Parlament Österreich

 

 

 

 

Stenographisches Protokoll

 

 

 

 

 

874. Sitzung des Bundesrates der Republik Österreich

 

 

 

Freitag, 22. Dezember 2017

 

 


Stenographisches Protokoll

874. Sitzung des Bundesrates der Republik Österreich

Freitag, 22. Dezember 2017

Dauer der Sitzung

Freitag, 22. Dezember 2017: 11.07 – 16.20 Uhr

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Tagesordnung

1. Punkt: Wahl des 3. Schriftführers für den Rest des 2. Halbjahres 2017

2. Punkt: Erklärung des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers gemäß § 37 Abs. 4 GO-BR

3. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979, das Ge­haltsgesetz 1956, das Vertragsbedienstetengesetz 1948, das Richter- und Staatsan­waltschaftsdienstgesetz, das Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz, das Land- und forst­wirtschaftliche Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz, das Landesvertragslehrpersonen­ge­setz 1966, das Land- und forstwirtschaftliche Landesvertragslehrpersonengesetz, das Pensionsgesetz 1965 und das Bundes-Personalvertretungsgesetz geändert werden (Dienstrechts­Novelle 2017)

4. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Bundesverfassungsgesetz über die Begrenzung von Bezügen öffentlicher Funktionäre und das Bundesbezügegesetz geändert werden

5. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Bundesministeriengesetz 1986 geändert wird (Bundesministeriengesetz­Novelle 2017)

6. Punkt: Wahl von Mitgliedern und eines Ersatzmitgliedes des Ständigen gemein­samen Ausschusses des Nationalrates und des Bundesrates im Sinne des § 9 des Finanz­Verfassungsgesetzes 1948

7. Punkt: Wahl eines Mitgliedes und von Ersatzmitgliedern in die Parlamentarische Versammlung des Europarates

8. Punkt: Wahl der beiden Vizepräsidenten/innen, der Schriftführer/innen und der Ordner/innen für das 1. Halbjahr 2018

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Inhalt

Bundesrat

Schlussansprache des Präsidenten Edgar Mayer .................................................... 16


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 2

Angelobung der BundesrätInnen Ina Aigner, Mag. Christian Buchmann, Mag. Elisabeth Grossmann, Mag. Roman Janacek, Jürgen Schabhüttl, Mag. Doris Schulz, Georg Schuster und Gottfried Sperl         ............................................................................................................................... 21

Schreiben des Präsidenten des Burgenländischen Landtages betreffend Man­dats­verzichte beziehungsweise Wahl eines Mitglieds und eines Ersatzmitglieds des Bundesrates ................................. 24

Schreiben des Präsidenten des Niederösterreichischen Landtages betreffend Mandatsverzicht beziehungsweise Wahl zweier Mitglieder und zweier Ersatz­mitglieder des Bundesrates  25, 30

Schreiben des Präsidenten des Oberösterreichischen Landtages betreffend Man­datsverzicht beziehungsweise Wahl eines Mitglieds und eines Ersatz­mit­glieds des Bundesrates  26, 27

Schreiben der Präsidentin des Steiermärkischen Landtages betreffend Mandats­verzichte beziehungsweise Wahl eines Mitglieds und zweier Ersatzmitglieder des Bundesrates beziehungsweise Landtagsbeschluss Nr. 669 betreffend Wahl eines weiteren Mitglieds und eines weiteren Ersatzmitglieds des Bundesrates                28, 34

Schreiben des Ersten Präsidenten des Wiener Landtages betreffend Mandats­verzichte und Wahl von Ersatzmitgliedern des Bundesrates ................................................................................ 29

Schreiben des Generalsekretärs des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres gemäß Art. 50 Abs. 5 B-VG betreffend Erteilung der Vollmacht zur Aufnahme von Verhandlungen über einen Vertrag zwischen der Republik Öster­reich und dem Königreich Marokko über die Überstellung verurteilter Personen durch den Bundespräsidenten ........................................................................................ 36

Schreiben des Bundeskanzleramts und des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres gemäß § 7 EU-InfoG betreffend Übermittlung der Res­sortberichte der Bundesministerien .........              39

Absehen von der 24-stündigen Frist für das Aufliegen der gegenständlichen schriftlichen Ausschussberichte gemäß § 44 (3) GO-BR ................................................................................................. 43

1. Punkt: Wahl des 3. Schriftführers für den Rest des 2. Halbjahres 2017 .................. 43

8. Punkt: Wahl der beiden Vizepräsidenten/innen, der Schriftführer/innen und der Ordner/innen für das 1. Halbjahr 2018 ........................................................................................................... 115

Verlesung der vorgesehenen Fassung eines Teiles des Amtlichen Protokolls dieser Sitzung durch Vizepräsidentin Ingrid Winkler ................................................................................. 116

Genehmigung des verlesenen Teiles des Amtlichen Protokolls ................................ 117

Personalien

Verhinderungen .............................................................................................................. 16

Bundesregierung

Schreiben des Bundeskanzlers Sebastian Kurz betreffend Amtsenthebung der mit der Fortführung der Verwaltung betrauten Bundesregierung sowie der Staats­sekretärin im Bundeskanzleramt durch den Bundespräsidenten ......................................................................................................... 40

Schreiben des Bundeskanzlers Sebastian Kurz betreffend Ernennung seiner Person zum Bundeskanzler, von Heinz-Christian Strache zum Vizekanzler, von


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 3

Dr. Karin Kneissl zur Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres, von Mag. Beate Hartinger zur Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Konsu­men­tenschutz, von Universitätsprofessor Dr. Heinz Faßmann zum Bundesminister für Bildung, von Mag. Dr. Juliane Bogner-Strauß zur Bundesministerin für Familien und Jugend, von Hartwig Löger zum Bundesminister für Finanzen, von Herbert Kickl zum Bundesminister für Inneres, von Dr. Josef Moser zum Bundesminister für Justiz, von Mario Kunasek zum Bundesminister für Landes­verteidigung und Sport, von Elisabeth Köstinger zur Bundesministerin für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, von Ing. Norbert Hofer zum Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie, von Dr. Margarete Schramböck zur Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, von Mag. Gernot Blümel zum Bundesminister ohne Portefeuille, von Mag. Ka­roline Edtstadler zur Staatssekretärin zur Unterstützung in der Geschäfts­füh­rung und zur parlamentarischen Vertretung des Bundesministers für Inneres, von MMag. DDr. Hubert Fuchs zum Staatssekretär zur Unterstützung in der Ge­schäftsführung und zur parlamentarischen Vertretung des Bundesministers für Finanzen sowie betreffend Betrauung von Mag. Beate Hartinger mit der Leitung des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen durch den Bundesprä­siden­ten ......................................................................................................... 41

Nationalrat

Beschlüsse und Gesetzesbeschlüsse ............................................................................ 43

Wahlen in Institutionen

7. Punkt: Wahl eines Mitgliedes und von Ersatzmitgliedern in die Parlamen­ta­rische Versammlung des Europarates .................................................................................................................. 114

Ausschüsse

Zuweisungen .........................................................................................................  21, 117

6. Punkt: Wahl von Mitgliedern und eines Ersatzmitgliedes des Ständigen gemeinsamen Ausschusses des Nationalrates und des Bundesrates im Sinne des § 9 des Finanz­Verfassungsgesetzes 1948                    113

Verhandlungen

2. Punkt: Erklärung des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers gemäß § 37 Abs. 4 GO-BR                     44

Bundeskanzler Sebastian Kurz .................................................................................. 44

Vizekanzler Heinz-Christian Strache ......................................................................... 48

Verlangen auf Durchführung einer Debatte im Sinne des § 37 Abs. 5 GO-BR ............ 44

RednerInnen:

Reinhard Todt ......................................................................................................... ..... 56

Martin Preineder ..................................................................................................... ..... 57

Mag. Nicole Schreyer ............................................................................................. ..... 60

Monika Mühlwerth .................................................................................................. ..... 62

Inge Posch-Gruska ................................................................................................. ..... 65

Mag. Gerald Zelina .................................................................................................. ..... 69

Mag. Dr. Ewa Dziedzic ........................................................................................... ..... 72

Mag. Doris Schulz ................................................................................................... ..... 74

Renate Anderl ......................................................................................................... ..... 77


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 4

Gerd Krusche .......................................................................................................... ..... 80

David Stögmüller .................................................................................................... ..... 82

Mag. Dr. Michael Raml ............................................................................................ ..... 86

Dr. Heidelinde Reiter .............................................................................................. ..... 89

Christian Poglitsch ................................................................................................. ..... 92

Entschließungsantrag der BundesrätInnen Martin Preineder, Monika Mühlwerth, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung und Umsetzung des Regie­rungsprogramms“ – Annahme (E 252-BR/2017) ..................................................................................................................................  59, 94

Entschließungsantrag der BundesrätInnen Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kollegin­nen und Kollegen betreffend „Überwachungspaket stoppen!“ – Ablehnung .........................................................  74, 94

Entschließungsantrag der BundesrätInnen David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Familienbonus“ – Ablehnung ..................................................................................  86, 94

Gemeinsame Beratung über

3. Punkt: Beschluss des Nationalrates vom 13. Dezember 2017 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979, das Gehalts­ge­setz 1956, das Vertragsbedienstetengesetz 1948, das Richter- und Staatsanwalt­schaftsdienstgesetz, das Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz, das Land- und forst­wirtschaftliche Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz, das Landesvertragslehrper­so­nen­­gesetz 1966, das Land- und forstwirtschaftliche Landesvertragslehrpersonen­ge­setz, das Pensionsgesetz 1965 und das Bundes-Personalvertretungsgesetz ge­än­dert werden (Dienstrechts­Novelle 2017) (16/A und 1 d.B. sowie 9917/BR d.B.) ................................................................................................................. 95

Berichterstatterin: Sandra Kern .................................................................................... 95

4. Punkt: Beschluss des Nationalrates vom 13. Dezember 2017 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesverfassungsgesetz über die Begrenzung von Bezügen öffentlicher Funktionäre und das Bundesbezügegesetz geändert wer­den (17/A und 2 d.B. sowie 9918/BR d.B.) ............ 95

Berichterstatterin: Sandra Kern .................................................................................... 95

RednerInnen:

Peter Oberlehner .................................................................................................... ..... 96

Elisabeth Grimling .................................................................................................. ..... 98

Christoph Längle .................................................................................................... ..... 99

Dr. Heidelinde Reiter .............................................................................................. ... 100

Ing. Eduard Köck .................................................................................................... ... 101

Annahme des Antrages der Berichterstatterin zu Punkt 3, gegen den vorliegen­den Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben ................................................................. 102

Annahme des Antrages der Berichterstatterin zu Punkt 4, 1. gegen den vorlie­genden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben und 2. dem vorliegenden Beschluss des Nationalrates gemäß Art. 44 Abs. 2 B-VG die verfas­sungsmäßige Zustimmung zu erteilen ........................ 103

5. Punkt: Beschluss des Nationalrates vom 21. Dezember 2017 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesministeriengesetz 1986 geändert wird (Bun­des­ministeriengesetz­Novelle 2017) (14/A und 3 d.B. sowie 9920/BR d.B. und 9919/BR d.B.) ................................................................................. 103

Berichterstatterin: Sandra Kern .................................................................................. 103


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 5

RednerInnen:

René Pfister ............................................................................................................. ... 104

Robert Seeber ......................................................................................................... ... 106

Mag. Nicole Schreyer ............................................................................................. ... 108

Mag. Dr. Michael Raml ............................................................................................ ... 109

Stefan Schennach ................................................................................................... ... 110

Ing. Eduard Köck (tatsächliche Berichtigung) ............................................................ 112

Mag. Dr. Ewa Dziedzic ............................................................................................... 112

Annahme des Antrages der Berichterstatterin, gegen den vorliegenden Be­schluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben ................................................................................................... 113

Eingebracht wurden

Petition ........................................................................................................................ 117

Petition betreffend „Keine Umverteilung von unten nach oben zu Lasten der Gemein­den“ (38/PET-BR/2017) (überreicht von Bundesrat David Stögmüller)

Anträge der BundesrätInnen

Mag. Nicole Schreyer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Pflanzenschutzmittelgesetz 2011, BGBl. I Nr. 10/2011, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 163/2015, geändert wird (241/A-BR/2017)

Edgar Mayer, Monika Mühlwerth, Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen betref­fend E-Partizipation, die Entwicklung einer neuen Kultur des öffentlichen Diskurses und eine transparente Gesetzgebung zur Stärkung der konsultativen Bürgerbeteiligung im Gesetzgebungsverfahren und des Parlaments (242/A(E)-BR/2017)

Edgar Mayer, Monika Mühlwerth, Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen betref­fend eine nutzerzentrierte, bürgernahe, offene digitale Verwaltung (243/A(E)-BR/2017)

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Berichte der zuständigen Mitglieder der Bundesregierung über notwendige Maßnahmen zur Hintan­haltung von Behördenversagen bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen“ (244/A(E)-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend Familienbonus Plus (245/A(E)-BR/2017)

Anfragen der BundesrätInnen

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien betreffend Versteigerung menschlicher Ahnen- und Trophäenköpfe (3260/J-BR/2017)

Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Ge­sundheit und Frauen betreffend Körperliche Integrität von intergeschlechtlichen Personen (3261/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Familien und Jugend betreffend „Postenschacherei im Familienministerium“ (3262/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung betreffend Zweifelhafte Unterrichtsmethoden und Weltanschauung an der Weinberg­schule in Salzburg (3263/J-BR/2017)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 6

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an betreffend Wechsel von Kabinetts­mitar­beiterInnen in staatliche Betriebe und in die Verwaltung (BKA) (3264/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betref­fend Wechsel von KabinettsmitarbeiterInnen in staatsnahe Betriebe und in die Ver­waltung (BMJ) (3265/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres betreffend Wechsel von KabinettsmitarbeiterInnen in staatsnahe Betriebe und in die Verwaltung (BMEIA) (3266/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Wechsel von KabinettsmitarbeiterInnen in staatsnahe Betriebe und in die Verwaltung (BMASK) (3267/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Wechsel von KabinettsmitarbeiterInnen in staatsnahe Betriebe und in die Verwaltung (BMF) (3268/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Wechsel von KabinettsmitarbeiterInnen in staatsnahe Betriebe und in die Verwaltung (BMI) (3269/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landes­verteidigung und Sport betreffend Wechsel von KabinettsmitarbeiterInnen in staats­nahe Betriebe und in die Verwaltung (BMLVS) (3270/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Wechsel von Kabinettsmit­arbeiterInnen in staatsnahe Betriebe und in die Verwaltung (BMLFUW) (3271/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Wechsel von KabinettsmitarbeiterInnen in staatsnahe Betriebe und in die Verwaltung (BMVIT) (3272/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betreffend Wechsel von KabinettsmitarbeiterInnen in staatsnahe Betriebe und in die Verwaltung (BMWFW) (3273/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung betreffend Wechsel von KabinettsmitarbeiterInnen in staatsnahe Betriebe und in die Verwaltung (BMB) (3274/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betreffend Probleme in der PädagogInnen-Ausbildung im Cluster „Österreich Mitte“ (Oberösterreich und Salzburg) (3275/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit und Frauen betreffend Wechsel von KabinettsmitarbeiterInnen in staatsnahe Betriebe und in die Verwaltung (BMGF) (3276/J-BR/2017)

David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Familien und Jugend betreffend Folgeanfrage Hilfen für junge Erwachsene in der Evaluierung des B-KJHG 2013 (3277/J-BR/2017)

Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend unzensuriert-Chef im Ministerkabinett (3278/J-BR/2017)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 7

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3279/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3280/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3281/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3282/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3283/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3284/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3285/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3286/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3287/J-BR/2017)

Jürgen Schabhüttl, Kolleginnen und Kollegen an den Vizekanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3288/J-BR/2017)

Jürgen Schabhüttl, Kolleginnen und Kollegen an den Vizekanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3289/J-BR/2017)

Jürgen Schabhüttl, Kolleginnen und Kollegen an den Vizekanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3290/J-BR/2017)

Jürgen Schabhüttl, Kolleginnen und Kollegen an den Vizekanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3291/J-BR/2017)

Jürgen Schabhüttl, Kolleginnen und Kollegen an den Vizekanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3292/J-BR/2017)

Jürgen Schabhüttl, Kolleginnen und Kollegen an den Vizekanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3293/J-BR/2017)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 8

Jürgen Schabhüttl, Kolleginnen und Kollegen an den Vizekanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3294/J-BR/2017)

Jürgen Schabhüttl, Kolleginnen und Kollegen an den Vizekanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3295/J-BR/2017)

Jürgen Schabhüttl, Kolleginnen und Kollegen an den Vizekanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3296/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundes­länder (3297/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundes­länder (3298/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundes­länder (3299/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundes­länder (3300/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundes­länder (3301/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundes­länder (3302/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundes­länder (3303/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundes­länder (3304/J-BR/2017)

René Pfister, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundes­länder (3305/J-BR/2017)

Stefan Schennach, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3306/J-BR/2017)

Stefan Schennach, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3307/J-BR/2017)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 9

Stefan Schennach, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3308/J-BR/2017)

Stefan Schennach, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3309/J-BR/2017)

Stefan Schennach, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3310/J-BR/2017)

Stefan Schennach, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3311/J-BR/2017)

Stefan Schennach, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3312/J-BR/2017)

Stefan Schennach, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3313/J-BR/2017)

Stefan Schennach, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3314/J-BR/2017)

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Bildung betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3315/J-BR/2017)

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Bildung betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3316/J-BR/2017)

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Bildung betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3317/J-BR/2017)

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Bildung betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3318/J-BR/2017)

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Bildung betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3319/J-BR/2017)

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Bildung betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3320/J-BR/2017)

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Bildung betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3321/J-BR/2017)

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Bildung betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3322/J-BR/2017)

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Bildung betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3323/J-BR/2017)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 10

Elisabeth Grimling, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3324/J-BR/2017)

Elisabeth Grimling, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3325/J-BR/2017)

Elisabeth Grimling, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3326/J-BR/2017)

Elisabeth Grimling, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3327/J-BR/2017)

Elisabeth Grimling, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3328/J-BR/2017)

Elisabeth Grimling, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3329/J-BR/2017)

Elisabeth Grimling, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3330/J-BR/2017)

Elisabeth Grimling, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3331/J-BR/2017)

Elisabeth Grimling, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3332/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3333/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3334/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3335/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3336/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3337/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3338/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3339/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3340/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3341/J-BR/2017)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 11

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3342/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref-fend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3343/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3344/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3345/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3346/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3347/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3348/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3349/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3350/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Auswir­kun­gen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3351/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3352/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3353/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3354/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3355/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3356/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3357/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3358/J-BR/2017)

Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Auswir­kungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3359/J-BR/2017)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 12

Inge Posch-Gruska, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Familien und Jugend betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3360/J-BR/2017)

Inge Posch-Gruska, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Familien und Jugend betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3361/J-BR/2017)

Inge Posch-Gruska, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Familien und Jugend betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3362/J-BR/2017)

Inge Posch-Gruska, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Familien und Jugend betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3363/J-BR/2017)

Inge Posch-Gruska, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Familien und Jugend betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3364/J-BR/2017)

Inge Posch-Gruska, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Familien und Jugend betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3365/J-BR/2017)

Inge Posch-Gruska, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Familien und Jugend betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3366/J-BR/2017)

Inge Posch-Gruska, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Familien und Jugend betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3367/J-BR/2017)

Inge Posch-Gruska, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Familien und Jugend betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3368/J-BR/2017)

Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Auswirkungen des Regie­rungs­programms auf die Bundesländer (3369/J-BR/2017)

Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Auswirkungen des Regie­rungsprogramms auf die Bundesländer (3370/J-BR/2017)

Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Auswirkungen des Regie­rungs­programms auf die Bundesländer (3371/J-BR/2017)

Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Auswirkungen des Regie­rungsprogramms auf die Bundesländer (3372/J-BR/2017)

Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Auswirkungen des Regie­rungs­programms auf die Bundesländer (3373/J-BR/2017)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 13

Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Auswirkungen des Regie­rungs­programms auf die Bundesländer (3374/J-BR/2017)

Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Auswirkungen des Regie­rungs­programms auf die Bundesländer (3375/J-BR/2017)

Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Auswirkungen des Regie­rungs­pro­gramms auf die Bundesländer (3376/J-BR/2017)

Günther Novak, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3377/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3378/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3379/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3380/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3381/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3382/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3383/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3384/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3385/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3386/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landes­ver­teidigung und Sport betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3387/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landes­ver­teidigung und Sport betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bun­desländer (3388/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landes­verteidigung und Sport betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3389/J-BR/2017)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 14

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesver­teidigung und Sport betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3390/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesver­teidigung und Sport betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bun­desländer (3391/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesver­teidigung und Sport betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bun­desländer (3392/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesver­teidigung und Sport betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bun­desländer (3393/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Auswirkungen des Regie­rungs­programms auf die Bundesländer (3394/J-BR/2017)

Ewald Lindinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landes­vertei­digung und Sport betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bun­desländer (3395/J-BR/2017)

Ingrid Winkler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3396/J-BR/2017)

Ingrid Winkler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3397/J-BR/2017)

Ingrid Winkler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3398/J-BR/2017)

Ingrid Winkler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3399/J-BR/2017)

Ingrid Winkler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3400/J-BR/2017)

Ingrid Winkler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3401/J-BR/2017)

Ingrid Winkler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3402/J-BR/2017)

Ingrid Winkler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3403/J-BR/2017)

Ingrid Winkler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betreffend Auswirkungen des Regierungsprogramms auf die Bundesländer (3404/J-BR/2017)

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Familien und Jugend betreffend „Maßnahmen zur Hintanhaltung von Behördenver­sagen bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen“ (3405/J-BR/2017)

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend „Maßnahmen zur Hintanhaltung von Behördenversagen bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen“ (3406/J-BR/2017)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 15

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend „Maßnahmen zur Hintanhaltung von Behördenversagen bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen“ (3407/J-BR/2017)

Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Alexander Höferl und die Identitäre Bewegung (3408/J-BR/2017)

Anfragebeantwortungen

des Bundeskanzler auf die Anfrage der Bundesräte Hans-Jörg Jenewein, MA, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend Bau einer Mauer rund um das Bundeskanzleramt (3015/AB-BR/2017 zu 3255/J-BR/2017)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Bundesräte David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend Tetron und Sepura Digitalfunkgeräte (3016/AB-BR/2017 zu 3256/J-BR/2017)

des Bundesministers für Landesverteidigung und Sport auf die Anfrage der Bundesräte David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend Tetron und Sepura Digital­funk­geräte (3017/AB-BR/2017 zu 3257/J-BR/2017)

der Bundesministerin für Bildung auf die Anfrage der Bundesräte David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend Schließung der Berufsschule Braunau am Inn und Berufsschule Steyr 2 (3018/AB-BR/2017 zu 3259/J-BR/2017)

des Bundesministers für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft auf die Anfrage der Bundesräte David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend Schließung der Berufsschule Braunau am Inn und Berufsschule Steyr 2 (3019/AB-BR/2017 zu 3258/J-BR/2017)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Bundesräte Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen betreffend Körperliche Integrität von intergeschlechtlichen Personen (3020/AB-BR/2017 zu 3261/J-BR/2017)

des Bundesministers für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien auf die Anfrage der Bundesräte David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend Versteigerung menschlicher Ahnen- und Trophäenköpfe (3021/AB-BR/2017 zu 3260/J-BR/2017)

der Bundesministerin für Bildung auf die Anfrage der Bundesräte David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung betreffend Wechsel von KabinettsmitarbeiterInnen in staatsnahe Betriebe und in die Verwaltung (BMB) (3022/AB-BR/2017 zu 3274/J-BR/2017)

 

 

 

 


 


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 16

11.07.42Beginn der Sitzung: 11.07 Uhr

Vorsitzende: Präsident Edgar Mayer, Vizepräsidentin Ingrid Winkler, Vizepräsidentin Sonja Ledl-Rossmann.

*****

 


Präsident Edgar Mayer: Einen schönen guten Morgen! Ich darf die 874. Sitzung des Bundesrates eröffnen und Sie alle sehr, sehr herzlich begrüßen.

Das Amtliche Protokoll der 873. Sitzung des Bundesrates vom 25. Oktober 2017 ist aufgelegen und unbeanstandet geblieben. Es gilt daher als genehmigt.

Als verhindert gemeldet sind die Mitglieder des Bundesrates Jutta Arztmann, Wolf­gang Beer, Ing. Hans-Peter Bock, Mag. Susanne Kurz und Anneliese Junker.

Ich darf ganz besonders herzlich unseren Bundeskanzler Sebastian Kurz auf der Re­gie­rungsbank begrüßen. Herzlich willkommen, Herr Bundeskanzler! (Allgemeiner Bei­fall.) 

Ich darf Vizekanzler Heinz-Christian Strache begrüßen. Guten Morgen, Herr Vize­kanzler! (Allgemeiner Beifall.)

Ich begrüße Ing. Norbert Hofer. Guten Morgen, Herr Minister! (Allgemeiner Beifall.)

Ich begrüße Bundesminister Gernot Blümel. (Allgemeiner Beifall.)

Ich begrüße Bundesministerin Margarete Schramböck. Guten Morgen! (Allgemeiner Beifall.)

Ich begrüße Frau Ministerin Dr. Karin Kneissl. (Allgemeiner Beifall.)

Ich begrüße Herrn Bundesminister Hartwig Löger. (Allgemeiner Beifall.)

Und ich begrüße Frau Ministerin Beate Hartinger. Guten Morgen, herzlich willkommen! (Allgemeiner Beifall.)

Ich darf auch alle Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Galerie sehr herzlich begrüßen, und natürlich einen schönen guten Morgen an alle Fernsehzuseherinnen und -zuseher vor den Bildschirmen zu Hause! (Beifall des Vizekanzlers Strache.)

Ja, wenn man möchte, kann man natürlich auch applaudieren und damit nicht nur die Menschen grüßen, die bei uns auf der Galerie sind, sondern auch diejenigen vor den Bildschirmen zu Hause. (Allgemeiner Beifall.)

Einer alten Gepflogenheit oder Tradition folgend gibt es am Beginn einer letzten Sit­zung im Jahr auch die Abschiedsrede des Bundesratspräsidenten, da ja die Präsident­schaft mit 1.1. oder eigentlich mit 31.12. endet. Ich freue mich, dass so viele Regie­rungsmitglieder gekommen sind, um bei meiner Abschiedsrede zuzuhören. (Allge­meine Heiterkeit.)

Selbstverständlich ist auch gleich bedeutend, dass wir im Anschluss die Regierungs­erklärung haben, darauf freuen wir uns als Bundesräte und Bundesrätinnen natürlich besonders.

11.09.50Schlussansprache des Präsidenten

 


11.09.58

Präsident Edgar Mayer: Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Meine Damen und Herren auf der Regierungsbank! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In wenigen Tagen


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 17

werden die Vorarlberger den Vorsitz in der Länderkammer und in der Landes­haupt­leute­konferenz an Wien übergeben.

„Gemeinsam Perspektiven schaffen“ war das Motto des Vorarlberger Vorsitzes. Das Ge­meinsame bezog sich dabei nicht nur auf das Land Vorarlberg mit Landeshaupt­mann Markus Wallner, sondern auch auf das Gemeinsame unter uns Bundesräten.

Anfangen ist einfach, durchhalten mühsam, zu Ende bringen eine Kunst – gerade in der Politik, wo es ja selten ein Ende gibt, sondern ein stetes Weitermachen, Verändern und Verbessern gefragt ist. In diesem Sinne habe ich versucht, meinen Beitrag zum Verändern und Verbessern zu leisten. Zentrales Anliegen meiner Präsidentschaft war es, einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Europäischen Union zu liefern. Wenn wir schon als Europakammer bezeichnet werden, ist das schließlich eine zentrale Ange­legenheit des Bundesrates. Eine Weiterentwicklung der EU kann es aber nicht geben, ohne dass die Basis Europas, die Regionen und Kommunen die Richtung vorgeben.

Österreich ist, was die Beteiligung an Subsidiarität betrifft, ein Musterland, da sich bei uns im Bundesrat, sozusagen in Kooperation mit den Ländern, etwas Vorbildliches für ganz Europa entwickelt hat. Wir sind, was die Kooperation mit den Bundesländern anbelangt, beim AdR Best-Practice-Beispiel. Das kann man voller Stolz, glaube ich, immer wieder erwähnen. Diese Zusammenarbeit mit den Ländern hat der Bundesrat in den letzten sechs Monaten noch ausgebaut.

Anfang Juli habe ich Österreich in Estlands Hauptstadt Tallinn bei der Konferenz der Europaausschüsse vertreten. Mit dem Premierminister des EU-Vorsitzlandes Estland Jüri Ratas konnte ich dabei ein sehr gutes Gespräch über die Sicherheit in Europa, die Digitale Agenda und die Brexit-Verhandlungen führen. Im November besuchte ich auf Einladung des estnischen Parlamentspräsidenten Eiki Nestor noch einmal das Parlament des EU-Vorsitzlandes Estland in Tallinn, um insbesondere auch die Digitale Agenda zu studieren – unglaublich, was dieses kleine Land im digitalen Bereich für Leis­tungen erbringt.

Mitte September habe ich mit dem Vorsitzenden der Landtagspräsidentenkonferenz Ing. Hans Penz bereits die Grundlagen für die Konferenz der Landtagspräsidenten in Brüssel besprochen und ihn über die spätere EU-Enquete und die AdR-Konferenz informiert. Die nächsten Schritte zur EU-Enquete wurden dann in Brüssel beim Präsi­denten des Europäischen Ausschusses der Regionen Karl-Heinz Lambertz unternom­men, wo wir den Juncker-Plan zur Zukunft der EU und die regionalen Autonomiebe­stre­bungen in Europa besprochen hatten.

Am 7. November befasste sich dann der Bundesrat im Rahmen einer parlamen­ta­rischen Enquete mit dem Thema „Die Zukunft der EU  aus Sicht der Bundesländer und Regionen“. Damit widmete sich der Bundesrat einmal mehr dem Thema EU und Subsidiarität. Der Kreis der Eingeladenen war hochrangig: EU-Kommissar Johannes Hahn, der Präsident des Ausschusses der Regionen Karl-Heinz Lambertz, die Land­tags­präsidenten Hans Penz, Christian Illedits, Viktor Sigl und Harald Sonderegger sowie viele Experten, unter anderen auch EU-Gemeinderäte, gaben Impulse zu diesen Themenbereichen.

Zielsetzung dieser parlamentarischen Enquete war es, eine Debatte darüber zu führen, in welchen Politikbereichen ein Handeln der EU erforderlich ist und welche Kom­petenzbereiche besser auf Ebene der Nationalstaaten, der Regionen und der Kom­munen behandelt werden könnten. Der Sukkus aus diesen Gesprächen und der Enquete des Bundesrates: Die EU soll weniger effizienter machen, sich auf die Haupt­themenbereiche konzentrieren, sich also verstärkt dem Subsidiaritätsgedanken wid­men, sodass die Bürgerinnen und Bürger auch einen Mehrwert erkennen können. (Beifall bei der ÖVP sowie bei BundesrätInnen von SPÖ und FPÖ.)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 18

Wenige Tage nach der Enquete wurde in Brüssel mit der Europakonferenz der deut­schen und österreichischen Landtagspräsidenten und dem AdR-Präsidenten Karl-Heinz Lambertz die AdR-Konferenz in Wien vorbereitet. Welche Schicksale mit der Zukunft der EU verbunden sind, hat mir etwa der irische Botschafter Tom Hanney gezeigt, als ich mit ihm über den Brexit gesprochen habe. Der Austritt Großbritanniens aus der EU bringt eine Menge Probleme für die offene Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Landesteil Nordirland mit sich.

Diese Schwierigkeiten waren ein zentrales Thema, als eine Delegation des Bundes­rates Mitte November zu Gesprächen nach Irland eingeladen wurde. Beim Meeting mit dem irischen EU-Ausschuss, dem Präsidenten des Senates, dem Präsidenten des Nationalrates wurden die großen Herausforderungen für Irland in Bezug auf Grenz­situation, Zoll und Staatsbürgerschaft mit Nordirland besprochen. Der Vorsitzende des EU-Ausschusses Michael Healy-Rae verwies dabei auf Österreichs wichtige Rolle in diesem Zusammenhang, da Österreich 2018 bei den Endverhandlungen zum Brexit den Vorsitz in der EU führen wird. Das irische Volk, welches sehr proeuropäisch einge­stellt ist, braucht die Unterstützung der EU und ist sehr dankbar über die Gespräche, die wir mit ihnen geführt haben.

Auch bei einem Treffen in der Hofburg mit dem EU-Ausschuss des Landtages aus Bayern standen der Juncker-Plan, die Subsidiaritätsprüfung und der Föderalismus im Mittelpunkt eines Gedankenaustausches. In betont freundlicher Atmosphäre verlief Ende November auch der Besuch des tschechischen Senatspräsidenten Milan Štěch in Wien. Zur Sprache kamen vor allem aktuelle Herausforderungen auf Ebene der EU wie die unverständliche Asyl- und Migrationspolitik der Visegrádstaaten und die Russ­landsanktionen.

Weitere parlamentarische Gespräche konnte ich mit dem Bundesratspräsidenten aus Deutschland, zugleich regierender Bürgermeister in Berlin, Michael Müller, dem Schweizer Ständeratspräsidenten Ivo Bischofberger und der Vizepräsidentin des chinesischen Volkskongresses Lin Wenyi führen.

Viele weitere Termine waren erforderlich, um den Höhepunkt dieses Halbjahres, die 8. Subsidiaritätskonferenz des Europäischen Ausschusses der Regionen, vorzube­reiten. Wie Entscheidungen in der EU möglichst effizient und bürgernah, subsidiär, wie wir heute schon gehört haben, getroffen werden können, war das zentrale Thema die­ser Subsidiaritätskonferenz am 4. Dezember hier in der Hofburg auf Einladung des Bundesrates – und darauf sind wir auch sehr stolz.

VertreterInnen der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments, der estnischen EU-Ratspräsidentschaft sowie der Bundesländer, Gemeinden und Städte der EU kamen in der Hofburg zusammen, um die Rolle der nationalen und regionalen Parlamente im Subsidiaritätsmonitoring sowie die neuesten Entwicklungen rund um die von der Europäischen Kommission eingesetzte Taskforce für Subsidiarität und Verhältnismäßigkeit zu diskutieren. Die Taskforce wird ihre Arbeit am 1. Jänner auf­neh­men und soll ihren Bericht bis zum 15. Juli 2018 der Europäischen Kommission vorlegen. Der EU-Ausschuss des Bundesrates hat sich im November auch mit den Ergebnissen der Enquete und des Weißbuches des Juncker-Planes befasst und dazu eine Mitteilung an die Kommission in Brüssel verfasst.

Sie sehen, Europa war das zentrale Thema unserer Länder- und Europakammer in den letzten sechs Monaten. Ein zweites Thema, dem sich der Bundesrat nachhaltig seit drei Jahren widmet, übrigens als erstes europäisches Parlament, ist die Digita­lisierung. Dazu habe ich Mitte Juli mit Verfassungsschutzchef Peter Gridling und And­reas Kovar zunächst das Grünbuch „Digitalisierung und Demokratie“ präsentiert. Alle


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 19

interessierten Bürgerinnen und Bürger konnten sich von da an über www.digidem.at am Diskussionsprozess zu den einzelnen Themen des Buches beteiligen.

Anfang September wurden das Buch und die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung, die daraus entstanden ist, im Palais Epstein präsentiert. Höhepunkt betreffend dieses Thema war schließlich das Symposium des Bundesrates am 4. Oktober im Dachfoyer der Hofburg. Mehr als hundert TeilnehmerInnen diskutierten mit Experten und Bundes­minister Harald Mahrer über die Rolle sozialer Medien in Wahlkampagnen, die Aus­wirkungen von Fake News auf Wahlkämpfe, die Gefahren von Internetkampagnen sowie über digitale Bürgerbeteiligung, E-Government und E-Voting.

Der österreichische Bundesrat hat sich der wichtigen Aufgabe angenommen, die Chan­cen, die Herausforderungen und Gefahren der Digitalisierung aufzuzeigen. Wir werden dazu heute auch zwei Entschließungsanträge einbringen, damit sich der Verfassungs-ausschuss des Bundesrates unter der Leitung von Dr. Magnus Brunner und der Zukunftsausschuss des Bundesrates unter der Leitung von Stefan Schennach mit dem Thema Digitalisierung auch weiter auseinandersetzen können.

Ich bin sehr froh darüber, dass auch die neue Bundesregierung die Wichtigkeit der Digita­lisierung erkannt hat und durch eine Zuordnung in das Wirtschaftsministerium auch einen klaren Fokus auf dieses Thema legt. Das ist eine wichtige und starke Botschaft für dieses dynamische Zukunftsthema. Wir wünschen Ihnen, Frau Minister, viel Freude und viel Erfolg damit. (Allgemeiner Beifall.)

Zurück zu meinem Heimatland Vorarlberg: Wir haben uns nicht nur in der Landes­hauptleutekonferenz, sondern auch im Bundesrat in Wien mit viel Engagement einge­bracht. Einiges davon hat man bereits gehört. In der Sitzung des Bundesrates Anfang Oktober stellte unser Landeshauptmann Markus Wallner im Parlament die Ziele des Ländervorsitzes vor und hat dafür auch eine gewisse Zeit aufgewendet. Erstmals hat ein Landeshauptmann im Bundesrat über eine Stunde lang gesprochen. Wenn man aber Themen aus Vorarlberg hier entsprechend präsentiert, dann könnte man natürlich einen ganzen Tag dafür verwenden, und es würde einem nie langweilig werden. Das kann ich hier in aller Deutlichkeit anfügen. (Heiterkeit des Bundesrates Oberlehner.)

Wie gesagt, unser Motto war „Gemeinsam Perspektiven schaffen“, und das haben wir auch bereits im September bei einem „Treffpunkt Vorarlberg“ in Wien entsprechend dargestellt.

Einen weiteren Schwerpunkt des Parlaments möchte ich nicht vergessen, weil ich auch Mitglied des Nutzerbeirates bin. Im Juni und Juli dieses Jahres wurde das gesamte Parlament – Nationalrat und Bundesrat samt allen MitarbeiterInnen – in die Hofburg beziehungsweise in die Pavillons übersiedelt. Wir haben hier eine neue und attraktive Möglichkeit erhalten, unsere Sitzungen abzuhalten, und für mich ist es auch eine schöne Symbolik, wenn hier Nationalrat und Bundesrat im gleichen Plenarsaal tagen können.

In diesem Zusammenhang darf ich meinen ganz besonderen Dank an die Mitar-beiterinnen und Mitarbeiter der Parlamentsdirektion mit Parlamentsdirektor Dr. Harald Dossi und Mag. Alexis Wintoniak an der Spitze richten. Es war eine großartige organi­satorische und logistische Leistung. – Höchsten Respekt und herzlichen Dank an alle! (Allgemeiner Beifall.)

Damit komme ich zum Schluss und mache gleichzeitig einen Ausblick in die Zukunft. Wir haben mittlerweile eine neue Bundesregierung, die diese Woche von Bundesprä­sident Alexander Van der Bellen – in Klammern: herzlich – angelobt wurde. Bundes­kanzler und Vizekanzler haben schon in den Koalitionsgesprächen eine Einigkeit ge­zeigt, die wir in Österreich bei solchen Gesprächen lange vermisst haben.


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 20

Die neue Regierung hat es sich nun zum Ziel gesetzt, den Reformstau zu beenden und damit auch notwendigerweise in die Verfassung einzugreifen. Damit kommt in den nächsten Jahren auch dem Bundesrat eine wichtige Rolle zu. Wir Bundesrätinnen und Bundesräte sind ein wenig stolz, einen besseren Umgang untereinander zu haben, als es im Nationalrat zumeist der Fall ist. Dieser Umgang, dieses kollektive Miteinander auf sachpolitischer Ebene sollte auch in Zukunft erhalten bleiben – okay, Herr Kollege Stögmüller? (Bundesrat Stögmüller: Verstanden!) – Jawohl. (Heiterkeit.)

Ich appelliere somit an euch alle, eure Funktion als Mandatare der Länderkammer nach bestem Wissen und Gewissen auch in Zukunft wahrzunehmen und nicht in Ver­suchung zu geraten, politisches Kleingeld zulasten des Bundesrates zu machen. Wir haben, das wissen wir alle, keinen leichten Stand in der Bevölkerung, die unsere Tätig­keit auch immer wieder infrage stellt. Wenn wir in Zukunft primär dadurch auffallen, dass wir jene vom Großteil der Bevölkerung gewünschten Reformen blockieren, dann wird diese Bevölkerung völlig zu Recht unsere Funktion in diesem Hause weiter kritisieren.

Konrad Adenauer hat gesagt: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen!“ – Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, wollen wir hier nicht wirklich haben, das soll hier nicht so funktionieren. Adenauer hat dann aber auch ge­sagt: „Jede Partei ist für das Volk da und nicht für sich selbst.“ (Bundesrat Lindinger: Richtig, genau!) – Richtig.

Abschließend darf ich mich sehr herzlich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundesratskanzlei und allen MitarbeiterInnen des Parlamentsdienstes für die großar­tige Unterstützung und die feine Zusammenarbeit bedanken. Stellvertretend für alle tue ich das bei Direktor Dr. Susi Bachmann und Frau Monika Schweitzer-Wünsch. (Allge­meiner Beifall.) – Da kann man applaudieren, ja.

Meinem Nachfolger Reinhard Todt aus Wien wünsche ich bei der sicher nicht leichten Aufgabe in den nächsten Wochen und Monaten eine ruhige Hand, alles Gute und viel Erfolg.

Ich danke euch allen für den Support während meiner Präsidentschaft, wünsche euch – auch euch auf der Regierungsbank – samt Angehörigen ein gesegnetes Weih­nachtsfest, erholsame Tage und dass wir voller Elan und in guter Gesundheit im Neuen Jahr an positiven Veränderungen für Österreich arbeiten können. Lassen Sie uns weiter „Gemeinsam Perspektiven schaffen“. – Ich danke. (Allgemeiner Beifall.)

11.24

11.24.44Mandatsverzicht und Angelobung

 


Präsident Edgar Mayer: Eingelangt sind Schreiben des Burgenländischen, des Niederösterreichischen, des Oberösterreichischen, des Steiermärkischen und des Wiener Landtages betreffend Mandatsverzichte sowie Wahlen von Mitgliedern und Ersatzmitgliedern des Bundesrates.

Hinsichtlich des Wortlautes dieser Schreiben verweise ich auf die im Sitzungssaal verteilten Mitteilungen gemäß § 41 Abs. 1 der Geschäftsordnung des Bundesrates, die dem Stenographischen Protokoll dieser Sitzung angeschlossen werden. (siehe S. 22)

Die neuen Mitglieder des Bundesrates sind im Hause anwesend, ich werde daher sogleich die Angelobung vornehmen lassen.

Nach Verlesung der Gelöbnisformel durch die Schriftführung wird die Angelobung mit den Worten „Ich gelobe“ zu leisten sein. – Ich ersuche nun die Schriftführung um Ver­lesung der Gelöbnisformel.

 


11.25.03


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 21

Schriftführerin Ana Blatnik:Sie werden geloben unverbrüchliche Treue der Republik Österreich, stete und volle Beobachtung der Verfassungsgesetze und aller anderen Gesetze sowie gewissenhafte Erfüllung Ihrer Pflichten.“

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(Über Namensaufruf durch Schriftführerin Blatnik leisten die BundesrätInnen Ina Aigner, Mag. Christian Buchmann, Mag.Elisabeth Grossmann, Mag. Roman Janacek, Jürgen Schabhüttl, Mag.Doris Schulz, Georg Schuster und Gottfried Sperl ihre Angelobung mit den Worten „Ich gelobe“.)

*****

 


11.26.12

Schriftführerin Ana Blatnik: Ich begrüße die neuen Mitglieder des Bundesrates recht herzlich in unserer Mitte. (Allgemeiner Beifall.)

 


Präsident Edgar Mayer: Auch von mir ein herzliches Willkommen allen neu ange­lobten Mitgliedern des Bundesrates. Alles Gute, viel Erfolg und auf eine gute Zusam­menarbeit!

11.28.55Einlauf und Zuweisungen

 


Präsident Edgar Mayer: Hinsichtlich der eingelangten, verteilten und vervielfältigten Anfragebeantwortungen,

der Schreiben der PräsidentInnen des Burgenländischen, des Niederösterreichischen, des Oberösterreichischen, des Steiermärkischen sowie des Wiener Landtages betref­fend Mandatsverzichte beziehungsweise betreffend Wahlen von Mitgliedern und Er­satz­mitgliedern des Bundesrates,

jenes Verhandlungsgegenstandes, der gemäß Art. 42 Abs. 5 Bundes-Verfassungs­ge­setz nicht dem Mitwirkungsrecht des Bundesrates unterliegt,

der Unterrichtung gemäß Art. 50 Abs. 5 B-VG beziehungsweise

der Unterrichtung gemäß § 7 EU-Informationsgesetz sowie

des Schreibens des Bundeskanzlers betreffend Amtsenthebung der mit der Fortfüh­rung der Verwaltung betrauten Bundesregierung sowie der Staatssekretärin im Bun­deskanzleramt und

eines weiteren Schreibens des Bundeskanzlers betreffend dessen Ernennung zum Bun­deskanzler und die der übrigen Mitglieder der Bundesregierung sowie der Staats­sekretärin im Bundesministerium für Justiz beziehungsweise des Staatssekretärs im Bundesministerium für Finanzen durch den Herrn Bundespräsidenten

verweise ich gemäß § 41 Abs. 1 der Geschäftsordnung auf die im Sitzungssaal ver­teilten Mitteilungen, die dem Stenographischen Protokoll dieser Sitzung angeschlossen werden.

Ebenso verweise ich hinsichtlich der eingelangten Verhandlungsgegenstände und deren Zuweisung im Sinne des § 19 Abs. 1 der Geschäftsordnung auf die gemäß § 41 Abs. 1 der Geschäftsordnung im Sitzungssaal verteilten Mitteilungen, die dem Steno­graphischen Protokoll dieser Sitzung angeschlossen werden.


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 22

Die schriftliche Mitteilung hat folgenden Wortlaut:

A. Eingelangt sind:

1. Anfragebeantwortungen:

3015/AB-BR bis 3022/AB-BR (siehe S. 15)

2. Eingelangter Verhandlungsgegenstand, der gemäß Art. 42 Abs. 5 B-VG nicht dem Mitwirkungsrecht des Bundesrates unterliegt:

Beschluss des Nationalrates vom 21. Dezember 2017 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem eine vorläufige Vorsorge für das Finanzjahr 2018 getroffen wird (Gesetzliches Budgetprovisorium 2018) und das Bundesfinanzrahmengesetz 2017 bis 2020 geändert wird (4 d.B.)

3. Schreiben der Landtage:

Schreiben des Präsidenten des Burgenländischen Landtages betreffend Mandatsver­zichte bzw. Wahl eines Mitglieds und eines Ersatzmitglieds des Bundesrates (An­lage 1)

Schreiben des Präsidenten des Niederösterreichischen Landtages betreffend Mandats­verzicht bzw. Wahl zweier Mitglieder und zweier Ersatzmitglieder des Bundesrates (Anlage 2 und Anlage 6)

Schreiben des Präsidenten des Oberösterreichischen Landtages betreffend Mandats­verzicht bzw. Wahl eines Mitglieds und eines Ersatzmitglieds des Bundesrates (An­lage 3 und 3a)

Schreiben der Präsidentin des Steiermärkischen Landtages betreffend Mandatsver­zichte bzw. Wahl eines Mitglieds und zweier Ersatzmitglieder des Bundesrates bzw. Landtagsbeschluss Nr. 669 betreffend Wahl eines weiteren Mitglieds und eines weite­ren Ersatzmitglieds des Bundesrates (Anlage 4 und Anlage 7)

Schreiben des Ersten Präsidenten des Wiener Landtages betreffend Mandatsverzichte und Wahl von Ersatzmitgliedern des Bundesrates (Anlage 5)

4. Schreiben des Bundeskanzlers:

Schreiben des Bundeskanzlers betreffend Amtsenthebung der mit der Fortführung der Verwaltung betrauten Bundesregierung sowie der Staatssekretärin im Bundeskanz­leramt (Anlage 10)

Schreiben des Bundeskanzlers betreffend dessen Ernennung zum Bundeskanzler und die der übrigen Mitglieder der Bundesregierung sowie der Staatssekretärin im Bundes­ministerium für Justiz bzw. des Staatssekretärs im Bundesministerium für Finanzen durch den Herrn Bundespräsidenten (Anlage 11)

5. Aufenthalte von Mitgliedern der Bundesregierung in einem anderen Mitglieds­staat der Europäischen Union:

6. Unterrichtung gemäß Art. 50 Abs. 5 B-VG:

Schreiben des Generalssekretärs des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres betreffend Aufnahme von Verhandlungen über einen Vertrag zwischen der Republik Österreich und dem Königreich Marokko über die Überstellung verurteilter Personen (Anlage 8)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 23

7. Unterrichtung gemäß § 7 EU-InfoG:

Schreiben des Bundeskanzleramts und des Bundesministeriums für Europa, Inte­gration und Äußeres betreffend Übermittlung der Ressortberichte der Bundes­minis­terien (Beilage 9)

B. Zuweisungen:

1. Gesetzesbeschlüsse (Beschlüsse) des Nationalrates sowie EU-Vorhaben gemäß Art. 23e B-VG:

(siehe Tagesordnung)

2. Selbständige Anträge:

Antrag der Bundesräte Nicole Schreyer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bun­desgesetz, mit dem das Pflanzenschutzmittelgesetz 2011, BGBl. I Nr. 10/2011, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 163/2015, geändert wird (241/A-BR/2017)

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Präsident Edgar Mayer: Eingelangt sind und den zuständigen Ausschüssen zugewie­sen wurden jene Beschlüsse des Nationalrates, die Gegenstand der heutigen Tages­ord­nung sind.

Die Ausschüsse haben ihre Vorberatungen abgeschlossen und schriftliche Ausschuss­berichte erstattet.

Absehen von der 24-stündigen Aufliegefrist

 


Präsident Edgar Mayer: Es ist mir der Vorschlag zugekommen, von der 24-stündigen Aufliegefrist der gegenständlichen Ausschussberichte zu den vorliegenden Beschlüs­sen des Nationalrates Abstand zu nehmen. Hiezu ist eine Mehrheit von mindestens zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen erforderlich.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die dem Vorschlag auf Abstandnahme von der 24-stündigen Aufliegefrist der gegenständlichen Ausschussberichte einver­standen sind, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmeneinhelligkeit. Der Vorschlag ist mit der nach § 44 Abs. 3 der Geschäftsordnung des Bundesrates erforderlichen Zweidrittelmehrheit angenommen.

*****

Ich habe die zuvor genannten Verhandlungsgegenstände, die Wahl des 3. Schrift­füh­rers für den Rest des zweiten Halbjahres 2017,

die Erklärung des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers gemäß § 37 Abs. 4 der Ge­schäftsordnung des Bundesrates,

die Wahl von Mitgliedern und eines Ersatzmitgliedes in den Ständigen gemeinsamen Ausschuss des Nationalrates und des Bundesrates im Sinne des § 9 Finanz-Ver­fassungsgesetz 1948 sowie

die Wahl eines Mitgliedes und von Ersatzmitgliedern in die Parlamentarische Ver­sammlung des Europarates beziehungsweise die Wahl der beiden VizepräsidentInnen, der SchriftführerInnen und der OrdnerInnen für das erste Halbjahr 2018

auf die Tagesordnung der heutigen Sitzung gestellt.

Wird zur Tagesordnung das Wort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

Behandlung der Tagesordnung

 


Präsident Edgar Mayer: Aufgrund eines mir zugekommenen Vorschlags beabsichtige ich, die Debatte über die Tagesordnungspunkte 3 und 4 unter einem durchzuführen.

Erhebt sich dagegen ein Einwand? – Das ist nicht der Fall.

11.31.561. Punkt

Wahl des 3. Schriftführers für den Rest des 2. Halbjahres 2017

 


Präsident Edgar Mayer: Wir gehen in die Tagesordnung ein und kommen zu deren 1. Punkt.

Da das ehemalige Mitglied des Bundesrates Werner Herbert auf sein Mandat ver­zichtet hat, ist die gegenständliche Wahl erforderlich geworden.


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Es liegt mir der Vorschlag vor, Herrn Bundesrat Gerd Krusche zum 3. Schriftführer zu wählen.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Vorschlag ihre Zustimmung geben, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmeneinhelligkeit. Der Wahlvorschlag ist somit angenommen.

Ich frage den Gewählten, ob er diese Wahl annimmt.

 


11.32.29

Bundesrat Gerd Krusche (FPÖ, Steiermark): Ich nehme die Wahl an und bedanke mich für das Vertrauen.

 


Präsident Edgar Mayer: Ich gratuliere recht herzlich und wünsche viel Erfolg bei dieser wichtigen Tätigkeit.

11.32.392. Punkt

Erklärung des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers gemäß § 37 Abs. 4 GO-BR

 


Präsident Edgar Mayer: Wir gelangen nun zum 2. Punkt der Tagesordnung.

Ich darf den Herrn Bundeskanzler und den Herrn Vizekanzler sowie alle anwesenden Mitglieder der Bundesregierung nochmals begrüßen und darf auch meiner Freude darüber Ausdruck verleihen, dass dies heute möglich ist und dass so viele Regie­rungs­mitglieder hier anwesend sind.

Bevor ich dem Herrn Bundeskanzler und dem Herrn Vizekanzler das Wort erteile, gebe ich bekannt, dass mir ein schriftliches Verlangen von fünf Bundesräten im Sinne des § 37 Abs. 5 der Geschäftsordnung des Bundesrates vorliegt, im Anschluss an diese beiden Erklärungen eine Debatte durchzuführen.

Da dieses Verlangen genügend unterstützt ist, werde ich ihm ohne Weiteres statt­geben.

Ich erteile nun dem Herrn Bundeskanzler zur Abgabe einer Erklärung betreffend die neue Bundesregierung das Wort. – Bitte, Herr Bundeskanzler.

 


11.33.34

Bundeskanzler Sebastian Kurz: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Bundesräte! Ich möchte zunächst einmal allen neu angelobten Bun­desräten ganz herzlich gratulieren und ihnen alles Gute für ihre Aufgabe wünschen. Darüber hinaus möchte ich Ihnen gerne gemeinsam mit dem Vizekanzler jetzt unsere Regierung und insbesondere auch unser Regierungsprogramm vorstellen und prä­sentieren. Natürlich darf ich auch alle Österreicherinnen und Österreicher, die gerade diese Sitzung via Fernsehen oder Livestream mitverfolgen, ganz herzlich begrüßen.

Zu allererst möchte ich die Gelegenheit nutzen und mich noch einmal ganz herzlich für das Vertrauen bedanken, das wir am 15. Oktober ausgesprochen bekommen haben. Am 15. Oktober haben die Österreicherinnen und Österreicher eine Richtungs­entschei­dung getroffen. Sie haben zwei Parteien massiv gestärkt, die dann auch wenige Tage später Koalitionsverhandlungen aufgenommen haben. Die Österreicherinnen und Österreicher haben uns die Chance gegeben, die Inhalte, die wir auch im Wahlkampf vertreten haben, in ein Regierungsprogramm niederzuschreiben und in weiterer Folge auch umzusetzen.

Ich möchte mich heute aber auch bei Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen dafür bedanken, dass er unsere Koalitionsverhandlungen begleitet hat, mit uns immer im guten Gespräch war, und auch dafür, dass er uns am Ende des Tages bei der An-


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ge­lobung das Vertrauen geschenkt hat, mit dem wir definitiv behutsam umgehen werden.

Ein Danke auch allen Regierungsmitgliedern, die bisher Verantwortung getragen haben, allen voran natürlich Herrn Bundeskanzler Christian Kern und Herrn Vize­kanz­ler Wolfgang Brandstetter – stellvertretend für all jene, die in der letzten Legisla­turperiode für unser Land gearbeitet haben. (Allgemeiner Beifall.)

Sehr geehrte Damen und Herren, wir alle wissen, Veränderung schafft Hoffnung, Verän­derung schafft Chancen, Veränderung macht manchmal auch unsicher und Veränderung ist etwas, über das man unterschiedlicher Meinung sein kann. Was aber definitiv richtig ist, ist, dass Veränderung etwas ist, das sich nicht aufhalten lässt. Unsere Welt hat sich massiv verändert: Es gibt neue Spieler und neue Heraus­for­derungen, neue Regeln und insbesondere auch eine neue Geschwindigkeit.

Die Globalisierung, die Digitalisierung, die Mobilität haben die ganze Welt verändert, und all das macht auch vor unserem schönen Österreich nicht halt. Als Bundes­regierung verfolgen wir daher ein klares Ziel: Wir wollen auf diesem neuen Spielfeld für Österreich wieder einen Platz an der Spitze erobern. Wir wollen ein Comeback für unser Land zustande bringen, auf das wir gemeinsam stolz sein können und von dem alle Menschen in unserem Land profitieren. Wir glauben an dieses Österreich, wir glauben an seine Menschen und wir glauben auch daran, dass eine gute Zukunft vor uns liegt.

Österreich und seine Menschen haben in der Vergangenheit immer wieder gezeigt: Wir können oft mehr, als man uns zutraut, und oftmals sogar mehr, als wir uns selbst zutrauen.

Nach 1945 waren es die Großeltern- und die Elterngeneration, die aus den Trümmern unseres Landes Österreich und unsere Republik wieder aufgebaut haben. In den Siebzigerjahren ist ein Sozialsystem geschaffen worden, auf das viele in unserer Welt mit Neid schauen, und in den 2000er-Jahren ist es gelungen, dass die Deutschen, die das nicht allzu gerne zugeben, Österreich als „das bessere Deutschland“ bezeichnet haben.

Zu jedem Zeitpunkt in unserer Geschichte waren es nicht nur die Politiker, die Visionen vorgezeigt haben, sondern es waren vor allem die Menschen, die mit harter Arbeit dafür gekämpft haben, aus unserem Land das zu machen, was es heute ist. Gerade deshalb haben wir als Regierung eine ganz besondere Verantwortung: Wir haben eine ganz besondere Verantwortung, den erfolgreichen Weg Österreichs fortzusetzen, aber auch da und dort, wo in den letzten Jahren Fehlentscheidungen getroffen wurden, wo Fehlentwicklungen gerade stattfinden, gegenzusteuern. Diesen Weg, sehr geehrte Damen und Herren, wollen wir gehen, und bei diesem Weg bitten wir um Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Wir bitten aber nicht nur um Ihr Vertrauen, sondern wir als Regierung wollen auch ein Versprechen abgeben: Wir versprechen, dass wir alles tun werden, dass dieses Land am Ende der Legislaturperiode besser dasteht als heute. Wir versprechen auch, dass wir uns anstrengen werden, die Steuer- und Abgabenquote in Österreich in Richtung 40 Prozent zu senken, damit jene Menschen in unserem Land, die arbeiten gehen, nicht die Dummen sind. Wir versprechen, dass wir unsere Sozialsysteme reformieren werden, damit sie wieder treffsicherer sind und diejenigen, die wirklich Hilfe brauchen, diese auch erhalten. Und wir versprechen, dass wir uns für mehr Ordnung und Sicherheit einsetzen werden, dass wir gegen illegale Migration ankämpfen werden und dass wir auf europäischer Ebene einen Beitrag zu einem funktionierenden Außen­grenzschutz leisten werden, denn das ist die Basis für ein Europa ohne Grenzen und


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das ist die Basis für Sicherheit in unserem Land. (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie des Bundesrates Zelina.)

Wir versprechen Ihnen darüber hinaus, dass wir alles tun werden, damit junge Men­schen, die unsere Schulen verlassen, wieder ordentlich lesen, schreiben und rechnen können, und dass in der Schule auch auf diese Grundfertigkeiten fokussiert wird. Und wir versprechen Ihnen, dass wir uns anstrengen werden, die Chancen der Digitalisie­rung für unser Land zu nutzen, denn nur dann, wenn wir es schaffen, unsere Verwal­tung auch digitaler zu gestalten, und wenn es uns gelingt, auch bei der Einführung von 5G Vorreiter zu sein, werden wir auch in der Zukunft, in der Zukunft des 21. Jahr­hunderts, ein erfolgreiches Land bleiben können.

All das können wir tun und all das werden wir auch tun. Als Basis dafür haben wir nicht nur ein Regierungsprogramm gemeinsam erstellt, sondern als Basis, um das Regie­rungsprogramm umsetzen zu können, haben wir ein starkes Regierungsteam aus­gewählt. Ich freue mich sehr, mit den Regierungsmitgliedern, die wir ausgewählt haben, in den nächsten fünf Jahren gemeinsam für unser wunderschönes Land arbei­ten zu dürfen.

Beim Team haben wir ganz bewusst auf einen guten Mix aus Menschen, die Erfahrung in der Politik haben, und aus solchen, die Erfahrung aus Wirtschaft oder Wissenschaft mitbringen, gesetzt. Wir haben auf Jüngere und Junggebliebene, auf Menschen aus allen Teilen unseres Landes gesetzt. Aber das Entscheidende ist ja nicht, woher jemand kommt oder welche Erfahrungen jemand mitbringt, sondern das Entscheidende ist, dass diese Regierung gute Arbeit für unser Land leistet. Das ist unser Ziel. Dieses Versprechen geben wir ab: Wir werden uns all die fünf Jahre anstrengen, das Beste für unser Land zustande zu bringen! (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie des Bundesrates Zelina.)

Bei allem Mut zur Veränderung, den wir haben, ist es darüber hinaus auch notwendig, auf Werte, die zeitlos sind, aufzubauen. Es sind drei Werte, die ich hier ganz beson­ders herausstreichen möchte, und das ist zum Ersten Respekt, zum Zweiten Anstand und zum Dritten Hausverstand. Wir haben in den Regierungsverhandlungen schon einen respektvollen Umgang miteinander bewiesen, und wir wollen diesen Umgang genau so in der Regierungsarbeit fortsetzen.

Ich hoffe aber auch, dass es uns gelingt, im Diskurs mit der Opposition stets respekt­voll und auf Augenhöhe zu agieren. Die Aufgabe der Regierung ist es, für dieses Land zu arbeiten und auch das Regierungsprogramm und unsere Arbeit zu verteidigen. Die Aufgabe der Opposition ist es selbstverständlich, das Programm, die Personen zu hinterfragen, zu kritisieren und da und dort auch andere Vorschläge zu machen. Wir haben unterschiedliche Aufgaben und Rollen in unserer Demokratie, aber ich würde mir wünschen, dass es uns gelingt, dass wir stets auf Augenhöhe miteinander um-gehen und dass wir im Ton immer respektvoll bleiben. Ich glaube, unser Österreich und unsere Demokratie haben sich diesen Umgang miteinander verdient. (Beifall bei ÖVP und FPÖ, bei BundesrätInnen der SPÖ sowie des Bundesrates Zelina.)

Ein zweiter Wert, der uns wichtig ist, ist natürlich der Hausverstand. Wir wissen, dass wir in unserem Land eine ständig steigende Zahl an Regulierungen, an Gesetzen haben und dass das das Leben der Menschen oft nicht einfacher macht. Unser großes Ziel ist es, für unser Land zu arbeiten – natürlich im Austausch mit Experten –, aber unser Ziel ist es auch, niemals auf das Gespräch mit der Bevölkerung zu vergessen. Wir wollen einen Staat haben, in dem es wenige Regeln gibt, die aber von allen eingehalten werden, und wir wollen gleichzeitig einen Staat schaffen, der sich auch wieder zurücknimmt, was Bürokratie, Verwaltung und Regulierung betrifft, damit den


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Menschen mehr Freiheit und mehr Chance für Eigenverantwortung bleibt. Eine Politik mit Hausverstand wird stets unser Ziel sein.

Der dritte Wert, den ich ansprechen möchte, ist der Anstand. Ich glaube, Anstand in der Politik bedeutet, mit der geliehenen Macht sorgsam umzugehen, und bedeutet auch, mit dem Steuergeld sorgsam umzugehen. Unser großes Ziel wird es sein, mit Steuergeld nicht nur korrekt zu agieren, sondern möglichst sparsam zu haushalten. Nur wenn es uns gelingt, im System und nicht bei den Menschen zu sparen, werden wir einen positiven Beitrag für dieses Land leisten können; und nur wenn es uns gelingt, sparsam mit Steuergeld umzugehen, werden wir auch unser Ziel erreichen können und die Steuer- und Abgabenquote in unserem Land endlich reduzieren.

Sehr geehrte Damen und Herren, das sind drei Grundwerte, denen wir uns verpflichtet fühlen und die stets auch Kompass für unsere Arbeit sein werden.

Gerade wenn man in unserem Land etwas verändern möchte, ist es auch wichtig, einen ordentlichen Blick für unsere Vergangenheit zu haben. Gerade mit dem nächsten Jahr haben wir ein wichtiges Gedenkjahr vor uns: Die Republik feiert ihr hundert­jähriges Bestehen. Wir werden aber auch der schmerzlichen, beschämenden und trau­rigen Ereignisse rund um den März 1938 gedenken. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal klar festhalten, dass die Erinnerung an den Horror des Zweiten Weltkriegs immer ein warnendes Beispiel für uns sein muss; und es muss immer sichergestellt sein, dass sich so etwas niemals wiederholen darf.

Unser Land hat leider erst viel zu spät die eigene Mitverantwortung im Zuge der Naziherrschaft eingestanden, daher ist unsere Verantwortung heute umso größer, ganz entschieden gegen alle Formen von Antisemitismus anzukämpfen, den noch immer bestehenden genauso wie den neu importierten. Es ist auch unsere Verant­wortung, einen ordentlichen Kontakt mit Israel zu pflegen, den Staat Israel zu unter­stützen und ein starker Partner für dieses Land zu sein. (Zwischenruf des Bundesrates Stögmüller.) Sehr geehrte Damen und Herren, dieses Versprechen können wir abge­ben.

Genauso werden wir im Gedenkjahr 2018 auch positiver Ereignisse gedenken. Im Jahr 1848 haben die Menschen in ganz Europa dafür gekämpft, die Fesseln von Abso­lutismus und Diktatur abzustreifen. Im Jahr 1948 haben die Menschen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die damals beschlossen wurde, gemein­sam gefeiert. 1968 haben die Bürgerinnen und Bürger der damaligen Tschecho­slo­wakei für Selbstbestimmung, Demokratie und Meinungsfreiheit gekämpft. All dieser Ereignisse werden wir im Jahr 2018 gedenken.

Gerade in einem Gedenkjahr ist es, glaube ich, angebracht, sich auch bewusst zu sein, dass das, was damals erkämpft wurde, heute durch die Europäische Union abgesichert und instand gehalten wird. Die Europäische Union ist die verbindende Klammer für diese Grundwerte, die lange erkämpft werden mussten. Daher wird es unsere Aufgabe sein, einen Beitrag zu leisten, um die Europäische Union auch in Zukunft zu stärken und aktiv weiterzuentwickeln.

Ich bin froh, dass wir im zweiten Halbjahr 2018 den Ratsvorsitz innehaben – unsere Chance, auf europäischer Ebene noch stärker mitzugestalten als nur als Mitgliedstaat. Wir werden uns für mehr Subsidiarität einsetzen – wie du vorhin gesagt hast, Herr Präsident –, mehr Subsidiarität im Sinne einer stärkeren Europäischen Union in den großen Fragen, von der Außen- über die Sicherheits- bis zur Verteidigungspolitik, und einem Europa, das sich in kleinen Fragen, welche Mitgliedstaaten oder Regionen besser beantworten können, zurücknimmt.


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Wir werden bei Fehlentwicklungen, wie der falschen Migrations- und Flüchtlingspolitik, Problemen beim Umgang mit Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, bei denen wir nicht wegsehen dürfen, gegensteuern müssen, aber als ein Land, das im Herzen Europas gelegen ist, auch einen Beitrag leisten, um die Spannungen zwischen Ost und West auf unserem Kontinent wieder abzubauen. All das wird unsere Aufgabe beim Rats­vorsitz, aber auch darüber hinaus sein.

Sehr geehrte Damen und Herren, die Bundesregierung ist nicht nur bereit, diese Arbeit zu leisten, sondern es gibt auch genug zu tun. Man könnte fast sagen: Arbeit, wohin man schaut. Ich kann Ihnen aber versichern, wir gehen mit großem Respekt an die Aufgabe heran, aber wir sind gleichzeitig voller Freude, dass wir für unser Land arbeiten dürfen und unserem Österreich dienen dürfen. Mit Ihrer Unterstützung werden wir erfolgreich sein! – Vielen Dank. (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie der Bundesräte Koller und Zelina.)

11.48


Präsident Edgar Mayer: Herr Bundeskanzler, vielen Dank für deine Ausführungen.

Ich erteile nunmehr dem Herrn Vizekanzler zur Abgabe einer Erklärung betreffend die neue Bundesregierung das Wort. – Bitte, Herr Vizekanzler.

 


11.48.45

Vizekanzler Heinz-Christian Strache: Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren des Bundesrates! Am 15. Oktober hat es im Rahmen der demokratischen Wahlentscheidung eine sehr, sehr klare Entscheidung dahin gehend gegeben, dass es eine neue stärkste politische Kraft im Land gibt, dass es, auch mit der Freiheitlichen Partei Österreichs, die ein deutliches Plus erhalten hat, zwei große Wahlgewinner gegeben hat. Dass mit dieser demokratischen Wahlentscheidung der Wunsch nach Veränderung sichtbar geworden ist, kann niemand bestreiten.

Als sich dann in der Folge die Sozialdemokratische Partei selbst aus dem Koalitions­gesprächsrennen genommen hat, indem sie mitgeteilt hat, sich in die Opposition zu bewegen, war offensichtlich auch dem Vertreter der ÖVP, Sebastian Kurz, klar, dass es nur mit der Freiheitlichen Partei Österreichs möglich ist, nachhaltig Verhandlungen zu führen. Im Zuge der Vorgespräche haben wir das damals auch festgestellt. Der Herr Bundespräsident hat in der Folge Sebastian Kurz einen Regierungsbildungsauftrag erteilt, und wir haben dann die Verhandlungen auf Basis – und ich sage das ganz bewusst – großer Seriosität, Qualität, aber auch mit dem Wollen, zügig zu einem guten Ergebnis für Österreich zu kommen, begonnen.

Das war auch mit gegenseitiger Wertschätzung erfüllt, denn da lernt man sich dann natürlich näher kennen, kann die Verhandler durch das persönliche Näherken­nen­lernen menschlich besser einschätzen, und dieser gegenseitige Respekt war einfach eine gute Grundlage, um sich zu finden.

Da geht es natürlich um Ehrlichkeit, um Aufrichtigkeit, um Anstand. Wir sind beide mit klaren Programmen, mit inhaltlichen Grundsätzen, mit Forderungen, die wir auch einhalten wollen, in die Wahl gegangen. Dass das Einhalten natürlich nicht überall zu 100 Prozent möglich sein kann, ist uns beiden bewusst gewesen. Wir haben keine absolute Mehrheit, keiner von uns beiden, und daher war uns klar, wir wollen so viele unserer Wahlversprechen wie möglich in einem Regierungsprogramm wiederfinden; und, das sage ich sehr bewusst, das ist beiden Seiten zu jeweils 75 Prozent gelungen.

Das ist aber natürlich auch dem Umstand geschuldet, dass ja viele Programmpunkte auch schon in den Wahlprogrammen zuvor ähnlich oder fast identisch gewesen sind. Jeder hat dann auch noch da oder dort zusätzlich eine Umsetzung gefordert und eini­ges auch durchgesetzt. Ich glaube – und das ist ganz, ganz wesentlich –, die Men-


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schen haben es in den letzten Jahren durchaus sattgehabt, dass man permanent ein öffentliches Hickhack innerhalb der Regierung erlebt hat, dass man die Differenzen, die da oder dort natürlich gegeben sind, immer wieder öffentlich ausgetragen hat. Ich glaube, das war ein Zustand, über den viele Menschen gesagt haben, den wollen sie nicht.

Es wird auch unser Anspruch sein, das in Zukunft anders zu leben, da das Interesse der österreichischen Bevölkerung im Auge zu haben und im Sinne von Respekt gegenüber der eigenen Bevölkerung die Arbeit und die Verantwortung im Auge zu haben. Wir verstehen unsere Arbeit so, dass wir der österreichischen Bevölkerung zu dienen haben, und zwar mit Verantwortung, aber vor allen Dingen auch in großer Demut, denn wir sind alle endlich, wir wissen, dass diese Aufgabe, die wir übertragen bekommen haben, eine Aufgabe mit großer Verantwortung ist. Daher wollen wir, solange wir diese Aufgabe haben, das Beste tun und können versprechen, mit bestem Wissen und Gewissen Inhalte, die unser Land auch vorwärtsbringen, für die öster­reichische Bevölkerung umzusetzen.

Es braucht viele, viele kleine Schritte, damit man am Ende dann auch auf dem Berg­gipfel ankommt. Und ich habe das auch im Rahmen unserer Regierungserklärung im Nationalrat schon bewusst festgehalten: Es ist nicht der Anspruch, alles anders machen zu wollen, aber es ist unser Anspruch, vieles besser machen zu wollen.

Wir sind keine Wunderwuzzis, auch keine Zauberer – nein! –, aber den Anspruch, vieles besser machen zu wollen, den haben wir und der ist notwendig, das erwarten sich auch die Menschen. Da geht es nicht um Eitelkeiten, um Parteiinteressen, son­dern eben ausschließlich um die Interessenlage der eigenen Bevölkerung. Daher haben wir unsere Programmpunkte unter dem Titel „Zusammen. Für unser Österreich.“ ganz klar festgelegt. Goethe hat einmal gesagt: „Sein Jahrhundert kann man nicht verändern, aber man kann sich dagegen stellen und glückliche Wirkungen vorbe­reiten.“ – Solch glückliche Wirkungen vorzubereiten ist sozusagen die Aufgabe, die wir jetzt leben. (Beifall bei FPÖ und ÖVP sowie des Bundesrates Zelina.)

Wir haben ganz klare Grundsätze im Programm, die uns besonders wichtig waren, nämlich mehr Sicherheit für die österreichische Bevölkerung umzusetzen – mehr Sicherheit in dem Sinn, dass es ganz konkret darum geht, den Exekutivbeamten zur Seite zu stehen und darauf zu achten, dass es in Zukunft mehr Planstellen für die Exekutive in Österreich gibt, um den herausfordernden Aufgaben und der gestiegenen Kriminalität, aber auch der Terrorismusbedrohung entgegentreten zu können. Das ist ein wesentlicher Punkt; und mit 2 100 zusätzlichen Planstellen haben wir uns genau dieses Punktes ganz klar und deutlich angenommen.

Wir haben festgehalten, dass mehr Polizeischüler ausgebildet werden müssen. Wir werden im Jahr 2021 die Situation haben, dass es einen großen natürlichen Abgang von Polizisten in die Pension geben wird, und damit würde ein großes Loch aufge­rissen werden, wenn wir jetzt nicht gegensteuern.

Wir haben festgehalten, dass es auch vernünftig wäre, ein neues Exekutivdienstgesetz im Rahmen des Beamten-Dienstrechtsgesetzes sicherzustellen, sodass auch die Beamten, die im höheren Alter, so ab 60 Jahren, nicht mehr außendienstfähig sind, im Bereich des Innendienstes und der Verwaltung trotzdem ihre Sicherheitszulagen oder Außendienstzulagen erhalten und nicht so wie heute mit 60,5 oder 61 Jahren in Pension gehen und damit abhandenkommen. Da muss man gegensteuern, denn da geht es um Effizienz und letztlich auch um Sparsamkeit im Sinne des Systems und der Aufrechterhaltung des Systems.

Natürlich geht es auch um eine bessere Ausrüstung. Es geht darum, dass auch die Rückenstärkung im Kampf gegen das Verbrechen vorhanden sein muss und man die


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Beamten da auch nicht im Stich lassen darf. Genau das sind ganz, ganz wesentliche Bereiche, die wir im Programm festgehalten haben.

Wir trennen klar zwischen Zuwanderung und Asyl – ja! –, und wir bekennen uns auch klar zu einem Staat, der für Ordnung und Sicherheit eintritt. Zum Thema Asyl: Jeder Mensch, der unsere Hilfe braucht, soll vor Verfolgung geschützt werden, aber das bedeutet, den Schutz auf Zeit im Sinne des Asylrechts sicherzustellen. Das bieten wir jenen Menschen, die wirklich vor Verfolgung flüchten, aber sobald diese Verfolgung ein Ende gefunden hat, sollte man auch wieder in sein Heimatland gehen und am Aufbau und Wiederaufbau mithelfen und dort mitgestalten.

Daher werden wir auch die Schritte hin zu einem effizienteren Asylwesen setzen, wenn es um eine konsequente Rückführung abgelehnter Asylwerber geht, wenn es darum geht, dass wir im Bereich der Migrationspolitik ganz klar definieren, dass es hier selbst­verständlich legale Migration gibt, wobei wir diesbezüglich klare Anforderungen festlegen. Das soll natürlich keine Zuwanderung in das Sozialsystem, sondern in den Arbeitsprozess sein. In diesem Sinne erwarten wir natürlich auch eine positive Inte­gration.

Das sind natürlich die Herausforderungen, um die es geht. Es geht in diesem Bereich auch um die Schwerpunkte Effizienzsteigerung bei Asylverfahren, bei Außerlandes­brin­gungen und bei fremdenpolizeilichen Verfahren sowie eine Anpassung der Leistungen für Asylwerber in der Grundversorgung.

So gesehen haben wir natürlich bei der Mindestsicherung zu Recht angesetzt, sodass diese in Zukunft verändert wird, Geldleistungen für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte in der Mindestsicherung Neu auf 365 Euro Grundleistung reduziert werden und darüber hinaus ein Integrationsbonus von 155 Euro möglich wird. Wir wollen da ganz klar auch das Anreizsystem, das wir bis heute haben, anders gestalten, denn natürlich hat das dazu geführt, dass sich solche Anreize in der Welt herum­sprechen und viele Menschen auch deshalb aufbrechen, um zu uns zu kommen. Genau diese Anreize werden verändert; und die Leistungen – auch für eine Bedarfs­gemeinschaft – werden in Zukunft mit 1 500 Euro gedeckelt, damit es eben nicht zu diesen Situationen kommt, wie wir sie heute vor allen Dingen in Wien vorfinden. (Zwi­schenruf des Bundesrates Stögmüller.)

Es kann nicht sein, dass Familien, von denen noch niemand bei uns gearbeitet hat, die noch nie eine Stunde einen Beitrag für unsere Gesellschaft geleistet haben, die noch nie ins Sozialversicherungssystem eingezahlt haben, 3 500 Euro netto oder mehr bekommen. Jeder Mensch, der hart arbeitet und dessen Gehalt teilweise nur knapp über der Summe der Mindestsicherung liegt, sagt dann zu Recht: Das kann doch nicht fair und nicht gerecht sein! – Solche Systeme gehören einfach fair und gerecht ge­staltet, und Missbrauch gehört abgestellt! (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Natürlich werden wir auch eine europarechtskonforme Indexierung der Familienbeihilfe veranlassen, nämlich die Anpassung an die Lebenshaltungskosten im jeweiligen Staat, denn bei uns hat das Prinzip zu gelten, dass Eltern von Kindern, die hier in Österreich leben, die Familienbeihilfe und das Kindergeld zu erhalten haben, aber nicht jene, deren Kinder gar nicht hier im Land sind. Da ist das Herkunftslandprinzip durchaus ein vernünftiger Ansatz.

Die Effizienzsteigerung ist ein Reformanspruch, den wir haben. Wir wollen die Doppel­gleisigkeiten des Systems mit einer Transparenzdatenbank endlich abstellen. Diese soll von den Ländern endlich befüllt werden, und wenn das nicht der Fall ist, dann soll es entsprechende Konsequenzen geben. Wir wollen Doppelgleisigkeiten abstellen! Es kann nicht sein, dass Förderungen zu Unrecht kassiert werden und dass man nicht


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bereit ist, das im Sinne der Transparenz sichtbar zu machen, um es abstellen zu kön­nen.

Wir wollen natürlich auch eine österreichweite Leistungsharmonisierung bei den Sozial­versicherungsträgern umsetzen, und da ist es vernünftig, die Zahl der Sozialversiche­rungsträger deutlich zu reduzieren, nämlich von über 20 in Richtung fünf. Das bedeutet eine Ersparnis im Verwaltungsapparat. Aber selbstverständlich wird auch eine Harmo­nisie­rung notwendig sein – in manchen Bereichen eine Steigerung, in manchen auch eine Verflachung nach unten; das wird man im Sinne der sozialen Gerechtigkeit und auch im Sinne der Leistungsoptimierung für die Patientinnen und Patienten zu ge­stal­ten haben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ja, es ist uns besonders wichtig, dass wir endlich entlasten. Wir sind als neue Bundesregierung auch mit der politischen Verant­wortung angetreten, einiges anders zu machen als die Regierungen zuvor. Wir haben den Anspruch, die erste Bundesregierung seit langer, langer Zeit zu sein, unter der es keine neuen Steuern und keine Steuererhöhungen gibt. Wir wollen bei uns sparen, beim System, wir wollen die Menschen entlasten und keine neuen Steuern einführen. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Genau das erwarten sich die Menschen. Wir werden daher gleich zu Beginn des nächsten Jahres jene fleißigen kleinen Arbeitnehmer, die Vollzeit beschäftigt sind und 1 348 Euro bis 1 948 Euro brutto im Monat verdienen, entlasten, indem wir die Sozial­versicherungsbeiträge – nämlich die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung – sen­ken und diesen Menschen damit durchschnittlich 320 Euro netto im Jahr mehr geben. Das brauchen die Menschen zum täglichen Leben, und es ist nur fair und gerecht, dass jene, die 40 Stunden arbeiten, gerade dann, wenn sie kleinere Einkommen haben, endlich auch eine Entlastung erfahren. (Bundesrat Novak: Wo sind die ande­ren?)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, jene Menschen, die weniger als 1 300 Euro brutto verdienen, zahlen ja keine Steuern und auch keine Arbeitslosenversicherung, für die wird man halt schwer die Arbeitslosenversicherungsbeiträge senken können. (Bundesrätin Posch-Gruska: Da müsst ihr halt einmal was anderes nehmen, das ist ja nicht so schwer!) – In den letzten Jahren, in denen Sie die Verantwortung gehabt haben, haben Sie nur überlegt, wie man die Menschen zusätzlich belasten kann. Sie haben sie nicht entlastet. Wir werden sie entlasten. Das ist unser Ansatz. (Beifall bei FPÖ und ÖVP sowie des Bundesrates Zelina. Zwischenruf des Bundesrates Novak.)

Wir werden auch im Bereich Entlastung von Familien etwas tun. Ja, die Kinder in unserer Gesellschaft sind alle gleich. (Bundesrat Stögmüller: Da sind aber die reichen ...!) Wir werden im Bereich der Familienbeihilfe und des Kindergeldes selbst­ver­ständlich dazu beitragen, dass die notwendigen Erhöhungen erfolgen, aber wir werden darüber hinaus für jene Familien, die Kinder haben, auch pro Kind 1 500 Euro Familienplus beziehungsweise einen Kinderbonus ermöglichen, und das ist wichtig, denn Menschen, die Kindern das Leben schenken, schenken unserer Gesellschaft Zukunft. Da haben wir eine besondere Verantwortung, denn da fallen Kosten an, es arbeiten oft beide Elternteile, damit es ihren Kindern besser geht, und wir bestrafen sie, indem wir oftmals mit hohen Steuern ansetzen (Ruf bei der SPÖ: Das stimmt nicht!) und nicht zwischen jenen, die keine Kinder haben, und jenen, die Kinder haben, differenzieren. Verantwortung bedeutet, da zu handeln, und daher werden wir genau da mit 1 500 Euro Entlastung pro Kind und Jahr ansetzen. Das ist fair und gerecht!

Jene Arbeitnehmer, die 40 Jahre hart gearbeitet und in das Sozialsystem eingezahlt haben, sollen endlich eine Mindestpension von 1 200 Euro netto monatlich erhalten, denn auch das ist nur fair und gerecht, und es ist eine Schande, dass das nicht heute


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schon Realität ist, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei FPÖ und ÖVP sowie des Bundesrates Zelina.)

Auch das klare Bekenntnis zur Verantwortung, die wir für unsere Geschichte tragen, und zur Mitschuld an dem Leid, das Millionen von Menschen angetan wurde – ein gezielter Massenmord an Juden, der verübt wurde, weil sie eine andere Religion ha­ben –, haben wir im Regierungsprogramm festgehalten. Ja, dieser Verantwortung und dieser Mitschuld sind wir uns bewusst, und wir werden daher im Gedenkjahr 2018 ein klares Zeichen setzen, weil wir Verantwortung tragen und ein klares Zeichen gegen Anti­semitismus in unserer Zeit setzen wollen. (Zwischenruf des Bundesrates Stögmüller.Der Antisemitismus in unserer Zeit, Herr Kollege, ist aber jener, der zum Teil verant­wortungsloserweise importiert worden ist. (Bundesrat Stögmüller: Ja, aus Deutschland! Küssel! – Bundesrätin Mühlwerth: ... nur auf einer Seite blind sein!)

Genau da haben wir den Anfängen zu wehren, wenn wir erleben, dass heute in Wien oder anderswo in Österreich antisemitische Demonstrationen stattfinden können, die in unserer Gesellschaft nichts verloren haben. Meine sehr geehrten Damen und Herren, da wird es auch von meiner Seite weiterhin – wie ich das seit Jahren lebe – das Bemühen geben, ein korrektes Verhältnis, ein Freundschaftsverhältnis mit Israel aufzubauen. Es ist mir nämlich ein Herzensanliegen, so sehe ich das, eine vertrau­ensvolle Basis mit Israel auf Dauer zustande zu bringen, und es wird der Tag kommen, an dem die jüdische Community und vor allem auch die israelische Regierung das im positiven Sinn auch so sehen werden.

Bis dahin freue ich mich auf jedes Gespräch und jeden Schritt in Richtung einer weiteren Annäherung. Für ein prophylaktisches Vertrauen in unsere Regierung wäre und bin ich sehr dankbar. Wenn man die letzten Tage die Zeitungen gelesen hat: Der Botschafter bleibt selbstverständlich in Österreich, und es wird auch selbstverständlich der Kontakt mit dem Bundeskanzler auf diplomatischer Ebene und mit allen Ministerien auf Beamtenebene gelebt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist aber auch mir wichtig, die Themen, die wir im Wahlkampf versprochen haben, zusätzlich herauszuheben.

Direkte Demokratie: Ja, das ist uns ein Herzensanliegen, und das wollen wir auch schrittweise in der kommenden Legislaturperiode umsetzen. Das ist ein historischer Akt, ein historischer Schritt in unserem Land, denn wenn wir es schaffen – und das war ja noch nie in der Zweiten Republik der Fall –, Volksinitiativen, die dann zu einer ver­bindlichen Volksabstimmung führen, gesetzlich zu gewährleisten, dann ist das wirklich ein historischer Akt, denn dann hat die Bevölkerung endlich die Möglichkeit, bei natio­nalstaatlichen Fragen, ganz gleich, bei welchen – ob sie zum Beispiel wieder die traditionelle Hymne will (Ah-Rufe bei SPÖ und Grünen Bundesrat Stögmüller: Essenziell!), ob sie das allgemeine Rauchverbot will oder nicht oder auch in anderen Fragen –, selbst zu bestimmen, und muss keine Verordnung von oben einfach hin­nehmen.

Das ist unser Zugang, denn wir haben keine Angst vor der österreichischen Bevölke­rung. Deshalb halten wir es für besonders wichtig und notwendig, das Parlament und die parlamentarische Demokratie durch die direkte Demokratie im positiven Sinn zu ergänzen. (Beifall bei der FPÖ und bei BundesrätInnen der ÖVP.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist auch ein wichtiger Bereich, Reformen in unserem Land sicherzustellen. Ich stehe nicht an, zu sagen, ich habe nicht überall die freiheitlichen Grundsätze zu 100 Prozent durchgebracht. Die Ceta-Volksbefragung war uns ein wichtiges Anliegen. Da muss man aufrichtig und ehrlich sein und sagen: Ja, da haben wir uns nicht durchgesetzt! (Zwischenruf des Bundesrates Weber.) Was wäre aber die Konsequenz gewesen? Dass die ÖVP und die SPÖ das sowieso


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umgesetzt hätten und ansonsten die Regierung wieder so fortgesetzt worden wäre wie die letzten zwölf Jahre. Es hätte kein Bürger in Österreich verstanden, wenn wir deswegen die Verhandlungen hätten platzen lassen.

Für die ÖVP war das eine rote Linie. Das ist eine Altlast, die wir jetzt mitzutragen haben. Der Herr Bundeskanzler außer Dienst Kern hat ja Ceta letztlich unterstützt und überhaupt möglich gemacht, dass dieses Freihandelsabkommen seit einiger Zeit bereits in Kraft ist. Jetzt geht es um den EU-Schiedsgerichtshof. Der ist der nächste Schritt, der folgen wird. Uns wäre eine Volksbefragung wichtig gewesen, wir hätten sie uns gewünscht, aber man muss dann auch zur Kenntnis nehmen, dass das für den Partner eine rote Linie war. Deswegen aber alle Errungenschaften, die wir in Zukunft in der Regierung durchsetzen werden, einfach fallenzulassen und zu sagen, dann ziehen wir uns zurück und lassen die bisherige Regierung weiterarbeiten wie bisher, das hätte unserem Anspruch nicht entsprochen. Das hätten die Bürgerinnen und Bürger auch nicht verstanden.

In vielen Bereichen waren Reformen von uns natürlich gewünscht. Wir haben etwa ganz bewusst gesagt, die Kammerzwangsmitgliedschaft würden wir gerne abschaffen. Wenn man dann aber in den Verhandlungen erlebt, dass der Partner sagt: Nein, das geht nicht, aber wir wollen Reformen und wir unterstützen Reformen!, dann muss man das auch akzeptieren, dann muss man sich im Sinne eines Kompromisses finden. Wir haben uns also darauf geeinigt, Reformen in Angriff zu nehmen, die Sozialpartner einzuladen und mit ihnen Gespräche aufzunehmen, denn sie haben in den letzten Jahrzehnten eine wichtige Aufgabe erfüllt.

Ich bin davon überzeugt, dass alle Kammervertreter verstehen werden, dass man bei sich selbst auch einmal sparen und einmal die Mitglieder entlasten muss. Es kann nicht sein, dass man jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Zwangsbeiträgen einnimmt und nicht bereit ist, einmal über Entlastungsschritte nachzudenken. Ich glaube sehr wohl, dass es vernünftig wäre, die kleinen Unternehmer und die kleinen Arbeitnehmer end­lich durch Mitgliedsbeitragssenkungen zu entlasten, damit die auch mehr im Geldbörsl haben. Ich glaube, das ist der richtige Ansatz, denn so kann jeder seinen Beitrag zur Entlastung leisten. (Beifall bei FPÖ und ÖVP sowie des Bundesrates Zelina.)

Natürlich wird es auch beim ORF eine Reform geben, über die werden wir noch ver­handeln; das wird Anfang 2019 so weit sein.

Meine sehr geehrten Damen und Herren – ich komme schon zum Ende –, es war uns auch ein Anliegen, den Wunsch der Südtirolerinnen und Südtiroler ernst zu nehmen. Alle Parteien in Südtirol haben ja mit einem Antrag sehr klar und deutlich den Wunsch an uns herangetragen, in Zukunft auch die doppelte Staatsbürgerschaft in Anspruch nehmen zu können. Diesen Wunsch nehmen wir sehr, sehr ernst. Südtirol ist uns ein Herzensanliegen. Wir wollen das gemeinsam mit unserem befreundeten Nachbarland Italien in Gesprächen sicherstellen.

Sie wissen sicherlich, dass Italien selbst das bereits seit Jahren gesetzlich umgesetzt hat. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Italiener, die nicht in Italien leben, und insbesondere die italienische Minderheit in Slowenien und Kroatien eine Doppel­staats­bürgerschaft erhalten.

Es ist nicht nur in Italien so, sondern es ist in vielen Ländern der Europäischen Union eine Selbstverständlichkeit, dass Bürger, die nicht im Land leben und die jeweilige Staatsbürgerschaft nicht haben, diese angeboten bekommen. So etwas sollte inner­halb der Europäischen Union selbstverständlich möglich sein.


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Ja, meine sehr geehrten Damen und Herren, da kommt vieles auf uns zu, zum Beispiel auch, was Zwänge und Bevormundung betrifft, denn da gibt es natürlich unterschied­liche Meinungen und Positionen.

Wir stehen zum Nichtraucherschutz, ja, wir wollen die Nichtraucher vor Passivrauch schützen. Wir wollen in diesem Bereich auch den Jugendschutz ausbauen. Wir wollen aber keine staatliche Bevormundung und keine staatlichen Zwangsverbote. Wir wollen, dass es eine Wahlfreiheit gibt.

Ein Gastronom muss selbstverständlich den Nichtraucherbereich rauchfrei halten, damit jeder Nichtraucher vor Passivrauch geschützt wird. Jedoch sollte auch jeder Bürger die Freiheit haben, in einen eigenen, abgetrennten Raucherbereich zu gehen, um dort bei einer Melange oder einem Achterl Wein seine Zigarette genießen zu können. Niemand wird dabei belästigt. Das ist Freiheit und Selbstbestimmung – ein ent­scheidender Punkt, der uns natürlich wichtig war.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, bevor ich zu meinen zukünftigen Aufgaben­bereichen komme – ab dem 8. Jänner gehören dazu der öffentliche Dienst und der Sport –, möchte ich noch etwas zu den Verhandlungen und zur Angelobung sagen.

Ich darf mich beim Herrn Bundespräsidenten für die vielen guten und sehr ehrlich geführten Gespräche und für die Art und Weise, wie er die Angelobung vorgenommen hat – sehr, sehr herzlich und sehr, sehr korrekt –, bedanken. Das zeigt, dass gegen­seitiger Respekt über die Parteigrenzen hinaus auch wirklich gelebt werden kann; genau so wünschen sich das die Österreicher auch.

Zum Abschluss komme ich zu meinem Aufgabenbereich Sport. Sport ist ein wesent­licher Bestandteil im Leben der Österreicherinnen und Österreicher. Millionen Men­schen sind jeden Tag bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen davon begeistert. Es gibt viele Menschen, die mit Begeisterung Sport betreiben. Über 500 000 Ös­ter­reicher stellen jede Woche dafür ihre Freizeit zur Verfügung und sind ehrenamtlich im Sportbereich tätig.

Da ist viel zu tun. Ich möchte die österreichische Sportnation weiter vorwärtsbringen, uns als Sportnation etablieren. Ich bin der Meinung, dass es bessere Rahmenbe­dingungen braucht. Es ist notwendig, dass das Geld, das wir dafür aufbringen, noch direkter zu den Sportlern kommt, damit wir – nicht nur im Bereich des Spitzensports, sondern auch in den Randsportarten – besser werden und eine gute Entwicklung sicher­stellen können.

Dafür werden wir eine strategische Steuerungsgruppe benötigen. Ich will auch eine neue Sportstrategie entwickeln und im Bereich der Sportförderung neue Akzente in Richtung einer notwendigen schlanken Abwicklungsstruktur setzen.

Wir wollen Sport und Bewegung als Grundlage einer gesunden Lebensführung weiter stärken und junge Menschen dafür begeistern. Das ist auch ein gesundheitspolitisch präventiver Ansatz, der natürlich auch in den Schulen stattfinden beziehungsweise dort weiter ausgebaut werden muss.

Ich denke da auch an die vielen Kinder aus armen Familien, die es sich heute oftmals nicht leisten können, an einer Schulskiwoche teilzunehmen. Gerade für diese Familien will ich im Sinne eines sozialverantwortlichen Fonds Sorge tragen, dass sie sich in Zukunft die Schulskiwoche leisten können, indem wir ihnen unter die Arme greifen.

Das sind Ansätze, die, glaube ich, ganz, ganz wichtig und notwendig sind.

Wir haben uns in der Frage der Europäischen Union, wie heute bereits angesprochen wurde, für mehr Subsidiarität ausgesprochen. Wir stehen zu unserer österreichischen


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Neutralität. Wir wollen diese wieder beleben und verstärkt in der Welt zum Einsatz bringen.

Ja, wir stehen auch zur österreichischen Souveränität. Wir wollen diese nicht auf­geben, wir wollen eine gute Zusammenarbeit mit der Europäischen Union nach dem Motto: weniger, aber diese wenigen Dinge sollen in der Europäischen Union gut bewerkstelligt werden, denn da ist weniger oft mehr. Im Sinne der Subsidiarität wissen wir in vielen Bereichen besser, was gut für die Regionalität und die Entwicklung unseres Landes ist.

So gesehen bin ich trotz aller Kritikpunkte, die natürlich vonseiten der Sozialdemo­kratie, die die letzten zwölf Jahre Regierungsverantwortung getragen hat, kommen wer­den, guter Dinge. Kritik ist willkommen, sie ist erwünscht – solange sie redlich und ehrlich ist, denn mit Verdrehungen werden wir nicht weiterkommen.

In den letzten Tagen habe ich solche Verdrehungen schon gehört. Glauben Sie mir, Hartz IV kommt nicht, nein! Das ist eine Unwahrheit, die sie zehnmal, hundertmal wiederholen können – solch ein Unsinn! (Zwischenruf der Bundesrätin Grimling.) Das Gegenteil ist der Fall, wir werden eine Verbesserung für Langzeitarbeitslose sicher­stellen, indem sie nämlich statt 50 Prozent in Zukunft 60 Prozent bekommen. Das ist der wesentliche Punkt.

Wir werden aber nicht zusehen, wenn Menschen gar nicht bereit sind, irgendeine Leistung für die Gemeinschaft zu erbringen. Das ist nämlich auch ein Prinzip, wenn es um Fairness und Gerechtigkeit geht.

Ich kann Ihnen auch versprechen, dass wir gerade bei jenen, die unsere Hilfe brauchen, nämlich bei den Ärmsten der Armen, den Pflegebedürftigen, ansetzen wer­den. Wir werden bei den Pflegestufen ansetzen, zu denen Sie den Zugang erschwert haben, damit pflegebedürftige Menschen wirklich Betreuung erhalten und damit sie ab Pflegestufe 4 mehr Pflegegeld erhalten, denn das sind wirklich die Ärmsten der Armen, die unsere Hilfe brauchen.

Das ist Verantwortung im Sinne von sozialer Fairness und Gerechtigkeit, die aber gleichzeitig auch den Anspruch hat, dass jeder in unserer Gesellschaft einen Beitrag für die Allgemeinheit zu leisten hat und man nicht nach dem Prinzip leben kann: Ich mache nichts, aber ich fordere!

Das ist, glaube ich, ein ganz wesentlicher Ansatz, der falsche Entwicklungen abstellen will. Bis dato gab es ja eher die Entwicklung in unserer Gesellschaft: In der Schule schaffen wir die Noten ab, es gibt keine Bewertungen mehr. Die Kinder können immer schlechter lesen, schreiben und rechnen – und nach der Schule geht es am besten gleich in die Mindestsicherung. (Bundesrat Schennach: Ist Ihnen das nicht selbst schon ein bisschen zu blöd? Wir sind nicht in einem Wirtshaus! – Bundesrätin Grimling: Das ist ja eine Frechheit!)

Das ist ein linkes Gesellschaftsmodell, das nicht unserem entspricht; und das ist auch ein ganz wesentlicher Punkt, den wir ebenso festgehalten haben: Benotungen, Bewer­tungen, damit die Kinder rechtzeitig aufgefangen und gefördert werden können und dann hoffentlich nach dem Schulaustritt die Chance haben, eine Lehrstelle zu finden.

Das ist der Ansatz. Ja, wir brauchen Facharbeiter, wir brauchen gut ausgebildete junge Menschen, die einen ordentlichen Beruf – Karriere mit Lehre – erlernen können, damit in diesem Land nachhaltig etwas weitergeht und sich jeder einen bescheidenen Wohl­stand erwirtschaften kann. – Ich danke Ihnen. (Beifall bei FPÖ und ÖVP sowie des Bundesrates Zelina.)

12.17



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Präsident Edgar Mayer: Ich danke dem Herrn Vizekanzler für seine Ausführungen.

Wir gehen in die Debatte ein.

Zu Wort ist Fraktionsobmann Reinhard Todt gemeldet. – Bitte, Herr Kollege.

 


12.18.00

Bundesrat Reinhard Todt (SPÖ, Wien): Sehr geehrter Herr Präsident! Zu Beginn dieser Rede möchte ich mich recht herzlich bei dir für deine Präsidentschaft im letzten halben Jahr bedanken. Sie war nicht leicht, aber du hast das Beste daraus gemacht, das man machen kann – noch einmal herzlichen Dank und herzliche Gratulation zur Präsidentschaft! (Allgemeiner Beifall.)

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Sehr geehrte Ministerinnen! Sehr geehrte Minister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer! Zunächst möchte ich den neuen Regie­rungsmitgliedern zu ihrer Angelobung gratulieren. Gleichzeitig möchte ich Sie aber auch auf die immense Verantwortung hinweisen, die Sie nun gegenüber der Republik Österreich und gegenüber der österreichischen Bevölkerung tragen. Mit dieser Verant­wortung gilt es sorgsam und mit Respekt und Bedacht auf jeden einzelnen Bürger und auf jede einzelne Bürgerin umzugehen.

Sie haben vorgestern im Nationalrat Ihre Regierungserklärung abgegeben, welche dort thematisch breit gestreut diskutiert wurde. Heute im Bundesrat gilt es bei dieser Debatte, sich auf jene Themen zu fokussieren, die dem Bundesrat durch unsere Verfassung übertragen worden sind.

Da ich als Bundesrat ein Vertreter der Länder im Rahmen der Bundesgesetzgebung bin, ist es nur logisch, dass beim Studium des von Ihnen vorgelegten Regierungs­pro­gramms jene Punkte meine Aufmerksamkeit besonders auf sich gezogen haben, die die Interessen und die Zuständigkeit der Länder berühren, und davon finden sich dort in der Tat eine ganze Menge.

Ganz besonders ins Auge sticht mir hierbei die Tatsache, dass die Zuständigkeit für eine Staatsreform explizit in die Hände des nunmehrigen Innenministers gelegt wurde. Ich habe in den letzten Jahren viele Bemühungen verfolgen können, eine solche Staatsreform auf den Weg zu bringen, jede mit großen, wenn auch manchmal sehr unter­schiedlichen Zielen.

Als Vertreter der Länder und Gemeinden im Rahmen der Bundesgesetzgebung fällt dem Bundesrat bei derlei Diskussionen stets eine besondere Verantwortung zu. Eine Staatsreform, welche Form auch immer sie letztlich im Konkreten annimmt, muss auf dem verfassungsrechtlich verankerten Prinzip des föderalistischen Bundesstaates gebaut sein. Sie muss den Ausgleich zwischen dem Bund, den Ländern und den Gemeinden nicht nur suchen, sondern sie muss ihn auch herstellen.

Seien Sie sich, Herr Bundeskanzler und Herr Vizekanzler, dessen gewiss, dass wir diese unsere Verantwortung mit größter Gewissenhaftigkeit wahrnehmen werden und diese von Ihnen geplante Staatsreform nicht nur mit wachsamen Augen begleiten wer­den, sondern dass wir uns im Sinne unserer Funktion als Länderkammer auch überall dort aktiv miteinbringen werden, wo wir diesen Ausgleich zwischen dem Bund, den Ländern und den Gemeinden nicht gewährleistet sehen. (Beifall bei der SPÖ.)

Es liegt schließlich in unser aller Interesse, das Beste für die Menschen, die in unserer Republik leben, aus den gegebenen politischen Verhältnissen herauszuholen. In diesem Sinne dürfen Sie und die Mitglieder der Bundesregierung jederzeit mit unserer Teilnahme an demokratischen Prozessen und mit einer selbstbewussten Länderkam­mer rechnen.


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Dem aufmerksamen Beobachter konnte nicht entgehen, dass sich während der Regie­rungserklärung von 14 obersten Organen, nämlich dem Bundeskanzler, dem Vize­kanzler und den zwölf Bundesministerinnen und -ministern, lediglich Sie, Herr Bundes­kanzler, und Sie, Herr Vizekanzler, zu Wort gemeldet haben. Es ist – und ich glaube, das ist allgemein verständlich – von allerhöchstem Interesse für uns, die Vorhaben der einzelnen Fachministerinnen und Fachminister im jeweiligen Ressort sowie deren Auswirkungen auf jedes einzelne der neun Bundesländer zu kennen.

Wir haben die Ministerinnen und Minister daher im Rahmen unseres Interpella­tions­rechts in insgesamt 126 Anfragen aufgefordert, ihre Arbeitsprogramme und die zu erwartenden Auswirkungen für jedes einzelne Bundesland jeweils darzulegen. Wir sind gespannt auf ihre Antworten. Und wir sind noch mehr gespannt auf ihre Taten. (Bundesrätin Mühlwerth: Ja, super!) Na sicher! (Bundesrätin Mühlwerth: Ja, ja!) Meine Damen und Herren, daran werden wir Sie messen!

Im Gegensatz zum Herrn Vizekanzler habe ich mich auf jene Punkte konzentriert, die den Bundesrat betreffen, und bin nicht in den alten Jargon verfallen, aber ich denke, der Herr Vizekanzler wird es noch lernen, staatstragender zu sein. (Bundesrätin Mühlwerth: Er war eh staatstragend!) – Ja, die Rede hat manchmal so ein bisschen an Oppositionszeiten erinnert. (Bundesrätin Mühlwerth: Er war staatstragend!) Das andere sage ich nicht. (Bundesrätin Mühlwerth: Ah geh!)

Es sei mir eine weitere Bemerkung zum Inhalt Ihres Regierungsprogramms erlaubt: Neben der Wiedereinführung von Schulnoten, der Vereinheitlichung des Jugendschut­zes und der Einführung einer bundesweiten Herabsetzung der Höhe der Mindestsiche­rung finden sich im Programm noch viele weitere Punkte, in denen sich der neue Stil, obgleich er eher vom Geiste der Sechzigerjahre erfüllt scheint, nicht ohne die Mit­wirkung der Länder, der Gemeinden und des Bundesrates verwirklichen lässt.

Österreich ist eine demokratische Republik, die in neun Bundesländern organisiert ist – so gibt es unsere Bundesverfassung vor. Diese Bundesverfassung, Herr Bundes­kanzler und Herr Vizekanzler, überdauert politische Umbrüche, sie überdauert Perso­nalrochaden und Regierungsprogramme, sie ist letztlich der grundsätzliche Rahmen, in dem sich das staatspolitische Handeln wiederfinden muss. Sie wird auch Ihr Regie­rungsprogramm überdauern. (Zwischenruf der Bundesrätin Mühlwerth.) Ja, so ist das.

Zum Schluss sei eines betont: Wir verstehen unsere Aufgabe als konstruktiv, und wir werden jede Einladung Ihrerseits, uns einzubringen und im Sinne der Menschen in unserem Land zu arbeiten, annehmen, denn es gilt, auf dem wirtschaftlichen Wohl­stand Österreichs, zu dem die letzte Regierung mit einer großen Steuerreform beige­tragen hat, aufzubauen. Und, Herr Strache, diese Steuerreform war auch groß, und die Menschen haben viel dabei bekommen. (Beifall bei der SPÖ.)

Wir sind gespannt auf Ihre Steuerreform, die da kommen wird, und hoffen, dass daran alle Menschen in dieser Republik partizipieren können. Und verlassen Sie sich darauf, dass wir auf eine lebendige Zusammenarbeit setzen. (Beifall bei SPÖ und Grünen.)

12.26


Präsident Edgar Mayer: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Fraktionsvorsitzender Martin Preineder. – Bitte, Herr Kollege.

 


12.27.07

Bundesrat Martin Preineder (ÖVP, Niederösterreich): Geschätzter Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder des Bundesrates! Werte Damen und Herren! Aber vor allem: Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung!


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Vorerst ein herzliches Willkommen im Bundesrat! Wir hoffen, dass wir mit euch noch sehr oft Diskussionen führen können und dürfen.

Ich darf mich nun bei unserem Herrn Präsidenten, Edgar Mayer, für seine Tätigkeit und für sein Engagement im Bereich der Digitalisierung bedanken. Es hat dazu Enqueten und sehr viele Veranstaltungen gegeben, und die Frau Bundesminister für Digitalisie­rung ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass diese deine Arbeit von Erfolg gekrönt ist.

Die neue Österreichische Volkspartei ist mit einem neuen Stil in der Politik ange­treten – einem neuen Stil, Herr Kollege Todt, und zwar nicht im Geiste der 68er, son­dern im Geiste der 86er; das ist nämlich der Geburtsjahrgang unseres Bundes­kanzlers. (Bundesrat Todt: Ich habe von den Sechzigerjahren geredet!) Somit ist schon klar, dass es hier keine Retropolitik geben kann.

Schon im Wahlkampf, besser gesagt in der Wahlbewegung der Österreichischen Volkspartei, war klar, dass dieser neue Stil auch neue Umgangsformen bringt – Um­gangsformen innerhalb der eigenen Bewegung, mit dem Mitbewerber und letztlich auch mit dem Koalitionspartner. Denn: Es wurde an 51 Tagen verhandelt, und es ist ganz wenig oder fast gar nichts nach außen gegangen. Das war auch wichtig, um erfolgreiche Verhandlungen zu führen, denn es ist am Verhandlungstisch und nicht über die Medien zu verhandeln.

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, es ist auch wichtig, dass wir uns überlegen, wie wir unsere Sprache gestalten, und dass wir unsere Umgangsformen erneuern. Es ist verständlich, jeder kommt aus einem politischen Lager, jeder kommt aus einer politischen Partei und hat eine entsprechende Ideologie, und die soll, darf und muss er auch in einer Demokratie leben, damit ist er auch klar seinem Ideal verpflichtet. Infolgedessen hat jeder seine Einstellung und seine Argumente.

Geschätzte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, überlegen wir uns aber, wie wir miteinander umgehen, wie wir die Kommunikation gestalten, denn wenn wir uns gegenseitig als Verräter, als Lügner, als Umfaller darstellen, dann könnte das – und das tut es auch – bei der Bevölkerung den Eindruck hinterlassen, dass alle Volksvertreter so agieren und so sind.

Ich bin politisch tätig, weil ich mitgestalten will, weil ich das Land verändern will und weil ich niemanden beleidigen oder beschimpfen möchte, und ich gehe davon aus, dass das auch in der Opposition so ist, dass man von seinem Ideal getragen wird.

Ich glaube, dieser neue Stil ist auch deshalb wichtig, weil er von den Menschen, von den Bürgern draußen geschätzt wird und der alte Stil à la longue demokratie­gefähr­dend war und ist. Ich habe das bei einer Diskussionsveranstaltung in einer Schule erlebt, bei der Wahlbewegung 2013: Wenn Schüler mit Politikern nicht mehr sprechen wollen, weil sie Berührungsängste haben, dann haben wir ein Problem.

Geschätzte Damen und Herren! Die Wahl hat ein klares Ergebnis gebracht, es gab eine hohe Wahlbeteiligung, und zwar vor allem bei jungen Menschen, und es gab genau diesen Stil, und dafür ein herzliches Dankeschön dir, Sebastian Kurz, und Bundesministerin Elisabeth Köstinger, die ihr diesen Stil auch geprägt habt.

Das ist eine neue Qualität der Politik, auf die wir auch in Niederösterreich setzen, auch in den nächsten Wochen setzen werden. Wir werden das Wir in den Vordergrund stellen und die Gemeinsamkeiten suchen.

Ich darf Sie alle damit einladen, diese Veränderungen mitzutragen, denn Sie und ich und niemand von uns möchten in einem Dorf, in einer Straße, in einem Wohnblock wohnen, wo wir uns gegenseitig nicht wertschätzen und wo wir nicht aufrichtig und


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ordentlich miteinander reden. Und das wollen wir tun, denn wir sind Vorbilder für die Gesellschaft.

Es liegt ein umfassendes Regierungsprogramm vor, viele Maßnahmen sind darin aufgelistet. Es geht nicht darum, in diesem Regierungsprogramm die großen Leucht­türme anzukündigen und dann, wie wir es bei der letzten Regierung erlebt haben, nur ganz kleine Teelichter anzuzünden, sondern es geht darum, die geplanten Vorhaben auch umzusetzen, und daran wird die Regierung, daran werden auch wir als Parlament gemessen werden!

Es geht letztlich um konkrete Maßnahmen, die das Volk, die die Leute von uns er­warten, und das wird auch die entsprechende Veränderung bringen. Es wurden in der ersten Ministerratssitzung schon einige Entlastungen beschlossen. Es sind sicher große Aufgaben, die in den nächsten fünf Jahren auf uns alle zukommen werden.

Es wird darum gehen, eine neue Gerechtigkeit herzustellen, das heißt, Aufgaben und Leistungen gerecht zu verteilen – und gerecht heißt manchmal nicht ganz gleich; Gleich­macherei ist nicht Gerechtigkeit. Es wird also darum gehen, wie wir den Erfolg gerecht verteilen. Das ist, wie wir in Niederösterreich sagen, notwendig, damit wir den Schwächsten und nicht den Frechsten in unserer Gesellschaft helfen.

Geschätzte Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich darf nun einen Entschließungsantrag einbringen, der die Arbeit dieser Bundesregierung unterstützen wird, die sich klar und sachlich in Richtung Europa ausrichtet und zum Ziel hat, Öster­reich wieder an die Spitze zu bringen.

Es gibt viele Maßnahmen – ich darf einige davon zitieren –, die mir besonders wichtig sind: Es sind dies der Einsatz für ein gentechnikfreies und atomfreies Europa, die Versorgungssicherheit im ländlichen Raum, die nationale Klima- und Energiestrategie, und auch eine Weiterentwicklung der Europäischen Union im Sinne der Subsidiarität, weil wir uns als Bundesrat, als Länderkammer, damit identifizieren.

Ich bringe nun folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der BundesrätInnen Martin Preineder, Monika Mühlwerth, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung und Umsetzung des Regierungsprogramms“

Der Bundesrat wolle beschließen:

„Der Bundesrat begrüßt das beigefügte Regierungsprogramm und die darin vorge­se­henen Maßnahmen. Er ersucht die Bundesregierung, zur Unterstützung dieser Vor­haben zeitgerecht Vorlagen zu übermitteln, um sicherzustellen, dass das gesamte Programm in dieser Gesetzgebungsperiode umgesetzt werden kann.“

*****

Neu regieren mit neuem gegenseitigem Respekt, mit Anstand und Hausverstand. – Alles Gute für die nächsten fünf Jahre! (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

12.34


Präsident Edgar Mayer: Der von den Bundesräten Preineder, Mühlwerth, Kolleginnen und Kollegen eingebrachte Entschließungsantrag ist genügend unterstützt und steht demnach mit in Verhandlung.

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Fraktionsvorsitzende Mag.Nicole Schreyer. – Bitte, Frau Kollegin.

 



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12.34.54

Bundesrätin Mag. Nicole Schreyer (Grüne, Tirol): Hohes Haus! Sehr geehrter Herr Präsident, auch von meiner Seite ein herzliches Dankeschön für die gute Zusam­menarbeit im letzten halben Jahr. Danke schön!

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Werte Minister und Ministerinnen! Auch ich gratuliere natürlich zur Angelobung. Alles Gute und viel Glück in den kommenden Jahren!

Ja, die eisblaue Koalition – rechtzeitig zum Winterbeginn wird es sozial kälter in Österreich. Auf die sozialpolitischen Leuchttürme wie den 1 500-Euro-Familienbonus, den alle bekommen, nur nicht die, die es wirklich brauchen, und die Vorhaben im Asylbereich, die Integration unmöglich machen, werden meine KollegInnen noch später eingehen, und auch auf die bildungspolitische Retropolitik.

Ich möchte auf die grünen Kernthemen eingehen: auf Umweltschutz, Klimaschutz, Naturschutz, Nachhaltigkeit und die Energiebereiche. Zuerst möchte ich mit dem Posi­tiven anfangen. Eine langjährige Forderung der Grünen ist umgesetzt: Die Energie­agenden liegen jetzt im Nachhaltigkeitsministerium, gemeinsam mit den Bereichen Umwelt und Landwirtschaft. Wir wollten immer Umwelt und Energie zusammengefasst haben, herausgelöst aus dem Wirtschaftsministerium.

Darüber freue ich mich sehr. Es ist zwar immer noch nicht ein wirkliches Klima-, Energie- und Umweltministerium, vor allem deswegen, weil viel von der Klimakom­petenz nicht im Programm steht. Es gibt Dinge, die fallen im Regierungsprogramm, wenn man sie sich anschaut, sofort auf. Es gibt zum Beispiel kein Kapitel Klimaschutz, was einfach auch zeigt, dass der Klimaschutz in diesem Programm keinen hohen Stellenwert hat. Klimaschutz muss aber Top-Priorität aller Politikfelder sein, und das sehe ich überhaupt nicht.

Es gibt noch etwas, was einem sofort, vor allem im gesamten Umweltbereich, auffällt: Es gibt nirgends messbare Ziele. Es gibt keine konkreten Maßnahmen, keine klaren Richtungen, keine zeitlichen Ziele. Woran wir diese Koalition am Ende messen sollen, ist für mich also einfach nicht ersichtlich. Das meiste hört sich für Laien ja super an. Man findet viele Schlagworte, die auch Grünen gefallen.

Im Umweltkapitel stehen Bekenntnisse zum Paris Agreement, und es stehen Schlagworte drinnen wie: Klimaschutz konsequent vorantreiben, und: Chance für die Wirtschaft. Das hört sich gut an, ist aber zu wenig definiert. Zum Beispiel: Die Ziele für 2020 und 2030 sind nicht im Einklang mit dem Klimavertrag von Paris. Es ist nur eine Fortschreibung des bisherigen Ziels und bedeutet null Einsparung, sondern das Stabilisieren der CO2-Emissionen auf dem Niveau von 1990. Und dass Österreich Klimaschlusslicht ist, ist ja eh bekannt.

Es stehen Dinge drinnen wie Kohleausstieg. Das klingt super, aber in Österreich gibt es nur genau zwei Kohlekraftwerke: eines ist eh schon dabei, stillgelegt zu werden, und der Betrieb des anderen läuft auch in ein paar Jahren aus. Wenn man also den Kohleausstieg wirklich will – in Österreich wie EU-weit –, dann schreibt man CO2-Preis in das Programm. Davon ist aber weit und breit nichts zu lesen.

Im Energiekapitel stehen einige gute Dinge drinnen wie die Umsetzung der Reform der Ökostromförderung, für die wir Grüne uns auch immer stark eingesetzt haben, aber auch da gibt es wieder ganz wunderschöne Schlagworte: die Klima- und Energie­strategie. – Ja, super! Die Klima- und Energiestrategie steht natürlich drinnen, die ist ja auch schon seit zwei Jahren überfällig, und sie muss sowieso gemacht und nach Brüssel geschickt werden. Wenn das Thema wirklich wichtig genommen wird, ist da eine umfassende Dekarbonisierungsstrategie notwendig. Wenn Klimaschutz wirklich


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wichtig genommen wird, dann schreibt man wirksame Maßnahmen in das Programm hinein wie mehr Geld für Heizungstausch, thermische Sanierung, Ölheizungsausstieg sofort – und nicht nur mittelfristiger Umstieg bei Neubau.

Wenn es wirklich ernst genommen wird, sieht man im Verkehrsbereich keine Aufhe­bung der Lkw-Geschwindigkeitsbeschränkungen in der Nacht vor, sondern man setzt sich für die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene und für ein Ende des Diesel­privilegs ein und nicht für die Beibehaltung der derzeit viel zu günstigen Lkw-Maut oder für eine Aufhebung der bisher streng geregelten Achsenlast, und man gibt kein Bekenntnis zur Weiterentwicklung des Autobahnbaus ab. All das als Teil einer öko­sozialen Steuerreform wäre ein Superinhalt für das Programm gewesen.

Es werden die nächsten Jahre entscheiden, ob wir die Klimakrise in den Griff bekom­men können oder nicht. Es wird sich in den nächsten Jahren für Österreich entschei­den, ob unsere Wirtschaft am dynamischsten Markt weltweit, am Markt der Energie­wende, vorne mit dabei ist oder nicht. Dieses Fortschreiben des Klimastillstandes ist total gefährlich, und es ist ein Schuss ins eigene Knie, weil wir dadurch irrsinnig viele Chancen verpassen werden.

Im Landwirtschaftsprogramm geht es genauso wenig greifbar weiter, ohne konkrete Zielsetzungen – mit Ausnahme des Ceta-Umfallers der FPÖ; der ist wirklich ganz konkret drinnen.

Es gibt keinen ambitionierten Bioplan, stattdessen steht da: „Wir sprechen uns für eine vernünftige Koexistenz von konventioneller und biologischer Landwirtschaft im Sinne der unternehmerischen Freiheit aus.“ Bio kommt im kompletten Kapitel nicht mehr vor; also es ist schon extrem wenig ambitioniert.

In der „Kronen Zeitung“ ist letzte Woche noch ganz groß über das Glyphosatverbot im Regierungsprogramm geschrieben worden. Ich habe mich auch irrsinnig über diesen Schwenk gefreut, drinnen steht jetzt etwas über eine nationale Machbarkeitsstudie und einen Aktionsplan ohne Zeitplan, ohne genau vorgegebenes Ziel. Also da haben sich die Bundesländer in den letzten Wochen wirklich mehr getraut.

Auch in diesem Bereich gibt es wieder ganz viele Widersprüche. Es gibt ein nationales Bekenntnis zur Ernährungs- und Versorgungssicherheit, 100 Prozent Selbstversorgung als Ziel, gleichzeitig aber ein Forcieren der Exportstrategie. Das ist ein totaler Wider­spruch. Gleichzeitig laufen aber auch jetzt schon wieder Verhandlungen zu Freihan­delsabkommen mit Mercosur und Australien und Neuseeland. Mercosur, also die südamerikanische Wirtschaftsgemeinschaft, wird die österreichische Landwirtschaft total unter Druck setzen. Was gedenkt die Regierung, da konkret zu tun? – Da sind extreme Widersprüche in den Programmen enthalten.

Ein weiteres Schlagwort mit vielen Widersprüchen betrifft die „Verbesserung der Kenn­zeichnung von Lebensmitteln (Herkunft und Produktionsstandards)“. All die Initiativen zur Kennzeichnung wurden bisher von der ÖVP versenkt, weil die ÖVP eben ausschließlich das AMA-Gütesiegel draufhaben möchte.

Ich sehe im Landwirtschaftsprogramm keine Vision für die Zukunft. Ich sehe keine Ökologisierung, es steht hier nichts zu Pestiziden, zu gentechnikfreien Futtermitteln, es gibt keine Vision für eine treffsichere und zielgerichtete Gemeinsame Agrarpolitik. Weiter so wie bisher – das ist die Devise, die wir da herauslesen. Stattdessen werden strukturstarke Regionen wie Klosterneuburg im Speckgürtel von Wien durch die Ansiedelung des Umweltbundesamtes gestärkt.

Die wirklichen Hämmer in diesem Programm sind echt gut in anderen Kapiteln ver­steckt, man muss schon sehr gut querlesen und sich nicht nur auf die Kapitel be­schrän­ken, die man sich gerade anschauen will. Im Umweltkapitel ist die Beschleuni-


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gung von UVP-Verfahren ganz neutral formuliert, da hängt es noch ein bisschen von der Umsetzung ab, das kann man noch nicht so genau sagen. Es steht überall drinnen: Klimaschutz vorantreiben, Bekenntnis zum Klimaschutzvertrag, Klimaschutz als Chance für die Wirtschaft. Wenn man im Kapitel Standort weiterliest, liest sich das schon wieder ganz, ganz anders. Das ist ein totaler Angriff auf die Umwelt.

Wir Grünen sind auch für effizientere Verfahren, aber bei den Maßnahmen, die hier angeführt werden – Verfahrensbeschleunigungen im Umweltbereich und die Über­arbeitung der Gesetze hinsichtlich des Begriffs öffentliches Interesse –, wird wirtschaft­lichen Interessen künftig eindeutig immer der Vorrang eingeräumt, und die Umwelt wird das Nachsehen haben.

Die Vorhaben richten sich gegen die Umwelt, gegen die AnrainerInnen. Ich bin froh, dass diese Woche gerade das EuGH-Urteil zur Aarhus-Konvention gekommen ist und dass die Umwelt jetzt eine gewichtigere Stimme durch die Parteistellung von Umwelt-NGOs kriegen muss. Es steht auch nichts im Standortkapitel darüber, in welche Infrastruktur wirklich investiert wird und in welche nicht, aber es müssen jetzt die Weichen gestellt werden, um die Ziele des Klimavertrags 2050 erreichen zu können, sonst schaffen wir das nicht.

Was dafür wieder drinnen steht – und da bin ich wieder bei den Widersprüchen –, ist ein Bekenntnis zur 3. Piste  am Flughafen Schwechat – und das, nachdem überall die wunderbaren Klimabekenntnisse drinnen stehen und sich jeder, der sich nicht auskennt, denkt: Wow, es gibt eine integrierte Klima- und Energiestrategie!

Apropos verstecken in anderen Kapiteln: In der Einleitung zum Energieprogramm steht ein besonderes Schmankerl. Da, wo es niemand bemerkt, steht der Ausbau von Agrodiesel drinnen, dass unsere Äcker verstärkt für Dieselgewinnung genutzt werden sollen. Vom Ökologischen einmal ganz abgesehen, spießt sich das auch wieder mit der Versorgungssicherheit. Da sind also ebenfalls extreme Widersprüche drinnen.

Ich kann nicht erkennen, dass umwelt- und klimapolitisch irgendwelche Weichen gestellt werden sollen. Es geht weiter wie bisher. Es ist ein So-tun-als-Ob; und wo es konkreter wird, hat man kontraproduktive Maßnahmen im Umweltbereich vor. Die Wirtschaft wird unserer Lebensgrundlage vorgezogen.

Wir werden die Arbeit der Regierung sehr genau beobachten. Wo es nur geht, werden wir uns für die Umwelt und für den Klimaschutz einsetzen. – Danke schön. (Beifall bei Grünen und SPÖ.)

12.44


Präsident Edgar Mayer: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Kollegin Monika Mühlwerth. – Bitte.

 


12.44.40

Bundesrätin Monika Mühlwerth (FPÖ, Wien): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Der Herr Bundeskanzler ist uns kurzfristig abhandengekommen. Liebe Mitglieder der Bundes­regierung! Ich freue mich, dass Sie heute hier bei uns im Bundesrat sind. Es ist eine große Ehre, dass es meine Kollegen sind, die jetzt in der Regierung sitzen und hier bei uns im Bundesrat sind. Ich kann Ihnen versprechen, liebe Kolleginnen und Kollegen – auch von der Opposition –, es werden gute Jahre für Österreich werden; davon können Sie ausgehen. Dass Sie als Opposition die Regierung kontrollieren, ist ja selbstver­ständlich – das haben wir auch jahrelang gemacht, wir wissen, wie das geht –, und das braucht es auch in einer lebendigen Demokratie.

Die Frage wird nur sein – das hat auch Ihr Fraktionsvorsitzender schon ange­sprochen –, in welcher Art des Umgangs das geschehen wird. Da ich aber schon sehr lange Mit-


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glied des Bundesrates bin und festgestellt habe, dass über die Parteigrenzen hinweg der persönliche Umgang schon moderat ist, setze ich jetzt das Vertrauen in Sie, dass Sie das weiter fortsetzen werden. Ich gehe grundsätzlich einmal davon aus, dass alle das Beste für Österreich wollen, auch Sie.

In den letzten Jahren war es aber so, wie es eben oft in einer Ehe ist: Man konnte nicht mehr miteinander, man konnte nicht mehr miteinander reden, man hat eigentlich nur noch gestritten. Und das ist der Moment, in dem man sagt: Am besten ist es, wir trennen uns. Das hat Ihnen auch die Bevölkerung bei den Wahlen gesagt: Bitte hört einfach auf!

Das Gestreite hat ja nicht nur den Parteien geschadet, das schadet der Politik insge­samt. Die Menschen nehmen uns ja überhaupt nicht mehr ernst, wenn nur noch gestritten wird und keiner dem anderen auch nur den kleinsten Erfolg gönnt. Das wird sich ändern. Es hat sich schon bei den Regierungsverhandlungen gezeigt, dass hier ein anderer Stil Einzug gehalten hat.

Ich stelle noch etwas anderes voran, was mir wichtig ist; es zeigt sich auch und spiegelt sich im Regierungsprogramm wider: Es geht auch darum, die Menschen wieder zu mehr Eigenverantwortung zu führen. Liebe Kollegen von der SPÖ, ihr seid da irgendwann einmal falsch abgebogen und habt den Menschen gesagt: Der Staat macht alles für dich, wir machen das schon. Die Folge war, dass die Menschen gesagt haben: Ja, dann macht ihr halt einmal! – Da nimmt man den Menschen viel von der Eigenverantwortung weg, diese müssen wir ihnen wieder zurückgeben.

Da heute schon Kritik gekommen ist, Beschäftigungsprogramm, Arbeitslosengeld et cetera: Es ist uns wichtig, die Ärmsten der Armen zu schützen, aber wir dürfen nicht vergessen, wir als Regierungsfraktionen wollen und die Regierung will auch den Mittel­stand wieder stärken. Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren, der Mittelstand ist in den letzten Jahren ausgepresst worden wie eine Zitrone. Er ist aber derjenige, der die Hauptlast an Steuern zu tragen hatte. Irgendwo muss das Geld, mit dem Sie mit Ihren Segnungen alle überzogen haben und überschütten wol­len, herkommen. Daher: Ja, auf die Armen achten und sie nicht unter die Räder kom­men lassen, aber auch dem Mittelstand die Möglichkeit geben, wieder auf die Beine zu kommen, was ja in den letzten Jahren nicht der Fall war.

Daher wird auch das Arbeitslosengeld zu Recht reformiert. Es ist – und das wissen Sie so gut wie wir – fatal, wenn die Leute zu lange in der Arbeitslosigkeit sind; sie finden da kaum mehr heraus. Das heißt, wir müssen einen Weg finden, und die Regierung hat mit diesem Programm einen Weg gefunden, die Leute aus der Arbeitslosigkeit mög­lichst schnell wieder herauszuholen, um sie in einen Job zu bringen. Das machen übrigens Länder wie Schweden, das ja im Sozialbereich immer ein Vorbild für die Sozialdemokratie war, oder Dänemark auch; das hat sich bewährt, das ist richtig so.

Auch vor dem 12-Stunden-Tag brauchen Sie keine Angst zu haben. Auch das, sage ich Ihnen, war in vielen Unternehmen schon vor 20 Jahren Praxis, weil sich das die Mitarbeiter über den Betriebsrat mit dem Eigentümer ausgemacht haben. Sie waren zufrieden und haben gesagt: Wir sind froh, wir arbeiten von Montag bis Donnerstag, dann haben wir Freitag, Samstag, Sonntag frei, es gibt einen Journaldienst, der in einem Radl stattfindet, und für alle Beteiligten ist es das Beste.

Sie müssen, sehr geehrte Damen und Herren von den Grünen, aber auch von der SPÖ, weg von diesem Bild, das Sie immer wieder zeichnen, nämlich dass der Unter­nehmer grundsätzlich ein Ausbeuter ist. Natürlich gibt es auch schwarze Schafe, das wissen wir schon, aber der Unternehmer ist nicht grundsätzlich unser Feind, sondern er ist derjenige – und auch das wissen Sie –, die Klein- und Mittelbetriebe sind dieje-


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nigen, die in Österreich über 80 Prozent der Arbeitsplätze schaffen. Daher müssen wir den Unternehmer genauso wie den Arbeitnehmer stärken. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Das gilt übrigens auch für Hausbesitzer. Wir sind nicht die Hausbesitzerpartei, aber beim Mietrecht bin ich ja schon lange der Meinung, dass das viel zu komplex ist. Das versteht ja überhaupt niemand mehr, nicht einmal die Juristen im Gesamten; auch sie sagen, jeder hat so seinen Teilbereich, wo er sich wirklich juristisch gut auskennt. Wir wissen, dass es auch unter den Hausbesitzern schwarze Schafe gibt, aber es gibt auch die Mehrzahl der Hausbesitzer, die wollen, dass ihr Haus renoviert ist, dass es bewohnt ist, dass Leute dort hinziehen.

Wir haben ja vor allem ein Problem in Wien. Warum haben wir ein Problem in Wien? – Weil es viel zu wenige Wohnungen gibt. 2015 ist in Wien gewählt worden, jetzt haben wir 2017, und jetzt fängt die Stadt Wien langsam an, Wohnungen zu bauen. Wir wissen es, es ist wie das Amen im Gebet: Wenn es zu wenige Wohnungen gibt, aber die Nachfrage größer ist, steigen die Mieten. Wir haben aber auch in den Siebziger-, Acht­zigerjahren erlebt, dass die Hausbesitzer, vor allem die privaten, als man sie unter Druck gesetzt hat, gesagt haben: Na gut, dann renoviere ich mein Haus halt nicht mehr, denn ein bisschen etwas möchte ich schon daran verdienen! Das heißt, auch da ist mit Augenmaß vorzugehen, und auch das wird diese Regierung tun.

Das Thema Bildung ist mir ja immer ein besonderes Anliegen gewesen und wird es auch weiterhin bleiben. Ich durfte im Verhandlungsteam im Bereich Bildung sein. Ja, ich habe mich immer zu einem Notensystem bekannt. Ich sage Ihnen eines, sehr geehrte Damen und Herren: Auch die Kinder wollen Noten. Die Kinder denken ja immer ein bisschen abstrakter als wir Erwachsene. Ich weiß, einer meiner Söhne hat eine verbale Benotung bekommen, ist nach Hause gekommen und hat gefragt: Was ist das jetzt? Ist das ein Einser oder ein Zweier oder ein Dreier? – Also er kannte sich nicht aus.

Ich bin aber dafür, dass man, vor allem in der Volksschule, der Note eine Erklärung beigibt. Auch da hat es früher schon Schulen gegeben, die das gemacht haben. Wich­tig an der Bildung ist aber, dass unsere Kinder und dann Jugendlichen, wie es unser Vizekanzler gesagt hat, fit für die Zukunft sind, dass sie einen Arbeitsplatz bekommen, auch die Kinder der Zuwanderer – nur: Das Bildungsangebot ist da, man muss es aber annehmen.

Der neue Bildungsminister hat etwas gesagt, womit er mir aus der Seele gesprochen hat. Er hat gesagt: Lernen bedeutet auch Anstrengung. – Wie oft habe ich Ihnen das hier schon vorgebetet und habe gesagt, Lernen ist nicht der Nürnberger Trichter, wo oben hineingeleert wird und unten dann das Wissen herauskommt, sondern Wissen bedeutet auch Anstrengung?!

Es geht auch in der Schule nicht nur um soziale Kompetenzen. Das habe ich ja auch in den letzten Jahren vielfach gehört, wobei ich mir gedacht habe: Aha, was heißt das jetzt eigentlich: Kompetenzen? Wissen ist offensichtlich überhaupt nicht mehr gefragt. Wissen ist auch ein wertvolles Gut. Auch hier sei an die Sozialdemokratie gerichtet: Ihr habt im 19. Jahrhundert völlig richtig erkannt, dass man den Aufstieg nur über die Bildung schafft. In der Zwischenzeit habt ihr es vergessen.

So hat auch eure Bildungspolitik ausgeschaut. Wir haben nach neun Jahren Schul­pflicht und über 30 Jahren sozialdemokratischer Bildungspolitik Schüler – 30 Prozent! –, die nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen können. (Rufe bei der SPÖ: Gehrer!) Daher sagt die neue Regierung: Ja, da ist eine Kurskorrektur notwendig. Wir müssen wieder dort hinkommen, dass es selbstverständlich ist, dass man nach neun Jahren lesen, schreiben und rechnen kann. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)


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Auch das Thema Migration ist Ihnen ja nicht neu. Wir haben das im Wahlkampf land­auf, landab angesprochen, weil es auch da eine Fehlentwicklung gegeben hat und es jetzt wichtig ist, auch da eine Kurskorrektur folgendermaßen vorzunehmen: Jene, die das Recht auf Schutz haben und die zu Recht um Asyl ansuchen, sollen es bekom-men. Das muss man aber ganz strikt von der Zuwanderung trennen.

In diesem Sinne kann ich Ihnen nur sagen: Lassen Sie die Regierung einmal arbeiten, bevor Sie sich jetzt überschlagen in dem, was da nicht alles drinnen steht und was nicht alles eh schon in die falsche Richtung geht, bevor diese Regierung noch ange­fangen hat, richtig zu arbeiten! Lassen Sie die Regierung arbeiten! Messen Sie sie dann an ihren Taten!

Ich kann Ihnen jetzt schon sagen – jetzt komme ich wieder zu den Schulnoten –: Sie werden sehr gute Noten zu vergeben haben. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

12.54


Präsident Edgar Mayer: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Kollegin Inge Posch-Gruska. – Bitte.

 


12.55.06

Bundesrätin Inge Posch-Gruska (SPÖ, Burgenland): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundeskanzler – nicht mehr da! Herr Vizekanzler! Sehr geehrte Minister und Ministerinnen! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren vor den Fernsehschirmen und natürlich auf der Besuchergalerie! Ich möchte, bevor ich auf die Regierungserklärung eingehe, Folgendes sagen: Monika, das war jetzt direkt schön. Es hat jetzt so einige Punkte gegeben, bei denen ich mir gedacht habe: Ja, richtig staatstragend, jetzt sind die Rollen getauscht. (Bundesrätin Mühlwerth: Na schau! – Heiterkeit bei SPÖ und ÖVP.) Meine Rolle ist jetzt aber auch eine andere, also wird es halt etwas anders werden.

Zur Bildung möchte ich sagen: Monika, es stimmt, dass die Bildung das Wichtigste ist, dass Aufstieg nur über Bildung möglich ist. Dass da die Regierung jetzt Studien­gebühren einführen will – damit wird das ein bisschen leichter werden, nicht? Also da ist man schon in einer etwas verzwickten Position, wobei man das, was man vorher gesagt hat, dann anders macht, wenn man in der Regierung ist.

Zu lange in der Arbeitslosigkeit, diesen Punkt hast du angeschnitten, Monika: Stimmt! Ich habe das schon einige Male hier herinnen gesagt. Bei dem Beschäftigungsprojekt im Bezirk Mattersburg, dem ich vorstehen darf, bei dem wir Langzeitarbeitslose be­schäftigen, sehen wir, wie schwer es für Menschen ist, die lange in der Arbeitslosigkeit sind, wie auch das Selbstwertgefühl schrumpft und wie wichtig es ist, diese zu unter­stützen. Als Antwort darauf die Aktion 20 000 zu kürzen, ist leider auch der falsche Weg; auch das kann es nicht sein. (Bundesrätin Mühlwerth: Das ist ja ein Makula­turprogramm!)

Nach der Schule sofort in die Mindestsicherung, das sei das linke Bild für den Lebens­weg der Menschen, hat der Herr Vizekanzler gesagt. Das mag vielleicht sein linkes Bild sein. Unser linkes, sozialistisches Bild, solidarisches Bild ist ein anderes. Herr Vizekanzler, ich weiß nicht genau: Zuerst habe ich mir gedacht, vielleicht ist die Kreide schon aufgebraucht gewesen, die sowohl Kanzler als auch Vizekanzler geschluckt haben, als sie sich in der Regierungserklärung gegenseitig die schönen Sätze gesagt haben.

Monika hat etwas gesagt, was wirklich stimmt, jedenfalls meiner Meinung nach. Man konnte in der Regierung nicht mehr miteinander. Da muss man auch irgendwann einmal sagen: Ja, stimmt, man konnte nicht mehr!, und man muss dann auch fragen: Okay, welchen Weg wollen wir gehen?


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Der jetzige Herr Bundeskanzler ist schon sehr lange in der Regierung, auch wenn man es nicht immer gemerkt hat, aber trotzdem, er ist schon sehr lange in der Regierung. Herr Vizekanzler, Sie waren sehr lange im Nationalrat. Und plötzlich gibt es ein neues Miteinander. Ich weiß nicht: Hängt der Charakter von der Funktion ab oder kann man ein neues Miteinander, etwas Gemeinsames, ein Füreinander auch leben, wenn man gerade nicht Bundeskanzler oder Vizekanzler ist, wenn man Mandatar oder Mandatarin ist und für Österreich etwas verbessern will? Ich denke, das kann man und das sollte man auch. (Beifall bei der SPÖ.)

Ich bin der Meinung – so bin ich in die Politik gegangen und so gestalte ich mein politisches Weltbild –, eine Gesellschaft ist so stark, wie die Schwächsten in der Ge­sellschaft gestützt beziehungsweise unterstützt werden. Auch das hat der Herr Bun­despräsident bei der Angelobung der Regierung gesagt. Ich denke, dass das ein sehr wichtiger Grundsatz ist und dass dieser Grundsatz gelebt werden soll. Ich gestalte meine politische Arbeit nach diesem Grundsatz. Unter dieser Prämisse habe ich auch das Regierungsprogramm gelesen.

Unser Präsident Edgar Mayer hat es heute schon gesagt, der Bundesrat, die Län­derkammer zeichnet sich dadurch aus, dass wir diskutieren, zuhören können und miteinander neue Wege gehen. Daher möchte ich der neuen Regierung gleich zu Beginn ein Lob aussprechen – ein Lob dafür, dass die Mindestpension erhöht worden ist, dass die Mindestpension auf 1 200 Euro erhöht worden ist, und das auch für Teilzeitbeschäftige, sofern ich das richtig gelesen habe. Ich glaube, das ist sehr, sehr wichtig und sehr, sehr gut – wirklich ein Danke dafür!

Ich wollte dann im Regierungsprogramm über die Entlastung von kleinen oder mittleren Einkommen weiterlesen. Leider habe ich da über kleine Einkommen nichts gefunden, über mittlere Einkommen sehr wenig gefunden. Dafür habe ich aber im Regierungs­programm Steuergeschenke gefunden – Steuergeschenke für Großspender, und das sogar in Millionen- beziehungsweise in Milliardenhöhe. (Bundesrat Preineder: Was?) Das hat mich wirklich sehr, sehr verwundert.

Zur direkten Demokratie – auch Sie haben es wieder angesprochen, Herr Vize­kanzler –: Da ist den Menschen viel versprochen worden, viel Mitbestimmung, aber leider nicht viel eingehalten worden. Ich möchte nur TTIP und Ceta kurz nennen, aber auch erwähnen, dass die FPÖ Burgenland, als sie angetreten ist, auch die direkte Demo­kratie als wichtiges Ziel genannt hat, aber es hat seit zweieinhalb Jahren im Burgenland keine Bürgerbefragung gegeben. Ich bin gespannt, wie das die Bundes­regierung halten und es hier weitergehen wird.

Ich möchte jetzt gerne auf einzelne Kapitel eingehen, als Erstes natürlich auf das Kapitel Familie und Frauen. Die für Familien und Frauen zuständige Bundesministerin ist Frau Dr. Juliane Bogner-Strauß. Allein die Zusammenlegung von diesen zwei Ministerien, von den Angelegenheiten Familie und Frauen ist ein Rückschritt, und ich möchte Ihnen auch sagen, warum es meiner Meinung nach ein Rückschritt ist: Wir haben sehr lange und sehr intensiv dafür gekämpft und auch hier im Parlament sehr viele Maßnahmen gemeinsam beschlossen, die Ausdruck dafür sind, dass wir die Familienpolitik nicht nur als Frauenpolitik sehen (Beifall bei der SPÖ), dass wir die Familienpolitik auch für die Männer öffnen wollen, dass wir den Männern die Chance lassen sollen, da dabei sein zu können, dass Familie gleich viel wert und gleich wichtig ist. Wenn jetzt die Frauenpolitik wieder zur Familienpolitik dazukommt – ich weiß, es muss nicht gleich nur einen Rückschritt bedeuten –, dann wird nach außen wieder das Bild vermittelt, und Bilder prägen nun einmal: Frau und Familie, das ist die heile Welt; und da braucht man dann wieder sehr, sehr viel Kraft, um auch den Männern wieder die Möglichkeit zu geben, da dabei zu sein, mitentscheiden und partizipieren zu können.


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Der Familienbonus ist heute auch schon angesprochen worden. BezieherInnen von Einkommen unter 1 250 Euro bekommen keinen Bonus. Aber bitte, das sind die, die es brauchen würden, die brauchen diesen Bonus! (Beifall bei SPÖ und Grünen.) Wir wissen, dass die FPÖ hier ganz andere Ansätze gehabt hat. Herr Vizekanzler, ich habe Ihnen sowohl im Nationalrat als auch hier zugehört, und ich weiß, man muss Abstriche machen, aber bitte doch nicht auf dem Rücken der Schwächsten! 1 250 Euro – wissen Sie, wie wenig Geld das ist, mit dem die Leute auskommen müssen? Das geht ja gar nicht! Unter 1 250 Euro gibt es nichts für die Familien, die brauchen es aber! Von der ÖVP, Entschuldigung, Kolleginnen und Kollegen, habe ich mir das fast erwartet, da bin ich jetzt nicht sehr überrascht, weil jeder natürlich seinen Weg verfolgt, aber bei der FPÖ tut es mir schon sehr weh.

Ich hoffe, dass das Zukunftsmotto – ich habe gegoogelt, habe aber leider nichts gefunden – beim Familien- und Frauenministerium, dass das Motto für die Frauen zukünftig in unserem Land nicht sein wird: Frauen zurück an den Herd, Frauen zurück in die Familie!, sondern dass wir die Frauenpolitik, die jetzt aufgebaut wurde, weiter vorantreiben und eine gute Zukunft für die Frauen gestalten können.

Das, was ich noch als positiv hervorstreichen will, ist die Hilfe  18 plus. Im Bundesrat gibt es einen Kinderrechteausschuss, in dem wir schon darüber gesprochen haben, wie notwendig und wichtig diese Hilfe 18 plus ist, speziell für diejenigen, die nicht in einer Familie leben können und weitere Hilfe brauchen. Dieses Programm 18 plus ist sehr wichtig und sehr notwendig und auch im Regierungsprogramm erwähnt. Ich hoffe, dass wir dann in der Diskussion auch noch den Rechtsanspruch hineinargumentieren können, aber ich denke, das ist ein notwendiger und wichtiger Schritt, der hier auch verankert ist. (Beifall bei SPÖ und Grünen.)

Die Kinderrechte werden im Regierungsprogramm leider gar nicht erwähnt. (Vize­kanzler Strache: O ja, das Recht der Kinder auf Mutter und Vater!) – Das Recht der Kinder auf Mutter und Vater – stimmt, Herr Vizekanzler, das habe ich glatt überlesen! (Allgemeine Heiterkeit.) Darauf gehe ich jetzt nicht extra ein, aber die Kinderrechte explizit sind nicht erwähnt. Sie werden als zukünftige Erwachsene genannt bezie­hungs­weise als Asylwerber, und da, denke ich, haben wir auch noch etwas zu tun.

Der Begriff Familie – das passt jetzt eh gut zu dem Recht der Kinder auf Mutter und Vater – ist lange und sehr intensiv bei uns – im Hohen Haus, innerhalb der Parteien – diskutiert worden. Österreich hat einen modernen, einen offenen und vor allem einen vielfältigen Begriff von Familie. Leider ist dieser offene, moderne und vielfältige Begriff von Familie im Regierungsprogramm auch nicht zu finden.

Es gibt nicht nur die Form Mutter, Vater, Kind, es gibt viele Formen. Wir leben nicht mehr - - (Bundesrätin Mühlwerth: Das seht aber nur ihr so!) Nein, ich lebe in der Realität, liebe Monika! Ich lebe in der Realität, und die ist eben so; das zu sehen ist notwendig. (Beifall bei SPÖ und Grünen.)

Es finden sich auf diesen 179 Seiten leider sehr viele Allgemeinplätze. Mag so sein, das ist auch Ihr gutes Recht, weil man ja nicht alles gleich am ersten Tag reinschreiben kann, das gebe ich schon zu, aber es gibt trotzdem sehr viele Allgemeinplätze, die wir hoffentlich noch gut ausbauen können.

Das, was mir aber im Regierungsprogramm Angst macht, ist der Umstand, dass ich drinnen Ansätze lese, in denen das Bild vom wahren Menschen gezeichnet wird. Ich glaube, dass wir das im Jahr 2017 nicht mehr leben können. Das Bild eines wahren Menschen, eines einzigen Menschen, das wir alle verkörpern sollten, wird es nicht geben. Modern, offen und vielfältig – so ist unser Österreich und so soll es auch blei­ben. (Beifall bei SPÖ und Grünen.)


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(In den Unterlagen suchend und dabei seufzend:) Die Deckelung der Mindestsicherung will ich noch ganz kurz anschneiden. (Heiterkeit. – Ja-Rufe bei ÖVP und FPÖ.) – Euch geht es auch schon so? Mensch, ich sag’s euch! Dabei hätte ich noch so viel, und ich werde gar nicht fertig damit. – Ganz kurz: Die Deckelung der Mindestsicherung ist eine Maßnahme, die die Armut in Österreich fördert und vor allem den sozialen Zusam­menhalt gefährdet. Und das ist das, was mir am meisten Angst macht, denn dieser soziale Zusammenhalt ist wichtig, den brauchen wir! Wir können kein Auseinan­derdividieren der Gesellschaft zulassen, denn sobald wir auseinanderdividieren, wird es Leute geben, die nicht nur in die Armut gedrängt werden, sondern wirklich an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, und wie es denen dort geht und wie sich die wieder heraushelfen, ist die Frage. Das könnte in die Kriminalität führen. Und genau da sollten wir Präventivarbeit leisten, das wäre wichtig. (Beifall bei der SPÖ.)

Das Wort Kinderarmut fehlt ganz, wie überhaupt Armut in Österreich im Regie­rungs­programm fehlt. Ich möchte zum Thema Armut nur ganz kurz etwas vorlesen – dafür erspare ich euch den Bereich Asyl, darauf gehe ich dann nur mehr mit einem Satz ein –, ich möchte ganz kurz aus einem Beitrag von Julia Ortner in den „Vorarlberger Nachrichten“ zitieren, von einer Vorarlbergerin, Herr Präsident (Präsident Mayer: Wunderbar!):

„Arm ist nicht nur der Obdachlose, der nachts in einer Notschlafstelle Zuflucht sucht. Wenn man in einer feuchten Wohnung leben muss, sich das Heizen nicht leisten kann, chronisch krank ist, abgetragene Kleidung nicht ersetzen kann, wenn ein kaputter Kühlschrank gleich Ausnahmezustand bedeutet – dann pflegt man keinen beschei­denen Lebensstil, dann ist man arm.

Schon jetzt führen die meisten Mindestsicherungsbezieher mit 838 Euro kein schönes Leben, nein, sie überleben. Und wie sollen die anerkannten Flüchtlinge unter ihnen künftig von 520 Euro existieren, wie wohnen, wie essen? Was wird aus den Kindern größerer Familien, die von der Deckelung betroffen sind? Die armen Menschen werden nicht einfach verschwinden, nur weil man Leistungen kürzt.“

Ich glaube, das sollten wir wirklich beachten, das sollten wir mitdenken! Das müssen wir bei jeder Entscheidung einfach mitdenken!

Die Aktion 20 000 habe ich erwähnt – hörts, jetzt bin ich bald fertig. Ich möchte nur einen Satz noch zu den Asylwerbern sagen. (Zwischenrufe bei der FPÖ.) Nur noch einen Satz.

Es war bei der Regierungserklärung so, es ist auch heute ganz kurz gefallen - - (Ruf bei der FPÖ: Das ist nicht kollegial!) – Ich bin eh sonst sehr kollegial. Ein paar Minuten kriege ich jetzt.

 


Präsident Edgar Mayer: Frau Kollegin, es sind schon 14 Minuten!

 


Bundesrätin Inge Posch-Gruska (fortsetzend): Ja, ich bin gleich fertig, Herr Präsi­dent!

Bei der Regierungserklärung im Nationalrat ist es ein paarmal gefallen, heute nur ganz kurz erwähnt worden: Bitte hören wir auf, mit einzelnen Gruppen, die in Österreich sind, Angst zu schüren und Hetze zu schüren! (Beifall bei SPÖ und Grünen.) Die Flüchtlingswelle hat niemanden überrollt, es ist niemand in Österreich ertrunken, wir haben Menschen geholfen, und das sehr gut. (Beifall bei SPÖ und Grünen.)

Ganz zum Schluss noch einen Satz: Ich bin heute vom Burgenland nach Wien ins Parlament gefahren, und da wurde ein Lied im Radio gespielt, das heißt: „I leb in ana Wolk’n“, i leb in meiner eig’nen Welt. – Das Recht, so zu leben, hat jeder und jede, nur an jene, die Verantwortung in Österreich tragen, mein Appell: Bitte werdet munter, bitte


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seht alle Menschen in Österreich, seht alle die Menschen, die Hilfe ganz notwendig haben, die sozial Schwachen! Aber seht auch klar die Menschen, die Unternehmer sind und den Menschen Arbeit geben! Vergesst nicht auf die sozial Schwachen! Ich wünsche euch diese Erleuchtung zu Weihnachten beziehungsweise spätestens am 6. Jänner. – Danke schön. (Beifall bei SPÖ und Grünen.)

13.09


Präsident Edgar Mayer: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Kollege Mag. Gerald Zelina. – Bitte.

 


13.10.06

Bundesrat Mag. Gerald Zelina (ohne Fraktionszugehörigkeit, Niederösterreich): Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz! Sehr geehrter Herr Vizekanzler Strache! Liebes neues Regierungsteam! Liebe Zuschauer vor den Fernsehgeräten! Als Frank Stronach im April 2013 bereits zwei Landtagswahlen recht erfolgreich geschlagen hatte, mit 10 und 11 Prozent, kam er zu uns und sagte, er hätte gerne Sebastian Kurz in seinem Team (Heiterkeit bei der ÖVP), eine Reformbewegung in Österreich mit guten Leuten hätte ein Potenzial von 30 Prozent und er würde Sebastian Kurz zum Bundeskanzler machen. (Heiterkeit bei der ÖVP. – Bundesrätin Grimling: Der Stronach?)

Ja, Herr Sebastian Kurz, Sie sind heute Bundeskanzler, Sie können Ihrem Schicksal nicht entrinnen, Sie wären auch unter Frank Stronach Bundeskanzler geworden. (Neuerliche Heiterkeit bei der ÖVP. – Bundesrat Preineder: Da siehst du, wie gut der Kurz ist, der hat dem Frank sogar gefallen!)

Wir haben auch vor dieser Nationalratswahl im Jahr 2017 noch versucht, ein gutes Team zusammenzustellen. Wir haben Gespräche geführt, unter anderen intensiv mit Dr. Josef Moser, dem ehemaligen Rechnungshofpräsidenten, den wir gerne gehabt hätten. Ich freue mich, dass Dr. Josef Moser jetzt im Regierungsteam ist. Und wir hätten natürlich auch gerne Dr. Karin Kneissl im Team gehabt; wir haben auch mit ihr Gespräche geführt (Vizekanzler Strache: Die Besten sitzen hier!), wir haben sogar gemeinsam mit Dr. Karin Kneissl ein Buch herausgebracht:  „Wachablöse – Auf dem Weg in eine chinesische Weltordnung“. Das Buch ist sehr zu empfehlen, lesen Sie es! Ich freue mich sehr, Frau Dr. Kneissl, dass Sie auch im Regierungsteam vertreten sind. Das ist wirklich ein Topteam – die Republik ist in guten Händen.

Zur Außenpolitik: Wir haben im Jahr 2018 den EU-Vorsitz. Österreich hat über 1 000 Jahre eine tragende und führende Rolle in Europa innegehabt, und ich finde, Österreich sollte auch in Zukunft Europa aktiv mitgestalten und die Rolle als unbe­deutender Nebendarsteller im Konzert der internationalen Mächte ablegen. Das heißt in der Außenpolitik auch wieder Allianzbildungen, auch mit unseren ehemaligen Mo­narchiepartnern. Allianzen sind wichtig, auch im Hinblick auf die EU-Integration der Balkanländer, im Hinblick auf einen gemeinsamen Außengrenzschutz für die EU. In diese Richtung sollten wir gehen.

Zum Thema Steuern oder Steuerquote senken: Wo muss Österreich hin? – Wir müs­sen ausgeglichene Budgets zustande bringen, und Steuerpolitik ist gleichzeitig auch immer Standortpolitik. Ein ganz wesentlicher Beitrag dieser Regierung wird sein, die Steuerquoten auf ein vernünftigeres Niveau oder zumindest auf das Niveau von Deutschland herunterzubringen, um im internationalen Wettbewerb wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wir haben erst gestern in Amerika die Körperschaftsteuersenkungen durchbekommen (Bundesrätin Zwazl: Wir?), der Trend geht in Richtung niedrigerer Körperschaftsteuern für Unternehmen bei gegengleicher Reduzierung der Steuerausnahmen. Das sollten wir auch in Österreich andenken, nämlich bei der KÖSt Eingriffe zu machen, beson-


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ders folgende Thematik betreffend: Gewinne, die nicht ausgeschüttet werden, verblei­ben im Unternehmen und werden für zukünftige Investitionen verwendet. Das schafft zukünftige Arbeitsplätze. Diese zu besteuern macht keinen Sinn, Gewinne sollten erst bei Ausschüttung besteuert werden.

Für den neuen Herrn Finanzminister: Was auch ein Thema in Österreich ist, ist die steuerliche Schlechterstellung von Eigenkapital gegenüber Fremdkapital. Ich kann ein Unternehmen finanzieren mit Fremdkapital, mit Bankkrediten oder über Eigenkapital. Wenn ich es aber über Eigenkapital finanziere, kann ich den Aufwand der Finanzie­rungskosten, den ich bei Fremdkapital zum Beispiel als Zinsaufwand habe, nicht steuerlich absetzen. Das heißt, wir brauchen hier quasi kalkulatorische Eigenkapital­zinsen, die wir steuerlich abschreiben könnten, oder wir machen sogar die tatsäch­lichen Gewinnausschüttungen quasi als Aufwand für Eigenkapital steuerlich absetzbar.

Zu den Steuerausnahmen. Es gibt 558 Begünstigungen bei den Lohn- und Einkom­men­steuern; das hat auch Herr Dr. Moser angesprochen. Da geht es um die Über­stunden, um die Zulagen, um die Abfertigungen, um die ganzen Kostenpauschalen, um Sachbezüge. Diese Begünstigungen, diese Steuerausnahmen gehören beseitigt, um auch hier die Überregulierung zurückzufahren.

Und eines sollte man auch nicht vergessen, auch wenn wir immer wieder fordern, die Körperschaftsteuern sollten wir herunterfahren: Die Unternehmen leisten bereits gewinnunabhängig Gewaltiges für den ganzen Sozialbereich im Staat. Eine der größten Einnahmen für den Staat sind die Sozialbeiträge. Die Sozialbeiträge sind dop­pelt so hoch wie unser Lohnsteueraufkommen und doppelt so hoch wie unser Mehr­wert­steueraufkommen. Und da reden wir von gigantischen Beträgen, da reden wir von über 50 Milliarden Euro pro Jahr, die über die Sozialbeiträge von den Unternehmen geleistet werden. Das heißt, unser ganzer Sozialstaat wird eigentlich durch die von den Unternehmen gezahlten Löhne, an denen sämtliche Sozialabgaben hängen, aufrecht­erhalten, und diese können das auch nur zahlen, weil sie wettbewerbsfähig sind und Umsatzeinnahmen haben.

Umso wichtiger sind daher auch Reformen im Gesundheitsbereich, bei den Sozial­versicherungen. Da gibt es zwei Möglichkeiten: entweder Zulassung des Wettbewerbs zwischen den Sozialversicherungen, dann wird die ganze Verwaltung automatisch schlank, oder Reduktion auf wenige Sozialversicherungen. Wir haben bei den Sozial­ver­sicherungen 360 Beitragsgruppen – diese Zahl gehört extrem reduziert.

Auch das Thema Pensionen gehört angesprochen. Wir haben 1971 eine durchschnitt­liche Pensionsbezugsdauer von acht Jahren gehabt, 1991 eine durchschnittliche Pen­sionsbezugsdauer von 15 Jahren, und heute haben wir eine durchschnittliche Pen­sionsbezugsdauer von 22 Jahren. Das müssen wir finanzieren, das müssen die Jun­gen finanzieren. Das ist etwas aus dem Ruder gelaufen, da muss etwas getan werden.

Dann haben wir den großen Bereich der Verschlankung der Verwaltung. Zwei Priori­täten hätte ich diesbezüglich, die erste betrifft die Ländergesetzgebungen in Öster­reich. Wir haben zehn Gesetzgebungen: neun auf der Landesebene – mit neun Lan­desparlamenten – und eine auf der Bundesebene. Das ist für einen kleinen Staat wie Österreich völlig überdimensioniert. Wir tun nach wie vor so, als wären wir eine große Monarchie. Da gibt es gewaltiges Einsparungspotenzial.

Wir brauchen keine neun unterschiedlichen Jugendschutzgesetze, keine neun unter­schied­lichen Pflegegesetze, keine neun unterschiedlichen Bauordnungen, keine neun unterschiedlichen Tierschutzgesetze, keine neun unterschiedlichen Wohnbauförde­rungs­­gesetze, keine neun unterschiedlichen Kinderbetreuungsgesetze, keine neun unter­schiedlichen Mindestsicherungsregeln, keine neun unterschiedlichen Landeslehrer-


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dienst­rechte und auch keine neun unterschiedlichen Besoldungsrechte für Ärzte. Da ist viel Spielraum, um die Effizienz zu heben.

Die zweite Priorität ist der Steuerwettbewerb unter den Ländern – diesen befürworte ich auf jeden Fall. Geben Sie den Ländern die Möglichkeit, eigene Steuern einheben zu können, am besten bei der Körperschaftsteuer oder der Einkommensteuer. Da könnte man mit KÖSt-Länderaufschlägen arbeiten. Das heißt, der Bund gibt einen geringeren Steuersatz vor, und die Länder haben dann die Möglichkeit, etwas drauf­zuschlagen oder nicht. Steuerwettbewerb zwischen den Ländern bis hinunter auf die Gemeindeebene führt zu niedrigeren Steuersätzen, Steuerwettbewerb führt zu schlankeren Landesverwaltungen und Steuerwettbewerb führt zu attraktiveren Stand­orten für Unternehmen.

Auch zur Infrastruktur habe ich einen Vorschlag: Gründen wir doch eine österreichi­sche Investitionsbank – eine österreichische Investitionsbank, gefüttert mit Eigen­kapital, indem wir die zukünftigen Steuereinnahmen des Bundes verbrieft in die Bank einbringen –, und finanzieren wir damit Infrastrukturinvestitionen oder auch andere Zu­kunftsinvestitionen.

Der Vorteil wäre, dass wir quasi zinslos finanzieren können, denn wenn diese Bank österreichische Staatsanleihen zeichnet, bleiben die Zinseinnahmen der Bank in österreichischen Händen und können per Gewinnausschüttungen wieder an den Staat zurückgeführt werden; das heißt, wir hätten eine zinslose Finanzierung. Theoretisch könnte so eine Bank in österreichischer Hand auch bestehende Staatsanleihen zurück­kaufen und über einen Zeitraum von zwanzig Jahren den gesamten österreichischen Staat entschulden.

Ein Punkt noch, den ich als ehemaliger Generalsekretär des Österreichischen Badmin­ton Verbandes erwähnen will. Ich will damit den Herrn Vizekanzler Strache an­sprechen, er ist ja jetzt auch für den Sport zuständig. Einsparungen bei den Sozialversicherungen sollten in den Sport zur Gesundheitsvorsorge investiert werden: Vergessen Sie bitte den Sport im Rahmen der Gesundheitsvorsorge nicht, investieren Sie in die Sport­verbände, in die Ausbildung der Lehrwarte, der Übungsleiter und auch in die Sport­infra­struktur. Überlegen Sie sich noch einmal, das allgemeine Rauchverbot auch in der Gastronomie beizubehalten; das macht schon Sinn!

In den letzten Wochen – ich komme zum Schluss – fragen mich viele Leute, wie meine politische Zukunft nach dem Team Stronach aussieht. (Allgemeine Heiterkeit.) Nun, da die meisten Regierungsmitglieder – ich habe es vorher angesprochen – bereits Stronach-Personenpräferenzen sind, fällt mir meine Entscheidung nicht mehr allzu schwer. Das gesamte neue ÖVP-FPÖ-Regierungsprogramm ist ein anspruchsvolles Reformprogramm und erhält meine volle Unterstützung. Ich arbeite gerne mit Spitzen­leuten und einzigartigen Ausnahmeerscheinungen zusammen. Gute Leute ziehen gute Leute nach.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz, ich bitte Sie um Aufnahme des letzten verblie­benen Stronach-Mannes in diesem Parlament in Ihr Team. (Allgemeine Heiterkeit.) Ich bitte Sie um Aufnahme des Bundesrates Mag. Gerald Zelina, sprich meiner Person, in die türkise ÖVP. (Bundesrätin Zwazl: Na, das ist aber nicht möglich!) Vielen Dank und alles Gute dem neuen Regierungsteam! (Allgemeine Heiterkeit und allgemeiner Beifall. – Der Redner reicht Bundeskanzler Kurz die Hand und überreicht ihm das erwähnte Buch.)

13.22


Präsident Edgar Mayer: Danke, Herr Kollege Zelina! Ich möchte nur anfügen: Sehr bemerkenswert! (Allgemeine Heiterkeit.)


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Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Kollegin Dr. Ewa Dziedzic. – Bitte, Frau Kolle­gin. (Bundesrat Preineder – in Richtung der sich zum Rednerpult begebenden Bun­desrätin Dziedzic –: Ewa, du auch? – Bundeskanzler Kurz: Du auch? Geht schon!)

 


13.22.57

Bundesrätin Mag. Dr. Ewa Dziedzic (Grüne, Wien): Eines vorweg: Ich bewerbe mich nicht, nein! (Allgemeine Heiterkeit. – Bundesrat Brunner: Noch nicht! – Bundeskanzler Kurz: Aber wir wären dafür offen!) – Darüber reden wir dann nach der Sitzung. (Bun­deskanzler Kurz: Ja!)

Sehr geehrter Herr Kanzler! Herr Vizekanzler! Werte Ministerinnen! Herr Minister! Wer­ter Herr Präsident! Werte Kollegen, Kolleginnen! Werte Gäste und auch werte Zu­schauerInnen! Ich bewerbe mich auch deshalb nicht, weil die neue schwarz-blaue Regierung zwar auf aufgeschlossen und modern tut, aber für mich – das Wort ist heute schon gefallen – ein bisschen Retropolitik macht oder machen möchte. Sie ist vor allem gegenüber gewissen Menschengruppen eigentlich nicht aufgeschlossen, das ist besorgniserregend. Das sind Asylwerber, das sind MigrantInnen, das sind Allein­erziehende, das sind Frauen und das sind auch Menschen, die nicht genug verdienen. Die bleiben in Ihren Plänen leider ausgespart.

Der Ausdruck sozial kalt ist heute schon gefallen, und ja, leider muss ich es wieder­holen: Für mich wirkt es sozial kalt, es wirkt auch ein bisschen wie Klientelpolitik für die Besserverdienenden und auch, als ob Sie in Zukunft am liebsten jene Gruppen aus der Gesellschaft verbannen würden, die unliebsam sind, die man vielleicht nicht sehen möchte. (Bundesrätin Mühlwerth: Das ist aber nur in Ihrer Fantasie! – Zwischenruf bei der ÖVP.)

Ich nenne Ihnen sogar ein konkretes Beispiel dazu: Die Themen Migration und Asyl sind von einer hetzerischen Rhetorik geprägt, da finden sich kaum Fakten als Grund­lage und auch keine Sachlösungen. Stattdessen sind da weitere Schikanevorhaben zu finden, die zum Teil geltendes Recht außer Acht lassen.

Ich möchte Sie, Kanzler Kurz, wiederholt fragen, ob Ihnen bekannt ist, dass Ihr Koali­tionspartner die Menschenrechtskonvention infrage stellt, ob Sie das, liebe Bundes­rätIn­nen der ÖVP, gar nicht stört, und wie Sie, Herr Vizekanzler, tatsächlich dazu stehen. Ich denke, es gibt nämlich nicht umsonst berechtigte Kritik daran, dass diese Koalition wieder Ansichten salonfähig macht, die zum Teil ewiggestrig sind.

Der Menschenrechtsausschuss im Nationalrat, das werden Sie wahrscheinlich wissen, interessiert auch niemanden so recht. Bürgerrechte, Bürgerinnenrechte, Freiheits- und Menschenrechte – alles Schnee von gestern. (Bundesrat Brunner: Wieso, wer sagt das?) Heute gibt es nämlich moderne Lösungen, und da komme ich zu dem Beispiel: Sie haben es gehört, der Wiener Vizebürgermeister Gudenus hat mit seiner Forderung nach sogenannten Stadtrandlagern erschreckende Bilder gezeichnet. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen, man muss einmal zu Ende denken, was das bedeutet. (Vizepräsidentin Ledl-Rossmann übernimmt den Vorsitz.)

Da wird offen zugegeben, Integration interessiert uns eigentlich überhaupt nicht, wir haben sie nur immer eingefordert, aber sie interessiert uns nicht. Weiters: Glauben Sie, dass sich, indem Sie einen Migrationsstopp in Ihre Papiere hineinschreiben, die welt­weiten Krisen einfach auflösen? Meiner Meinung nach grenzt das an Realitätsver­weigerung. (Zwischenruf des Bundesrates Samt.)

Wir können nicht sagen, dass wir die globalen Entwicklungen aufhalten, dass diese vor Österreichs Grenzen Halt machen, nur weil eine schwarz-blaue Regierung nicht sehen möchte, was diese Realität ist und dass diese Entwicklungen nicht durch Lager oder einen festgeschriebenen Migrationsstopp aufhaltbar sind.


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Wir haben es heute schon gehört: Wenn Menschen, denen das mindeste zum Leben Notwendige genommen wird, in die Kriminalität abdriften, dann werden Sie wahr­schein­lich sagen: Wien ist schuld!, oder etwas Ähnliches. Dabei ist die Mindestsiche­rung tatsächlich ein perfektes Instrument für diese Abschottungspolitik. Sie werden es wissen, Niederösterreich, Oberösterreich und das Burgenland haben ja bereits heuer ihre Gesetze massiv verschärft. Während Oberösterreich und das Burgendland die Leistungen spezifisch für Flüchtlinge stark gekürzt haben, hat Niederösterreich diese Leistungen gleich für alle verschlechtert.

Das Niederösterreichische Mindestsicherungsgesetz wird derzeit, auch das werden Sie wissen, vor dem Verfassungsgerichtshof bekämpft und das oberösterreichische Gesetz vor dem Europäischen Gerichtshof. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass beide Regelungen aufgehoben werden. Sie haben sich gedacht: Es ist uns wurscht, wir schreiben das einfach noch einmal rein! Ich denke, dass Ihre Sozialabbaupläne nicht so einfach in Gesetze zu gießen sind – außer Ihr Bekenntnis, die österreichische Ver­fassung und die europäischen Werte hochzuhalten, entpuppt sich am Ende tatsächlich nur als schwarz-blauer Zigarettenrauch.

Und ja, noch etwas zur Mindestsicherung: Die Pläne für ein Grundsatzgesetz werden vor allem uns in der Länderkammer in Zukunft sicher noch näher beschäftigen. Das ist aber noch nicht alles – wir alle haben in diesen Tagen Berichte, Zeitungen und Social-Media-Postings gelesen –: Der Ausbau der neuen Machtposition hat viele Gesichter, stark im Fokus steht auch in der neuen Regierung eine Machtkonzentration. Diese macht vielen Menschen Angst, und ich denke: zu Recht! Tatsache ist nämlich, Öster­reichs Rechtspopulisten erhalten in Zukunft Kontrolle über den ganzen Sicherheits­bereich; Polizei, Bundesheer, Nachrichtendienste, alles ist in einer Hand. Auch da würde mich interessieren, ob das der ÖVP vollkommen egal ist und wie sie dazu steht. Finden Sie das nicht irgendwie bedenklich? – Ja, wir werden sehen.

Das ist eine Regierung, die – das ist der Punkt, und das ist der Grund, wieso diese Machtkonzentration vielen Menschen Angst macht – aus Rechten und Ultrarechten besteht, haben viele ausländische Medien geschrieben. Auch wir wollen von der neuen österreichischen Regierung und vor allem vom Innenminister wissen, wie seine Einschätzung in Bezug auf den deutschen Verfassungsschutz ist, der meint, dass die Identitäre Bewegung eine Bedrohung für die Demokratie darstellt. Wir wollen das deshalb wissen, weil der Doch-nicht-Pressesprecher, aber vielleicht Doch-noch-Kommunikationschef Alexander Höferl sich mit denen bestens versteht.

Ich muss ehrlich zugeben, mir macht das auch Angst, wenn 2017 in Österreich das Mauthausen Komitee vor einzelnen Führungspersonen dieser neuen Regierung warnen muss.

Und dann gibt es noch einen wichtigen Punkt; es scheint so, als könnte niemand dieser Umsetzung entkommen. Die neue schwarz-blaue Regierung plant nämlich einen Über­wachungsstaat. (Bundesrat Preineder: Geh hör auf! – Zwischenruf des Bundesrates Brunner. – Ruf bei der FPÖ: Märchenstunde! – Bundesrat Stögmüller: Jetzt kommt der Bundestrojaner!) Ich erkläre Ihnen auch, wieso ich das so sehe: Zum wiederholten Mal will eine Regierungskoalition den Bundestrojaner und eine Nachfolgeregelung für die Vorratsdatenspeicherung.

Neu sind unter anderem die Pläne für eine automatisierte Gesichtsfelderkennung und verstärkte Big-Data-Analysen im Zuge von Ermittlungen. Weiters setzt Schwarz-Blau auf verstärkte Vernetzung personenbezogener Daten, womit der Staat zum unge­bremsten Datensammler wird und auch neue Möglichkeiten für die Überwachung von einzelnen Bürgern und Bürgerinnen, und zwar in allen Lebenslagen, geschaffen werden. (Abg. Preineder: Das hat nichts mit Überwachung zu tun!) Besonders kritisch


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ist für uns auch die neuerliche Forderung nach Netzsperren, die Internetunternehmen nach eigenem Gutdünken vornehmen können. Das heißt nämlich Netzpolitik für die Industrie und nicht für die Menschen und ist sanfte Grundlage für Zensurmaßnahmen.

Durch die Berichtspflichten der Nachrichtendienste an Bundeskanzler und Vizekanzler kämen zudem sensible Daten direkt in die Hände der neuen politischen Führungsriege. Und das ist nicht alles: Sie fordern nicht nur Berichtspflichten, nein, Sie wollen auch ein Auskunftsrecht beim Heeres-Nachrichtenamt, beim Abwehramt und beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Ich glaube, dieser Punkt wird uns in Zukunft noch beschäftigen.

Wir finden jedenfalls, das hat viel mit Überwachung, aber wenig mit Sicherheit zu tun, und bringen deshalb folgenden Entschließungsantrag ein:

Entschließungsantrag

der BundesrätInnen Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Über­wachungspaket stoppen!“

Der Bundesrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, von den vorliegenden Plänen zum Ausbau zahlreicher Überwachungsmaßnahmen Abstand zu nehmen, und statt dessen umge­hend eine umfassende Evaluierung der seit 2007 sukzessive eingeführten neuen Ermittlungsmethoden im Hinblick auf Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und Wirksam­keit des Rechtsschutzes durchzuführen.“

*****

Die Grünen sind zwar nicht mehr im Nationalrat vertreten (Bundesrätin Mühlwerth: Gott sei Dank!), aber eines kann ich Ihnen versprechen: Wir werden weiterhin für eine ökologische und sozial gerechte Gesellschaft in Österreich kämpfen, im Namen und im Interesse jener Menschen, die es vielleicht nicht so gut wie Sie oder ich getroffen haben und jetzt unter Schwarz-Blau verhöhnt werden. Hinzu kommt auch noch, dass sie in Zukunft überwacht werden sollen. – Vielen Dank. (Beifall bei Grünen und SPÖ.)

13.33


Vizepräsidentin Sonja Ledl-Rossmann: Der von den BundesrätInnen Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen eingebrachte Entschließungsantrag ist genügend unterstützt und steht demnach mit in Verhandlung.

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Doris Schulz. – Bitte, Frau Bun­desrätin.

 


13.34.05

Bundesrätin Mag. Doris Schulz (ÖVP, Oberösterreich): Sehr geehrte Frau Präsi­dentin! Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Liebe Regierungsmitglieder! KollegInnen im Bundesrat! ZuseherInnen im Saal und zu Hause!

Vor einigen Stunden wurde ich angelobt, und ich freue mich sehr, Mitglied des Bundesrates sein zu dürfen. Ich komme aus Oberösterreich, aus Wels. Oberösterreich ist eines der wirtschaftsstärksten Bundesländer und ein Bildungsbundesland. Ober­öster­reich hat maßgeblich an diesem Regierungsprogramm mitgearbeitet; einige Punk­te habe ich mir herausgesucht.

Ein Thema, das mich in meiner Biografie schon lange beschäftigt, ist das Thema Frau­en und Familie, in welchen Situationen sich Frauen wie etablieren können, sich ein


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gutes Leben gestalten können. Das Schöne am Parlamentarismus ist, dass es, so wie beim Regierungsprogramm, das 182 Seiten hat, verschiedenste Lesarten gibt. Ich möchte Ihnen meine Lesart, mit meinem Frauenbild, aus der Perspektive Oberöster­reichs, ein bisschen näherbringen.

Steuern runter – das ist etwas, das für Oberösterreich ein ganz großes Muss ist, vor allem für die Frauen, für die Familien detto, und dazu komme ich dann noch speziell. Die Schuldenbremse ist etwas, das wir ausgerufen haben. Trotz großer Proteste hat es funktioniert. Das österreichische Regierungsprogramm bekennt sich zu dieser Schul­den­bremse, und das ist eine Entscheidung, die wir für die Zukunft getroffen haben.

Soziale Gerechtigkeit ist, glaube ich, unser aller Anliegen, und soziale Gerechtigkeit heißt, alle Lebenssituationen in Österreich unter die Lupe zu nehmen und zu schauen, was die Menschen brauchen, um ein gutes Leben führen zu können. Diese soziale Gerechtigkeit hat in diesen 182 Seiten sehr, sehr viel Platz gefunden, auch dazu habe ich Beispiele.

Eine aktive Standortpolitik durch Schwerpunkte in der Digitalisierung ist ganz we­sentlich. Die Digitalisierung ist etwas, das wie eine Revolution in relativ kurzer Zeit auf uns zukommt. Da geht es nicht nur darum, Datenbahnen zu legen und darauf zu schauen, dass die Infrastruktur passt, sondern digitale Kompetenz ist das, was wir Menschen, egal welchen Alters, lernen müssen. Viele von uns sind Digital Immigrants, und wie Immigranten die Kultur des Landes lernen müssen, in das sie einwandern, müssen auch wir, egal welchen Alters, das lernen. Die jungen Leute sind die, die wissen, wie es funktioniert. Sie wissen zwar noch nicht, wie es in zehn Jahren aus­sieht, aber sie gestalten es selber; das sind die Digital Natives, die uns noch sehr, sehr viel zeigen werden. Mit der Schaffung der Rahmenbedingungen und mit den Werten der österreichischen Gesellschaft geben wir ihnen die entsprechende Begleitung.

Talenteförderung und Forschung sind wesentliche Punkte, die, in einem Regierungs­programm festgeschrieben, auch Maßnahmen mit sich bringen. Oberösterreich ist ein Land der Möglichkeiten geworden. Das heißt, jeder, der zu uns kommt, soll die Mög­lichkeiten vorfinden, die er braucht, um sich bestmöglich entwickeln zu können. Und für Österreich, so heißt es, soll es ein wirtschaftliches Comeback geben, um wieder zu den besten Ländern Europas zu gehören.

Wenn Sie die aktuellen Zeitungen lesen, zum Beispiel heute die Zeitung „Österreich“, die nicht unbedingt als regierungsnahe deklariert ist (Bundesrätin Grimling: Na geh! – Ruf bei der SPÖ: Der war gut!), werden Sie feststellen, dass die derzeitige Regierung beste Noten hat. Dieses Comeback ist etwas, das wir alle gemeinsam gestalten werden.

Das Thema Sicherheit ist im Übrigen eines, mit dem ich mich dann noch im Zusam­menhang mit meinem Thema Frauen und Familie weiter auseinandersetzen werde. Frauen und Familie sind Themen, die mich seit meiner Studienzeit beschäftigen. Frauen und Männer gestalten gemeinsam unsere Gesellschaft. In manchen Bereichen ist es notwendig, etwas nachzuhelfen, dort zu unterstützen, wo es Defizite oder Schwierigkeiten in der Entwicklung gibt. Das ist leider manchmal bei Frauen not­wen­dig, zum Beispiel beim Thema Frauen und Arbeit. Die Diskriminierungen in allen Kollek­tivverträgen werden abgeschafft, indem auch Karenzzeiten bei den Gehalts­vorrückungen besser berücksichtigt werden. (Bundesrat Stögmüller: Nachmittagskin­der­betreuung!) – Danke für das Stichwort Kinderbetreuung, das kommt natürlich noch.

Die Schaffung eines bundesweit einheitlichen Einkommensberichts ist ein wichtiger Schritt zur Beseitigung der Einkommensunterschiede. In vielen Ländern wird es schon lange so gemacht (Bundesrätin Blatnik: Aber nicht überall!), mit den entsprechenden


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Effekten, dass die Gehälter angeglichen werden. Österreich hat sich jetzt dazu ent­schieden.

Das Thema Mindestpension: 1 200 Euro, bei Paaren 1 500 Euro, das betrifft vielfach Frauen, die 40 Jahre lang gearbeitet haben, mit vielleicht geringeren Löhnen. Sie ha­ben jetzt die Möglichkeit, sich zumindest auf eine Mindestpension verlassen zu können.

Frau und Familie: Der Familienbonus von 1 500 Euro ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Familie einen Wert hat und dass Familien nicht Bittsteller sind. Im Übrigen ist das ein steuerrechtlicher Bonus – weil es geheißen hat, es werde ausbezahlt.

Mit dem flächendeckenden Ausbau der qualitativen schulischen Nachmittags­betreuung, mit flexiblen Öffnungszeiten, aber auch mit dem Ausbau des Angebots von Tages­müttern, einem sehr individuellen Betreuungsangebot, bekennt sich die Regierung eindeutig dazu, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf entsprechend zu ermöglichen.

Ausweitung der professionellen Ferienbetreuung: Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist damit sichergestellt, vor allem weil 90 Prozent der Familien­versorgung – vom Baby bis zum Greis – immer noch von den Frauen geleistet wird. Und da bekommen sie die Unterstützung, die sie tatsächlich für sich und ihre Lebens­situation haben möchten.

Das Modell der Herbstferien für alle Schulen unterstützt die gemeinsame Familienzeit – und ich weiß, wovon ich spreche: Ich habe zwei Kinder, und wir schätzen die gemein­same Familienzeit sehr, da sie einfach sehr knapp bemessen ist.

Ich halte es auch für ein sehr wichtiges Zeichen, einen Hilfsfonds für schwangere Frauen in Not einzurichten. Schwangere Frauen in Not haben ja nur eine sehr, sehr kurze Zeit zur Verfügung, um für sich und das Baby, das sie erwarten, Entscheidungen zu treffen und finanzielle Vorsorge zu treffen. Dieser Hilfsfonds wird vielen Frauen helfen, sich für das Kind entscheiden zu können. Es ist auch ein klares Bekenntnis der Regierung, die Lücken im Unterhaltsvorschußgesetz zu prüfen und zu schließen – ich habe es in diesen 182 Seiten (auf ein Exemplar des Regierungsprogramms weisend) sehr eindeutig gelesen.

Ein Thema, das mir am Herzen liegt, ist Frauen und Integration, denn ich komme aus Wels, und in Wels haben wir Menschen aus 110 Ländern, die in unserer Stadt leben und die einen Anteil von 34 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Es gibt bei uns Schulen, in denen 95 Prozent nicht deutschsprachige Schüler in der Klasse sitzen. Wie einfach oder schwierig das ist, kann man aus den Gesprächen mit den Lehrerinnen und Lehrern erfahren.

Ein besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, zugewanderten Frauen eine aktive Teilhabe zu ermöglichen. Die Stärkung der Teilhabe von Frauen mit Migrations­hinter­grund am gesellschaftlichen Leben und gleichzeitig der Schutz vor kulturell bedingten Formen der Gewalt sind Aufgabe der Integrationsarbeit. Patriarchalen Strukturen und der Unterdrückung von Mädchen und jungen Frauen wird auch durch Maßnahmen im Bildungsbereich begegnet. Aus Oberösterreich kommt das Beispiel Wertekompass an Schulen, das auch Platz im Regierungsprogramm gefunden hat und tatsächlich eine Hilfe ist.

Bei der Integration profitieren Frauen und ihre Kinder konkret durch die jährliche Erstellung eines wissenschaftlichen Berichts zum Thema der Entstehung von Parallel­gesellschaften in Österreich. Dieses Thema haben wir noch viel zu wenig beachtet. Maßnahmen gegen kulturell bedingte Gewalt, gegen Kinder-, Mehrfach- und Zwangs­ehen sowie gegen die Praktizierung der Scharia sind entsprechend notwendig, um den Schutz der Frauen und ihrer Kinder zu gewährleisten.


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Höchste Priorität haben laut aktuellen Umfragen höhere Strafen bei Sexual- und Gewaltdelikten, mehr Exekutive und erhöhter Opferschutz. Das betrifft vorwiegend Frauen, daher bin ich sehr froh, dass auch dieses Thema im Regierungsprogramm klar festgehalten ist.

Das Regierungsprogramm insgesamt ist ein Wegweiser mit klaren Zielen. Es sind keine Leuchtturmprojekte, die abbrennen, oder Wunder, die dann nicht stattfinden, son­dern das Regierungsprogramm ist verfasst mit Mut, mit Respekt, mit Anstand und mit Hausverstand (Bundesrätin Posch-Gruska: Genau! Billa!), und wir Bundesräte – ich kann für mich und meine Fraktion sprechen – werden alle Gesetzesvorlagen und Möglichkeiten sehr genau prüfen, im Sinne Österreichs.

Schließen möchte ich mit den Worten meiner Tochter, die schon mehrmals, wenn es Überlegungen dazu gegeben hat, etwas zu tun oder etwas in Angriff zu nehmen, zu mir gesagt hat: Come back stronger! – Das wünsche ich auch Österreich. Ich werde mithelfen, diesen Weg zu ermöglichen. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

13.45


Vizepräsidentin Sonja Ledl-Rossmann: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Renate Anderl. – Bitte, Frau Bundesrätin.

 


13.45.03

Bundesrätin Renate Anderl (SPÖ, Wien): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! – Der Vizekanzler ist uns jetzt abhandengekommen. – Liebe Minister und Ministerinnen! Liebe Bundesrätinnen! Liebe Bundesräte! Und vor allem alle Zuschauer auf der Galerie und zu Hause vor den Fernsehschirmen! Viel­leicht ein paar Sätze zu meiner Vorrednerin: Ich lade Frau Bundesrätin Schulz herz­lichst dazu ein, an meiner Seite der Wirtschaft auszurichten, dass wir sehr gerne bereit sind, daran mitzuwirken, dass alle Diskriminierungen aus den Kollektivverträgen herauskommen. Ich lade sie dazu ein, das umzusetzen, was einer unserer Forderungs­punkte bei jeder Kollektivvertragsverhandlung ist, nämlich die Anrechnung der Eltern­karenz, und zwar für alle dienstzeitabhängigen Ansprüche. Es ist die Wirtschaft, die ein klares Nein zu diesen Forderungen sagt – und nicht die Gewerkschaften. (Bun­des­rätin Zwazl: Kollektivverträge werden sozialpartnerschaftlich gemacht! – Bundesrat Todt: Solang es sie noch gibt!) – Das weiß ich schon, liebe Frau Präsidentin, aber: Wir hätten gerne die Anrechnung – aber die Wirtschaft sagt Nein dazu. (Bundesrätin Zwazl: Bist du bei allen Kollektivvertragsverhandlungen dabei? Ich glaube nicht!) – In meiner Funktion habe ich aber schon sehr viel Wissen.

Aber jetzt dazu: Ich bin vorhin sehr genau der Rede unseres Bundeskanzlers gefolgt, und wir haben gehört, dass er angesprochen hat, dass in den Siebzigerjahren Sozial­systeme aufgebaut wurden, um die uns heute noch ganz viele beneiden. Ich habe gestern aus den Nachrichten erfahren, dass die Wirtschaft stärker wächst als erwartet und dass die Prognosen für die Zukunft ebenfalls sehr positiv aussehen. Dass aber unser Land so dasteht, wie es derzeit wirklich dasteht, das hat – und das sagt weder die Gewerkschaft noch die Wirtschaft noch eine Partei, sondern das sagen viele Experten und Expertinnen – schon etwas damit zu tun, dass auch die vorangegan­genen Regierungen sich sehr bemüht haben, für unser Land etwas zu tun, nämlich für die Menschen in diesem Land etwas zu tun, damit es uns allen insgesamt besser geht.

Es wurde auch angesprochen, dass Veränderungen Hoffnung schaffen und Chancen bringen. Ein bisschen habe ich Angst, wenn ich dann unserem Vizekanzler zuhöre, der in seiner Ansprache doch viele Bereiche und vor allem in vielen Bereichen Menschen selektiert hat. Menschen werden etwa selektiert, wenn man sagt, Familien mit Kindern – die wir entlasten – sind etwas anderes als Familien, die keine Kinder haben. Wir fragen uns selten, warum andere Familien keine Kinder haben.


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Ich fürchte mich, wenn wir beginnen, Kinder zu selektieren, indem wir darüber sprechen, dass Kinder, die Deutsch sprechen, in Zukunft anders gewertet werden sollen als Kinder, die nicht Deutsch sprechen. Vor allem frage ich mich: Wer ent­scheidet das in Wirklichkeit? Und ich frage mich auch, wieso wir mit Menschen, die vollzeitbeschäftigt sind, anders umgehen als mit jenen Menschen, die teilzeitbeschäf­tigt sind.

Ich versuche jetzt einen Blick in das Regierungsprogramm zu werfen, und zwar nur in den Teil betreffend den Bereich Arbeitsmarkt. Ich habe schon erwähnt, wir haben eine Wirtschaft, die sehr gut funktioniert, und auch die Prognosen für die Zukunft sind sehr positiv. Ich denke, das freut uns alle. Ich frage mich nur – auch wenn Monika Mühlwerth heute schon angesprochen hat, dass es ja immer schon möglich war, dass Menschen über acht Stunden hinaus, über zehn Stunden hinaus arbeiten –, warum wir dann jetzt hergehen und unbedingt das Arbeitszeitgesetz verändern müssen. Das ist meine Frage, denn ich glaube, es gibt schon derzeit im Gesetz viele Regelungen, aufgrund deren es jetzt schon viele Menschen gibt, die zwölf Stunden – und manche sogar länger – arbeiten.

Und ja, ich habe es nicht vergessen – ich werde immer wieder darauf aufmerksam gemacht –, dass es im Zusammenhang mit all dem, was im Regierungsüber­einkom­men steht, wenn es darum geht, einen 12-Stunden-Tag zu diskutieren, eine 60-Stun­den-Woche zu diskutieren, immer heißt, dass es da um Freiwilligkeit geht. Es wird immer wieder betont, es sei freiwillig. – Ich bezweifle tatsächlich diese Freiwilligkeit. Ich bezweifle sie, denn ich kann mich sehr gut an jene Zeit erinnern, als Arbeiten am 8. Dezember auch einmal freiwillig war. (Bundesrätin Blatnik: Genau! So ist es! – Bundesrätin Posch-Gruska: Genau!) Und wenn ich an den 8. Dezember dieses Jahres, also vor ein paar Wochen, denke – da war ich vormittags unterwegs zu einer Veranstaltung und musste im Radio hören, dass im Umkreis von Wien, vor allem in Richtung Shopping City Süd, ein Stau aufgetreten war, es gab dort auch keine Parkplätze mehr, und auf der Mariahilfer Straße hatten vom Ring bis zum Gürtel alle Geschäfte offen –, dann frage ich mich tatsächlich, ob das alles freiwillig passiert.

Dann kommt natürlich das Argument: Dafür bekommen sie mehr Zuschläge. – Da frage ich mich schon: Ist es im 21. Jahrhundert wirklich notwendig, dass wir den Menschen ihre Gesundheit mit Geld abkaufen? (Beifall bei der SPÖ.)

Und ich möchte schon noch etwas dazusagen: Ich bezweifle auch nicht, dass es sich der Spitzenfachmann, die Spitzenfachfrau wahrscheinlich leisten kann, zwei-, dreimal zu sagen: Nein, ich kann heute nicht zwölf Stunden arbeiten!, ich frage Sie aber, ob Beschäftigte in Betrieben wie vor allem im Handel, etwa die Kassierin im Supermarkt, es sich leisten können, zwei-, dreimal Nein zu sagen (Bundesrätin Posch-Gruska schüttelt verneinend den Kopf), ob nicht dann der Unternehmer sagt: Ich brauche flexible ArbeitnehmerInnen! Und sie auszutauschen geht dann relativ leicht, denn auf dem Arbeitsmarkt haben wir noch genug Reserve, wie wir heute schon öfters gehört haben. (Beifall bei der SPÖ.)

Ich frage mich bei diesem Thema, ob es da um die Menschen geht oder ob es um die Wirtschaft, um das Kapital geht. Ich glaube, wir haben Regelungen, mit denen wir ganz gut zurechtgekommen sind, und daher kommt es bei mir absolut negativ an, wenn wir jetzt davon reden, einen 12-Stunden-Tag – auf freiwilliger Basis natürlich – einzu­führen.

Weil meine Vorrednerin auch von Frauenpolitik gesprochen hat, möchte ich hier schon festhalten, dass der Genderaspekt genau in diesem Bereich komplett ausgeklammert worden ist. Niemand fragt sich, was die Alleinerzieherin mit ihrem Kind macht. Nie-


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mand fragt sich: Was machen Mann und Frau mit den Kindern, wenn sie halt beide gerade einmal freiwillig zwölf Stunden arbeiten?

Während andere Länder sich gerade Gedanken darüber machen, ob man nicht einen 6-Stunden-Tag einführen soll, machen wir Rückschritte. Nachdem die Vorkämp­ferIn­nen sich einen 8-Stunden-Tag erkämpft haben, machen wir einen 12-Stunden-Tag daraus. Dieser ist nicht notwendig, denn es gibt genug Menschen, die Arbeit suchen, die arbeitswillig sind, die auf dem Arbeitsmarkt auch Fuß fassen wollen. Das heißt für mich, wir könnten ruhig die vorhandene Arbeit einfach auf mehr Menschen aufteilen. (Beifall bei der SPÖ. – Bundesrat Preineder: Das hören wir auch schon 20 Jahre! ... ist retro ...!)

Um noch einmal auf die Freiwilligkeit zurückzukommen: Immer wieder wird dann auch argumentiert, man habe dann mehr Freizeit, doch das ist leider ein Sand-in-die Augen-Streuen, denn die Freizeit ist nur verschoben: Statt heute vier Stunden freizuhaben, habe ich bei einem 12-Stunden-Tag diese vier Stunden eben morgen frei. Und wenn es heißt, natürlich werden die Überstundenzuschläge bezahlt, dann frage ich – und ich habe das auch schon die Wirtschaftskammer gefragt, ich habe auch schon jene gefragt, die am Verhandlungstisch gesessen sind –: Bleiben die Durchrechnungs­zeit­räume so, wie sie derzeit in Kollektivverträgen festgeschrieben sind? – Es gibt bis heute keine Antwort.

Das heißt: Bei Teilzeit haben wir eine Durchrechnung von drei Monaten. Es gibt kaum jemanden – um nicht zu sagen: gar niemanden –, der jemals einen Zuschlag sieht, nämlich den Mehrarbeitszuschlag, weil die Unternehmen sich mit der Durchrechnung über die Mehrarbeit hinwegschummeln.

Ich möchte nur noch einen kurzen Satz sagen zu etwas, was mir wirklich sehr be­denklich erscheint, wenn wir an unsere Beschäftigten im Tourismus denken: Wenn wir die Ruhepause jetzt von elf Stunden auf acht Stunden reduzieren, dann haben diese Menschen maximal noch fünf Stunden Schlaf. Ich denke aber, wahrscheinlich ist Schlaf etwas, was derzeit überbewertet ist.

Ich möchte daran anknüpfend folgende Frage stellen, weil wir hier auch von direkter Demokratie sprechen: Was treibt einen dazu, plötzlich in einem Regierungsprogramm Jugendlichen, nämlich Jugendlichen, die sich schon 1972 mit über 50 000 Unter­schrif­ten erkämpft haben, dass sie ein Mitspracherecht in Betrieben haben, nämlich durch den Jugendvertrauensrat, dieses Mitbestimmungsrecht, diese direkte Demokratie von Jugendlichen ganz einfach wieder zu streichen? (Beifall bei der SPÖ sowie des Bundesrates Stögmüller.)

Das Thema Aktion 20.000 wurde heute schon angesprochen, ich möchte trotzdem noch ein paar Sätze dazu sagen: Weiß jemand, wie es Menschen über 50 geht, die keinen Job mehr bekommen, obwohl sie einen wollen, weil sie ganz einfach auch wieder Fuß fassen wollen, weil es um eine Wertigkeit geht? Es geht auch darum, dass wir diese Menschen nicht ausschließen. Ich habe unlängst mit einer Frau gesprochen, die genau in so einer Aktion ist – 52 Jahre, bei der Gemeinde beschäftigt –, und ihre Kollegin hat mir dann erzählt, dass sie, als sie den ersten Gehaltszettel erhalten hat, geweint hat. Die Kolleginnen haben dann gefragt: Warum weinst du? Jetzt hast du ein Einkommen, da braucht man nicht zu weinen! – Dann hat sie gesagt, dass sie seit Monaten das erste Mal daran denken kann, dass einmal sie bezahlen kann, wenn sie mit ihrer Freundin zum Chinesen geht. – Das ist die Würde eines Menschen, die man ihm wegnimmt, wenn man eine Aktion, die den Menschen wieder ihre Würde gibt und die ihnen dazu verhilft, ein Teil der Gesellschaft zu sein, dann einfach wieder streicht. (Beifall bei der SPÖ.)


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Ich möchte es trotzdem nicht verabsäumen, zum Rauchverbot ein paar Sätze zu sagen. Wir brauchen jetzt nicht lange darüber zu diskutieren, wie ungesund Rauchen ist – darauf will ich gar nicht eingehen. Ich frage mich nur: Wenn gleichzeitig in diesem Regierungsübereinkommen drinnen steht, dass Jugendlichen unter 18 Jahren verboten sein wird, sich in Raucherbereichen aufzuhalten, bedeutet das, dass wir in der Gastro­nomie in Zukunft keine Lehrlinge mehr haben? – Das ist die erste Frage.

Und weil in diesem Zusammenhang auch immer wieder davon gesprochen wird, es müsse mehr Freiheit und dürfe keine Einschränkung geben: Ich wüsste viele Dinge, bei denen ich mehr Freiheit haben möchte. Ich würde lieber schneller auf der Autobahn fahren statt 130. Ich würde lieber ohne Gurt im Auto sitzen – das ist nämlich auch eine Einschränkung meiner Person, und das ist nicht freiwillig. Ich könnte auch sagen, wir könnten als Nächstes die verpflichtenden Kfz-Versicherungen abschaffen, denn wenn ich einen Unfall baue, dann kann ich ja selbst bezahlen, das ist ja alles kein Problem! Und wenn, wie immer gesagt wird, die Freiheit darin besteht, dass man eben dorthin gehen kann, wo man raucht, dann bin aber dadurch ich in meiner Freiheit einge-schränkt, denn wenn ich jene bin, die sich von dem Qualm befreien möchte, dann gibt es einige Lokale, die ich in Zukunft nicht mehr aufsuchen kann. Das nenne ich sicher nicht Freiheit.

Abschließend möchte ich nur sagen, dass ich dieses Regierungsprogramm, so wie einige meiner VorrednerInnen auch schon, als massiven Rückschritt sehe und dass es aus meiner Sicht weit davon entfernt ist, wirklich zu Reformen zu führen, und zwar zu Reformen, die den Menschen helfen und nicht dem Kapital.

Mein Wunsch an die Regierung ist, dass nicht nur Politik für das Kapital gemacht wird. Machen wir parallel dazu auch Politik für die Menschen, denn die Menschen in unse­rem Land haben sich das verdient! (Beifall bei der SPÖ.)

13.57


Vizepräsidentin Sonja Ledl-Rossmann: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Gerd Krusche. – Bitte, Herr Bundesrat.

 


13.57.53

Bundesrat Gerd Krusche (FPÖ, Steiermark): Hohes Präsidium! Sehr geehrter Herr Kanzler! Werte Damen und Herren von der Bundesregierung! Liebe Kollegen, Zuseher zu Hause und hier im Saale! Der Herr Bundeskanzler hat es ja bereits eingangs gesagt, es wird mit dieser Regierungserklärung ein Veränderungsprozess eingeleitet, und es ist mir schon klar, dass jeder Veränderungsprozess auch Widerstände hervor­ruft.

Man kann aber, Frau Dziedzic, natürlich alles übertreiben. Ich habe zwar ein gewisses Verständnis dafür, dass Sie jetzt, nachdem Ihnen der Nationalrat abhandengekommen ist, Ihre ganze linke Kraft auf den Bundesrat konzentrieren müssen, und Sie haben hier schon den Untergang der Republik an die Wand gemalt. Sie sollten sich einmal über­legen, ob Ihnen die Menschen draußen das glauben, was Sie da verzapfen. Offen-sichtlich tun sie es nicht, denn sonst wären Sie mit Ihren Theorien und mit Ihren Thesen nicht aus dem Nationalrat hinausgeflogen.

In einem muss ich Ihnen ja sogar recht geben: Es wird in diesem Veränderungs-pro­zess Verlierer geben. Es werden jene sein, die gezielt in unseren Sozialstaat zuwan­dern, um die Leistungen zu lukrieren, und selber nicht leistungsbereit und nicht inte­grationswillig sind. Es werden jene notorischen Querulanten sein, die aus manchmal rein egoistischen Gründen oder aus Geltungsdrang alles und jedes in unserem Land verhindern wollen.


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Ich darf Ihnen ein Beispiel erzählen: Ich war am 4. Dezember zur Baustellen­be­sprechung eines Projekts, bei dem die Firma, bei der ich beschäftigt bin, einen laufenden Auftrag hat, eingeladen. Diesen Auftrag und dass dieser überhaupt noch läuft, hatten wir schon vergessen und waren ganz überrascht. Es ist die Baueinleitung der S 7 – Tunnel Rudersdorf. In Vorbereitung dieser Besprechung habe ich mir den letzten, aktuellen Bau­zeitplan herausgeholt, und es war genau für diesen 4. Dezember, an dem mit der Baustraße angefangen wurde, die Verkehrsfreigabe geplant. Das war aber nicht der erste Bauzeitplan, das war schon die x-te Revision.

Meine Damen und Herren! Mit dieser überbordenden Verhinderungspolitik, die vor allem auch von grüner Seite betrieben wird, wird Geld vernichtet und Wertschöpfung verhindert.

Vielleicht werden zu den Verlierern auch die einen oder anderen Funktionäre der Kammern zählen, die in Zukunft hoffentlich nicht mehr so aus dem Vollen – finanziell gesehen – schöpfen können. Wenn ich mich an die großformatigen Inserate in den Tageszeitungen erinnere – schon während der Regierungsverhandlungen –, die gegen diese künftige Bundesregierung Stimmung gemacht haben, dann sage ich: Ja, es wird gut sein, wenn das Geld der Zwangsbeiträge nicht mehr so im Überfluss verfügbar ist!

Es werden vielleicht auch jene zu den Verlierern gehören, die das Asylrecht bei uns missbrauchen und vor Schulen mit Drogen dealen und dann unter Umständen nur auf freiem Fuß angezeigt werden und munter weitermachen.

Es wird aber – davon bin ich überzeugt – viel, viel mehr Gewinner geben. Das werden jene fleißigen Menschen in unserem Land sein, die arbeiten, die Steuern zahlen oder die ihr Leben lang gearbeitet haben und Kinder großgezogen haben und jetzt kaum wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. Es werden jene Regionen und die dort lebenden Menschen sein, die dringend auf wichtige Infrastrukturprojekte warten. Die Wirtschaft in diesen Regionen benötigt diese Infrastrukturprojekte, um Menschen Arbeit geben zu können.

Dazu wieder ein Beispiel, Spielberg bei uns in der Steiermark: Da ist es einem – ich sage jetzt bewusst – Querulanten fast gelungen, die geplanten und letztendlich, Gott sei Dank, auch durchgeführten Investitionen zu verhindern; mittlerweile kassiert er als Ombudsmann Steuergelder. Was für ein Segen ist dieses Projekt Spielberg für die Region!

Es werden auch alle Arbeiter und Angestellten profitieren, auch von der Flexibilisierung der Arbeitszeit. Wenn Sie, Frau Kollegin Anderl, hier den 12-Stunden-Tag kritisieren, dann erinnere ich mich an eine Baustelle vor Jahren in Tirol – zufälligerweise auch wieder eine Tunnelbaustelle –; da haben die Mineure und die Firma gehofft, dass es genehmigt wird, 12-Stunden-Schichten zu haben. Das war ein schwieriger Prozess. Beide wollten das: Die Mineure bekamen mehr Geld, und die Steirer und Kärntner, die da überwiegend gearbeitet haben, waren glücklich, wenn sie mehr Freizeit zu Hause bei ihren Familien verbringen konnten.

Hier wird mit Unwahrheiten operiert. Besonders enttäuscht hat mich von eurer Seite – Frau Kollegin Grossmann wird es vielleicht ausrichten – unser lieber Landeshaupt­mann­stellvertreter Schickhofer in der Steiermark, den ich gestern in der „ZIB“ mit der Meldung gehört habe, es bedrücke ihn so sehr, dass die Freiheitlichen die Arbeiter verraten hätten. (Ruf bei der SPÖ: Richtig! – Bundesrat Schennach: So ist es! – Bun­desrätin Kurz: Stimmt!) – Dazu muss ich schon sagen: Ein Landeshauptmann­stellver­treter, der uns im Land lobt, dass wir konstruktiv bei seinem Baby, der Regionalent­wicklung und dem Gesetz betreffend Regionalstruktur, mitarbeiten, und dann mit Unwahrheiten und Polemik in der Öffentlichkeit agiert (Bundesrat Schennach: Die Wahrheit ist zumutbar!), setzt ein Zeichen der Schwäche, um nicht zu sagen, der


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Ohnmacht. (Beifall bei der FPÖ. – Bundesrat Schennach: Offensichtlich ist der Regie­rungsbank Ihre Rede nicht zumutbar!)

Es werden auch jene profitieren, die sich vielleicht derzeit am Abend in der Dunkelheit unsicher fühlen und sich nicht mehr durch den Park nach Hause zu gehen getrauen. (Bundesrätin Winkler: Dafür werden sich die anderen überwacht fühlen!)

Was mir an diesem Regierungsprogramm besonders positiv aufgefallen ist, ist die langfristige strategische Ausrichtung. Das zeigt sich an den Beispielen Bildung und Wissenschaft. Das sind keine Programme für eine Legislaturperiode, das sind Pro­gramme, die langfristig angelegt werden – und da zeigt sich die Verantwortung. Sie zeigt sich aber beispielsweise auch im Energiebereich mit dem Ziel, bis zum Jahr 2030 bei uns in Österreich 100 Prozent Strom aus erneuerbarer Energie zu haben. Aller­dings wird das auch nicht zur Gänze möglich sein, ohne die Wasserkraft auszubauen, ohne Windräder zu bauen.

Da wieder an meine lieben Kollegen von der grünen Seite (Bundesrat Stögmüller: Na, na, na!): Auch Sie versuchen jedes dieser Projekte zu verhindern. Wer A sagt, muss auch B sagen; alles geht nicht so einfach. (Zwischenruf bei der SPÖ.)

Die Stärkung der Eigenverantwortung als wesentliches Element ist bereits genannt worden. Man sieht ja überall, dass diese zurückgedrängt wird, vor allem bei den jungen Menschen. Für diese werden gewisse Regeln und Reglementierungen schon selbst­ver­ständlich. Worüber wir von der älteren Generation uns noch aufregen, daran sind die schon gewöhnt. Dieser schleichenden Entmündigung der Bevölkerung muss entge­gengewirkt werden. (Beifall bei der FPÖ. – Bundesrat Schennach: ... Regierungsbank, dann wären mehr anwesend als bisher!)

Das alles unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit, der Verhältnismäßigkeit in allen Bereichen: Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Ich habe keine Krötenphobie, aber wenn es abzuwägen gilt, ob eine Umfahrungsstraße wichtig ist, weil Tausende Menschen in ihrem Ort nicht mehr sicher die Straße überqueren können, aber vielleicht ein paar Kröten darunter leiden, dann fällt für mich die Entscheidung eindeutig aus: Ich entscheide mich für die Menschen und nicht für die Kröten, meine Damen und Herren! (Beifall bei FPÖ und ÖVP. – Bundesrat Schennach: Was ist das für ein Vergleich?!)

Dieser Prozess der Veränderung ist in jedem Unternehmen bekannt, im Fachjargon heißt es Change Management. Ich traue dieser Bundesregierung zu, dass sie diesen Prozess gut und strategisch anlegt. Meine Damen und Herren, wer nicht verändert, wird verändert! (Bundesrat Schennach: Schon wieder „strategisch“! Das ist ein wichtiges Wort, „strategisch“!)

Ich wünsche der Bundesregierung viel Mut und Kraft, diesen Veränderungsprozess entsprechend zielführend und positiv für unser Land umzusetzen. – Frohe Weih­nach­ten! (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

14.08


Vizepräsidentin Sonja Ledl-Rossmann: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat David Stögmüller. – Bitte, Herr Bundesrat.

 


14.09.09

Bundesrat David Stögmüller (Grüne, Oberösterreich): Wertes Präsidium! Kanzler und Vizekanzler sind nicht mehr da – Frau Mühlwerth hat das auch immer kritisiert, heute ist sie ein bisschen ruhiger –, dafür freut es mich, dass der Herr Infrastruktur­minister, der Herr Kanzleramtsminister und die Frau Wirtschaftsministerin da sind; das freut uns ganz besonders. (Bundesrat Schennach: Der Krusche hat so viele ver­trie­ben, das ist das Problem!)


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Meine Kolleginnen und Kollegen sind schon auf viele Redebeiträge eingegangen, ein Thema ist aber ein bisschen untergegangen, nämlich das Thema Bildung, und auf dieses möchte ich eingehen. Der Herr Bildungsminister, Herr Faßmann, ist heute nicht da, vielleicht können wir auch einmal mit ihm hier im Plenum über das gesamte Regie­rungsprogramm diskutieren. Die großen Schlagwörter dieser blau-schwarzen Regie-rung im Bereich Bildung sind Zwang, Selektion und Bestrafung.

Zwang, Selektion und Bestrafung, das sind die großen Schlagwörter, die ich aus die­sem schwarz-blauen Regierungsprogramm herausgelesen habe. Es geht um Vernich-tung von Chancen, um Demotivation, Ungleichheit und Entsolidarisierung und auch um mehr Verwaltungsaufwand.

Insgesamt nimmt der Bereich Bildung neun Seiten in diesem Regierungsprogramm ein. Das hört sich nach viel an, das meiste davon aber ist redundant und beschreibt nur ganz unbestimmt irgendwelche Vorhaben. Im Grunde soll das gesamte Bildungswesen auf allen Ebenen und an allen Institutionen evaluiert und umgebaut werden; auch das hört sich nicht so schlecht an, aber das Umbauen bezieht sich hauptsächlich darauf, irgendwelche Reformschritte wieder zurückzunehmen. Es entsteht nicht irgendetwas Neues, sondern man nimmt einfach Altes wieder her und macht halt Retropolitik. (Bundesrätin Mühlwerth: Manchmal ist auch etwas Altes etwas Neues!)

Auch wer die zahlreichen Evaluierungen und standardisierten Testungen, die im Pro­gramm vorkommen, machen soll, ist unklar, denn das zuständige Bildungsfor­schungs­institut, das Bifie, soll ja aufgelöst werden. Wer das Ganze machen soll, ist unklar, nichts davon steht im Regierungsprogramm, es ist auf diese Frage keine Antwort zu finden, nichts.

Wir sehen auch wieder eine Zunahme der Verwaltung: Es wird eine neue Leis­tungs­bewertung ab dem vierten Lebensjahr geben. (Vizekanzler Strache nimmt auf der Regierungsbank Platz.) – Ah, der Herr Strache, grüß Gott! Ich spreche gerade über Bildung, und die großen Schlagwörter betreffend Bildung – ich sage es Ihnen auch noch einmal – sind Zwang, Selektion und Bestrafung, wie ich dem Regierungspro­gramm entnehme, und es entsteht auch ein extremer Verwaltungsaufwand.

Es wird neue Leistungsbewertungen geben: ab dem vierten Lebensjahr durchgehend bis zum Ende der Sekundarstufe I. Es soll digitale Leistungs- und Bildungsdokumen­tationen geben, die mit dem dritten Geburtstag angelegt werden, sie sollen auch noch ärztliche Atteste aus dem Kleinkindesalter beinhalten. Ärztliche Atteste in den Leistungs- und Bildungsdokumentationen! Wir bewegen uns also geradeaus Richtung gläserner Mensch. Früher hieß es von der Wiege bis zur Bahre, jetzt ist es – nicht mehr in SPÖ-Diktion – sozusagen der gläserne Mensch.

Also ich weiß nicht, wer diesen Verwaltungsaufwand erledigen soll. Uns Grünen ist es wichtig, dass Lehrerinnen und Lehrer dort tätig sind, wofür sie ausgebildet worden sind und wofür sie gebraucht werden, nämlich bei den Kindern. Sie sollen sich nicht ständig mit Bewertungen und Evaluierungen beschäftigen, sondern vor Ort bei den Kindern sein. Ich sehe da keinen Hausverstand, Herr Strache, wenn die Lehrerinnen und Lehrer noch mehr Verwaltungsaufwand bewältigen müssen. Sie haben von Hausver­stand gesprochen – für mich ist da kein Hausverstand zu sehen.

Ich muss noch auf etwas eingehen in diesem Regierungsprogramm ist kein Wort dazu zu finden –: Im Bildungsbereich fehlen 600 Millionen Euro. Ich weiß nicht, wie Sie das Ganze finanzieren wollen, kein Wort dazu steht im Regierungsprogramm. 600 Mil­lionen Euro fehlen im Budget! Das haben wir schon bei der schwarz-roten Regierung immer kritisiert, dass es da kein Ziel gibt. Auch jetzt gibt es keinen Plan, wie das Ganze finanziert werden soll. Ein solcher Plan fehlt.


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Es gibt keine Angaben, wie zusätzliche Maßnahmen – die geplanten Testungen, Deutschklassen, das ergebnisorientierte Besoldungsrecht für Lehrkräfte, Förderklassen nach der Pflichtschulzeit, die Begabtenschule – bei 600 Millionen Euro Defizit über­haupt finanziert werden sollen, ich verstehe es nicht. Auch die Mittelzuteilung an den Schulen fehlt. Es ist komplett offen, wie das passieren soll.

Nach wie vor fehlt ein Chancenindex, der nach ganz klaren Kriterien die Budgetmittel auf die Schulen verteilen soll. Diejenigen, die sie benötigen, brauchen mehr Geld, das ist eigentlich nicht so schwer zu verstehen. Auch die individuelle Förderung, Zeit für Entwicklung, Freude am Lernen, gegenseitiges Vertrauen zwischen Schülern und Lehrkräften, das wird mit diesem Regierungsprogramm systematisch auf der Strecke bleiben. Dafür herrschen Druck und Angst vor Sanktionen, letztlich nicht nur schulisch, sondern auch familiär, nämlich in finanzieller Hinsicht.

Vorweg möchte ich gleich einmal sagen: Ich bin auch der Meinung und es ist mir wichtig, dass man jungen Menschen die regionalen Kulturen, ein Demokratiever­ständ­nis, die Gleichberechtigung von Mann und Frau näherbringt, das ist überhaupt keine Frage für mich. Ich halte das für ganz, ganz wichtig. Das sollen junge Menschen lernen, das soll ihnen auch in der Schule beigebracht werden.

In diesem Regierungsprogramm wird immer wieder die Einhaltung unserer Werte eingefordert. Komplett offen bleibt aber, welche Werte überhaupt gemeint sind. Ich finde sie nicht. Wer, bitte, definiert diese Werte? Die FPÖ? – Ich weiß es nicht, ich finde nichts darüber. Und wer kontrolliert überhaupt die Einhaltung dieser Werte, die immer wieder eingefordert wird? – Das ist alles schwammig, alles bürokratisch, es wird mehr Bürokratieaufwand geben.

Dieses Bildungsprogramm von Schwarz und Blau ist voll mit Standards, Prüfungen, Noten, Kontrollen und Sanktionen, es bleibt in diesem Programm kein Platz für Unter­richt und Bildung. Monika, du hast das oft genug kritisiert. (Bundesrätin Mühlwerth: Das macht’s ja aus!) Du hast das immer wieder kritisiert und hast gefordert, dass die LehrerInnen bei den Schülern sein müssen. Jetzt auf einmal bist du ruhig. (Bundesrätin Mühlwerth: Ist ja nicht wahr!)

Dieses Bildungssystem wird zu einer gigantischen Sortieranlage, statt ein Treibhaus für Talente und ein sicherer Raum für die Entwicklung jedes einzelnen Menschen zu sein. Das Programm ist schulischer Klassenkampf von oben, nichts anderes.

Das Ganze hört aber nicht bei der Schule auf, es geht noch viel weiter, bis zu den Unis: Studiengebühren, Streichung des allgemeinpolitischen Mandats der ÖH – das freut natürlich Kollegen Raml, das hat er ja schon dazumal gefordert. (Zwischenruf der Bundesrätin Mühlwerth.)

Das Programm dieser Regierung ist nur für die Reichen und die Wohlhabenden in diesem Land. Aber nicht nur SchülerInnen und StudentInnen sind die Opfer, sondern auch die Lehrlinge. Frau Kollegin Anderl – ich habe sie jetzt nicht im Blick – hat es auch schon erwähnt: Nicht die Stärkung der Gewerkschaften steht in diesem Regie­rungs­programm. Sie, Herr Strache, haben sogar noch herausgestrichen, wie wichtig die Lehre ist. Was steht aber im Regierungsprogramm, was tun wir? – Wir streichen den jungen Menschen in der Lehre, den Lehrlingen, den Jugendvertrauensrat.

Der Jugendvertrauensrat setzt sich in den Betrieben für die Interessen der jungen Menschen ein. Der kommt weg, das steht ganz klar im Regierungsprogramm: Weg mit den Vertretern der jungen Lehrlinge! – Unglaublich, wirklich unglaublich! (Bundesrat Tiefnig: Hast du überhaupt etwas gelernt?) – Ich habe schon etwas gelernt, keine Angst, ich habe zehn Jahre gearbeitet, bevor ich als Quereinsteiger in die Politik ge­gan­gen bin. Hat Sebastian Kurz schon etwas gelernt? – Ich weiß es nicht. (Zustim-


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mungsbekundung durch Klopfen auf den Tisch bei BundesrätInnen der SPÖ. – Ruf bei der ÖVP: Mehr wie du!)

Der Jugendvertrauensrat, wie gesagt, wird gestrichen; und es geht weiter: Die FPÖ behauptet ja immer, für den einfachen Mann – ich habe es ganz bewusst nicht gegendert – da zu sein. Ein Beispiel dafür, dass das nicht richtig ist: Ein Arbeiter am Bau oder ein Maurer, die gehen ja meistens im Winter stempeln, weil sie in der Winterzeit keine Arbeit finden oder weil es einfach nicht möglich ist, zu arbeiten. Das ist in dieser Berufssparte ganz normal, das gibt es aber nicht nur am Bau. Mein Bruder ist Maurer, wenn jemand Fragen hat, da weiß ich sehr gut Bescheid. Diese Stempelzeit wurde dazumal immer für die Frühpension angerechnet, da kommen einige Monate zusammen. Jetzt steht in dem Regierungsprogramm: In Zukunft machen wir das nicht mehr! Die maximale Anrechnungszeit der Teilversicherungszeiten beträgt 24 Monate. – Unglaublich! Gerade in den Berufen, die eh körperlich schon so belastend sind, gibt es von dieser Regierung nichts für den kleinen Mann!

Weiter geht die Horrorstory dieses Regierungsprogramms, schauen wir zum Familien­bonus Plus: Die Förderung ist nichts anderes als eine Umverteilung von unten nach oben – das heißt, je mehr Geld man verdient, umso mehr hat man von dem Ganzen. Wenigverdiener haben gar nichts davon, Gutverdiener umso mehr, denn durch die fehlende Negativsteuerfähigkeit profitieren weite Gruppen der Bevölkerung nicht.

Ein Drittel aller ArbeitnehmerInnen profitiert nicht, 45 Prozent der Frauen verdienen so wenig, dass sie gar keine Steuern zahlen und vom sogenannten Familienbonus über­haupt nichts haben. 45 Prozent der Frauen! Das sind genau diese kleinen Einkommen, die Sie, Herr Strache, heute schon angesprochen haben, die bekommen nichts von diesen 1 500 Euro.  Diese Maßnahme ist auch aus frauenpolitischer Sicht schlicht abzu­lehnen. (Vizekanzler Strache: Bei Steuerentlastungen kann man nur dort entlas­ten, wo Steuern gezahlt werden!) – Ja, aber die brauchen ja auch etwas! Ich halte es ja allgemein für ein schlechtes Konzept, ich kann das überhaupt nicht unterstützen.

Ich komme noch dazu, warum es auch aus frauenpolitischer Sicht schlicht abzulehnen ist: Durch die Streichung der Absetzbarkeit für Betreuungskosten wird weniger Anreiz zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gesetzt, mit negativer Auswirkung bis hin zu fehlenden Pensionsansprüchen.

Wenn das noch nicht genug Argumente sind, appelliere ich als Bundesrat in der Bun­desländerkammer und als Gemeinderat gerade auch an die ÖVP: Dieser Familien­bonus, den Sie planen, belastet auch gravierend die finanziellen Budgets der Länder und vor allem auch der Gemeinden. Die müssen mit einem Einkommen­steuer­entfall von bis zu 2 Milliarden Euro rechnen. Das ist keine grüne Berechnung, das steht im ÖVP-Wahlprogramm von diesem Jahr: 2 Milliarden Euro. (Zwischenrufe der Bundes­räte Preineder und Tiefnig.)

Das muss auch im Wege des Finanzausgleichs von den Gemeinden getragen werden, das heißt dann ganz konkret: minus 2,4 Prozent der Bundesertragsanteile. Das be­deutet zum Beispiel, damit es ein bisschen anschaulicher ist: 70 Milliarden Euro pro Jahr weniger Landesbudget, 36 Millionen Euro weniger für die oberösterreichischen Gemeinden, weniger Geld für Kinderbetreuung, weniger Geld für Vereine, für das Ehren­amt, weniger Geld für Sportstätten, für die Straßenbauten und so weiter. Jeder Bürgermeister und jede Bürgermeisterin, jeder Gemeinderat weiß, wie hart es in den Gemeinden da draußen jetzt schon ist, überhaupt noch über die Runden zu kommen, und das ist das ganz große Problem da draußen. (Beifall bei den Grünen und bei BundesrätInnen der SPÖ.)


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Wir Grüne fordern diese Regierung auf, auf jene Menschen zu schauen, die wenig Geld haben, die jeden Tag ums Überleben kämpfen, damit alle Menschen in Öster­reich – und das ist die Besonderheit  faire und gerechte Chancen haben. 

Ich bringe daher folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der BundesrätInnen David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Familien­bonus“

Der Bundesrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, von den vorliegenden Plänen zur Einführung eines sogenannten ‚Familienbonus‘ aus den in der Begründung genannten sozial- und frauenpolitischen Gründen und aus Rücksichtnahme auf die finanziellen Belastungen für die Gemeinden Abstand zu nehmen.

Stattdessen wolle die Bundesregierung dem Parlament entsprechende Gesetzes­ent­würfe vorlegen, die eine sozial gerechte Familienförderung über alle Einkommens­gruppen hinweg sicherstellen. Die finanziellen Auswirkungen auf die Gemeinden sollen dabei im Wege des Finanzausgleichs abgefedert werden.“

*****

Ich möchte abschließend auch noch erwähnen, wie unglaublich geschickt diese Regie­rung die Angriffe auf den föderalen Bundesstaat beziehungsweise auf die Kompeten­zen der Bundesländer versteckt hat. Zum Beispiel soll gänzlich abgeschafft werden, dass der Bund ein Grundsatzgesetz macht und die Länder die entsprechenden Aus­führungsgesetze verabschieden, 15a-Vereinbarungen – Bund-Länder-Vereinbarun­gen – sollen evaluiert werden, hingegen sollen Bereiche wie zum Beispiel das Bundes­sozialamt oder die Wildbach- und Lawinenverbauung in die mittelbare Bundesver­wal­tung abgegeben werden und von den Ländern getragen werden, was dem Bund Kosten erspart.

Das soll eine massive Kritik in Richtung neue Regierung vonseiten des Bundesrates sein. Deswegen kann ich diesen heutigen Antrag der ÖVP so gar nicht unterstützen. Ich weiß nicht: Ihr verratet eure Länder durch dieses Regierungsprogramm massiv, und von ihnen kommt auch schon massiver Widerstand. Das sind zentralistische, auto­ritäre und ausgesprochen wirtschaftsliberale Züge (Vizepräsidentin Ledl-Rossmann gibt das Glockenzeichen), und der Grundtenor ist ganz klar: Wirtschaftsinteressen stärken, damit sich diese durchsetzen, und Staat reduzieren, außer natürlich bei Militär und Polizei. Von uns Grünen gibt es ganz klar keine Zustimmung zu diesen Punkten. – Danke schön. (Beifall bei Grünen und SPÖ. – Bundesrätin Blatnik: Bravo, David!)

14.21


Vizepräsidentin Sonja Ledl-Rossmann: Der von den Bundesräten Stögmüller, Kolle­ginnen und Kollegen eingebrachte Entschließungsantrag betreffend „Familien­bonus“ ist genügend unterstützt und steht demnach mit in Verhandlung.

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Michael Raml. Ich erteile es ihm.

 


14.21.57

Bundesrat Mag. Dr. Michael Raml (FPÖ, Oberösterreich): Sehr geehrte Frau Prä­sidentin! Herr Vizekanzler! Frau Bundesministerin! Geschätzte Herren Minister! Liebe Bundesrätinnen und Bundesräte, vor allem aber sehr geehrte Damen und Herren auf


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der Zuschauergalerie und zu Hause vor den Fernsehgeräten! Was wir jetzt gerade vom grünen Bundesrat Stögmüller gehört haben (Bundesrätin Grossmann: War eine gute Rede!), zeugt von der Panik, zeugt auch ein bisschen von der Wut über die drohende Abwahl, die den Grünen bei den kommenden Landtagswahlen auch aus dem Bundes­rat bevorstehen könnte.

Kollege Stögmüller, du hast gerade das Bildungssystem angesprochen. Was das gegenwärtige Bildungssystem mit so manchen angerichtet hat, das zeigt zum Beispiel deine Parteikollegin, die ehemalige Wissenschaftssprecherin der Grünen, Sigrid Maurer. Sie ist so wissenschaftlich, so intellektuell, vor allem auch so menschen­freund­lich, dass sie den Wählerinnen und Wählern übers Internet den Stinkefinger gezeigt hat. (Bundesrat Stögmüller: So wie der Podgorschek!) Da merkt man schon, wo euer Standpunkt und eure Ausbildung offenbar herkommen. (Beifall bei FPÖ und ÖVP. – Zwischenruf des Bundesrates Lindner.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! „Zusammen. Für unser Österreich“: Schon das erste Wort der Überschrift des neuen Regierungsprogramms soll auch das Motto der kommenden fünf Jahre und der Jahre darüber hinaus sein. Zusammenarbeit, Zusammenhalt – das ist wohl die größte Veränderung, die die österreichischen Wähler am 15. Oktober gefordert haben.

In einer Koalition ist es ja, wir haben es heute schon gehört, wie in einer Ehe; man kann auch sagen, wie in einer Freundschaft. Da braucht man keinen Streit, da braucht man vor allem keinen untergriffigen Hickhack, sondern da braucht es auch in der Mei­nungsverschiedenheit eine gute, eine geordnete Diskussion, da braucht es einen seriösen Meinungsaustausch.

Der neue Stil dieser neuen Bundesregierung war bereits im Vorfeld bei den Verhand­lungen zum Regierungsprogramm ganz deutlich und vor allem ganz wohltuend erkenn-bar. Es hat seit langer, langer Zeit endlich keine medialen Seitenhiebe mehr gegeben, keine medialen Kampagnen, bei denen man dem künftigen Regierungspartner bereits die Rute ins Fenster gestellt hat und ihm über die Medien mitgeteilt hat, was ein No-Go ist und was man unbedingt braucht. Nein, man hat sich, so wie es sich gehört, zusam-mengesetzt, man hat die Argumente ausgetauscht, man hat die Kraft der Argumente untergriffigen Sticheleien vorgezogen.

Ich kann Ihnen nur sagen, wenn man ganz ehrlich ist, muss das auch die SPÖ, müs-sen das auch die Grünen feststellen. Allein dieser neue Stil wird von den Österreichern wirklich wohlwollend zur Kenntnis genommen.

„Zusammen. Für unser Österreich“: Unsere Bundesverfassung sieht auf Bundesebene bekanntermaßen kein Proporzsystem vor, sondern das System der Koalitions-regie­rung. Die Regierung und die Regierungsparteien stehen auf der einen Seite, und selbstverständlich gehört es auch zum Wesen unseres Staates, zum Wesen unserer bewährten Demokratie, dass es eine starke Opposition gibt, die die Kontrollfunktion ausüben soll.

Sehr geehrte Damen und Herren vor allem von der SPÖ: Verwechseln Sie aber bitte die Kontrollfunktion nicht mit der Torpedofunktion, so wie Sie es heute in manchen Redebeiträgen schon gemacht haben! (Heiterkeit und Widerspruch bei der SPÖ. – Rufe bei der SPÖ: Was habt ihr gemacht? Was habt ihr gemacht die ganze Zeit?! Also bitte!) – Was regt ihr euch denn so auf? Bleibt ruhig! Offenbar seid ihr in eurer neuen Rolle noch nicht so gut angekommen. (Bundesrätin Winkler: Wir sind gut ange­kommen!) Vor allem aber: Macht keine Märchenstunde! (Rufe bei der SPÖ: Es war einmal! Es war einmal!) Wenn die Kollegin Anderl so ganz vehement gegen den 12-Stunden-Tag auftritt, dann möchte ich schon daran erinnern, dass schon der Plan A (Bundesrätin Posch-Gruska: Aber wer! Schau dir mal ... an!) – ich habe ihn noch


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einmal studiert, weil ich geglaubt habe, ich habe mich selber nicht ganz erinnern können – einen freiwilligen 12-Stunden-Tag vorsieht. (Bundesrätin Grimling: Ja, aber freiwillig! Freiwillig!) Und ich darf euch auch daran erinnern, dass es euer SPÖ-Sozialminister Hundstorfer war, der die 60-Stunden-Woche ohne Überstundenzuschlag ermöglicht hat; aber offenbar hat das Bildungssystem auch ein paar Erinnerungslücken aufgetan. (Beifall bei FPÖ und ÖVP. – Zwischenbemerkung von Vizekanzler Strache. – Zwischenrufe der Bundesrätinnen Ebner und Grimling.)

Ich lade euch aber wirklich von ganzem Herzen ein: Orientiert euch etwas mehr an euren Parteigenossen in meiner Heimatstadt Linz! (Bundesrätin Posch-Gruska: Ja, genau!) – Da hört man es ja schon: Mit denen habt ihr wenig Freude, gell? – Die SPÖ Linz hat nämlich erkannt, dass man mit Realitätsverweigerung nichts erreicht, dass Realitätsverweigerung draußen bei den Menschen nicht gewollt ist, so sehr man das vielleicht ideologisch mittragen möchte.

In Linz hatten wir vor ein paar Wochen erstmals die Situation, dass unter den Be­ziehern der Mindestsicherung, von der wir heute auch schon mehrfach gehört haben, mehr nichtösterreichische Staatsbürger als österreichische Staatsbürger waren. Das hat nicht einmal der SPÖ geschmeckt. (Bundesrätin Posch-Gruska: Aber Menschen waren es schon alle?!) – Erklär das deinem Parteigenossen Luger! – Und da hat die SPÖ gesagt: Ja, offenbar ist es doch nicht so falsch, was die FPÖ schon immer gefordert hat und was auch die ÖVP mittlerweile erkannt hat, dass man bei der Mindestsicherung, wie es auch dem Gleichheitssatz, der der österreichischen Bun­desverfassung innewohnt, entspricht, Ungleiches ungleich behandeln muss. Und Bürgermeister Luger – noch einmal fürs Protokoll: SPÖ – hat gefordert, Flüchtlinge und Nicht-EU-Bürger aus der Mindestsicherung herauszunehmen. Der SPÖ-Bürgermeister Luger hat auch gefordert, dass man von den Geldleistungen weggehen und mehr Sachleistungen anbieten muss. Ja, da muss ich sagen, mit so einer SPÖ haben wir in Linz auch ein gutes Arbeitsübereinkommen geschlossen, mit so einer SPÖ kann man auch arbeiten. Nehmt euch bitte ein Beispiel daran! (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Wir wollen uns aber heute, so kurz vor Weihnachten, nicht mehr mit den negativen Energien beschäftigen, sondern wir wollen vor allem angesichts dieses tollen Regie­rungsprogramms auf das Positive blicken. (Heiterkeit der Bundesrätinnen Ebner und Grimling.) Dem Bundesrat ist der Föderalismus ein großes Anliegen, das ist bekannt, und beim Thema Föderalismus widmet sich das aktuelle Regierungsprogramm ganz stark auch der Verwaltungsreform. Föderalismus und Verwaltungsreform sind kein Wider­spruch, sondern gehen Hand in Hand.

Die aktuelle Bundesregierung hat mit Dr. Josef Moser wirklich einen Minister mit fundierten, nämlich wissenschaftlich fundierten Kenntnissen, vor allem aber einen Reformminister, der in seiner Zeit als Rechnungshofpräsident zwölf Jahre lang gezeigt hat, dass er nicht nur weiß, wie man den Staat verändern kann, sondern auch, wo es notwendig ist, an den Schräubchen zu drehen, wo man Einsparungen vornehmen kann, ohne damit auf der anderen Seite einen Servicenachteil für die Bürgerinnen und Bürger auszulösen. Ich bin davon überzeugt, dass die Bundesregierung auch bei der Verwaltungsreform wichtige Schritte setzen wird. Gerade Dr. Josef Moser ist aus meiner Sicht ein Garant dafür.

Ein großes Anliegen war es uns bei den Regierungsverhandlungen auch, das Wahl­recht, nämlich das Briefwahlrecht, manipulationssicherer zu gestalten. Ich will gar nicht darauf eingehen, denn das wurde während der Bundespräsidentschaftswahl und deren Anfechtung zu Recht sehr breit diskutiert. Da hat es schon einige Möglichkeiten gegeben, und auch Vorkommnisse, bei denen nicht alles mit rechten Dingen zuge­gangen ist. Uns war es wichtig, die Möglichkeit der Briefwahl, die von 900 000 Wahlbe-


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rechtigten genützt wird, serviceorientierter zu gestalten, gleichzeitig aber auch die Manipulationsmöglichkeiten einzustellen.

Wir haben uns daher darauf verständigt, dass man bei der Briefwahl zumindest einmal persönlich bei der Wahlbehörde oder bei der Gemeindebehörde vorstellig werden muss, dass man persönlich seine Identität nachweisen muss. Weiters haben wir ge­sagt, wir wollen diesen Service mehrere Wochen vor dem Wahltermin und wir wollen, dass man – schöner kann es nicht sein – nicht nur die Wahlkarte entgegennehmen darf, sondern auch einen Raum zur Verfügung gestellt bekommt, eine Wahlzelle, wo man in aller Ruhe seine Stimme abgeben kann. Das ist uns wichtig gewesen, und ich freue mich ganz besonders darüber, dass wir das durchgebracht haben.

Ein letzter Punkt noch: Als jüngster Bundesrat dieser Republik sind mir natürlich die Jugend und vor allem die Bildung und Ausbildung der Jugend ein großes Anliegen. Eine solide Bildung, eine solide Ausbildung ist wohl der elementarste Garant für ein gutes Leben. Im Bildungsbereich, meine sehr geehrten Damen und Herren, gibt es keinen Platz für ideologische Experimente.

Die Ergebnisse dieser Experimente, wie sie unter dem SPÖ-Bildungsministerium ge­macht worden sind, haben wir leider allzu oft bei den Pisa-Studien gesehen. Ich bekenne mich daher ganz klar zur Wiedereinführung des Schulnotensystems und auch zur Bildungspflicht. Lesen, Schreiben, Rechnen sind elementare Voraussetzungen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass man sich bemühen muss, diese Bildungsziele zu erreichen. Ich bekenne mich auch dazu, dass Schülerinnen und Schüler unsere Staats­sprache Deutsch vor dem Schuleintritt beherrschen müssen. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, „Zusammen. Für unser Österreich.“ – mit diesem Wunsch wollen wir ein bewegtes Jahr abschließen, und mit diesem Motto wollen wir zusammen in eine erfolgreiche Zukunft, in erfolgreiche Jahre gehen. Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne frohe Weihnachten, ein besinnliches Fest im Kreise Ihrer Familien, Ihrer Freunde und alles, alles Gute für 2018 mit einer starken schwarz-blauen Bundesregierung! (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

14.32


Vizepräsidentin Sonja Ledl-Rossmann: Als Nächste hat sich Frau Bundesrätin Reiter zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Bundesrätin.

 


14.33.04

Bundesrätin Dr. Heidelinde Reiter (Grüne, Salzburg): Hohes Präsidium! Herr Vize­kanzler! Frau Ministerin und die Herren Minister! Es ist nicht einfach, als vorletzte Rednerin hier noch irgendwelche neuen Aspekte oder neue Dinge in die Diskussion zu werfen.

Ich möchte anmerken, dass ich der Regierung bei ihrem Streben nach einem neuen Stil des Regierens und der Zusammenarbeit viel Glück und Erfolg wünsche. Wir in Salzburg versuchen ja in den letzten Jahren, einen neuen Stil der Zusammenarbeit mit der ÖVP in der Regierung zu leben, und das, glaube ich, auch mit sehr viel Erfolg und sehr viel Anerkennung, auch vonseiten des Wählers. Ich glaube, dass das wichtig ist, und hoffe, dass es der ÖVP auch mit diesem Partner gelingt, tatsächlich einen neuen Stil hereinzubringen.

Was ich irgendwie schade finde, ist, dass Sie als ÖVP gleichzeitig Verdienste früherer Regierungen offensichtlich überhaupt nicht mehr der Erwähnung wert finden, zum Beispiel, dass es schon 2016 eine Steuerreform gegeben hat, die durchaus erheblich war. Es war eine Steuerreform mit einem Gesamtrahmen von 4,4 Milliarden Euro, die


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deut­liche Einkommensgewinne für viele Bevölkerungsgruppen gebracht hat, wenn­gleich die Ärmsten, die nicht steuerpflichtig sind, auch da durch den Rost gefallen sind.

Dadurch ist das Land aber schon in Richtung 40 Prozent unterwegs. Das Regierungs­programm bleibt eigentlich hinter der guten Spur oder dem richtigen Weg zurück, auf dem wir da schon waren. Ich glaube daher, es besteht keine Notwendigkeit, das Licht in Bezug auf Dinge, die in der letzten Legislaturperiode positiv gestaltet wurden, unter den Scheffel zu stellen. (Zwischenruf des Bundesrates Mayer.)

Ich wollte noch einmal – mein Vorredner hat es kurz erwähnt – darauf eingehen, dass ich es sehr begrüße, dass Josef Moser jetzt die Agenden der Verwaltungsreform, der Föderalismusreform übernommen beziehungsweise übertragen bekommen hat. Es ist ein Thema, das uns sicherlich auch im Bundesrat massiv beschäftigen wird.

Für mich persönlich waren solche Fragen einer der wesentlichen Gründe, mich in Richtung Bundesrat zu engagieren: Wie kann es gelingen, den Föderalismus besser zu organisieren? Wie kann es gelingen, das effizienter und kostengünstiger bei mindes­tens genauso gutem Service für die Gemeinden, für die Länder und damit für die Bürger zu organisieren? – Das ist eine endlose Geschichte, wenn wir nur an den Öster­reich-Konvent denken.

Die Vorschläge, die Expertenmeinungen liegen auf dem Tisch, sind bekannt, und Moser ist natürlich der Experte, den man da an Bord holen konnte. Es ist zu hoffen, dass er in seiner Arbeit erfolgreich sein wird; wenngleich die Hoffnung dafür nicht allzu groß ist, weil er zwar das Thema in seinem Ressort hat, ihm die eigentlichen Kom­petenzen jedoch fehlen.

Wenn ich an den wichtigen Bereich Gesundheit denke, wo es angeblich ein Milliar­deneinsparungspotenzial gibt, wo es darum geht, all die Transferströme und so weiter zu entflechten, die Zuordnungen der Verantwortungen zu klären: Das ist nicht sein Ressort.

Desgleichen Bildung: Auch im Bildungswesen krankt es bei uns, wenn man sich die internationalen Zahlen anschaut, nicht primär daran, dass wir zu wenig Geld für die Bildung allgemein ausgeben, sondern daran, dass zu wenig davon im Klassenzimmer und bei der konkreten Arbeit ankommt, und daran, dass es ein großes Wirrwarr darum gibt, wer nun tatsächlich die Elementarpädagogik finanziert, aus welchen Töpfen, und ob auch nächstes Jahr das Geld dafür da sein wird – das Gleiche gilt für die Pflicht­schulbildung –, und wo die Verantwortung tatsächlich liegt. Auch das ist natürlich nicht sein Ressort.

So hat auch schon Dr. Bußjäger vom Institut für Föderalismus gemeint, er könne weiterhin nur Dinge anregen. Ich hoffe aber, dass es nicht dabei bleibt, dass er weiter einer der wichtigsten Ideengeber in diesem Bereich ist, sondern dass das auch zu einem Erfolg führt. Ich hoffe auch, dass sich der Bundesrat da entsprechend einbringt.

Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass das Prinzip der Subsidiarität, das sich diese Bun­desregierung im Umgang mit der EU ganz groß auf ihre Fahnen heftet, auch im Umgang mit den Ländern und den Gemeinden oberstes Prinzip ist, dass da auf Augenhöhe miteinander umgegangen, verhandelt wird, dass alles, was in diese Richtung geschieht, nicht primär von Zentralismus geprägt, sondern eben vom Geist der Subsidiarität getragen ist, das heißt, dass die Verantwortung mit allen Mög­lich­keiten tatsächlich dorthin delegiert wird, wo sie am besten aufgehoben ist, wo die Menschen vor Ort sie wahrnehmen können, und dass sie auch durch entsprechende Finanzen und so weiter dazu ermächtigt werden.

Da ist nämlich im Programm einiges ziemlich widersprüchlich. ÖVP und FPÖ wollen dieses Prinzip, wonach Grundsatzgesetzgebung Sache des Bundes ist, Ausführungs-


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gesetze hingegen Sache der Länder sind, zugunsten eines anderen Prinzips verlas­sen. So soll die Frage der Mindestsicherung entsprechend gegenüber den Ländern durchgesetzt werden.

Oder wenn ich daran denke, dass das Bundesdenkmalamt neu aufgestellt werden soll: Heißt das jetzt Verländerung, heißt das Zentralisierung dieser Agenden? Oder wenn wir an die Übersiedlung des Umweltbundesamtes nach Klosterneuburg denken: Soll das Verländerung sein, oder was soll eine solche Maßnahme in dem Sinn darstellen?

In vielen Bereichen ist das Regierungsprogramm also noch sehr widersprüchlich und erschöpft sich in vielen Überschriften. Die Dinge, die im Finanzausgleich schon paktiert sind, die eben in diese Richtung gehen, sollen weiter ausgebaut werden. Man muss aber sagen, dass sie nicht so funktionieren, dass das nicht auch eine Drohung sein könnte.

Nehmen wir zum Beispiel die Kleinkindbetreuung, die Elementarpädagogik: Die Ver­ord­nungen sind sehr spät gekommen, das wurde dann mit 15a-Vereinbarungen auf ein Jahr verlängert. Für die Gemeinden ist es eine wirklich unerträgliche Situation, nicht planen zu können, nicht zu wissen, wie es nächstes oder übernächstes Jahr weiter­gehen soll. Das kann es also wirklich nicht sein. (Bundesrätin Mühlwerth: Das ist aber auch unter Schwarz-Rot gemacht worden!) Was nicht gelungen ist, ist, da organisa­torisch auf klare Richtlinien zu setzen.

Oder zum Beispiel Pflegeregress: Das Geld, das doch in die Länder hätte fließen müs­sen, das meiner Meinung nach auch bei den Gemeinden ankommen müsste, ist ausgeblieben. Dieser ganze Bereich der Pflege, ihre Finanzierung, ihre Organisation, wurde also weggelassen. Ich glaube, dass da in Zukunft, in den nächsten Jahren, massiver Handlungsbedarf besteht.

Noch kurz zur Reform der Arbeitslosenunterstützung: Die Notstandshilfe soll integriert werden. Was heißt das unter Umständen für die Gemeinden und vor allem für die Länder? Da geht es ja um nicht unwesentliche Zahlen. Die Notstandshilfe ist ja bis jetzt als Versicherungsleistung unter Umständen bis zur Pension gewährt worden. Wenn die Menschen nun nach einem Jahr in die Mindestsicherung fallen, werden die Finan­zierung und so weiter bei den Ländern hängen bleiben. Das ist also eine massive Umstellung, eine massive Veränderung der Finanzierung und auch des gesamten Sozial­wesens.

Das betrifft ja nicht wenige Menschen; im Jahr beantragen 350 000 Personen Not­standshilfe. Mit Verwandtschaft, also mit Angehörigen, sind 420 000 Menschen betrof­fen. Die sind jetzt von der Aussicht bedroht, gleich in der Mindestsicherung zu landen, wobei sie ihre Eigentumswohnung hergeben müssen, ihr Auto hergeben müssen, ihr ganzes Vermögen hergeben müssen, bevor es ihnen möglich ist, Mindestsicherung zu beziehen. Zusätzlich stellt sich für die Länder die Frage: Wie soll das finanziert wer­den?

Ich halte das wirklich für eine massive Bedrohung, damit wird eigentlich durch die Hintertür eine Hartz-IV-ähnliche Lösung eingeführt. Ich glaube, da besteht noch viel Diskussions- und Handlungsbedarf, um bessere Lösungen zu finden als Hartz IV in Deutschland. Diese Lösung hat in Deutschland tatsächlich zu massiver Verarmung ganzer Stadtviertel geführt; der Niedriglohnbereich macht ein Viertel aus. (Bundesrätin Mühlwerth: Das ist unter Rot-Grün beschlossen worden! Das sag’ ich nur! Rot-Grün war das!) – Ich stehe nicht in Sippenhaftung mit den deutschen Grünen. (Bundesrätin Mühlwerth: Ich sag’s nur, damit es nicht vergessen wird!) Der Niedriglohnbereich macht schon ein Viertel aus, bei uns sind es derzeit nur 14,8 Prozent. (Weiterer Zwischenruf der Bundesrätin Mühlwerth.)


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Wir werden auf die detaillierteren Gesetzesvorschläge in diesem Bereich warten, aber ich bitte Sie wirklich dringend, bei dieser Debatte die Ärmsten der Armen und jene, die aus diesem System zu fallen drohen, im Blickfeld zu haben. Wir werden das sicher tun. – Danke. (Beifall bei den Grünen und bei BundesrätInnen der SPÖ. – Bundesrätin Mühlwerth: Ja, und das hat Rot-Grün beschlossen!)

14.44


Vizepräsidentin Sonja Ledl-Rossmann: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Christian Poglitsch. – Bitte, Herr Bundesrat.

 


14.44.31

Bundesrat Christian Poglitsch (ÖVP, Kärnten): Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Werte Regierungsmitglieder! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Bundesrat! Es war heute sehr spannend, diese Debatte zu verfolgen, und mir ist aufgefallen, dass speziell aus der Opposition naturgemäß relativ viel Kritik gekommen ist. Was mir aber abgegangen ist, ist, dass dieser Kritik auch Vorschläge gefolgt wären. Es gab nicht einen einzigen Vorschlag, wie man manche Dinge besser machen könnte. (Heiterkeit bei der SPÖ. – Bundesrätin Posch-Gruska: Geh, Christian! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ. – Bundesrat Stögmüller: Es geht um das Regierungsprogramm!)

Das zeigt, dass Sie entweder das Regierungsprogramm nicht ordentlich gelesen haben – was ich eher vermute – oder Ihnen einfach die Ideen ausgegangen sind. Kollege Stögmüller von den Grünen hat sich mittlerweile zu einem wirklichen Berufs­tschentscher entwickelt, das sage ich auch ganz offen. Es war relativ verwirrend, was da alles gekommen ist, und mir kommt vor, du hast dieses Regierungsprogramm nie gelesen. (Zwischenruf des Bundesrates Stögmüller.) Aus eurer Partei sind ein paar solche Aussagen gekommen; das zeigt schon, dass man sich damit nicht beschäftigt hat, und das ist etwas irritierend.

Ich glaube, genau diese Politik ist am 15. Oktober in Österreich abgewählt worden. Man wollte in diesem Land eine Veränderung haben, und die ist somit auch einge­treten. (Bundesrätin Ebner: Aber ihr wart auch dabei!) Diese verkrustete und lähmende Politik wollte niemand mehr haben, und da spreche ich vor allen Dingen die SPÖ an. (Bundesrätin Ebner: Ihr wart der Koalitionspartner!) Gerade bei der SPÖ ist mir aufgefallen, dass sie den Weg in die Zukunft sicher noch nicht geschafft hat. (Bun­desrätin Grimling: Ihr aber auch nicht!) Es hat sich bei euch überhaupt noch nichts verändert, und genau das ist es, warum ihr am 15. Oktober keinen Erfolg gehabt habt. Die Menschen haben diese lähmende, verkrustete Politik in diesem Land satt, vor allen Dingen, dass nur mit Politgünstlingen Politik gemacht wird. (Abg. Grimling: Was?!) Das will niemand mehr.

Diese Bundesregierung, so wie sie sich jetzt konstituiert hat, zeigt eines ganz, ganz deutlich, schon beim Regierungsteam: Man ist von dieser Politik abgegangen. Da sind nämlich die besten Köpfe der Republik, ein Expertenteam, in die Regierung berufen worden. (Heiterkeit und Zwischenrufe bei der SPÖ.) Ich weiß, das stört euch, aber das ist einfach so. (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie des Bundesrates Zelina. – Bun­desrat Schennach: Der Fasching kommt erst!) Gerade diese besten Köpfe, die hier teilweise auch anwesend sind, haben ein Regierungsprogramm entwickelt und erar­beitet, gemeinsam mit unglaublich vielen Menschen aus dieser Republik, und die­ses Regierungsprogramm kann sich auch sehen lassen.

Ich weiß schon (Bundesrat Stögmüller: Der neue Stil!), ihr wollt es nicht zugeben: Das ist ein neuer Stil in der Politik, und das ist auch ein ganz tolles Regierungsprogramm, das dieses Land, das die Republik in die Zukunft führen wird und weiterbringt. (Zwi-


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schenruf des Bundesrates Stögmüller.) Das solltet ihr vielleicht auch in euren Köpfen implementieren.

Ich habe auch teilweise mitarbeiten dürfen, vor allen Dingen im Tourismus. Darin, wie man mit solchen Sachen umgeht, hat sich auch die neue Qualität dieser Politik gezeigt.

Es ist heute auch schon angesprochen worden, dass die SPÖ ständig meint – und das ist zeitweise für mich unerträglich –, den Menschen vorschreiben zu müssen, was sie zu tun haben und wie sie es zu tun haben. Arbeitszeitflexibilisierung im Tourismus ist ein typisches Beispiel: Wenn Arbeit da ist, dann soll sie auch erledigt werden, und wenn keine Arbeit da ist, dann kann man auch Freizeit konsumieren. Man kann aber nicht hergehen und einfach sagen: Das ist euer Soundsoviel-Stunden-Tag, aus! – Das ist etwas, was diese Menschen einfach satthaben. Mischt euch nicht ständig in die Lebens­modelle der Menschen ein! Die wissen schon selber ganz genau – Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam – wie es funktioniert und wie es gehen kann. Das zeigt die Wirtschaft tagtäglich. Das gehört euch auch ins Stammbuch geschrieben. (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie des Bundesrates Zelina. – Zwischenrufe der Bundesrätinnen Ebner und Winkler.)

Jeder, der dieses Regierungsprogramm gelesen hat, weiß, dass es ein sehr ambitio­nier­tes Programm ist, gar keine Frage. Es ist aber machbar und schaffbar. Das wissen wir, aber das funktioniert nur, wenn wir dieses Programm gemeinsam durchziehen. Das werden wir auch machen, mit oder ohne SPÖ. Es liegt ganz an euch, ihr könnt euch immer einbringen (Zwischenruf der Bundesrätin Grimling) – aber nur zu kriti­sieren, das ist mir in diesen Fragen ein bisschen zu wenig. (Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Ich möchte noch zwei Punkte aus diesem sehr erfolgreichen Regierungsprogramm herausstreichen, nämlich einerseits, weil es meine Branche ist, den Tourismus: Der Tourismus erfährt unglaubliche Erleichterungen, durch die Reduzierung der Mehr­wertsteuer und auch mit der Arbeitszeitflexibilisierung. Wir brauchen das ganz drin­gend, und ich erkläre euch auch, warum: Wir wissen ganz genau, dass Österreich gerade im Tourismus Weltmeister ist. Wenn wir das auch in Zukunft sein wollen, dann müssen entsprechende Investitionen folgen. Diese Mehrwertsteuerreduzierung hilft uns im Tourismus unglaublich, in erster Linie schon, weil dadurch neuer Mut für Inves­titionen und vor allen Dingen positive Stimmung aufkommt. Das ist das Wichtigste im Tourismus, der Tourismus lebt von positiver Stimmung.

Diese positive Stimmung ist in diesem Land das erste Mal wieder spürbar, und ich sage euch auch, warum: In meiner Gemeinde, in Finkenstein am Faaker See, und in ganz Kärnten wird im Moment so viel investiert wie noch nie. Es wird in die Zukunft investiert, in die Qualität investiert. (Bundesrätin Winkler: Trotz der 13 Prozent!) – Lass mich fertig reden! – Alleine die Ankündigung der Bundesregierung, dass die Mehrwert­steuer reduziert wird, hat viele dazu veranlasst, zu investieren. (Zwischenruf des Bundesrates Stögmüller. – Bundesrätin Winkler: Woher haben die das Geld, wenn die Steuern so hoch sind?) Das belebt die Wirtschaft, das belebt die Bauwirtschaft. Ich glaube, das ist ein richtiger Schritt, genauso wie die Arbeitszeitflexibilisierung. (Zwi­schenruf des Bundesrates Stögmüller.) – Herr Stögmüller, ich habe es schon einmal gesagt: Berufstschentscher! Aber bitte nicht ständig unterbrechen!

Etwas, was uns noch hilft – und das sage ich auch als Bürgermeister einer sehr, sehr erfolg­reichen Gemeinde –, ist das klare Bekenntnis dieser Bundesregierung zum ländlichen Raum, das sich auch im Arbeitsprogramm widerspiegelt. Meine Gemeinde liegt im ländlichen Raum, und wir brauchen Investitionen, vor allem im Breitband­ausbau. Diese Bundesregierung hat sich dazu bekannt. (Ruf bei der SPÖ: Das habt ihr von Leichtfried abgeschrieben!) Wir wissen, dass wir dadurch Arbeitsplätze auch in


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entlegene Talschaften, in unsere Täler und Gemeinden bekommen. Es gibt ein klares Bekenntnis zum ländlichen Raum, und ich glaube, dass das auch von Erfolg gekrönt sein wird.

Das waren zwei Punkte von vielen, ich kann Ihnen hier nicht alle erläutern, das wäre zu umfangreich. (Ruf bei der SPÖ: Gott sei Dank! – Oje-Rufe bei der SPÖ.) Das sind eben meine Hauptthemen.

Ich sage euch eines ganz offen: Ich bin der festen Überzeugung, dass der Herr Kanzler und der Herr Vizekanzler dieses Land gemeinsam wieder nach vorne bringen werden. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Davon bin ich ganz, ganz fest überzeugt, denn sie haben etwas geschafft: Sie haben gemeinsam ein Programm erstellt, das dieses Land dorthin führen kann und soll, wo es hingehört, nämlich an die Spitze in Europa. (Bundesrätin Ebner: Ihr wart 30 Jahre in der Regierung!) Wir waren schon einmal dort und werden auch wieder dort hinkommen. Wer heute die Regierungserklärung dieser beiden gehört hat, der weiß, dass wir das auch schaffen werden – aber nur gemeinsam. Wir sind bereit, mitzuarbeiten. Die Hilfe des Landes Kärnten habt ihr, keine Frage, und ich glaube, auch von unseren Bundesräten wird es die Hilfe geben.

In diesem Sinne möchte ich noch ein bissel weihnachtlichen Frieden hereinbringen. (Ruf bei der SPÖ: Wir nicht!) Ich wünsche euch einfach: Feiert jetzt ein paar besinn­liche Tage, feiert ein bissel Weihnachten gemeinsam mit der Familie und schenkt euch das Wesentliche, das Wichtigste, das es gibt, nämlich Lebenszeit – ein bisschen gemeinsam, ein bissel runterfahren. Im Jänner gehen wir es dann wieder an und setzen dieses ambitionierte Programm einfach um. – Danke schön und alles Gute für die nächsten fünf Jahre! (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie des Bundesrates Zelina.)

14.51

14.51.30

 


Vizepräsidentin Sonja Ledl-Rossmann: Weitere Wortmeldungen liegen dazu nicht vor.

Wünscht noch jemand das Wort? – Das ist nicht der Fall. Die Debatte ist geschlossen.

Es liegt ein Antrag der Bundesräte Preineder, Mühlwerth, Kolleginnen und Kollegen auf Fassung einer Entschließung betreffend „Unterstützung und Umsetzung des Regie­rungsprogramms“ vor. Ich lasse über diesen Entschließungsantrag abstimmen.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Antrag zustimmen, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmenmehrheit. Der Antrag auf Fassung der gegen­ständlichen Entschließung ist daher angenommen. (E 252-BR/2017)

Es liegt ein weiterer Antrag der Bundesräte Dziedzic, Kolleginnen und Kollegen auf Fassung einer Entschließung betreffend „Überwachungspaket stoppen!“ vor. Ich lasse über diesen Entschließungsantrag abstimmen.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Antrag zustimmen, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmenminderheit. Der Antrag auf Fassung der gegen­ständlichen Entschließung ist daher abgelehnt.

Es liegt ein Antrag der Bundesräte Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen auf Fassung einer Entschließung betreffend „Familienbonus“ vor. Ich lasse über diesen Ent­schließungsantrag abstimmen.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Antrag zustimmen, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmenminderheit. Der Antrag auf Fassung der gegen­ständlichen Entschließung ist daher abgelehnt.


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 95

14.53.323. Punkt

Beschluss des Nationalrates vom 13. Dezember 2017 betreffend ein Bun­des­gesetz, mit dem das Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979, das Gehaltsgesetz 1956, das Vertragsbedienstetengesetz 1948, das Richter- und Staatsanwalt­schafts­dienst­gesetz, das Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz, das Land- und forstwirt­schaftliche Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz, das Landesvertragslehrpersonen­gesetz 1966, das Land- und forstwirtschaftliche Landesvertragslehrpersonen­gesetz, das Pensionsgesetz 1965 und das Bundes-Personalvertretungsgesetz ge­ändert werden (Dienstrechts­Novelle 2017) (16/A und 1 d.B. sowie 9917/BR d.B.)

4. Punkt

Beschluss des Nationalrates vom 13. Dezember 2017 betreffend ein Bundes­gesetz, mit dem das Bundesverfassungsgesetz über die Begrenzung von Bezü­gen öffentlicher Funktionäre und das Bundesbezügegesetz geändert werden (17/A und 2 d.B. sowie 9918/BR d.B.)

 


Vizepräsidentin Sonja Ledl-Rossmann: Nun gelangen wir zum 3. und 4. Punkt der Tagesordnung.

Berichterstatterin zu beiden Punkten ist Frau Bundesrätin Sandra Kern. Ich bitte um den Bericht.

 


14.54.03

Berichterstatterin Sandra Kern: Geschätztes Präsidium! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich erstatte den Bericht des Ausschusses für Verfassung und Föderalismus des Bundesrates über den Beschluss des Nationalrates vom 13. Dezember 2017 betreffend Dienstrechts­Novelle 2017.

Der Bericht liegt Ihnen in schriftlicher Form vor. Ich darf deshalb gleich zur Antrag­stellung kommen.

Der Ausschuss für Verfassung und Föderalismus des Bundesrates stellt nach Beratung der Vorlage am 22. Dezember 2017 mit Stimmeneinhelligkeit den Antrag, gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben.

Weiters darf ich den Bericht des Ausschusses für Verfassung und Föderalismus des Bundesrates über den Beschluss des Nationalrates vom 13. Dezember 2017 betref­fend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesverfassungsgesetz über die Begrenzung von Bezügen öffentlicher Funktionäre und das Bundesbezügegesetz geändert werden, erstatten.

Der Bericht liegt Ihnen in schriftlicher Form vor. Ich darf deshalb gleich zur Antrag­stellung kommen.

Der Ausschuss für Verfassung und Föderalismus des Bundesrates stellt nach Beratung der Vorlage am 22. Dezember 2017 mit Stimmeneinhelligkeit den Antrag,

1. gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben,

2. dem vorliegenden Beschluss des Nationalrates gemäß Art. 44 Abs. 2 B-VG die verfassungsmäßige Zustimmung zu erteilen.

 


Vizepräsidentin Sonja Ledl-Rossmann: Vielen Dank für den Bericht.

Wir gehen in die Debatte ein.

Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Peter Oberlehner. – Bitte, Herr Bundesrat.

 



BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 96

14.55.55

Bundesrat Peter Oberlehner (ÖVP, Oberösterreich)|: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hohes Präsidium! Sehr geehrter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen im Bundesrat! Liebe Zuseherinnen und Zuseher zu Hause vor den TV-Geräten! Zwei wichtige Gesetze haben wir bei den aktuellen Tagesordnungspunkten zu beraten und zu beschließen, zum einen die Dienstrechts-Novelle 2017 mit wichtigen Verbesse­run­gen in mehreren Bereichen des öffentlichen Dienstes. Zum Beispiel gibt es für die Kolleginnen und Kollegen der Exekutive eine Erhöhung der Zeitgutschrift für Nacht­dienste von bisher einer Stunde auf 1,5 Stunden. Auch die entsprechende finanzielle Abgeltung dafür wird im gleichen Ausmaß erhöht. Diese Verbesserung geht übrigens auf einen Entschließungsantrag des Bundesrates zurück. Auch die Besetzungen von leitenden Funktionen im Schulwesen werden neu und klarer geregelt; hierzu sind unter anderem Übergangsbestimmungen zu beschließen. (Vizepräsidentin Winkler über­nimmt den Vorsitz.)

Neben diesen und einigen anderen Veränderungen geht es zum anderen um das Bundesbezügegesetz, sprich die Gehaltserhöhung für die öffentlich Bediensteten, und das Bezügebegrenzungs-Gesetz, sprich die Nulllohnrunde für Politikerinnen und Politiker.

Zur Gehaltserhöhung im öffentlichen Dienst darf ich festhalten, dass mit 2,33 Prozent ein sehr guter Abschluss erzielt werden konnte, in Anbetracht dessen, dass die Inflation 1,9 Prozent beträgt. Einen Abschluss muss man immer im Verhältnis zur Inflation bewerten und da liegen wir deutlich darüber. Ich denke, das ist ein sehr guter Abschluss für den öffentlichen Dienst, der zu Reallohnzuwachs führt, der die Kaufkraft stärkt, der aber vor allem auch – und das ist meiner Meinung ganz wichtig – eine große Wertschätzung für den öffentlichen Dienst ausdrückt.

Der öffentliche Dienst leistet ja hervorragende Arbeit in fast allen Bereichen unseres Zusammenlebens. Nicht nur, aber natürlich auch in der Verwaltung gibt es viel und gute Arbeit: in Ämtern und Behörden; auf Bund-, Länder- und Gemeindeebene; in der Sicherheit, bei der Polizei, beim Bundesheer; im Bereich Gesundheit und Pflege; in der Bildung, von den Kindergärten über die Schulen bis zu den Universitäten; im Kultur­bereich; in der Justiz; im öffentlichen Baudienst, gerade jetzt im Winter werden die Straßenmeistereien wieder dafür sorgen, dass wir überall gute Straßenverhältnisse vorfinden; im Hoch- und Tiefbau und, und, und. Diese Liste ließe sich noch um vieles ergänzen und fortsetzen.

Der öffentliche Dienst garantiert Stabilität in unserem Land, in unserer Republik. Der öffentliche Dienst stärkt das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat und setzt letztlich auch all die Gesetze, die wir hier gemeinsam beschließen, um. Dessen müssen wir uns immer auch bewusst sein; der öffentliche Dienst handelt auf Basis dieser Gesetze, daher sind wir auch immer gefordert, gute Gesetze zu machen.

2,33 Prozent sind also eine große Wertschätzung. Ich sage daher an dieser Stelle auch Danke an alle Mitarbeiter im öffentlichen Dienst für diese großartige Arbeit. Ich möchte die Gelegenheit aber auch wahrnehmen, um ganz besonders allen Mitarbeite­rinnen und Mitarbeitern des Parlaments zu danken. Es wurde schon von unserem Präsidenten erwähnt, dass der Umzug im heurigen Sommer durchgeführt wurde. Das war eine logistische Meisterleistung. Ich sage immer – weil man ja in den Medien gerne darüber berichtet, was nicht funktioniert –: Diese Umzugsleistung wäre einen großen ORF-Bericht wert. (Bundesrat Schennach: ... einen Film!) Ich glaube, es ist unvor­stellbar, was da wirklich geschafft wurde. (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie bei Bundes­rätInnen von SPÖ und Grünen.)


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 97

Ich darf mich an dieser Stelle aber auch für den Alltag hier im Parlament bedanken, angefangen bei den Leitern und der Direktion über die Administration und Organisation bis hin zum Beispiel zu unseren Stenographinnen und Stenographen, die ich immer dafür bewundere, in welcher Qualität und in welcher Raschheit unsere Protokolle ge­schrieben werden und wie das alles funktioniert, bis hin zu den Portieren und allen, die hier in diesem Haus tätig sind. Ein großes Danke für diese großartige Arbeit darf ich an dieser Stelle sagen. (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie bei BundesrätInnen von SPÖ und Grünen.) Man darf applaudieren, würde der Präsident sagen.

Ein bisschen schade finde ich es nur, dass letztlich nicht alle Länder diesen Gehalts­abschluss eins zu eins übernommen haben. In meiner Funktion als Vorsitzender der GÖD-Landesverwaltung tut mir das besonders weh, weil ich diesen Gehaltsabschluss immer auch als die gemeinsame Klammer aller Länder sehe, die ganz wichtig ist. Und besonders verursacht es Schmerzen, dass gerade in meinem Heimatland Oberöster­reich noch heftige Nachverhandlungen notwendig waren, um beim Gehaltsabschluss letztlich einen guten Kompromiss zu erzielen: 2,33 Prozent bis 3 400 Euro. (Zwischen­ruf des Bundesrates Stögmüller.)

In der Steiermark wurde auch verhandelt, aber da kam es dann zur Übernahme des Abschlusses insgesamt. Vorarlberg hat traditionell einen etwas anderen Abschluss, allerdings ist dieser eigentlich in der Summe für den Großteil der Mitarbeiter besser als der Bundesabschluss; auch das ist traditionell so. Den besten Abschluss hat im heurigen Jahr eigentlich Kärnten, und das ist vielleicht erklärungsbedürftig. Warum? – Die Kärntner haben die 2,33 Prozent übernommen, aber vor zwei Jahren eine Nulllohn­runde beschlossen. Das wird jetzt nachgeholt, und daher kommen in Kärnten 0,8 Pro­zent dazu; also 2,33 Prozent plus 0,8 Prozent ergibt 3,13 Prozent.

In diesem Sinne ist dann doch für fast alle öffentlich Bediensteten der Abschluss über­nommen worden. Grundsätzlich glaube ich aber auch, dass man überlegen sollte, ob es gut ist, Gehaltsabschlüsse nicht zu übernehmen. Das ist für die Mitarbeiter kein Zeichen der Wertschätzung und der Motivation. Ich denke, es gäbe viele andere Bereiche, in denen man sparen könnte. Ich denke nur an unsere Standards, die in vielen Bereichen viel zu hoch sind; man könnte einmal darüber nachdenken, wie man da vielleicht viel mehr Geld sparen könnte als damit, Gehaltsabschlüsse nicht eins zu eins zu übernehmen, ohne die Mitarbeiter zu demotivieren.

Ein Dankeschön sage ich an dieser Stelle aber auch noch an die Verhandler dieses Gehaltsabschlusses, quasi an die alte Regierung, nämlich an Frau Staatssekretärin Drozda (Bundesrätin Grimling: Duzdar!) – Duzdar, Entschuldigung – und an Minister Schelling, die in Absprache mit der jetzigen Regierung agiert haben, aber auch an GÖD-Vorsitzenden Norbert Schnedl und sein Team. Es war vor allem wieder sehr angenehm, dass man nicht nur rasch zu einem Abschluss gekommen ist, sondern dass sehr wertschätzend verhandelt wurde – das halte ich für ganz wichtig, dass man das in einem guten Miteinander macht – und dass es trotz der Regierungs­verhand­lungen gelungen ist, diesen Abschluss mit 1.1.2018 wirksam werden zu lassen. Ein großes Danke dafür! (Beifall bei der ÖVP sowie bei BundesrätInnen von SPÖ und FPÖ.)

Bleibt schließlich noch das Bezügebegrenzungsgesetz, die sogenannte Nulllohnrunde für Politikerinnen und Politiker: Grundsätzlich sagen wir dazu Ja, denn es ist natürlich richtig, dass man bei sich selber anfängt, wenn man sparen will. Es ist ein Zeichen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Das ist ein gutes Signal, um vielleicht auch in anderen Bereichen sparsamer umgehen zu können.

Grundsätzlich glaube ich aber auch – und das ist aus meiner persönlichen Sicht schon auch wichtig –, dass es nicht zum jährlichen Usus werden darf, dass wir eine Nulllohn-


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runde für die Politiker beschließen, denn das wäre meiner Meinung nach ein falsches Signal. Eine Nulllohnrunde sendet viele Signale, einerseits eben die Sparbereitschaft, ist aber durchaus auch ein Symbol für die Wertschätzung unserer eigenen Arbeit in der Politik. Und ich denke schon, dass es auch ganz wichtig ist, dass wir letztlich zu unse­rer Arbeit stehen. Natürlich braucht es in der Politik Idealismus, natürlich braucht es in der Politik Berufung, und Politik ist Berufung, aber man muss auch von dieser Tätigkeit leben können, und gleichzeitig wollen wir auch möglichst gute Leute in die Politik bekommen, da ist die Bezahlung natürlich ein Faktor.

Es gibt ja nicht nur Politiker mit Spitzengagen – wobei das auch immer eine Frage der Definition ist; politische Spitzengagen sind keine Spitzengagen, wenn man sie bei­spielsweise mit der Wirtschaft vergleicht –, sondern es gibt in der Politik sehr viele Mittelverdiener. Ich denke zum Beispiel an alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die durchaus keine Spitzenverdiener sind; oder wenn jemand ausschließlich das Bun­desratsmandat ausübt und keinen weiteren Bezug hat, gehört er wohl auch nicht zu den Spitzenverdienern in unserem Land. Ich bin daher froh, dass es gelungen ist, die Bezüge bis zu einem Einkommen von 4 290,32 Euro, das sind 49 Prozent des Natio­nalratsbezuges, nun doch um 1,5 Prozent zu erhöhen, und vor allem dass wir diese Erhöhung damit dem Großteil der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die hervor­ragende Arbeit leisten, zukommen lassen.

Besser wäre es meiner Meinung nach, würde man diese Erhöhung beim öffentlichen Dienst anhängen und das um 2,33 Prozent erhöhen, weil gerade Bürgermeister – und das wissen wir alle; ich bin seit 20 Jahren Bürgermeister – ja zusätzlich zur normalen Steuer Steuern zahlen: Einerseits leisten wir nämlich Parteiabgaben, andererseits leis­ten wir auch die sogenannte Bürgermeistersteuer; sobald wir ins Wirtshaus gehen oder andere Verpflichtungen in der Gemeinde wahrnehmen, dann heißt es immer, dass der Bürgermeister zusätzlich etwas leisten soll. Das sollten wir dabei auch mitbe­denken.

In diesem Sinne hoffe ich, dass alle Länder zumindest diese 1,5-Prozent-Regelung für die Bürgermeister übernehmen werden, und mit dieser Hoffnung darf ich festhalten, dass wir seitens meiner Fraktion diesen vorliegenden Gesetzesbeschlüssen des Natio­nalrates unsere Zustimmung erteilen werden.

Ich wünsche allen frohe Weihnachten und alles Gute für ein gesundes und erfolg­reiches Jahr 2018. – Danke. (Beifall bei der ÖVP sowie bei BundesrätInnen von SPÖ und FPÖ.)

15.05


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Elisabeth Grimling. – Bitte, Frau Kollegin.

 


15.05.26

Bundesrätin Elisabeth Grimling (SPÖ, Wien): Schönen Nachmittag! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen des Bundesrates! Die vorliegende Dienstrechts-Novelle 2017 regelt vor allem den zwischen der vorigen Bundesregierung und der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst für das Jahr 2018 vereinbarten Gehaltsabschluss für den öffentlichen Dienst. Demnach werden ab 1. Jänner 2018 die Gehälter der Beamtinnen und Beamten sowie der Vertragsbediens­teten des Bundes einschließlich der Landeslehrer und der Bediensteten mit Son­dervertrag, in dem keine andere Art der Valorisierung vorgesehen ist, um 2,33 Prozent erhöht. Dasselbe gilt für die Zulagen und Vergütungen mit Ausnahme des Kinder­zu­schusses; die Erhöhungen sind im Gesetz in genauen Eurobeträgen ausgedrückt.

Der Gehaltsabschluss erfolgte einvernehmlich zwischen dem Dienstgeber wie auch von­seiten der Dienstnehmer. Mein Vorredner hat seinen Dank schon an die ehemalige


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Staatssekretärin Muna Duzdar und auch an Vorsitzenden Norbert Schnedl und Christian Meidlinger gerichtet. Auch ich möchte mich anschließen: Das war eine wunderbare Zusammenarbeit und für die Bediensteten des öffentlichen Dienstes sicher ein großer Erfolg. (Beifall bei der SPÖ.)

Neben dieser Gehaltsanpassung für 2018 beinhaltet die Novelle notwendige Maßnah­men, damit bisherige Projektumsetzungen 2018 weitergeführt werden können bezie­hungs­weise Bedienstete keine Einkommensverluste erfahren müssen. Einige Bestim­mungen bilden Übergangslösungen, um zum Beispiel die Bestellung von Bildungs­direk­toren nicht zu verzögern. Ferner wird die Regelung für Bedienstete, die eine Funk­tionszulage beziehen, mit der sämtliche Mehrleistungen als abgegolten gelten, um ein Jahr verlängert.

Als verbesserte Ausgleichsmaßnahme für besondere Erschwernisse des Exekutiv­dienstes im Nachtdienst ist eine Erhöhung des Zeitguthabens von einer Stunde auf eineinhalb Stunden vorgesehen. Gleichzeitig werden die Fristen für die Inanspruch­nahme von sechs auf neun Monate verlängert. Da das Verwaltungsgericht die Vergü­tung für die Erfüllung von ADV-Aufgaben in Form einer Erschwerniszulage als unrecht­mäßig erkannt hat, werden die bisherigen Bezieher mit einer Übergangslösung be­güns­tigt und erhalten diese weiterhin, um sie vor Gehaltseinbußen zu schützen.

Der ursprüngliche, noch weiter reichende Entwurf ist leider auf der Strecke geblieben. Das öffentliche Dienstrecht bleibt weiterhin eine Baustelle. Wir werden sehen, welchen Stellenwert die neue Bundesregierung den offenen Fragen des öffentlichen Dienstes einräumen wird.

Meine Fraktion wird dem Gesetzentwurf ihre Zustimmung geben. – Danke. (Beifall bei der SPÖ sowie bei BundesrätInnen von ÖVP und FPÖ.)

15.09


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Nunmehr zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Christoph Längle. – Bitte, Herr Kollege.

 


15.09.14

Bundesrat Christoph Längle (FPÖ, Vorarlberg): Frau Vizepräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Minister! In Verhandlung steht eine Vielzahl von Gesetzesänderungen im Bereich des Beamtendienstrechtes, im Bereich des Ge­haltsgesetzes und auch im Bereich der Bezüge von Funktionären.

Wir haben es gehört, es gibt eine Erhöhung von 2,33 Prozent, ein Gehaltsplus für unsere Beamten. Mir ist dabei wichtig, dass von freiheitlicher Seite hier betont wird, dass wir unsere Beamten wertschätzen, und auch Lob und Anerkennung aussprechen, denn sie sind es, die den Staatsbetrieb am Laufen halten, sie sind es nämlich, die nicht nur am Tag, sondern eben auch in der Nacht in den Dienst gehen und wichtige Aufga­ben erfüllen. Zu nennen ist hier insbesondere die Polizei, aber auch im Bereich der Landesverteidigung, im Bereich des Bundesheeres sind viele Beamte unterwegs, die einen sehr wertvollen Dienst leisten.

Bezüglich des Bezügebegrenzungs-Gesetzes haben wir gehört, dass es eine soge­nannte Nulllohnrunde für Politiker gibt. Ich denke, dass das ein Zeichen dieser neuen Regierung dafür, wie gearbeitet wird, ist, dass gleich einmal vorneweg bei den eigenen Gehältern der Sparstift angesetzt wird.

In meiner Heimatgemeinde sind wir sogar noch einen Schritt weitergegangen und haben dort – auch in einer Kooperation von ÖVP und FPÖ – nicht nur eine Nulllohn­runde für Bürgermeister, Vizebürgermeister und Gemeinderäte durchgeführt, sondern sogar auch die Gehälter teilweise um mehrere Prozent gekürzt.


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 100

Etwas Negatives möchte ich da aber auch ansprechen, und zwar müssen wir unseren Blick auf die EU richten und uns dort einmal die Gehälter anschauen. Das ist ja doch auch wesentlich, weil das die einen oder anderen Budgets belastet – Österreich ist schließlich ein Nettozahler. Wenn man da so liest, dass der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, rund 26 000 Euro verdient hat und davon nur 4 000 Euro versteuern musste, er also eigentlich ein Nettogehalt von 22 000 Euro herausbekommt, dann kann man schon einmal diesen kritischen Wink geben, dass dieses System einmal überdacht und vielleicht auch geändert gehört.

Wenn man auf EU-Ebene noch eine Etage höher schaut und sich das Gehalt des Herrn Juncker mit über 32 000 Euro monatlich ansieht – wobei nun zudem eine rück­wirkende Gehaltserhöhung für das vergangene halbe Jahr beschlossen worden ist –, dann ist das schon etwas bedenklich. Das steht hier heute leider nicht mit in Verhandlung.

Wir verhandeln eben heute diese Bezügebegrenzung in Österreich, und da werden wir Freiheitlichen gerne unsere Zustimmung geben. Wir bewerten auch das ange­sprochene Lob unserer Beamten und die damit verbundene Gehaltserhöhung positiv. Wir werden allen hier in Verhandlung stehenden Gesetzesänderungen unsere Zustimmung ertei­len, aber wir merken auch kritisch an, dass wir einmal auf die EU schauen sollten (Bun­desrat Todt: Das steht aber nicht im Gesetz, oder?) und auch bei den Gehältern von SPÖ-Spitzenpolitikern einschneiden sollten. – Danke. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

15.12


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Als nächste Wortmeldung liegt mir jene von Frau Bundesrätin Dr.in Heidelinde Reiter vor. – Bitte, Frau Kollegin.

 


15.12.52

Bundesrätin Dr. Heidelinde Reiter (Grüne, Salzburg): Hohes Präsidium! Werte Damen und Herren, auch die vielen, die uns vielleicht noch immer zusehen! Auch wir werden diesen Gesetzentwürfen zustimmen. Ich möchte nur eine kleine Anmerkung dazu machen, und zwar, dass lineare Erhöhungen – wie auch in diesem Fall, nämlich von 2,33 Prozent – dazu führen, dass die Gesellschaft, die Einkommensklassen und so weiter, immer weiter auseinanderdriften. Diese Kritik hat nichts mit Beamtenbashing oder Ähnlichem zu tun.

Wenn wir uns das genauer ansehen: 2,3 Prozent von 1 200 Euro sind halt nur 27,60 Euro, während es bei einem Einkommen von 8 000 Euro 184 Euro sind. Bei Letzterem ist das also das Fünffache, während die Lebenshaltungskosten für beide Gruppen gleich sind. Das führt zu einem weiteren Auseinanderdriften von kleineren und größeren Einkommen.

Bei aller Wertschätzung für die Beamten: Es ist schon so, dass diese Gruppe gegen­über anderen sehr privilegiert ist, gerade auch, was das Einkommen betrifft. Ich darf da zum Beispiel auf die Steuerreform 2016 verweisen, bei der sich die Bruttobezüge der Lohnsteuerpflichtigen zwar sehr erhöht haben, aber diese eben um 3 Milliarden Euro weniger Lohnsteuer bezahlt haben – insgesamt 4,4 Milliarden Euro weniger –, das waren im Durchschnitt 438 Euro pro Person.

Alle Niedrigsteinkommen – zwar steuerpflichtig, aber aufgrund des niedrigen Einkom­mens werden keine Steuern fällig – haben davon nicht profitiert. Das ist also wieder die Ausnahme dieser ganzen Gruppe, denn die mittleren Einkommen hatten eine Entlas­tung von 423 Euro, die obersten 10 Prozent der Einkommen eine Entlastung von 1 772 Euro.

Was die Entlastung betrifft, schnitten Beamte am besten von allen steuerpflichtigen Gruppen ab, nämlich mit einer durchschnittlichen Entlastung von 1 500 Euro, während


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Angestellte nur eine durchschnittliche Entlastung von 850 Euro erreicht haben, Arbeiter von 454 Euro und Lehrlinge von 34 Euro. Selbst Beamte im Ruhestand liegen mit einer durchschnittlichen Entlastung von 1 173 Euro im vorderen Feld, während ASVG-Pensionisten durchschnittlich nur um 431 Euro entlastet wurden.

Es ist also so, dass Beamte über die Maßen profitiert haben, zum Beispiel auch von dieser Steuerentlastung. Wenn wir nun im gleichen Schritt beschließen, dass Politiker­gehälter eben nicht erhöht werden, weil sie ohnehin zu der obersten Klasse zählen, so wäre es mein Anliegen, dass wir solche Lohnerhöhungen sozial ausgeglichener gestal­ten. Das heißt mit Einschleifregelungen nach oben und mit einer stärkeren Erhöhung in den unteren Bereichen. Von diesen ganz linearen Erhöhungen, wie sie in diesem Fall vorgenommen wurden, sollte man abgehen.

Das wäre wichtig, denke ich, um ein Auseinanderdriften der Gesellschaft zu verhin­dern, um dem stärker entgegenzuarbeiten, und zwar indem man gerade in diesen Bereichen den mittleren und kleineren Einkommensbeziehern stärker unter die Arme greift als den oberen. – Danke. (Beifall bei den Grünen und bei BundesrätInnen der SPÖ.)

15.16


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Nächster Redner ist Herr Bundesrat Ing. Eduard Köck. – Bitte, Herr Kollege.

 


15.17.01

Bundesrat Ing. Eduard Köck (ÖVP, Niederösterreich): Sehr geehrtes Präsidium! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen und Zuseher! Die beiden Gesetzentwürfe, über die wir heute diskutieren, sind sehr gut, denke ich. Der Beamtengehaltsabschluss wurde schon ausreichend diskutiert. Die Konjunktur zieht an und man soll die Verwaltung auch daran partizipieren lassen.

Ich finde, die Regelung für die Politiker ist eine sehr gute Regelung, weil es ein richtiger Ansatz und etwas ganz Neues ist. Wir sparen im System und beginnen bei uns selbst. Das ist die richtige Ansage für die Zukunft. Ich bin mir sicher, dass die Dinge dann richtig angegangen werden und auch die anderen Einsparungen im System kommen. Das ist eine tolle Sache.

Ich möchte noch einmal erwähnen, dass diese Einsparungen auch den Bundes­prä­sidenten, die Landeshauptleute sowie den Bereich der Volksanwaltschaften und den Rechnungshof betreffen. Ich hätte mir gewünscht, dass es auch die Post, die ÖBB und den ORF betroffen hätte, denn die hohen Gehälter und hohen Pensionen in diesem Bereich, der ständig Steuergeld braucht, sind sehr schwer zu erklären. Das steht aber im Regierungsprogramm, daher hoffe ich auf die nächsten fünf Jahre.

Wenn man die Schwächeren entlasten will – und das hat die Regierung gleich mit den ersten Beschlüssen gezeigt, mit denen die Freigrenze des Arbeitslosenver­sicherungs­bei­trags von 1 342 auf 1 948 Euro gesetzt worden ist –, wenn es einen Familienbonus und die Erhöhung der Mindestpension geben soll, dann muss man auch einsparen – auch bei der Mindestsicherung, Kollegin Posch-Gruska.

Wenn du als Burgenländerin die Mindestsicherungsregelung der Regierung kritisierst, dann ist das schon mutig. (Bundesrätin Posch-Gruska: Stimmt, ich bin mutig! Das habe ich noch nie abgestritten!) Ich glaube, du kennst schon die Regelung deines Lan­deshauptmannes, deines Landesparteiobmannes der SPÖ, der eine noch härtere Regelung gefordert hat.

Da muss ich dir schon sagen: Geh in dein Bundesland (Bundesrätin Posch-Gruska: Da gehe ich eh hin!) und schau, dass dort mit Mehrheit der SPÖ umgesetzt wird, was du hier mit Minderheit nicht zustande bringen kannst! (Bundesrätin Posch-Gruska:


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 102

Lass mich halt da auch ein bissel reden!) Das ist dann einmal der erste richtige Ansatz, denke ich.

Zu den anderen Kritiken: Den Rolex-Liebhaber Kern als Vertreter des kleinen Mannes zu verkaufen wird schwierig sein. (Rufe bei der SPÖ: Na, na! – Bundesrat Todt: Wir sind nicht bei der Regierungserklärung, ja! Gibt’s so etwas auch?) Wir hoffen ja, dass ihr das lange versucht, denn das wird uns dann auch helfen.

Da muss ich schon auch dazusagen - - (Bundesrat Todt: Kann man jetzt endlich zum Thema reden?) – Ich habe zum Thema geredet, ich rede immer noch zum Thema. (Bundesrat Todt: Zu keinem Thema!) – Ihr habt auch nicht immer zum Thema geredet. (Bundesrätin Ebner: Themenverfehlung, Herr Kollege!)

Zu den Grünen: Die Kritik in Bezug auf Erhöhungen stimmt nicht ganz, denn, Frau Kollegin Reiter – und das weißt du schon –, je mehr man verdient, desto höher ist der Anteil der Steuer dieser Erhöhung, dieser 2,33 Prozent. Das heißt, es betrifft nicht alle gleich, es ist da eine gewisse Einschleifregelung gegeben. Und wenn das der Grund dafür ist, dass ihr nicht zustimmt, dann, muss ich ehrlich sagen, ist das nicht der richtige Grund. (Bundesrat Stögmüller: ... dann geht es eh nicht durch!)

Zum Allgemeinen, worüber auch vorhin schon gesprochen worden ist: Es liegt mir schon auch am Herzen, etwas dazu zu sagen, wie die Frau Kollegin von Wider­sprüch­lichkeiten im Regierungsprogramm gesprochen und dabei auf die Widersprüchlich­keiten in ihrer Stellungnahme zum Ausstieg aus der Kohle vergessen hat. Man redet davon, Frau Kollegin Schreyer - -

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Ich würde darum ersuchen, dass Sie inhaltlich zum Tagesordnungspunkt reden. Danke.

 


Bundesrat Ing. Eduard Köck (fortsetzend): Ich hätte mich auch vorhin zu Wort melden können, aber okay - - (Bundesrätin Ebner: Ich glaube, du hast die verkehrten Unterlagen mit!)

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler|: Das ist aber davor nicht passiert.

 


Bundesrat Ing. Eduard Köck (fortsetzend): Auf jeden Fall sind auch bei Ihnen sehr viele Widersprüchlichkeiten dabei gewesen, es ist auch Bauernbashing dabei gewe­sen, und das ist auch nicht gut. Ich glaube, das sollte man lassen. Wir betreiben ja auch kein Bashing gegenüber anderen Volksvertretern.

Zu diesem Thema muss ich sagen, die beiden vorliegenden Gesetzesbeschlüsse unter­stützen wir. Wir hoffen auf die entsprechende Umsetzung der im Regierungs­programm angeführten Vorhaben – für die Bevölkerung wird das gut sein! – Danke. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Bundesrat Todt: Nächstes Mal die richtigen Redeunterlagen mit­nehmen! Ja?!)

15.21

15.21.40

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Gibt es zu diesen Tagesordnungspunkten noch weitere Wortmeldungen? – Dies ist nicht der Fall. Die Debatte ist geschlossen.

Die Abstimmung erfolgt getrennt.

Wir gelangen zunächst zur Abstimmung über den Beschluss des Nationalrates vom 13. Dezember 2017 betreffend eine Dienstrechts-Novelle 2017.

Ich ersuche jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die dem Antrag zustimmen, gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmeneinhelligkeit. Der Antrag ist somit angenommen.


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 103

Nun gelangen wir zur Abstimmung über den Beschluss des Nationalrates vom 13. De­zember 2017 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesverfassungsgesetz über die Begrenzung von Bezügen öffentlicher Funktionäre und das Bundes­bezügegesetz geändert werden.

Der gegenständliche Beschluss ist ein Fall des Art. 44 Abs. 2 Bundes-Verfas­sungs­ge­setz und bedarf daher der Zustimmung des Bundesrates bei Anwesenheit von min­destens der Hälfte der Mitglieder des Bundesrates und einer Mehrheit von mindestens zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen.

Ich stelle zunächst die ordnungsgemäße Anwesenheit fest. – Die Anwesenheit ist gegeben.

Wir gelangen zuerst zur Abstimmung über den Antrag, gegen den vorliegenden Be­schluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die dem Antrag zustimmen, gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben, um ein Handzeichen. – Auch das ist die Stimmeneinhelligkeit. Der Antrag ist somit ange­nommen.

Nunmehr lasse ich über den Antrag abstimmen, dem vorliegenden Beschluss des Nationalrates gemäß Art. 44 Abs. 2 Bundes-Verfassungsgesetz die verfassungs­mäßige Zustimmung zu erteilen.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Antrag zustimmen, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmeneinhelligkeit. Der Antrag ist somit unter Berück­sichtigung der besonderen Beschlusserfordernisse angenommen.

Ausdrücklich stelle ich fest, dass die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittel­mehr­heit gegeben ist.

15.24.065. Punkt

Beschluss des Nationalrates vom 21. Dezember 2017 betreffend ein Bundes­ge­setz, mit dem das Bundesministeriengesetz 1986 geändert wird (Bundesminis­te­riengesetz­Novelle 2017) (14/A und 3 d.B. sowie 9920/BR d.B. und 9919/BR d.B.)

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Nun gelangen wir zu Punkt 5 der Tagesordnung.

Berichterstatterin ist Frau Bundesrätin Sandra Kern. Ich bitte um den Bericht.

 


15.24.42

Berichterstatterin Sandra Kern: Hohes Haus! Geschätzter Herr Minister! Ich erstatte den Bericht des Ausschusses für Verfassung und Föderalismus über den Beschluss des Nationalrates vom 21. Dezember 2017 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesministeriengesetz 1986 geändert wird.

Der Bericht liegt Ihnen in schriftlicher Form vor; ich darf deshalb gleich zur Antrag­stellung kommen.

Der Ausschuss für Verfassung und Föderalismus stellt nach Beratung der Vorlage am 22. Dezember 2017 den Antrag, gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben.

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Danke für die Berichterstattung.

Wir gehen in die Debatte ein.

Als ersten Redner habe ich hier Herrn Bundesrat René Pfister vermerkt. – Bitte.

 



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15.25.30

Bundesrat René Pfister (SPÖ, Niederösterreich): Werte Frau Präsidentin! Liebe Kolle­ginnen und Kollegen! Wir verhandeln jetzt die Novelle zum Bundesministe­rien­gesetz, trotzdem eine Anmerkung in Richtung des Herrn Kollegen Köck: Wenn man zu einem bestimmten Tagesordnungspunkt spricht, dann sollte man schon auch wissen, worüber man spricht, und nicht irgendwelche Unterstellungen und irgendwelche Be­haup­tungen in den Raum werfen. Ich merke hier schon, dass der niederösterreichische Landtagswahlkampf den Bürgermeister bereits in Beschlag genommen hat.

Einleitend möchte ich sagen, in der parlamentarischen Praxis werden Abänderungs­anträge 24 Stunden vor Beginn der jeweiligen Ausschusssitzungen natürlich auch den Oppositionsfraktionen übermittelt, um eine seriöse Vorbereitung – die auch der Herr Vizekanzler und der Herr Bundeskanzler heute schon angekündigt haben – auf die Behandlung eines Antrages im Ausschuss auch zeitgerecht zu ermöglichen. Gerade aber in diesem Fall ist das nicht passiert; die Unterlagen wurden in einer Husch-Pfusch-Aktion relativ kurzfristig, nämlich nicht ganz drei Stunden vor Beginn des Aus­schusses, den Oppositionsfraktionen zur Verfügung gestellt.

Gerade in diesem Fall, liebe Kolleginnen und Kollegen, handelt es sich aber um eine äußerst sensible Materie, da mit diesem vorliegenden Abänderungsantrag, mit den darin aufgelisteten Details der Änderungen in den Bundesministerien das Machtsystem innerhalb der Bundesregierung und letztlich die Struktur, die sich unser Staat in der Bundesverwaltung gegeben hat, ganz, ganz massiv verändert werden. Wir gehen auch davon aus – es ist schon auf den ersten Blick erkennbar –, dass diese Änderungen auch einige verfassungsrechtliche Problematiken beinhalten und aufwerfen werden.

Das betrifft insbesondere die Einrichtung eines Auskunftsrechts für den Bundeskanzler und den Vizekanzler gegenüber Einrichtungen des Bundesministeriums für Inneres und vor allem auch des Bundesministeriums für Landesverteidigung. Es soll also durch eine einfachgesetzliche Verpflichtung möglich sein, auch unter Umgehung des zu­ständigen Ressortministers Auskünfte von ressortfremden Einrichtungen zu verlangen und einzuholen. Das ist aus unserer Sicht grundsätzlich schon sehr, sehr bedenklich und ein verfassungsrechtliches Problem. Zum Megaproblem wird das allerdings da­durch, dass sich eben diese Auskunftsrechte auf sensibelste personenbezogene Daten beziehen; beispielsweise Gefährdungsanalysen, auch im präventiven Bereich, Ana­lysen über Gefährder bis hin zu Analysen über Gefährdungen von kritischer Infrastruk­tur.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieses von mir angesprochene Auskunftsrecht wird im allgemeinen Zuständigkeitsbereich des Bundeskanzlers einfachgesetzlich statuiert, obwohl es gegen die verfassungsrechtlichen Grundprinzipien verstößt; dies, weil am ressortzuständigen obersten Organ der Bundesvollziehung vorbei agiert wird. Kanzler, der seine Minister überwacht, Vizekanzler, der seine Minister überwacht – also sehr viel Vertrauen dürfte nicht herrschen, sonst würde man das nicht machen!

Des Weiteren geht es um die Kompetenzen der Generalsekretäre. Es wird die Mög­lichkeit geben beziehungsweise wird davon schon Gebrauch gemacht, wie ich der Presse vor Kurzem entnommen habe, Ämter für politische Generalsekretäre zu schaffen, die unmittelbar über allen Sektionsleitern, über allen Beamtinnen und Beam­ten stehen. Bei allen Besetzungen in Regierungsbehörden, liebe Kolleginnen und Kollegen, gibt es bestimmte Anforderungsprofile für die jeweiligen Positionen. Was, bitte schön, ist das, wenn man ohne vorherige Ausschreibung, ohne Vorschriften, ohne Anforderungsprofil Personen über die Beamtinnen und Beamten, die ihr Handwerk hervorragend ver­stehen, stellt? – Das hat so den Anschein: Da kommt jemand, der die Hand auflegt, und dann wird die Funktion verteilt. Der Generalsekretär darf im Auftrag des Ministers oder der Ministerin auch die nicht so freundlichen Dinge machen, und die Well-being-


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Termine beziehungsweise das Abklatschen in der Öffentlichkeit wird dann von den Minis­terinnen und Ministern abgefeiert.

Der Bundeskanzler kann im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres Weisungen an die Ständigen Vertreter erteilen und greift aktiv in die Gestaltung der Europapolitik ein. Auch das wird geteilt, da gibt es wieder mehrere Zuständigkeiten.

Im Bundeskanzleramt werden weiters die Angelegenheiten der strategischen Netz- und Informationssicherheit und das Ausweichzentrum gebündelt – um diese Kompetenzen haben sich bisher das Bundesministerium für Inneres und das Bundesministerium für Landesverteidigung bemüht –, aber das ist natürlich klar: Es bedarf ja auch der Über­wachung der eigenen Minister.

Die Einsetzung eines Sprechers der Bundesregierung hat ja schon hervorragend funktioniert. Ich nenne ihn den Medienminister, der neben seinen eigenen Aktivitäten auch die Koordinationsfunktion für die Pressesprecher der Bundesministerien über­nimmt und den Bundespressedienst steuert – im Bundespressedienst sind dem Herrn Medienminister über 80 Personen unterstellt – und der natürlich auch für die Kom­munikation und die einseitige Berichterstattung verantwortlich ist und auch weiterhin nur die Überschriften verkaufen wird, wie sich bereits auch in der „Zeit im Bild“ bei Nachfragen gezeigt hat. Also sehr auskunftsfreudig oder sehr gefestigt dürfte der Herr Medienminister noch nicht sein.

Völlig neu ist natürlich auch das Bundesministerium für öffentlichen Dienst und Sport, welches ja mittlerweile nur mehr aus der Dienstrechts- und der Sportsektion sowie aus Teilen des Präsidiums des ehemaligen Gesundheitsministeriums besteht. Also für normale Verhältnisse – leider ist der Herr Vizekanzler heute nicht mehr da – ist das sehr wohl das kleinste Ministerium unter all den Vorschlägen. Und das sind die Auswir­kungen, wenn man zuerst posaunt und vollmundig ankündigt, was alles passieren wird, dass am Ende nur ein Mickymausministerium übrigbleibt. – Lieber Herr Vizekanzler – leider ist er ja nicht mehr da –, gut posaunt und gut gedacht ist nicht gleich gut verhandelt und auch gut gemacht!

Im Bereich des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz – das wird ein Superministerium – wird wirklich alles zusammengefasst. Das wird ein riesiges Ressort, und ich bin noch nicht ganz davon überzeugt, dass es auch so verwaltbar wird, wie man sich das vorstellt. Aber es gibt ja dann eh die Generalsekretäre, die das Ganze dann machen werden, wenn man nicht mehr durchblickt und keine Möglichkeit mehr hat, vertraute oder auch nicht vertraute Personen einzusetzen, um in diesem Ressort den Überblick zu bewahren. Das heißt, es werden viele Dinge in einem Superministerium gebündelt, das dadurch meiner und unserer Meinung nach sehr schwer verwaltbar, kontrollierbar und auch überschaubar werden wird.

Zum Finanzministerium kommen jedenfalls neue Kompetenzen dazu; die Mitwirkung bei der Erstellung des ÖBB-Rahmenplans, die Formulierungen betreffend die ÖIAG, jetzt umformuliert in ÖBIB, Anteilsrechte des Bundes, Elektrizitätsunternehmen und dann natürlich auch Bundesimmobilien und alles, was dazugehört. Da haben wir nicht immer ganz gute Erfahrungen gemacht, denn es hat sich schon einmal unter einer schwarz-blauen Regierung gezeigt, wie es ist, wenn Immobilien und alles, was dazu­gehört, zum Finanzministerium ressortieren, was für blöde Nachwirkungen sich auch sehr, sehr spät danach ergeben können, die uns ja auch jetzt aktuell betreffen.

Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend ist zu sagen, es wundert mich, dass die Kolleginnen und Kollegen die Land- und Forstwirtschaft einfach so herausgestrichen haben. Es heißt jetzt Bundes­minis­terium für Nachhaltigkeit und Tourismus. Es wird alles zusammengezogen: Energie,


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Tourismus, Nachhaltigkeit, Landwirtschaftsagenden. Das schafft natürlich auch die Möglichkeit, sich nur mehr mit einer Ministerin auseinanderzusetzen zu müssen, wenn es um die Verteilung des Kuchens geht. Da wird es aber hoffentlich auch wieder einen Generalsekretär/eine Generalsekretärin geben, der/die die Verteilung dann auch in diesem Bereich, wo man dann sehr, sehr schwer bis gar nicht mehr hineinsieht, weil dort alles gebündelt, alles hineinverfrachtet wird, überschauen kann.

Wenn wir schon die Möglichkeit haben, dieses Gesetz hier zu besprechen, darf ich sagen, Schnellschüsse und unüberlegtes Handeln zeichnen sich schon jetzt in der ersten Arbeitswoche der neuen Regierung ab. Es wird viele Veränderungen geben, das hat man auch gewählt, und da stellen sich mir schon die Fragen: Wenn man die Ministerien jetzt so verschachtelt zusammenführt, umgliedert, sind überhaupt die Räumlichkeiten schon vorhanden beziehungsweise sind diese Räume auch schon so adaptiert, sind sie angemietet, braucht man welche? Wie macht man das? Was kosten die Generalsekretäre zusätzlich? Schlanke Struktur, alles wird billiger, habe ich vorhin von den ÖVP-Vertretern gehört – und jetzt gibt es dann zu den mittlerweile 14 Minis­tern 14 Generalsekretäre. Was passiert mit den Personen in den derzeitigen Büros, wissen die, wo sie hinkommen? Wird in den nächsten Monaten von zu Hause aus gear­beitet, oder passiert in den nächsten Monaten gar nichts? (Zwischenruf der Bun­desrätin Mühlwerth.)

Wie gesagt: Ankündigungen, Überschriften produzieren, die sich gut anhören, das wird in den nächsten Wochen und Monaten auf der Tagesordnung stehen, wenn es aber dann um die tiefen Inhalte geht, wird für die Österreicherinnen und Österreicher leider nichts übrig bleiben. Gut posaunt und gut gedacht, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist für die Österreicherinnen und Österreicher in Zukunft unter Türkis-Blau nicht gut gemacht! Wir werden dem nicht zustimmen. (Beifall bei der SPÖ.)

15.35


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Robert Seeber. – Bitte.

 


15.36.06

Bundesrat Robert Seeber (ÖVP, Oberösterreich): Hohes Präsidium! Meine sehr geehr­ten Kolleginnen und Kollegen! Heute ist irgendwie ein besonderer Tag, manch­mal harmonisch, manchmal ein bisschen angriffig. Ich beginne mit dem Harmonischen: Es ist die letzte Rede des heutigen Tages vor dem Weihnachtsfest und ein besonderer Tag, weil eine Regierung konstituiert ist, die, wie ich meine, eine sehr gute Anfangsper­formance hingelegt hat. Das heißt, dieser andere Stil, dieser Stil der Veränderung, der diese Bundesregierung ausmacht – das kann ich als ganz neutraler Beobachter wahrnehmen (Heiterkeit bei der SPÖ) –, diese Zeit der Veränderung hat begonnen. (Beifall bei der ÖVP.)

Ich sage Ihnen noch etwas, weil ich sage, ich bin ein sehr objektiver Beobachter: Diese Novelle zum Bundesministeriengesetz bringt eine, wie ich meine, sinnvolle Zusam­menlegung. Sie wissen alle hier in diesem Haus, ich bin Gastronomieunternehmer mit mehreren Unternehmungen. Sie werden jetzt fragen, was das denn mit dem Bun­desministeriengesetz zu tun hat. Ganz einfach: Ich habe einen mittelständischen Betrieb, ich mache nächstes Jahr wieder einen neuen Betrieb im Linzer Zentrum auf und werde wieder einen jungen Mitarbeiter beteiligen, um auch der Jugend eine Chance zu geben. Wir werden uns neu aufstellen, wir werden eine Geschäftsführung installieren, wir werden im Mittelbau schauen, wie wir die Leute einteilen. Bei einem Konzern nennt man es halt einen Vorstand, einen Aufsichtsrat, wie auch immer. Ich glaube, das ist nichts Verwerfliches, es ist das Natürlichste auf der Welt, dass man, wenn man etwas Neues macht, ein neues Projekt entwickelt, es sich selbst vorbehält,


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wie man seine Leute, seine Ressorts aufstellt – wenn nicht, geht der Unternehmer, geht der Politiker in der Regierung unter. Das ist eine ganz normale Vorgangsweise.

Was hat man denn gemacht in diesem Bundesministeriengesetz, meine Damen und Herren? – Man hat einfach – ein Schlagwort und schon ein bisschen abgegriffen, ich weiß – Ministerien zusammengelegt. Das ist ja logisch. Wir haben neue Zeiten, wir haben Zeiten der Veränderung, der Digitalisierung, der Modernisierung, wir haben eine Bildungsdebatte. Die Bildung liegt jetzt in einer Hand, beginnend vom Kindergarten über die Schulen bis zu den Universitäten. All das hat man in einem Ressort gebündelt. Ich finde, das ist Weltklasse, so gehört das, man braucht ein durchlässiges Bildungs­system. Man hat diese Kompetenzen in einem Ressort zusammengefasst.

Auch das Sozial- und Gesundheitsministerium hat man zusammengefasst. Man hat ein neues Ministerium für den öffentlichen Dienst und für den Sport geschaffen und hat gleichzeitig auch das Budget für dieses Ressort sichergestellt; wobei es natürlich auch wichtig ist, ein Doppelbudget für 2018/2019 mit einem Nulldefizit zu beschließen, sage ich jetzt nur am Rande. 

Es gibt ein Nachhaltigkeits- und Tourismusressort – ich bin selbst Touristiker –: Das finde ich klasse! Tourismus muss nachhaltig sein. Ich kann dem nichts Schlechtes abge­winnen.

Oder: Bei der Wirtschaft hat man auch eine Ministerin, Margarete Schramböck, genom­men, die, wie ich meine, die DNA der Digitalisierung im Blut hat; und auch die Digitali­sie­rungsstrategie ist ihr zugeteilt – Weltklasse, gut gelöst!

Meine Damen und Herren! Ich finde, wenn etwas sinnvoll ist, sollte man nicht immer ein Haar in der Suppe suchen. Herr Kollege Pfister, was Sie über den Medienminister gesagt haben, ist genau das, was ich jetzt vermisse. Ich habe auch mehrere Funk­tionen in Oberösterreich, sei es in der Kammer, sei es als Unternehmer, sei es als Tourismusobmann. Mir ist schon klar: Wie das Hiatl, das man aufhat, so red’t man halt, aber bitte es kann doch nicht sein, dass man so beleidigt ist, weil jetzt eine andere Konstellation ist. Ich würde mir erwarten – ganz ehrlich, das hat jetzt mit Politik nichts zu tun –, dass Sie auch unserem Medienminister einen Vertrauensvorschuss gewähr­leisten. Das würde Ihnen gut anstehen. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Zu dem, was Sie über die Generalsekretäre gesagt haben: In den letzten zehn Jahren hat es drei Generalsekretäre von der SPÖ gegeben. Sie wissen das. (Bundesrat Weber: Jetzt gibt es 14!) Und Sie wissen wahrscheinlich auch, dass es einen Generalsekretär im Jahr 2009 bei Bundesministerin Claudia Schmied gegeben hat. Da hat es geheißen, das ist eine Weiterentwicklung, das bringt eine effiziente Leistungs­steigerung. (Bundesrat Schennach: Von eins auf 14!) Jetzt machen es wir, jetzt passt es halt nicht. Es soll sich jeder denken, was er will (Bundesrat Schennach: Von eins auf 14!), für mich ist es klar: Da ist jemand beleidigt. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es ist ein Thema, das braucht man nicht zu zerreden. Ich sage an dieser Stelle: Diese Novelle ist einfach die Grundvoraussetzung für eine handlungsfähige Regierung. Ich lade Sie auch an dieser Stelle ein, Kollegen von der SPÖ: Es ist ja nichts Schlechtes, arbeiten wir gemeinsam! Entwickeln wir das zum Wohl der Menschen! Wir haben das heute schon oft hier in diesem Plenum gehört. Wir sagen, das ist ein Fortschritt, das ist eine Veränderung. Dieses neue Ge­setz ist ja nichts anderes als eine technische Hülle, und innerhalb dieser technischen Hülle werden wir die Vorhaben, die Projekte der Regierung umsetzen.

Was übrigens auch schon der ehemalige Bundeskanzler Kern – auch das sei ins Stammbuch geschrieben – gesagt hat: Die Regierung muss sehr schnell in eine hand­lungsfähige Phase übertreten. Das machen wir: Es gibt Beschlüsse, die sehr schnell


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erfolgt sind. Das ist bei keiner Bundesregierung bis jetzt der Fall gewesen. Da würde ich mir erwarten, dass man das respektiert (Bundesrat Schennach: ... ihr es blockiert habt!) und in diesem gegenseitigen Respekt, ohne dass man beleidigt ist, das gemein­sam weiterentwickelt. (Bundesrat Schennach: Das gibt es überhaupt nicht!)

Das heißt, das Erfolgsmodell – meine Damen und Herren, auch seitens der SPÖ, Sie wissen das genau, ich bin auch in der Wirtschaftskammer – ist dieses Gemeinsame, diese Sozialpartnerschaft. Diesen gemeinsamen Weg sollte man doch bitte (Zwischen­ruf des Bundesrates Schennach) bei einer logischen Sache wie einer Zusammenle­gung von Ministerien für Effizienzsteigerung nicht über Bord werfen.

Als Abschluss: Wir brauchen uns nicht aufzuregen, es sind in Wirklichkeit Peanuts, worüber wir hier reden. (Bundesrätin Ebner: Da schau her!) Was mir ein echtes Anlie­gen ist, meine Damen und Herren – um da ein bisschen die Wogen zu glätten –: Auch im Namen meiner Fraktion möchte ich Ihnen ein schönes Weihnachtsfest wünschen. Bleiben Sie gesund und alles Gute! – Danke. (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie des Bundesrates Zelina.)

15.44


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Nunmehr zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Mag.a Schreyer. – Bitte.

 


15.44.22

Bundesrätin Mag. Nicole Schreyer (Grüne, Tirol): Hohes Haus! Sehr geehrter Herr Minister! Ich werde mich ganz kurz halten. Zuerst möchte ich mit dem Positiven anfan­gen.

Ich habe es bei der Regierungserklärung schon gesagt, ich freue mich irrsinnig, dass eine langjährige grüne Forderung jetzt umgesetzt ist: Die Energieagenden liegen nun gemeinsam mit Umwelt und Landwirtschaft im Nachhaltigkeits- und Tourismusminis­terium. Da gehören sie auch hin! Wir wollten immer schon Umwelt und Energie ge­mein­sam in einem Ministerium drinnen haben. Ich sehe es auch sehr positiv, dass der Tourismus mit dabei ist, weil nur nachhaltiger Tourismus Zukunft in Österreich haben wird.

Dann komme ich auch schon zu den Punkten, die wir kritischer sehen. Eine weitere wichtige Änderung ist, dass jetzt Generalsekretäre mit der Leitung eines gesamten Ressorts betraut werden können. Die Möglichkeit – wir haben es vorher eh schon gehört – besteht ja nach geltender Rechtslage bereits seit 2000 und ist auch in einigen Ministerien schon wahrgenommen worden. Es gibt aber eine wesentliche Verschlech­terung: Die Positionen müssen, anders als bisher, nicht mehr ausgeschrieben werden, und es gibt keine fachlichen Voraussetzungen für die Positionen. Auch das haben wir von Vorrednern schon gehört. Im Ergebnis wird dies quasi zu einem Vizeminister führen, und das sehen wir wirklich sehr kritisch.

Weiters war es bis jetzt auch der Regelfall, dass ein Minister/eine Ministerin mit mehreren Sektionschefs ein Ressort geführt hat. Das war einfach ein Vielaugenprinzip an der Ressortspitze, die das dann auch strukturell gewährleistet hat. Diese bewährte Struktur wird jetzt stark hierarchisiert und verengt. Dass die Ausschreibungspflicht gerade für die neu zu schaffende Zentralstelle ausgeschlossen wird, sehe ich auch als bedenklich. Eine neue Hierarchieebene führt auch immer zu Zusatzkosten. Genau jetzt, wo eigentlich von Einsparungen im Verwaltungsbereich geredet worden ist, finde ich das ein bisschen komisch.

Die genaue Ausgestaltung steht ja noch nicht fest. Es wird erst ausgearbeitet und birgt noch ganz viele Unsicherheiten. Von daher wollen wir uns das erst einmal in Ruhe


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anschauen und können jetzt sicher noch nicht zustimmen. – Danke schön. (Beifall bei Grünen und SPÖ.)

15.46


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Die nächste Wortmeldung liegt mir von Bundesrat Dr. Michael Raml vor. – Bitte, Herr Kollege.

 


15.46.34

Bundesrat Mag. Dr. Michael Raml (FPÖ, Oberösterreich): Sehr geehrte Frau Prä­sidentin! Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren zu Hause! Der SPÖ-Bundesrat René Pfister hat vorhin unfreiwillig, traue ich mich zu sagen, hier heraußen ein Bild von einem Kind, dem man das Spielzeug wegnimmt und das jetzt weint, gezeichnet. Du hast drei Sachen dabei verwechselt: Erstens, du bist kein Kind mehr; zweitens, die Bundesregierung ist kein Spielzeug; und drittens, die SPÖ hat kein Eigentumsrecht an der Staatsführung! Das hat bei dir aber so gewirkt. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Ja, da schaust du etwas verwundert; deswegen sage ich es dir ja, weil du das offenbar gar nicht gemerkt hast. Du hast, glaube ich, in objektiver Art und Weise – und die Menschen da draußen können das auch sehen – hier einen Zinnober aufgeführt, der schlichtweg dadurch begründet war, dass wesentliche Ministerien und vor allem das bei euch so beliebte Bundeskanzleramt halt nicht mehr in den Händen der SPÖ liegen.

Die Verteilung dieses Ministeriengesetzes hingegen hat Kollege Seeber wirklich sehr gut beschrieben; da merkt man, das ist ein Geschäftsmann, der versteht etwas von Unternehmensführung und auch von Staatsführung. (Bundesrat Schennach: Er meint, er ist ein neutraler Beobachter!) Dieses Ministeriengesetz hat auch eine ganz logisch argumentierbare, stringente Aufteilung vorgenommen. Wenn ich etwa daran denke, dass die Bildung als die Voraussetzung für die Wissenschaft und für die Forschung endlich wieder in einem Ministerium mit diesen vereint ist oder dass zum Justizbereich künftig auch die Themen Verfassung, Reformen und Deregulierung gehören, dann sind das wunderbare Zusammenführungen. Genau so kann ich mir das vorstellen.

Wenn wir – wir haben das vorhin schon kurz angesprochen – beim Thema Kosten sind: Auch ihr habt wieder die möglichen, und ich sage das bewusst, die möglichen Mehrkosten durch die Einsetzung, durch die Betrauung eines Generalsekretärs genannt. (Bundesrat Weber: Kriegen die nichts gezahlt?) Zwei Fragen; die erste: Kennt ihr den Sektionschef Dr. Hesse noch? Kennt ihr den noch? – Er ist kein den Freiheitlichen nahestehender Sektionschef. Wir hatten ihn heute Früh im Ausschuss.

Auch dort wurde – ich glaube, Kollege Schennach war es – die Kostenfrage thema­tisiert. Da ist herausgekommen, dass mit der Bildung von Generalsekretariaten in den Ministerien erstens nicht zwangsläufig Kosten entstehen müssen und dass zweitens, selbst wenn Kosten entstehen, dann diese nicht in Millionenhöhe sein müssen, wie es von der SPÖ kolportiert worden ist, sondern sie können auch viel, viel, ganz deutlich geringer ausfallen – so Sektionschef Dr. Hesse. (Bundesrat Schennach: Diese Frage habe ich nicht gestellt!) – Dann war es ein Parteikollege oder eine Parteikollegin von dir. (Bundesrat Schennach: Nein, auch nicht!) – Das haben wir doch heute in der Früh diskutiert. Natürlich! Dein Kurzzeitgedächtnis leidet offenbar etwas; ich helfe dir da gerne. (Bundesrat Schennach: Frau Heidelinde Reiter hat gefragt!) – Entschuldigung, wenn es die Frau Bundesrätin Heidelinde Reiter war! Ich rechne sie dir einfach zu, weil du ja von den Grünen kommst, lieber Stefan Schennach. Daran kannst du dich aber schon noch erinnern, oder? (Beifall bei FPÖ und ÖVP.) Dass du vor der Wiener Wahl von den Grünen mitsamt den Wahlkampfunterlagen zur SPÖ gewechselt bist, das weißt du schon noch? – Gut. (Bundesrat Schennach: ... ist nicht mehr meins!)


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Zweite Frage an die SPÖ: Was haltet ihr von 300 000 Euro Jahresgehalt im staats­nahen Bereich?, wenn wir schon beim Thema Kosten sind. 300 000 Euro Jahresgehalt: Fair? Nicht fair? Angemessen?

Ich sage es euch: Ihr haltet offenbar sehr viel davon. 300 000 Euro Jahresgehalt – da kann ich beruhigen – bekommt bestimmt kein Generalsekretär, bekommt auch kein Sektionschef in dieser Republik. 300 000 Euro Jahresgehalt erhält aber ein Vorstands­mitglied der Wiener Sozialwohnbaugesellschaft Gesiba. 300 000 Euro Jahresgehalt: Das ist offenbar der Angestelltenbegriff und der Arbeitnehmerbegriff, wie sich ihn die SPÖ vorstellt. 300 000 Euro Jahresgehalt: Das sind 25 Prozent mehr, als der Wiener Bürgermeister maximal bekommen kann.

Und jetzt kommt ihr daher und stellt angesichts solcher Zahlen ganz ehrlich die Kostenfrage?! – Also geht noch einmal in euch! Ihr kennt ja das alte Sprichwort: Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. (Bundesrätin Mühlwerth: Nicht zu vergessen den Kern mit seinem Gehalt!) – Genau, da gibt es ja noch ein Beispiel! Der Arbeitnehmerbegriff der SPÖ ist ja sehr dehnbar. Ihr habt auch Bundeskanzler Kern zu einem Einkommen zum Auskommen verholfen, indem ihr sein Abgeordnetengehalt von 8 000 auf 14 000 Euro aufgestockt habt. (Beifall bei FPÖ und ÖVP. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Also mit diesen offenbar sehr großzügigen Auslegungen des Arbeitnehmerbegriffs gehen wir in die wohlverdienten Weihnachtsfeiertage. Die freiheitliche Bundesratsfrak­tion stimmt selbstverständlich dem vorliegenden Gesetzesbeschluss des Nationalrates zu. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

15.51


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Nunmehr zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Pro­fessor Stefan Schennach. – Bitte, Herr Kollege.

 


15.52.00

Bundesrat Stefan Schennach (SPÖ, Wien): Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Lieber Herr Raml, jetzt hat die Rede irgend­wie nicht mehr zusammengepasst. Frau Heidelinde Reiter stellt eine Frage, Sie bauen da ein Szenario gegen uns auf. (Bundesrätin Mühlwerth: Das müsste euch ja bekannt vorkommen! Das macht ihr dauernd!) Nur ist das Ganze irgendwie in den luftleeren Raum verpufft. (Zwischenrufe bei SPÖ und FPÖ.)

Nun, seit einigen Wochen erleben wir ja so etwas wie – was aus der Yogasprache kommt – ein Mantra zu machen. Das eine Mantra heißt: Wir haben so einen guten Stil, wir haben uns so lieb, wir machen das alles anders. – Wenn man ein Mantra oft wiederholt, dann hofft man, dass das auch eine Wirkung hat.

Das zweite Mantra ist: Wie sehr steht dieses ganze Regierungsprogramm auf euro­päischen Füßen! – Nun, so ganz dürfte das mit dem Mantra: Wir haben uns so lieb!, ja nicht stimmen, denn sonst wäre dieses vorliegende Gesetz nicht wenige Stunden und der Abänderungsantrag überhaupt erst fünf Stunden vor der Nationalratssitzung vorge­legen.

Wenn man in dieses Bundesministeriengesetz weiter hineinschaut, dann wird es über­haupt kurios, denn da erkennt man, dass man sich dann doch nicht so ganz vertraut, wenn ich mir ein Außenministerium anschaue, dem einfach die EU-Agenden gestohlen wurden, weil man dem einen, kleinen Regierungspartner schon einmal überhaupt nicht über den Weg traut, was Europa betrifft, oder wenn ich mir anschaue, dass man von der ÖBB noch ganz schnell etwas ins Finanzministerium hinüberschiebt, weil man auch da nicht so ganz dem Herrn Infrastrukturminister vertraut. Da scheint schon das Mantra mit dem Vertrauen nicht aufzugehen.


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 111

Zur Aussage, es ist so europäisch legitimiert: Liebe Europapartei ÖVP, diese dreiein­halb Seiten sind eine Schande. So wenige und zum Teil sinnentleerte Worte wie das, was da zu Europa steht, habe ich selten gelesen, denn alles wird einmal ein bisschen auf die Subsidiaritätsrüge runtergebrochen. Das bedeutet, man will weniger. Das sagt man dann auch: Weniger ist mehr. Also man versucht überall ein bisschen wegzuneh­men. Zu europäischen Entwicklungen heißt es: Njet! – Njet! Da ist nichts drinnen!

Vor wenigen Tagen hat hier Kollege Köck gefordert: Wir müssen die internationalen Kon­zerne zwingen, dort Steuer zu zahlen, wo sie auch tätig werden. – Nichts ist dazu drinnen – gar nichts! Das zeigt sich dann auch daran, wie es im Bundesministerien­gesetz hin- und hergeschoben wird.

Da sogar noch drinsteht, die Politik richtet sich nach den Menschenrechten: Na, hallo! Euer neuer Partner fordert Ghettos für Asylsuchende am Rande der Städte. Wunder­bar seid ihr da aufgestellt, was diese Partnerschaft betrifft, vor allem wenn ihr die Menschenrechte fordert.

Oder die Entwicklungszusammenarbeit: Also, ich komme ja aus diesem Bereich. Ich habe selten so viel – ich sage das vielleicht mit dem Risiko, jetzt einen Ordnungsruf zu bekommen – Nonsens gelesen! Man will die ohnedies reduzierten Schwerpunktländer und Schwerpunktregionen, die schon 16 Mal reduziert wurden, weiter reduzieren. (Bundesrätin Mühlwerth: Ja, und zu Recht!)

Vor allem will man multilaterale und bilaterale Mittel zusammenlegen, wobei multilateral ja etwas ganz anderes ist. Hättet ihr doch – die ÖVP hat ja einige Leute, die etwas davon verstehen – irgendwie einmal bei der Kirche nachgefragt! Die hätten euch gerne ins Gebet genommen und euch dazu etwas erzählt. (Bundesrätin Mühlwerth: Ach!)

Nun, gehen wir noch ein bisschen weiter. Ja, ich meine, Kollegen Pfister ist überhaupt kein Spielzeug verloren gegangen, er hat sich hier nur kritisch auseinandergesetzt und Folgendes angesprochen: Es ist in Europa einmalig, dass ein Ministerium – ich kenne in Europa kein weiteres – aus zweieinhalb Sektionen besteht. Das heißt, wir haben einen gut bezahlten Vizekanzler als Spaziergänger der Republik, der wahrscheinlich viele persönliche Daten von Bürgern und Bürgerinnen abfragt, denn das wird ja durch dieses höchst verfassungsmäßige Gesetz ermöglicht. Das wird sicher oder wahrscheinlich noch an höherer Stelle zu prüfen sein.

Aber, bitte: Sind zweieinhalb Sektionen ein Ministerium? – Die frühere Familienminis­terin, von der man immer gesagt hat, sie hat ein Miniressort, hat mehr gehabt. Sie hat mehr gehabt und hat sogar mehr zu tun gehabt. (Zwischenrufe bei der FPÖ.)

Seit 99 Jahren ist der Verfassungsdienst zu Recht im Bundeskanzleramt als etwas, was keine Parteinahme hat, angesiedelt. Seit 99 Jahren haben über alle Regierungen hinweg Opposition und Regierung dem Verfassungsdienst im Bundeskanzleramt ihre Wertschätzung gezollt. Und jetzt? – Na, jetzt wird er erstens einmal zersplittert. Er wird in drei Teile zerlegt, wenn nicht gar in vier Teile, und er kommt noch dazu in ein Fach­ministerium. Da kann man jetzt sagen: Schauen wir es uns an!, aber der Verfas­sungsdienst im Bundeskanzleramt ist eine Institution an sich. Da glaube ich, dass das etwas ist, was zerstört wurde, und dafür tragen Sie die Verantwortung.

Noch einmal zu Herrn Raml: Wir haben nach keinen Kosten Ihrer Generalsekretäre gefragt. Etwas, was heute in den Medien ist, stimmt mich sehr nachdenklich: Bereits einer ist ja schon da, und das ist einer der engsten Vertrauten des rechtskräftig verurteilten Herrn Küssel, des Rechtsextremisten. Weitere vier Personen aus diesem Umfeld ziehen jetzt in Ministerien ein. Das macht nachdenklich, und es sollte Sorgen machen, was da alles hochkommt. Dafür trägt die ÖVP die Verantwortung!


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Letzter Punkt: Nachhaltigkeitsministerium. Ich kann dem einiges abgewinnen, was Nicole Schreyer sagt, aber eines muss man schon sagen: Das ist jetzt der One-Stop-Shop der Bauernförderung. Da kommt alles zusammen. Ja, so kann man natürlich Klientelpolitik machen. Wir werden das beobachten. Wir werden schauen, was in der bäuerlichen One-Stop-Shop-Politik so an Förderungen, an Zwischenförderungen pas­siert, wie das alles geht. Kohäsionspolitik ist dort auch hineingerutscht.

Ja, und das Außenministerium: Den Titel Europa können Sie für Russland, für die Ukraine und vielleicht für Südosteuropa führen, aber damit hat das nichts mehr zu tun.

Man sieht und spürt in diesem Bundesministeriengesetz das tiefe Misstrauen zwischen den beiden Partnern! – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

16.00


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Bundesrat Ing. Eduard Köck zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Kollege.

 


16.00.38

Bundesrat Ing. Eduard Köck (ÖVP, Niederösterreich): Kollege Schennach! Du hast angesprochen, ich hätte gesagt, wir kämpfen gegen den internationalen Steuerbetrug, und es stehe dazu nichts im Regierungsprogramm. Das stimmt so nicht. Auf den Seiten 130 und 131 stehen sehr viele Maßnahmen, die gesetzt werden sollen, damit der internationale Steuerbetrug eingedämmt wird. (Beifall bei der ÖVP. – Bundesrat Schennach: Da steht was von beobachten! Das sind keine Maßnahmen!)

16.01


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Nunmehr ist mir ein Debattenbeitrag von Frau Mag.Dr.in Ewa Dziedzic gemeldet. – Bitte, Frau Bundesrätin.

 


16.01.23

Bundesrätin Mag. Dr. Ewa Dziedzic (Grüne, Wien): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werter Minister! Kollegen, Kolleginnen! Tatsächlich, es ist nicht alles schlecht, aber es ist auch keine technische Hülle, wie Kollege Brunner vorhin ausgeführt hat, und ich möchte Ihnen sagen, wieso. (Bundesrat Brunner: Ich habe gar nicht gesprochen, sondern Kollege Seeber! Gut, die Frisur ist ja ähnlich! – Bundesrat Schennach: Brunner hat nicht geredet!) – Verzeihung! Danke! Eine gemeinsame Berichtigung somit.

Tatsache bleibt: Es ist keine technische Hülle, und das wird an der Auflösung der Ministerien für Gesundheit und Frauen sowie für Familien und Jugend sichtbar. Ich bin der Meinung: Wenn man in die Vergangenheit schaut, vergisst man sehr leicht auf die Zukunft, und die schwarz-blaue Zukunft in Bezug auf Frauen- und Familienpolitik verheißt nichts Gutes. Sie reduziert nämlich die Frauenagenden auf reine Familien­angelegenheiten, und das Familienverständnis dabei ist kein nach vorne gerichtetes, sondern leider ein reaktionäres.

Das liest sich dann so: „Die Familie als Gemeinschaft von Frau und Mann mit gemein­samen Kindern ist die natürliche Keimzelle und Klammer für eine funktionierende Gesell­schaft“ und so weiter und so fort. Das ist zwar richtig, auf der anderen Seite ein bisschen 1950er-Jahre, weil es die Patchworkfamilien, die AlleinerzieherInnen, aber auch gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern, bei denen diese Kinder glücklich aufwachsen, vollkommen außer Acht lässt.

Eine technische Hülle ist es auch deshalb nicht, weil sich hier ideologisch vor allem die FPÖ mit ihren antifeministischen Weiblichkeitskonzepten durchgesetzt hat. Mit den Passagen zum Lebensschutz, denke ich, wird auch die ÖVP glücklich sein. Jedenfalls regt die neue Bundesregierung zum Beispiel mehr Unterstützung und Beratung von


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Schwangeren an, wohl wissend, dass es vor allem Letzteres in Österreich bereits flächen­deckend gibt.

Und auch der 12-Stunden-Tag, der heute schon ein paar Mal angesprochen worden ist, hat gerade auf Frauen und Familien gravierende Auswirkungen, von denen auf AlleinerzieherInnen ganz zu schweigen. Auch für moderne Männer, die gerne Teile der Familienarbeit übernehmen würden, etwa indem sie in Karenz gehen, ihre Arbeitszeit verkürzen oder einen echten Papa-Monat nehmen würden, findet sich in dem Pro­gramm kein Angebot. Alles in allem: Ein Frauenministerium wird in den nächsten Jahren sehr fehlen.

Sie werden wissen, dass nächstes Jahr nach 20 Jahren wieder ein Frauenvolks­begeh­ren stattfinden wird. Die derzeitige Regierung geht überhaupt nicht auf dessen Forde­rungen ein. Deshalb haben auch über 70 Organisationen und viele prominente und weniger prominente Einzelpersonen den offenen Brief des Frauenvolksbegehrens unterzeichnet. Einige von Ihnen werden ihn vielleicht kennen. Da heißt es: „,Heimat großer Töchter und Söhne ...‘,“ – hoffentlich bleibt das so nach dem, was ich heute von Herrn Strache gehört habe – „so steht es in der Bundeshymne. Wir Frauen wenden uns an all jene, die in den nächsten Jahren über unsere Zukunft entscheiden. Knapp 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts gehört den Frauen wieder nur jeder dritte Sitzplatz im Nationalrat. Das ist nicht genug. Wir Frauen sind mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Wir fordern dementsprechend Mitsprache. Der Hälfte der Bevöl­kerung steht die Hälfte der Macht und die Hälfte des Geldes zu.“ Das ist leider in Österreich noch immer keine Selbstverständlichkeit, und deshalb werden wir weiterhin auch ohne ein Frauenministerium auf genau diese Forderungen pochen.

Auch wenn sich einige von Ihnen wünschen mögen, dass es auch im Bundesrat keine Grünen gäbe, so sage ich Ihnen: Ich bin die letzte Rednerin hier und wünsche uns allen trotz aller Differenzen friedvolle Feiertage und einen guten Rutsch und nächstes Jahr eine gute Zusammenarbeit. – Vielen Dank. (Allgemeiner Beifall.)

16.05


16.05.55Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Weitere Wortmeldungen liegen dazu nicht vor.

Wünscht noch jemand das Wort? – Es ist dies nicht der Fall. Die Debatte ist geschlos­sen.

Wir gelangen zur Abstimmung.

Ich ersuche jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die dem Antrag zustimmen, gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmenmehrheit. Der Antrag ist somit angenommen.

16.06.286. Punkt

Wahl von Mitgliedern und eines Ersatzmitgliedes des Ständigen gemeinsamen Ausschusses des Nationalrates und des Bundesrates im Sinne des § 9 des Finanz­Verfassungsgesetzes 1948

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Wir kommen nun zum 6. Tagesordnungspunkt.

Im Ausschuss gemäß § 9 Finanz-Verfassungsgesetz 1948 stehen von den auf den Bundesrat entfallenden 13 Mitgliedern und 13 Ersatzmitgliedern jeweils 6 Mitglieder und 6 Ersatzmitglieder der ÖVP, 5 Mitglieder und 5 Ersatzmitglieder der SPÖ und 2 Mitglieder und 2 Ersatzmitglieder der FPÖ zu.

Aufgrund des Ausscheidens von Mitgliedern und Ersatzmitgliedern des Bundesrates sind 4 Mitglieder und 1 Ersatzmitglied neu zu wählen, wobei 1 Mitglied und 1 Ersatz-


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 114

mitglied von der ÖVP, 2 Mitglieder von der SPÖ und 1 Mitglied von der FPÖ für die entsprechende Wahl vorgeschlagen sind.

Nach der Geschäftsordnung dieses Ausschusses sind die Mitglieder und Ersatzmitglie­der vom Bundesrat direkt zu wählen, wobei sowohl bei den Mitgliedern als auch bei den Ersatzmitgliedern jedes Bundesland vertreten sein muss.

Entsprechende Wahlvorschläge der Fraktionen liegen mir vor.

Diese lauten:

Mitglieder:

von der ÖVP vorgeschlagen: Bundesrätin Dr.in Andrea Eder-Gitschthaler (Salzburg);

von der SPÖ vorgeschlagen: Bundesrätin Mag.Elisabeth Grossmann (Steiermark), Bundesrat Jürgen Schabhüttl (Burgenland);

von der FPÖ vorgeschlagen: Bundesrat Georg Schuster (Wien).

Ersatzmitglied:

von der ÖVP vorgeschlagen: Bundesrätin Mag.Doris Schulz (Oberösterreich).

Ich werde die Abstimmung über die Wahlvorschläge, sofern kein Einwand erhoben wird, unter einem vornehmen.

Da jeweils nur ein Wahlvorschlag vorliegt, werde ich durch Handzeichen abstimmen lassen.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und jene Bundesräte, die den von mir bekannt gege­benen Wahlvorschlägen ihre Zustimmung geben, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmeneinhelligkeit.

Die genannten Mitglieder und Ersatzmitglieder sind somit mit Stimmeneinhelligkeit ge­wählt.

16.09.047. Punkt

Wahl eines Mitgliedes und von Ersatzmitgliedern in die Parlamentarische Ver­sammlung des Europarates

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Wir gelangen nun zum 7. Punkt der Tagesordnung.

Es liegen mir folgende Nominierungen der Fraktionen vor:

Mitglied:

Bundesrat Stefan Schennach (SPÖ).

Ersatzmitglieder:

Bundesrat Ing. Eduard Köck (ÖVP) und Bundesrätin Monika Mühlwerth (FPÖ).

Ich ersuche jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesen Wahlvorschlägen ihre Zustimmung geben, um ein Handzeichen. – Das ist Stimmeneinhelligkeit. Die Wahl­vorschläge sind somit angenommen.

Herr Bundesrat Stefan Schennach ist somit als Mitglied und Herr Bundesrat Ing. Eduard Köck sowie Frau Bundesrätin Monika Mühlwerth sind somit als Ersatzmitglieder in die Parlamentarische Versammlung des Europarates gewählt.

Ich wünsche Ihnen für diese Aufgabe viel Erfolg. (Allgemeiner Beifall.)


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16.10.138. Punkt

Wahl der beiden Vizepräsidenten/innen, der Schriftführer/innen und der Ord­ner/innen für das 1. Halbjahr 2018

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Nun gelangen wir zum 8. Punkt.

Da mit 1. Jänner 2018 der Vorsitz im Bundesrat auf das Bundesland Wien übergeht und gemäß Art. 36 Abs. 2 Bundes-Verfassungsgesetz der an erster Stelle entsendete Vertreter dieses Bundeslandes, Herr Reinhard Todt, zum Vorsitz berufen ist, sind die übrigen Mitglieder des Präsidiums des Bundesrates gemäß § 6 Abs. 3 der Geschäfts­ordnung des Bundesrates für das kommende Halbjahr neu zu wählen.

Wahl der Vizepräsidenten/innen

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Ich werde die Wahl der beiden VizepräsidentInnen durch Erheben von den Sitzen vornehmen lassen.

Wir gehen nunmehr in den Wahlvorgang ein und kommen zur Wahl der/des ersten zu wählenden Vizepräsidentin/Vizepräsidenten des Bundesrates.

Gemäß § 6 Abs. 3 der Geschäftsordnung des Bundesrates kommt hierfür der ÖVP-Fraktion das Vorschlagsrecht zu.

Es liegt mir ein Wahlvorschlag vor, der auf Bundesrätin Sonja Ledl-Rossmann lautet.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Wahlvorschlag zustimmen, sich von den Sitzen zu erheben. – Dies ist Stimmeneinhelligkeit. Der Wahlvorschlag ist somit angenommen.

Ich habe mit der Vorgeschlagenen schon im Vorfeld gesprochen, und sie bedankt sich und nimmt die Wahl gerne an.

Wir kommen nunmehr zur Wahl der/des zweiten zu wählenden Vizepräsi­den­tin/Vize­präsidenten des Bundesrates.

Gemäß § 6 Abs. 3 der Geschäftsordnung des Bundesrates kommt hierfür der SPÖ-Fraktion das Vorschlagsrecht zu.

Es liegt dazu ein Wahlvorschlag vor, der auf Bundesrat Ewald Lindinger lautet.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Wahlvorschlag zustimmen, sich von den Sitzen zu erheben. – Das ist ebenfalls Stimmeneinhelligkeit. Der Wahlvorschlag ist somit angenommen.

Ich frage den Gewählten, ob er die Wahl annimmt.

 


16.12.40

Bundesrat Ewald Lindinger (SPÖ, Oberösterreich): Ich bedanke mich für das Vertrauen und nehme die Wahl gerne an. (Allgemeiner Beifall.)

Wahl der Schriftführer/innen

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler|: Wir kommen nun zur Wahl der Schriftführerinnen beziehungsweise Schriftführer.

Es liegt mir ein Vorschlag vor, die Mitglieder des Bundesrates Anneliese Junker, Ana Blatnik, Gerd Krusche, Marianne Hackl und Günther Novak für das 1. Halbjahr 2018 zu Schriftführerinnen beziehungsweise zu Schriftführern des Bundesrates zu wählen.


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Falls kein Einwand erhoben wird, nehme ich diese Wahl unter einem vor.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Wahlvorschlag ihre Zustim­mung geben, um ein Handzeichen. – Der Wahlvorschlag ist somit angenommen.

Ich frage die Gewählten, ob sie die Wahl annehmen.

(Die BundesrätInnen Junker, Blatnik, Krusche, Hackl und Novak nehmen die Wahl an.)

Wahl der Ordner/innen

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Wir kommen nunmehr zur Wahl der Ordnerinnen und Ordner.

Es liegt mir ein Vorschlag vor, die Mitglieder des Bundesrates Ferdinand Tiefnig, Mag.Susanne Kurz, Christoph Längle und Dr.in Heidelinde Reiter für das 1. Halb­jahr 2018 zu Ordnerinnen beziehungsweise zu Ordnern des Bundesrates zu wählen.

Falls kein Einwand erhoben wird, nehme ich auch diese Wahl unter einem vor.

Ich bitte jene Bundesrätinnen und Bundesräte, die diesem Wahlvorschlag ihre Zustim­mung geben, um ein Handzeichen. – Das ist die Stimmeneinhelligkeit. Der Wahlvor­schlag ist somit angenommen.

Ich frage die Gewählten, ob sie die Wahl annehmen.

(Die BundesrätInnen Tiefnig, Kurz, Längle und Reiter nehmen die Wahl an.)

Die Tagesordnung ist erschöpft.

Verlesung eines Teiles des Amtlichen Protokolls

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Es liegt mir das schriftliche Verlangen von fünf Mit­gliedern des Bundesrates vor, das Amtliche Protokoll hinsichtlich der Tagesordnungs­punkte 3 bis 5 zu verlesen, damit dieser Teil des Amtlichen Protokolls mit Schluss der Sitzung als genehmigt gilt. Dadurch soll die umgehende Beschlussfassung ermöglicht werden.

Ich werde daher so vorgehen und verlese nunmehr den entsprechenden Teil des Amt­lichen Protokolls:

„TO-Punkt 3: Beschluss des Nationalrates vom 13. Dezember 2017 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979, das Gehaltsgesetz 1956, das Vertragsbedienstetengesetz 1948, das Richter- und Staatsanwaltschafts­dienstgesetz, das Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz, das Land- und forstwirtschaftliche Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz, das Landesvertragslehrpersonengesetz 1966, das Land- und forstwirtschaftliche Landesvertragslehrpersonengesetz, das Pensionsgesetz 1965 und das Bundes-Personalvertretungsgesetz geändert werden (Dienstrechts­No­velle 2017) (16/A und 1 d.B. sowie 9917/BR d.B.)

TO-Punkt 4: Beschluss des Nationalrates vom 13. Dezember 2017 betreffend ein Bun­desgesetz, mit dem das Bundesverfassungsgesetz über die Begrenzung von Bezügen öffentlicher Funktionäre und das Bundesbezügegesetz geändert werden (17/A und 2 d.B. sowie 9918/BR d.B.)

Abstimmungen:

Zu TO-Punkt 3: Berichterstattung: Antrag, keinen Einspruch zu erheben, wird ange­nom­­men (mit Stimmeneinhelligkeit).


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 117

Zu TO-Punkt 4: Berichterstattung: Antrag,

1. gegen den vorliegenden Beschluss des Nationalrates keinen Einspruch zu erheben, wird angenommen (mit Stimmeneinhelligkeit),

2. dem vorliegenden Beschluss des Nationalrates gemäß Artikel 44 Absatz 2 B-VG die verfassungsmäßige Zustimmung zu erteilen, wird bei Anwesenheit von mehr als der Hälfte der Mitglieder des Bundesrates mit Stimmeneinhelligkeit (und zwar mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit) angenommen.

TO-Punkt 5: Beschluss des Nationalrates vom 21. Dezember 2017 betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesministeriengesetz 1986 geändert wird (Bundes­minis­teriengesetz­Novelle 2017) (14/A und 3 d.B. sowie 9920/BR d.B. und 9919/BR d.B.)

Abstimmung:

Berichterstattung: Antrag, keinen Einspruch zu erheben, wird angenommen (mit Stim­menmehrheit).“

*****

Erheben sich Einwendungen gegen die Fassung oder den Inhalt dieses Teiles des Amtlichen Protokolls? – Das ist nicht der Fall.

Dieser Teil des Amtlichen Protokolls gilt daher gemäß § 64 Abs. 2 der Geschäfts­ord­nung des Bundesrates mit Schluss dieser Sitzung als genehmigt.

Einlauf und Zuweisungen

 


Vizepräsidentin Ingrid Winkler: Ich gebe noch bekannt, dass seit der letzten bezie­hungsweise in der heutigen Sitzung insgesamt 149 Anfragen, 3260/J-BR/2017 bis 3408/J-BR/2017, eingebracht wurden.

Eingelangt sind die beiden Selbständigen Entschließungsanträge 242/A(E)-BR/2017 und 243/A(E)-BR/2017 der Bundesräte Edgar Mayer, Monika Mühlwerth, Reinhard Todt, Kolleginnen und Kollegen, die dem Ausschuss für Verfassung und Föderalismus beziehungsweise dem Ausschuss für Innovation, Technologie und Zukunft zuge­wie­sen werden.

Eingelangt ist weiters der Selbständige Antrag 244/A-BR/2017 der Bundesräte Daniela Gruber-Pruner, Kolleginnen und Kollegen, der dem Kinderrechteausschuss zugewie­sen wird,

sowie der Selbständige Entschließungsantrag 245/A(E)-BR/2017 der Bundesräte David Stögmüller, Kolleginnen und Kollegen, der dem Ausschuss für Familie und Ju­gend zugewiesen wird.

Weiters wurde von Bundesrat David Stögmüller die Petition 38/PET-BR/2017 betref­fend „Keine Umverteilung von unten nach oben zu Lasten der Gemeinden“ überreicht, die dem Ausschuss für BürgerInnenrechte und Petitionen zugewiesen wird.

*****

Die Einberufung der nächsten Sitzung des Bundesrates wird auf schriftlichem Wege erfolgen. Als Sitzungstermin wird Donnerstag, der 8. Februar 2018, 9 Uhr, in Aussicht genommen.


BundesratStenographisches Protokoll874. Sitzung, 874. Sitzung des Bundesrates am 22. Dezember 2017 / Seite 118

Für die Tagesordnung dieser Sitzung kommen insbesondere jene Beschlüsse in Be­tracht, die der Nationalrat bis dahin verabschiedet haben wird, soweit diese dem Ein­spruchs­recht beziehungsweise dem Zustimmungsrecht des Bundesrates unterliegen.

Die Ausschussvorberatungen sind für Dienstag, den 6. Februar 2018, ab 14 Uhr, vorgesehen.

*****

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich darf Ihnen wahrscheinlich – ich blicke in seine Richtung – im Namen des Präsidenten, aber auch in meinem Namen schöne Weih­nachten wünschen – ein paar erholsame Stunden; ich denke, wir alle können sie gebrauchen. Wir werden uns im nächsten Jahr in – darf ich’s sagen? – alter Frische wiedersehen und weiter mit Freude und Energie für diese Republik tätig sein. – Danke. (Allgemeiner Beifall.)

Die Sitzung ist geschlossen.

16.20.54Schluss der Sitzung: 16.20 Uhr

 

 

 

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