­menge zu kämpfen haben. Der Abtransport ist wirklich entscheidend, und da erfüllen natürlich auch unsere Biomasseanlagen eine ganz, ganz wichtige Aufgabe.

In den Verhandlungen, die es gegeben hat, wurde die einzige Forderung vonseiten der SPÖ betreffend diese Novelle aufgenommen. Ich glaube, das ist heute noch ein biss­chen zu wenig zur Sprache gekommen: Das, was Ihnen vorliegt, ist ja keine Raketen­wissenschaft, sondern es sind zwei Seiten, in denen steht, dass das bestehende Gesetz verlängert wird und dass wir aber vor allem – und jetzt bitte wirklich auch zuhö­ren – jene sozial schwachen Haushalte von der Ökostromabgabe befreien, die sie jetzt noch leisten. Das war die einzige Forderung, die vonseiten der SPÖ aufgestellt worden ist. Es ist eine jahrelange Forderung, die jetzt von FPÖ und ÖVP auch aufgenommen wurde. Sie ist im Nationalrat bereits beschlossen, um wirklich ein klares Zeichen an einkommensschwache Familien zu senden, die zukünftig von dieser Ökostromabgabe befreit werden. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Noch einmal: Das, was wir jetzt besprechen, hat bereits einmal einstimmig den Bun­desrat passiert – einstimmig, mit den Stimmen der damals in Opposition befindlichen FPÖ und eben auch mit jenen der SPÖ! (Ruf bei der SPÖ: Das ist ein Wunsch!) Jetzt geht es nur darum, eine Übergangsregelung zu schaffen. Ich möchte Sie wirklich noch einmal ersuchen, nicht so zu tun, als ob die Welt neu erfunden wird. Es wird etwas Be-


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stehendes verlängert und um einen wichtigen, sozialen Aspekt ergänzt. Damit soll für drei Jahre der Übergang gesichert werden, damit wir die Anlagen nicht verlieren.

Der Initiativantrag – weil das auch angesprochen worden ist – ist ein wichtiges Instru­ment, das die Verfassung einem lebendigen Parlamentarismus in die Hand gibt. (Bun­desrat Schabhüttl: Wenn die Regierung keine Begutachtung will, nur dann!) Die SPÖ hat sich ja in der Vergangenheit weniger über Initiativanträge aufgeregt, wenn sie sie in der vorherigen Legislaturperiode selbst eingebracht hat; jetzt ist es auf einmal ein Pro­blem. Ich kann Ihnen noch einmal sagen – da ja auch die Forderung nach der Begut­achtung da ist –: Sie haben ja diesem Gesetz im Nationalrat schon einmal zugestimmt, und auch hier haben Sie schon einmal zugestimmt. (Zwischenrufe bei der SPÖ. – Bun­desrat Schabhüttl: Das ist ein anderes Gesetz! – Bundesrat Rösch: Sie haben ja kei­ne Ahnung, das ist das Problem!)

Es geht darum, schnell eine Lösung zu finden. Daher möchte ich noch einmal versu­chen, an die Vernunft zu appellieren. Der Prozess lief stets transparent, so wie das auch Herr Abgeordneter Stögmüller beschrieben hat; es hat laufend Gespräche gege­ben. Die ÖVP und auch die FPÖ sind nie vom Verhandlungstisch aufgestanden. Es ha­ben die NEOS die Forderung nach den drei Jahren eingebracht, und dem ist stattgege­ben worden, weil wir eine Überganglösung finden wollen. Die SPÖ hat eine Ausnahme für sozial schwache Haushalte gefordert, und auch das wurde aufgenommen.

Es ist noch einiges an Widersprüchen aufgetaucht, was Tarife und Förderhöhen be­trifft. Auf der einen Seite kritisieren Sie, dass, wie Sie sagen, 150 Millionen Euro – wir gehen von 142 Millionen Euro aus – zu viel sind, auf der anderen Seite fordern Sie hö­here Tarife. Da gibt es vielleicht einen Mythos, den wir ausräumen sollten: Grundlage bildet immer das Gutachten der E-Control, nach dem die Tarifverordnung ausgestaltet wird, und diese Tarife wurden am 5. Dezember genauso wie allen anderen auch dem Parlamentsklub der SPÖ geschickt. Wenn Sie höhere Tarife wollen, wird das Volumen nicht 142 Millionen, sondern 300 Millionen Euro betragen. Das ist ein Widerspruch. Da müssen Sie wirklich ein bisschen aufpassen, dass Sie nicht auch beginnen, Ihren eige­nen Erzählungen zu glauben.

Als heute über Arbeitsplätze diskutiert worden ist, hat mich das schon sehr verwundert. Die Branche ist tatsächlich regional sehr wichtig. Draußen im ländlichen Raum, wo Sie, geschätzte Damen und Herren, herkommen, zählt wirklich jeder einzelne Arbeitsplatz. Heute wird hier so getan und gesagt, es sind ja gar nicht 6 000 Arbeitsplätze, es sind nur ein paar Hundert. – Wissen Sie was? Jeder einzelne Arbeitsplatz zählt! (Bundesrä­tin Grimling: Auf einmal!) Jeder einzelne Arbeitsplatz zählt, und er zählt genauso in der Stadt, wie er das auch am Land tut. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Wohl viele, die die Debatte heute verfolgt haben, und auch ich gehen nicht davon aus, dass Sie das mit irgendwelchen Neuverhandlungen wirklich ernst meinen. (Bundesrat Schabhüttl: Wir haben Sie eingeladen! – Bundesrätin Grimling: Das müsst ihr gerade sagen! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Sie stellen den Wirkungsgrad und die Effizienz infrage. Geschätzte Damen und Herren der SPÖ, es war immer Ihre Forderung, dass auch die Effizienz berücksichtigt werden muss, und das zu Recht, weil eben etwas mit Steuergeld gefördert wird, das jemand ja erst einmal verdienen muss. Da ist es wichtig, dass das effiziente Anlagen sind, und es ist auch nichts Neues. Für die Einspeistarife ist mit Ihren Stimmen seit 2006 der Wir­kungsgrad festgeschrieben, und er ist seit 2008 für Nachfolgetarife, für feste Biomasse und auch für Biogasanlagen festgeschrieben.

Wenn Sie jetzt so tun, als ob das niemand erreichen könnte, ist auch da etwas in der internen Kommunikation massiv schiefgegangen. Diese Regelung wird weder etwas verändern, noch ist sie neu. Und ja, einzelne Anlagen werden den erforderlichen Effi-


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zienzgrad nicht erreichen, weil in der Vergangenheit nichts dafür getan wurde, um Auf­rüstungen, Umrüstungen und Sonstiges vorzunehmen, andere aber schon. Sie sollten sich da also nicht selbst widersprechen.

Ja, ganz ehrlich: Ich kann eigentlich wirklich nur an Ihre Vernunft appellieren. Die einzi­ge Forderung, die vonseiten der SPÖ zur Ökostromgesetz-Novelle aufgestellt worden ist, ist eingeflossen, nämlich die Entlastung sozial schwacher Haushalte. Es gibt wirk­lich viel zu diskutieren in diesem Land. NEOS und Grüne sind sehr unverdächtig, die­ser türkis-blauen Regierung einen Gefallen tun zu wollen, aber wenn es darum geht, kurzfristig eine Lösung im Sinne der Menschen, im Sinne Österreichs zu schaffen, sind sie sehr wohl bereit, in fachliche Diskussionen einzusteigen. (Bundesrätin Posch-Grus­ka: Wir auch! – BundesrätInnen der SPÖ halten Tafeln mit der Aufschrift „Mehr Öko­strom“ und „Kein Blanko-Scheck“ in die Höhe.) Geschätzte Damen und Herren, Sie ha­ben offensichtlich diesen Pfad verlassen.

Vielleicht streiten wir besser um Dinge, wo es wirklich um etwas zum Wohle der Wäh­lerinnen und Wähler und vieler, die heute zuschauen, geht! Streiten wir über den Kli­maschutz, diskutieren wir über den Klimaschutz und schauen wir, wie wir da gemein­sam mehr machen können! (Bundesrätin Posch-Gruska – auf die Tafeln weisend –: Da steht es!) Diskutieren wir über Bildungspolitik, über die Zukunft unserer Kinder, dis­kutieren wir über Sozialpolitik! (Bundesrätin Grimling: Ja natürlich! Da machen wir das auch!) Lassen Sie da auch Ihre Muskeln spielen, aber bitte nicht, wenn es um die Zu­kunft von 47 Biomassekraftwerken geht, wenn es um die Zukunft von 6 400 Arbeits­plätzen geht! (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – BundesrätInnen der FPÖ halten Tafeln mit der Aufschrift „Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf!“ in die Höhe.)

Machen Sie nicht Parteipolitik auf dem Rücken der Menschen in diesem Land! Bitte, geben Sie sich da wirklich einen Ruck! Sie sind Ländervertreter, entscheiden Sie im Sinne Ihres Landes, Ihrer Region, Ihrer Wählerinnen und Wähler und nicht im Sinne der SPÖ-Parteipolitik! – Danke schön. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

13.24


Vizepräsident Hubert Koller, MA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Martin Preineder. Ich erteile ihm dieses.


13.25.16

Bundesrat Martin Preineder (ÖVP, Niederösterreich): Geschätzter Herr Präsident! Frau Bundesminister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Damen und Her­ren! Wir diskutieren das Ökostromgesetz, und es gilt eigentlich in Österreich, dass wir immer einen sehr breiten Konsens haben, wenn es um das Thema Umwelt und darum, dass Österreich ein Umweltland ist, geht. Wir haben einen sehr, sehr breiten Konsens, wenn es darum geht, dass Österreich ein atomfreies Land ist. Das wurde sogar mit ei­ner Volksabstimmung besiegelt.

Im Bereich der Klimapolitik haben wir einen langen Weg beginnend von Kyoto über Marrakesch und Paris bis Katowice hinter uns. Wir haben auch ein klares Ziel, eine Mission, bis 2030 100 Prozent der Stromproduktion auf erneuerbare Energie umzustel­len. Geschätzte Damen und Herren, der Weg begann 2002 mit dem ersten Ökostrom­gesetz, das dazu dient, Strom aus erneuerbaren Energien, aus Kleinwasserkraft, Wind, Photovoltaik, Biogas und letztlich auch aus Biomasse, aus Holz marktfähig zu machen. Es wurde ein Ausgleichssystem installiert, um diesen doch teureren Strom am Markt zu etablieren. Teurer ist er deswegen, weil Atomstrom, Erdöl und Erdgas auf Plünde­rungstarifen basieren und auf Kosten der Umwelt, des Klimas und letztlich auf Kosten der nächsten Generation gefördert und verwendet werden. Geschätzte Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ, langjährige Nachhaltigkeitspolitik darf nicht an der Kurz­sichtigkeit der Opposition heute scheitern. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)


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Dieses Ökostromgesetz 2002 wurde unter einer ÖVP-FPÖ-Regierung mit einer Zwei­drittelmehrheit beschlossen, und das heißt, auch mit den Stimmen der SPÖ. Es wurde 2006 mehrmals novelliert, auch mit Zweidrittelmehrheit, auch mit den Stimmen der SPÖ. 2007, 2008, 2009, 2012 und 2017, also auch unter SPÖ-ÖVP-Regierungen, gab es immer wieder Novellen, weil eben angepasst werden musste, und immer gab es ei­ne Zweidrittelmehrheit, weil dieses Gesetz eben eine Zweidrittelmehrheit braucht.

Der Ökostromzuschlag, von dem wir reden und den dieses Ökostromgesetz regelt, ist in dem Sinn keine Steuer. Die 140, 150 Millionen Euro sind keine Mittel aus dem Bud­get, sondern eine Umlage, die jeder Stromkonsument bezahlt.

Geschätzte Damen und Herren, das diskutiere Gesetz ist kein neues Gesetz, sondern eine Verlängerung für über 40 Biomasseanlagen, die das brauchen, weil nach 13 Jah­ren ein Fördersystem oder eine Förderzusage abläuft. Es ist wirklich schwer zu verste­hen, wozu man eine Begutachtung für ein Gesetz braucht, das bestens bekannt ist. (Bundesrat Weber: Wozu auch Experten anhören?!)

Ein Fortbestand dieser Anlagen ist notwendig. Wenn wir das 100-Prozent-Ziel errei­chen wollen, dann müssen wir den Fortbestand bestehender Anlagen unterstützen, und dafür brauchen wir eine Zweidrittelmehrheit. Ich bedanke mich bei den Grünen, die diesen Weg mitgehen.

Kollege Novak hat uns erklärt, dass wir da in Österreich von 1 Prozent des Stroms re­den. Kollege Brunner meint, es könnte ein bisschen mehr sein, aber 1 Prozent ist es mindestens. Es liegt in Ihren Händen, in den Händen von 21 SPÖ-Bundesräten, über 1 Prozent des österreichischen Strombedarfs zu entscheiden. Es liegt sogar in der Hand eines einzelnen Bundesrates, über 1 Prozent zu entscheiden. Es irritiert mich, wenn Sie sagen: Wir sind für Ökostrom, wir waren es gestern, wir sind es morgen. – Seien Sie es doch auch heute, bitte! (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Zwischenruf des Bundesrates Schabhüttl.)

Wir haben ein klares Ziel, nämlich ein Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, um bestehende Anlagen und neue Anlagen entsprechend in ein Gesamtkonzept einzubinden. Wir brauchen unsere Biomasseanlagen, um die es heute geht, um die Importabhängigkeit zu reduzieren, Arbeitsplätze zu sichern und für regionale Wertschöpfung zu sorgen. Wir brauchen sie auch für die Landwirtschaft, weil wir ein Problem mit sehr viel Schad­holz durch den Borkenkäfer im vergangenen Jahr haben, und genau dieses Schadholz kann in den Biomassewerken verstromt und in thermische Energie umgewandelt wer­den.

Es ist ein Gebot der Vernunft, bestehende Anlagen vor dem Ruin zu bewahren, und ei­ne Demonstration der Unvernunft, dies aus Parteikalkül nicht zu tun. Allein in Nieder­österreich geht es um 14 Anlagen, 1 290 Arbeitsplätze, die circa 140 000 Haushalte versorgen. Liebe KollegInnen aus Niederösterreich, bitte sagen Sie Ihren Firmen, Ihren Ökoanlagenbetreibern, sagen Sie den Mitarbeitern dort, ob das jetzt in St. Pölten ist, ob das in Aspangberg ist, dass Sie diese Anlagen nicht weiter unterstützen wollen! Sa­gen Sie aber nicht, dass zu wenig ist, was auf dem Tisch liegt, denn es ist dasselbe, was es bisher war! Es geht nur um eine Verlängerung. Sie müssen erklären, warum diese Anlagen geschlossen werden sollen.

Ich darf Herrn Landeshauptmann Kaiser zitieren. Er hat gesagt: „Es geht mir nicht bes­ser, wenn es anderen schlechter geht.“ – Es geht niemandem von uns besser, wenn es 42 Anlagenbetreibern und Anlagen schlechter geht – im Gegenteil!

In dieser Gesetzesvorlage ist auch enthalten, dass jene Haushalte, die sich wirklich et­was schwerer tun, möglicherweise 300 000 Haushalte, von der Ökostromabgabe gänz­lich befreit werden und dass damit ein Beitrag zur Bekämpfung der Energiearmut ge­leistet wird. Erklären Sie den Menschen auch das!


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 96

Wer Biomasse abdreht, dreht Atomstrom auf! Sie haben es in der Hand! (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

13.32


Vizepräsident Hubert Koller, MA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Martin Weber. Ich erteile es ihm.


13.32.28

Bundesrat Martin Weber (SPÖ, Steiermark): Werter Herr Vizepräsident! Es ist ganz ungewohnt, lieber Herr Kollege, dich so anreden zu können, aber mich und uns freut es sehr! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Frau Ministerin! Wir haben in der heu­tigen Diskussion schon sehr viele Sachargumente ausgetauscht, in weiten Teilen ist es auch sehr fachlich abgelaufen, aber dann auch wieder nicht. Bei Ihren Ausführungen, Frau Ministerin, kann ich Ihnen nur recht geben oder unterstreichen: Jeder einzelne Arbeitsplatz ist auch uns sehr wichtig; das braucht uns keiner zu erklären. Wir lehnen in diesem Zusammenhang auch Parteipolitik ab, wollen aber auch keine Klientelpolitik in einer so wichtigen Frage. (Bundesrätin Mühlwerth: Was für ein Argument!)

Ich möchte es grundsätzlich angehen und auf die unterste Entscheidungsebene runter­brechen, wie ein Miteinander der Menschen aussehen sollte. Ich bin in meiner Heimat­gemeinde bereits seit rund 19 Jahren Bürgermeister und übe dieses Amt mit sehr viel Freude aus. Wenn ich die Zustimmung der Opposition haben möchte oder diese brau­che, dann muss ich auch mit der Opposition reden. Ich muss mich an den Verhand­lungstisch setzen und sagen: Welche Verbesserungsvorschläge hättet ihr? Was würdet ihr anders machen? Wo können wir uns bei einem Kompromiss treffen? Das Gesetz auf den Tisch knallen und sagen: Friss Vogel oder stirb!, wird es halt nicht spielen, nicht in diesem Zusammenhang und auch nicht bei anderen Gesetzesinitiativen. (Bei­fall bei der SPÖ.)

Das hat überhaupt nichts mit gekränkter Eitelkeit zu tun (Rufe bei BundesrätInnen der FPÖ: Nein! Überhaupt nicht!), sondern es gab keine Begutachtung und es hat daher auch keine Einbindung von Experten gegeben. Der Herr Kanzler hat erst neulich ge­sagt, ihm fehle das Verständnis für Experten. – Für uns ist das gar keine so große Überraschung, denn wir sind das von dieser Bundesregierung ja bereits gewohnt: ohne Begutachtung Gesetzesinitiativen durchpeitschen, Sachen ohne Expertenmeinung, ohne Einholung von Fachmeinungen durchpeitschen, Schnellschüsse produzieren. Im Anschluss müssen wir das dann wieder reparieren, um sozusagen das Gesetz wieder auf eine gerade Linie zu bringen. (Bundesrat Schuster: Da werden Äpfel mit Birnen verglichen! – Bundesrat Krusche: Lächerlich!)

Wir haben das zuletzt auch beim Bildungsminister erlebt, der gesagt hat: Na ja, mit Fachmeinung hat das Ganze nichts zu tun. Es spiegeln sich auch keine Experten­meinungen wider, aber es ist eben eine politische Meinung, so der Herr Bildungsminis­ter. (Präsident Appé übernimmt den Vorsitz.)

So auch in diesem Zusammenhang: Wir sollen einen Blankoscheck von 150 Millionen Euro für die Frau Ministerin unterschreiben, sodass sie praktisch 150 Millionen Euro im Plastiksackerl hat und dann verteilt, und keiner weiß, wer es unter welchen Bedingun­gen bekommt. (Bundesrat Steiner: Da verwechseln Sie etwas mit der SPÖ! – Bundes­rätin Mühlwerth: Lächerlich!) Nicht einmal im Nachhinein sollen wir erfahren, wer da­von profitiert. Das wird es ganz einfach nicht spielen. Wir machen bei Ihrer politischen Geisterfahrt nicht mit! (Beifall bei der SPÖ. – Bundesrat Samt: Als ihr in der Regierung wart, war das kein Problem!) Wir können nur davor warnen, keine politische Geister­fahrt zu unternehmen, und wir werden da niemals zusteigen.

Bei einem seid ihr meisterhaft unterwegs, nämlich dabei, Druck aufzubauen, auch mit Drohungen zu hantieren und mit ganz geschickter PR-Arbeit den eigentlichen Hinter­grund zu verstecken.


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 97

Liebe Kolleginnen und Kollegen, was soll uns Besseres passieren, als dass wir uns ab morgen zusammensetzen? Dann sollte ein noch besseres Gesetz gemeinsam be­schlossen werden. Wir sind zu Verhandlungen bereit! Bis Ostern könnte sich das aus­gehen, aber dazu müsst ihr einmal vom hohen Ross heruntersteigen und mit der politi­schen Opposition reden. Tut das! Wir sind bereit. – Danke. (Beifall bei der SPÖ. – Bun­desrat Samt: Mit welcher Opposition?)

13.37


Präsident Ingo Appé: Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Michael Bernard. Ich er­teile es ihm.


13.37.19

Bundesrat Michael Bernard (FPÖ, Niederösterreich): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesminister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Bun­desrates! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie und vor den Bildschirmen! Ich habe es heute schon einmal gesagt, ich muss es noch einmal wiederholen: Leider haben einige Herrschaften in der SPÖ-Fraktion keine Ahnung von erneuerbaren Ener­gien (Beifall bei FPÖ und ÖVP); vielleicht irgendwo anders, aber beim Thema Biomas­se nicht. Seit 2002, seit dem ersten Ökostromgesetz, werden die Tarife per Verord­nung von der Frau Bundesminister oder vom Herrn Bundesminister festgelegt. Jetzt seid ihr auf einmal dagegen. Jahrelang seid ihr in der Regierung gewesen und habt die ganze Zeit über mitgestimmt. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Das letzte Mal habt ihr dem Gesetz, das Bundesrat Schabhüttl vorhin als so gefährlich eingeschätzt hat, 2017 zugestimmt. Dem habt ihr 2017 selbst zugestimmt! Was ist so gefährlich gewesen? Erklärt es uns! (Bundesrätin Posch-Gruska: Hör nur genau zu, was wir sagen!) Jetzt ist es auf einmal gefährlich? – Ja, gut. (Bundesrätin Mühlwerth: Da wart ihr noch in der Regierung!)

Das einzig Gefährliche daran kam von eurer Seite, von uns nicht, denn wir haben jetzt dem sozialen Gedanken Rechnung getragen (Rufe bei der SPÖ: Jawohl!), indem wir zusätzlich die vollständige Ökostromkostenbefreiung für einkommensschwache Haus­halte hineingebracht haben. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Wenn das für euch so gefährlich ist: Das betrifft nach Schätzungen zwischen 250 000 und 300 000 Haushalte; also die Leute werden sich sicherlich bei euch bedanken. (Ru­fe und Gegenrufe zwischen BundesrätInnen von SPÖ und FPÖ.)

Mit Ihrem vorangekündigten Abstimmungsverhältnis zeigen Sie natürlich Ihr wahres Ge­sicht. (Bundesrätin Grimling: Verhältnis haben wir keines!)  Ja, vielleicht schon.

6 400 Arbeitsplätze österreichweit! In Niederösterreich, in meinem Heimatland, sind cir­ca 1 200 Arbeitsplätze gefährdet, denn pro Megawatt installierter Leistung kann man mit circa 21 Vollzeitbeschäftigten rechnen. Natürlich müsst ihr wissen, so wie wir das auch auf unseren Taferln haben: Wer Nein zu erneuerbaren Energien sagt, sagt Ja zum Atomstrom! Davon kommt ihr nicht weg! (Beifall bei FPÖ und ÖVP. – Bundesrat Novak: So ein Blödsinn!)

Wenn Sie gegen Biomasse sind, sind Sie auch gegen die Versorgungssicherheit der österreichischen Bevölkerung – Biomasse trägt zur Grundlastfähigkeit bei – und gegen die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe. (Bundesrat Schuster: So sind die Sozia­listen! – Bundesrätin Posch-Gruska: Es wird besser, wenn es nach uns geht!)

Aufgrund dessen appelliere ich zum Schluss noch einmal an den einen oder anderen Bundesrat von euch, über Parteigrenzen hinweg zum Wohle unserer Kinder und Enkel­kinder doch noch für die Änderung und den damit verbundenen Nachfolgetarif zu stim­men. – Danke. (Beifall bei FPÖ und ÖVP. – Ruf bei der SPÖ: Das wird keiner tun! – Bun­desrat Schuster: Fraktionszwang!)

13.41



BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 98

Präsident Ingo Appé: Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Silvester Gfrerer. Ich er­teile es ihm.


13.41.27

Bundesrat Silvester Gfrerer (ÖVP, Salzburg): Geschätzter Herr Präsident! Liebe Frau Bundesministerin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause! Schauen wir zuerst auf die Punkte, in denen wir uns im Bundesrat beim Thema Ökostromgesetz vielleicht doch einig sind! Wir wissen, die Kli­maveränderung findet statt, die haben wir vor Ort. Es gibt sehr viele Ursachen. Hit­zetage werden jedes Jahr mehr, Kälte und Frost gibt es zu den unüblichsten Zeiten, in­tensive Niederschläge oder auch Trockenheit und Dürre sind zu verzeichnen und Un­wetter und Katastrophen werden mehr und immer intensiver. Die Folgen im Einzelnen zu erläutern erübrigt sich. Der Allgemeinheit, sprich die Steuerzahler kostet jedes Un­wetterereignis jedenfalls sehr viel Geld.

Diese Veränderung zeigt sich am stärksten in der Natur selbst, und die vielen Men­schen, die wie die Bauern und bäuerlichen Familien mit und von der Natur leben, die ihre Produktionsstätten unter freiem Himmel haben, sind davon in erster Linie betrof­fen. Viele Haus- und Wohnungsbesitzer können ebenfalls betroffen sein. Straßen und Wege werden unterspült und weggerissen. Hunderttausende Kubikmeter Material don­nern bei Unwettern von den Bergen in die Täler.

Man kann natürlich sagen, dass es so etwas schon immer gegeben hat, aber alle Ex­perten stellen fest, dass die Klimaveränderung rascher denn je voranschreitet. Beob­achtet man die Natur, spürt man im eigenen Bereich, dass sich da in einer Generation, innerhalb von nur 30 Jahren, enorm viel verändert hat.

Was muss die Antwort auf diese Klimaveränderung sein? – Die Bundesregierung hat sich sehr ambitionierte Ziele gesetzt, um dem Klimawandel und der Erderwärmung ent­gegenzuwirken. 100 Prozent Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie bis 2030 ist so ein Ziel. Es ist im Regierungsprogramm so verankert. Es zu erreichen hat oberste Priorität, grundlegend einmal zum Wohle unserer Bevölkerung, aber auch, um Öster­reich damit weiterhin als Vorbild in der Energiepolitik zu erhalten, sodass wir die Klima­politik auf EU-Ebene und international mit größerer Glaubwürdigkeit positiv mitgestal­ten können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was können und was müssen wir als verantwortliche Politiker tun? Welche Möglichkeiten haben wir? – Ein paar Fakten dazu, warum wir die­ses Ökostromgesetz, ein Überbrückungsgesetz so dringend brauchen: Die Forstwirt­schaft ist heute noch kaum angesprochen worden, viele kleine Waldbesitzer in allen Bundesländern befinden sich wirtschaftlich in einer extrem schwierigen Situation. Aus­schlaggebend dafür war die lange Trockenheit, die Dürre im Vorjahr. Der Borkenkäfer- und allgemein der Schädlingsbefall in den Wäldern ist gestiegen. Im Osten Österreichs trugen Stürme und Unwetter im Herbst das ihre dazu bei, in Kärnten und Osttirol Wind­würfe, und aufgrund der schweren Schneefälle in letzter Zeit kam auch noch Schnee­bruch hinzu.

Das Ergebnis: Hunderttausende Festmeter Holz liegen kreuz und quer in den Wäldern. Ein sehr hoher Anteil gehört wegen Nichtbringbarkeit zum minderwertigen Holzsorti­ment, für das es keine oder nur ganz schlechte Absatzmöglichkeiten gibt. Dadurch fehlt auch der Anreiz, Waldpflege zu betreiben, und Schutzwälder verlieren ihre Funktion. Daher wäre es äußerst wichtig, wenn wir zumindest einen Teil davon als Biomasse ab­setzen könnten.

Damit jetzt zum Ökostromgesetz: Jedes Bundesland ist mehr oder weniger betroffen, und wir sind die Bundesländervertreter. In Salzburg geht es zum Beispiel bei sechs An­lagen darum, ob diese weiter betrieben werden können oder gezwungenermaßen still-


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gelegt werden müssen. Sie erbringen eine Leistung von 13 600 Kilowatt und versorgen über 30 000 Haushalte mit Strom. Es geht um circa 300 Arbeitsplätze mit einer Wert­schöpfung von 14 Millionen Euro.

Ich muss dich fragen, Herr Kollege Wanner: Ist das für dich okay? Willst du das wirk­lich? Ich glaube nicht, dass du das willst, und trotzdem wollt ihr dagegen stimmen. Sind dir die Arbeitsplätze und die betroffenen Familien wirklich egal?

Kommen wir nach Kärnten: In Kärnten sind acht Anlagen mit einer Stromerzeugung von 30 000 Kilowatt betroffen. 57 000 Haushalte können mit Strom versorgt werden. 530 Arbeitsplätze mit einer Wertschöpfung von 26 Millionen Euro sind betroffen. Wollt ihr, liebe Kollegen aus Kärnten, Herr Bundesratspräsident, Herr Kollege Günther No­vak, Herr Kollege Gerhard Leitner, dass über 500 Arbeitsplätze aufs Spiel gesetzt wer­den? Wollt ihr wirklich diesen guten ökosozialen Weg verlassen, und ist es euch egal, wenn Atomstrom und Heizöl importiert werden müssen? (Bundesrat Schennach: Nein!)

So könnte man die Aufzählung Bundesland für Bundesland fortsetzen. Wollt ihr von der SPÖ-Fraktion wirklich, dass einkommensschwache Familien nicht in den Genuss der Energieabgabebefreiung kommen? 300 000 Haushalte sind betroffen. Auf alle diese Fragen müssen Sie antworten, liebe Kolleginnen und Kollegen der SPÖ, und Sie müs­sen das dann auch verantworten. (Bundesrat Schennach: Das tun wir!)

20 Prozent der Ökostromproduktion und ein Drittel der erneuerbaren Fernwärme stam­men aus gemäß Ökostromgesetz geförderten Holzkraftwerken. 3 Millionen Tonnen CO2 werden jährlich durch Strom- und Wärmeproduktion in Holzkraftwerken eingespart. Durch die Wärmenutzung von Holzkraftwerken werden 450 Millionen Liter Heizöl ein­gespart. Der Betrieb von Holzkraftwerken sichert österreichweit 6 400 Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich. Holzkraftwerke produzieren unabhängig von Jahres­zeit und Witterung durchgängig und bedarfsgerecht Ökostrom und gleichen damit Pro­duktionsschwankungen von Wasserkraft-, Windkraft- oder Photovoltaikanlagen aus.

Eines der Hauptargumente für Biomasse ist sicherlich, kreislauforientiert und nachhal­tig zu wirtschaften, den Rohstoff, den wir sozusagen vor der Haustüre haben, noch stärker einzusetzen. Ich bin froh, dass die beiden Abgeordneten der Grünen, denen Sachpolitik wichtiger als Parteipolitik ist, mit uns mitstimmen und so diese Überbrü­ckungsmaßnahme ermöglichen wollen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lasst mich zum Schluss noch ein paar persönliche Anmerkungen anbringen: Seit Juli 2018 darf ich für Salzburg als Bundesrat tätig sein und muss feststellen, dass meiner Wahrnehmung nach noch kein Tagesordnungspunkt für die Bundesländer so wichtig wie dieser war. Von diesem Gesetz ist jedes Bundes­land betroffen. Ihr tragt mit die Verantwortung, wenn wir dann nach Hause fahren und morgen darauf angesprochen werden und möglicherweise hinterfragt wird, ob der Bun­desrat überhaupt noch Sinn macht, wenn dieses Gesetz nicht positiv über die Bühne geht. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Ruf bei der SPÖ: Eine schlechte Rede!)

Ihr habt es in der Hand, eine Zweidrittelmehrheit zu ermöglichen. Als Ländervertreter kann und muss man dieser Novelle zustimmen, denn wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom aus dem Ausland auf und setzt über 6 000 Arbeitsplätze aufs Spiel. Des­halb mein eindringlicher Appell an euch, liebe Kolleginnen und Kollegen der SPÖ-Frak­tion: Ihr habt es in der Hand, ob wir in Österreich den ökosozialen Weg weitergehen können! Ermöglichen Sie die notwendige Zweidrittelmehrheit, stimmen Sie heute die­sem Gesetz zu! Ab morgen können wir gerne verhandeln, dann aber über das neue Gesetz ab 2020. – Danke. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 100

13.51


Präsident Ingo Appé: Zu Wort gemeldet ist der Herr Vizepräsident, Herr Bundesrat Magnus Brunner. Ich erteile es ihm.


13.51.53

Bundesrat Dr. Magnus Brunner, LL.M. (ÖVP, Vorarlberg): Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zu­seherinnen und Zuseher! Es ist wirklich schade, dass sich die SPÖ-Bundesratsfraktion heute bei diesem Tagesordnungspunkt so von der Klubführung instrumentalisieren lässt. Das ist wirklich schade! Ich schätze viele von euch sehr im täglichen Umgang und auch in der politischen Auseinandersetzung, aber ihr lasst euch da heute wirklich vor einen parteipolitischen Karren spannen. Das finde ich sehr, sehr schade. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Eurer Klubführung geht es um ein parteipolitisches taktisches Spielchen. Das ist eine herbe Enttäuschung. Man merkt es ja auch, denn die Aufpasser sitzen da drüben. (Der Redner weist in Richtung SPÖ-Mitarbeiterbänke, auf denen auch die Abgeordneten Leichtfried und Duzdar Platz genommen haben. – Heiterkeit bei der SPÖ. – Bundes­rätin Posch-Gruska: Bei euch etwa nicht?) Das spricht nicht für das Selbstverständnis der Bundesratsfraktion. Ich habe gedacht, ihr seid ein bisschen selbstbewusster und auch selbstständiger. Das ist wirklich bedauerlich. (Bundesrätin Grimling – auf die ÖVP-Mitarbeiterbänke weisend –: Eure sitzen dort!)  Nein, der sitzt nur so da. Na ja, Aufpasser – in der Öffentlichkeit spricht ja auch nur er über das Thema.

Wenn ich noch auf zwei, drei inhaltliche Punkte eingehen darf: Eure Tafel mit dem Vor­wurf Blankoscheck beispielsweise finde ich sehr interessant. Was ist ein Blanko­scheck? Der Umfang der Förderung und der Kreis der Fördernehmer stehen fest. Was bedeutet angesichts dessen Blankoscheck? Das Auszahlungsvolumen steht fest, es ist nichts Neues und steht auf dem Papier. Was hier ein Blankoscheck sein soll, würde mich wirklich interessieren.

Die Höhe der Tarife, über die viel diskutiert wurde, wurde bereits im Dezember mit dem Entwurf der Frau Bundesministerin an euch übermittelt. (Bundesrätin Posch-Gruska: Das steht nicht im Gesetz!) – Es ist so! Im Dezember! Vielleicht habt ihr es von der Klubführung nicht weitergeleitet bekommen, das weiß ich nicht, jedenfalls hat man die­sen Verordnungsentwurf bereits übermittelt.

Im Übrigen hat man die Höhe der Tarife auch nicht einfach so aus dem Ärmel ge­schüttelt, sondern es gibt ein Gutachten der E-Control, das diese Tarife vorschlägt. Es gibt also ein Gutachten! Es ist ein objektives externes Gutachten, das diese Tarife vor­schlägt. Außerdem steht im Gesetz, dass man jedes Jahr um 1 Prozent runtergehen muss, wenn man keine neue Verordnung macht. Das sollte man vielleicht auch wissen, also darf man gar nicht in derselben Höhe - - (Bundesrätin Posch-Gruska: Dann muss man das eben im Gesetz ändern!) – Auf das Ins-Gesetz-Schreiben komme ich auch noch zu sprechen, liebe Inge. Ich kann mich gut an den Fall erinnern, als man einmal einen Tarif ins Gesetz geschrieben hat. Das war bei der Photovoltaik so. Das war ein Riesenfehler! Ihr habt zugegeben, dass das ein Riesenfehler war, weil du dann na­türlich nichts mehr daran ändern kannst. Mit einer Verordnung kannst du jedes Jahr auf veränderte Gegebenheiten reagieren. Das kannst du nicht, wenn es im Gesetz steht, vor allem nicht, wenn das Gesetz eine Zweidrittelmehrheit braucht. (Bundesrätin Posch-Gruska: Dann ändert man eben das Gesetz!) – Mit einer Zweidrittelmehrheit, ja genau! (Heiterkeit bei BundesrätInnen der SPÖ.) Leider seht ihr das heute anders.

Was die Entlastung sozial Schwacher betrifft, so ist die laut Gesetz vorgesehen. Jetzt wollt ihr das automatisch. Darüber kann man natürlich immer reden, man muss nur in der Praxis auch ein bisschen aufpassen. Wie erfährt das dann jedes Mal der Netzbe­treiber, der das ja dann abzuwickeln hat? Ganz so einfach, wie ihr euch das vorstellt, ist es meiner Meinung nach also auch nicht. Für die Gegenwart wäre die Lösung im Gesetz. Das war übrigens die einzige Forderung, die ihr in die Verhandlungen einge-


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bracht habt. (Widerspruch bei BundesrätInnen der SPÖ. – Bundesrätin Grimling: Wa­ren Sie dabei?)

Ja, natürlich! Die einzige Forderung, die das Ökostromgesetz betroffen hat, war die Entlastung sozial Schwacher. Die ist jetzt im Gesetz vorgesehen, und ihr stimmt da­gegen. Das verstehe ich wirklich nicht. Die anderen Punkte, die dabei gewesen sind, die anderen Forderungen betrafen nicht das Ökostromgesetz, sondern ElWOG, Fern­wärme, Fernkälte und solche Dinge. Die Punkte, die ihr heute eingebracht habt – Trans­parenz, effizienzabhängige Tarife und so weiter –, sind neu, die habt ihr während der Verhandlungen nicht eingebracht. Das habt ihr leider versäumt. Heute bringt ihr das ein. – Okay, das ist aber ein bisschen spät, würde ich meinen. (Ruf bei BundesrätInnen der ÖVP: SP-Packelei! – Gegenrufe bei der SPÖ.)

Was effizienzabhängige Tarife betrifft, würde ich davor warnen, in Zukunft ineffiziente Anlagen zu fördern. Damals waren wir uns einig, dass man einen Wirkungsgrad von 60 Prozent einführt. Da waren wir uns alle einig, ihr alle auch. Ihr wart also dafür, und jetzt wollt ihr es wieder nicht.

Noch ein Widerspruch, auf den ich euch aufmerksam machen möchte – ein letzter noch, dann lasse ich es ohnedies wieder, weil schon genug dazu gesagt worden ist –: Ihr kritisiert auf der einen Seite die Höhe der Tarife, die aus eurer Sicht zu niedrig sind, und auf der anderen Seite sagt ihr, dass das Fördervolumen insgesamt zu hoch ist. – Ja, was jetzt? Das geht einfach nicht zusammen! (Bundesrätin Posch-Gruska: Es geht um Transparenz!) Ihr widersprecht euch mit jeder Aussage selbst. Ich finde es wirklich schade, dass ihr euch da vor den parteipolitischen Karren eurer Klubführung spannen lasst. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

13.57


Präsident Ingo Appé: Zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Marianne Hackl. Ich er­teile es ihr.


13.57.17

Bundesrätin Marianne Hackl (ÖVP, Burgenland): Sehr geehrter Herr Präsident! Ge­schätzte Frau Bundesministerin! Ich bin jetzt schon ganz durcheinander. Werte Kolle­ginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseher auf der Galerie und vor dem Fernseher! Ich glaube, die SPÖ hat sich da jetzt in irgendetwas verrannt. Ich würde appellieren: Lasst doch euren Verstand sprechen! (Ruf bei der SPÖ: Genau das tun wir auch!) Ich möch­te David Stögmüller erwähnen, er hat heute seinen Verstand sprechen lassen. David, ich gratuliere dir! (Beifall und Bravorufe bei ÖVP und FPÖ.)

Ich appelliere an die burgenländischen Bundesräte, denn es geht auch um Arbeitsplät­ze und Lebensqualität im Burgenland, in unserem Südburgenland. (Bundesrätin Posch-Gruska: Auch im Nordburgenland, Marianne!) – Im Burgenland, ja, natürlich im ge­samten Burgenland!

Herr Kollege Schabhüttl, unserer neuen Volkspartei ist jeder Arbeitsplatz wichtig. (Oh-Rufe bei der SPÖ.) Biomasse bringt sehr viel an Wertschöpfung in unsere ländlichen Regionen (Bundesrat Schabhüttl: Du kennst keine einzige Anlage von innen! – Heiter­keit bei der SPÖ), auch für die nächsten Generationen und die Zukunft, deinem Lä­cherlich-Machen zum Trotz. Ich habe sehr wohl eine gesehen, und zwar zusammen mit dem Herrn Obmann von Ökoenergieland, dessen Stellvertreter du bist. Auch ich weiß also Bescheid. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Bundesrat Schabhüttl: Du hast nichts gesagt, woran man das gemerkt hätte!)

Dazu kommt noch, dass es umso mehr deinem Pflichtbewusstsein entsprechen sollte, diesem Gesetz heute in aller Redlichkeit zuzustimmen.


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Nach den vielen Reden möchte ich zum Abschluss kommen: Als Burgenländerin ap­pelliere ich nochmals an euch, euren Verstand einzusetzen, Parteipolitik nicht vor Sachpolitik zu stellen und daher für den Nachfolgetarif zu stimmen, für Arbeitsplätze zu stimmen und für die Absicherung der sauberen Energie in unserer Region zu stim­men. – Danke. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Ruf bei der ÖVP: Bravo, Marianne!)

14.00


Präsident Ingo Appé: Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Jürgen Schabhüttl. Ich er­teile es ihm. (Bundesrat Schuster – in Richtung des sich zum Rednerpult begebenden Bundesrates Schabhüttl –: Bleibt uns gar nichts erspart? – Bundesrätin Grimling: Uns bleibt auch nichts erspart!)


14.00.09

Bundesrat Jürgen Schabhüttl (SPÖ, Burgenland): Sehr geschätzter Herr Präsident! Ursprünglich habe ich mich zu Wort gemeldet, weil ich etwas zurücknehmen oder an­ders interpretieren wollte. Bevor ich das tue, sage ich, dass ich hoffe, dass nicht nur David Stögmüller seinen Verstand einschaltet, sondern auch die Kolleginnen und Kol­legen von den Regierungsparteien ihren Verstand einschalten und dann mit uns mit­stimmen. (Beifall bei der SPÖ. – Bundesrat Seeber: Wir sind voll wach!)

Ich bin vom Präsidenten unterrichtet worden, dass ich eventuell einen Ordnungsruf er­halte, weil ich in meiner Rede die Aussendung der ÖVP Burgenland, die ich jetzt vor mir liegen habe, als Lügengeschichte beziehungsweise als Lüge bezeichnet habe. – Ich nehme das Wort Lüge zurück und sage: Hier wurden bewusst Unwahrheiten ver­breitet, was man offensichtlich in Kauf genommen hat. Jemand, der die Tatsachen so wie ich gut kennt, verfällt halt in einem solchen Fall leicht der Versuchung, die ÖVP Burgenland der Lüge zu bezichtigen; es ist aber nur eine Versuchung. – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ. – Bundesrat Rösch: Es war nicht nur die Versuchung!)

14.01


Präsident Ingo Appé: Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Karl Bader. Ich erteile es ihm.


14.01.53

Bundesrat Karl Bader (ÖVP, Niederösterreich): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Her­ren! Wir stehen heute mit dieser Diskussion über das Ökostromgesetz sehr stark im Fokus der Aufmerksamkeit. Es wird dokumentiert, dass auch der Bundesrat tatsächlich Zähne zeigen kann. Wer heute in der Früh schon ein bisschen in die Zeitungen hinein­gelesen hat, hat vielleicht den Leitartikel von Daniela Kittner gelesen; es war also heute auch im „Kurier“ ein Thema. Ich zitiere: „Akt der Gegenwehr beim falschen Thema – Dass die SPÖ“ – das Zitat geht weiter – „Türkis-Blau zum Verhandeln zwingt, ist okay. Dafür 47 Betriebe zu riskieren, ein Fehler.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben zu diesem Thema mit Parteien des Parlaments im Nationalrat und auch hier im Bundesrat in der Sache Übereinstimmung erzielen können. Es gibt aus meiner Sicht keinen sachlichen Grund, dem Gesetz nicht zuzustimmen, es zum Scheitern zu bringen, wie die SPÖ das tut.

„Nach ihrer Abwahl aus der Regierung“ – heißt es in diesem Kommentar Kittners – „ist es der SPÖ sicher eine Genugtuung, wieder einmal auf den Tisch hauen zu können.“ – Ja, das mag schon eine Genugtuung für Sie sein. Die Emotionen sind nachvollzieh­bar – die verstehe ich auch –, aber das verfehlt mit Sicherheit das Thema. Es geht schon längst nicht mehr um das Ökostromgesetz, steht in diesem Leitartikel. Auch das ist ein Thema.


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Am Mittwoch dieser Woche gab es auf Anregung der Frau Bundesministerin noch ei­nen Besuch und ein Gespräch; es wurde die Hand in Richtung SPÖ ausgestreckt. (Bundesrat Weber: Das war aber sehr früh!)

Vom Kollegen Lettenbichler wurden Verhandlungen zu diesem Thema geführt, und es sind viele Dinge - - (Bundesrat Schabhüttl: Zwei Tage vor der Sitzung! So viel zum Thema Verhandlungen! – Bundesrätin Grimling: Zwei Tage vor der Sitzung! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ihr könnt euch alle zu Wort melden, ihr könnt euch gerne alle zu Wort melden. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Vieles ist vor Weihnachten schon weitergegeben worden, auch die Tarife in der Nach­folgeverordnung sind an den Klub weitergegeben worden. Ich habe beim Gespräch am Mittwoch erfahren, dass das leider nicht zur Bundesratsfraktion durchgekommen ist. Das tut mir leid. Die Frau Bundesministerin und ich haben am Mittwoch aber angebo­ten, heute im Bundesrat einen gemeinsamen Entschließungsantrag einzubringen, um so auch die Nachfolgetarife zu fixieren.

Es wurde keine Zahl genannt, und es wurden auch keine weiteren Forderungen im Hinblick auf eine mögliche Lösung von euch erhoben. Gestern am Abend kam auf ein­mal eine Presseaussendung mit fünf Forderungen der Sozialdemokraten zum Thema Ökostromgesetz. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist kein guter Stil. So kann man auch nicht unbedingt Politik machen, das muss ich schon sagen. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Heiterkeit bei BundesrätInnen der SPÖ.)

Die Themen wurden angesprochen, und es gilt auch eines: Der SPÖ geht es nicht um das Ökostromgesetz, denn zum Ökostromgesetz gab es nur eine einzige Forderung, nämlich Geringverdiener von der Ökostromabgabe völlig zu befreien. Diese Forderung wurde auch aufgenommen, um eine soziale Maßnahme zu setzen. Bei allen anderen Forderungen ging es um andere Gesetze, nicht aber um das Ökostromgesetz. Das möchte ich ganz einfach einmal feststellen.

Es handelt sich um die Verlängerung der Gültigkeitsdauer eines Gesetzes, das soll noch einmal klar und deutlich zum Ausdruck gebracht werden, eine Verlängerung um drei Jahre. Das Gesetz, das heute von der Sozialdemokratie als schlechtes und mie­ses Gesetz hingestellt wird, haben wir eigentlich hier im Hohen Haus gemeinsam be­schlossen. (Bundesrätin Grimling: Geh bitte!) Da frage ich mich schon, was an diesem Gesetz, an der Übergangsregelung für drei Jahre mit einer Sozialmaßnahme zur Be­freiung der von den GIS-Gebühren befreiten Menschen von der Ökosozialabgabe jetzt schlechter sein soll, als es damals war.

Klar ist, was wir wollen. Die Bevölkerung versteht die sozialdemokratische Blockade­haltung nicht, die Anlagenbetreiber verstehen sie nicht und viele Kolleginnen und Kolle­gen Bürgermeister der Sozialdemokratie aus den Standortgemeinden verstehen sie eben­falls nicht.

Beim Gang vom Hotel zum Plenarsaal habe ich heute die Thematik Revue passieren lassen und mich ein bisschen auf diesen Tag vorbereitet. (Bundesrätin Posch-Gruska: Spät!) Mir ist dazu ein Lied von STS eingefallen, da wegen dieser Verhinderung der Beschlussfassung Biomasseanlagen abgeschaltet werden müssen. Im Lied heißt es: Es wird kalt und immer kälter. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die SPÖ wird „abgebrüht und älter“, und sie dreht mit ihrem Verhalten heute Biostrom ab und Atomstrom auf. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Bundesrätin Grimling: Wie jetzt? Auf oder ab?)

Liebe Genossen, raus aus dem Schmollwinkel! Der Herr Landeshauptmann hat ges­tern beim Kärntner Abend und auch heute hier im Plenum des Bundesrates gefordert, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen. (Zwischenrufe bei der SPÖ: Genau!


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 104

Das fordern wir gerade!) Es wäre jetzt höchste Zeit. Ich lade euch dazu ein: Tut es! (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

14.07


Präsident Ingo Appé: Weitere Wortmeldungen dazu liegen nicht vor.

Wünscht noch jemand das Wort? – Kollege Beer wünscht das Wort. Ich erteile es ihm. (Bundesrätin Mühlwerth: Ah, das ist das Spiel vom letzten Jahr! Alles klar! – Gegen­rufe bei der SPÖ. – Bundesrätin Mühlwerth: Das hatten wir schon! – Bundesrätin Grim­ling: Das hast du aber genauso gemacht! – Bundesrat Beer – auf dem Weg zum Red­nerpult –: Und, passt das nicht? – Bundesrätin Mühlwerth: Nein, das macht nur ihr! Das haben wir noch nie gemacht! – Bundesrat Beer: Ist das in der Geschäftsordnung verboten? – Bundesrätin Mühlwerth: Nein! – Bundesrat Beer: Warum beredest du es dann? – Bundesrätin Mühlwerth: Das wird man ja noch dürfen, oder? – Bundesrat Beer: Man sagt ja nichts, man redet ja nur, nicht wahr? – Bundesrat Rösch: Das ist jetzt die Zugabe!)


14.08.20

Bundesrat Wolfgang Beer (SPÖ, Wien): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Es ist vielleicht doch ein etwas seltsamer Tag heute, der vieles offenbart hat. Wir haben von der ÖVP erfahren, wie man Druck aufbaut, wie man nicht die ganze Wahrheit sagt, wie man Tatsachen etwas verändert darstellt. Ich persönlich habe mir schon gedacht, die FPÖ übt sich in nobler Zurückhaltung, bis Kollege Rösch ans Rednerpult getreten ist und Zwischenrufe gekommen sind. Das war aber eigentlich auch alles ganz klar, weil die Freiheitlichen dann sogar türkise Taferln in die Höhe ge­halten haben. Bisher habe ich es eigentlich für unmöglich gehalten, dass die Freiheitli­chen einmal Taferln für die Türkisen in die Höhe halten werden. (Beifall bei der SPÖ. – Bundesrat Schuster: Eure Sorgen möchte ich haben!)

Das zeigt eigentlich nur, dass Sie Ihre Eigenständigkeit verlieren und von der ÖVP, von den Türkisen immer mehr assimiliert werden. Die Bevölkerung wird das ohnehin bald mitbekommen; es ist ganz einfach so. (Bundesrat Bader: Zum Thema!) – Das ist zum Thema, denn es ist heute passiert, und wir reden über das Gesetz. (Bundesrat Stei­ner: Man sagt ja nur!) – Das haben wir gesehen! Wir haben auch gehört, dass die vor­herige Bundesregierung nichts in diese Richtung gemacht hätte. (Bundesrat Krusche: Nächstes Mal wird eben die ÖVP blaue Taferln in die Höhe halten!) Ich möchte daran erinnern, dass zum letzten Mal unter Kreisky ein Bundesminister für dieses Thema zu­ständig war, der der SPÖ angehört hat; ansonsten waren es eigentlich immer ÖVP-Mi­nister. Wir haben gesehen, dass die ÖVP da eigentlich nur Angst macht. Wir wollen den Atomstrom einschalten, behaupten sie.

Meine Damen und Herren, ich höre von euch, wir können diese Kraftwerke nicht ab­schalten, weil dadurch so viele Menschen ihre Arbeit verlieren würden. Im Gegensatz dazu höre ich von Ihnen dann aber auch: Es ist ja wurscht, wenn ein paar Kraftwerke die Kriterien nicht erfüllen. Dann sperren wir die halt zu. – Also was wollt ihr eigentlich? Was erzählt ihr uns? Genau das ist von Ihnen, Frau Bundesministerin, gesagt worden! Dann müssen die eben zusperren, die nicht modernisiert wurden. – Das war Ihre Aus­sage! (Beifall bei der SPÖ.)

Für die Bevölkerung, damit man es vielleicht ein bisschen besser versteht: Wir haben keinen Tarif festgelegt. Wir wissen nicht, wie viel da in Wirklichkeit an die Ökostroman­lagenbetreiber bezahlt wird. Es steht nicht im Gesetz. Wir wissen nicht - - (Bundesrat Rösch: Jetzt habt ihr den Tarif schon so lang!) – Nein, wir haben einen Entwurf be­kommen, nicht den Tarif. (Bundesrat Rösch: Ihr seid völlig ahnungslos!) Ja, einen Ent­wurf! Gehst du vielleicht arbeiten, wenn dir jemand sagt: Möglicherweise bekommst du soundso viel Geld für deine Arbeit?! (Beifall bei der SPÖ. – Bundesrat Rösch: Über zehn Jahre lang habt ihr es selbst ganz genauso beschlossen!)


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 105

Schau, Rösch, ich verstehe gar nicht, warum du dich da jetzt so exaltierst, denn das liegt in der Sache ja eigentlich gar nicht drinnen. Es ist ja eine ÖVP-Sache; die haben die Probleme. (Bundesrat Rösch: Es ist unser aller Sache! – Bundesrat Steiner: Es geht ja nur um Arbeitsplätze!) Sie streiten mit dem Bauernbund und der Wirtschaft. Es ist ja nicht so, dass da alles in Ordnung wäre. Es ist nicht euer Geschäft, aber ihr macht es zu eurem. Tut mir leid! (Bundesrätin Mühlwerth: Damals wart ihr auch da­für! – Bundesrat Krusche: Erst seit ihr in Opposition seid ...!) – Ja, aber nicht in dieser Form. Wir haben dieses Gesetz nicht in dieser Form beschlossen, als wir alle gemein­sam dafür gestimmt haben. Die Nachfolgeregelung ist völlig unklar. Warum sollte man einer Regelung, die nicht klar ist, zustimmen? Das geht ganz einfach nicht, auch wenn wir dann wieder hören: Ja, es wird schon. Ich bin kein Sozialromantiker wie die Grü­nen, die sagen: Es wird schon kommen, was ich mir vorstelle und was ich mir eigent­lich wünsche. Sie werden das dann möglicherweise schon erfüllen.

Wir stimmen dieser Verordnung, diesem Gesetz nicht zu. (Bundesrat Krusche: Das haben wir schon mehrfach gehört! – Bundesrätin Mühlwerth: Das ist jetzt sehr herab­lassend gegenüber den Grünen gewesen, oder? – Oh-Rufe bei BundesrätInnen der SPÖ. – Ruf bei der FPÖ: Oppositionsbashing! – Heiterkeit bei BundesrätInnen der FPÖ.) Die Grünen waren uns gegenüber schon ein wenig mehr herablassend. (Oh-Rufe bei BundesrätInnen der FPÖ. – Bundesrätin Grimling – in Richtung Bundesrätin Mühl­werth –: Du machst das ja nie! – Bundesrätin Mühlwerth: Das mache ich tatsächlich nicht!) Monika, ich werde dich das nächste Mal daran erinnern, wenn es dir passiert. (Bundesrätin Mühlwerth: Das mache ich nicht!)

Gut, wir haben das jetzt sehr ausführlich diskutiert. (BundesrätInnen von ÖVP und FPÖ halten türkise Tafeln mit der Aufschrift: „Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf!“ in die Höhe.) Wir werden dem Ganzen jedenfalls nicht zustimmen. (Beifall bei der SPÖ.)

14.14

14.14.06


Präsident Ingo Appé: Weitere Wortmeldungen liegen dazu nicht vor.

Wünscht noch jemand das Wort? – Dies ist nicht der Fall. Die Debatte ist geschlossen.

Wir kommen zur Abstimmung.

Der gegenständliche Beschluss bedarf nach Art. 44 Abs. 2 Bundes-Verfassungsgesetz der Zustimmung des Bundesrates in Anwesenheit von mindestens der Hälfte der Mit­glieder des Bundesrates und einer Mehrheit von mindestens zwei Dritteln der abgege­benen Stimmen.

Ich stelle zunächst die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit von Mitgliedern des Bundesrates fest.

Wir gelangen zuerst zur Abstimmung, gegen den vorliegenden Beschluss des Natio­nalrates keinen Einspruch zu erheben.

Ich ersuche jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die dem Antrag zustimmen, gegen den gegenständlichen Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben, um ein Handzeichen. – Dies ist die Stimmenmehrheit. Der Antrag, keinen Einspruch zu er­heben, ist somit angenommen.

Nunmehr lasse ich über den Antrag abstimmen, dem vorliegenden Beschluss gemäß Art. 44 Abs. 2 Bundes-Verfassungsgesetz die verfassungsmäßige Zustimmung zu er­teilen.

Es ist hiezu eine namentliche Abstimmung verlangt worden.

Da dieses Verlangen von fünf Bundesräten gestellt wurde, ist gemäß § 54 Abs. 3 der Geschäftsordnung eine namentliche Abstimmung durchzuführen. Ich gehe daher so vor.


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 106

Im Sinne des § 55 Abs. 5 der Geschäftsordnung erfolgt die Stimmabgabe nach Aufruf durch die Schriftführung in alphabetischer Reihenfolge mündlich mit „Ja“ im Falle der Zustimmung, mit „Nein“, wenn keine Zustimmung erfolgt. Ich bitte um eine deutliche Äußerung.

Ich ersuche nunmehr die Schriftführung um den Aufruf der Bundesräte in alphabeti­scher Reihenfolge.

*****

(Über Namensaufruf durch Schriftführerin Wagner geben die BundesrätInnen ihr Stimm­verhalten mündlich bekannt.)

*****


Präsident Ingo Appé: Ich mache von meinem Stimmrecht Gebrauch und stimme mit „Nein“.

Die Stimmabgabe ist beendet.

Ich unterbreche zur Stimmenauszählung kurz die Sitzung.

*****

(Die zuständigen Bediensteten nehmen die Stimmenzählung vor. – Die Sitzung wird um 14.21 Uhr unterbrochen und um 14.22 Uhr wieder aufgenommen.)

*****


Präsident Ingo Appé: Ich nehme somit die unterbrochene Sitzung wieder auf und gebe das Abstimmungsergebnis bekannt.

Demnach entfallen auf den Antrag, dem vorliegenden Beschluss gemäß Art. 44 Abs. 2 des Bundes-Verfassungsgesetzes die verfassungsmäßige Zustimmung zu erteilen, bei 61 abgegebenen Stimmen 40 „Ja“-Stimmen und 21 „Nein“-Stimmen.

Der gegenständliche Antrag ist somit nicht mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit angenommen. Ein Beschluss, dem vorliegenden Beschluss gemäß Art. 44 Abs. 2 Bun­des-Verfassungsgesetz die verfassungsmäßige Zustimmung zu erteilen, ist mangels der erforderlichen Zweidrittelmehrheit nicht zustande gekommen.

Mit „Ja“ stimmten die BundesrätInnen:

Aschenbrenner;

Bader, Berger-Grabner, Bernard, Brunner, Buchmann;

Dziedzic;

Ecker, Eder-Gitschthaler, Ess;

Froschauer;

Gfrerer;

Hackl, Holzner;

Köck, Krusche;

Längle;


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 107

Mattersberger, Mühlwerth;

Neurauter;

Ofner;

Pisec, Preineder;

Raggl, Raml, Rösch;

Samt, Schererbauer, Schulz, Schuster, Schwindsackl, Seeber, Spanring, Sperl, Steiner, Steiner-Wieser, Stögmüller;

Wagner;

Zeidler-Beck, Zwazl.

Mit „Nein“ stimmten die BundesrätInnen:

Appé;

Beer;

Grimling, Grossmann, Gruber-Pruner;

Hahn;

Kahofer, Kaske, Koller;

Lancaster, Leitner;

Novak;

Posch-Gruska, Prischl;

Reisinger;

Schabhüttl, Schennach, Schumann;

Wanner, Weber;

Zaggl.

*****


Präsident Ingo Appé: Es liegt ein Antrag der Bundesräte Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen auf Fassung einer Entschließung betreffend „5-Punkte-Plan für mehr Öko­strom“ vor. Ich lasse über diesen Entschließungsantrag abstimmen.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Antrag zustimmen, um ein Handzeichen. – Dies ist die Stimmenminderheit, der Antrag auf Fassung der gegen­ständlichen Entschließung ist daher abgelehnt.

Es liegt weiters ein Antrag der Bundesräte Bader, Mühlwerth, Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen auf Fassung einer Entschließung betreffend „die zukünftigen Verhand­lungen über den Ausbau der erneuerbaren Energie“ vor. Ich lasse über diesen Ent­schließungsantrag abstimmen.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Antrag zustimmen, um ein Handzeichen. – Dies ist die Stimmenmehrheit, der Antrag auf Fassung der gegen­ständlichen Entschließung ist daher angenommen. (E 258-BR/2019)

14.24.032. Punkt

Bericht der Bundesregierung über Maßnahmen für die Land- und Forstwirtschaft im Jahre 2019 (III-660-BR/2018 d.B. sowie 10124/BR d.B.)


Präsident Ingo Appé: Wir gelangen nun zu Punkt 2 der Tagesordnung.

Berichterstatterin ist Frau Bundesrätin Andrea Wagner. – Ich bitte um den


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 108

Bericht.


14.24.18

Berichterstatterin Andrea Wagner: Ich bringe den Bericht des Ausschusses für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft über Maßnahmen für die Land- und Forstwirtschaft im Jahre 2019. Der Bericht liegt Ihnen in schriftlicher Form vor. Ich komme daher gleich zur Antragstellung:

Der Ausschuss für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft stellt nach Beratung der Vorlage am 12. Februar 2019 den Antrag, den Bericht über Maßnahmen für die Land- und Forstwirtschaft im Jahre 2019 zur Kenntnis zu nehmen.


Präsident Ingo Appé: Wir gehen in die Debatte ein.

Zu Wort gemeldet ist Bundesrat Martin Preineder. Ich erteile es ihm.


14.25.14

Bundesrat Martin Preineder (ÖVP, Niederösterreich): Geschätzter Herr Präsident! Frau Bundesminister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Damen und Her­ren! Wir diskutieren die Maßnahmen für die Land- und Forstwirtschaft im Jahr 2019. Das ist immer sehr eng im Zusammenhang mit dem Grünen Bericht zu sehen, da der Grüne Bericht Auskunft über die Einkommenssituation in der Land- und Forstwirtschaft gibt. Die letzten beiden Jahre konnte Gott sei Dank ein Einkommensplus in der Land­wirtschaft nachgewiesen werden, das aber sehr, sehr notwendig war, da die vier Jahre davor durchaus Jahr für Jahr ein Minus erwirtschaftet wurde, was für die Landwirt­schaft eine sehr bedrohliche Situation darstellt.

Aus diesem Grünen Bericht ergeben sich Maßnahmen, die zu setzen sind. Diese ha­ben wir im Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft diskutiert, leider, Frau Bundesmi­nisterin, ohne Auskunftsperson, ohne einen Experten des Hauses. Ich darf daher bit­ten, dass diese Situation in den nächsten Ausschüssen besser geregelt wird. Die Ant­worten auf die aufgetauchten Fragen wurden aber sehr schnell und rasch schriftlich nachgereicht, und weitere Fragen sind dann auch nicht aufgetaucht.

Geschätzte Damen und Herren, wir wissen alle, dass ein Teil des Einkommens inner­halb der Land- und Forstwirtschaft aus öffentlichen Mitteln, aus Mitteln der Europäi­schen Union stammt und sich dieses System für die Bäuerinnen und Bauern als ein sehr wichtiges und essenzielles darstellt. Wir haben dieses System in den letzten Jah­ren Schritt für Schritt auf ein System mit einheitlichen Flächenprämien umgestellt, und im Jahr 2019 wird diese einheitliche Flächenprämie auch zur Gänze greifen. Dieses Sys­tem beinhaltet aber klarerweise auch entsprechende Auflagen für sogenannte Greening­maßnahmen, das heißt, eine gewisse Fruchtfolge ist einzuhalten und das Dauergrün­land ist zu erhalten.

Wesentlich ist, und das ist auch in dieser ersten Säule beinhaltet und neu in diesem Programm, dass es ein Top-up für Junglandwirte gibt, nämlich dass Jungübernehmer, die einen Hof in der Landwirtschaft übernehmen und erstmals führen, für die ersten 40 Hektar eine erhöhte Flächenprämie bekommen. Geschätzte Damen und Herren, das ist ein wichtiges und klares Signal. Es ist deswegen ein wichtiges und klares Sig­nal, weil wir den jungen Menschen im ländlichen Raum, weil wir den jungen Bäuerin­nen und Bauern die Hand reichen und ihnen das Signal geben müssen, wir wollen sie auf den Höfen halten, wir wollen keine Abwanderung aus den ländlichen Räumen, wir wollen die Bewirtschaftung unserer Höfe sicherstellen. Ich habe deshalb die Bitte, Frau Bundesministerin, dieses Top-up auch entsprechend zu gewährleisten. Es sind auch Mittel für die Marktordnung enthalten, für die Unterstützung von Erzeugergemeinschaf­ten. All das wird aus der ersten Säule der Europäischen Union finanziert.

Es gibt natürlich, und das ist die für Österreich fast noch wichtigere Säule, die zweite Säule, die Säule der sogenannten ländlichen Entwicklung. Hier sind die Umweltpro­gramme enthalten, die für Wasserschutz, für Bodenschutz, für Klimaschutz sorgen,


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und die auch – und das ist für Österreich sehr wichtig, Österreich ist ein Alpenland – unseren Bergbauern die entsprechenden Zuwendungen und Abgeltungen der Mehr­leistungen in diesem schwierigen Produktionsgebiet gewährleisten. Auch einen ent­scheidenden Teil für die Betriebsentwicklung stellt die Investförderung dar, da es damit möglich ist, Investitionen in die Zukunft der Betriebe auch entsprechend zu unterstützen.

Diese zweite Säule beinhaltet auch die Unterstützung für unsere Biolandwirtschaft. Da­bei sind wir durchaus voll erfolgreich unterwegs, da 20 Prozent der Produktion in Ös­terreich in biologischer Produktionsform erfolgt. Und diesbezüglich darf ich einen drin­genden Appell an die Konsumenten richten: Wir produzieren 20 Prozent der Lebens­mittel auf biologischer Basis, aber der Absatz stagniert bei 9 Prozent, das heißt, wir müssen 50 Prozent der Erzeugnisse dieser Produktionsweise in den Export auslagern. Das funktioniert gut, aber ich würde mir da einen höheren Anteil wünschen. Herr Kol­lege Koller, Sie werden uns sicher erklären, dass das Burgenland 100 Prozent Bioland­bau macht, ich würde darum bitten, dass man da dann auch den Absatz entsprechend mitbeachtet.

Wesentlich ist auch, dass man die Stellung der Landwirtschaft auf dem Markt verbes­sert – und du, Frau Bundesminister, bist da immer sehr engagiert unterwegs –, damit im bestehenden Ungleichgewicht zwischen einigen großen Vermarktern und vielen kleinen Anbietern eine bessere Balance hergestellt wird.

Wir müssen auch darüber reden, wie wir beim Konsumenten die Wertigkeit heimischer Lebensmittel besser platzieren, wie wir für eine bessere Wertschätzung – und das Wort ist heute schon oft gefallen – unserer Lebensmittel sorgen. Ich habe hier aus einer Tageszeitung einen Preisvergleich. Wenn 1 Kilo Schokolade 11,60 Euro, 1 Kilo Chips 10,90 Euro, 1 Kilo Tiefkühlpizza 9,40 Euro, 1 Liter Energydrink 5,61 Euro, 1 Kilo fa­schiertes Rindfleisch 5,24 Euro, 1 Kilo Schweinsschopfbraten 4,49 Euro und das Sonn­tagshendl 3,99 Euro kostet, dann sehen wir, dass zumindest im Bereich der Fleisch­produktion die Wertigkeiten sehr verschoben sind.

Was für die österreichische Produktion und den österreichischen Konsumenten auch entscheidend ist, ist, dass wir eine verstärkte und klarere Kennzeichnung der Produkte herbeiführen, da der Konsument österreichische Produkte schätzt, österreichische Le­bensmittel liebt, weil er weiß, dass damit Umwelt, Landschaft und regionale Wert­schöpfung verbunden sind. Damit diese Herkunft auch entsprechend gekennzeichnet ist, gilt es, noch einiges zu tun.

Damit bleiben drei wesentliche Herausforderungen und Forderungen, die wir an die Maßnahmen betreffend die zukünftigen agrarpolitischen Entwicklungen stellen. Wir brauchen – und das sei klar in Richtung Brüssel gesagt – die Aufrechterhaltung des Fi­nanzrahmens und wir stimmen diesbezüglich einer Kürzung auf keinen Fall zu, da mehr Aufgaben in der Landwirtschaft nicht mit weniger Geld zu bewerkstelligen sind.

Wir werden nach wie vor und noch stärker eine Unterstützung der jungen Landwirte brauchen, damit die Chance und die Bereitschaft, die Höfe zu bewirtschaften, auch entsprechend verstärkt wird. Und wir werden – und das ist eine der Aufgaben, die von der Verwaltung zu lösen ist – eine Vereinfachung unserer Abwicklungs- und Fördersys­teme brauchen, um eine klarere und einfachere Durchführung vor Ort zu gewähr­leisten. Das sind viele Aufgaben, die auf uns zukommen, und wir hoffen, dass wir sie auch entsprechend bewältigen können. (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie des Bundes­rates Koller.)

14.33


Präsident Ingo Appé: Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Jürgen Schabhüttl. Ich er­teile es ihm.



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14.33.29

Bundesrat Jürgen Schabhüttl (SPÖ, Burgenland): Herr Präsident! Frau Bundesmi­nisterin! Geschätzte KollegInnen hier im Saal! Meine Damen und Herren auf der Ga­lerie und zu Hause! Ein bisschen ist die Luft jetzt heraußen, was vielleicht manches Mal nicht so schlecht ist.

Beginnen möchte ich mit dem Maßnahmenbericht 2019 und mit der Ausschusssitzung von vorgestern. Der Ausschussvorsitzende hat es schon angemerkt, ich möchte das nochmals ein wenig unterstützen: Es ist mir zum ersten Mal passiert – und ich bin jetzt seit 2015 im Bundesrat –, Frau Bundesminister, dass niemand aus einem Ministerium einer Ausschusssitzung beiwohnt, weder die Ministerin selbst, noch jemand aus ihrem Haus. Das sollte vielleicht wirklich die einzige Ausnahme gewesen sein, und ich darf Sie dazu auffordern, dass Sie in Zukunft auch dementsprechend anordnen, wenn hier Ausschusssitzungen stattfinden und aus Ihrem Ministerium dazu Experten geladen sind, dass diese auch rechtzeitig erscheinen und wenn sie nicht rechtzeitig erscheinen können, sie das zumindest dem Parlament mitteilen. (Bundesministerin Köstinger: Soll ich jetzt was dazu sagen?) – Nein, nein, gar nichts, ich will nur ein Nicken von Ihnen haben, das reicht schon. Es wäre, wenn wir dort eine sogenannte Vorschau bespre­chen, natürlich nicht schlecht, denn man kann sich diesen Maßnahmenbericht durchle­sen, man kann diese Bezeugungen, die hoffentlich alle eintreten werden, ja dement­sprechend durchlesen, aber es ergibt sich normal die eine oder andere Frage und des­halb wird das im Ausschuss sonst immer so gemacht.

Bezüglich meines Vorredners, wenn wir schon Vorreiter – und ich meine jetzt das Bur­genland – in der erneuerbaren Energie sind: Ich habe der Frau Bundesministerin letz­tes Mal auch schon versprochen, dass wir diese Vorreiterstellung auch bei der Bioland­wirtschaft noch weiter ausbauen werden und hier vielleicht dem Bund auch dement­sprechend Wegweisungen für die Zukunft mitgeben können.

Jetzt zum Maßnahmenbericht selbst: Es ist halt so, dass in Zukunft damit zu rechnen ist, auch im Zusammenhang mit dem Brexit, dass auch fördertechnisch nicht mehr Geld zur Verfügung stehen wird. Wir müssen uns darauf einstellen, dass auch in den Agrar­topf weniger Geld kommt, und umso wichtiger ist es, wenn das Geld weniger wird, dass man da eine solidarische, gerechte Aufteilung finden kann.

Unseren Zugang zu reinen Flächenförderungen kennen Sie. Wir sehen das differen­zierter, wir wollen diesbezüglich schauen, dass alle bedient werden und alle auch im gleichen Ausmaß bedient werden. Das heißt nicht immer, dass dieselbe Flächenför­derung für alle die gleiche Summe an Geld bringt.

Im Maßnahmenbericht vermissen wir auch konkrete Hinweise darauf, wie Sie im land­wirtschaftlichen Sektor den Kampf gegen die Klimaerwärmung führen werden. Welche finanziellen Umschichtungen innerhalb des Programms für die ländliche Entwicklung – welches durch eine Sonderrichtlinie Ihres Ministeriums erlassen wird und in Ihrer al­leinigen Verantwortung liegt – vorgenommen wurden, kann aus diesem Bericht auch nicht entnommen werden. Außerdem wäre es auch möglich, dass der Bereich der sozialen Dienstleistungen hier stärker gewichtet wird, und auch, Fördergelder in diesen Bereich zu investieren.

Die Abwanderungstendenzen aus unseren ländlichen Regionen halten ja in gewissen Regionen unvermindert an und stehen natürlich auch oft in Zusammenhang mit unzu­reichender sozialer Infrastruktur.

Ich möchte meinen Redebeitrag nutzen, um Sie heute auch aufzufordern, Frau Bun­desministerin, im Bereich des Programms für ländliche Entwicklung den Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung mehr Fördergelder zu widmen. Außerdem braucht es mehr Fördergelder für die Maßnahmen der sozialen Infrastruktur, wie vorher bereits erwähnt


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wurde, da bereits in der laufenden Programmperiode auf die nach wie vor starke Ab­wanderung vor allem junger Menschen aus dem ländlichen Raum reagiert wird. Ich hoffe, dass Sie diese Anregungen aufnehmen. – Wir werden diesen Bericht natürlich so wie immer zur Kenntnis nehmen. (Beifall bei der SPÖ.)

14.38


Präsident Ingo Appé: Zu Wort gemeldet ist Bundesrat Christoph Längle. Ich erteile es ihm.


14.38.35

Bundesrat Christoph Längle, BA (FPÖ, Vorarlberg): Herr Präsident! Geschätzte Da­men und Herren! Sehr geehrte Frau Ministerin! Ja, die Land- und Forstwirtschaft ist – vielleicht nach dem Jäger und Sammler – eines der ältesten Gewerbe, eine der ältes­ten Berufsgruppen überhaupt – also sehr, sehr alt –, und daher ist es auch sehr wich­tig, dass wir die Land- und Forstwirtschaft stützen und auch unterstützen.

Die Land- und Forstwirtschaft beansprucht auch besondere Erfordernisse. Man hat dort im schwierigen Gelände zu arbeiten – Stichwort alpines Gelände. In Österreich ha­ben wir ein sehr schönes, aber auch ein sehr umfangreiches alpines Gelände, auch viele Bergbauern, und daher ist es eben auch schwierig, dort Erträge zu erzielen. Man arbeitet in der Regel im Freien, man ist dem Wind und dem Wetter ausgesetzt, es gibt Stoßzeiten und Erntezeiten, und daher ist es eben besonders wichtig, dass wir auf die Land- und Forstwirtschaft schauen.

Diese Regierung von ÖVP und freiheitlicher Seite macht das und arbeitet da sehr, sehr gut, insbesondere auch auf europäischer Ebene. Das ist nämlich auch besonders wich­tig. Zu nennen sind da zum Beispiel auch die Flüsse, die an einer Staatsgrenze keinen Halt machen, sondern eben von Staat zu Staat fließen. Die Donau kennt jeder – Bri­gach und Breg bringen die Donau zuweg! – und sie fließt durch halb Europa.

Daher ist es wichtig, dass wir auch insbesondere auf unser Wasser schauen. Zu nen­nen ist in diesem Zusammenhang die Wasserrahmenrichtline der EU, da wird vieles gemacht. Es gibt immer wieder Untersuchungen der Wasserqualität, um eben zu schau­en, ob diese passt, und sollte da etwas verunreinigt sein, dann kann man aufgrund der ständigen Kontrollen tätig werden und sofort Gegenmaßnahmen einleiten. Es gibt aber auch noch andere Maßnahmen, zum Beispiel die Errichtung von Uferrandstreifen, aber auch Filteranlagen. Generell ist darauf zu achten, dass nur geklärte Wässer verwendet werden, damit die Qualität unserer Flüsse und Gewässer allgemein passt.

Andere Maßnahmen, die diese Bundesregierung neben der sehr guten Zusammenar­beit auf europäischer Ebene setzt, sind auch, dass wir klare Regeln bezüglich der Basisprämie geschaffen haben. Pro Hektar werden da rund 291 Euro bezahlt. Es ist aber auch von unserer Seite sehr, sehr wichtig, dass auch die Junglandwirte gefördert werden. Da gibt es auch besondere Maßnahmen. Und im Bereich des Umweltschutzes gibt es das sogenannte Greening, da geht es um die Anbaudiversität und auch um die Schaffung von Dauergrünflächen.

Es gibt aber auch noch andere Maßnahmen, nämlich die nationalstaatlichen Förde­rungen und auch noch Möglichkeiten, die unterschiedlichen Bereiche der Land- und Forstwirtschaft gezielt zu unterstützen. Als Beispiel möchte ich die Netzwerkstelle Bie­ne Österreich nennen. Dort wird auch versucht, das Bienensterben hintanzuhalten, ins­besondere werden dort auch Schritte gesetzt, um die Bienenvölker zu schützen.

Vor wenigen Monaten haben wir hier im Parlament auch andere wichtige Gesetze verhandelt und beschlossen, und zwar die arbeitsrechtlichen Bedingungen im Bereich der Land- und Forstwirtschaft. Dort haben wir umfangreiche Verbesserungen herbeige­führt. Zu nennen sind in diesem Bereich die Durchrechnungszeiten bei der wöchentli-


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chen Ruhezeit, Neuerungen beim Kündigungs- und Entlassungsschutz, aber betref­fend Jugendliche auch die Übernahme der Internatskosten.

Es hat aber auch noch andere Neuerungen gegeben: den Anspruch auf eine Lohnab­rechnung, damit man am Ende des Monats auch weiß, wie das genau ausgeschaut hat, oder zum Beispiel Verbesserungen im Bereich des Mutterschutz- und Karenzge­setzes.

Was mir persönlich sehr wichtig ist, das ist der Tierschutz. Ich halte hier ganz klar fest, dass Tiere Lebewesen sind, das ist keine Handelsware, das sind Lebewesen, und das bedeutet auch, dass man mit Tieren besonders umzugehen hat. Die Notwendigkeit einer artgerechten Haltung ist zu unterstreichen. Es ist auch darauf zu achten, dass die Gesetze auf Punkt und Beistrich eingehalten werden, um eben das Tierleid möglichst hintanzuhalten – Tiertransporte und dergleichen. Wir von den Regierungsfraktionen ha­ben erst vor Kurzem auch in diesem Bereich ein neues Gesetz beschlossen, und zwar ein Verkaufsverbot für Hunde und Katzen in Tierhandlungen. Das kennt eigentlich jeder von uns, dort sind die Tiere doch auf unzumutbare Art und Weise gehalten und eigentlich als Ware genutzt worden. Das kann es nicht sein, denn Tiere sind eben auch Lebewesen.

Dazu haben wir auch im vergangenen Herbst eine Aktion für die Weihnachtszeit ge­startet, dass man darauf achten soll, nicht unbedingt eine kleine Katze oder einen jun­gen Hund unter den Weihnachtsbaum zu legen, nur um dann vielleicht über die Weih­nachtsfeiertage eine Freude zu haben, denn damit ist es nämlich nicht abgeschlossen, es geht dann weiter. Ein Tier bedeutet auch Verantwortung, und das muss auch jedem bewusst sein, wenn er ein Haustier hat: dass damit eben ordentlich umgegangen wird, so, wie es gehört. Ich darf hier noch einmal betonen, dass Tiere generell Lebewesen sind, und darauf ist besonders zu achten. (Beifall bei der FPÖ und bei BundesrätInnen der ÖVP.)

Nun noch ein paar Zahlen, Daten und Fakten: Wir haben in diesem Bereich Steige­rungen von rund 14 Prozent erlebt, das ist erfreulich. Die Einkommen konnten auf rund 31 133 Euro pro Betrieb gesteigert werden. Generell ist festzuhalten, dass in den letz­ten Jahren im Bereich der Land- und Forstwirtschaft die Erträge um rund 5,8 Prozent gestiegen sind. Wir haben mittlerweile ein Volumen von 9 Milliarden Euro. Das schlüs­selt sich in 7,3 Milliarden Euro für die Landwirtschaft und 1,6 Milliarden Euro für die Forstwirtschaft auf.

Es ist auch sehr wichtig, dass wir unser Produktionsvolumen hoch halten, denn wir sind alle von diesen Erträgen abhängig. Daher ist es auch wichtig, dass wir diesen Fein­kostladen Österreich in Europa erhalten und dafür Sorge tragen, dass unsere Land­wirte gestützt werden.

Bezüglich Umweltschutz habe ich schon einiges gesagt. Ergänzend möchte ich noch anmerken, es ist auch wichtig, dass wir darauf achten, dass wir auch die nötigen Bö­den zur Verfügung haben. Dazu ist zu erwähnen, dass hier eine Mulch- und Direktsaat anzustreben ist und unsere Böden selbstverständlich auch vor Erosion geschützt wer­den müssen.

Ja, summa summarum: Wir Freiheitliche werden diesem Bericht sehr, sehr gerne zu­stimmen. Wir sagen Danke an alle Landwirtinnen und Landwirte. Für uns sind beson­ders der Umweltschutz und auch der Tierschutz sehr wichtig. – Danke. (Beifall bei FPÖ und ÖVP sowie des Bundesrates Koller.)

14.45


Präsident Ingo Appé: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat David Stög­müller. Ich erteile es ihm.



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14.46.15

Bundesrat David Stögmüller (Grüne, Oberösterreich): Werter Herr Präsident! Frau Ministerin, mehr oder weniger! Sehr geehrte Damen und Herren! Mir ist es schon ein Anliegen, nachdem ich ja von der Regierung so gelobt worden bin, trotzdem noch eini­ges zum Landwirtschaftsbericht zu sagen und die Bioselbstpropaganda der Bundes­regierung etwas aufzudecken. Darauf muss man schon auch ein bisschen kritisch schauen.

Ja, wir von der grünen Seite finden es gut, dass in Österreich die Biolandwirtschaft wächst, das ist großartig. Die Flächen und die Zahl der Betriebe sind gestiegen, das ist auch positiv, das merken wir auch an. Und jetzt kommen wir zum großen Aber bei diesem Biobericht: Das wissen auch Sie, die Frau Ministerin weiß das, dass sich der Absatz der österreichischen Bioprodukte nicht erhöht hat. Nach wie vor liegt der Anteil der Bioprodukte im Lebensmittelhandel bei nicht einmal 10 Prozent, bei Fleisch – und das essen und produzieren wir Österreicherinnen und Österreicher ja liebend gerne – nicht einmal 3 Prozent. (Bundesrat Pisec: Da geht es um Bioläden!) – Da geht es nicht nur um Bioläden, da geht es um viel mehr, da könnte auch im ganz normalen – ich will jetzt keine Marken nennen – Lebensmittelhandel der Bioanteil viel höher sein. Da ist definitiv noch Luft nach oben.

Vor allem hochwertige Bioprodukte müssen oft exportiert werden – das muss man sich auch vorstellen –, da zu wenige davon in Österreich überhaupt verkauft werden kön­nen. Da könnten Sie als Ministerin – wenn sie jetzt da wäre – sofort einen positiven Bei­trag leisten, Sie könnten den Absatz automatisch in die Höhe kurbeln, wenn es endlich eine Biooffensive für die öffentlichen Küchen geben würde. Kindergärten, Schulen, För­derungen von Mensen in den Unis und in den Betrieben, in Kasernen, alles Mögliche, was in den Möglichkeiten der Bundesregierung ist, wo Küchen sind: Sie hätten es als Bundesregierung in der Hand, dort den Bioanteil nach oben zu schrauben.

Das Burgenland zum Beispiel hat sich auf Initiative der Grünen hin bereits dazu ver­pflichtet, den Bioanteil in öffentlichen Kantinen auf 50 Prozent zu erhöhen, und das schon bis 2020. Das ist großartig und daher auch ein Danke ans Burgenland, dass es diesen mutigen Schritt nach vorne geht. Auch in Wien gibt es einen hohen Anteil an Biolebensmitteln in den öffentlichen Küchen. Das ist unglaublich wichtig und auch su­per als Vorbildwirkung.

Es geht, Frau Ministerin – oder wer auch immer da ist –, setzen Sie Akzente, setzen Sie durch, dass auch alle Kantinen, die im Einflussbereich der österreichischen Bun­desregierung sind, verpflichtet werden, mindestens 50 Prozent an Biolebensmitteln zu verkochen! Das ist wichtig. Sie würden damit wirklich etwas Gutes für die Bioland­wirtschaft tun, und Sie würden etwas Gutes für die Menschen tun, die jeden Tag in diesen öffentlichen Einrichtungen mit vollwertigen, tollen Lebensmitteln versorgt wer­den würden. Und die Betriebsküchen hätten auch eine Vorbildwirkung, nämlich für den privaten Bereich.

Setzen Sie sich auch endlich dafür ein – das ist mir auch persönlich ein ganz großes und wichtiges Anliegen –, dass wir in den Wirtshäusern und Hotels erfahren, woher un­ser Fleisch kommt! Eier und Milchprodukte: Wo kommen sie her und wie werden sie produziert? Ich finde das ganz, ganz wichtig. Das geht nicht auf irgendeiner freiwilligen Basis, das funktioniert nicht – wie Sie uns auch ständig immer wieder weismachen wol­len.

Wenn man es logisch durchgeht: Glauben Sie wirklich, Frau Ministerin, das Billigschnit­zelhaus um die Ecke – wie immer es auch heißt – wird auf seine Speisekarte drauf­schreiben, Hühnerschnitzel aus Ungarn, aus Massentierhaltung, mit Antibiotika und Hormonen produziert? – Sicher nicht, ganz sicher nicht. Ich glaube, der Konsument


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würde da umdenken, wenn das oben steht, und sehr gut überlegen, ob er da noch ein­mal hingeht, wenn da auf einmal Fleisch aus Ungarn draufsteht.

Ich wiederhole (in Richtung der den Sitzungssaal betretenden Bundesministerin Köstin­ger) es gerne noch einmal: Eine wichtige Forderung von mir ist, dass es endlich mehr Bioprodukte in den öffentlichen Kantinen gibt, wo Sie es in der Hand haben – ich fasse es nur kurz zusammen –, nämlich endlich einen Anteil über 50 Prozent. Sie haben es in den Kasernen, in den öffentlichen Einrichtungen in der Hand. Das Burgenland macht es vor, Wien ist gut dabei. Schauen Sie, dass Sie das auch in öffentlichen Einrichtun­gen einführen, wo es der Bund in der Hand hat!

Wichtig ist uns auch von der grünen Seite, dass in den Wirtshäusern und Hotels end­lich die Kundinnen und Kunden erfahren, wo ihr Fleisch herkommt, wie das produziert wird. Ich habe als Beispiel jetzt das Schnitzelhaus um die Ecke genannt, wo beim Fleisch dann stehen würde: Hühnerschnitzel aus Ungarn, aus Massentierhaltung mit Antibiotika und Hormonen, um 5,99 Euro. Das wird sich nicht anders ausgehen. Das geht sich nicht aus und das wird sich der Kunde auch überlegen und doch lieber am Sonntag in ein gescheites Wirtshaus gehen, wo das Fleisch aus der Nähe kommt. Das sind unsere Wirthäuser, die das Fleisch um die Ecke beim Bauern kaufen, die wirklich einen fairen Preis zahlen, und da kostet das Schnitzel halt keine 6 Euro mehr. Da ist es halt teurer, aber die Qualität zahlt sich aus.

Sie als Tourismusministerin, die für qualitativ hochwertige Angebote eintreten sollte, und als Landwirtschaftsministerin sollten schleunigst dafür sorgen, dass die Österrei­cherinnen und Österreicher und auch unsere Gäste wissen, was auf ihren Tellern lan­det. Ich glaube, das sind wir allen TouristInnen und auch den Österreicherinnen und Ös­terreichern wirklich schuldig.

Wir Grüne werden uns auf jeden Fall weiterhin dafür einsetzen, dass die Menschen er­fahren, woher ihr Fleisch kommt, dass ein erhöhter Bioanteil in den öffentlichen Kü­chen erreicht wird und auch immer mehr in den Privatbereich kommt, denn Bio ist die Zukunft. Und wir werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, auch für die engagierten Bäuerinnen und Bauern und für die Gastronomen da draußen, die wirklich versuchen, einen fairen Preis zu erzielen. – Danke. (Beifall der BundesrätInnen Dziedzic und Kol­ler sowie bei BundesrätInnen der FPÖ.)

14.52


Präsident Ingo Appé: Zu Wort gemeldet hat sich die Frau Bundesministerin. Ich er­teile es ihr.


14.52.31

Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Elisabeth Köstinger: Ge­schätzter Herr Präsident! Eingangs hat der Fraktionsführer Martin Preineder ja auch angesprochen, dass leider kein Mitarbeiter meines Hauses dem letzten Agraraus­schuss beigewohnt hat. Dafür darf ich mich sehr herzlich entschuldigen, es hat einen internen Kommunikationsfehler gegeben, aber es wurden ja bereits alle Fragen wirklich sehr schnell schriftlich beantwortet. Das wird so, in dieser Art und Weise nicht mehr vorkommen, ist einem internen Fehler geschuldet gewesen und ich bitte noch einmal um Entschuldigung.

Geschätzte Damen und Herren Bundesräte, die Maßnahmen für die Land- und Forst­wirtschaft 2019 – sinngemäß § 9 Abs. 2 des Landwirtschaftsgesetzes – sind dem Na­tionalrat und somit natürlich auch in weiterer Folge dem Bundesrat vorzulegen. Da es sich bei der Gemeinsamen Agrarpolitik um einen gemeinsamen Politikbereich der Eu­ropäischen Union handelt, sind die Rahmenbedingungen beider Säulen auch auf meh­rere Jahre ausgelegt. Dementsprechend handelt es sich bei der nationalen Umsetzung und auch der Ausgestaltung um mehrjährige und eben auch von der EU zu geneh-


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migende Maßnahmen, die nur in einem sehr geringen Umfang während der laufenden Periode geändert beziehungsweise auch angepasst werden.

Für die erste Säule darf ich berichten, dass die bereits im Jahr 2015 begonnene, schrittweise Umstellung auf das sogenannte Regionalmodell Ende dieses Jahres er­folgreich abgeschlossen wird. Damit wird die Basisprämie österreichweit vereinheitlicht und auch sonstige Flächen wie Obstanlagen und Weingärten sind hiermit jetzt aufge­nommen. Die erste Säule der GAP setzt sich vor allem aus den Direktzahlungen zu­sammen; daneben gibt es noch Beihilfen für den Weinbau und die Unterstützung für Erzeugerorganisationen im Obst- und auch im Gemüsesektor. Weiters werden auch Absatzfördermaßnahmen, Beihilfen für Verarbeitung und Vermarktung sowie die För­derung der Imkerei im Rahmen der ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik abge­wickelt.

Die zweite Säule ist vor allem das Programm der ländlichen Entwicklung, das noch bis 2020 läuft. Im Programm der ländlichen Entwicklung wurden im Zuge der dritten Pro­grammänderung, die am 21. Juni 2018 vonseiten der Europäischen Kommission be­schlossen und genehmigt wurde, auch wesentliche Umschichtungen vorgenommen. Diese waren aufgrund leicht geänderter Rahmenbedingungen zur optimalen Zielerrei­chung auch erforderlich.

Darüber hinaus werden 2019 auch national finanzierte Unterstützungsmaßnahmen an­geboten. Hier möchte ich insbesondere die Ernte- und Risikoversicherung sowie auch die Mittel für Beratung und Berufsbildung anführen. Sie wissen ja, wir haben auch heute viel über das ganze Thema Klimawandel, Klimaschutz diskutiert, es wird mit Si­cherheit auch in der Zukunft ein großer Schwerpunkt sein, dass wir da Absicherungen und Vorbereitungen treffen.

Die Bereitstellung der notwendigen Mittel für die Land- und Forstwirtschaft ist eine sehr wichtige Voraussetzung, damit die österreichischen Bäuerinnen und Bauern ihre für die Gesellschaft und vor allem auch für die gesamte Volkswirtschaft wichtigen Aufgaben erfüllen können und wir auch den in der Landwirtschaft tätigen Personen eine Absiche­rung ermöglichen.

Zudem haben wir auch einiges geplant, was den gesamten Bereich der Lebensmittel­sicherheit betrifft, auch der Qualitätssicherung. Wir wollen eine Herkunftskennzeich­nung vor allem für verarbeitete Produkte ausarbeiten. Wir wollen eine Herkunftskenn­zeichnung für Lebensmittel in der Gemeinschaftsverpflegung erarbeiten und wir wollen eine klarere Kennzeichnung für vegetarische und vegane Speisen erreichen. Wir sind gerade dabei, den Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Beschaffung zu überarbei­ten.

Der Bund, die öffentliche Hand, von der Gemeinde bis zur nationalen Ebene, sind ja ei­gentlich auch einer der ganz großen Investoren in diesem Land. Insgesamt werden in der Beschaffung jedes Jahr 45 Milliarden Euro ausgegeben. Wenn man hier nachhalti­ge Kriterien wie beispielsweise Regionalität einführt, dann hat man da natürlich auch einen wirklich sehr großen Effekt erzielt. Ich bin generell der Meinung, wenn man von den Bürgerinnen und Bürgern einfordert, dass sie mehr für Klimaschutz tun, dann muss vor allem auch die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen. – Vielen Dank. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

14.57


Präsident Ingo Appé: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Eduard Köck. Ich erteile es ihm.


14.57.22

Bundesrat Ing. Eduard Köck (ÖVP, Niederösterreich): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Minister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zu-


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seher! Ich möchte mich in meinem Redebeitrag dem Bereich Forst widmen, auch im Schatten dessen, was hier heute beschlossen wird.

Kollege Schabhüttl hat gemeint, die Luft wäre draußen, das sehe ich als jemand aus einer betroffenen Region überhaupt nicht so. Morgen wird es den Unmut der Kraft­werksbetreiber geben, den Unmut derer, die keinen Atomstrom wollen und Ökoenergie wollen, und den Unmut der Forstwirte, die nicht wissen, was sie mit der Biomasse ma­chen sollen. Wir sitzen in unserer Region auf Bergen von Hackschnitzeln, die wir mög­licherweise jetzt einackern müssen.

Der Wald ist in Österreich ein großes Potenzial, wir haben sehr große Flächen. Er hält unser Klima in Ordnung, er ist ein CO2-Speicher, er ist für die Erholung sehr gut und ein großer Wirtschaftsfaktor. Unsere Forstwirte schlagen 11 Millionen Festmeter im Jahr ein, 5 Millionen Festmeter werden importiert. Das alles wird von einer der leis­tungsstärksten Sägeindustrien der Welt verarbeitet und zu 60 Prozent exportiert. Un­sere Sägeindustrie ist einer der größten Devisenbringer Österreichs.

Das alles sind sehr positive Dinge, aber die Forstwirte in unserer Region sehen den Wald nicht mehr so positiv. Wir sind von der Borkenkäferkatastrophe betroffen. Es ist durch die Medien gegangen: Im vergangenen Jahr sind in einigen Bezirken 2,5 Millio­nen Festmeter angefallen, in vielleicht sechs, sieben Bezirken in Österreich. Wir haben einen Preisverlust von 50 Euro pro Festmeter, das sind mehr als 100 Millionen Euro, die den Forstwirten in diesen Bezirken abgehen.

Es gibt Bauern bei uns, die haben sechs, acht oder zehn Hektar Wald, die werden in einigen Jahren keine Bäume mehr haben, um sich Brennholz zu machen, weil sie im letzten halben Jahr alles umschneiden mussten. Mir ging es zum Teil auch so. Wir ha­ben aber bei diesem Umschneiden leider keinen Gewinn gemacht. Wir waren in den letzten zwei Jahren dadurch weit weg von einer 40-Stunden-Arbeitswoche, es wurde auch Samstag und Sonntag geschnitten, sonst wäre die Katastrophe noch größer ge­worden.

Es gab im vorigen Jahr ein Programm zur Schnellhilfe, das sehr gut und sehr löblich war. Zu diesem Zeitpunkt war diese Katastrophe noch nicht so groß und geholfen wur­de vor allem in Richtung Aufforstung. Aber ich muss ehrlich sagen, ich forste nicht mehr auf. Ich habe vor zwei Jahren 2 000 Bäume gesetzt, davon sind 1 500 einge­gangen, dann habe ich voriges Jahr 1 500 nachgesetzt und jetzt sind wieder mehr als 600, 700 eingegangen. Ich werde in den nächsten Jahren nicht mehr aufforsten. Wir warten, was das Klima mit uns vorhat, und werden dann entscheiden, wie wir weiter­tun. (Vizepräsident Brunner übernimmt den Vorsitz.)

Wir brauchen aber Perspektiven und deshalb hoffe ich, dass es bei den Maßnahmen für die Land- und Forstwirtschaft vielleicht noch zusätzliche Maßnahmen gibt. Das ist auch die Hoffnung vieler in unserer Region. Da gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, beim Einheitswert rascher einzugreifen. Dieser wurde pauschal vor zwei, drei Jahren in die Höhe gesetzt, die Flächen sind jetzt kahl und es wird in den nächsten Jahrzehnten keine Gewinne mehr geben. Jeder Forstwirt könnte einen Antrag auf Wertfortschrei­bung und Herabsetzung des Einheitswertes stellen, wir wissen aber, dass die Beamten in den Finanzämtern schon mit der letzten Aufwertung der Einheitswerte heillos über­fordert sind und der erste neue Antrag würde wahrscheinlich erst in drei oder vier Jah­ren bearbeitet werden. Ich meine, es müsste auch pauschal gehen, die Bezirksforst­inspektionen wissen, welche Gemeinden von der Borkenkäferkalamität betroffen wa­ren, es müsste hier auch mit der pauschalen Herabsetzung gehen.

Oder zum Beispiel bei der Gewinnermittlung: Da gibt es die Ausgabensätze, die man ansetzen kann, und wenn man eine Borkenkäfer- oder Windwurfkalamität hat, kann man beantragen, dass diese Ausgabensätze auf 70 Prozent erhöht werden. Ich meine,


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da müsste es einen Satz mit 100 Prozent geben, denn wir machen keine Gewinne, wir machen die Verluste für eine ganze Generation.

Vielleicht kann man mit dem Katastrophenfonds auch etwas ändern, was aber leider heute nicht möglich ist. Vielleicht sollten wir den Katastrophenfonds aufmachen, um in den nächsten drei Jahren die Biomasseheizkraftwerke in den Regionen der Borken­käfer- und Windwurfkalamitäten zu finanzieren. Dazu brauchen wir nämlich nicht die Kollegen vom linken Rand, die für Atomkraft sind. Das haben wir heute gesehen, mit euch ist kein Staat zu machen. (Bundesrätin Hahn: Das habe ich doch nicht nötig!) Hier könnten wir die Finanzierung selbst in die Hand nehmen, um diese wichtige Sache für alle, die in diesen Regionen geschädigt wurden, weiterzuführen. Wir hoffen auch darauf, dass der Katastrophenfonds für die Schäden durch den Borkenkäfer an den Bäumen aufgemacht wird. Das geht momentan nicht, das geht bei Windwurf.

Ich war vor drei Jahren auch von einem Windwurf betroffen, das war auch ein großer Schaden von 2 Hektar. Da hat man einen Anteil an Bruchholz, aber das andere wird normal abgerechnet und man bekommt hier Unterstützung vom Katastrophenfonds. Aber ich muss ehrlich sagen, heute bin ich froh, dass damals der Wind 2 Hektar gewor­fen hat, denn diese wären jetzt auch vom Borkenkäfer betroffen und der Schaden wäre beträchtlich höher gewesen.

Wie gesagt, wir sind in einer schwierigen Situation. Wir können uns gegen diese Schä­den leider nicht versichern. Es gibt in sehr vielen Bereichen Versicherungen und die werden von den Landwirten auch angenommen, in diesen Bereichen gibt es keine Ver­sicherungen. Wir müssen vielleicht auch in diese Richtung arbeiten, Versicherungen oder Fonds aufzubauen, vielleicht auch auf europäischer Ebene. Ich habe das auch schon mit Kommissar Oettinger und Georg Häusler aus der Generaldirektion Land­wirtschaft besprochen. Natürlich wäre das ein neuer Ansatz und es ist immer schwie­rig, neue Ansätze in der EU durchzubringen, aber es werden gerade neue Fonds für Außengrenzschutz und Migration aufgestellt oder höher ausgestattet und ich meine, man müsste auch etwas für jene tun, die von der Klimaveränderung betroffen und ge­schädigt sind.

Für viele Betriebe in unserer Region sind die Einnahmen aus dem Wald ein Teil des Einkommens. Dies wird in den nächsten 50 Jahren fehlen, jetzt konnte durch die ver­frühte Nutzung leider kein Gewinn gemacht werden. Diese Betriebe brauchen Perspek­tiven, ich hoffe hier auf Unterstützung, und ich hoffe auch auf Unterstützung der SPÖ, dass wir in Zukunft Gesetze schaffen, die Hilfe bieten. – Danke. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

15.05

15.05.28


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Weitere Wortmeldungen liegen dazu nicht vor.

Wünscht noch jemand das Wort? – Das ist nicht der Fall. Die Debatte ist geschlossen.

Wir gelangen zur Abstimmung.

Ich ersuche jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die dem Antrag zustimmen, den ge­genständlichen Bericht zur Kenntnis zu nehmen, um ein Handzeichen. – Das ist die Einstimmigkeit. Der Antrag ist somit angenommen.

15.05.513. Punkt

Beschluss des Nationalrates vom 30. Jänner 2019 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem die Straßenverkehrsordnung 1960 geändert wird (30. StVO-Novelle) (449 d.B. und 479 d.B. sowie 10120/BR d.B.)



BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 118

Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Wir gelangen nun zum 3. Punkt der Ta­gesordnung.

Berichterstatter ist Herr Bundesrat Christoph Steiner. – Ich bitte um den Bericht.


15.06.07

Berichterstatter Christoph Steiner: Herr Vizepräsident! Frau Minister! Ich bringe den Bericht des Ausschusses für Verkehr über den Beschluss des Nationalrates vom 30. Jän­ner 2019 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem die Straßenverkehrsordnung 1960 ge­ändert wird.

Der Bericht liegt Ihnen in schriftlicher Form vor, ich komme daher gleich zur Antrag­stellung.

Der Ausschuss für Verkehr stellt nach Beratung der Vorlage am 12. Februar 2019 mit Stimmenmehrheit den Antrag, gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben.


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke für den Bericht.

Wir gehen in die Debatte ein.

Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Dominik Reisinger. Ich erteile es ihm.


15.06.50

Bundesrat Dominik Reisinger (SPÖ, Oberösterreich): Geschätzter Herr Präsident! Ge­schätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe ZuseherInnen und ZuhörerInnen hier auf der Galerie und zu Hause vor dem Fernseher! Bei der gegenständlichen Gesetzesnovelle der Straßenverkehrsordnung geht es um unterschiedliche Themenbereiche. In einigen Bereichen haben wir sicherlich Handlungsbedarf. Die Vorschläge des Unterausschus­ses Radverkehr des Verkehrssicherheitsbeirates sind in der vorliegenden Regierungs­vorlage aber nur mangelhaft, also zu wenig umgesetzt. Da spreche ich vor allem die Vorrangregeln für Radfahrer und auch die Markierung von Radfahrerüberfahrten an.

Genau anschauen muss man sich auch neue Phänomene in der Mobilität der Men­schen, ich denke dabei etwa an die rasant steigende Zahl von E-Scootern im städti­schen Bereich. Wie geht man damit in Zukunft um?

Kritisch muss auch die lange Übergangsfrist von fünf Jahren beurteilt werden, sie wird nämlich Rechtsunsicherheit erzeugen.

Es ist aber vor allem ein massiver Eingriff in Gewohnheitsrecht geplant, den wir nicht mittragen können, und zwar ganz einfach deshalb, weil dieser Eingriff unserer Meinung nach die Verkehrssicherheit nicht erhöhen, sondern eher gefährden wird. Ich spreche hier vom Rechtsabbiegen bei Rot an Kreuzungen. Das geltende Recht ist über viele Jahre, ja, Jahrzehnte, wenn man so will, in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn man da jetzt künstlich eingreift, wächst mit der Unsicherheit auch das Gefährdungspoten­zial. Das ist der eigentliche Knackpunkt, warum wir, warum die SPÖ hier nicht mitstim­men kann.

Gleich eines vorweg: Wenn Sie uns hier, geschätzte Kolleginnen und Kollegen von den Regierungsfraktionen, etwa auch Blockadepolitik oder parteipolitisches Stimmverhalten vorwerfen sollten, dann geht das ganz sicher ins Leere. Ich sage Ihnen auch gleich, warum: Wir sind nämlich mit unserer Haltung und unserer Meinung nicht allein, wir ha­ben da Verbündete. Hochrangige Vertreter der Automobilklubs, des ÖAMTC, des Ar­bö – es sind der Chefjurist und der Generalsekretär hier genannt –, sehen diese Ent­wicklung ebenfalls äußerst kritisch. Eine abweisende Stellungnahme gibt es darüber hi­naus noch von der Bundesarbeitskammer. Sie alle sind wie die SPÖ der Meinung, dass das Rechtsabbiegen bei Rot die Unfallgefahr ganz im Allgemeinen erhöhen wird, vor allem aber für bestimmte Verkehrsteilnehmer, nämlich Fußgänger und Radfahrer, und da insbesondere für seh- und hörbehinderte Verkehrsteilnehmer.


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 119

Rechtsabbiegen bei Rot ist also kein brauchbarer Beitrag, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, sondern doch eher ein populistischer Denkansatz, der die Menschen auf den Straßen verunsichern und im schlimmsten Fall auch gefährden wird. (Bundesrat Steiner: In Deutschland gibt es das!) Es ist auch keine geeignete Maßnahme, um die Flüssigkeit des Verkehrs spürbar zu steigern. Da gäbe es durchaus wichtigere und bessere Möglichkeiten wie etwa den unverzichtbaren schnelleren Ausbau des öffentli­chen Verkehrs (Bundesrat Steiner: Das ist Landeskompetenz!) oder andere Baustel­len, die bearbeitet werden müssten. Dabei denke ich in erster Linie an die Rettungs­gasse, die natürlich sinnvoll ist, aber noch nicht so funktioniert, wie man sich das wünscht. Ganz genau dort sind diese Lösungen zu suchen!

Die Verkehrsregeln nun an durch Lichtzeichen geregelten Kreuzungen zu ändern ist ei­ne äußerst sensible Materie, da sind Experimente absolut unangebracht. Über Jahr­zehnte gewachsene Klarheit und Vertrautheit gingen nämlich damit verloren, deshalb: Hände weg vom Rechtsabbiegen bei Rot! (Beifall bei der SPÖ.)

Die Verkehrsstatistik zeigt einen positiven Trend: 400 Verkehrstote im Jahr 2018, das ist der absolute Tiefststand im Zehnjahresvergleich – und trotzdem, Sie werden mir zu­stimmen, sind es 400 Tote zu viel. Tun wir also alles Notwendige, um diesen positiven Trend fortzusetzen!

Die Verkehrssicherheit ist oberstes Gebot, alle Rechtsnormen in Bezug auf den Stra­ßenverkehr haben sich diesem Prinzip unterzuordnen. Deshalb wird die SPÖ dieser Gesetzesänderung nicht zustimmen. (Beifall bei der SPÖ.)

15.11


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Als Nächster gelangt Herr Bundesrat Gerd Krusche zu Wort. Ich erteile es ihm.


15.12.05

Bundesrat Gerd Krusche (FPÖ, Steiermark): Hohes Präsidium! Sehr geehrte Frau Bundesminister! Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren Zuseher hier und zu Hause! Diese Novelle der Straßenverkehrsordnung beinhaltet ja mehrere ein­zelne Punkte, und ich habe mir eigentlich gedacht, als Zweitredner brauche ich das nicht mehr zu erklären, weil sich die Zuseher jetzt ohnehin schon auskennen, da das schon ausgeführt worden ist. Dem ist nicht so, deshalb ganz kurz dazu, worum es bei dieser Novelle eigentlich geht.

Es geht im Wesentlichen um das Reißverschlusssystem am Ende des Radfahrstrei­fens, bei dem der Radfahrer bisher Nachrang hatte und bei dem er sich in Zukunft im Reißverschlusssystem – so, wie wir es auch im Autoverkehr schon gewohnt sind – in den Fließverkehr einordnen soll.

Es geht um eine gemeinsame Überfahrt von Radfahrern und Fußgängern. Bisher war es ja so, dass diese nur getrennt und nebeneinander haben existieren dürfen – der klassische Zebrastreifen für die Fußgänger und die weißen Querstreifen für die Rad­fahrer. Das ist häufig auch aus Platzgründen problematisch, deshalb beschließt man jetzt eine sehr sinnvolle Regelung, indem rechts und links vom Zebrastreifen diese wei­ßen Querbalken als Bodenmarkierungen angebracht werden und die Nutzung für Fuß­gänger und Radfahrer dann klar ist.

Ein ganz wichtiger Punkt für unsere Kinder ist auch, dass man den Radfahrausweis, für den die Prüfung meistens im Klassenverband in der vierten Klasse Volksschule ge­macht wird, in der Vergangenheit erst mit zehn Jahren bekommen hat. Ein paar Kinder, die noch ein bisschen jünger waren, mussten dann bisher sozusagen mit langen Zäh­nen zuschauen, wenn die anderen den Ausweis bekommen haben und fahren durften, sie aber nicht, obwohl sie die Prüfung ebenfalls erfolgreich absolviert hatten. Das ge­hört auch der Vergangenheit an, sie werden ihn jetzt auch bekommen.


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 120

Eine weitere Änderung betrifft das Fahren mit Tretrollern und muskelbetriebenen Fahr­zeugen auf Gehwegen. Da wird das Alter für die Kinder von bisher zwölf beziehungs­weise zehn Jahren auf acht Jahre gesenkt und auch festgestellt, dass das Befahren von Gehwegen nur in Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist. – Das sind durchaus sinnvolle Dinge.

Jetzt kommen wir zum Knackpunkt, zum Abbiegen bei Rot: Ich bin eigentlich fast ver­sucht, nicht auf die Argumente der SPÖ einzugehen, da sie wie überall ein Haar in der Suppe sucht, und das wird sie offensichtlich nicht ändern, solange ihre beleidigte SPÖ-Parteivorsitzende im Bund nicht aus der Ecke der gekränkten Eitelkeit und des unbe­wältigten Machtverlustes herauskommt und von eurer Seite hier ja nicht Oppositions­politik, sondern Obstruktionspolitik betrieben wird (Beifall bei der FPÖ und bei Bundes­rätInnen der ÖVP), und zwar ohne Rücksicht auf Arbeitsplätze, auf sozial Schwache – eine Politik der verbrannten Erde. So schlimm ist es in diesem Fall nicht. (Bundesrätin Grimling: Was hat das mit dem Gesetz zu tun?) – Es geht nur um eure Argumenta­tion, die ihr herauszugraben versucht und die immer dermaßen schwach ist. Wir haben es heute schon einmal erlebt und hier sehen wir es auch wieder, das Hauptargument war: Das war schon immer so! Das sind wir gewohnt, wir sind noch nie bei Rot abgebo­gen, deshalb ist es sakrosankt! – Das ist ja wohl das schwächste Argument.

Es gibt ja auch eine technische Weiterentwicklung bei Autos, und wenn man hier als Gesetzgeber mit dem Argument: Das war immer schon so!, nicht reagieren würde, dann käme man wirklich nicht weiter. Diese Ängste sind ja wirklich unbegründet. Es wird ja so getan, als ob von heute auf morgen jeder bei allen Kreuzungen bei Rot nach rechts abbiegen kann. (Bundesrätin Grimling: Und eine Petition mit 33 000 Unter­schriften ist nicht Thema!) Darum geht es ja gar nicht. Es geht in dieser Gesetzesno­velle nur darum, überhaupt Versuche zuzulassen und das einmal versuchsweise an ei­nigen wenigen Kreuzungen zu probieren. Das wird wissenschaftlich begleitet, und erst dann, wenn diese Ergebnisse vorliegen, kann man sich überlegen, ob man das macht, aber auch nicht generell, sondern immer nur an ausgewählten Kreuzungen.

Hier ein Versuchs- und Denkverbot einzuführen halte ich für völlig unangebracht, und wenn es funktioniert, was es ja in anderen Ländern durchaus tut, dann ist es sicherlich auch ein weiterer – zwar kleiner, aber doch – Beitrag für die Umwelt, den Verkehr flüs­siger zu gestalten. Ich denke dabei gerade an oft sinnloses Stehen vor roten Ampeln in der Nacht, ohne dass es Verkehr gibt, ohne dass Fußgänger da sind. Wenn man dort ab und zu bei einigen ausgewählten Kreuzungen das Abbiegen erlaubt, so ist das auch für die Umwelt – weniger Wartezeiten, weniger Abgase, auch weniger Lärmbelastung – durchaus effizient; aber ihr findet ja überall ein Haar in der Suppe.

Wir werden diesem Vorschlag selbstverständlich unsere Zustimmung geben und finden hier einige sehr gute Verbesserungen, vor allem auch für Radfahrer und für Kinder, und schlussendlich die Ermöglichung eines Versuches, nicht mehr und nicht weniger. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

15.18


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke.

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich Frau Bundesministerin Elisabeth Köstinger. Ich erteile es ihr.


15.19.01

Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Elisabeth Köstinger: Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder des Bundesrates! Sie sehen schon, ich bin heute auch in Vertretung des Herrn Bundesministers Hofer, der leider verhindert ist, hier und darf zur vorliegenden Novelle festhalten, dass diese zeitgemäßen und vor allem auch notwendigen Adaptierungen im Radverkehrsbereich einen Umsetzungsbeitrag zum Masterplan Radfahren leisten.


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Folgende Punkte können hervorgehoben werden: Das ist zum einen die Änderung von Verhaltensregeln für Radfahrer sowie zum anderen die Schaffung eines neuen Modells für Radfahrerüberfahrten. Es betrifft die Einführung des Reißverschlusssystems beim Enden eines Radfahrstreifens sowie die Einführung des Schutzweges mit Radfahrer­überfahrt zur Erleichterung der Querung eines gemischten Geh- und Radweges.

Die Änderung der Modalitäten in Bezug auf den Radfahrausweis bedeutet, dass Kinder in der vierten Schulstufe bei erfolgreicher Radfahrprüfung den Radfahrausweis am Prü­fungstag auch als Neunjährige sofort bekommen und nicht bis zum zehnten Geburtstag warten müssen.

Ein weiterer Punkt ist die Anpassung der Radwegbenutzungspflicht für Transporträder: Das bedeutet, dass Fahrräder mit einem Radnabenabstand von mehr als 170 cm, wie Tandems und auch Transportfahrräder, aufgrund des Kurvenradius auf Radwegen und auch auf der Fahrbahn fahren können. Weiters werden die Benützungsregeln für Rad­wege für Fahrräder mit Anhängern und für mehrspurige Fahrräder vereinheitlicht und dem Fahrradmarkt angepasst.

Die Änderung der Benutzungsregeln von Kleinfahrzeugen und fahrzeugähnlichem Kin­derspielzeug bedeutet, dass Kinder damit – sofern mit Muskelkraft betrieben – bereits mit acht Jahren unbegleitet am Gehsteig fahren dürfen. Es bedeutet auch, dass mit dieser Änderung die verpflichtende Schrittgeschwindigkeit für Kleinfahrzeuge und Spielzeug auf Gehsteigen und Gehwegen normiert wird.

Weiters beinhaltet die Novelle die Schaffung der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Durchführung von Versuchen betreffend Rechtsabbiegen bei Rot. Bereits jetzt gibt es die Möglichkeit, bestimmte Verkehrsversuche durchzuführen, dafür ist eine eigens gesetzliche Verordnungsermächtigung erforderlich. Die Voraussetzungen werden ge­setzlich geregelt, die Kreuzungen sind durch Verordnung des Bundesministers zu be­stimmen. Zusätzlich wird ein Straßenverkehrszeichen geschaffen, das die Straßenver­kehrsteilnehmer an der jeweiligen Kreuzung über die Möglichkeit des Rechtsabbiegens bei Rot informiert. – Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

15.21


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke, Frau Bundesminister.

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Mag. Marlene Zeidler-Beck. Ich er­teile es ihr.


15.22.13

Bundesrätin Mag. Marlene Zeidler-Beck, MBA (ÖVP, Niederösterreich): Sehr geehr­ter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wenn ich Sie jetzt fragen würde, wer von Ihnen heu­te auf dem Weg hierher im Stau gestanden ist (Bundesrätin Grimling: Keine Minute!), dann würde ich vermutlich sehr schnell eine Mehrheit finden, vermutlich wäre es sogar sehr einfach, eine Zweidrittelmehrheit zu finden. Wenn Sie so wie ich aus dem urbanen Bereich kommen, aus einem Bezirk, in dem zwei der fünf am stärksten befahrenen Au­tobahnabschnitte Österreichs liegen, dann wissen Sie, dass das heute in der Früh kei­ne Ausnahme war und dass das einfach zur Realität und zum Alltag gehört – egal ob am Weg in die Arbeit, in die Schule oder zum Einkaufen.

Verkehr ist bei uns im Bezirk Mödling das Thema Nummer eins. Es ist das Thema, das die Menschen am stärksten bewegt und bei dem die Menschen am stärksten neue Konzepte von der Politik fordern. Deswegen bin ich sehr froh und dankbar für die Initia­tiven, die diese Bundesregierung im Bereich Mobilität setzt, sei es im Bereich alterna­tiver Mobilität, im öffentlichen Verkehr oder wenn es eben darum geht, den Straßenver­kehr ein Stück ökologischer, sicherer, zeitgemäßer und zukunftsorientierter zu machen. Und genau darum geht es heute.


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 122

Es geht um einen Impuls für das Radfahren. Wir haben es gehört – als Niederösterrei­cherin bin ich besonders stolz darauf, möchte ich sagen –: Heute wird hier das soge­nannte St.-Pöltner-Modell beschlossen. Wir ermöglichen ein Zusammenführen von Rad- und Gehwegen und machen damit ein platzsparendes, sicheres Überqueren der Straße für Radfahrer und Fußgänger möglich. Es ist ein Modell, das vom Land Nieder­österreich und der Stadt St. Pölten gemeinsam initiiert wurde und das seit Jahrzehnten in Niederösterreich – unfallfrei! – erprobt ist. Ich möchte festhalten, dass das ein echtes blau-gelbes Erfolgsmodell ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ, warum das unsicherer macht, können Sie vielleicht mit Ihrem eigenen Bürgermeister Stadler aus St. Pölten besprechen.

Wir beschließen mit der heutigen StVO-Novelle Änderungen beim Radfahrausweis. Ich glaube, es ist ein ganz wichtiges Zeichen, dass wir da wirklich bei den Jüngsten anset­zen. Der Fahrradführerschein ist seit Generationen ein großartiges Instrument, glaube ich, um Junge aufs Rad zu bringen. Ich finde es nur richtig und gut, dass die Kinder in der vierten Klasse Volksschule künftig nicht nur gemeinsam die Schularbeiten schrei­ben, dass sie nicht nur gemeinsam den Radfahrkurs absolvieren, sondern eben auch tatsächlich diese Prüfung absolvieren und vielleicht dann auch gemeinsam mit dem Rad in die Schule fahren können.

In dieser Novelle geht es auch um Rahmenbedingungen. Es geht um Rahmenbedin­gungen für erste Pilotversuche. In vielen Ländern ist das Rechtsabbiegen bei Rot ge­lebte Praxis – nicht nur in Übersee, nicht nur in den USA, in Kanada oder in Australien, sondern eben auch in unserem Nachbarland Deutschland. Ich glaube, dort gibt es sehr ähnliche Verkehrsbedingungen, eine ähnliche Bevölkerungsstruktur, und ich denke, es ist jedenfalls einen Versuch wert. Ich weiß schon: Wien ist anders, Österreich manch­mal auch – sich aber hier gegen einen Versuch, gegen ein geübtes Testen und Eva­luieren zu verschließen, das verstehe ich nicht.

Zusammengefasst möchte ich Folgendes sagen: In den letzten 30 Jahren hat sich der Verkehr in Österreich verdoppelt, und in den nächsten 30 Jahren wird sich die Welt so verändern, wie in den letzten 300 Jahren nicht – auch im Verkehrsbereich, Stichwörter: selbstfahrende Autos, neue Technologien, Digitalisierung.

Ich würde sagen: Behalten wir das im Kopf, wenn wir heute diese 30. Novelle der StVO beschließen, und arbeiten wir gemeinsam an einer zeitgemäßen, zukunftsorientierten, innovativen Verkehrsinfrastruktur und am Mobilitäts- und Transportsystem in Öster­reich! Sorgen wir gemeinsam dafür, dass Österreich in Bewegung bleibt! (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

15.26

15.26.20


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke.

Weitere Wortmeldungen liegen dazu nicht vor.

Wünscht noch jemand das Wort? – Das ist nicht der Fall. Die Debatte ist geschlossen.

Wir gelangen zur Abstimmung.

Ich ersuche jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die dem Antrag zustimmen, gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmenmehrheit. Der Antrag ist somit angenommen.

15.26.434. Punkt

Beschluss des Nationalrates vom 30. Jänner 2019 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Kraftfahrgesetz 1967 geändert wird (36. KFG-Novelle) (471 d.B. und 480 d.B. sowie 10121/BR d.B.)



BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 123

Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Wir gelangen nun zu Punkt 4 der Tages­ordnung.

Berichterstatter ist Herr Bundesrat Christoph Steiner. – Ich bitte um den Bericht.


15.26.58

Berichterstatter Christoph Steiner: Ich erstatte Bericht des Ausschusses für Verkehr über den Beschluss des Nationalrates vom 30. Jänner 2019 betreffend ein Bundesge­setz, mit dem das Kraftfahrgesetz 1967 geändert wird.

Der Bericht liegt Ihnen in schriftlicher Form vor. Ich komme daher zur Antragstellung.

Der Ausschuss für Verkehr stellt nach Beratung der Vorlage am 12. Februar 2019 mit Stimmenmehrheit den Antrag, gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben.


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke für den Bericht.

Wir gehen in die Debatte ein.

Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Dominik Reisinger. Ich erteile es ihm.


15.27.37

Bundesrat Dominik Reisinger (SPÖ, Oberösterreich): Herr Präsident! Werte Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörer! Bevor ich auf diese Thematik eingehe, noch eine kurze Replik auf den Redebeitrag des Kollegen Krusche. (Bundesrat Krusche: Ja, bitte!) Es ist ja schon fast imponierend, mit welcher Coolness hier unsere Argumente mit einem Wischer sozusagen vom Tisch gewischt werden. (Bundesrat Krusche: Na, weil ihr keine habt!) Mich würde nur interessieren, was Sie den Experten von ÖAMTC und Arbö sagen. Die Antwort auf diese Frage wäre interessant, darauf sind Sie leider nicht eingegangen. Es wäre wirklich interessant, das in einem Gespräch zu klären.

Nun aber zur Gesetzesänderung im Bereich des Kraftfahrgesetzes. Auch in dieser Re­gierungsvorlage – es ist kein Geheimnis – gibt es zwei problematische Regelungen, bei denen wir nicht mitgehen können. Deshalb werden wir diese Gesetzesänderung auch ablehnen.

Erster Punkt: die Begutachtungsplakettendatenbank, kurz – um es auch für den Kolle­gen plakativ zu machen –: die Pickerldatenbank. Damit wird es jeder interessierten Person gegen Entgelt ermöglicht, in Zukunft online über bestimmte Suchkriterien Ab­fragen zu tätigen. Diese Suchkriterien sind das Erstzulassungsdatum plus Kennzei­chen oder Fahrzeugidentifizierungsnummer. So wird ein Zugang zu Fahrzeugdaten ge­schaffen, die auch Rückschlüsse auf das Verhalten des Zulassungsbesitzers ermögli­chen.

Wir wissen, was im digitalen Zeitalter alles mit Daten angestellt wird beziehungsweise angestellt werden kann – nicht nur Positives, auch Negatives. Mit diesen Datenmengen könnte zum Beispiel gehandelt werden. Sie könnten auch von Versicherungsunterneh­men als Grundlage bei der Berechnung des individuellen Risikos herangezogen wer­den. Eine negative Folge daraus wäre zum Beispiel eine höhere Versicherungsprämie für denjenigen. (Bundesrat Samt: Das ist doch jetzt schon so, Herr Kollege!) Kurzum, die Datenweitergabe dient in keinster Weise der Verkehrssicherheit, sondern aus­schließlich geschäftlichen Interessen. Das wollen wir als SPÖ nicht, und wir treten des­halb auch gegen diese Möglichkeit des Datenhandels mit Kfz-Daten ein.

Das sehen nicht nur wir so, sondern auch die Arge Daten, die österreichische Gesell­schaft für Datenschutz, sieht diese Möglichkeit äußerst kritisch. Sie befürchtet sogar, dass durch diese Datenbankzugänge ein Aushöhlen der Datenschutz-Grundverord­nung ermöglicht wird. Diese Befürchtungen sind nicht unbegründet.


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 124

Die zweite kritische Beurteilung betrifft die Abschaffung der Möglichkeit zur Abhaltung von Fahrschulaußenkursen. Damit würde man wieder einmal den ländlichen Raum und die dort lebenden Menschen treffen. (Bundesrat Samt: Das Gegenteil ist der Fall! Hast nicht aufgepasst!) In den ländlichen Bezirken sind 20, 30, oft sogar 40 Kilometer zu ei­nem Fahrschulstandort keine Seltenheit. Also frage ich Sie, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen: Warum sollten wir für Fahrschüler künstliche Barrieren beim Fahrschul­zugang schaffen? Was im städtischen Bereich vielleicht kein Problem darstellt, kann in peripheren Gebieten aufgrund mangelnder öffentlicher Verkehrsangebote sehr wohl problematisch sein.

Wir in Oberösterreich wären von dieser Gesetzesänderung besonders negativ betrof­fen. Wir haben im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr viele Außenkurse, und dieses System funktioniert auch laut den Branchenvertretern sehr gut. Darüber hinaus konnten im Verkehrsausschuss die Fragen über die Folgen dieser Änderung nicht ge­klärt werden. Wie viele Fahrschulen sind davon betroffen? Wie viele Außenkurse gibt es, die es später dann nicht mehr geben würde? – Es gibt leider keine Folgenabschät­zung.

Im Nationalrat wurde ein entsprechender SPÖ-Abänderungsantrag zur Regierungsvor­lage eingebracht. Bei entsprechender Bewegung auf Regierungsseite wäre ein ge­meinsamer Weg durchaus möglich gewesen.

Unser Grundsatz lautet: nicht entweder – oder, sondern sowohl – als auch. Lassen wir beides zu: Kurse an den Fahrschulstandorten und, wo dies notwendig ist und unter be­stimmten Voraussetzungen natürlich, auch Außenkurse!

Aus den genannten Gründen wird die SPÖ dieser Gesetzesänderung nicht zustim­men. – Ich danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der SPÖ.)

15.32


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Peter Samt. Ich erteile es ihm.


15.32.40

Bundesrat Peter Samt (FPÖ, Steiermark): Herr Präsident! Frau Bundesminister! Ge­schätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Kollegen von der SPÖ, ihr macht es uns nicht leicht, aber ihr macht es euch selbst auch nicht viel besser. Das ist jetzt zwei Mal hintereinander passiert, vom Ökostromgesetz will ich gar nicht reden, denn das ist mei­ner Meinung nach sowieso eine desaströse Einstellung, die Sie da vertreten. Bleiben wir aber bei diesen letzten beiden Tagesordnungspunkten.

Sie zupfen zwei Ihnen unangenehme Dinge heraus und übersehen dabei, dass doch ein paar andere gute Punkte und Gesetzesänderungen in diesem Maßnahmenbündel enthalten sind, denen Sie halt jetzt auch nicht zustimmen können. Ich glaube aber schon, dass wir den Auftrag haben, zumindest den Zuhörern vor den Bildschirmen zu Hause und hier im Saal zu erklären, dass Sie sich dieses politische Bild, das Sie hier zeichnen, doch ein bisschen zu einfach machen; dies insbesondere vor dem Hinter­grund, dass Sie in den letzten Jahrzehnten beziehungsweise im letzten Jahrzehnt in der Regierung waren und viele Möglichkeiten gehabt hätten, Dinge zu ändern, die schon längst geändert gehört hätten. So aber – wie wir das heute schon mitbekommen haben – ist heute ein Tag, an dem Sie eigentlich mehr Interesse daran haben, destruk­tiv zu wirken, als tatsächlich an sinnvollen Gesetzesinitiativen mitzuarbeiten. Das kommt von einer Partei, die für unzählige Fehlentwicklungen in diesem Land verantwortlich ist. Aber ich sehe sehr deutlich, dass Sie von Ihrem Weg – unbeirrbar – einfach nicht mehr abweichen wollen.

Zu den Anpassungen, die hier stattfinden – und da geht es mir so ähnlich wie Kollegen Krusche –, muss man doch erklären, dass da ein paar klasse Geschichten dabei sind,


BundesratStenographisches Protokoll889. Sitzung, 889. Sitzung des Bundesrates am 14. Februar 2019 / Seite 125

über die man reden sollte. Da ist zum Beispiel die Gesetzesanpassung im Bereich der Verkehrskontrollplätze. Bisher haben das Verwiegen und das Vermessen von Lkws, sofern die Außenmaße nicht gepasst haben, nur im Stehen stattfinden können. Mittler­weile haben wir die entsprechenden Technologien, mit denen wir das im Durchfahrts­bereich machen können.

Es gibt schon Stationen, wo das geht, wo man Überschreitungen von Achslasten oder Abmessungen der Lkws sofort entsprechend feststellen kann. Ähnlich wie bei einer Geschwindigkeitsübertretung wird dann ein Foto gemacht, damit ist das Kennzeichen vorhanden und festgehalten.

Gehen wir nun gleich zu dem Punkt über, den Kollege Reisinger als einen der Hauptar­gumente genommen hat, um hier nicht mitzustimmen: die Datenbank und der Zugriff, der entsetzliche Zugriff nach der Pickerldatenbank, nach der §-57a-Datenbank. Da muss ich Sie jetzt gleich einmal korrigieren: Nehmen Sie bitte nicht die Versicherungen her, denn die korrespondieren ohne die Datenbank.

Wenn Sie eine Vollkaskoversicherung haben und Sie haben drei Schäden hintereinan­der und werden von der Versicherung gekündigt, greift keiner, das garantiere ich Ih­nen, auf die Pickerldatenbank zu, sondern da wissen die Versicherungen alle, dass man Ihnen einfach keine Vollkaskoversicherung mehr geben kann. Die reden miteinan­der, die sind verknüpft. Das Argument ist ein falsches. Sie kommen mit falschen Argu­menten, und das muss man wirklich aufzeigen. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Ihre genannten Experten vom Arbö und von den Kinderfreunden: Um Gottes willen! Wo diese Menschen stehen, das wissen wir ja, das sind mit hoher Masse SPÖ-Menschen (Zwischenrufe bei der SPÖ), und da kommen Sie und sagen, das sind Ihre Experten. Es gibt für jeden Bereich Experten (weitere Zwischenrufe bei der SPÖ) – ja, das tut weh, ich weiß –, es gibt für jeden Bereich Experten, die man immer aus dem Hut zie­hen kann, wenn es einem angenehm ist. Wenn ich von der ÖVP etwas brauche, neh­me ich den ÖAMTC, bei Ihnen nehme ich den Arbö und habe einen Experten. (Zwi­schenruf des Bundesrates Weber.) – Kollege Weber aus der Steiermark, ich glaube, du kannst Pause machen. Du hast heute schon genug Dinge hier gesagt, die derartig unglaublich sind, dass deine Beiträge wirklich entbehrlich sind. (Beifall bei der FPÖ.)

Schauen Sie, der Hintergrund zu diesem Datenzugriff ist, dass wir zum Teil ein krimi­nelles Problem haben. Es gibt leider Menschen, die Doppelbelehnungen machen, die hergehen, sich Typenscheine und Zulassungsscheine als Duplikat ausstellen lassen, damit zur Bank gehen und sagen, sie brauchen Geld. Es geht da um den kriminellen Bereich, und das ist durchaus ein Thema, das aufgreifenswert ist.

Zu dieser überbordenden Forderung nach Datenschutz: Es gibt übrigens einen Daten­schutzrat, der nichts daran gefunden hat – ein Experte, wahrscheinlich, keiner, der Ih­nen gefällt, der anscheinend der Regierung gepasst hat. Sie arbeiten hier mit falschen Argumenten, nur um eben dagegen zu sein. Ich verstehe das, wir waren auch lange in der Opposition, aber so (Ruf bei der SPÖ: Ach so ...! – weitere Zwischenrufe bei der SPÖ) haben wir uns nicht aufgeführt, das kann ich euch garantieren. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Der Fahrschulstandort – und das ist schon das nächste Thema –: Es gibt Nachweise, dass es vor allem im Raum Wien Außenkursbewilligungen gegeben hat, die einfach De-facto-Standorte, also mehr oder weniger nicht ganz dem Begriff des Gesetzgebers entsprechend, waren.

Das ist jetzt eine Verbesserung. Jetzt kann eine Fahrschule im Umkreis von 50 Kilome­tern im ländlichen Raum eine Dependance, eine zweite Fahrschule, einen Ableger, ge­setzlich gedeckt errichten. Das war bis jetzt nicht möglich. Was Sie da jetzt als Ver­schlechterung für den ländlichen Raum sehen, müssen Sie mir vielleicht draußen bei


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einem Bier erklären. Jetzt verstehe ich es noch nicht, aber es könnte ja sein, dass es noch wird. (Bundesrat Weber: Wir geben gerne Nachhilfe!)

Der nächste Punkt dieses Gesetzes, über den ihr als soziale Partei, die ihr zu sein vor­gebt, gar nicht gesprochen habt, ist die Möglichkeit für Hausärzte und vor allem für Frauenärzte, eine Blaulichtgenehmigung zu bekommen, und zwar relativ unproblema­tisch mit einem geringen Verwaltungsaufwand. Das gibt Sicherheit für Mutter und Kind, wenn es zu einem Notfall kommt, weil – und das sollten Sie eigentlich wissen – die Hausgeburten zunehmen. Insgesamt sind derzeit bereits 1,5 Prozent der Geburten Hausgeburten. Diese Zahlen sind im Steigen. (Heiterkeit und Zwischenrufe der Bun­desrätinnen Kahofer und Schumann.) – Ich weiß jetzt nicht, was lustig ist. Wenn Sie aber ein Problem bei einer Geburt haben und der Arzt, der Kinderarzt oder die Hebam­me können nicht rechtzeitig kommen, finde ich das nicht so klass. Dafür eine Blaulicht­genehmigung zu bekommen – die Sie ablehnen, wohlgemerkt, das soll man auch ein­mal erklären, Sie lehnen das ab –, ist eine natürliche Sache. Dem ist nur zuzustimmen und nichts anderes.

Kinder im Straßenverkehr, die Änderung der Kindersitzpflicht, ist ein weiteres Thema. Aus Erfahrung weiß man jetzt, dass man mit einer Körpergröße von 1,35 Meter in Wirk­lichkeit nicht mehr klass auf irgendeinem Kinderhilfssitz sitzt, sondern bereits angegur­tet fahren kann. Das war bis jetzt nicht möglich, jetzt ist es möglich. Das ist eine ganz, ganz wichtige Sache meiner Meinung nach – für Sie (in Richtung SPÖ) ja nicht.

Als letzten Punkt – und dann bin ich schon beim Schluss – spreche ich die nachträg­liche Deaktivierung und Manipulierung von Abgassystemen, Chiptuning, an. Es ist ein Thema, das für manche sicher nicht so klass ist, wenn sie ihr Auto jetzt nicht mehr auf­chippen können. Wir wissen aber, dass wir mit diesem Aufchippen auch die Emissions­werte des Fahrzeuges verändern, und dem wird in Zukunft ein Riegel vorgeschoben. Diese Gesetzesänderung ist im Sinne des Umweltschutzes und der Verringerung von Emissionen eine ganz wichtige. Das ist der Grund, warum wir vernunftbezogen diesem Gesetzentwurf zustimmen werden. Ich bedanke mich für diese Gesetzesänderung vor allem bei Bundesminister Norbert Hofer und auch bei Ihnen, Frau Bundesminister. Wir werden diesem Entwurf natürlich gerne zustimmen. – Danke schön. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

15.41


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Zu Wort gemeldet hat sich Frau Bundes­ministerin Elisabeth Köstinger. – Bitte, Frau Bundesministerin.


15.41.28

Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Elisabeth Köstinger: Ge­schätzter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Bundesräte! Wir diskutieren die Änderung der vorliegenden 36. KFG-Novelle, die vor allem zum Ziel hat, zeitgemä­ße und auch notwendige Adaptierungen des Kraftfahrgesetzes vorzunehmen. Schwer­punktmäßig können folgende Punkte herausgestrichen werden.

Das ist zum Ersten, dass in Zukunft bei Verkehrskontrollen die Verwiegung der Achs­lasten und des Gesamtgewichts von Fahrzeugen dynamisch erfolgen soll. Weiters wird nach dem Vorbild der StVO über die Verkehrsüberwachung mittels bildverarbeitender technischer Einrichtungen die Grundlage für eine automationsunterstützte Kontrolle der Einhaltung der Bestimmungen über die zulässigen Gesamtgewichte, Achslasten und Abmessungen der Fahrzeuge geschaffen.

Zum Zweiten häufen sich ja leider die Betrugsfälle durch Mehrfachbelehnungen von Fahrzeugen beziehungsweise unzulässige Veräußerungen. Daher soll vor der Ausstel­lung eines Duplikats eines Fahrzeuggenehmigungsdokuments beziehungsweise des Datenauszugs aus der Genehmigungsdatenbank zwingend eine Abfrage über eine da-


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für vorgesehene Datenbank durchgeführt werden. So kann zukünftig geklärt werden, ob die Originaldokumente allenfalls bei einer anderen Stelle hinterlegt sind.

Der dritte Punkt umfasst ein ganz spezielles Thema, das Umweltfragen beinhaltet. Fahrzeugänderungen, die eine Verschlechterung des Emissionsverhaltens des Fahr­zeugs zur Folge haben, werden ausdrücklich für unzulässig erklärt. Weiters soll auch das Inverkehrbringen oder die Bereitstellung auf dem Markt von Abschalteinrichtungen oder von Gegenständen zum Deaktivieren oder Manipulieren der emissionsmindern­den Einrichtungen für unzulässig erklärt werden. Manipulationen oder eben auch De­aktivierungen von Abgasnachbehandlungssystemen oder von Partikelfiltern werden da­durch verboten. Dieses Verbot soll auch das Anbieten oder Bewerben der Durchfüh­rung solcher Änderungen umfassen, ebenso wie das Anbieten oder Bewerben von nicht genehmigungsfähigem Chiptuning.

Zum vierten Punkt: Die bisherige Beschränkung auf nur eine Fahrschule pro Person wird aufgegeben. In Zukunft sind mehrere Fahrschulbewilligungen für eine Person mög­lich.

Der fünfte Punkt befasst sich vor allem mit dem Thema der Vereinfachungen. Zukünftig soll es beispielsweise möglich sein, der Blaulichtführung von Fahrzeugen der Berg-, Höhlen- und Wasserrettung Erleichterungen zukommen zu lassen. Bisher musste ja das Blaulicht im jeweiligen Land bewilligt werden.

Der sechste Punkt der Vereinfachung befasst sich mit dem Thema, wonach an Perso­nenkraftfahrzeugen, die sich im Besitz des Bundes, des Landes oder der Gemeinde­verbände befinden, dieses rot-weiß-rote Pickerl mit der Aufschrift „Dienstkraftwagen“ angebracht sein muss. Das wurde als nicht mehr zeitgemäß erachtet. Die Verpflichtung zum Anbringen des Aufklebers „Dienstkraftwagen“ soll in Zukunft gestrichen werden. – Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

15.44


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Mag. Doris Schulz. Ich erteile es ihr.


15.45.11

Bundesrätin Mag. Doris Schulz (ÖVP, Oberösterreich): Sehr geschätzter Herr Präsi­dent! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die 36. Novelle des Kraftfahrgesetzes 1967 ist sehr umfassend und beinhaltet zeitgemäße Anpassungen. Aus diesem Grund appellie­ren wir, dass Sie – vor allem von der SPÖ – zustimmen. Die Begutachtungsplaketten­datenbank oder Pickerldatenbank ist etwas, das das Leben eines jeden Gebrauchtwa­genfahrers zum Beispiel wesentlich erleichtert. Seit Studienzeiten bin ich immer mit gebrauchten Autos gefahren, und es war jedes Mal das große Rätsel, ob das, was da am Tacho steht, auch stimmt. Stimmt das, was hier im Fahrzeug an Fakten zu finden ist? Mit der Pickerldatenbank gestaltet es sich wesentlich einfacher.

Es gibt viele Themen in dieser Novelle, in denen es um den fahrbaren Untersatz, um Veränderungen an den Fahrzeugen geht – Herr Kollege Samt hat einiges schon sehr gut dargestellt und Frau Ministerin Köstinger hat auch darauf hingewiesen. Worauf ich mich aber heute besonders konzentrieren möchte, ist das Thema, bei dem es um Men­schenleben geht, zum Beispiel das Thema Blaulicht.

Genehmigung für Blaulicht im Einsatz hat es zum Beispiel bei Hausgeburten – auch das wurde heute schon erwähnt – nur für Hebammen gegeben. Hausgeburten werden mehr, und nun können auch Frauenärzte um das Blaulicht ansuchen. Dazu gehört, dass auch die Bergrettung, die Höhlenrettung und die Wasserrettung sofort mit Blau­licht erkennbar sind, wenn sie im Einsatz für Menschen sind.


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Die Kindersitzpflicht und vor allem die Kinderrückhaltesysteme, der Sicherheitsgurt ab einer Körpergröße von 135 Zentimetern: Das ist eine notwendige und wichtige Maß­nahme, die hier beschlossen wird, denn für unsere Kinder sollen diese Regeln gelten, die ihnen bestmöglichen Schutz und im Falle eines Unfalls auch die entsprechende Si­cherheit bieten sollen.

Ein Thema, das immer wieder in den Medien – vor allem in den sozialen Medien – ganz besonders stark zu spüren und zu sehen ist, ist die Behinderung von Einsatz­kräften, von Blaulichtorganisationen durch Menschen, die glauben, sie müssen selbst fotografieren, die neugierig sind, die sich hinstellen und schauen. Hier wird es im Un­fallsfalle entsprechende Maßregelungen für Menschen geben, die den Einsatz behin­dern, um selbst zu filmen und zu fotografieren, was in diesem Fall am wenigsten ge­braucht wird.

Diese 36. Novelle des Kraftfahrgesetzes 1967 schafft Transparenz, schützt die Konsu­menten und ermöglicht die Flexibilität in vielen Bereichen. Daher appelliere ich an die, die sich andere – ein paar wenige – Punkte herausgesucht haben, das Gesamtpaket zu sehen, das Paket, in dem es nicht nur um den fahrbaren Untersatz geht, sondern das vor allem auch dazu ausgestattet ist, Menschenleben zu retten und Menschen si­cher durch den Verkehr zu bringen. – Danke. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

15.48

15.48.51


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Weitere Wortmeldungen liegen dazu nicht vor.

Wünscht noch jemand das Wort? – Das ist nicht der Fall. Die Debatte ist geschlossen.

Wir gelangen zur Abstimmung.

Ich ersuche jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die dem Antrag zustimmen, gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmenmehrheit. Der Antrag ist somit angenommen.

15.49.035. Punkt

Beschluss des Nationalrates vom 30. Jänner 2019 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Kraftfahrliniengesetz geändert wird (448 d.B. und 482 d.B. sowie 10122/BR d.B.)


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Wir gelangen nun zu Punkt 5 der Tages­ordnung.

Berichterstatter ist Herr Bundesrat Christoph Steiner. – Ich bitte um den Bericht.


15.49.19

Berichterstatter Christoph Steiner: Ich erstatte Bericht des Ausschusses für Verkehr über den Beschluss des Nationalrates vom 30. Jänner 2019 betreffend ein Bundesge­setz, mit dem das Kraftfahrliniengesetz geändert wird.

Der Bericht liegt Ihnen in schriftlicher Form vor. Ich komme daher zur Antragstellung.

Der Ausschuss für Verkehr stellt nach Beratung der Vorlage am 12. Februar 2019 mit Stimmeneinhelligkeit den Antrag, gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalra­tes keinen Einspruch zu erheben.


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke für den Bericht.

Wir gehen in die Debatte ein.

Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Gerd Krusche. Ich erteile es ihm.



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15.49.51

Bundesrat Gerd Krusche (FPÖ, Steiermark): Sehr geehrtes Präsidium! Meine Damen und Herren! Dieses Gesetz ist ja nun wirklich nicht der große Knaller, das muss man zugeben. Es ist so wenig ein Knaller, dass nicht einmal die SPÖ ein Haar in der Suppe findet und dem zustimmen wird. Es wird die Bürger nicht sehr tangieren. Primär geht es um Verwaltungsvereinfachungen und Entbürokratisierung; dazu ist es ein sehr wich­tiger Beitrag.

Worum geht es? – In der Vergangenheit war es so, dass die Festlegung von Halte­stellen dem Landeshauptmann oblag. Dazu war jedes Mal eine mündliche Verhand­lung mit Lokalaugenschein durchzuführen. Das war also ein sehr aufwendiges und auch kostenintensives Verfahren. Es war auch vorgeschrieben, dass bei jedem Betrei­berwechsel, wenn also ein anderer Verkehrsunternehmer eine Linie übernimmt, das ganze Haltestellenverfahren wieder durchzuführen ist. Das entfällt nun. Faktisch kön­nen damit die bestehenden Haltestellen ohne eigenes Verfahren übernommen werden.

Es gibt noch weitere Erleichterungen: Die Ausstellung einer Konzessionsurkunde ist nicht mehr zwingend erforderlich. Ein wichtiger Punkt ist vielleicht noch: Rufbusse sind in Zukunft nur innerstaatlich, also nur im nationalen Bereich, zulässig. Das wird eindeu­tig festgestellt. Das betrifft vor allem Anbieter, die irgendwo anders ihren Sitz haben und womöglich bei uns Rufbusse betreiben wollen. Das wird es in Zukunft nicht geben. Damit ist eine vernünftige Versorgung der Bevölkerung durch öffentlichen Verkehr mit­tels Rufbussen zu entsprechenden Preisen gewährleistet. – So viel zu dieser Vorlage, der wir selbstverständlich sehr gerne zustimmen werden. (Beifall bei FPÖ und ÖVP so­wie des Bundesrates Koller.)

15.52


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Vielen Dank.

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Andrea Wagner. Ich erteile es ihr.


15.52.26

Bundesrätin Andrea Wagner (ÖVP, Niederösterreich): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher vor den Bildschir­men zu Hause und hier auf der Galerie! Wer hat das Folgende gesagt? Es ist Ihr Verantwortungsbereich, es ist Ihre Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Mitarbeiterin­nen und Mitarbeiter und deren Familien ihre Jobs in den Bundesländern behalten kön­nen. Dieser Regierung sind die Arbeitsplätze egal. – Wer hat das gesagt?

Es ist herauszufinden: Die SPÖ-Kollegen Kucher und Lindner haben das im Nationalrat gesagt. (Ruf bei der SPÖ: Wann?) Und wann haben sie das gesagt? – Im Nationalrat zu jenem Tagesordnungspunkt, währenddessen das Kraftfahrliniengesetz einstimmig beschlossen worden ist. Sie haben da wahrscheinlich anderswo ein Haar in der Suppe gefunden. Ihre SPÖ-Kollegen haben von 200 Arbeitsplätzen gesprochen, die aufgrund der Schließung der AUA-Flugbasen in den Bundesländern auf dem Spiel stehen. Das steht aber nicht in der Verantwortung des Ministers. Wer schafft denn Arbeitsplätze? – Die Wirtschaft und nicht die Politik!

Und heute habt ihr, liebe SPÖ-Kollegen, eine Möglichkeit der Politik ausgelassen, Arbeitsplätze zu erhalten. Ihr als SPÖ habt mit eurem Nein heute das Schicksal von über 6 000 Arbeitsplätzen zu verantworten. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Bundesrat Weber: Das war schon! – Bundesrätin Grimling: Wir sind bei TOP 5!)

Es heißt also richtig: Die SPÖ übernimmt keine Verantwortung! (Bundesrat Weber: Das ist zwei Punkte zu spät!) – Ja, ich wollte das nur wiederholen, weil Ihre Kollegen im Nationalrat das auch bei diesem Tagesordnungspunkt gesagt haben. Die SPÖ übernimmt keine Verantwortung, und der SPÖ sind die Arbeitsplätze egal. Ich muss


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auch sagen, die SPÖ-Bundesräte kommen ihrer Aufgabe als Ländervertreter meines Erachtens nicht nach. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Bundesrätin Grimling: Ach so, das ist also zum Thema! – Bundesrat Samt: Warum so hysterisch?)

Ja, ich komme jetzt zur Tagesordnung, zu Punkt 5. Ihre Kollegen im Nationalrat sind auch vom Thema des Tagesordnungspunkts abgewichen. Ich wollte das hier nur noch einmal feststellen. (Oh- und Aha-Rufe bei BundesrätInnen der SPÖ. – Ruf bei der SPÖ: Ah, so! Na dann!)

Die Änderungen im Kraftfahrliniengesetz sind heute der dritte Tagesordnungspunkt, der das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie betrifft, und der letzte Tagesordnungspunkt für heute. Es tut sich viel in diesem Ministerium. (Bundes­rätin Grimling: Haha! – Bundesrat Schabhüttl: Ach geh!)

Im Wesentlichen geht es bei dieser Änderung, wie Kollege Krusche gerade ausgeführt hat, um drei Punkte: den Entfall der Ausstellung von Konzessionsurkunden im inner­staatlichen Bereich, Erleichterungen beim Haltestellenverfahren und Rufbusse nur im innerstaatlichen Bereich. Ich möchte daher jetzt auch gar nicht mehr näher darauf eingehen. (Bundesrätin Grimling: Nein, eh nicht! Hast schon so viel nicht zum Thema gesagt!)

Der Verzicht auf die Konzessionsurkunden ist ein Schritt zur weiteren Entbürokratisie­rung. Zu den Erleichterungen im Haltestellenverfahren in Bezug auf den Lokalaugen­schein ist zu sagen, dass damit auch Zeit gespart, Bürokratie abgebaut wird. Man muss sich das so vorstellen: Zu so einer Verhandlung werden insbesondere der Unter­nehmer, der Straßenbaulastträger, die Straßenaufsichtsbehörde, die Bezirksverwal­tungsbehörde, im örtlichen Wirkungsbereich einer Bundespolizeibehörde auch diese und dann noch die Gemeinde geladen. Das ist also wahrscheinlich schon ein halber Bus voll.

Durch die Änderung kann nunmehr der Landeshauptmann oder in unserem Bundes­land die Landeshauptfrau auf dieses Haltestellenverfahren verzichten, wenn die Halte­stelle bereits vorher für den Kraftfahrlinienbetrieb eines Personenkraftverkehrsunter­nehmens genehmigt war. Das bedeutet also wie gesagt eine Zeit-, Geld- und Arbeitser­sparnis für Gemeinden und Behörden.

Ich möchte mich da beim Ministerium bedanken, dass es Schritte zum Bürokratieabbau einleitet. Ich weise aber gleichzeitig noch auf die Notwendigkeit einer Regelung zur Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum hin – Stichwort alternative Bedienungs­formen.

In Niederösterreich wird derzeit der Konzessionsassistent eingeführt. Das ist ein Pro­gramm, das die elektronische Verwaltung von Linien- und Haltestellenkonzessionen er­möglicht und so diesbezügliche Verfahren und Prozesse erleichtert. Um diese Instru­mente effizient einsetzen zu können, ist es zielführend, dass Konzessionsanträge elek­tronisch eingebracht werden. Weiters sollte die Darstellung des Linienverlaufes von Buslinien auch in Kartenform oder als GIS-Datensatz möglich sein. Es gibt also in jeder Hinsicht noch viele Herausforderungen.

Abschließend aber nochmals Danke für die Zustimmung zu dieser Novelle. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Ruf bei der SPÖ: Bitte sehr!)

15.57


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke.

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Mag. Elisabeth Grossmann. Ich er­teile es ihr.



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15.58.00

Bundesrätin Mag. Elisabeth Grossmann (SPÖ, Steiermark): Herr Vorsitzender! Mei­ne sehr geehrten Damen und Herren! Im Moment haben wir gar keine Regierungsver­tretung hier. (Bundesrätin Mühlwerth: Sie muss sich auch mal die Hände waschen ge­hen!) Ja, gleich vorweg: Die vorgeschlagenen Änderungen im Kraftfahrliniengesetz sind sinnvoll und werden von uns auch unterstützt. Inhaltlich hat ja Kollege Krusche die Materie schon sehr gut und eingehend erklärt. Danke, Herr Kollege! (Bundesrat Kru­sche: Danke für die Blumen!) – Ja, heute ist Valentinstag (erheitert), nicht wahr? Damit schenke ich Ihnen allen verbale Blumen. (Beifall bei der SPÖ sowie der Bundesrätin Mühlwerth.) Vergessen Sie nicht, Ihren Partnerinnen und Partnern heute Abend auch noch Blumen zu schenken! Danke jetzt auch für diese Erinnerung, denn in der Hitze des Gefechts habe ich es wirklich schon vergessen, das stimmt.

Ja, wir stimmen dem also zu und kommen damit auch den Wünschen der Verkehrslan­desrätinnen und -räte, der Behörden und Gemeinden nach. Diesen Wünschen wird al­so entsprochen. Es gibt aber auch noch einige unerfüllte Wünsche, nämlich jene von 50 000 Unterzeichnern und Unterzeichnerinnen einer ganz, ganz wichtigen Petition, auf die ich Sie aufmerksam machen möchte, nämlich jene, die fordert, Lkws mit Abbie­geassistenten nachzurüsten.

Es hat da in Wien einen sehr tragischen Unfall gegeben: Ein neunjähriges Kind – ich weiß jetzt nicht ganz genau wo, es hätte aber überall passieren können – ist am Schutzweg von einem abbiegenden Lkw übersehen und eben tödlich verletzt worden. Das kann wie gesagt immer, jederzeit und überall passieren, und es gilt jetzt wirklich, alles daranzusetzen, dass so etwas nicht mehr passiert, dass Menschenleben gerettet werden.

Die Stadt Wien ist mit positivem Beispiel vorangegangen und hat ihren Lkw-Fuhrpark nachgerüstet – ebenso die Stadt Klagenfurt, wie ich gehört habe. Das sind positive Bei­spiele, wir brauchen das aber österreichweit. Es darf auch keine Zeit mehr verstrei­chen, denn es könnte täglich wieder etwas passieren.

Ebenso muss alles darangesetzt werden, den Lkw-Verkehr überhaupt zurückzudrän­gen und den Güterverkehr insgesamt mehr und verstärkt auf die Schiene zu verlagern, natürlich aus Gründen der Lebensqualität, aber vor allem aus Gründen der Verkehrs­sicherheit. Das Lkw-Aufkommen hat in den letzten Jahren immens zugenommen, nicht nur auf den Autobahnen, sondern auch auf Bundes- und Landesstraßen. Da ist akuter Handlungsbedarf gegeben. Es ist natürlich schade, dass jetzt 2 Milliarden Euro bei der Schieneninfrastruktur eingespart werden sollen.

Insgesamt ersuche ich Sie alle dringend, gemeinsam alles daranzusetzen, dass der Lkw-Verkehr auf unseren Straßen zurückgedrängt wird. Da die Ministerin für Nachhal­tigkeit erfreulicherweise wieder anwesend ist: Es geht um Klimaschutz, um aktiven Kli­maschutz, es geht um Lebensqualität und es geht um Sicherheit.

Weil ich gerade ganz traurig in deine Richtung schaue, liebe Inge: Danke für alles, was du für uns getan hast, und alles Gute weiterhin auch von dieser Stelle aus. – Danke für Ihre Aufmerksamkeit und einen schönen Valentinstag. (Beifall bei der SPÖ sowie bei BundesrätInnen von ÖVP und FPÖ.)

16.01


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesministerin Elisabeth Köstinger. – Bitte, Frau Bundesminister.


16.02.04

Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Elisabeth Köstinger: Herr Präsident! Geschätztes Hohes Haus! Der vorliegende Entwurf zur Novellierung des Kraftfahrzeugliniengesetzes erfüllt zum Großteil langjährige Forderungen der Konzes-


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sionsbehörden der Bundesländer. Zum einen gilt es, den Entfall der Ausstellung von Konzessionsurkunden im innerstaatlichen Bereich zustande zu bringen. Der vorliegen­de Gesetzesvorschlag sieht entsprechend den Entfall vor. Die Konzessionsurkunde enthält keine über den Bescheid hinausgehenden Angaben und ist daher im inner­staatlichen Bereich entbehrlich. Die Konzessionsbehörden der Bundesländer haben sich einhellig für einen Entfall der Ausstellung von Konzessionsurkunden ausgespro­chen.

Im innerstaatlichen Verkehr besteht auch keine Mitführungspflicht, weder von Konzes­sionsurkunden noch von deren Gleichschriften oder auch von Bescheiden. Es steht diesem Wegfall also nichts entgegen.

In einem zweiten Punkt geht es um Erleichterungen und Verwaltungsvereinfachungen im Haltestellenverfahren. Die Festsetzung von Haltestellen für Kraftfahrlinien obliegt dem Landeshauptmann. Für die bescheidmäßige Festsetzung einer Haltestelle ist die Durchführung einer mit einem Lokalaugenschein verbundenen mündlichen Verhand­lung erforderlich. Bei jedem Wechsel des Betreibers einer Kraftfahrlinie ist ein derarti­ges Haltestellenverfahren erneut durchzuführen. Dies wurde von den Bundesländern schon mehrmals kritisiert, da die Kosten und der Aufwand für die Durchführung von Ortsverhandlungen doch sehr hoch sind.

In einem dritten Bereich geht es um Rufbusse. Das Rufbussystem an sich ist eine Aus­nahmeregelung zur gesetzlichen Definition des Kraftfahrlinienverkehrs und soll als Be­darfsverkehr durch seine Flexibilität insbesondere zum öffentlichen Personennah- und auch -regionalverkehr beitragen. Dadurch soll auch das makroökonomische Ziel einer Entlastung der öffentlichen Hand verwirklicht werden. Hingegen soll es nicht Ziel dieser Regelung sein, betriebswirtschaftliche Vorteile auch im rein kommerziellen Fernverkehr zu generieren. Im internationalen Busverkehr wären derartige Bedarfsverkehre kaum wirksam, vor allem aber auch nicht kontrollierbar. Deshalb soll es da eine gesetzliche Klarstellung geben, was mit diesem Entwurf erfüllt ist. – Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

16.04


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Vielen Dank.

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Inge Posch-Gruska. – Bitte, Frau Bundesrätin.


16.04.50

Bundesrätin Inge Posch-Gruska (SPÖ, Burgenland): Herr Präsident! Ich möchte nicht zum Kraftfahrliniengesetz reden. Kollege Krusche hat vorhin gesagt, es ist so einfach, dass sogar wir mitstimmen können. Da brauche ich also jetzt nichts mehr dazu zu sagen.

Kolleginnen und Kollegen! Ich muss mich heute von euch verabschieden. Ich habe eine wunderschöne Zeit im Bundesrat gehabt. Insgesamt gibt es viele Gremien, in die man hineinkommen kann, es gibt viele politische Gremien, in die man hineinkommen kann, und da gibt es Gremien, in denen man halt ist, und dann gibt es Gremien, in die man aufgenommen wird. Bei aller Unterschiedlichkeit – ich bin wirklich sehr, sehr froh darüber, dass wir diese Unterschiedlichkeit haben, denn sonst wären wir nicht unter­schiedliche Parteien, und es muss doch gut sein, dass das so ist – haben wir aber trotzdem danach immer noch miteinander reden können. Das ist etwas, was wichtig ist, und das ist auch etwas, was den Bundesrat auszeichnet.

Es war nicht die einfachste Sitzung, die ich mir heute zum Verabschieden ausgesucht habe. Das ist heute eine schwierige Sitzung für uns alle gewesen. Es war für nieman­den hier herinnen so superlocker, es war für alle eine schwierige Sitzung.


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Meine Abschlussrede als Präsidentin wollte ich eigentlich mit dem Satz beginnen: Mein Herz schlägt für den Bundesrat. Auch die Musikgruppe hat dieses Lied gespielt – ich weiß nicht, ob das jemand gehört hat, ich leider nicht. Und das stimmt auch: Mein Herz schlägt wirklich für den Bundesrat, weil ich in der Zeit hier gelernt habe, wie wichtig der Bundesrat ist.

In einem Interview hat man mich gefragt, was ich dazu sage, dass der Bundesrat jetzt aufgrund einer historischen Situation plötzlich im Rampenlicht steht. Ich habe geant­wortet: Ewig schade darum, dass ihr von den Medien nicht schon vorher draufgekom­men seid. (Bundesrätin Mühlwerth: Das habe ich auch gesagt!) – Du hast das auch gesagt. Super! Wir hätten es schon viel länger verdient, dass wir mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt werden und uns größere Wertschätzung entgegengebracht wird.

Während meiner Tätigkeit durfte ich viele Bereiche kennenlernen. Einmal war ich Vize­präsidentin – das war, glaube ich, die größte Herausforderung für mich. Danach durfte ich die Präsidentschaft ausüben, vor der ich mich ein bisschen gefürchtet habe. Sie war dann aber so schön und hat mir wirklich gut gefallen. Auch der Fraktionsvorsitz war für mich eine schöne und ganz wichtige Aufgabe, der ich sehr gerne nachgekom­men bin. Und natürlich war ich Bundesrätin.

Egal, welche Funktion ich ausüben und welche Position ich einnehmen konnte, bei allem war wichtig, dass da allein nie etwas gegangen wäre. Ich habe immer jemanden gebraucht. Ich habe meine Kollegen von der Fraktion gebraucht, wir alle haben ein­ander gebraucht, damit wir auch wirklich etwas bewegen haben können.

Daher möchte ich euch heute dafür einmal Danke sagen, danke für die tolle Arbeit, die wir miteinander geleistet haben.

Der Stil des Umgangs miteinander geht viel auch von den Fraktionsvorsitzenden aus. Ich möchte daher mit dir anfangen, Monika. Als Fraktionsvorsitzende bist du die Kons­tante gewesen. Du bist die Fraktionsvorsitzende der FPÖ, die ich kennengelernt habe, und du bist es bis heute. Ich muss da jetzt nicht irgendetwas daherlügen, ihr kennt mich alle, und ich war da immer ein bisschen auf Abstand. Am Anfang war mir noch nicht klar, ob ich mit euch kann oder nicht, da musste ich selbst erst draufkommen. Du mit deinem Aufeinanderzugehen – mit ganz einfachen Dingen wie: Heute sitzt deine Kette schief, richte dir das!, und Ähnlichem mehr – warst aber eine von denen, die ge­zeigt haben, dass es da eigentlich auch noch etwas ganz anderes gibt und dass ich mich da gar nicht so stark herumdrücken muss, weil ich schließlich ja auch immer sa­gen kann, was ich mir denke.

Ein ganz großes Danke möchte ich Thomas und Rosa von der freiheitlichen Fraktion für die Arbeit im Kinderrechteausschuss sagen. Es war wirklich schön, mit euch zu­sammenzuarbeiten. Rosa, dein Expertinnenwissen werde ich mir weiterhin holen, wenn ich im Burgenland mit meinen Pflegeeltern weiterarbeiten werde. Da werde ich dich an­rufen, denn da werde ich das alles noch brauchen.

Seitens der ÖVP möchte ich Karl Bader für die kurze Zeit, in der wir miteinander ar­beiten konnten, danken. Ich hätte aber wirklich gerne, dass ihr Edgar Mayer ein rie­sengroßes Dankeschön von mir ausrichtet. Angefangen habe ich mit Gottfried Kneifel als Fraktionsvorsitzendem der ÖVP, bei dem ich mir beim Kinderrechteausschuss die Zähne ausgebissen habe. Es ist einfach nicht gegangen; er ist dort gesessen, hat mich angeschaut und belächelt. Es ist nichts weitergegangen. Dann ist Edgar Mayer ge­kommen und wir haben den Kinderrechteausschuss umsetzen können. Ich möchte da­für wirklich ein großes Danke sagen.

Sonja Ledl-Rossmann hat in ihrer Zeit im Kinderrechteausschuss so auf die Tube gedrückt, dass ich schon ein paar Mal ins Schwitzen gekommen bin: Das tun wir noch,


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das machen wir noch! – Daher auch an Sonja einen ganz lieben Gruß und ein herzli­ches Danke.

Danke schön möchte ich auch Marianne sagen, und ich hätte auch gerne, dass ihr das auch Walter ausrichtet, der Kollegin und dem Kollegen aus dem Burgenland. Da hat es auch über alle Parteigrenzen hinweg immer einen Zusammenhalt gegeben, denn einer Meinung waren wir natürlich nicht immer. Trotzdem hat es aber eine menschliche Zu­sammenarbeit gegeben.

Sonja Zwazl, dir möchte ich ein großes Danke sagen. Als du Präsidentin warst, war mein großer Wunsch, eine Gedenkveranstaltung für die Roma durchzuführen. Es war der Jahrestag, aber als Vizepräsidentin konnte ich das nicht, es ist immer abgelehnt worden. Da habe ich halt dich gefragt und gedacht, dass du Ja sagen wirst. Das war mir wirklich ein großes Anliegen. Ein herzliches Dankeschön dafür und auch dafür, dass du mir die Wirtschaftskammer ein bisschen nähergebracht hast. Ich verstehe sie zwar nicht immer, aber ein bisschen nähergebracht hast du sie mir schon. Deine Re­den waren immer sehr, sehr schön. Wenn du geredet hast, habe ich gewusst: Jetzt kommt die ganze Energie heraus. Dir auch ein großes Dankeschön.

Meine große Hoffnung für den Kinderrechteausschuss vonseiten der ÖVP-Fraktion liegt jetzt bei Martina. Du bist mit so viel Engagement drinnen und mit so viel Herz dabei. Ohnedies alle anderen auch – entschuldigt, dass ich das jetzt so sage! –, aber Martina lebt da so drinnen, dass ich mir denke: Das kann jetzt eigentlich nur gut wei­tergehen. – Er ist halt schon ein bisschen mein Baby.

Lieber David, liebe Ewa, euch möchte ich ein großes Danke für die Zusammenarbeit sagen, auch für die vielen Diskussionen, die wir gehabt haben. Gut so! Ich mag das. Und ich hätte auch gerne, dass ihr Nicole einen schönen Gruß und ein Dankeschön für die gemeinsame Zeit ausrichtet und alles Gute wünscht.

Ach, meine Herzis! – Reinhard wird es sich vielleicht anhören; dem werde ich auch noch ein großes Dankeschön sagen. Mit dem größten komme ich jetzt zu dir, liebe Eli­sabeth. Ich sage es dir einfach nachher. Danke dafür, dass du immer da warst, dass du an meiner Seite warst. Die Frau kann schimpfen, ich sage es euch, legt euch nicht mir ihr an, die hat Haare auf den Zähnen, sie kann ordentlich schimpfen, aber sie ist immer da, wenn man sie braucht.

Daniela, bei dir weiß ich den Kinderrechteausschuss in super Händen. Wir können als Parlament, als Bundesrat so stolz sein! Wir sind das dritte Land in Europa, das einen Kinderrechteausschuss hat. So etwas gibt es sonst nirgends. Wir im Bundesrat haben ihn, nicht der Nationalrat! Wir haben auch einen EU-Ausschuss, der so gut ist.

Ich habe während meiner ganzen Präsidentschaft stets betont, wenn sie mich wie auch heute wieder im Interview etwas über den Bundesrat gefragt haben, dass der Bundes­rat die Zukunftskammer ist, die Länderkammer ist und den besten EU-Ausschuss hat. Wir haben so viel Gutes, wir müssen es nur immer wieder sagen. Sie vergessen es sonst; sie wollen das gar nicht so sehr hören.

Ich habe von euch allen so viel mitbekommen. Meine Fraktion hat mich als Fraktions­vorsitzende unterstützt und kritisiert. Ich habe es wirklich gern, wenn man mich auch kritisiert, denn ich weiß ja, dass ich manches vergesse und man manches auch besser machen kann. Ich glaube, dass das notwendig und gut ist.

Heute habt ihr ein paar Mal die Länderinteressen angesprochen. Ich nehme an, es ist in euren Fraktionen auch nicht anders: Bis wir zu einer Entscheidung kommen, wird fünfzehnmal alles durchdiskutiert, ob das jetzt auch für jedes Land passt oder nicht. Wenn ich dann höre, dass das in Tirol ganz anders ist als bei mir im Burgenland, denke ich mir: Gut, dann beginnen wir eben noch einmal von vorn! Es ist schon gut,


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dass wir so viel Zeit zum Diskutieren haben, und ich bin sehr stolz darauf, dass sich meine Fraktion diese Zeit zum Diskutieren nimmt, sich alles anhört und das dann auch umsetzt.

Für die Zeit meiner Präsidentschaft – ein bisschen noch, ich höre dann schon auf – möchte ich der Bundesratskanzlei unter der Leitung von Susi Bachmann ein Danke sagen. Sie haben mich in dieses Amt eingeführt. Ich weiß nicht, ob Alice jetzt hier im Saal ist. Liebe Alice Alsch-Harant, falls du nicht hier bist: Sie hat die tolle Aufgabe ge­habt, mich auf das internationale Parkett zu führen, und ich schwöre euch, da bin ich nicht gut gewesen. (Allgemeine Heiterkeit.) Ich war nervös, aber Alice hat das gemeis­tert; sie hat es mit mir gemacht. Ich bin wirklich sehr, sehr dankbar. – Liebe Alice, ein großes und herzliches Dankeschön dafür.

In meinem Büro habe ich Sekretärinnen gehabt; ich habe einige mehr gehabt. Ich möchte Bianca und Regina – Bianca Dreno war gleich die erste, die da war; Regina Stifter hat dann ein paar Wochen ausgeholfen – ein herzliches Danke sagen.

Ein ganz großes Danke möchte ich Monika Schweitzer-Wünsch sagen. – Ich freue mich auch, dass du hier bist, Monika. Monika hat uns im letzten Monat gerettet, denn da habe ich schon gar nicht mehr gewusst, wie es gehen soll. Für dein Einspringen in letzter Minute und vor allem in dieser Situation, dass du eigentlich so krank und trotz­dem immer hier warst, nach jedem Krankenhaustermin im Büro gestanden bist, dafür möchte ich dir wirklich sehr, sehr herzlich danken. Ich hätte auch gern, dass du deinem Arzt einen schönen Gruß und ein herzliches Dankeschön dafür ausrichtest, dass er dich immer wieder aufgerichtet hat, damit du weiterarbeiten hast können. Ein herzli­ches Dankeschön auch dir.

Renat Kojic – ich weiß nicht, ob ihr ihn einmal gesehen habt; er war öfter im Bundes­rat – war mein Chauffeur. Er hat es auch nicht einfach gehabt, denn ich bin keinen Chauffeur gewöhnt. Ich muss da jetzt einsteigen, der fährt mit mir, und ich kann nicht stehen bleiben, wann und wo ich will. Außerdem habe ich mich auch noch geniert, weil ich woanders einsteigen musste. Renat hat viele Kilometer mit mir zurückgelegt. Auch ihm ein herzliches Dankeschön.

Im Zusammenhang mit dem Kinderrechteausschuss möchte ich mich sehr, sehr herz­lich bei Sari Krammer bedanken. Ich weiß nicht, ob sie jetzt hier ist. Auch Sari ein herz­liches Dankeschön. Die hat es mit unserem Kinderrechteausschuss auch nicht leicht gehabt, denn wir vertagen unseren Antrag jetzt schon immer, vom ersten Mal weg, und dann haben wir immer wieder Ideen, was wir jetzt dazwischen gerade noch machen könnten. – Inge, das geht von der Verfassung her jetzt aber nicht. – Na, dann suchen wir einen Weg, dass das geht. – Und wir haben ja auch schon ein paar Wege gefun­den, die wir gehen können. Der Kinderrechteausschuss fährt auch in die Bundeslän­der, was mich natürlich sehr freut. Da haben wir wirklich sehr, sehr viel getan.

Lucia Grabetz und Anna-Sophie Prünner waren zwei junge Mitarbeiterinnen, die ich während der Präsidentschaft gehabt habe. Die haben mich ordentlich gefordert. Die haben Ausdrücke verwendet, die ich gar nicht gekannt habe. Was die alles von mir ge­wollt haben, was man auf dem Handy alles tun kann! – Zwei sehr tolle Frauen.

Das zweite Projekt, nämlich die Mitbestimmungsgeschichte, werden wir noch abschlie­ßen. Die Enquete haben wir ja schon gemacht. Wir schauen da, in welchem Bundes­land es welche Kinder- und Jugendmitbestimmungsmöglichkeiten gibt und wie wir die vernetzen können. Der Präsident hat mir versprochen, dass wir diese Broschüre noch präsentieren können; das werden wir noch tun. Dafür auch diesen beiden Mitarbeiterin­nen ein herzliches Dankeschön.

Magnus war das, der heute gesagt hat, wir seien irgendwelche Parteireiter, Parteiritter oder so. Ja, das bin ich; das sind wir allerdings alle. Wir wurden ja von einer Partei


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hierher entsandt. Ich möchte daher dem Parlamentsklub ein großes Danke sagen. Pe­ter Pointner kennt sich bei allem, was ein Gesetz ist, aus. Wenn ich ihn gefragt habe, was das jetzt auf Menschlich heißt, hat er mir das dann auch immer erklären können.

Claudia Peska macht Unmögliches möglich. Oft habe ich gedacht, dass etwas nicht gehen kann, aber Claudia bringt es zustande, dass es tatsächlich machbar wird.

Der Veranstaltungsabteilung möchte ich auch ein großes Danke sagen, Natalie, Vale­rie und Thomas, die auch in Zeiten der Ratspräsidentschaft, in denen wir eigentlich nichts hätten machen dürfen, weil ohnedies immer alles besetzt war, trotzdem immer noch einen Raum gefunden haben.

Frau Unfried hat im Büro manchmal ein Chaos vorgefunden, wenn sie in der Früh ge­kommen ist, und trotzdem immer alles weggeräumt. Wenn ich gekommen bin, war im­mer schon alles aufgeräumt. Auch Frau Unfried ein großes und herzliches Danke.

Ebenso ein großes und herzliches Danke der Presseabteilung und den MitarbeiterIn­nen der Abteilung Stenographische Protokolle, die mitschreiben müssen, auch wenn ich so schnell rede, und dann fast gar nicht mehr damit zurande kommen.

Auf alle Fälle möchte ich euch nochmals danken und noch einmal sagen: Bitte, bitte erzählt immer weiter, wie wichtig dieser Bundesrat ist. Erzählt immer weiter, dass wir eine Zukunftskammer sind, dass wir nicht nur die Länderkammer sind, wie das in der Verfassung steht, und dass wir wichtig sind, weil die Länderinteressen vertreten gehö­ren. Erzählt weiter, dass wir den besten EU-Ausschuss haben, und erzählt weiter, dass wir einen Kinderrechteausschuss haben, der andere Wege geht.

Ich wünsche euch alles Gute! Erspart bleibe ich euch nicht, denn ich komme sicherlich öfters zuhören. – Danke und alles Gute für euch! (Lang anhaltender allgemeiner Bei­fall, der von den BundesrätInnen von SPÖ und ÖVP sowie den BundesrätInnen Dzie­dzic und Stögmüller stehend dargebracht wird. – Bundesrätin Grimling überreicht Bundesrätin Posch-Gruska einen Blumenstrauß.)

16.18


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Liebe Inge, ich darf dir im Namen des ge­samten Bundesrates und auch in meinem eigenen Namen ganz herzlich für dein be­eindruckendes und sehr nachhaltiges Wirken im Bundesrat danken. Du hast es bereits erwähnt: Die Wahrnehmung als Zukunftskammer, als Europakammer war sehr stark von dir geprägt. Du hast einen großen Beitrag dazu geleistet. Du bist seit 2010 im Bun­desrat, also acht Jahre, und hast in dieser Zeit als Präsidentin, als Vizepräsidentin, als Fraktionsobfrau deiner Fraktion den Parlamentarismus in Österreich wirklich mitge­prägt und auch eine Vielzahl an nachhaltigen Initiativen gesetzt, auch dafür herzlichen Dank.

Der Kinderrechteausschuss, der 2015 eingeführt und konstituiert werden konnte, ist dein Herzensanliegen. Ich hoffe, das mit dem Zähneausbeißen war nur bildlich ge­meint, aber es hat ja dann schließlich mit Edgar Mayer als Partner geklappt. Herzlichen Glückwünsch auch dazu!

Deine Präsidentschaft war natürlich von deinem Herzthema, von deinem Leibthema geprägt. Du hast da, wie ich meine, mit der Enquete wirklich einen großen Meilenstein gesetzt. Es war eine sehr beeindruckende Veranstaltung hier im Plenarsaal. Danke für diesen großartigen Erfolg.

Deine Erfahrung, dein Wissen, deine Kämpferqualitäten und auch deine Beharrlichkeit werden uns auf jeden Fall fehlen. In diesem Sinne: Herzlichen Dank für deine Freund­schaft und für die Zusammenarbeit! – Danke. (Allgemeiner Beifall.)

Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat David Stögmüller. – Bitte. (Bundesrat Rösch – in Richtung des sich zum Rednerpult begebenden Bundesrates Stögmüller –: Gehst du


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auch schon? – Allgemeine Heiterkeit. – Bundesrat Stögmüller: Nein, ich habe noch ein paar Jahre, keine Angst! Mittlerweile bin ich aber schon einer der Dienstältesten hier, letztens im Ausschuss war ich schon der Dienstälteste!)


16.20.28

Bundesrat David Stögmüller (Grüne, Oberösterreich): Liebe Inge – was soll ich sa­gen? –: Ich habe dich kennengelernt, als die SPÖ in der Regierung war, ich habe dich kennengelernt in der Opposition, und es ist eine immer engere Freundschaft entstan­den; das muss ich wirklich sagen. Ich danke dir für die Zusammenarbeit, für das Kolle­giale auch über die Parteigrenzen hinweg, auch wenn wir – wie heute – unterschiedli­cher Meinung waren. Nichtsdestotrotz, es waren immer deine – wie soll ich sagen? – Bodenständigkeit und Direktheit, die mich besonders beeindruckt haben. Wenn du ge­sagt hast: Nein, das will ich nicht!, oder: Ja, das machen wir!, dann hat das auch ge­halten. Das war für mich immer ganz großartig.

Uns im Bundesrat bleibst du in Erinnerung, sicherlich auch im Kinderrechteausschuss. Du warst die Gründerin des Kinderrechteausschusses. Ich weiß noch, der Antrag ist von uns allen initiiert worden, aber du warst die treibende Kraft. Ich weiß noch, ganz am Anfang – da waren wir drüben im alten Saal – bist du hergekommen und hast ge­sagt: Jetzt bringen wir den Antrag ein, und das machen wir! Das hat gehalten, das hat hing’haut, und du hast wirklich einen Ausschuss ins Leben gerufen, der großartig ist, der weiterhin Großartiges leisten wird. Ich bin mir sicher, meine Kollegin Regina Petrik im Burgenland freut sich schon sehr darauf, dass du als starke rote Kraft – das muss ich wirklich so sagen –, als gute Kraft der Roten ins Burgenland zurückkommst und für die richtige Seite kämpfst.

Ich sage dir, Inge, Danke für deine Arbeit. Wir – Ewa, dein Einsatz! – haben uns auch etwas einfallen lassen: Da wir von „Willkommen Österreich“ wissen, dass du eine lei­denschaftliche Biertrinkerin bist (allgemeine Heiterkeit), gibt es von uns ein Bio-Zwickl. (Bundesrätin Dziedzic überreicht Bundesrätin Posch-Gruska ein mit Bierflaschen ge­fülltes Sechsertragerl.) – Es hat grün sein müssen.

Vielen Dank für deine Zusammenarbeit, vielen Dank! (Allgemeiner Beifall.)

16.22


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Danke.

Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Karl Bader. – Bitte.


16.22.39

Bundesrat Karl Bader (ÖVP, Niederösterreich): Sehr geehrte Frau Präsidentin außer Dienst! Liebe Frau Vizepräsidentin außer Dienst! Liebe angehende Frau Bundesrätin außer Dienst! Vor allem: Liebe Inge, ich möchte im Namen der ÖVP-Fraktion, aber auch persönlich Danke sagen.

Es ist heute ja ein historischer Tag für diesen Bundesrat, für diese Kammer. Ich möch­te diese Historie aber vor allem an einem festmachen: Es hat heute am Beginn dieser Sitzung – außerhalb von Landtagswahlen – gleich fünf Angelobungen gegeben. Mit deinem Ausscheiden heute, mit deiner letzten Sitzung, sind von diesen Veränderungen gleich sechs Mitglieder des Bundesrates betroffen, also 10 Prozent. Das ist schon eine ganz, ganz große Meng


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e.

Wenn man dich hier heraußen stehen gesehen hat, gehört und erlebt hat, mit wie viel Emotion du hier sprichst, dann zeigt das ganz deutlich, dass dir diese Funktion hier im Bundesrat nicht nur eine Aufgabe war, sondern ein Herzensanliegen. Das hat man ge­spürt.

Ich möchte auch von meiner Seite Danke für die – wenn auch kurze – Zusammenarbeit sagen. Wir haben unterschiedliche Zugänge, keine Frage, aber es ist trotzdem so, wie es auch der Herr Landeshauptmann angesprochen hat und heute schon zitiert wurde, dass im persönlichen Umgang miteinander das Gemeinsame vor dem Trennenden ge­standen ist. Das ist wichtig und soll für uns auch in Zukunft so gelten.

In diesem Sinne: ein herzliches Danke, dir persönlich alles Gute und viel Freude in dei­ner neuen Aufgabe! (Allgemeiner Beifall.)

16.24


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Monika Mühlwerth. – Bitte.


16.24.33

Bundesrätin Monika Mühlwerth (FPÖ, Wien): Liebe Inge, sei nicht traurig, wir sind nicht aus der Welt. Du hast ja selbst gesagt, man kann wiederkommen.

Ja, wir haben am Anfang ein paar Anlaufschwierigkeiten gehabt, es hat auch im Laufe der Zeit zwischen uns beiden immer wieder geholpert, was daran liegt, dass wir zwei – wenn vielleicht auch auf unterschiedliche Art und Weise – halt schon auch sehr direkt sein können. Der Vorteil ist aber – und das habe ich an dir schätzen gelernt –, dass der andere dann auch weiß, woran er ist, und weiß, was man gemeint hat.

Ich finde es nicht schlecht, wenn man einmal ein klares Wort spricht. Es stört mich auch nicht, weil ich ja wirklich – so wie du auch – eine aufrechte Demokratin bin und sage: Es gibt halt ideologische Unterschiede, Gott sei Dank, und das ist auch gut so. Nicht immer habe ich verstanden, warum ich dann dafür geprügelt worden bin, dass ich eine andere Ideologie habe und das auch noch sage. So sind wir manchmal ein biss­chen aneinandergeraten, aber – ich trinke ja auch ganz gerne ein Bier, wie du weißt – wir haben das dann besprochen und diskutiert und sind uns dann doch irgendwie einig geworden.

Das ist ja das Schöne, und ich hoffe ja, dass uns das in der Politik insgesamt – nicht nur, was den Bundesrat betrifft – nie verlassen möge, dass man allen Unterschiedlich­keiten und auch Streitereien zum Trotz den Moment nicht verpasst, in dem man sagt: So, und jetzt setzen wir uns halt zusammen – bei welchem Getränk auch immer, es kann ja auch ein Mineralwasser sein.

Ich weiß aus vielen Gesprächen mit dir, dass dir der Abschied aus dem Bundesrat schwerfällt, in den du aber am Anfang, wie du mir ja gestanden hast, gar nicht wolltest. Kaum warst du da, willst du nicht mehr weg. Das ehrt uns als Gremium natürlich und zeigt auch, dass wir etwas bewegen können – auch wenn mir das Ergebnis heute nicht gefallen hat und ich die Motivation falsch finde; aber das nur am Rande.

Trotzdem: Schön, dass du da warst! Es war spannend mit dir, es war auch sehr oft lustig mit dir – und es ist ja gut, wenn man miteinander lachen kann. Ich wünsche dir für deine Aufgabe im Landtag, die du genauso ursprünglich wahrnehmen wirst, wie du es hier gemacht hast, alles, alles Gute. Auch die burgenländischen Landtagsabgeord­neten werden noch eine spannende Zeit mit dir haben, und dafür wünsche ich dir und ihnen alles Gute. (Allgemeiner Beifall. – Bundesrätin Posch-Gruska: Danke!)

16.27


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrats­präsident Ingo Appé. – Bitte.


16.27.25

Bundesrat Ingo Appé (SPÖ, Kärnten): Herr Präsident! Liebe Inge! Ich weiß, das ist der Moment, den du dir nicht sehnlich herbeigewünscht hast, denn du wärst gerne länger bei uns geblieben. Ich glaube aber, in den acht Jahren, die du im Bundesrat tätig warst, hast du die Fraktion geprägt und zusammengehalten. Dein Werk ist der


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Kinderrechteausschuss, den Dani Gruber-Pruner perfekt, wie ich glaube, weiterführen wird. Du hast in diesen Ausschuss etwas hineingebracht, was sonst in der Politik nicht üblich ist, nämlich parteiübergreifend einen Ausschuss zu führen, in welchem sich alle gut verstehen, in dem alle an die Sache glauben und das wirklich so umsetzen, wie es in deinem Sinn ist. Ich hoffe, dass es so weitergeht, bin davon eigentlich fest über­zeugt, denn die handelnden Personen sind ja immer noch die gleichen und haben das im Sinn.

Ich danke dir für deine Tätigkeit und auch dafür, dass du die Fraktion in dieser Art und Weise geführt hast. Die Burgenländer werden es nicht leicht mit dir haben, das wissen wir, aber du bist eine tolle Politikerin, und ich wünsche dir im Burgenland und auch als Bürgermeisterin alles Gute. Danke für dein Engagement für uns und für den Bundesrat! Herzlichen Dank. (Allgemeiner, von den BundesrätInnen der SPÖ stehend dargebrach­ter Beifall.)

16.28

16.28.53


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor.

Wünscht noch jemand das Wort? – Das ist nicht der Fall. Die Debatte ist geschlossen.

Wir gelangen zur Abstimmung.

Es geht um den Tagesordnungspunkt Kraftfahrliniengesetz, hoffentlich erinnern sich noch alle. (Allgemeine Heiterkeit.)

Ich ersuche jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die dem Antrag zustimmen, gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates, Kraftfahrliniengesetz, keinen Einspruch zu erheben, um ein Handzeichen. – Das ist die Einstimmigkeit. Der Antrag ist somit angenommen.

Die Tagesordnung ist erschöpft.

16.29.30Abstimmung über Fristsetzungsanträge


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Wir gelangen noch zur Abstimmung über den Antrag der Bundesräte David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen gemäß § 45 Abs. 3 der Geschäftsordnung, dem Kinderrechteausschuss zur Berichterstattung über den Entschließungsantrag betreffend „Hilfen für junge Erwachsene“ eine Frist bis 14. März 2019 zu setzen.

Ich ersuche jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Fristsetzungsantrag zu­stimmen, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmenminderheit. Der Antrag ist somit abgelehnt.

Wir gelangen zur Abstimmung über den Antrag der Bundesräte David Stögmüller, Kol­leginnen und Kollegen gemäß § 45 Abs. 3 der Geschäftsordnung, dem Kinderrechte­ausschuss zur Berichterstattung über den Entschließungsantrag betreffend „Erhalt des Kinderbetreuungsgeldes für Krisenpflegeeltern“ ebenfalls eine Frist bis 14. März 2019 zu setzen.

Ich ersuche jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Fristsetzungsantrag zu­stimmen, um ein Handzeichen. – Das ist ebenfalls die Stimmenminderheit. Der An­trag ist somit abgelehnt.

16.30.23Einlauf


Vizepräsident Dr. Magnus Brunner, LL.M.: Ich gebe noch bekannt, dass seit der letzten beziehungsweise in der heutigen Sitzung insgesamt 12 Anfragen eingebracht wurden.


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Eingelangt ist auch der Gesetzesantrag der Bundesräte Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen, der gemäß Art. 41 Abs. 1 Bundes-Verfassungsgesetz in Verbindung mit § 21 der Geschäftsordnung des Bundesrates dem Nationalrat zur geschäftsordnungs­mäßigen Behandlung unterbreitet wird.

*****

Die Einberufung der nächsten Sitzung des Bundesrates wird auf schriftlichem Weg erfolgen. Als Sitzungstermin wird Donnerstag, der 14. März 2019, 9 Uhr, in Aussicht genommen.

Für die Tagesordnung dieser Sitzung kommen insbesondere jene Beschlüsse in Be­tracht, die der Nationalrat bis dahin verabschiedet haben wird, soweit diese dem Ein­spruchsrecht beziehungsweise dem Zustimmungsrecht des Bundesrates unterliegen.

Die Ausschussvorberatungen sind für Dienstag, den 12. März 2019, 14 Uhr, vorgese­hen.

Diese Sitzung ist geschlossen.

16.31.14Schluss der Sitzung: 16.31 Uhr

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