Parlament Österreich

 

 

 

 

Stenographisches Protokoll

 

 

 

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63. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

 

XXIII. Gesetzgebungsperiode

 

Freitag, 6., und Samstag, 7. Juni 2008

 

 


Stenographisches Protokoll

63. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

XXIII. Gesetzgebungsperiode

Freitag, 6., und Samstag, 7. Juni 2008

Dauer der Sitzung

Freitag, 6. Juni 2008: 9.03 – 24.00 Uhr

                                             Samstag, 7. Juni 2008: 0.00 –   0.03 Uhr

*****

Tagesordnung

1. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Körper­schaftsteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenordnung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und ein Stiftungseingangs­steuergesetz erlassen wird – Schenkungsmeldegesetz 2008 (SchenkMG 2008)

2. Punkt: Bericht und Antrag über den Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem die Reisegebührenvorschrift 1955 geändert wird

3. Punkt: Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Republik Türkei zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen samt Protokoll

4. Punkt: Bericht über den Tätigkeitsbericht der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH gemäß § 7 Abs. 2 KOG für das Geschäftsjahr 2006, vorgelegt von der Bundes­ministerin für Frauen, Medien und öffentlichen Dienst im Einvernehmen mit dem Bun­desminister für Verkehr, Innovation und Technologie

5. Punkt: Bericht über den Antrag 589/A der Abgeordneten Dr. Michael Spindelegger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Entschädigungs­fondsgesetz geändert wird, und über den

Antrag 588/A der Abgeordneten Mag. Barbara Prammer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Entschädigungsfondsgesetz geändert wird

6. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz geändert wird (AuftraggeberInnen-Haftungsgesetz)

7. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz, das Ge­werbliche Sozialversicherungsgesetz und das Bauern-Sozialversicherungsgesetz ge­ändert werden (Sozialversicherungs-Änderungsgesetz 2008 – SVÄG 2008)

8. Punkt: Bericht über den Antrag 600/A(E) der Abgeordneten Karl Öllinger, Kol­leginnen und Kollegen betreffend Vorziehen eines Teils der Pensionserhöhung 2009


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zur Abdeckung der durch den außerordentlichen Preisanstieg verursachten Mehrkos­ten

9. Punkt: Bericht über den Antrag 232/A(E) der Abgeordneten Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen betreffend bundeseinheitliche Regelungen betreffend Per­sönliche Assistenz

10. Punkt: Sammelbericht über die Petitionen Nr. 17, 18, 22, 24, 25, 27, 28, 30 und 31 sowie über die Bürgerinitiativen Nr. 15, 17 und 18

11. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Gleichbehandlungsgesetz und das Bundes­gesetz über die Gleichbehandlungskommission und die Gleichbehandlungsanwalt­schaft geändert werden

12. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Bundes-Gleichbehandlungsgesetz geändert wird

13. Punkt: Bundesgesetz zur Errichtung der „OeAD-Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ (OeAD-Gesetz – OeADG)

14. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Luftfahrtgesetz geändert wird

15. Punkt: Bundesgesetz über den zwischenstaatlichen Luftverkehr 2008 (BGzLV 2008)

16. Punkt: Bericht betreffend den Bericht des Rechnungshofes Reihe Bund 2008/1

17. Punkt: Ersuchen der Staatsanwaltschaft Wien (322 St 7/08 z) um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Dr. Peter Pilz

*****

Inhalt

Personalien

Verhinderungen .............................................................................................................. 19

Ordnungsrufe ......................................................................................  173, 263, 263, 264

Geschäftsbehandlung

Mitteilung der Präsidentin Mag. Barbara Prammer betreffend neu gestalteten Ablauf der Fragestunde         ............................................................................................................................... 19

Verlangen auf Durchführung einer kurzen Debatte über die Anfragebeantwor­tung 3773/AB gemäß § 92 Abs. 1 der Geschäftsordnung ........................................................................................ 41

Durchführung einer kurzen Debatte gemäß § 57a Abs. 1 der Geschäftsordnung         197

Redner/Rednerinnen:

Barbara Zwerschitz ................................................................................................ ... 197

Bundesminister Dipl.-Ing. Josef Pröll .................................................................. ... 200

Petra Bayr ................................................................................................................ ... 201

Thomas Einwallner ................................................................................................. ... 203

Dr. Gabriela Moser .................................................................................................. ... 204

Harald Vilimsky ........................................................................................................... 206

Sigisbert Dolinschek .................................................................................................. 207


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Wortmeldungen zur Geschäftsbehandlung im Zusammenhang mit einem in einer Tageszeitung veröffentlichten Interview mit Abgeordnetem Dr. Peter Pilz:

Dr. Josef Cap ........................................................................................................... ..... 41

Dr. Wolfgang Schüssel .......................................................................................... ..... 42

Ing. Peter Westenthaler .......................................................................................... ..... 43

Heinz-Christian Strache ......................................................................................... ..... 43

Dr. Alexander Van der Bellen ................................................................................ ..... 44

Redezeitbeschränkung nach Beratung in der Präsidialkonferenz gemäß § 57 Abs. 3 Z. 2 der Geschäftsordnung .......................................................................................................... 45

Wortmeldungen zur Geschäftsbehandlung betreffend Erteilung von Ordnungs­rufen:

Mag. Dr. Martin Graf ............................................................................................... ... 264

Karl Öllinger ............................................................................................................ ... 265

Dkfm. Dr. Günter Stummvoll ................................................................................. ... 265

Dr. Josef Cap ........................................................................................................... ... 266

Dr. Peter Fichtenbauer ........................................................................................... ... 266

Fragestunde (10.)

Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft .................................... 20

Petra Bayr (64/M); Ing. Hermann Schultes, Ing. Peter Westenthaler, Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS, Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber

Michael Praßl (60/M); Sigisbert Dolinschek, Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS, Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Gabriele Binder-Maier

Dr. Ruperta Lichtenecker (69/M); Walter Schopf, Ing. Norbert Kapeller, Veit Schalle, Werner Neubauer

Mag. Gerald Hauser (67/M); Mag. Bruno Rossmann, Mag. Johann Maier, Jakob Auer, Ing. Peter Westenthaler

Sigisbert Dolinschek (63/M); Wolfgang Zanger, Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirkl­huber, Rosemarie Schönpass, Nikolaus Prinz

Bundesregierung

Vertretungsschreiben ..................................................................................................... 19

Ausschüsse

Zuweisungen .................................................................................................................. 40

Dringliche Anfrage

der Abgeordneten Dr. Eva Glawischnig-Piesczek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend schwere Informationsdefizite nach Zwischenfall im AKW Krško und Versagen des Umweltministers in der Anti-Atompolitik (4530/J)           ............................................................................................................................. 147

Begründung: Dr. Eva Glawischnig-Piesczek ............................................................ 154

Bundesminister Dipl.-Ing. Josef Pröll ...................................................................... 160

Debatte:

Dr. Ruperta Lichtenecker ....................................................................................... ... 167

Walter Schopf .......................................................................................................... ... 170


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Karlheinz Kopf ........................................................................................................ ... 172

Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS ....................................................................... ... 173

Veit Schalle .............................................................................................................. ... 176

Dr. Gabriela Moser .................................................................................................. ... 178

Bundesminister Dipl.-Ing. Josef Pröll .................................................................. ... 180

Anton Heinzl ............................................................................................................ ... 181

Ing. Norbert Kapeller .............................................................................................. ... 182

Ing. Norbert Hofer ................................................................................................... ... 184

Herbert Scheibner .................................................................................................. ... 187

Mag. Werner Kogler ................................................................................................ ... 188

Mag. Elisabeth Grossmann ................................................................................... ... 190

Erwin Hornek .......................................................................................................... ... 192

Werner Neubauer .................................................................................................... ... 193

Gerhard Köfer ......................................................................................................... ... 195

Dkfm. Dr. Hannes Bauer ........................................................................................ ... 195

Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Volksabstimmung über den Ausstieg Österreichs aus dem Euratom-Vertrag – Ablehnung            186, 196

Verhandlungen

Gemeinsame Beratung über

1. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (549
und Zu 549 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schenkungssteuerge­setz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenordnung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und ein Stiftungseingangssteuergesetz erlassen wird – Schenkungsmeldege­setz 2008 (SchenkMG 2008) (612 d.B.) ...................................... 45

2. Punkt: Bericht und Antrag des Finanzausschusses über den Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem die Reisegebührenvorschrift 1955 geändert wird (613 d.B.) ............................................... 46

Redner/Rednerinnen:

Dr. Alexander Van der Bellen ................................................................................ ..... 46

Dr. Wolfgang Schüssel .......................................................................................... ..... 48

Heinz-Christian Strache ......................................................................................... ..... 51

Kai Jan Krainer ....................................................................................................... ..... 54

Ing. Peter Westenthaler .......................................................................................... ..... 57

Vizekanzler Mag. Wilhelm Molterer ...................................................................... ..... 61

Bettina Stadlbauer .................................................................................................. ..... 64

Dkfm. Dr. Günter Stummvoll ................................................................................. ..... 66

Mag. Bruno Rossmann .......................................................................................... ..... 68

Mag. Gerald Hauser ................................................................................................ ..... 70

Josef Bucher ........................................................................................................... ..... 73

Staatssekretär Dr. Christoph Matznetter ............................................................. ..... 75

Jakob Auer .............................................................................................................. ..... 77

Gerhard Reheis ....................................................................................................... ..... 79

Dr. Gabriela Moser .................................................................................................. ..... 80

Lutz Weinzinger ...................................................................................................... ..... 84

Herbert Scheibner .................................................................................................. ..... 85

Dr. Josef Cap ........................................................................................................... ..... 87

August Wöginger .................................................................................................... ..... 88

Michaela Sburny ..................................................................................................... ..... 90


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Wolfgang Zanger .................................................................................................... ..... 91

Ursula Haubner ....................................................................................................... ..... 93

Mag. Werner Kogler ................................................................................................ ..... 94

Mag. Peter Michael Ikrath ....................................................................................... ..... 97

Sigisbert Dolinschek .............................................................................................. ..... 98

Sylvia Rinner ........................................................................................................... ... 112

Gabriele Tamandl .................................................................................................... ... 113

Franz Kirchgatterer ................................................................................................ ... 113

Edeltraud Lentsch .................................................................................................. ... 114

Elmar Mayer ............................................................................................................. ... 115

Konrad Steindl ........................................................................................................ ... 115

Herta Mikesch .......................................................................................................... ... 116

Ing. Norbert Hofer ................................................................................................... ... 117

Entschließungsantrag der Abgeordneten Heinz-Christian Strache, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend Stopp dem Treibstoffpreis-Wahnsinn – Ableh­nung ..............................................  72, 121

Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Mehr für Pendlerinnen und Pendler: ökologisch und sozial gerechtere Ausgestaltung der PendlerInnenförderung, Offensive bei Bahn und Bus“ – Ablehnung ...........................................................  82, 121

Entschließungsantrag der Abgeordneten Josef Bucher, Kollegin und Kollegen betreffend dringende Umsetzung des angesichts der explodierenden Treibstoff­preise von der Kärntner Landesregierung beschlossenen Maßnahmenpakets – Ablehnung ...............................................  101, 121

Entschließungsantrag der Abgeordneten Josef Bucher, Kollegin und Kollegen betreffend eine teilweise Steuerbefreiung der Überstundenbezahlung als Maß­nahme zur Leistungsförderung und steuerlichen Entlastung der österreichischen Arbeitnehmer – Ablehnung ..............................  104, 121

Entschließungsantrag der Abgeordneten Josef Bucher, Kollegin und Kollegen betreffend die Einführung einer Pendlerbeihilfe in Form eines amtlichen Kilo­metergeldes mit Beihilfewirkung – Ablehnung               105, 121

Entschließungsantrag der Abgeordneten Josef Bucher, Kollegin und Kollegen betreffend Rücknahme der MÖSt-Erhöhung – Ablehnung .............................................................................  107, 121

Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Peter Westenthaler, Kollegin und Kollegen betreffend die Bestimmung eines volkswirtschaftlich gerechtfertig­ten Höchstpreises für Treibstoffe – Ablehnung          108, 121

Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Peter Westenthaler, Kollegin und Kollegen betreffend Teuerungsausgleich für die exorbitant gestiegenen Treibstoffpreise – Ablehnung  109, 121

Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Peter Westenthaler, Kollegin und Kollegen betreffend Anhebung des amtlichen Kilometergeldes – Ableh-
nung .....................................................................................................................  111, 122


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 6

Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Tankgutschein beziehungsweise ÖBB-Jahreskarten – Gut­schein für Pendler – Ablehnung          119, 122

Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Neuorientierung des Ersatzes der Fahrtkosten für Pendler – Ablehnung ...........  119, 121

Annahme der beiden Gesetzentwürfe in 612 und 613 d.B. ......................................... 120

3. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (526 d.B.): Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Republik Türkei zur Ver­meidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen samt Protokoll (614 d.B.) ................................................... 122

Redner/Rednerinnen:

Mag. Andreas Schieder .......................................................................................... ... 123

Mag. Bruno Rossmann .......................................................................................... ... 123

Lutz Weinzinger ...................................................................................................... ... 124

Josef Bucher ............................................................................................................... 124

Genehmigung des Staatsvertrages .............................................................................. 125

4. Punkt: Bericht des Verfassungsausschusses über den Tätigkeitsbericht (III-63 d.B.) der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH gemäß § 7 Abs. 2 KOG für das Geschäftsjahr 2006, vorgelegt von der Bundesministerin für Frauen, Me­dien und öffentlichen Dienst im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Ver­kehr, Innovation und Technologie (603 d.B.) ......................................................... 125

Redner/Rednerinnen:

Dr. Josef Cap .............................................................................................................. 125

Franz Morak ............................................................................................................. ... 127

Dieter Brosz ............................................................................................................ ... 128

Harald Vilimsky ....................................................................................................... ... 131

Herbert Scheibner .................................................................................................. ... 134

Bundesministerin Doris Bures ............................................................................. ... 137

Dr. Peter Wittmann ................................................................................................. ... 139

Mag. Heribert Donnerbauer ................................................................................... ... 140

Bettina Hradecsni ................................................................................................... ... 141

Mag. Elisabeth Grossmann ................................................................................... ... 142

Dr. Peter Sonnberger ............................................................................................. ... 143

Otto Pendl ................................................................................................................... 143

Mag. Karin Hakl .......................................................................................................... 144

Peter Marizzi ............................................................................................................... 145

Mag. Ruth Becher ................................................................................................... ... 146

Entschließungsantrag der Abgeordneten Dieter Brosz, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend ORF-Bericht gemäß § 8 ORF-G als Verhandlungsgegenstand des Parlaments – Ablehnung  130, 146

Entschließungsantrag der Abgeordneten Dieter Brosz, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend Refundierung der Gebührenbefreiungen an den ORF – Ableh­nung .........................................  131, 146

Entschließungsantrag der Abgeordneten Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verbot von Mehrwertdiensten im ORF-Programm – Ableh­nung ..........................................  133, 146

Entschließungsantrag der Abgeordneten Herbert Scheibner, Kollegin und Kol­legen betreffend Rundfunkgebühren-Reformpaket – Ablehnung ..................................................  135, 147

Kenntnisnahme des Berichtes III-63 d.B. ..................................................................... 146


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 7

5. Punkt: Bericht des Verfassungsausschusses über den Antrag 589/A der Abgeordneten Dr. Michael Spindelegger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Entschädigungsfondsgesetz geändert wird, und über den

Antrag 588/A der Abgeordneten Mag. Barbara Prammer, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Entschädigungsfondsgesetz ge­ändert wird (604 d.B.) .........              208

Redner/Rednerinnen:

Dr. Robert Aspöck ..................................................................................................... 208

Dr. Elisabeth Hlavac ................................................................................................... 209

Dr. Peter Sonnberger ............................................................................................. ... 210

Mag. Albert Steinhauser ........................................................................................ ... 210

Herbert Scheibner .................................................................................................. ... 211

Annahme des Gesetzentwurfes ................................................................................... 211

6. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über die Regierungs­vorlage (523 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine Sozialversicherungs­gesetz geändert wird (AuftraggeberInnen-Haftungsgesetz) (567 d.B.) .......................................................................................... 211

Redner/Rednerinnen:

Herbert Kickl ........................................................................................................... ... 212

Renate Csörgits ...................................................................................................... ... 213

Sigisbert Dolinschek .............................................................................................. ... 214

Norbert Sieber ......................................................................................................... ... 216

Karl Öllinger ............................................................................................................ ... 217

Dietmar Keck ........................................................................................................... ... 219

Entschließungsantrag der Abgeordneten Sigisbert Dolinschek, Kollegin und Kollegen betreffend generelle AuftraggeberInnenhaftung für Sozialversicherungs­beiträge im Baubereich – Ablehnung  215, 220

Annahme des Gesetzentwurfes ................................................................................... 220

Gemeinsame Beratung über

7. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über die Regierungs­vorlage (543 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine Sozialversicherungs­gesetz, das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz und das Bauern-Sozialversi­cherungsgesetz geändert werden (Sozialversicherungs-Änderungsgesetz 2008 – SVÄG 2008) (568 d.B.) .................... 220

8. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 600/A(E) der Abgeordneten Karl Öllinger, Kolleginnen und Kollegen betref­fend Vorziehen eines Teils der Pensionserhöhung 2009 zur Abdeckung der durch den außerordentlichen Preisanstieg verursachten Mehrkosten (569 d.B.)              ............................................................................................................................. 220

Redner/Rednerinnen:

Werner Neubauer .................................................................................................... ... 221

Dietmar Keck ........................................................................................................... ... 225

Sigisbert Dolinschek .............................................................................................. ... 226

Karl Donabauer ....................................................................................................... ... 227

Ing. Norbert Hofer ................................................................................................... ... 228

Karl Öllinger ............................................................................................................ ... 230

Karl Donabauer (tatsächliche Berichtigung) .............................................................. 234

Walter Schopf .......................................................................................................... ... 234


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 8

Dipl.-Ing. Hannes Missethon ................................................................................. ... 234

Bundesminister Dr. Erwin Buchinger .................................................................. ... 235

Entschließungsantrag der Abgeordneten Herbert Kickl, Kolleginnen und Kol­legen betreffend nachträgliche und rückwirkende Pensionserhöhung auch für Kleinstpensionen spätestens im Rahmen der vorgezogenen Pensionsanpas­sung 2009 – Ablehnung ..............................................................  222, 237

Entschließungsantrag der Abgeordneten Sigisbert Dolinschek, Kollegin und Kollegen betreffend nachträgliche Pensionsanpassung für Pensionen unter dem Ausgleichszulagenrichtsatz – Ablehnung    227, 237

Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Schwerarbeiterregelung – Ablehnung .................................................................  229, 237

Annahme des Gesetzentwurfes in 568 d.B. ................................................................. 236

Kenntnisnahme des Ausschussberichtes 569 d.B. ...................................................... 237

9. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 232/A(E) der Abgeordneten Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen betreffend bundeseinheitliche Regelungen betreffend Persönliche Assistenz (570 d.B.) .................................................................................. 237

Redner/Rednerinnen:

Theresia Haidlmayr .................................................................................................... 237

Mag. Christine Lapp ................................................................................................... 238

Ing. Norbert Hofer ................................................................................................... ... 239

Dr. Franz-Joseph Huainigg ................................................................................... ... 240

Sigisbert Dolinschek .............................................................................................. ... 240

Bundesminister Dr. Erwin Buchinger .................................................................. ... 241

Kenntnisnahme des Ausschussberichtes ..................................................................... 242

10. Punkt: Sammelbericht des Ausschusses für Petitionen und Bürgerinitiativen über die Petitionen Nr. 17, 18, 22, 24, 25, 27, 28, 30 und 31 sowie über die Bür­gerinitiativen Nr. 15, 17 und 18 (578 d.B.)                  242

Redner/Rednerinnen:

Theresia Haidlmayr .................................................................................................... 242

Mag. Gisela Wurm ...................................................................................................... 244

Dr. Gerhard Kurzmann .......................................................................................... ... 245

Karl Freund .............................................................................................................. ... 246

Dr. Peter Pilz ........................................................................................................... ... 247

Mag. Johann Maier (tatsächliche Berichtigung) ......................................................... 249

Sigisbert Dolinschek .............................................................................................. ... 250

Leopold Mayerhofer ............................................................................................... ... 251

Ulrike Königsberger-Ludwig ................................................................................. ... 252

Bernhard Vock ........................................................................................................ ... 253

Mag. Gertrude Aubauer ......................................................................................... ... 254

Mag. Rosa Lohfeyer ................................................................................................... 255

Dr. Sebastian Eder ..................................................................................................... 255

Dietmar Keck ........................................................................................................... ... 256

Dr. Andrea Eder-Gitschthaler ............................................................................... ... 257

Mag. Elisabeth Grossmann ................................................................................... ... 257

Mag. Peter Eisenschenk ......................................................................................... ... 258

Anna Franz .............................................................................................................. ... 258

Johann Höfinger ..................................................................................................... ... 259


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 9

Jochen Pack ............................................................................................................ ... 259

Claudia Durchschlag .............................................................................................. ... 260

Kenntnisnahme des Ausschussberichtes ..................................................................... 260

11. Punkt: Bericht des Gleichbehandlungsausschusses über die Regierungsvor­lage (415 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Gleichbehandlungsgesetz und das Bundesgesetz über die Gleichbehandlungskommission und die Gleichbehand­lungsanwaltschaft geändert werden (559 d.B.)    ............................................................................................................................. 260

Redner/Rednerinnen:

Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS ........................................................................... 261

Mag. Gisela Wurm ................................................................................................... ... 266

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner ............................................................................ ... 267

Maria Rauch-Kallat ................................................................................................. ... 269

Dr. Robert Aspöck ............................................................................................  269, 278

Mag. Brigid Weinzinger .......................................................................................... ... 271

Ursula Haubner ....................................................................................................... ... 272

Dr. Peter Fichtenbauer .....................................................................................  274, 280

Maria Rauch-Kallat (tatsächliche Berichtigung) ......................................................... 274

Bundesministerin Doris Bures ................................................................................. 275

Dr. Robert Aspöck (Erwiderung auf eine tatsächliche Berichtigung) ........................ 276

Staatssekretärin Christine Marek ............................................................................. 277

Bettina Stadlbauer ..................................................................................................... 279

Edeltraud Lentsch .................................................................................................. ... 280

Mag. Gertraud Knoll ............................................................................................... ... 281

Dorothea Schittenhelm .......................................................................................... ... 282

Claudia Durchschlag .............................................................................................. ... 283

Johannes Zweytick ................................................................................................. ... 283

Annahme des Gesetzentwurfes ................................................................................... 284

12. Punkt: Bericht des Gleichbehandlungsausschusses über die Regierungsvor­lage (541 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Bundes-Gleichbehandlungsgesetz geändert wird (560 d.B.)                             284

Redner/Rednerinnen:

Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS ....................................................................... ... 284

Mag. Gisela Wurm ................................................................................................... ... 286

Mag. Brigid Weinzinger .......................................................................................... ... 286

Ursula Haubner ....................................................................................................... ... 287

Gabriele Binder-Maier ............................................................................................ ... 287

Mag. Rosa Lohfeyer ................................................................................................ ... 289

Annahme des Gesetzentwurfes ................................................................................... 289

13. Punkt: Bericht des Wissenschaftsausschusses über die Regierungsvorlage (544 d.B.): Bundesgesetz zur Errichtung der „OeAD-Gesellschaft mit beschränk­ter Haftung“ (OeAD-Gesetz – OeADG) (566 d.B.)   ............................................................................................................................. 290

Redner/Rednerinnen:

Mag. Peter Eisenschenk ......................................................................................... ... 290

Mag. Gertraud Knoll ............................................................................................... ... 291

Dr. Kurt Grünewald ................................................................................................ ... 291

Mag. Dr. Martin Graf ................................................................................................... 292

Adelheid Irina Fürntrath-Moretti ............................................................................... 296


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 10

Dr. Gertrude Brinek ................................................................................................ ... 296

Josef Broukal .....................................................................................................  297, 299

Dr. Gertrude Brinek (tatsächliche Berichtigung) ....................................................... 298

Bundesminister Dr. Johannes Hahn ........................................................................ 298

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Dr. Martin Graf, Kolleginnen und Kollegen betreffend Kollektivvertrag für Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh­mer der Universitäten – Ablehnung              295, 299

Annahme des Gesetzentwurfes ................................................................................... 299

Gemeinsame Beratung über

14. Punkt: Bericht des Verkehrsausschusses über die Regierungsvorlage (537 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Luftfahrtgesetz geändert wird (580 d.B.)                                                                                300

15. Punkt: Bericht des Verkehrsausschusses über die Regierungsvorlage (538 d.B.): Bundesgesetz über den zwischenstaatlichen Luftverkehr 2008 (BGzLV 2008) (581 d.B.) ................................ 300

Redner/Rednerinnen:

Dr. Gabriela Moser ..................................................................................................... 300

Christian Hursky ........................................................................................................ 301

Mag. Helmut Kukacka ............................................................................................. ... 301

Ing. Norbert Hofer ................................................................................................... ... 302

Anita Fleckl .............................................................................................................. ... 305

Wilhelm Haberzettl ................................................................................................. ... 306

Anton Heinzl ............................................................................................................ ... 306

Staatssekretärin Christa Kranzl ............................................................................ ... 307

Annahme der beiden Gesetzentwürfe in 580 und 581 d.B. ......................................... 308

16. Punkt: Bericht des Rechnungshofausschusses betreffend den Bericht (III-113 d.B.) des Rechnungshofes Reihe Bund 2008/1 (558 d.B.) ...................................................................................... 309

Redner/Rednerinnen:

Dr. Günther Kräuter ............................................................................................... ... 309

Hermann Gahr ......................................................................................................... ... 310

Mag. Dr. Wolfgang Zinggl ...................................................................................... ... 311

Ing. Erwin Kaipel ..................................................................................................... ... 312

Mag. Brigid Weinzinger .......................................................................................... ... 312

Rosemarie Schönpass ........................................................................................... ... 314

Hermann Krist ......................................................................................................... ... 314

Rechnungshofpräsident Dr. Josef Moser ............................................................ ... 315

Kenntnisnahme des Berichtes III-113 d.B. ................................................................... 316

17. Punkt: Bericht des Immunitätsausschusses über das Ersuchen der Staats­anwaltschaft Wien (322 St 7/08 z) um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Dr. Peter Pilz (608 d.B.) ...................................................................................................................... 316

Redner/Rednerinnen:

Mag. Helmut Kukacka ............................................................................................. ... 316

Otto Pendl ................................................................................................................ ... 318

Karl Öllinger ............................................................................................................ ... 318

Mag. Dr. Martin Graf ............................................................................................... ... 320

Mag. Gernot Darmann ............................................................................................ ... 321

Annahme des Ausschussantrages ............................................................................... 322


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 11

Eingebracht wurden

Anträge der Abgeordneten

Fritz Grillitsch, Mag. Kurt Gaßner, Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS, Sigisbert Dolinschek, Kolleginnen und Kollegen be­treffend die Erhaltung des GVO-freien Anbaus in der österreichischen Landwirtschaft (779/A)(E)

Wolfgang Großruck, Christian Füller, Kolleginnen und Kollegen betreffend weltweit zunehmende Verfolgungen von Christen und Sicherung der Religionsfreiheit (780/A)(E)

Petra Bayr, Kolleginnen und Kollegen betreffend rasche und umfassende Reaktion auf den Klimawandel (781/A)(E)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Erhöhung des Landes­verteidigungsbudgets (782/A)(E)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend sofortige Beschaffung von neuen Kampfanzügen für jeden österreichischen Soldaten (783/A)(E)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Mid Life Update“ der AB-212 (784/A)(E)

Dr. Reinhard Eugen Bösch, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Verwendung
der deutschen Sprache als EU-Verfahrenssprache neben Englisch und Französisch
(785/A)(E)

Heinz-Christian Strache, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesverfas­sungsgesetz, mit dem das Bundesverfassungsgesetz über die Begrenzung von Bezü­gen öffentlicher Funktionäre, BGBl. I 1997/64, geändert wird (786/A)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen betreffend Abrufbarkeit von Erlässen im Rechtsinformationssystem des Bundes (787/A)(E)

Mag. Dr. Martin Graf, Kolleginnen und Kollegen betreffend Schaffung von rechtlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital und privates Beteiligungskapital (788/A)(E)

Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS, Kolleginnen und Kollegen betreffend präventive Bekämpfung des Bienensterbens in Österreich (789/A)(E)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Beschaffung von ATF – Allschutz-Transportfahrzeuge (790/A)(E)

Heinz-Christian Strache, Kolleginnen und Kollegen betreffend Reform der Umsatz­steuer (791/A)(E)

Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS, Kolleginnen und Kollegen betreffend Männer­anteil am Lehrpersonal in Pflichtschulen (792/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Ratifizierung der UN-Konven­tion zu Rechten von behinderten Menschen (793/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Zukunft der Austrian Airlines (794/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Halbierung der Mehrwert­steuer auf Energie aus erneuerbaren heimischen Ressourcen (795/A)(E)


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 12

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verkürzung der Verfahrens­frist bei Pflegegeldverfahren (796/A)(E)

Mag. Dr. Martin Graf, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über das Dienstrecht der Beamten (Beamten-Dienstrechtsge­setz 1979 – BDG 1979) geändert wird (797/A)

Mag. Dr. Martin Graf, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über das Dienstrecht der Beamten (Beamten-Dienstrechtsge­setz 1979 – BDG 1979) geändert wird (798/A)

Mag. Dr. Martin Graf, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über das Dienstrecht der Landeslehrer (Landeslehrer-Dienstrechts­gesetz – LDG 1984) geändert wird (799/A)

Mag. Dr. Martin Graf, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über das Dienstrecht der Landeslehrer (Landeslehrer-Dienstrechts­gesetz – LDG 1984) geändert wird (800/A)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Erfassung ansteckender Krankheiten von Haftinsassen (801/A)(E)

Lutz Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem die Reisegebührenvorschrift 1955 geändert wird (802/A)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen betreffend Ausbezahlung einer Belohnung für während der EM 2008 eingesetzte Exekutivbeamte (803/A)(E)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verlässlichkeitsüberprüfung muslimischer Seelsorger in Justizanstalten (804/A)(E)

Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verpflegungsverordnung für Zivildiener (805/A)(E)

Mag. Ulrike Lunacek, Kolleginnen und Kollegen betreffend Menschenrechte in
China vor den Olympischen Spielen 2008 – Freilassung von Gewissensgefangenen
(806/A)(E)

Dr. Ruperta Lichtenecker, Kolleginnen und Kollegen betreffend geordnete Abfallwirt­schaft statt Wildwuchs von Müllverbrennungsanlagen (807/A)(E)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Gerechtigkeit bei der Bun­des-Mitfinanzierung von Öffi-Infrastruktur durch ein „Bundesgesetz zur Finanzierung von ÖPNV-Infrastruktur in städtischen Großräumen“ (808/A)(E)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Streifentickets als Angebote für Öffi-BenutzerInnen, die nicht an jedem Werktag unterwegs sind (809/A)(E)

Michaela Sburny, Kolleginnen und Kollegen betreffend Regulierung im Bereich der Nanotechnologie zur Minimierung von Risiken für Menschen, Umwelt und Wirtschaft (810/A)(E)

Michaela Sburny, Kolleginnen und Kollegen betreffend Regulierung im Bereich der Nanotechnologie zur Minimierung von Risiken für Menschen, Umwelt und Wirtschaft (811/A)(E)

Dr. Reinhold Mitterlehner, Dkfm. Dr. Hannes Bauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Ziviltechnikerkammergesetz 1993 geändert wird (812/A)


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 13

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen betreffend dringende Reform im Milch- und Lebensmittelsektor (813/A)(E)

Michaela Sburny, Kolleginnen und Kollegen betreffend Regulierung im Bereich der Nanotechnologie zur Minimierung von Risiken für Menschen, Umwelt und Wirtschaft (814/A)(E)

Michaela Sburny, Kolleginnen und Kollegen betreffend Regulierung im Bereich der Nanotechnologie zur Minimierung von Risiken für Menschen, Umwelt und Wirtschaft (815/A)(E)

Mag. Albert Steinhauser, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Strafgesetzbuch (StGB) geändert wird (816/A)

Mag. Albert Steinhauser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Reform des Schei­dungs- und Unterhaltsrechts (817/A)(E)

Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend Modernisierung des Eherechts (818/A)(E)

Michaela Sburny, Kolleginnen und Kollegen betreffend Regulierung im Bereich der Nanotechnologie zur Minimierung von Risiken für Menschen, Umwelt und Wirtschaft (819/A)(E)

Michaela Sburny, Kolleginnen und Kollegen betreffend Regulierung im Bereich der Nanotechnologie zur Minimierung von Risiken für Menschen, Umwelt und Wirtschaft (820/A)(E)

Michaela Sburny, Kolleginnen und Kollegen betreffend Regulierung im Bereich der Nanotechnologie zur Minimierung von Risiken für Menschen, Umwelt und Wirtschaft (821/A)(E)

Mag. Dr. Martin Graf, Kolleginnen und Kollegen betreffend Kollektivvertrag für Arbeit­nehmerinnen und Arbeitnehmer der Universitäten (822/A)(E)

Josef Bucher, Kollegin und Kollegen betreffend Rücknahme der MÖSt-Erhöhung (823/A)(E)

Herbert Scheibner, Kollegin und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Geschäftsordnungsgesetz 1975 geändert wird (824/A)

Johann Rädler, Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Kenn­zeichnungspflicht von verarbeiteten Eiern in Fertig- bzw. Eiprodukten und in der Gas­tronomie nach Herkunft und Haltungsform“ (825/A)(E)

Erwin Spindelberger, Johann Rädler, Sigisbert Dolinschek, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend Transparenz bei Internet-Roaming-Gebühren (826/A)(E)

Johann Rädler, Mag. Johann Maier, Sigisbert Dolinschek, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend Neufassung der europäischen Verordnung über Kosmetika (827/A)(E)

Johann Rädler, Mag. Johann Maier, Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kollegin­nen und Kollegen betreffend Kennzeichnung von Lebensmitteln (828/A)(E)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen betreffend transparente Regelungen im Zusammenhang mit Mehrwertdiensten (829/A)(E)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen betreffend Versammlungsgesetz (830/A)(E)


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 14

Sigisbert Dolinschek, Kollegin und Kollegen betreffend unbefristete Verlängerung der Langzeitversichertenregelung (Hacklerregelung) (831/A)(E)

Ursula Haubner und Kollegen betreffend Förderung und Ausbau der Tagesbetreuung (832/A)(E)

Ursula Haubner und Kollegen betreffend Erhöhung der Förderungen bei der 24-Stun­den-Betreuung durch selbständige Betreuungskräfte (833/A)(E)

Ing. Peter Westenthaler, Kollegin und Kollegen betreffend Anhebung des amtlichen Kilometergeldes (834/A)(E)

Ing. Peter Westenthaler, Kollegin und Kollegen betreffend Anhebung des amtlichen Kilometergeldes (835/A)(E)

Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein, Kolleginnen und Kollegen betreffend nationalen Gesundheitsgipfel zum Thema Gesundheitsreform (836/A)(E)

Dkfm. Dr. Günter Stummvoll, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Glücksspielgesetz geändert wird (837/A)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Adaptierungen, Ersatz- und Ausbauten von Kasernen im Zuge der Reform ÖBH 2010 (838/A)(E)

Anfragen der Abgeordneten

Dr. Eva Glawischnig-Piesczek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend schwere Informa­tionsdefizite nach Zwischenfall im AKW Krško und Versagen des Umweltministers in der Anti-Atompolitik (4530/J)

Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend ÖIAG, AUA und Dr. Peter Michaelis (4531/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend betreffend Leiharbeiter in den Kabinetten und Ministerien (4532/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend „Integration on Tour“ (4533/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend „Integration on Tour“ (4534/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres be­treffend „Weiße Elefanten“ in den Ministerien (4535/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend Rückkehr von D. ins Abwehramt (4536/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Rückkehr von D. ins Abwehramt (4537/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend betreffend tätliche Übergriffe durch sozialistische Vorfelderorganisationen (4538/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend „Wei­ße Elefanten“ in den Ministerien (4539/J)


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 15

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Frauen, Me­dien und öffentlichen Dienst betreffend „Weiße Elefanten“ in den Ministerien (4540/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten betreffend „Weiße Elefanten“ in den Ministerien (4541/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend „Weiße Elefanten“ in den Ministerien (4542/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend betreffend „Weiße Elefanten“ in den Ministerien (4543/J)

Wolfgang Zanger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres be­treffend Interventionen für den Sohn des Bürgermeisters von Lassnitz (4544/J)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend verwundete Justizwachebeamte und der Einsatz von Tasern (4545/J)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend Einsatzgruppe der Justizwache (4546/J)

Heinz-Christian Strache, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Ge­sundheit, Familie und Jugend betreffend Krankentransporte (4547/J)

Alois Gradauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betref­fend Rückzahlung von Lohnsteuerguthaben (4548/J)

Mag. Dr. Martin Graf, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Ausgaben für Veranstaltungen, Werbekampag­nen, Broschüren, Inseratenschaltungen und ähnliche öffentliche Darstellungen (4549/J)

Herbert Kickl, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz betreffend Mindestsicherung für „subsidiär Schutzberechtigte“ (4550/J)

Mag. Dr. Martin Graf, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unter­richt, Kunst und Kultur betreffend Ausgaben für Veranstaltungen, Werbekampagnen, Broschüren, Inseratenschaltungen und ähnliche öffentliche Darstellungen (4551/J)

Dr. Johannes Jarolim, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inne-
res betreffend die Anfragebeantwortung des Bundesministers für Inneres 3635/AB zu 3615/J, XXIII. GP, und weitere aufklärungsbedürftige Vorgänge im BMI betreffend
„N.N.“ (4552/J)

Dr. Johannes Jarolim, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend die Zustände in der Polizeiinspektion Praterstern (4553/J)

Wolfgang Großruck, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Lärmschutz an der A 8 im Bereich der Gemein­den Kematen/Innbach, Meggenhofen, Aistersheim, Weibern, Haag am Hausruck, Pram (4554/J)

Dr. Andrea Eder-Gitschthaler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz betreffend seine bisherigen Ausgaben für Kampag­nen und Öffentlichkeitsarbeit (4555/J)


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 16

Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wis­senschaft und Forschung betreffend Frauendiskriminierung bei Personalentscheidun­gen an Universitäten (4556/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend „Weiße Elefanten“ in den Ministerien (4557/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend „Weiße Elefanten“ in den Ministerien (4558/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend „Weiße Elefanten“ in den Ministerien (4559/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend „Weiße Elefanten“ in den Ministerien (4560/J)

Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Förderungswürdigkeit der Windischen (4561/J)

Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministe­rin für Frauen, Medien und öffentlichen Dienst betreffend Opferschutzeinrichtung „Inter­ventionsstelle“ (4562/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesvertei­digung betreffend „Weiße Elefanten“ in den Ministerien (4563/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend „Weiße Elefanten“ in den Mi­nisterien (4564/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betref­fend „Weiße Elefanten“ in den Ministerien (4565/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Anzeigen gegen Schlepperei (4566/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend illegales Glücksspiel in Oberösterreich (4567/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend illegales Glücksspiel in Oberösterreich (4568/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend illegales Glücksspiel in Oberösterreich (4569/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz betreffend „Weiße Elefanten“ in den Ministerien (4570/J)

Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Polizeiliches Vorgehen gegen Tierschutzaktivisten (4571/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend Terrordrohung und Blutkonserve (4572/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Terror­drohung und Blutkonserve (4573/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Frauen, Me­dien und öffentlichen Dienst betreffend Terrordrohung und Blutkonserve (4574/J)


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 17

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für europäi-
sche und internationale Angelegenheiten betreffend Terrordrohung und Blutkonserve (4575/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Terrordrohung und Blutkonserve (4576/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend betreffend Terrordrohung und Blutkonserve (4577/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betref­fend Terrordrohung und Blutkonserve (4578/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidi­gung betreffend Terrordrohung und Blutkonserve (4579/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Terrordrohung und Blutkon­serve (4580/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz betreffend Terrordrohung und Blutkonserve (4581/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend Terrordrohung und Blutkonserve (4582/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Inno­vation und Technologie betreffend Terrordrohung und Blutkonserve (4583/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Terrordrohung und Blutkonserve (4584/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend Terrordrohung und Blutkonserve (4585/J)

Petra Bayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirt­schaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Post Kyoto: Einrechnung der Bewirt­schaftung von Waldflächen (4586/J)

Dr. Johannes Jarolim, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend die Inhaftierung von Tierschutzaktivisten (4587/J)

Wolfgang Zanger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz betreffend Pensionskassengesetz (4588/J)

Dr. Johannes Jarolim, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend die Inhaftierung von Tierschutzaktivisten (4589/J)

Wolfgang Zanger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres be­treffend Schließung des Gendarmeriepostens Sinabelkirchen (4590/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung betreffend Erkundungsflüge der Eurofighter über den Stadien (4591/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend Zwangsernährung (4592/J)


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 18

Wolfgang Zanger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres be­treffend Polizeieinsatz gegen Hausbesetzer in Graz (4593/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Razzien gegen illegales Glücksspiel in Oberösterreich (4594/J)

Sigisbert Dolinschek, Kollegin und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Verbesserung der Arbeitschancen für ältere Arbeitnehmer (4595/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend Erlass zur Führung von Vertrauenspersonen (4596/J)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend Nichteinsatz von Tasern (4597/J)

Mag. Johann Maier, Dr. Kurt Grünewald, Mag. Dr. Martin Graf, Alexander Zach, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend „Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst an Johann Gran­der sen. – Aberkennungsverfahren“ (4598/J)


09.03.51


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 19

Beginn der Sitzung: 9.03 Uhr

Vorsitzende: Präsidentin Mag. Barbara Prammer, Zweiter Präsident Dr. Michael Spindelegger, Dritte Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek.

*****

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Guten Morgen, meine Damen und Herren! Ich eröffne die 63. Sitzung des Nationalrates.

Verhindert gemeldet sind die Abgeordneten Dobnigg, Hagenhofer, Muchitsch, Parni­goni, Stauber und Mag. Lunacek.

Vertretung von Mitgliedern der Bundesregierung

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Für diese Sitzung hat das Bundeskanzleramt über Vertretung von Mitgliedern der Bundesregierung folgende Mitteilung gemacht: Der Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit Dr. Martin Bartenstein wird durch die Staats­sekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit Christine Marek vertreten.

Ferner gebe ich die Vertretung von Mitgliedern der Bundesregierung, welche sich in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union aufhalten, wie folgt bekannt: Die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur Dr. Claudia Schmied wird durch die Bundesministerin für Frauen, Medien und öffentlichen Dienst Doris Bures und der Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie Werner Faymann durch die Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie Chris­ta Kranzl vertreten.

09.04.48Fragestunde

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gelangen nun zur Fragestunde.

Für die Fragestunde wurde folgender Modus vereinbart: Die Fragestellungen durch die Damen und Herren Abgeordneten werden von den Mikrophonen der jeweiligen Klubob­männer vorgenommen, die Beantwortung durch den Herrn Bundesminister vom Red­nerpult der Abgeordneten.

Für die Haupt- und Zusatzfragesteller jeder Fraktion ist jeweils eine Minute Redezeit vorgesehen. Die Beantwortung der Hauptfrage durch den Herrn Bundesminister soll 2 Minuten, jene der Zusatzfragen jeweils eine Minute betragen.

Zum näheren Procedere ein paar kurze Erläuterungen:

Zum einen, meine Damen und Herren, darf ich darauf aufmerksam machen, dass Sie jedenfalls auch die Frage in dieser einen Minute, die Ihnen zur Verfügung steht, zu for­mulieren haben. Sie werden 20 Sekunden vor Ihrem Redezeitende ein Glockensignal von mir hören; die rote Lampe wird nicht leuchten. Ich werde dann auch nach dieser einen Minute die Fragestellung zu beenden haben. Ich hoffe, dass nicht der Fall eintritt, dass bis dahin noch keine Frage gestellt wurde.

Zum anderen darf ich – da das heute ein Experiment ist, wir zum ersten Mal eine „neue“ Fragestunde abhalten – darauf hinweisen, dass die Fragen natürlich so gestellt werden sollen, dass der Herr Bundesminister auch die Möglichkeit hat, sie, was den Inhalt betrifft, in 2 Minuten beziehungsweise einer Minute zu beantworten. Auch darauf ersuche ich Rücksicht zu nehmen.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 20

Der Herr Bundesminister wird ebenfalls 20 Sekunden vor Redeende ein kurzes Glo­ckenzeichen von mir hören; das tatsächliche Ende wird an einem intensiven Glocken­zeichen zu erkennen sein.

Wir gehen nun in die Fragestunde ein.

Ich beginne jetzt – um 9.06 Uhr – mit dem Aufruf der Anfragen. Wir kommen zur 1. An­frage der Frau Abgeordneten Bayr. – Bitte, Frau Abgeordnete.

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft

 


Abgeordnete Petra Bayr (SPÖ): Guten Morgen, Frau Präsidentin! Herr Bundesminis­ter, ich würde gerne Folgendes von Ihnen wissen:

64/M

„Wie wollen Sie gewährleisten, dass beigemischter Agrosprit wirklich nachhaltig produ­ziert worden ist?“

Wir wissen aus allen uns zur Verfügung stehenden seriösen Studien, dass bei unse­rem hohen Beimischungsziel zwischen zwei Drittel und 95 Prozent des Agrosprits im­portiert werden müssen – importiert aus Entwicklungsländern wie zum Beispiel Indone­sien, wo hektarweise Torfe abgebrannt werden, um Flächen für Palmölgewinnung zu finden, was sowohl eine klimatechnische als auch eine biodiversitätstechnische Kata­strophe ist, weil dieses Palmöl einen zehnmal so großen CO2-Rucksack hat wie fossi­les; importiert zum Beispiel aus Brasilien, wo Subsistenzbauern und -bäuerinnen von ihren Ländereien vertrieben werden, keine Arbeit, kein Einkommen mehr haben, was eine menschenrechtliche Katastrophe ist –, und wir kennen den Konflikt zwischen Nah­rungsmitteln und Agrotreibstoffen der ersten Generation.

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Abgeordnete! Vorerst möchte ich sagen, ich freue mich, dass ich heute hier sozusagen Versuchskaninchen für eine neue Art der Fragestunde sein darf. Ich finde es auch spannend, hier vom Rednerpult aus sprechen zu dürfen, weil ich noch niemals Mitglied des Nationalrats war und das somit auch eine Premiere für mich ist. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Zur Frage Biosprit: Es ist tatsächlich eine zentrale Herausforderung, dass wir Biosprit­beimischung und die zweite Generation der Biosprittechnologie vorantreiben, auch in Europa vorantreiben. Das aber nur dann, wenn es uns gelingt, in internationalem Rah­men in der WTO – wir haben das auch im Zusammenhang mit den Klimaschutzverein­barungen in Bali andiskutiert und vor Kurzem auch bei der großen Biodiversitätskonfe­renz in Bonn – Nachhaltigkeitskriterien auf internationaler Ebene zu verankern. Das ist vorrangige Aufgabe.

Ich war gestern in Luxemburg beim Umweltministerrat. Auch dort stand diese Frage ganz oben auf der Tagesordnung. Hier darf Europa nicht locker lassen. Wir brauchen Nachhaltigkeitsstandards, ökologisch-soziale Kriterien zur Bemessung und zur Be­wertung von Biosprit und damit für den internationalen Transfer dieser Waren, weil wir kein Interesse daran haben können, dass Biosprit durch Brandrodung von Urwäldern in Brasilien oder Indonesien produziert wird. Das kann nicht das Ziel der Europäischen Union sein, ist es auch nicht, und deswegen sind wir federführend in dieser Debatte.

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zusatzfrage, Frau Abgeordnete Bayr? – Bitte.

 



Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 21

Abgeordnete Petra Bayr (SPÖ): Die europäischen Landwirtschaftsminister haben bei ihrer Sitzung in Slowenien im April, an der Sie auch teilgenommen haben, an dem Bei­mischungsziel festgehalten und gleichzeitig eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die eben diese Nachhaltigkeitszertifizierung in Gang setzen sollte. Diese Arbeitsgruppe hätte bis 7. Mai berichten sollen, aber es ist nirgendwo, auch nicht in der EU, ein Bericht dazu aufzufinden.

Mich würde interessieren, welche Maßnahmen Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen auf EU-Ebene setzen werden, damit es sehr schnell zu solch einem globalen System kommt und wir wirklich etwas haben, womit all diese menschenrechtlichen, sozialrecht­lichen, aber auch umweltmäßig großen Probleme vermieden werden können.

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Diese Arbeitsgruppe wurde tatsächlich auf der Ebene der Land­wirtschaftsminister eingerichtet, das greift aber zu wenig weit. Auch die Umweltminister haben darüber diskutiert, dass von der Europäischen Kommission ein kongruentes Bild erstellt werden soll, alle Facetten zusammengefasst: die Frage der klimatischen Aus­wirkungen, kommend aus der Umweltsicht, die Frage der Auswirkung auf die Nah­rungsmittelströme international und damit die Verankerung dieser Kriterien. Wir warten sowohl auf einen Vorschlag aus dieser Arbeitsgruppe, die in die Kommission einzu­speisen hat, als auch dann auf einen konsolidierten Vorschlag seitens der Europäi­schen Kommission. Das steht ganz oben auf der Agenda beider Ratsformationen und wird, wie ich hoffe, dann auch Thema dieses großen Klimaschutzpakets sein, das wir derzeit in der Europäischen Union intensiv miteinander diskutieren.

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Danke schön. – Zusatzfrage? – Herr Abgeord­neter Schultes, bitte.

 


Abgeordneter Ing. Hermann Schultes (ÖVP): Sehr geehrter Herr Bundesminister! Die Biotreibstoffproduktion in Österreich aus österreichischen Rohstoffen beginnt gera­de in Pischelsdorf, Alkohol wird produziert, und damit werden wir weniger abhängig von Importen. Wir haben auch die Möglichkeit, Eiweißfutter zu produzieren, das wir selbst herstellen, gentechnikfrei, und brauchen daher weniger Importe aus Brasilien. Dieser Treibstoff, der dort entsteht, wird Benzin ersetzen. Der Vorteil für den Autofahrer wird sein, dass SuperEthanol auch billiger sein wird.

Welche Vorteile, Herr Bundesminister, bringen diese Maßnahmen für den Klima­schutz?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Zum Thema Wirksamkeit der Biospritbeimischung auf die Kli­mastatistik in Österreich: Diese ist ablesbar an der Bilanz des Jahres 2006, wo im zentralen Problembereich des Klimaschutzes, in der Mobilität im Verkehrsbereich, bis jetzt eine einzige Maßnahme, nämlich im Jahr 2006, wirklich gegriffen hat: Die Bei­mischung von Biosprit von zirka 4 bis 5 Prozent führte zu minus einer Million Tonnen CO2! Wenn wir 10 Prozent realisieren – und wir wollen das in der Beimischung tun –, werden das 2 Millionen Tonnen CO2 für die Klimabilanz Österreichs sein.

Zur Frage der Reststoffe aus der Biospritproduktion als Ersatz für Gensoja in der Fütte­rung. – Ist so, deshalb macht es auch Sinn, auf diese Strategie zu setzen. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zusatzfrage? – Herr Klubobmann Ing. Westen­thaler, bitte.

 



Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 22

Abgeordneter Ing. Peter Westenthaler (BZÖ): Schönen guten Morgen, Herr Minister. Auch für mich ist es eine Premiere: Erstmals steht das BZÖ eine Stufe höher als alle anderen Parteien. Das ist aber nicht meine Schuld, sondern eine Regieanweisung des Hauses. Macht sich aber nicht so schlecht, finde ich. (Heiterkeit.)

Meine Frage an Sie, Herr Minister: Der Spritverbrauch steht immer im Spannungsfeld zwischen Umweltbelastung und Einsparungen. Jetzt kommt wieder die Urlaubszeit für die Österreicher, die Ferien stehen vor der Tür, viele Österreicher haben Flugreisen gebucht. Sie selbst haben am 5. März 2007 den Österreichern öffentlich empfohlen, sie sollen der Umwelt zuliebe auf Fernreisen mit Flugzeugen verzichten. Jetzt hat aber leider eine parlamentarische Anfrage ergeben, dass gerade Sie, Herr Minister Pröll, im vergangenen Jahr die meisten Flugmeilen aller Regierungsmitglieder verbraucht ha­ben, nämlich 67 795. Sie haben somit 22 Tonnen CO2-Emissionen verflogen, Herr Mi­nister. – Empfehlen Sie den Österreichern noch immer, auf Flugreisen zu verzichten, obwohl Sie sich selbst nicht daran halten?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Herr Abgeordneter Westenthaler, Sie hätten sich, obwohl Sie eine Stufe höher stehen, mit dem Thema intensiver auseinandersetzen sollen. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Woher kommen meine Flugmeilen? Von der Reise nach Bali zur Klimaschutzkonfe­renz. Ein Drittel der Flugreisen des Ressorts gehen auf das Konto dieser Reise. Hätte ich zu Hause bleiben sollen von dieser wichtigen Klimaschutzkonferenz, wo wir sehr intensiv verhandelt haben? Das ist die Realität: Kampf für Klimaschutz, und deswegen der Flug nach Bali!

Sonst, meine sehr geehrten Damen und Herren, appelliere ich nach wie vor, im per­sönlichen Verhalten sorgsam mit der Realität umzugehen, dass wir alle durch unser Verhalten, etwa im Bereich Mobilität, Einkaufsverhalten, etwas zum Klimaschutz beitra­gen können. Nicht mehr und nicht weniger! Es ist ein Appell, keine Verpflichtung; ein Appell, darüber nachzudenken, und das hat offensichtlich gewirkt. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Klement, bitte.

 


Abgeordneter Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS (FPÖ): Herr Bundesminister! Bio­sprit aus Soja verursacht laut Gesamtbilanzen eine zweihundertfache Mehrbelastung an CO2. Bei Biosprit aus Palmöl erfolgt sogar eine vierhundertfache Mehrbelastung. Es ist also, abgesehen von den Lebensmitteldiskussionen, immer noch sinnvoll, ange­sichts solcher CO2-Gesamtbilanzen bei Biosprit zu bleiben? Ich denke, das ist eine große Belastung für die Umwelt, und wenn wir erkennen müssen, dass der Biosprit nicht die richtige Option ist, wäre es vielleicht besser – auch Sie als Umweltminister können dazu beitragen –, auf völlig andere Technologien umzusteigen.

Oder, und es ist notwendig, diese Frage zu stellen: Betreiben Sie eventuell Klientelpoli­tik, um nachweislich nicht rentable Werke wie Enns weiterhin zu fördern? Ich denke, das kann nicht dafür stehen, eine falsche Umweltpolitik fortzusetzen.

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Herr Abgeordneter Klement, wie schon gesagt, die Biospritbei­mischung in Österreich war bis jetzt und ist bis jetzt das einzig wirksame Mittel, im Ver-


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 23

kehrsbereich tatsächlich CO2 zu reduzieren. Ich kann Ihre Daten überhaupt nicht nach­vollziehen. Wenn man sich in Europa umschaut und sich damit beschäftigt, weiß man, dass die Beimischung von Biosprit in Europa nur 1 bis 2 Prozent der Agrarfläche Euro­pas verbraucht. Dass Brasilien 50, 60 Prozent des eigenen fossilen Aufkommens durch Biosprit ersetzt und dafür Brandrodung betreibt, ist nicht die Verantwortung der Euro­päischen Union. In Brasilien wurde schon beigemischt, da haben wir noch nicht einmal gewusst, wie man das Wort „Biosprit“ buchstabiert. – Das ist die Realität, und deshalb müssen wir international dafür sorgen, dass es klare Transparenz und Vorgaben gibt. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Eine weitere Zusatzfrage stellt Herr Abgeordne­ter Dr. Pirklhuber. – Bitte.

 


Abgeordneter Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber (Grüne): Meine Damen und Her­ren! Herr Bundesminister! Eines ist klar: Biosprit ist ein Etikettenschwindel! Wir können maximal davon sprechen, dass es Agrotreibstoffe sind. – Das ist einmal ein Punkt.

Wann werden Sie endlich davon abgehen, die überzogenen Beimischungsziele in Ös­terreich aufrechtzuerhalten? 10 Prozent bis zum Jahr 2010, das geht über den Wert der Europäischen Union hinaus. Wir fordern Sie auf, endlich diese Ziele zurückzuneh­men.

Die Argumente, die Sie bringen, sind einfach nicht richtig. Der Chemie-Nobelpreis­träger Crutzen hat klargemacht, dass die Treibhausgas-Einsparungswirkung mehr als kompensiert wird durch höhere Lachgasemissionen. Das ist ein wesentlicher Punkt.

Ein ökonomisches Desaster haben wir bei der Biodieselanlage in Enns gesehen. Die ist bereits in Konkurs, Herr Bundesminister.

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Herr Abgeordneter Pirklhuber, auch durch das Wiederholen werden falsche Argumente nicht richtiger! Das ist ein Grundsatz, der auch in dieser Frage gilt. (Beifall bei der ÖVP.)

Wir haben in Österreich und in Europa die Stilllegung auf null zurückgedreht. Allein diese Fläche gibt uns das Potenzial, Biotreibstoff zu erzeugen.

Im Übrigen, eine politische Antwort: Die Grünen träumen vom Ausstieg aus der fossilen Energie und haben vorgeschlagen – ich glaube, 2006 anlässlich der letzten Wahlbewe­gung –, man müsse massiv in die Biospritoffensive gehen. Wir tun das! Nicht so ambi­tioniert wie Sie, das wäre zu viel, aber 10 Prozent sind realistisch und die richtige Ant­wort. Damit können wir die Nahrungsmittelbilanz und die Biotreibstoffbilanz ausbalan­cieren. Das wollen wir tun, und diesen Weg werden wir gehen. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gelangen zur 2. Anfrage, 60/M, des Herrn Abgeordneten Praßl. – Bitte.

 


Abgeordneter Michael Praßl (ÖVP): Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundes­minister! Meine Damen und Herren! Im Zuge der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik wurde vereinbart, dass wir im Jahr 2008 eine Halbzeitbewertung durchführen sollten. Ziel dieser Halbzeitbewertung: eine Überprüfung und auch allfällige Korrekturen letzt­endlich auch von Märkten, Systemen und Instrumenten vorzunehmen. Ich glaube aber, Herr Minister, Ziel muss es auch sein, die Planungssicherheit für unsere Bauern zu gewährleisten, und es gibt keinen besseren Garanten dafür als Sie, Herr Bundesminis­ter, das zu machen. Meine Frage daher:


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 24

60/M

„Was sind aus der Sicht Ihres Ressorts die wesentlichen Elemente der von der Euro­päischen Kommission am 20. Mai 2008 beschlossenen Legislativvorschläge zum Health Check?“

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Herr Abgeordneter! Die Frage der Überarbeitung der europäi­schen Agrarpolitik oder, sagen wir besser, der logischen Weiterentwicklung mit diesem Gesundheits-Check hat einige Eckpunkte, die sehr gut für uns ausschauen, und man­che, wo noch Verbesserungsbedarf besteht.

Wir können akzeptieren, dass wir nicht gezwungen werden, nämlich im Sinne der Si­cherheit für die Bäuerinnen und Bauern in Österreich, frühzeitig das Ausgleichszah­lungsmodell zu ändern. Die Sicherheit ist bis 2013 gegeben. Dafür haben wir gekämpft, steht jetzt so in den Vorschlägen.

Es ist auch seitens der Europäischen Union geplant, Ausgleichszahlungen für Bauern zu kürzen, und zwar bis zu 13 Prozent; bei größeren Betrieben noch deutlich höher. Ich bekenne mich dazu, dass die Größendegression auch für größere Betriebe greifen muss.

Aber die Kürzung ist insgesamt zu hoch! Gerade in sensiblen Zeiten, wie wir sie mo­mentan auf den agrarischen Märkten erleben, die ausschlagen und sich sehr dyna­misch bewegen, brauchen wir Sicherheit in der Höhe der Ausgleichszahlungen. Da gibt es noch etliches zu verhandeln und zu besprechen, aber da sind wir auf dem richtigen Weg.

Und der dritte große Punkt beim Gesundheits-Check ist die Frage: Wie geht es mit dem Milchstandort Österreich und Europa weiter? Der Kampf für ein Mengenregime ist nach wie vor vorrangiges Ziel, gleichzeitig ist es aber auch das Ziel von mir in den Ver­handlungen, Geld für flankierende Maßnahmen zu bekommen und flankierende Maß­nahmen in Europa zu definieren, damit die Milchbauern in Österreich an den benach­teiligten Standorten und Strukturen erfolgreich wirtschaften können. Das ist unsere Aufgabe: Nicht Aktionismus, sondern verhandeln und dafür kämpfen in Österreich, in Europa – und das tun wir! (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Praßl, bitte.

 


Abgeordneter Michael Praßl (ÖVP): Herr Bundesminister! Meine Zusatzfrage richtet sich auch auf diesen Bereich Quotenerhöhung, Quotenregelung. Ich möchte hier nur ein Zitat von unserem obersten Konsumentenschutzminister Buchinger bringen, der am 18. März 2008 im „Kurier“ wie folgt zitiert wird: Die Erhöhung der Quote ist wegen der hohen Inflation dringend geboten. – Zitatende.

Zum Zweiten: Auch die Arbeiterkammer fordert für die Bekämpfung der Inflation schnelle Maßnahmen, da die Landwirte ja quasi als Preistreiber dargestellt wurden. – Wir sind nicht die Preistreiber in der Lebensmittelindustrie, das wissen wir ganz genau!

Meine Zusatzfrage, Herr Bundesminister: Welche Auswirkungen wird die von der EU vorgeschlagene schrittweise Quotenerhöhung auf die österreichischen Berggebiete und die übrigen benachteiligten Gebiete mit sich bringen?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Herr Abgeordneter! Zum Ersten: Man kann ja von einem Kon-


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sumentenschutzminister nicht verlangen, dass er sich in allen komplexen Details der Agrarpolitik immer auskennt. (Heiterkeit bei Abgeordneten von ÖVP und FPÖ.) Aber es ist deshalb wichtig, auch klar hier Stellung zu beziehen. Warum? – Weil natürlich die Frage war – und das war von vielen in diesem Hohen Haus, Sozialdemokraten, aber auch anderen, immer wieder auch angepeilt worden –, die Quote zu erhöhen in Euro­pa, was zu mehr Menge und geringerem Preis bei den Bäuerinnen und Bauern führt.

Wenn man sich die letzten Tage anschaut und sieht, dass auf einmal ganz neue Allianzen versucht werden, dann muss man das wieder auf den Boden der Realität zu­rückbringen. Diejenigen, die für die Aushöhlung der Milchquote und für die Aushöhlung des Milchstandortes waren, machen sich jetzt breit beim Aktionismus. Nur: Das wird zu keinem Erfolg führen, und das sieht man ja auch. (Präsidentin Mag. Prammer gibt das Glockenzeichen.)

Deswegen werden wir in Brüssel dafür kämpfen, die Milchquote zu verlängern und genug Geld für flankierende Maßnahmen zu holen, um den Bauern wirklich helfen zu können und den Markt zu stabilisieren. Das ist vorrangiges Ziel! (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Weitere Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Dolinschek, bitte.

 


Abgeordneter Sigisbert Dolinschek (BZÖ): Guten Morgen, Herr Bundesminister! Neu in der europäischen Agrarpolitik sind die Cross Compliance-Bestimmungen, die ja vorsehen, dass es den einzelnen Mitgliedstaaten freisteht, bei geringen Verstößen, wie zum Beispiel, zu spät gedüngt zu haben und so weiter, auf Sanktionen und Kürzungen zu verzichten.

Können Sie sich vorstellen, dass in Österreich bei Verstößen gegen die Cross Com­pliance-Bestimmungen bis zu einer Grenze von 500 € auf Kürzungen und Sanktionen verzichtet wird?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Da muss man auch mit einem Irrtum aufräumen: Cross Com­pliance ist nicht die Erfindung von neuen Gesetzen und Vorgaben für die Landwirt­schaft, sondern ist die Verknüpfung der Ausgleichszahlungsfähigkeit mit der Einhaltung der nationalen und europäischen Gesetze. Das ist neu, aber konsequent.

Der zweite Punkt – und das wollen wir tun –: Wir wollen in der Europäischen Union Ba­gatellgrenzen verhandeln, bis zu 100 € ist jetzt das Thema. Das haben wir auch be­schlossen mit dem Gesundheits-Check; ein entsprechender Vorschlag liegt vor. Mir ist jede höhere Grenze recht. Wir haben dafür wenig Verständnis bei unseren Partnern gefunden, aber wir kämpfen dafür: um mehr Freiraum für die Bauern, wenn es um Ba­gatellgrenzen beim Verstoß gegen einzelne Maßnahmen geht, um die Ausgleichs­zahlungen nicht zu gefährden. Das ist Verhandlungslinie und wird im Herbst unter französischer Präsidentschaft auch entsprechend zu finalisieren sein. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Weitere Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Klement, bitte.

 


Abgeordneter Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS (FPÖ): Herr Minister, ich hake hier nach bei der Cross Compliance. Heute braucht der Landwirt ja schon juristischen Beistand, um in diesem Förderdschungel, in diesem Bürokratiedschungel überhaupt überleben zu können. Wir wissen, dass der EU-Beitritt nachweislich eine überbordende Bürokratie mit sich gebracht hat – ich zitiere aus einem Bericht Ihres Ministeriums –: Nicht nur die budgetären und finanziellen Abhängigkeiten der Bauern von der Agrarver-


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waltung haben enorm zugenommen, sondern auch das öffentliche Kontrollsystem per se hat die Abhängigkeit und Fremdbestimmung der Bauern erheblich erhöht.

Sie haben uns im Ausschuss versprochen, dass Sie diese Cross Compliance-Bestim­mungen zurückdrängen werden. Eine Grenze von 100 € ist also wirklich keine Grenze, von der man sinnvollerweise ausgehen kann. Was werden Sie tun, um den Bauern in dieser überbordenden Bürokratie zu helfen, um den österreichischen Landwirten ein vernünftiges Arbeiten zu ermöglichen?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Herr Abgeordneter, man muss dazu natürlich das Thema ver­dichten. Wir haben in Österreich Ausgleichszahlungen für die Bäuerinnen und Bau­ern – und die haben sich das auch verdient! – in einer Höhe wie in keinem anderen Land der Europäischen Union, weil wir einen hohen Anteil an Berg-, an Grünlandbau­ern haben, an benachteiligte Lagen. Und dafür verlangt die Europäische Union in die­sen komplexen Programmen, weil wir möglichst viel Geld auf die Höfe bringen wollen, Kontrollmechanismen, Cross Compliance-Mechanismen. Mein Ziel ist es, diese Ba­lance zu finden zwischen möglichst viel Ausgleichszahlung, wenn möglich bestplatziert zwischen Biolandwirtschaft, konventionellen Berg- und Talbauern, und einer Reduktion der Bürokratie.

Aber in der logischen Konsequenz, die Sie anführen, heißt null Bürokratie null Aus­gleichszahlung. Und das kann es nicht sein! Weniger Bürokratie bei gleichen Aus­gleichszahlungshöhen, dafür kämpfe ich, und das werden wir auch bei den Verhand­lungen im Herbst aktiv einbringen. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Weitere Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Dr. Pirklhuber, bitte.

 


Abgeordneter Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber (Grüne): Herr Bundesminister, aber die Verteilungsgerechtigkeit der Agrarförderungen ist nicht gegeben. Das wissen Sie genauso wie ich. Die EU-Kommissarin Fischer Boel hat den Mitgliedstaaten die Möglichkeit eröffnet, das historische Betriebsprämienmodell, das ungerecht ist, das zu massiven ungerechten Verteilungen von Betriebsprämien geführt hat, zu korrigieren. Sie wissen es, wir haben diese Möglichkeit.

Und was den Milchquotenbereich angeht: Da sind Sie ja richtigerweise, so wie das ös­terreichische Parlament, gegen die Aufstockung der Milchquote eingetreten. Und hier hat die Kommissarin jetzt klargestellt, die Länder müssen diese 2 Prozent-Quote nicht verteilen. Wir können sie im Härtefonds belassen, und das würde den Erzeugermilch­preis stabilisieren.

Daher meine Frage an Sie, Herr Bundesminister: Werden Sie von diesen Möglichkei­ten einer gerechteren Agrarpolitik, die im neuen Health Check gegeben sind, Gebrauch machen?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Herr Abgeordneter! Österreichs Agrarpolitik, gemacht vor allem auch von führenden ÖVP-Politikern in diesem Ressort, war immer von Gerechtigkeit und fairem Ausgleich geprägt. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Pirklhuber: Das schau’ ich mir aber an!)

Das sieht man auch in den Einkommensstatistiken, wenn Sie die Flächenverteilung ge­rade in den benachteiligten Gebieten genauer betrachten. Und wenn Sie sich die Ent-


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wicklung der Bio-Landwirtschaft anschauen: Diese ist durch agrarpolitische Steuerung auch ganz stark unterstützt.

In der Frage der Milch gibt es wenige Politikerinnen und Politiker in der Europäischen Union, die so massiv für die Verlängerung der Milchquote und gegen die Aufstockung der europäischen Milchquote eingetreten sind, wie ich es tat und nach wie vor tue. Und das werden wir auch fortsetzen. Klar ist aber: Wenn aufgestockt wird, weil wir eine Nie­derlage bei der Abstimmung erlitten haben, werde ich den Bauern in Österreich diese Aufstockungsmengen nicht vorenthalten zur Einkommensbildung.

Wir haben einen Milchpreis in Österreich, der „top“ liegt in der Europäischen Union, besser ist als bei unseren Nachbarn, und darauf sollten wir stolz sein und es nicht im­mer kleinreden. Wichtig ist nur, jetzt den Preis stabil zu halten und mit voller Kraft dafür zu sorgen, dass der Preis steigt – durch Verhandlungen in der Europäischen Union und mit der betroffenen Branche, und das werde ich tun! (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Weitere Zusatzfrage? – Frau Abgeordnete Bin­der-Maier, bitte.

 


Abgeordnete Gabriele Binder-Maier (SPÖ): Herr Bundesminister! Der Blick muss in die Zukunft gerichtet werden. Wir Sozialdemokraten legen darauf Wert, dass weiterhin die Bäuerinnen und Bauern in Österreich unterstützt werden.

Meine Frage an Sie: Welche Überlegungen gibt es Ihrerseits nach Auslaufen der För­derprogramme 2013? Gibt es jetzt schon Ideen beziehungsweise Überlegungen?

Zum Zweiten: Wann wird Arbeitsbeginn sein, um diese Programme für die Bäuerinnen und Bauern zu entwickeln?

Und ein letzter Punkt, der mich persönlich sehr interessiert: Wird auch das Parlament aktiv in diese Überlegungen und in diese Arbeitsschwerpunkte einbezogen? (Abg. Ing. Westenthaler: Das sind drei Fragen!)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Sehr geehrte Frau Abgeordnete! Das Parlament wird von mir und von uns immer aktiv in die Vorbereitungsarbeiten für so große Weichenstellungen eingebunden. Wir haben immer sehr intensive Diskussionen im Landwirtschaftsaus­schuss gehabt, auch verschiedene Runden informeller Natur, nicht nur mit dem Koali­tionspartner, sondern auch darüber hinaus in der letzten Zeit.

Es freut mich sehr, dass die Sozialdemokraten für die Zukunft ein Bekenntnis zum Bauernstand abgeben. Das ist ja eine neue Qualität (Zwischenrufe bei der SPÖ), und ich hoffe, dass wir uns dann auf die Sozialdemokraten in ganz Europa verlassen kön­nen, wenn es darum geht, Zukunft für die Bäuerinnen und Bauern zu gestalten. Da sind wir gemeinsam mit demselben Ziel unterwegs, und das wird sich dann auch aus­zahlen, wenn wir diese Linie gemeinsam halten – nicht nur hier, nicht nur in den Be­kenntnissen, sondern auch bei den Verhandlungen um Finanzrahmen und agrarpoli­tische Strukturen in der Europäischen Union. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gelangen nun zur 3. Anfrage, 69/M, der Frau Abgeordneten Dr. Lichtenecker. – Bitte.

 


Abgeordnete Dr. Ruperta Lichtenecker (Grüne): Herr Bundesminister! Das Melker Abkommen ist das einzige rechtsverbindliche Mittel, das Österreich hat, damit die mas­siven Sicherheitsmängel im AKW Temelín behoben werden.

Bei der letzten Temelín-Kommission hat Minister Svoboda erklärt, dass das Melker Ab­kommen für die Tschechische Republik nicht rechtsverbindlich sei. Es ist längst an der


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Zeit, dass die österreichische Regierung klarstellt, dass es rechtsverbindlich ist. Das ist weder von Ihnen, Herr Umweltminister, noch von Bundeskanzler Gusenbauer erfolgt.

Wir Grünen haben bis zuletzt intensiv und konstruktiv in der Temelín-Kommission mit­gearbeitet, nur: Unter diesen Umständen macht die Weiterarbeit auch der Kommission keinen Sinn. Daher meine Frage:

69/M

„Was werden Sie unternehmen, damit der Melker Prozess, der eine völkerrechtlich ver­bindliche Behebung der Mängel des AKW Temelín vorsieht, nicht – wie von Tsche­chien angekündigt – bei der am kommenden Montag tagenden interparlamentarischen Temelín-Kommission beendet wird?“

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Sehr geehrte Frau Abgeordnete! Die Frage Temelín und der Umgang mit dem Melker Prozess und mit der Brüsseler Vereinbarung, um es auch im Detail zu sagen, zeigt eines klar und deutlich: Dieser Weg der Kommunikation zwi­schen der Tschechischen Republik und Österreich im Rahmen dieses Melker Pro­zesses und auch im Bereich der Vereinbarung von Brüssel ist alternativlos. Wir haben diesen Prozess implementiert, und wir wissen über kein anderes Atomkraftwerk so viel Bescheid wie über Temelín. Wir haben mit keinem anderen Partner so eine enge Be­ziehung in der Frage der Sicherheit auch für Österreichs Bevölkerung wie im Anlassfall Temelín.

Was ich überhaupt nicht verstehen kann – und das muss ich jetzt zurückgeben –, ist die Tatsache, dass der Herr Bundeskanzler eine eigene Expertenkommission, eine parlamentarische Kommission, angeregt und jetzt auch umgesetzt hat, um diese Frage Melker Prozess zu stützen und zu unterstützen, und kaum laufen hier die Gespräche an, ziehen sich die Grünen aus dieser Gruppe zurück! Gesprächsverweigerung, Frau Abgeordnete, Gesprächsverweigerung in dieser Frage wird uns nicht zum gemeinsa­men Ziel führen.

Machen Sie mit, bringen Sie sich ein, sorgen Sie dafür, gemeinsam mit allen parlamen­tarischen Parteien in dieser bilateralen Gruppe, dass es ein Erfolg wird! Wer sich ver­abschiedet, der darf sich nicht aufregen. (Rufe bei den Grünen: Antwort!)

Das ist etwas, was ich nicht verstehen kann, und da appelliere ich an Sie, an den Ver­handlungstisch zurückzukommen, die Gruppe mitzuprägen (Abg. Dr. Van der Bellen: Das ist keine Antwort!), auch Einfluss auf die Tschechische Republik zu nehmen, dass der Melker Prozess auf Punkt und Beistrich erfüllt wird. Wir und ich arbeiten dafür (Abg. Dr. Graf: Aber erfolglos!), und wir sind auf gutem Wege. Und wir lassen uns von diesem Weg auch nicht abbringen! (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zusatzfrage? – Frau Abgeordnete Dr. Lichten­ecker, bitte.

 


Abgeordnete Dr. Ruperta Lichtenecker (Grüne): Frau Präsidentin! Ich mache darauf aufmerksam, dass das keine Antwort auf die von mir gestellte Frage war. – Erstens.

Zweitens ist die Arbeit der interparlamentarischen Temelín-Kommission in Bezug auf die Informationen wichtig gewesen. Nur ist ganz klar, dass es unter den Voraussetzun­gen, dass diese Regierung und Sie nicht klarstellen, dass es völkerrechtlich verbindlich ist, keinen Sinn macht.


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Und jetzt noch einmal die Frage: Ist für Sie das Melker Abkommen völkerrechtlich ver­bindlich? Und: Was wird am Montag geschehen? Wird es weiterhin das Melker Abkom­men in dieser Form geben, genau so, mit dieser Rechtsverbindlichkeit?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Sehr geehrte Frau Abgeordnete! Für uns ist die Frage der völ­kerrechtlichen Verbindlichkeit klar mit ja zu beantworten. Nur wissen Sie ganz genau, dass die Tschechische Republik die Frage des Rechtsstandes nicht nur in der Frage Temelín bezüglich der Anerkennung der völkerrechtlichen Verbindlichkeit anders sieht, sondern generell vor dem Völkerrecht. Und das ist die Herausforderung, die wir haben, und da gibt es zwei unterschiedliche Zugänge.

Dass Sie nicht wissen, was am Montag in der interparlamentarischen Kommission ge­sprochen wird, ist mir klar, weil Sie nicht mehr daran teilnehmen. Das ist ja genau das Problem! Setzen Sie sich hin und kämpfen Sie für all die Themen, die Sie hier vor den Fernsehschirmen postulieren, aber dann in den Verhandlungen nicht einbringen wol­len. Und das ist ein bisschen billig, muss ich ganz ehrlich sagen, in so einer zentralen, sensiblen Frage. (Abg. Sburny: Das ist blanke Polemik, was Sie machen!)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Weitere Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Schopf, bitte.

 


Abgeordneter Walter Schopf (SPÖ): Meine Damen und Herren! Ich bleibe natürlich beim Thema Atomenergie. Es ist ja nicht nur die Mühlviertler Bevölkerung wegen des Atomkraftwerks in Temelín verunsichert, sondern natürlich auch die Bevölkerung in Kärnten auf Grund der Situation in Slowenien, im Atomkraftwerk Krško.

Herr Minister, meine konkrete Frage: Was ist eigentlich in Slowenien im Atomkraftwerk passiert? Und die zweite Frage: Wie und worüber und wann sind Sie ganz konkret in­formiert worden?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Zur Frage des Zwischenfalls im AKW Krško sei eines klar und deutlich festgestellt: Ich war gestern in Luxemburg, und wir haben auch unverzüglich reagiert. Die Informationspolitik seitens der slowenischen Behörden ist nicht zufrie­denstellend. Warum? – Weil nach Brüssel ein Zwischenfall für das europäische Alarm­netz wegen grenzüberschreitender Gefährdung gemeldet wurde, und gleichzeitig – das war um 18 Uhr, und ab 18 Uhr ist die Informationswelle losgegangen, 18.39 Uhr, 18.49 Uhr – das österreichische Innenministerium informiert wurde, es sei nur eine Übung. Ich habe diesen Zettel auch heute hier mitgebracht, wo uns die Übung (das betreffende Papier vorweisend), „Exercise“ steht hier, mitgeteilt wurde, und damit war für uns und für die Behörden in Österreich nichts mehr zu erledigen. (Präsidentin Mag. Prammer gibt das Glockenzeichen.)

Ich bin froh darüber, dass dort nichts passiert ist, was Schaden für die Umwelt und für die Menschen bedeutet hätte, dass das innerhalb des AKW geblieben ist, aber – und das habe ich dem slowenischen Minister gestern gesagt – dieses Informationswirrwarr muss ein Ende haben! Da hat die Slowenische Republik – das habe ich auch mit einem Brief unterstrichen – Erklärungsbedarf, und das werden wir auch gemeinsam er­örtern.

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Danke. – Weitere Zusatzfrage? – Herr Abgeord­neter Kapeller, bit


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 30

te.

 


Abgeordneter Ing. Norbert Kapeller (ÖVP): Sehr geehrter Herr Minister! Als Mitglied der Temelín-Kommission weiß ich um die Rolle der Grünen und der Freiheitlichen Par­tei. Beide sind aus rein parteipolitischer Motivation aus diesem Prozess vorzeitig aus­gestiegen (Abg. Strache: Das ist eine Unterstellung! So ein Unsinn! Sie pflanzen die Leute nur in dem Bereich! Das ist doch ein Schwachsinn, was Sie da sagen!) und haben damit die Position Österreichs wissentlich geschwächt. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Strache: So ein Blödsinn!)

Andererseits zeigt aber der Vorfall in Slowenien ganz deutlich, dass Sicherheit nur durch Miteinander-Reden und Miteinander-Verhandeln gewährleistet wird. Gerade jetzt, wo die Atomenergie weltweit Renaissance feiert, ist klar, dass der österreichische atomfreie Weg der richtige, wichtige und zukunftsträchtigere ist. Sie, Herr Bundes­minister, sind für diesen Weg der Nachhaltigkeit und der Sicherheit Garant, und dafür möchte ich mich auch herzlichst bedanken (Beifall des Abg. Grillitsch) und meine Frage daran anschließen: Wie sehen Sie die Diskussion zur Renaissance der Atom­energie auf europäischer Ebene?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Es gibt zugegebenermaßen leider mehrere Länder, die sich vor­stellen können, in Europa wieder offensiv auf die Atomkraft zu setzen. Die Finnen bau­en einen Reaktor, andere beginnen mit der Planung. Das kann nicht unser Weg sein, und ich werde in allen Gremien, in denen ich auch Verantwortung trage in der Euro­päischen Union, in den Ratssitzungen, konsequent gemeinsam mit den Regierungs­kollegen aus Österreich gegen Atomkraft und die Renaissance der Atomkraft auftreten, weil die Vorfälle auch gerade anfangs dieser Woche zeigen: Es gibt die hundertpro­zentige Sicherheit nicht, Atomkraft ist nicht nachhaltig!

Wir tun das in den Gremien, wir verhandeln und kämpfen. Andere verabschieden sich aus den Gremien (Präsidentin Mag. Prammer gibt das Glockenzeichen), und das halte ich aus Gründen auch der Darstellung und der Konsequenz Österreichs gegenüber zum Beispiel Tschechien für den falschen Ansatz, den falschen Weg. Deswegen: Kämpfen gegen die Atomkraft in den Gremien, hart verhandeln, klarmachen, worum es geht! Nur so kann es gehen. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Weitere Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Schalle, bitte.

 


Abgeordneter Veit Schalle (BZÖ): Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! In Temelín gibt es, wie wir wissen, nach wie vor laufend Störfälle, auch wenn das in den Medien nicht mehr berichtet wird. Das BZÖ hat sich trotzdem in der Kommission und in den bilateralen Verhandlungen mit Tschechien eingebracht. Wir hören, es soll am Mon­tag eine unverbindliche Vereinbarung geben, um den Temelín-Prozess oder das Ab­kommen zu beschleunigen.

Ich frage Sie: Warum haben Sie sich bis heute nicht für das Setzen völkerrechtlicher Schritte gegen die Republik Tschechien ausgesprochen, obwohl das eindeutig im Mel­ker Abkommen steht?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Der Frage, was am Montag das Ergebnis der interparlamentari­schen Diskussion sein wird, kann ich jetzt nicht vorgreifen, weil es ja an den Parlamen­tariern und den Vertretern beider Länder dort liegt, die Schlussfolgerungen zu ziehen und zu bewerten, um politische Notwendigkeiten zu definieren.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 31

Ich sage nur – und das hat immer gegolten in diesem sehr, sehr schwierigen, an­spruchsvollen Prozess mit der Tschechischen Republik um die Sicherheit des AKW Temelín –: Meine Experten werden Tag und Nacht zur Verfügung stehen, um diese Frage der Schlussfolgerungen zu bewerten, auszuwerten, Unterstützungsarbeit zu leis­ten. Ich bin selbst nicht Teil dieser parlamentarischen Kommission, aber wir sind auf Ministerebene unterwegs, um diesen Prozess weiter zu führen. Jetzt liegt es einmal bei dieser Kommission, und ich warte gespannt auf die Ergebnisse des kommenden Mon­tags.

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Weitere Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Neubauer, bitte.

 


Abgeordneter Werner Neubauer (FPÖ): Sehr geehrter Herr Bundesminister! Ich hof­fe, Sie haben gut schlafen können trotz der atomaren Bedrohung, der Österreich durch das Atomkraftwerk Krško und auch durch die massiven Störfälle in Temelín immer wieder ausgesetzt ist.

Ich möchte darauf zurückkommen, was der Kollege Kapeller angesprochen hat. Tat­sache ist, dass in der ersten Temelín-Kommissionssitzung Tschechien betont hat, dass für sie das Melker Abkommen völkerrechtlich nicht verbindlich ist, ja nicht einmal einen Vertrag im herkömmlichen Sinn darstellt. Und auf die Frage der Freiheitlichen, ob es überhaupt für diese Temelín-Kommission eine Zielsetzung gibt, konnte der Vorsitzende Konecny diese einfache Frage nicht beantworten und hat auch das Wort entzogen. (Abg. Strache: Nur eine Schmähpartie!)

Ich stelle Ihnen deshalb folgende Frage: Auf welcher Rechtsgrundlage soll das Melker Abkommen für beendet erklärt werden, und welche Indizien haben Sie, Herr Bundes­minister, dass die Tschechische Republik ihre Informationspflichten nach diesem Ab­kommen erfüllen wird? (Abg. Strache: Alles eine Schmähpartie!)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Zum Ersten: Wir konnten sehen, dass die Brüsseler Vereinba­rung und der Melker Prozess auf Punkt und Beistrich abgearbeitet wurden. Das war die einzige Handlungsanleitung seit Jahren, anhand der wir gemeinsam mit der Tschechi­schen Republik dafür Sorge getragen haben, dass alle Informationspflichten eingehal­ten werden, sodass wir so viel wissen und auch schnell informiert werden, wie in kei­nem anderen Fall. Dieser Melker Prozess hat seine Wirkung gezeigt – vor Ort und auch zum Schutz der österreichischen Bevölkerung.

Wenn Sie als Parlamentarier und Mitglied der Kommission mich fragen, was sich die Kommission für ein Ziel gesetzt hat, dann muss ich Ihnen sagen, es ist Ihre Verantwor­tung. Im Gegensatz zu Kollegem Strache, der gesagt hat, das ist eine Schmähpartie (Abg. Strache: Das ist eine Schmähpartie!), sehe ich das nicht so, wenn Parlamenta­rier gemeinsam verhandeln, dass das eine Schmähpartie ist, sondern dass sie das zu einem vernünftigen Ende für Österreich führen sollen. Sie haben es mit in der Hand. Machen Sie keinen Schmäh daraus, sondern nehmen Sie es ernst! Das ist die Unter­stützung, die wir brauchen. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Strache: Sie machen eine Schmähpartie daraus!)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gelangen nunmehr zur 4. Anfrage, 67/M, des Herrn Abgeordneten Mag. Hauser. – Bitte.

 


Abgeordneter Mag. Gerald Hauser (FPÖ): Guten Morgen, Herr Minister! Ich möchte Sie fragen:


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67/M

„Welche Maßnahmen werden Sie setzen, um der permanenten Verteuerung von land­wirtschaftlichen Produkten Einhalt zu gebieten, zumal seit dem EU-Beitritt Österreichs eine erhebliche Verschlechterung für die Konsumenten eingetreten ist?“

Um eines gleich klarzustellen: Wir sind als Freiheitliche Partei für faire Preise für die Landwirte. Das ist absolut unbestritten, und das möchte ich gleich festhalten. (Beifall bei der FPÖ. – Zwischenrufe bei der ÖVP.) Aber das, sehr geehrter Herr Minister, was sich die letzten eineinhalb Jahre an Verteuerung für die Konsumenten in den Lebens­mittelgeschäften, speziell für Grundnahrungsmittel, abgespielt hat, ist den Konsumen­ten nicht mehr zumutbar.

Deswegen die Frage: Was werden Sie tun, um zu gewährleisten, dass der Konsument mit seinem Einkommen auch Lebensmittel kaufen kann und damit auch auskommt? (Beifall bei der FPÖ.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Herr Abgeordneter Hauser! Eine spannende Frage, die Sie stel­len, nur sie ist auch von der Bewertung her zu gewichten. Ein durchschnittlicher öster­reichischer Haushalt hat 1970 30 Prozent seines Einkommens für Lebensmittel ausge­ben müssen, heute sind es 12 Prozent. – Erster Punkt.

Zweiter Punkt: Die Landwirtschaft ist eine Produktionsart, die stark energiegestützt ist, und die Teuerung der fossilen Energieträger führt dazu, dass zum Beispiel Dünger seit dem Jahr 2000 weltweit um 350 Prozent teurer geworden ist. Plus 350 Prozent! Das führt international zu einer Rücknahme der Angebotsmenge, weil die Bauern weniger düngen, weniger Ertrag haben, das führt weltweit dazu, dass manche aussteigen und Stilllegungsflächen gemacht haben, und das führt zu einer Verknappung des Agrar­angebots.

Deswegen müssen wir schauen – das tun wir auch –, dass die Produktion wieder in Schuss kommt. Wir werden die Stilllegungen in Österreich auf null zurückdrehen und in Europa drei Millionen Hektar aktivieren, um wieder eine bessere Balance zu schaffen – für die Bauern, die einen besseren Preis brauchen, um produzieren zu können, und für die Konsumenten, die leistbare Lebensmittel brauchen.

Und diese Balance zu argumentieren, zu verhandeln, das ist die Aufgabe der Europäi­schen Agrarpolitik für die Zukunft, auch mit der dritten Säule einer nachhaltigen Ener­giepolitik. Und das wird uns gelingen. Nicht durch Aktionismus, sondern durch beinhar­te Verhandlungen in allen Produktionsbereichen der österreichischen Landwirtschaft. Besserer Preis für die Bauern und leistbarer Preis für die Konsumenten: Das müssen wir organisieren, und das wollen wir tun. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Mag. Hau­ser, bitte.

 


Abgeordneter Mag. Gerald Hauser (FPÖ): Herr Minister! Von dieser Statistik, wie viel Prozent man vom Einkommen für Lebensmittel ausgibt, hat ja der Konsument über­haupt nichts. Fakt ist, bitte ... (Ironische Heiterkeit und Zwischenrufe bei der ÖVP.) Schauen Sie, Ihre Reaktion beweist mir genau, dass Sie dieses Problem nicht ernst nehmen wollen. (Beifall bei der FPÖ.) Sie trauen sich die Lösung dieses Problems überhaupt nicht mehr zu, Sie lachen, während der Konsument an der Kasse nicht mehr weiß, wie er mit dem Einkommen auskommen soll, weil man, wenn man um 50 € ein­kauft, in Wahrheit nichts im Sackerl drinnen hat.


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Die Statistik beweist – bitte, Herr Minister, um das mit Ihnen wieder zu versachlichen –, dass im Zeitraum vom Dezember 2006 bis Feber 2008 gerade Grundnahrungsmittel, die man täglich braucht, sich massiv verteuert haben, zum Beispiel Teigwaren plus 71,8 Prozent, Sonnenblumenöl plus 40 Prozent et cetera. (Anhaltende Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Bitte, Herr Minister, wenn man schon nicht alles regeln kann, wieso nehmen Sie Ihre Verantwortung als Mitglied der Regierung nicht wahr und greifen einen Vorschlag der Freiheitlichen Partei auf, zumindest die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel zu halbieren, damit man wenigstens über diese Schiene eine Entlastung zustande bringt? (Beifall bei der FPÖ.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Herr Abgeordneter! Ich habe ja viel Verständnis, dass Sie ver­suchen, den Tiroler Wahlkampf in den letzten Tagen hierher ins Parlament zu impor­tieren (Abg. Strache: Wenn sich die Bundesregierung nicht nach Tirol traut!), aber blei­ben Sie trotzdem bei den Fakten und bei den Realitäten. (Beifall bei der ÖVP.)

Die Antwort auf Ihre Frage ist: Das Jahr 2007 – das kann man klar sagen, alle Agrar­ökonomen bestätigen das – ist kein Normjahr: katastrophale Ernten weltweit und eine unglaubliche Nachfrageentwicklung in Indien und China nach agrarischen Produkten. (Abg. Dr. Pirklhuber: Und die Agrartreibstoffe!) Heuer lässt es sich besser an, und die Preise sind leider für die Bauern wieder auf Talfahrt. Aber die Talfahrt zu bremsen, den Bauern einen gerechten Preis zu zahlen und trotzdem im Regal wieder vernünftigere Preise zu haben, wird organisiert sein. Das Jahr 2007 ist geeignet, um populistisch zu argumentieren, aber es ist kein Normjahr für die Zukunft der Agrarpolitik. Und das muss man sagen und betonen, weil es den Realitäten entspricht. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Weitere Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Mag. Rossmann, bitte.

 


Abgeordneter Mag. Bruno Rossmann (Grüne): Herr Bundesminister, die Nettoreal­löhne haben im vergangenen Jahr stagniert, in diesem Jahr sinken sie. Gestern wurde zwar ein Entlastungspaket in der Höhe von 300 Millionen € beschlossen. Das ist nicht nichts, aber der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, jedenfalls viel zu wenig. Große Teile der Bevölkerung sind ausgeschlossen und angesichts steigender Ölpreise droht vielen Menschen der Weg in die Ölpreisfalle.

Was werden Sie daher, Herr Bundesminister, tun, um Österreichs Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren (Abg. Jakob Auer: Erdöl herstellen! – Heiterkeit bei der ÖVP) und die Menschen nachhaltig aus der Ölpreisfalle, die auch eine Armutsfalle ist, herauszu­führen?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Das ist eine interessante Frage von einem Abgeordneten der Grünen. Sie haben doch immer davon geträumt, dass solche Preise, wie sie jetzt Rea­lität sind, an den Zapfsäulen eintreten sollen. (Beifall bei ÖVP, SPÖ und BZÖ.)

Jetzt sind sie Realität, und jetzt verlangen Sie nach korrigierenden Maßnahmen. Eine spannende Parabel, die wir auch gerne einmal vertiefen können am Rande einer Dis­kussion.

Zweiter Punkt: Wir werden den Anteil erneuerbarer Energieträger in Österreich ganz konsequent ausbauen, zum Beispiel mit Ökostrom, wobei Sie gestern, glaube ich, das Ökostromgesetz wieder einmal auf die lange Bank schieben wollten (Abg. Dr. Pirkl-


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huber: Wir wollen keine schlechtere Regelung!), was nicht gut ist, weil wir eben mehr Ökostrom für Österreich brauchen, weil wir unabhängiger werden wollen von fossilen Energieträgern (Abg. Dr. Pirklhuber: Aber nicht mit einer schlechteren Regelung!) und weil wir, drittens, auch etwas tun müssen, was wichtig ist: Energieeffizienz und Ener­giesparen zu dem großen Modell für die Zukunft zu machen.

Dieser Dreiklang, mehr Alternativenergien in Österreich, Biosprit, Ökostrom (Abg. Dr. Pirklhuber: Nein, beim Ökostrom, da haben Sie versagt!), Energiesparen als zen­trale Herausforderung und drittens auch neue Technologien einzusetzen – zweite Ge­neration Fotovoltaik –, dieser Mix ist die Zukunft für die Energiegestaltung in Öster­reich.

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Mag. Maier, bitte.

 


Abgeordneter Mag. Johann Maier (SPÖ): Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Ich möchte die Gelegenheit vorerst wahrnehmen, Frau Präsidentin, die Berichterstattung in einer österreichischen Tageszeitung namens meiner Fraktion zu­rückzuweisen. Ich weise auch die Unterstellungen und Verleumdungen des grünen Ab­geordneten Pilz gegenüber vielen Abgeordneten dieses Hauses mit allem Nachdruck zurück. (Beifall bei SPÖ, ÖVP und FPÖ.)

Kollege Pilz, der sich auf Kosten anderer profilieren möchte, ist nicht anwesend. (Bei­fall bei SPÖ, ÖVP und FPÖ. – Bravorufe bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Abgeordneter, zur Frage!

 


Abgeordneter Mag. Johann Maier (fortsetzend): Ich möchte das nur namens der Kol­leginnen und Kollegen dieses Hauses ...

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Abgeordneter, die Frage! Ihre Zeit geht zu Ende. – Bitte.

 


Abgeordneter Mag. Johann Maier (fortsetzend): Herr Bundesminister! In der Frage der Preise gibt es natürlich internationale Bezugspunkte, aber auch nationale. Es gibt Studien, die weisen ...

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Abgeordneter, die Frage bitte! Die Minute ist um. (Abg. Strache: Aber der Abgeordnete Pilz macht Urlaub! Nur für das Protokoll! Die ganze Zeit schon!) Die Frage bitte!

 


Abgeordneter Mag. Johann Maier (fortsetzend): Herr Bundesminister! Welche haus­gemachten Faktoren gibt es für diese Preissteigerungen, und wie erklären Sie sich, dass in Österreich die Lebensmittelpreise im europäischen Vergleich um 67 Prozent mehr gestiegen sind als in den anderen europäischen Staaten?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Zum Ersten: Wir haben Landwirtschaft und Lebensmittelproduk­tion international und europäisch zu definieren. Es gibt keinen österreichischen Markt mehr, der abgeschottet wirtschaften kann. Internationale Strömungen, Nachfrageent­wicklung und Missernten berühren uns auch. – Erster Punkt.

Zweiter Punkt: Wir haben in Österreich in den Regalen einen sehr, sehr hohen Anteil an Gütezeichenprogrammen und Bioprodukten und sind stolz darauf. Die Menschen greifen auch danach, sie sind aber wesentlich teurer als standardisierte konventionelle Ware in anderen Ländern. Diesen Vergleich muss man auch anstellen, meine sehr geehrten Damen und Herren, und deswegen können wir nicht eins zu eins vergleichen.


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Ich denke, dass wir damit, die Flächenstilllegung auf null zu stellen, mehr Produktion bekommen werden, sodass man dann auch wieder eine bessere Balance für alle be­teiligten Marktpartner herstellen kann. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Weitere Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Auer, bitte.

 


Abgeordneter Jakob Auer (ÖVP): Sehr geehrter Herr Bundesminister! Die unglaub­liche Unterstellung des Kollegen Hauser, der hier in seiner Frage indirekt den Bauern die Schuld zuweist an der Lebensmittelpreissteigerung, die werden die Tiroler Bauern und die österreichischen Bauern zur Kenntnis nehmen und ihr auch entsprechend Rechnung tragen. (Beifall bei der ÖVP.)

Obwohl eindeutig nachgewiesen ist, dass der Anteil dessen, was der Bauer für ein er­zeugtes Produkt erhält, bei einer Semmel 2 Prozent, bei einem Kilowecken Brot 4 Pro­zent und bei der Milch knapp 30 Prozent ausmacht, behauptet dieser Kollege, dass die Bauern für die Preissteigerungen zuständig sind.

Meine Frage an Sie, zu jener Behauptung, die sehr oft in den Raum gestellt wird: Wie hoch ist der Anteil an Auswirkung der Biospritproduktion an den Lebensmittelkosten?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Ich habe heute zu einer früheren Frage schon gesagt, das sind 1 bis 2 Prozent. 1 bis 2 Prozent an der agrarischen Ernte Europas gehen derzeit in die Biospritproduktion. (Abg. Dr. Pirklhuber: Das kann man nicht nur europäisch sehen! 4 bis 5 Prozent sind es weltweit!) Das ist weg, wenn es im April einmal zwei Tage nicht regnet oder zwei Tage zu viel regnet. Das ist eine normale Ernteschwankung, meine sehr geehrten Damen und Herren. Und, Herr Abgeordneter, wir sind nicht verantwort­lich für das, was Brasilien im nationalen Kontext mit seinen Urwäldern aufführt. Das ist nicht unsere politische Entscheidung. (Beifall bei der ÖVP.)

Der zweite Punkt ist die Frage der agrarischen Rohstoffpreise. Wenn beim Preis der Semmel 2 Prozent der Anteil des Bauern sind, dann sehen wir, dass Elemente wie Energiekosten, Löhne, Lohnnebenkosten – wo wir auch etwas machen müssen in den nächsten Monaten und Jahren; das wollen wir ja tun mit der Steuerentlastung – vor allem auch preistreibend sind, was die Frage der Konsumentepreise betrifft. Nicht der agrarische Rohstoff trägt die Hauptschuld, sondern viele andere Themen: Energie, Lohn, Lohnnebenkosten, und das muss man in die Bewertung auch ganz klar mit ein­beziehen. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Eine weitere Zusatzfrage stellt Herr Klubob­mann Ing. Westenthaler. – Bitte.

 


Abgeordneter Ing. Peter Westenthaler (BZÖ): Sehr geehrter Herr Minister! Die Ös­terreicherinnen und Österreicher stöhnen unter den enormen Preissteigerungen, vor allem im Lebensmittelbereich. Innerhalb der Euro-Zone liegt Österreich mit einer Infla­tionsrate von 4,1 Prozent bei den Lebensmitteln an der Spitze, was bemerkenswert und bedenklich zugleich ist. Brot plus 11 Prozent, Eier plus 12 Prozent, Butter plus 16 Prozent, Käse plus 23 Prozent, Pflanzenöl plus 26 Prozent, Nudeln plus 40 Prozent.

Die Menschen können sich einfach ihr Leben nicht mehr leisten, und unter einer sozial­demokratischen Regierung ist es erstmals in Österreich dazu gekommen, dass Sozial­supermärkte aufsperren. Nichts gegen den Sozialsupermarkt, aber es ist ein Skandal, dass es überhaupt so weit kommen muss.

Und jetzt meine Frage, Herr Minister: In Kärnten unter Landeshauptmann Haider wurde ein Teuerungsausgleich verabschiedet und bereits ausbezahlt. Wieso wehren Sie sich


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so gegen eine Einmalzahlung, gegen einen Teuerungsausgleich für die Menschen in Österreich, damit sie die Teuerung zumindest ein bisschen abgegolten bekommen?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Zum Ersten: Ich kann mich an meine Zeit als Minister 2003, 2004 erinnern, da haben Sie noch regiert, da habe ich schon einen Sozialsupermarkt besuchen können. Nur um das auch in Balance zu bringen. (Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Abg. Ing. Westenthaler: Wo war das? Wo war dieser Sozialsupermarkt?)

Der zweite Punkt: Ein Teuerungsausgleich mit einem Einmalzuschuss aus vordergrün­digen politischen Argumenten bringt zur Bekämpfung der Inflation gar nichts, Herr Abgeordneter. Es verpufft wirkungslos. Wir müssen strukturell mehr landwirtschaftliche Produktion bringen, ein besseres Preisniveau, Stilllegung weg, unterstützen, dass die Bauern produzieren, in der Energiefrage versuchen, mehr Alternativen auf den Weg zu bringen. Das ist wirksam, das bleibt und bekämpft die Inflation. Die einmalige Gabe einer einmaligen Ausgleichszahlung, weil Wahlen bevorstehen in Kärnten, verpufft, ist weg und trägt nichts dazu bei, dass die Inflation geringer wird. (Beifall bei der ÖVP so­wie bei Abgeordneten der SPÖ.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gelangen zur 5. Anfrage, 63/M, des Herrn Abgeordneten Dolinschek. – Bitte.

 


Abgeordneter Sigisbert Dolinschek (BZÖ): Herr Bundesminister, die Anhebung der Milchquote hat europaweit zu großen Protestmaßnahmen bei den Milchbauern geführt und hat gezeigt, dass es in diesem Bereich große Probleme gibt. Ich weiß, dass Sie sich dafür eingesetzt haben, dass die Milchquote nicht erhöht wird, aber ich frage Sie:

63/M

„Was gedenken Sie angesichts der europaweiten Protestaktionen für die gerade in ex­ponierten Lagen angesiedelten österreichischen Milchbäuerinnen und Milchbauern zu tun, um dauerhaft einen gerechten und angemessenen Preis für ihre Milch zu errei­chen?“

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Wir haben in der Milchherausforderung in Europa für Österreich einen ganz zentralen Punkt, den wir erfüllen wollen. Wir brauchen flankierende Maß­nahmen, wenn die Milchquote 2014, 2015 ausläuft. Wir wollen das nicht, aber wir sind mit Deutschland und Finnland im Wesentlichen alleine, wir kämpfen für die Verlänge­rung.

Wenn das nicht der Fall ist: Flankierende Maßnahmen, Unterstützung für das Grün­land, Unterstützung für die Milchbauern, Unterstützung für Transportkostenlogistik, neue Modelle in der Bewirtschaftung, mit den Molkereien gemeinsam regionale Mo­delle bis 2014, 2015, zu organisieren, das ist unser zentrales Ziel; das will ich auch ver­handeln in Brüssel, dass wir diese Maßnahmen ermöglicht bekommen und dass es da­für auch ausreichend Geld für die österreichischen Milchbäuerinnen und Milchbauern gibt. Das werden harte Verhandlungen sein, sie werden aber am Ende des Tages auch vom Erfolg gekennzeichnet sein, weil die Allianz dafür zwischen den Mitgliedstaaten eine immer breitere wird. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Dolinschek, bitte.

 



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Abgeordneter Sigisbert Dolinschek (BZÖ): Herr Bundesminister! Die IG Milch hat ja die Protestmaßnahmen in Österreich maßgeblich angeführt. Es war ein Lieferboykott von knapp einer Woche, der jetzt zurückgenommen worden ist.

Werden Sie in Gespräche mit der IG Milch eintreten, werden Sie einen Milchpreisgipfel einberufen, bei dem die Milchbauern mit dabei sind, der Handel mit dabei ist, die Mol­kereien mit dabei sind und Sie natürlich als Mitglied der österreichischen Bundesregie­rung, und werden Sie hier Preisverhandlungen ausdiskutieren? Die IG Milch fordert ja, den Erzeugerpreis auf 47 Cent pro Liter anzuheben. Wie hoch muss Ihrer Ansicht nach der Erzeugerpreis für Milch sein, um einen durchschnittlichen Bergbauernbetrieb erhal­ten zu können?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Sehr geehrter Herr Abgeordneter! Zu den Aktionen der letzten Tage: Ich verstehe die Sorgen und Anliegen der Bauern gerade im Milchbereich um die Frage: Wie geht es weiter mit dem Milchpreis? Ich unterstütze aber keine Aktionen, bei denen man wertvolle Milch in den Kanal schüttet.

Ich weiß, insgesamt drückt das ja nur aus, dass es eine Sorge um die Milchpreisent­wicklung für die Zukunft gibt. Die muss man ernst nehmen, aber ich habe auch immer gesagt, dass der Milchpreis auf dem Markt gemacht wird. Es wird daher daran liegen, dass die beteiligten Marktpartner, die Bäuerinnen und Bauern, die gesetzliche Interes­senvertretung, die gewählte Interessenvertretung, die Landwirtschaftskammern Öster­reichs mit den Molkereien und mit dem Handel Gespräche führen, verhandeln, um die Situation zu verbessern. (Rufe und Gegenrufe zwischen Abg. Dr. Pirklhuber und Ab­geordneten der ÖVP.)

Das ist der richtige Weg. Das Gegeneinander bringt uns auseinander und führt den Milchpreis zurück, das Verhandeln bringt uns weiter. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Weitere Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Zan­ger, bitte.

 


Abgeordneter Wolfgang Zanger (FPÖ): Herr Bundesminister! Die Protestaktionen der letzten Tage sind vorbei. Mit ein Grund, warum nichts dabei herausgekommen ist, war die mangelnde Solidarisierung unter den Bauern selbst. Vornehmlich der Bauern­bund und somit die Landwirtschaftskammern haben nicht mitgetan, obwohl die öster­reichische Bevölkerung hinter den Aktionen der IG Milch gestanden ist und auch bereit ist, für hochqualitative Milch und landwirtschaftliche Produkte höhere Preise zu bezah­len.

Herr Bundesminister! Sie sind Landwirtschaftsminister für alle Bauern! Warum haben Sie nichts zur Solidarisierung beigetragen, und warum haben Sie die Frage des Kolle­gen Dolinschek nicht beantwortet, die auch meine wäre?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Weil ich gewusst habe, dass Sie auch die gleiche Frage stellen, habe ich mir gedacht, ich beantworte sie gleich bei Ihnen dann, um es mir zweimal zu ersparen. (Heiterkeit und Beifall bei der ÖVP.)

Was die Frage IG Milch, Interessengruppen in der Landwirtschaft betrifft, das gilt für alle Gesellschaftsbereiche: Jede Gruppe kann sich selbst organisieren, kann antreten zu Wahlen in diesem Land – Gott sei Dank, wir leben in einer Demokratie –, Aktionen beginnen, sie ausführen und zum Erfolg führen oder eben auch nicht. Und ich stehe als Landwirtschaftsminister allen Interessengruppen offen gegenüber. Aber es liegt eben


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nicht an mir, selektiv Einzelne herauszupicken und nur ihnen eine Unterstützung zu ge­ben, sondern ich habe dafür Sorge zu tragen, dass das Gesamte profitiert.

Es ist mein Ziel, dass die Milchbäuerinnen und Milchbauern, unabhängig davon, wem sie politisch zugehörig sind, wen sie unterstützen, zu einem besseren Preis kommen. Und dafür trete ich ein, mit den gesetzlichen Interessenvertretern in der Branche, mit den Molkereien. Die Verhandlungen werden zwischen den Marktpartnern zu führen sein. Man kann auch die Erfolge ablesen, nämlich an dem, was jetzt passieren wird. Und das ist kein Wettbewerb, sondern da ist eine vernünftige gemeinsame Vorgangs­weise notwendig. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Eine weitere Zusatzfrage stellt Herr Abgeordne­ter Dr. Pirklhuber. – Bitte.

 


Abgeordneter Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber (Grüne): Herr Bundesminister! Es ist zynisch, was Sie hier von sich geben. (Abg. Neugebauer: Selektive Wahrneh­mung!) Sie haben an diesem Montag einen Milchgipfel einberufen, wo Sie genau jene Vertreter, die diesen europäischen Milchstreik organisiert haben, nicht eingeladen ha­ben.

Sie als Bundesminister haben diese wesentliche Gruppe der Bäuerinnen und Bauern, der IG Milch nicht eingeladen, und das ist skandalös, Herr Bundesminister! (Beifall
bei den Grünen.)
Anders der deutsche Landwirtschaftsminister: Dieser hat sich zu 100 Prozent hinter die streikenden Bäuerinnen und Bauern gestellt. Das ist ein Faktum.

Und es ist ein Riesenerfolg einer Solidarisierung und ein erstes Zeichen, dass Europa lebt, dass europäische BürgerInnenbewegungen und BäuerInnenbewegungen leben. Eine erfolgreiche Bewegung der europäischen Milchbauern hat in Deutschland zu Preiserhöhungen geführt.

Meine Frage an Sie, Herr Bundesminister: Wann werden Sie endlich jene Bäuerinnen und Bauern, die die IG Milch vertritt (Abg. Großruck: Vertreten!), einladen zu einem Milchgipfel, wo gemeinsam über Anti-Dumpingmaßnahmen im Milchsektor diskutiert wird? Geben Sie bitte eine Antwort!

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Herr Abgeordneter Pirklhuber! Die Antwort ist klar. Ich muss jetzt berichtigen, was Sie sagen: Dass ich eingeladen hätte zu einem Milchgespräch, stimmt tatsächlich nicht. (Abg. Dr. Pirklhuber: Dann lesen Sie die Medien! Das steht in den Zeitungen!) Ich habe gesagt, es ist nicht die Aufgabe des Bundesministers, diese Frage zu koordinieren – die Interessenvertretung hat dazu eingeladen, die Landwirt­schaftskammer Österreich. Die Adresse ist nicht an mich zu richten, Herr Abgeordne­ter! Das ist glatt falsch, was Sie hier behauptet haben!

Deswegen ganz klar von meiner Seite: Ich greife in diese Gespräche nicht ein, weil der Milchpreis am Markt zu erledigen ist. Ich trage die Sorge aller Bäuerinnen und Bauern. Ich kämpfe dafür hier im Parlament, wo Sie oftmals guten Vorlagen, auch für die Milch­bauern, sehr kritisch gegenüberstehen. Und ich kämpfe dafür in Brüssel.

Die Marktfrage wird von den Landwirtschaftskammern, wird von den Molkereien, von den Handelsketten gemeinsam zu besprechen, zu verhandeln und auszuarbeiten sein. Da kann jeder mit unterschiedlichen Zielsetzungen, auch in der Bauernschaft, heran­treten, Aktionen machen, ja oder nein.

 


Ich habe auch nicht den Bauernbund oder andere zu einem Milchgipfel geladen. Ich behandle alle gleich und achte ganz klar auf Ausgewogenheit. Das ist mein Ziel. (Bei­fall bei der ÖVP.)


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 39

Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Eine weitere Zusatzfrage stellt Frau Abgeord­nete Schönpass. – Bitte.

 


Abgeordnete Rosemarie Schönpass (SPÖ): Herr Minister! Die IG Milch hat zur sub­stantiellen Verbesserung der Einkommenssituation und für die Gestaltung von Markt- und gesetzlichen Rahmenbedingungen sieben Verhandlungsstandpunkte erarbeitet.

Punkt eins beinhaltet die etappenweise Erhöhung des Bauernmilchpreises auf 47 Cent netto.

Herr Minister! Sind Sie bereit, sich für einen betriebswirtschaftlich errechneten Basis­preis von 47 Cent für alle Milchsorten einzusetzen und gleichzeitig eine genaue Kalku­lation der Produktionskosten zu unterstützen?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Sehr geehrte Frau Abgeordnete! Es kann nicht Ziel eines Re­gierungspolitikers sein, einen Marktpreis zu definieren. Das Ziel ist klar: mehr Geld für Österreichs Bauern in allen Produktionsbereichen. Ich kämpfe um jeden Cent, im Rah­men der Agrarpolitik in Brüssel und in Österreich. Aber wir können den Preis nicht mehr definieren. Ich kämpfe um Ausgleichszahlungen. Die sind gestiegen, auch im Be­reich der Milch, so wie in allen anderen Produktionsbereichen.

Ich bitte Sie, in Ihrer Fraktion auch dafür Sorge zu tragen, dass Sie nicht nur für einen Milchpreis von 47 Cent oder mehr eintreten, sondern dass dann auch die anderen auf Konsumentenseite bereit sind, die Mehrkosten dafür zu tragen. Die Rechnung geht nämlich nicht auf, dass man verlangt, dass für die Bauern der Preis steigt, während sich überall anders nichts bewegen darf. Auch diese Balance muss man im Auge ha­ben.

Ja zu einem besseren Milchpreis für die österreichischen Milchbauern, und dafür kämpfe ich auch mit den entsprechenden Maßnahmen in allen Gremien. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Eine weitere Zusatzfrage stellt Herr Abgeordne­ter Prinz. – Bitte.

 


Abgeordneter Nikolaus Prinz (ÖVP): Sehr geehrter Herr Bundesminister! Während sich einige politische Parteien bemühen, aus der schwierigen Situation Kleingeld zu schlagen, bemüht sich die gesetzliche Interessenvertretung um eine bestmögliche Ver­tretung der Bauern.

Das wertvolle Lebensmittel Milch und seine Produzenten, die Milchbauern, waren in den letzten Tagen sehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die wirtschaftliche Situation der Bauern ist ernst und schwierig, nicht nur im Bereich der Milch, sondern auch in anderen Sparten. (Abg. Strache: Die IG Milch distanziert sich von der ÖVP!)

Die Verarbeitungsbetriebe können nur den am Markt erlösbaren Preis an die Produ­zenten weitergeben. Damit kommt vor allem den Handelsketten eine sehr bedeutende Rolle zu. Und wenn man sich den Milchpreis in den Regalen anschaut, dann sind wir auf einem Niveau wie vor 15 Jahren, während auf der anderen Seite die Betriebsmittel­preise, wie zum Beispiel die Preise für Dieselöl, Maschinen, Futtermittel et cetera, mas­siv gestiegen sind.

Sehr geehrter Herr Bundesminister! Was sind aus Ihrer Sicht die Folgen des Milchlie­ferboykotts der letzten Tage? Und wo sind Ihre Schwerpunkte in der zukünftigen Arbeit für einen besseren Milchpreis?

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Bundesminister, bitte.

 



Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 40

Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Zum Ersten: Es ist Zeit, den Blick nach vorne zu richten, und es geht in der Europäischen Union um sehr viel. Wir werden die Milchquote zu diskutieren haben, die flankierenden Maßnahmen, es geht um Geld für die Milchbauern. Das ist meine vorrangige Aufgabe.

Parallel dazu fordere ich auf, dass innerhalb der Milchbranche, vom Bauern bis hin zur Handelskette, vernünftige Gespräche, koordinierte Gespräche geführt werden, wie denn diese Balance zwischen gutem Milchpreis für die Bauern und akzeptablem Milch­preis im Regal sichergestellt werden kann. Das ist von den Marktpartnern zu erledigen.

Von der Politik und von mir ist dafür zu kämpfen, dass die nationalen und europäischen Budgets zur Verfügung stehen, um Bergbauern und benachteiligten Milchbauern, um strukturell benachteiligten Milchbauern in Österreich zukünftig unter die Arme greifen zu können.

Diesen Zweiklang werden wir organisieren, und da sind alle aufgefordert mitzumachen, unabhängig davon, ob sie in einer Interessengruppe organisiert sind oder nicht, und unabhängig davon, welcher Partei sie angehören, denke ich einmal. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Danke schön.

Die 60 Minuten der Fragestunde sind abgelaufen. Ich beende damit die Fragestunde und bedanke mich beim Herrn Bundesminister, auch für die Disziplin der Abgeordne­ten. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

10.07.32Einlauf und Zuweisungen

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Hinsichtlich der eingelangten Verhandlungsge­genstände und deren Zuweisungen verweise ich gemäß § 23 Abs. 4 der Geschäfts­ordnung auf die im Sitzungssaal verteilte Mitteilung.

Die schriftliche Mitteilung hat folgenden Wortlaut:

Zuweisungen in dieser Sitzung:

zur Vorberatung:

Ausschuss für Arbeit und Soziales:

Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz, das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz, das Bauern-Sozialversicherungsgesetz, das Allgemeine Pensionsgesetz, das Beamten-Kranken- und Unfallversicherungsgesetz, das Notarver­sicherungsgesetz 1972, das Apothekengesetz, das Ärztegesetz 1998, das Zahnärzte­gesetz, das Zahnärztekammergesetz, das Rezeptpflichtgesetz, das Bundesgesetz über Krankenanstalten und Kuranstalten, das Familienlastenausgleichsgesetz 1967, das Dienstgeberabgabegesetz, das Gesundheits- und Sozialbereich-Beihilfengesetz sowie das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und ein Bundesgesetz, mit dem der Bundesminister für Finanzen ermächtigt wird, auf Bundesforderungen gegen­über den Gebietskrankenkassen zu verzichten sowie ein Bundesgesetz über eine pau­schalierte Abgabe von Unternehmen, die zum Vertrieb von Heilmitteln berechtigt sind (Heilmittelabgabegesetz) erlassen werden (Struktur-Änderungsgesetz für die Kranken­versicherung und die Organisation der Sozialversicherung – SV-StrÄG) (605 d.B.);

Gesundheitsausschuss:

Bundesgesetz, mit dem das Tabakgesetz, das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz, das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz und das Bauern-Sozialversicherungsge­setz geändert werden (610 d.B.);


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 41

Ausschuss für Konsumentenschutz:

Bundesgesetz, mit dem das Lebensmittelgesetz 1975 sowie das Lebensmittelsicher­heits- und Verbraucherschutzgesetz geändert werden (611 d.B.).

Ankündigung einer Dringlichen Anfrage

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Der Grüne Klub hat gemäß § 93 Abs. 2 der Ge­schäftsordnung das Verlangen gestellt, die vor Eingang in die Tagesordnung einge­brachte schriftliche Anfrage 4530/J der Abgeordneten Dr. Glawischnig-Piesczek, Kolle­ginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend schwere Informationsdefizite nach Zwischenfall im AKW Krško und Versagen des Umweltministers in der Anti-Atompolitik dringlich zu behan­deln.

Gemäß der Geschäftsordnung wird die Dringliche Anfrage um 15 Uhr behandelt wer­den.

Verlangen auf Durchführung einer kurzen Debatte über die Anfragebeantwortung 3773/AB

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Vor Eingang in die Tagesordnung teile ich wei­ters mit, dass das gemäß § 92 der Geschäftsordnung gestellte Verlangen vorliegt, eine kurze Debatte über die Beantwortung 3773/AB der Anfrage 3944/J der Abgeordneten Zwerschitz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Motorradlärm durch den Herrn Bun­desminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft abzuhalten.

Da für die heutige Sitzung die dringliche Behandlung einer schriftlichen Anfrage ver­langt wurde, wird die kurze Debatte im Anschluss an diese stattfinden.

Behandlung der Tagesordnung

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Es ist vorgeschlagen, die Debatte über die Punkte 1 und 2, 7 und 8 sowie 14 und 15 der Tagesordnung jeweils zusammenzufas­sen.

Wird dagegen ein Einwand erhoben? – Das ist nicht der Fall.

Wir gehen damit in die Tagesordnung ein.

Ich habe zwei Wortmeldungen zur Geschäftsbehandlung vorliegen. – Herr Klubob­mann Dr. Cap als Erster, bitte.

 


10.09.20

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Frau Präsidentin! Hohes Haus! Wir haben heute in einer Tageszeitung ein Interview mit dem grünen Ab­geordneten Peter Pilz. (Abg. Steibl: Wo ist er?) Erstens einmal stellt sich die Frage, wo er ist. Der soll endlich aus dem Bett rauskommen und sich da ins Parlament hersetzen und einmal bei uns sein! (Beifall bei SPÖ und ÖVP sowie bei Abgeordneten von FPÖ und BZÖ.)

Dieses Interview ist übertitelt mit: „Viele arbeiten nur zwei Stunden“. – Er arbeitet im Moment gar nicht! Das muss einmal festgestellt werden. (Beifall bei SPÖ und ÖVP sowie bei Abgeordneten von FPÖ und BZÖ.)


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 42

Wir meinen, dass es demokratieschädigend ist, und zwar sowohl die Berichterstattung, die es in manchen Zeitungen über die Arbeit der Parlamentarier gibt, als auch Wort­meldungen wie die des Abgeordneten Pilz über die Arbeit der Parlamentarier.

Würden sie nämlich nur hier den ganzen Tag sitzen, also auch nach 16 Uhr beispiels­weise, und nicht auch im Wahlkreis sein, dann würde es heißen, dass sie nicht bürger­nahe sind, dass sie nicht bei der Bevölkerung sind und dass sie nicht den Kontakt mit den Wählerinnen und Wählern suchen. Und es ist richtig, dass sie dort vor Ort anwe­send sind! (Beifall bei SPÖ, ÖVP, FPÖ und BZÖ.)

Ich möchte mich aber auch dagegen verwahren, dass hier steht, wir überlassen quasi alles nur der Regierung. Es hat in den letzten Jahren nie eine parlamentarische Tätig­keit gegeben, wo das Parlament so viel noch mitgewirkt, geändert, verbessert hat an den konkreten Vorlagen, selbst Initiativen gesetzt hat und, so wie der gestrige Tag gezeigt hat, auch Vorschläge der Opposition übernommen hat und gemeinsam ab­gestimmt hat, weil wir der Meinung waren, dass gewisse Vorgangsweisen zu schnell waren. (Abg. Ing. Westenthaler: Ist das jetzt ein Redebeitrag, oder was?)

Daher möchte ich im Umgang unter uns, aber auch in der Darstellung gegenüber der Öffentlichkeit darum werben, dass wir alle hier versuchen, für Österreich das Beste zu tun, jeder von seiner unterschiedlichen Position aus, auch mit Kontroversen und Kon­flikten. Ich bitte wirklich darum, dass wir versuchen, das Beste zu tun.

Daher fordere ich die Einberufung einer Sonderpräsidiale nächste Woche, wo wir uns zusammensetzen und sich alle fünf Fraktionen Gedanken machen, wie wir alles dafür tun können, damit Desinformation, Missverständnisse über die Arbeit der Parlamenta­rier vermieden werden, und wie wir Kampagnen, wenn es solche gibt, hier geschlossen entgegenwirken können. Auch der Abgeordnete Pilz ist dazu eingeladen. (Beifall bei SPÖ und ÖVP, bei Abgeordneten der FPÖ sowie des Abg. Dr. Grünewald.)

10.11


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Eine weitere Wortmeldung zur Geschäftsbe­handlung: Herr Klubobmann Dr. Schüssel. – Bitte.

 


10.11.58

Abgeordneter Dr. Wolfgang Schüssel (ÖVP) (zur Geschäftsbehandlung): Ich stimme dem vollkommen zu, was Klubobmann Cap gesagt hat, aus mehreren Gründen, denn es gibt sowieso eine latente Stimmung, dass das Parlament eigentlich nicht sehr viel bewegen kann: Wozu ist das Ganze überhaupt gut? Ist das mehr als eine Quatsch­bude? – Das hat man alles schon erlebt.

Und wenn dann ein Mitglied dieses Hauses wörtlich erklärt – und das geht jetzt in Rich­tung bestimmter Fraktionen –, die Abgeordneten kommen nicht oder nur schlecht vor­bereitet in die Ausschüsse und warten eigentlich nur darauf, dass die Sitzung zu Ende ist, manche – das richtet sich jetzt an meine Fraktion – sehen den Parlamentsjob über­haupt nur als sechste Nebenbeschäftigung, dann, Freunde, ist das eine Abwertung von uns selber durch einen von uns. Und ich würde jeden in unserer Fraktion, der so etwas sagt, genauso scharf kritisieren wie den Abgeordneten Pilz. Das geht nicht! Übrigens einer, der sich selber an sehr wenige Spielregeln, die sich das Haus selber gegeben hat, hält, ob es die Vertraulichkeit ist oder andere Dinge. (Beifall bei ÖVP und SPÖ so­wie bei Abgeordneten von FPÖ und BZÖ.)

Sie kennen ja den alten Satz: Wer mit dem Finger auf andere zeigt, der weist mit drei Fingern auf sich selber zurück. Diese Selbsterkenntnis wäre absolut sinnvoll. Ich stim­me daher zu, wir sollten uns in der Präsidiale mit diesen Fragen befassen, denn wört­lich heißt es in einem Artikel im „profil“:


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 43

„Österreichische Regierungsabgeordnete sind die Ochsen der Politik. Von früh bis spät ziehen sie ihre Karren durch den Wahlkreis. In Wien halten sie dann ihre Nasen hin, damit sich der Klubsekretär nicht bücken muss, wenn er die Leine durch den Ring zieht.“

Freunde! Das ist eine Menschen verachtende, Politik und Parlamentarismus verach­tende Sprechweise, und die will ich eigentlich in diesem Haus nicht dulden. (Beifall bei ÖVP und SPÖ sowie bei Abgeordneten des BZÖ.)

10.14


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zur Geschäftsbehandlung hat sich Herr Klubob­mann Westenthaler zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


10.14.00

Abgeordneter Ing. Peter Westenthaler (BZÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Frau Prä­sidentin! Ich würde wesentlich lieber in die Tagesordnung eingehen und über die we­sentlichen Probleme der Menschen diskutieren, etwa über den hohen Benzinpreis, und weniger an der selbsttherapeutischen Sitzung der beiden Regierungsparteien hier teil­nehmen, die offenbar auch große Probleme in den eigenen Reihen haben, hier zu einer Lösung zu kommen. Denn, Herr Klubobmann Cap, es war Ihr Vorsitzender Gu­senbauer, der diese Diskussion vom Zaun gebrochen hat, indem er behauptet hat, dass hier ab 16 Uhr keiner mehr arbeitet und in diesem Haus nur faule Abgeordnete herumsitzen. Das hat er insinuiert.

Daher: Es ist sicherlich Ihre Wortmeldung eine wichtige, aber Sie sollten sich eigentlich an Ihren Klub halten und sich in Selbsttherapie üben, denn es war, wie gesagt, Gusen­bauer, der in Wirklichkeit diese Diskussion entfacht hat.

Ich halte es für völlig irrelevant und auch für völlig überzogen, wegen eines Herrn Ab­geordneten Pilz eine Sonderpräsidiale einzuberufen. Liebe Freunde! Der Herr Pilz will genau so etwas haben. Der jubelt jetzt schon zu Hause im Bett, wenn er vor dem Fern­seher liegt und sich die Übertragung anschaut, und freut sich: Super, wegen mir gibt es jetzt eine Sonderpräsidiale!

Ich bin dagegen und sage hier auch klipp und klar: Selbstverständlich hat dieses Haus auch Mankos und hat dieses Haus auch Darstellungsfehler, die zu korrigieren sind. Das kann aber nicht der Herr Pilz oder sonst wer beeinflussen, sondern alle in diesem Hohen Haus. Und es ist auch nicht zu akzeptieren, dass wie im Jahr 2007 eine drei­monatige Sommerpause stattfindet und dass dieses Haus einfach zusieht, wie die Poli­tikergehälter erhöht werden, während die anderen Menschen in diesem Land ge­schröpft werden. Das ist etwas, was nicht Herr Pilz zu verantworten hat, sondern wir alle hier herinnen, und da sollten wir uns alle an der Nase nehmen und für eine neue politische Kultur sorgen.

Jedenfalls sollten die Regierungsfraktionen, die mit ihrer eigenen Regierung offenbar nicht mehr einverstanden sind, hier nicht selbsttherapeutisch eine Geschäftsordnungs­debatte missbrauchen. (Beifall beim BZÖ.)

10.15


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zur Geschäftsbehandlung: Herr Klubobmann Strache. – Bitte.

 


10.15.48

Abgeordneter Heinz-Christian Strache (FPÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Sehr ge­ehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich halte es mit Watzlawick, der einmal gesagt hat: Was A über B sagt, sagt mehr über A als über B. Und das kann man beim Herrn Peter Pilz durchaus auch wörtlich nehmen. Er zeigt es ja durchaus,


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 44

dass er oftmals durch Abwesenheit glänzt und offenbar auch seiner Nebenbeschäfti­gung, der Diffamierung, nachkommt. Das sei ihm unbenommen.

Ich denke auch, dass wir keine Sonderpräsidiale benötigen, aber wir sollten uns mit dem Thema insgesamt auseinandersetzen. Und natürlich hat mein Vorredner recht, wenn er sagt, dass auch der vermeintliche Kabarettist Gusenbauer, indem er das im Ausland angebracht hat, dieses Thema aufgeworfen hat.

Ich glaube, wir sollten insgesamt darüber nachdenken, wie man die Arbeit und Verant­wortung eines Abgeordneten in der Öffentlichkeit sichtbarer machen kann. Denn unse­re Arbeit ist oftmals eine Arbeit, die manchmal 16, manchmal auch 20 Stunden dauert und nicht nur an Plenartagen stattfindet. Es gilt Ausschussarbeit zu erledigen, Anfra­gen, Anträge auszuarbeiten, neun Bundesländer zu besuchen, Veranstaltungen quer­feldein zu besuchen. Man muss sich vorbereiten auf Anfragen, Anträge, auf Ausschüs­se.

Das ist eine große Arbeit, die man nicht sieht und die man der Öffentlichkeit auch ein­mal näherbringen sollte, weil unsere Arbeit nur auf die Plenarsitzungen reduziert wird – und sonst liegen wir zu Hause wahrscheinlich im Bett und ich weiß nicht was. Das ist die Darstellung, die es gibt, und dieser sollten wir, glaube ich, insgesamt gegensteuern, indem wir aufklären. Vielleicht auch mit einem Video, das der Österreichische Rund­funk dann auch überträgt und nicht zensuriert, wo man darstellt: was bedeutet Demo­kratie?, was steckt hinter der Funktion eines gewählten Abgeordneten?, was sind seine Aufgaben?, und vieles mehr. (Beifall bei der FPÖ sowie bei Abgeordneten von SPÖ, ÖVP und BZÖ.)

10.17


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Eine weitere Wortmeldung zur Geschäftsbe­handlung: Herr Klubobmann Dr. Van der Bellen. – Bitte.

 


10.17.38

Abgeordneter Dr. Alexander Van der Bellen (Grüne) (zur Geschäftsbehandlung): Danke, Frau Präsidentin! (Abg. Scheibner: Entschuldigen Sie sich! – Abg. Großruck: Entschuldigen Sie sich für den Herrn Pilz!) Ich bedaure dieses Interview, das heute in „Österreich“ erschienen ist (Beifall bei Abgeordneten von SPÖ, ÖVP, FPÖ und BZÖ), denn es ist dazu geeignet, die Vorurteile, die über Abgeordnete dieses Hauses existie­ren, weiter zu bestätigen, nämlich, um es platt auszudrücken, dass Nationalratsabge­ordnete dumm, faul und gefräßig sind.

Dieses Vorurteil beruht aber keineswegs auf einem Interview in einer Tageszeitung heute. Ich darf auch daran erinnern, dass der Bundeskanzler persönlich es war, der mit seinem Spruch, dass Abgeordnete nach 16 Uhr im Hause oder wo auch immer, jeden­falls beruflich nicht mehr vorzufinden seien, gerade diese Debatte verstärkt und erst in Gang gebracht hat. Also das jetzt auf Peter Pilz abzuwälzen, das ist schon ein biss­chen sehr billig, muss ich sagen. Und es ist kein Zufall, dass der Abgeordnete Cap und der Abgeordnete Schüssel gerade diesen Namen erwähnen, weil es natürlich gerade der Abgeordnete Pilz ist, der im Rahmen von Untersuchungsausschüssen erstklassige Arbeit leistet, die einer Oppositionspartei würdig ist. (Beifall bei den Grünen. – Anhal­tende Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Das passt Ihnen natürlich nicht, das sehe ich schon ein. Aber Sie können versichert sein, dass diese Arbeit vom Grünen Klub und vom Abgeordneten Pilz ohne Rücksicht auf solche Befindlichkeiten fortgesetzt wird. (Abg. Großruck: Wo ist er denn?)

Ich halte es auch nicht für einen Zufall, dass diese Debatte jetzt vom Zaun gebrochen wird, nach den Ereignissen von gestern, wo von den beiden Regierungsparteien ver­sucht wurde, hier eine Debatte abzuhalten über ein Gesetz, das gar nicht mehr existiert


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 45

angesichts der Tatsache, dass ein Abänderungsantrag in laufender Sitzung mit sage und schreibe 39 Ziffern und acht eng beschriebenen Seiten eingebracht wurde. Das ist Ihre Vorstellung von Parlamentarismus! Und nur auf unseren Druck hin, auf massiven Druck hin ist es möglich gewesen, diesen Antrag an den zuständigen Ausschuss rück­zuverweisen.

Diese Art von Parlamentarismus wollen wir nicht. Lassen Sie sich das gesagt sein! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Dr. Pilz betritt den Saal. – Oh- und Ah-Rufe bei SPÖ und ÖVP. – Abg. Strache: Er ist schon aufgestanden, schon munter!)

10.19


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Meine Damen und Herren! Ich werde mit den Klubvorsitzenden im Laufe der heutigen Sitzung noch Gespräche führen, behalte mir vor, die gewünschte Präsidiale nächste Woche einzuberufen, zu dieser einzuladen, um all diese Themen, die heute von allen fünf Klubvorsitzenden angesprochen wurden, zu vertiefen. Wir haben ja bereits in der letzten Präsidiale mit dieser Arbeit begonnen.

Redezeitbeschränkung

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: In der Präsidialkonferenz wurde Konsens über die Dauer der Debatten erzielt. Demgemäß wurde eine Tagesblockzeit von 9 „Wiener Stunden“ vereinbart, sodass sich folgende Redezeiten ergeben: SPÖ und ÖVP je 131 Minuten, Grüne und FPÖ je 108 Minuten sowie BZÖ 63 Minuten.

Die Sitzung wird im Zeitraum von 9.05 Uhr bis 13 Uhr vom ORF live übertragen.

Für die Zeit der Fernsehübertragung nach der Fragestunde von 10.20 Uhr bis 13 Uhr ist folgende Redezeitvereinbarung getroffen worden: Eine Fraktionsrunde mit je 10 Mi­nuten, Finanzminister mit 12 Minuten, eine Fraktionsrunde mit je 6 Minuten, Regie­rungsmitglied/Staatssekretär 8 Minuten, eine Fraktionsrunde mit je 5 Minuten, eine weitere Fraktionsrunde mit je 5 Minuten.

Die Wortmeldungen erfolgen in dieser Reihenfolge, wie ich sie nun auch verlautbare. Erste Runde: Grüne, ÖVP, FPÖ, SPÖ, BZÖ; zweite Runde: SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ, BZÖ; dritte Runde: ÖVP, SPÖ, Grüne, FPÖ, BZÖ; vierte Runde: SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ, BZÖ.

Vor der letzten Fraktionsrunde wird die Restredezeit gleichmäßig auf die Fraktionen aufgeteilt.

Tatsächliche Berichtigungen gelangen erst nach Beendigung der Fernsehübertragung zum Aufruf.

Wir kommen sogleich zur Abstimmung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die diesem Vorschlag zustimmen, um ein diesbezüg­liches Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen.

10.21.561. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (549 und Zu 549 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Kör­perschaftsteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenordnung, das Finanz­strafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und ein Stiftungseingangssteuergesetz erlassen wird – Schenkungsmeldegesetz 2008 (SchenkMG 2008) (612 d.B.)


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 46

2. Punkt

Bericht und Antrag des Finanzausschusses über den Entwurf eines Bundesge­setzes, mit dem die Reisegebührenvorschrift 1955 geändert wird (613 d.B.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gelangen nun zu den Punkten 1 und 2 der Tagesordnung, über welche die Debatte unter einem durchgeführt wird.

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Als Erster gelangt Herr Klubobmann Dr. Van der Bellen zu Wort. 10 Minuten Rede­zeit. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


10.22.39

Abgeordneter Dr. Alexander Van der Bellen (Grüne): Frau Präsidentin! Meine Da­men und Herren! Nachdem sich Kollege Cap über einen Abgeordneten der Grünen echauffiert hat, haben wir jetzt Gelegenheit, die „Meisterleistungen“ der Regierungspar­teien zu diskutieren, insbesondere jene der SPÖ im Rahmen des vorliegenden Steuer­pakets, eines Pakets, das man besser als Kraut-und-Rüben-Gesetz bezeichnen sollte. In diesem Kraut-und-Rüben-Gesetz sind völlig unverbundene Materien drinnen: die Ab­schaffung der Erbschaftssteuer endgültig, neue Privilegien für die obersten Zehntau­send im Rahmen der Stiftungen, im Prinzip begrüßenswerte Änderungen zugunsten der Pendler und ein Gesetz, das – nebenbei gesagt – einen Artikel 1 enthält und Arti­kel 3 bis 8; der Artikel 2 ist ersatzlos gestrichen. Vielleicht hätten Sie die Ziffern auch ändern können? Aber das sind eben die üblichen Schlampereien der Regierungspar­teien.

Zunächst zu den Stiftungen: Verehrte Kollegen und Kolleginnen von der SPÖ! Sie sind jetzt genauso wie die ÖVP zu den Lobbyisten der Personen in Österreich mutiert, die das Glück haben, eine Stiftung zu besitzen. Wie Sie wissen, können sich das nur die Reichsten der Reichen leisten; nur diese haben ein Interesse daran.

Es gibt in Österreich rund 3 000 Stiftungen, es ist also nicht übertrieben, zu sagen, dass Sie hier weitere Steuerprivilegien für die obersten Zehntausend in Österreich be­schließen. Ich gratuliere dazu, Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ! (Beifall bei den Grünen.)

Wenn Sie sich das Gesetz, die bisherigen Regelungen und die jetzigen Regelungen angesehen haben, dann werden Sie feststellen, dass es den Reichen und Superrei­chen in diesem Land – und in diesem Kontext ist es nicht polemisch, diese so zu be­zeichnen – weitaus leichter fällt als unsereinem, den Normalsparern, ihr Vermögen in den Stiftungen zu akkumulieren. Bruno Rossmann von meiner Fraktion wird sicherlich dazu Näheres zu sagen haben.

Wissen Sie, das ursprüngliche Motiv von Ferdinand Lacina – in seiner Amtszeit wurden ja die ersten Stiftungsgesetze in dieser Republik erlassen – ist inzwischen von der Poli­tik von SPÖ und ÖVP vollkommen pervertiert worden; das ursprüngliche Motiv, Be­triebsvermögen zusammenzuhalten, wenn, aus welchen Gründen immer, die Erbenge­neration sozusagen nicht geeignet ist, das Unternehmen zu übernehmen oder Streitig­keiten zwischen den Erben befürchtet werden et cetera.

Dieses Motiv war durchaus anerkennenswert. Aber jetzt pervertieren diese Stiftungen zu einem reinen Steuersparmodell für die Reichen und Superreichsten dieses Landes (Beifall der Grünen), was weder industriepolitisch noch – und das ist insbesondere an die KollegInnen von der SPÖ gerichtet – verteilungspolitisch in irgendeiner Richtung vertretbar wäre. So haben Sie sich von Ihren ursprünglichen Motiven und Zielen und, um es pathetisch zu sagen, von Ihren Idealen verabschiedet, sofern sie irgendwann vor hundert Jahren existiert haben.


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In dasselbe Bild, meine Damen und Herren von der SPÖ insbesondere – denn die ÖVP hat sich ja hier voll durchgesetzt, die steht ja voll dahinter –, passt die Abschaf­fung der Erbschafts- und Schenkungssteuer, insbesondere der Erbschaftssteuer! Und ich höre Sie schon, wie Sie hier zum Rednerpult herauskommen und sagen, der VfGH ist schuld, der Verfassungsgerichtshof hat ja entschieden, dass die Erbschaftssteuer verfassungswidrig wäre.

Das ist völliger Unsinn, meine Damen und Herren von der SPÖ! Der VfGH hat mit Recht eine Bestimmung im Erbschaftssteuergesetz aufgehoben, die tatsächlich gleich­heitswidrig ist (Zwischenbemerkung von Staatssekretär Dr. Matznetter) – auch der Herr Staatssekretär hinter mir äußert sich schon wieder in dieser Richtung –, nämlich dass es unerträglich ist, wenn ein- und dasselbe Erbe damals in Schilling, heute in Euro gemessen völlig unterschiedlich besteuert wird, je nachdem, ob es um Barvermö­gen, Geld oder um ein zum Einheitswert bewertetes Grundstück geht.

Das war ein extremer Fall in Vorarlberg, wo eine Dame Unsummen an Erbschaftssteu­er hat bezahlen müssen, verglichen mit dem „Nichts“ praktisch, das ihre Verwandten bezahlen mussten, die ein Grundstück vom selben Erblasser geerbt haben. Das war in der Tat unerträglich.

Das musste beseitigt werden. Das ist richtig! Aber deswegen die Erbschaftssteuer in toto, im Gesamten auslaufen zu lassen, haben Sie zu verantworten! (Abg. Strache: Es sind eh schon x-fach Steuern gezahlt worden!) Sie müssen jetzt begründen, warum in Österreich Erwerb durch Leistung, nämlich durch Arbeit, im internationalen Vergleich hoch besteuert wird, während leistungslose Einkommen nicht besteuert werden sol­len. Und, sorry, in der Regel ist ein Erbe – jedem sei es vergönnt! – ein leistungsloses Einkommen! Es ist ein Nettovermögenszuwachs beim Erben, ein Glück, im Englischen würde man sagen: „windfall profit“. Es besteht kein Grund, ausgerechnet diese Art von Einkommen nicht zu besteuern, jede Art von Arbeitsleistung aber sehr hoch.

Ebenso unsinnig ist das Argument, bei der Erbschaft würde ja dasselbe Vermögen, wenn man so will, zweimal besteuert. Das ist glatter Unsinn, meine Damen und Herren! Selbst wenn wir annehmen, dass das Erbe beim Erblasser vollkommen legal erworben wurde, jeder einzelne Cent an Steuern bezahlt wurde: Um das geht es ja hier nicht! (Abg. Mag. Donnerbauer: Sicher geht es darum!) Es geht ja darum, was beim Erben passiert, und der Erbe hat nun einmal mit Sicherheit keinen Cent Steuern für dieses Vermögen bezahlt, das ihm jetzt netto zuwächst, ganz sicher nicht (Abg. Strache: Aber seine Eltern x-fach!), abgesehen davon, dass es wirtschafts- und finanzpolitisch auch keinen Sinn macht und verteilungspolitisch schon gar nicht, meine Damen und Herren von der SPÖ! (Beifall bei den Grünen.)

Die jetzige Erbengeneration – mit Recht spricht man davon, nach dem Krieg wurden verschiedene Vermögen aufgebaut, und das ist gut so! – ist bei einer Lebenserwartung von 80 plus jetzt in der Regel im Durchschnitt zwischen 50 und 60 Jahre alt. Das sind nicht die Jungfamilien, denen es von Herzen vergönnt ist, wenn sie ein Einfamilienhaus erben. Das hätte man durch Freibeträge entsprechend lösen können, dass alle diese kleinen Erbschaften steuerfrei gestellt werden. Aber grundsätzlich das alles auszu­schließen, ist verteilungspolitisch und wirtschaftspolitisch unerträglich, meine Damen und Herren von der SPÖ! Und Sie haben das zu verantworten!

Das Schenkungsmeldegesetz, das heute auf der Tagesordnung steht, ersetzt diese Dinge natürlich in keiner Weise. Da wird mit großem bürokratischem Aufwand etwas betrieben, dem kein Cent an Steuereinnahmen gegenübersteht. Das ist ein notwendi­ges Gesetz – ich bezweifle das gar nicht! –, wenn man die Schenkungssteuer auslau­fen lässt, aber von einem Ersatz für die Erbschaftssteuer kann ja überhaupt nicht die geringste Rede sein! Das werden auch Sie nicht im Ernst behaupten.


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Ihre Politik  nebenbei gesagt – widerspricht auch allem, was uns die OECD jährlich oder zweijährlich in ihren Berichten ausrichtet, nämlich dass die Arbeitsbesteuerung in Österreich zu hoch ist und die Vermögensbesteuerung im internationalen Vergleich zu niedrig. No na! Das zeigen ja die Daten seit zehn bis 20 Jahren. Wer reagiert nicht darauf? – Die angeblich so verteilungspolitisch interessierte Sozialdemokratische Par­tei Österreichs.

Die Begünstigung für Pendler ist grundsätzlich in Ordnung – grundsätzlich! Aber, mei­ne Damen und Herren von der SPÖ, eines möchte ich Sie schon fragen: Haben Pend­ler, die so wenig verdienen, dass sie keine Lohnsteuer zahlen, Ihrer Meinung nach kei­ne Fahrtkosten? Die kriegen nämlich von der Pendlerpauschale, die zu den Werbungs­kosten im Sinne des Einkommensteuergesetzes zählt, gar nichts, weil sie ja keine Lohnsteuer haben, mit der das Ganze im Zuge der Werbungskosten gegengerechnet werden kann! Haben gerade die Ärmsten, die bis zu 1 000 € im Monat verdienen, Ihrer Meinung nach keine Fahrtkosten? Es ist Ihnen nicht eingefallen, vielleicht diese Art Freibetrag in einen Absetzbetrag umzuwandeln, der nach Einkommen gestaffelt wer­den könnte und der auch an die Betroffenen auszahlbar gemacht werden könnte, näm­lich an die Bezieher unterer und niedrigster Einkommen. Das ist Ihnen nicht eingefal­len! (Beifall bei den Grünen.)

Sie sind einmal mehr der ÖVP auf den Leim gegangen. Es ist Ihnen offensichtlich nicht der Mühe wert, zu überprüfen: Was können wir für jene Leute tun, die so wenig ver­dienen, dass sie keine Lohnsteuer zahlen und deswegen von dieser Art von Pendler­pauschale gar nicht profitieren können? Noch einmal: Das sind Werbungskosten und nur interessant für jene, die Lohnsteuer zahlen. Innerhalb der Lohnsteuerzahler ist die Begünstigung für jene, die den höchsten Grenzsteuersatz haben, am höchsten. Natür­lich! Für die obersten Einkommen ist es am günstigsten. Je niedriger das Einkommen, umso geringer ist die Begünstigung. Das liegt an den steigenden Grenzsteuersätzen. Für die untersten Einkommen haben Sie, die SPÖ, in diesem Zusammenhang gar nichts getan. (Beifall bei den Grünen.)

Berufen Sie sich in diesem Zusammenhang nicht auf das Kilometergeld! Das Kilo­metergeld hat mit den Pendlern aber schon überhaupt gar nichts zu tun – überlegen Sie sich das! –, sondern es ist für ganz andere Menschen gedacht. Wenn ich in diesem Zusammenhang höre, dass in Baden-Württemberg das Kilometergeld bei 30 oder 35 Cent liegt und in Österreich auf 42 Cent erhöht werden soll, dann frage ich Sie: Wo ist denn da der Unterschied? Warum wollen Sie das Autofahren auch noch subventio­nieren? Haben Sie sich ausgerechnet, dass jemand, der – sagen wir einmal – 50 000 Kilometer gefahren ist (Präsidentin Mag. Prammer gibt das Glockenzeichen) – mein Schlusssatz, Frau Präsidentin! –, 21 000 € brutto vom Kilometergeld lukriert? Und wenn man den Spritverbrauch und sonstige Spesen abzieht, bleiben nach meiner Rechnung immer noch 10 000 € bis 15 000 € netto für eine Fahrt von 50 000 Kilome­tern übrig. Da habe ich ja das neue Auto herinnen wie nichts! – Danke. (Beifall bei den Grünen.)

10.33


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Als Nächster gelangt Herr Klubobmann Dr. Schüssel zu Wort. 10 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


10.33.22

Abgeordneter Dr. Wolfgang Schüssel (ÖVP): Frau Präsidentin! Herr Vizekanzler! Staatssekretäre! Ich darf zunächst einmal zu den Ausführungen meines geschätzten Vorredners Professor Van der Bellen, eines Ökonomen, Stellung nehmen, der mit den Stiftungen begonnen hat. Da bin ich wirklich grundsätzlich anderer Meinung als Sie, denn die Stiftungspolitik der letzten Jahre – übrigens begonnen von Ferdinand Lacina


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und Johannes Ditz – war natürlich ein exzellenter Standortvorteil für Österreich. Wir haben das ja nicht aus karitativen Überlegungen gemacht oder, wie Sie gemeint ha­ben, um jetzt den Superreichen Privilegien zuzuschanzen, sondern um ganz bewusst den Standort Österreich zu pflegen, Arbeitsplätze zu ermöglichen, Betriebsansiedlun­gen hierher zu bringen – 7 000 alleine aus Deutschland, 1 000 aus Italien, 1 500 aus der Schweiz. Das ist nicht irgendetwas! 400 000 Arbeitsplätze sind durch diese Stiftun­gen in Österreich geschaffen worden, lieber Herr Professor! (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Dr. Fichtenbauer.)

Warum es jetzt nicht mehr aktuell sein soll, Familienvermögen gerade im Erbfall zu­sammenzuhalten, wo ja unter Umständen, wenn mehrere Kinder da sind, ein Industrie­betrieb sehr leicht auseinanderbrechen kann, weiß ich nicht. Vergessen Sie nicht: Die Hälfte aller Stiftungen sind Firmenstiftungen, die also genau dieses Ziel haben und dieses Ziel ja auch wirklich erreicht haben. Vergessen Sie nicht, dass ein Drittel des Vermögens der österreichischen Stiftungen – 60 Milliarden € ungefähr insgesamt – aus dem Ausland kommt. Das heißt, wir haben wirklich davon profitiert!

Man sieht das etwa, wenn man mit offenen Augen durch Wien geht. Dutzende Althäu­ser in Wien wurden wunderbar durch Stiftungen restauriert. Eine einzige Stiftung – ich nenne jetzt bewusst keine Namen – hat pro Jahr ungefähr 1 000 bis 2 000 Arbeits­plätze allein im Bau- und Bauhilfsgewerbe geschaffen, damit diese Renovierung der Altstadtsubstanz wirklich Platz greift. Oder: Ein Papierindustrieller hat eine eigene Stif­tung gemacht, damit Studenten in Österreich studieren können. Ausländische Studen­ten kommen nach Österreich, um hier studieren zu können.

Oder: Für den Kulturbereich nenne ich einen Namen, weil das in den Zeitungen ge­standen ist. Pühringer hat dem Theater in der Josefstadt Millionen Euro zur Sanierung geschenkt. Danke dafür! Und nicht: eine Kritik, bitte sehr! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Die Wiener Sängerknaben wurden durch ihn mit Millionen Euro unterstützt. Die Sanie­rung des Stephansdoms ist unter anderem durch Stiftungen ermöglicht worden. (Abg. Mag. Kogler: Wir reden ja von Steuerprivilegien!) Pater Sporschill mit seinen unheim­lich guten und positiven sozialen Impulsen in Rumänien, in Moldawien wurde durch Stiftungen, durch gemeinnützige Zuwendungen unterstützt. Hannes Androsch hat der Akademie der Wissenschaften Millionen Euro zugewendet.

Das muss man doch anerkennen! Da sage ich doch Danke, lieber Herr Professor, für diese Stifter und ihre volkswirtschaftliche Tätigkeit! (Beifall bei der ÖVP und bei Abge­ordneten der SPÖ.)

Das Allgemeine Krankenhaus hat etwa für einen Roboter, der Herzoperationen durch­führt, 1,5 Millionen € Zuwendungen bekommen. Der Tiergarten Schönbrunn wird unter­stützt. In Klosterneuburg wurde das größte Museum in Österreich für österreichische zeitgenössische Kunst durch diese Stiftungskonstruktion ermöglicht – die nicht der Be­günstigte herausnimmt, Herr Professor! Jeder, der begünstigt wird und etwas heraus­nimmt, zahlt die vollen 25 Prozent Steuern. Das ist geltendes Recht. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Stummvoll: Genau!)

Wenn aber beispielsweise für gemeinnützige Tätigkeit, für Forschung, für Soziales, für Kultursponsoring etwas an die Allgemeinheit zurückgegeben wird, dann werden wir doch sinnvollerweise auch im Rahmen der Steuerreform das steuerfrei stellen, weil ja die Allgemeinheit letztlich davon profitiert. (Abg. Scheibner: Aber die Privaten ...!)

Und noch ein Punkt: Wir kämpfen im Moment gerade darum – und ich bitte Sie wirk­lich, das nicht zu behindern! –, dass wir einen der ganz großen deutschen Weltkon­zerne mit 60 000 Mitarbeitern mit der Konzernzentrale nach Österreich bekommen.


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Das Wichtigste ist natürlich hier Vertrauen! Die Stifter machen das ja nicht für morgen oder für übermorgen. Eine Stiftungskonstruktion ist ja für die Ewigkeit gedacht. Die Stifter können ja dann auch nicht mehr heraus aus dieser Konstruktion. (Abg. Öllinger: Die Armen!) Daher: Untergraben Sie dieses Vertrauen nicht! Der Standort Österreich hat hervorragend davon profitiert, meine Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)

Nun, zur Konjunktursituation: Die Konjunktur ist absolut schwierig geworden. Die Welt­wirtschaftsprognosen haben sich gegenüber dem Jahr 2007 auf 2009 praktisch hal­biert. Die Finanzkrise hat tiefe Wunden geschlagen. Wir wissen immer noch nicht, sind es 500 Milliarden Dollar Schaden oder gar 1 000 Milliarden Dollar, die zu verkraften sind. Nahrungsmittelpreise sind explodiert. Bei den Energiepreisen gab es einen Re­kord mit 135 Dollar pro Barrel, jetzt liegen wir bei 122 Dollar. Die Euro-Dollar-Relation war schon auf 1,60, jetzt sind wir bei 1,55, und die Inflation ist sprunghaft angestiegen.

Trotzdem – und das ist ja ein kleines österreichisches Wunder – hat sich Österreich in diesem schwierigen Umfeld hervorragend gehalten. Voriges Jahr gab es 3,4 Prozent Wachstum, und das erste Quartal liegt 3,5 Prozent über dem Vorjahr! Das ist nicht selbstverständlich. Es gibt einen Beschäftigungsrekord mit 3,4 Millionen Arbeitsplät-
zen. 96 Prozent aller erwerbstätigen Österreicher haben einen sicheren Arbeitsplatz. Das ist ein wirkliches österreichisches Wirtschaftswunder. (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Marizzi.)

Der Dank gebührt natürlich der Wirtschaft und den Arbeitnehmern, aber ich sage auch dazu: Es ist schon ein Resultat einer exzellenten Wirtschafts- und Standortpolitik. Das ist Molterer, das ist Karl-Heinz Grasser, das ist Bartenstein. Das ist schon eine Wirtschaftspolitik aus einem Guss in den letzten Jahren, die hier spürbar geworden ist, und auch ein Ergebnis unseres EU-Beitritts – das sei auch einmal hier erwähnt! – und der Erweiterung der Europäischen Union, von der niemand so sehr profitiert hat wie wir Österreicher.

Seit unserem Beitritt wachsen wir schneller als Deutschland, seit der Gründung der Eurozone schneller als die ganze Eurozone, und seit unserem Beitritt sind wir doppelt so schnell gewachsen wie die Schweiz – und zwar im Export, aber auch im gesamten Wirtschaftswachstum.

Der Euro hilft uns übrigens in dieser schwierigen Konjunkturlage durchaus. Seit Einfüh­rung des Euro vor zehn Jahren – EZB, die Paritäten – sind in der Eurozone 16 Millio­nen Arbeitsplätze neu entstanden. Das ist dreimal so viel wie in der Periode zuvor; das sind eine Million mehr Arbeitsplätze, als die ganzen Amerikaner zustande gebracht ha­ben.

In der jetzigen Krise – Ölpreis, der ja in Dollar abgerechnet wird – hilft uns natürlich der Euro, auch in der wirtschaftlichen Situation. Ich bin überzeugt davon, dass einige euro­päische Währungen mit Sicherheit schon abgewertet und wir den Preis dafür doppelt zu zahlen hätten.

Im Zusammenhang mit dem Ölpreis ist die Sache so, dass täglich etwa 81 Millionen Barrel gefördert werden, die Nachfrage aber bei 85 Millionen Barrel liegt, und die För­dermenge wird natürlich schrittweise zurückgehen, sie wird im Jahr 2020 etwa 60 Mil­lionen Barrel betragen. Daher muss man – und das ist ja auch der Sinn des Ökostrom­gesetzes und vieler anderer Bemühungen auch auf europäischer Ebene – in Alter­nativen hineingehen. Es ist auch sehr wichtig, dass wir hier auf europäischer Ebene agieren.

Dennoch, etwa ein Drittel dieser Erdölpreissteigerungen geht auf sogenanntes Finan­cial Oil zurück, ist Spekulation. Daher ist der Vorschlag von Vizekanzler Molterer nach­haltig zu unterstützen, auf europäischer Ebene zu versuchen, mit einer Transaktions-


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steuer, mit einer Spekulationssteuer hier erstmals ein Steuerungsinstrument in die Hand zu bekommen. (Beifall bei der ÖVP.)

Sie brauchen sich ja nur anzuschauen, wie das zum Beispiel bei den Warenbörsen oder bei anderen Börsen funktioniert. Dort werden ja Derivate für das Jahr 2016 ge­handelt, da geht es darum, was in acht Jahren sein wird. Sie können dort in einer Vier­telstunde eine viertel, eine halbe Million Dollar verdienen, wenn Sie da beispielsweise mit entsprechenden Erwartungen und Optionen operieren. Und das ist praktisch nicht steuerbar, da kann nur die Europäische Union in einer vernünftigen Art und Weise agieren.

Die Maßnahmen gegen die Teuerung – die Regierung hat ja nicht geschlafen, es sind bereits einige wichtige Schritte gesetzt worden –: Umstellen der Richtwerterhöhung bei den Mieten vom Dezemberwert auf den Jahresdurchschnitt. Das bringt bei einer 600-€-Miete eine Entlastung von etwa 100 € im heurigen Jahr; 350 000 Haushalte profitieren davon.

Die Idee von Wilhelm Molterer, eine Gebührenbefreiung bei allen Geburten ab Jänner durchzuführen, bringt eine Entlastung für 70 000 Familien.

Bei den Arbeitslosenbeiträgen für Niedrigsteinkommen – also genau das, was Sie er­wähnt haben – erfolgt eine Entlastung um 300 Millionen €. Eine Million Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen werden davon profitieren.

Das Vorziehen der Pensionsanpassung auf November bringt zwei Millionen Pensionis­ten etwas und kostet auch ungefähr 150 Millionen €.

Das Kilometergeld wird um 15 Prozent erhöht, und die Pendlerpauschale wurde, noch einmal, seit dem Jahr 2000 um 60 Prozent angehoben.

Und nicht unwichtig, glaube ich, für den Mittelstand: Die Schenkungs- und Erbschafts­steuer entfällt. Da bin ich wirklich ganz anderer Meinung als Sie, Herr Professor Van der Bellen. Alles, was Vermögen ist, was verschenkt oder vererbt wird, ist ja bereits mehrfach besteuert: über Arbeitseinkommen als Lohnsteuer, Einkommensteuer, Mehr­wertsteuer, Grundsteuer – mehrfachst versteuert! Wir können doch nicht eine Steuer­kaskade einführen. (Zwischenruf des Abg. Dr. Van der Bellen.)

Ich meine, der Mittelstand – das ist der Mittelstand, das sind nicht die Superrei-
chen – wird diese Maßnahme, dass die Erbschafts- und Schenkungssteuer endlich entfällt, sehr begrüßen. Wir sind 100-prozentig dafür! (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Dr. Fichtenbauer.)

10.43


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Als Nächster gelangt Herr Klubobmann Strache zum Wort. Ebenfalls 10 Minuten. – Bitte.

 


10.43.52

Abgeordneter Heinz-Christian Strache (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Herr Staatssekretär! Frau Staatssekretärin! Meine sehr geehr­ten Damen und Herren! Ich möchte eingangs festhalten, dass wir auch das eine oder andere Positive am jetzigen Tagesordnungspunkt und an der vorliegenden Gesetzes­änderung entdecken, wir begrüßen den Wegfall der Erbschafts- und der Schenkungs­steuer. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

Wir begrüßen das ausdrücklich, denn man muss festhalten: Erbschaftssteuer ist nichts anderes als staatliche Enteignung. – Das war es bis dato. Wir sind froh, dass diese staatliche Enteignung abgeschafft wird.


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Ich habe bei den Ausführungen von Professor Van der Bellen ein bisschen Bauch­schmerzen bekommen. Man hatte den Eindruck, dass jeder, der sich durch mühevolle Arbeit Eigentum erwirtschaftet hat, da fast schon als Verbrecher betrachtet wird. (Abg. Dr. Stummvoll: Eigentum ist Diebstahl!) Das, was Sie heute zum Besten gegeben haben, klingt schon sehr stark nach Marx und ist wahrscheinlich mehr Murks als Marx, aber trotzdem hat man da ein bisschen den Marx herausgehört, das muss man fest­halten.

Herr Van der Bellen, Sie können sich heute freuen, denn die grüne Partei hat ihr Ziel erreicht: Die Erhöhung der Benzinpreise hat endlich stattgefunden. Heute kostet der Liter umgerechnet über 20 S; 1,50 € der Liter Diesel. Sie können sich eigentlich freuen, denn diese Regierung aus ÖVP und SPÖ hat dafür Sorge getragen, dass Ihre Wahl­kampf-Forderungen der vergangenen Jahre erfüllt wurden.

Wenn Sie heute hier heraußen sagen, dass wir keine Entlastung für die Autofahrer brauchen, weil wir ja nicht fördern wollen, dass die Autofahrer mobil sind, sich leichter tun, an den Arbeitsplatz zu kommen – dass sie sich etwas ersparen, wollen Sie ja gar nicht unterstützen –, tun Sie sich ja leicht, denn Sie, Herr Van der Bellen, haben von einer Firma ein Auto gesponsert bekommen! (Abg. Dr. Van der Bellen: Nicht ich!) Sie fahren heute privat mit diesem Auto, das eine Firma gesponsert hat! Ebenso Ihre Kolle­gin, Frau Präsidentin Glawischnig. Zwei Autos sind da gesponsert worden. Sie tun sich heute leicht. Wenn man mit einem gesponserten Auto herumfahren kann, kann man leicht vom hohen Ross aus urteilen. Sie wissen gar nicht, welche Probleme die Bürger in diesem Zusammenhang vorfinden.

Das Maßnahmenpaket der Regierung insgesamt, aber insbesondere für Pendler, ist angesichts der explodierenden Treibstoffpreise – das haben wir gestern diskutiert – wirklich enttäuschend. Diese Regierung nimmt die Probleme der Menschen hier ge­nauso wenig ernst wie Herr Van der Bellen. Das, was Sie heute in diesem Bereich be­schließen, ist wirklich eine Frotzelei und eine Pflanzerei.

Das sage ja nicht nur ich, sondern das sagen auch andere, wie zum Beispiel der Salz­burger Arbeiterkammerpräsident, Siegfried Pichler, der das in den „Salzburger Nach­richten“ vom 30. Mai gesagt hat.

Arbeiterkammerpräsident Tumpel hat diesen Schritt, den Sie als großartig dargestellt haben, als Augenauswischerei bezeichnet. Und das stimmt ja auch, genau das ist es!

Herr Finanzminister! Sie haben heute durch die Erhöhung der Benzinpreise 760 Mil­lionen € an zusätzlichen Steuermehreinnahmen. Das haben Sie den Bürgern mit der Benzinpreiserhöhung, durch das Abkassieren durch Mineralölsteuer und Mehrwert­steuer abgezockt!

Und Sie verteilen diese zusätzlichen Einnahmen, die Sie gar nicht budgetiert haben, folgendermaßen: 60 Millionen geben Sie den Autofahrern zurück – wo Sie ihnen 760 nehmen –, 300 Millionen geben Sie den schlechter verdienenden Bürgern zurück, aber 400 Millionen geben Sie den Superreichen in den Stiftungen zurück. Das ist Ihre Ver­teilungspolitik: 99 Prozent der Bevölkerung zu belasten und 1 Prozent dann mit 50 Pro­zent steuerlich besserzustellen. (Beifall bei der FPÖ. – Zwischenrufe bei der ÖVP.)

1 Prozent der Bevölkerung, die Superreichen in den Stiftungen bekommen jetzt mit Ihrer heutigen Beschlussfassung dank der SPÖ, die mit „sozial“ gar nichts mehr zu tun hat ... (Zwischenrufe bei der SPÖ.) – Ihr (in Richtung SPÖ) seid ja heute das Gegenteil von sozial! Asozial, sage ich, ist das Gegenteil von sozial. (Zwischenruf des Abg. May­erhofer.) Man unterstützt dieses eine Prozent der Superreichen mit einer Entlastung in der Höhe von 400 Millionen € – und verzichtet in Wirklichkeit auf 99 Prozent der Bevöl-


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kerung und zockt diese weiter ab! (Beifall bei der FPÖ. – Anhaltende Zwischenrufe bei SPÖ und ÖVP.)

Das ist einfach schäbig! Ich sage das offen. Das ist nicht die soziale Verantwortung, die in Österreich wahrgenommen werden soll. Das ist eine reine Verhöhnung der Ös­terreicher. Das ist aber leider der Stil Ihrer Politik, und diesen müssen wir zur Kenntnis nehmen.

Von der ÖVP ist man das ja gewohnt. Die Bürger wissen, dass die ÖVP eine Partei
der sozialen Kälte ist. (Zwischenruf des Abg. Riepl.) Aus diesem Grund ist ja auch Dr. Wolfgang Schüssel als letzter Bundeskanzler zu Recht abgewählt worden. Und von Ihnen (in Richtung SPÖ) wissen es heute die Bürger. Man kann das nur wiederholen: Sie als Sozialdemokratie setzen heute diese soziale Eiskastenpolitik, auch Großindus­trielobbyismus fort. Sie leben das.

Der Herr Finanzminister führt sich auf wie Graf Dracula, sage ich, nur dass er den Ös­terreichern nicht an die Kehle geht, sondern nur ins Geldbörsl, in die Geldtaschen – da muss man ja schon froh sein. Aber das empfinden viele Österreicher so.

Viele Österreicher wissen wirklich nicht, wie sie überleben sollen, haben wirklich Pro­bleme. Ich kann es nur noch einmal betonen: Fleißige Menschen, die arbeiten, die mit ihren Gehältern nicht mehr auskommen, die mit ihrem Einkommen eben kein Auskom­men finden, sind wirklich verzweifelt.

Preissteigerungen im Lebensmittelbereich: Seit der Euro-Einführung ist der Preis mancher Lebensmittel um 40, 50, 60 Prozent angestiegen. Bei den Energiekosten gibt es dramatische Anstiege. Die Menschen sind verzweifelt – und dann entlasten Sie in Wirklichkeit nicht. Sie meinen, Jubel von den Autofahrern zu erhalten, wenn Sie auf der einen Seite den Autofahrern 760 Millionen € an zusätzlichen Steuern abnehmen und ihnen auf der anderen Seite 60 Millionen € zurückgeben.

Wer hat eigentlich etwas davon? – Wer aufgrund seines geringen Einkommens keine Lohnsteuer zahlt – das sind über 2,2 Millionen Österreicher! –, kann das, was Sie heute da an angeblichen Entlastungen im Bereich der Pendlerpauschale so preisen, gar nicht in Anspruch nehmen. 2,2 Millionen Österreicher sind bei dem, was Sie heute beschließen, gar nicht anspruchsberechtigt, weil sie zu wenig verdienen und zu wenig haben; sprich, die Ärmsten der Armen sind davon wieder betroffen. (Abg. Tamandl: Dafür haben wir für sie die Arbeitslosenbeiträge abgeschafft!) Die Pensionisten sowie­so. Aber das ist ja genau das Muster, das Sie heute leben.

Die Menschen werden einmal mehr mit Almosen abgespeist – die Superreichen be­kommen ihre Stiftungen, werden entlastet. Das Kilometergeld wird um 12 Prozent er­höht, die Pendlerpauschale gar um 15 Prozent, also wirklich eine „Wahnsinnsleistung“.

Man kann es nur noch einmal vorrechnen – und das ist genau das, wofür Sie stehen –: 760 Millionen nehmen Sie den Bürgern zusätzlich weg, 60 Millionen geben Sie ihnen auf der einen Seite zurück, auf der anderen Seite 400 Millionen den Superreichen in den Stiftungen. Das ist Ihre soziale Schieflage. Mit Gerechtigkeit und Verteilungsge­rechtigkeit hat das nichts zu tun.

Natürlich werden die Menschen weiter belastet werden. Die Spritpreise werden, wie wir gestern schon erläutert haben, mit großer Wahrscheinlichkeit weiter ansteigen, und Sie sind nicht bereit, konkret in diesem Bereich den Mobilitätssektor zu entlasten, die Kos­tenexplosion zurückzudrängen, die Bürger zu entlasten.

Ich sage es noch einmal: Die Halbierung der Mehrwertsteuer bei Energiekosten bräch­te eine sofortige Entlastung für alle österreichischen Bürger! Halbierung der Mehrwert­steuer bei Energiekosten – sofort! (Beifall bei der FPÖ.)


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Mineralölsteuer – reduzieren wir, kommen wir teilweise zu einer temporären Strei­chung! Ja, warum nicht? Denken wir auch daran, dass wir staatliche Preisregulierung in manchen Bereichen selbstverständlich durchführen könnten. (Abg. Morak: Marx! Marx! – Zwischenruf des Abg. Rädler.) Das wird zwar immer wieder in Abrede gestellt, aber selbstverständlich kann man das machen, wenn man möchte. Das ist eine Frage des Wollens. Es macht Sinn, bei Grundnahrungsmitteln und Energiekosten eine staat­liche Preisregulierung vorzunehmen und Höchstpreise festzulegen, damit die Men­schen, zumindest was Grundversorgungsbereiche betrifft, nicht über Gebühr belastet werden, dass das kein Luxusgut wird. Das gehört zur Daseinsvorsorge, das ist wichtig. Aber das stellen Sie leider Gottes nicht sicher.

Bei dieser Sozialpolitik Marke Gusenbauer ist es kein Wunder, dass ihm die eigenen Leute schon ausrichten, dass sie nicht einmal mehr seine Stellvertreter sein wollen. Ich verstehe, dass sich eine Frau Burgstaller heute entweder das Geld für das Benzin nicht mehr leisten kann oder nicht mehr leisten will, nach Wien zu kommen. Wahrscheinlich will sie es sich heute nicht mehr antun, sich im Schatten des Herrn Gusenbauer zu be­finden. Ich verstehe schon, dass immer mehr Genossen da nicht mehr anstreifen wol­len. Ich kann das nachvollziehen.

Bei dieser Sozialpolitik, die Sie betreiben, bei dieser Belastungspolitik, die das Gegen­teil von sozial ist, verstehe ich, dass sich immer mehr Menschen von Ihrem Parteivor­sitzenden und Kanzler, aber auch von Ihrer Partei abwenden. Das ist ein logisches Prinzip (Zwischenruf des Abg. Brosz), wenn man so agiert, wie Sie das in dieser Frage tun, keine Verantwortung wahrnimmt und kein Herz hat.

Ihr Verhalten erinnert mich wirklich an einen Spruch von Nestroy, der sagte: „Es gibt Leute, deren Herzen gerade in dem Grad einschrumpfen, als ihre Geldbörsen sich er­weitern.“ – Da hat es Nestroy im Zusammenhang mit Ihnen wirklich auf den Punkt ge­bracht. (Präsidentin Mag. Prammer gibt das Glockenzeichen.) – Das ist ein guter Ab­schlusssatz, der auch Ihre soziale Unverantwortlichkeit auf den Punkt bringt. (Beifall bei der FPÖ.)

10.54


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Als Nächster gelangt Herr Abgeordneter Krainer zum Wort. Ebenfalls 10 Minuten. – Bitte. (Abg. Ing. Westenthaler – in Richtung des sich zum Rednerpult begebenden Abg. Krainer –: Herr Abgeordneter Krainer, wo ist denn Ihre Fraktion derzeit? Die ist nicht da! Wo sind denn die alle? Eine Krisensitzung vielleicht? Kann das sein?)

 


10.54.26

Abgeordneter Kai Jan Krainer (SPÖ): Frau Präsidentin! Hohes Haus! Meine sehr ge­ehrten Damen und Herren! Kollege Strache, wissen Sie, was der Unterschied zwischen Ihnen und Herrn Van der Bellen ist? – Sie sind beide Klubobleute, aber Herr Van der Bellen liest wenigstens das, was hier im Plenum zur Abstimmung steht.

Wenn Sie hier behaupten, wir würden 400 Millionen für Stiftungen beschließen (Abg. Strache: Haben Sie gesagt! Herr Krainer, Sie haben das gesagt! Sie führen ja sich selbst ad absurdum! Sie haben von 400 Millionen Entlastung gesprochen! Das war der Herr Krainer!), müssten Sie nur zuhören: Herr Dr. Van der Bellen hat heute gesagt, dass Artikel 2 gestrichen ist – und dort ist es dringestanden. Das ist gestrichen! Inso­fern können wir das heute auch nicht beschließen. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Stra­che: Sie haben das im Ausschuss gesagt! Sie nehmen ja sich selbst nicht ernst!)

Sie haben in der heutigen Geschäftsordnungsdebatte Watzlawick zitiert mit: „Was A über B sagt, sagt mehr über A als über B.“ Ich glaube, das trifft wunderbar auf Sie zu. Sie beschwören hier großspurig den „kleinen Mann“ und behaupten, Sie würden sich


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für jemanden einsetzen. (Abg. Strache: Ihnen läuft er davon!) Schauen wir uns das doch ganz konkret auf Grundlage der Pendlerpauschale an.

Sie waren sieben Jahre in der Regierung. Schauen wir uns an, was die Regierungen in dieser Zeit im Bereich der Pendlerpauschale gemacht haben: Sie haben sie im Jahr um durchschnittlich 80 € angehoben. Was hat die jetzige Regierung gemacht, seit die SPÖ in der Regierung ist? (Abg. Scheibner: Wie hoch war damals der Ölpreis?) – Durchschnittlich um fast 500 € im Jahr. Das ist der Unterschied zwischen groß reden und großen Taten. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Strache: Die Kaufkraft ist schlechter als vor 15 Jahren, Herr Krainer!)

Wir beschließen heute die Erhöhung der Pendlerpauschale um 15 Prozent. Bereits das zweite Mal, seit die SPÖ in der Regierung ist, wird die Pendlerpauschale erhöht. Und wir beschließen auch eine Erhöhung des Kilometergeldes.

Dr. Van der Bellen hat gefragt: Wieso tun wir nichts für jene, die keine Lohnsteuer zah­len und deswegen von der Pendlerpauschale nichts haben? Dazu muss man sagen: Das stimmt, die hatten bis heuer, bis zum 1. Jänner 2008, wirklich nichts davon. (Abg. Haidlmayr: Auch jetzt nicht!) Wir haben aber vor einem Jahr ausdrücklich beschlos­sen, dass wir für genau diese Zielgruppe durch die Ausweitung der Pendlerpauschale erstmals diese Kosten absetzbar machen. Wir haben das nicht nur einmal gemacht, sondern wir haben das in der Zwischenzeit sogar auch erhöht. Das ist der Unterschied! Und zwar bis zu 240 € im Jahr. Das ist etwas ganz Neues. Das gab es, bevor die SPÖ in der Regierung war, noch nicht. (Beifall bei der SPÖ.)

Zur Frage, ob wir alle Probleme lösen: Nein. Wir lösen durch die Erhöhung der Pend­lerpauschale nicht alle Probleme der Teuerung, und wir federn damit auch nicht die Teuerung des Benzins zu 100 Prozent ab. Die Pendlerpauschale hat noch nie 100 Pro­zent der Treibstoffkosten abgefedert, sondern je nach Auto und Strecke, die man fährt, werden durch die Pendlerpauschale zwischen einem Drittel und zwei Dritteln der Treib­stoffkosten ersetzt. Die Erhöhung ersetzt auch in etwa die Hälfte dieser Teuerung. Also, das ist an und für sich im bisherigen Rahmen. Das ist deutlich mehr, als die vor­herigen Regierungen gemacht haben.

Und Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass die Benzinpreise erst seit eineinhalb Jah­ren steigen (Abg. Scheibner: Aber so stark wohl doch!) und vorher hundert Jahre un­gefähr auf einer Ebene waren. Nein, die Preisexplosion bei den Energiekosten hat doch 2000, 2002 begonnen. Das ist auch nichts Hausgemachtes, sondern das ist ein internationales Phänomen. So zu tun, als setzte die Bundesregierung hier Preise fest, ist ja absolut lächerlich.

Es gibt über die Pendlerpauschale hinaus – man muss sich ja das anschauen – auch Beihilfen der Länder, die unterschiedlich sind. Ich sage, die beste Beihilfe, die Länder leisten können, ist, für ein ordentliches, funktionierendes öffentliches Verkehrsnetz zu sorgen. Das ist in einer Stadt natürlich leichter.

Es stimmt: Die Stadt Wien gibt keine Pendlerbeihilfe. Ja, das stimmt. Sie gibt keine di­rekte Pendlerbeihilfe (Abg. Scheibner: Aber sie erhöhen die Preise!), aber sie sorgt für das beste öffentliche Verkehrsnetz aller Millionenstädte in der Europäischen Union. Und das ist die beste Hilfe für die Bevölkerung (Beifall bei der SPÖ), wenn sie genauso schnell, pünktlich, zuverlässig, sauber und bequem zum Arbeitsplatz kommt und auch in der Freizeit mobil ist, wenn die Stadt die Mobilität sicherstellen kann. Das ist das Wesentliche. (Präsident Dr. Spindelegger übernimmt den Vorsitz.)

Es gibt auch Fragen, die wir noch nicht gelöst haben und die wir uns im Rahmen der Steuerreform anschauen. Zum Beispiel die Frage: Was ist, wenn jemand auf sein Auto verzichtet und stattdessen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt? – Heute ist es so,


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dass die Pendlerpauschale, die er dann bekommt, geringer ist. Dazu gibt es auch den Vorschlag der Arbeiterkammer – den halte ich für auf jeden Fall diskutierenswert –: Wenn jemand auf sein Auto verzichtet und bewusst mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, dann soll er keinen Nachteil haben. Es gibt auch eine Reihe von anderen Vor­schlägen, die wir im Zuge der Steuerreform diskutieren können.

Zur Frage Schenkungsmeldegesetz: Ja, der Verfassungsgerichtshof hat das aufgeho­ben. Inhaltlich hat sich das an den Einheitswerten aufgehängt, aber nicht der Verfas­sungsgerichtshof ist schuld, Herr Dr. Van der Bellen, sondern die Mehrheit hier im Haus – unter Anführungszeichen – „ist schuld“. Die Mehrheit hier im Haus will keine re­formierte Erbschafts- und Schenkungssteuer!

Besonders witzig ist, dass jene, die besonders laut gejubelt und das begrüßt haben, jetzt draufkommen, dass das zum Beispiel auch dazu führt, dass ab 1. August, wenn ich einer Stiftung etwas schenke, gar keine Steuer mehr zu zahlen ist. Aber nein, denn wir beschließen heute auch, dass sie als Einzige in Österreich nach wie vor Schen­kungssteuer zahlen, nämlich 2,5 Prozent von dem, was geschenkt wird.

Die Grünen sagen jetzt, das ist für sie besser als bisher, denn bisher waren es 5 Pro­zent, in den letzten vier Jahren. Das stimmt, aber ab 1. August wäre andernfalls nichts mehr zu zahlen gewesen. Ab 1. August gibt es nämlich keine Schenkungssteuer mehr. Das war bisher ein Privileg. Während Sie oder ich oder jeder andere, der etwas ge­schenkt hat, zwischen 15 und 60 Prozent Schenkungssteuer bezahlt hat, haben bisher die Stiftungen einen Vorteil gehabt, weil sie nur 5 Prozent bezahlt haben. Jetzt ist aber die Situation eine ganz andere: Jetzt zahlen Sie und ich und alle anderen null, aber Stiftungen als Einzige 2,5 Prozent.

Also hier von neuen Privilegien zu sprechen halte ich für etwas vermessen. Es ist in Wahrheit der umgekehrte Fall eingetreten: Das Privileg, das es in der Vergangenheit gab, wird jetzt in Wahrheit zum Malus in dieser Frage. Also von neuen Privilegien in diesem Zusammenhang zu sprechen ist nicht rasend sachlich, Herr Professor.

Herr Dr. Schüssel! Es stimmt, dass Stiftungen nichts Böses sind. Ich sehe das auch nicht so, dass diese das Böse auf der Welt wären. Es gibt viele positive Beispiele, vor allem von gemeinnützigen Stiftungen. Wir sollten hier auch zwischen gemeinnützigen Stiftungen und Privatstiftungen unterscheiden, und wir sollten vor allem bei unserer Diskussion seriös bleiben.

Ja, es stimmt, es gibt 400 000 Arbeitsplätze in Stiftungen, aber die sind nicht entstan­den, weil es das Privatstiftungsgesetz gibt. Den Großteil dieser Arbeitsplätze gibt es seit Jahrzehnten, weil Familienbetriebe dadurch zusammengehalten werden konnten. Aber geschaffen wurden sie aufgrund dessen nicht. Das soll es auch in Zukunft geben.

Wenn Sie, Herr Dr. Van der Bellen, hier davon sprechen, dass die Mausefalle jetzt wegfällt, dann muss ich Ihnen sagen: Die ist heute auch nicht da, wenn man sie nicht will. Man kann heute schon das, was man in eine Stiftung einbringt, steuerfrei wieder herausholen, man muss die Stiftung nur widerrufen.

Genau dasselbe Prinzip gibt es auch in der Zukunft: Ich muss alle Erträge mit 25 Pro­zent versteuern, und ich kriege Substanz frei, also ohne Steuer die Substanz wieder zurück. Das ist aber kein Unterschied zu dem, wie das auch heute möglich ist und teilweise auch passiert. Nur: Stiftungen sind eben nicht gedacht für zehn Jahre oder für 15 Jahre, auch nicht für die Ewigkeit, aber für 100 oder 200 Jahre. Insofern ist jetzt die reale rechtliche Wirkung beziehungsweise Situation nicht so ein großer Unterschied zur jetzigen Lage.

Was wir uns trotzdem anschauen müssen, das ist, wie sich diese Stiftungen entwi­ckeln. Es gibt Befürchtungen, dass diese zu kurzfristigen Steuervehikeln werden. Aber


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darauf werden wir natürlich achten, ob das eintritt oder nicht. Sollte sich das zeigen, dann muss man als Gesetzgeber bereit sein, hier Nachjustierungen vorzunehmen. Aber die Sorgen, die Sie jetzt haben, sehe ich nicht, weil in Wahrheit die zukünftige Si­tuation nicht so weit weg ist von dem, wie es jetzt ist.

Das, was im Vorfeld kritisiert wurde, nämlich dieses Geschenk an die Stiftungen, ha­ben wir uns angeschaut. Ich glaube, es weiß jeder, wie das gewesen ist. Es hat hier­über im Klub lange Diskussionen gegeben, und ich kann sagen: Wir halten das nicht für sachgerecht. Wir haben in Gesprächen mit der ÖVP nicht nur diesen Punkt, son­dern eine Reihe von anderen Punkten hier herausgenommen, und ich glaube, wir ha­ben das Gesetz dadurch verbessert. Es ist ja auch unsere Aufgabe hier im Parlament, dass wir Gesetze besser machen. Das tun wir, dafür sind wir gewählt worden, und ich glaube, dass wir hier gezeigt haben, dass das zu Recht so ist.

Ich möchte aber noch ein Thema anschneiden, weil es in den letzten Tagen wieder in Diskussion gestanden ist, nämlich die Vermögenszuwachsbesteuerung.

Es gibt unterschiedliche Arten, wie jemand sein Einkommen erwerben kann. Es kann jemand etwas über Aktienspekulation verdienen, und er zahlt für dieses Einkommen nach einem Jahr null Prozent. Wenn jemand im Jahr 50 000 € so verdient, dann zahlt er null Euro.

Wenn jemand sehr viel Geld auf der Bank liegen hat und 50 000 € an Zinsen bekommt, dann zahlt er 25 Prozent, das sind 12 500 €.

Wenn jemand aber um dieses Geld arbeiten geht, dann werden diese 50 000 € mit über 30 000 € besteuert, mit Dienstnehmer- und Dienstgeberanteil und mit den Abga­ben dazu. Und das ist eine absolute Schieflage. Daher ist es notwendig, dass wir im Zuge der Steuerreform den Faktor Arbeit entlasten und vermögensbezogene Steuern erhöhen, denn da bewegen wir uns auf einem ganz niedrigen Niveau, und deswegen ist die Vermögenszuwachsbesteuerung ein Kernpunkt der Steuerreform. Und es ist in dieser Koalition auch vereinbart worden, dass diese kommt. (Abg. Dr. Schüssel: Nicht vereinbart worden! Nein! Dass das diskutiert wird!)

Es ist vereinbart worden, dass sie kommt. Und wir werden im Zuge der Steuerreform genau herausarbeiten, wie sie ausschauen wird. Ich sage gleich: Der durchschnittliche Häuselbauer, die durchschnittliche Familie soll davon nicht betroffen sein. Aber wenn es um Vermögenszuwächse geht – und die gibt es in beträchtlichem Ausmaß –, dann sollen auch die Betroffenen einen gerechten Teil zur Gesellschaft beitragen wie der­jenige, der arbeiten geht. Denn jeder, der arbeiten geht, zahlt seine Steuern, und daher kann auch jemand, der über Vermögen zu Einkommen kommt, seinen Anteil bezah­len. – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ.)

11.04


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächster Redner ist Herr Klubobmann Ing. Westenthaler. Auch für Sie gilt die maximale Redezeit von 10 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


11.05.00

Abgeordneter Ing. Peter Westenthaler (BZÖ): Sehr geehrter Herr Finanzminister! Meine Damen und Herren auf der Regierungsbank! Herr Präsident! Zunächst ein kleiner Anhang zur Geschäftsordnungsdebatte, weil der Herr Cap das Bild des Hohen Hauses, das sich hier bietet, so kritisiert hat: Es ist schon bemerkenswert, dass dann, wenn es um so wichtige Dinge geht, dass sogar eine Live-Fernsehübertragung statt­findet, zwei Drittel der SPÖ-Fraktion gar nicht im Saal sind.

Aber ich verstehe, für Sie ist dieses Thema ein Riesenproblem, ein kompliziertes The­ma, ein schwieriges Thema, weil es einfach nicht nur von der Optik, sondern auch vom


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Inhalt her – Herr Kollege Marizzi, weil Sie gerade hier so schön sitzen – für Sie sehr, sehr schwierig sein wird, Ihrer Klientel zu erklären, dass Sie einerseits trotz höchster Preise und Steuerbelastungen den Pendlern mit einer geringen Erhöhung der Pendler­pauschale gerade einmal Peanuts zurückgeben (Abg. Marizzi: Geh, geh!) und ande­rerseits im selben Atemzug eine Entlastung für die Superreichen durch die Senkung des Eingangssteuersatzes bei den Stiftungen beschließen.

Das versteht überhaupt niemand – außer Ihnen, weil Sie vielleicht auch EuroMillionen-Lotto spielen: Werden Sie reicher als reich! – das gilt jetzt für die Sozialdemokratie. Ihr seid die neuen Vertreter des Reichenstandes in Österreich. Ich gratuliere euch! Und deshalb habt ihr auch so große Probleme mit eurer Basis. (Beifall beim BZÖ. – Neuer­licher Zwischenruf des Abg. Marizzi.)

Und die habt ihr! Das schreibt auch der „Kurier“, wo es heißt, dass eure Funktionäre euch in Scharen davonlaufen. So sagt zum Beispiel der Herr Andreas Hannerer, ein SPÖ-Funktionär aus Rohrbach: „Ich habe ihn“ – nämlich Gusenbauer – „lange vertei­digt. Mittlerweile bin ich enttäuscht. Er benimmt sich, als würde seine Kanzlerschaft allein von der ÖVP abhängen.“ 

Das sagt einer Ihrer Funktionäre, Herr Marizzi!

Oder: Ein Gemeinderat aus dem Hausruckviertel befindet: „Der kleine Mann hat von der SP-Kanzlerschaft nicht viel.“ – Das sollten Sie sich merken!

Oder: Landesrat Hermann Kepplinger sagt, „dass die Pendler-Regelung mit einem Ge­schenk für Millionäre junktimiert worden ist. Das ist fast unmoralisch.“ 

Jawohl, das ist unmoralisch! Ihr seid mit dem heutigen Beschluss als Sozialdemokratie abgetreten. Das sollen die Menschen auch erfahren; wir werden es ihnen sagen.

Jetzt zu Ihnen, Herr Finanzminister! Wie fühlten Sie sich heute, als Sie aufgestanden sind? Jetzt können Sie sich ja die Hände reiben. Denn Sie werden – wir haben das ausgerechnet – auch heute am Ende des Tages einmal mehr 15 Millionen € an Steu­ern allein von den Autofahrern kassiert haben. 15 Millionen € an Steuern heben Sie täglich, aufs Jahr gerechnet, von den Autofahrern ein. Finden Sie das in Ordnung, Herr Finanzminister, in einer Zeit wie dieser, wo es ohnehin ausschließlich Belastungen gibt? Deswegen haben wir Ihnen in der Regierung den Titel verliehen: „Scheich Willi Al Abkassier“. Warum? – Weil wir derzeit die höchsten Belastungen durch Ihre Politik ha­ben.

Das betrifft nicht nur die Autofahrer. Wir haben uns die Gesamtbelastung der Haus­halte im Fünfjahresvergleich angeschaut, nämlich 2003 zu 2008, bei der Energie: beim Treibstoff: 570 €; beim Strom: 150 €; beim Heizöl bei 3 000 Liter: 1 815 €; beim Gas: 185 €. Das ergibt im Fünfjahresvergleich für Durchschnittshaushalte eine Mehrbelas­tung von 2 720 € allein für Energiekosten. Das sind in alter Währung 37 428 S, die heute Haushalte aufgrund Ihrer Belastungspolitik mehr zahlen müssen als vor fünf Jah­ren.

Dazu kommt, dass Sie noch fest bei den Steuern einkassieren. Vergleich Jänner zu April 2008: bei der Lohnsteuer plus 7,5 Prozent, bei der Umsatzsteuer plus 3,2 Pro­zent, bei der Mineralölsteuer plus 17 Prozent, bei der Körperschaftsteuer plus 12 Pro­zent, bei der Kapitalertragssteuer plus 3,55 Prozent.

Sie kassieren immer mehr Steuern und schröpfen damit die Österreicher. Und das ist nicht zu akzeptieren, denn die Österreicher stöhnen ohnehin schon unter den enorm hohen Preisen. Und dann kommt der Finanzminister noch daher und nimmt ihnen das Geld mit beiden Händen aus der Tasche.


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Es ist mittlerweile schon so, dass das einzig Positive an Ihrer Politik ist, dass der Be­rufsstand der Taschendiebe arbeitslos geworden ist, weil die Leute nichts mehr zum Stehlen in der Tasche haben. Das ist das Ergebnis Ihrer Finanzpolitik, Herr Finanz­minister!

Sie haben, Herr Finanzminister, die Krankenversicherungsbeiträge, die Mineralölsteu­er, die Rezeptgebühren, den Kostenanteil für Heilbehelfe, die Selbstbehalte bei Kurauf­enthalten erhöht. Sie haben das Pflegegeld real gekürzt, weil Sie es noch kein einziges Mal an die Inflation angepasst haben. Sie haben die Pensionen real gekürzt, weil Sie sie nur um 2 Prozent erhöht haben, während die Inflation aber bei 3,3 Prozent liegt. (Zwischenbemerkung des Staatssekretärs Dr. Matznetter.) Jeder Pensionist verliert derzeit täglich an Einkommen aufgrund der hohen Inflation, Herr Staatssekretär Matz­netter von der SPÖ.

Energie, Lebensmittel und Mieten werden teurer, nicht zuletzt auch deshalb, weil Sie für keine Entlastungen sorgen. Die Gebühren steigen auch. Und beim Kindergeld gibt es noch tausende Rückforderungen an die Familien, die damit auch geschröpft wer­den.

Und seit gestern wissen wir, dass in Österreich jeder, der mehr als 1 350 € verdient, schon zu den Reichen gehört, denn bei allem, was darunter liegt, gibt es nur eine Entlastung bei der Arbeitslosenversicherung, aber bei allem, was darüber liegt, gibt es nichts mehr. 1 350 €: Das ist künftig die Grenze für den Reichtum in Österreich! Aber gleichzeitig entlasten Sie die Superreichen in den Stiftungen.

Ich habe eigentlich nichts gegen Stiftungen, ganz im Gegenteil: Sie sind gut für Öster­reich, denn es kommt nicht von ungefähr, dass Menschen bei uns ihr Geld anlegen. Das ist gut für unser Land. Aber dass man im selben Atemzug den Eingangssteuersatz senkt und damit den Stiftungen ein Geschenk macht beziehungsweise ein Zuckerl gibt und gleichzeitig die Politikergehälter ein bisschen erhöht – das kommt auch noch dazu –, das ist unfair, unsozial und auch unfassbar.

Herr Finanzminister Molterer, Sie führen das Regierungsschiff als Finanzminister – einen Bundeskanzler haben wir ja nicht mehr, der ist ja nicht mehr vorhanden – unter schwarzer Piratenflagge gegen die Österreicher, nämlich konkret gegen ihre Geldbör­sen, und die Roten hissen noch mit das Segel und fahren ordentlich mit auf dieser Schiene. – Ich gratuliere Ihnen von der Sozialdemokratie dazu, das wird Ihnen nicht gut tun!

Sie haben, wie schon gesagt worden ist, 750 Millionen € an Mehreinnahmen durch die Mineralölsteuer. Der Pendler zahlt derzeit im Schnitt 700 € bis 1 000 € im Jahr mehr für Sprit, je nachdem, wie lange er fährt. Und Sie geben den Pendlern jetzt 30, 40 € zu­rück, einen halben oder dreiviertel Tank. Das ist wirklich letztklassig! Das ist keine Ent­lastung!

Die einzig mögliche Entlastung wäre, wenn endlich die Mineralölsteuer gesenkt werden würde, wenn sie heruntergefahren würde, wenn Sie, Herr Finanzminister, zumindest die Erhöhung zurücknehmen würden. Sie brauchen gar keine Mindereinnahmen zu haben, sondern Sie müssen nur die Erhöhung zurücknehmen, dann wäre bei diesen Höchstpreisen den Autofahrern schon geholfen. Das wäre eine richtige Maßnahme! (Beifall beim BZÖ.)

Herr Finanzminister! Es ist schon in Ordnung, wenn man die Pendler entlastet. Aber wir haben es gehört: Zweieinhalb Millionen werden überhaupt nicht entlastet, weil sie einfach unter dieser berühmten Einkommensgrenze liegen.

Herr Abgeordneter Krainer! Es war übrigens die Vorgängerregierung, die Regierung von ÖVP und BZÖ, die es mit ihrer Steuerreform in der Höhe von 3 Milliarden geschafft


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hat, dass wir derzeit in Österreich 2,5 Millionen Arbeitnehmer haben, die überhaupt kei­ne Lohn- und Einkommensteuer zahlen müssen. Das ist ein Verdienst der Vorgänger­regierung – aber die SPÖ hat damals dagegengestimmt, was ein Skandal ist. Das sollte auch noch einmal gesagt werden. (Beifall beim BZÖ. – Zwischenbemerkung des Staatssekretärs Dr. Matznetter.)

Auch Sie, Herr Staatssekretär Matznetter, haben dagegengestimmt. Sie waren übri­gens ein glühender Gegner der Stiftungen, haben immer die Stiftungen und ihre Steu­ervorteile kritisiert. Heute sitzen Sie auf der Regierungsbank schön breit da und be­schließen alles mit, was Ihnen der Finanzminister vorgibt. – Ist auch in Ordnung! Das ist Ihr Kaffee, das müssen Sie Ihren Wählern erklären.

Aber, Herr Finanzminister, was ist mit einer Mutter, die auf dem Land aufs Auto an­gewiesen ist? Das ist eine ganz konkrete Frage, und ich ersuche Sie, diese jetzt zu beantworten. Was ist mit einer Mutter, die auf dem Land aufs Auto angewiesen ist, weil sie ihr Kind in den Kindergarten bringen muss? – Da gibt es keine Pendlerpauschale! Da gibt es kein Kilometergeld! Von wem denn? (Abg. Jakob Auer: Kinderfreifahrt!)

Was ist mit einer Familie, die mit dem Auto einkaufen fahren muss, die zur Bank fahren muss, die zum Arzt fahren muss, die also auf das Auto angewiesen ist? Diese Familien zahlen Länge mal Breite den Benzinpreis, sind Opfer der hohen Preispolitik, die Sie mit Ihren Steuern gestalten. – Das ist unfair, letztklassig und auch gemein gegenüber den österreichischen Familien und jenen, die eine Entlastung wirklich brauchen! (Beifall beim BZÖ.)

Wir haben derzeit eine achtfache Steuerbelastung auf Autos: die Mineralölsteuer, die Mehrwertsteuer, die Umsatzsteuer, die NoVA, die motorbezogene Versicherungssteu­er, die eigentliche Versicherungssteuer, die Vignette, und jetzt kommt noch eine neue CO2-Steuer dazu. Das ist eine achtfache Besteuerung vom Autokauf bis zu dessen Gebrauch. Das ist „wunderbar“! Danke, SPÖ und ÖVP, dass Sie die Mobilität in die­sem Land zum Luxus machen!

Herr Finanzminister, weil Sie immer sagen, die böse Opposition, das böse BZÖ: Ich würde Ihnen empfehlen, einmal nach Kärnten zu schauen, denn dort gibt es eine Re­solution ... (Anhaltende Zwischenrufe bei der ÖVP.) Herr Finanzminister, weil Sie vor­hin mit dem Kopf geschüttelt haben: In Kärnten haben Ihre Leute in der Regierung und Ihre Abgeordneten im Landtag in einer Resolution, die von Schwarz, Rot und dem BZÖ unterschrieben worden ist, beschlossen, dass es einen amtlichen Höchstpreis geben soll. Wir werden heute diese Resolution hier einbringen, und wir werden uns ganz ge­nau anschauen, wie die Kärntner Abgeordneten von der ÖVP und von der SPÖ bei dieser Resolution stimmen werden.

Eine amtliche Preisregelung und eine Senkung der Steuern werden vom Land Kärnten gefordert, und ich bin gespannt, ob Sie dieses Ansuchen des Landes Kärnten ernst nehmen.

Sie sollten auch ein bisschen schauen, wie es mit den Öl-Multis weitergeht, Herr Fi­nanzminister, denn die haben derzeit ein Plus von 55 Prozent beim Gewinn, 795 Mil­lionen Mehreinnahmen. Die kassieren – und Sie kassieren an Dividende fleißig mit. 120 Millionen an Dividende kassieren Sie mit. Dort halten Sie auch die Hand auf.

Herr Finanzminister, Sie sollten sich einmal mit Ihren Freunden, den OMV- und Öl-Multis und wie sie alle heißen mögen, im Rahmen Ihres ÖIAG-Anteils zusammenset­zen. Machen Sie einen Benzinpreisgipfel, und sagen Sie endlich, dass es so nicht wei­tergehen kann: dass die Preise nach oben getrieben werden, der kleine Autofahrer blu­tet und die großen Mineralölkonzerne abkassieren! Das kann nicht sein!


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Deswegen sagen wir: Runter mit der Mineralölsteuer! Runter auch mit der Mehrwert­steuer! Und Einführung eines Höchstpreises! Das Land Luxemburg hat einen Höchst­preis bereits eingeführt, dort funktioniert es auch. Daher sollten Sie sich endlich ein Herz nehmen und ein Herz haben für die österreichischen Autofahrer, aber auch für die Familien, für die Pendler und überhaupt für jene, die eine Entlastung wirklich brauchen. (Beifall beim BZÖ.)

11.15


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Von der Regierungsbank aus hat sich Herr Vizekanzler Mag. Molterer zu Wort gemeldet. Die Redezeit darf 12 Minuten nicht über­steigen. – Bitte, Herr Vizekanzler.

 


11.15.14

Bundesminister für Finanzen Vizekanzler Mag. Wilhelm Molterer: Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren auf den Zuschauerbänken und vor den Fern­sehschirmen! Hohes Haus! Wir haben – ja, das stimmt – tatsächlich eine sensible wirt­schaftliche Situation, und in einer sensiblen wirtschaftlichen Situation braucht es einer­seits Sachverstand und andererseits eine sichere Hand. (Die Abgeordneten Ing. Wes­tenthaler und Strache: Ein Herz braucht es!)

Herr Kollege Westenthaler und Herr Kollege Strache! Billiger Populismus kann in einer derartigen Situation die Menschen in diesem Land sehr teuer zu stehen kommen. Da­her: Sachverstand und eine sichere Hand! (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordne­ten der SPÖ. – Abg. Strache: Ein Herz und soziale Verantwortung!)

Wir haben zwei Seiten bei der wirtschaftspolitischen Situation: Wir haben auf der einen Seite ein – für viele nach wie vor überraschend – sehr positives Wirtschaftswachstum. Wir hatten im ersten Quartal des Jahres eine Wachstumsrate von dreieinhalb Prozent. Wir hatten im Mai neuerlich eine sinkende Arbeitslosenrate. Wir haben so viele Men­schen in Beschäftigung wie nie zuvor in diesem Land. Die Exporte boomen weiter. – Das ist die eine Seite der Medaille.

Aber wer offen ist in der Diskussion mit den Menschen, mit den Unternehmen, mit den Arbeitnehmern, der sieht auch die zweite Seite: Wir haben eine Inflationsrate, die einerseits ein Risiko für die positive wirtschaftliche Entwicklung darstellt. Da muss man einfach sagen: Ja, die Energiepreise, die Rohstoffpreise drücken auf die Wachstums­erwartung!

Auf der anderen Seite ist eine steigende Inflation gerade für Menschen mit geringerem Einkommen ein wirklich problematische Situation. Das darf die Politik nicht ignorieren: weder das Risiko für die Wachstumsperspektive noch das Risiko für die wirtschaftliche Situation der Menschen, vor allem jener mit kleinerem Einkommen. Daher ist es unsere Aufgabe, mit Sachverstand und sicherer Hand auf der einen Seite die positive wirt­schaftspolitische Perspektive zu stärken und auf der anderen Seite den betroffenen Menschen tatsächlich ganz konkret zu helfen. Und das tun wir heute.

Mit diesem Beschluss, meine Damen und Herren – und ich hoffe, er erfolgt mit breiter Mehrheit –, werden wir ganz konkret die betroffenen Menschen in ihrer schwierigen Situation unterstützen. (Abg. Strache: Frotzeln und pflanzen!)

Wir haben erstens ab Mitte des Jahres mit der Senkung der Arbeitslosenversiche­rungsbeiträge für Einkommen bis 1 350 € ganz konkret 300 Millionen € von den Schul­tern der Menschen weggenommen (Abg. Strache: Eine Frotzelei und Pflanzerei ist das! – Abg. Ing. Westenthaler: 40 €!) und de facto aus dem Budget die Verantwortung dafür übernommen. 300 Millionen Entlastung aus der Arbeitslosenversicherungsbei­tragssenkung! (Beifall bei der ÖVP.)


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Wir werden zweitens ab 1. Juli – und ich danke dafür, dass das so schnell gegangen ist; es ist eine der schnellsten Beschlussfassungen, an die ich mich erinnern kann: vor 14 Tagen im Ministerrat, heute hier im Plenum – die Pendlerpauschale um 15 Prozent erhöhen und das Kilometergeld um rund 12 Prozent erhöhen. (Abg. Ing. Westentha­ler: 40 €!) Das sind weitere Entlastungen für die Menschen im Ausmaß von 60 Millio­nen €. (Abg. Ing. Westenthaler: Sagen Sie einmal die Zahlen!)

Herr Kollege Westenthaler! Von dieser Bundesregierung ist mit dem 1. Jänner 2006 die Pendlerpauschale um 40 Prozent angehoben worden. Ich betone: Um 40 Prozent! Das ist richtig, weil es die Menschen brauchen. (Beifall bei der ÖVP. – In den Reihen der Grünen wird ein mit dem Logo der Grünen versehenes Transparent hochgehalten mit der Aufschrift: „Schluss mit Betonieren – Öffis finanzieren!“)

Meine Damen und Herren! Wir werden drittens – und da haben Sie nicht richtig infor­miert, weder Sie, Herr Strache, noch Sie, Herr Westenthaler – mit der Wirkung der An­hebung der Negativsteuer selbstverständlich dafür Sorge tragen, dass die Entlastung für die Pendler auch bei jenen spürbar wird, die kleine Einkommen haben, nämlich auch real spürbar durch die Verbesserung im Negativsteuerbereich.

Aber das ist nicht alles. Wir haben den Gebührenstopp umgesetzt. Wir haben etwa im Bereich der Mieten die Inflationsberechnung anders gemacht, fairer gemacht, damit die Menschen durch die Inflationsbelastung keine überproportionale Steigerung verspüren.

Und wir haben vereinbart, dass im heurigen Jahr die Pensionisten die Pensionserhö­hung vorgezogen bekommen, und zwar ab November eine zusätzliche Pensionserhö­hung im Ausmaß von 150 Millionen €.

Das ist konkrete Politik, die den Menschen in diesem Lande hilft, meine Damen und Herren! Und so werden wir auch in Zukunft handeln. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Einen Augenblick, Herr Vizekanzler! – Meine Damen und Herren von den Grünen, wir haben jetzt lange genug Ihr Plakat gesehen. Ich darf Sie bitten, es wieder hinter den Sitzbänken zu verstauen. (Das oben erwähnte Transparent wird weggeräumt.)

Bitte, Herr Vizekanzler, setzen Sie fort!

 


Bundesminister für Finanzen Vizekanzler Mag. Wilhelm Molterer (fortsetzend): Und wir erwarten – ich sage das auch ganz offen von dieser Stelle –, dass seitens der Bundesländer deren Beitrag im Bereich der Pendlerpauschale und im Bereich der Heizkostenzuschüsse entsprechend wahrgenommen wird. Die Verantwortung haben wir gemeinsam in dieser Situation wahrzunehmen. – Wir tun es. Wir handeln, und wir halten Wort.

Und, Herr Kollege Strache, damit die Menschen auch die wahre und reale Situation sehen – Sie haben hier mit Zahlen jongliert, und ich denke, es ist doch besser, dass die Menschen bei Zahlen auf den Finanzminister vertrauen als auf Zahlenjongleure (Abg. Strache: Gerade der, ...!) –:

Wir haben mit diesem Paket ein Entlastungsvolumen von 300 Millionen € durch die Ar­beitslosenversicherungsbeiträge. Wir haben mit diesem Paket ein Entlastungsvolumen von 60 Millionen € für die Pendler, für die, die tatsächlich das Auto brauchen. (Abg. Strache: Die sind aber um 760 Millionen mehr belastet! Und Sie sprechen von Entlas­tung! Die sind belastet!) Wir haben mit diesem Paket, Herr Kollege Strache, 150 Millio­nen € zusätzlich für die Pensionisten vorgesehen, und wir haben mit diesen Maß­nahmen 150 Millionen € für den Klimafonds vorgesehen. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Strache: Bei den Pensionisten gibt’s keine Pensionsanpassung!) Das ist die Wahrheit, und das ist die Realität. (Abg. Strache: Wo gibt’s bei den Pensionisten eine Pensions-


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anpassung, Herr Finanzminister?) So werden wir auch in Zukunft umgehen: ausgewo­gen, wirtschaftspolitisch vernünftig, sozial verantwortlich und ökologisch nachhaltig. (Abg. Strache: Das ist ein Scherz, Herr Finanzminister! Wo haben die Pensionisten eine Pensionsanpassung? – Im Gegenteil!)

Apropos Wort halten: Wir haben uns das Ziel gesetzt, dass die Erbschaftssteuer und die Schenkungssteuer auslaufen. Mit dem heutigen Beschluss, meine Damen und Her­ren, wird unser Versprechen Realität: Ab dem 1. August gibt es keine Erbschaftssteuer und keine Schenkungssteuer mehr! (Beifall bei der ÖVP.)

Jetzt kann durchaus diskutiert werden, Herr Kollege Van der Bellen! Ich bin ja gerade­zu dankbar, dass Sie heute Ihre Argumente auf den Tisch gelegt haben, und ich sage Ihnen: Das hat mich, ehrlich gesagt, enttäuscht! (Abg. Mag. Kogler: Ah?) Ich habe vermutet, dass Sie durchaus auch im ökonomischen Sinne die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme verstehen, und ich bitte Sie wirklich, dass Sie hier die Ideologie im Schach­terl lassen und tatsächlich das Interesse der Menschen im Mittelpunkt haben. (Abg. Dr. Glawischnig-Piesczek: Die Ideologie von 3 316 Menschen!)

Was ist denn die Realität? – Ich war gestern am Abend bei einer Veranstaltung in Linz, wo viele hundert Klein- und Mittelunternehmer anwesend waren. Wissen Sie, was mir die gesagt haben? – Der Wegfall der Erbschafts- und der Schenkungssteuer ist eine der wichtigsten Entlastungsmaßnahmen für den Mittelstand, die je getroffen worden sind! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Jakob Auer: Jawohl!)

Warum? – Da steht ein junger Unternehmer, der von seinem Vater den Betrieb über­nimmt; kein großer Betrieb, ein kleiner, ein mittelständischer Unternehmer, der fünfzig, hundert, zweihundert Menschen Arbeit gibt. Wissen Sie, was der bisher tun musste? – Bevor er den Betrieb übernahm, musste er zuerst einmal Steuer zahlen, nämlich die Steuer angesichts der Betriebsübergabe, also entweder Schenkung oder Erbschaft. (Zwischenruf des Abg. Mag. Rossmann und weitere Zwischenrufe bei den Grünen.) Anstelle, dass wir froh sind, dass diese Menschen die Betriebe weiterführen, haben wir ihnen zuerst einmal Geld abgeknöpft. – Damit ist Schluss! Wir haben gesichert, dass die Betriebsübergabe erleichtert wird! (Beifall und Bravoruf bei der ÖVP.)

Zweitens: Es wird argumentiert, es seien die Reichen in diesem Land. Wissen Sie, was die Wahrheit ist? (Abg. Sburny: Sicherlich das, was Sie da verbreiten!) – Von den 80 000 Erbschafts- und Schenkungssteuerfällen ist zum überwiegenden Teil der Mittel­stand betroffen! Es wird der Mittelstand entlastet, es sind die Kleinen in dem Land ent­lastet. Das ist die Wahrheit!

Und drittens: Ja, es stimmt, es ist tatsächlich so, dass hier eine Steuer nicht mehr an­fällt für Vermögen, für das bereits Steuer bezahlt wurde. Und daher ist die Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer wirtschaftspolitisch richtig, sie ist arbeitsplatz­politisch richtig, sie ist standortpolitisch richtig, und sie ist sozial gerecht, meine Damen und Herren! (Abg. Strache: Das ist richtig! Das ist ausnahmsweise richtig! Das stimmt!) Das ist die Zielsetzung. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der FPÖ.)

Darum bin ich stolz – ich sage Ihnen das auch –, dass es uns gelungen ist, dass das, was wir vor der Wahl versprochen haben – die Erbschafts- und Schenkungssteuer wird abgeschafft! –, auch in die politische Praxis und Realität umgesetzt wird: Ab 1. August gibt es diese Steuer nicht mehr. – Wir halten Wort! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Ing. Westenthaler – auf Staatssekretär Dr. Matznetter weisend –: Der Matznetter freut sich auch „total“! Der Matznetter ist „begeistert“!)

Und nun zur Stiftungsfrage. Erstens einmal – wiederum, Herr Kollege Strache, fragen Sie in diesem Fall nicht den Finanzminister alleine, sondern fragen Sie auch meine Ex-


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perten! –: Ihre 400 Millionen sind schlicht und einfach falsch. (Abg. Strache: Die kom­men vom Herrn Matznetter! Von Ihrem Experten Matznetter kommen die, die 400 Mil­lionen!) Was wir mit der Beschlussfassung gemacht haben, ist, dass wir den Stiftungs­eingangssteuersatz von 5 Prozent auf 2,5 Prozent gesenkt haben. – Ja, dazu bekenne ich mich. Es ist richtig.

Die Menschen müssen auch wissen, was das tatsächlich kostet: nicht 400 Millio-
nen, Herr Kollege Strache, sondern sage und schreibe 5 Millionen! Nicht 400, sondern 5! (Abg. Strache: Ihr Experte Staatssekretär Matznetter und Herr Krainer haben von 400 Millionen gesprochen! – Abg. Ing. Westenthaler: ... für die Superreichen! Ich gra­tuliere!)

Und jetzt wiederum, Herr Kollege Van der Bellen: Wollen wir eine Politik für den Stand­ort – oder lassen wir uns von ideologischen Scheuklappen lenken? (Abg. Strache: Politik für Menschen! Das wäre der Hit!)

Die Stiftungsidee ist etwas, was Österreich stärker gemacht hat! Wir haben in Öster­reich 3 200 Stiftungen, meine Damen und Herren, in denen in der Zwischenzeit Unter­nehmen geführt werden, wo 400 000 Arbeitsplätze gegeben sind. (Abg. Dr. Van der Bellen: Aber die sind ja nicht wegen der Stiftungen entstanden!)

So, und jetzt war die Frage: Natürlich hätten wir es uns leicht machen können nach dem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes, dann hätte es überhaupt keine Stif­tungseingangssteuer mehr gegeben. (Staatssekretär Dr. Matznetter: So ist es!) Wir aber haben wiederum wirtschaftspolitisch vernünftig und sozial verantwortlich Folgen­des gemacht: Wir haben die Stiftungseingangssteuer halbiert (Abg. Ing. Westenthaler: Bravo, SPÖ! Bravo, Matznetter!), wir haben die Substiftungen rechtlich klargestellt, da­mit es wirtschaftspolitisch auch tatsächlich eingesetzt werden kann, und wir haben da­mit den Stiftungsstandort Österreich weiter attraktiv gehalten. Das ist das Modell, und das ist unsere politische Konzeption – nicht Ideologie, sondern Sachverstand! (ironi­sche Heiterkeit des Abg. Ing. Westenthaler) –, die dem Standort hilft. (Abg. Ing. Wes­tenthaler: Die SPÖ ist unter die Stifter gegangen! Die SPÖ geht stiften!)

Daher ist das heute vorliegende Paket, meine Damen und Herren, eines, das wirklich aus voller Verantwortung für Österreich positiv zu bewerten ist. (Abg. Strache: Die ÖGB-Stiftungen freuen sich!) Erstens, es hilft den besonders Betroffenen (Abg. Stra­che: Die ÖGB-Stiftungen haben eine Riesenfreude!) mit der Anhebung der Pendler­pauschale, mit der Senkung der Arbeitslosenversicherung, und den Pensionisten. Zweitens, es gibt die richtige Perspektive, meine Damen und Herren, für die Entlastung des Mittelstandes (Ruf bei den Grünen: Für die Superreichen!) mit der Erbschafts- und Schenkungssteuer, und es ist mit der Stiftungsentscheidung für den Wirtschaftsstand­ort Österreich attraktiv.

Österreich bleibt daher auf wirtschaftlichem Erfolgskurs und ist sich der sozialpoliti­schen Verantwortung bewusst. Das ist die Politik, die wir durch diese und in dieser Bundesregierung für richtig halten. Schließen Sie sich dem an! Es gibt keine Alter­native dazu. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Strache: Die Fanzonen sind wirklich für Sie errichtet! Das ist wirklich wahr! – Abg. Ing. Westenthaler: Statt roter Turnerklub jetzt roter Jachtklub und roter Zigarrenklub!)

11.27


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Stadl­bauer. Maximale Redezeit: 6 Minuten. – Bitte.

 


11.27.36

Abgeordnete Bettina Stadlbauer (SPÖ): Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Herr Staatssekretär! Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren


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auf der Galerie und vor den Fernsehgeräten! Dank der SPÖ bekommen die Pendler und Pendlerinnen bereits zum zweiten Mal eine Erhöhung. (Abg. Strache: Und die ÖGB-Stiftungen!) Ab Juli gibt es um 15 Prozent mehr Pendlerpauschale.

Die Regierung hat das in ihrer Sitzung beschlossen, und kurz hat es so ausgesehen, als ob wir das heute hier im Parlament nicht beschließen können. (Abg. Ing. Westen­thaler: Sind Sie auch bei einer Stiftung?) Das lag daran, Herr Klubobmann Westentha­ler (Abg. Ing. Westenthaler: Oder beim Zigarrenklub?), dass die Frage der Änderun­gen für Privatstiftungen mit der Erhöhung der Pendlerpauschale und des Kilometergel­des verknüpft werden musste. Und jetzt hat sich die Frage gestellt: Wer gibt wem wie viel? (Abg. Ing. Westenthaler: Ihr könnt einen Arbeiter-Jachtklub gründen!) – Und jetzt möchte ich aufklären, was es mit diesen ominösen 400 Millionen € auf sich hat.

Sehr geehrte Damen und Herren! Ursprünglich wollte die ÖVP 400 Millionen € an die Reichsten der Reichen, an die Privatstiftungen verteilen. (Ironische Heiterkeit des Vizekanzlers Mag. Molterer.) Die ÖVP wollte einen Teil der Steuern (Vizekanzler Mag. Molterer: Das ist eine Regierungsvorlage gewesen!), die in den letzten fünfzehn Jahren von den Privatstiftungen bezahlt wurden, wieder zurückschenken – während wir, die SPÖ, die Pendler und Pendlerinnen so bald wie möglich entlasten wollten (Abg. Jakob Auer: Frau Kollegin Stadlbauer, schauen Sie dem Herrn Kollegen Matz­netter ins Gesicht!), und zwar mit einem Gesamtbetrag von 60 Millionen €. (Ruf bei
der ÖVP: Schauen Sie auf Ihren Staatssekretär! – Ironische Heiterkeit des Staats­sekretärs Dr. Matznetter.)

Ich sehe ja eigentlich diese Diskussion darüber, die im Vorfeld stattgefunden hat, sehr positiv, weil dadurch wieder sonnenklar wird, welche Partei für wen Politik macht. (Bei­fall bei der SPÖ. – Abg. Ing. Westenthaler: Sind Sie auch beim Jachtklub?)

So, wie schaut jetzt das Verhandlungsergebnis aus? – Das möchte ich auch in Rich­tung von Herrn Klubobmann Strache sagen, der das anscheinend verschlafen hat. – Das Verhandlungsergebnis hier im Parlament schaut so aus, dass die 400 Millionen nicht an die Privatstiftungen zurückbezahlt werden – aber die Pendler und Pendlerin­nen erhalten die Erhöhung! Das beweist, dass sich die SPÖ durchgesetzt hat (lebhafte Heiterkeit des Abg. Ing. Westenthaler sowie Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP) – für die Pendler und Pendlerinnen, für einen Großteil der Arbeitnehmer und Arbeitneh­merinnen in diesem Land, und das ist gut so. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Ing. Westen­thaler: Mittlerweile ist das eine Drohung, wenn ihr euch durchsetzt!)

Wieder ist auf Druck der SPÖ-Fraktion im Parlament Politik mit einer sozialen Hand­schrift sichtbar geworden.

Meine Damen und Herren! Bereits zum zweiten Mal ist in der Zeit, in der die SPÖ wie­der den Bundeskanzler stellt und Regierungsverantwortung trägt, die Pendlerpauscha­le erhöht worden. Wir alle sind damit konfrontiert, dass die Preise von Benzin, Diesel und Heizöl steigen und steigen. Mittlerweile kosten notwendige Fahrten zwischen Ar­beitsplatz und Wohnort teilweise bis zu einem Drittel des Nettoeinkommens. Mehr als die Hälfte der Pendler und Pendlerinnen denkt, laut einer Umfrage eines Automobil­klubs, bereits darüber nach, den Job oder den Wohnort zu wechseln, weil die Fahrtkos­ten einfach zu hoch werden. (Abg. Ing. Westenthaler: Wegen Ihrer Politik!) Wir sind alle tief besorgt, und alle gemeinsam stellen wir Überlegungen an, wie wir den Men­schen diese Sorgen abnehmen können. Aber es ist wichtig, dass alle die gleichen Chancen haben, die Mobilität und somit den Lebensstandard und die Lebensqualität erhalten zu können. Wir schauen dabei auf die, die es am nötigsten brauchen.

Mit der Erhöhung der Pendlerpauschale nehmen wir finanzielle Sorgen zum Teil ab, und zwar folgende Sorgen (Abg. Mag. Kogler: Wieso? Die meisten, die sie brauchen, kriegen sie ja gar nicht!): Frau Ruth M. zum Beispiel lebt in Bischofshofen und arbeitet


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in Salzburg. (Abg. Ing. Westenthaler: Wer? Die Frau Burgstaller?) Sie fährt täglich 120 Kilometer zur Arbeit und zurück und bezahlt mittlerweile pro Monat fast 200 € für Diesel. Durch diese Reform, durch dieses Gesetz werden zwei Drittel dieser ihrer Kos­ten nun abgefangen. – Oder: Herr Andreas Z. aus Rohrbach in Oberösterreich arbeitet im Süden von Linz. Durch die hohen Preise zahlt er an der Zapfsäule 50 € im Monat mehr, und mehr als die Hälfte davon erhält er nun durch die Erhöhung der Pendlerpau­schale 2007 und 2008. (Zwischenrufe der Abgeordneten Dr. Haimbuchner und Zan­ger.)

Aber nicht nur die Pendler und Pendlerinnen, die mit dem Auto fahren, sondern
auch die, die öffentliche Verkehrsmittel benutzen, werden finanziell entlastet. (Abg. Dr. Haimbuchner: Der Herr Staatssekretär schaut jetzt sehr skeptisch! – Ruf bei der FPÖ: Der Herr Vizekanzler auch!) Viele davon sind Frauen, die tagtäglich hin und her fahren müssen, und für die ergeben sich noch viel mehr Alltagsprobleme, die gelöst werden müssen. Viele berufstätige Mütter machen täglich einen Spagat zwischen Be­ruf und Familie, Job und Kind. Nur die SPÖ (Abg. Dr. Haimbuchner: Beseitigt diese Ungerechtigkeit!) ist Garant dafür, dass wir diese Frauen mit ihren Sorgen nicht alleine lassen. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Zweytick: Jetzt übertreibst du aber!)

Diese Frauen brauchen unter anderem ausreichend Kinderbetreuungseinrichtungen. Und dank der SPÖ in der Regierung, allen voran Frauenministerin Doris Bures, werden nun die Kinderbetreuungseinrichtungen in ganz Österreich ausgebaut. Nur die SPÖ ist Garant dafür, dass die unfairen unterschiedlichen Einkommen zwischen Frauen und Männern wahrgenommen werden, und nur die SPÖ ist Garant dafür, dass viele not­wendige Schritte unternommen werden, wie der Ausbau der Kinderbetreuungseinrich­tungen, das flexible Kindergeld oder die Gleichbehandlungsgesetze in der Privatwirt­schaft. Und auch die Erhöhung der Pendlerpauschale wird ihren Teil dazu beitragen, dass die Berufstätigkeit von Frauen ermöglicht beziehungsweise erleichtert wird.

Sehr geehrte Damen und Herren! Die Erhöhung der Pendlerpauschale ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann – ein großartiger Erfolg für die SPÖ, für den SPÖ-Bundes­kanzler, die SPÖ-Mitglieder in der Regierung und die SPÖ-Fraktion im Parlament. (Bei­fall bei der SPÖ. – Abg. Zweytick: „Bravo“!)

Aber ich möchte auch nicht anstehen, mich bei den Kollegen von der ÖVP dafür zu be­danken (Abg. Ing. Westenthaler: Dass sie mitgemacht haben!), dass sie die Situation rechtzeitig erkannt haben und dieses Gesetz auch mitbeschließen. Das beharrliche Verhandeln mit der ÖVP hat sich gelohnt (ironische Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP), und schon bald werden die Pendler und Pendlerinnen auch spürbar entlastet werden. (Abg. Ing. Westenthaler: Das ist ja absolut lächerlich! – Niedersetzen! Aufhö­ren! Setzen Sie sich nieder!) Und darüber freue ich mich wirklich sehr! – Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ.)

11.33


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Stummvoll. Auch seine Redezeit beträgt maximal 6 Minuten. – Bitte. (Abg. Dr. Haimbuchner: Jetzt muss der Kollege Stummvoll das ein bisschen ausbügeln!)

 


11.33.44

Abgeordneter Dkfm. Dr. Günter Stummvoll (ÖVP): Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zunächst zu meiner Vorrednerin: Herzlichen Dank, dass Sie diese Idee des Vizekanzlers so sehr gelobt haben! Ob es dem Bundeskanzler hilft, weiß ich nicht, aber es war die Idee des Herrn Finanzministers und Vizekanzlers. Danke vielmals für Ihr Lob! (Beifall und Bravoruf bei der ÖVP.)


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Meine Damen und Herren! Weil wir heute dieses Schenkungsmeldegesetz – hoffentlich mit breiter Mehrheit – beschließen, lassen Sie mich sagen: Ein guter Tag für die Steu­erzahler! (Abg. Ing. Westenthaler: Für die Stifter!) Die Steuerzahler werden von zwei Steuern befreit, von der Erbschafts- und von der Schenkungssteuer (Abg. Öllinger: Oje! Das hat schon der Grasser gesagt!), von zwei Steuern, Herr Kollege Öllinger, die extrem eigentumsfeindlich waren, die extrem familienfeindlich waren, die extrem mittel­standsfeindlich waren und die extrem arbeitsplatzfeindlich waren.

Kurze Erläuterung: Extrem familienfeindlich, weil sich die ganz überwiegende Zahl aller Erbschaften und Schenkungen in Österreich innerhalb der Familie abspielt. Und wir wollen haben, dass das Eigentum der Familie bleibt und nicht vom Staat weggesteuert wird. Das ist unsere ordnungspolitische Position, meine Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)

Erinnern Sie sich daran: Es war vor einiger Zeit in der „Kronen Zeitung“ ein Leserbrief abgedruckt, in dem nachgewiesen wurde, dass – sicherlich ein Extremfall – durch meh­rere Todesfälle in der Familie für ein ererbtes Haus vier Mal Erbschaftssteuer gezahlt werden musste! – Das schaffen wir jetzt ab. Das wird es in Zukunft nicht mehr geben.

Auch extrem mittelstandsfeindlich waren diese beiden Steuern, meine Damen und Her­ren: Wir hatten im Jahr 2006 insgesamt 62 000 Erbschaftssteuerfälle. Davon waren nur 95 über einem Betrag von 365 000 €, und 16 Fälle von 62 000 lagen über 1 Million €. – Das war also eine extrem mittelstandsfeindliche Besteuerung. (Abg. Krainer: Aber ein Viertel der Einnahmen war aus vier Fällen!) Sie fällt in Zukunft weg! Ein guter Tag für den Mittelstand, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP.)

Und ein guter Tag auch für die Arbeitsplätze! – Der Herr Finanzminister hat darauf hingewiesen: Wenn heute bei Betriebsübergaben – sei es im Schenkungsfall, sei es im Erbschaftsfall – zunächst einmal eine Steuer anfällt, überlegen sich ja viele, den Be­trieb überhaupt zu übernehmen. Ich kenne einen konkreten Fall aus meinem Wahlkreis Waldviertel: Ein Klein- und Mittelbetrieb mit 22 Mitarbeitern, Betriebswert 1 Million €. Der Unternehmer stirbt, der Bruder erbt den Betrieb. Als Bruder fällt er in Steuerklas­se 3, und er zahlt – mit allen Freibeträgen – zunächst einmal 190 000 € Erbschafts­steuer, bevor er den Betrieb überhaupt übernehmen kann!

Meine Damen und Herren, wenn wir das abschaffen, dann schaffen wir damit eine Er­leichterung für Betriebsübergaben, eine Erleichterung für Unternehmer, eine Erleichte­rung für Arbeitsplätze, die damit gesichert werden. (Beifall bei der ÖVP.)

Das heißt: Der heutige Tag ist ein guter Tag für den Mittelstand, er ist ein guter Tag für die Arbeitsplätze, er ist ein guter Tag für alle Eltern, die ihren Kindern etwas schenken wollen, ein guter Tag für alle Großeltern, die oft nach einem langen arbeitsreichen Le­ben das, was sie sich erarbeitet und erspart haben, den Enkelkindern steuerfrei verer­ben können, meine Damen und Herren! (Abg. Riepl: Die Urgroßeltern haben Sie ver­gessen!) Ein Jubeltag im Grunde, weil all das in Zukunft steuerfrei möglicht ist! (Beifall bei der ÖVP.)

Herr Kollege Riepl, ich lade Sie ein: Freuen Sie sich mit uns! (Abg. Riepl: Sie haben die Urgroßeltern vergessen!) Vielleicht haben Sie auch Kinder, vielleicht haben Sie auch Enkelkinder. Wenn Sie denen etwas vererben: Freuen Sie sich mit uns!

Ein Wort noch zu den Stiftungen: Wir haben im Finanzausschuss mehrmals darüber diskutiert, und es kam sehr klar heraus, dass wir es hier zweifellos mit einer hoch sen­siblen Materie zu tun haben, gar keine Frage. Herr Dr. Quantschnigg vom Finanzminis­terium hat es sehr schön formuliert: Es geht hier um eine Balance zwischen einer fairen Besteuerung einerseits und der Erhaltung von Betriebsvermögen andererseits. – Wir glauben, dass wir mit dieser Regelung diese faire Balance jetzt gefunden haben.


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Wir dürfen eines nicht übersehen, meine Damen und Herren: Wer eine Stiftung grün­det, verzichtet auf das Verfügungsrecht über sein Vermögen. Da ist es doch durchaus fair, dass wir hier Sonderbestimmungen haben! (Abg. Öllinger: Bartenstein! – Haben Sie auch eine Stiftung?) Es wurde bereits gesagt: In Zukunft gibt es keine Erbschafts- und Schenkungssteuer, aber sehr wohl gibt es noch eine Stiftungseingangssteuer, wenngleich auch in Höhe von 2,5 Prozent statt, wie bisher, 5 Prozent. – Eine sehr, sehr faire Regelung! Und ich bin überzeugt davon, dass das die Attraktivität des Wirtschafts- und Arbeitsstandortes Österreich weiterhin verbessern wird.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich auch noch Folgendes sagen: Mir ist klar, es gibt hier unterschiedliche ordnungspolitische Positionen. Und weil Kollege Van der Bel­len gerade den Saal betreten hat: Van der Bellen mag ein toller Wirtschaftstheoretiker sein – er mag einer sein; ich weiß es nicht –, aber, Herr Kollege Van der Bellen, von der wirtschaftlichen Praxis habe ich in Ihrer heutigen Rede sehr, sehr wenig bemerkt. (Abg. Öllinger: Da haben wir ja Sie!) – Ich bin froh, dass wir diese Herren auf der Re­gierungsbank haben und keine anderen. (Beifall und Bravorufe bei der ÖVP.)

11.38


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Rossmann. Seine Redezeit: maximal 6 Minuten. – Bitte. (Vizekanzler Mag. Mol­terer: Der Stiftungsfan tritt auf! – Abg. Dr. Cap – in Richtung des an das Rednerpult tretenden Abg. Mag. Rossmann –: Alles ist hoffnungslos! Alles ist hoffnungslos!)

 


11.38.55

Abgeordneter Mag. Bruno Rossmann (Grüne): Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Herr Staatssekretär! Herr Kollege Stummvoll, ein Jubeltag wäre heute in der Tat, wenn wir eine Reform der Erbschafts- und Schenkungssteuer beschließen würden (Abg. Dr. Stummvoll: Eine Steuer! Eine Steuer!), wenn wir die Privilegien bei den Stiftungen abschaffen würden und wenn wir eine massive Entlastung der Lohn- und Einkommen­steuerzahler in diesem Land beschließen würden. (Beifall bei den Grünen.)

Wir – oder besser gesagt Sie – tun mit diesem Gesetz genau das Gegenteil: Sie entlasten die Vermögenden in diesem Land (Abg. Dr. Stummvoll: Im Gegenteil! Die Großeltern!) und lassen die armen Lohn- und Einkommensteuerzahler – gestern sind ja nicht die Lohnsteuerzahler entlastet worden, sondern Zahler von Abgaben – weiter­hin bluten (Abg. Zweytick: Das ist eine Rede, ...!) angesichts hoher Preise einerseits und andererseits angesichts der Tatsache, dass die Eingangssteuersätze sehr, sehr hoch sind.

Und was tun Sie von der ÖVP, Herr Vizekanzler, Herr Stummvoll, Herr Schüssel? – Sie schieben den Mittelstand vor, um Privilegien für die Reichsten in diesem Lande zu schaffen. (Beifall bei den Grünen.)

Warum? – Nach all dem, was wir über Vermögen in Österreich wissen, wissen wir
und können sagen, dass es bei Vermögen keinen Mittelstand gibt. Da gibt es nur ein oben und da gibt es nur ein unten. 10 Prozent des gesamten Vermögens ... (Abg. Dr. Stummvoll: 1,4 Millionen Eigenheime, 600 000 Eigentumswohnungen!) – Ja, Herr Kollege. – 10 Prozent der Bevölkerung verfügen über 70 Prozent des gesamten Ver­mögens, 1 Prozent davon verfügt über ein Drittel des gesamten Vermögens. – Und Sie sagen, Sie entlasten den Mittelstand.

Schauen wir uns an, wie die Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuer-Belastungen verteilt sind! In der Tat, es gibt viele Fälle, aber die Erbschafts- und Schenkungs­steuer 2006 zeigt, dass es nur fünf Schenkungen und Erbschaften gewesen sind, die 23 Prozent der gesamten Steuereinnahmen eingebracht haben. Das sind die Tatsa­chen.


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Schauen wir uns jetzt Folgendes an: Wer sind die Stifter in diesem Land? Wie viele Ar­beitsplätze werden denn dadurch geschaffen? – Ich habe hier eine Liste der Privatstif­tungen. Da gibt es einen gewissen Herrn Flick; der ist aus dem Ausland nach Öster­reich gekommen, um Steuern zu sparen. Das ist richtig. Aber dann lese ich Ihnen ein paar Namen vor: Wlaschek, Swarovski, Prinzhorn, Dichand, Androsch, Haselsteiner, Essl, Bartenstein. (Abg. Scheibner: „Böse“ Kapitalisten!) Das sind ja keine Auslän­der – oder täusche ich mich? (Abg. Neugebauer: Die Zahl der Arbeitsplätze rechts dazuschreiben!) Sind das nicht Unternehmen, die schon vorher existiert haben, Herr Vizekanzler? (Vizekanzler Mag. Molterer: Und die Arbeitsplätze?) – Ja, aber diese Ar­beitsplätze haben ja um Himmels willen schon vorher bestanden, bevor die Unterneh­men in die Stiftung eingebracht worden sind.

Herr Vizekanzler, wenn Sie sagen, wir sollen die Ideologie im Schachterl lassen, dann sage ich Ihnen: Lassen Sie die Märchen und Mythen im Schachterl und kümmern Sie sich darum, dass für die Reichen und Reichsten dieses Landes keine Privilegien, keine zusätzlichen Privilegien geschaffen werden. (Beifall bei den Grünen. – Vizekanzler Mag. Molterer: Warum hat es Lacina eingeführt?) – Um Familienvermögen zusam­menzuhalten, ja, aber mit üppigen Steuervorteilen, meines Erachtens zu üppigen Steu­ervorteilen.

Aber mit dem, was jetzt mit der Stiftungsbesteuerung passiert, werden die Stiftungen zu einem reinen Steuersparvehikel. Und vielleicht sollten Sie nicht immer nur auf Ihre Experten im Finanzministerium, dem „Wahrheitsministerium“, hören, vielleicht sollten Sie auch einmal auf andere Experten hören. Wir im Finanzausschuss haben das ge­tan. Und zwei der dort anwesenden Experten haben klipp und klar gesagt, dass hier neue zusätzliche Steuerprivilegien für die Stiftungen geschaffen wurden.

Was in der Tat gelungen ist, ist, die Steuerrückerstattungen für die bereits bestehen­den Stiftungen abzuschaffen, die zu einer Steuerersparnis in der Größenordnung von 400 Millionen € geführt hätten. Herr Jan Krainer, der ja der Chefverhandler war, hat das in der „ZiB 2“ bestätigt. Ich denke, dass es ein Erfolg der Grünen zusammen mit Universitätsprofessor Doralt gewesen ist, dass diese Regelung nicht gekommen ist! (Beifall bei den Grünen.) Damit haben wir dem österreichischen Budget und den Steu­erzahlern 400 Millionen € erspart, auf 20 Jahre gesehen 20 Millionen € pro Jahr. Das ist Geld, das wir dringend brauchen können für Kindergärten, für Schulen, für die Pfle­ge und für andere Dinge.

Ein weiteres Argument: Wenn hier immer wieder behauptet wird, mit der Erbschafts- und Schenkungssteuer werde eine Doppelbesteuerung vorgenommen, so stimmt das schlicht und einfach nicht. Beim Erblasser ist das ein Vermögen, das anfällt, das bisher noch nicht versteuert wurde.

Werfen wir einen Blick über den Teich in die USA! Dort gab es vor einigen Jahren auch eine Diskussion über die Reduktion der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Und die Reichen und Reichsten dieses Landes – Bill Gates, Warren Buffett, und wie sie alle heißen mögen (Abg. Scheibner: Auch so „böse“ Menschen!) – haben dafür Sorge ge­tragen, dass die Erbschafts- und Schenkungssteuer nicht zur Gänze abgeschafft, son­dern nur reduziert wurde bis zum Jahre 2010. Dann wird dort weiterdiskutiert werden.

Aber eines muss man sich schon vor Augen halten: Wenn heute dieses Gesetz be­schlossen werden wird, dann wird Österreich eines der wenigen Länder sein, das weder eine Vermögensteuer noch eine Erbschafts- und Schenkungssteuer haben wird. Das ist ja ein Unikat – weltweit! Da gibt es nur noch Italien und sonst fast nichts. (Prä­sident Dr. Spindelegger gibt das Glockenzeichen.)

Und wenn Sie, Herr Kollege Krainer, sagen, die Vermögenszuwachssteuer sei ein Er­satz für die mangelnde Besteuerung von Vermögen, so irren Sie. Wir werden uns sehr


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 70

genau anschauen, was bei dieser Regelung überhaupt herauskommen wird. – Danke. (Beifall bei den Grünen.)

11.45


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Hauser. Auch für Sie gilt eine maximale Redezeit von 6 Minuten. – Bitte.

 


11.45.34

Abgeordneter Mag. Gerald Hauser (FPÖ): Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minis­ter! Herr Staatssekretär! Geschätzte Damen und Herren auf der Galerie und vor den Fernsehgeräten! Ich möchte auch noch kurz auf die Geschäftsordnungsdebatte einge­hen und schon festhalten, dass der Stil, wie wir miteinander umgehen, entscheidend ist.

Ich habe heute in der Fragestunde hier herinnen eingefordert, dass das Einkaufen für den Konsumenten nicht zu teuer sein darf, sondern leistbar sein muss. Aufgrund dessen verlangen wir als Freiheitliche Partei Änderungen und fragen: Was kann man denn tun, damit sich der Konsument die Lebensmittel überhaupt noch leisten kann, deren Preise ja in den letzten eineinhalb Jahren exorbitant gestiegen sind? Das ist unbestritten, und die Bürger haben zu Recht das Gefühl, dass man in Wahrheit um 50 € in der Einkaufstasche nicht mehr viel drinnen hat und es hinten und vorne brennt, weil man mit dem Einkommen nicht mehr auskommt.

Wir als Freiheitliche Partei haben bereits im vergangenen Herbst unter anderem Ge­genmaßnahmen eingefordert, zum Beispiel, die Mehrwertsteuer auf die Grundnah­rungsmittel, die der Bürger Tag für Tag benötigt, als einen ersten Schritt zu reduzieren. Und dann lese ich die heutige Presse-Aussendung vom Kollegen Auer, in der er mir eine unglaubliche Entgleisung unterstellt und sagt, ich hätte in meinem Einleitungs­statement in der Fragestunde behauptet (Abg. Dr. Stummvoll: Wir reden aber zum Schenkungsmeldegesetz!), die Bauern seien schuld an den hohen Lebensmittelprei­sen. – Das ist einfach unwahr!

Wahr ist – und in meiner ersten Wortmeldung habe ich das festgestellt –, dass seitens der Freiheitlichen Partei natürlich faire Preise für die Bauern einzufordern sind. Das möchte ich noch einmal festhalten und unterstreichen. Wenn sich ein Fernsehzuschau­er die Zeit genommen hat, die Debatte vom Beginn bis jetzt anzuschauen, wird er das wissen.

Und das ist der Punkt, der auch wirklich geändert gehört: Man muss sich gegenseitig ernst nehmen und auch zuhören können. Wenn später solche Aussagen kommen und das eigentliche Problem nicht angesprochen wird, nämlich die Bevölkerung endlich ein­mal von den exorbitant gestiegenen Preisen beim Heizen, beim Tanken, beim Woh­nen, beim Einkaufen zu entlasten, und der ÖVP nicht mehr einfällt, als hier plumpe Plattitüden in meine Richtung von sich zu geben, dann beweist das auch den Stil. (Bei­fall bei der FPÖ.)

Im Übrigen zum Stil: Das Parlament muss sich ernst nehmen. Aber zum Ernstnehmen gehört ja auch dazu, dass wir Aufgaben haben und uns nicht immer selber be­schränken. Wenn ich also jetzt nach hinten schaue und sehe, dass die EU-Fahne gleich groß wie die österreichische Fahne ist, dann ist das auch ein Beispiel dafür, wie die Großparteien SPÖ und ÖVP mit den Grünen nicht nur über die österreichische Be­völkerung drübergefahren sind und die Europäische Verfassung, die aus unserer Sicht ein reines Diktat darstellt, einfach gegen den Willen der Bevölkerung durchgezogen haben (Zwischenrufe bei SPÖ und ÖVP), sondern es ist auch Fakt, dass natürlich durch dieses EU-Diktat dem Parlament auch Kompetenzen genommen werden, uns genommen werden, Ihnen genommen werden. (Abg. Dr. Stummvoll: Zur Sache! –


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 71

Abg. Dr. Schüssel: Sie reden nicht zur Sache!) Es werden Kompetenzen genommen. Und das ist das Entscheidende! (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Dr. Schüssel: Reden Sie endlich zum Schenkungsmeldegesetz!)

Wenn Sie, Herr Dr. Schüssel, schon vor Brüssel permanent in die Knie gehen, weil Sie möglicherweise einen Job in Brüssel haben wollen, so ist das Ihr privates Problem. Aber wenn Sie schon bei den Verhandlungen in die Knie gehen, dann hätten Sie zu­mindest einiges ausverhandeln müssen: zum Beispiel, dass es eine fixe Verlagerungs­garantie für den transitierenden Lkw-Verkehr von der Straße auf die Schiene gibt.

 


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Herr Kollege, ich darf Sie jetzt auffordern, wie­der zum Verhandlungsgegenstand zu sprechen! (Beifall und Bravorufe bei der ÖVP.)

 


Abgeordneter Mag. Gerald Hauser (fortsetzend): Geschätzte Damen und Herren! Wenn Sie heute das Ergebnis Ihrer Verhandlungen als großen Erfolg darstellen, sage ich, das kann nicht sein. Denn jeder, der ein Auto besitzt, weiß (der Redner hält eine Tafel, auf der in roter Schrift „55 % Steuern“ steht, in die Höhe), dass er 55 Prozent des Preises beim Tanken in die größte Zapfsäule der Republik abgibt, die jetzt quasi hinter mir sitzt, nämlich an die beiden größten Zapfmeister (Beifall bei der FPÖ), den Herrn Finanzminister und den Herrn Staatssekretär für Finanzen hinter mir, dass 55 Prozent in ihre Kasse fließen. Sie geben heute kleine, bescheidene Gelder zurück und wollen das als großen Erfolg darstellen. Es ist aber jedem, auch uns klar: Ihnen fehlt das Herz, Herr Finanzminister! Sie hätten schon früher, Sie hätten schon rechtzeitig reagie­ren müssen. Und es wäre Ihnen ein Leichtes, Teile von den 816 Millionen €, die Sie im ersten Quartal dieses Jahres bereits mehr eingenommen haben, der Bevölkerung zurückzugeben.

Was tun Sie jedoch? – Sie bleiben auf Ihrem Geld sitzen, beschönigen die Situation, schauen zu, wie die Bevölkerung Tag für Tag mit dem Einkommen nicht auskommt, und versuchen hier, die Situation noch schönzureden.

Deswegen darf ich folgenden Entschließungsantrag einbringen:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Strache, Hauser, Weinzinger und weiterer Abgeordneter

betreffend Stopp dem Treibstoffpreis-Wahnsinn

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage vor­zulegen, mit denen die folgenden Maßnahmen zur Entlastung der Autofahrer umge­setzt werden:

Halbierung der Mehrwertsteuer auf Treibstoffe

Teuerungsausgleich für Pendler

Temporäre Aussetzung der Mineralölsteuer

Erhöhung des Kilometergeldes auf 50 Cent pro Kilometer.“

*****

Herr Finanzminister! ...

11.52



Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 72

Präsident Dr. Michael Spindelegger (das Glockenzeichen gebend): Herr Kollege! Ihre Redezeit ist schon längst beendet. (Abg. Strache: Der Schlusssatz! – Beifall bei der FPÖ für den das Rednerpult verlassenden Abg. Mag. Hauser.)

Der von Ihnen eingebrachte Entschließungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Strache, Hauser, Weinzinger und weiterer Abgeordneter

betreffend Stopp dem Treibstoffpreis-Wahnsinn

eingebracht im Zuge der Debatte zum Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (549 und Zu 549 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Einkommen­steuergesetz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schen­kungssteuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenord­nung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und ein Stiftungseingangssteuergesetz erlassen wird - Schenkungsmeldegesetz 2008 (SchenkMG 2008) (612 d.B.) in der 63. Sitzung des Nationalrates am 06. Juni 2008

Eine Berechnung des ABRÖ zeigt, dass Autofahrer mit einem Dieselfahrzeug allein wegen der gestiegen Treibstoffpreise zwischen 211 Euro und 1051 Euro mehr pro Jahr für Diesel ausgeben als noch im Jahr 2007. Somit wird der tägliche Weg zur Arbeit zu einem Luxus, den sich viele Pendler nicht mehr leisten können.

Abzocken, wo es geht. Spritpreise, Vignette, NOVA... im Abkassieren der Kraftfahrer sind sich die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP einig - Preise erhöhen, wo es geht, lautet die Devise der Bundesregierung. Betroffen ist ein riesiger Teil der Österreicher, die beruflich auf das Auto angewiesen sind. Aber auch viele Familien, für die ein Kraft­fahrzeug unabdingbar ist, um beispielsweise ihre Kinder zum Kindergarten oder in die Schule bringen zu können, sind vom Abkassieren an der Tankstelle betroffen.

Die Bundesregierung holt sich durch die jüngste Mineralölsteuer-Erhöhung jährlich zu­sätzliche 475 Millionen Euro. Zusätzlich kassiert der Staat seit Jahren auch noch Hun­derte Millionen Euro durch die Mehrwertsteuer, weil diese Steuereinnahme mit den Spritpreisen automatisch mitwächst! Desweiteren profitiert die Bundesregierung von den Millionengewinnen der OMV.

Die FPÖ hat schon seit langem Maßnahmen verlangt, um die Österreicherinnen und Österreicher bei den Spritpreisen endlich zu entlasten, geschehen ist jedoch von Re­gierungsseite - wieder einmal - nichts.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Treibstoffpreise in Österreich stärker gestiegen sind als in der Euro-Zone.

Die jetzigen Treibstoffpreise sind unzumutbar. Die Regierung muss daher endlich han­deln, bevor Autofahren endgültig zum Luxus wird. Es ist daher eine essenzielle Auf­gabe der Regierung, hier regulierend einzugreifen.

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag

Der Nationalrat möge beschließen:


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 73

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage vor­zulegen, mit denen die folgenden Maßnahmen zur Entlastung der Autofahrer umge­setzt werden:

Halbierung der Mehrwertsteuer auf Treibstoffe

Teuerungsausgleich für Pendler

Temporäre Aussetzung der Mineralölsteuer

Erhöhung des Kilometergeldes auf 50 Cent pro Kilometer.“

*****

 


Präsident Dr. Michael Spindelegger: So. (Abg. Strache: Herr Präsident! Es ist üblich, einen Schlusssatz zu gewähren!) – Herr Abgeordneter Strache und Herr Abge­ordneter Hauser! Ich habe gerne, wie bei anderen Rednern, zugesehen, dass man die Redezeit ein wenig überschreitet. Aber wenn man einen Entschließungsantrag, erst unmittelbar bevor die Redezeit endet, einbringt, dann ist das nicht mehr zulässig.

Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Bucher. Auch Ihre Redezeit beträgt maximal 6 Minuten. – Bitte.

 


11.52.25

Abgeordneter Josef Bucher (BZÖ): Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Hohes Haus! Ich bedanke mich gleich bei meinem Vorredner für die Verlesung der Kärntner Resolution (Heiterkeit beim BZÖ); da erspare ich mir jetzt Zeit, die ohne­hin sehr kostbar ist.

Ich möchte mit einem Lob beginnen – an und für sich etwas Unübliches, aber wir ste­hen natürlich zum Auslaufen der Erbschafts- und Schenkungssteuer, weil es ein be­reits versteuertes Vermögen ist. Und das kann man nicht ein zweites Mal einer Steuer unterziehen. Daher stehen wir dem natürlich sehr positiv gegenüber. (Beifall bei BZÖ und ÖVP.)

Zur steuerlichen Behandlung der Stiftungen. Gut, der ÖVP kann man da als Vertreterin des Großkapitals keine Vorhaltungen machen, aber mich wundert das Verhalten der SPÖ, dass man die Vermögenden in unserem Land von Steuern befreit, und jenen, die es wirklich brauchen, die mit ihrem Geld nicht mehr auskommen, was wir heute schon mehrmals gehört haben, nicht finanziell unter die Arme greift. Das verstehe ich über­haupt nicht.

Da müssen Sie sich den Vorwurf gefallen lassen, meine sehr verehrten Damen und Herren von der SPÖ, da müssen Sie Ihre ganzen Teilorganisationen in Zukunft umbe­nennen: Arbeiter-Jachtklub, Arbeiter-Zigarrenklub, Barrique-Klub – das werden in Zu­kunft die SPÖ-Vorfeldorganisationen sein. (Heiterkeit und Beifall beim BZÖ sowie bei Abgeordneten der FPÖ.) Das schaue ich mir an, wie lange Sie dann Ihre Genossen noch bei der Stange halten werden.

Das ist auch ein fatales Signal! Gott sei Dank haben Sie dank der Eingriffe der Oppo­sition abgewehrt, dass Sie den Stiftungen 400 Millionen € nachschießen, die das über­haupt nicht brauchen, denen diese ganze Diskussion peinlich ist, weil sie ja wissen, dass wir in Österreich eine der attraktivsten Stiftungsregelungen in der gesamten Euro­päischen Gemeinschaft haben. (Abg. Strache: Dem ÖGB, den ÖGB-Stiftungen ist das nicht peinlich!) Die Leute kommen zu uns und legen in Österreich ihr Vermögen an – Gott sei Dank –, gut verwaltet. Aber da reicht doch ein Eingangssteuersatz mit 5 Pro­zent völlig aus. Da muss man nicht diese 5 Prozent auch noch halbieren.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 74

Herr Klubobmann Schüssel, zu Ihnen, weil Sie sagen, da gehe es auch um mildtätige Organisationen, kirchliche Institutionen et cetera: Die hatten bis dato auch den halben Steuersatz von 2,5 Prozent. Das sollte die Bevölkerung auch wissen. Aber dass jetzt alle nur mehr die Steuerbegünstigung von 2,5 Prozent in Österreich genießen, das ver­steht niemand. Vor allem verstehen das jene Menschen in diesem Land nicht, die mit dem Geld nicht auskommen. Die Pendler, die bis zu 12 000 Kilometer im Jahr zur Ar­beit fahren müssen, bekommen gerade einmal 3 000 € Ersatz. Und die werden mit 60 Millionen € Erhöhung der Pendlerpauschale abgespeist, während Sie über 750 Mil­lionen € einnehmen. Das ist doch eine fatale Situation für all jene, die in unserem Land ums Überleben kämpfen und nicht wissen, wie sie ihr tägliches Auskommen finden sol­len.

In Wahrheit ist es ja so – Herr Bundesminister Pröll hat es heute in der Fragestunde beantwortet, wenn Sie genau zugehört haben –: Es ist um die Erhöhung der Lebens­mittelpreise gegangen. Er hat ganz klar auf die Frage: Warum sind die Lebensmittel­preise so in die Höhe gegangen?, geantwortet: Es gibt exorbitante Erhöhungen bei den Energie- und Treibstoffkosten. Ich sage, exorbitante Erhöhungen auch dort, wo nicht nur die Mineralölsteuer zugefasst hat, sondern auch die Lohnnebenkosten mit der Er­höhung, die Sie bei den Sozialversicherungsbeiträgen beschlossen haben.

Das sind doch hausgemachte Teuerungen! Da dürfen Sie sich nicht zurücklehnen und sagen, damit habe die Bundesregierung nichts zu tun. Alle Wirtschaftsexperten sagen Ihnen, Sie haben mindestens einen halben Anteil an der gesamten Inflation. Und die Inflation wird sich ausweiten. Wenn wir uns den Warenkorb anschauen, der die Infla­tion berechnet, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist festzustellen – werfen Sie einmal einen Blick in diesen Warenkorb! –: Da sind ja schon längst nicht mehr aus­schließlich Güter des täglichen Bedarfs drinnen, sondern da ist ein Auto drinnen, da ist ein Fernseher drinnen. Einen Fernseher kaufe ich doch nicht täglich! (Beifall beim BZÖ.) Den kaufe ich alle sieben bis zehn Jahre. Ein Auto kaufe ich alle sieben Jahre. Das ist doch nicht mehr die Realität.

Die wirkliche Inflation ist 10 Prozent, meine sehr geehrten Damen und Herren, und nicht 3,5 Prozent oder 3,6 Prozent. (Abg. Strache: Das ist richtig!) Und darauf muss die Bundesregierung endlich einmal eine Antwort finden und die Menschen entlasten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Beispiel Kärnten zeigt es Ihnen vor. (Abg. Strache: Da gibt es 100 000 arme Kärntner!) Unser Landeshauptmann Dr. Jörg Haider zeigt Ihnen vor, was soziale Politik ist. (Beifall beim BZÖ.) Das können Sie
sich anschauen, meine sehr geehrten Damen und Herren: amtlicher Preisstopp bei den Treibstoffen, MöSt-Senkung, Rücknahme der Steuern. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Das schaue ich mir jetzt aber wirklich an vonseiten der SPÖ und ÖVP, was Sie dazu sagen.

„Billiger Populismus“, habe ich gehört, Herr Finanzminister und Vizekanzler. (Abg. Mag. Kogler: Nicht einmal das!) Das sagen Sie (in Richtung ÖVP) dann aber auch dem Herrn Martinz, und Sie (in Richtung SPÖ) sagen das Ihrer Frau Schaunig-Kan­duth. Sie hat das unterschrieben, diese Resolution ist einstimmig in der Kärntner Lan­desregierung beschlossen worden. Einstimmig! (Abg. Dr. Cap: GTI-Treffen!) Denen sagen Sie das auch, dass das „billiger Populismus“ ist, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall beim BZÖ.)

Aber es gibt eine Fülle anderer Maßnahmen, die in Kärnten passieren: Verdoppelung des Heizkostenzuschusses – zu den 200 € noch einmal 200 € –, 70 € Energiescheck, Wohnungsbeihilfe. (Unruhe im Saal.) In Kärnten passiert etwas, meine Damen und Herren! Bei der Landestankstelle in Friesach, in meiner Heimatstadt, bezahlen Sie für eine Tankfüllung pro Liter 1,20 €. Ich lade alle herzlich ein, zu uns nach Friesach zu


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 75

kommen, meine Damen und Herren, bei uns zu tanken und sich natürlich die wunder­schöne historische Stadt Friesach anzuschauen. (Beifall beim BZÖ. – Abg. Strache: Der Finanzminister erklärt uns die ganze Zeit, das ist nicht möglich!)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Finanzminister, Sie wissen das, Sie können einen Preisstopp verfügen. Sie nicht, aber der Wirtschaftsminister. Der kann das nach § 5 Preisregelungsgesetz.

Handeln Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, im Interesse der Bevölkerung! – Danke schön. (Beifall beim BZÖ.)

11.58


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Von der Regierungsbank aus hat sich Herr Staatssekretär Dr. Matznetter gemeldet. Ihre Redezeit darf 8 Minuten nicht überstei­gen. – Bitte. (Abg. Ing. Westenthaler: Jetzt liegt die Latte hoch!)

 


11.58.56

Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen Dr. Christoph Matznetter: Herr Präsident! Hohes Haus! Ich möchte Folgendes an die erste Stelle stellen: Ja, in ganz Österreich stellt sich, so wie in allen anderen Ländern, das Problem gestiegener Kosten für die Mobilität. Wir haben gerade eingangs gehört, dass Österreich heuer und hoffentlich auch im nächsten Jahr deutlich besser wächst als alle Vergleichsstaaten. Wir wachsen besser als die Euro-Zone, wir wachsen besser als die EU 15, wir wach­sen besser als die OECD-Staaten. Die österreichische Wirtschaft zeigt noch ein ro­bustes Wachstum mit zurückgehender Arbeitslosigkeit. Es ist der Fleiß der Menschen im Land, die es in dieser Situation möglich machen, dass sich unsere Produkte und Dienstleistungen auch beim Euro-Dollar-Verhältnis von 1:55, 1:60 gegen billigere Produkte auf den Weltmärkten behaupten können. Das ist die Qualität, wie Arbeit in Österreich erbracht wird! Diese Menschen fahren täglich zur Arbeit und finden – das ist richtig (Abg. Strache: Momentan stehen sie im Stau in Wien!) – an der Zapfsäule heute bereits Preise vor, die deutlich über denen liegen, wie es sie noch vor fünf oder zehn Jahren gab.

Diese Regierung handelt sofort! (Zwischenrufe beim BZÖ.) Seit vierzehneinhalb Mona­ten ist diese Regierung im Amt; wir haben inzwischen drei Mal die Pendlerpauschale erhöht, wir haben erstmals eine Negativsteuer-Komponente für Pendler, die unterhalb der Lohnsteuer-Freigrenze liegen, eingeführt. (Abg. Strache: Sie spüren nichts im Geldbörsel an Entlastung! Das ist der entscheidende Punkt!) Leider wissen die Men­schen noch zu wenig, dass im nächsten Jahr die Negativsteuer auf maximal 240 € angehoben wird. 130 € beträgt darin allein die Komponente für die Negativsteuer.

Zweiter wesentlicher Teil: Wir gehen nicht her und sagen, wir senken die Spritpreise allgemein durch Senkung der Mineralölsteuer. Warum nicht? – Erstens: Die Tiroler würden sich sehr bedanken, wenn wir hergehen würden (Abg. Strache: Österreichi­sche Kfz-Besitzer zum Beispiel!) und die niedrigste Mineralölsteuer auf Diesel herstel­len. (Abg. Strache: Österreichische Kfz-Besitzer!)

Wir gehen den richtigen Weg und geben dem, der mit dem Auto fahren muss – zur Ar­beit oder für die Arbeit –, direkt Geld. Ich halte das für besser und für vernünftiger als eine Gießkanne, die nur zu höheren Profiten bei den Mineralölgesellschaften führen würde. (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Dr. Van der Bellen. – Zwischenrufe bei der FPÖ.)

Mich erstaunt in diesem Zusammenhang ja nur, wieso genau diese Maßnahme umstrit­ten ist, obwohl eigentlich das ganze Parlament auch auf sich selbst stolz sein kann. Denn diese zwei Wochen des sofortigen Reagierens, die der Herr Vizekanzler genannt hat, funktionieren nur im Zusammenspiel von Regierung und Parlament. Sagen wir den


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 76

Menschen: Ja, wir wissen, was notwendig ist, wir handeln sofort, aber wir machen es mit Augenmaß und zielgerichtet! (Abg. Strache: Das ist ja Pflanzerei! Sie pflanzen hier die Bürger!)

Wenn ich eine Nebenbemerkung machen darf: Aus den Rängen von FPÖ und BZÖ, die sieben Jahre in der Regierung waren, wobei in den sieben Jahren die Erhöhung der Pendlerpauschale nicht einmal die Hälfte dessen war, was bei uns in 14 Monaten der Fall ist (Abg. Mag. Hauser: Sie sind ja in der Regierung!), brauchen Sie in diesem Fall keine Zwischenrufe zu machen. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Strache: Schauen Sie sich einmal die Kaufkraft an! – Abg. Ing. Westenthaler: Der Benzinpreis war vor zwei Jahren noch ganz woanders! – Abg. Scheibner: Ich werde Ihnen dann schon eine Antwort geben! – Weitere Zwischenrufe bei FPÖ und BZÖ.)

Herr Abgeordneter Westenthaler! Sie selbst haben vorhin die Pensionserhöhungen kri­tisiert, die die mangelnde Kaufkraft der Pensionisten für den Einkauf von Benzin dar­stellen. (Abg. Scheibner: Dort drüben sind Sie gestanden, als Sie die Steuersenkung abgelehnt haben!) Darf ich an der Stelle darauf verweisen: In diesem Jahrzehnt gab es nur zwei Mal eine Erhöhung über der Inflationsrate, und dies war in den letzten beiden Jahren. In diesem Sinne brauchen Sie dieser Regierung, diesem Bundeskanzler und diesem Finanzminister keinen Vorwurf zu machen. (Abg. Ing. Westenthaler: Sie waren gegen jede Steuersenkung!) Im Gegenteil, applaudieren Sie Bundeskanzler Gusen­bauer und Vizekanzler Molterer in dieser Frage! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abge­ordneten der ÖVP.)

Um zum zweiten großen Vorwurf zu kommen (Abg. Ing. Westenthaler: Ein Ritter von der traurigen Gestalt sind Sie, muss ich wirklich sagen!): Dieser lautet, dass innerhalb der Regierungskoalition die Sozialdemokratie einer Abschaffung der Erbschaftssteuer zugestimmt hat. (Zwischenruf des Abg. Ing. Westenthaler.)

Herr Professor Van der Bellen! Auch wenn Kollege Pilz behauptet, dass es nur wenige Stunden Arbeit sind, wissen wir alle, dass Abgeordnete sich mit sehr vielen Materien beschäftigen müssen. (Abg. Dr. Brinek: Wo ist denn Herr Pilz?) Das Verfassungsge­richt hat den § 19 über die Einheitsbewertung, der diese Ungerechtigkeit aufzählt, nicht aufgehoben, sondern er hat den Grundtatbestand aufgehoben. Durch die Aufhebung des Grundtatbestandes gab es keinerlei Verhandlungsmasse mehr für eine Reform dieser Steuer.

Sie haben selbst in diesem Hause erlebt (Abg. Mag. Rossmann: Sie haben nur der ÖVP ...!), dass die Kühlschrank-Behaupter eigentlich selbst die sozialen Kühlschrank-Produzenten sind, nämlich die, die in Wirklichkeit für fünf Erben in Millionenhöhe keine Steuer wollen. Das ist eine Realität im Lande, der wir uns stellen müssen, es gibt keine Mehrheit. Unsere Aufgabenstellung war es daher (Abg. Mag. Kogler: Sicher gibt es eine Mehrheit!), in dieser Situation Verbesserungen herbeizuführen.

Es gibt keine neuen Privilegien für Stiftungen oder Reiche in diesem Zusammenhang! Was wir gemacht haben, ist, die Stiftungen, die ab 1. August keine Eingangssteuer mehr zahlen würden, zu verpflichten, aus dem zugewendeten Kapital auch künftig eine Stiftungseingangssteuer zu zahlen. Es ist richtig, die Höhe ist 2,5 Prozent, so wie es bis vor drei Jahren war, so wie das Gesetz ursprünglich unter Ferdinand Lacina erlas­sen wurde. Es ist richtig, in der Regierungsvorlage war dafür ein höherer Prozentsatz vorgesehen.

Ich selbst war der Meinung, dass dies vernünftig war. Warum? – Weil wir gleichzeitig eine Fülle anderer Dinge verhindert haben. Erstens gibt es keine Rückerstattung alter Stiftungssteuer, weder nach dem ursprünglichen Text noch nach dem Abänderungs­text, an den Stifter aus dem Anlass des Widerrufs. Da hätten sich nämlich die Stifter die Steuer zurückholen können. Dieser § 33 fällt mit dem Gesetz. Außerdem hätte es


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 77

nur eine Anrechnung auf die Körperschaftsteuer gegeben, die, wie jeder weiß, Stiftun­gen de facto nur als sogenannte Zwischensteuer zahlen.

Es gab kein Privileg, weder in der Regierungsvorlage noch jetzt. Wir haben kein Privi­leg – weder für Reiche noch für Stiftungen – geschaffen. Wir haben ein Schenkungs­meldegesetz gemacht, um gröbste Missbräuche zu verhindern. Wir haben die Frage der Substiftungen zu regeln versucht, damit es nicht für Konstruktionen, die nie inten­diert waren, genützt werden kann. Und wir haben dadurch eine Aufrechterhaltung der Stiftungseingangsbesteuerung mit einem Volumen von 10 Millionen € auch nach dem 1. August sichergestellt.

Rundum betrachtet, kann ich nicht sagen, dass es für mich ein Vergnügen ist, dass es diese Reform des Gesetzes nicht gibt. Ich hätte mir vorgestellt – und ich behaupte, dass das hier sehr viele betrifft, auch in anderen Fraktionen –, eine gute Reform
der Erbschafts- und Schenkungssteuer wäre eine gute Alternative gewesen. Wir ha-
ben aber jetzt eine Lösung gefunden, die dem Mehrheitswillen hier entspricht. (Abg. Ing. Westenthaler: Mehrheitswillen?)

Aber eines, bitte, nicht mehr in dem Zusammenhang: aus den Rängen jener, die den Entfall der Steuer für Millionenerben begrüßen und gleichzeitig von sozialer Kälte re­den! (Präsident Dr. Spindelegger gibt das Glockenzeichen.) Freuen Sie sich für die Pendler über die Verbesserungen! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP sowie des Abg. Dr. Van der Bellen. – Abg. Ing. Westenthaler: Das war jetzt nicht schlecht!)

12.07


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Jakob Auer. Maximale Redezeit: 5 Minuten. – Bitte. (Abg. Ing. Westenthaler: Das ist jetzt ein Abgeordneter des Mehrheitswillens!)

 


12.07.18

Abgeordneter Jakob Auer (ÖVP): Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Herr Staatsse­kretär! Frau Staatssekretär! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Eine Vorbemer­kung, Herr Kollege Hauser, wenn Sie schon den Umgang miteinander hier beklagen: Ich habe die Frage nicht wie Sie formuliert. Sie haben wörtlich gefragt: „Welche Maß­nahme werden Sie setzen, um der permanenten Verteuerung von landwirtschaftlichen Produkten Einhalt zu gebieten, zumal seit dem EU-Beitritt ...?“, und so weiter, und so fort. (Abg. Mag. Hauser – ein Schriftstück in die Höhe haltend –: Lesen Sie es wörtlich vor!)

Meine Damen und Herren! Ich frage den Kollegen Hauser: Ist das Schnitzel, das der Gastronom oder das Restaurant zur Verfügung stellt oder anbietet, vom landwirtschaft­lichen Produktpreis geprägt? Ist die Semmel, worin der Anteil des Getreides 2 Prozent ausmacht, vom landwirtschaftlichen Produktpreis geprägt? Ist das Kilo Brot, in dem der Anteil des landwirtschaftlichen Produkts 3,9 Prozent beträgt, vom landwirtschaftlichen Produktpreis geprägt?

Meine Damen und Herren! Herr Kollege Hauser! Wenn Sie gefragt hätten: was unter­nehmen Sie, um die Handelsspannen oder andere Dinge zu verringern?, dann wäre ich bei Ihnen gewesen. Aber nicht, wenn hier andere Dinge unterstellt werden! (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Ich verstehe es ja, offensichtlich haben Sie Ihre selbst eingebrachte Frage nicht gele­sen, die Ihnen vielleicht ein Mitarbeiter formuliert hat – um dann draufzukommen, dass Sie gerade in dieser Zeit, ein paar Tage vor der Wahl, einen Blödsinn formuliert haben. Das ist Ihre Sache, aber nicht die meine, meine Damen und Herren! (Beifall bei der


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ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Mag. Hauser – ein Schild mit der Auf­schrift „55 % Steuer“ in die Höhe haltend –: Das ist das Problem!)

Meine Damen und Herren! Zurück zu dem, was wir jetzt zu beschließen haben. Ich bedanke mich ausdrücklich bei der grünen Fraktion, die ventiliert hat, dass wir hier einige Experten beiziehen mögen. Es war interessant ... (Abg. Steibl: Aber das war nicht Herr Pilz!) – Nein! Da könnte man eine Suchaktion aufgeben, er ist wieder einmal nicht hier. (Abg. Rauch-Kallat: Pilz-Watch! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Kollege Kogler, der sich zu Recht mehrmals darüber be­klagt hat, dass dieser Finanzausschuss verschoben wurde (Abg. Mag. Kogler: Unter­brochen!), unterbrochen wurde, vertagt wurde, um zu einer Lösung zu kommen – ich glaube, es ist eine ausgezeichnete Lösung –, hat am letzten Tag wörtlich gesagt: An und für sich hat diese Unterbrechung etwas Gutes gehabt, denn jetzt ist es zu einer vernünftigen Lösung gekommen.

Der Sachverständige der Grünen, Doralt, hat plötzlich vermeldet: Nein, er sei ja nicht gegen die Stiftungen. Wenn man ihm genau zugehört hat, hat er es sogar als durchaus arbeitsplatzsichernd und standorterhaltend bestätigt. (Abg. Dr. Van der Bellen: Aber die 400 Millionen ...! Da verschweigen Sie das Wichtigste!)

Meine Damen und Herren! Herr Kollege Klubobmann Van der Bellen! Sie wissen doch selbst besser, dass es hier nicht um 400 Millionen geht. Erzählen doch bitte Sie als an­erkannter Wirtschaftsexperte nicht derartige Märchen! (Zwischenruf des Abg. Dr. Van der Bellen.) Meine Damen und Herren, erzählen Sie nicht derartige Märchen! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Mag. Kogler: Sie schreiben da in die Unterlagen hinein ...!)

Ich möchte ausdrücklich Herrn Staatssekretär Matznetter gratulieren, da er im Aus­schuss in einer präzisen Art und Weise die Sachlage erläutert hat. Hier könnte man sich die Mühe nehmen, 10 Minuten wirklich aufzupassen, dann müsste man nicht im­mer wieder derart populistische Behauptungen in den Raum stellen. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Wissen Sie, der Herr ehemalige Bundesminister Lacina (Abg. Dr. Van der Bellen: Einer der Besten!), dessen Wirtschaftskompetenz man nicht in Zweifel ziehen kann und konnte (Abg. Dr. Van der Bellen: Sehr richtig!), hat damals ein Stiftungsrecht modernster Art in die Wege geleitet; wenn ich es richtig im Kopf habe, in Zusammenarbeit mit Kollegem Ditz.

Meine Damen und Herren! Wenn wir heute stolz darauf sind, dass Österreich besser wächst, besser in der Europäischen Union dasteht, dass Österreichs Wirtschaft her­zeigbar ist, wenn man sich das ansieht (der Redner hält eine Ausgabe der „Oberöster­reichischen Nachrichten“ in die Höhe), „VOEST-Alpine: Mehr als 10 Milliarden Bilanz­umsatz“, ein neuer Rekord, mit einem gewaltigen Plus an Beschäftigten, an Lehrlingen, an Steuerleistung, an Standortsicherung, dann erinnere ich mich auch an eine Debatte, und zwar jene über die Körperschaftsteuerreform.

Die Körperschaftsteuerreform wurde mit Hilfe der damaligen FPÖ – oder BZÖ – umge­setzt, trotz massiver Kritik damals noch von dieser Seite (Abg. Scheibner: Matznetter war dagegen!), vor allem auch von der SPÖ Oberösterreich. (Abg. Ing. Westenthaler: War eine sehr gute Maßnahme!) Man lag damals falsch, so wie heute diese Seite zu dem Stiftungsrecht falsch liegt. Die Wahrheit wird sich zeigen: dass es richtig war, das umzusetzen, so wie damals bei der Voest-Debatte und der Privatisierung die Vor­gangsweise notwendig war und richtig war. (Präsident Dr. Spindelegger gibt das Glo­ckenzeichen.)

In diesem Sinne stimmen wir dieser Vorlage gerne zu. (Beifall bei der ÖVP.)

12.12



Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 79

Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Reheis. Ebenfalls 5 Minuten maximale Redezeit. – Bitte.

 


12.12.40

Abgeordneter Gerhard Reheis (SPÖ): Herr Präsident! Werte Mitglieder auf der Re­gierungsbank! Zunächst einmal: Als Ordner meiner Fraktion möchte ich hier protes­tieren – vor allem auch als einer, der in der Zeitung „Österreich“ abgebildet wurde – gegen unseriöse Journalisten und unseriösen Journalismus. Das können wir uns alle – von allen Fraktionen hier in diesem Hause – nicht gefallen lassen! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und FPÖ.)

Wenn hier steht: „Ferien im Nationalrat“ – ich bin einer von denen, die den ganzen Sommer am Weg sind, wie Sie alle, von allen Fraktionen –, dann muss es nicht sein, dass Journalisten uns ausrichten, dass wir eigentlich nur zwei Stunden arbeiten und, weil wir nicht acht Stunden hier in diesem Haus sitzen (Zwischenruf des Abg. Hornek), faule Abgeordnete sind. Es ist nicht unsere Aufgabe, acht Stunden täglich hier im Haus zu sitzen. Man könnte ja auch verlangen, dass diese Journalisten acht Stunden in den Redaktionsbüros sitzen, und dann könnte man fragen: Warum sind sie nicht dort, wo etwas passiert? (Beifall bei SPÖ und ÖVP. – Zwischenruf der Abg. Steibl.)

Wir vertreten das Volk, wir alle miteinander, und ich lasse mir diese Frage nicht stellen: „Volle Gage für halbe Sachen, welches Volk vertreten sie noch?“ – Hohes Haus! Das sind wir uns selbst schuldig, über alle Fraktionen hinweg, dass wir hier das Bild des Abgeordneten klarstellen und richtigstellen.

Zu unseren Laptops, als Ordner: Wir arbeiten hier, wir recherchieren, wir beantworten Interventionen und Ähnliches mehr. (Abg. Ing. Westenthaler: Das müssen Sie Ihrem Parteivorsitzenden sagen! – Abg. Scheibner: Was sagt der Bundeskanzler dazu?) Das ist unsere Aufgabe, das tun wir, beziehungsweise wir bearbeiten hier auch die Red­nerliste in diesem Haus. Dass Sie sich damit profilieren, das ist Ihre Schande, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und FPÖ. – „Gusenbauer!“-Rufe der Abgeordneten Ing. Westenthaler und Scheibner.)

Aber nun zur Pendlerpauschale, weil diese hier auch kritisiert und mit öffentlichen Ver­kehrsmitteln aufgerechnet wird.

Hohes Haus! Diese Bundesregierung tut etwas gegen die Teuerungen. Wenn man sich das anschaut: Ja, es ist richtig: „Es wird noch teurer“ – das schreibt auch „NEWS“ –, und man rechnet damit, dass zum Beispiel der Preis von Diesel auf 1,60 € klettern wird. (Abg. Ing. Westenthaler: Herr Kollege, darf ich das noch einmal sehen?) Diese Bundesregierung reagiert und tut etwas mit dieser Pendlerpauschale.

Wenn Sie hier immer von 60 Millionen € reden, Herr Kollege Westenthaler, dann
darf ich Ihnen schon etwas sagen. 170 Millionen € für die große Pendlerpauschale, 70 Millionen € für die kleine Pendlerpauschale, also die bisherigen Gesamtkosten
von 240 Millionen €, und dazu noch 35 Millionen € zeitlich befristet, das ergibt bis Ende 2009 275 Millionen € an Gesamtkosten der Pendlerpauschale. Das ist der Erfolg der Bundesregierung, ein Erfolg der sozialen Kompetenz der SPÖ, die sich hier maßgeblich mit eingebracht hat, dass wir den Pendlern helfen können. (Beifall bei der SPÖ.)

Im Vergleich zu Öffis und Pkw, weil hier immer auch damit argumentiert wird, dass man den Pendlern die öffentlichen Verkehrsmittel entgegenhalten soll: Ja, ich bin da­für, dass die öffentlichen Verkehrsmittel entsprechend ausgebaut und forciert werden. Auch die Tiroler SPÖ – ich bin ein Tiroler Abgeordneter – mit Landesrat Lindenberger und dem Landeshauptmann-Stellvertreter Gschwentner zeigt das in ihrem Programm


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 80

für den öffentlichen Verkehr ganz klar auf. Die SPÖ Tirol forciert gerade angesichts dieser galoppierenden Treibstoffpreise den öffentlichen Verkehr in Tirol und möchte flott den Umstieg auf die Öffis so attraktiv wie möglich machen. (Beifall bei der SPÖ.)

Das bedarf aber einer Änderung der Tiroler Politik, und dazu haben die Menschen am Sonntag Gelegenheit, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ.) Ein reiches Land wie Tirol und ein reiches Land wie Österreich haben dafür die Möglichkeiten, hier einiges zu unternehmen, auch die öffentlichen Unterstützungen und Förderungen aus­zubauen und den Pendlerinnen und Pendlern zu gewähren.

Aber sagen wir heute, wenn man die öffentlichen Verkehrsmittel anschaut – die Grü­nen vertreten das immer: nicht mehr betonieren, sondern die öffentlichen Verkehrsmit­tel ausbauen –, einmal den Pendlern, die im Ötztal, im Pitztal, im Kaunertal und in an­deren Tälern sitzen und täglich zum Arbeitsplatz fahren müssen, sagen wir ihnen, dass sie auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen sollen und müssen: auf öffentliche Ver­kehrsmittel, die nicht vorhanden sind oder Fahrzeiten haben, die nicht bedarfsorientiert sind, die nicht bedarfsgerecht sind! Diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kom­men mit öffentlichen Verkehrsmitteln nie zu ihrem Arbeitsplatz, oder wenn doch, dann unpünktlich und nicht zu Zeiten, zu denen sie hinkommen möchten.

Da muss man für die Zukunft etwas unternehmen, und da bin ich auch bei Ihnen: steu­erliche Anreize wie zum Beispiel diese Pendlerpauschale, Förderung von Vergünsti­gungen. Da sind aber auch die Betriebe mit eingeladen, ebenfalls Förderungen für ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu gewähren beziehungsweise diese zu unter­stützen.

Wir Abgeordnete von der Tiroler Sozialdemokratie, der SPÖ, und die Bundesregierung mit der SPÖ als Triebfeder zeigen hier auf, wie es geht. Wir werden uns mit unserer sozialen Kompetenz auch gegen die Neinsager ständig zur Wehr setzen und uns für die Menschen in unserem Land einsetzen. – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der ÖVP.)

12.17


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Dr. Mo­ser. 5 Minuten maximale Redezeit. – Bitte.

 


12.17.56

Abgeordnete Dr. Gabriela Moser (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Vize­kanzler! Frau Staatssekretärin! Meine Damen und Herren! Ja, sich einzusetzen für die Menschen, die jetzt täglich massiv tiefer in die Tasche greifen, Herr Kollege Reheis, sich für diese Menschen einzusetzen würde bedeuten, endlich einen Absetzbetrag bei der PendlerInnenpauschale zu machen, die jetzt die Leute bekommen, die sie wirklich brauchen. Wir brauchen für die Menschen, die schlechte Einkunftsmöglichkeiten ha­ben, wirklich mehr Geld in der Tasche, da sie höhere Mobilitätskosten haben.

Aber mein Problem ist, dass Sie, Herr Vizekanzler, genauso wie Sie, Herr Staatssekre­tär, mit Ihrer Steuerpolitik und auch mit Ihrer Wirtschaftspolitik insgesamt die Menschen dazu getrieben haben, immer größere Entfernungen zu ihrem Arbeitsplatz zurücklegen zu müssen. Wir haben die Tatsache, dass sich praktisch in den letzten 40 Jahren die Distanzen vom Wohnen zum Arbeiten mehr als verdoppelt haben. Mehr als verdoppelt, das ist gigantisch! Daran ist Ihre Wirtschaftspolitik schuld, die zu wenig für die regio­nale Arbeitssituation tut, und daran ist Ihre Politik bei den Steuern schuld, da die Men­schen zu wenig im eigenen Geldtascherl haben, dass sie vor Ort Konsumkraft entwi­ckeln.


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Da setzen wir an. Wir wollen, dass endlich auch die PendlerInnen – und das ist mir ein Hauptanliegen – vom Auto wegkommen. Denn Autopendeln bedeutet Belastung schon am Weg zur Arbeit (Zwischenruf des Abg. Lutz Weinzinger), Autopendeln bedeutet praktisch, dass ich eineinhalb Monate im Jahr nur dafür arbeite, dass ich von meinem Wohnort zum Arbeitsplatz komme. Das gehört geändert! Wir brauchen andere Sied­lungsstrukturen, eine andere Wirtschaftspolitik und eine gerechte Pendlerpauschale.

Und ich möchte Ihnen auch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, der damit eng zusammenhängt, sehr ans Herz legen. – Herr Vizekanzler! Sie haben immer gesagt, die zusätzlichen Einnahmen durch die Mineralölsteuer werden dafür verwendet, dass die öffentlichen Verkehrsmittel in Österreich besser ausgebaut werden: Zum Teil – zu 26 Prozent – bekommen das die Länder, der andere Teil wird von Ihnen auf Bundes­ebene verwendet.

Und was passiert damit in Richtung öffentlicher Verkehr? – Gar nichts! Und das Resul­tat darf ich Ihnen, Herr Vizekanzler, darf ich Ihnen hier im Plenum und darf ich Ihnen vor der Bildschirmen heute mittels einer Karte zeigen. (Die Rednerin stellt eine Öster­reich-Karte vor sich auf das Rednerpult. – Abg. Ing. Westenthaler: Eine Wetterkarte! Eine Regenkarte! – Zwischenruf des Abg. Mag. Hauser.) – Sie sehen hier die roten Zonen – die roten Zonen sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen – und Sie sehen die gelben und die blauen Zonen: Dort ist die Erreichbarkeit durch öffent­liche Verkehrsmittel überhaupt nicht mehr oder sehr schlecht gegeben.

Das ist das Resultat Ihrer verfehlten Steuer- und Verkehrspolitik, und unter diesem Re­sultat leiden auch die Pendlerinnen und Pendler, weil sie sehr viel Geld für ihre Auto­mobilität aufwenden müssen. Wir wollen, dass diese endlich ein besseres ÖV-Angebot mit besseren Taktverkehren, mit attraktiven Tarifen und mit komfortablen Wägen be­kommen! (Beifall bei den Grünen.)

Ich sehe überhaupt nicht ein, dass die Menschen, die sich mit dem Zug zur Arbeit be­geben, Schwierigkeiten haben, weil die Waggons überfüllt sind, Schwierigkeiten haben, weil die sanitären Anlagen nicht funktionieren, und überhaupt mit dem Taktangebot Schwierigkeiten haben!

Alleine in Wien – in Wien! – fahren 50 Prozent der Menschen trotz ÖV mit dem Auto zur Arbeit. (Abg. Kickl: ... im eigenen Klub schauen!) Warum? – Weil der Fahrplan nicht passt, weil teilweise die Angebote nicht passen! Wie schaut es denn da erst in der Steiermark aus, wie schaut es im Mühlviertel aus, im Waldviertel? – Da passt es hinten und vorne nicht zusammen! Wir müssen aber dafür sorgen, und deshalb gibt es einen Antrag von uns, damit endlich bei der Raumordnungspolitik, bei der Wirtschafts­politik und bei der Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs etwas passiert.

Deshalb bringe ich folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Mag. Bruno Rossmann, Kolleginnen und Kolle­gen

betreffend „Mehr für Pendlerinnen und Pendler: ökologisch und sozial gerechtere Aus­gestaltung der PendlerInnenförderung, Offensive bei Bahn und Bus“

Der Nationalrat wolle beschließen:

Die Bundesregierung und insbesondere der Bundesminister für Finanzen im Zusam­menwirken mit dem Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie wird auf­gefordert, ein schlüssiges Gesamtpaket für eine ökologisch vorteilhafte und sozial


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gerechte Reform der Förderung für PendlerInnen mit den nachstehenden Punkten vorzulegen:

Stopp der Zersiedlung durch geänderte Raumordnungspolitik und geänderte regionale Wirtschaftspolitik

Ausweitung der Finanzierung für zusätzliche ÖV-Angebote (ÖPNRV-Gesetz) von der­zeit 10 Millionen € auf 80 bis 100 Millionen € jährlich zur Mobilitätsgarantie

Gesamtreform des Pendlerpauschales nach sozialen und ökologischen Kriterien:

Das Pendlerpauschale soll in einen Absetzbetrag umgewandelt werden, damit es vom Einkommen unabhängig ist. Wenigverdienenden soll dies in vollem Umfang als Nega­tivsteuer zugute kommen.

Das Pendlerpauschale soll so umgebaut werden, dass starke Anreize für den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel gesetzt werden. Für Entfernungen ab 20 Kilometer soll es nur dann zu einer Erhöhung für die Pkw-Nutzung kommen, wenn keine ÖV-Nutzung oder Fahrgemeinschaften möglich sind beziehungsweise die ÖV-Nutzung unzumutbar ist.

*****

(Präsident Dr. Spindelegger gibt das Glockenzeichen.)

Herr Vizekanzler! Herr Präsident! Meine Damen und Herren! So kommen wir heraus aus der Ölpreisfalle, die auch zur Pendlerfalle wird, weil die Steigerung der Pauschale ist in keiner Weise mit der Steigerung der Kosten in Einklang zu bringen. (Beifall bei den Grünen.)

12.23


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Der von Frau Abgeordneter Dr. Moser einge­brachte Entschließungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Mag. Bruno Rossmann, Kolleginnen und Kolle­gen

betreffend „Mehr für Pendlerinnen und Pendler: ökologisch und sozial gerechtere Aus­gestaltung der PendlerInnenförderung, Offensive bei Bahn und Bus“

eingebracht im Zuge der Debatte über Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage 549 und zu 549 d.B: Bundesgesetz, mit dem das Einkommen­steuergesetz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schen­kungssteuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenord­nung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und ein Stiftungseingangssteuergesetz erlassen wird – Schenkungsmeldegesetz 2008 (SchenkMG 2008) (612 d.B.)

Viele Pendlerinnen und Pendler in Österreich werden täglich ins Auto gezwungen, un­zureichende oder überhaupt fehlende Alternativen machen das Erreichen des Arbeits­platzes ohne Pkw für viele unmöglich. Diese Bundesregierung und ihre Vorgänger­regierungen sind dafür mitverantwortlich – statt rasch wirksamen Verbesserungen beim Bus- und Bahnangebot gemäß den Interessen und Bedürfnissen der Fahrgäste stehen Interessen der Bau- und Finanzierungslobby an möglichst großen, teuren und langwie-


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rigen Projekten im Vordergrund. Aufgrund dieses zentralen verkehrspolitischen Ver­säumnisses schlagen die hohen und absehbar in Zukunft weiter steigenden Erdöl- und Treibstoffpreise heute schmerzlich bis in die Geldbörsen unserer Pendlerinnen und Pendler durch.

Mehr Bus und Bahn zu zumutbaren Kosten ist klima- wie sozialpolitisch ein Gebot der Stunde, wobei die Bedürfnisse der regelmäßigen NutzerInnen im Nah- und Regional­verkehr im Mittelpunkt stehen müssen. Dieser Politik budgetär Priorität zu geben, ent­lastet die PendlerInnen und uns alle: Wird der Verzicht aufs Auto möglich, spart jeder betreffende Haushalt mehrere hundert Euro monatlich und damit in jedem einzelnen Fall auch die Allgemeinheit Gesundheits-, Umwelt- und Staukosten von 1.400 Euro im Jahr.

Zugleich ist das bestehende System bei Kilometergeld und Pendlerpauschale in meh­rerlei Hinsicht sozial und ökologisch ungerecht: Das kleine Pendlerpauschale für Bus- und BahnpendlerInnen sieht im Vergleich zum großen Pendlerpauschale bei gleichen Pendeldistanzen nur halb so hohe Beträge vor. Durch den einseitigen Ausschluss von Öffi-PendlerInnen vom Pendlerpauschale bei Distanzen bis 20 km sind Bus- und Bahn­benutzerInnen noch krasser benachteiligt. Dazu kommen Verzerrungen bei der steu­erlichen Geltendmachung – durch die bisherige Gestaltung des Pendlerpauschales
als Freibetrag statt als Absetzbetrag werden Gutverdienende begünstigt, was vertei­lungspolitisch kontraproduktiv ist. Wenigverdienende unter 1.130 € brutto monatlich sind durch diese steuerliche Gestaltung ausgeschlossen, eine echte Gleichstellung über eine an den real anfallenden Kosten orientierte Negativsteuer wäre dringend nötig. Beim Kilometergeld klafft für Bus- und BahnbenützerInnen überhaupt eine völlig unzeitgemäße Lücke, während das Pkw-Kilometergeld die tatsächlichen variablen Kos­ten pro gefahrenem Kilometer auch nach den Treibstoffpreisanstiegen der letzten Mo­nate schon bisher bei weitem überdeckt. Auch bei Pkw-Fahrgemeinschaften besteht Handlungsbedarf bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen, desgleichen beim Car-Sharing.

Deshalb muss ein Offensiv-Paket für PendlerInnen neben den beantragten Punkten folgende Aspekte umfassen:

Das Kilometergeld darf nicht länger ein Anreiz sein, Dienstfahrten mit dem Auto statt mit der Bahn zurückzulegen.

Öffi-Netzkarten müssen für DienstnehmerInnen wie DienstgeberInnen steuerlich befreit und damit attraktiver werden.

Leistbarer Öffentlicher Verkehr zum garantiert besten Tarif mit einer Mobilitätscard, bei der stets der günstigste Tarif in Rechnung gestellt wird.

Bundesweiter, integrierter Taktverkehr bei Bus und Bahn mit Anschlussgarantie, insbe­sondere beim für PendlerInnen zentralen Nah- und Regionalverkehr.

Attraktivieren der Regionalbahnen statt der geplanten Stilllegungs-Welle.

Flächendeckende Mobilitätsberatung.

Park&Ride-Ausbau.

Anreize für Fahrgemeinschaften und Car-Sharing.

Anstelle von Einzelmaßnahmen, die vor allem Pkw-BenutzerInnen zugute kommen und damit die Abhängigkeit vom Auto zementiert statt lindert, ist daher eine grundsätzliche verkehrs- und verteilungspolitische Reform der Förderung von Pendelnden dringend nötig.


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Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag:

Der Nationalrat wolle beschließen:

Die Bundesregierung und insbesondere der Bundesminister für Finanzen im Zusam­menwirken mit dem Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie wird auf­gefordert, ein schlüssiges Gesamtpaket für eine ökologisch vorteilhafte und sozial gerechte Reform der Förderung für PendlerInnen mit den nachstehenden Punkten vorzulegen:

Stopp der Zersiedlung durch geänderte Raumordnungspolitik und geänderte regionale Wirtschaftspolitik

Ausweitung der Finanzierung für zusätzliche ÖV-Angebote (ÖPNRV-Gesetz) von der­zeit 10 Mio. Euro auf 80 bis 100 Mio. Euro jährlich zur Mobilitätsgarantie

Gesamtreform des Pendlerpauschales nach sozialen und ökologischen Kriterien:

 Das Pendlerpauschale soll in einen Absetzbetrag umgewandelt werden, damit es vom Einkommen unabhängig ist. Wenigverdienenden soll dies in vollem Umfang als Nega­tivsteuer zugute kommen.

 Das Pendlerpauschale soll so umgebaut werden, dass starke Anreize für den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel gesetzt werden. Für Entfernungen ab 20 km soll es nur dann zu einer Erhöhung für die PKW-Nutzung kommen, wenn keine ÖV-Nutzung oder Fahrgemeinschaften möglich sind bzw. die ÖV-Nutzung unzumutbar ist.

*****

 


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Wein­zinger. Seine maximale Redezeit beträgt ebenfalls 5 Minuten. – Bitte. (Abg. Dr. Rada steht direkt hinter dem Rednerpult an der Regierungsbank. – Abg. Ing. Westenthaler: Das ist auch nicht schlecht! Rücken an Rücken!) – Kollege Rada, darf ich Sie bitten, dem Redner Platz zu machen! (Präsident Dr. Spindelegger gibt das Glockenzei­chen. – Abg. Lutz Weinzinger – auf dem Weg zum Rednerpult –: Es war nur eine kleine Blockade!)

 


12.23.54

Abgeordneter Lutz Weinzinger (FPÖ): Herr Präsident! Meine Damen und Herren auf der Regierungsbank! Meine Damen und Herren hier im Parlament! Sachverstand und sichere Hand statt billigem Populismus – Worte des Herrn Vizekanzlers und Finanz­ministers, die wir vor einiger Zeit gehört haben. Und mit diesem Sachverstand und mit dieser sicheren Hand und mit Hilfe der EU hat er unsere Republik – er, der Herr Fi­nanzminister, und mit ihm die gesamte Regierung – zu wirtschaftlichem Wohlstand und zu hervorragenden Ergebnissen gebracht.

Wir vernehmen es mit Staunen, sind stolz, freuen uns – und wundern uns, warum das denn unserer Bevölkerung, unseren Bürgern nicht bewusst wird. (Abg. Murauer: Das ist ihnen eh bewusst!) Die sehen das ganz anders, das hören wir immer wieder! Die Medien sind ganz offensichtlich völlig falsch informiert, denn wir hören, dass die Leute ächzen und stöhnen, dass sie nicht mehr wissen, wie sie mit ihrem Gehalt über den Monat kommen.

Wir hören, dass die einzelnen Interessenvertretungen ununterbrochen Angriffe gegen die Regierung starten. Wir hören und lesen, dass das die schlechteste Regierung ist,


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die es je gegeben hat, obwohl diese Regierung, wie wir heute gehört haben, mit Sach­verstand und sicherer Hand und mit Hilfe der EU dieses Land zu einem großartigen Wohlstand bringt: einem Wohlstand, der dazu führt, dass die Melkkuh dieses Staates, das ist der Autofahrer, vor der Zapfsäule steht – und jetzt meine ich wirklich die Zapf­säule, also die, die bei der Tankstelle steht, und ich meine nicht die Zapfsäule, als die hier ein Regierungsmitglied benannt wurde – und sagt: Es darf doch nicht wahr sein, dass Diesel schon 1,40 € kostet! Das gibt es doch nicht! Wo bleibt unsere Regierung, um das einzudämmen?!

Doch unsere Regierung, bekanntlich mit Sachverstand und sicherer Hand, hat ja schon etwas getan, vernehmen wir heute voll Stolz und voll Freude: Wir bekommen ein er­höhtes Kilometergeld und eine erhöhte Pendlerpauschale! (Abg. Murauer: Richtig!) – Hervorragend, eine großartige Leistung!

Dass aber der Vergleich zu dem, wie teuer der Treibstoff geworden ist und was Pend­lerpauschale und was Kilometergeld heißt, wirklich äußerst mickrig ist, wollen Sie mir nicht glauben, das weiß ich schon, meine Damen und Herren von den Regierungspar­teien, aber es ist so. (Abg. Krainer: Das ist zirka die Hälfte! Zirka die Hälfte!)

Sie wissen doch, dass das Absetzbeträge sind! Und wir haben es heute in der Debatte schon ein paar Mal gehört: Diese Absetzbeträge kommen ja für sehr viele unserer Mit­bürger gar nicht in Frage, weil diese gar nicht so viel verdienen, um überhaupt lohn­steuerpflichtig zu werden. (Abg. Krainer: Deswegen gibt es eine Negativsteuer!)

Jetzt könnte man sagen: Na, haben wir ein tolles Steuersystem, dass bei uns die Leute nicht Lohnsteuer zahlen müssen! – Meine Damen und Herren! Ich bin überzeugt da­von, dass es sehr viele Mitbürger in dieser unserer Republik gibt, die gerne Lohnsteuer zahlen würden, weil sie dann wesentlich mehr verdienen würden. Das ist unser Pro­blem! (Beifall bei der FPÖ.)

Wir haben viel zu geringe Einkünfte. Wo bleiben hier Sachverstand und sichere Hand, wo bleiben denn die großartigen wirtschaftlichen Erfolge, die diese unsere Heimat ha­ben soll? (Abg. Krainer: ... wurde im März erhöht!) Da hört der Bürger fassungslos, dass die verschiedensten Konzerne voll Stolz ihre Milliardengewinne, die Steigerungen ihrer Umsätze verbunden mit gigantischen Gewinnen bekanntgeben, und er fragt sich: Wieso spüre ich nichts davon? – Wir hören immer, dass wir ein so großartiger Wirt­schaftsstandort sind, aber am Bürger geht das großteils – zu 90 Prozent, zu 95 Pro­zent – vorbei.

Meine Damen und Herren! Hier stimmt etwas nicht, hier ist etwas eben nicht richtig gelaufen! Hier haben Sie – mit Sachverstand und sicherer Hand – die wirtschaftlich po­sitive Lage unserer Republik Österreich nicht auf den Bürger umlegen können. (Präsi­dent Dr. Spindelegger gibt das Glockenzeichen.)

Der Bürger spürt ihn nicht! Und dorthin, dass der Bürger den wirtschaftlichen Auf­schwung unseres Landes spürt, müssten Ihre Bemühungen gehen. (Beifall bei der FPÖ.)

12.29


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Scheib­ner. Auch für Sie gilt eine Redezeit von maximal 5 Minuten. – Bitte.

 


12.29.15

Abgeordneter Herbert Scheibner (BZÖ): Herr Präsident! Die Debatte ist sehr hitzig, da fallen schon die Gegenstände von den Mikrophonen herunter; die Renovierung des Plenarsaals ist also dringend erforderlich. Auch ein Relaunch der Regierungsarbeit wäre nicht schlecht, wobei es heute doch sehr spannend gewesen ist, vor allem den Herrn Staatssekretär und auch einige SPÖ-Redner zu beobachten. Es dürfte da in der


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SPÖ-Fraktion eine Seminarreihe laufen – ich nehme an, vom Renner-Institut organi­siert –: Mehr Mut und Erfolg durch Selbsthypnose. Denn wie man hier jetzt durch Wie­derholungen versucht hat, die Erhöhung der Pendlerpauschale als großartiges SPÖ-Erfolgsmodell darzustellen, war durchaus spannend und interessant.

Eines fehlt noch, meine Damen und Herren von der SPÖ – Herr Kollege Cap, Sie kom­men sowieso nachher dran, vielleicht können Sie noch darauf reagieren –: Ein Körper­sprache-Seminar wäre noch angebracht, denn wenn der Herr Staatssekretär, und das war wirklich spannend, heute seine eigenen und die Erfolge der SPÖ im harten Kampf gegen die ÖVP herausstreicht, dann aber sagt: Na ja, wir sind der Mehrheitsmeinung gefolgt, und er zeigt wieder auf die ÖVP, von der ich geglaubt habe, sie sei in der Bun­desregierung noch in der Minderheit, dann ist das auch ein bisschen entlarvend. Aber man kann noch daran arbeiten. (Beifall beim BZÖ. – Heiterkeit des Abg. Ing. Westen­thaler.)

Was Sie aber weder durch Selbsthypnose-Seminare noch durch Körpersprachetrai­nings ausbalancieren werden können, Herr Staatssekretär (Zwischenbemerkung von Staatssekretär Dr. Matznetter) – auch nicht durch Zwischengemurmel von hinten, denn das hört man weder hier noch an den Fernsehgeräten (Abg. Dr. Haimbuchner: Aber das ist eine gute Selbsttherapie!) –, ist, dass Sie, Herr Staatssekretär, immer wie­der der Steuererhöhungsexperte gewesen sind. Lassen Sie uns doch nicht verges­sen, dass Sie als Abgeordneter, als Finanzsprecher der SPÖ, hier gesessen sind und dass Sie donnernd gegen die Steuersenkung der letzten Bundesregierung gewettert haben – 3 Milliarden € Entlastung.

Sie haben gegen die Senkung der Körperschaftsteuer geredet und gestimmt – eine wichtige Entlastung für unsere kleinen und mittleren Unternehmungen. Sie haben ge­gen drei Konjunkturpakete gewettert und gestimmt, die es ermöglicht haben, dass Sie heute die gute Wirtschaftslage in Österreich loben können. Und in Wahrheit waren Sie doch auch gegen die ersatzlose Abschaffung der Schenkungs- und Erbschaftssteuer! Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Sie es waren, als sie der Verfassungs­gerichtshof aufgehoben hat, die gesagt haben: Na ja, ersatzlos können wir das nicht streichen, wir werden uns da einen Ersatz überlegen.

Übrigens war auch die ÖVP ursprünglich gegen die Streichung der Erbschafts- und der Schenkungssteuer, muss ich zugeben; damals konnten wir uns da auch nicht durchset­zen. Wir wollten sie nämlich schon vor einigen Jahren abschaffen, aber das ist am Widerstand der ÖVP gescheitert. (Abg. Ing. Westenthaler: ... die Allerersten!) Gott sei Dank! Jetzt loben sich alle als die Erfinder dieser Abschaffung: Hurra, endlich ist das weg!

Es ist schon interessant, dass sich gerade auch die Grünen hier als Steuerexperten präsentieren, nämlich als Steuererhöhungsexperten. (Abg. Ing. Westenthaler: Stif­tungsexperten! – Zwischenruf des Abg. Mag. Rossmann.) – Denn was hier an, ich will nicht sagen: Marxismus stattfindet – genau Sie meine ich auch, Herr Kollege –, wo jeder, der ein bisschen mehr als nichts hat, schon ein Kapitalist und einer ist, den man sofort enteignen muss, das ist ja auch eine interessante Geschichte bei den Grünen. Na, deuten Sie nicht so, Frau Kollegin Moser! Sie haben gestern eine so schöne Bas­telei mitgebracht und heute nur eine Kopie einer Landkarte. Vielleicht betätigen Sie sich ja wieder beim Basteln?! – Das ist gescheiter! Behalten Sie Ihre linken Theorien bei sich zu Hause. (Abg. Dr. Moser: Herr Scheibner! Gehen Sie heim mit so einem Schmarrn! – Beifall bei den Grünen.)

Man muss es für die Fernsehzuschauer wiederholen: Die Frau Kollegin hat gesagt, ich soll nach Hause gehen. (Abg. Dr. Moser: Gehen Sie nach ... zurück!) – Nein, das wer­de ich nicht! Kollege Pilz ist jetzt endlich da, damit sind wir endlich vollständig. Wir blei­ben hier und wir werden diskutieren. Basteln Sie zu Hause, hier werden wir diskutie-


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ren – und hoffentlich nicht Ihre linken Theorien in der Wirtschaftspolitik umsetzen. (Beifall beim BZÖ.)

Meine Damen und Herren! Wir sind auch für die Anhebung der Pendlerpauschale und des Kilometergeldes, uns ist es nur zu wenig, denn bei dieser exorbitanten Steigerung der Rohstoff- und der Energiepreise wäre es eben notwendig, die Mineralölsteuer mas­siv zu senken. Darauf, die Mineralölsteuer massiv zu erhöhen, haben Sie sich in der Bundesregierung ja trotz dieser steigenden Preise geeinigt, und Sie nehmen über die Mineralölsteuer mittlerweile 5 Milliarden € pro Jahr ein – eine Steigerung von 700 Mil­lionen €.

Herr Finanzminister! Das wäre interessant, das wäre eine Entlastung, ein Signal, wenn Sie sagten: Ja, bei diesen steigenden Preisen nehmen wir diese Erhöhung zurück und gewähren der Bevölkerung eine wirklich massive Entlastung. – Das wäre ein sinnvoller, ein brauchbarer Schritt!

Oder man kann den Wettbewerb ankurbeln, den es ja kaum mehr gibt, weil es keine Diskonter mehr gibt, indem man wie in Kärnten die Landestankstellen aufsperrt, um da­mit einen entsprechenden Wettbewerb zu entwickeln. (Präsident Dr. Spindelegger gibt das Glockenzeichen.)

Und in der Europäischen Union? Wo sind die Initiativen gegen die Kartelle, gegen die Preisabsprachen? – Das wäre eine sinnvolle Politik, aber nicht, dass man die eigene Unfähigkeit durch Schönreden kaschiert. (Beifall beim BZÖ.)

12.34


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Meine Damen und Herren! Im Sinne der Präsi­dialvereinbarung lege ich die Redezeit für die folgenden fünf Redner mit je 4 Minuten fest.

Nächster Redner ist Herr Klubobmann Dr. Cap. – Bitte. (Abg. Ing. Westenthaler: Der Stiftungsvorsitzende!)

 


12.34.49

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ): Mich beeindrucken ja die Reden des Kollegen Scheibner immer wieder: Da döst er stundenlang vor sich hin, dann kommt er heraus, verbraucht die Tagesenergie, setzt sich zurück und döst weiter. – Ich habe einen Vor­schlag für Ihre Körpersprache: Wenn Sie über die Regierungsbeteilung Ihrer Partei in den letzten sieben Jahren nachdenken, sollten Sie so in Heulen und Zähneknirschen ausbrechen, dass man das bis zum Mikrophon hört. (Abg. Dr. Haimbuchner: Aber die SPÖ wird auch ...! – Weitere Zwischenrufe.) Denn das war die Ära der Belastungen, das war die Ära der hohen Steuerquote – ja, Karl Marx, zuhören! –, das war die Ära, in der es die Belastungen gab.

Jetzt kommt er her und erzählt uns die Geschichte, in der schwarz-blauen Zeit seien sozusagen Milch und Honig geflossen: Alle wurden entlastet, alle sind glücklich herum­gehüpft! – Also Sie haben sich eine eigene Welt zurechtgezimmert. Dösen Sie weiter, das ist in Ordnung, aber das ist nicht die Wirklichkeit und nicht die Wahrheit! – Das zum einen. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Ing. Westenthaler: Herr Stiftungsvorsitzen­der!)

Zum anderen: Ich finde es auch beeindruckend, wie sich die Grünen bereits jetzt mit der Verewigung ihrer Oppositionsrolle abzufinden beginnen, indem sie die Theorie ent­wickeln, Opposition ist gleich regieren: Wir setzen permanent Sachen gegen den Wil­len der Regierung durch. (Abg. Ing. Westenthaler: Bei den Benzinpreisen haben sie es gemacht!) Das finde ich schon sehr attraktiv. Sie müssen nur aufpassen, dass die Wählerinnen und Wähler dann sagen: Na dann ist es eh gut! Bleibt weiter in der Oppo­sition und belassen wir es so!


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Das könnte natürlich der Effekt sein, denn dass die berühmten 400 Millionen €, die un­serer Meinung nach ein ungerechtfertiges Geschenk an die Reichen gewesen wären, nicht mehr enthalten sind, ist an uns gescheitert, das müssen Sie zur Kenntnis neh­men. Wir wollten das einfach nicht, und es ist nicht gekommen. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Ing. Westenthaler: Aber die Stiftungssteuer habt ihr gesenkt! Gesenkt? Hal­biert!) – So war es und dabei sollte man bleiben.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt dabei ist natürlich, dass es keinen Sinn macht, grundsätzlich gegen Stiftungen zu sein. Wenn es da wirklich 3 200 Unternehmer mit 400 000 Beschäftigten gibt, dann bedeutet das: Wenn ich das Institut der Stiftungen in Frage stelle, dann kann es sein, dass so manche, die das Geld haben – und Geld ist heute beweglich, das kann in einem Tempo um den Globus rasen, dass wir nur so schauen; deswegen finde ich auch die Spekulationssteuerdiskussion sehr sinnvoll –, einfach weg sind! (Abg. Mag. Rossmann: Die SPÖ hat ein neues Konzept zur Be­schäftigungspolitik: Stiftungen ...!) – Ich würde vorschlagen, dass Kollege Rossmann dann in die Region geht, wenn einmal ein Betrieb dort keinen Standort mehr hat, die Leute keine Arbeit mehr haben, kein steuerliches Einkommen: Dann, so bin ich der Meinung, sollten Sie dort Ihre theoretischen Vorträge halten, weil sie an der Praxis zer­schellt sind. (Abg. Öllinger: Bitte! Das glaubt dir ja kein Mensch! Das sind ja Märchen!) Das ist so, und das muss man, glaube ich, auch in aller Deutlichkeit sehen. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Öllinger: Arbeitsplätze durch Stiftungen, glaubst du das wirklich?)

Mit Recht wurde von der Mitte des Saales in die Diskussion eingeworfen, dass es eine Teuerungsentwicklung gibt, dass es eine Inflation gibt, dass das Leben für die Öster­reicherinnen und Österreicher immer teurer wird. – Ich glaube, eine Regierung ist ge­nauso wie eine Opposition aufgefordert, gemeinsam darüber nachzudenken, was man unternehmen kann. (Abg. Öllinger: Viele Stiftungen, viele Arbeitsplätze!)

Da gibt es verschiedene Ebenen: Dort, wo etwas selbstgemacht ist, muss man agie­ren, dort, wo man in Österreich wirklich etwas für die Menschen erreichen kann, weil die Instrumentarien vorhanden sind, dort muss man es tun – das ist das, worauf wir in unserer Regierungsarbeit auch Wert legen: dass hier etwas passiert.

Ich finde, es war zum Beispiel wichtig, weil man damit hilft, dass man neben vielen an­deren Maßnahmen auch die Pendlerpauschale und das Kilometergeld erhöht. Und dort, wo man vielleicht merkt, dass gewuchert oder an den Preisen herumgeschraubt wird, und das ist ungerechtfertigt, müssen wir eingreifen. Ich finde auch die Debatte darüber richtig, wie man dem hohen Spritpreis et cetera entgegenwirken kann. – Das ist in Ordnung.

Ich glaube, dass das entscheidend, aber trotzdem mit einer guten Wirtschaftsentwick­lung gekoppelt ist, denn wenn sich die Wirtschaft nicht entwickelt, dann wird die Situa­tion für die Menschen schlechter: Dann ist das Sozialsystem nicht mehr finanzierbar, dann gibt es keine sicheren Pensionen mehr, dann gibt es überhaupt keine Finanzie­rung im Gesundheitsbereich mehr.

Das sind wesentliche Assets! Da muss man verantwortungsvoll agieren und sich dieser Debatte auch verantwortungsvoll stellen. – Das tun wir. (Beifall bei der SPÖ.)

12.39


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Wögin­ger. Auch für Sie gilt eine Redezeit von 4 Minuten. – Bitte.

 


12.39.14

Abgeordneter August Wöginger (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Vize­kanzler! Mitglieder der Bundesregierung! Meine sehr geschätzten Damen und Herren!


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Wir helfen den Menschen mit den vorliegenden Gesetzesbeschlüssen. (Abg. Neuge­bauer: So ist es!) Wir helfen den Menschen: Wir entlasten und wir schaffen Steuern ab. – Das muss festgehalten werden, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Wenn wir hier von manchen Abgeordneten behauptet wird, dass das Abschaffen der Erbschafts- und Schenkungssteuer nichts bringt, dann sage ich Ihnen genau das Ge­genteil: Das Übernehmen eines Wohnhauses, einer Eigentumswohnung oder das Er­ben eines Sparbuchs wird nicht mehr zusätzlich besteuert, und das ist für viele Öster­reicherinnen und Österreicher eine enorme Entlastung. Darauf kommt es an, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP. – Zwischenrufe bei den Grü­nen.)

Weg mit ungerechtfertigten Steuern: Versprochen, gehalten. – Dafür steht die Österrei­chische Volkspartei.

Zum Zweiten, meine geschätzten Damen und Herren, wirken wir mit der Erhöhung von Pendlerpauschale und Kilometergeld den viel zu hohen Spritpreisen entgegen. (Zwi­schenrufe der Abgeordneten Haidlmayr und Mag. Rossmann.)

Meine Damen und Herren! Als Innviertler weiß ich ein Lied davon zu singen. Im Grenz­bereich zu Deutschland haben wir eher noch höhere Spritpreise als im Landesinneren. Wir entlasten jetzt in erster Linie jene Erwerbstätigen, die das Auto brauchen, die auf ihr Fahrzeug angewiesen sind, um zum Arbeitsplatz zu kommen. (Zwischenruf der Abg. Haidlmayr.) – Meine Damen und Herren von den Grünen! Frau Haidlmayr! Sie brauchen sich nicht so aufzuregen. Was Sie hier aufführen, sagen, das ist alles nicht notwendig – das ist ein Affront gegenüber der Bevölkerung im ländlichen Raum. Sie sind eine Zentralisierungspartei, aber sicher keine Partei, die die Anliegen der Men­schen in diesem Land auch ernst nimmt. (Beifall bei der ÖVP. – Neuerlicher Zwischen­ruf der AbgHaidlmayr.)

Einen Spritpreis von 30 S haben Sie schon vor zehn Jahren gefordert. (Zwischenruf des Abg. Dr. Haimbuchner.) Sie fordern das und freuen sich über das, worunter hun­derttausende Menschen leiden. Eigentlich müssten Sie ja heute einen Freudentag ha­ben. Die Bevölkerung leidet aber darunter. Deshalb heben wir die Pendlerpauschale um 15 Prozent an, ein Plus von bis zu 440 € pro Jahr, und wir heben das Kilometergeld auf 42 Cent an. Das sind wichtige Maßnahmen für die betroffenen Menschen in diesem Land. (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Dr. Haimbuchner.)

Die Pendlerpauschale ist seit 2006 um insgesamt 40 Prozent angehoben worden,
das war aufgrund der zu hohen Spritpreise notwendig – aber wichtige Maßnahmen. Für die Niedrigverdiener wurde die Negativsteuer bereits auf 240 € ausgeweitet. (Abg. Mag. Kogler: Das hat aber mit der Pendlerpauschale nichts zu tun!) Wichtige Maßnah­men, die auf Initiative von unserem Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer umgesetzt werden. Und als Arbeitneh­mervertreter und Personalvertreter bedanke ich mich für die rasche Umsetzung dieser so wichtigen Erhöhungen ganz herzlich. (Beifall bei der ÖVP. – Neuerlicher Zwischen­ruf des Abg. Mag. Kogler.)

Wir müssen aber auch weiterhin darüber nachdenken, meine geschätzten Damen und Herren, vor allem auch bei der Steuerreform, wie wir hier die Maßnahmen so setzen können, dass sie auch zielgerecht angewendet werden können. Ich meine die Pend­lerpauschale. Die Pendlerpauschale ist eine gute und richtige Einführung (Zwischenruf der Abg. Haidlmayr), aber ich glaube, wir sollten darüber nachdenken, ob wir diese Pendlerpauschale nicht in eine Direktförderung umwandeln können. (Abg. Mag. Kog­ler: Jawohl!) Hier gibt es Vorschläge und die würde ich auch für richtig erachten.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 90

Zum Zweiten: Die viel zu hohen Ölpreise werden uns noch weiter beschäftigen. Die Heizkosten müssen leistbar bleiben, meine Damen und Herren, und Bund und Länder werden hier noch weiter zusammenhelfen. Die europaweite Spekulationssteuer wäre die richtige Antwort auf die viel zu hohen Energiepreise. Wir sollten hier gemeinsam einen Schulterschluss bilden und unseren Finanzminister unterstützen, damit dies auf europäischer Ebene umgesetzt werden kann. Nicht nur jammern, nicht nur schlechtre­den, sondern mitstimmen, meine Damen und Herren – das ist die Devise des heutigen Tages! (Beifall bei der ÖVP.)

12.43


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Sburny. 4 Minuten maximale Redezeit. – Bitte.

 


12.43.22

Abgeordnete Michaela Sburny (Grüne): Herr Präsident! Sehr geehrte Regierungsmit­glieder! Hohes Haus! Die Geschwindigkeit, mit der sich die SPÖ an die ÖVP annähert, ist ja schon TGV-mäßig. Viel schneller geht es ja nicht mehr, die SPÖ geriert sich da als Stiftungspartei. Herr Kollege Cap, wenn Sie hier sagen, dass man quasi Stiftungen braucht, um Arbeitsplätze zu schaffen, dann frage ich mich schon: Wo sind Ihre Kon­zepte für Arbeitsmarktpolitik tatsächlich, wo ist die Zeit, als Sie sich noch für regionale Wirtschaft, für erneuerbare Energien, dafür, dass man dort Arbeitsplätze schafft, einge­setzt haben? – Vorbei! (Abg. Öllinger: Ja, Stiftungen, ist eh ganz einfach!) Das ist alles weg. Jetzt brauchen wir Stiftungen und müssen Stiftungen fördern, damit wir mehr Ar­beitsplätze bekommen. Also viel absurder geht es schon nicht mehr. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Dr. Cap: Grüne Stiftungen! Wie wäre es mit grünen Stiftungen?)

Die Haltung, die die ÖVP hier verbreitet und der Sie sich mit unglaublicher Geschwin­digkeit annähern, hat sich ja heute sehr klar gezeigt. Vizekanzler Molterer sagt, dass diese Maßnahmen, die da beschlossen werden, sozialpolitisch verantwortlich sind. Das habe ich schon vor sechs Jahren vom damaligen Kanzler Schüssel gehört. Seit Jahren hören wir also, dass die Maßnahmen der Regierung, des schwarzen Teils der Regie­rung, sozialpolitisch verantwortlich sind. (Abg. Dr. Stummvoll: Das stimmt ja auch!) – Das stimmt. Sie behaupten, dass es sozial verantwortlich ist, wenn die Einkommen aus Besitz und Vermögen – also die Einkommen, die man quasi ohne Arbeit bekommt – seit 20 Jahren dramatisch schneller wachsen als die Einkommen, die man mit Arbeit bekommt. Das ist für Sie sozialpolitisch verantwortlich. (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Dr. Stummvoll.)

Sie finden es sozialpolitisch verantwortlich, dass Frauen noch immer im Durchschnitt 10 000 € im Jahr weniger verdienen als Männer. Sie finden es sozialpolitisch verant­wortlich, wenn der Einkommensbericht sagt, dass in den letzten zehn Jahren die unte­ren Einkommen dramatisch hinter den höheren Einkommen zurückbleiben, real sogar sinken. Das ist Ihre sozialpolitische Verantwortlichkeit, die Sie hier zeigen. (Zwischen­ruf des Abg. Dr. Stummvoll.)

Vor dem Hintergrund, dass diese Schere zwischen Arm und Reich, zwischen den Ver­mögenden und den arbeitenden „kleinen Leuten“ – unter Anführungszeichen –, also Angestellten in aller Regel, im unteren Bereich, immer weiter auseinanderdriftet, vor diesem Hintergrund weitere Privilegien für Stiftungen zu beschließen, halte ich für zy­nisch. (Ruf bei der ÖVP: Das passiert ja nicht!) – Natürlich stimmt es! Es stimmt, dass Sie diese 400 Millionen nicht mehr als Privileg weitergeben, nichtsdestotrotz gibt es ein weiteres Privileg für Stiftungen über die Halbierung des Eingangssteuersatzes. Ob das wirklich auch sozialpolitisch vernünftig ist, das darf ja wohl hier wirklich die Frage sein. (Beifall bei den Grünen.)


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Wenn der Finanzminister und Vizekanzler Molterer sagt, dass diese Maßnahmen, die Sie hier heute beschließen, gut für Österreich sind (Abg. Dr. Stummvoll: Ja!), dann kann man ja ... – Ja, sagt der Kollege Stummvoll. Ich sage ja, das ist Ihre Haltung, dass Sie noch immer nicht verstanden haben, dass ein steigender Wohlstand für Ös­terreich – oder vielleicht haben Sie es schon verstanden und es passt Ihnen eh so, wenn Sie das als sozialpolitisch verantwortlich sehen –, den wir ja haben, unbestritte­nerweise, sich einfach nicht auf alle gleichermaßen auswirkt. Da lässt Ihre Politik kom­plett aus, wie ich es zuerst beschrieben habe. (Abg. Dr. Stummvoll: Gleichmacherei wird es nie geben!) – Wenn das für Sie unter Gleichmacherei fällt, dass man den Wohl­stand auch gleichmäßiger verteilt, dann haben wir genau das Problem, das wir haben, dass nämlich die, die schon viel haben, immer noch mehr kriegen und das quasi schon vererbt wird – auch jetzt mit der Abschaffung der Erbschaftssteuer – und dass die, die wenig haben, wenig Chance bis gar keine Chance haben, sich etwas zu dem Wenigen dazu zu erarbeiten. (Präsident Dr. Spindelegger gibt das Glockenzeichen.)

Wenn das – so viel noch zum Kollegen Scheibner – links ist, dass man den Wohlstand auch auf alle verteilen will, dann bin ich mit sehr viel Vergnügen links. (Beifall bei den Grünen.)

12.47


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Zanger. Auch für Sie gilt eine maximale Redezeit von 4 Minuten. – Bitte.

 


12.47.51

Abgeordneter Wolfgang Zanger (FPÖ): Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Eingangs möchte ich noch ganz kurz auf den Kollegen Auer replizieren, der meinen lieben Abgeordnetenkollegen Hauser hier kritisiert hat. (Zwischenruf des Abg. Grillitsch.) Ich denke, er hätte besser zuhören sollen, denn der Kollege Hauser hat klipp und klar eingangs seiner Frage gesagt: Wir stehen für faire Preise in der Landwirtschaft und unsere Bauern sollen sie erhalten. (Abg. Dr. Stumm­voll: Das hat er erst nach einem empörten Zwischenruf! – Abg. Grillitsch: Kollege Hauser ist dagegen!) – Und überdies, lieber Kollege Grillitsch, möchte ich auch noch auf eines hinweisen: Die über 30 Prozent gestiegenen Treibstoffpreise beim Diesel be­lasten auch die Bauern und treiben natürlich die Preise dort noch einmal an. Auch die Zulieferpreise und die Transportpreise. So ist es. (Abg. Grillitsch: Alle Bauern werden sich freuen …!) – Nein, ist er nicht, falsch verstanden, besser aufpassen!

Wir hören hier wieder einmal einen Lobgesang der Regierungsparteien auf sich selbst, auf die beiden Vertreter im Finanzministerium, so nach dem Motto – und ich sage es jetzt einmal in der Sprache der Christdemokraten oder Christlichsozialen –: Gloria in excelsis Willi Molterer! Oder: Te Christopherum laudamus! (Zwischenruf des Abg. Neu­gebauer.) Ich kann dazu nur eines sagen: Wenn Rot und Schwarz in die Natur ein­greifen könnten, würden auch da die Mäuse knapp werden.

Seit 2000, meine Damen und Herren, sind die Kosten rund ums Auto um über 80 Pro­zent gestiegen, seit 2007 die Benzinpreise um 25 Prozent und die Dieselpreise um 30 Prozent. Jeder Österreicher, der zur Tankstelle fährt und sich an das Geldbörsel greift, glaubt, er hat Zwiebel drinnen, denn es kommen ihm die Tränen, wenn er dann beim Bezahlen ist. (Beifall bei der FPÖ.) Es ist unglaublich, die Mehreinnahmen des Finanzministers betragen unglaubliche 720 Millionen € und lächerliche 60 Millionen werden zurückgegeben. (Zwischenruf des Abg. Höfinger.)

Und das mit der Pendlerpauschale, so wichtig und so gut es auch ist, dass sie ein biss­chen erhöht wird, aber es ist bei Weitem zu wenig, denn wie wir schon mehrmals aus­geführt haben, es handelt sich um einen Absetzbetrag und die Berechnungen von der Kollegin Stadlbauer haben ja selbst dem Staatssekretär ein Lächeln entlockt, denn in


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Wahrheit bleiben einem Pendler, der im Schnitt 110 Kilometer pro Tag hin- und her­fährt, nicht mehr als 5 € netto pro Monat mehr im Geldtascherl. (Zwischenbemerkung von Staatssekretär Dr. Matznetter.) Das ist eine deutliche und spürbare Entlastung? – Da lachen ja die Hühner, um bei unserem lieben Bauernbundpräsidenten Fritz Gril­litsch zu bleiben.

576 € pro Jahr würde dieser Pendler an Mehrbelastung erleiden und 5 € pro Monat geben Sie ihm zurück. Das ist eine Lächerlichkeit, eine Frotzelei unserer Bürger in diesem Land, die unter den Teuerungswellen seit Monaten und seit Jahren schon zu leiden haben! (Abg. Neugebauer: Wie viele Hühner hat der Grillitsch?)

Massive und viele positive Anträge der Opposition und vor allem von uns Freiheitlichen (Beifall bei der FPÖ), die zu einer deutlichen und spürbaren Entlastung der österreichi­schen Bürgerinnen und Bürger geführt hätten, haben Sie im Ausschuss vertagt, immer unter Hinweis auf Ihre ominöse Steuerreform 2010, die Sie dem Bürger als Wahlzu­ckerl verabreichen wollen. (Zwischenruf des Abg. Höfinger.)

Wir möchten in diesem Zusammenhang noch einen Abänderungsantrag einbringen:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten, Hauser, Weinzinger, Zanger und weiterer Abgeordneter

Der dem Bericht (613 d.B.) angeschlossene Antrag betreffend den Entwurf eines Bun­desgesetzes, mit dem die Reisegebührenvorschrift 1955 geändert wird, wird wie folgt geändert:

Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen:

Der eingangs bezeichnete Antrag wird wie folgt geändert:

Ziffer 1 lautet:

„1. In § 10 lautet der Abs. 3:

,(3) Die besondere Entschädigung gemäß Abs. 2 beträgt:

1. für Motorfahrräder und Motorräder mit einem Hubraum bis 250 cm3 je Fahrkilometer 0,18 Euro,

2. für Motorräder mit einem Hubraum über 250 cm3 je Fahrkilometer 0,28 Euro,

3. für Personen- und Kombinationskraftwagen je Fahrkilometer 0,50 Euro.‘“

*****

Meine Damen und Herren! Treten Sie diesem Antrag bei! Eines möchte ich Ihnen noch mitgeben: die Umwandlung, wie wir es schon lange fordern (Präsident Dr. Spindel­egger gibt das Glockenzeichen), der Pendlerpauschales in einen Fixbetrag und eine Auszahlung wie bei der Kinderbeihilfe. (Beifall bei der FPÖ.)

12.52


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Der von Herrn Abgeordnetem Zanger einge­brachte Abänderungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten, Hauser, Weinzinger, Zanger und weiterer Abgeordneter, einge­bracht im Zuge der Debatte zum Top 2, Bericht (613 d.B.) und Antrag des Finanzaus-


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schusses über den Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem die Reisegebührenvor­schrift 1955 geändert wird

Der dem Bericht (613 d.B.) angeschlossene Antrag betreffend den Entwurf eines Bun­desgesetzes, mit dem die Reisegebührenvorschrift 1955 geändert wird, wird wie folgt geändert:

Der Nationalrat wolle in der zweiten Lesung beschließen:

Der eingangs bezeichnete Antrag wird wie folgt geändert:

Ziffer 1 lautet:

„1. In § 10 lautet der Abs. 3:

,(3) Die besondere Entschädigung gemäß Abs. 2 beträgt:

1. für Motorfahrräder und Motorräder mit einem Hubraum bis 250 cm3 je Fahrkilo­meter…………………………………….........................................................…0,18 Euro,

2. für Motorräder mit einem Hubraum über 250 cm3 je Fahrkilometer...........0,28 Euro,

3. für Personen- und Kombinationskraftwagen je Fahrkilometer …………….0,50 Euro.‘“

Begründung

Um den gestiegenen Treibstoffpreisen und den damit erhöhten Belastungen der Pend­ler entgegenzuwirken, wird das Kilometergeld für Personen- und Kombinationskraft­wagen von derzeit 37,6 Cent je Kilometer auf 50 Cent je Kilometer ab 1.7.2008 erhöht. Budgetärer Aufwand per anno: 70 Mio. Euro.

*****

 


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Haub­ner. Für Sie gilt eine maximale Redezeit von 4 Minuten. – Bitte.

 


12.52.19

Abgeordnete Ursula Haubner (BZÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Finanzminister! Frau Staatssekretärin! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Für den Wegfall der Erbschafts- und Schenkungssteuer ist heute ein guter Tag, weil eine lang­jährige Forderung von uns umgesetzt wird.

Für die Maßnahmen gegen die Teuerung, sage ich, ist es ein schlechter Tag, weil das, was hier vorgeschlagen wird, geht an den wahren Problemen der Menschen vorbei. (Abg. Dr. Schelling: Na ja, so ist das nicht!)

Die außerbudgetären Steuereinnahmen, sehr geehrter Herr Finanzminister, sind rund 3 Milliarden €. Da frage ich mich: Diese Steuereinnahmen haben Sie doch jemandem weggenommen, irgendjemandem muss das doch fehlen. Daher frage ich: Wem fehlen diese Steuereinnahmen, die Sie jetzt wie in einem Schlaraffenland verwalten? – Diese Einnahmen fehlen letztendlich den Menschen, die fleißig arbeiten, den Menschen, die mit einem Durchschnittseinkommen auskommen müssen, den Menschen, die maximal 240 € Negativsteuer zurückbekommen, Menschen, die tagtäglich zur Arbeit fahren müssen und die wirklich aufs Auto angewiesen sind, weil sie keine andere Alternative haben, die durch diese Erhöhung der Pendlerpauschale, die Sie heute beschließen wollen, mit 15 Prozent zwar jährlich mit rund 32 bis 37 € begünstigt werden und zu­rückbekommen. Aber eine oder mehrere Tankfüllungen im Jahr, die man braucht, sind in etwa um 800 bis 1 000 € teurer. Daher sind das wirklich Almosen.


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Es nützt all jenen nichts, die zum Beispiel nach wie vor eine Ölheizung haben. (Zwi­schenruf des Abg. Dr. Niederwieser.) Heizen mit Öl ist sehr, sehr teuer geworden und wenn man bedenkt, dass ein Tank mit 3 000 Litern Heizöl im Vorjahr 1 950 € gekostet hat und jetzt in Zukunft kostet er 2 910 €. (Abg. Mag. Kogler: Der Einbau von Öl­heizungen ist kurzfristig noch in ganz Österreich gefördert worden!) Da frage ich mich: Wo ist die soziale Fairness? Wo ist die soziale Gerechtigkeit? (Beifall beim BZÖ.)

Wenn Sie richtigerweise sagen, Herr Finanzminister, dass es positiv ist, dass viele Menschen in Arbeit sind, das unterstütze ich, aber ich glaube, irgendwann wird sich arbeiten bald nicht mehr lohnen. Denn wenn jene, die um einen Mindestlohn arbeiten sollen und arbeiten müssen, netto in etwa 818 € herausbekommen, es aber in Zukunft eine Mindestsicherung mit 724 € gibt, dann wird sich jeder überlegen, wenn er die Fahrtkosten dann noch dazurechnet, dass er eigentlich mit der Mindestsicherung auf der besseren Seite ist und sich das Arbeiten sparen. Also, man fragt sich, wozu noch arbeiten? (Abg. Ing. Westenthaler: Ja! Wozu noch arbeiten?)

Auch die vielen Pensionisten haben nichts von diesen Maßnahmen gegen die Teue­rung. Sie brauchen natürlich nicht die Pendlerpauschale. Aber sie haben zum Teil Kleinstpensionen, die nur mit 1,7 Prozent erhöht werden. Vor allem all jene, die unter dem Ausgleichszulagenrichtsatz liegen. Das sind in erster Linie Frauen, die hier wie­derum betroffen sind.

Ich sage, die soziale Balance, meine Damen und Herren, stimmt einfach nicht. Denn wenn man aus diesem Steuerschlaraffenland von mehreren Milliarden nur 60 Millionen zurückgibt, dann sind das wirklich nicht mehr als Almosen. (Beifall beim BZÖ.)

Es ist ja richtig, wenn Sie sagen, dass die Verdreifachung der Treibstoffpreise nicht nur hausgemacht ist, sondern dass hier auch andere Einflüsse sind. Aber ich sage, gerade wir als politisch Verantwortliche haben unsere Hausaufgaben im eigenen Haus rasch und richtig zu machen, dass die Menschen spürbar entlastet werden.

Dass es geht zeigen unsere Ideen für soziale Gerechtigkeit, die wir auch noch einbrin­gen werden (Präsident Dr. Spindelegger gibt das Glockenzeichen), wie den Teue­rungsausgleich als Sofortmaßnahme, die Rücknahme der Mineralölsteuer-Erhöhung oder die Absetzbarkeit der Fahrtkosten.

Wer rasch und richtig hilft, hilft doppelt. (Zwischenruf der Abg. Haidlmayr.) Daher sage ich, das beste Beispiel ist Kärnten. (Zwischenruf des Abg. Zanger.) Hier sieht man, wie rasch und richtig geholfen wird, denn hier wird Politik für die Menschen gemacht, Politik für die Menschen und ihre täglichen Sorgen. In Kärnten haben auch ÖVP und SPÖ dieser Politik zugestimmt. (Beifall beim BZÖ.)

12.57


Präsident Dr. Michael Spindelegger: Meine Damen und Herren! Die Fernsehdirekt­übertragung ist beendet. Wir gehen jetzt wieder zum System der freiwilligen Redezeit­beschränkungen über.

Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Kogler. Freiwillige Redezeitbeschrän­kung: 5 Minuten. – Bitte.

 


12.57.16

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Meine Damen und Herren StaatssekretärInnen! Ich möchte dort anknüpfen, wo fast allen Op­positionsparteien vorgeworfen wurde – nämlich von der Regierungsbank, durch Reden, durch Zwischenrufe –, dass wir mit Zahlen hantieren würden, die nicht stimmen.

Wenn wir einmal zum Generalthema der letzten Tage zurückkommen: Die 400 Millio­nen, um die es hier geht. (Staatssekretär Dr. Matznetter: Ging!) – Ja, ging; guter Hin-


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weis. Das ist wenigstens das einzig Gute – und darauf hat sich auch Kollege Auer bezogen – der Entwicklung der letzten Tage, dass das allergrößte Unglück verhindert werden konnte. Aber die Verhinderung des allergrößten Unglücks lässt immer noch sehr viel Unglück zu. Auf das werden wir noch eingehen. Aber die Bezeichnung des­selbigen, nämlich des allergrößten, und die Beschreibung und die Bezifferung haben Sie vorgenommen.

Ihre Abgeordneten – wenn man noch sagen darf: Regierungsabgeordneten; vielleicht wird das ja auch noch alles besser – sind im Fernsehen aufgetreten und haben sich damit gebrüstet, 400 Millionen sozusagen vor dem Zugriff der Reichen in Form von Steuergutschreibungen zu retten. In Umlauf gesetzt hat das niemand anderer als das Finanzministerium. Machen Sie sich noch aus, wer und in welcher Form und mit wel­cher Taktik.

Aber dass Sie dann die Abgeordneten, die es ohnehin schon schwer genug haben, Ihre Entwürfe nachzuvollziehen, noch dafür verantwortlich machen, dass sie mit den Materialien argumentieren, die Sie mit in die Debatte bringen oder vorlegen, ist dann doch ein starkes Stück. (Beifall bei den Grünen.)

So falsch wird es schon nicht gewesen sein, 20 Millionen pro Jahr und rückwirkend auf 20 Jahre. Sicherlich, man kann das nicht so genau berechnen. Wir sind auch alle keine jungen Hasen, wenn es um diese Rechnereien geht. Aber es waren offensichtlich Schätzwerte, und sie werden schon nicht so falsch gewesen sein. Immerhin – und jetzt komme ich zum inhaltlichen Beitrag – hat auch Professor Doralt im Wesentlichen so argumentiert. (Präsidentin Dr. Glawischnig-Piesczek übernimmt den Vorsitz.)

Ich möchte aber ohnehin wegkommen vom Technischen. Professor Doralt hat auch noch etwas anderes gemacht: Am Vortag, bevor das allergrößte Unglück verhindert werden konnte, hat er sich in einem sogenannten Brief des Tages an die Tageszeitung „Die Presse“ gewendet, und diese hat das dankenswerterweise abgedruckt. Und Sie wissen, was an dieser Stelle kommt: vermutlich kein besonders linkes Kampfblatt.

Die Tageszeitung „Die Presse“ zitiert Herrn Professor Doralt in der vermutlich vollstän­digen Länge seines Briefes, und ich darf das auszugsweise wiedergeben:

„Die ÖVP – ein Selbstbedienungsladen

Einige wenige in diesem Land lassen die ÖVP tanzen, sie haben sich die Partei gefü­gig gemacht. […]

Die ÖVP – ausgeschrieben ‚Volkspartei‘ –“ – ich füge ein: christlich-sozial laut Partei­programm! – „hat für sie“ – nämlich für die Reichen – „den Diener gemacht. Die ÖVP macht sich zum Selbstbedienungsladen ihrer mächtigsten Wirtschaftsbosse, einer Gruppe von einigen wenigen.“

Da hilft auch das demonstrative Nuscheln in der ersten Reihe nichts, Herr Ikrath (Abg. Mag. Ikrath spricht mit Abg. Dr. Stummvoll), Sie kommen ohnehin als Nächster dran.

„Eine Partei, die sich dem Mittelstand verpflichtet fühlt, nein, nicht fühlt, sondern die das von sich behauptet, steht in Wahrheit unter dem politischen Diktat ihrer Elite,“ – Herr Stummvoll, Herr Ikrath – „und die Elite“ – ich zitiere!; ich betone das nur wegen der Ordnungsrufverdächtigkeit – „greift für sich in die Staatskassa.“ – Ende des Zitats.

Wie wahr! Das konnte noch verhindert werden, und zwar durch die Initiative der Grü­nen, durch die Initiative des Kollegen Rossmann und durch das Engagement des Herrn Professors Doralt. Denn nicht nur, dass es der SPÖ – in den Reihen der Abgeord­neten – eingefallen ist, dass es so nicht kommen kann, sondern es wurde vermutlich auch für viele Abgeordnete, die bekanntermaßen sehr viel in den Wahlkreisen unter­wegs sind, zu einem Problem in der ÖVP. In Wahrheit war es für Sie gar nicht mehr so


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schwer, dieses Ding einzutauschen gegen ein anderes, das Sie erhalten haben. Ich mache Ihnen das nicht zum Vorwurf, das gehört zur Politik, insbesondere zu Verhand­lungen von Regierungsergebnissen. Aber man sieht, was man mit Engagement bewe­gen kann. Man sieht auch, dass eine Oppositionspartei mit Sachverstand und Exper­tise noch etwas bewegen kann. Das sollten Sie zur Kenntnis nehmen. (Beifall bei den Grünen. – Zwischenruf des Abg. Dr. Stummvoll.)

Ich sage Ihnen aber auch noch etwas zur Abfolge dieser Sache – Kollege Auer hat ja darauf hingewiesen, dass ich am Schluss noch etwas Gutes an dem Ganzen gefunden habe; ja, ich habe es gerade ausgeführt –: Nicht gut beziehungsweise am Rande der Geschäftsordnung beziehungsweise unter Missbrauch der Geschäftsordnung war je­doch folgender Vorgang, den ich als Ausschussmitglied des Finanzausschusses hier noch zu Protokoll bringen möchte: dass zweimal zu eingeladener Sitzung – mit Ihrer Unterschrift, Herr Vorsitzender Dr. Stummvoll – die Sitzung nach kurzen GO-Meldun­gen unterbrochen wurde, und einmal überhaupt nachdem Sie die Sitzung aufgenom­men haben, um sie sogleich wieder zu unterbrechen, und zwar ohne die Begründun­gen, die die Geschäftsordnung für Sitzungsunterbrechungen vorsieht. – Ich bekämpfe dieses Institut ja nicht. Es ist ein gutes Institut, wenn ein umsichtiger Vorsitzender da­mit umgeht. Aber wenn ein parlamentarischer Ausschuss von seinem Vorsitzführenden in die Richtung gedrängt wird, dass die ausgeschickte Tagesordnung nicht behandelt werden kann – weil mit der Begründung unterbrochen wird, dass die Regierung nicht zu Rande kommt –, dann hört es sich wirklich auf! So war es! Nuscheln Sie inzwischen nicht! So war es! (Beifall bei den Grünen.)

Es wäre gar keine große Kunst gewesen, wenigstens die Form einzuhalten – die ist in der Demokratie schon wichtig – und sich allenfalls mit uns, nämlich mit den anderen Oppositionsparteien zu verständigen und zu sagen: Ja, es gibt ein Problem, wir sind mit den Verhandlungen nicht fertig. – Das ist keine Schande. Möglicherweise bemühen sich ja alle. Aber dann stehen wir doch zur ausgeschickten Tagesordnung, verhandeln die anderen Punkte und berufen eine neue Sitzung ein! Es ist ja immer nur darum ge­gangen, ob ein neuer Punkt auf die Tagesordnung reklamiert wird. Das konnte die SPÖ verhindern, weil es zu so etwas Gott sei Dank eine Zweidrittelmehrheit braucht. (Zwischenruf des Abg. Dr. Stummvoll.) Man muss hier wirklich einmal zu Protokoll bringen, damit sich die Nachwelt anschauen kann, wie es in jenen Tagen im Parlament zugegangen ist, als es sich endlich von diesem Regierungstreiben emanzipiert hat. Sie sollten mehr Vorsitzender und weniger Regierungsagent sein; Sie hätten unsere Unter­stützung gehabt! (Beifall bei den Grünen. – Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Ein letzter sachlicher Abschluss zu dem, worum es da eigentlich geht. Der Wegfall der Erbschafts- und Schenkungssteuer war durch ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs bedingt. Wir kennen das alle. Das hat natürlich nicht die logische Konsequenz, dass man sagt: Dann fällt es eben aus und dann ist es so. – Es hätte auch anders kommen können. Die SPÖ verweist darauf, dass mit Ihnen nichts anderes möglich war, aber mit einer Mehrheit hier im Haus wäre vielleicht sehr wohl etwas anderes möglich gewe­sen – beziehungsweise kann das keine Entschuldigung für Ihr Wirken sein.

Man kann natürlich eine Erbschafts- und Schenkungssteuer erstens formal so kon­struieren, dass sie vor dem Verfassungsgerichtshof hält, und zweitens mit einem Inhalt ausstatten, der bei diesem Auseinanderklaffen der Vermögen auch in Österreich längst notwendig und richtig wäre. Natürlich könnten wir Freibeträge einziehen, die wesentlich höher gewesen wären als im alten Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht. Dann hätten wir einen Haufen Bürokratieersparnis betrieben und tatsächlich bei den großen Vermögen dafür geschaut, dass auch sie etwas beitragen. Aber jetzt geht alles auf null. Und die, die sich in Stiftungen zusammenrotten, bekommen noch etwas nachge­schmissen. Na gratuliere! Das ist Ihr soziales Gewissen! Und Sie rudern da hinten


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nach. Das ist doch das Problem! Wir hätten ein Gesetz machen können, das erstens verfassungskonform und zweitens sozial gerecht ist. Österreich hätte beides ge­braucht. (Beifall bei den Grünen. – Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Letztlich könnte man die Pendlerpauschale unter dem sozialen Aspekt betrachten. Wir haben das jetzt oft genug gehört, Stichwort: Absetzbetrag. Ich wiederhole das nicht. Aber was das Unsoziale ist, ist Ihre Uneinsichtigkeit. Der Wirtschaftsminister ist heute nicht da. Das ging gestern fast unter, weil wir das Gesetz zurückverwiesen haben. Der Wirtschaftsminister hat vor kurzer Zeit noch behauptet, die Ölpreisdebatte gehe in die falsche Richtung, der Preis werde bald wieder bei 35 Dollar pro Barrel sein. Da sieht man, wo der hindenkt und hintickt! Da kommt nichts mehr heraus. In Wahrheit betrei­ben Sie eine Generalförderung für diese Ölabhängigkeit der gesamten Volkswirtschaft. Sie halten die Volkswirtschaft unter Drogen mit dieser falschen Politik. Wir müssen da heraus! Die soziale Frage wäre, dass man das Richtige investiert und nebenbei noch die Zukunftschancen für die Wirtschaft damit sichert. Aber davon haben Sie sich verab­schiedet. (Beifall bei den Grünen. – Zwischenrufe bei der ÖVP.)

13.06


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Mag. Ikrath. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 3 Minuten. – Bitte.

 


13.06.54

Abgeordneter Mag. Peter Michael Ikrath (ÖVP): Frau Präsidentin! Herr Staatssekre­tär! Hohes Haus!

Erstens ist zur Rede von Kollegem Kogler eine Anmerkung zu machen. Es ist ja ge­radezu grotesk, absurd und seiner nicht würdig, wenn er heute hier herausgeht, von einer Privilegierung von Stiftungen spricht und diese immer gleich mit ideologischen Stereotypen der Superreichen versieht. Wir haben jetzt die rechtliche Situation, dass Sie, wenn Sie etwas schenken oder vererben, überhaupt keine Steuer zahlen. Wenn man in einer Stiftung die Dispositionsfähigkeit über das Vermögen aufgibt, zahlt man 2,5 Prozent Steuer. – Also wenn überhaupt, dann kann man wohl wirklich nicht be­haupten, dass es da um eine Privilegierung der Stiftungen geht, Herr Kogler! (Beifall bei der ÖVP. – Zwischenrufe bei den Grünen.)

Das Zweite ist: Hätten Sie einem neuen Finanzausschuss zugestimmt, dann hätten wir das so gestalten können. Sich heute hinzustellen und die Vorsitzführung des Kollegen Günter Stummvoll mit unwahren Behauptungen anzugreifen, muss ich Ihnen sagen, ist jedenfalls nicht fair. Nächstes Mal gehen Sie bitte auf unseren Vorschlag ein, dann würden wir das so machen können. (Abg. Sburny: Machen Sie, was die ÖVP will, und dann ist alles gut!)

Drittens möchte ich Frau Sburny etwas ganz Grundsätzliches sagen: Stiftungen immer nur von einer Seite zu beleuchten, ist nicht lauter. Wir wissen genau, dass Stiftungen heute, was die gemeinnützigen, wohltätigen und kirchlichen Zwecke sowie ihre finan­zielle Unterstützung betrifft, in diesem Land eine ganz wesentliche Rolle spielen. Das kommt allen Bürgern zugute, vor allem sozial schwachen. Ich würde Sie bitten, wenn wir schon seriös diskutiert wollen, auch diese Seite der Medaille zu beleuchten.

Ich kann jetzt zu meinem Bedauern nicht weiter darauf eingehen, weil ich noch folgen­den Antrag einbringe:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Dkfm. Dr. Günter Stummvoll, Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen zur Regierungsvorlage (549 und Zu 549 der Beilagen) eines Bundesgesetzes, mit dem


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das Einkommensteuergesetz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Erb­schafts- und Schenkungssteuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenordnung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und ein Stiftungseingangssteuergesetz erlassen wird – Schenkungs­meldegesetz 2008 (SchenkMG 2008)

Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen:

Der im Titel bezeichnete Gesetzesantrag wird wie folgt geändert:

1. Der Titel lautet wie folgt:

„Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabga­benordnung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und ein Stiftungseingangssteuergesetz erlassen wird – Schenkungsmeldege­setz 2008 (SchenkMG 2008)“

2. Die Artikelbezeichnungen „3“ bis „8“ werden geändert auf „2“ bis „7“.

*****

Wie gesagt, ich bedaure, aufgrund dieses technischen Erfordernisses jetzt nicht mehr auf die vielen einseitigen, unwahren und nicht seriösen Feststellungen der grünen De­battenredner eingehen zu können. (Beifall bei der ÖVP.)

13.09


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Dolinschek. 5 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


13.10.04

Abgeordneter Sigisbert Dolinschek (BZÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin! Herr Staatssekretär! Zum Einkommensteuergesetz: Die Regierungs­fraktionen sind sehr bemüht, die Steuer auf die Stiftungen, die Erhöhung der Pendler­pauschale und so weiter zu verteidigen. Ich denke, dass wir immer die soziale Balance im Auge behalten sollten. Wie man sein Leben bewältigt, hängt immer vom Einkom­men ab, das man hat. Wenn jetzt die Lebensmittel- und die Spritpreise steigen, wäh­rend die Menschen das Fahrzeug brauchen, um den Arbeitsplatz zu erreichen, und aufgrund der höheren Preise natürlich auch die Mehrwertsteuereinnahmen höher sind und nur so sprudeln, dann muss man sich darüber auch seine Gedanken machen.

Wenn man Regierungsverantwortung innehat, muss man sich darüber Gedanken ma­chen, wie man dieses Geld umverteilt. Es ist zu wenig, wenn der Herr Finanzminister sagt: Wir haben eine sinkende Arbeitslosenrate und ein Wirtschaftswachstum. – Das ist wohl recht, ja, aber die Vollbeschäftigung muss garantieren, dass das Einkommen so hoch ist, dass man nicht armutsgefährdet ist. Das ist meiner Meinung nach der Punkt, darauf sollten wir alle in diesem Hause achten. Wenn heute bei der Fragestun­de der Herr Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft gesagt hat, schuld an den hohen Lebensmittelpreisen seien die Lohnnebenkosten und die hohen Treibstoffpreise, dann möchte ich sagen: Dann soll die Regierung eben etwas tun, da müssen wir doch reagieren und den Leuten in dieser Hinsicht entgegenkommen! (Beifall beim BZÖ.)

Ich bringe jetzt … (Abg. Dr. Brinek: Staatlich geregelte Preise hat es in der DDR gege­ben!) – Aber in diesem Fall muss der Staat eingreifen, es muss in diesem Bereich eine Preisregulierung erfolgen! Dazu werde ich, Frau Kollegin Brinek, einen Antrag ein­bringen. (Abg. Dr. Brinek: Sehr gefährlich!) Man muss die Spritpreise regeln. Wenn sie


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 99

überborden und so horrend sind, dann muss man eine Preisregulierung einführen. Dazu gibt es ja auch das Instrumentarium des Preisgesetzes. (Abg. Dr. Brinek: Ost­block!)

Wir bringen deshalb folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Bucher, Mag. Darmann, Dolinschek, Ing. Westenthaler, Kollegin und Kollegen betreffend dringende Umsetzung des angesichts der explodierenden Treib­stoffpreise von der Kärntner Landesregierung beschlossenen Maßnahmenpakets

*****

Es geht dabei um eine einstimmige Resolution des Kollegiums der Kärntner Landes­regierung. Kollege Bucher hat das schon ausführlich erläutert, außerdem wurde der Antrag verteilt, deswegen erspare ich mir das Vorlesen dieses Antrages.

Weiters möchte ich Folgendes sagen: Mehr als 820 000 österreichische Arbeitnehmer machen Überstunden. Im letzten Jahr waren das rund 375 Millionen Überstunden, nämlich 8,8 Überstunden pro Woche, das sind zirka 35 im Monat. Diese Leistungen müssen sich lohnen. Angesichts dieser Tatsache müssten doch die Zuschläge für die ersten 20 Überstunden steuerfrei sein.

Wir bringen deshalb folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Josef Bucher, Ing. Peter Westenthaler, Kollegin und Kollegen be­treffend eine teilweise Steuerbefreiung der Überstundenbezahlung als Maßnahme zur Leistungsförderung und steuerlichen Entlastung der österreichischen Arbeitnehmer

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Finanzen wird ersucht, dem Nationalrat einen Gesetzesent­wurf betreffend eine Änderung des Einkommensteuergesetzes vorzulegen, mit dem die Steuerfreistellung der ersten 20 Überstunden im Monat als Maßnahme zur Leistungs­förderung und der steuerlichen Entlastung der österreichischen Arbeitnehmer gewähr­leistet wird.“

*****

Ich komme zum Thema Pendlerpauschale, geschätzte Damen und Herren. Die Pend­lerpauschale erreicht nicht alle Leute. Was sagen jene teilzeitbeschäftigten Frauen, die keine Steuer bezahlen und deshalb auch keine Pendlerpauschale erhalten?

Wir bringen deshalb folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Bucher, Ing. Westenthaler, Dolinschek, Kollegin und Kollegen be­treffend die Einführung einer Pendlerbeihilfe in Form eines amtlichen Kilometergeldes mit Beihilfewirkung


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 100

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Finanzen wird ersucht, dem Nationalrat bis 15. September 2008 eine Regierungsvorlage vorzulegen, die statt der Pendlerpauschale eine Pendler­beihilfe in Form des amtlichen Kilometergeldes für die notwendigen Fahrten zum und vom Arbeitsplatz mit Beihilfewirkung und Berücksichtigung im Rahmen der Lohnver­rechnung vorsieht.“

*****

Weiters bringen wir folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Bucher, Ing. Westenthaler, Dolinschek, Kollegin und Kollegen be­treffend Rücknahme der MÖSt-Erhöhung

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Finanzen wird aufgefordert, dem Nationalrat im Sinne einer Entlastung der von den exorbitant gestiegenen Treibstoffpreisen massiv belasteten Ös­terreicherinnen und Österreicher umgehend einen Gesetzesentwurf vorzulegen, durch den die bereits beschlossenen Erhöhungen der Mineralölsteuer zurückgenommen wer­den und den Klimafonds aus den sonstigen Steuermehreinnahmen zu finanzieren.“

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Weiters bringen wir folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Westenthaler, Bucher, Kollegin und Kollegen betreffend die Be­stimmung eines volkswirtschaftlich gerechtfertigten Höchstpreises für Treibstoffe

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit wird aufgefordert, im Sinne der Wieder­herstellung eines volkswirtschaftlich gerechtfertigten Preises für Treibstoffe umgehend einen Höchstpreis zu bestimmen und sich hinsichtlich der daraus resultierenden Aus­wirkungen auf den Finanzausgleich durch sinkende Umsatzsteuererträge mit dem Bun­desminister für Finanzen zu akkordieren.“

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Frau Kollegin Brinek, das war der Antrag mit der Preisregulierung.

Weiters bringen wir folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Westenthaler, Bucher, Kollegin und Kollegen betreffend Teue­rungsausgleich für die exorbitant gestiegenen Treibstoffpreis


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 101

e

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Finanzen wird aufgefordert, umgehend eine Regierungsvor­lage zur Änderung des Einkommensteuergesetzes dem Nationalrat vorzulegen, die einen finanziellen Teuerungsausgleich als monatliche Gutschrift im Rahmen der Lohn­verrechnung in Hinblick auf die rasante Verteuerung insbesondere bei Treibstoff- und Energiepreisen sicherstellt.“

*****

Abschließend bringen wir folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Peter Westenthaler, Dolinschek, Ursula Haubner und Kollegen betreffend Anhebung des amtlichen Kilometergeldes

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat einen Gesetzesentwurf zuzu­leiten, der das amtliche Kilometergeld auf zumindest kostendeckende 48 Cent pro Kilo­meter erhöht.“

*****

Das wird auch die Kollegen von der grünen Fraktion freuen, nämlich dass die Leute, die mit dem Auto fahren, etwas mehr in der Geldbörse haben, die Kaufkraft gestärkt wird und das Geld in den Börsen der Familien bleibt. – Danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall beim BZÖ.)

13.17


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Zunächst gebe ich bekannt, dass der Abänderungsantrag der Abgeordneten Stummvoll, Krainer, Kolleginnen und Kollegen ordnungsgemäß eingebracht ist, ausreichend unterstützt ist und damit auch mit in Ver­handlung steht.

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Weiters gebe ich bekannt, dass der in seinen Kernzügen erläuterte Entschließungsan­trag der Abgeordneten Bucher, Darmann, Dolinschek, Westenthaler, Kollegin und Kol­legen sowie weitere sechs Entschließungsanträge ordnungsgemäß eingebracht wur­den, ausreichend unterstützt sind und daher mit in Verhandlung stehen.

Die Anträge haben folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Bucher, Mag. Darmann, Dolinschek, Ing. Westenthaler Kollegin und Kollegen betreffend dringende Umsetzung des angesichts der explodierenden Treib­stoffpreise von der Kärntner Landesregierung beschlossenen Maßnahmenpakets

eingebracht in der Sitzung des Nationalrates vom 6. Juni 2008 im Zuge der Debatte
zu Tagesordnungspunkt 1: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvor­lage (549 d.B. und Zu 549 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuer­gesetz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schenkungs­steuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenordnung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 102

ein Stiftungseingangssteuergesetz erlassen wird - Schenkungsmeldegesetz 2008 (SchenkMG 2008) (612 d.B.)

„Rasanter Inflationsanstieg. Preisanstieg ohne Ende. Dramatischer Anstieg der Privat­insolvenzen,“ sind jene Meldungen, die die täglich stärker belasteten Österreicherinnen und Österreicher in diesen Tagen in den Zeitungen lesen müssen, und die die derzei­tige Entwicklung mit den entsprechenden alarmierenden Auswirkungen nur allzu gut veranschaulichen.

Insbesondere Lebensmittel wurden empfindlich teurer. Innerhalb der Eurozone musste Österreich mit 4,1 Prozentpunkten gleich nach Slowenien die höchste Inflationsrate bei Lebensmitteln in Kauf nehmen. Die exorbitanten Preissteigerungen insbesondere nachstehender Lebensmittel seit April des Vorjahres führen diese Entwicklung dras­tisch vor Augen:

Zitronen +43%, Nudeln +40%, Erdbeeren +32%, Pflanzenöl +26%, Käse 23%, Schlag­obers +19%, Putenbrust +16%, Trauben +16%, Butter +16%, Früchtejoghurt +15%, Vollmilch +14%, Salat +13%, Orangensaft +12%, Eier +12%, Brot 11%, Schokorie­gel +10%, Weißbrot +9%, Milchschokolade +7%, Schnitzel +6%, Zucker +5%, Marme­lade +5%.

Von diesen Erhöhungen sind gerade die einkommensschwachen Haushalte überpro­portional betroffen. Laut Arbeiterkammer geben die Ärmsten 17,2 % ihres Verdienstes für Ernährung aus, wohingegen die obersten Einkommensschichten nur 9,3 % dafür aufwenden.

Als Hauptpreistreiber treten neben den Nahrungsmitteln die Benzin- und Dieselpreise auf, die im Jahresvergleich um durchschnittlich nicht weniger als 24 % zulegten, wie jeder Österreicher beim Besuch der Tankstelle schmerzlich erfahren muss. Der Preis für einen Liter Diesel steigerte sich gar um 30 %, jener für Heizöl um 27 %.

Laut Expertenmeinung ist der Zenit der Preisentwicklung noch nicht erreicht, und wird ein Ölpreis von 400 Dollar nicht ausgeschlossen. „Die Situation ist ernster als die breite Öffentlichkeit glaubt,“ bringt Cerveny von ÖGUT die Problematik auf den Punkt. „Eine Entspannung zeigt sich noch nicht, so auch die wenig optimistische Prognose von Josef Baumgartner des Wirtschaftsforschungsinstituts.

Damit nicht genug, könnte laut dem E-Control-Chef Walter Boltz Gas am Beginn der Heizsaison um bis zu 20% teurer werden, da der Gaspreis historisch an den Ölpreis gekoppelt ist und auf Preisänderungen erst ein halbes bis Dreivierteljahr später reagiert (Österreich vom 27.05.2008). Auch bei Strom könnte es im Zuge der Ölpreisentwick­lung zu einer saftigen Erhöhung zwischen 5 und 8 Prozent kommen.

Trotz dieser exorbitanten Belastungen für die Österreicherinnen und Österreicher beschränken sich die in diesem Zusammenhang seitens der Bundesregierung be­schlossenen Gegensteuerungsmaßnahmen auf reine Alibiaktionen oder „Augenaus­wischereien“ wie der SPÖ-AK Präsident Tumpel die nunmehr zur Beschlussfassung anstehenden Erhöhungen des Pendlerpauschales und des Kilometergeldes treffend bezeichnete.

Mit dieser geringfügigen Erhöhung des Pendlerpauschales wird nur ein verschwinden­der Teil jener durch die Teuerungen der Spritpreise, der Lebensmittel aber auch Ge­bühren- und Steuererhöhungen entstandenen Belastungen abgegolten und begünstigt zudem nur jene Bevölkerungsgruppe, die auch tatsächlich bereits lohnsteuerpflichtig sind bzw. überhaupt Anspruch auf das Pendlerpauschale haben. Der überwiegende Teil der Bevölkerung, der im Alltag auf das Auto angewiesen ist, und dies ohne jeden Anspruch auf ein Pendlerpauschale und ohne die Möglichkeit Kilometergeld geltend zu


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 103

machen, bleibt den Rekordpreisen bei Diesel und Benzin völlig ungeschützt ausge­setzt!

Vor dem Hintergrund dieser beängstigenden Preisentwicklung hat die Kärntner Lan­desregierung auf Initiative des Kärntner Landeshauptmannes am 3. Juni 2008 einstim­mig - somit auch mit Zustimmung der Regierungsmitglieder von SPÖ und ÖVP - eine Resolution betreffend die Notwendigkeit eines amtlichen Preisstopps für Benzin und Diesel, einer Senkung der Mineralölsteuer sowie der Rücknahme der geplanten Steu­ererhöhung auf Heizöl beschlossen.

Im Interesse aller von der generellen Teuerungswelle und der exorbitanten Preisent­wicklung der Treibstoffe im Speziellen belasteten Österreicherinnen und Österreicher und aufgrund der Dringlichkeit der Umsetzung der von der Kärntner Landesregierung beschlossenen Maßnahmen stellen die unterfertigten Abgeordneten nachstehenden

Entschließungsantrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Finanzen wird aufgefordert, im Einvernehmen mit dem jeweils ressortzuständigen Bundesminister angesichts der explodierenden Preise für Treib­stoffe schnellstmöglich Maßnahmen zu treffen, die eine Umsetzung der in der nachfol­genden Resolution des Kollegiums der Kärntner Landesregierung festgeschriebenen Forderungen sicherstellen:

„Resolution des Kollegiums der Kärntner Landesregierung

Das Kollegium der Kärntner Landesregierung fordert die österreichische Bundesregie­rung und Bundeskanzler Dr. Alfred Gusenbauer auf, angesichts der explodierenden Preise für Treibstoffe folgende Maßnahmen zu treffen:

1. Amtlicher Preisstopp!

Das Preisgesetz bietet die Möglichkeit, einen amtlichen Preisstopp für Benzin und Die­sel zu verfügen und einen Höchstpreis festzulegen. In Luxemburg etwa legt das Wirt­schaftsministerium regelmäßig Höchstpreise für Benzin, Diesel, Heizöl und Flüssiggas fest. Auf diese Weise will der Staat einen übermäßigen Preisanstieg verhindern. Der Wettbewerb der Mineralölkonzerne passiert unterhalb des festgelegten Höchstpreises. Berechnet wird der Maximalpreis mithilfe einer Formel, die unter anderem die Mineral­ölpreise an den Börsen berücksichtigt. Das Kollegium der Kärntner Landsregierung for­dert daher den zuständigen Minister Martin Bartenstein und die österreichische Bun­desregierung auf, gleich Luxemburg ebenfalls einen amtlichen Preisstopp zu verfügen und einen Höchstpreis festzulegen oder zumindest dem Landeshauptmann von Kärn­ten die Ermächtigung zu geben, für sein Bundesland einen Preisstopp zu verfügen.

2. Senkung der Mineralölsteuer!

Die Hälfte der hohen Spritpreise besteht ausschließlich aus Steuern. Die Bundesregie­rung argumentiert, eine willkürliche Senkung der Steuern verstoße gegen EU-Richt­linien und sei daher nicht möglich. Es gibt aber sehr wohl Spielräume nach unten, die zu nutzen sind. Denn die EU-Mindestbesteuerung für Benzin liegt bei 35,9 Cent je Liter, in Österreich macht die Mineralölsteuer aber 44,2 Cent aus. Bei Diesel liegt die Mindestbesteuerung bei 30,2 Cent, in Österreich sind es derzeit aber 34,7 Cent. Das Kollegium der Kärntner Landsregierung fordert den Finanzminister und die Bundesre­gierung daher auf, die Mineralölsteuer sofort zu senken, damit der Sprit endlich wieder billiger wird!


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 104

3. Rücknahme der geplanten Steuererhöhung auf Heizöl!

Im Mai 2007 hat 1 Liter Heizöl 65 Cent gekostet. Für die Füllung eines 3.000-Liter-Heizöltanks (durchschnittliches Einfamilienhaus) mussten 1.950 Euro bezahlt werden. Heute kostet die gleiche Füllung, bei einem Preis von 97 Cent für einen Liter Heizöl, 2.910 Euro. Also fast die Hälfte mehr! Mit 1. Juli 2008 kommt nun auch eine saftige Steuererhöhung auf Heizöl um 3,6 Cent pro Liter, womit Heizöl erstmals über einen Euro pro Liter kosten und damit noch teuer wird! Das Kollegium der Kärntner Lands­regierung fordert daher von der österreichischen Bundesregierung die sofortige Rück­nahme der Steuererhöhung auf Heizöl.““

Wien, 6. Juni 2008

*****

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Josef Bucher, Ing. Peter Westenthaler Kollegin und Kollegen be­treffend eine teilweise Steuerbefreiung der Überstundenbezahlung als Maßnahme zur Leistungsförderung und steuerlichen Entlastung der österreichischen Arbeitnehmer

eingebracht in der Sitzung des Nationalrates vom 6. Juni 2008 im Zuge der Debatte
zu Tagesordnungspunkt 1: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvor­lage (549 d.B. und Zu 549 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuerge­setz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schenkungs­steuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenordnung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und
ein Stiftungseingangssteuergesetz erlassen wird - Schenkungsmeldegesetz 2008 (SchenkMG 2008) (612 d.B.)

Mehr als 820.000 österreicherische Arbeitnehmer machen Überstunden. Hochgerech­net machten die Österreicher und die Österreicherinnen im letzten Jahr rund 375 Mil­lionen Überstunden. Die durchschnittliche wöchentliche Überstundenzahl lag dabei bei 8,8 Überstunden pro Woche, d. h. ca. 35 Stunden pro Monat. Zudem stieg die Zahl der Österreicher und Österreicherinnen, die regelmäßig Überstunden leisten, seit 2004 ste­tig an.

Konkret erfolgte von 2004 bis 2007 eine Steigerung um 26,8 %.

Wenn sich (diese) Leistung in diesem Land wieder lohnen soll, wäre insbesondere eine deutlich spürbare Entlastung dieser Gruppe der Leistungsträger erforderlich. Wir schla­gen vor, dies durch eine teilweise Steuerbefreiung für bis zu 20 Überstunden im Monat zu verwirklichen. Der Rechnungsansatz beruht auf dem Gedanken, zumindest für un­gefähr jeden Arbeitstag im Monat eine Überstunde steuerlich zu befreien. Von einer solchen teilweisen Steuerbefreiung der Überstundenbezahlung würden die begünstig­ten Arbeitnehmer mit einer Entlastung von durchschnittlich 1.300 Euro pro Jahr profi­tieren. Die Leistungsbereitschaft der Menschen würde durch das mit der Maßnahme verbundene Signal „Mehrarbeit wird entsprechend honoriert“ gefördert werden.

Mit dieser Maßnahme gingen mehrere erstrebenswerte Folgewirkungen einher. Die leistungsfördernde Maßnahme verringert nicht nur den Anreiz zur illegalen Schwarzar­beit (vgl. Prof. Schneider), sondern gibt einen Ansporn zu Mehrarbeit und wird sich da­durch positiv auf das Wachstum der Gesamtwirtschaft auswirken. Gleichzeitig könnte sie auch den für die österreichischen Unternehmen immer stärker werdenden Druck des Facharbeitermangels lindern.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 105

Die Finanzierung ist durch die derzeit sprudelnden Steuereinnahmen leicht möglich und wäre allein aus den für dieses Jahr zu erwartenden Mehreinnahmen aus der Lohn­steuer zu finanzieren. Schon die Lohnsteuereinnahmen im ersten Quartal 2008 liegen um 378 Mio. Euro über den Einnahmen des Vorjahresquartals.

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Finanzen wird ersucht, dem Nationalrat einen Gesetzesent­wurf betreffend eine Änderung des Einkommensteuergesetzes vorzulegen, mit dem die Steuerfreistellung der ersten 20 Überstunden im Monat als Maßnahme zur Leistungs­förderung und der steuerlichen Entlastung der österreichischen Arbeitnehmer gewähr­leistet wird.“

Wien, am 06.06.2008

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Entschließungsantrag

der Abgeordneten Bucher, Ing. Westenthaler, Dolinschek Kollegin und Kollegen be­treffend die Einführung einer Pendlerbeihilfe in Form eines amtlichen Kilometergeldes mit Beihilfewirkung

eingebracht in der Sitzung des Nationalrates vom 6. Juni 2008 im Zuge der Debatte
zu Tagesordnungspunkt 1: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvor­lage (549 d.B. und Zu 549 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuerge­setz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schenkungs­steuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenordnung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und
ein Stiftungseingangssteuergesetz erlassen wird - Schenkungsmeldegesetz 2008 (SchenkMG 2008) (612 d.B.)

Von den rund 1,5 Mio. pendelnden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Öster­reich sind allein 600.000 auf das Auto angewiesen. Die von der Bundesregierung be­schlossene Mineralölsteuer-Erhöhung für Benzin (plus 3 Cent) und Diesel (plus 5 Cent) bedeutet für die Pendler eine jährliche Mehrbelastung von 56 Millionen Euro und trifft da vor allem die unteren Einkommensschichten.

Trotz dieser erheblichen Belastungen der Pendler reagierte die Bundesregierung le­diglich mit einer 15-prozentigen Erhöhung der Pendlerpauschale. Umgerechnet bringt diese Maßnahme nur eine Steuerersparnis von ca. 35 Millionen Euro und ist damit als nicht ausreichend zu bezeichnen. Dies wird besonders deutlich, wenn man die Erspar­nisse der einzelnen Pendler genauer betrachtet. Für 80% der Pendler (kleine Pendler­pauschale) bringt die Erhöhung um 15 % bei einem Einkommen unter 2.500 Euro brut­to eine jährliche steuerliche Entlastung von 32 Euro, bei über 2.500 Euro von 37 Euro. Setzt man diese Werte nun noch ins Verhältnis zum Preis einer Tankfüllung zum aktu­ellen Spritpreis, dürften selbst die Befürworter der Regierungslösung Handlungsbedarf erkennen.

Weiters erscheint kritikwürdig, dass die getätigten Erhöhungen jenem Teil (rund ein Drittel) der österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, welche derzeit kei­ne Lohnsteuer bezahlen (Einkommen unter 1.130 Euro) sowie jenem Teil, der unter


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 106

11 Tagen im Monat arbeitet (also z.B. atypische Beschäftigte), überhaupt nichts brin­gen. Damit ist die getätigte Maßnahme der Regierung zudem aus sozialen Gesichts­punkten abzulehnen. Bekräftigt wird dieser Schluss durch die Tatsache, dass davon je­denfalls 40 % aller beschäftigten Frauen, nämlich die, die in Teilzeit arbeiten, betroffen sind.

Ein neues System zur Entlastung der Pendlerinnen und Pendler ist daher notwendig.

Als Ersatz für die Pendlerpauschale und den Verkehrsabsetzbetrag sollte eine Pendler­beihilfe in Form eines amtlichen Kilometergeldes mit Beihilfewirkung eingeführt wer­den. Nur so kommt die steuerliche Entlastung allen Pendlern zu Gute, weil entweder der Arbeitnehmer um diesem Betrag weniger Lohnsteuer zahlt, oder wenn er keine Steuer bezahlt, diesen als Negativsteuer direkt bekommt. Damit einhergehend ist es notwendig, Ausnahmetatbestände für Fälle der Pendlerbeihilfe zu schaffen, in denen der so ermittelte Betrag über dem Wert der bestehenden Begrenzung der Negativsteu­er liegt. Nur so kann ein gerechter Ausgleich auch tatsächlich durchgeführt werden, so­weit der erforderliche Betrag über 200 Euro liegt. Insgesamt würden damit vor allem die bis jetzt benachteiligten Bezieher kleinerer Einkommen stark entlastet werden und in Form einer Beihilfe profitieren.

Diese Pendlerbeihilfe gilt für alle Arbeitnehmer und wird pro konkret zurückgelegten Ar­beitswegkilometer gewährt. Sie wird auf eine noch festzulegende maximale Kilometer­anzahl beschränkt um einen eventuellen Missbrauch (Angabe täglicher Fahrten obwohl Wochenpendler) vorzubeugen.

Die Pendlerbeihilfe soll bereits im Rahmen der Lohnverrechnung vom Arbeitgeber be­rücksichtigt und monatlich einkommenserhöhend wirksam werden.

Vorteile:

Sozial gerecht – Arbeitnehmer und Unternehmen werden gleichgestellt

Besserstellung unterer und mittlerer Einkommen aufgrund einer echten Beihilfewirkung

Erleichterung der Mobilität der Arbeitnehmer bei gleichzeitiger Wahlfreiheit der Ver­kehrsmittel

Aufwertung des Wohnens im ländlichen Raum

Einfachere Verwaltung

Transparente Berechnung

Schnellere Auszahlung und Milderung der Pendlerkosten (Negativsteuer wirkt erst nach Steuerausgleich zeitversetzt)

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag:

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Finanzen wird ersucht, dem Nationalrat bis 15. September 2008 eine Regierungsvorlage vorzulegen, die statt der Pendlerpauschale eine Pendler­beihilfe in Form des amtlichen Kilometergeldes für die notwendigen Fahrten zum und vom Arbeitsplatz mit Beihilfewirkung und Berücksichtigung im Rahmen der Lohnver­rechnung vorsieht.“

Wien, am 06.06.2008

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Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 107

Entschließungsantrag

Entschließungsantrag der Abgeordneten Bucher, Ing. Westenthaler, Dolinschek Kolle­gin und Kollegen betreffend Rücknahme der MÖSt-Erhöhung

eingebracht in der Sitzung des Nationalrates vom 6. Juni 2008 im Zuge der Debatte
zu Tagesordnungspunkt 1: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvor­lage (549 d.B. und Zu 549 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuerge­setz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schenkungs­steuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenordnung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und
ein Stiftungseingangssteuergesetz erlassen wird - Schenkungsmeldegesetz 2008 (SchenkMG 2008) (612 d.B.)

Benzin und Diesel sind momentan so teuer wie nie zuvor. Der Preis für einen Liter Die­sel liegt bei bis zu 1,4 Euro, der Preis für einen Liter Benzin nur unwesentlich darunter. Diese Preiserhöhung – 30 % bei Diesel und 22 % bei Benzin binnen einen Jahres – ist allerdings nicht nur durch steigende Rohölpreise bedingt. Der Staat wirkt an der Belas­tung der Bürger in erheblichem Maße mit, indem er einerseits aktiv Steuern erhöht und andererseits von steigenden Preisen durch erhöhte Mehrwertsteuereinnahmen profi­tiert. Der Staat verschärft also die für die Bürger schon unerträglich hohe Preisentwick­lung noch zusätzlich. Dagegen wenden wir uns.

In Österreich liegt der Mineralölsteueranteil auf Benzin aktuell bei 65,5 Cent, was einem Wert von ca. 50 % des Verkaufspreises entspricht. Insgesamt hat die Mineralöl­steuer dem Finanzminister im Jahre 2007 über 3,6 Milliarden Euro eingebracht. Die Benzinpreis- und die Mineralölsteuererhöhung durch die rot-schwarze Bundesregie­rung bedeuten laut Berechnung des ÖAMTC 727 Millionen an jährlichen Mehreinnah­men für den Finanzminister. Allein 287 Millionen Euro erhält der Finanzminister, weil die Mehrwertsteuer mit dem Grundpreis von Benzin und Diesel mit steigt.

Die OMV, die rund 70 Prozent des Tankstellennetzes in Österreich kontrolliert, konnte trotz der für die Bürger schwierigen Lage an ihr Rekordergebnis von 1,6 Milliarden Ge­winn aus dem Gesamtjahr 2007 anknüpfen. So startete die OMV bereits in den ersten drei Monaten des Jahres mit einem Rekordplus von 55 Prozent und erwirtschaftete einen Reingewinn von 795 Millionen Euro. Beachtlich ist daran besonders, dass der Staat über die ÖIAG 31,5 % Anteil an der OMV hält und auf diese Wiese mitverdient.

Weiters ist zu beachten, dass der Nettobenzinpreis in Österreich um einiges höher liegt als in vergleichbaren Nachbarländern. Wer nach Tschechien, Slowenien, in die Slowa­kei, nach Liechtenstein oder in die Schweiz fährt, tankt sowohl Benzin als auch Diesel günstiger als in Österreich.

Am Beispiel der Pendler wird besonders deutlich, wie erheblich die Auswirkungen der von der Bundesregierung beschlossenen Mineralölsteuer-Erhöhung für Benzin und Diesel sind. So werden die Pendler mit einer jährlichen Mehrbelastung von 56 Millionen Euro getroffen.

In Betracht der erheblichen Mehrbelastungen der Bürger erscheint es nun notwendig, die Mineralölsteuer schnellstens zu senken, um die Bürger zu entlasten und die Kon­junktur nicht zu gefährden. Die Regierung sollte sich endlich schützend vor ihre Bürger stellen, statt sie zusätzlich zu belasten. Angesichts von Steuermehreinnahmen von 20 Mrd. Euro bis zum Jahre 2010 kann es auch kein Problem sein, ohne Mehreinnah­men aus der MÖSt den Klimafonds zu finanzieren.

Zudem ist die ab 01.07.2008 in Kraft tretende Mineralölsteuererhöhung für bestimmte Heizölsorten angesichts der stark steigenden Heizölpreise ebenso wenig zumutbar.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 108

Entschließungsantrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Finanzen wird aufgefordert, dem Nationalrat im Sinne einer Entlastung der von den exorbitant gestiegenen Treibstoffpreisen massiv belasteten Ös­terreicherinnen und Österreicher umgehend einen Gesetzesentwurf vorzulegen, durch den die bereits beschlossenen Erhöhungen der Mineralölsteuer zurückgenommen wer­den und den Klimafonds aus den sonstigen Steuermehreinnahmen zu finanzieren.“

Wien, am 06.06.2008

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Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Westenthaler, Bucher Kollegin und Kollegen betreffend die Be­stimmung eines volkswirtschaftlich gerechtfertigten Höchstpreises für Treibstoffe

eingebracht im Zuge der Debatte zum Tagesordnungspunkt 1:

Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (549 d.B. und Zu 549 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Körper­schaftsteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenordnung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und ein Stiftungseingangs­steuergesetz erlassen wird - Schenkungsmeldegesetz 2008 (SchenkMG 2008) (612 d.B.) in der 63. Sitzung des Nationalrates vom 6. Juni 2008

Die derzeit explodierenden Preise für Diesel und Benzin stellen einerseits eine außer­gewöhnliche Belastung für die Österreicherinnen und Österreicher dar und zeitigen andererseits zweifelsohne entsprechende negative volkswirtschaftliche Auswirkungen, die sich unter anderem in steigenden Inflationsraten, in einer Schwächung der Binnen­konjunktur sowie sinkender Kaufkraft bemerkbar machen.

§ 2 Preisgesetz normiert, dass für Sachgüter, für die Lenkungs- und Bewirtschaftungs­maßnahmen (…) getroffen werden, (…) die Behörde für die Dauer dieser Maßnahmen volkswirtschaftlich gerechtfertigte Preise bestimmen kann. Für Erdöl regelt das Erdöl­bevorratungs- und Meldegesetz in diesem Zusammenhang die entsprechenden Len­kungsmaßnahmen, die die Importeure von Erdöl und Erdölprodukten verpflichten, für den Krisenfall Pflichtnotstandsreserven zu halten. Vorratspflichtige haben ab 1. April jeden Jahres je 25% des Importes an Erdöl und den einzelnen Erdölprodukten sowie Biokraftstoffen und Rohstoffen zur direkten Erzeugung von Biokraftstoffen im vorange­gangenen Kalenderjahr als Pflichtnotstandsreserven im Inland zu halten.

Somit ist im konkreten Fall die Anwendung des Preisgesetzes und damit die Bestim­mung volkswirtschaftlich gerechtfertigter Preise entweder auf Antrag oder von Amts wegen durch die Behörde nicht nur möglich sondern aufgrund der aktuellen Preisent­wicklung dringend geboten. Ein volkswirtschaftlich gerechtfertigter Preis ist laut Preis­gesetz insbesondere dann anzunehmen, wenn dieser insbesondere der jeweiligen wirt­schaftlichen Lage der Verbraucher bestmöglich entspricht. Gerade vor dem Hinter­grund der Tatsache, dass die Treibstoffpreise allein im letzten Jahr um bis zu 30 % stiegen, im Gegenzug dazu die kollektivvertraglichen Gehalts- und Lohnanpassungen durch die kalte Progression, durch Gebühren - und Steuererhöhungen vollständig auf­gefressen wurden, kann mit Sicherheit nicht mehr von Preisen gesprochen werden, die der wirtschaftlichen Lage der Verbraucher bestmöglich entsprechen.


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Es ist daher höchst an der Zeit, dass der Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit zur Herstellung volkswirtschaftlich gerechtfertigter Treibstoffpreise einen entsprechenden Höchstpreis verordnet. Da eine solche Maßnahme natürlich Auswirkungen auf den Ertrag zwischen dem Bund und den Ländern geteilter sogenannter gemeinschaftlicher Bundesabgaben - im konkreten Fall auf das Umsatzsteueraufkommen – hat, ist der Fi­nanzausgleich durch eine derartige Höchstpreisfestsetzung direkt betroffen, und sollte diese Maßnahme in Abstimmung mit dem Bundesminister für Finanzen erfolgen. Dies insbesondere deshalb, da gemäß § 8 Abs. 2 Finanzausgleichsgesetz 2008 der Teilung der Abgabe der Reinertrag (der vorgenannten gemeinschaftlichen Abgaben) unterliegt, und sich daher im Falle der Verordnung eines Höchstpreises das Umsatzsteuerauf­kommen natürlich verändern wird.

Aus den dargelegten Gründen stellen die unterfertigten Abgeordneten an den Bundes­minister für Wirtschaft und Arbeit nachstehenden

Entschließungsantrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit wird aufgefordert, im Sinne der Wieder­herstellung eines volkswirtschaftlich gerechtfertigten Preises für Treibstoffe umgehend einen Höchstpreis zu bestimmen und sich hinsichtlich der daraus resultierenden Aus­wirkungen auf den Finanzausgleich durch sinkende Umsatzsteuererträge mit dem Bun­desminister für Finanzen zu akkordieren.“

Wien, 6. Juni 2008

*****

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Westenthaler, Bucher Kollegin und Kollegen betreffend Teue­rungsausgleich für die exorbitant gestiegenen Treibstoffpreise

eingebracht im Zuge der Debatte zum Tagesordnungspunkt 1:

Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (549 d.B. und Zu 549 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Körper­schaftsteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenordnung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und ein Stiftungseingangs­steuergesetz erlassen wird - Schenkungsmeldegesetz 2008 (SchenkMG 2008) (612 d.B.) in der 63. Sitzung des Nationalrates vom 6. Juni 2008

„Rasanter Inflationsanstieg. Preisanstieg ohne Ende. Dramatischer Anstieg der Privat­insolvenzen,“ sind jene Meldungen, die die täglich stärker belasteten Österreicherinnen und Österreicher in diesen Tagen in den Zeitungen lesen müssen, und die die derzei­tige Entwicklung mit den entsprechenden alarmierenden Auswirkungen nur allzu gut veranschaulichen.

Insbesondere Lebensmittel wurden empfindlich teurer. Innerhalb der Eurozone musste Österreich mit 4,1 Prozentpunkten gleich nach Slowenien die höchste Inflationsrate bei Lebensmitteln in Kauf nehmen. Die exorbitanten Preissteigerungen insbesondere nachstehender Lebensmittel seit April des Vorjahres führen diese Entwicklung dras­tisch vor Augen:


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Zitronen +43%, Nudeln +40%, Erdbeeren +32%, Pflanzenöl +26%, Käse 23%, Schlag­obers +19%, Putenbrust +16%, Trauben +16%, Butter +16%, Früchtejoghurt +15%, Vollmilch +14%, Salat +13%, Orangensaft +12%, Eier +12%, Brot 11%, Schokorie­gel +10%, Weißbrot +9%, Milchschokolade +7%, Schnitzel +6%, Zucker +5%, Marme­lade +5%.

Von diesen Erhöhungen sind gerade die einkommensschwachen Haushalte überpro­portional betroffen. Laut Arbeiterkammer geben die Ärmsten 17,2 % ihres Verdienstes für Ernährung aus, wohingegen die obersten Einkommensschichten nur 9,3 % dafür aufwenden.

Als Hauptpreistreiber treten neben den Nahrungsmitteln die Benzin- und Dieselpreise auf, die im Jahresvergleich um durchschnittlich nicht weniger als 24 % zulegten, wie jeder Österreicher beim Besuch der Tankstelle schmerzlich erfahren muss. Der Preis für einen Liter Diesel steigerte sich gar um 30 %, jener für Heizöl um 27 %.

Laut Expertenmeinung ist der Zenit der Preisentwicklung noch nicht erreicht, und wird ein Ölpreis von 400 Dollar nicht ausgeschlossen. „Die Situation ist ernster als die breite Öffentlichkeit glaubt,“ bringt Cerveny von ÖGUT die Problematik auf den Punkt. „Eine Entspannung zeigt sich noch nicht, so auch die wenig optimistische Prognose von Josef Baumgartner des Wirtschaftsforschungsinstituts.

Damit nicht genug, könnte laut dem E-Control-Chef Walter Boltz Gas am Beginn der Heizsaison um bis zu 20% teurer werden, da der Gaspreis historisch an den Ölpreis gekoppelt ist und auf Preisänderungen erst ein halbes bis Dreivierteljahr später reagiert (Österreich vom 27.05.2008). Auch bei Strom könnte es im Zuge der Ölpreisentwick­lung zu einer saftigen Erhöhung zwischen 5 und 8 Prozent kommen.

Trotz dieser exorbitanten Belastungen für die Österreicherinnen und Österreicher beschränken sich die in diesem Zusammenhang seitens der Bundesregierung be­schlossenen Gegensteuerungsmaßnahmen auf reine Alibiaktionen oder „Augenaus­wischereien“ wie der SPÖ-AK Präsident Tumpel die nunmehr zur Beschlussfassung anstehenden Erhöhungen des Pendlerpauschales und des Kilometergeldes treffend bezeichnete.

Mit dieser geringfügigen Erhöhung des Pendlerpauschales wird nur ein verschwinden­der Teil jener durch die Teuerungen der Spritpreise, der Lebensmittel aber auch Ge­bühren- und Steuererhöhungen entstandenen Belastungen abgegolten und begünstigt zudem nur jene Bevölkerungsgruppe, die auch tatsächlich bereits lohnsteuerpflichtig sind bzw. überhaupt Anspruch auf das Pendlerpauschale haben. Der überwiegende Teil der Bevölkerung, der im Alltag auf das Auto angewiesen ist, und dies ohne jeden Anspruch auf ein Pendlerpauschale und ohne die Möglichkeit Kilometergeld geltend zu machen, bleibt den Rekordpreisen bei Diesel und Benzin völlig ungeschützt ausge­setzt!

Nachdem das BZÖ bereits seit Monaten, erstmals in Form eines Antrages im National­rat am 4. Dezember 2007, einen Teuerungsausgleich forderte, dies jedoch von SPÖ und ÖVP abgelehnt wurde, erkannte Bundeskanzler Gusenbauer die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme, wenn er im News vom 31.01.2008 mit den Worten zitiert wird: „Mich besorgt die Teuerungsrate der letzten Monate. (...) Und ja, ich halte die Dis­kussion über eine einmalige finanzielle Maßnahme für sinnvoll.“ So kann sich die SPÖ vorstellen, kleinere Einkommen mit einmalig mindestens 100 Euro zu begünstigen. Mindestpensionsbezieher sollen jedenfalls diesen „Scheck“ gegen die Teuerungen er­halten aber auch Einkommensbezieher von bis zu 2.000 Euro brutto monatlich sollen nach Ansicht der SPÖ davon profitieren.


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Im ZIB 2 Interview vom 30.01.2008 bekräftigte der SPÖ-Geschäftsführer Kalina diese Forderung und unterstrich dort die Absicht der SPÖ, „mit einer Einmalzahlung an die Betroffenen auf die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten reagieren zu wollen.“

Trotz dieser klaren Festlegung der SPÖ in dieser Frage blieb ein weiterer diesbezüg­licher Antrag des BZÖ im Nationalrat vom 31.01.2008 sowie einer vom 03.03.2008 in der Minderheit und fand nicht die Unterstützung der Regierungsparteien.

Aus den dargelegten Gründen unternehmen daher die unterfertigten Abgeordneten im Interesse aller von der generellen Teuerungswelle und der exorbitanten Preisentwick­lung der Treibstoffe im Speziellen belasteten Österreicherinnen und Österreicher und damit im Sinne des Erhalts der sozialen Sicherheit in diesem Land einen neuerlichen Versuch und stellen nachstehenden

Entschließungsantrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Finanzen wird aufgefordert, umgehend eine Regierungsvor­lage zur Änderung des Einkommensteuergesetzes dem Nationalrat vorzulegen, die einen finanziellen Teuerungsausgleich als monatliche Gutschrift im Rahmen der Lohn­verrechnung in Hinblick auf die rasante Verteuerung insbesondere bei Treibstoff- und Energiepreisen sicherstellt.“

*****

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Peter Westenthaler, Dolinschek, Ursula Haubner und Kollegen betreffend Anhebung des amtlichen Kilometergeldes

eingebracht im Zuge der Debatte zum Tagesordnungspunkt 2: Bericht und Antrag des Finanzausschusses über den Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem die Reise­gebührenvorschrift 1955 geändert wird (613 d.B.)

Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer benutzen ihren privaten Pkw für Dienstfahrten. Doch die derzeitigen 38 Cent pro Kilometergeld kommen nicht im Ge­ringsten an die realen Kosten heran, die bei Dienstfahrten im Privatauto entstehen. Viele Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer haben dadurch finanzielle Mehrbelastun­gen zu tragen, die zum Teil mehr als 1.000 Euro pro Jahr betragen.

Zusätzlich werden die Autofahrer und Autofahrerinnen seit dem letzten Jahr durch
die Erhöhung des Vignettenpreises, exorbitante Preissteigerungen bei den Kraftstoffen, die Anhebung der Mineralölsteuer sowie durch gestiegene Abgaben belastet. Seit Juli 2007 hat daher die Erhöhung der Treibstoffpreise für die Arbeitnehmer zu Mehr­kosten von 500 Mio. Euro geführt.

Die nun von der Bundesregierung vereinbarte Erhöhung des amtlichen Kilometergel­des von 38 auf 42 Cent ist als Antwort auf die ständig steigenden Treibstoffpreise bei der Bevölkerung auf wenig Anerkennung gestoßen, da die Beschäftigten mit jedem ge­fahrenen Kilometer ihres privaten Fahrzeuges weiterhin Geld verlieren.

Damit aber die Berufspendler und -pendlerinnen bei beruflichen Fahrten mit ihren pri­vaten Kraftfahrzeugen aufgrund der enorm hohen Spritpreise keine weiteren Belastun­gen erleiden ist eine rasche Anhebung des amtlichen Kilometergeldes von 38 auf nun-


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mehr 48 Cent pro Kilometer längst überfällig. Denn jeder Betrag darunter ist ein Verlust für jeden Autofahrer, der das private Kraftfahrzeug für Dienstfahrten einsetzt.

Aus diesen Gründen stellen die unterfertigten Abgeordneten nachstehenden

Entschließungsantrag:

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat einen Gesetzesentwurf zuzu­leiten, der das amtliche Kilometergeld auf zumindest kostendeckende 48 Cent pro Kilo­meter erhöht.“

Wien, am 6. Juni 2008

*****

 


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Sylvia Rinner. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 2 Minuten. – Bitte.

 


13.18.17

Abgeordnete Sylvia Rinner (SPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Staatssekre­tär! Verehrte Damen und Herren! Ich freue mich schon auf die Diskussion im Finanz­ausschuss mit der Fülle dieser Anträge des BZÖ.

In den letzten Jahren hat sich der Rohstoffmarkt sehr stark geändert. Die enorme Nachfrage durch die rasch wachsende Wirtschaft in China und Indien einerseits und die politischen Spannungen in den Erdölförderländern andererseits treiben natürlich den Preis von Rohstoffen wie Erdöl in die Höhe. Dieser starke Preisanstieg trifft die Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen des täglichen Lebens, sei es beim Heizmaterial oder bei den Treibstoffen. Daher hat sich die Bundesregierung unter Bun­deskanzler Alfred Gusenbauer neuerlich – und das schon zum zweiten Mal in seiner Regierungszeit – dazu entschlossen, das Pendlerpauschale um 15 Prozent zu erhö­hen.

Gleichzeitig erfolgt auch eine Anhebung des Kilometergeldes nach der Reisegebühren­vorschrift um 12 Prozent. Diese beiden Erhöhungen umfassen einen budgetären Ge­samtaufwand von 60 Millionen € und treten mit 1. Juli in Kraft.

Der ständige Preisanstieg bei den Treibstoffen trifft in einem großen Ausmaß die Ar­beitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die tagtäglich zu ihrem Arbeitsplatz fahren müs­sen, zum Teil größere Strecken zurücklegen und obendrein sehr oft noch auf das Auto angewiesen sind. Um genau diese Personengruppe zu entlasten, werden das kleine und das große Pendlerpauschale erhöht. Es werden weitere Maßnahmen folgen müs­sen. So muss sicherlich der öffentliche Verkehr noch attraktiver gestaltet werden, damit es den Menschen leichter fällt, vom Auto auf die Öffis umzusteigen.

Ein weiterer Anreiz wäre sicherlich die Schaffung eines Generalfahrausweises, der zur Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel im Nah- und Fernverkehr berechtigt.

Mit der heutigen Erhöhung von Pendlerpauschale und Kilometergeld zeigt die SPÖ-ge­führte Regierung, dass sie sich der Sorgen der Menschen annimmt und sozial gerechte Maßnahmen umsetzt. (Beifall bei der SPÖ.)

13.20


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet hat sich Frau Abgeordnete Tamandl. Sie will 2 Minuten sprechen. – Bitte.

 



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13.20.35

Abgeordnete Gabriele Tamandl (ÖVP): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Kollegin Rinner! Erstens einmal haben wir die Pendlerpau­schale und das Kilometergeld schon bei der letzten Steuerreform erhöht. Wir haben es dann noch einmal erhöht, und diesmal auch wieder auf Initiative unseres Finanzminis­ters. Also vielleicht informieren Sie sich ein bisschen, bevor Sie hier an das Rednerpult treten. (Beifall bei der ÖVP.)

Ich möchte mich aber auch noch zu diesen ominösen 400 Millionen €, die heute schon ein paarmal strapaziert worden sind, kurz äußern. Es ist nämlich unseriös, mit einer Zahl, die auf Schätzungen basiert – wie groß werden die Körperschaftsteueraufkom­men der Stiftungen in den nächsten Jahren sein?; in etwa 20 Millionen € pro Jahr – zu operieren. Wenn man das dann mal 20 rechnet, sind es auf einmal 400 Millionen €. – Wir machen eine Steuerreform im Ausmaß von 3 Milliarden €. Es wäre doch auch voll­kommen unseriös, wenn wir sagten, auf 20 Jahre gesehen hätten wir eine Steuerre­form im Ausmaß von 600 Milliarden € gemacht. Es wäre also unseriös, das zu behaup­ten und uns mit einer solchen Steuerreform mit einem Volumen von 600 Milliarden € zu brüsten, Herr Kollege Rossmann. (Beifall bei der ÖVP.)

Eines muss, glaube ich, heute auch noch einmal gesagt werden, denn wir haben hier ja gehört, dass der Stiftungsgedanke Ferdinand Lacinas im Jahr 1994 so toll gewesen sei und die letzten Regierungen das entschärft hätten. – Also, bitte, eines zu beden­ken: Ferdinand Lacina, SPÖ-Finanzminister 1994. Schenkungssteuer für Stiftungen, wenn ein Stifter einer Stiftung Kapital oder eben Vermögen zuwendet, 2,5 Prozent, bitte. 2,5 Prozent! Von der Regierung Schüssel I wurden diese 2,5 Prozent auf 5 Pro­zent erhöht, und ebenfalls von der Regierung Schüssel unter Finanzminister Grasser wurde die Zwischensteuer, die Körperschaftsteuer in Höhe von 12,5 Prozent, einge­führt. Das heißt, wir haben das verschärft und nicht verwässert und haben dies auch mit einem Klubobmann Westenthaler, der das heute als Begünstigung der Superrei­chen kritisiert hat, beschlossen. (Abg. Kopf: Aha! – Abg. Ing. Westenthaler: Eine ge­wisse Unschärfe, eine kleine Unschärfe! – Abg. Reheis: Schon vergessen?)

Bleiben Sie bei der Wahrheit, und bleiben Sie auch dabei! Sie haben einmal Regie­rungsverantwortung getragen, und es waren auch sehr gute Gesetze und sehr gute Maßnahmen. Da können Sie stolz darauf sein, durchaus. (Beifall bei der ÖVP.)

Angesichts der Zeit, die ich leider nicht mehr habe, möchte ich Ihnen aber trotzdem noch auf den Weg mitgeben: Initiativen von uns für Pendlerinnen und Pendler, Initiati­ven von uns in den letzten Jahren für Menschen, die weniger verdienen: Steuerre­form – 2,55 Millionen Menschen zahlen gar keine Steuern mehr. Gestern beschlos­sen – 1 Million Menschen wird im Ausmaß von 300 Millionen € entlastet, ein Vorgriff auf die Steuerreform. Und das ist auch der Grund, warum wir Regierungsverantwor­tung tragen und Leute und Parteien wie Strache und Co. die Oppositionsbank drücken müssen. (Beifall bei der ÖVP.)

13.23


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Als nächster Redner zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Kirchgatterer mit 2 Minuten Redezeitbegrenzung. – Bitte.

 


13.23.54

Abgeordneter Franz Kirchgatterer (SPÖ): Frau Präsidentin! Meine Damen und Her­ren! Hohes Haus! Zu den Ausführungen meiner Vorrednerin: Es war das Kennzeichen sozialdemokratischer Finanzminister, dass sie Wirtschaftsstärke und soziale Gerechtig­keit angestrebt und vielfach auch erreicht haben. Dies müssen wir jetzt erst wieder mit unserem Staatssekretär auf die richtige Linie bringen. (Beifall bei der SPÖ.)


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Meine Damen und Herren! Ich möchte jedoch auf das eingehen, was wir heute be­schließen, nämlich die Erhöhung des Pendlerpauschales, die ab 1. Juli dieses Jahres in Kraft tritt und die sehr viele Menschen betrifft. Wie viele von dieser Anhebung mit 1. Juli dieses Jahres profitieren, darf ich Ihnen anhand meines Bundeslandes verdeutli­chen. In Oberösterreich pendeln 25 Prozent aus ihrer Gemeinde innerhalb des Bezirks, 37 Prozent in andere Bezirke und 9 Prozent in ein anderes Bundesland. Zusammen sind es 71 Prozent.

Zwei Beispiele, zwei Bezirke in absoluten Zahlen. Der Bezirk Eferding: 2 200 pendeln von ihrer Gemeinde innerhalb des Bezirks, 6 800 in andere Bezirke und 1 250 in an­dere Bundesländer. Der Bezirk Grieskirchen: 5 800 von ihrer eigenen Gemeinde inner­halb des Bezirks, 11 570 in andere Bezirke und 1 830 in andere Bundesländer.

Obwohl in diesen Zahlen die öffentlich Bediensteten nicht enthalten sind, ist die Höhe der Zahlen wohl sehr beeindruckend. Untersuchungen, Studien besagen, dass die Zahl der Pendlerinnen und Pendler noch zunehmen wird. Dies deshalb, weil die zentralen Wirtschaftsstandorte noch attraktiver, noch stärker und anziehender sein werden.

Meine Damen und Herren! Ich betrachte diese spürbare Erhöhung des Pendlerpau­schales, die spürbare Erhöhung des Kilometergeldes als Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung der Mobilitätsbereitschaft und Einsatzbereitschaft der in der österrei­chischen Wirtschaft Tätigen. (Beifall bei der SPÖ.)

13.26


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Als nächste Rednerin gelangt Frau Abgeordnete Lentsch zu Wort. Ebenfalls 2 Minuten. – Bitte.

 


13.26.36

Abgeordnete Edeltraud Lentsch (ÖVP): Frau Präsidentin! Herr Staatssekretär! Ge­schätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Wir haben es heute schon des Öfteren gehört: Am 1. August dieses Jahres fällt die Erbschafts- und Schenkungssteuer weg. (Beifall bei der ÖVP.)

Davon profitieren vor allem Privatpersonen, die ihre Wohnung beziehungsweise ihr Privathaus an ihre Kinder weitergeben wollen, und das sind immerhin 80 Prozent aller Erbschaftsfälle, geschätzte Damen und Herren. Dass damit die Superreichen unter­stützt werden, braucht man sicherlich nicht zu befürchten, denn es wird das Schen­kungsmeldegesetz geben. Das Vortäuschen von unentgeltlichen Schenkungen wird dadurch unterbunden werden.

Ganz wichtig ist die Abschaffung der Erbschaftssteuer für die kleinen und mittleren Un­ternehmen, geschätzte Damen und Herren. Rund 3 000 Familienbetriebe waren hievon jährlich betroffen, und für viele Betriebe hat die Erbschaftssteuer auch das Aus bedeu­tet, weil einfach das Geld für diese Steuer nicht mehr da war.

Ab 1. August wird das alles anders werden, aber noch etwas wird anders, und das noch vor dem 1. August, nämlich am 1. Juli: Unter der Federführung unseres Finanz­ministers Mag. Wilhelm Molterer werden das Pendlerpauschale und das Kilometergeld erhöht. Das ist unsere Antwort auf die gestiegenen Energiepreise. (Abg. Lutz Weinzin­ger: Eine „tolle“ Antwort!)

Gerade viele Burgenländerinnen und Burgenländer haben das Los des Pendlerlebens gezogen, und als Burgenländerin möchte ich mich namens aller burgenländischen Pendlerinnen und Pendler bei unserem Finanzminister Mag. Wilhelm Molterer für diese Sofortmaßnahme recht, recht herzlich bedanken, und ich bin davon überzeugt, dass ihm das der Herr Staatssekretär ausrichten wird. (Beifall bei der ÖVP. – Staatssekretär Dr. Lopatka: Sicher!)

13.28



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Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Elmar Mayer. Auch wiederum 2 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


13.28.54

Abgeordneter Elmar Mayer (SPÖ): Frau Präsidentin! Herr Staatssekretär! Werte Kol­leginnen und Kollegen! Ich gehöre nun seit eineinhalb Jahren dem Hohen Haus an und darf feststellen, dass ich eigentlich begeistert bin, welch fachliche Kompetenz ich unter den einzelnen Abgeordneten immer wieder feststelle und kennenlerne. Ich sehe auch, wie kompetent die Abgeordneten auftreten.

Ich habe das schon einmal bei uns im Klub intern gesagt, ich möchte es auch hier sagen, weil es durchgängig für alle Fraktionen gilt. Ich bin der Meinung, dass die Arbeit der Abgeordneten zu wenig Einfluss auf die Regierungsarbeit hat. Das heißt, man muss Wege finden, wie wir Abgeordnete aktiver mit eingebunden werden können.

Was Kollege Pilz gemacht hat, ist sicherlich das pure Gegenteil von dem, was man als Abgeordneter wollen kann. Da wurde im typisch populistischen Jörg-Haider-Stil die eigene Klientel schlechtgemacht, um für sich zu einer Schlagzeile in einer mehr als fragwürdigen Zeitung zu kommen.

Es ist eine dringende Forderung, und das sage ich auch als langjähriger Landesparla­mentarier, dass man das Know-how, das Wissen und die Einsatzfreude der Abgeord­neten stärker mit einbindet. Es gibt kein besseres Beispiel, das man aufzeigen könnte, als das jetzt zur Beschlussfassung vorliegende Gesetz. Wer, wenn nicht die Abgeord­neten gewesen wären – und ich möchte hier namentlich einen, der aus meiner Sicht am meisten Rückgrat gezeigt hat, nämlich unseren Finanzsprecher Jan Krainer her­ausheben –, also wer, wenn nicht er gewesen wäre, hätte mitgeholfen, zu verhindern, dass wir heute tatsächlich gemeinsam bejammern müssten, dass wir ein Gesetz be­schließen, das in Wahrheit die Reichsten der Reichen stark begünstigt? (Beifall bei der SPÖ.)

Dass das nicht der Fall ist, haben wir in ganz besonderem Maße seiner Hartnäckigkeit zu verdanken. Ich sehe das schon ein, ich habe das über Jahre hinweg ähnlich miter­lebt als Oppositionspolitiker im Vorarlberger Landtag, wenn Kollege Stummvoll in sei­ner parlamentarischen Praxis – ich habe es jetzt so empfunden, das ist nicht so wört­lich gemeint – sehr kaltschnäuzig sagt: Die Sitzung ist unterbrochen, wir treffen uns nächsten Dienstag wieder!, am nächsten Dienstag: Die Sitzung ist unterbrochen, wir treffen uns dann am Donnerstag wieder! (Abg. Dr. Stummvoll: Das war aber erfolg­reich!)

Diese Dinge waren aber wichtig, weil es ein Parlament gegeben hat, das gesagt hat: Das, was uns die Regierung hier vorsetzt, wollen wir so nicht schlucken. – Und wir ha­ben uns in dieser Form tatsächlich bereits in einem ersten Schritt deutlich emanzipiert.

Es ist also so, dass es durch unsere Initiative so sein wird, dass es ab 1. August kei­nerlei Begünstigungen mehr für bestehende Stiftungen gibt und dass der Griff in die Staatskassa, wie das Doralt zu bezeichnen pflegte, tatsächlich verhindert wurde. Ich meine, das Ganze ist auch ein Lob an das Parlament, und wir können auch stolz auf diese gemeinsame Aktion sein. – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abge­ordneten der ÖVP.)

13.31


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Als nächster Redner gelangt Herr Abge­ordneter Steindl zu Wort. Auch er will 2 Minuten sprechen. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


13.31.54

Abgeordneter Konrad Steindl (ÖVP): Frau Präsidentin! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! Vieles wurde heute schon gesagt über das Schenkungsmeldege-


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setz und über Steuern. Ich habe heute nicht verstehen können, von welchem Land die Opposition eigentlich spricht.

Es ist vielmehr so, dass die Regierung seit 2000 eine hervorragende Wirtschafts- und Arbeitsplatzpolitik macht. Ich halte mich gerne an Fakten und Zahlen; wenn ich also dazu nur einige Zahlen anbringen darf: Wir hatten im Jahr 1999 ein BIP pro Einwohner von 25 400 €. Österreich hat 2007 31 900 € BIP pro Einwohner, die EU hat 2007 24 600 € BIP pro Einwohner. In Österreich erreicht die Beschäftigungsquote mittler­weile 70 Prozent, das heißt Rekordbeschäftigung. Über 3,4 Millionen sind in Österreich erwerbstätig. Die Beschäftigungsquote der EU beträgt im Vergleich dazu 66,4 Prozent. Österreich hatte 2007 ein Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent, die EU 2,6 Prozent. Österreich hatte, was ganz erfreulich ist, im letzten Quartal auch ein entsprechend hohes Wirtschaftswachstum. Die Arbeitslosigkeit betrug 4,2 Prozent 2007, in der EU im Durchschnitt 7,6 Prozent. Ganz erfreulich ist auch die Budgetentwicklung mit minus 0,7 Prozent 2007, die EU hatte minus 1,6 Prozent.

Meine Damen und Herren! Österreich ist hervorragend unterwegs. Deswegen war es auch möglich, dass wir jetzt und hier weitere Entlastungen für die Bürger zustande bringen. Wir bringen auf dem Wege der Arbeitslosenversicherung 300 Millionen € zu­sätzliche Entlastung zustande, mit der Pendlerpauschale zusätzlich 60 Millionen €, die Pensionisten bekommen zusätzlich 150 Millionen €. Der Erbschafts- und Schenkungs­steuerentfall bringt auch 150 Millionen €. Das sind 660 Millionen € zusätzliche Entlas­tung und zusätzliche Kaufkraft. Das wird Österreich weiterhin eine hervorragende Be­schäftigungsquote ermöglichen und unser Land sehr stark nach vorne bringen.

Der Weg, der hier eingeschlagen wird, ist absolut richtig. Wir müssen mit der Abgaben­quote herunter. Ich habe noch gut in Erinnerung, wie die Opposition, als wir die Körper­schaftsteuer von 34 Prozent auf 25 Prozent gesenkt haben, getobt hat. Jetzt wird es in Hinkunft keine Erbschafts- und Schenkungssteuer mehr geben. Wir hatten damals ein Aufkommen von 1,7 Milliarden €, wir werden demnächst 6 Milliarden € Aufkommen an Körperschaftsteuer haben. Das heißt, aus weniger und geringeren Steuernsätzen wer­den mehr Steuereinnahmen. (Abg. Sburny: Das zeigt, wie die Gewinne steigen!) Und das wird vor allem die Beschäftigten freuen und Beschäftigung sichern, und über die Beschäftigung sichern wir alles andere, auch die Sozialquote. – Besten Dank. (Beifall bei der ÖVP.)

13.34


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Mikesch. Sie will auch 2 Minuten sprechen. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


13.34.54

Abgeordnete Herta Mikesch (ÖVP): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Staatssekre­tär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Schenkungsmeldegesetz und der Wegfall der Erbschafts- und Schenkungssteuer stellen für unsere Klein- und Mittelbe­triebe und vor allem für unsere Familienunternehmen eine wichtige Maßnahme dar. Wir setzen damit eine langjährige und zentrale Forderung der Wirtschaft um und er­leichtern die Unternehmensübergabe durch Erbschaft und Schenkung wesentlich.

Durch den Entfall der Steuerbelastung durch die Erbschafts- und Schenkungssteuer wird der Nachfolgerin, dem Nachfolger die Fortführung des Betriebes um ein Vielfa­ches erleichtert. Die positive Fortentwicklung des Unternehmens wird in Zukunft nicht mehr schon gleich zu Beginn in Frage gestellt, noch bevor die Unternehmer überhaupt eine Chance hatten, ihre unternehmerische Tätigkeit aufzunehmen.

Die Betriebe können in Zukunft zum optimalen Zeitpunkt übergeben werden, ohne dass die betriebliche Substanz wegen anstehender Steuerzahlungen angetastet wer-


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den muss. Damit bleibt den Unternehmerinnen und Unternehmern Kapital für Investitio­nen in ihre Betriebe. Sie haben das Kapital für Investitionen für ihre eigene erfolgreiche Zukunft im Unternehmen. So werden nicht nur, und das ist der entscheidende Punkt, die Arbeitsplätze im Betrieb gesichert, sondern die Unternehmen können über Wachs­tum und Entwicklung nachdenken und neue Arbeitsplätze schaffen. Wir stärken da­durch also sowohl die einzelnen Unternehmen, ganz besonders die Klein- und Mittel­betriebe und Familienunternehmen, als auch den Wirtschaftsstandort Österreich. (Bei­fall bei der ÖVP.)

13.36


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Als nächster Redner gelangt Herr Abge­ordneter Ing. Hofer mit 4 Minuten Redezeit zu Wort. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


13.36.46

Abgeordneter Ing. Norbert Hofer (FPÖ): Frau Präsidentin! Herr Staatssekretär! Mei­ne Damen und Herren! Frau Kollegin Tamandl! Ich habe mir Ihre Rede angehört, die Sie vorhin gehalten haben, und sie hat mir irrsinnig gut gefallen. Sie war sachlich. (Bei­fall bei der ÖVP.)

Sie haben mit sehr guten Argumenten jene logischen Fehler und Fallen, die von einem SPÖ-Vorredner eingebaut worden sind, aufgezeigt und klargemacht, dass die Rech­nung, die aufgestellt worden ist, natürlich ein völliger Unsinn ist.

Zum Schluss haben Sie dann gesagt: Das ist auch der Grund, warum die ÖVP Regie­rungsverantwortung trägt und Leute wie Strache und Co. in dieser Funktion nichts zu suchen haben.

Frau Kollegin Tamandl! Glauben Sie, dass sich nach der nächsten Wahl Rot-Grün aus­geht? Glauben Sie, dass sich Schwarz-Orange ausgeht? (Abg. Tamandl: Wollen Sie uns ein Angebot machen? – Abg. Ing. Westenthaler: Ist das jetzt ein Angebot?) Oder wird es nach der nächsten Wahl wieder so sein, dass die ÖVP kommt und sagt: Du, bitte, wir haben wieder eine bürgerliche Mehrheit! Das müssen wir jetzt für Österreich nutzen in Verantwortung für unser Heimatland! Ihr könnt euch dieser Verantwortung nicht entziehen! (Abg. Tamandl: Dann schicken Sie den Herrn Strache heim!) – Nein. – Wir sollen Herrn Strache heimschicken, dann könnten wir darüber reden.

Frau Tamandl! Ich sage Ihnen etwas: Kommen Sie nach der nächsten Wahl nicht zu uns! Sie werden mit diesem Angebot scheitern, das kann ich Ihnen heute schon sagen. Kommen Sie nicht zu uns! (Beifall bei der FPÖ.)

Solche Wortmeldungen sind nicht dazu angetan, das Vertrauen anderer Parteien zu stärken. Und dann müssen Sie eben schauen, vielleicht nimmt Sie ja die SPÖ wieder. Oder vielleicht schaffen Sie Schwarz-Grün; nein, Schwarz-Grün-Orange geht sich auch nicht aus. Das wird dann eben Ihr Problem sein, aber kommen Sie nach solchen Wort­meldungen nicht mit dem Argument bürgerliche Mehrheit, denn damit werden Sie bei uns auf taube Ohren stoßen. (Beifall bei der FPÖ.)

Meine Damen und Herren! Wissen Sie, wir sind sehr wohl bereit, Verantwortung zu tra­gen und uns sachlich einzubringen. Wir machen uns sehr viele Gedanken darüber, wie man die bestehenden Probleme in Österreich lösen kann. Was jedoch ganz wichtig ist im Rahmen einer Regierungszusammenarbeit, ist, dass man einen Koalitionspartner hat, auf den man sich auch verlassen kann, und wer immer mit der ÖVP ins Koali­tionsbett steigt, hat nachher größte Probleme. Warum ist das so? Ist es vielleicht ein unfairer Zugang zum politischen Partner, ist es das? – Ich glaube ja, meine Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)

So, jetzt kommen wir aber zum Sachthema, die hohen Kosten für unsere Pendler, die steigenden Kosten für Treibstoffe.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 118

Ich möchte hier zwei Anträge einbringen, die sich mit diesem Thema beschäftigen und eine Möglichkeit aufzeigen, wie man diese Probleme auch angehen kann. Sie alle wis­sen, dass Unternehmer Gott sei Dank die Möglichkeit haben, ihre Fahrtkosten steuer­lich geltend zu machen. Wir sind der Meinung, das sollte auch für jene gelten, die ihr Fahrzeug aus beruflichen Gründen benötigen, und zwar auch dann, wenn sie unselb­ständig beschäftigt sind.

Daher bringe ich folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Neuorientierung des Ersatzes der Fahrtkosten für Pendler

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, alle erforderlichen Schritte für eine Neuorien­tierung des Ersatzes der Fahrtkosten für Pendler zu setzen, die es unselbständig Be­schäftigten ermöglicht, ihre berufsbedingten Fahrtkosten zum und vom Arbeitsplatz bei der Arbeitnehmerveranlagung geltend machen zu können.“

*****

Das ist die eine Möglichkeit, die wir hätten.

Es gibt noch eine zweite Möglichkeit, um diese Teuerung abzugelten, und damit be­schäftigt sich mein zweiter Antrag:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Tankgutschein bzw. ÖBB-Jahreskarten – Gutschein für Pendler

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage vor­zulegen, welche eine Unterstützung für Pendler vorsieht, die folgende Einmalleistun­gen enthält. Einen Tankgutschein in Höhe von 500,- Euro oder wahlweise ein Gut­schein in Höhe von 500,- Euro, anrechenbar auf den Erwerb einer Jahreskarte im Öf­fentlichen Verkehr für die Strecke Wohnsitz–Arbeitsstelle.“

*****

Meine Damen und Herren! Ich möchte noch einmal relativieren, was ich vorhin gesagt habe. Mir geht es darum – wir haben heute schon darüber gesprochen –, wie man mit­einander umgeht. Wenn man so salopp sagt: Strache und Co, oder wenn man so sa­lopp sagt: Setzen Sie den Strache ab, dann können wir reden! ... (Zwischenrufe bei der ÖVP.) Nein, ich bin nicht empfindlich. Wir haben heute darüber gesprochen, wie man miteinander umgeht. Aber das müssen wir auch wirklich ernst nehmen.

Ich habe gesagt, Ihre Rede, Frau Tamandl, war hervorragend – ich habe sogar applau­diert; nicht zum Schluss, aber in der Mitte Ihrer Rede –, und ich werde mir das sehr gut merken, was Sie heute gesagt haben. (Beifall bei der FPÖ.)

13.41


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Die beiden Entschließungsanträge sind ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und stehen daher mit zur Ver­handlung.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 119

Die beiden Anträge haben folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Hofer und weiterer Abgeordneter betreffend Tankgutschein bzw. ÖBB-Jahreskarten – Gutschein für Pendler

eingebracht im Zuge der Debatte zum Tagesordnungspunkt 1, Bericht des Finanzaus­schusses über die Regierungsvorlage (549 und Zu 549 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Erb­schafts- und Schenkungssteuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenordnung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und ein Stiftungseingangssteuergesetz erlassen wird - Schenkungs­meldegesetz 2008 (SchenkMG 2008) (612 d.B.) in der 63. Sitzung des Nationalrates am 6. Juni 2008

Um die Teuerungen im Bereich Kraftstoffe für Pendler annähernd auszugleichen ist zu­mindest im Jahr 2008 eine Einmal-Unterstützung dieser Personengruppe durchzufüh­ren.

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag

Der Nationalrat möge beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage vor­zulegen, welche eine Unterstützung für Pendler vorsieht, die folgende Einmalleistun­gen enthält. Einen Tankgutschein in Höhe von 500,- Euro oder wahlweise ein Gut­schein in Höhe von 500,- Euro, anrechenbar auf den Erwerb einer Jahreskarte im Öf­fentlichen Verkehr für die Strecke Wohnsitz – Arbeitsstelle.“

*****

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Hofer, Weinzinger, Zanger und weiterer Abgeordneter

betreffend Neuorientierung des Ersatzes der Fahrtkosten für Pendler

eingebracht im Zuge der Debatte zum Bericht des Finanzausschusses über die Re­gierungsvorlage (549 und Zu 549 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Einkommen­steuergesetz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Erbschafts- und Schen­kungssteuergesetz 1955, das Grunderwerbsteuergesetz 1987, die Bundesabgabenord­nung, das Finanzstrafgesetz und das Finanzausgleichsgesetz 2008 geändert werden und ein Stiftungseingangssteuergesetz erlassen wird - Schenkungsmeldegesetz 2008 (SchenkMG 2008) (612 d.B.) in der 63. Sitzung des Nationalrates am 06. Juni 2008

Der Autofahrer ist aus bekannten Gründen eine tragende Säule unserer Staatsfinanzen geworden und sieht sich selbst nicht ohne Grund immer mehr als Melkkuh der Staats­finanzen.

Zweifellos liegt es im Interesse Österreichs, mehr als bisher öffentliche Verkehrsmittel zur Auslastung zu bringen. Nicht überall in Österreich stehen aber leistungsfähige öf­fentliche Verkehrsmittel zur Verfügung. Ein großer Teil der Arbeitnehmer ist daher nach wie vor auf das private Fahrzeug angewiesen.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 120

Eine völlige Neuorientierung des Ersatzes der Fahrtkosten für Pendler ist ein Gebot der Stunde. Auch der unselbständig Beschäftigte soll so wie der Unternehmer seine be­rufsbedingten Fahrtkosten zum Arbeitsplatz in voller Höhe bei der Arbeitnehmerveran­lagung geltend machen können.

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag:

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, alle erforderlichen Schritte für eine Neuorien­tierung des Ersatzes der Fahrtkosten für Pendler zu setzen, die es unselbständig Be­schäftigten ermöglicht, ihre berufsbedingten Fahrtkosten zum und vom Arbeitsplatz bei der Arbeitnehmerveranlagung geltend machen zu können.“

*****

 


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemel­det. Die Debatte ist geschlossen.

Wünscht der Herr Berichterstatter das Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Wir gelangen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vorneh­me.

Zunächst kommen wir zur Abstimmung über den Entwurf betreffend Schenkungsmel­degesetz 2008 in 612 der Beilagen.

Hiezu haben die Abgeordneten Dr. Stummvoll, Krainer, Kolleginnen und Kollegen einen Abänderungsantrag eingebracht, der sich auf die Änderung des Titels und die Nummerierung der Artikel bezieht.

Weiters liegt ein Verlangen auf getrennte Abstimmung der Abgeordneten Bucher, Kol­legin und Kollegen hinsichtlich Artikel 8 § 2 des Gesetzentwurfes vor.

Ich werde zunächst über die vom Verlangen auf getrennte Abstimmung betroffenen Teile und anschließend über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile samt Titel und Eingang unter Berücksichtigung des erwähnten Abänderungsantrages abstimmen lassen.

Wir gelangen zunächst zur getrennten Abstimmung über Artikel 8 § 2 des Gesetzent­wurfes in der Fassung des Ausschussberichtes.

Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die sich hiefür aussprechen, um ein Zeichen. – Das ist mehrheitlich angenommen.

Ich komme nun zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in 612 der Beilagen unter Berücksichti­gung des Abänderungsantrages der Abgeordneten Dr. Stummvoll, Krainer, Kolleginnen und Kollegen.

Ich ersuche jene Damen und Herren, die dem ihre Zustimmung geben, um ein entspre­chendes Zeichen. – Das ist mehrheitlich angenommen.

Wir kommen sogleich zur dritten Lesung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die auch in dritter Lesung für den vorliegenden Ge­setzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mehrheitlich. Der Ge­setzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 121

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Ab­geordneten Strache, Kolleginnen und Kollegen betreffend Stopp dem Treibstoffpreis-Wahnsinn.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abge­ordneten Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Mehr für Pendlerin­nen und Pendler: ökologisch und sozial gerechtere Ausgestaltung der PendlerInnenför­derung, Offensive bei Bahn und Bus“.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abge­ordneten Bucher, Kollegin und Kollegen betreffend dringende Umsetzung des ange­sichts der explodierenden Treibstoffpreise von der Kärntner Landesregierung beschlos­senen Maßnahmenpakets.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abge­ordneten Bucher, Kollegin und Kollegen betreffend eine teilweise Steuerbefreiung der Überstundenbezahlung als Maßnahme zur Leistungsförderung und steuerlichen Ent­lastung der österreichischen Arbeitnehmer.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

Wir gelangen weiters zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeord­neten Bucher, Kollegin und Kollegen betreffend die Einführung einer Pendlerbeihilfe in Form eines amtlichen Kilometergeldes mit Beihilfewirkung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abge­ordneten Bucher, Kollegin und Kollegen betreffend Rücknahme der MÖSt-Erhöhung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

Wir gelangen weiters zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeord­neten Ing. Westenthaler, Kollegin und Kollegen betreffend die Bestimmung eines volks­wirtschaftlich gerechtfertigten Höchstpreises für Treibstoffe.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

Wir gelangen weiters zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeord­neten Ing. Westenthaler, Kollegin und Kollegen betreffend Teuerungsausgleich für die exorbitant gestiegenen Treibstoffpreise.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abge­ordneten Ing. Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Neuorientierung des Ersat­zes der Fahrtkosten für Pendler.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 122

Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

Wir gelangen weiters zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeord­neten Ing. Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Tankgutschein bzw. ÖBB-Jah­reskarten – Gutschein für Pendler.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

Wir gelangen weiters zur Abstimmung über den Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem die Reisegebührenvorschrift geändert wird, in 613 der Beilagen.

Hiezu haben die Abgeordneten Mag. Hauser, Kolleginnen und Kollegen einen Abände­rungsantrag eingebracht.

Ich lasse zunächst über die von diesem Abänderungsantrag betroffenen Teile des Ge­setzentwurfes und sodann über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Ge­setzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes abstim­men.

Die Abgeordneten Mag. Hauser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungs­antrag eingebracht, der sich auf Ziffer 1 des gegenständlichen Gesetzentwurfes be­zieht.

Ich bitte jene Damen und Herren, die sich dafür aussprechen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Minderheit. Abgelehnt.

Ich komme daher sogleich zur Abstimmung über Ziffer 1 des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes.

Ich ersuche jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung erteilen, um ein Zeichen. – Das ist mehrheitlich angenommen.

Schließlich komme ich zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussbe­richtes.

Ich bitte jene Damen und Herren, die hiefür ihre Zustimmung erteilen, um ein bejahen­des Zeichen. – Das ist mehrheitlich angenommen.

Wir kommen sogleich zur dritten Lesung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die auch in dritter Lesung für den vorliegenden Ge­setzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mehrheitlich. Der Ge­setzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abge­ordneten Ing. Westenthaler, Kollegin und Kollegen betreffend Anhebung des amtlichen Kilometergeldes.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

13.48.413. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (526 d.B.): Abkom­men zwischen der Republik Österreich und der Republik Türkei zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen samt Pro­tokoll (614 d.B.)

 



Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 123

Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Nun kommen wir zum 3. Punkt der Ta­gesordnung.

Auf die mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Als ersten Redner bitte ich Herrn Abgeordneten Mag. Schieder zum Rednerpult mit 2 Minuten freiwilliger Redezeitbeschränkung. – Bitte.

 


13.49.05

Abgeordneter Mag. Andreas Schieder (SPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Vorschlag ist heute, ein Doppel­besteuerungsabkommen mit der Türkei zu beschließen. Die Notwendigkeit ergibt sich daraus, dass die Revision des bestehenden Abkommens ergeben hat, dass wichtigen Grundsätzen und einzelnen Punkten des OECD-Musterabkommens nicht mehr ent­sprochen wird und sich aus diesem heraus Nachteile für Österreich ergeben.

Man hat über lange Jahre mit der Türkei zäh verhandelt, was besonders verwunderlich war, weil die Türkei eigentlich auch OECD-Mitgliedsland ist und man daher davon aus­gehen könnte, dass das von vornherein erfüllt ist. Nichtsdestotrotz, es ist jetzt endlich gelungen, dieses Abkommen zu schließen und damit auch eine wesentliche Verbesse­rung für das Investitionsklima zu schaffen, insbesondere auch für die österreichischen Anlagebaufirmen, die mit hohen Wertschätzungsanteilen vor allem im Engineering­bereich aktiv sind. Die wirtschaftlichen Interessen Österreichs werden wieder optimal genutzt werden können.

Ich glaube daher, es ist eine sinnvolle Sache, dass wir heute dieses Doppelbesteue­rungsabkommen, dem OECD-Musterabkommen Folge leistend, beschließen. (Beifall bei der SPÖ.)

13.50


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Als nächster Redner zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Mag. Rossmann. 2 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


13.50.40

Abgeordneter Mag. Bruno Rossmann (Grüne): Frau Präsidentin! Herr Staatssekre­tär! Meine Damen und Herren! Ich kann mich den Ausführungen meines Vorredners insofern anschließen, als auch ich glaube, dass dieser Abschluss des Doppelbesteue­rungsabkommens positiv zu sehen ist. Es entspricht einerseits den international be­währten und anerkannten Anforderungen des OECD-Musterabkommens, andererseits wird Österreich damit Zielland für Investitionen aus der Türkei, und schließlich eröffnet sich die Chance – aber ich betone: die Chance – für eine Vertiefung der wirtschaftli­chen Beziehungen zwischen Österreich auf der einen Seite und der Türkei auf der anderen Seite.

Gerade aber diesen letzten Punkte möchte ich aufgreifen, um die Frage auf ein sehr umstrittenes Projekt zu lenken, nämlich den Ilisu-Staudamm. Im Vorfeld des Staats­besuches von Bundespräsident Fischer haben die Grünen erneut gefordert, dass die Oesterreichische Kontrollbank aus diesem Projekt aussteigen möge, da ja die niedri­gen, von der OeKB selbst auferlegten internationalen Standards nicht eingehalten wer­den: Sozialrechte, Menschenrechte, Aufrechterhaltung von Kulturgütern und derglei­chen mehr.

Auch der Expertenbericht der Exportkreditagenturen zeigt, dass der Großteil der ver­traglich vereinbarten Auflagen nicht eingehalten wird. Die österreichische Regierung sollte sich daher ein Beispiel an der Regierung in Deutschland nehmen, die jüngst das Projekt sehr scharf, und zwar ungewöhnlich scharf, kritisiert hat.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 124

Wenn aber weiterhin internationale Standards in der Türkei auch bei anderen Großpro­jekten nicht eingehalten und Sozialrechte und Menschenrechte mit Füßen getreten werden, dann minimiert sich natürlich die Chance für eine vertiefte wirtschaftliche Be­ziehung Österreichs mit der Türkei, und es stellt sich wohl die Frage, wie bei zukünfti­gen Projekten die Einhaltung internationaler Standards garantiert werden kann – nicht nur bei Ilisu, auch bei anderen Projekten. Dazu würde es wohl zu einer stärkeren Exe­kution bisher bestehender Standards kommen müssen. Nur dann sehe ich auch die Chance für eine Vertiefung der Beziehungen dieser beiden Länder. – Danke sehr. (Bei­fall bei den Grünen.)

13.53


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Als nächstem Redner erteile ich Herrn Abgeordnetem Lutz Weinzinger das Wort mit 4 Minuten freiwilliger Redezeitbeschrän­kung. – Bitte.

 


13.53.19

Abgeordneter Lutz Weinzinger (FPÖ): Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Doppelbesteuerungsabkommen sind grundsätzlich eine gute Sache: Zwei Staaten, auf gleicher Augenhöhe, vereinbaren, dass sie eine Doppelbesteuerung ver­hindern wollen; sowohl die einen als auch die anderen. Ich bin sehr froh, dass es end­lich gelungen ist, mit der Türkei als selbständigem Staat auf gleicher Ebene, auf glei­cher Augenhöhe ein Besteuerungsabkommen so wie mit vielen anderen Staaten abzu­schließen.

Mein Vorredner hat eigentlich schon sehr deutlich darauf hingewiesen, dass uns neben diesem Doppelbesteuerungsabkommen einige andere Sachen durchaus trennen. Dort gibt es eine andere Art der Wirtschaftskultur, eine andere Art der Sozialkultur, eine andere Art, wie man mit Menschenrechten umgeht, wie man mit der Natur umgeht, wie man mit Kulturgütern umgeht, ob das nun dieses Staudammprojekt ist oder ob das andere Fragen sind.

Daher steht fest: Selbstverständlich können und sollen wir mit allen Staaten als selb­ständiger Staat Doppelbesteuerungsabkommen und andere Abkommen schließen, aber eines kann man daraus nicht ableiten: dass man diesen Staat in die EU aufneh­men muss, dass man mit diesem Staat eine so enge wirtschafts- und gesellschaftspoli­tische Beziehung eingeht wie mit den anderen EU-Staaten. Das wird nicht möglich sein.

Abgesehen davon, dass die Türkei nur zu ganz wenigen Prozent zum europäischen Festland gehört und ansonsten ein asiatischer Staat ist (Beifall bei der FPÖ), abgese­hen davon, dass diese asiatische Staatsform auch unserer Form des Zusammenle­bens absolut nicht entspricht, weder aus kultureller Hinsicht noch aus geschichtlicher Hinsicht, noch auch in der Form, wie man dort Politik versteht, weil dort die Trennung von Kirche – das heißt vom Islam – und Staat mehr und mehr verschwimmt: Abkom­men ja, auch mit der Türkei und gerade mit der Türkei, gar keine Frage, aber das heißt nicht, daraus abzuleiten, die Türkei ist in die EU aufzunehmen. Dem stimmen wir in keiner Weise zu, und ich weiß, dass der Großteil der Bevölkerung so denkt und auch – auch wenn Sie es nicht alle zugeben – der Großteil von Ihnen. – Ich danke Ihnen. (Bei­fall bei der FPÖ.)

13.56


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Als nächstem Redner erteile ich Herrn Abgeordnetem Bucher das Wort. 3 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


13.56.22

Abgeordneter Josef Bucher (BZÖ): Frau Präsidentin! Ich möchte mich jetzt keiner Türkei-Debatte stellen, sondern generell natürlich unsere Zustimmung zu diesem Dop-


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 125

pelbesteuerungsabkommen signalisieren, wie wir das ja immer handhaben bei einem Fünf-Parteien-Konsens. Doppelbesteuerungsabkommen sind sinnvoll und richtig, weil sie steuerliche Rechtssicherheit bieten sowohl für die österreichischen Steuerzahler als auch für jene, mit denen wir in den entsprechenden Ländern in Verbindung stehen.

Ich möchte nur anregen – ich weiß nicht, ob der Herr Sport-Staatssekretär diese Frage beantworten kann; aber so kompetent, wie ich ihn einschätze, wird er das sicher kön­nen –, es wäre vielleicht sinnvoll, dass wir die Doppelbesteuerungsabkommen mit den Ländern, die wir immer wieder in unterschiedlichen Zeitabständen abschließen, viel­leicht einmal kumuliert erledigen, anstatt in jeder Parlamentssitzung ein Doppelbe­steuerungsabkommen zu besprechen. Man könnte dann unterstellen, dass die Regie­rungsparteien diesen Weg nur deshalb wählen, damit wir eine Tagesordnung für den Finanzausschuss zustande bringen. Das möchte ich Ihnen nicht vorwerfen wollen. (Beifall des Abg. Scheibner.)

Ich glaube, es wäre gescheiter, die Doppelbesteuerungsabkommen zunächst einmal zu sammeln und sie dann in einem zu verabschieden. (Beifall des Abg. Scheibner.)

13.57


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Wünscht der Herr Berichterstatter das Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Wir gelangen daher zur Abstimmung über den Antrag des Finanzausschusses, dem Abschluss des gegenständlichen Staatsvertrages samt Protokoll in 526 der Beilagen die Genehmigung zu erteilen.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dazu ihre Zustimmung geben wollen, um ein Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen.

13.58.184. Punkt

Bericht des Verfassungsausschusses über den Tätigkeitsbericht (III-63 d.B.) der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH gemäß § 7 Abs. 2 KOG für das Ge­schäftsjahr 2006, vorgelegt von der Bundesministerin für Frauen, Medien und öf­fentlichen Dienst im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Verkehr, Innova­tion und Technologie (603 d.B.)

 


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Wir gelangen damit zum 4. Punkt der Tagesordnung.

Auf die mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Als erstem Redner erteile ich Herrn Klubobmann Dr. Cap das Wort. – Bitte.

 


13.58.48

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ): Frau Präsidentin! Hohes Haus! Ich tue mich jetzt leicht: Das ist ein gut geführtes Ministerium mit exzellenten Beamten, die wirklich sehr professionell arbeiten. Wir haben darüber schon im Ausschuss eine intensive Grund­satzdebatte, aber auch Detaildebatte geführt.

Es geht um den Tätigkeitsbericht, der sehr anschaulich dargestellt wurde. Die vielen, vielen Aufgaben der Regulierungsbehörden im Rundfunk- und Telekombereich sind, glaube ich, sehr plastisch und verständlich dargestellt. Der Bericht erbringt den Be­weis – ob das jetzt bei der Endkunden-Streitschlichtung im Telekombereich, ob das die Marktanalyseverfahren oder die unzähligen Zulassungs- und Rechtsaufsichtsverfahren


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im Rundfunkbereich sind –, dass hier wirklich professionell und effizient gearbeitet wird, was für so einen Bereich wie dem Medienbereich von größter Bedeutung ist.

Soweit ich mich erinnern kann – weil der Abgeordnete Morak mich gerade so liebevoll ansieht –: Ich glaube, er ist ähnlicher Auffassung, dass das ein ganz heikler und auch effizient arbeitender Bereich ist. Und ich möchte auch den beiden Behördenleitern, Herrn Mag. Ogris und dem Geschäftsführer Rundfunk, Dr. Grinschgl, meinen Dank für diese effiziente und wirklich gute Arbeit aussprechen.

Nun aber müssen wir nach vorne schauen, und die Koalition ist ja übereingekommen, dass man im Herbst hier Reformschritte setzen soll, wobei wir auch der Meinung sind, dass das natürlich keine Reform um der Reform willen sein darf, sondern wir müssen versuchen, uns an diese heikle Materie heranzuarbeiten und auch wirklich in Überein­stimmung mit der gesamten Branche, mit den Betroffenen, sinnvolle Schritte zu setzen. Da soll sich nicht einer seinen Lebenstraum verwirklichen und quasi die Handlungs­möglichkeiten des ORF bis zur Unkenntlichkeit einschränken, sondern es soll wirklich alles dafür getan werden, dass auch – nicht nur – die vielen Privaten im Fernseh- und Rundfunkbereich ihre Aufgaben erfüllen können, aber auch der ORF weiterhin seine Aufgabe als österreichische Kultureinrichtung, als ein Identitätselement erfüllen kann.

Und das, denke ich, ist besonders zu berücksichtigen, wenn es darum geht, welche Teile der ORF-Kontrolle dann bei der Medienbehörde angelagert werden sollen, denn wir wollen ja keine Metternich-Behörde, sondern wir wollen eine modern arbeitende Behörde. Wir werden sehen, ob die dann diese Aufgaben auch erfüllen können, und wir werden sehen, was hier wirklich möglich ist, in diesem Verhandlungsprozess zu er­reichen.

Dass wir eine verfassungsrechtliche Unabhängigkeit befürworten, das haben wir schon mehrfach gesagt. Dass wir sogar über Teile des Aufgabenkatalogs Übereinstimmung haben, sogar das ist evident. Aber es wird natürlich doch ein etwas längerer Verhand­lungsprozess sein, und das ist sicherlich auch gut.

Im Hinblick auf die bisweilen geforderte völlige Zusammenlegung von Rundfunk und Telekommunikation in einen einzigen Spruchkörper muss man mit Sicherheit noch einige Diskussionen führen. Wir und ich haben auch immer klar gemacht, dass wir für ein strukturelles Experiment auch in diesem Bereich nicht zur Verfügung stehen. Das macht keinen Sinn, weil sich die wirklich konvergenten Aufgaben der beiden Behörden ja an einer Hand abzählen lassen und wir, wie ich eingangs gesagt habe, eine Reform um der Reform willen mit Sicherheit nicht anstreben.

Also, es soll etwas sein, das von der Branche akzeptiert wird, das der Medienvielfalt dient, aber nicht den Eindruck erweckt, hier sollen Kontrollorgane zur Einschränkung entwickelt werden, bis hin zu Auswirkungen auf die journalistische Tätigkeit. Denn unser Bekenntnis ist es ja, dass wir die größtmögliche journalistische Freiheit zu garan­tieren und zu fördern haben, ebenso die objektive Berichterstattung, aber wir sollten immer auch die Tätigkeit einer der wesentlichsten Kultureinrichtungen und Kulturinstitu­tionen, die der ORF eben ist, im Auge haben.

Wir haben hier im Haus vor einigen Tagen auch eine Musik-Enquete gehabt, in deren Rahmen diskutiert wurde, wie man auch der österreichischen Musik mehr Raum geben kann. Wir haben auch im Ausschuss diskutiert, was man alles unternehmen kann, dass die Filmwirtschaft Unterstützung bekommt. Da hat der ORF natürlich auch eine wich­tige Rolle und Funktion, aber, soweit mir bekannt, ist die Geschäftsführung eine, die das auch erkennt und sieht und auch unterstützen möchte. Das ist auch ein wichtiger Beitrag für diese kulturelle Identität.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 127

Danke noch einmal an die Frau Ministerin, an das Ministerium, an die Beamten, an die Mitarbeiter. Ich glaube, dass das sicherlich ein Ministerium ist, das Modellcharakter hat und wo wir froh sein können, dass das, bei aller konstruktiven Kritik, die von dem einen oder anderen auch geäußert wird, manchmal auch von uns, hier wirklich auch aufge­nommen wird, damit auch dieser Dialog und dieser Diskurs entsteht. Und ich denke, der Abgeordnete Morak, der nach mir sprechen wird, wird das ebenso sehen. (Beifall bei der SPÖ.)

14.04


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Morak. 4 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung. – Bitte.

 


14.04.31

Abgeordneter Franz Morak (ÖVP): Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Lieber Kollege Cap! Du bist der eine und ich bin der andere – ist in Ordnung. (Abg. Dr. Cap: Aber: Wer ist der Gute und wer der Böse?) Das ist aber auch klar, ich, nicht?

Auch ich schließe mich dem Dank an die Beamtenschaft an. Wir kennen sie alle, die Beamten vom Verfassungsdienst: Das ist europäische Spitzenklasse, was Medien betrifft. Ich möchte aber in den Dank auch noch Dr. Serentschy einbeziehen. – So weit mein Dank.

Nun noch eine kurze Fahrt durch das, was wir im Ausschuss gemacht haben: Was die Mhb-Boxen angeht, würde ich mir eine größere Unabhängigkeit der Behörde von den Gremien des ORF beziehungsweise vom ORF vorstellen. Ich glaube, das kann man durchaus besser machen. Vor allem muss man nicht darauf beharren, wenn man sagt, okay, das Ganze war ein Irrtum.

Was DVB-H betrifft, wundert mich noch immer, dass im Grunde zwei große Adminis­trationen, ORF und Telekommunikation, nicht in der Lage waren, eine Bewerbung für DVB-H abzugeben. Aber das sollen die sich untereinander ausmachen.

Im Telekombereich halte ich es für sehr gut, dass hier der Monopolist reguliert wurde, und nicht die Neuzugänge am Markt. Ich halte das für grundvernünftig, das ist absolut anzustreben für den Bereich der Medien.

Film-, Fernsehförderung: Ich glaube, dieser Fonds wird von allen Marktteilnehmern durchgehend positiv gesehen. Das sollte man ausbauen, da sollte man die Förderung erhöhen.

Auf die Breitbandinitiative möchte ich noch ganz kurz eingehen. Je mehr Initiativen, hat man den Eindruck, desto weniger Ergebnisse, quasi umgekehrt proportional zum Sit­zungsaufwand oder zum Aufwand der Pressekonferenzen über die Jahre.

Bleibt – und da bin wieder bei meinem nicht einmal Lieblingsthema, sondern bei einem Thema, das mich schon relativ lange beschäftigt, nämlich diese unabhängige, effizien­te Medienbehörde. Kollege Cap ist für die abhängige Metternich-Behörde, und ich bin für die unabhängige Medienbehörde (Beifall bei der ÖVP.) So weit sollte man das ein­mal klären.

Zu dieser Geschichte verweise ich auf den Brief, den ich der Frau Bundesminister am 19. April 2007 geschickt habe; ich verweise auf die Ausschussfeststellung, wo es ja im­merhin einen kurzfristigen Gleichklang der Herzen und Meinungen gegeben hat zwi­schen dem Kollegen Cap und mir; und ich verweise in diesem Zusammenhang auf das Regierungsabkommen.

Was soll das alles? – Und ich sage das jetzt einfach einmal aus der Praxis, aus
der politischen, gelebten Praxis, aus der Praxis der Konsumenten: Ich möchte haben,


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 128

dass man, der Einzelne, der Politiker, der Gebührenzahler, wer auch immer, der nach 16 Uhr quasi überfallen wird im Parlamentsklub, Sekretärinnen an sitzungsfreien Ta­gen, wo geschaut wird: Wo sind denn die Abgeordneten zum Beispiel aus den Bun­desländern? Oder wenn nach einer parlamentarischen Enquete in einer Nebenveran­staltung im SPÖ-Klub im Grunde nichts berichtet wird, sondern nur die Nebenver­anstaltung SPÖ-Klub im „Morgenjournal“ kommt, wenn Stiftungsräte im ORF im Unkla­ren gelassen werden über die Budgetlage, wenn der ORF mit Dumpingpreisen andere Orchester ausbootet, wenn Kampagnenjournalismus betrieben wird, wenn man keine Ausschreibungen macht, zum Beispiel, um eine Wagenflotte anzuschaffen für den ORF, wenn die ORF-Führung schamlos überfordert ist mit ihrer Tätigkeit, wenn wir eine Medienförderung einführen würden, dann hätte ich ganz gern eine effiziente unab­hängige, vor allem von der Politik unabhängige Medienbehörde, und nicht das Salz­amt. – Danke. (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Dr. Fichtenbauer.)

14.08


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Brosz. 5 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung. – Bitte.

 


14.08.41

Abgeordneter Dieter Brosz (Grüne): Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Diese Diskus­sion ist mitunter recht amüsant; sie findet ja auch in jedem Ausschuss statt.

Zunächst zum Bereicht selbst, bei dem man, wenn man ihn liest, durchaus das eigene technische Know-how etwas erweitern kann, was unter anderem die Frage Digitalisie­rung betrifft. Ich kenne mich noch immer nicht ganz aus, was da alles Technisches drinsteht, aber man bekommt zumindest einen ganz guten Überblick, was sich im Me­dienbereich wirklich tut.

Insofern ist der Bericht auch sehr umfassend und vollständig, und es ist erfreulich, dass wir ihn hier diskutieren können. Was wir nicht diskutieren können – das haben wir auch im Ausschuss schon berichtet –, ist etwas anderes am Bericht, das auch dem Haus zugegangen ist, nämlich der ORF-Jahresbericht. Und angesichts der Debatte, die wir momentan beispielsweise um die Frage Gebührenzahlung führen, hielten wir es für sehr relevant, dass wir auch den ORF-Bericht in einer Form ins Haus bekommen, dass wir darüber diskutieren können. Das war bislang nicht möglich, weil ja nur das diskutiert werden kann im österreichischen Parlament, was formal auch zugeleitet wird. Man kann das im Rahmen einer aktuellen Aussprache machen, aber nicht wirklich im Rahmen eines Berichts, der da ist, und deshalb möchte ich zunächst einen Entschlie­ßungsantrag stellen:

Entschließungsantrag

Die Bundesministerin für Frauen, Medien und öffentlichen Dienst wird ersucht, den letzten Bericht des ORF gemäß § 8 ORF-Gesetz dem Nationalrat vorzulegen, damit dieser ihn in Verhandlung nehmen kann.

*****

Das wäre die Grundlage dafür, dass wir auch über den ORF-Bericht im Parlament dis­kutieren können, was, glaube ich, für die Debatte durchaus förderlich wäre.

Der ORF ist natürlich ein Teil dieses Berichts, und auch da gab es sehr umfassende Diskussionen über die Frage Gebühren, Gebührenerhöhungen. Und unsere Kritik ins­besondere in Richtung ÖVP war ja, dass es schon etwas – für „scheinheilig“ bekäme


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ich einen Ordnungsruf, das kann ich jetzt nicht sagen – merkwürdig in der Argumenta­tion ist – sagen wir es einmal so –, wenn man vor mittlerweile sechs, sieben Jahren ein Gesetz geschaffen hat, das vorsieht, dass die Gebührenbefreiungen, die früher dem ORF refundiert worden sind, einfach nicht mehr refundiert werden. (Abg. Morak: Das stimmt nicht!) – Das stimmt natürlich! (Abg. Morak: Das stimmt nicht!) – Selbstver­ständlich stimmt das! Und gleichzeitig dreht man über die Finanzen an der Daumen­schraube.

Die Gebührenbefreiungen von einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind wichtig, sind notwendig, sie sollen auch bleiben, nur können sie keine unternehmenspolitische Maß­nahme sein, sondern sind eine Maßnahme, die die Politik haben will und wo es darum geht, dass der Ersatz für diesen Einnahmeausfall natürlich auch über die Politik kommt. Daher bringe ich einen zweiten Entschließungsantrag ein:

Entschließungsantrag

Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat umgehend eine Regierungs­vorlage vorzulegen, die eine Refundierung der Gebührenbefreiungen an den ORF zum Ziel hat.

*****

Wenn der Kollege Morak jetzt den Saal verlässt, dann muss man dazu sagen, dass das allein dazu geführt hätte, dass eigentlich die Gebührenerhöhung nicht notwendig gewesen wäre, weil die Größenordnung der Gebührenerhöhung heuer in etwa so viel ausgemacht hat wie die Gebührenbefreiung. Und wenn Sie über die große Belastungs­welle reden, dann müssen Sie schon dazusagen, dass Sie dafür verantwortlich sind, dass das die Konsumenten und Konsumentinnen bezahlen müssen, und nicht so, wie es ursprünglich sinnvoll wäre, als sozial ... (Abg. Mag. Donnerbauer: Wir waren nicht für die Gebührenerhöhungen, bitte!)

Herr Donnerbauer, Sie haben offenbar Probleme mit Sinn erfassendem Zuhören, muss ich feststellen. Die Argumentation war genau das, dass Sie eine Maßnahme geschaf­fen haben, die zu Einnahmeausfällen beim ORF führt, und gleichzeitig dann gegen eine Gebührenerhöhung angehen. Hätten Sie für diese Einnahmenausfälle nicht ver­antwortlich gezeichnet, wären die Gebührenerhöhungen nicht notwendig gewesen. (Beifall bei den Grünen. – Zwischenrufe der Abg. Mag. Hakl.)

Es ist offenbar schwierig. Ich kann es ja noch einmal probieren, Ihnen das zu erklären, aber leider reicht meine Redezeit nicht. Vielleicht geht es beim dritten Mal. Es ist aller­dings nicht so schwierig: Ein Argument – ein zweites, und passt es zusammen, dann gibt es einen Schluss daraus. Aber das geht offenbar gar nicht so einfach. (Abg. Mag. Donnerbauer: Das passt nicht zusammen!) – Das merkt man bei Ihnen, dass vieles nicht zusammenpasst. Das ist richtig.

Letzter Punkt: unabhängige Medienbehörde. – Da treffen wir uns ja wieder in dieser Forderung, denn es ist auch für uns nicht nachvollziehbar, dass das, was eigentlich im Regierungsübereinkommen vereinbart worden ist, nicht auch umgesetzt wird, dass es wirklich eine unabhängige Medienbehörde geben soll, in der die Kompetenzen gebün­delt sind, die ja in Österreich nach wie vor verteilt sind, was verschiedenste Formen von Medienförderung – in verschiedene Töpfe im Übrigen – betrifft. Das hat man auch im Ausschuss gesehen, in dem wir über verschiedene Formen unterschiedlicher Fonds diskutiert haben, wo es schon Sinn macht, hier eine gemeinsame Stelle zu haben, die


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 130

auch für die Vergabe der Mittel zuständig ist. – Warum sich die SPÖ so dagegen sperrt, ist auch für uns nicht nachvollziehbar.

Unabhängig heißt eben, dass sie weisungsfrei ist, und das haben wir jetzt nicht. Es wä­re hoch an der Zeit, dass man auch andere Dinge in Angriff nimmt, wie beispielsweise die Frage eines Presserats, der in Österreich auch so nicht mehr existiert. Zum Bei­spiel wäre die Berichterstattung rund um diesen Fall in Amstetten und wäre die Frage der Übergriffe in die Privatsphäre der Opfer durchaus etwas, wofür es eine Behörde geben sollte, die sich damit auch befassen kann und entsprechende Kompetenzen haben sollte. Auch das wäre ein Teil, der in einer unabhängigen Medienbehörde aufge­hen könnte.

Ich weiß ja nicht, ob in dieser Periode noch irgendetwas kommt. Sie wahrscheinlich auch nicht. Wenn es so weit ist, wäre es durchaus interessant, einmal zu schauen, in­wiefern man hier einen Mehr-Parteien-Antrag zustande bringt, weil das etwas ist, was eine Materie ist, die nicht allein von der Regierung verhandelt werden müsste. – Dan­ke. (Beifall bei den Grünen.)

14.14


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Die beiden Entschließungsanträge der Abgeordneten Brosz und KollegInnen sind ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und stehen daher auch mit zur Verhandlung.

Die Anträge haben folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Dieter Brosz und KollegInnen

betreffend ORF-Bericht gemäß § 8 ORF-G als Verhandlungsgegenstand des Parla­ments

eingebracht im Zuge der Debatte über den Bericht des Verfassungsausschusses über den Tätigkeitsbericht der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH gemäß § 7 Abs 2 KOG für das Geschäftsjahr 2006, vorgelegt von der Bundesministerin für Frau­en, Medien und öffentlichen Dienst im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Ver­kehr, Innovation und Technologie (III-63dB)

Gemäß § 8 ORF-Gesetz hat der ORF dem Nationalrat einen jährlichen Bericht vorzu­legen. Laut § 21 GOG-NR sind nur bestimmte Berichte an den Nationalrat Verhand­lungsgegenstände des Nationalrats. Der ORF-Bericht ist hier nicht genannt. Sehr wohl ist aber jeder von einem Regierungsmitglied vorgelegte Bericht in Verhandlung zu neh­men. Gerade aus Anlass des Vertragsverletzungsverfahrens gegen die Republik Ös­terreich ist es angebracht, dass der Gesetzgeber selbst, also derjenige, der dem öffent­lichen Rundfunk spezielle öffentliche Aufträge erteilt hat, den Bericht des ORF über die Erfüllung dieser Aufträge in Verhandlung nimmt. Die Generaldirektion Wettbewerb war in ihrem Mahnschreiben im Jänner 2008 der Auffassung, dass es sich bei der Finanzie­rung durch Programmentgelt um eine staatliche Beihilfe im Sinne von Artikel 87 (1) EGV handle. Diesen vorläufigen Bedenken könnte jedoch unter anderem mit „Maßnah­men, die eine angemessene nachträgliche Kontrolle der Erfüllung des Auftrags auf der Grundlage eines näher konkretisierten öffentlichen Auftrags erlauben,“ entgegengetre­ten werden.

Neben der vorgeschlagenen Behandlung des ORF-Berichts im Nationalrat bleibt die Forderung der Grünen auf Einrichtung einer unabhängigen Medienbehörde natürlich aufrecht.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 131

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag:

Der Nationalrat wolle beschließen:

Die Bundesministerin für Frauen, Medien und öffentlichen Dienst wird ersucht, den letzten Bericht des ORF gemäß § 8 ORF-Gesetz dem Nationalrat vorzulegen, damit dieser ihn in Verhandlung nehmen kann.

*****

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Brosz und KollegInnen

betreffend Refundierung der Gebührenbefreiungen an den ORF

eingebracht im Zuge der Debatte über den Bericht des Verfassungsausschusses zum Tätigkeitsbericht der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH gemäß § 7 Abs. 2 KOG für das Geschäftsjahr 2006, vorgelegt von der Bundesministerin für Frauen, Me­dien und öffentlichen Dienst im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie (III-63dB)

Durch die gesetzlich verfügten Gebührenbefreiungen verliert der ORF rund 50 Millio­nen Euro jährlich an Einnahmen. Diese Gebührenbefreiungen sind natürlich aus öffent­lichem Interesse gerechtfertigt, jedoch sollte die öffentliche Hand dem Wirtschafts­unternehmen ORF diesen Einnahmensentgang ersetzen. Hätte man dies frühzeitig vorgesehen, so wäre die letzte Gebührenerhöhung nicht notwendig gewesen.

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag:

Der Nationalrat wolle beschließen:

Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat umgehend eine Regierungs­vorlage vorzulegen, die eine Refundierung der Gebührenbefreiungen an den ORF zum Ziel hat.

*****

 


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Vilimsky. 4 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung. – Bitte.

 


14.14.16

Abgeordneter Harald Vilimsky (FPÖ): Frau Präsident! Frau Minister! Meine sehr ge­ehrten Damen und Herren! Sie sollten einmal sehen, wie Sie miteinander umgehen. Kam von der einen Seite der Vorwurf, das sei die „Metternich-Politik“, so kam, wenn auch nicht ausgesprochen, wahrscheinlich von der anderen Seite der Vorwurf zurück, das sei die „Dollfuß-Politik“. In Summe zeigt der Zustand dieser Koalition die Zerrüt­tung, in der Sie sich befinden. (Abg. Morak: Na geh!) Ein Beweis dafür, warum Sie in der Sache selbst eigentlich nichts weiterbringen, und warum Sie auch in der Medien­politik nichts weiterbringen.

Geben Sie mir die Möglichkeit, anlässlich des Berichts hier auf einen Missstand hinzu­weisen, der sich aufgrund einer Verordnung der RTR im Österreichischen Rundfunk


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 132

breitmacht. Ich habe mir hier – ich gebe es Ihnen nachher gerne – ein Bild aus „Dan­cing Stars“ ausgedruckt, eine sogenannte Bildschirmaufnahme, wo man für seine Lieb­linge voten kann, wie es so schön auf Neudeutsch heißt, in dem Fall für Andy und Julia. Was man in dem Zusammenhang nicht sieht, ist hier ein ganz kleiner Verweis, wo der ORF satte 50 Cent pro Voting in Anspruch nimmt.

Wir sind darauf aufmerksam geworden, als uns Anrufer erreicht haben, die eine Tele­fonrechnung von über 1 000 € hatten, weil sie mit sehr viel Hingabe ihre Andys und Julias und wie sie alle heißen mögen unterstützt und einfach nicht gesehen haben, dass der ORF hier kräftig zur Kassa bittet. Ich meine, das ist ein mehr als abschaffens­werter Missstand, und es sollte nicht sein, dass der Österreichische Rundfunk, der ohnehin auf der einen Seite durch ein ungerechtes Zwangsgebührensystem finanziert wird, satte Werbeeinahmen hat und hier zusätzlich in die Kassen der Seher greift und mit Mehrwertdiensten für große Überraschungen sorgt. (Abg. Mag. Donnerbauer: Das ist ein starkes Stück!)

Ich bringe daher folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

Der Nationalrat möge beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zu­zuleiten, die ein Verbot der Verwendung von Mehrwertnummer-Diensten, wie sie bei­spielsweise bei ,Voting-Sendungen‘ verwendet werden, durch den ORF vorsieht.“

*****

In diesem Zusammenhang ist, glaube ich, auch ganz kurz ein generelles Wort zum ORF und zur Gebührsituation angebracht. Wir sehen beim ORF historische Rekorde: Wir sehen einen historischen Rekord, dass die Quote im Keller ist. Wir sehen gleichzei­tig den historischen Rekord, dass die Gebührensituation im obersten Stockwerk ange­langt ist. Wir sehen gleichzeitig einen Rekord im Programmqualitätseinbruch; und ich rede da nicht von „Mitten im Achten“, sondern ich rede von einer Reduktion qualitäts­stiftender Programme und Sendungen im Österreichischen Rundfunk, wodurch sehr, sehr viele Seher sich auch vom ORF abwenden, da das, was der ORF einmal geboten hat, nicht mehr zu finden ist.

Ich denke etwa an den Bereich Nachhilfe. 70 Millionen € zahlen die österreichischen Eltern jedes Jahr für Nachhilfe, und der ORF, der früher noch im Bereich Mathematik, Sprachen, Englisch, Französisch, Italienisch bis hin zu Russisch Lern-Sendungen brachte, hat das alles Zug um Zug gestrichen. Wir hatten eine eigene Seniorenleiste im ORF – die ist auch mehr oder minder weg. Wir hatten qualitätsvolle Kinderproduktio­nen. – Auch sie sind mehr oder minder weg.

Dafür gibt es Soap Operas, dafür gibt es billigen Abklatsch der Privatsender und zu­dem eine Zwangsgebührensituation, gekoppelt noch mit satten Werbezeiten. Das alles ist unter dem Strich eine Situation, die mich das System der Gebührenhoheit in Frage stellen lässt, noch dazu, wo im Direktorium des ORF Gagen kassiert werden, die das Doppelte dessen ausmachen, was Kanzler und Bundespräsident vereinnahmen. Das soll nicht heißen, dass der Bundeskanzler sein Geld nicht wert ist, auch wenn der ak­tuelle es vielleicht nicht wert sein mag, aber prinzipiell ist die Situation dergestalt, dass hier eine Verhältnismäßigkeit hinten und vorne nicht mehr gegeben ist. (Beifall bei der FPÖ.)

Es ist die Zeit reif, diesen Anachronismus des vergangenen Jahrhunderts, eine Zwangsgebührensituation für einen Sender beizubehalten, wo jeder mehr als 60,


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 133

70, 80 Programme empfangen kann, endlich einmal zu beseitigen. Es gibt noch im-
mer die Internetpetition www.weg-mit-den-orf-gebuehren.at. Sie hat mittlerweile über 130 000 Unterstützer und läuft noch bis Jahresende. Ich bin guter Dinge, dass hier einiges in Bewegung kommen wird.

Auch im Zusammenhang mit der Medienbehörde, die vielleicht eine „Metternich“- oder „Dollfuß“-Behörde oder was auch immer sein mag, ist die Zeit reif, eine Medienpolitik für die Zukunft zu gestalten, die auch wirklich den Namen einer Medienpolitik verdient und nicht weiter den Regierungsgriff auf die heimische Medienlandschaft zulässt. – Danke sehr. (Beifall bei der FPÖ.)

14.19


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Der Entschließungsantrag ist ausrei­chend unterstützt, ordnungsgemäß eingebracht und steht daher mit zur Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Vilimsky und weiterer Abgeordneter

betreffend Verbot von Mehrwertdiensten im ORF-Programm

eingebracht im Zuge der Debatte zum Tagesordnungspunkt 4, Bericht des Verfas­sungsausschusses über den Tätigkeitsbericht (III-63 d.B.) der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH gemäß § 7 Abs. 2 KOG für das Geschäftsjahr 2006, vorgelegt von der Bundesministerin für Frauen, Medien und öffentlichen Dienst im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie (603 d.B.) in der 63. Sit­zung des Nationalrates am 6. Juni 2008

Der immer größer werdende Anteil an „Voting-Sendungen“ im öffentlich-rechtlichen ORF-Programm und vor allem die Art und Weise, wie der ORF seinen gebührenver­pflichteten Zusehern hier das Geld aus der Tasche zieht, sorgt für großen Unmut in der Bevölkerung.

Der ORF finanziert sich durch exorbitante Programmentgelte, durch Werbeanteile im Programm, welche international bei anderen öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen nicht erreicht werden, und nun zunehmend auch über kostenpflichtige „Voting-Sendun­gen“.

Gerade ältere und sehbehinderte Konsumenten haben oft nicht die Möglichkeit, Ein­blendungen, die oft extrem klein und mit sehr niedrigem Kontrast die entstehenden Kosten angeben, erkennen zu können.

Als Beispiel werden hier zwei (Such-)Bilder aus der ORF-Fernsehsendung „Dancing Stars“ aus dem Jahr 2006 abgebildet. Wo versteckt sich die Entgeltinformation?

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag

Der Nationalrat möge beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zu­zuleiten, die ein Verbot der Verwendung von Mehrwertnummer-Diensten, wie sie bei­spielsweise bei ,Voting-Sendungen‘ verwendet werden, durch den ORF vorsieht.“

*****

 



Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 134

Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Scheibner. 3 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung. – Bitte.

 


14.19.20

Abgeordneter Herbert Scheibner (BZÖ): Frau Präsidentin! Frau Bundesminister! Meine Damen und Herren! Dem Umstand, dass wir hier heute über einen Bericht dis­kutieren, der in der letzten Zeit oder normalerweise im Ausschuss enderledigt wird ... – Oder umgekehrt: Wir verdanken es dem Umstand, dass heute wenige Tagesordnungs­punkte zu besprechen sind, dass wir heute über diesen Bericht diskutieren können. Wobei wir, so glaube ich, über einen zum Teil sehr fachspezifischen Bericht intensiver und besser im Ausschuss diskutiert haben und das auch in Zukunft so halten werden.

Und es war eine intensive Diskussion, in Ansätzen hat sich das jetzt wieder hier ge­zeigt. Ich glaube, dass der Bericht auch sehr umfassend und informativ ist. Deshalb auch vonseiten meiner Fraktion der Dank an die Autoren.

Die von meinem Vorredner angesprochene Problematik dieser Mehrwertdienste findet sich auch in dem Bericht wieder. Das betrifft nicht nur den ORF, sondern auch andere Anbieter verdienen sich damit ein ordentliches Körberlgeld, vor allem mit Abonne­ments. Wenn man gar nicht mitbekommt, dass man ein Abonnement bestellt hat, dann wird es wirklich bedenklich. Und man sollte sich einmal überlegen, was man dagegen tun kann.

Beim ORF verstehe ich schon den Ärger, vor allem jetzt, über die Höhe der Gebühren. Wenn der Tarif erhöht wird, muss man sich die Frage stellen, vor allem als öffentlich-rechtliches Unternehmen, was man mit diesem Geld alles anstellt, ob man es effizient verwendet. Ich sage aber auch, der ORF sollte nicht so defensiv sein. Ich glaube, die Versuche, die Unterbrecherwerbung auch im ORF umzusetzen, sind ja jetzt wieder ein bisschen in den Hintergrund getreten. Ich meine, gerade dieser Umstand wird einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile für den öffentlich-rechtlichen Bereich werden, nämlich dass man sich da einen Film zur Gänze ohne Unterbrechungen und in einer halbwegs annehmbaren Zeit anschauen kann. Im Vergleich dazu gibt es bei den Privatfernseh­anstalten einen ausufernden Einsatz dieser Unterbrecherwerbung, wo man für einen Film, der eineinhalb Stunden dauert, dann schon zwei Stunden braucht, um ihn wirklich auch bis zum Ende ansehen zu können.

Wir unterstützen die Initiative der Grünen, dass die sozialen Ermäßigungen bei der Ge­bühr vom Staat, so wie das auch bei den Bundesbahnen der Fall ist, ersetzt werden. Hier soll es wirklich eine Kostenwahrheit geben. Wir glauben aber, dass es gerade bei der Gebührenbefreiung von behinderten Menschen eine unübliche und unnotwendige Bürokratie gibt, mit der diese Menschen konfrontiert werden. Wir haben einen entspre­chenden Selbständigen Antrag eingebracht, der seit einem Jahr im Ausschuss liegt. Wir haben ihn in der letzten Ausschusssitzung diskutiert, und ich musste mir von bei­den Koalitionsparteien anhören, der Antrag ist zwar grundsätzlich in Ordnung, aber man muss noch darüber diskutieren. Ich weiß nicht, was hier noch zu diskutieren ist, das ist uns dort auch nicht gesagt worden – außer dass es wieder diesen unmöglichen Usus gibt, dass man über Oppositionsanträge ganz einfach nicht abstimmen lassen möchte.

Wenn das ohnehin alles in diesem Antrag in Ordnung ist, wie Sie gesagt haben, dann können Sie ja zustimmen, und ich gebe Ihnen jetzt die Möglichkeit, das auch zu tun, und bringe diesen Entschließungsantrag als Unselbständigen Antrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Scheibner, Dolinschek, Ing. Westenthaler und Kollegen betreffend Rundfunkgebühren-Reformpaket


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 135

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie wird aufgefordert, umfas­send ein Rundfunkgebühren-Reformpaket vorzulegen, welches mindestens folgende Punkte umfasst:

angemessene Anhebung der Einkommensgrenze für die Gebührenbefreiung behinder­ter oder pflegebedürftiger Menschen;

dauerhafte Gebührenbefreiung für dauerhaft behinderte oder pflegebedürftige Men­schen;

Gebührenbefreiung auch für durch die Behinderung notwendige Zweitwohnsitze;

Erhöhung der barrierefreien Sendungen auf mindestens 50 Prozent des Programman­gebotes; verpflichtende Einführung der Gebärdensprache bei Nachrichtensendungen;

Sicherstellung, dass nur derjenige rundfunkgebührenpflichtig ist, der das Programman­gebot des ORF auch tatsächlich empfangen kann;“

Ein ganz wichtiger Punkt, der immer wieder zu Unmut führt.

„Sicherstellung, dass das Programmangebot des ORF durch geeignete Methoden der Verschlüsselung beziehungsweise Anmeldung nur Rundfunkgebührenpflichtige emp­fangen können, und damit Gebühren nicht durch bloße technische Empfangsmöglich­keiten wie insbesondere Computer mit Internetanschluss oder TV-Karte fällig werden.“

*****

Also ich glaube, ein Antrag, dem man zustimmen kann und den man nicht auf die lan­ge Bank schieben muss, gerade wenn es darum geht, zu zeigen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seiner Sonderstellung und Gebühren doch auch einen Sinn haben soll. (Beifall beim BZÖ.)

14.24


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Der von Herrn Abgeordnetem Scheibner eingebrachte Entschließungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht daher mit zur Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

der Abg. Herbert Scheibner, Sigisbert Dolinschek, Ing. Peter Westenthaler und Kolle­gen betreffend Rundfunkgebühren-Reformpaket

eingebracht im Zuge der Debatte zu TOP 4: Bericht des Verfassungsausschusses über den Tätigkeitsbericht (III-63 d.B.) der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH ge­mäß § 7 Abs. 2 KOG für das Geschäftsjahr 2006, vorgelegt von der Bundesministerin für Frauen, Medien und öffentlichen Dienst im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie

Obwohl Menschen mit besonderen Bedürfnissen aus gutem Grund von diversen Ge­bühren befreit sind, wird ihnen dies im Zusammenhang mit der Befreiung von den Rundfunkgebühren mit allen möglichen Mitteln erschwert wenn nicht sogar unmöglich gemacht.

Gemäß § 51 Abs. 2 der Fernmeldegebührenordnung ist die Gebührenbefreiung mit höchstens fünf Jahren zu befristen. Nach Auskunft unmittelbar Betroffener ist es jedoch


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 136

gelebte Praxis, dass eine Befreiung seitens der zuständigen GIS Gebühren Info Ser­vice GmbH auf maximal ein bis zwei Jahre befristet wird, so dass fast alljährlich neu angesucht werden muss. Zudem wird seitens der GIS Gebühren Info Service GmbH mit allen Mitteln versucht, Befreiungen abzulehnen. Den unterzeichneten Abgeordne­ten sind nahezu einhundert Fälle von Personen bekannt, welche jahrelang im Genuss einer Befreiung gestanden sind und deren Antrag auf Rundfunkgebührenbefreiung, ohne dass sich ihre Lebensumstände geändert hätten, dennoch abgelehnt wurde.

Unter diesen befinden sich auch Personen mit erhöhtem Betreuungsbedarf und somit höheren Lebenserhaltungskosten. Manche haben zudem trotz Behinderung eine Fa­milie mit ein oder mehreren Kindern zu versorgen, wo jede Mehrbelastung für jedes Familienmitglied spürbar ist. In vielen Fällen scheitert eine Befreiung daran, dass die Existenzminimumgrenze (= Haushalts-Nettoeinkommen unter Ausgleichszulagenricht­satz zuzüglich 12 %) knapp überschritten wird, weil diese aufgrund des höheren Be­darfs viel zu niedrig angesetzt ist. Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen müssen bei Überschreitung der Einkommensgrenzen volle Gebühren entrichten, obwohl nur zehn Prozent der ausgestrahlten Sendungen barrierefrei mit Untertitel oder akusti­schen und grafischen Bildsignalen ausgestattet sind (und dabei handelt es sich meist um veraltete Wiederholungen). Insbesondere Nachrichtensendungen sollten verpflich­tend Gebrauch von einer Übersetzung in die Gebärdensprache machen müssen.

Immer wieder fragen sich Konsumenten, die ihr Fernsehprogramm über Satellit bezie­hen und damit ORF 1 und ORF 2 nicht empfangen können, ob sie denn verpflichtet wären, die Fernseh- und Rundfunkgebühren zu begleichen. Denn warum für den ORF bezahlen, wenn man doch gar keine Gegenleistung erhält?

Die Antwort lautet bedauerlicherweise: ja. Die Rundfunkverordnung, welche die Vor­schreibung der Rundfunk- und Fernsehgebühr regelt, legt fest, dass bereits bei der Er­richtung (in diesem Fall das Aufstellen eines Fernsehers oder Radios) und beim Be­trieb einer Empfangsanlage (Empfang des Fernseh- oder Radioprogramms) die Ver­rechnung der Rundfunkgebühr gerechtfertigt ist. Das heißt, unabhängig davon, ob man den ORF überhaupt empfangen kann oder das ORF-Programm nutzt oder nicht, die Rundfunk- und Fernsehgebühr wird fällig.

Ebenso unbefriedigend verhält es sich für Private, die einen Computer mit Internetan­schluss besitzen. Da man damit über das Internet Radiosendungen empfangen kann, handelt es sich hierbei um eine Rundfunkempfangseinrichtung, deren Betriebsbereit­schaft (!) gebührenpflichtig macht.

Bei Unternehmen wird für betriebseigene Radios und Fernseher die Gebühr nach der so genannten Zehnerregel berechnet (pro zehn Geräte muss nur einmal bezahlt wer­den). In Unternehmen ist daher pro zehn „Rundfunkempfangseinrichtungen“ eine Ge­bühr zu entrichten, obwohl der Gesetzgeber nie daran gedacht hat, pro zehn PCs in einem Unternehmen eine Gebühr zu fordern. Die GIS hiezu: „Es ist nicht im Interesse der GIS, sämtliche in Unternehmen und Institutionen befindlichen internettauglichen Geräte mit einer Rundfunkgebühr zu belegen. Ein genereller Verzicht auf PCs, die Rundfunkempfang ermöglichen, ist nicht möglich, da einerseits vom Gesetzgeber nicht vorgesehen und andererseits hinsichtlich der künftigen "All-in-one-Units" nicht präzi­sierbar und offen für Missbrauch.“ Es werde daher an einer eindeutigen, für alle akzep­tablen Regelung gearbeitet.

Die Situation verschärft sich durch die Möglichkeit des Empfangs von Radio- und (durch die Regierungsvorlage) Fernsehsendungen z.B. mit Handies oder anderen Mul­tifunktionsgeräten. Der Konsument kann bei derartigen Geräten einzelne Funktionen derzeit nicht ablehnen und wird daher schon durch den Besitz eines derartigen Gerätes GIS-gebührenpflichtig. Dies alles obwohl es dem ORF durchaus möglich wäre, den Zu-


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gang zu seinen im Internet gebotenen Leistungen nur berechtigten Nutzern zu eröff­nen.

Aus diesen Gründen stellen die unterzeichneten Abgeordneten folgenden

Entschließungsantrag:

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Der Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie wird aufgefordert, umge­hend ein Rundfunkgebühren-Reformpaket vorzulegen, welches mindestens folgende Punkte umfasst:

angemessene Anhebung der Einkommensgrenze für die Gebührenbefreiung behinder­ter, oder pflegebedürftiger Menschen;

dauerhafte Gebührenbefreiung für dauerhaft behinderte oder pflegebedürftige Men­schen;

Gebührenbefreiung auch für durch die Behinderung notwendige Zweitwohnsitze;

Erhöhung der barrierenfreien Sendungen auf mindestens 50% des Programmangebo­tes; Verpflichtende Einführung der Gebärdensprache bei Nachrichtensendungen;

Sicherstellung, dass nur derjenige rundfunkgebührenpflichtig ist, der das Programman­gebot des ORF auch tatsächlich empfangen kann;

Sicherstellung, dass das Programmangebot des ORF durch geeignete Methoden der Verschlüsselung bzw. Anmeldung nur Rundfunkgebührenpflichtige empfangen können, und damit Gebühren nicht durch bloße technische Empfangsmöglichkeiten wie insbe­sondere Computer mit Internetanschluss oder TV-Karte fällig werden.“

*****

 


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesministerin Bures. – Bitte.

 


14.24.48

Bundesministerin für Frauen, Medien und öffentlichen Dienst Doris Bures: Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Ich bin sehr froh darüber, dass eingangs eigentlich alle Fraktionen festgestellt und festgehalten haben, dass wir im Verfassungsausschuss eine sehr ausführliche Debatte über den Tätigkeits­bericht der RTR-GmbH geführt haben.

Ich möchte ergänzend sagen – weil der Herr Abgeordnete Scheibner auch betont hat, dass es eine sehr ausführliche Diskussion gegeben hat –, dass diese schon auch statt­gefunden hat, wo es darum gegangen ist, den behinderten Menschen, nämlich vor allem hörbehinderten Menschen, in Österreich den Zugang zum Fernsehen zu erleich­tern. Ich möchte nur in Erinnerung rufen, dass ich schon im Ausschuss festgehalten habe, dass wir auf europäischer Ebene mit der Mediendiensterichtlinie sehr intensiv dafür gesorgt haben, dass es ein gesamteuropäisches Anliegen ist, Fernsehen auch Menschen mit Behinderungen näher zu bringen und die Chance zu geben, an dieser Information auch teilnehmen zu können.

Und ich habe auch darüber informiert, dass wir in Österreich, gerade was den ORF be­trifft, eine sehr positive Entwicklung haben, nämlich was die Anzahl jener Sendungen betrifft, die untertitelt sind, was ja ganz wichtig ist, damit wir diese Menschen von der Informationsgesellschaft, vom Fernsehen nicht ausschließen. Mir war das deshalb


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auch wichtig zu ergänzen, weil ich glaube, dass das eine Gruppe von Menschen ist, die jede Unterstützung der Gesellschaft benötigen, der wir auch wirklich nachkommen.

Der vorliegende Bericht und auch die Wortmeldungen zeigen, welche Fülle von Aufga­ben die Regulierungsbehörde im Rundfunk- und Telekombereich heute schon wahr­nimmt, und ich möchte auch ergänzen, dass das sehr erfolgreich und sehr professio­nell abgewickelt wird.

Auch ich möchte die Gelegenheit heute wahrnehmen, die Anerkennung und den Dank jenen auszusprechen, die diese Tätigkeit in dieser professionellen Art und Weise ab­wickeln, und mich bei allen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der RTR-GmbH bedanken, die neben all den Funktionen und umfangreichen Aufgaben, die sie haben, auch einen wesentlichen Beitrag geleistet haben – heute reden alle von der EURO, es gibt eigentlich seit Tagen kein anderes Gesprächsthema mehr –, was Mo­bile TV und Handy-Fernsehen betrifft. Die RTR hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass wir heute Handy-Fernsehen rechtzeitig freischalten können und es in den nächsten Tagen wahrscheinlich keinen Ort in Österreich mehr geben wird, wo man nicht die EURO 2008 auch auf dem Handy mitverfolgen kann. Das ist auch dank des Nationalrats passiert, weil die gesetzlichen Voraussetzungen dafür hier einstimmig von Ihnen beschlossen wurden, wofür ich mich auch recht herzlich bedanken möchte.

Zum ganzen Themenbereich Reform der Regulierungsbehörde möchte ich Sie darüber informieren, dass mein Ressort und alle Expertinnen und Experten in den letzten Wo­chen unzählige Gespräche mit allen in der Branche Tätigen geführt haben, dass wir vereinbart haben, dass bis zum Herbst ein Entwurf für die Reform der Medienbehörde vorliegen wird. (Zwischenruf der Abg. Mag. Hakl.) Mir ist das nicht nur deshalb wichtig, Frau Abgeordnete Hakl, weil wir in der Koalition das im Regierungsübereinkommen vereinbart haben, dass es zu einer Unabhängigkeit der Regulierungsbehörde, der Me­dienbehörde in diesem Zeitplan kommen soll, sondern auch deshalb, weil es mir wich­tig ist, dass auch in diesen Fragen Österreich nicht hinter europäischen Standards nachhinkt. Und daher werden wir das tun.

Was mir wichtig ist zu sagen: Das Argument, wenn es Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt, es läge daran, dass es die unabhängige Medienbehörde noch nicht gibt, ist deshalb ein völlig falsches Argument, weil der Bundeskommunikationssenat
als Aufsichtsbehörde gegenüber dem ORF eine unabhängige Medienbehörde ist, wo es kein Weisungsrecht seitens der Medienministerin oder der Bundesregierung gibt. Und daher ist es mir wichtig, dass wir für alle Bereiche das schaffen, was heute für den ORF schon gilt, nämlich eine unabhängige Medienbehörde, europäische Standards
in allen Bereichen. Und ich möchte sagen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KommAustria leisten dort wirklich gute Arbeit, ihre Leistungen sind in der Branche auch höchst anerkannt. Sie haben es nicht verdient, dass diese Behörde mit dem Salzamt verglichen wird.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mir ist es immer wichtig, alle miteinzubezie­hen, und ich möchte zwei ganz kurze Punkte aus dem Bericht, die mir zukunftsweisend erscheinen, hervorheben. Das eine ist die Digitalisierung, wo wir in Österreich eine sehr zügige Entwicklung eingeschlagen haben, auch mit Unterstützung des Digitalisie­rungsfonds. Und das Zweite, was ich als ein wesentliches Instrument hervorstreichen möchte, ist der Fernsehfilmförderungsfonds, ein Instrument, bei dem es darum geht, den Medienstandort, auch was den kreativen Teil betrifft, in Österreich zu sichern, ein Instrument, das neben der Förderung der Kreativwirtschaft viele positive wirtschafts­politische und arbeitsmarktpolitische Auswirkungen hat.

Ich möchte Ihnen mitteilen, nachdem wir im Digitalisierungsfonds aufgrund des schnel­len Fortschreitens der Digitalisierung diesen Mittelaufwand nicht mehr haben werden,


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dass ich mit dem Finanzminister in intensiven Gesprächen darüber bin, diese Mittel, die aus dem Digitalisierungsfonds frei werden, dem so wichtigen Fernsehfilmförde­rungsfonds zukommen zu lassen. Durch ein Aufstocken der Mittel für den Fernsehfilm­förderungsfonds haben wir die Chance, bei den Kriterien und den Fördermöglichkeiten noch Verbesserungen vorzunehmen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, der Bericht wird hier einstimmig – zumindest ist das so im Ausschuss beschlossen worden – zur Kenntnis genommen werden. Er ist einer, der zeigt, wie umfassend und gut die Aufgaben in der Regulie­rungsbehörde wahrgenommen werden, ein lebender Beweis dafür, dass die Aufgaben dieser Behörde effizient erfüllt werden.

Ich möchte daher auch sagen, dass es mir ganz wichtig ist, dass wir Bewährtes und Gutes nicht abwerten, indem man hier von Zersplitterungen spricht. Auch aufgrund des Berichts erkennt man, wenn man ihn sehr aufmerksam liest, dass es sich hier um ein wirkliches Kompetenzzentrum handelt, dass von keiner Zersplitterung die Rede ist, sondern es in Wirklichkeit von allen Beteiligten am Markt große Anerkennung ge­genüber der RTR-GmbH und allen Regulierungsbehörden, ob das der Bundeskommu­nikationssenat oder die KommAustria ist, gibt, und darauf, finde ich, könnten wir stolz sein. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

14.32


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Als nächster Redner zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Dr. Wittmann. 2 Minuten wollen Sie sprechen. – Bitte.

 


14.32.44

Abgeordneter Dr. Peter Wittmann (SPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr ge­ehrte Frau Bundesminister! Hohes Haus! Zunächst einmal möchte ich nicht verhehlen, ich war einer der größten Skeptiker dieser Behörde, als sie eingeführt wurde. Ich muss meine Skepsis zurückziehen, die Arbeit, die dort geleistet wird, ist hervorragend, her­zeigbar, wie auch dieser Bericht, der sehr umfangreich gestaltet ist, zeigt. Ich wurde also in dieser Hinsicht eines Besseren belehrt. Auch das muss einmal gesagt werden. (Beifall bei der SPÖ.)

Zu den aufgeworfenen Fragen. Ich bin hinsichtlich des Entschließungsantrags der Grü­nen durchaus der Meinung, dass man darüber reden sollte, dass es nicht möglich ist, dass man einem Unternehmen Sozialhilfeaufgaben überträgt. Das kann nicht funktio­nieren. Ich glaube, da sollte man wirklich darüber diskutieren, dass Sozialhilfe, die man gewährt, von der der Staat will, dass man sie den Bedürftigen gibt, auch von dort be­zahlt werden sollte, wo über sie sozusagen entschieden wurde, nämlich von der Politik. Ich glaube, dieser Entschließungsantrag wäre ein guter Anlass – es ist ein bisschen zu früh, weil er noch nicht diskutiert ist –, darüber zu diskutieren, das auch zu refundieren. Es kann nicht angehen, dass man das einem Unternehmen umhängt.

Ein bisschen sollte man sich in der Diskussion auch klar werden, ob man ein gebüh­renrechtliches Fernsehen will oder nicht. Viele dieser Anträge zielen darauf ab, das gebührenrechtliche Fernsehen zu ruinieren. Das ist auch nicht zweckdienlich, denn in ganz Europa hat man sich dazu entschieden, einen Teil gebührenrechtlich, einen Teil rein marktwirtschaftlich zu gestalten. Der gebührenrechtliche Teil hat auch Aufträge zu erfüllen, wie etwa den kulturellen Auftrag, und muss der Informationspflicht nachkom­men. All diese Aufgaben können die Privaten nicht so erfüllen wie ein Gebührenrecht­licher. Daher sollte nicht immer alles darauf abzielen, den Gebührenrechtlichen in Schwierigkeiten zu bringen, es wird wohl eine Koexistenz beider Varianten zu erzielen sein.


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Eines der gelungensten Beispiele, wo das funktioniert, ist der Fernsehfilmförderungs­fonds, der Fernsehfonds Austria. Das ist eine gelungene Einrichtung, die 7,5 Millio­nen € in die Filmwirtschaft steckt. Wenn man weiß, dass dann 25 Millionen € an volks­wirtschaftlichem Volumen hier in Österreich generiert werden, dann hat man einen Mul­tiplikator, der sich herzeigen lässt. Ich glaube, nicht in vielen Bereichen hat man einen derartigen Multiplikator bei Förderungen.

Aber noch darüber hinaus: Von 35 Produktionen, die gefördert wurden, waren 25 in Kooperation mit ausländischen Unternehmen. So wurden mehr als 50 Millionen € an Herstellungskosten generiert. Das ist ein gut eingesetztes Geld, und ich glaube, wenn man jetzt von einer Erhöhung der Mittel spricht, dann ist man auf dem richtigen Weg, erstens für die Filmwirtschaft, aber auch, Förderungen richtig einzusetzen. (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Morak.)

14.35


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Donnerbauer. 3 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


14.35.39

Abgeordneter Mag. Heribert Donnerbauer (ÖVP): Frau Präsidentin! Frau Bundesmi­nisterin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ein Teil dieses Berichts, den wir hier diskutieren, hat sich mit den vielfältigen Aufgaben der RTR-GmbH, unter anderem mit der Aufgabe, die Einhaltung der Werbebestimmungen zu überprüfen, beschäftigt. Es war für mich schon symptomatisch, dass meine Nachfrage in nur zwei Punkten dieser Aufgabe der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH – nämlich betreffend die ge­ringe Frequenz der Prüfungen, die mir aufgefallen ist, und die Frage, welche Konse­quenzen denn Verstöße gegen Werbebestimmungen haben, weil die laut Bericht fest­gestellt wurden – gleich dazu geführt hat, dass Herr Kollege Cap der ÖVP vorgeworfen hat, sie stelle überhaupt den ORF und den öffentlich-rechtlichen Auftrag in Frage.

Für mich zeigt das einerseits, dass die Nerven irgendwo blank liegen, aus welchen Gründen auch immer, wenn es um die vermeintliche Pflichtverteidigung des ORF geht. Eines ist völlig klar: Die ÖVP steht zum ORF als starkem österreichischem Medien­unternehmen, und die ÖVP steht auch zum öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF, der auch bestehen bleiben soll. Warum man hier solche völlig ungerechtfertigten und un­zulässigen Ableitungen macht, kann ich nicht nachvollziehen. Es kann vielleicht sein, dass hier ein gewisser vorauseilender Gehorsam eine Rolle spielt, obwohl die SPÖ offensichtlich auch nicht mehr ganz zufrieden ist mit dem, was sich im ORF abspielt.

Wer vor einigen Tagen die Mitternachts-„ZiB“ gesehen hat, weiß es: Der Herr Kalina hat sich quasi ständig nur über die Berichterstattung des ORF beschwert. Ich glaube allerdings – das ist jetzt meine Vermutung –, es liegt nicht daran, dass der ORF keine Sympathien mehr für die SPÖ hätte oder umgekehrt, sondern eher daran, dass der Parteivorsitzende so viel Gelegenheit bietet zu berichten, dass selbst der ORF nicht daran vorbeigehen kann. Das ist, glaube ich, eher die Ursache.

Aber zurück zu dieser Frage. Das Problem beim ORF, auch wenn man zu ihm steht, auch wenn man zum öffentlich-rechtlichen Auftrag steht, ist natürlich die Marktmacht einerseits, die Marktmacht eines ehemaligen Monopolisten, der den Markt wirtschaft­lich beherrscht, auf der anderen Seite aber auch die Informationsmacht des ORF, die auch nicht zu übersehen ist. Mit dieser Informationsmacht des ORF ist natürlich auch ein gewisser politischer Einfluss und Druck letztlich verbunden. Und das schreit gera­dezu nach einer unabhängigen, unpolitischen, nicht politisch besetzten Medienbehör­de, die die Einhaltung der Spielregeln für alle ganz objektiv überprüfen soll.


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Dass das auch die Europäische Kommission so sieht, lässt sich ableiten aus einem Bericht, der erst vor einigen Wochen bekannt geworden ist und veröffentlicht wurde, wo gerade auch der ORF von der Europäischen Kommission geprüft wurde. Wie dann allerdings die Berichterstattung im ORF war, zeigt wieder diese von mir schon vorher angesprochene Informationsmacht.

Die Europäische Kommission hat zum Beispiel festgestellt: Die Generaldirektion Wett­bewerb ist der Auffassung, dass das allgemeine Erfordernis der sparsamen Verwaltung bei der Festsetzung der Höhe des Programmentgeltes nicht erfüllt wurde. – Der Herr Wrabetz hat in der Berichterstattung darüber daraus abgeleitet: Die Kommission hat festgestellt, dass wir im ORF die Rechnungslegungsvorschriften und die Transparenz­richtlinie sehr, sehr gut erfüllen, obwohl wir gesetzlich gar nicht dazu verpflichtet wären.

Das nur als ein Beispiel, die Zeit reicht nicht, es gäbe noch weitere Beispiele. Es zeigt nur eines ganz klar: Die Forderung der ÖVP und die Vereinbarung im Regierungsüber­einkommen, eine unabhängige Medienbehörde zu schaffen, ist aktueller denn je. (Bei­fall bei der ÖVP.)

14.39


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Hradecsni. 3 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung. – Bitte.

 


14.39.33

Abgeordnete Bettina Hradecsni (Grüne): Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Meine Damen und Herren! Frau Bundesministerin, eines vorweg: Ich finde das immer so schön, dass Sie so enthusiastisch über die Digitalisierung sprechen, sowohl des Fernsehens als auch jetzt DVB-H anlässlich der EURO.

Was ich jedoch vermisse – und wir haben das im Ausschuss ja kurz andiskutiert– ist: Wir wissen, dass es bei der Übertragung technische Probleme gibt. Das haben nahezu alle Parteienvertreter angesprochen. Ich würde mir wünschen, dass Sie sich da ein wenig stark machen. Sie haben gemeint, das fällt nicht in Ihren Zuständigkeitsbereich, das mag schon sein, aber ich denke, es müsste zumindest in Ihrem Interesse liegen, dass der Empfang von digitalisiertem Fernsehen überall einwandfrei funktioniert und je­dem zur Verfügung steht, zumal es sich dabei ganz im Speziellen eben um die Pro­gramme ORF 1 und ORF 2 handelt.

An und für sich wollte ich über den Tätigkeitsbericht der RTR sprechen, allerdings nur zu einem Teilbereich, und zwar über das Streitschlichtungsverfahren 2006. Ich denke, der Sinn eines Berichts ist ja nicht, ausschließlich das eine Jahr zu betrachten, sondern den Vergleich zu sehen, eine Entwicklung zu betrachten. Da wissen wir, dass es eben 2004 einen Höhepunkt bei den Streitschlichtungsverfahren gab, weshalb es dann zu einer Verordnung kam, zur Kommunikationsparameter-, Entgelt- und Mehrwertdienste­verordnung, die im Oktober 2006 novelliert wurde. Jetzt stellt sich heraus, dass das offensichtlich nicht ausreicht, weil wir mittlerweile bereits den Bericht der Schlichtungs­stelle 2007 haben. Dieser zeigt gerade im zweiten Halbjahr 2007 einen exorbitanten Anstieg der Zahl der Streitschlichtungsfälle. Und es wurde vermutet, dass sich dieser Anstieg 2008 fortsetzen wird.

In mehreren „Standard“-Artikeln hat der Telekom-Regulator Dr. Serentschy gemeint, dass es zu verschärften Maßnahmen kommen soll, sollten die Beschwerdezahlen nicht auf das Niveau von 2006 zurückgeführt werden können.

Da haben wir bereits den Vorschlag gemacht: Aus unserer Sicht wäre gerade im Be­reich der Mehrwertdienste, der Mehrwert-SMS, die Opt-in-Regelung ein effektiver Schutz. Das würde nämlich bedeuten, dass das Handy definitiv und ausdrücklich auf


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Wunsch des Handy-Besitzers, des Nutzers freigeschaltet werden muss, um eben ein Mehrwert-SMS empfangen zu können.

Der Vertreter der RTR im Konsumentenpolitischen Forum 2008 hat dies sinngemäß als geschäftsschädigend für die Anbieter der Mehrwertdienste bezeichnet. Das habe ich auch nicht ganz nachvollziehen können, da ich die RTR als Schnittstelle zwischen Markt und VerbraucherInnen sehe und mir diese Auskunft etwas zu einseitig war.

Ich denke, wir bräuchten endlich einmal taugliche Rechtsinstrumente, um diesen An­stieg der Beschwerdeflut hintanzuhalten, die da wären: Gruppenklage, Gewinnab­schöpfung, was auch immer, und gleichzeitig eine Opting-in-Regelung.

Dann möchte ich noch ganz kurz auf den Entschließungsantrag der FPÖ eingehen. Wir teilen diese Ansicht nicht. Wir halten es nicht für sinnvoll, Mehrwertdienste zu verbie­ten, sondern es soll eine ganz bewusste Entscheidung der KonsumentInnen, der Nut­zerInnen sein. Dazu gehört natürlich die entsprechende Transparenz – da sind wir ganz Ihrer Meinung –, es muss klar sein, mit welchen Kosten das verbunden ist. In die­sem Sinne verlangen wir eben auch diese Opting-in-Regelung. – Danke. (Beifall bei den Grünen.)

14.43


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Als Nächste ist Frau Abgeordnete Mag. Grossmann zu Wort gemeldet. 2 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


14.44.04

Abgeordnete Mag. Elisabeth Grossmann (SPÖ): Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir leben in einem Informationszeitalter. Wis­sen, Information ist heute wohl die größte Ressource für wirtschaftlichen Erfolg, aber auch für die demokratische Entwicklung. Dementsprechend essentiell sind der freie Zugang zum Wissen und dessen freie Nutzung. Das nach dem höchstmöglichen Stand der Technik zu gewährleisten ist die grundlegende Aufgabe der Politik. Dieser Aufgabe sind wir uns in Österreich, ja in ganz Europa sehr wohl bewusst. Einen entsprechend hohen Stellenwert haben Investitionen in Forschung und Entwicklung und der Ausbau der Informations- und Kommunikationstechnologie im Regierungsprogramm und in der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung.

Das ist auch dringend notwendig. Schließlich – wir wissen es alle – schlafen die kon­kurrierenden Volkswirtschaften in Südostasien und in den Vereinigten Staaten auch nicht in der Pendeluhr, sondern sind in Sachen Informationstechnologie unverkennbar auf der Überholspur.

Aber es geht nicht nur um wirtschaftlichte Aspekte. Unter dem Stichwort „Inclusion“
der europäischen Initiative i2010, die unter anderem auch den Hintergrund für die Tätigkeiten der österreichischen Regulierungsinstitutionen KommAustria, RTR GmbH und Telekom-Control-Kommission bildet, wird besonders die Steigerung der Lebens­qualität hervorgehoben, die Integration und die Verbesserung der öffentlichen Dienste. Es muss dafür Sorge getragen werden, dass niemand aus der Informationsgesellschaft ausgeschlossen wird, nicht aus sozialen Gründen und auch nicht aus Altersgründen. Daher ist der Auffassung des Europäischen Parlaments beizupflichten, dass es ohne Beseitigung der digitalen Kluft beziehungsweise der Barriere zum Wissen keine Wis­sensgesellschaft geben wird, sondern den kulturellen und wirtschaftlichen Niedergang der gesamten Union.

Die Politik hat die Rahmenbedingungen für die Vielfalt und die hohe Qualität der Me­dien zu schaffen und von jeder Einschränkung der Meinungsfreiheit Abstand zu neh­men. Aber das, meine sehr geehrten Damen und Herren, erhöht auch die Eigenverant­wortlichkeit der Medien. Es ist heute schon angesprochen worden: Die haltlose Diffa-


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mierung von einer demokratischen Institution nach der anderen, sei es Parlament, sei es Bundesregierung, sei es Bundespräsident, erfüllt diesen Anspruch nicht und ist in höchstem Maße demokratiegefährdend. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

14.46


Präsidentin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek: Als Nächstem erteile ich Herrn Abgeord­netem Dr. Sonnberger für ebenfalls 2 Minuten das Wort. – Bitte.

 


14.47.02

Abgeordneter Dr. Peter Sonnberger (ÖVP): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Ich möchte mit einem bemerkenswerten Zitat zur ORF-Gebührenfrage beginnen. Ich bin Angehöriger der Gruppe der erzürnten Gebührenzah­ler, die sich angesichts dessen, was in den letzten Jahren geboten wurde, oftmals die Frage gestellt hat: Wofür zahle ich überhaupt? (Beifall bei der FPÖ.)

Derselbe, im Übrigen damals Oppositionspolitiker Gusenbauer, bemerkte als Kanzler am 18.8.2007 in der „Presse“: Aber ich sehe keinen Anlass für eine Gebührenerhö­hung.

 „Das Thema Gebührenerhöhung“ – und das ist vielleicht noch ein bisschen bemer­kenswerter – „ist eine Erfindung der ÖVP“, meinte Klubobmann Cap.

Die Gebührenerhöhung ist ein Faktum seit 1. Juli 2008, und die Bürger werden pro Jahr um 41 Millionen € mehr an den ORF zahlen – dies trotz 100 Millionen € Rückla­gen und 35 Millionen € Bilanzgewinn im Jahr 2007. Der ORF casht um 15 € pro Teil­nehmer mehr ab dank der Hilfe einer rot-grünen Achse im Stiftungsrat. Wir treten für eine Objektivierung der Gebührenfrage und für eine Versachlichung der Diskussion ein.

Es ist eine Evaluierung und Kontrolle der Gebührenfestsetzung über eine unabhängige Medienbehörde notwendig. Und es freut mich, dass die Ministerin gesagt hat, hier wird das Koalitionsübereinkommen abgearbeitet. Denn wir glauben auch, dass diese Ge­bührenerhöhung, wie sie stattgefunden hat, nicht notwendig und den Bürgern auch nicht zumutbar ist.

Pendlerpauschale und Kilometergelderhöhung waren die richtige Antwort der Regie­rung. Die rot-grüne ORF-Gebührenerhöhung im Stiftungsrat war falsch. (Präsidentin Mag. Prammer übernimmt den Vorsitz.)

Generaldirektor Wrabetz hat im Übrigen die Erhöhung im Jänner 2007 und Au­gust 2007 ausdrücklich noch für das Jahr 2008 ausgeschlossen. Jetzt haben wir sie. Die Ergebnisse der derzeit stattfindenden Rechnungshofprüfung und der bevorstehen­den Prüfung durch die EU werden sicherlich noch Anlass sein, über dieses Thema hier im Hohen Haus noch einmal zu diskutieren. (Beifall bei der ÖVP.)

14.49


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Als Nächster ist Herr Abgeordneter Pendl zu Wort gemeldet. 2 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung. – Bitte, Herr Abgeordne­ter.

 


14.49.30

Abgeordneter Otto Pendl (SPÖ): Frau Präsidentin! Frau Bundesminister! Meine ge­schätzten Damen und Herren! Über diese Kostenfrage könnte man jetzt sehr lange dis­kutieren. Ich bleibe bei jenen, die gemeint haben, jedes Unternehmen braucht entspre­chende Einnahmen, wenn es erstklassige Arbeit leisten muss. Wir sind uns ja einig – das ist ja nicht nur eine nationale, sondern auch eine europäische Meinung –, dass wir zum öffentlichen Rundfunk stehen. Und dieser braucht eine ordentliche Ausstattung.


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Ich möchte mich bei zwei Menschen bedanken. Frau Bundesministerin, ich denke, wir haben eine gute Diskussion im Ausschuss gehabt. Ich glaube, das sehen alle so. Mir gefällt aber auch, dass Kollege Wittmann, bei dem ich den Hintergrund kenne, warum er skeptisch war, heute hier gesagt hat, dass diese Behörde super angekommen ist.

Ich würde auch einladen und bitten – wir haben das heute Vormittag schon diskutiert, wir haben das schon so oft diskutiert –: Das wird ja nicht besser! Müssen wir uns ans Rednerpult stellen, Kollegen, und sagen: Zwangsgebühren? Gebühren sind Gebühren. Müssen wir vom „Salzamt“ reden? Sie bringen erstklassige Leistungen. Die Kollegin­nen und Kollegen bringen erstklassige Leistungen dort, und ich glaube, wir sollten ihnen danken. (Abg. Mag. Hakl: Rechnungshofbericht! Einsparungspotentiale! Lesen!)

Ich möchte mich aber auch beim ORF bedanken. Die Erhöhung des Prozentsatzes in den Angeboten für Gehörbehinderte ist, wie ich meine, auch ein wichtiger Weg. Einer meiner Vorredner hat gesagt, wir sollten schauen, dass wir bezüglich Barrierefreiheit weiterkommen und dass wir niemanden von dem Informationsfluss ausschließen. Ich denke, das ist der richtige Weg.

Wir haben viel Arbeit, das ist überhaupt keine Frage. Wir können hier viel diskutieren. Aber ich glaube, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seinen Informationsver­pflichtungen in den einzelnen Sparten unserer Gesellschaft wichtig ist. Vor allem sollten wir danach trachten, dass die Barrierefreiheit wirklich in allen Bereichen gege­ben ist. Ich lade dazu ein: Machen wir die Arbeit gemeinsam, die Menschen werden uns danken! (Beifall bei der SPÖ.)

14.51


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nun ist Frau Abgeordnete Mag. Hakl am Wort. 2 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung. – Bitte sehr. (Abg. Dr. Cap: Ich bin ge­spannt, was der van Staa sagt, wenn er Tirol zusperren darf!)

 


14.51.46

Abgeordnete Mag. Karin Hakl (ÖVP): Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin! Einige Kollegen haben darauf verwiesen, wir dürf­ten nicht „Zwangsgebühren“ sagen. Natürlich ist es eine ganz normale, gesetzlich vor­gesehene Gebühr. Aber ich halte es schon für sehr hinterfragenswert, wenn in Zeiten, wo insbesondere von der SPÖ und von den Grünen die deutliche Teuerung immer so beklagt wird, plus 10 Prozent bei diesen Gebühren beschlossen werden, sobald sie es alleine und ohne das vernünftige Korrektiv der ÖVP beschließen können. Das wird ge­macht, ohne dass sie ganz offensichtlich den Rechnungshofbericht auch nur gelesen haben!

Herr Kollege Cap! Kolleginnen, Kollegen von den Grünen! Ich empfehle Ihnen, Ihren Kolleginnen und Kollegen im Stiftungsrat vielleicht mit einem Mascherl als Geschenk den Rechnungshofbericht zu überreichen. Da sind nämlich Alternativen, wie der ORF ohne Qualitätseinbuße überleben kann und welche Reformen zu machen wären, durchaus aufgezeigt, ohne dass man die Bürgerinnen und Bürger, die unter dem Preis­druck ohnehin so leiden, noch mehr belasten müsste. Ich glaube, das wäre jetzt sehr wichtig.

Mir tun auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ORF leid, die eine gute Arbeit leisten und auch immer dafür geprügelt werden, dass das Programm sich nicht wahn­sinnig verbessert, wofür sie nichts können. Diese machen nämlich ihre Sache gut. Zu­gekauft wird aber aller möglicher Ramsch unter dem Deckmantel des öffentlich-recht­lichen Fernsehens. Ich glaube, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehen das ähnlich und wären durchaus in der Lage, qualitätsvolleres Programm für die Bürgerinnen und


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 145

Bürger zum billigeren Preis zur Verfügung zu stellen, als es ihnen die derzeitige Füh­rung ermöglicht.

Ich möchte aber ganz besonders noch darauf zu sprechen kommen, dass auch dem Telekombereich ein großer Dank gilt. Ich glaube, hier stehen wir aber vor großen Her­ausforderungen. Es ist gelungen, im Mobilkommunikationsbereich einen funktionie­renden Markt zu schaffen. Die Marktsituation wird sich hier allerdings international und europäisch sehr verstärken. Deswegen müssen wir auch hier die Regulierung aufrecht­erhalten. Ich danke ausdrücklich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Telekom­bereichs, so hervorragende Arbeit geleistet zu haben.

Besonders große Herausforderungen haben wir allerdings im Festnetzbereich. Wir wis­sen, dass wir immer noch weiße Flecken auf der Landkarte haben, wo es noch gar kein Breitband gibt. Das wird sich verbessern, weil jetzt auf europäischer Ebene durch das digitale Fernsehen neue Frequenzen freigeworden sind, so dass niedrigere Fre­quenzen für den Mobilfunk zur Verfügung gestellt werden können. Das bedeutet eine größere Bandbreite und größere Reichweite.

Aber diese Bandbreiten sind immer noch nicht genug, zum Beispiel auch für den E-Health-Bereich, wo wir den Menschen die Möglichkeiten geben wollen, egal wo in Ös­terreich oder Europa sie sind, auf ihre Röntgenbilder und andere Daten Zugriff zu ha­ben. Ich erwarte mir und bitte Sie, Frau Staatssekretärin, das dem Herrn Bundesminis­ter auszurichten, dass der Herr Verkehrsminister eine realistische Breitbandausbauini­tiative vornimmt und uns diesbezügliche Vorschläge endlich zuleitet. – Danke. (Beifall bei der ÖVP.)

14.55


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nun ist Herr Abgeordneter Marizzi zu Wort ge­meldet. 2 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung. – Bitte sehr.

 


14.55.18

Abgeordneter Peter Marizzi (SPÖ): Frau Präsidentin! Frau Bundesminister! Sehr ge­schätzte Kolleginnen und Kollegen! Wir haben im Ausschuss eine ausführliche und interessante Diskussion über die Berichte gehabt. Über Gebühren wird immer wieder geredet werden. Jeder hat einen Standpunkt dazu. Ich glaube aber, der Vorschlag der Grünen und des Dr. Wittmann, über die soziale Frage zu reden, ist wahrscheinlich längst an der Zeit. Wir werden das auch tun.

Es ist mir wichtig festzustellen, dass der Fernsehfonds Austria eine sehr, sehr positive Entwicklung genommen hat. Was wurde gefördert? – Es wurden 20 Dokumentationen gefördert, es wurden 14 Fernsehfilme gefördert, es wurde eine Serie gefördert. Man kann sagen, es gibt hohe Marktanteile. Vor allem bei einer Sendung im ARD waren, wie ich glaube, 6,2 Millionen Zuseher.

Wir haben die Chance, dass wir unseren österreichischen Medienstandort damit stär­ken und damit auch steigern. Wir haben auch Chancen, dass die eingesetzten Mittel vor allem viel Werbung für Österreich – das ist auch sehr wichtig und sehr positiv – und viel Werbung für österreichische Produzenten, für unsere Regisseurinnen und Regis­seure und für unsere Schauspielerinnen und Schauspieler machen.

Ich denke, es hat sich ausgezahlt, die 7 Millionen € einzusetzen und daraus 25 Millio­nen € zu machen. Der Werbeeffekt für Österreich war gut, daher ist dieses eine sehr positive Sache. Ich danke Ihnen vielmals, Frau Bundesministerin! (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

14.56



Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 146

Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nun ist Frau Abgeordnete Mag. Becher zu Wort gemeldet. 2 Minuten freiwillige Redezeit. – Bitte sehr.

 


14.56.53

Abgeordnete Mag. Ruth Becher (SPÖ): Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Tätigkeitsbericht der RTR zeigt für mich – und das ist ja auch schon öfters festgestellt worden –, dass sich der Rundfunk- und Telekom­bereich in Österreich auf dem richtigen Weg befindet.

Für mich ist in diesem Zusammenhang die Frage der Förderung der sozial schwäche­ren Fernsehhaushalte besonders interessant. Mein Dank gilt hier vor allem den Be­mühungen der Frau Bundesministerin und der Bundesregierung, das Angebot bis 2011 aufrechtzuerhalten, dass alle von der Rundfunkgebühr befreiten Teilnehmer mit einem Gutschein von 30 € bis 40 € weiterhin diese Set-Top-Box kaufen können. Der Erfolg dieser Maßnahme zeigt sich auch daran, dass bisher zirka 10 000 von der Rundfunk­gebühr befreite Teilnehmer diese Förderung in Anspruch genommen haben.

Zum Fernsehfonds Austria hat mein Vorredner, Kollege Marizzi, schon Stellung ge­nommen und gesagt, wie positiv hier die Entwicklung ist. Ich möchte nur noch einen Aspekt aufgreifen, den ich für sehr vielversprechend halte, und zwar die Ankündigung von der Frau Ministerin, nämlich wesentliche Teile des Digitalisierungsfonds in den Jahren 2009 bis 2011 in den Fernsehfonds Austria umzuschichten. Durch diese zu­sätzliche Maßnahme, die sehr zu begrüßen ist, würde die Frau Ministerin eine sehr nachhaltige Gesundung des heimischen Fernsehfilms wesentlich unterstützen. – Vie­len Dank. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

14.59


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die De­batte ist geschlossen.

Meine Damen und Herren! Wir haben noch 2 Minuten Zeit. Das heißt, wir können noch die Abstimmungen zu diesem Tagesordnungspunkt vor der Durchführung der dring­lichen Debatte durchführen.

Wir kommen zur Abstimmung über den Antrag des Verfassungsausschusses, den vorliegenden Tätigkeitsbericht in III-63 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für dessen Kenntnisnahme eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig.

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abge­ordneten Brosz, Kolleginnen und Kollegen betreffend ORF-Bericht gemäß § 8 ORF-Gesetz als Verhandlungsgegenstand des Parlaments.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dem die Zustimmung geben, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Dieser Entschließungsantrag ist abgelehnt.

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abge­ordneten Brosz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Refundierung der Gebührenbe­freiungen an den ORF.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dem die Zustimmung geben, um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit. Dieser Antrag ist abgelehnt.

Wir gelangen zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verbot von Mehrwertdiensten im ORF-Programm.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dem die Zustimmung geben, um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit. Dieser Antrag ist abgelehnt.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 147

Wir gelangen zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Scheibner, Kolleginnen und Kollegen betreffend Rundfunkgebühren-Reformpaket.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dem die Zustimmung geben, um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

Ich unterbreche nunmehr die Verhandlungen zur Behandlung einer Dringlichen Anfra­ge, die gemäß der Geschäftsordnung um 15 Uhr beginnt.

15.00.55Dringliche Anfrage

der Abgeordneten Dr. Eva Glawischnig-Piesczek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend schwere Informationsdefizite nach Zwischenfall im AKW Krško und Versagen des Umweltministers in der Anti-Atompolitik (4530/J)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gelangen zur dringlichen Behandlung der schriftlichen Anfrage 4530/J.

Da diese inzwischen allen Abgeordneten zugegangen ist, erübrigt sich eine Verlesung durch den Schriftführer.

Die Dringliche Anfrage hat folgenden Wortlaut:

Am Mittwoch, den 4. Juni 2008 um 17h38 ist bei der EU-Kommission eine Alarm­meldung aus Slowenien eingegangen, wonach im Primärkreislauf des AKW Krsko (60 Kilometer bis zur österr. Grenze) radioaktiv kontaminiertes Kühlwasser ausgetreten sei. Die EU-Kommission aktivierte daraufhin das EU-Frühwarnsystem (ECURIE), das alle anderen EU-Länder vor einem möglichen Reaktorunfall und grenzüberschreitender radioaktiver Verseuchung warnen soll. Das Frühwarnsystem wurde 1987, ein Jahr nach dem verheerenden Super-GAU von Tschernobyl installiert. Ein EU-weiter Atom­alarm ist in dieser Form noch nie ausgerufen worden. Nach den Bestimmungen für ECURIE muss Alarm ausgelöst werden, wenn ein atomarer Notfall eingetreten ist.

Wenige Stunden später wurde von Seiten der slowenischen Behörden Entwarnung ge­geben. Radioaktivität sei nicht in die Umwelt gelangt. Der Vorfall im slowenischen Risi­ko-AKW war – glücklicherweise – kein atomarer Notfall.

Der Vorfall im slowenischen Risiko-AKW, der in den Stunden bis zur Entwarnung euro­paweit und insbesondere in Österreich große Besorgnis ausgelöst hat, hat zwei Dinge sehr deutlich gemacht:

1. Es bestehen in Österreich und den benachbarten AKW-Staaten eklatante Defizite in der Informationspolitik bei Atomunfällen. Hätte es sich bei dem Vorfall tatsächlich um einen schweren Atomunfall gehandelt, wäre die österreichische Bevölkerung zu spät informiert worden.

2. Bundesregierung und Umweltminister können die österreichische Bevölkerung nicht vor schweren Atomunfällen schützen. Das permanente versagen der österreichischen Anti-Atompolitik wiegt vor diesem Hintergrund schwer: Umweltminister und Bundes­kanzler haben dem Bau und Betrieb von zahlreichen Risko-AKW an Österreichs Gren­ze jahrelang keine wirkungsvollen Maßnahmen entgegengesetzt. Der Bau von wei­teren AKW (Mochovce /Slowakei und zahlreiche weitere Pläne) und Laufzeitverlänge­rungen bestehender AKW (Paks/Ungarn) werden tatenlos zur Kenntnis genommen. Initiativen zur Reform des Euratom-Vertrags mit dem Ziel eines europäischen Atom­ausstiegs sind unterblieben.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 148

Der zeitliche Ablauf der Informationsmaßnahmen nach dem Vorfalls im AKW Krsko belegt die eklatanten Informationsdefizite der slowenischen und österreichischen Be­hörden am 4. Juni 2008:

(Quellen: slowenische Behörden, EU-Kommission, österreichisches Umweltministe­rium, steirische Landesregierung)

15:00 Im AKW Krsko wird ein Leck im Primärkreislauf entdeckt. 2.500 Liter radioaktiv verseuchtes Wasser laufen aus.

16:00 Die slowenische AKW-Leitung informiert den kroatischen Stromkonzern und Mit­eigentümer von Krsko HEP über den Vorfall.

17:38 Bei der EU-Kommission trifft eine Alarm-Meldung mit dem offiziellen Status eines atomaren Notfalls im slowenischen AKW Krsko ein. Die EU-Kommission löst europa­weiten Atomalarm aus.

18:03 Die EU-Alarmmeldung trifft in der Einsatz- und Krisenzentrale des österreichi­schen Innenministeriums ein.

18:39 Aufgrund eines bilateralen Abkommens zwischen Österreich und Slowenien trifft eine Meldung der slowenischen Behörden mit Details über den Vorfall - irrtümlich mit der Kennzeichnung "Übung" versehen – bei der Einsatz- und Krisenzentrale des öster­reichischen Innenministeriums ein. Auch die IAEO, Italien und Ungarn werden gleich­lautend informiert

18:49 Die Einsatz- und Krisenzentrale des österreichischen Innenministeriums infor­miert die Strahlenwarnzentrale des österreichischen Umweltministeriums über die Mel­dung betreffend einer „Übung“. Die Strahlenwarnzentrale verifiziert die Informationen und unternimmt trotz der Angabe einer "Übung" eine zielgerichtete Überprüfung der Informationen sowie der Werte der einzelnen relevanten Messstationen.

19:15 Information der Einsatz- und Krisenzentrale des österreichischen Innenministe­riums durch die Strahlenschutzzentrale des österreichischen Umweltministeriums , dass keine Gefährdung für Österreich feststellbar ist.

19:17 Die steirische Landeswarnzentrale erhält die Erstmeldung von der Bundeswarn­zentrale, die gleichzeitig auch schon die Entwarnung beinhaltete.

20:01 Die Austria Presse Agentur (APA) informiert über den Vorfall. Es sei lazt Anga­ben der slowenischen Nachrichtenagentur STA keine Radioaktivität ausgetreten.

20:18 Das österr. Umweltministerium informiert via APA und bestätigt die slowenischen Angaben, die Messwerte lägen im Normalbereich.

„Falls wirklich etwas passiert wäre, dann wäre wertvolle Zeit verloren gegangen“ (Lan­deshauptmann Voves, Steiermark)

Aus diesem Zeitablauf lassen sich folgende Feststellungen ableiten:

1. Die slowenischen Behörden benötigen 2 Stunden und 38 Minuten, um den Vorfall der EU-Warnzentrrale in Brüssel zu melden.

2. Es dauert weitere 25 Minuten, bis die EU-Alarmmeldung beim österreichischen Innenministerium eintrifft.

3. Erst 3 Stunden und 49 Minuten nach Entdecken des Lecks wird die in Österreich hauptzuständige Strahlenwarnzentrale im Umweltministerium informiert.

4. Der Miteigentümer des AKW Krsko, der kroatische Stromversorger HEP ist bereits eine Stunde nach dem Vorfall informiert.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 149

5. Die österreichische Öffentlichkeit wird fünf Stunden nach Beginn des Vorfalls erst­mals informiert.

6. Es erfolgte keine direkte Information der Strahlenwarnzentrale des österr. Umwelt­ministeriums durch die AKW-Leitung in Krsko. Es wurde über Umwege informiert, was zu stundenlangen Verzögerungen in der Bewertung des Vorfalls führte.

Die Strahlenwarnzentrale des österreichischen Umweltministeriums ist jene Stelle, die eine Alarmmeldung über einen Atomunfall in einem Nachbarland einschätzen und überprüfen muss, um festzustellen ob eine Gefahr für die österreichische Bevölkerung besteht und Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung eingeleitet werden müssen oder ob Entwarnung gegeben werden kann. Es ist absolut unverständlich und im höchsten Maße fahrlässig, dass vom Zeitpunkt der Entdeckung des Lecks durch die sloweni­schen AKW-Betreiber bis zur Information des österreichischen Umweltministeriums fast vier Stunden und bis zur Information der Öffentlichkeit fünf Stunden verstrichen sind.

Fünf Stunden, die im Falle eines schweren Atomunfalls mit massivem Austritt von Ra­dioaktivität fünf verlorene Stunden für die betroffene Bevölkerung in der Steiermark und in Kärnten gewesen wären. Fünf unnötig lange Stunden, die die Gesundheit und das Leben tausender ÖsterreicherInnen aufs Spiel gesetzt hätten.

Denn alleine darauf zu warten, bis bei einem wirklichen Atomunfall die österreichischen Messstationen anschlagen ist zu wenig. Ein Super-Gau kommt nicht aus dem Nichts. Zwischen dem Beginn eines schweren AKW-Störfalls und dem großflächigen Austritt von Radioaktivität können mehrere Stunden liegen. Wertvolle Stunden für die Ein­leitung von Notmaßnahmen für die Bevölkerung. Daher ist es unerlässlich, dass die AKW-Betreiber einen Störfall sofort und direkt an Österreich melden.

Es liegt in der Verantwortung des Umweltministers, mit den benachbarten AKW-Staa­ten vertragliche und verpflichtende Informationsabkommen auszuhandeln, dass im Falle von Zwischen- und Störfällen sofort und direkt informiert werden muss. Ziel muss dabei eine umgehende und direkte Information der AKW-Betreiber an die Strahlen­warnzentrale des österreichischen Umweltministeriums sein, wie das derzeit einzig und allein beim tschechischen Atomkraftwerk Temelin der Fall ist. Nur so kann sicherge­stellt werden, dass keine wertvolle Zeit für den Schutz der Bevölkerung verloren geht.

Bei den sechs grenznahen und unsicheren Atomkraftwerken Paks (Ungarn), Mo­chovce, Bohunice (Slowakei), Dukovany (Tschechien), Isar 1 (Deutschland) und Krsko (Slowenien) gibt es kein Informationsabkommen, welches die AKW-Betreiber verpflich­tet, das österreichische Umweltministerium auf direktem Wege von allen Zwischen- und Störfällen zu informieren. Eine rechtzeitige Information wäre nicht garantiert. Die­ser Misstand, den der Umweltminister zu verantworten hat muss umgehend behoben werden.

Bereits vor vier Jahren kam es nach einem Störfall in einem grenznahen AKW zu einer schweren Informationspanne. Am 6.6.2004 treten in der früh aus einem Leck im Primärkreislauf des tschechischen AKW Temelin 3000 Liter hochradioaktives Wasser aus und verseuchen zwei Arbeitsräume. Der Störfall ist einer der bisher schwersten in den beiden Blöcken des AKW Temelin seit der Aufnahme des Probebetriebes im Jahr 2000. Die tschechischen Behörden informieren damals mit 24 (!) Stunden Verzö­gerung das österreichische Umweltministerium. Weitere 12 Stunden dauert es bis Um­weltminister Pröll die Öffentlichkeit informiert. Und das auch nur, weil der oberösterrei­chische Anti-Atombeauftragte mit dem Störfall an die Medien geht. Es stellt sich die Frage, ob BM Pröll aus dieser Panne nichts gelernt hat.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 150

Ein schwerer Atomunfall in einer dieser AKW würde die bevölkerungsreichsten Regio­nen Österreichs treffen: Wien (Mochovce, Dukovany, Bohunice, Paks), Linz (Duko­vany, Isar 1), Salzburg, Innsbruck (Isar 1), Graz, Klagenfurt (Krsko, Paks). Die AKW Paks, Mochovce, Bohunice, Dukovany und Isar 1 verfügen über keine Schutzhülle.

Neben einem schweren Unfall auf Grund technischer Gebrechen oder menschlichem Versagen ist seit den verheerenden Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001 eine weitere Gefahr in den Bereich des Möglichen gerückt: ein Terroranschlag mit Flugzeugen oder Hubschraubern auf Atomanlagen. Keines der grenznahen Atomkraftwerke ist gegen solche Terrorattacken geschützt.

Atomkraftwerke sind nicht schützbar. Atomkraftwerke können niemals 100% sicher sein. Die einzige Lösung ist der Atomausstieg.

Die österreichische Sicherheitspolitik hat bisher ebenso wie die österreichische Um­weltpolitik nichts unternommen, um diese größte Sicherheitsbedrohung für die österrei­chische Bevölkerung zu beseitigen.

AKW Mochovce: Zwei neue Riskoreaktoren – Keine Gegenwehr von BM Pröll

Im slowakischen Mochovce sollen nach den Vorstellungen der slowakischen Regie­rung und des italienischen Stromkonzerns Enel – Mehrheitseigentümer des dominan­ten slowakischen Stromversorgungsunternehmens SE a.s. – zwei weitere Reaktorblö­cke (fertig)gebaut werden. Es handelt sich um völlig veraltete Reaktoren des sowjeti­schen Typs WWER 440/213 mit dem technologischen Stand der 1970er Jahre. Die Reaktoren verfügen über keine druckfeste Schutzhülle (Containment), wie bei westli­chen Druckwasserreaktoren üblich.

Das fehlende Containment erhöht die Wahrscheinlichkeit von großen Freisetzungen bei schweren Unfällen dramatisch. Der Schutz vor äußeren Auswirkungen, wie etwa einem Flugzeugabsturz, ist im Vergleich mit modernen Druckwasserreaktoren in den EU-Ländern stark vermindert. Um die Diskussion um den völlig unzureichenden Si­cherheitsstandard der Mochovce-Reaktoren zu umgehen, sollen die Reaktoren auf der Grundlage einer Baugenehmigung aus dem Jahre 1986 – also aus der Zeit des kom­munistischen Regimes in der Tschechoslowakei – errichtet werden. Da es zum damali­gen Zeitpunkt keine UVP-Pflicht gab, soll auch die EU-UVP-Richtlinie umgangen wer­den.

Die Errichtung der Blöcke 3 und 4 im slowakischen Mochovce droht aus den oben ge­nannten Gründen zu einem gefährlichen Präzedenzfall für die gesamte EU zu werden. Sicherheitstechnische und demokratiepolitische Standards der EU sollen unter Ausnut­zung von aus der Zeit eines autoritären Regimes stammenden Genehmigungen ausge­hebelt werden.

Die EU-Kommission bereitet auf der Grundlage des Euratom-Vetrages derzeit eine Stellungnahme zum Projekt Mochovce 3 und 4 vor. Von NGO´s aus Österreich und mehreren EU-Ländern wurde die EU-Kommission auf die missbräuchliche Verwendung der alten Baugenehmigung sowie das unzureichende Sicherheitsniveau der in Mo­chovce geplanten Reaktoren hingewiesen. Tausende Bürger haben bereits gegen das Projekt schriftlich protestiert. In sechs österreichischen Bundesländern wurde partei­übergreifend eine Mochovce-Resolution beschlossen, welche die Bundesregierung zu entschlossenen Schritten gegen das Projekt Mochovce auffordert.

BM Pröll und die Bundesregierung sind dieser Aufforderung bis heute nicht nachge­kommen und sehen tatenlos zu wie das Atomrisiko an Österreichs Grenze weiter steigt.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 151

AKW Temelin: Sicherheitsmängel immer noch nicht behoben

Das tschechische AKW Temelin weist nach wie vor gravierende Sicherheitsmängel auf. Das zwischen Österreich und Tschechien 2001 vereinbarte, völkerrechtlich ver­bindliche Melker Abkommen zur Behebung der Sicherheitsmängel wurde bis heute nicht umgesetzt und seitens der Temelin-Betreiber glatt gebrochen. Obwohl der Melk-Vertrag festschreibt, dass eine kommerzielle Inbetriebnahme von Temelin erst erfolgen darf, wenn die Sicherheitsmängel vollständig behoben sind, ist das AKW seit En­de 2006 im offiziellen Vollbetrieb.

Am 14.12.2006 hat der Nationalrat die Bundesregierung mit den Stimmen aller Fraktio­nen Entschließung aufgefordert, an die tschechische Regierung heranzutreten und um­gehend den Nachweis der Umsetzung aller offenen Sicherheitsmaßnahmen einzu­fordern. Für den Fall, dass ein solcher Nachweis nicht erbracht werden sollte, wurden internationale Rechtsschritte verlangt.

Erst am 4.6.2007 hat die Bundesregierung die tschechische Regierung offiziell auf die Verletzung des Melk-Abkommens aufmerksam gemacht und dessen Einhaltung einge­fordert. In anschließenden Verhandlungen der Regierungschefs wurde die weitere Be­handlung des Melk-Abkommens im Rahmen einer bilateralen parlamentarischen Kom­mission vereinbart. Die Kommission arbeitet seit Juli 2007, die Sicherheitsmängel sind nach wie vor ungelöst, Fortschritte konnten kaum erzielt werden. Die tschechische Seite sieht im Melker Abkommen entgegen der Faktenlage keinen völkerrechtlich ver­bindlichen Vertrag und drängt auf einen Abschluss des Melker Prozesses. Bei der für 9. Juni 2008 geplanten Sitzung der interparlamentarischen Kommission droht ein Ende des Melk-Abkommens. Der Melk-Prozess soll trotz nach wie vor vorhandener Sicher­heitsmängel beendet und durch einen unverbindlichen Informationsdialog ersetzt wer­den. Die Stilllegung des AKW Temelin, wie sie noch im SPÖ-ÖVP-Regierungspro­gramm als Ziel formuliert ist, ist für BM Pröll offenbar kein Ziel mehr.

Europäischer Atomausstieg: Kein Initiativen der Bundesregierung

Das Ziel eines europaweiten Atomausstiegs ist im Gegensatz zu früheren Regierungen nicht im Koalitionsabkommen verankert und offenbar kein erklärtes Ziel der Bundesre­gierung. Entsprechend schwach ist die österreichische Politik in dieser Frage. Aktuelle Initiativen der Bundesregierung für eine Reform des Euratom-Vertrags sind ebenso we­nig bekannt wie Versuche mit den zahlreichen anderen AKW-freien EU-Staaten Anti-Atom-Allianzen zu schließen.

Der Vorfall im slowenischen AKW Krsko hat für ein paar Stunden ganz Europa ge­schockt und ist letztlich glücklicherweise glimpflich verlaufen. Der Vorfall hat schmerz­lich offengelegt, dass Österreich und Europa auf einen schweren Atomunfall nicht vorbereitet sind. Die Bevölkerungen Österreichs und Europa können vor einem Super-GAU durch technisches Gebrechen, menschliches Versagen oder einen gezielten Ter­ror-Angriff nicht geschützt werden. Es gibt keine sicheren Atomkraftwerke. Der Atom­ausstieg ist und bleibt die einzig akzeptable Lösung.

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende

Anfrage

1. Ist es richtig, dass die Strahlenwarnzentrale Ihres Ressorts am 4.6.2008 erst um 18:49 von der Krisenzentrale des österr. Innenministeriums über den Vorfall, der seitens der slowenischen Behörden fälschlich als Übung bezeichnet wurde, informiert wurde? Falls nein, wann wurde die Strahlenwarnzentrale Ihres Ressorts informiert?


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 152

2. Falls ja, halten Sie es für ausreichend und zufriedenstellend, dass die Strahlen­warnzentrale des österreichischen Umweltministeriums erst vier Stunden nachdem die Krsko-Betreiber ein Leck im Primärkreislauf entdeckt haben informiert wurde und die österreichische Öffentlichkeit erst fünf Stunden nach dem Vorfall Informationen erhält? Falls ja, warum? Falls nein, welche Konsequenzen werden Sie daraus ziehen?

3. Wann wurde das Leck im Primärkreislauf des AKW Krsko den Ihnen vorliegenden Informationen zu Folge entdeckt?

4. Haben Sie bereits einen offiziellen bericht der slowenischen Atombehörde über die Pannen bei der Information über den Vorfall angefordert?

5. Welche Konsequenzen werden Sie aus diesen Pannen ziehen? Was werden Sie bis wann konkret tun, damit es im Falle eines wirklichen Atom-Unfalls nicht zu einem sol­chen „Informations-Wirr-warr“ kommen kann?

6. Wieso haben deutsche und österreichische Nachrichtenagenturen und Medien die Öffentlichkeit früher über den Vorfall im AKW Krsko informiert als das österreichische Umweltministerium?

7. Bestehen vertragliche Vereinbarungen zwischen Österreich und Slowenien, Tsche­chien, der Slowakei, Ungarn und Deutschland, wonach die Betreiber der AKW Krsko, Dukovany, Mochovce, Bohunice, Paks und Isar 1 bei Zwischen- und Störfällen umge­hend und direkt die Strahlenwarnzentrale des österreichischen Umweltministeriums zu informieren haben? Wenn nein, warum nicht?

8. Angesichts des Frühwarn-Chaos beim aktuellen Vorfall in Krsko erscheinen solche Direkt-Informationsabkommen ein gebot der Stunde. Bis wann wollen Sie solche Vereinbarungen mit den benachbarten AKW-Staaten abschließen?

9. Ist es Ihre Pflicht bzw. die Pflicht der in Ihrem Ressort angesiedelten Strahlenwarn­zentrale, die österreichische Öffentlichkeit nach AKW-Störfällen, die eine gefahr für die Bevölkerung bedeuten können, raschest möglich zu informieren? Falls ja, was werden Sie tun, um dieser Pflicht künftig besser nachzukommen? Falls nein, wessen Pflicht ist es dann?

10. Welche Informationsfristen müssen die slowenischen Behörden im Falle eines Atom-Unfalles gegenüber Österreich einhalten? Gibt es überhaupt Fristen? Falls nein, warum nicht?

11. Haben Sie aus der Informationspanne in Folge des Störfalls im AKW Temelin vom 6.6.2004 nichts gelernt? Welche Konsequenzen haben Sie damals gezogen?

12. Sollte es im AKW Krsko zu einem schweren Unfall mit großflächigem Austritt von Radioaktivität kommen, der auf Grund ungünstiger meteorologischen Bedingungen eine Gefahr für Österreich darstellt, wie viele Stunden nach dem Störfall müsste mit der Evakuierung der Bevölkerungen von Graz und Klagenfurt begonnen werden und bis wann müsste die Evakuierung abgeschlossen sein?

13. Sollte es in den AKW Paks, Mochovce, Bohunice, Dukovany, Temelin oder Isar 1 zu einem schweren Unfall mit großflächigem Austritt von Radioaktivität kommen, der auf Grund ungünstiger meteorologischen Bedingungen eine Gefahr für Österreich dar­stellt, wie viele Stunden nach dem Störfall müsste mit der Evakuierung der Bevölkerun­gen von Wien, Eisenstadt, Linz, Salzburg, Innsbruck oder Graz begonnen werden und bis wann müsste die Evakuierungen abgeschlossen sein? (Bitte um detaillierte Auflis­tung)


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 153

14. Wie viele Menschen könnten in den Städten Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck, Graz, Klagenfurt a) in der ersten Stunde, b) in den ersten drei Stunden, c) innerhalb von 12 Stunden evakuiert werden? Welche diesbezüglichen Evakuierungspläne existieren?

15. Ist die Stadt Wien überhaupt vollständig evakuierbar und falls ja innerhalb welches Zeitraums? Falls nein, welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

16. Für wie viele Menschen gibt es in Österreich und insbesondere in den Städten Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck, Graz, Klagenfurt Schutzräume mit ausreichender Aus­stattung mit Wasser, Lebensmitteln und sanitären Einrichtungen? (Bitte um detaillierte Auflistung). Für wie viel Prozent der österreichischen Bevölkerung gibt es demnach Schutzräume im Falle einer großflächigen radioaktiven Kontaminierung nach einem AKW-Unfall?

17. Ist es für Terroristen mögliche, grenznahe Atomkraftwerke so anzugreifen, dass ein großflächiger Austritt von Radioaktivität die Folge ist? Falls ja, welche Konsequenzen ziehen Sie daraus? Falls nein, auf Basis welcher Untersuchungen können Sie dies ausschließen?

18. Haben Sie bzw. die österreichische Bundesregierung die Schließung der grenz­nahen AKW Krsko, Paks, Mochovce, Bohunice, Dukovany, Temelin, Isar 1 bei den ent­sprechenden Regierungen verlangt? Falls ja wann und mit welchem Ergebnis? Falls nein warum nicht und bis wann werden Sie dies nachholen?

19. Haben Sie bzw. die österreichische Bundesregierung mit den Regierungen von Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien oder Deutschland konkrete Ausstiegs­verhandlungen betreffend die Stilllegung der AKW Krsko, Paks, Mochovce, Bohunice, Dukovany, Temelin, Isar 1 geführt? Falls ja mit welchem Ergebnis bzw. wieso sind diese Verhandlugen gescheitert? Falls nein warum nicht und bis wann werden Sie dies nachholen?

20. Welche Schritte haben Sie bzw. die Bundesregierung gesetzt, um die slowakische Regierung und den Betreiber von dem Vorhaben der Errichtung von veralteten WWER 440/213 – Blöcken in Mochovce (Block 3 und 4) im Interesse der Sicherheit der österreichischen Bevölkerung abzubringen? Welche schriftlichen Unterlagen liegen dazu vor? Falls nein, warum nicht und bis wann wird dies nachgeholt?

21. Haben Sie bzw. die österreichische Bundesregierung bei der slowakischen Re­gierung gegen die unzulässige Verwendung der alten Baugenehmigung aus dem Jahr 1986 sowie die Umgehung der UVP-Pflicht offiziell Protest eingelegt? Welche schriftlichen Unterlagen liegen dazu vor? Falls nein, warum nicht und bis wann wird dies nachgeholt?

22. Haben Sie bzw. die Bundesregierung die EU-Kommission über die österreichi­schen Bedenken gegen das Mochovce-Projekt offiziell informiert? Falls nein, warum nicht und bis wann wird dies nachgeholt?

23. Wurden der EU-Kommission im Zusammenhang mit der seit Monaten bekannten Erarbeitung einer Stellungnahme im Rahmen des Euratom-Vertrages von Ihnen bzw. der Bundesregierung Unterlagen über die sicherheitstechnischen Defizite des in Mo­chovce geplanten Reaktortyps WWER 440/213 übermittelt? Wenn ja, wurde diese Stel­lungnahme veröffentlicht? Falls nein, warum nicht und bis wann wird dies nachgeholt?

24. Haben Sie bzw. die Bundesregierung bei der GD Umwelt offiziell Protest gegen die Umgehung der UVP-Pflicht unter Berufung auf eine veraltete Baugenehmigung einge­legt sowie auf die Entstehung eines gefährlichen Präzedenzfalles zur Umgehung si­cherheitstechnischen und demokratiepolitischer Standards hingewiesen? Falls nein, warum nicht und bis wann wird dies nachgeholt?


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 154

25. Haben Sie bzw. die Bundesregierung auf offizieller Ebene Protest bei der italieni­schen Regierung im Zusammenhang mit der Involvierung des Stromkonzerns Enel ein­gelegt und auf die drohende Herabsetzung des sicherheitstechnischen Standards so­wie den unzulässigen Risikoexport hingewiesen? Falls nein, warum nicht und bis wann wird dies nachgeholt.

26. Ist das Melker Abkommen zum AKW Temelin ein völkerrechtlich verbindlicher Ver­trag? Falls ja, welche Konsequenzen haben Sie aus dem glatten Bruch dieses Vertrags gezogen? Falls nein, warum nicht?

27. Wurden der tschechischen Seite seit Beginn der bilateralen Parlamentarierkommis­sion völkerrechtliche Gutachten Österreichs zur Stellungnahme übergeben. Wenn ja, welche und hat die tschechische Seite in schriftlicher Form zu diesen Gutachten Stel­lung genommen und durch wen und mit welchem Inhalt? Wenn nein, warum nicht?

28. Ist von Ihnen bzw. dem Bundeskanzler die Erstellung eines einschlägigen völker­rechtlichen Gutachtens bei einem/R unabhängigen international anerkannte/n Volker­rechtsexpertIn beauftragt worden. Wenn ja, wie lautet das Ergebnis? Falls nein warum nicht?

29. Im SPÖ-ÖVP-Regierungsprogramm ist festgeschrieben, zusätzlich zu den beste­henden (z.B. Bohunice) weitere Schließungsvereinbarungen für Risiko-AKW in Europa mit finanzieller Hilfe der EU anzustreben. Welche Initiativen haben Sie diesbezüglich gesetzt und mit welchem Ergebnis?

30. Im SPÖ-ÖVP-Regierungsprogramm ist festgehalten, dass die Bundesregierung ihre Bemühungen im Hinblick auf eine Reform des Euratom-Vertrages fortsetzen wird. Welche Schritte haben Sie diesbezüglich gesetzt?

31. Wieso kommt im SPÖ-ÖVP-Regierungsprogramm der Begriff „europaweiter Atom­ausstieg“ nicht vor? Ist ein europaweiter Atomausstieg, wie er zuletzt unter Bundes­kanzler Vranitzky als österreichische Position formuliert wurde noch erklärte Position der Bundesregierung? Falls nein, warum haben Sie dieses Ziel aufgegeben? Falls ja, welche Schritte haben Sie gesetzt, um dieses Ziel zu erreichen?

32. Welche Schritte werden Sie bzw. die Bundesregierung setzen, um gegen eine Renaissance der Atomkraft in Europa, wie sie unter dem Deckmantel des Klimaschut­zes betrieben und von den kommenden EU-Präsidentschaften Frankreichs und Tsche­chiens sicherlich aktiv vorangetrieben werden, entschieden entgegenzutreten?

In formeller Hinsicht wird die dringliche Behandlung gemäß § 93 Abs. 2 GOG verlangt.

*****

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Ich erteile Frau Abgeordneter Dr. Eva Glawisch­nig-Piesczek als erster Fragestellerin zur Begründung der Anfrage das Wort und mache darauf aufmerksam, dass gemäß § 93 Abs. 5 der Geschäftsordnung die Be­gründung 20 Minuten nicht überschreiten darf. – Bitte, Frau Dr. Glawischnig, Sie sind am Wort.

 


15.01.53

Abgeordnete Dr. Eva Glawischnig-Piesczek (Grüne): Frau Präsidentin! Herr Um­weltminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, wir alle sind am Mittwoch am frühen Abend entsprechend erschrocken und waren schockiert, als eine Alarmmeldung aus Slowenien bei der EU-Kommission einging, sodass erstmals EU-Atomalarm ausgelöst wurde mit dem Inhalt, dass in Slowenien im AKW Krško radio­aktives Wasser aus dem Primärkühlkreis ausgelaufen ist.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 155

Dieses EU-weite Alarmsystem gibt es seit Tschernobyl. Es wurde mit dem Sinn instal­liert, dass bei grenzüberschreitender radioaktiver Verseuchung möglichst alle Mitglied­staaten raschest informiert werden und auch entsprechend reagieren können. Wir wis­sen aus der Geschichte, dass das damals erst sehr spät geschah und viele Schäden, die eingetreten sind, hätten vermieden werden können.

Von der slowenischen Seite wurde bereits wenige Stunden später klargestellt, dass es sich um keinen echten Ernstfall handelt, sondern es wurde Entwarnung gegeben. Es war glücklicherweise kein atomarer Notfall.

Trotzdem, die europäische Öffentlichkeit war weitgehend geschockt. Es ist noch einmal glimpflich ausgegangen, keine Frage, aber es war für uns alle auch ein Testlauf, zu sehen, was passiert, wenn etwas passiert, beziehungsweise zu sehen, was alles nicht passiert. Es ist eine Reihe von großen Fragezeichen offen, über die man auch hier im Parlament reden muss und reden soll.

Es gibt offensichtlich eklatante Lücken im Informationssystem.

Noch einmal den Ablauf kurz vor Augen geführt: Um 15 Uhr wird das Leck entdeckt. Es ist der Primärkreislauf, das heißt, es ist der Kühlkreislauf, der dafür verantwortlich ist, dass der Reaktorkern immer auf einer bestimmten Temperatur bleibt und nicht darüber hinaus geht.

Die slowenischen Behörden benötigen 2 Stunden 38 Minuten, um Brüssel zu informie­ren.

Es dauert weitere 25 Minuten, bis die EU-Alarmmeldung im österreichischen Innenmi­nisterium eintrifft.

Und dann dauert es noch einmal eine Zeit lang, erst 3 Stunden 49 Minuten nach Entdeckung des Lecks im Primärkühlkreislauf wird die in Österreich hauptzuständige Strahlenwarnzentrale im Umweltministerium informiert.

Die österreichische Bevölkerung erfährt das alles eigentlich aus den deutschen Me­dien, Freunde aus Deutschland haben angerufen und gefragt: Wisst ihr schon, dass da etwas passiert ist? Die Österreicherinnen und Österreicher haben das also noch vor der Stellungnahme des Umweltministers aus deutschen Medien erfahren.

Aber der wichtigste Punkt: Da wird eine sehr, sehr relevante Information quer durch ganz Europa geschickt, und die wirklich entscheidende Stelle, nämlich die Strahlen­warnzentrale im Umweltministerium, die die Aufgabe hat, zu bewerten, was tatsächlich passiert ist und was man in dieser Situation dagegen unternehmen kann, wie man die österreichische Bevölkerung schützen kann, welche Maßnahmen sofort zu treffen sind, diese Strahlenwarnzentrale wird tatsächlich erst 3 Stunden 49 Minuten nach dem Zwi­schenfall informiert! Und das ist der Punkt, über den wir reden müssen.

Keine Frage, es gibt schwere Versäumnisse auf Seiten der slowenischen Behörden, aber – und das ist der Punkt, an dem auch Ihre Verantwortung als Umweltminister beginnt, Herr Kollege Pröll –: Warum ist das überhaupt möglich, warum ist nicht eine direkte Verbindung zwischen dem AKW-Betreiber, zwischen demjenigen, der als Erster die Information hat, und den österreichischen Nachbarn, die wissen, was zu tun ist, um die Bevölkerung zu schützen, verbindlich vorgegeben? Warum gibt es keine rechtlich verbindliche Verpflichtung, kein Abkommen mit Slowenien, kein Informationsabkom­men, in dem ganz klar festgehalten ist, dass eine sofortige, unverzügliche Information vom AKW-Betreiber an die österreichischen Strahlenwarnzentrale stattfinden muss? (Beifall bei den Grünen.)


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 156

Zu meiner Überraschung sagt der Landeshauptmann der Steiermark, Voves, dass es bis 1991 diese Direktinformation auch der Bevölkerung vor Ort, auch der Länder gege­ben hat.

Herr Bundesminister! Sie haben in Ihrer Amtszeit bereits einmal solch einen Informa­tionswirrwarr miterlebt, das war 2002. Es wurde damals vonseiten des tschechischen Betreibers – Tschechien ist übrigens das einzige Land, mit dem diese direkte Verpflich­tung besteht – 24 Stunden lang vertragswidrig nicht informiert. Sie haben dann noch 12 Stunden abgewartet und auch nicht informiert, es war dann der oberösterreichische Antiatombeauftragte. Sie haben aber schon einmal erlebt, was es für die Bevölkerung bedeutet, ein derartiges Informationschaos zu haben.

Man kann, glaube ich, davon ausgehen, dass Sie, der Sie für den Schutz der Bevölke­rung auch Verantwortung tragen, in solch einer Situation, wenn Sie das schon einmal erlebt haben, alles unternehmen, um genau diese direkte Information von all den AKWs, die rund um Österreich platziert sind, im Ernstfall sicherzustellen.

Es gibt die These, dass wir ein Strahlenmessnetz haben, auch außerhalb Österreichs, auch auf dem Gelände von Krško gibt es eine Messstelle. Wer sich einen atomaren Störfall so vorstellt, dass innerhalb der Sekunde, in der das Messnetz anschlägt, auch der Unfall passiert ist, der hat allerdings eine falsche Vorstellung. Solche Vorkomm­nisse bauen sich oft über Stunden auf. Deswegen ist es ganz, ganz wichtig, bereits bei Beginn eines Vorfalls, egal, wie er sich entwickelt, die Information zu haben, denn wenn der Strahlenmesswert nach oben geht, dann kann es unter Umständen nur noch eine halbe Stunde oder maximal eine Stunde dauern, bis die Kärntnerinnen und Kärnt­ner oder die Steirerinnen und Steirer mit erhöhter Strahlung zu tun haben – und das ist definitiv zu spät.

Die Conclusio ist: Wir haben hier eine riesige Lücke. Wir haben eine Lücke beim Infor­mationsfluss, beim Informationssystem. Wir haben keine direkten Abkommen mit unse­ren Nachbarstaaten, die uns diesen Informationsfluss punktgenau zur Verfügung stel­len. Wir haben zwar ein Strahlenmessnetz, aber das bringt uns im Ernstfall gerade eine halbe Stunde oder Stunde Zeit, wenn die Wetterlage passt oder wenn der Regen in Kärnten oder in der Südoststeiermark niedergeht, und das ist definitiv zu wenig, um die Bevölkerung effektiv zu schützen.

Sie sind seit längerer Zeit Umweltminister, es liegt in Ihrer Verantwortung, auch solche Informationsabkommen immer wieder zu überprüfen, immer wieder zu schauen, was man verbessern und wo man Lücken schließen kann. Es ist Ihre Verantwortung, diese Informationsabkommen so auszugestalten, dass die Bevölkerung maximalen Schutz hat. Ich stelle Ihnen daher die Frage, warum Sie das in all den letzten Jahren nicht ge­macht haben. Vor allem, weil Sie 2002 vor einer ähnlichen Situation gestanden sind und wissen, wie das die Bevölkerung verunsichert. Warum gibt es da keine Informa­tionsabkommen zwischen dem AKW-Betreiber und der Strahlenwarnzentrale im Um­weltministerium? (Zwischenruf des Abg. Gahr.)

Wenn Sie jetzt sagen, wir seien Panikmacher: Ich glaube, ich habe jetzt sehr punkt­genau und präzise beschrieben, wie dieser Informationsfluss erfolgen soll. Wenn Sie einen anderen Vorschlag haben, wenn Sie sagen, es reicht mir, so wie es jetzt ist, dann sage ich, dass das der österreichischen Bevölkerung mit Sicherheit nicht reicht! (Abg. Gahr: ... machen Sie Vorschläge!) – Ich habe einen präzisen Vorschlag ge­macht, bitte hören Sie zu!

Herr Umweltminister, wir haben mittlerweile rund um Österreich 30 Reaktorblöcke in Betrieb. (Abg. Gahr: Sie tun nur die Leute verunsichern!) – Sie können gerne heraus­kommen und argumentieren, warum Sie gegen ein Informationsabkommen sind, in dem eine bilaterale Direktinformation des AKW-Betreibers zur Strahlenwarnzentrale


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festgehalten ist. Wenn das nicht präzise ist, dann weiß ich es nicht. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Kopf: Sie haben ja dagegen gestimmt! Sie haben es abgelehnt! – Wei­tere Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Mit Tschechien gibt es solch ein Abkommen – warum nicht auch mit Slowenien, warum nicht auch mit Ungarn, warum nicht auch mit der Slowakei? (Abg. Kopf: Die Grünen haben als Einzige dagegen gestimmt beim Abkommen mit Tschechien, das Sie gerade gelobt haben!) – Das alte Abkommen. Wir können dann gerne noch einmal darüber reden, was die jetzigen Abkommen und Verhandlungen betrifft.

Noch einmal zurück zum Punkt. Es gibt mittlerweile mehr als 30 AKWs, mehr als 30 Reaktorblöcke rund um Österreich. Jene, die jetzt in Diskussion sind, Krško, Mo­chovce, Paks, Dukovany, Temelín, sind nur wenige von diesen 30, aber sie sind die mit Abstand gefährlichsten; Isar 1 muss man da auch immer dazusagen. Sie sind teilweise über 25 Jahre alt. Ein Reaktorblock im Alter von 25, 28, 29 Jahren ist schon sehr, sehr problematisch – eine Lebensdauer von 30, 35 Jahren; mit jedem zusätzlichen Jahr steigt das Risiko. Das heißt, das Risiko an den österreichischen Grenzen wird auch in den nächsten Jahren massiv ansteigen.

Wenn Sie sich jetzt so aufregen und sagen, dass da ja ohnehin etwas gemacht wird und der Umweltminister so arm ist, weil wir ihn nicht unterstützen, möchte ich schon noch eine Frage stellen: Wie wichtig ist Ihnen das wirklich? – Sie schaffen zwar Ab­fangjäger für ziemlich theoretische Situationen an (Zwischenrufe bei der ÖVP), nämlich für den Fall, dass Österreich einmal von irgendjemandem angegriffen wird, aber Sie schaffen es nicht, ein Strahlenwarnsystem und ein Informationsabkommen so zu ge­stalten, dass bei einem Ernstfall Schutz der österreichischen Bevölkerung zumindest in einem Mindestausmaß möglich ist. (Beifall bei den Grünen. – Neuerliche Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Ich bringe Ihnen noch ein Argument, warum ich den Eindruck habe, dass Sie nichts daraus gelernt haben und dass es Ihnen eigentlich egal ist. Im Zusammenhang mit der Masche: Wir sind so arm, in ganz Europa hat uns niemand lieb, keiner hört uns zu und keiner will uns bei der Anti-Atompolitik unterstützen!, fragen wir jetzt einmal ganz prä­zise nach, was Sie wirklich tun. Und einen Anlassfall möchte ich Ihnen schon noch vor Augen halten.

Es gibt im Moment beim AKW Mochovce konkrete Ausbaupläne, zwei neue zusätzliche Reaktoren. (Zwischenruf des Abg. Gahr.) Das sind definitiv Schrottreaktoren. Das sind Reaktoren, die auf altem Fundament aus den achtziger Jahren mit alten Plänen fertig gebaut werden sollen. Definitiv Schrottreaktoren. Die Italiener wollen das übrigens ma­chen.

Diese beiden Reaktorblöcke sollen mit Genehmigungen errichtet werden, die aus dem kommunistischen Regime, aus dem Jahre 1986 stammen. Das heißt: keine Beteiligung der Öffentlichkeit, keine ordentlichen Verfahren, keine Beteiligung der Nachbarländer, keine Umweltverträglichkeitsprüfung, nicht einmal eine Einbeziehung der eigenen Be­völkerung. Dieses Projekt, das hier so durchgezogen wird, hat vonseiten des österrei­chischen Umweltministers bis zum heutigen Tag keine ordentliche schriftliche Protest­note erhalten, dass das so nicht möglich ist. (Bundesminister Dipl.-Ing. Pröll: Stimmt nicht!) – Sie können das gerne vorlegen.

Es gibt mittlerweile sechs österreichische Bundesländer, parteiübergreifend, die möch­ten, dass das klargestellt wird. Es darf nicht sein, dass österreichisches, europäisches und internationales Recht unter Berufung auf eine Genehmigung aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts einfach umgangen wird! (Beifall bei den Grünen.)


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Die erste ein bisschen kritische Meldung, die es jetzt dazu von österreichischer Seite gibt, kam von Außenministerin Plassnik – sehr, sehr vorsichtig. Sie hat gesagt, wenn es eine UVP gibt, würden wir schon gerne mitreden. – Nur, solange man nicht aus­drücklich und klar feststellt, dass dieses Vorgehen ein Umgehen jeglichen europäi­schen Rechtsbestandes und de facto ein Vor-den-Kopf-Stoßen internationaler Regeln und auch der österreichischen Seite ist, muss man eben damit rechnen, dass sich die slowakische Seite nicht darum kümmert. Und bis zum heutigen Tag gibt es diesen offi­ziellen Protest, eine schriftliche Stellungnahme, dass diese Vorgangsweise nicht zuläs­sig ist, weder auf der anderen Seite, in der Slowakei, noch bei der EU-Kommission. Da sind Sie säumig.

Wenn Sie sagen, dass es sie gibt, dann legen Sie sie uns schriftlich vor, sowohl die, die an die Slowakei gegangen ist, als auch jene, die an die EU-Kommission gegangen ist, oder sagen Sie, warum Sie sie bis jetzt nicht gemacht haben.

Das ist genau der Punkt: Wenn Ihnen das wirklich wichtig ist, dann reicht es nicht, immer nur zu sagen, dass wir die Einzigen sind, die gegen Atomkraftwerke sind, dass das nur hier in Österreich so ist, sondern dann müssen Sie auch wirklich präzise,
mit Unterlagen, mit Gutachten, mit Hartnäckigkeit und wahrscheinlich auch mit mehr Standfestigkeit, als Sie in der Vergangenheit bewiesen haben, vorgehen. (Beifall bei den Grünen.)

Gerade bei diesen Ausbauprojekten fehlt es, dass diese offiziellen österreichischen Be­denken, die Verwendung der alten Genehmigung, auch klargestellt werden.

Das betrifft viele Punkte. Sie haben schon so oft angekündigt – dann argumentieren Sie aber immer mit irgendwelchen Schriftstücken, die nicht nachvollziehbar sind und auch nicht vorgelegt werden –, dass Sie im Rahmen der Europäischen Union tatsäch­lich einen Kurswechsel angehen und versuchen wollen. Stattdessen stimmt Österreich jedoch immer und immer wieder bei jeglicher Aufstockung des unverschämten Förder­volumens, das im Rahmen der Europäischen Union und der OECD immer noch für die Nuklearenergie zur Verfügung gestellt wird, mit, und zwar immer mit dem gleichen Ar­gument: Sichere AKWs sind uns lieber als unsichere AKWs! – Das ist aber kein Argu­ment. (Abg. Dr. Schüssel: O ja, ein gutes Argument! Ein sehr gutes Argument!)

Es gibt keine sicheren AKWs. Mit diesen Geldern, Herr Kollege Schüssel, werden in erster Linie neue Reaktorgenerationen entwickelt und gebaut und höchststaatlich sub­ventioniert, um in Frankreich eine neue Reaktorgeneration einzuführen, in Finnland einen neuen Reaktor zu bauen. Da geht es nicht um Sicherheit. (Abg. Dr. Schüssel: O ja!) – Wo geht es in Mochovce um Sicherheit? Da wird ein alter Schrottreaktor errichtet!

In Finnland – das möchte ich kurz erwähnen, dass das auch klar ist –, das ist eine der­maßen hoch subventionierte Energiequelle im Moment. Und wenn hier nicht Österreich auch von rechtlicher Seite her einmal nein sagt, das Euratom-Forschungsprogramm sollte hier wirklich einmal einen Riegel vorschieben und nicht weiterhin neue Reaktor­generationen erforschen, dann wird Europa in 20 Jahren immer noch so aussehen, wie es jetzt aussieht. (Abg. Dr. Schüssel: Das hat mit Mochovce nichts zu tun!)

Es ist eben eine Tatsache, dass Sie sich vor diesen wirklich ernsten Auseinanderset­zungen scheuen, nur in Österreich gegen Atomenergie unterwegs sind (neuerlicher Zwischenruf des Abg. Dr. Schüssel) – gerade Sie, Herr Kollege Schüssel, sollten da vorsichtig sein – und gerade auf internationaler Ebene keinen Mucks mehr machen. Ich höre das auch immer von den verbündeten NGOs und den Staaten, die im Bereich Anti-Atomkraft tatsächlich etwas weiterbringen wollen. (Beifall bei den Grünen. – Zwischenruf des Abg. Dr. Schüssel.) – Sie können gerne das Gegenteil belegen.

Das zweite Beispiel, das ich noch bringen möchte und das meine Kollegin Ruperta Lichtenecker sicher noch ausführlicher beleuchten wird, ist das Vorgehen in der Causa


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Temelín. Herr Kollege Schüssel, Sie haben damals Inserate geschalten – ich erinnere mich gut daran –, Sie und Kollege Molterer: Melker Abkommen garantiert rechtsver­bindlich. – Jeder, der völkerrechtlich ein bisschen bewandert ist, wusste schon damals bei Abschluss, dass das garantiert nicht rechtsverbindlich ist.

Und dann keinen Streitmechanismus zu verlangen oder zu verhandeln, wohl wissend, dass es dann keine Möglichkeit gibt, zum IGH zu gehen, das liegt in Ihrer Verantwor­tung. Ich halte Sie für intelligent genug, dass Sie damals genau gewusst haben, was Sie tun. Sie haben damals kein rechtsverbindliches Abkommen für Österreich ausver­handelt, obwohl Sie es dann der Bevölkerung in Inseraten weismachen wollten. (Zwi­schenruf des Abg. Gahr.)

Heute stehen wir vor dem Problem, dass eine Völkerrechtsklage de facto nicht möglich ist oder nur sehr schwer möglich ist, aber trotzdem wäre es den Versuch wert gewe­sen, sie zumindest einmal einzubringen und zumindest einmal zu deponieren, dass wir mit diesem Vorgehen nicht einverstanden sind. Aber selbst das haben Sie nicht ge­macht. (Beifall bei den Grünen.)

Jetzt komme ich noch zu einigen Fragen.

Wir möchten gerne noch einmal den Ablauf genau wissen: Wann ist tatsächlich die zentrale Stelle in Ihrem Ressort, die Strahlenwarnzentrale, informiert worden? Welchen Inhalt hat die Information gehabt? Und wenn es da Missverständnisse gegeben hat und schwere Versäumnisse auch bei der slowenischen Behörde, dann möchte ich wis­sen, ob Sie auch schriftlich einen Bericht eingefordert haben, sodass wir nachvollzie­hen können, was tatsächlich geschehen ist.

Halten Sie es tatsächlich für ausreichend, dass diese Direktinformation an die Stelle, die es eigentlich wissen muss, erst vier Stunden später erfolgt ist? Und welche Konse­quenz werden Sie daraus ziehen, dass die österreichische Bevölkerung aus den deut­schen Medien von diesem Vorfall erfahren hat?

Weiters würde mich sehr interessieren, welche rechtlichen Konsequenzen Sie in Ihrer Verantwortung als Umweltminister, auch als Zuständiger für Umweltinformationsab­kommen, auch mit den Nachbarstaaten ziehen werden, was Sie unternommen haben und unternehmen werden, denn mit dieser Situation können auch Sie, glaube ich, nicht zufrieden sein.

Noch etwas würde mich interessieren: Wenn Sie schon behaupten, dass hier nicht mehr möglich ist, dann frage ich, warum das mit manchen Staaten möglich war. Mit der tschechischen Republik gibt es sehr wohl ein diesbezügliches Abkommen. Das heißt, es müssen offensichtlich erst die Bevölkerung und die NGOs mit massivem Druck ... (Abg. Dr. Schüssel: Mit Temelín!) Mit Tschechien gibt es ein Abkommen. Da gibt es dieses Abkommen. Das heißt, es ist möglich. Warum haben Sie es also verabsäumt, das mit den anderen Staaten auch zu machen?

Einen letzten Fragenblock, den ich Ihnen noch stellen möchte: Was haben Sie in den letzten Jahren als Umweltminister an Ausstiegsinitiativen tatsächlich versucht? Die Anti-Atompolitik, wir haben so oft in diesem Haus darüber diskutiert, ist im Wesentli­chen eingeschlafen. Es gibt keine Initiativen bei Ausbauplänen. Bei UVP-Umgehungen, bei Fristverlängerungen gibt es von österreichischer Seite keine Initiativen! Erst dann, wenn sich NGOs, Bürgerinitiativen oder die Opposition entsprechend aufregen, begin­nen Sie zu handeln.

Ich habe unter dem Strich den Eindruck, dass Ihnen das Thema einfach nicht wichtig ist, dass Sie glauben, solche Dinge wie 11. September und Tschernobyl in Kombina­tion wird es mit Sicherheit nicht geben, und deswegen tun wir erst gar nichts. Die Di­mension der Problematik seit dem 11. September – wir müssen auch einmal bespre-


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chen, was das wirklich bedeutet – blenden Sie völlig aus. (Abg. Dr. Schüssel: Sie sind ja gegen jede Maßnahme ...!)

Die österreichische Bevölkerung kann, glaube ich, mit einem Umweltminister, der mit dem Problem so umgeht, nur Slowenien schimpft, aber keine Konsequenzen daraus zieht, nicht zufrieden sein. – Danke. (Beifall bei den Grünen.)

15.19


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zur Beantwortung der Anfrage hat sich nun der Herr Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft ge­meldet. Herr Bundesminister, Ihre Redezeit soll 20 Minuten nicht übersteigen. – Bitte, Sie sind am Wort.

 


15.19.22

Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich halte es grundsätzlich für sehr gut, wenn im Hohen Haus über die Frage der nuklearpolitischen Zukunft in Österreich, in Europa diskutiert wird, und wir haben ja tatsächlich auch einen Anlassfall mit dem, was Anfang der Woche rund um Krško und vor allem in der Frage der Informationspolitik und der Informationsfälle aus Slowenien nach Österreich und in die Europäische Union da ist.

Ich habe in diesem Zusammenhang von einer Wirrwarr-Informationspolitik den konkre­ten Anlassfall betreffend gesprochen. Und das setzt sich hier heute, so habe ich den Eindruck, wenn ich Ihnen, Frau Präsidentin Dr. Glawischnig-Piesczek, zuhöre, in einer Wirrwarr-Diskussion weiter fort. Denn: Wenn Sie mir den 11. September hier vorwer­fen, dann muss ich sagen: Ich weiß nicht, was ich als Umweltminister der Republik Ös­terreich mit dem 11. September auch nur ansatzweise zu tun habe.

Das Zweite: Wenn Sie mir oder uns heute vorwerfen, um noch weiter auszuholen, dass die Frage der Informationsabkommen nicht ausreichend verhandelt sei, so muss ich Ihnen sagen: Sie waren es, Ihre Fraktion war es, die dem neuen Informationsabkom­men mit Tschechien in diesem Hohen Haus nicht zugestimmt hat. (Beifall bei der ÖVP.)

Also ich kenne mich nicht mehr aus, welchen Weg Sie damit verfolgen! Sich von De­batte zu Debatte anders auszurichten, ist eine zu einfache Politik: einmal so, einmal so und einmal so! Nur: Das hat keine Nachhaltigkeit in der Antinuklearpolitik. Noch einmal: Sie waren dagegen – und da können Sie nachschauen –, dass wir ein neues Nuklear­informationsabkommen mit der Tschechischen Republik auf den Weg bringen. – Diese Liste der Beispiele könnte ich fortsetzen.

Das ist eigentlich schade, weil es dabei um sehr ernste Themen geht. Es geht zum Beispiel darum, wie der Schutz der österreichischen Bevölkerung bei grenznahen Kraftwerken ordentlich organisiert werden kann. Und wir müssen auch über die Fehler reden, die jetzt im konkreten Fall passiert sind. Aber wir müssen dabei die Linie klar halten: Es geht um den Schutz, es geht um Kontrolle, und es geht um bestmögliche Information! Und das haben wir – das können wir dokumentieren – beim konkreten An­lassfall seitens Österreichs in jedem Fall sichergestellt.

Ich komme nun zur Beantwortung Ihrer Fragen.

Zur Frage 1:

Zum Zeitablauf:

Um 18.03 Uhr ging eine Alarmmeldung – ECURIE-„Alert“-Meldung – in der Einsatz- und Krisenzentrale des österreichischen Innenministeriums ein.


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18.39 Uhr: Auf Grund des bilateralen Abkommens mit Slowenien: EMERCON-Meldung mit Details über den Vorfall – irrtümlich mit der Kennzeichnung „Exercise“ (Übung) ver­sehen – von Slowenien an die Einsatz- und Krisenzentrale des österreichischen Innen­ministeriums sowie gleichzeitig, auch mit der Anzeige „Übung“, an die IAEO, an Italien und an Ungarn.

18.49 Uhr – 10 Minuten später –: Einsatz- und Krisenzentrale des österreichischen In­nenministeriums informiert die Strahlenwarnzentrale des Umweltministeriums über diese „Exercise“-Meldung (Übungs-Meldung). Ich wiederhole: 10 Minuten später.

Die Strahlenwarnzentrale verifiziert die Informationen und unternimmt trotz der Angabe „Übung“ eine zielgerichtete Überprüfung der Informationen sowie der Werte der einzel­nen relevanten Messstationen, die Slowenien betreffen.

Obwohl die Meldung mit „Übung“ versehen war, haben wir nachgeprüft, meine sehr ge­ehrten Damen und Herren!

19.15 Uhr: Information der Einsatz- und Krisenzentrale des österreichischen Innenmi­nisteriums durch Strahlenschutzzentrale, dass keine Gefährdung für Österreich fest­stellbar ist.

20.00 Uhr: Abschließende Rückfrage bei der slowenischen Aufsichtsbehörde – und dann Information auch in der Öffentlichkeit.

Sehr geehrte Frau Abgeordnete Glawischnig! Wenn Sie sagen, dass die deutschen Medien früher öffentlich wirksam waren als ich als Umweltminister, darf ich Ihnen sa­gen: Weil mir ein Übungsfall angezeigt war!

Verlangen Sie bitte von mir nicht, dass ich, wenn ein Übungsfall angezeigt ist, breitflä­chigen Alarm in Österreich schlage. Oder wollen Sie das haben – zur Verunsicherung der Menschen in diesem Land? (Beifall bei der ÖVP.)

Zur Frage 2:

Je mehr Zeit vor einer tatsächlichen Auswirkung auf die Bevölkerung in Österreich zur Verfügung steht, umso mehr und umso wirksamer – das ist klar – können erste Schutz­maßnahmen getroffen werden. Daher ist es von größter Bedeutung, dass die Informa­tion über einen Unfall möglichst rasch an die Verantwortlichen in allen möglicherweise betroffenen Staaten weitergeleitet wird.

Dass die Weiterleitung der Information beim aktuellen Zwischenfall im AKW Krško bis zur Strahlenwarnzentrale des österreichischen Umweltministeriums knapp vier Stun­den gedauert hat, wäre bei einem schweren Unfallereignis zweifellos nicht zufrieden­stellend. Die aufgetretenen Mängel in der Kommunikation werden einerseits auf bilate­raler, andererseits auch auf europäischer und internationaler Ebene sicher zu themati­sieren sein.

Es darf aber festgehalten werden, dass wir ein Sicherungssystem, unabhängig von der aktiven Meldung unserer Nachbarstaaten, installiert haben. Österreich hat einen eige­nen direkten Online-Zugriff auf die Strahlenmessstelle in der Nähe von Krško, sodass wir im Falle erhöhter Messwerte eine unmittelbare Information innerhalb kürzester Zeit – rund um die Uhr – sichergestellt haben, weil wir uns nicht nur auf die einseitige Information verlassen wollen.

Zur Frage 3:

Alle eingelangten Meldungen stimmen dahin gehend überein, dass das Leck am 4. Ju­ni um 15.07 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (13:07 UTC) entdeckt wurde.


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Zur Frage 4:

Bereits gestern, am 5. Juni, habe ich die Angelegenheit – das wissen Sie auch – beim europäischen Umweltministerrat vor dem versammelten Plenum der Umweltminister, nicht nur bilateral, zur Sprache gebracht und auch meinem slowenischen Amtskollegen Podobnik eine Protestnote übergeben, mit dem Ersuchen um detaillierte schriftliche Aufklärung und Skizze für das weitere Vorgehen mit Slowenien. Darin habe ich ihn auf­gefordert, alle Maßnahmen zu treffen, dass derartige Pannen in Zukunft unterbleiben beziehungsweise nicht mehr vorkommen. Darüber hinaus erwarten wir uns – das habe ich schon gesagt – im bilateralen Austausch eine lückenlose Aufklärung.

Zur Frage 5:

Diese habe ich schon bei der Frage 2 beantwortet.

Zur Frage 6:

Die Experten des Umweltministeriums haben die Verpflichtung, die ihnen vorliegenden Informationen umfassend und seriös zu überprüfen und zu bewerten, bevor diese samt der Einschätzung und allfälligen Maßnahmenempfehlung, die ja auch von großer Trag­weite sein kann – hoffentlich nie –, an andere Stellen und an die Öffentlichkeit weiter­gegeben werden.

Im gegenständlichen Fall wurde von meinen Experten eine unverzügliche Analyse – ich habe das beim Zeitablauf gesagt – der eingelangten Meldungen sowie die Überprü­fung der aktuellen Messwerte aus dem slowenischen Strahlenfrühwarnsystem durch­geführt, um trotz der Widersprüche in den Informationen – Kennzeichnung als „Übung“ in der Meldung an die Nachbarländer und an die IAEO, im Gegensatz zu dem, was in­ternational über die Europäische Union gelaufen ist – die Lage richtig einzuschätzen. Als Ergebnis wurde bereits nach 25 Minuten die zutreffende Beurteilung abgegeben, dass für Österreich niemals eine Gefährdung bestanden hat.

Zu den Fragen 7 und 8:

Die bilateralen Vereinbarungen betreffen die Informationsweitergabe zwischen den ver­antwortlichen staatlichen Stellen. Das sind die Nuklearaufsichtsbehörden der Betreiber­staaten und das Bundesministerium für Inneres und das Umweltministerium in Öster­reich.

Für die Betreiber der Kernanlagen besteht die Verpflichtung, im Ereignisfall unverzüg­lich die zuständige Aufsichtsbehörde zu informieren. Diese hat die Auswirkungen außerhalb der Anlage abzuschätzen und für die eventuell notwendigen Maßnahmen zu sorgen. Daher verfügt die Aufsichtsbehörde, nicht aber der KKW-Betreiber, über einen umfassenden Informationsstand.

Zur Frage 9:

Wie schon zur Frage 6 ausgeführt, hat das Umweltministerium die vorliegenden Infor­mationen zu überprüfen und danach die Bevölkerung entsprechend der Situation de­tailliert zu informieren. Weiters sind in diesem Zusammenhang allfällige Maßnahmen­empfehlungen zu geben. Das ist im vorliegenden Fall geschehen.

Zur Frage 10:

Gemäß ECURIE-Entscheidung des Rats der EU sind bei Unfällen in Anlagen, bei de­nen es in signifikantem Maß zur Freisetzung von radioaktiven Stoffen kommen kann, alle Mitgliedstaaten unverzüglich zu informieren.

Eine analoge Vereinbarung enthalten auch die bilateralen Abkommen Österreichs mit den Nachbarstaaten: Bei Eintritt einer radiologischen Gefahr, bei welcher die Gefähr-


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dung des Nachbarstaates nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, ist unver­züglich, spätestens jedoch bei Entscheidung über Maßnahmen zum Schutz oder Infor­mation der eigenen Bevölkerung auch der Partnerstaat zu benachrichtigen.

Zur Frage 11:

Bei dem Ereignis des 6. Juni 2004 im Block 2 des KKW Temelín handelt es sich um die Leckage von zirka drei Kubikmetern leicht kontaminierten Wassers. Dieses ist in dafür vorgesehenen Bereichen gesammelt worden, deren Oberfläche dadurch zwischen drei und acht Becquerel pro Quadratzentimeter kontaminiert wurde. Weder waren davon Personen des KKW Temelín noch irgendwelche Bereiche außerhalb des Kraftwerks und schon gar nicht die österreichische Bevölkerung und Umwelt betroffen. Alle von tschechischer Seite übermittelten Angaben konnten direkt durch österreichische Mess­stationen in unmittelbarer Nähe des Standortes Temelín – das gilt auch im konkreten Fall wieder – bestätigt werden. Die im Melker Prozess vereinbarte Info-Hotline hat ver­einbarungsgemäß funktioniert.

Die Konsequenz daraus – wie auch aus dem vorgestrigen Ereignis – ist, dass sich die österreichische Bevölkerung auf das Umweltministerium und das von uns betriebene Strahlenfrühwarnsystem absolut verlassen kann. Gefahren sind beim Namen zu nen­nen und aufzuzeigen, aber Panikmache ist sicher unseriös.

Zu den Fragen 12 und 13:

Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung bei schweren KKW-Unfällen hängen von zahlreichen Faktoren ab, wie zum Beispiel Unfallablauf in der Anlage und Wettersitua­tion. Wie schon zuvor erläutert, ist daher eine möglichst rasche und umfassende Infor­mation aus dem Unfallland von höchster Wichtigkeit.

Um dies zu gewährleisten, wurden die bilaterale Zusammenarbeit und der Informa­tionsaustausch mit allen Nachbarstaaten Österreichs, die Kernkraftwerke betreiben, in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet. Ein permanenter automatischer Datenaus­tausch notfallrelevanter Daten, wie zum Beispiel von Messwerten der Strahlenfrüh­warnsysteme, gewährleistet die umgehende Information der österreichischen Behör­den in einem Anlassfall, was selbst bei relativ kurzen Vorwarnzeiten die rechtzeitige Einleitung und Umsetzung von etwaigen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung er­möglicht.

Zusätzlich können durch den Einsatz von sogenannten Entscheidungshilfesystemen erste Prognosen über die mögliche Betroffenheit der Bevölkerung durch einen Unfall in einer kerntechnischen Anlage bereits vor einer tatsächlichen Freisetzung von Radioak­tivität berechnet werden, wodurch wertvolle Zeit für die Vorbereitung von Maßnahmen gewonnen wird.

Betreffend die Evakuierung der Bevölkerung ist festzuhalten, dass im Auftrag meines Ressorts umfangreiche Analysen der Auswirkung verschiedener schwerer – auch sehr unwahrscheinlicher – KKW-Unfälle in grenznahen Anlagen durchgeführt worden sind. Diese zeigen, dass eine großflächige Evakuierung der Bevölkerung in Österreich auch im ungünstigsten Fall nicht erforderlich sein wird. Hingegen wären andere Schutzmaß­nahmen, wie etwa die Einnahme von Kaliumjodittabletten oder das Verbleiben in den Häusern, zu ergreifen. Für diese Maßnahmen sind entsprechende Vorbereitungen ge­troffen.

Zu den Fragen 14 und 16:

Diese Fragen des Katastrophenschutzes liegen nicht in der Zuständigkeit meines Res­sorts.


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Zu Frage 17:

Die Botschaft, die auch aus dem von mir initiierten und veröffentlichten „Argumenta­rium: Kernenergie, Klimaschutz und Nachhaltigkeit“ hervorgeht, ist klar und eindeutig: Gegen Terrorangriffe können Kernkraftwerke nur in beschränktem Maße geschützt werden. Nukleare Weiterverbreitung mit dem Ziel, Kernwaffen zu bauen, ist weiterhin – weltweit – ein ernstes Thema in der internationalen Politik.

Mein Haus beschäftigt sich seit jeher mit externen Gefährdungen von Kernanlagen. Ich habe mich daher auch sofort nach Ernennung des EU-Koordinators für die Bekämp­fung des Terrorismus an diesen gewandt und ihn gebeten, dem Terror gegen kerntech­nische Anlagen besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Österreich unterstützt diesbezügliche Aktivitäten auf bilateraler, internationaler und EU-Ebene aktiv. So wurde mit Deutschland sowohl betreffend Zwischenlager als auch Kernkraftwerke ein intensiver Dialog – zum Teil in eigenen Sondertreffen – geführt, bei dem auch streng vertrauliche Informationen tiefgehend erörtert wurden.

Betreffend die Konsequenzen für den speziellen Fall eines terroristischen Angriffes auf ein Atomkraftwerk ist zu sagen, dass die Art des Anlassfalles für eine großräumige ra­dioaktive Kontamination Österreichs bei der Notfallplanung zweitrangig ist. Ausschlag­gebend für die notwendigen Maßnahmen sind die Höhe der Strahlenbelastung und die Größe des betroffenen Gebietes. Die Auswirkungen von terroristischen Aktionen neh­men in diesem Sinn keine Sonderstellung in den denkbaren Szenarien ein.

Zu den Fragen 18 und 19:

Österreich zählte und zählt zu den am stärksten von den Fernwirkungen der Katastro­phe im Kernkraftwerk Tschernobyl betroffenen Staaten Mitteleuropas. In unserer nähe­ren und weiteren Umgebung befinden sich in Ost und West zahlreiche Kernkraftwerke. Allerdings wird realistischerweise auf Sicht ein Ausstieg aus der Kernenergie kaum zu erreichen sein – auch wenn wir das vertreten. Ich sage klar und deutlich: Das wird nicht zu erreichen sein!

Die konsequente Position Österreichs ist es daher, unter Hinweis auf die Risiken der Kernenergie weiterhin jeden Ausstieg eines Landes aus der Kernenergie zu unterstüt­zen und gleichzeitig auf europäischer Ebene auch die Initiativen zur Schaffung einheit­licher hoher Sicherheitsstandards für noch in Betrieb befindliche Kernkraftwerke mit Nachdruck fortzusetzen.

Zu beachten ist aber, dass Entscheidungen über die nationale Energiepolitik weitestge­hend der nationalen Souveränität unterliegen. Was wir für uns in Anspruch nehmen – das wurde auch in den Verhandlungen zum Beitritt Österreichs zur Europäischen Union vorgebracht: nationale Souveränität in der Energiepolitik –, müssen wir auch an­deren zugestehen. Wir werden jedoch unsere Überzeugungsarbeit weiterführen, ja weiterführen müssen. Ausstiegsszenarien können nur gemeinsam mit dem betroffenen Staat entwickelt werden.

Zu den Fragen 20 bis 25:

Österreich lehnt die energetische Nutzung der Kernkraft nach wie vor ab – unter ande­rem deshalb, weil sie weder mit den Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung in Ein­klang zu bringen ist noch eine kostengünstige und zukunftsverträgliche Option zur Be­kämpfung des Klimawandels darstellt –, muss aber leider die nationale Souveränität anderer Staaten in dieser Frage respektieren.

Dort jedoch, wo es um legitime Schutzbedürfnisse der österreichischen Bevölkerung und den Schutz der Umwelt geht, ist Österreich berechtigt und auch verpflichtet, seine Stimme zu erheben. Das geht auch ganz klar aus dem Regierungsprogramm für diese


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Gesetzgebungsperiode hervor, in dem unter anderem ausgeführt wird, dass Österreich in allen Fällen von grenznahen Kernkraftwerksprojekten im Rahmen des EU-Rechts und der ESPOO-Konvention auch künftig alle Möglichkeiten zum Schutz der österrei­chischen Sicherheitsbedürfnisse wahrnehmen und nutzen wird.

Diese Haltung ist sowohl der Regierung der Slowakischen Republik als auch jener Ita­liens bekannt.

Zu Ihrer Frage des Umgangs mit Mochovce: Dies gilt auch für den konkreten Fall der geplanten Fertigstellung der Blöcke 3 und 4 des KKW Mochovce.

Dennoch lassen wir keine Möglichkeit ungenützt, unseren Standpunkt klar und deutlich darzulegen. Erst gestern hat Frau Außenministerin Plassnik in Pressburg diese Hal­tung einmal mehr unmissverständlich unterstrichen.

Angesichts einer aufrechten Baubewilligung ist gemäß slowakischer Rechtslage keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich. Es gibt bislang keine konkreten Anhalts­punkte, dass das slowakische Recht in diesem Punkt gegen EU-Recht oder internatio­nale Übereinkommen verstößt. Sollten sich solche neuen Gesichtspunkte ergeben, würden diese natürlich sofort einer sorgfältigen weiteren Prüfung unterzogen werden.

Dennoch habe ich mich auch schriftlich an meinen slowakischen Amtskollegen ge­wandt und unter anderem Österreichs dringenden Wunsch nach größtmöglicher Infor­mation und Konsultation sowie nach umfassender Beteiligung der Öffentlichkeit, glei­chermaßen in der Slowakischen Republik wie in der Republik Österreich, deponiert. In seiner Antwort verweist der slowakische Umweltminister darauf, dass gegenwärtig die Rechtslage hinsichtlich einer Umweltverträglichkeitsprüfung nach nationalen und inter­nationalen Rechtsvorschriften gründlich geprüft werde.

Da es nach wie vor keine rechtsverbindlichen europäischen Sicherheitsstandards gibt, können die Blöcke 3 und 4 des KKW Mochovce auch nicht an verbindlichen Sicher­heitsnormen gemessen werden. Unbeschadet dessen drängt Österreich auch im Falle der geplanten Fertigstellung der Blöcke 3 und 4 des KKW Mochovce auf höchstmögli­ches Sicherheitsniveau und einen umfassenden bilateralen Sicherheitsdialog. Die Slo­wakische Republik hat dazu ihre Bereitschaft bereits bekundet.

Der erste Schritt wird in der Klärung der tatsächlich intendierten Nachrüstung be­stehen, da erst dann eine fundierte Beurteilung, ob die Fertigstellung der Blöcke 3 und 4 des KKW Mochovce im Sinne der UVP-Richtlinie beziehungsweise der ESPOO-Kon­vention als neues Vorhaben zu qualifizieren ist, möglich wird. Dies ist auch eine unab­dingbare Voraussetzung für eine Befassung der Europäischen Kommission.

Das derzeit laufende Verfahren nach Artikel 41 Euratom-Vertrag prüft lediglich Ge­sichtspunkte der Investitionsvorhaben, die mit den Zielen des Euratom-Vertrages im Zusammenhang stehen. Sicherheitsfragen sind nicht Gegenstand dieser Prüfung. Andere Mitgliedstaaten – und somit auch Österreich – haben kein Stellungnahmerecht in diesem Verfahren. Wer anderes behauptet, sollte sich wohl detaillierter mit dem Euratom-Vertrag auseinandersetzen.

Zu den Fragen 26 bis 28:

Wie ich bereits heute Morgen ausgeführt habe: Ja, die „Vereinbarung von Brüssel“ vom November 2001 ist ein völkerrechtlich verbindlicher Vertrag. Das von der Bundesregie­rung in Auftrag gegebene und auch veröffentlichte Gutachten macht das klar. Die Mit­teilung, dass Österreich die „Vereinbarung von Brüssel“ hinsichtlich der kommerziellen Inbetriebnahme des KKW Temelίn nicht als erfüllt ansieht, erfolgte mit gemeinsamem Schreiben des Herrn Bundeskanzlers und mir am 4. Juni 2007.


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Auch wenn es nicht meine Aufgabe ist, verweise ich darauf, dass Österreich im Rah­men der Arbeit der Gemischten Parlamentarischen Kommission Temelín seine Stand­punkte unmissverständlich dargelegt hat. Die Zweckmäßigkeit eines weiteren Gutach­tens wird vom Herrn Bundeskanzler zu beurteilen sein. Politisch geht es aber vor allem darum, dass die „Vereinbarung von Brüssel“ auf Punkt und Beistrich umgesetzt wird. Dafür arbeite ich, während andere in diesem Haus offensichtlich meinen, durch Verwei­gerung der Beteiligung an der Diskussion in der Parlamentarischen Kommission einen positiven Beitrag zu leisten. Das Gegenteil ist der Fall, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Zur Frage 29:

Schließungsvereinbarungen erfordern ein gemeinsames europäisches Auftreten. Dies gilt vor allem für Reaktoren der ersten Generation, etwa für jene in Russland oder in Armenien. Dafür arbeiten wir gemeinsam mit mehreren europäischen Partnern.

Derzeit geht es aber vor allem darum, dafür zu sorgen, dass die bereits vereinbarten Schließungsverpflichtungen eingehalten werden. Selbst wenn es mitunter durchsich­tige politische Motive sind, mit denen vereinbarte Schließungsverpflichtungen in Frage gestellt werden, so ist dem entschieden entgegenzutreten. Dies hat auch die Frau Außenministerin gestern in Pressburg einmal mehr klargemacht. Die Schließungsver­pflichtungen sind für Österreich nicht verhandelbar.

Zur Frage 30:

Ich erinnere daran, dass Österreich von Beginn seiner EU-Mitgliedschaft an Reformbe­mühungen betreffend den Euratom-Vertrag unterstützt hat und wiederholt selbst Initiati­ven zur Reform dieses Vertrages gestartet hat, insbesondere um den Förderzweck zu eliminieren, den Schutzzweck auszubauen, einen fairen Wettbewerb herzustellen und die Entscheidungsprozesse zu demokratisieren.

Nach intensivstem Lobbying Österreichs haben im Jahr 2004 fünf der damals 25 Mit­gliedstaaten eine Erklärung zum Verfassungsvertrag, welche eine Revisionskonferenz fordert, unterstützt. Es bedurfte nachdrücklichen Lobbyings, um diese Erklärung auch in den „Vertrag von Lissabon“ zu übernehmen.

Dies hat einerseits gezeigt, dass Österreich mit diesem Bestreben nicht alleine ist, zeigte aber andererseits ganz deutlich, dass die für die Einsetzung einer Regierungs­konferenz erforderliche Mehrheit, insbesondere aber die für eine Änderung des Euratom-Vertrages erforderliche Einstimmigkeit in Europa nicht gegeben erscheint. Da­her müssen wir unsere Anstrengungen weiterhin darauf konzentrieren, die Unterstüt­zerbasis für eine Reform zu erweitern und zu festigen.

Zu den Fragen 31 und 32:

Geänderte Umstände erfordern neue politische Antworten. Politik ist immer noch die Kunst des Möglichen. Bereits als sich die Debatte betreffend eine allfällige Renais­sance der Kernenergie abzuzeichnen begann, habe ich das Forum für Atomfragen – das einschlägige wissenschaftliche Beratungsgremium der österreichischen Bundesre­gierung – beauftragt, den möglichen Beitrag der Kernenergie zur Bekämpfung des Kli­mawandels – ein international immer wieder vorgebrachtes Argument – sowie zu einer nachhaltigen Energiezukunft im Detail zu prüfen.

Diese Prüfung erfordert mehrjährige harte Arbeit. Die Zusammenführung hoch speziali­sierten Wissens unterschiedlicher Disziplinen in einer Publikation sowie die Aufberei­tung dieses Wissens in allgemein verständlicher, aber dennoch wissenschaftlich fun­dierter Form stellt hohe Anforderungen an alle Beteiligten.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 167

Das Ergebnis dieser Analyse mit dem Titel „Kernenergie, Klimawandel und Nachhaltig­keit“ – ich habe das erwähnt – liegt seit 2007 vor und stößt durchaus auch auf europäi­scher und internationaler Ebene auf reges Interesse. Ich habe auch bereits vor einem Jahr allen Abgeordneten zum Nationalrat ein Exemplar dieser Analyse übermittelt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sie sehen (Abg. Neubauer: Sehen tun wir nichts!), dass sich in der Frage Auseinandersetzung mit der nuklearen Bedrohung in unseren Nachbarstaaten sehr viel Positives getan hat. Dass der Fall in Krško im Hin­blick auf die Informationspolitik so über die Bühne gegangen ist, wie dies der Fall war, war von slowenischer Seite her nicht optimal.

Wir in Österreich aber haben uns jedenfalls nichts vorzuwerfen. Wir vertrauen nicht nur den Informationen, die kommen, wir haben selbst auch mit den Messstationen vor Ort online und direkt Zugriff in allen Nachbarstaaten, und damit ist dafür gesorgt, dass wir im Ernstfall auch unabhängig von Falschinformationen, von missverständlichen Infor­mationen direkt Zugriff haben auf die Bedrohungsdaten für die österreichische Bevöl­kerung. (Abg. Großruck: Bravo!)

Das hat auch dieser Fall gezeigt. Und in diesem Sinne: Kein Grund zur Aufregung und zur Beunruhigung, sondern zur konsequenten Weiterarbeit in diese Richtung! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Großruck: Bravo!)

15.41


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gehen nunmehr in die Debatte ein. Ich mache darauf aufmerksam, dass gemäß der Geschäftsordnung kein Redner und keine Rednerin länger als 10 Minuten sprechen darf, wobei jedem Klub eine Gesamtredezeit von 25 Minuten zukommt.

Als Erste gelangt Frau Abgeordnete Dr. Lichtenecker zu Wort. 10 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


15.41.53

Abgeordnete Dr. Ruperta Lichtenecker (Grüne): Frau Präsidentin! Herr Minister! Ge­schätzte Kolleginnen und Kollegen! Herr Minister, wenn man Ihnen zuhört, dann be­kommt man wirklich Angst, was die Frage betrifft, wie es denn um die Anti-Atom-Politik in Österreich wirklich steht. (Abg. Großruck: Na, dann fürchten Sie sich! Dann fürchten Sie sich zu Tode!) Wirklich, da überkommt einen das große Schauern!

Allein wenn Sie hier davon sprechen, dass Sie sich international, auf europäischer Ebene für eine konsequente Anti-Atom-Politik einsetzen, fragt man sich: Wie stark ist denn dann Ihre Lobbykraft bei Ihren Kollegen und Kolleginnen, Merkl und wie Sie da alle heißen? Wo ist denn da Ihr Einfluss sichtbar? – Es geht nichts weiter. Die Diskus­sion läuft.

Sie haben auf „Kernenergie, Klimawandel und Nachhaltigkeit“, auf dieses Argumenta­rium, das Sie erstellen haben lassen, hingewiesen. Im Vorwort dazu wählen Sie als Umweltminister, der für eine konsequente Anti-Atom-Politik einstehen soll, die Formu­lierung, die Politik müsse die Prämissen überprüfen und müsse innehalten, ob es denn nicht doch etwas auf sich habe mit der Atompolitik, ob sie nicht ein Beitrag zum Klima­schutz, ein Beitrag zum Fortschritt in der Wissenschaft sei und ob wir nicht die Kern­energie als nachhaltige Lösung betrachten könnten. – Herr Bundesminister, das halte ich wirklich für ein Armutszeugnis! (Beifall bei den Grünen. – Bundesminister Dipl.-Ing. Pröll: Sie sind über das Vorwort nicht hinausgekommen, oder? Da gibt es mehr zu lesen als das Vorwort! – Ironische Heiterkeit des Bundesministers Dipl.-Ing. Pröll.)

Gott sei Dank hat ja dann der Inhalt ergeben, was die Unwahrheiten und die Lügen der Atomlobby hinsichtlich der Atomkraft sind.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 168

Wir wissen genau, Atomkraft kann das Klima nicht retten. Nur drei Prozent des gesam­ten Energiebedarfs weltweit werden von Atomkraft abgedeckt. Daher ist es ganz klar: Das ist keine Lösung, keine nachhaltige Lösung! Und wir wissen auch, dass das Uran nur mehr 60 Jahre lang halten wird. Und wenn wir von der Energieversorgungssicher­heit Europas reden, Herr Kukacka, dann ist klar, dass wir, was Uran betrifft, abhängig sind. – Also weit und breit keine Lösung in Sicht, was die Atomkraft als Energieversor­ger betrifft!

Und die ungelöste Frage der Problematik der Endmülllagerung, die wird uns lange be­gleiten – und nicht nur uns, sondern auch noch unsere Kinder und Kindeskinder. Es ist daher absolut verantwortungslos, das auch nur anzudenken.

Ebenso stellt sich auch die Frage der Haftung. Die Haftungen sind in Europa mit 700 Millionen € festgelegt, und das ist ein Minibetrag, wenn wirklich ein Schaden auf­tritt – wie es ja passieren kann –, ein sehr, sehr kleiner Betrag. Und letztendlich wissen wir, dass der Staat und wir alle dann davon betroffen sind und die Schäden zu tragen haben. (Abg. Großruck: Wollen Sie in Slowenien einmarschieren? Oder was wollen Sie denn?)

Ganz abgesehen davon gibt es eine Vielzahl von Studien – die neueste kommt aus Deutschland –, die belegen, dass rund um Atomkraftwerke das Gesundheitsrisiko ins­besondere auch für Kinder massiv ansteigt.

All das sollte zu denken geben, Herr Minister, und dazu motivieren, den Kampf in die­ser Frage aktiv und geschlossen zu führen. (Beifall bei den Grünen.)

Herr Minister! Sie haben die Fragen bei Weitem nicht beantwortet, beispielsweise die Fragen 7 und 8, die sich auf die Informationsabkommen beziehen.

Was ist denn los mit den verbindlichen Informationsabkommen, insbesondere – um jetzt noch einmal auf die Gefahren der Atomkraft zurückzukommen – wo wir in 60 Kilo­metern Entfernung zur österreichischen Grenze Krško haben, Paks 220 Kilometer ent­fernt, Bohunice 50 Kilometer, Mochovce 100 Kilometer, Dukovany 40 Kilometer, Teme­lín 60 Kilometer, Isar 1 60 Kilometer? Alles in unmittelbarer Nachbarschaft zu Öster­reich – und im Konkreten wird von Ihrer Seite nichts getan! (Abg. Großruck: Und was wollen Sie tun? Was wollen Sie tun? – Einmarschieren? – Ruf bei der ÖVP: ... Vor­schläge?)

Wenn Sie, Herr Minister, bei der Beantwortung der an Sie gestellten Fragen betonen, dass Österreich alle Nachbarländer beim Ausstieg aus der Atomenergie unterstütze, dann frage ich mich: Wo sind die Unterstützungen? (Zwischenbemerkung des Bundes­ministers Dipl.-Ing. Pröll.) Wo sind die Unterstützungen für alle unsere Nachbarlän­der? – Zeigen Sie es, belegen Sie es! Was sind die entsprechenden Initiativen? – Weit und breit ist davon nichts zu sehen! (Beifall bei den Grünen.)

Und was Mochovce betrifft, so sind Ihre Ausführungen so zu deuten, dass es zu ak­zeptieren ist, dass Mochovce mit 22 Jahre alten Baugenehmigungen jetzt neue Blöcke errichten will. (Bundesminister Dipl.-Ing. Pröll: Da haben Sie nicht zugehört!) Genau so ist das zu interpretieren! – Und das ist absolut untragbar. Deshalb sind auch sechs Bundesländer, unter anderem auch Oberösterreich, an Sie und an die Regierung her­angetreten, endlich aktiv zu werden. Die entsprechenden Resolutionen liegen vor, in denen Sie aufgefordert werden: Treten Sie offiziell heran an die slowakische Regie­rung! Weisen Sie auf die Sicherheitsdefizite hin! Fordern Sie auf europäischer Ebene ein, dass es neue Genehmigungsverfahren geben muss! – All das aber ignorieren Sie, nämlich auch die Wünsche der Bundesländer und die Sorgen der österreichischen Be­völkerung.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 169

Und was nun letztendlich auf europäischer Ebene das Thema Euratom-Vertrag betrifft, so geht es hier um die Frage: Wie geht man zukünftig mit Energieforschung um? – Jetzt läuft es so, dass der große Part, über 90 Prozent der Mittel der Energieforschung, in den Atombereich fließt. Und das ist der falsche Weg!

Der richtige Weg muss sein, dass die Forschungsmittel in die Bereiche Energieeffi­zienz und erneuerbare Energie investiert werden. Und dafür müssen Sie sich stark machen! – Aber auch davon sehen wir nichts. (Beifall bei den Grünen. – Ruf bei der ÖVP: ... Ökostromgesetz!)

Weil Sie das Ökostromgesetz ansprechen: Das ist doch ein Klassiker! Österreich ist inzwischen, seit 2002, abhängig von Stromimporten und zunehmend auch von Atom­stromimporten! Und was wird gemacht? – Es wird ein Ökostromgesetz vorgelegt, das man als solches gar nicht bezeichnen kann, sondern das ist ein Gesetz für Atomstrom­importe. – Dieses Gesetz bedarf einer Neuverhandlung und einer Totalreform und wird so nicht zu tragen sein. (Beifall bei den Grünen.)

Herr Minister! Und wenn Sie die Frage Temelín ansprechen, so ist festzuhalten: Teme­lín hat eine lange Geschichte, aber ein Gutteil der Geschichte von Temelín fällt auch in Ihre Zeit als Umweltminister. (Abg. Dr. Schüssel: Was hat der grüne Landesrat An­schober bisher zusammengebracht?) Und die Liste von Versäumnissen, die Sie zu ver­antworten haben, ist eine gewaltige. Beispielsweise – ein Auszug davon –: Versäum­nisse gab es bereits 2004, als die atomrechtliche Genehmigung vorgenommen wurde. Es kam kein Protest Ihrerseits, keine Meldung dazu! – Oder: Sie haben vorhin ange­sprochen, dass Sie den Expertenbericht übermittelt haben. Das erfolgte viel zu spät! – Versäumnisse über Versäumnisse! Das kennzeichnet Ihren Weg der Anti-Atom-Politik.

Und was die Frage Temelín und die Rechtsverbindlichkeit, die völkerrechtliche Ver­bindlichkeit des Melker Abkommens betrifft, so sagen Sie – und auch Österreich sagt das und besteht darauf –, es ist völkerrechtlich verbindlich. Nur: Die tschechische Seite sieht das anders! Und Sie und die Regierung haben bislang – trotz unserer Anträge, doch endlich eine Antwort auf die Frage einzufordern, welche Gutachten man denn ha­be, die dafür sprechen, dass es nicht völkerrechtlich verbindlich sein soll – keinen ein­zigen Schritt getan. Sie haben das schleifen lassen. Es ist dahingeglitten, und letzt­endlich sind wir jetzt in einer ganz, ganz heiklen Situation, die sich am Montag völlig zuspitzen wird. (Bundesminister Dipl.-Ing. Pröll: Wo Sie nicht dabei waren!)

Bedauerlicherweise sind Sie sich zwar der Tragweite sehr wohl bewusst, aber Sie handeln nicht. Sie verbreiten hier nur wirklich sehr, sehr unlauter Unwahrheiten. (Bun­desminister Dipl.-Ing. Pröll: Uh! Uh! Uh! Vorsicht! – Abg. Mag. Kukacka: Halten Sie sich zurück!)

Letztendlich wissen Sie nämlich genau – was das Thema Informationsabkommen be­trifft –: Das Informationsabkommen mit Tschechien, das von Ihnen vorgelegt wurde, haben wir Grüne in dieser Form unterstützt, aber wir wollten mehr. Wir wollten ein bes­seres Informationsabkommen – das Sie verweigert haben und nicht besser verhandelt haben.

Wenn Sie die Temelín-Kommission betrachten, dann hat es die dritte Sitzung am 17. Dezember gegeben. Es ist um Informationen seitens der Experten gegangen, der Austausch wurde gestärkt. Da kann gleich wieder einmal gesagt werden: Herr Minister, braucht man jetzt jahrelang, bis Informationen fließen? Dann ist ja das auch ein Ar­mutszeugnis Ihrer Politik, dass die Experten nicht vorher die Informationen bekommen haben. – Nichtsdestotrotz sind die zwei wesentlichen Fragen, betreffend die 28,8-Me­ter-Bühne und betreffend die Qualifikation der Sicherheitsventile, nach wie vor offen.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 170

Und zu diesem Zeitpunkt, bei dieser Sitzung, an diesem 17. Dezember am Nachmittag, war keiner der Nationalratsabgeordneten von ÖVP und SPÖ anwesend! (Abg. Dr. Gla­wischnig-Piesczek: Wo war der Kollege Kopf?) Zu diesem Zeitpunkt wurde von Minis­ter Svoboda, der erstens gesagt hat (Präsidentin Mag. Prammer gibt das Glockenzei­chen, um auf den Ablauf der Redezeit aufmerksam zu machen), das ist für sie nicht völkerrechtlich verbindlich, zweitens ein Dokument vorgelegt, das, wenn Sie es genau lesen, tatsächlich die Entsorgung des Melker Abkommens bedeutet hätte. (Präsidentin Mag. Prammer gibt neuerlich das Glockenzeichen.) Und die Einzigen, die hier klar ein­geschritten sind, sind wir! Wir haben das verhindert! Das muss ja einmal klar und deut­lich gesagt werden! (Beifall bei den Grünen.)

Und: Weg von dieser Polemik! – Herr Minister, ...

15.52


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Frau Abgeordnete! Ihre Redezeit von 10 Mi­nuten ist bereits überzogen. (Abg. Dr. Lichtenecker bleibt am Rednerpult stehen und setzt ohne Mikrophon fort: Danke, Frau Präsidentin! Einen Satz noch: Das Einzige, was wir in dieser Situation gesagt haben: Wir wollen, dass Tschechien ... – Zwischen­rufe bei der ÖVP.)

Frau Abgeordnete! Sie haben mehrere Zusatzsätze nach den 10 Minuten bereits ge­sprochen. Ich kann es nicht ändern! (Abg. Dr. Lichtenecker spricht einen weiteren, ab­schließenden Satz ohne Mikrophon. – Beifall bei den Grünen für die das Rednerpult verlassende Abg. Dr. Lichtenecker.)

Als Nächster gelangt Herr Abgeordneter Schopf zu Wort. Die freiwillige, zunächst ge­kürzte Redezeit beträgt 5 Minuten. – Bitte.

 


15.53.02

Abgeordneter Walter Schopf (SPÖ): Frau Präsidentin! Herr Minister! Meine Damen und Herren! Ich habe heute bereits im Rahmen der Fragestunde das Problem in Slo­wenien angesprochen, insbesondere was den Bereich der Informationspolitik betrifft und das Wirrwarr, das da letztendlich entstanden ist. Ich sage an dieser Stelle nicht, dass an diesem Wirrwarr die österreichische Regierung oder Sie, Herr Minister, schuld waren oder schuld sind. Das war eindeutig ein Problem auf slowenischer Seite. Ich denke aber – und das ist die Konsequenz für uns, das, was mir bei dieser Diskussion wichtig erscheint –, dass doch – und das müssen wir sehen – aufgrund dieses Wirr­warrs in der Informationspolitik die Bevölkerung, und zwar nicht nur in Kärnten, son­dern natürlich in ganz Österreich, einigermaßen oder sogar massiv verunsichert gewe­sen ist.

Insbesondere in meinem Bezirk, im Bezirk Freistadt – das ist eine Grenzregion zu Tschechien und bekanntlich eine Gegend, wo man relativ nahe am Atomkraftwerk Temelín ist – gab es natürlich Verunsicherung: War es eine Übung? War es keine Übung? Ist es ein Unglücksfall gewesen oder nicht? – Viele in unserer Bevölkerung hatten natürlich wieder Tschernobyl vor Augen, und wir wissen ja genau, was sich in diesem Zusammenhang abgespielt hat.

Herr Minister! Ich denke, es wäre notwendig und wichtig, doch die richtigen Konse­quenzen aus dieser Problematik zu ziehen: nochmals zu überprüfen, ob die Informa­tionsübereinkommen, die die Republik, die Bundesregierung und letztendlich auch wir hier mit den verschiedensten Staaten geschlossen haben, auch richtig gefasst sind. Ich weiß, dass im Abkommen mit der Tschechischen Republik festgelegt ist, dass der Be­treiber die Aufgabe hat, uns bei Störfällen oder bei gewissen Schwierigkeiten direkt zu informieren. Das ist aber schon das einzige Übereinkommen, das dies vorsieht. In an­deren Ländern gibt es eine direkte Information vonseiten der Betreiber nicht. Da gibt es


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 171

eben eine indirekte Informationsmöglichkeit. Ich denke, da sind wir gemeinsam aufge­rufen, die notwendigen und richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Ich denke, es ist auch notwendig, mit dem Österreichischen Rundfunk und dem öster­reichischen Fernsehen eine Regelung zu treffen, wie bei derartigen Vorfällen deutlich, klar, konsequent und schnell informiert wird. Es kann nicht sein, dass – und einige Vor­rednerInnen haben es bereits angemerkt – im deutschen Fernsehen wesentlich schnel­ler informiert wird als in Österreich. Und es gab in Österreich ja auch von offizieller Stelle immer unterschiedliche Mitteilungen.

Meine Damen und Herren! Der Zeitraum der Information wurde ja auch schon erwähnt. Das ist natürlich auch ein Riesenproblem, wenn zwischen dem sogenannten Störfall – Gott sei Dank war es keiner – und der tatsächlichen Information der Bevölkerung ein Zeitraum von 5 Stunden liegt. Das ist also doch – ich sage es sehr deutlich – um einige Stunden zu viel und eine unmögliche Situation. Herr Minister, ich denke, auch hier ist Handlungsbedarf gegeben.

Was die Situation betreffend Temelín anlangt, so ist es mir wichtig, auch dazu einiges zu sagen – insbesondere auch, weil meine Vorrednerin das Thema der parlamentari­schen Kommission zwischen Österreich und der Tschechischen Republik angespro­chen hat –: Liebe Kollegin! Ich denke, es ist in der Kommission nicht alles erfüllt wor­den, aber es gab doch einige Fortschritte. Und wenn wir uns die Experten anhören be­ziehungsweise wenn wir lesen, was die Experten darüber schreiben, so wissen wir, dass eine Reihe jener großen Sicherheitsbedenken, die von den Experten – nicht nur von den österreichischen, sondern vor allem auch von den internationalen Experten – festgehalten worden sind, mittlerweile – man kann sagen – im positiven Sinne erledigt worden sind. (Ruf bei den Grünen: Aber nicht die wichtigsten!)

Wir wissen, dass es noch immer Hauptprobleme gibt – ob das die 28-Meter-Bühne ist, ob das die Frage der Erdbebensicherheit ist. Aber es ist auch in diesem Bereich ge­glückt, unter den Experten ein Regelwerk zu schaffen, wie man diese Schwierigkeiten oder diese Probleme zumindest in Zukunft zu lösen – oder zumindest gemeinsam zu diskutieren – beabsichtigt.

Ich sage an dieser Stelle auch sehr deutlich: Ich bin nicht froh darüber, dass die völker­rechtliche Frage nicht ausgeräumt worden ist. Hier gab es von der ersten Stunde bis zum heutigen Tag unterschiedliche Auffassungen. Die Auffassung der Tschechischen Republik ist ja bekannt. Ich sage aber hier ganz offen vonseiten der Sozialdemokratie: Wir vertreten noch immer die Auffassung, dass es ein völkerrechtlich verbindlicher Ver­trag ist, und wir dürfen nicht lockerlassen und müssen sicherstellen, dass in dieser Fra­ge weitergeredet wird. Es ist sicher nicht der richtige Weg, das Gespräch nicht mehr zu führen, die Kommission zu verlassen, Gespräche zu verweigern. (Abg. Neubauer: Ein Gespräch kann ich nur mit einem führen, der mir zuhorcht, nicht mit einem, der weg­horcht!)

Ich denke, es ist der richtige Weg, die Gespräche zu führen, und zwar nicht nur zwi­schen Österreich und der Tschechischen Republik, sondern auch mit den anderen Nachbarn. Wenn man die Programme sieht, das, was die Atomlobby letztendlich in Europa vorhat, dann erscheint es ganz, ganz wichtig, diese Gespräche intensiver zu führen. Ich denke da insbesondere an das Vorhaben in Slowenien: Dort soll ja bis zum Jahr 2013 ein neues AKW gebaut werden, obwohl wir alle wissen, dass man sich dort in einem Erdbebengebiet befindet. Und das ist unverantwortlich!

Herr Minister! Ich ersuche Sie, ich fordere Sie auf, die diesbezüglichen Gespräche zu führen. (Beifall und Bravoruf bei der SPÖ.)

15.59



Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 172

Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Als Nächster gelangt Herr Abgeordneter Kopf zu Wort. Gewünschte Redezeit: 8 Minuten. – Bitte.

 


15.59.33

Abgeordneter Karlheinz Kopf (ÖVP): Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Meine Damen und Herren! Der Frau Kollegin Lichtenecker machen die Ausführungen des Herrn Bundesministers Angst.

Ehrlich gesagt, ich bin erleichtert, nicht nur über seine Ausführungen – über diese selbstverständlich auch, weil sie klar waren und klargestellt haben, wo wir stehen und wo die österreichische Anti-Atom-Politik künftig hinführen wird –, sondern ich bin auch erleichtert ob der Scheinheiligkeit, die hier von den Grünen an den Tag gelegt wird (Abg. Neubauer: „Scheinheilig“ ist ein Ordnungsruf!), nämlich erleichtert darüber, dass sie in diesem Land bis heute keine Regierungsverantwortung tragen.

Ich begründe es auch: Krško-Zwischenfall – überhaupt keine Frage, da sind insbeson­dere auf slowenischer Seite Fehler passiert. Es war generell ein falscher Alarm, es war auch eine zu lange Frist, die verstrichen ist, aber vor allem ist der Alarm ja auch in einer falschen Art und Weise transportiert worden, weil das, was gemeldet wurde, gar nicht in der Form stattgefunden hat. Aber seien wir doch froh darüber, dass Österreich über dieses internationale Warnsystem hinaus ein eigenes System installiert hat, über das wir vom ersten Moment weg informiert waren, dass es jedenfalls keinen Austritt radioaktiver Substanzen vor Ort gegeben hat.

Und diese Informationsmöglichkeit für uns fußt auf einem Abkommen mit Tschechien. Ohne dieses Abkommen hätten wir diese Informationsmöglichkeit auf direktem Wege nicht. Aber was taten die Grünen in der Sitzung am 13. März? – Sie stimmten gegen dieses Informationsabkommen! (Bundesminister Dipl.-Ing. Pröll: Die stimmen gegen alles!) Wie soll ich das nennen, wenn nicht „scheinheilig“? Liebe Freunde, das ist scheinheilig!

Zweiter Punkt: Temelín. Natürlich ist die Haltung Tschechiens unbefriedigend – keine Frage. Sie ist unbefriedigend wegen der Inbetriebnahme des Atomkraftwerks, ohne dass das Melker Protokoll in allen Punkten abgearbeitet war – überhaupt keine Frage. Es ist auch unbefriedigend, dass die völkerrechtliche Verbindlichkeit in Frage gestellt und in Zweifel gezogen wird. Aber es ist ein Riesenfortschritt gewesen, dass es in Melk zu diesem Abkommen mit Tschechien gekommen ist. Das war ein großer Erfolg von Wolfgang Schüssel, es überhaupt erreicht zu haben, dass sich ein Land, das natürlich souverän und autonom ist, wie alle Länder in ihrer Energiepolitik, darauf eingelassen hat beziehungsweise dazu gebracht werden konnte, solch ein Abkommen zu unter­zeichnen.

Und in der Zwischenzeit ... (Abg. Neubauer: Das sie nicht einhalten!) – Rechtlich ver­bindlich ist ein Abkommen allemal. Die Haarspalterei zwischen rechtlich verbindlich und völkerrechtlich verbindlich geht letzten Endes dahin, ob man es auch einklagen kann. Verbindlich ist ein Abkommen zwischen zwei Staatsoberhäuptern allemal, bitte! (Abg. Neubauer: Beim Salzamt kann ich mich beschweren!) – Na gut, ich meine, so viel Völkerrechtskunde sollte inzwischen durchgedrungen sein, dass man, um klagen zu können, vorher die Klagsmöglichkeit vereinbaren muss. (Abg. Neubauer: Das ist aber unterblieben!) Und zu einer Vereinbarung gehören bekanntermaßen zwei, da kann man nicht dem anderen die Pistole auf die Brust setzen und ihn dazu zwingen.

Also wenn der andere zwar bereit ist, ein Abkommen abzuschließen, nicht aber, die-
sen Passus aufzunehmen, dann können Sie das doch nicht den Österreichern vor­werfen. Das ist ja wirklich eine Haarspalterei und eine Nebelwerferei! (Zwischenruf der Abg. Dr. Lichtenecker.)


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Fakt ist: Es ist uns jetzt, im Zuge der Bearbeitung des Melker Abkommens und dieser bilateralen Kommission gelungen, unseren Experten, was vorher tatsächlich nicht mög­lich war, Zugang zu Informationen zu verschaffen, die es immerhin möglich gemacht haben, dass wir in sechs von acht Punkten, die laut Melker Abkommen offen waren, befriedigende Ergebnisse erzielen und Sicherheit über die Abarbeitung dieser kriti­schen Punkte bekommen konnten. Es sind nicht alle abgearbeitet, es bleiben zwei we­sentliche Punkte offen. Diesbezüglich bleibt auch die Arbeit unserer Experten auf­recht – überhaupt keine Frage. Aber so weit ist man in bilateralen Gesprächen und Verhandlungen in einem Punkt, wo ein Land unbestritten souverän ist und eigentlich gar keine Einmischung zulassen müsste, noch nie gekommen. Das ist schon ein be­achtlicher Verhandlungserfolg, wie gesagt, ausgehend vom Melker Abkommen und da­mit von Wolfgang Schüssel, der das damals maßgeblich verhandelt hat.

Abschließend noch ein letzter Punkt: Ausbau der Kernenergie in den anderen Ländern, insbesondere in den Nachbarländern. Wir werden nicht aufhören und nicht müde wer­den in unserem Bemühen, diese Ausbaupläne zu stoppen, diese Ausbaupläne zu ver­hindern, aber das geht selbstverständlich nur einerseits auf bilateralem Wege, anderer­seits natürlich international auf europäischer Ebene. Es ist natürlich bedauerlich, dass es bis zum heutigen Tag keine rechtsverbindlichen Sicherheitsstandards für AKWs gibt.

Deswegen sind leider auch die Ausbaupläne in Mochovce rechtlich gesehen, auch auf­grund der dort geltenden Rechtsbestimmungen, wo nicht einmal eine UVP notwendig ist, legal. Leider! Trotzdem – der Herr Minister hat ja schon darauf hingewiesen, was er alles unternommen hat – werden wir nicht müde werden in unseren Bemühungen und auch nicht nachlassen, diesen Ausbau dort zu verhindern, so wie wir generell in allen Ländern versuchen werden, einen weiteren Ausbau der Atomkraft hintanzuhalten und zu verhindern. – Danke. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

16.05


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Abgeordneter Kopf, Sie haben drei Mal den Vorwurf der Scheinheiligkeit ausgesprochen. (Abg. Kopf: Ist dieses Wort auch auf der Liste? – Abg. Ing. Westenthaler: Dreifach! Triple-Ordnungsruf!) Es besteht in die­sem Haus Konsens und auch für mich als Vorsitz führende Präsidentin ist klar, dass das Wort „Scheinheiligkeit“ mit einem Ordnungsruf geahndet wird.

Ich erteile Ihnen auch einen Ordnungsruf bezüglich der Verwendung dieses Wortes. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Großruck: Aber recht hat er trotzdem!)

Als Nächster gelangt Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Klement zu Wort. Gewünschte Re­dezeit: 8 Minuten. – Bitte.

 


16.06.13

Abgeordneter Dipl.-Ing. Karlheinz Klement, MAS (FPÖ): Frau Präsident! Herr Minis­ter! Werte Kollegen des Hohen Hauses! Ich möchte vorweg, da der Herr Minister heute offenbar ein bisschen schlechte Laune hat, ihm Folgendes sagen: Für diese Falsch­meldungen, für diese Vorfälle kann er überhaupt nichts, da ist er wirklich schuldfrei. Da geht der Vorwurf der Frau Kollegin Glawischnig sicher ins Leere. (Abg. Großruck: So ist es!) Ich glaube, für dieses Missverhältnis, für diese Falschinformationen, für diese Pannen, die in Slowenien passiert sind, kann Herr Minister Pröll nichts. Also, aus­nahmsweise, Herr Minister Pröll, bin ich auf Ihrer Seite. Da kann ich Ihnen sicher recht geben, das war nicht Ihre Schuld. (Demonstrativer Beifall bei der ÖVP.)

Aber vielleicht vorweg, um zu zeigen, wie dramatisch die Situation ist und wie knapp wir hier wieder an einer möglichen Katastrophe vorbeimarschiert sind, die geographi­sche Lage (der Redner hält eine Landkarte in die Höhe): Hier ist Krško, auf Deutsch


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Gurkfeld, das ist ein Teil der ehemaligen Untersteiermark. Entfernung von Klagenfurt: 150 Kilometer Luftlinie, Entfernung von Graz: 180 Kilometer Luftlinie.

Ich war sehr betroffen, als ich das gesehen und gehört habe. Ich dachte an meine Familie zu Hause, ich dachte aber auch an die gesamt Kärntner Bevölkerung. Aber das betrifft ja auch, je nach Stärke der Intensität dieser radioaktiven Strahlung, ganz Österreich. Und Sie kennen diesen Zeitungsausschnitt aus der „Kronen Zeitung“ (der Redner hält eine Österreich-Karte in die Höhe): Sie sehen, dass bei relativ starker Intensität der austretenden Isotopen doch auch ganz Österreich massiv betroffen wäre. Ich denke, das ist auch ein Thema, das ganz Österreich betrifft, nicht nur, weil es jetzt Krško war, sondern weil es andere Atomkraftwerke rund um Österreich gibt.

Es ist deswegen auch eine erfreuliche Tatsache, dass sich in Kärnten alle Parteien ein­stimmig gegen Krško ausgesprochen haben, schon seit Jahren, auch mit Entschließun­gen des Landtages und der Regierung gefordert haben, dass Slowenien aus diesem AKW aussteigt. Es wurde eine Schließung gefordert. Und die gesamte Kärntner Politik hat angeboten, Slowenien mit Energielieferungen zu helfen, das heißt, schon beim Bei­tritt 2002 haben wir gesagt, Slowenien muss aus dem AKW Krško aussteigen und muss versuchen, auf andere Energieformen umzusteigen. Leider Gottes ist Slowenien darauf nicht eingegangen.

Es ist auch eine langjährige Forderung der FPÖ gewesen, aus der Gesamtentwicklung von Euratom und aus der Forschung im Atombereich auszusteigen, weil wir glauben, dass das eine völlig falsche Entwicklung ist. Da sind wir mit Ihnen einig, Frau Glawisch­nig. Nur eines möchte ich schon wissen: Wenn Sie gegen Euratom und gegen Atom­energie sind, dann frage ich Sie, warum Sie dem Lissabonner Vertrag zugestimmt ha­ben. Wir wissen nämlich, dass Euratom im Lissabonner Vertrag enthalten ist und wir wissen (Beifall bei der FPÖ), dass mit der Zustimmung zu diesem EU-Reformvertrag auch eine Bindung aller europäischer Staaten zur Atomenergie erfolgt ist.

Das ist eine Scheinheiligkeit Ihrerseits und da, Frau Glawischnig, möchte ich von Ihnen hören, warum Sie hier nicht eine Konsequenz an den Tag legen. Das ist eine Schein­heiligkeit. Bitte seien Sie einmal ehrlich! Sie reden hier zwar gegen die Atomenergie, aber Sie handeln ganz anders! (Neuerlicher Beifall bei der FPÖ.) Bitte hören Sie auf mit solchen unglaublichen ... – Entschuldigung, „Scheinheiligkeit“ nehme ich zurück, Frau Präsidentin. Ich habe gehört, für „Scheinheiligkeit“ hat Kollege Kopf einen Ord­nungsruf bekommen. (Abg. Kopf: Hast du Glück gehabt!) Also „Scheinheiligkeit“ neh­me ich zurück, Frau Präsidentin. Ich sage dann: nicht ganz ehrlich, nicht ganz offen. (Ruf bei der FPÖ: Merkwürdiges Verhalten!) – Merkwürdiges Verhalten. Gut.

Aber zu den Sicherheits- und Informationsmängeln hätte ich eine ganz wesentliche Frage. Es wird immer wieder, auch heute hier, von den Sicherheitsmängeln gespro­chen – natürlich gibt es die. Wir wissen, dass 53 der 121 Brennstäbe ausgetauscht werden mussten, weil sie eben nicht mehr sicher waren. Wir wissen auch, dass die Dämmungen ausgetauscht werden mussten. Wir wissen auch, dass die Informations­pflicht gegeben ist, aber nicht gut funktioniert hat. Wir wissen auch, dass Österreich ein eigenes Netz hat, um zu informieren, sich online zu informieren – das wissen wir alles.

Aber, liebe Kollegen, die Konsequenz hat niemand ausgesprochen. Was ist denn, wenn wir wissen, dass etwas passiert ist? Was ist denn, wenn wir wissen, dass ein GAU, der größte anzunehmende Unfall, passiert ist? Was geschieht denn dann in Kärnten? Was geschieht dann? Wohin mit den Bürgern? Wohin werden wir evakuie­ren? Herr Minister! Was passiert denn dann? Wir wissen von den Kärntner Zivilschutz­verbänden, dass überhaupt keine Möglichkeit besteht, die Kärntner irgendwo unterzu­bringen. Wir wüssten nicht, wohin mit den ganzen Kärntnern. Wir wüssten nicht, wie wir sie mit Wasser, mit Trinkwasser, mit Nahrung versorgen sollen.


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Wir wüssten nicht, in welche Keller sie gehen sollen. Es gibt überhaupt keine verpflich­tende Bauordnung mehr, nach der man bei einem Atomunfall diese Katastrophe bewäl­tigen und die Menschen in Sicherheit bringen kann. Das ist auch ein Thema, das be­handelt werden muss. (Abg. Kopf: Das ist Ländersache!)

Man kann zwar informieren, das ist ja nett und schön, dann stehe ich aber als infor­mierter Bürger da und bin atomverseucht. Was passiert dann? – Ich kann nichts tun. (Bundesminister Dipl.-Ing. Pröll: Das muss der Jörg Haider regeln!) Also, ich glaube, Herr Minister, da müssen wir auch Maßnahmen ergreifen, müssten wir nachdenken, was wir tun könnten, um bei guter Information entsprechend zu handeln, die Bürger mit sicherem Trinkwasser, mit sicherer Nahrung zu versorgen, aber sie auch vor der Atom­strahlung in Sicherheit zu bringen.

Das sind Dinge, die wir absolut in den Vordergrund stellen müssen. Und da muss ich leider Gottes Kritik an Ihrem Kollegen in der EU üben, da nämlich der Herr Rübig gefor­dert hat, wir brauchen so etwas wie eine Internationale Energiesicherheitsagentur. – Wozu bitte? – Das ist eine weitere Aufblähung des EU-Apparats, die uns überhaupt nichts bringt. Das bringt den Kärntnern und den Österreichern in dieser Frage über­haupt nichts.

Vielleicht ist auch die Frage nach der Kalkulation von Energiekosten interessant, die in den letzten Wochen oft aufgetaucht ist. Wir müssten auch einmal ganz offen sagen, dass die Energiekosten, vor allem im Atombereich, überhaupt nicht fair sind. Wir wis­sen, dass es hier Falschkalkulationen gibt. Ich denke nur an das Endlagerproblem. Wir wissen nicht, was mit dem ganzen Atommüll in Zukunft passieren soll, wir wissen, dass er noch über Jahrtausende strahlen wird, dass er noch weit, weit, weit für kommende Generationen Probleme verursachen wird. Und wir wissen, dass sich heute diejenigen, die die Konzerne führen und die die großen Gewinne machen, darüber keine Gedan­ken machen.

Diese Endlagerproblematik müsste endlich behandelt werden und müsste auch zur Kostenwahrheit führen. Und wenn wir diese Endlagerprobleme einrechnen, dann kön­nen wir auch davon ausgehen, dass heute schon Atomenergie überhaupt nicht mehr kostenrelevant und überhaupt keine Kostenwahrheit mehr gegeben wäre für Gesamt­europa, für alle Menschen hier. (Beifall bei der FPÖ.)

Ich denke, das muss man auch sehen, das ist auch eine Frage, die zu behandeln wäre: Wie viel kostet ein Menschenleben, wenn wirklich etwas passiert? Ist ein Men­schenleben beziehungsweise ist die Gesundheit von Menschen überhaupt in Kosten berechenbar? Ich denke, wir müssen dringend aus der Atomenergie aussteigen, auch aus den vorhin genannten Gründen. Es wird dringend Zeit – und das ist auch die Dis­kussion der letzten Tage gewesen –, zu einem vernünftigen Energiemodell zu finden. Herr Minister, Sie hätten es in der Hand, das zu tun.

Ich möchte Ihnen zum Schluss noch ein ganz kleines Rechenbeispiel mitgeben. Ich habe mir ausgerechnet, wie viel Photovoltaik im Bereich der erneuerbaren Energien an Ersatz bringen könnte. Ich habe Ihnen einmal vorgerechnet, dass von einem Maisacker pro Hektar ungefähr 40 000 Kilowattstunden kommen könnten. Ein Hektar Photovoltaik könnte ungefähr 1,2 Millionen Kilowattstunden bringen, das heißt, das über Fünfzig­fache. Ich glaube, das allein zeigt die Dimensionen der Möglichkeiten der erneuerbaren Energien. Wenn wir auch schon Vorschläge von Konzernen hören, dass Photovoltaik­elemente am Dach dazu führen könnten, dass zum Beispiel jeder Bürger sein Auto daraus speist und damit völlig energieautark wäre, dann sehe ich auch Visionen für Österreich, für unsere Technik, für unsere Forschung und Entwicklung. Ich denke, das wäre der richtige Weg, dort müssten wir hingehen, Herr Minister.


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Ich glaube, Sie können auch von neuen Ideen überzeugt werden. Gehen Sie mit uns diese neuen Überlegungen gemeinsam durch! Schauen wir, dass wir in Österreich einen besseren Weg gehen als den, der jetzt in Slowenien gegangen wird! Und geben wir auch von uns aus Impulse! Ich glaube, es könnte auch ein Weg sein, von diesen Überlegungen, von dieser wirklich Technologieführerschaft Österreichs etwas den um­liegenden Ländern mitzugeben. Das wäre dann – was Sie, Frau Kollegin Lichtenecker, gefordert haben – auch der richtige Weg. Wir könnten mit unseren guten Ansätzen der Universitäten, der führenden Betriebe dazu beitragen, dass unsere Technologie in Län­der wie die Slowakei, Slowenien und Tschechien hinausgetragen wird, um wirklich ver­nünftige Energiealternativen zu bieten.

Ich glaube, das wäre der richtige Weg, aber noch einmal: Bitte entfernen Sie sich von Ihrer doch etwas doppelbödigen Politik! Dann können wir sicher einen gemeinsamen Weg gehen – so nicht. (Beifall bei der FPÖ.)

16.14


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Abgeordneter Klement! „Scheinheiligkeit“ haben Sie zurückgenommen, aber „Doppelbödigkeit“, glaube ich, ist auch nicht wirklich ein geeignetes Wort; ich lasse es aber durchgehen. (Zwischenrufe bei der FPÖ. – Abg. Dipl.-Ing. Klement: Danke!)

Als Nächster zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Schalle. Gewünschte Redezeit: 5 Mi­nuten. (Abg. Schalle – auf dem Weg zum Rednerpult –: 10 Minuten!) – Mir wurde mit­geteilt, ich soll die Uhr auf 5 Minuten einstellen, ich stelle sie jetzt auf 10 Minuten ein. – Bitte. (Abg. Dr. Sonnberger: Das ist Höchststrafe!)

 


16.14.49

Abgeordneter Veit Schalle (BZÖ): Jetzt habe ich mich auf 10 Minuten eingestellt, bitte geben Sie mir diese 10 Minuten.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Hohes Haus! Atompolitik hat eigentlich in Österreich eine lange Geschichte; es klingt uns allen noch in den Ohren, was mit Zwentendorf passiert ist. Damals wurde die sozialistische Regie­rung durch die umsichtige Bevölkerung dazu gezwungen, den Bau des Atomkraftwerks zu stoppen und somit Österreich nicht zum angestrebten Atomland zu machen.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre oder Jahrzehnte zeigte uns aber, es ging in die andere Richtung: Die Atomkraft in Europa wurde weiter ausgebaut. So sind wir von unseren Nachbarn praktisch mit alten, unsicheren Atomkraftwerken wie Temelín umge­ben, wo zwei Technologien aufeinander treffen, nämlich eine Westtechnologie und eine Osttechnologie, die überhaupt nicht funktionieren wird. Da kann man noch so viel reparieren, es wird einfach nicht funktionieren.

Weiters – ich will nur ein paar anführen –: Paks, Mochovce, Dukovany oder Isar 1. Zwentendorf wäre quasi ein Schwesterunternehmen zu Isar 1 gewesen. Da liefern wir noch immer Ersatzteile aus Zwentendorf und die Bayern sind heilfroh, wirklich heilfroh, wenn dieses AKW im Jahr 2009 vom Netz geht oder abgeschaltet wird.

Auch der Fall Krško zeigt, dass weder die Bundesregierung, noch die Bevölkerung auf den Ernstfall vorbereitet ist. Was passiert eigentlich, Herr Bundesminister, wenn es wirklich einen Ernstfall gibt? (Bundesminister Dipl.-Ing. Pröll: Alarm!)

Die Information ist eine Sache, aber gibt es Notfallpläne? (Bundesminister Dipl.-Ing. Pröll: Ja!) Gibt es Schutzräume? Wo wollen Sie die Bevölkerung unterbringen? Gibt es eine Versorgungssicherheit? Wo ist das Vorratslager für Lebensmittel?

Es ist schon eine Katastrophe, dass es vier Stunden oder fast fünf Stunden dauert, bis die Bevölkerung informiert wird. Das ist eigentlich total inakzeptabel. Man versteht


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 177

auch nicht, warum andere Länder und andere Fernsehstationen die Informationen we­sentlich früher erhalten. Wenn man den Fernseher aufdreht und RTL oder ARD schaut, ist man ganz verwundert über die Information.

Was auch ganz typisch für die Atombranche ist, ist, dass die Eigentümer als Erste in­formiert werden und sich dann fragen, was sie eigentlich tun sollen, bevor sie über­haupt jemanden informieren und Notfallsignale an die Bevölkerung geben. Das ist ganz typisch für diese Branche.

Was das im Ernstfall für die Kärntner und für die steirische Bevölkerung ausgemacht hätte, will ich mir gar nicht vorstellen! Jeder Tag, den Krško früher vom Netz genom­men wird, wäre wirklich ein Gewinn für die gesamte Alpenregion. (Beifall bei BZÖ und Grünen sowie bei Abgeordneten der FPÖ. – Abg. Mag. Kogler: Bravo!)

Es gibt ja auch in der Kärntner Landesregierung einen einstimmigen Beschluss dar­über. Man hat ja auch mit Slowenien verhandelt, sie haben auch signalisiert, dass sie aussteigen wollen. Aber in der Zwischenzeit dürfte sich hier die Stimmung gedreht ha­ben und man überlegt eher, das AKW wieder auszubauen.

Was mich aber besonders an der ganzen Informationspolitik stört, ist, wenn zum Bei­spiel der slowenische Umweltminister, Ihr Kollege, Herr Minister Pröll, sagt, es wäre ein normaler menschlicher Fehler gewesen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Aber dieser Fehler kann für viele der letzte gewesen sein, was uns das traurige Beispiel Tschernobyl mit den vielen Toten und der bis heute leidenden Bevölkerung bewiesen hat. Um beim Reaktorunfall in Tschernobyl vor 22 Jahren zu bleiben – da hat es noch ganze acht Tage gedauert, bis man die Bür­ger informiert hat.

Ich kann Ihnen nur aus meiner damaligen Funktion als Generaldirektor des Billa-Kon­zerns Folgendes erzählen (Abg. Dr. Ferdinand Maier: Keine Geheimnisse!): Die Bevöl­kerung hat nicht mehr gewusst, was sie kaufen darf. Und was das für die ... (Zwischen­ruf des Abg. Dr. Mitterlehner.) – Ich will Ihnen nur sagen, Herr Mitterlehner, was das für die Versorgung der Bevölkerung bedeutet, wenn man nicht mehr weiß: Welche Le­bensmittel können Sie noch kaufen? Welche Lebensmittel sind nicht verstrahlt? (Abg. Ing. Westenthaler: Das findet der Mitterlehner lustig!)

Wenn Sie Kinder haben, wissen Sie nicht mehr: Was gebe ich meinem Kind? – Denn die Haltbarmilch war binnen acht Tagen ausverkauft, und frische Milch war Cäsium-verstrahlt. Bei Trockenmilch war binnen drei Tagen eine Jahresproduktion verkauft. Ich glaube, die österreichische Bundesregierung hat noch kein Rezept dafür, dieses Pro­blem zu lösen. Was erzählen Sie den Kindern? – Die Kinder durften nicht mehr ins Freie gehen, sie durften nicht einmal mehr im Sand spielen. Fenster musste man zu­machen.

Ich möchte Ihnen nur die Extrembeispiele nennen. Sogar Kunden, die Mineralwasser eingekauft haben, haben nachgesehen, was für ein Abfülldatum auf den Flaschen steht: Wann ist es abgefüllt worden? (Zwischenruf des Abg. Hornek.) – Es traute sich keiner mehr, Wasser zu trinken, das aus neuester Zeit kam. (Abg. Ing. Westenthaler – in Richtung ÖVP –: ... sagt dann: Hände falten, Goschen halten!) Es gab auch keine Strahlenmessgeräte, um überprüfen zu können, ob die Ware, die ins Haus kommt, strahlenfrei ist. Es gab einen Run auf Konserven.

Ich möchte damit nur sagen, dass ich glaube, dass die Bundesregierung nicht darauf vorbereitet ist. Um noch ein zweites Beispiel zu nennen: Die Seibersdorfer Techniker waren anscheinend schon sehr gut informiert. Denn sie haben ihre Kinder drei Tage später, höre ich, drei Tage nach dem Bekanntwerden mit der Familie nach Spanien ge­schickt.


Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll63. Sitzung, 6. und 7. Juni 2008 / Seite 178

Ich frage die Bundesregierung: Was machen Sie im Ernstfall? Wohin schicken Sie die Leute? Was passiert, Herr Minister? Welche Informationen gibt es eigentlich? Wie sollte man sich verhalten? (Bundesminister Dipl.-Ing. Pröll: Landeswarnzentrale!) Was muss man in Notfällen machen? Gibt es dafür genug Medikamente?

Ich erinnere an die Langzeitschäden von Tschernobyl und die gesundheitlichen Proble­me, an die Krebsrate, die massiv gestiegen ist, vor allem bei jungen Leuten. Man muss sich das vorstellen: Die jungen Leute, die in der Nähe von Tschernobyl gewohnt haben, gibt es alle nicht mehr! Im Umkreis von hundert Kilometern waren sie im Alter bis zu 20 Jahren binnen kürzester Zeit weg. Viele Ehepaare bekommen keine Kinder, auch in Österreich: durch Tschernobyl, durch die Verstrahlung! Das betrifft sowohl den Mann als auch die Frau.

Um aber auf Krško zurückzukommen: Da höre ich mir die Aussagen des Dr. Wolfgang Kromp vom Institut für Risikoforschung und nukleare Sicherheit an. Er hat richtigerwei­se gesagt: Ein schwerer Unfall ist auch beim besten Kraftwerk denkbar. Die Techno­logie ist nicht tragbar, das ist meine feste Überzeugung. Aber es gibt sie, und wir müs­sen schauen, dass sie möglichst sicher ist. – Und darauf eingehend, dass der Standort in einem stark erdbebengefährdeten Gebiet ist: In dieses Gebiet gehört kein Reaktor. Das ist ein Horror. Da müsste man woanders hin bauen.