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Stenographisches Protokoll

 

 

 

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190. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

 

XXV. Gesetzgebungsperiode

 

Donnerstag, 29. Juni 2017

 

 


Stenographisches Protokoll

190. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

XXV. Gesetzgebungsperiode               Donnerstag, 29. Juni 2017

Dauer der Sitzung

Donnerstag, 29. Juni 2017: 9.05 – 23.18 Uhr

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Tagesordnung

Ergänzung und Neureihung der Tagesordnung ............................................................. 39

1. Punkt: Bericht über den Antrag 2232/A der Abgeordneten Hermann Krist, Mag. Jo­hannes Rauch, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem ein Bun­desgesetz betreffend die Förderung des Sports erlassen wird und das Bundesgesetz über die Neuorganisation der Bundessporteinrichtungen sowie das Anti-Doping Bundes­gesetz geändert werden

2. Punkt: Bericht über den Antrag 2170/A der Abgeordneten Dr. Christoph Matznetter, Peter Haubner, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Ein­kommensteuergesetz 1988 (EStG 1988) geändert wird

3. Punkt: Bericht über den Antrag 2231/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Dietmar Keck, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Ein­kommensteuergesetz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Stiftungseingangs­steuergesetz, das Aktiengesetz und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz geän­dert sowie aktienrechtliche Sonderregelungen über die planmäßige Abgabe von Aktien einer Arbeitgebergesellschaft erlassen werden (Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsge­setz 2017 – MitarbeiterBetStG 2017)

4. Punkt: Bericht über den Antrag 2237/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Umsatzsteuer­gesetz 1994 und das Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz geändert werden (Mit­telstandsfinanzierungsgesellschaftengesetz 2017 – MiFiGG 2017)

5. Punkt: Bericht über den Antrag 2238/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Tabaksteuergesetz 1995 und das Tabakmonopolgesetz 1996 geändert werden

6. Punkt: Bericht über den Antrag 2239/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Normverbrauchsabgabegesetz geändert wird

7. Punkt: Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG über die Erprobung des Bildungskom­passes im Land Oberösterreich im Kindergartenjahr 2017/1


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 2

8

8. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über das Wirksamwerden der Ver­ordnung (EU) 2016/1011 über Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrak­ten als Referenzwert oder zur Messung der Wertentwicklung eines Investmentfonds ver­wendet werden (Referenzwerte-Vollzugsgesetz – RW-VG) erlassen wird und mit dem das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz, das Verbraucherkreditgesetz und das Hypo­thekar- und Immobilienkreditgesetz geändert werden

9. Punkt: Bundesgesetz über den Verzicht des Bundes auf den die Abschlagszahlung übersteigenden Anteil der Forderungen gegen den Fonds „Sondervermögen Kärnten in Abwicklung“ (SvK-Verzichtsgesetz)

10. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Wertpapier- und allge­meinen Warenbörsen 2018 und das Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 erlassen werden und das Abschlussprüfer-Aufsichtsgesetz, das Aktiengesetz, das Alternative Investment­fonds Manager-Gesetz, das Alternativfinanzierungsgesetz, das Bankwesengesetz, das Bausparkassengesetz, das Betriebliche Mitarbeiter- und Selbständigenvorsorgegesetz, das Bilanzbuchhaltungsgesetz 2014, das Bundesfinanzierungsgesetz, das Bundesge­setz zur Schaffung einer Abbaueinheit, das E-Geldgesetz 2010, das Einlagensiche­rungs- und Anlegerentschädigungsgesetz, das Energie-Control-Gesetz, das EU-Ver­schmelzungsgesetz, das Finanzkonglomerategesetz, das Finanzmarktaufsichtsbehör­dengesetz, das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz, die Gewerbeordnung 1994, das Glücks­spielgesetz, das Hypothekenbankgesetz, das Immobilien-Investmentfondsgesetz, die In­solvenzordnung, das Investmentfondsgesetz 2011, das Kapitalmarktgesetz, das Konten­register- und Konteneinschaugesetz, das Körperschaftsteuergesetz, das Maklergesetz, das Pensionskassengesetz, das Pfandbriefgesetz, das Ratingagenturenvollzugsgesetz, das Rechnungslegungs-Kontrollgesetz, das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz, das SE-Gesetz, das SFT-Vollzugsgesetz, das Spaltungsgesetz, das Sparkassengesetz, das Übernahmegesetz, das Unternehmensgesetzbuch, das Versicherungsaufsichtsge­setz 2016, das Zahlungsdienstegesetz, das Zentrale Gegenparteien-Vollzugsgesetz und das Zentralverwahrer-Vollzugsgesetz geändert werden

11. Punkt: Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über die Einrichtung eines Re­gisters der wirtschaftlichen Eigentümer von Gesellschaften, anderen juristischen Per­sonen und Trusts (Wirtschaftliche Eigentümer Registergesetz – WiEReG) erlassen wird und das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz, das Finanzstrafgesetz, die Notariatsordnung, die Rechtsanwaltsordnung, das Devisengesetz, das Bankwesengesetz, die Bundesab­gabenordnung, das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz und das Energieabgabenver­gütungsgesetz geändert werden

12. Punkt: Bundesgesetz über österreichische Beiträge an internationale Finanzinsti­tutionen (IFI-Beitragsgesetz 2017)

13. Punkt: Mehrseitiges Übereinkommen zur Umsetzung steuerabkommensbezogener Maßnahmen zur Verhinderung der Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung

14. Punkt: Abkommen zwischen der Regierung der Republik Österreich und der Re­gierung des Staates Israel zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und der Verhinde­rung der Steuerumgehung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Ver­mögen samt Protokoll

15. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Bundes-Verfassungsgesetz geändert, das Da­tenschutzgesetz erlassen und das Datenschutzgesetz 2000 aufgehoben wird (Daten­schutz-Anpassungsgesetz 2018)

16. Punkt: Bericht und Antrag über den Entwurf eines Bundesverfassungsgesetzes über die Genehmigung des Protokolls Nr. 15 zur Konvention zum Schutze der Menschen­rechte und Grundfreiheiten und dessen Erklärung zum Bundesverfassungsgesetz


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 3

17. Punkt: Bericht über den Antrag 2213/A der Abgeordneten Mag. Helene Jarmer, Kol­leginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das ORF-Gesetz, BGBl. Nr. 379/1984, zuletzt geändert mit BGBl. I Nr. 120/2016, geändert wird

18. Punkt: Bericht über die Anträge 2247/A der Abgeordneten Otto Pendl, Mag. Bernd Schönegger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Be­amten-Dienstrechtsgesetz 1979 geändert wird, und

175/A der Abgeordneten Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bun­desgesetz, mit dem das Bundesgesetz vom 27. Juni 1979 über das Dienstrecht der Be­amten (Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 – BDG 1979) geändert wird

19. Punkt: Bericht über den Antrag 2227/A der Abgeordneten Dr. Peter Wittmann, Mag. Wolfgang Gerstl, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das E-Government-Gesetz geändert wird

20. Punkt: Bericht über den Antrag 2169/A der Abgeordneten Josef Muchitsch, August Wöginger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Arbeits­marktpolitik-Finanzierungsgesetz geändert wird

21. Punkt: Bericht über den Antrag 2138/A(E) der Abgeordneten Herbert Kickl, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend Kostendämpfung bei der Zuwanderung durch Asylwer­ber und Asylanten im Sozialstaat Österreich

22. Punkt: Bericht über den Antrag 2228/A der Abgeordneten Josef Muchitsch, August Wöginger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Ar­beitnehmerInnenschutzgesetz, das Arbeitsinspektionsgesetz 1993, das Arbeitszeitge­setz, das Arbeitsruhegesetz, das Mutterschutzgesetz 1979, das Allgemeine Sozialver­sicherungsgesetz, das Beamten-Kranken- und Unfallversicherungsgesetz und das Ar­beitsplatz-Sicherungsgesetz 1991 geändert werden (ArbeitnehmerInnenschutz-Deregu­lierungsgesetz)

23. Punkt: Bericht über den Antrag 2215/A(E) der Abgeordneten Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Herstellung von mehr Verbindlichkeit bei der Ge­fahrenevaluierung bei schwerer Lastenhandhabe

24. Punkt: Bericht über den Antrag 2234/A der Abgeordneten Josef Muchitsch, August Wöginger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Insol­venz-Entgeltsicherungsgesetz geändert wird

25. Punkt: Bericht über den Antrag 2128/A(E) der Abgeordneten Herbert Kickl, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend Einführung eines transparenten Lohnzettels

26. Punkt: Bericht über den 2241/A der Abgeordneten Josef Muchitsch, August Wö­ginger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bauarbei­ter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz und das Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungs­gesetz 1957 geändert werden

27. Punkt: Bericht über den Antrag 2202/A(E) der Abgeordneten Mag. Gerald Loacker, Kolleginnen und Kollegen betreffend arbeits- und sozialrechtliche Vereinfachungen für Unternehmen im Baubereich

28. Punkt: Bericht über den Antrag 2203/A(E) der Abgeordneten Mag. Gerald Loacker, Kolleginnen und Kollegen betreffend Abschaffung des Überbrückungsgeldes

29. Punkt: Bericht über den Antrag 2233/A der Abgeordneten Josef Muchitsch, August Wöginger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Ar­beitszeitgesetz, das Arbeitsruhegesetz und das Apothekengesetz geändert werden

30. Punkt: Bericht über den Antrag 2046/A(E) der Abgeordneten Ing. Waltraud Diet­rich, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Bedarfsgerechte (Jahres)-Arbeitszeit nach Schweizer Modell“


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 4

31. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz, das Ge­werbliche Sozialversicherungsgesetz, das Bauern-Sozialversicherungsgesetz und das Einkommensteuergesetz 1988 geändert werden (Sozialversicherungs­Zuordnungsge­setz – SV-ZG)

32. Punkt: Bericht über den Antrag 2163/A(E) der Abgeordneten Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Abschaffung der Geringfügigkeitsgrenze

33. Punkt: Bericht über den Antrag 2062/A(E) der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kol­leginnen und Kollegen betreffend Implementierung des Lehrberufs Berater für Men­schen mit Behinderungen

34. Punkt: Bericht über den Antrag 2037/A(E) der Abgeordneten Ing. Waltraud Diet­rich, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Luxuspensionsreform jetzt – das Arbeitspro­gramm der Bundesregierung 2017/2018 umsetzen“

35. Punkt: Bundesgesetz, mit dem die Gewerbeordnung 1994 geändert wird, sowie Be­richt über den

Antrag 1723/A(E) der Abgeordneten MMMag. Dr. Axel Kassegger, Josef Schellhorn, Leopold Steinbichler, Kolleginnen und Kollegen betreffend Anpassung der Gewerbe­ordnung an veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen – Rechtssicherheit für Gastgewerbebetriebe und Nachbarn

36. Punkt: Bericht über den Antrag 2044/A der Abgeordneten Peter Haubner, Dr. Chris­toph Matznetter, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem die Gewerbeordnung 1994 geändert wird

37. Punkt: Bericht über die Regierungsvorlage (1667 d.B.): Bundesgesetz, mit dem die Gewerbeordnung 1994 geändert wird (Geldwäsche-Novelle)

38. Punkt: Bundesgesetz, mit dem die Begründung von Vorbelastungen durch den Bun­desminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft genehmigt wird sowie das Aus­tria Wirtschaftsservice-Gesetz und das Einkommensteuergesetz 1988 geändert werden

39. Punkt: Bericht über den Antrag 2260/A der Abgeordneten Gabriel Obernosterer, Dr. Christoph Matznetter, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das KMU-Förderungsgesetz geändert wird

40. Punkt: Bundesgesetz über die Wirtschaftstreuhandberufe (Wirtschaftstreuhandbe­rufsgesetz 2017 – WTBG 2017)

41. Punkt: Bericht über den Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem das Genossen­schaftsrevisionsgesetz geändert wird

42. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Bilanzbuchhaltungsgesetz 2014 geändert wird

43. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Ökostromgesetz 2012, das Elektrizitätswirt­schafts- und ‑organisationsgesetz 2010, das Gaswirtschaftsgesetz 2011, das KWK-Punk­te-Gesetz und das Energie-Control-Gesetz geändert werden sowie das Bundesgesetz, mit dem zusätzliche Mittel aus von der Energie-Control Austria verwaltetem Sonderver­mögen bereitgestellt werden, erlassen wird

44. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das FTE Nationalstiftungsgesetz geändert wird

45. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Markenschutzgesetz 1970, das Patentge­setz 1970, das Gebrauchsmustergesetz, das Halbleiterschutzgesetz, das Musterschutz­gesetz 1990 und das Patentamtsgebührengesetz geändert werden

46. Punkt: Bericht über den Antrag 2229/A der Abgeordneten Anton Heinzl, Andreas Ottenschläger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Kraft­fahrgesetz 1967 und das Unfalluntersuchungsgesetz – UUG 2005 geändert werden


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 5

47. Punkt: Bericht über den Antrag 2230/A der Abgeordneten Anton Heinzl, Andreas Ottenschläger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Was­serstraßengesetz geändert wird

48. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Luftfahrtgesetz geändert wird

49. Punkt: 40. Bericht der Volksanwaltschaft

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Inhalt

Personalien

Verhinderungen .............................................................................................................. 19

Geschäftsbehandlung

Antrag der Abgeordneten Mag. Josef Lettenbichler, Wolfgang Katzian, Mag. Christiane Brunner, Kolleginnen und Kollegen, den Bericht des Aus­schusses für Wirtschaft und Industrie über die Regierungsvorlage (1519 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Ökostromgesetz 2012, das Elektrizitätswirtschafts- und ‑organisationsgesetz 2010, das Gaswirtschaftsgesetz 2011, das KWK-Punk­te-Gesetz und das Energie-Control-Gesetz geändert werden sowie das Bundes­gesetz, mit dem zusätzliche Mittel aus von der Energie-Control Austria verwalte­tem Sondervermögen bereitgestellt werden, erlassen wird (1527 d.B.), gemäß § 49 Abs. 5 der Geschäftsordnung auf die Tagesordnung zu setzen – Annahme     39, 39

Antrag der Abgeordneten Mag. Andreas Schieder, Mag. Albert Steinhauser, Dr. Nikolaus Scherak, Kolleginnen und Kollegen, dem Justizausschuss zur Be­richterstattung über den Antrag 498/A der Abgeordneten Dr. Nikolaus Scherak, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch geändert wird, gemäß § 43 Abs. 1 der Geschäftsordnung eine Frist bis 19. September 2017 zu setzen ....................................................................................... 39

Verlangen gemäß § 43 Abs. 3 der Geschäftsordnung auf Durchführung einer kur­zen Debatte im Sinne des § 57a Abs. 1 GOG .......................................................................................................... 40

Redner/Rednerinnen:

Dr. Nikolaus Scherak ................................................................................................. 146

Mag. Andreas Schieder ............................................................................................. 149

Mag. Michaela Steinacker .......................................................................................... 151

Heinz-Christian Strache ............................................................................................ 152

Mag. Albert Steinhauser ............................................................................................ 153

Ablehnung des Fristsetzungsantrages .......................................................................... 155

Antrag der Abgeordneten Michael Bernhard, Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhu­ber, Kolleginnen und Kollegen, dem Geschäftsordnungsausschuss zur Bericht­erstattung über den Antrag 2249/A der Abgeordneten Michael Bernhard, Dipl.-
Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesge­setz, mit dem das Geschäftsordnungsgesetz 1975 geändert wird, gemäß § 43 Abs. 1 der Geschäftsordnung eine Frist bis 19. September 2017 zu setzen – Ab­lehnung ........................................................  40, 343

Redezeitbeschränkung nach Beratung in der Präsidialkonferenz gemäß § 57 Abs. 5 der Geschäftsordnung ......................................................................................................................................... 40


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 6

Antrag der Abgeordneten Petra Steger, Kolleginnen und Kollegen, den Bericht des Ausschusses für Sportangelegenheiten über den Antrag 2232/A der Abge­ordneten Hermann Krist, Mag. Johannes Rauch, Kolleginnen und Kollegen be­treffend ein Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz betreffend die Förderung des Sports erlassen wird und das Bundesgesetz über die Neuorganisation der Bun­dessporteinrichtungen sowie das Anti-Doping Bundesgesetz geändert werden (1744 d.B.), gemäß § 73 Abs. 3 Z 2 der Geschäftsordnung an den Ausschuss für Sportangelegenheiten rückzuverweisen – Ablehnung                42, 56

Antrag des Abgeordneten Mag. Harald Stefan, Kolleginnen und Kollegen, den Bericht des Verfassungsausschusses über den Antrag 2227/A der Abgeordneten Dr. Peter Wittmann, Mag. Wolfgang Gerstl, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das E-Government-Gesetz geändert wird (1765 d.B.), gemäß § 53 Abs. 6 Z 2 der Geschäftsordnung an den Verfassungsausschuss rück­zuverweisen – Ablehnung ...................................................................................  157, 157

Fragestunde (27.)

Landesverteidigung und Sport ................................................................................... 19

Otto Pendl (316/M)

Dipl.-Ing. Nikolaus Berlakovich (313/M); Angela Lueger

Dr. Reinhard Eugen Bösch (321/M); Jürgen Schabhüttl

Dr. Peter Pilz (319/M); Leopold Steinbichler, Mag. Michael Hammer, Hermann Brückl

Dr. Rainer Hable (324/M)

Ulrike Weigerstorfer (323/M); Claudia Angela Gamon, MSc (WU), Norbert Sieber

Hannes Weninger (317/M)

Claudia Durchschlag (314/M)

MMag. DDr. Hubert Fuchs (322/M)

Dieter Brosz, MSc (320/M)

Hermann Krist (318/M); Dieter Brosz, MSc

Mag. Johannes Rauch (315/M); Petra Steger

Ausschüsse

Zuweisung ...................................................................................................................... 39

Verhandlungen

1. Punkt: Bericht des Ausschusses für Sportangelegenheiten über den An­trag 2232/A der Abgeordneten Hermann Krist, Mag. Johannes Rauch, Kollegin­nen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz be­treffend die Förderung des Sports erlassen wird und das Bundesgesetz über die Neuorganisation der Bundessporteinrichtungen sowie das Anti-Doping Bundes­gesetz geändert werden (1744 d.B.) ...................................................................................................................... 40

Redner/Rednerinnen:

Petra Steger .................................................................................................................. 41

Hermann Krist .............................................................................................................. 42


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 7

Dieter Brosz, MSc ........................................................................................................ 44

Mag. Johannes Rauch ................................................................................................. 46

Claudia Angela Gamon, MSc (WU) ............................................................................ 47

Bundesminister Mag. Hans Peter Doskozil .............................................................. 48

Marianne Gusenbauer-Jäger ...................................................................................... 50

Ulrike Weigerstorfer ..................................................................................................... 51

Rouven Ertlschweiger, MSc ........................................................................................ 52

Ing. Christian Höbart ................................................................................................... 53

Konrad Antoni .............................................................................................................. 54

Rupert Doppler ............................................................................................................. 54

Brigitte Jank .................................................................................................................. 55

Annahme des Gesetzentwurfes in 1744 d.B. ................................................................. 56

Gemeinsame Beratung über

2. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2170/A der Abgeord­neten Dr. Christoph Matznetter, Peter Haubner, Kolleginnen und Kollegen betref­fend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988 (EStG 1988) geändert wird (1721 d.B.) ....................... 56

3. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2231/A der Abgeord­neten Ing. Mag. Werner Groiß, Dietmar Keck, Kolleginnen und Kollegen betref­fend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Körper­schaftsteuergesetz 1988, das Stiftungseingangssteuergesetz, das Aktiengesetz und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz geändert sowie aktienrechtliche Son­derregelungen über die planmäßige Abgabe von Aktien einer Arbeitgebergesell­schaft erlassen werden (Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsgesetz 2017 – Mitarbeiter­BetStG 2017) (1722 d.B.)                        56

4. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2237/A der Abgeord­neten Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betref­fend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Körper­schaftsteuergesetz 1988, das Umsatzsteuergesetz 1994 und das Alternative In­vestmentfonds Manager-Gesetz geändert werden (Mittelstandsfinanzierungsgesell­schaftengesetz 2017 – MiFiGG 2017) (1723 d.B.) ........................................................ 56

5. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2238/A der Abgeord­neten Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betref­fend ein Bundesgesetz, mit dem das Tabaksteuergesetz 1995 und das Tabakmo­nopolgesetz 1996 geändert werden (1724 d.B.)                       57

6. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2239/A der Abgeord­neten Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betref­fend ein Bundesgesetz, mit dem das Normverbrauchsabgabegesetz geändert wird (1729 d.B.) ............................................ 57

7. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1663 d.B.): Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG über die Erprobung des Bildungskompasses im Land Oberösterreich im Kindergartenjahr 2017/18 (1731 d.B.) ............................................................................ 57

Redner/Rednerinnen:

Dr. Ruperta Lichtenecker ............................................................................................ 57

Ing. Mag. Werner Groiß ............................................................................................... 60

Kai Jan Krainer ............................................................................................................. 63

MMag. DDr. Hubert Fuchs ........................................................................................... 64

Ing. Robert Lugar ..................................................................................................  67, 82

Mag. Dr. Matthias Strolz .............................................................................................. 68


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 8

Mag. Andreas Zakostelsky .......................................................................................... 72

Marianne Gusenbauer-Jäger ...................................................................................... 73

MMMag. Dr. Axel Kassegger ....................................................................................... 73

Dr. Rainer Hable ........................................................................................................... 74

Nikolaus Prinz .............................................................................................................. 75

Franz Kirchgatterer ...................................................................................................... 75

Peter Wurm ................................................................................................................... 77

Michael Bernhard ......................................................................................................... 79

Dr. Christoph Matznetter ............................................................................................. 81

Dietmar Keck ................................................................................................................ 84

Leopold Steinbichler .................................................................................................... 85

Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Vereinheitlichung der Packungsgrö­ße für Zigaretten – Annahme (E 215)     77, 87

Entschließungsantrag der Abgeordneten Peter Wurm, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend Abschaffung des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie – Ab­lehnung ..............................  79, 87

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Dr. Matthias Strolz, Kollegin­nen und Kollegen betreffend Ermöglichung eines verbindlichen bundesweit ein­heitlichen Qualitätsrahmens für elementarpädagogische Einrichtungen – Ableh­nung .....................................................................................  80, 87

Annahme der fünf Gesetzentwürfe in 1721, 1722, 1723, 1724 und 1729 d.B. ............. 85

Genehmigung der Vereinbarung in 1731 d.B. ................................................................ 85

Gemeinsame Beratung über

8. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1662 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über das Wirksamwerden der Ver­ordnung (EU) 2016/1011 über Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanz­kontrakten als Referenzwert oder zur Messung der Wertentwicklung eines Invest­mentfonds verwendet werden (Referenzwerte-Vollzugsgesetz – RW-VG) erlas­sen wird und mit dem das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz, das Verbraucher­kreditgesetz und das Hypothekar- und Immobilienkreditgesetz geändert werden (1726 d.B.) ................................................... 87

9. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1659 d.B.): Bundesgesetz über den Verzicht des Bundes auf den die Abschlagszahlung über­steigenden Anteil der Forderungen gegen den Fonds „Sondervermögen Kärnten in Abwicklung“ (SvK-Verzichtsgesetz) (1727 d.B.) ............ 88

10. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1661 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Wertpapier- und allgemeinen Warenbörsen 2018 und das Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 erlassen werden und das Abschlussprüfer-Aufsichtsgesetz, das Aktiengesetz, das Alternative In­vestmentfonds Manager-Gesetz, das Alternativfinanzierungsgesetz, das Bankwe­sengesetz, das Bausparkassengesetz, das Betriebliche Mitarbeiter- und Selb­ständigenvorsorgegesetz, das Bilanzbuchhaltungsgesetz 2014, das Bundesfinan­zierungsgesetz, das Bundesgesetz zur Schaffung einer Abbaueinheit, das E-Geldgesetz 2010, das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz, das Energie-Control-Gesetz, das EU-Verschmelzungsgesetz, das Finanzkonglo­merategesetz, das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz, das Finanzmarkt-Geld­wäschegesetz, die Gewerbeordnung 1994, das Glücksspielgesetz, das Hypothe­kenbankgesetz, das Immobilien-Investmentfondsgesetz, die Insolvenzordnung,


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 9

das Investmentfondsgesetz 2011, das Kapitalmarktgesetz, das Kontenregister- und Konteneinschaugesetz, das Körperschaftsteuergesetz, das Maklergesetz, das Pensionskassengesetz, das Pfandbriefgesetz, das Ratingagenturenvollzugsge­setz, das Rechnungslegungs-Kontrollgesetz, das Sanierungs- und Abwicklungs­gesetz, das SE-Gesetz, das SFT-Vollzugsgesetz, das Spaltungsgesetz, das Spar­kassengesetz, das Übernahmegesetz, das Unternehmensgesetzbuch, das Versi­cherungsaufsichtsgesetz 2016, das Zahlungsdienstegesetz, das Zentrale Gegen­parteien-Vollzugsgesetz und das Zentralverwahrer-Vollzugsgesetz geändert wer­den (1728 d.B.) ............................. 88

Redner/Rednerinnen:

Erwin Angerer .......................................................................................................  88, 98

Gabriele Tamandl ......................................................................................................... 89

Dr. Rainer Hable ........................................................................................................... 90

Wolfgang Knes ............................................................................................................. 91

Mag. Werner Kogler ..................................................................................................... 94

Annahme der drei Gesetzentwürfe in 1726, 1727 und 1728 d.B. .................................. 99

Gemeinsame Beratung über

11. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1660 d.B.): Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über die Einrichtung eines Registers der wirtschaftlichen Eigentümer von Gesellschaften, anderen juristischen Perso­nen und Trusts (Wirtschaftliche Eigentümer Registergesetz – WiEReG) erlassen wird und das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz, das Finanzstrafgesetz, die Notari­atsordnung, die Rechtsanwaltsordnung, das Devisengesetz, das Bankwesenge­setz, die Bundesabgabenordnung, das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz und das Energieabgabenvergütungsgesetz geändert werden (1725 d.B.) ....................................................................................................................................... 100

12. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1672 d.B.): Bundesgesetz über österreichische Beiträge an internationale Finanzinstitutionen (IFI-Beitragsgesetz 2017) (1730 d.B.)        ............................................................................................................................. 100

13. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1670 d.B.): Mehrseitiges Übereinkommen zur Umsetzung steuerabkommensbezogener Maß­nahmen zur Verhinderung der Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung (1732 d.B.)                                                             100

14. Punkt: Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1638 d.B.): Abkommen zwischen der Regierung der Republik Österreich und der Regierung des Staates Israel zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und der Verhinderung der Steuerumgehung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Ver­mögen samt Protokoll (1733 d.B.) ...................................... 100

Redner/Rednerinnen:

MMag. DDr. Hubert Fuchs ......................................................................................... 101

Jakob Auer .................................................................................................................. 102

Mag. Bruno Rossmann .............................................................................................. 105

Petra Bayr, MA MAS .................................................................................................. 109

Dr. Rainer Hable ......................................................................................................... 110

Mag. Andreas Zakostelsky ........................................................................................ 110

Mag. Christoph Vavrik ............................................................................................... 111

Mag. Andreas Hanger ................................................................................................ 112

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Bruno Rossmann, Kolleginnen und Kollegen betreffend Umsetzung eines konkreten Aktionsplans für faire Bei­träge von Konzernen – Ablehnung              106, 113

Annahme der beiden Gesetzentwürfe in 1725 und 1730 d.B. ..................................... 113

Genehmigung der beiden Staatsverträge in 1732 und 1733 d.B. ................................ 114


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 10

15. Punkt: Bericht des Verfassungsausschusses über die Regierungsvorlage (1664 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Bundes-Verfassungsgesetz geändert, das Datenschutzgesetz erlassen und das Datenschutzgesetz 2000 aufgehoben wird (Datenschutz-Anpassungsgesetz 2018) (1761 d.B.)                114

Redner/Rednerinnen:

Mag. Harald Stefan ..................................................................................................... 114

Dr. Peter Wittmann ..................................................................................................... 119

Mag. Albert Steinhauser ............................................................................................ 120

Eva-Maria Himmelbauer, BSc ................................................................................... 121

Dr. Nikolaus Scherak ................................................................................................. 123

Bundesminister Mag. Thomas Drozda .................................................................... 124

Dr. Harald Troch ......................................................................................................... 125

Christoph Hagen ........................................................................................................ 126

Sigrid Maurer .............................................................................................................. 127

Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Schaffung eines Bundesverfassungsgesetzes über die Frei­heit zur unbeschränkten Verwendung von Bargeld im Zahlungsverkehr – Ableh­nung .......................................................................  115, 128

Annahme des Gesetzentwurfes in 1761 d.B. ............................................................... 128

16. Punkt: Bericht und Antrag des Verfassungsausschusses über den Entwurf ei­nes Bundesverfassungsgesetzes über die Genehmigung des Protokolls Nr. 15 zur Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten und dessen Er­klärung zum Bundesverfassungsgesetz (1762 d.B.)          ............................................................................................................................. 128

Redner/Rednerinnen:

Dr. Johannes Jarolim ................................................................................................. 128

Dr. Georg Vetter ......................................................................................................... 129

Mag. Albert Steinhauser ............................................................................................ 130

Annahme des Gesetzentwurfes in 1762 d.B. ............................................................... 131

17. Punkt: Bericht des Verfassungsausschusses über den Antrag 2213/A der Ab­geordneten Mag. Helene Jarmer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bun­desgesetz, mit dem das ORF-Gesetz, BGBl. Nr. 379/1984, zuletzt geändert mit BGBl. I Nr. 120/2016, geändert wird (1763 d.B.)                         131

Redner/Rednerinnen:

Dr. Josef Cap .............................................................................................................. 131

Mag. Wolfgang Gerstl ................................................................................................ 132

Mag. Helene Jarmer ................................................................................................... 133

Rupert Doppler ........................................................................................................... 134

Annahme des Gesetzentwurfes in 1763 d.B. ............................................................... 134

18. Punkt: Bericht des Verfassungsausschusses über die Anträge 2247/A der Ab­geordneten Otto Pendl, Mag. Bernd Schönegger, Kolleginnen und Kollegen be­treffend ein Bundesgesetz, mit dem das Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 geän­dert wird, und

175/A der Abgeordneten Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz vom 27. Juni 1979 über das Dienst­recht der Beamten (Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 – BDG 1979) geändert wird (1764 d.B.) ......................................................................... 134

Redner/Rednerinnen:

Otto Pendl ................................................................................................................... 134

Mag. Bernd Schönegger ............................................................................................ 136


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 11

Dr. Reinhard Eugen Bösch ....................................................................................... 137

Christoph Hagen ........................................................................................................ 137

Mag. Günther Kumpitsch .......................................................................................... 138

Rupert Doppler ........................................................................................................... 139

Annahme des Gesetzentwurfes in 1764 d.B. ............................................................... 139

19. Punkt: Bericht des Verfassungsausschusses über den Antrag 2227/A der Ab­geordneten Dr. Peter Wittmann, Mag. Wolfgang Gerstl, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das E-Government-Gesetz geändert wird (1765 d.B.) ........................................................... 140

Redner/Rednerinnen:

Mag. Harald Stefan ..................................................................................................... 140

Angela Lueger ............................................................................................................ 143

Sigrid Maurer .............................................................................................................. 144

Mag. Dr. Beatrix Karl .................................................................................................. 145

Dr. Nikolaus Scherak ................................................................................................. 155

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Harald Stefan, Kolleginnen und Kollegen betreffend E-Government – Ablehnung ...................................................................................  142, 157

Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Nikolaus Scherak, Dr. Peter Witt­mann, Mag. Wolfgang Gerstl, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Anglei­chung der Rechtzeitigkeitserfordernisse von mittels elektronischem Rechtsver­kehr und E-Mail erfolgenden Eingaben mit auf postalischem Weg erfolgenden Ein­gaben – Annahme (E 216) ..................................................................................  156, 158

Annahme des Gesetzentwurfes in 1765 d.B. ............................................................... 157

Gemeinsame Beratung über

20. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2169/A der Abgeordneten Josef Muchitsch, August Wöginger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Arbeitsmarktpolitik-Finan­zierungsgesetz geändert wird (1686 d.B.) ............................ 158

21. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2138/A(E) der Abgeordneten Herbert Kickl, Kolleginnen und Kollegen betref­fend Kostendämpfung bei der Zuwanderung durch Asylwerber und Asylanten im Sozialstaat Österreich (1687 d.B.) .................................................. 158

22. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2228/A der Abgeordneten Josef Muchitsch, August Wöginger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das ArbeitnehmerInnen­schutzgesetz, das Arbeitsinspektionsgesetz 1993, das Arbeitszeitgesetz, das Ar­beitsruhegesetz, das Mutterschutzgesetz 1979, das Allgemeine Sozialversiche­rungsgesetz, das Beamten-Kranken- und Unfallversicherungsgesetz und das Ar­beitsplatz-Sicherungsgesetz 1991 geändert werden (ArbeitnehmerInnenschutz-De­regulierungsgesetz) (1689 d.B.) ................................... 158

23. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2215/A(E) der Abgeordneten Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Herstellung von mehr Verbindlichkeit bei der Gefahrenevaluierung bei schwerer Lastenhandhabe (1690 d.B.) ............................... 158

24. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2234/A der Abgeordneten Josef Muchitsch, August Wöginger, Kolleginnen


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 12

und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Insolvenz-Entgeltsiche­rungsgesetz geändert wird (1691 d.B.) ..................................................... 158

25. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2128/A(E) der Abgeordneten Herbert Kickl, Kolleginnen und Kollegen betref­fend Einführung eines transparenten Lohnzettels (1692 d.B.)     ............................................................................................................................. 158

Redner/Rednerinnen:

Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein ........................................................................ 159

Josef Muchitsch ......................................................................................................... 160

Mag. Birgit Schatz ...................................................................................................... 161

August Wöginger ....................................................................................................... 162

Mag. Gerald Loacker .................................................................................................. 163

Ulrike Königsberger-Ludwig .................................................................................... 164

Ing. Waltraud Dietrich ................................................................................................ 165

Bundesminister Alois Stöger, diplômé ................................................................... 165

Mag. Gertrude Aubauer ............................................................................................. 166

Peter Wurm ................................................................................................................. 167

Johann Hechtl ............................................................................................................. 168

Rupert Doppler ........................................................................................................... 169

Martina Diesner-Wais ................................................................................................. 170

Gerhard Schmid ......................................................................................................... 170

Annahme der drei Gesetzentwürfe in 1686,1689 und 1691 d.B. ................................. 171

Kenntnisnahme der drei Ausschussberichte 1687, 1690 und 1692 d.B. ..................... 171

Gemeinsame Beratung über

26. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den 2241/A der Abgeordneten Josef Muchitsch, August Wöginger, Kolleginnen und Kollegen be­treffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsge­setz und das Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungsgesetz 1957 geändert wer­den (1693 d.B.) ........................................................................................ 172

27. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2202/A(E) der Abgeordneten Mag. Gerald Loacker, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend arbeits- und sozialrechtliche Vereinfachungen für Unternehmen im Baubereich (1694 d.B.) .................................................................... 172

28. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2203/A(E) der Abgeordneten Mag. Gerald Loacker, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend Abschaffung des Überbrückungsgeldes (1695 d.B.) .................................................................................................................... 172

29. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2233/A der Abgeordneten Josef Muchitsch, August Wöginger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Arbeitszeitgesetz, das Ar­beitsruhegesetz und das Apothekengesetz geändert werden (1696 d.B.)           ............................................................................................................................. 172

30. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2046/A(E) der Abgeordneten Ing. Waltraud Dietrich, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend „Bedarfsgerechte (Jahres)-Arbeitszeit nach Schweizer Modell“ (1697 d.B.) ..................................................................................... 172

Redner/Rednerinnen:

Mag. Birgit Schatz ...................................................................................................... 172

Josef Muchitsch ......................................................................................................... 173

Mag. Gerald Loacker .................................................................................................. 174

Mag. Michael Hammer ............................................................................................ ... 177


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 13

Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein ........................................................................ 178

Ing. Waltraud Dietrich ................................................................................................ 178

Bundesminister Alois Stöger, diplômé ................................................................... 179

Ing. Markus Vogl ......................................................................................................... 180

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Gerald Loacker, Kolleginnen und Kollegen betreffend Umqualifizierungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer_innen in gesundheitsgefährdenden Tätigkeitsfeldern – Ablehnung ............................................................................................................  175, 181

Annahme der beiden Gesetzentwürfe in 1693 und 1696 d.B. ..................................... 181

Kenntnisnahme der drei Ausschussberichte 1694, 1695 und 1697 d.B. ..................... 181

Gemeinsame Beratung über

31. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über die Regie­rungsvorlage (1613 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine Sozialversiche­rungsgesetz, das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz, das Bauern-Sozialver­sicherungsgesetz und das Einkommensteuergesetz 1988 geändert werden (So­zialversicherungs­Zuordnungsgesetz – SV-ZG) (1698 d.B.) ..... 181

32. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2163/A(E) der Abgeordneten Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Abschaffung der Geringfügigkeitsgrenze (1699 d.B.) ....................................................................................................................................... 182

33. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2062/A(E) der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Implementierung des Lehrberufs Berater für Menschen mit Behinde­rungen (1688 d.B.) .................................................................. 182

34. Punkt: Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über den An­trag 2037/A(E) der Abgeordneten Ing. Waltraud Dietrich, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend „Luxuspensionsreform jetzt – das Arbeitsprogramm der Bundesre­gierung 2017/2018 umsetzen“ (1700 d.B.) ................ 182

Redner/Rednerinnen:

Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein ........................................................................ 182

Ulrike Königsberger-Ludwig .................................................................................... 183

Mag. Judith Schwentner ............................................................................................ 186

August Wöginger ....................................................................................................... 187

Mag. Gerald Loacker .................................................................................................. 193

Bundesminister Alois Stöger, diplômé ................................................................... 196

Josef Muchitsch ......................................................................................................... 197

Ing. Waltraud Dietrich ................................................................................................ 198

Werner Neubauer, BA (tatsächliche Berichtigung) .................................................... 199

Bundesministerin Dr. Pamela Rendi-Wagner, MSc ............................................... 199

Ing. Mag. Werner Groiß ............................................................................................. 201

Werner Neubauer, BA ................................................................................................ 202

Dietmar Keck .............................................................................................................. 205

Mag. Birgit Schatz ...................................................................................................... 206

Johann Hell ................................................................................................................. 208

Peter Wurm ................................................................................................................. 209

Kai Jan Krainer ........................................................................................................... 210

Rupert Doppler ........................................................................................................... 210

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Gerald Loacker, Kolleginnen und Kollegen betreffend nachhaltige Reformen im Pflegebereich – ambulante, mo­bile und dezentrale Lösungen forcieren – Ablehnung ..............................................................................................................................  194, 213


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 14

Entschließungsantrag der Abgeordneten Werner Neubauer, BA, Kolleginnen
und
Kollegen betreffend Maßnahmenpaket für Österreichs Pensionisten – Ableh-
nung .....................................................................................................................  203, 214

Annahme des Gesetzentwurfes in 1698 d.B. ............................................................... 211

Kenntnisnahme der drei Ausschussberichte 1699, 1688 und 1700 d.B. ..................... 213

Gemeinsame Beratung über

35. Punkt: Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Industrie über die Regie­rungsvorlage (1475 d.B.): Bundesgesetz, mit dem die Gewerbeordnung 1994 ge­ändert wird, sowie über den

Antrag 1723/A(E) der Abgeordneten MMMag. Dr. Axel Kassegger, Josef Schell­horn, Leopold Steinbichler, Kolleginnen und Kollegen betreffend Anpassung der Gewerbeordnung an veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen – Rechts­sicherheit für Gastgewerbebetriebe und Nachbarn (1752 d.B.)                  214

36. Punkt: Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Industrie über den An­trag 2044/A der Abgeordneten Peter Haubner, Dr. Christoph Matznetter, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem die Gewerbeord­nung 1994 geändert wird (1753 d.B.) ....................................................... 214

37. Punkt: Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Industrie über die Re­gierungsvorlage (1667 d.B.): Bundesgesetz, mit dem die Gewerbeordnung 1994 geändert wird (Geldwäsche-Novelle) (1754 d.B.)   ............................................................................................................................. 214

Redner/Rednerinnen:

MMMag. Dr. Axel Kassegger ..................................................................................... 214

Peter Haubner ............................................................................................................. 216

Matthias Köchl ............................................................................................................ 229

Dr. Christoph Matznetter ........................................................................................... 232

Mag. Dr. Matthias Strolz ............................................................................................ 240

Bundesminister Mag. Dr. Harald Mahrer ................................................................. 241

Gabriel Obernosterer ................................................................................................. 243

Leopold Steinbichler .........................................................................................  244, 255

Dr. Angelika Winzig ................................................................................................... 249

Bernhard Themessl .................................................................................................... 250

Josef Muchitsch ......................................................................................................... 251

Mag. Christiane Brunner ........................................................................................... 252

Ing. Hermann Schultes .............................................................................................. 252

Dipl.-Ing. Karin Doppelbauer .................................................................................... 253

Dr. Kathrin Nachbaur ................................................................................................. 254

Entschließungsantrag der Abgeordneten Leopold Steinbichler, Kolleginnen und Kollegen betreffend „One in-Two out – Wirksamer Kampf gegen die Bürokra­tie“ – Ablehnung .................  247, 259

Entschließungsantrag der Abgeordneten Leopold Steinbichler, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Registrierkassenpflicht – Erhöhung des Nettojahresum­satzes“ – Ablehnung ...  248, 259

Entschließungsantrag der Abgeordneten Leopold Steinbichler, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Qualitätsgütesiegel-Gesetz“ – Ablehnung ..........................................................  256, 259

Annahme der drei Gesetzentwürfe in 1752, 1753 und 1754 d.B. ................................ 258

Gemeinsame Beratung über

38. Punkt: Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Industrie über die Regie­rungsvorlage (1620 d.B.): Bundesgesetz, mit dem die Begründung von Vorbelas-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 15

tungen durch den Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft ge­nehmigt wird sowie das Austria Wirtschaftsservice-Gesetz und das Einkommen­steuergesetz 1988 geändert werden (1755 d.B.) ......................................................... 260

39. Punkt: Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Industrie über den An­trag 2260/A der Abgeordneten Gabriel Obernosterer, Dr. Christoph Matznetter, Kol­leginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das KMU-Förde­rungsgesetz geändert wird (1760 d.B.) ...................................... 260

Redner/Rednerinnen:

Mag. Birgit Schatz ...................................................................................................... 260

Gabriel Obernosterer ................................................................................................. 265

Mag. Gerald Loacker .................................................................................................. 266

Wolfgang Katzian ....................................................................................................... 267

Leopold Steinbichler .................................................................................................. 267

MMMag. Dr. Axel Kassegger ..................................................................................... 268

Dr. Ruperta Lichtenecker .......................................................................................... 269

Elisabeth Hakel ........................................................................................................... 270

Peter Wurm ................................................................................................................. 270

Dr. Josef Cap .............................................................................................................. 271

Bundesminister Mag. Dr. Harald Mahrer ................................................................. 272

Mag. Gerald Hauser ................................................................................................... 273

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Zielorientierung und wirkungsorientierten Mitteleinsatz statt Drehtüreffekte und Förderung unsicherer Kurzzeitjobs durch den Beschäftigungs­bonus – Ablehnung ...............................  262, 274

Annahme der beiden Gesetzentwürfe in 1755 und 1760 d.B. ..................................... 274

Gemeinsame Beratung über

40. Punkt: Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Industrie über die Regie­rungsvorlage (1669 d.B.): Bundesgesetz über die Wirtschaftstreuhandberufe (Wirt­schaftstreuhandberufsgesetz 2017 – WTBG 2017) (1756 d.B.) .................................................................................................................... 274

41. Punkt: Bericht und Antrag des Ausschusses für Wirtschaft und Industrie über den Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem das Genossenschaftsrevisionsge­setz geändert wird (1757 d.B.)                        275

42. Punkt: Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Industrie über die Re­gierungsvorlage (1668 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Bilanzbuchhaltungsge­setz 2014 geändert wird (1758 d.B.)                275

Redner/Rednerinnen:

Dr. Ruperta Lichtenecker .......................................................................................... 275

Peter Haubner ............................................................................................................. 275

Dr. Christoph Matznetter ........................................................................................... 276

MMag. DDr. Hubert Fuchs ......................................................................................... 277

Leopold Steinbichler .............................................................................................. ... 282

Annahme der drei Gesetzentwürfe in 1756, 1757 und 1758 d.B. ................................ 283

43. Punkt: Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Industrie über die Regie­rungsvorlage (1519 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Ökostromgesetz 2012, das Elektrizitätswirtschafts- und ‑organisationsgesetz 2010, das Gaswirtschaftsge­setz 2011, das KWK-Punkte-Gesetz und das Energie-Control-Gesetz geändert wer­den sowie das Bundesgesetz, mit dem zusätzliche Mittel aus von der Energie-Control Austria verwaltetem Sondervermögen bereitgestellt werden, erlassen wird (1527 d.B.)                284


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 16

Redner/Rednerinnen:

MMMag. Dr. Axel Kassegger ..................................................................................... 284

Mag. Josef Lettenbichler ........................................................................................... 286

Wolfgang Katzian ....................................................................................................... 287

Mag. Christiane Brunner ........................................................................................... 288

Bundesminister Mag. Dr. Harald Mahrer ................................................................. 302

Ulrike Weigerstorfer ................................................................................................... 303

Ing. Hermann Schultes .............................................................................................. 303

Leopold Steinbichler .................................................................................................. 304

Annahme des Gesetzentwurfes in 1527 d.B. ............................................................... 305

44. Punkt: Bericht des Ausschusses für Forschung, Innovation und Technologie über die Regierungsvorlage (1671 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das FTE Natio­nalstiftungsgesetz geändert wird (1677 d.B.)              ............................................................................................................................. 306

Redner/Rednerinnen:

Eva-Maria Himmelbauer, BSc ................................................................................... 306

Philip Kucher .............................................................................................................. 307

Dipl.-Ing. Gerhard Deimek ......................................................................................... 307

Dr. Ruperta Lichtenecker .......................................................................................... 308

Dr. Karlheinz Töchterle ............................................................................................. 309

Bundesminister Mag. Dr. Harald Mahrer ................................................................. 310

Nurten Yılmaz ............................................................................................................. 311

Annahme des Gesetzentwurfes in 1677 d.B. ............................................................... 311

45. Punkt: Bericht des Ausschusses für Forschung, Innovation und Technologie über die Regierungsvorlage (1656 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Markenschutz­gesetz 1970, das Patentgesetz 1970, das Gebrauchsmustergesetz, das Halblei­terschutzgesetz, das Musterschutzgesetz 1990 und das Patentamtsgebührenge­setz geändert werden (1678 d.B.) .......................................... 311

Redner/Rednerinnen:

Konrad Antoni ............................................................................................................ 312

Mag. Josef Lettenbichler ........................................................................................... 312

Walter Bacher ............................................................................................................. 313

Bundesminister Mag. Jörg Leichtfried .................................................................... 313

Annahme des Gesetzentwurfes in 1678 d.B. ............................................................... 314

Gemeinsame Beratung über

46. Punkt: Bericht des Verkehrsausschusses über den Antrag 2229/A der Abge­ordneten Anton Heinzl, Andreas Ottenschläger, Kolleginnen und Kollegen betref­fend ein Bundesgesetz, mit dem das Kraftfahrgesetz 1967 und das Unfalluntersu­chungsgesetz – UUG 2005 geändert werden (1734 d.B.)   ............................................................................................................................. 314

47. Punkt: Bericht des Verkehrsausschusses über den Antrag 2230/A der Abge­ordneten Anton Heinzl, Andreas Ottenschläger, Kolleginnen und Kollegen betref­fend ein Bundesgesetz, mit dem das Wasserstraßengesetz geändert wird (1735 d.B.)                                                                         314

48. Punkt: Bericht des Verkehrsausschusses über die Regierungsvorlage (1657 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Luftfahrtgesetz geändert wird (1736 d.B.) ..................................................... 314

Redner/Rednerinnen:

Georg Willi .................................................................................................................. 314

Anton Heinzl ............................................................................................................... 318

Andreas Ottenschläger ....................................................................................  319, 328

Dipl.-Ing. Gerhard Deimek ......................................................................................... 320


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 17

Dietmar Keck .............................................................................................................. 321

Bundesminister Mag. Jörg Leichtfried ...........................................................  321, 328

Dipl.-Kffr. (FH) Elisabeth Pfurtscheller .................................................................... 323

Mag. Günther Kumpitsch .......................................................................................... 324

Johann Singer ............................................................................................................ 324

Johann Rädler ............................................................................................................ 325

Barbara Rosenkranz .................................................................................................. 325

Michael Bernhard ....................................................................................................... 327

Entschließungsantrag der Abgeordneten Georg Willi, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend Einhaltung des Flugbeschränkungsgebiets Wien, damit Landean­flüge über das Stadtgebiet wieder Ausnahme statt die Regel werden – Ableh-
nung .....................................................................................................................  316, 329

Entschließungsantrag der Abgeordneten Georg Willi, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend gesetzeskonforme Optimierung der Flugrouten im Großraum Wien – Ablehnung  317, 329

Entschließungsantrag der Abgeordneten Barbara Rosenkranz, Kolleginnen und Kollegen betreffend temporäre Aussetzung der Vignettenpflicht auf der A 22 im Ab­schnitt zwischen Stockerau Mitte und Stockerau Nord – Ablehnung ..............................................................................  326, 329

Annahme der drei Gesetzentwürfe in 1734, 1735 und 1736 d.B. ................................ 329

49. Punkt: Bericht des Volksanwaltschaftsausschusses über den 40. Bericht der Volksanwaltschaft (1. Jänner bis 31. Dezember 2016) (III-354/1759 d.B.) ............................................... 330

Redner/Rednerinnen:

Johann Hell ................................................................................................................. 330

Norbert Sieber ............................................................................................................ 331

Carmen Schimanek .................................................................................................... 331

Mag. Dr. Wolfgang Zinggl .......................................................................................... 333

Dr. Nikolaus Scherak ................................................................................................. 334

Franz Kirchgatterer .................................................................................................... 335

Mag. Gertrude Aubauer ............................................................................................. 336

Christian Lausch ........................................................................................................ 337

Mag. Barbara Neuroth ............................................................................................... 337

Angela Fichtinger ....................................................................................................... 338

Katharina Kucharowits .............................................................................................. 339

Franz Leonhard Eßl ................................................................................................... 340

Volksanwalt Dr. Günther Kräuter ............................................................................. 340

Volksanwalt Dr. Peter Fichtenbauer ........................................................................ 341

Volksanwältin Dr. Gertrude Brinek .......................................................................... 342

Entschließungsantrag der Abgeordneten Carmen Schimanek, Kolleginnen
und Kollegen betreffend zusätzliche Planstellen in der Volksanwaltschaft – Ab­lehnung  333, 343

Kenntnisnahme des Berichtes III-354 d.B. ................................................................... 343

Eingebracht wurden

Anträge der Abgeordneten

Peter Haubner, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundes­gesetz, mit dem das Wohnbauförderungsbeitragsgesetz 2018 erlassen wird und das


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 18

Bundesgesetz über die Einhebung eines Wohnbauförderungsbeitrages, das Einkom­mensteuergesetz 1988 sowie das Finanzausgleichsgesetz 2017 geändert werden (2269/A)

Doris Bures, Karlheinz Kopf, Ing. Norbert Hofer, Mag. Albert Steinhauser, Mag. Dr. Matthias Strolz, Ing. Waltraud Dietrich, Kolleginnen und Kollegen betref­fend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über den Nationalfonds der Repu­blik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus geändert wird (2270/A)

Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz und das Arbeitsverfassungsgesetz abgeän­dert werden (2271/A)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesverfassungsge­setz mit dem das Bundes-Verfassungsgesetz – B-VG, BGBl. Nr. 1/1930, geändert wird (2272/A)

Mag. Ruth Becher, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz mit dem das Mietrechtsgesetz 1981 und das Wohnungseigentumsgesetz 2002 – Wohnrechtsno­velle 2017 – geändert werden (2273/A)

Anfragen der Abgeordneten

Mag. Christine Muttonen, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Ver­kehr, Innovation und Technologie betreffend skandalös hohe Zahl an Flugstreichungen bei der AUA (13661/J)

Katharina Kucharowits, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finan­zen betreffend die Wohnbaufördermittel (13662/J)

Mag. Bernd Schönegger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Ver­kehr, Innovation und Technologie betreffend Zuschüsse von Bundesmitteln für den Aus­bau des öffentlichen Verkehrs in Graz (13663/J)

Dr. Christoph Matznetter, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Telefon-Blockaden und schwerwiegende Geschäftsstörungen – „Fake-Schlüs­seldienste“ (13664/J)

Dr. Christoph Matznetter, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für In­neres betreffend Telefon-Blockaden und schwerwiegende Geschäftsstörungen – „Fake-Schlüsseldienste“ (13665/J)


 


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 19

09.05.36Beginn der Sitzung: 9.05 Uhr

Vorsitzende: Präsidentin Doris Bures, Zweiter Präsident Karlheinz Kopf, Dritter Prä­sident Ing. Norbert Hofer.

*****

 


Präsidentin Doris Bures: Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Ich wünsche Ihnen einen schönen guten Morgen. Ich eröffne die 190. Sitzung des Natio­nalrates.

Als verhindert gemeldet sind die Abgeordneten Ecker, Mühlberghuber, Schellhorn und Schenk.

*****

Ich gebe bekannt, dass diese Sitzung von ORF 2 bis 13 Uhr live übertragen wird. ORF III wird diese Sitzung in voller Länge übertragen, wobei jener Teil der Sitzung, der über 19.25 Uhr hinausgeht, zeitversetzt gesendet wird.

09.06.16Fragestunde

 


Präsidentin Doris Bures: Wir gelangen nun zur Fragestunde.

Ich begrüße Herrn Bundesminister Mag. Doskozil. Die Fragestellungen durch die Da­men und Herren Abgeordneten werden von den beiden Rednerpulten im Halbrund aus vorgenommen, die Beantwortung durch den Herrn Bundesminister für Landesverteidi­gung und Sport vom Rednerpult der Abgeordneten aus.

Für die Anfrage- und Zusatzfragesteller ist jeweils 1 Minute Redezeit vorgesehen. Die Beantwortung der Anfragen soll 2 Minuten, jene der Zusatzfragen jeweils 1 Minute nicht übersteigen. Ich werde vor Ende der jeweiligen Redezeit darauf aufmerksam machen.

Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport

 


Präsidentin Doris Bures: Wir kommen nun zur 1. Anfrage, jener des Herrn Abgeord­neten Pendl. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


Abgeordneter Otto Pendl (SPÖ): Frau Präsidentin! Einen schönen guten Morgen! Herr Bundesminister! Ausgehend von einem einstimmigen Beschluss hier im Hause im No­vember des Jahres 2015 haben Sie mit der Bundesregierung eine Neubeurteilung der Sicherheitssituation vorgenommen und natürlich auch die notwendigen Maßnahmen für das österreichische Bundesheer eingeleitet.

Ich darf Sie fragen:

316/M

„Wie weit ist die Umsetzung der Heeresgliederung NEU vorangeschritten?“

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrter Herr Abgeordneter, es ist richtig, wir haben die Situation beim österreichi­schen Bundesheer neu beurteilt, intern neu beurteilt. Aufgrund der Situation allgemein,


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 20

global, in Europa und in Österreich, haben wir eine Gliederung vorgenommen, die mit 1. Jänner dieses Jahres pro forma vorgenommen wurde, eine Gliederung, die sich im Wesentlichen darauf konzentriert, dass spezialisierte Verbände – vier Spezialisierun­gen – eingerichtet wurden, in weiterer Folge auch eine entsprechende Regionalität vor­gesehen ist. Das ist eine Regionalität in der Hinsicht, dass dadurch auch die Militär­kommanden gestärkt werden – die Militärkommanden dahin gehend gestärkt werden, dass ihnen eine konkrete Aufgabe zugewiesen wird, nämlich eine Aufgabe, bei der es darum geht, dass sie für den Grundwehrdienst Verantwortung zeigen, dass sie für die Miliz Verantwortung zeigen und dass im Wesentlichen auch die Aufgabe des Katastro­phenschutzes dorthin gelegt wird, wo sie zu erledigen ist, nämlich regional, vor Ort, zu den Militärkommanden.

Die Reform ist, wie gesagt, mit 1. Jänner dieses Jahres provisorisch durchgeführt wor­den und die Struktur provisorisch eingenommen worden. Wir sind jetzt in einer Phase, in der wir die Spitzenpositionen – sei es im Haus, sei es aber auch in den Nachord­nungen bei den Kommanden – ausgeschrieben haben, diese in weiterer Folge beset­zen werden.

Danach wird die Gliederung im Detail auch im Einvernehmen mit dem Bundeskanz­leramt, was die Organisationspläne, was die Dotierungen und Bewertungen der Plan­stellen per se betrifft, vorgenommen werden, sodass ich davon ausgehe, dass wir bis zum Ende des Jahres diese neue Organisationsform, Organisationsgliederung oder Or­ganisationsausrichtung des österreichischen Bundesheeres auf der einen Seite finali­sieren können.

Ich möchte aber auf der anderen Seite auch klar zum Ausdruck bringen, dass eine Strukturreform wie diese nicht damit abgeschlossen ist, sondern wir uns in weiterer Folge weitere Fragen stellen müssen: Fragen über innere Abläufe, Fragen über Be­schaffungsvorgänge. Wie sind die Zusammenhänge, passen diese inneren Abläufe? – Das wird der nächste Schritt sein müssen, um dann das Ziel, das wir uns eigentlich ge­setzt haben, und zwar in der Zentralstelle zu verschlanken, klare, strukturierte Abläufe zu haben, auch zu erreichen.

 


Präsidentin Doris Bures: Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Pendl.

 


Abgeordneter Otto Pendl (SPÖ): Herr Bundesminister! Sie haben gerade ausgeführt, auch bei dieser Neuausrichtung wird die Miliz einen wichtigen Stellenwert einnehmen.

Meine Frage lautet: Wie weit sind die Maßnahmen, was die Miliz betrifft, ebenfalls be­reits eingeleitet worden?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Das österreichische Bundesheer ist von einer Systematik getragen, die nicht nur das Be­rufsheer, nicht nur die Berufssoldaten, sondern die natürlich auch die Komponente der Miliz, aber auch die Komponente der Grundwehrdiener betrifft. Abgerundet ist dieses Bild, glaube ich, ein wesentliches für das österreichische Bundesheer. Daher ist es ge­nauso wichtig, mit dieser Reform, die eine Weiterentwicklung für das Bundesheer be­deutet, auch die Miliz weiterzuentwickeln. Wir werden in der nächsten Zeit die ersten vier Milizbataillone ausrüsten und ausstatten, sodass sie auch adäquat ausgestattet sind und für ihre Aufgabenstellung entsprechend ausgerüstet sind.

Wir werden auch unsere Milizstärke von derzeit etwas über 25 000 Milizangehörigen bis 2025/2026 auf über 32 000 Milizangehörige steigern und eine Struktur einnehmen, dass wir die Aufgabenstellung, die wir der Miliz zuordnen und zuweisen, nämlich die Überwachung und die Aufgabenstellung kritische Infrastruktur, auch entsprechend wahr­nehmen können.

 



Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 21

Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zur 2. Anfrage, jener des Herrn Abge­ordneten Dipl.-Ing. Berlakovich. – Bitte.

 


Abgeordneter Dipl.-Ing. Nikolaus Berlakovich (ÖVP): Frau Präsidentin! Herr Bun­desminister! Einen schönen guten Morgen! Meine Frage bezieht sich darauf, dass das österreichische Bundesheer derzeit im Zuge eines Auslandseinsatzes an der unga­risch-serbischen Grenze unterstützend tätig ist. Es werden dort Maßnahmen der huma­nitären Hilfe durchgeführt. Dabei erfolgt die Unterstützung im Sanitätsbereich allerdings durch Freiwillige des Arbeiter-Samariter-Bundes Österreichs, die für die Dauer der Ent­sendung mit befristetem Dienstvertrag aufgenommen werden.

Meine Frage lautet:

313/M

„Aus welchen Gründen hat das BMLVS Teile dieses Auslandseinsatzes an eine Ret­tungsorganisation ausgegliedert, ohne die eigenen Sanitätskapazitäten in Anspruch zu nehmen?“

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrter Herr Abgeordneter, wir haben im österreichischen Bundesheer derzeit die Si­tuation, dass wir sehr viele Soldaten – es sind in etwa 1 100 Soldaten – im Auslands­einsatz haben. Wir haben zusätzlich die Situation, dass wir gleichzeitig auch ungefähr 900 Soldaten im Inlandseinsatz im Assistenzeinsatz haben. Wir haben im österreichi­schen Bundesheer eine Situation, wo wir derzeit – auch aufgrund der Strukturmaßnah­men, aufgrund der Entwicklungen – vor allem im Personalbereich einen immensen Per­sonalzuwachs verzeichnen.

Nur um ein Beispiel zu nennen: Wir haben vor, bis 2020 insgesamt um 10 000 neue Mitarbeiter zu werben. Dieser Plan gelingt derzeit. Wir haben, nur für das heurige Jahr, bis zum jetzigen Zeitpunkt über 1 000 Aufnahmen. Und all diese Bereiche erfordern auch den Einsatz des Sanitätsdienstes in den verschiedensten Facetten.

Es ist unser grundsätzlicher Zugang, dass wir uns auch hinkünftig, wenn wir den Sani­tätsdienst und auch den militärärztlichen Bereich neu definieren wollen, nach außen öff­nen, dass wir Kooperationen eingehen. Das ist eine Facette, wo wir diese erste Koope­ration gemacht haben. Dies – ich sage das auch ganz offen – auch vor dem Hinter­grund, dass wir, was den militärärztlichen und den sanitätsdienstlichen Bereich betrifft, ebenso wie beispielsweise bei der Hubschrauberpilotenkomponente, derzeit in diesen Bereichen Nachholbedarf haben.

Aufgrund dieser allgemeinen Situation, aufgrund des hohen Anspruches auch in den ressourcentechnischen Bereichen wurde diese Variante für den Einsatz in Ungarn ge­wählt.

 


Präsidentin Doris Bures: Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Berlako­vich.

 


Abgeordneter Dipl.-Ing. Nikolaus Berlakovich (ÖVP): Wenn ich richtig verstanden ha­be, heißt das, dass sozusagen die eigenen Kapazitäten um Kapazitäten ergänzt wur­den, wie in diesem Fall um jene des Arbeiter-Samariter-Bundes.

Mich würde interessieren, wie hoch die Kosten sind, die dem Bundesministerium durch diese Auslagerung der Unterstützung im Sanitätsbereich entstehen.

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 



Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 22

Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Die Kosten werden erst final abgerechnet werden. Wir haben jetzt den Einsatz in Ungarn noch bis zum Ende des Jahres verlängert. Ich gehe heute und jetzt davon aus, dass er durchaus nicht so lange dauern wird, weil es aufgrund der Tätigkeit vor Ort, aufgrund der Erfordernisse und Anforderungen vor Ort höchstwahrscheinlich witterungsbedingt bereits früher zu einem Ende dieses Einsatzes kommen wird.

Die prognostizierten Kosten für diesen Einsatz waren in etwa knapp unter 100 000 €. Aber eine detaillierte Abrechnung wird es erst am Ende dieses Einsatzes geben.

 


Präsidentin Doris Bures: Weitere Zusatzfrage? – Bitte, Frau Abgeordnete Lueger.

 


Abgeordnete Angela Lueger (SPÖ): Guten Morgen, Herr Minister! Du hast jetzt selbst in deiner Beantwortung gesagt, dass es gute Kooperationen gibt, auch mit dem Arbei­ter-Samariter-Bund und mit sämtlichen anderen Organisationen, gemeinsam mit dem Militär.

Meine Zusatzfrage dazu lautet: Kann sich daraus noch etwas mehr entwickeln? Wie siehst du die Zusammenarbeit? Gestaltet sich diese sehr positiv oder wäre da etwas ver­besserungswürdig?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Das österreichische Bundesheer lebt von Kooperationen, lebt international von Kooperatio­nen – unser größter Kooperationspartner ist beispielsweise Deutschland – und lebt auch in Österreich von Kooperationen.

Wir leben im Sanitätsbereich sehr intensiv von Kooperationen. Ich habe es schon an­gesprochen, wir werden und müssen uns im militärärztlichen Bereich, vor allem, was un­sere Militärspitäler betrifft, öffnen. Wir haben da gerade eine Kommission eingesetzt, die diese Öffnung auch gemeinsam mit Sozialversicherungsträgern beurteilt. Wenn wir andenken – was zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gelungen ist –, dass wir hinkünftig möglicherweise auch die eine oder andere, nicht die gänzliche, aber die eine oder an­dere Rolle auch im Bereich des Rettungshubschrauberwesens spielen wollen, dann müs­sen wir solche Kooperationen eingehen.

Ich bin sowohl in diesem Bereich, aber auch in vielen anderen Bereichen, wie zum Bei­spiel im Bereich des Katastrophenschutzes hin zu den Feuerwehren, ein Freund von Ko­operation. Ich glaube, das ist der richtige und wichtige Weg.

 


Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zur 3. Anfrage, jener des Herrn Abge­ordneten Dr. Bösch. – Bitte.

 


Abgeordneter Dr. Reinhard Eugen Bösch (FPÖ): Frau Präsidentin! Herr Bundesmi­nister! Für die Entwicklung des österreichischen Bundesheeres ist die personelle Frage eine entscheidende, und da vor allem auch die Entscheidung des jungen, tauglichen Wehrpflichtigen für den Wehrdienst.

Werden Sie sich für die Erhöhung der Geldleistungen für Grundwehrdiener, die derzeit bei circa 300 € liegt, auf das Niveau der Mindestsicherung von circa 800 € einsetzen?

*****

Die schriftlich eingebrachte Anfrage, 321/M, hat folgenden Wortlaut:

„Werden Sie sich für die Erhöhung der Geldleistungen, also Grundvergütung und das Monatsgeld, für Wehrpflichtige auf das Niveau der Mindestsicherung einsetzen?“

*****

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 



Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 23

Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrter Herr Abgeordneter, man kann jetzt auf den ersten Blick die Entschädigung be­ziehungsweise die Grundvergütung für Grundwehrdiener mit diesem Betrag nicht eins zu eins mit der Höhe der Mindestsicherung vergleichen.

Bei einem Grundwehrdiener sind natürlich in der Systematik, in der Tätigkeit des Ab­leistens des Grundwehrdienstes noch viele andere Facetten zusätzlich gegeben – Fa­cetten der Versorgung, Facetten der Unterkunft, Facetten der medizinischen Versorgung. Es muss da also auf der einen Seite eine gesamtheitliche Betrachtung angestellt wer­den.

Daher ist mir in diesem Zusammenhang der Vergleich mit Zivildienstleistenden lieber. Und diesen Vergleich, diese Berechnungsmodelle hat es ja eins zu eins gegeben. Es ist durchaus eine Überlegung, auch dieses Entgelt, diese Entschädigung entsprechend zu adaptieren. Das werden wir natürlich auch im Zusammenhang mit der Situation bei den Zivildienern – wenn, dann harmonisch – beurteilen müssen.

Aber um hier nur eine Größenordnung klar und deutlich zu deponieren: Wir haben für uns in Anspruch genommen, dass wir auch im Bereich der Grundwehrdiener eben mehr Grundwehrdiener beim Bundesheer haben wollen. Auch dieser Weg gelingt sukzessi­ve. Aber würden wir diese Entschädigungszahlungen in etwa um 100 € pro Monat er­höhen, dann bedeutet das für das Gesamtbudget des österreichischen Bundesheeres im Jahr 11 Millionen €. Diese Beurteilung muss nicht nur intern in weiterer Folge getrof­fen werden, sondern wird auch in Zusammenschau und im Zusammenspiel mit der Si­tuation der Zivildienstleistenden beurteilt werden müssen.

 


Präsidentin Doris Bures: Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Dr. Bösch.

 


Abgeordneter Dr. Reinhard Eugen Bösch (FPÖ): Herr Bundesminister! Im Bereich der Unteroffiziere hat sich nach der begrüßenswerten finanziellen Besserstellung für Neu­eintretende doch eine Diskrepanz zu bisherigen Laufbahnen ergeben. Im Bereich der Offiziere wird beklagt, dass die Anerkennung des akademischen Grades, der akademi­schen Ausbildung nicht analog zu anderen Ausbildungsgängen nach dem Bologna-Sys­tem zutrifft.

Sind Ihnen diese beiden Probleme bekannt? Haben Sie Maßnahmen dagegen ergrif­fen?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Mir sind diese beiden Probleme durchaus bekannt. Bezüglich des ersten Problems ist der erste Schritt ja in der Zusammenlegung der Unteroffiziere 1 und 2 gelungen. Mir ist durch­aus bewusst, dass wir hier in der Beurteilung, möglicherweise in der Gehaltsstufenpy­ramide, aber auch in anderer Art und Weise weitere Schritte gehen müssen. Wir sind derzeit im Verteidigungsressort damit befasst, auch in Abstimmung mit der Personalver­tretung natürlich, diese Dinge, aber auch viele andere Facetten, was das Gehaltsge­setz, was die Gehaltskluft zwischen – und das sage ich ganz offen – Angehörigen des Verteidigungsressorts, zwischen Soldatinnen und Soldaten und Polizistinnen und Poli­zisten betrifft, zu thematisieren. Es wird in Zukunft auch die Unterscheidung zwischen Auslandseinsatz und Inlandseinsatz, Assistenzeinsatz thematisiert werden müssen.

Mir ist auch die Situation der Truppenoffiziere bewusst, die in gewissen Bereichen eine akademische Ausbildung gemacht haben. Auch dazu haben wir einen Vorschlag vor­gelegt, den wir in der nächsten Legislaturperiode einbringen werden.

 


Präsidentin Doris Bures: Weitere Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Schabhüttl.

 


Abgeordneter Jürgen Schabhüttl (SPÖ): Frau Präsidentin! Guten Morgen, Herr Bun­desminister! Nachfolgend auf die Frage des Kollegen Bösch möchte ich wissen: Wie


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 24

stehst du generell zur allgemeinen Wehrpflicht? Und welche Zukunftsvisionen hast du für die Miliz?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Ich habe schon eingangs gesagt, unsere Systematik fußt auf drei Säulen: auf den Ange­hörigen des Ressorts, auf unseren Berufssoldaten, aber natürlich auch auf dem Miliz­system, und die dritte Basis ist der Grundwehrdienst. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Weg der richtige ist. Also ich bin nicht bereit, in Zukunft über die Thematik Grund­wehrdienst zu diskutieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in dieser Art und Wei­se den richtigen Weg für das österreichische Bundesheer eingeschlagen haben, denn genau dieser Grundwehrdienst bewirkt, dass wir zum einen auch die Miliz in weiterer Folge entsprechend befüllen können, die eine gewisse Aufgabenstellung und Wichtigkeit hat, und auf der anderen Seite aus dem Pool der Grundwehrdiener auch unseren Nach­wuchs rekrutieren können.

Man sieht es auch an europäischen Beispielen in anderen Ländern, etwa in Schweden, wo mit der Abkehr von der Berufsarmee wieder der umgekehrte Weg eingeschlagen wurde. (Präsidentin Bures gibt das Glockenzeichen.) Auch in Deutschland wird das ak­tuell wieder diskutiert, daher bin ich überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 


Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zur 4. Anfrage, jener des Herrn Abge­ordneten Dr. Pilz. – Bitte.

 


Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Herr Bundesminister, ich habe eine sehr einfa­che Frage:

319/M

„Was sind aus heutiger Sicht des BMLVS die größten Schwachpunkte in den Euro­fighter-Verträgen?“

Bitte nach zwei Stunden mit der Beantwortung aufzuhören.

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, ich muss Ihnen sagen: nach 2 Minu­ten, so sieht das nämlich die Geschäftsordnung vor. – Bitte, Sie sind am Wort.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrter Herr Abgeordneter! Es ist jetzt natürlich im Nachhinein und mit dem Wissens­stand, den wir heute durch die Arbeit der Taskforce haben, viel leichter zu beurteilen, wie sich die Situation vielleicht nicht hätte ergeben sollen oder was vielleicht hätte bes­ser gemacht werden sollen.

In die Beurteilung spielt die Frage hinein, wie es mit der österreichischen Luftraum­überwachung weitergeht. Vor allem wenn man nicht nur die militärische Effizienz, son­dern auch den Kostenfaktor berücksichtigt, dann war es hier und jetzt für mich ganz einfach im Jahr 2002 die falsche Entscheidung, Richtung Eurofighter zu gehen, die fal­sche Entscheidung, dieses teure Fluggerät anzuschaffen, die falsche Entscheidung – und das muss sicherlich noch hinterfragt werden, auch in den Beurteilungen der Ver­träge, in den Auswertungen der Verträge –, dass man in weiterer Folge die Betriebs­kosten überhaupt nicht berücksichtigt hat.

Auf der anderen Seite muss man auch sagen, dass zu beiden Zeitpunkten, sowohl 2002 als auch 2007, aus unserer Sicht und aufgrund der Unterlagen und Daten, die wir im Zuge dieser Untersuchungen von Airbus bekommen haben, klar war, dass es nie­mals, zu keinem Zeitpunkt, möglich gewesen wäre, den eigentlichen Vertragsgegen­stand, nämlich die Lieferung der Tranche 2, auch tatsächlich zu realisieren. Ich gehe da-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 25

von aus, dass dieses Täuschungsmoment auch 2007 noch vorhanden war. Natürlich war es unter diesem Aspekt und mit diesem Wissen falsch, diesen Vergleichsvertrag zu schließen. Der Vergleichsvertrag wurde aber geschlossen.

Die Frage, die sich nun stellt, ist: Wie kommen wir aus diesen Verträgen wieder he­raus? – Wir haben die Tatsachen und Fakten klar auf den Tisch gelegt. Aus meiner Sicht sind es im Wesentlichen zwei Anhaltspunkte: auf der einen Seite die Lieferunfähigkeit von Airbus, das klare Täuschen der Handlungsträger und Verantwortlichen des Res­sorts oder der Republik Österreich, und auf der anderen Seite – auch klar dokumen­tiert – die Einpreisung von 183 Millionen €, die eigentlich mit dem Kaufgegenstand nicht in Verbindung zu bringen sind.

 


Präsidentin Doris Bures: Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Herr Bundesminister! 2002 Typenentscheidung, 2003 Kaufvertrag, das waren damals Entscheidungen einer ÖVP-FPÖ-Regierung. In­zwischen – damals nicht, aber inzwischen, da haben Sie vollkommen recht – sind wir in der Lage, die daraus entstandenen Schäden für die Republik Österreich zu berech­nen: das teuerste Flugzeug gekauft, die Betriebskosten nicht eingepreist, und, und, und.

Ist das Bundesministerium für Landesverteidigung bereit, die Schäden, die der Repu­blik Österreich aus dem damaligen Kaufvertrag 2003 entstanden sind, zu berechnen und diese Berechnung dem Parlament vorzulegen?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Ich glaube, wir haben durch diese Strafanzeige, auch durch die Beteiligung als Privatbe­teiligter in diesen Verfahren, klar und deutlich dokumentiert, dass wir bereit dazu sind, den kompletten Sachverhalt aufzuklären, dass wir bereit dazu sind, auch durch unsere Aktenvorlage an den Untersuchungsausschuss maximal zu kooperieren und den Sach­verhalt in jeder Hinsicht aufzuklären. Diese Bereitschaft besteht. Wir sind natürlich be­reit dazu, dass wir den Schaden, der entstanden ist, auch im Sinne des österreichi­schen Steuerzahlers, im Sinne des österreichischen Bundesheeres wiedergutmachen wollen. Wir wollen diesen Schaden kompensiert bekommen, wir wollen, dass Airbus die­se Schadenssumme wieder an die Republik Österreich refundiert. Die Schritte dazu ha­ben wir eingeleitet. Die Berechnungen, die in weiterer Folge stattzufinden haben, wer­den entsprechend durchgeführt, und die Verfahren werden mit Nachdruck geführt.

 


Präsidentin Doris Bures: Weitere Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Steinbichler.

 


Abgeordneter Leopold Steinbichler (STRONACH): Frau Präsident! Herr Minister! An­schließend an die Frage des Kollegen Pilz: Gibt es seitens deines Ministeriums von den Experten Schätzungen oder Berechnungen, die man für solche Forderungen verwen­den kann, Schätzungen oder Berechnungen für diese Ausfälle durch diese Schlechter­stellung mit diesem Vergleich?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Wir ha­ben gezeigt, dass wir im Bereich der Strafanzeige den Betrag, den ich schon genannt habe, der eingepreist wurde, der nicht originär und ursprünglich dem Kaufgegenstand zu­zurechnen ist, diese 183,4 Millionen €, natürlich als Schaden geltend machen werden. Wir haben klar dokumentiert, dass wir durch die Typenentscheidung, durch die Betriebs­kosten, durch den Faktor, dass in weiterer Folge dieses Täuschungselement vorhan­den ist, nach wie vor auf Tranche 1 fahren und auch dazu gezwungen werden, die Up­dates, die Upgrades in Richtung Weiterentwicklung auf Tranche 2 selbst zu tragen.

Auch diesen Schaden haben wir zu beziffern versucht. Es wird aber ad hoc nicht mög­lich sein, in weiterer Folge den Schaden zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 26

zu beziffern, weil der Schaden täglich größer wird. Mit jedem Tag wird der Schaden größer, wir müssen in weiterer Folge definieren, welche Schritte wir parallel dazu set­zen müssen, wenn es um die Frage der Zukunft der aktiven Luftraumüberwachung geht. Ich sage jetzt nur ein Stichwort: Nachbeschaffung Saab 105. (Präsidentin Bures gibt das Glockenzeichen.) Aus diesem Aspekt heraus wird die Schadensberechnung ein flie­ßender Prozess sein.

 


Präsidentin Doris Bures: Weitere Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Mag. Hammer.

 


Abgeordneter Mag. Michael Hammer (ÖVP): Sehr geehrter Herr Bundesminister! Sie haben ja bereits bei der Anzeige der Task Force Eurofighter angekündigt, bis Ende Ju­ni ein neues Strategiekonzept über die Luftraumüberwachung in Österreich vorzulegen. Wir haben jetzt den 29. Juni. Gibt es schon ein Papier Ihrer Experten? Welche Empfeh­lungen gibt es? Und welche werden Sie dem Parlament übermitteln, und wann?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Wir haben im Zuge der Aufarbeitung dieser Causa mehrere Dinge angekündigt, unter an­derem auch, bis Ende Mai unser Verhalten, was zukünftige Beschaffungsvorgänge be­trifft, klar auf den Tisch zu legen. Das bedeutet in diesem Zusammenhang in dieser Aus­prägung wie davor keine Gegengeschäfte, keine Waffenlobbyisten mehr im Bereich der Kaufabwicklungen und Beschaffungsvorgänge in der Zuständigkeit des Verteidigungsres­sorts.

Und wir haben, wie Sie sagen, angekündigt, dass wir die aktive Luftraumüberwachung neu definieren. Der Bericht wird mir diese Woche noch vorgelegt werden. Der Bericht wird auch nächste Woche öffentlich gemacht, und er wird eine Entscheidung beinhal­ten, wie es mit der aktiven Luftraumüberwachung weitergeht, und sich vor allem mit der Frage beschäftigen, welches Modell sinnvoll ist. Ist ein Umstieg sinnvoll? Ist es sinnvoll, beim Eurofighter zu bleiben? Diese Antworten werden nächste Woche gegeben werden.

 


Präsidentin Doris Bures: Weitere Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Brückl.

 


Abgeordneter Hermann Brückl (FPÖ): Frau Präsident! Herr Bundesminister, guten Mor­gen! Herr Bundesminister, es ist mittlerweile augenscheinlich geworden, dass die Do­kumentation der Vorgänge rund um die Vergleichsverhandlungen, die der damalige Bun­desminister Darabos geführt hat, sehr lückenhaft ist. Wie sieht es jetzt im Hinblick auf die Dokumentation rund um die Taskforce, im Hinblick auf Transparenz und Nachvoll­ziehbarkeit der Vorgänge, aus?

 


Präsidentin Doris Bures: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Wir haben, und das haben wir, glaube ich, auch dokumentiert, sämtliche Unterlagen, die in der Taskforce verwendet wurden, sämtliche Unterlagen, die beschafft wurden, sämtli­che Erhebungsergebnisse, sämtliche Beurteilungen der Taskforce, mögliche Gutach­ten, die durch die Taskforce eingeholt wurden, die Schritte, die in weiterer Folge gesetzt wurden, dokumentiert. Das alles ist in unserem Haus dokumentiert, und wir haben auch lückenlos alle Unterlagen, die zum Untersuchungsgegenstand des Untersuchungsaus­schusses notwendig und erforderlich sind, die an den Untersuchungsausschuss gelie­fert werden müssen, überbracht, und wir haben diese Dokumentation, was die Arbeit der Taskforce betrifft, seit Beginn der Taskforce und mit ihrer Intensivierung im letzten Jahr lückenlos aufliegen.

 


Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zur 5. Anfrage, jener des Herrn Abge­ordneten Dr. Hable. – Bitte.

 


Abgeordneter Dr. Rainer Hable (NEOS): Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Die Seeoperation „Sophia“ hat die Aufgabe, Menschenhandel zu stoppen und Waffenliefe-


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rungen nach Libyen zu unterbinden. Letztes Jahr hat es dazu einen Ausschussbericht des britischen Parlaments gegeben, der dieser Mission ein sehr schlechtes Zeugnis aus­gestellt hat. Seitdem ist die Operation „Sophia“ immer wieder in Kritik geraten, sie er­fülle ihre Aufgaben nicht und könne das auch nicht, insbesondere solange es keine Un­terstützung durch eine stabile libysche Regierung gebe.

Vor diesem Hintergrund und auch vor dem Hintergrund, dass das österreichische Bun­desheer diese Operation mit 15 Soldaten des Jagdkommandos verstärkt, möchte ich Ihnen folgende Frage stellen:

324/M

„Inwiefern tragen Sie auf europäischer Ebene durch konkrete Beiträge dazu bei, dass die EU-Seeoperation ,Sophia‘ effektiver gestaltet wird oder die dafür eingesetzten Mit­tel für effektivere Maßnahmen im Sicherheits- beziehungsweise Verteidigungsbereich eingesetzt werden?“

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrter Herr Abgeordneter, die Situation um die Mittelmeerroute ist aus unserer Sicht klar, und ebenso, wie sie zu beurteilen ist. Wir sehen es ja täglich an den Zahlen, an den Anlandungen in Europa.

Die Wege, die in weiterer Folge beschritten werden müssen, um diese Migrationsthe­matik in den Griff zu bekommen, müssen jedenfalls europäische Wege sein. Es gibt kla­re Vorschläge, wie man der Situation in weiterer Folge begegnen kann, sprich Verfah­renszentren außerhalb der Europäischen Union. Das würde bedeuten, dass wir nach europäischen Maßstäben, nach den Grundsätzen der Genfer Flüchtlingskonvention, mit europäischen Beamten die Asylfrage in diesen Verfahrenszentren klären. Das hätte aus meiner Sicht auch den Effekt, dass es in weiterer Folge keine Überfahrten mehr über das Mittelmeer gibt.

Ich bin durchaus der Meinung, dass die Erwartungen, die in die Mission „Sophia“ ge­legt wurden – Grenzschutz einerseits, Bekämpfung des Waffenschmuggels anderer­seits –, nicht erfüllt werden können, auch deshalb, weil es einerseits eine Seegrenze ist, die sehr, sehr viel schwieriger zu beschützen ist als eine Landgrenze, und wir uns andererseits mit Libyen einem Staat gegenübersehen, der zwar eine Zentralregierung hat, aber ohne Territorialgewalt, wo es Krisensituationen gibt, wo es Bürgerkrieg gibt, der also kein Partner ist und auch in weiterer Folge keiner sein kann. Aber – und dazu müssen wir uns auch bekennen – wenn es eine humanitäre Situation im Mittelmeer gibt, wenn Menschen zu ertrinken drohen, dann müssen diese Menschen auch gerettet wer­den, und es muss ihnen geholfen werden.

 


Präsidentin Doris Bures: Möchten Sie eine Zusatzfrage stellen? – Bitte, Herr Abgeord­neter.

 


Abgeordneter Dr. Rainer Hable (NEOS): Herr Bundesminister, Sie haben Verfahrens­zentren außerhalb der Europäischen Union angesprochen. Können Sie das noch kon­kretisieren? Wo können und sollten solche Verfahrenszentren sein? Wie würden die ju­ristisch und praktisch umgesetzt werden?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Ich möchte vorausschicken, dass es nicht unüblich ist und auch in der Vergangenheit nicht unüblich war, die Frage der Zuerkennung eines Asylstatus außerhalb eines Staates zu beurteilen, außerhalb der Europäischen Union zu beurteilen. Wir hatten in der Vergan-


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genheit auch schon eine derartige Situation. Ich darf nur an das sogenannte Botschafts­verfahren erinnern, in dem auch die Asylfrage beantwortet wurde.

Verfahrenszentren außerhalb der Europäischen Union können natürlich nur dort ein­gerichtet werden, wo es die Situation vor Ort erlaubt, können nur in einer Art und Wei­se betrieben werden, dass dies beispielsweise mit UNHCR erfolgt, dass wir dort nach europäischen Standards, wie gesagt, nach Maßgabe und Maßstäben der Genfer Flücht­lingskonvention, diese Asylfrage mit europäischen Beamten vor Ort klären. Das müss­ten die Voraussetzungen für ein Verfahrenszentrum sein.

Wenn man jetzt vergleicht, wie weit die Diskussion in Brüssel ist, dann muss man auch klar sagen, dass ein derartiges Verfahrenszentrum kurzfristig nicht realisierbar sein wird.

 


Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zur 6. Anfrage, jener der Frau Abgeord­neten Weigerstorfer. – Bitte.

 


Abgeordnete Ulrike Weigerstorfer (STRONACH): Guten Morgen, Frau Präsidentin! Herr Minister! Meine Frage ergeht an Sie als Sportminister und betrifft die Fördergelder in Höhe von mehreren Millionen, die die Multifunktionshalle, das Multiversum Schwechat erhalten hat. Im Fördervertrag ist detailliert aufgeschlüsselt, dass dort 30 Jahre lang Tischtennis gespielt werden muss. Wir wissen: De facto wird dort nicht mehr Tischten­nis gespielt.

Jetzt die Frage an Sie:

323/M

„Werden Sie als zuständiger Sportminister die bis dato ausbezahlten Fördergelder an die vom Bund mit mehreren Millionen Euro geförderte Multifunktionshalle ‚Multiversum Schwechat‘ von der Gemeinde Schwechat zurückfordern, da in dieser definitiv nicht mehr Tischtennis gespielt wird, obwohl an diesem Standort laut Fördervertrag zumindest für 30 Jahre der Tischtennisbetrieb aufrechterhalten werden müsste?“

Wie gehen Sie mit diesem Fall um? Wie haben Sie vor, in dieser Angelegenheit zu agieren?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrte Frau Abgeordnete, ich glaube, die Causa Multiversum Schwechat ist allgemein bekannt. Es gab im Zuge der Errichtung in Verbindung mit diesem Tischtenniszentrum eine Förderzusage des Ressorts in der Höhe von 7,8 Millionen €. Es wurden tatsäch­lich 2,9 Millionen € an Förderungen ausbezahlt, und wir haben jetzt zusätzlich zu die­sem Umstand, den Sie richtigerweise genannt haben, dass vor Ort kein Tischtennis mehr gespielt wird, die Situation, dass es strafgerichtliche Erhebungen gibt, die sich dem Grunde nach mit den Fragen beschäftigen: War diese Art und Weise der Förderungen überhaupt zulässig?, Gab es aus sportrechtlicher Sicht auch diese Bundesrelevanz?, et cetera.

Das heißt, für die Rückforderung der Mittel gibt es zwei Ansätze. Der eine Ansatz ist jener, dass natürlich aufgrund der Vertrags- und Fördervertragssituation die Mittel ent­sprechend zurückzufordern wären und auch sind. Und auf der anderen Seite, wenn dem Grunde nach a priori durch ein strafgerichtliches Verfahren überhaupt kein Förder­gegenstand und kein Fördergrund festgestellt werden würde, sind aus meiner Sicht – und das ist meine persönliche Beurteilung – höchstwahrscheinlich die Fördermittel zur Gänze zurückzufordern.

Dieser Faktor ist uns klar und bekannt, er wird derzeit intern geprüft, wird in weiterer Fol­ge, um auch rechtlich sicher und konsequent voranzuschreiten, der Finanzprokuratur über-


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geben, die uns in diesem Verfahren und im Bereich der Rückforderung der Mittel beglei­ten und vertreten wird.

 


Präsidentin Doris Bures: Zusatzfrage, Frau Abgeordnete? – Nein.

Weitere Zusatzfrage? – Frau Abgeordnete Gamon, bitte.

 


Abgeordnete Claudia Angela Gamon, MSc (WU) (NEOS): Ich möchte an das Sport­förderthema anschließen. In § 25 Abs. 2 Z 2 des Entwurfs für das Bundes-Sportförde­rungsgesetz vom 4. April war als eine von fünf Unvereinbarkeitsbestimmungen vorge­sehen, dass Mitglieder eines Leitungsorgans von Fördernehmern nicht der Kommis­sion für den Leistungs- und Spitzensport und der Kommission für den Breitensport an­gehören dürfen. Warum wurde ausgerechnet diese Unvereinbarkeitsbestimmung aus dem Initiativantrag des BSFG 2017 herausgenommen?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Wir haben uns in der Neubeurteilung, in der neuen organisatorischen und Ablaufbeurtei­lung der Vergabe der Fördermittel auch mit der Frage zu beschäftigen gehabt: Ist durch eine GmbH, die Vertreter des Sports in diesen Fragen ausschließt, die Sportautonomie gefährdet oder nicht?

Wir haben den Weg gewählt, auch im Einvernehmen mit den Verbänden, mit den Fach­verbänden, mit den Vertretungsorganisationen, auch mit den Dachverbänden, dass wir eine Kommission einrichten, die aber nicht allein beurteilen darf, wie viele Fördermittel an welchen Verband vergeben werden sollen, sondern diese Frage in Abstimmung mit der Geschäftsführung zu beurteilen hat.

Wenn es da keine Einigung gibt, wenn in weiterer Folge auch durch den Aufsichtsrat keine Einigung in der derartig strittigen Frage, ob eine Förderung oder in welcher Höhe eine Förderung gewährt wird, herbeigeführt werden kann, dann wird es keine Förde­rung geben. Das bedeutet, dass nicht ausschließlich die Vertreter des Sports über die Förderung entscheiden können, aber eine gewisse Mitsprache aus meiner Sicht zumut­bar und auch richtig ist.

 


Präsidentin Doris Bures: Weitere Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Sieber.

 


Abgeordneter Norbert Sieber (ÖVP): Sehr geehrter Herr Minister! Dornbirn, ja eigent­lich ganz Vorarlberg ist stolz darauf, dass nach 2007 die Weltgymnaestrada auch 2019 wieder in Vorarlberg, in Dornbirn, stattfinden wird. Dornbirn hat sich gegen Mitbewerber wie Oslo, Stockholm und Leipzig durchgesetzt. Dies ist eine Veranstaltung mit über 22 000 Teilnehmern, so viele waren es zumindest im Jahr 2007, das stellt natürlich die Veranstalter vor ordentliche Herausforderungen.

Ich habe nun auf der Homepage gelesen, dass auch das Ministerium, dass Ihr Haus als Unterstützer und Partner tätig ist. Meine Frage, Herr Minister: In welcher Form lau­fen die Gespräche, und in welcher Form wird Ihr Haus diese Veranstaltung unterstützen?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Wir haben derzeit die grundsätzliche Herausforderung, dass wir betreffend die Vergabe von Fördermitteln, insbesondere was Infrastruktur et cetera betrifft – ich habe es vorhin im Zu­sammenhang mit dem Multiversum Schwechat schon erwähnt –, gesetzliche Rahmen­bedingungen vorfinden, an die wir uns halten müssen. Das heißt, es muss für gewisse infrastrukturelle Förderungen beispielsweise auch eine grundsätzliche bundessportre­levante Notwendigkeit bestehen; das ist jedenfalls gegeben, wenn es zum Beispiel um Weltmeisterschaften, Olympiaden et cetera geht, das ist bei einer derartigen Veranstal­tung, die im Wesentlichen eine Breitensportveranstaltung ist, natürlich genau zu beur­teilen.


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Wir haben für uns in rechtlicher Hinsicht einen Weg definiert, wie wir aus gewissen Ge­sichtspunkten diese Veranstaltung unterstützen können, weil ich davon überzeugt bin, dass es sportpolitisch eine wichtige Veranstaltung ist. Wir werden diese Unterstützung und diese Förderzusagen in finanzieller Hinsicht, die eigentlich auch schon gemacht wurden – der Veranstalter weiß Bescheid –, auch tatsächlich umsetzen, weil ich, wie ge­sagt, davon überzeugt bin, dass es der richtige Weg ist, sich nicht immer nur auf Groß­veranstaltungen wie Weltmeisterschaften oder Olympiaden zu konzentrieren, was ja wichtig ist, sondern den Sportgedanken und Sportveranstaltungen auch in die Breite zu bringen.

 


Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zur 7. Anfrage, jener des Herrn Abge­ordneten Weninger. – Bitte.

 


Abgeordneter Hannes Weninger (SPÖ): Herr Bundesminister, ich möchte noch ein­mal zur Eurofighter-Diskussion zurückkommen, die uns jetzt im Untersuchungsausschuss beschäftigt. Rund um diesen grottenschlechten Grundvertrag von 2003 haben sich ei­ne Reihe teilweise skurriler Lobbyisten bewegt. (Abg. Rädler: Darabos!) Sie haben jetzt eine Strafanzeige eingebracht.

Meine Frage lautet:

317/M

„Was war der Arbeitsauftrag der Task Force Eurofighter?“

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Ich habe am Beginn meiner Amtstätigkeit eine Situation vorgefunden (Zwischenruf des Abg. Neubauer), in der ich natürlich mit der bis dorthin erfolgten Arbeit der Taskforce kon­frontiert beziehungsweise auch darüber informiert worden bin. Es wurden bis dorthin entsprechende Informationen eingeholt, es wurde an und für sich ein Datenbestand an­gelegt, in weiterer Folge wurden aber die intensiven Untersuchungen nicht in jener Dich­te vorgenommen, wie ich mir das vorstelle oder vorgestellt habe. Gleichzeitig standen wir, wie auch gegenwärtig, vor der Situation, die Frage der aktiven Luftraumüberwachung, insbesondere was die Nachbeschaffung Saab 105 betrifft, zu beurteilen.

Ich bin ganz einfach der Überzeugung, dass es einerseits wesentlich und wichtig ist, solche Sachverhalte aufzuklären, auf den Tisch zu legen und zutage zu bringen, und dass wir andererseits nicht in einen Beschaffungsvorgang gehen können, um mögli­cherweise wieder ein Fluggerät anzuschaffen, ohne die Dinge, die sich rund um Euro­fighter zugetragen haben, aufgeklärt zu haben. Daher war es aus meiner Sicht der rich­tige Weg, diese Taskforce zu verstärken, um externe Experten, um externe Rechts­experten, auch internationale Rechtsexperten zu verstärken, auch das angloamerikani­sche Recht – das erweist sich jetzt als richtig – entsprechend zu beurteilen, um ganz ein­fach in weiterer Folge Aufklärung zu liefern.

Der Arbeitsauftrag war ganz klar: sämtliche Daten und Unterlagen zu beschaffen, so­weit es rechtlich möglich ist, die Beurteilungen und rechtlichen Beurteilungen zu tref­fen, ob wir in weiterer Folge noch eine Möglichkeit haben, aus diesem Vertrag auszu­steigen. Das Ergebnis wurde durch die Strafanzeige und durch den Anschluss als Pri­vatbeteiligter dokumentiert.

 


Präsidentin Doris Bures: Möchten Sie eine Zusatzfrage stellen? – Bitte, Herr Abge­ordneter Weninger.

 


Abgeordneter Hannes Weninger (SPÖ): Die politische Lehre rund um die Eurofigh­ter-Anschaffung kann ja nur sein, dass es in Zukunft mehr Transparenz und keine Ge­gengeschäfte mehr gibt, so wie Sie das angekündigt haben.


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Es geht aber grundsätzlich auch darum, wie die Luftraumüberwachung in Österreich zu­künftig sichergestellt werden kann. – Was sind diesbezüglich Ihre Pläne?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Das ist richtig. Es ist durchaus öfter so, dass beim österreichischen Bundesheer Beschaf­fungen in größeren Kategorien getätigt werden, und wir haben beim österreichischen Bundesheer derzeit eine Situation, in der wir auch vonseiten der Bevölkerung einen ge­wissen Vertrauensvorschuss haben. Wir müssen jeden Tag daran arbeiten, dieses Ver­trauen zu rechtfertigen, und da darf es hinkünftig bei Beschaffungsvorgängen nicht mehr zu solchen Vorgängen kommen, wie es beim Eurofighter der Fall war. Auf der anderen Seite müssen wir jetzt diese Frage beurteilen.

Wir bekennen uns ganz klar zur aktiven Luftraumüberwachung, wir bekennen uns auch ganz klar zu einer effektiveren aktiven Luftraumüberwachung. Es ist aus meiner Sicht, wenn man diese Aufgabe ernst nimmt, nicht zu rechtfertigen, dass wir in der Nacht die­se Aufgabe möglicherweise nicht erledigen können; aber – und das ist die andere Fa­cette, und deshalb auch diese Beurteilung – wir müssen auch im Sinne des Ressorts, im Sinne des Steuerzahlers beurteilen, wie sie am kostengünstigsten stattfinden und er­folgen kann.

 


Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zur 8. Anfrage, das ist jene der Frau Ab­geordneten Durchschlag. – Bitte.

 


Abgeordnete Claudia Durchschlag (ÖVP): Frau Präsidentin! Guten Morgen, Herr Bun­desminister! Gemäß Übungs- und Ausbildungsplan des Bundesministeriums für Lan­desverteidigung beteiligt sich das österreichische Bundesheer ja immer wieder an Übun­gen im Rahmen der NATO-Partnerschaft für den Frieden. Dabei kommt es allerdings, und das ist ja auch den Medien zu entnehmen, in jüngster Zeit vermehrt zu Problemen.

Meine Frage lautet:

314/M

„Was werden Sie unternehmen, um die angekündigte und dem Vernehmen nach be­reits begonnene Blockade der Teilnahme von Kräften des österreichischen Bundes­heeres an NATO PfP-Übungen und in weiterer Folge von derartigen Einsätzen wieder zu beenden?“

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrte Frau Abgeordnete! Die Situation rund um diese Blockadehaltung der Türkei uns, Österreich, gegenüber ist bekannt. Die Situation hat in den letzten Wochen jene Facet­te bekommen, dass die PfP-Staaten nicht mehr gemeinsam, so wie in der Vergangen­heit, in den Kooperationen, in den Übungsabläufen mit der NATO, sondern einzeln be­urteilt werden. Das bietet nun der Türkei die Möglichkeit, Österreich als Partnerstaat für den Frieden allein zu blockieren und die anderen Partnerstaaten für den Frieden damit nicht zu belasten.

Das ist jetzt die Ausgangssituation. Aufgrund dieser Situation ist es aber nicht so, dass laufende Einsätze gefährdet sind. Also sämtliche Einsätze, in denen wir vertreten sind, Auslandsmissionen vor allem am Balkan, die uns ja wichtig sind, sind davon nicht be­troffen, sind auch nicht gefährdet, weil die Beendigung eines Einsatzes nicht einseitig er­folgen kann, sondern mehrheitlich erfolgen muss. Daher besteht kein Handlungsspiel­raum, uns in dieser Rolle zu blockieren.


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Auf der anderen Seite ist es richtig, wenn es entsprechende Übungen gibt, müssen wir mittelfristig, langfristig auch danach trachten, unsere Zertifizierungen entsprechend zu erneuern, um eben bei Einsätzen teilnehmen zu können. Da werden wir derzeit blo­ckiert, da gibt es auf der einen Seite Gespräche und Lösungswege, dass wir diese Zer­tifizierungen auch auf anderen Wegen erhalten könnten. Auf der anderen Seite ist aber auch die NATO, allen voran NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, sehr bemüht, die­se Blockadehaltung zu beenden. Ich gehe davon aus, dass die entsprechenden Ge­spräche – nicht jetzt, vielleicht auch nicht kurzfristig, aber doch – zu einem Ergebnis füh­ren werden, dass wir wieder vollwertiger Partner in dieser Partnerschaft für den Frieden sein werden.

 


Präsidentin Doris Bures: Möchten Sie eine Zusatzfrage stellen? – Bitte, Frau Abge­ordnete Durchschlag.

 


Abgeordnete Claudia Durchschlag (ÖVP): Sie haben ja sicher über diese doch sehr unerfreuliche und unbefriedigende Situation mit Vertretern anderer Mitglieder der NATO-Partnerschaft für den Frieden Kontakt aufgenommen und intensive Gespräche ge­führt. – Können Sie sagen, welche Staaten welche Positionen vertreten und wer so quasi die Position Österreichs mitträgt? (Abg. Weninger: ... Außenminister!)

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Wir haben diese Gespräche natürlich geführt. Wir sehen im Verbund der NATO-Staaten, auch der europäischen NATO-Staaten, durchaus über einen gewissen Zeitraum hinaus das Ansinnen der Türkei, uns in dieser Art und Weise, wie es jetzt passiert, zu blo­ckieren – das ist ja schon länger so, das ist ja nicht von heute auf morgen entstanden. Es gibt sehr viele Staaten, wie etwa Deutschland, Ungarn, Slowenien oder auch Grie­chenland, um nur ein paar zu nennen, die uns da massiv unterstützt haben, die immer wieder, mehrfach ein Veto gegen diese Vorgehensweise der NATO eingelegt haben. Mir war schon bewusst, dass in dieser globalpolitischen Situation, betrachtend die Si­tuation in Syrien, die Rolle der Türkei in Syrien, eine derartige Blockade in einem Grö­ßenschluss in diesem Zusammenhang beziehungsweise ein derartiges Veto solcher Staaten nicht auf Dauer haltbar sein wird. Das Ergebnis sehen wir jetzt, und wir müs­sen bemüht sein, diesbezüglich eine Änderung herbeizuführen.

 


Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zur 9. Anfrage, das ist jene des Herrn Abgeordneten DDr. Fuchs. – Bitte.

 


Abgeordneter MMag. DDr. Hubert Fuchs (FPÖ): Frau Präsidentin! Herr Bundesmi­nister! Bedauerlicherweise hat Finanzminister Schelling voriges Jahr alles unternom­men, damit das Bundesheer nicht über das gesamte Landesverteidigungsbudget verfü­gen konnte. Von den in der BFG-Novelle 2016 im Wege einer Überschreitungsermäch­tigung vorgesehenen 196 Millionen € hat Finanzminister Schelling rund 80 Millionen € einfach gestrichen und nicht ausbezahlt.

Ich komme zu meiner Frage:

322/M

„Inwieweit stehen dem österreichischen Bundesheer zurzeit bereits im Rahmen des Be­schlusses des Budgets 2017 beziehungsweise davor oder danach fix zugesagte finan­zielle Mittel nicht mehr zur Verfügung?“

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bit


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te.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrter Herr Abgeordneter, ich muss auch bei dieser Frage vorausschicken, dass wir durch den Budgetrahmen, durch den Budgetpfad, den wir bis 2020 beschreiten, beim ös­terreichischen Bundesheer schon jetzt eine Situation haben, in der ein klarer Weg vor­gezeichnet ist.

Das können wir derzeit auch dokumentieren durch den Personalaufwuchs – der muss ja auch budgetär bedeckt werden –, das können wir dokumentieren durch den Zulauf an zusätzlicher Mobilität, auch das muss budgetär bedeckt werden. Auch der Nichtver­kauf der Kasernen muss budgetär kompensiert werden. Die persönliche Schutzausrüs­tung, die Schritt für Schritt zuläuft, muss budgetär bedeckt werden. – Also es ist ein kla­rer Budgetpfad, der da beschritten werden kann.

Ich möchte an dieser Stelle auch betonen, dass die Zusammenarbeit mit dem Finanz­ministerium in diesen Fragen, vor allem was das Budget, den Budgetrahmen betrifft, ausgezeichnet ist. Es stimmt aber, wir haben im letzten Jahr konkret 79,6 Millionen € nicht abrufen können, aus zweierlei Gründen: zum einen, weil wir ganz einfach nicht Gelder in der vor dem Hintergrund der Erfahrungen im Zuge der Migrationskrise im Jahr 2015 prognostizierten Höhe benötigt haben, was die Unterstützungsleistungen des österreichischen Bundesheeres betrifft, aber auch was den Assistenzeinsatz be­trifft. Wenn wir Budgetmittel nicht benötigen, dann ist es, glaube ich, auch richtig, dass wir diese nicht abrufen. Und es ist richtig, dass es uns nicht gelungen ist, ein Drittel dieses Ansatzes von 79,6 Millionen € im Einvernehmen mit dem Finanzministerium ei­ner Mittelverwendung zuzuführen.

Wir sind bemüht, dass das dieses Jahr nicht mehr passiert, und wir werden noch in diesem Monat, möglicherweise in der ersten Juliwoche, alle entsprechenden Anträge, was wir im Bereich Beschaffung vorhaben, übermitteln. Ich gehe davon aus, dass wir mit dem Finanzministerium diesbezüglich auch Einvernehmen herstellen können.

 


Präsidentin Doris Bures: Möchten Sie eine Zusatzfrage stellen? – Bitte, Herr Abge­ordneter DDr. Fuchs.

 


Abgeordneter MMag. DDr. Hubert Fuchs (FPÖ): Sehen Sie nach Ihren bisherigen Er­fahrungen als Bundesminister gemessen an Ihrer Heeresreform bei der Planstellenbe­setzungsverordnung einen Handlungsbedarf?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Wir haben in diesem Bereich eine Situation, in der wir natürlich in einem Wechselspiel mit dem Bundeskanzleramt die Organisationspläne, die Dotierungen der Planstellen, in wei­terer Folge auch die Ausgestaltung der Planstellen, ob zivil oder militärisch verwendet, diskutieren und verhandeln müssen. Wir haben diese Diskussionen im ersten Halbjahr geführt. Es wurden, das muss man sich beispielsweise in dieser Größenordnung vor­stellen, 8 000 neue Planstellen beschrieben und die neuen Org-Pläne übermittelt.

Wir sind in diesem Zeitfenster, und ich glaube, das ist durchaus positiv, so weit, dass wir jetzt mit den Ausschreibungen der Spitzenfunktionen in den Kommanden und auch in der Zentralstelle in die Umsetzungsphase kommen. Dass es natürlich immer Verbes­serungsmöglichkeiten gibt, wenn man miteinander verhandelt, wenn man Wünsche hat, wenn man auf Strukturen Bedacht nehmen will, wenn man auf andere Dinge Bedacht nehmen will, das würde ich nicht abstreiten.

 


Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zur 10. Anfrage, das ist jene des Herrn Abgeordneten Brosz. – Bitte.

 


Abgeordneter Dieter Brosz, MSc (Grüne): Schönen guten Morgen, Herr Minister! Wir stehen knapp vor Ferienbeginn. Ich bin jetzt seit 1999 im Nationalrat, und ich glaube, es gab noch keinen Sportminister und auch keine Bildungsministerin, bei dem oder bei der ich nicht ein Thema immer wieder angesprochen habe, nämlich dass die größte Sportinfrastruktur des Landes, jene in den Schulen, gerade zu dem Zeitpunkt, zu dem


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Schülerinnen und Schüler eigentlich die meiste Zeit hätten, Freizeit in den Ferien, letzt­lich nicht nutzbar ist, weil die Schulen geschlossen sind. Wir haben es im Ausschuss auch immer wieder debattiert und diese Frage immer wieder gestellt. Heuer ist es wie­der so, es hat sich eigentlich nichts geändert.

Ich wollte Sie fragen: Wenn Sie Bemühungen gesetzt haben, woran ist es gescheitert, sodass es auch diesmal wieder nicht möglich ist, dass die Schulen geöffnet werden und Angebote in den Ferien gemacht werden?

*****

Die schriftlich eingebrachte Anfrage, 320/M, hat folgenden Wortlaut:

„Auch heuer wird die größte Sportinfrastruktur des Landes, jene an den Schulen, wäh­rend der Schulferien nicht genutzt werden. – Sollten Sie diesbezügliche Bemühungen als Sportminister unternommen haben, woran sind Sie gescheitert?“

*****

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrter Herr Abgeordneter, ich gebe Ihnen dem Grunde nach recht, dass das wün­schenswert wäre. Wir sehen auch im Bereich der Realisierung und Umsetzung der täg­lichen Turnstunde, dass es mehr oder weniger durchaus auch an Sportinfrastruktur man­gelt, dass wir durchaus den Wunsch haben, da vermehrt tätig zu werden. Ich gehe auf der einen Seite davon aus, dass das für die neue Bundes Sport GmbH auch eine Ziel- und eine strategische Vorgabe sein wird, sofern sie denn beschlossen und eingesetzt wird.

Auf der anderen Seite ist es, sage ich jetzt vielleicht ein bisschen überspitzt, nett: Ich setze mich dafür ein, es gibt Gespräche, wir haben einen Ombudsmann, der sich in Ein­zelfällen immer darum kümmert. Es ist aber dem Grunde nach nett, mir das immer wie­der zu sagen – bei einer Thematik, die ich ohnehin auch vertrete –, wenn man klar und deutlich weiß, dass betreffend diese Frage für die meisten Schulen – nicht für alle, aber für die meisten Schulen, und das sind eben die Pflichtschulen – die Zuständigkeit nicht im Bildungsministerium und auch nicht im Sportministerium liegt, sondern beim Schul­erhalter, und das sind in der Regel die Gemeinden.

Da ist es natürlich wichtig, gewisse Fragen zu klären. Wir haben ja die Diskussion auch in anderen Bereichen, etwa wenn es um die Öffnung der Forststraßen geht; auch dies­bezüglich ist die Haftungsfrage zu klären. In diesem Fall ist die Frage der Verfügbarkeit des Personals zu klären. Wer übernimmt vor Ort Verantwortung? – Das ist mit jeder Ge­meinde isoliert zu beurteilen, weil eben eine Gemeinde, die in dieser Art und Weise Ver­antwortung übernimmt, Verantwortung hat und diese Frage auch für sich selbst beantwor­ten darf.

 


Präsidentin Doris Bures: Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Brosz.

 


Abgeordneter Dieter Brosz, MSc (Grüne): Ich gebe Ihnen ja recht, die Pflichtschulen sind Länderkompetenz; die attraktivsten Schulen, was die sportlichen Angebote betrifft, sind aber wahrscheinlich die Bundesschulen, weil sie einfach größer sind, attraktivere Angebote haben.

Sie haben es angesprochen, es scheitert ja meistens an zwei Begründungen: Das eine ist das Personal – wer kann die Schulen öffnen? –, das Zweite ist die Haftung – wer ist dafür verantwortlich, wenn etwas passiert? Es hat immer wieder Ideen gegeben, über eine gemeinsame Versicherung nachzudenken.


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Gibt es aus Ihrer Sicht mit dem neuen Bundes-Sportförderungsgesetz Möglichkeiten, dass genau diese Aktivitäten gefördert werden und man wahrscheinlich mit relativ we­nig Mitteleinsatz, nämlich mit der Zurverfügungstellung bereits bestehender Infrastruk­tur, endlich etwas bewegen kann? Gibt es auch Gespräche mit dem Bildungsministe­rium, um da etwas weiterzubringen?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Ich habe es schon gesagt – das ist mein grundsätzlicher Zugang –: Dass, wie Sie hier sa­gen, diese Sportinfrastruktur auch über den schulischen Betrieb hinaus zur Verfügung stehen sollte, ist richtig, ist aus meiner Sicht auch notwendig. Es wird eine Vorgabe an die neue GmbH sein, sich im Zusammenwirken mit den Dachverbänden auch um das Thema Infrastruktur intensivst zu kümmern, vor allem im Bereich Spitzensport, aber auch im Bereich Breitensport. Ich gehe davon aus – wenn man die Gemeindestrukturen kennt, wenn man auch weiß, wie Gemeinden organisiert sind –, dass man sich dieser Frage durchaus nähern könnte, wenn man diese Thematik im Wege der entsprechenden Ver­tretungsorganisationen der Gemeinden auf den Tisch legt.

 


Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zur 11. Anfrage, jener des Herrn Abge­ordneten Krist. – Bitte.

 


Abgeordneter Hermann Krist (SPÖ): Herr Sportminister! Meine Frage lautet:

318/M

„Inklusion und Gleichstellung sind auch im Sport sehr wichtige Themen. – Welche Vor­haben und Schwerpunkte haben Sie als Sportminister im Fokus beziehungsweise im neu­en Bundes-Sportförderungsgesetz vorgesehen?“

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrter Herr Abgeordneter! Ich denke, wir haben uns ganz klar dazu bekannt, dass wir dieses Thema ernst nehmen, dass es uns ein wichtiges Thema ist: durch die Aus­gestaltung des neuen Sportförderungsgesetzes und auch die Rolle, die die entsprechen­den Verbände dort einnehmen, und die Möglichkeiten, die sie in weiterer Folge erhal­ten, Inklusion nicht nur in den Fachverbänden formal vorzunehmen, sondern Inklusion in weiterer Folge auch zu begleiten, zu schauen, ob Inklusion auch ernst genommen wird, damit Inklusion gelebt wird. Das muss und wird auf der einen Seite ein ganz wich­tiger Ansatz des neuen Gesetzes sein.

Auf der anderen Seite glaube ich schon, dass wir bewiesen haben, dass uns dieses Thema wichtig ist, weil wir beispielsweise auch in unserem eigenen Bereich – man muss die Dinge ja auch immer selbst vorleben und nicht nur von den anderen fordern – den Heeressport für den Behindertensport geöffnet haben, derzeit mit fünf Planstellen; mit der Ausweitung des Heeressports werden es in weiterer Folge 20 Planstellen für den Be­hindertensport sein.

 


Präsidentin Doris Bures: Möchten Sie eine Zusatzfrage stellen? – Bitte, Herr Abge­ordneter Krist.

 


Abgeordneter Hermann Krist (SPÖ): Der österreichische Sport, die österreichischen Sportverbände haben sich schon oftmals erfolgreich als Ausrichter von Sportgroßver­anstaltungen einen Namen gemacht. Die Organisation solcher Sportgroßveranstaltun­gen wird aber immer aufwendiger und schwieriger.

Wie stehen Sie grundsätzlich zu künftigen Bewerbungen beziehungsweise wie kann das Sportministerium da helfen?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 



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Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Ich bin ebenfalls überzeugt davon, dass wir Sportgroßveranstaltungen – aktuell wird über die Olympiabewerbung von Innsbruck beziehungsweise Tirol diskutiert – unterstützen müs­sen, dass es notwendig ist, da – möglicherweise aber redimensioniert; diese Diskussion gibt es ja auch beim IOC – neue Wege zu gehen.

Ich bin aber auch überzeugt davon, dass wir uns öffnen müssen; bisher hatten wir den Zugang, von Bundesseite – wie schon vorhin gesagt und ausgeführt – nur Weltmeister­schaften, Olympiaden zu unterstützen, diese zu ermöglichen. Wir müssen uns öffnen. Ich denke etwa an traditionelle Sportveranstaltungen; Götzis sei als Beispiel genannt. Wir müssen da breiter aufgestellt sein, breiter unterstützen können. Möglicherweise müs­sen wir die Fördermodalitäten verändern, aber mein Zugang ist, dass es durch diesen neuen Fördermechanismus auch möglich sein muss, mehr Veranstaltungen zu unter­stützen.

 


Präsidentin Doris Bures: Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Brosz.

 


Abgeordneter Dieter Brosz, MSc (Grüne): Das neue Sportförderungsgesetz, das wir – also wir nicht, aber die Regierungsparteien – ja relativ bald, in der nächsten Stunde, hier beschließen werden, führt aus meiner Sicht dazu, dass sehr viele bestehende Struktu­ren leider einzementiert werden. Eine davon möchte ich ansprechen, und zwar: Es ist bislang schon so gewesen, dass Kombinationssportarten, wie zum Beispiel Racketlon, also Sportarten, die aus mehreren Disziplinen – Tennis, Tischtennis – kombiniert als ei­ne Gesamtsportart auftreten, nicht als förderungswürdig festgeschrieben wurden. Die be­troffenen Verbände haben sich immer wieder zu Wort gemeldet und gesagt, das wür­den sie nicht verstehen, weil es nämlich Förderkriterien gebe, die sie erfüllten; so etwa Anzahl der Mitglieder, Anzahl der Aktivitäten in den Bundesländern.

Es hat viele Gespräche gegeben, dass es eine grundsätzliche Möglichkeit geben soll, dass auch diese Sportarten gefördert werden. Jetzt gibt es in der neuen Gesetzesvor­lage wieder eine Festschreibung, dass es nach wie vor nicht möglich sein soll, dass Sportverbände, die aus mehreren Sportarten, die auch einzeln existieren, bestehen, ei­ne Förderung bekommen.

Ich wollte Sie fragen: Woran ist es gescheitert, dass da etwas Bewegung ins System kommt? Woran ist es gelegen, dass sozusagen die etablierten Sportvereine oder ‑ver­bände das wieder haben verhindern können?

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrter Herr Abgeordneter, ich glaube nicht, dass die etablierten Vereine und Verbän­de das verhindert haben. Diese Beurteilung würde ich nicht treffen. Man darf aber nicht vergessen, dass wir derzeit, wenn es um den Spitzensport in Österreich geht, 60 Fach­verbände haben und den Spitzensport mit diesen 60 Fachverbänden definieren.

Es ist aber durchaus auch richtig, dass man sich weiterentwickeln muss, dass man mit der Zeit gehen muss, dass sich Sportarten oder Sportmodalitäten verändern. Das sieht man ja auch daran, dass sich auch das olympische Spektrum ständig erweitert bezie­hungsweise es verändert wird. Auch dieser Herausforderung stellen wir uns, aber wir wollen einen klaren und konkreten Mechanismus dahinter legen. Und der Mechanis­mus dahinter bedeutet ganz einfach, dass eine zukünftige oder neue Sportart in dieser Art und Weise, wie Sie es beschrieben haben – und davon gibt es noch einige mehr –, auch den Sprung in die Bundes-Sportorganisation schafft.

Wenn sie in die Bundes-Sportorganisation aufgenommen wird – und es hat für die eine oder andere zusätzliche Sportart schon die entsprechenden Vorgespräche gegeben (Prä­sidentin Bures gibt das Glockenzeichen), auch die entsprechenden Rückmeldungen in


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der Bundes-Sportorganisation –, dann wird es zukünftig auch Fördermodalitäten und mög­lichkeiten geben.

 


Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zur 12. Anfrage, jener des Herrn Abge­ordneten Mag. Rauch. – Bitte.

 


Abgeordneter Mag. Johannes Rauch (ÖVP): Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Bundesminister, in meiner Frage geht es um die Sportstätten, weil Sport­stätten einfach eine zentrale Rolle im österreichischen Sport spielen. Wir haben ja be­reits einen Sportstättenplan, der den Status quo abbildet, und deshalb meine Frage aus diesem Bereich, und zwar wie folgt:

315/M

„Wann werden Sie einen neuen langfristigen und zwischen den Gebietskörperschaften abgestimmten Österreichischen Sportstättenplan insbesondere für den Spitzensport vor­legen?“

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrter Herr Abgeordneter, es ist richtig, ich sage es ganz offen, auch ich habe in den letzten eineinhalb Jahren meiner Tätigkeit versucht, mich dieser Thematik zu nähern. Es ist mir in dieser Art und Weise, wie ich mir das vorgestellt hätte, aber auch in die­sem zeitlichen Fenster, in dem ich mir das vorgestellt hätte, nicht gelungen. Es war nicht mög­lich, innerhalb einer derartigen zeitlichen Vorgabe einen entsprechenden Sportstättenplan, der auch nachhaltig ist, der auch darstellbar ist, auf den Tisch zu legen.

Daher werden wir dieses Thema jetzt dem neuen Strukturplan vorgeben. Auch das The­ma Infrastruktur werden wir dort als Vorgabe, sich dieser Thematik zu widmen, festle­gen; auch – und das ist aus meiner Sicht wesentlich – mit den zuständigen Länderver­tretern, die ja im Beirat in weiterer Folge vertreten sein werden. Diese Entwicklung der GmbH ist für mich der erste Schritt, der erste Schritt der Harmonisierung Richtung Län­der.

Ich bin durchaus bereit, hier weitere und nächste Schritte zu gehen, aber der wichtigs­te, der erste wichtigste Schritt ist, genau in diesem Segment, im Bereich der Sportstät­ten, eine harmonisierte Abstimmung zwischen Ländern und Bund stattfinden zu lassen, weil es nicht vertretbar ist, dass ohne Abstimmung, ohne Plan, ohne genauen Plan Sport­stätten entstehen.

 


Präsidentin Doris Bures: Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Mag. Rauch.

 


Abgeordneter Mag. Johannes Rauch (ÖVP): Ich will bei den Sportstätten bleiben und vielleicht eine sehr prominente Sportstätte erwähnen. Es geht um das Ernst-Happel-Sta­dion, worüber in den letzten Wochen und Monaten diskutiert worden ist. Was pas­siert mit dem Ernst-Happel-Stadion, Stichwort Nationalstadion? Gibt es neue Erkenntnisse in diesem Bereich oder zu diesem Thema?

 


Präsidentin Doris Bures: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Wir haben gesagt, dass wir in diesem ersten halben Jahr diese Frage im Rahmen einer Stu­die beantworten werden. Die Studie wurde diese Woche den Vertretern des ÖFB, dem Vertreter Wiens und auch mir präsentiert. Einer der ersten Schlüsse, die ich aus dieser Studie ziehe, ist, dass es sehr schwierig sein wird – das muss man noch vertiefend be­urteilen –, es darzustellen und zu rechtfertigen, dass man noch einmal in die bestehen­de Infrastruktur investiert – schwierig aufgrund der Situation, aufgrund der baulichen Ge-


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gebenheiten, aufgrund der bestehenden Bausubstanz, auch aufgrund des Denkmalschut­zes –, sodass wir uns – und dazu bekennen wir uns, dass eine neue Sportstätte auch in Wien in diesem Segment entstehen sollte – in den nächsten Wochen, in den nächs­ten Monaten sehr intensiv mit der Frage werden auseinandersetzen müssen: Wie kön­nen wir uns der Thematik nähern, wenn es tatsächlich um einen Neubau eines Stadi­ons geht? Wie können wir in weiterer Folge auch das bestehende Stadion sinnvoll und vernünftig verwerten?

 


Präsidentin Doris Bures: Zusatzfrage? – Frau Abgeordnete Steger, bitte.

 


Abgeordnete Petra Steger (FPÖ): Sehr geehrter Herr Minister! Die österreichische Sport­stättensituation ist, wie Sie wissen, katastrophal. Seit vielen Jahren wird, wie gesagt, der Sportstätten-Masterplan versprochen, den es bis heute noch immer nicht gibt. Daran än­dert auch das BSFG 2017 nichts; vielmehr noch, es ist sogar mit einer Verschlechte­rung der Situation zu rechnen. Neu eingefügt wird nämlich als Unternehmensgegen­stand – und damit als dezidierte Aufgabe – der Bundessporteinrichtungen GesmbH, dass sie bestehende Einrichtungen veräußern oder belasten kann. Das steht im genauen Ge­gensatz zum bisherigen Unternehmensgrundsatz, der als Ziel die Erhaltung und die Zur­verfügungstellung für den Sport deklarierte.

Eine von mir eingebrachte Ausschussfeststellung, dass nur dann verkauft werden darf, wenn der Förderauftrag aufrechtbleibt, haben Sie im Ausschuss auch abgelehnt. Daher meine Frage: Warum haben Sie eine Veräußerung der bestehenden Sporteinrichtun­gen in den Unternehmensgegenstand hineingeschrieben und sich gegen die von mir be­antragte Ausschussfeststellung zur Erhaltung der Sportstätten für die österreichischen Sportler und Sportlerinnen ausgesprochen?

 


Präsidentin Doris Bures: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrte Frau Abgeordnete, man muss schon differenzieren, was die Aufgabe dieser Bundes-Sport GesmbH zukünftig ist. Und die Aufgabe dieser neuen GesmbH ist eben, auf der einen Seite den Spitzensport zu fördern und auf der anderen Seite auch den Breitensport entsprechend zu unterstützen.

Werfen wir einen Blick auf den Spitzensport! – Es ist eine Aufgabe, eine klare, mit den Ländern abgestimmte Infrastruktursituation herzustellen, wo wir in einem nächsten Schritt auch die entsprechenden Leistungen dahinter darstellen können. Eine klar abgestimm­te Infrastruktursituation bedeutet, dass wir in der nächsten Phase genau definieren müs­sen, wo, an welchen Standorten, welche Verbände ihre gemeinsamen Trainingszentren haben.

Wir haben jetzt die Situation, was die Bundessporteinrichtungen GesmbH betrifft, dass es durchaus sehr gute Standorte gibt – ich darf jetzt nur die Südstadt erwähnen –, aber dass es auch Facetten gibt, wo wir nicht Spitzensport betreiben, wo wir auch nur par­tiell die Möglichkeiten für den Breitensport eröffnen, wo wir aus der staatlichen Zustän­digkeit heraus wirtschaftlich und touristisch auftreten. Und gegen dieses touristische Auf­treten verwahre ich mich, weil das nicht Aufgabe des Staates ist.

Bei der Beurteilung – in weiterer Folge –, wo wir welche Standorte haben wollen, wo mög­licherweise ein Standort nicht mehr notwendig ist, muss auch für die GesmbH die Mög­lichkeit und die Flexibilität gegeben sein, entsprechend zu reagieren. Das bedeutet aber nicht, dass dieser Standort in einer zukünftigen oder anderen Verwendung nicht auch dem Sport zugeführt werden kann.

 


Präsidentin Doris Bures: Alle Anfragen sind zum Aufruf gelangt. Ich danke Ihnen, Herr Bundesminister, und erkläre die Fragestunde für beendet. (Beifall bei der SPÖ.)


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10.08.22Einlauf und Zuweisung

 


Präsidentin Doris Bures: Hinsichtlich der eingelangten Verhandlungsgegenstände und deren Zuweisungen verweise ich gemäß § 23 Abs. 4 der Geschäftsordnung auf die im Sitzungssaal verteilte Mitteilung.

Die schriftliche Mitteilung hat folgenden Wortlaut:

A. Eingelangte Verhandlungsgegenstände:

Schriftliche Anfragen: 13661/J bis 13665/J

B. Zuweisung in dieser Sitzung:

zur Vorberatung:

Verfassungsausschuss:

Bundesgesetz, mit dem das Zukunftsfonds-Gesetz geändert wird (1766 d.B.)

*****

 


Präsidentin Doris Bures: Ich gebe noch bekannt, dass, mit allen Fraktionen verein­bart, ab jetzt für circa zwei Stunden ein zusätzliches mobiles Kamerateam des ORF im Plenarsitzungssaal filmen wird. Diese Aufnahmen dienen Dokumentationszwecken im Zusammenhang mit der Sanierung des Gebäudes.

10.08.56Antrag gemäß § 49 Abs. 5 GOG

 


Präsidentin Doris Bures: Ich gebe bekannt, dass die Abgeordneten Mag. Letten­bichler, Katzian, Mag. Brunner, Kolleginnen und Kollegen im Sinne des § 49 Abs. 5 der Geschäftsordnung schriftlich die Ergänzung der Tagesordnung um den Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Industrie über die Regierungsvorlage (1519 d.B.): Bun­desgesetz, mit dem das Ökostromgesetz 2012, das Elektrizitätswirtschafts- und orga­ni­sationsgesetz 2010, das Gaswirtschaftsgesetz 2011 und weitere Gesetze geändert werden sowie das Bundesgesetz, mit dem zusätzliche Mittel aus von der Energie-Control Austria verwaltetem Sondervermögen bereitgestellt werden, erlassen wird (1527 d.B.), beantragt haben. Dieser Gegenstand soll als Punkt 43 verhandelt werden.

Eine Ergänzung der Tagesordnung kann vor Eingang in dieselbe vorgenommen wer­den; sie erfordert eine Zweidrittelmehrheit.

Somit gelangen wir zu Abstimmung.

Ich ersuche jene Abgeordneten, die für die Ergänzung der Tagesordnung um den Be­richt des Ausschusses für Wirtschaft und Industrie über die Regierungsvorlage 1519 der Beilagen in der Fassung des Ausschussberichtes 1527 der Beilagen als Tagesordnungs­punkt 43 sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen.

Ich stelle fest, dass die Annahme auch mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit erfolgt ist.

10.10.34Fristsetzungsanträge

 


Präsidentin Doris Bures: Vor Eingang in die Tagesordnung teile ich mit, dass die Ab­geordneten Mag. Schieder, Mag. Steinhauser, Dr. Scherak, Kolleginnen und Kollegen beantragt haben, dem Justizausschuss zur Berichterstattung über den Antrag 498/A der Abgeordneten Dr. Scherak, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit


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dem das Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch geändert wird, eine Frist bis 19. Septem­ber 2017 zu setzen.

Ferner liegt das von fünf Abgeordneten gemäß § 43 Abs. 3 der Geschäftsordnung ge­stellte Verlangen vor, eine kurze Debatte über diesen Fristsetzungsantrag durchzufüh­ren. Diese kurze Debatte wird nach Erledigung der Tagesordnung, jedoch spätestens um 15 Uhr stattfinden.

Die Abstimmung über den Fristsetzungsantrag wird nach Schluss dieser Debatte er­folgen.

*****

Weiters teile ich mit, dass die Abgeordneten Michael Bernhard, Dr. Pirklhuber, Kolle­ginnen und Kollegen beantragt haben, dem Geschäftsordnungsausschuss zur Bericht­erstattung über den Antrag 2249/A betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Geschäfts­ordnungsgesetz 1975 geändert wird, eine Frist bis 19. September 2017 zu setzen.

Die Abstimmung über diesen Fristsetzungsantrag wird nach Beendigung der Verhand­lungen erfolgen.

Behandlung der Tagesordnung

 


Präsidentin Doris Bures: Es ist vorgeschlagen, die Debatte über die Punkte 2 bis 7, 8 bis 10, 11 bis 14, 20 bis 25, 26 bis 30, 31 bis 34, 35 bis 37, 38 und 39, 40 bis 42 sowie 46 bis 48 der ergänzten und neu gereihten Tagesordnung jeweils zusammenzu­fassen.

Wird dagegen ein Einwand erhoben? – Das ist nicht der Fall.

Wir gehen in die Tagesordnung ein.

Redezeitbeschränkung

 


Präsidentin Doris Bures: Zwischen den Mitgliedern der Präsidialkonferenz wurde Kon­sens über die Dauer der Debatten erzielt. Demgemäß wurde eine Tagesblockzeit von 9,5 „Wiener Stunden“ vereinbart, sodass sich folgende Redezeiten ergeben: SPÖ und ÖVP je 128 Minuten, FPÖ 119 Minuten, Grüne 100 Minuten sowie NEOS und STRONACH je 52 Minuten.

Gemäß § 57 Abs. 7 der Geschäftsordnung beträgt die Redezeit für die gesamte Tages­ordnung von jenen Abgeordneten, die keinem Klub angehören, je 26 Minuten. Darüber hinaus wird deren Redezeit auf 5 Minuten je Debatte beschränkt.

Wir kommen sogleich zur Abstimmung über die soeben dargestellten Redezeiten.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dem zustimmen, um ein Zeichen. – Das ist ein­stimmig angenommen.

10.13.251. Punkt

Bericht des Ausschusses für Sportangelegenheiten über den Antrag 2232/A der Ab­geordneten Hermann Krist, Mag. Johannes Rauch, Kolleginnen und Kollegen be­treffend ein Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz betreffend die Förderung des Sports erlassen wird und das Bundesgesetz über die Neuorganisation der Bundessporteinrichtungen sowie das Anti-Doping-Bundesgesetz geändert wer­den (1744 d.B.)

 



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Präsidentin Doris Bures: Wir kommen zum 1. Punkt der Tagesordnung.

Auf die mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Frau Abgeordnete Steger steht bereits am Rednerpult. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


10.14.07

Abgeordnete Petra Steger (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! Das Bundes-Sportförderungsgesetz Neu ist in Wirklichkeit nichts anderes als rot-schwarzer Proporz uralt! Sehr geehrter Herr Minis­ter, Sie hatten Großes angekündigt – übrig geblieben ist ein Gesetz, das offensichtlich noch nicht beschlussfertig ist, das mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet und das dem Sportler keine wesentliche Verbesserung bringt. Das, was Sie heute als neu verkaufen, ist meilenweit von einer echten Erneuerung entfernt.

Ich kann Ihnen auch sagen, warum. Sie hatten eine Strukturverschlankung angekün­digt. Die große Erneuerung ist lediglich, dass eine neue GmbH gegründet wird, die den Bundes-Sportförderungsfonds, den BSFF, der erst 2013 neu gegründet wurde und da­mals schon als große Errungenschaft verkauft wurde, ersetzt. Schon damals sollte all das erreicht werden, was Sie heute als große Erneuerung in diesem Gesetz ankündi­gen. Das Neue ist noch dazu in einer für mich nicht nachvollziehbaren gesellschafts­rechtlichen Form einer GmbH, die die Gefahr der Umsatzsteuer mit sich bringt. Es wä­re eine absolute Katastrophe für den Sport, würden tatsächlich 20 Prozent der Förde­rung der Steuer zum Opfer fallen. Das darf es nicht geben! (Beifall bei der FPÖ.)

Die einzige kleine Verschlankung, die es in diesem Gesetz gibt, ist, dass die Bundes­sporteinrichtungen GesmbH als Tochtergesellschaft eingegliedert wird. Und das gibt es ganz einfach nur deswegen, weil sie zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes steht und das einfach möglich war. Aber es ist hinterfragenswert, ob das überhaupt sinnvoll ist. Alle anderen Organisationen bleiben bestehen und werden weiter mit hohen Zahlungen ge­fördert! Da ist keine Rede von Vereinfachung, da ist auch keine Rede von Entpartei­politisierung des Sports. Warum sollten Sie auch? Warum sollten Sie Interesse daran ha­ben, dort die Schrauber enger zu drehen? – Es sind doch in den meisten Sportorgani­sationen irgendwelche roten oder schwarzen Präsidenten vertreten.

Ich sage, das Hauptproblem des Sports ist es, dass es zu viele Organisationen gibt, in die das Geld hineinfließt und am Ende kein Geld beim Sportler ankommt! (Beifall bei FPÖ und NEOS.) Und genau diese Organisationen, deren Macht und Einflussnahme waren bei dieser Gesetzesmaterie die gesamte Zeit über das Hauptthema. Es ging da­rum: Wer besetzt welche Position? Wer hat welche Mehrheit? Wer wird Geschäftsfüh­rer? – Da gibt es übrigens zwei, und auch da muss man kein Hellseher sein, um zu er­raten, wie am Schluss die Verteilung ausschauen wird.

Hauptprofiteure dieses Gesetzes sind die am meisten verparteipolitisierten Organisa­tionen, die es im Sport gibt: einerseits die BSO, deren Präsident bekannterweise Ru­dolf Hundstorfer ist, seines Zeichens ehemaliger SPÖ-Arbeitslosenminister, und ande­rerseits auch die Dachverbände, wo es nur so von SPÖ- und ÖVP-Politikern wimmelt. Die gewinnen an Macht. Der, um den es beim Sport eigentlich gehen sollte, nämlich der Sportler, und die Fachverbände wurden wieder einmal hintangestellt. Der Sportler spielt für Sie anscheinend überhaupt keine Rolle, und das sage ich Ihnen nicht nur als Poli­tikerin, sondern das bestätige ich Ihnen auch als aktive Leistungssportlerin. (Beifall bei FPÖ und NEOS.)

Es gibt in diesem Gesetz auch viele Regelungen, die nicht durchdacht sind; ich werde ein paar Beispiele nennen.

Ganz besonders bedenklich ist zum Beispiel, dass leitende Angestellte von Dach- und Fachverbänden in den Kommissionen sitzen dürfen; das heißt, dass diejenigen, die die


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Förderung bekommen, selbst darüber entscheiden, dass sie die Förderung bekommen. Ich halte das für völlig absurd.

Es gibt auch keine Regelungen, was eigentlich passiert, wenn sich die zwei Geschäfts­führer nicht einig sind. Auch da ist das Gesetz lückenhaft.

Oder: Wo ist zum Beispiel die versprochene Transparenz? – Im Gegenteil! Die im BSFG 2013 beschlossene Förderdatenbank Sport ist aus dem Gesetz rausgeflogen, weil Sie aufgrund eines Korruptionsskandals in Ihrem Ministerium jahrelang nicht im­stande waren, diese umzusetzen. Aus dieser Datenbank wurde jetzt bloß die Verpflich­tung, die Förderungen im Internet öffentlich zu machen. Das ist auch nichts Neues, das gab es bereits im BSFF.

Das löst auch nicht das Hauptproblem, warum es diese Doppel- und Mehrfachförde­rungen gibt. Diese entstehen nämlich durch Intransparenz der Förderung von Ländern, Gemeinden und sonstigen Organisationen, wie das bei der Ski-WM in Schladming der Fall war, die, mit dem Bund gemeinsam, nebenbei unkontrolliert fördern. Das wird mit diesem Gesetz auch nicht abgestellt.

Dazu kommt auch noch, dass durch die Ausgliederung der allgemeinen Förderung das Fragerecht der Mandatare wieder weiter eingeengt wird. Auch das halten wir für proble­matisch.

Und natürlich stellt sich bei diesem Gesetz eine Hauptfrage: Was für Gegengeschäfte gab es, dass die ÖVP da zustimmt? – Sehr geehrter Herr Minister, Sie haben in der Cau­sa Eurofighter gesagt, es darf nie wieder Gegengeschäfte geben. Gilt das eigentlich auch für die Verabschiedung von Gesetzen? (Beifall bei der FPÖ.)

Es ist schon sehr merkwürdig – sehr merkwürdig! –, dass das schwarze Innenministeri­um und das Finanzministerium vernichtende Stellungnahmen abgegeben haben und von vernichtender Kritik jetzt zu kritikloser Zustimmung gekommen sind. Da fragt man sich schon: Was ist da eigentlich im Hintergrund gelaufen? Das umso mehr vor dem As­pekt, dass jetzt, kurz vor dem Sommer, das Gesetz noch schnell durchgedrückt wird und Sie sich dann noch herausnehmen, alle Organe und Positionen jetzt im Sommer, vor der Neuwahl, noch schnell zu besetzen. Das schreit nicht nur nach „Schäfchen ins Trocke­ne bringen“, nein, die Schäfchen bekommen auch noch ein nigelnagelneues Gehege und wahrscheinlich noch Futter für die nächsten fünf Jahre. (Beifall bei der FPÖ.)

Wenn Sie jetzt sagen, dass die Stellungnahmen einen alten Entwurf betreffen, ja umso wichtiger wäre es, das Gesetz heute noch nicht zu beschließen und ein neues Begut­achtungsverfahren zu ermöglichen, damit der Ausschuss für Sportangelegenheiten auch wirklich zur aktuellen Fassung Stellung beziehen kann.

Deswegen stelle ich auch einen Rückverweisungsantrag gemäß § 73 Abs. 3 Z 2 GOG-NR, der bereits vorliegt.

Ich fasse zusammen: Mit diesem Gesetz werden die angekündigten Ziele nicht er­reicht. Es bringt keine wesentliche Verbesserung für den Sport. Wieder einmal wurde aufgrund von eigennützigen Motiven eine Chance vertan, eine wirkliche Wende für den Sport herbeizuführen, stattdessen wurde das bestehende System weiter einzementiert. Nicht die rot-schwarzen Organisationen sollten im Mittelpunkt stehen, sondern der Sport­ler. Mit diesem Gesetz ändert sich wieder einmal nichts zum Positiven und erst recht nicht mit dieser rot-schwarzen Regierung. (Beifall bei der FPÖ.)

10.20


Präsidentin Doris Bures: Als Nächster hat sich Herr Abgeordneter Krist zu Wort ge­meldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


10.20.52

Abgeordneter Hermann Krist (SPÖ): Sehr geschätzte Frau Präsidentin! Herr Sport­minister! Hohes Haus! Ich habe eine ganz kleine Hoffnung gehegt, dass sich der Wis-


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sensstand und die Sachkunde der Frau Kollegin Steger zwischen der Sitzung des Sport­ausschusses und der heutigen Diskussion im Plenum des Hohen Hauses etwas erhöht. Ich bin enttäuscht, dass nun geradezu das Gegenteil passiert ist. (Zwischenrufe bei der FPÖ.)

Aber zurück zum Thema. Wir reden vom Bundes-Sportförderungsgesetz. (Abg. Schima­nek: Aber bitte, das hat doch jeder verstanden!) – Du darfst dich gerne zu Wort mel­den, aber wenn die Hinterbänkler immer groß quaken, ist das natürlich auch nicht güns­tig. (Zwischenrufe der Abgeordneten Haider und Schimanek.)

 


Präsidentin Doris Bures: Herr Abgeordneter, ich würde Sie ersuchen, sich in der Aus­drucksweise zu mäßigen. – Bitte.

 


Abgeordneter Hermann Krist (fortsetzend): Ich werde mich bemühen, außer ich wer­de provoziert, Frau Präsidentin!

Wir reden von einem Bundes-Sportförderungsgesetz, das auf den Erfahrungen der letz­ten zwei, drei Jahre basiert. Es gab einen umfassenden Diskussions- und Arbeitspro­zess – mit etwas gutem Willen ist der erkennbar –, im Zuge dessen mit allen Sportver­bänden Österreichs, mit allen Dach- und Fachverbänden sowie mit jenen Verbänden mit besonderen Aufgabenstellungen zusammengearbeitet und über Monate hinweg dieses Gesetz gemeinsam formuliert wurde. Die Bundes-Sportorganisation – der Präsident ist anwesend – hat die Verhandlungen federführend begleitet. Dafür gibt es von meiner Sei­te ein aufrichtiges Dankeschön an Präsidenten Hundstorfer, der ehrenamtlich agiert. Na­türlich möchte ich auch Herrn Sportminister Doskozil und seinem gesamten BeraterIn­nen- und ExpertInnenstab und allen Fachleuten aus den Dach- und Fachverbänden für den großen Einsatz und die gute Arbeit im Sinne des österreichischen Sports danken. Noch einmal ein herzliches Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

Die Zielvorgabe von Minister Doskozil war eine deutliche Vereinfachung in der Admi­nistration. – Das wird erreicht.

Das Gründen einer Bundes Sport GmbH als schlagkräftige und effiziente Serviceein­richtung ist insbesondere für unsere SportlerInnen und die Vereine sowie die Verbands­funktionärinnen und -funktionäre ebenso wie das Schaffen von mehr Planungssicher­heit durch Verlängerung der Förderzeiträume auf vier Jahre sehr, sehr wichtig.

Weiters enthält der Gesetzentwurf die Verankerung von klaren Leistungskriterien und mehr Transparenz über den Einsatz der Fördermittel und vieles andere mehr. Die Gre­mienarbeit wird effizienter organisiert. Die Fördermittelvergabe wird zielorientierter ge­staltet.

Aber ganz besonders erfreulich ist, dass eine deutliche und herzeigbare finanzielle Ab­sicherung der Sportverbände mit besonderen Aufgabenstellungen wie beispielsweise die Special Olympics und das Paralympische Committee gelungen ist.

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Sehr geschätzte rund 400 MitarbeiterInnen! Liebe mehr als 100 000 ehrenamtliche FunktionärInnen und liebe mehr als 3 Millionen Mitglieder in knapp 4 000 Sportvereinen, die in den drei Breitensportverbänden ASKÖ, ASVÖ und SPORTUNION organisiert sind – in diesen Zahlen sind jetzt nicht die un­ver­zichtbaren FunktionärInnen und MitarbeiterInnen in den Sportfachverbänden inkludiert –: Für euch und gemeinsam mit euren VertreterInnen haben wir dieses Sportgesetz auf­bereitet, um eure Arbeit zu erleichtern, um SportlerInnen schneller und effizienter hel­fen und den Verbänden die Organisation des Sportumfeldes erleichtern zu können. (Zwi­schenruf des Abg. Peter Wurm.)

Nicht alle Parteien in diesem Haus haben damit eine Freude – das haben wir ja schon gehört. (Abg. Steger: Und dabei bin ich die einzige aktive Sportlerin hier im Haus!) Nicht alle Parteien in diesem Haus unterstützen dieses Gesetz und nicht alle Parteien sehen


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die unbezahlbare, unverzichtbare wertvolle Arbeit in den Tausenden Vereinen, die ihr tag­täglich für die Gesellschaft und für die Menschen direkt leistet – vom Kindergartenkind bis zu den Pensionisten, vom Hobbysportler bis zum Spitzensport. Einer aktuellen Studie zu­folge sind in Österreich rund 500 000 Menschen – gut die Hälfte davon im Sport – mehr als 1,5 Millionen Stunden in der Woche ehrenamtlich tätig. Das ist unbezahlbar. Das ist eigentlich bewundernswert und eines großen Danke würdig. Diese Menschen verdienen einen Applaus. (Beifall bei der SPÖ.)

Das ist insbesondere zwei Parteien in diesem Haus ziemlich egal. Sie lassen keine Ge­legenheit aus, die drei Dachverbände infrage zu stellen, völlig ungerechtfertigt abzuqua­lifizieren und damit alle ehrenamtlichen FunktionärInnen, aber auch die MitarbeiterIn­nen in ein schiefes Licht zu rücken, ohne sich jemals wirklich erkundigt zu haben. (Abg. Haider: Und das sagt ausgerechnet der Systembetonierer!) Das kann ich nicht akzep­tieren. Das will ich auch nicht akzeptieren und das muss in diesen Tagen auch einmal klar gesagt werden. (Beifall bei der SPÖ.)

Niemand wird aus dem Stand Olympiasieger. Alle haben einmal klein angefangen – im Verein einer Heimatgemeinde, in einem Breitensportverein. Niemand anderer als die Breitensportverbände hat die Ressourcen, schon im Kindergarten und in Volksschulen beginnend die Kinder zu einem sportlich aktiven und gesundheitsfördernden Leben zu motivieren. Wir arbeiten mit den Sportfachverbänden sehr gut zusammen und fördern so die Talente – bis an die Weltspitze. (Zwischenruf des Abg. Peter Wurm.) Wir beglei­ten die FitnesssportlerInnen, unterstützen bei der betrieblichen Gesundheitsvorsorge, sind federführend bei der täglichen Bewegungseinheit, bilden Tausende TrainerInnen, Lehr­wartInnen und InstruktorInnen aus, sind ein ordentlicher Arbeitergeber und motivieren Frau und Herrn Österreicher mit unzähligen Initiativen zu mehr Bewegung und Sport. Dieses ist der FPÖ und den NEOS egal – und das muss einfach einmal raus! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Schimanek: Das glauben Sie ja selber nicht!)

10.26


Präsidentin Doris Bures: Als Nächster hat sich Herr Abgeordneter Brosz zu Wort ge­meldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


10.26.33

Abgeordneter Dieter Brosz, MSc (Grüne): Frau Präsidentin! Hermann, du hast mich da jetzt erfreulicherweise nicht einbezogen. Wir haben auch ein durchaus anderes Ver­hältnis. Ich habe auch immer wieder betont, dass wir Grüne die Arbeit der Dachverbän­de schätzen. Im Übrigen gibt es ja auch nicht unbedingt immer so klare parteipolitische Zuordnungen. Es gibt auch viele, die in Dachverbänden, in Vereinen tätig sind, ohne dass ihre Tätigkeit so eindeutig politisch besetzt wäre. (Abg. Weninger: Eine politische Zugehörigkeit ist ja nicht unbedingt was Schlechtes, Herr Abgeordneter!)

Allerdings gibt es auch Dinge, bei denen man sagen muss, dass Kritik an dem Gesetz schon berechtigt ist. Du hast, glaube ich, in deiner Rede gesagt, diese Veränderung sei seit zwei bis drei Jahren vorbereitet worden. Das finde ich deshalb nicht ganz uninter­essant, weil ich da ein Zitat mitgebracht habe, das lautet: „Es ist schon angesprochen worden, das ist seit 1948, also seit der Nachkriegszeit, das kann man mit Fug und Recht behaupten, die größte Reform im Bereich der Bundes-Sportförderung.“

Dieses Zitat ist nicht von heute oder von voriger Woche, sondern aus dem Jahr 2013. Der damalige Sportminister Klug hat das von sich gegeben, als nämlich das Bundes-Sportförderungsgesetz damals beschlossen worden ist. Jetzt hast du gesagt, seit zwei bis drei Jahren gibt es einen Veränderungsprozess. Vor vier Jahren ist also das Gesetz beschlossen worden – die größte Reform der Nachkriegszeit –, und kaum war es be­schlossen, ist der Reformprozess losgegangen, weil das Gesetz offenbar nicht funktio­niert hat. Damals hat es übrigens geheißen, das Gesetz sei die Reaktion auf Rio ge-


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wesen – Entschuldigung, auf London –, also auf mangelnde Erfolge im Spitzensport, und man müsse da etwas ändern.

Wir haben das Gesetz damals abgelehnt, weil die Vermutung nahelag, dass sich wenig verändern würde und weil gewisse mutige Schritte wie eine Hervorhebung mancher Sportarten in der Förderung nicht vorgesehen waren. Es geht also, kurz gesagt, um die Frage, ob man alles mit der Gießkanne fördern kann, oder ob man Schwerpunkte set­zen muss.

So: Jetzt gibt es ein neues Gesetz und meine Vermutung ist, dass wir möglicherweise in vier Jahren wieder hier sitzen und ein neues Gesetz diskutieren werden. Ich vermu­te, es wird sich relativ wenig ändern – in dem Punkt gebe ich Frau Kollegin Steger recht. Der Minister hat bei Vorgesprächen mehrfach gesagt, es solle alles anders werden, wir wollen eine GmbH gründen, die von politischer und parteipolitischer Einflussnahme be­freit wird. Dazu muss man jetzt ganz offen sagen: Wenn man es neutral betrachtet, so ist dieses Vorhaben ganz offensichtlich gescheitert.

Dazu gibt es ein paar Punkte, die ich kurz ansprechen will.

Punkt eins: Wer darf in dieser GmbH tätig sein? – Es gibt keine Unvereinbarkeit mit der Tätigkeit als Funktionär in Sportverbänden. Es gibt auch keine Verpflichtung, dass das Vollzeitmitarbeiter sein müssen. Ich bringe es auf den Punkt: Es kann jemand am Vor­mittag in seinem Verband ein Förderansuchen schreiben und am Nachmittag geht er in die GmbH und entscheidet dort über sein Förderansuchen. Das ermöglicht dieses Ge­setz. (Abg. Krist: Aber das stimmt doch gar nicht!) – Definitiv! Der einzige Ausschluss, der drinnen ist, betrifft Führungsfunktionen. Mitarbeiter sind von der Fördervergabe nicht ausgeschlossen. (Abg. Krist: Nein, das stimmt nicht!)

Das stimmt definitiv, Hermann. Wenn du anderer Meinung bist, kannst du irgendwann herauskommen und erklären, warum es nicht stimmt. Die Frage der Unvereinbarkeit be­zieht sich ausschließlich auf Leitungsfunktionen und nicht auf Mitarbeiter. Genau das war der Punkt, um den es gegangen wäre.

Der nächste Punkt betrifft die Doppelförderungen. Es gab einen schwerwiegenden Rech­nungshofbericht, in dem klargestellt wurde, dass der Österreichische Skiverband im Zu­ge der Ski-Weltmeisterschaft in Schladming Doppelförderungen kassiert hat, nämlich sich Dinge von der FIS fördern hat lassen und auch Förderungen aus den Mitteln des Sportministeriums bekommen hat. So: Jetzt gibt es eine Bestimmung, dass bei Doppel­förderungen auf Gebietskörperschaften Rücksicht zu nehmen ist. Da darf es keine Dop­pelförderungen geben.

Die FIS ist aber keine Gebietskörperschaft. Das heißt, die Struktur, die hier ausgenutzt wurde, nämlich dass sich der Österreichische Skiverband Dinge doppelt fördern lässt, gibt es weiterhin. Zufälligerweise ist Herr Schröcksnadel ja nicht ganz unbeteiligt. (Hei­terkeit des Bundesministers Doskozil.) – Der Herr Minister lacht schon wieder, aber es ist sogar eine Lex Schröcksnadel in den Entwurf hineingeschrieben worden, laut der auch der Skiverband de facto ein fixes Mandat in der Kommission hat. Damit sitzt er da in der Kommission.

Diese Kommission hat eine besondere Bedeutung, denn es gibt zwar die GmbH, die angeblich entscheiden hätte können – aber so ist es ja nicht gekommen. Über der GmbH sitzt eine Kommission und de facto können die Geschäftsführer nicht selbständig ent­scheiden, ohne Rücksprache mit der GmbH zu halten. Da gibt es ein Wechselspiel, das haben Sie vorhin angesprochen.

Das geht sogar so weit, dass die GmbH, wenn sie feststellt, dass förderwidrige Anträge gestellt worden sind, nicht hergehen und sagen kann, dass die korrigiert werden müs­sen, denn der Fördernehmer kann sagen, dass er das nicht will und zur Kommission


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gehen. Wenn die Kommission dann sagt, das sei in Ordnung, dann dürfen auch förder­widrige Dinge bestehen bleiben. Das als eine Struktur darzustellen, in der Parteipolitik und politische Einflussnahme herausgenommen wurden, ist einfach unrichtig. Ich be­fürchte, wir sitzen nach den Olympischen Spielen wieder da und haben noch einmal die gleiche Debatte. Das ist eine vertane Chance. Es hätte viel mehr herauskommen kön­nen. (Beifall bei den Grünen.)

10.31


Präsidentin Doris Bures: Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Rauch zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


10.31.25

Abgeordneter Mag. Johannes Rauch (ÖVP): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Werte Kollegen! Zum Bundes-Sportförderungsgesetz: Ich glaube, man muss schon einmal darstellen, wie es zu dem Gesetz kam und wie der zeitliche Verlauf war, denn aktuell wird es so dargestellt, als ob alles in den letzten Tagen schnell ver­handelt worden wäre.

Es gab bereits im Jahr 2016 die ersten Gespräche. Man hat bereits Ende 2016 alle Sportverbände, alle Sportler eingeladen, um dieses Gesetz zu diskutieren, um zu schau­en, wo man mit diesem neuen Gesetz hinwill. Es kann also von einer Husch-Pfusch-Aktion keine Rede sein. Dann war das Gesetz in Begutachtung. Frau Kollegin Steger, da muss ich auch sagen: Man muss unterscheiden zwischen dem, was in Begutach­tung geschickt wurde, und dem, was nun dem Plenum vorgelegt wurde. Da hat wirklich ein Prozess dazwischen stattgefunden. Aus meiner Sicht haben wir vor allem im Be­hindertensport gemeinsam sehr, sehr viele Verbesserungen erreicht. Das ist sehr erfreu­lich.

Selbstverständlich kann man immer darüber diskutieren, ob das Gesetz jetzt ein großer Wurf ist oder nicht. Ich glaube, wir haben das Optimum für den Sport herausgearbeitet. Kritik ist natürlich legitim, aber ich glaube, dass wir heute ein gelungenes Gesetz be­schließen werden. Ich glaube, dass dieses Gesetz wirklich eine Basis für erfolgreichen Sport in Österreich sein kann.

Wenn man sich die Stellungnahmen der einzelnen Beteiligten, die eben Stellungnah­men abgegeben haben, anschaut, dann stimmt es, dass das Finanzministerium am An­fang etwas kritisch war, aber, wie gesagt, es gibt eben große Unterschiede zwischen dem, was zur Begutachtung vorgelegt wurde, und dem, was heute im Plenum zum Be­schluss vorliegt.

Ich denke, das Entscheidende ist, dass die Autonomie des Sports gewahrt bleibt. Aus meiner Sicht wird sie zu 100 Prozent gewahrt. Deshalb bin ich froh darüber, dass wir das Gesetz heute beschließen. Ich glaube, dass in den letzten Tagen und Wochen ein konstruktiver Prozess stattgefunden hat und wir heute wirklich ein Gesetz beschließen, das Hand und Fuß hat. Selbstverständlich weiß man nie, wie die Lage in drei, vier, fünf Jahren ausschauen wird. Eventuell muss man dann an dem Gesetz wieder etwas op­timieren und adaptieren, aber das ist ganz logisch. Wir leben in einer sehr schnellle­bigen Zeit – auch der Sport und der Spitzsport sind schnelllebig –, ich sehe also über­haupt keinen Grund, dem Gesetz heute nicht zuzustimmen. Deshalb bin ich froh darü­ber, dass wir das Gesetz heute beschließen.

Ich bedanke mich recht herzlich, vor allem bei den Mitarbeitern im Ministerium, bei den Mitarbeitern im Klub – ich betone: in allen Klubs –, ich bedanke mich vor allem auch bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern im organisierten Sport und gehe da­von aus, dass dieses Gesetz wirklich eine gute Basis ist, um in Österreich im sportli­chen Bereich erfolgreich zu sein. – Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP.)

10.34



Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 47

Präsidentin Doris Bures: Als Nächste gelangt Frau Abgeordnete Gamon zu Wort. – Bitte.

 


10.34.05

Abgeordnete Claudia Angela Gamon, MSc (WU) (NEOS): Kollege Krist, es soll zu Beginn schon auch gesagt sein, dass Kollegin Steger eine sachliche Kritik geäußert hat, die wirklich gut argumentiert und recherchiert war (Abg. Gusenbauer-Jäger: Das haben wir doch schon im Ausschuss gehört!) – wie auch schon im Ausschuss – und das Ein­zige, das Sie darauf zu antworten hatten, war eine persönliche Kritik ad hominem, an­statt auf die Sachargumente einzugehen. (Abg. Krist: ... das strotzt nur so vor Unwis­sen!) Es ist genau das Gleiche wie schon im Ausschuss. (Beifall bei NEOS und FPÖ.) Sie werden mir erlauben, zu sagen, dass genau das im Übrigen die Definition von einer sexistischen Reaktion auf die Wortmeldung einer jungen Kollegin ist. (Beifall bei NEOS und FPÖ. – Rufe bei der SPÖ: Aber geh!)

Die Sportförderung in Österreich ist nämlich die allerletzte Bastion, in der noch brav al­les zwischen Rot, Schwarz und dem Rest aufgeteilt ist – und so funktioniert das immer noch. Das ist eine Tragödie, nicht nur für die Qualität, die wir uns von der Politik erwar­ten, sondern vor allem für die Sportlerinnen und Sportler. Jetzt haben wir ein neues Ge­setz, das eine Gelegenheit geboten hätte, der Sportförderung Rahmenbedingungen zu ge­ben, die wirklich einem modernen Staat entsprächen, aber diese Gelegenheit wurde – das ist jetzt keine allzu große Überraschung – natürlich nicht genutzt.

Das grundsätzlich Absurde in der Breitensportförderung, nämlich dass wir hier drei poli­tisch geprägt Dachverbände haben, denen wir das Geld in die Hand geben, damit sie das weiter verteilen dürfen, wurde hier nicht geändert, sondern einzementiert. Das ist ganz sicher weder ein sinnvoller noch ein effizienter noch ein wirksamer Einsatz von Steuer­geld. Diese bestechende Logik wurde hier einfach im Gesetz weiter schwarz auf weiß ein­zementiert und für die Ewigkeit abgesichert.

Es gab Kritik – im aktuellen „SPORTMAGAZIN“ zum Beispiel oder auch vom „Dossier“ –, aber auch auf diese Kritik wird von Ihnen nur ad hominem gegen die Autoren eingegan­gen, anstatt die Argumente vielleicht aufzunehmen.

Und so haben wir jetzt im § 3 den Breitensport sogar offiziell im Gesetz nur noch als Vereinssport definiert, was also einen Ausschluss all jener, die nicht in Vereinen orga­nisiert Sport betreiben, bedeutet. (Abg. Weninger: Was wollen Sie denn? Individualför­derung für das Fitnesscenter?) Und ja, Sie werden es vermuten, es ist nicht nur die Mehrheit, sondern rund 80 Prozent jener, die in Österreich Breitensport betreiben, sind nicht in Vereinen organisiert. Wir sind keine Vereinsmeier-Nation im Sport, schon lange nicht mehr. Trotzdem gibt es weiterhin eine absurde und sachlich unbegründete Son­derstellung von ÖFB, ÖSV und ÖOC – Letzteres hat sich noch extra in den Aufsichts­rat dieser neuen GmbH hineinreklamiert! (Abg. Krist: Blödsinn!)

Warum die GmbH überhaupt so in dieser Form kommt, konnte auch nicht sachlich be­gründet werden und genau das hat auch der Rechnungshof in seiner Stellungnahme he­rausgenommen. Was letztendlich natürlich ganz Banane ist, ist, dass es jetzt möglich ist, dass Förderempfänger in den Kommissionen über die Förderentscheidungen mitbe­stimmen – was die absolute Definition von Unvereinbarkeit ist. Man müsste dieses Bei­spiel aus dem neuen Gesetz in das politische Wörterbuch dieses Hauses hineinschrei­ben: Unvereinbarkeit ist das Sportförderungsgesetz und die Sportpolitik in Österreich.

Aufgrund dieser angeführten Kritikpunkte der Oppositionsparteien kann man diesem Ge­setz einfach nicht zustimmen. Es ist eigentlich wirklich ein Irrsinn, dass Sie das hier als eine ernsthafte Reform der Sportförderung verkaufen. (Beifall bei NEOS und FPÖ.)


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 48

10.37


Präsidentin Doris Bures: Nun hat sich Herr Bundesminister Mag. Doskozil zu Wort ge­meldet. – Bitte, Herr Minister.

 


10.37.35

Bundesminister für Landesverteidigung und Sport Mag. Hans Peter Doskozil: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ich glaube, zunächst sollte man, wenn man über das neue Sportförderungsgesetz und die Modalitäten da­hinter diskutiert, schon auch die Ausgangslage beurteilen. Die Ausgangslage ist zum ei­nen in rechtlicher und auch in kompetenzrechtlicher Hinsicht jene, dass sich der Sport nicht nur über den Bund und über die Fördermöglichkeiten des Bundes, sondern im Grunde auch sehr stark über die Länderkompetenzen definiert. Da muss man in der Dis­kussion dann natürlich aufpassen, dass man nicht die eine oder andere Kompetenz ver­wechselt. Außerdem gibt es eine Unabhängigkeit des Sports, eine Unabhängigkeit der Sportorganisationen, der BSO und anderer Organisationen. Einerseits muss man das als Minister, der vielleicht das eine oder andere regeln will, zur Kenntnis nehmen, anderer­seits ist es wichtig, dass es diese autonome Sportwelt gibt und dass es – wie auch in un­serem föderalen System – eben eine gewisse Kompetenzverteilung gibt.

Auf der anderen Seite muss man auch die Ausgangslage beurteilen, wie sie sich auf Bundesebene im Bereich der Sportfördervergaben dargestellt hat. Die Ausganslage war für mich – und so wurde sie auch von Vertretern aus dem Sport und von den Sportlern an mich herangetragen –, dass wir derzeit auf Bundesebene eine Sportfördersystema­tik in verschiedenen Bereichen mit verschiedenen Ansätzen, mit verschiedenen Mög­lichkeiten, mit verschiedenen Modalitäten, Abrechnungen durchzuführen, haben – sei es auf der einen Seite in unserem Hause in der Sportsektion, sei es auf der anderen Seite im Bereich des BSFF oder durch das Projekt RIO et cetera. Es gibt da also wirklich ver­schiedene Ansätze.

Da muss es, glaube ich, mit Fug und Recht erlaubt sein, das zu hinterfragen – auch im Sinne der Sportlerinnen und Sportler –, denn wir alle wollen ja die Möglichkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich des Sports für die Sportlerinnen und Sportler bestens gestalten. Dazu müssen wir aber diese Rahmenbedingungen auch entspre­chend verändern. Genau das haben wir mit diesem Sportgesetz natürlich versucht. Ich sage auch ganz offen, dass das ein erster Schritt ist. Man wird höchstwahrscheinlich immer wieder Entwicklungsmöglichkeiten und weitere Schritte definieren können. Die­se Wege muss man in weiterer Folge auch gehen, aber das ist ein erster wichtiger Schritt, um hier eine klare Linie vorzugeben.

Die klare Linie ist ganz eindeutig zu erkennen: Alle Fördermittel, die wir auf Bundes­ebene vergeben werden, auch die Möglichkeiten des Hauses, auch meine Möglichkei­ten, da Fördermittel zu vergeben, werden nach klaren Kriterien und Richtlinien in die GmbH überführt. Es wird auch in weiterer Folge klare Kriterien und Richtlinien für die Verantwortlichen im Bereich dieser GmbH geben.

Wenn wir eine Tochter in diesem Bereich in Form dieser GmbH implementieren, be­deutet das nicht, dass sich die Politik aus der Verantwortung stiehlt. Die Politik muss in weiterer Folge, weil es ja öffentliche Mittel und Gelder sind, nun auch definieren, was die Ziele sind, die zu erreichen sind. Die Ziele sind aus meiner Sicht ganz klar: Wir be­nötigen auf der einen Seite dringend eine Harmonisierung im Bereich der Sportstätten, vor allem zwischen Bund und Ländern. Wir brauchen ein klares Bekenntnis dazu, dass sich die Sportverbände – viele sind sehr gut geführt – auch richtig entwickeln, dass sie gut geführt werden, dass die Verbände, die ja die Heimat der Spitzensportler sind, in weiterer Folge auch eine gute Basis für die Spitzensportler sind.

Wir haben uns klar dazu bekannt, dass es ein anderes Abrechnungsmodell geben muss, damit auch die Verbände im Sinne der Sportler mehrjährig planen können, eine Mittel­vergabe, die nicht darauf aufgebaut ist, dass sich jeder Verband immer wieder die Fra­ge stellen muss, ob er entsprechend vorfinanzieren muss, vorfinanzieren kann, welche


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 49

Projekte er einreichen muss, um in weiterer Folge Projekte wieder umzuschichten, um die Mittel tatsächlich dafür zu verwenden, wofür er sie eigentlich braucht.

Da gibt es und wird es auch einen entsprechenden Vertrauensvorschuss für die Arbeit der Verbände geben, aber – und das ist auch aus meiner Sicht klar – es muss auch ein Kontroll- und ein Controllingsystem dahinter geben und es muss ein klares Bekenntnis dazu geben, dass es im Bereich der Führung der Verbände und dann, wenn es um den Sport und um die Entwicklung des Sports geht, ein Leistungsprinzip gibt.

Auch beim Breitensport müssen wir möglicherweise andere Wege andenken, müssen wir in Regionen denken, müssen wir zwischen den Dachverbänden zusammenwirken, müssen wir auch gemeinsame Projekte forcieren. Auch das wird ein klares Ziel dieser GmbH zur Sportförderung sein.

Wenn ich hier einzelne Stellungnahmen oder einzelne Redebeiträge vielleicht doch beur­teilen darf, dann sage ich, dass es mir schon wichtig ist, dass man auch von den Din­gen spricht, die tatsächlich im Gesetz enthalten sind. Ich habe es heute schon gesagt: Wenn man hier davon spricht, dass die Vertreter des Sports, die Verbandsverantwortli­chen, möglicherweise in den Kommissionen selbst bestimmen können, wie, in welcher Höhe und ob Fördermittel vergeben werden, dann ist das schlichtweg nicht richtig.

Richtig ist vielmehr, dass es da in einem Wechselspiel zwischen der Geschäftsführung und der Kommission zu einer Vereinbarung kommen muss. Wenn kein Einvernehmen hergestellt werden kann, geht die Entscheidung in den Aufsichtsrat, der in weiterer Fol­ge mit einer Dreiviertelmehrheit zu entscheiden hat. Wenn die Entscheidung in dieser Art und Weise und auf diesem Weg nicht herbeigeführt werden kann, dann gibt es kei­ne Fördervergabe. Das zeigt auch ganz klar, dass der Verfahrensverantwortliche, der in der Kommission sitzt, nicht final bestimmen kann, ob er in dieser Art und Weise und Größenordnung auch eine Förderung erhalten kann. Zusätzlich ist auch eine Unverein­barkeitsregelung enthalten, dass der jeweilige Verbandsverantwortliche, wenn es da­rum geht, dass sein Verband in der Förderfrage betroffen ist, gar nicht zum Zug kommt und gar nicht mitstimmen darf.

Zur Frage der Transparenz: Es ist richtig, wenn wir feststellen, dass bereits im BSFF eine entsprechende Möglichkeit zur Transparenz, eine Möglichkeit, auch zu veröffentli­chen, gegeben war, nicht aber in anderen Bereichen. Wir haben jetzt alle Bundesmittel zusammengefasst, und alle Bundesmittel werden in weiterer Folge in der Art und Wei­se, wie sie vergeben werden, an wen sie vergeben werden, auch transparent gemacht.

Wenn wir heute über ein neues Begutachtungsverfahren diskutieren, wozu dieser An­trag eingebracht wurde, dann muss ich mich schon fragen, ob man in den letzten Mo­naten die Entstehung dieses Gesetzes nicht verfolgt hat. Wir sind ganz klar und be­wusst einen anderen Weg als sonst bei Erstellung und Entstehen von Gesetzen ge­gangen. Wir haben Monate hindurch die Gespräche mit den Fachverbänden und Dach­verbänden geführt. Das Gesetz ist in seiner Konfiguration eigentlich in diesem Kreis der Sportwelt entstanden. Das ist das Ergebnis, natürlich mit gewissen Grundsätzen, die auch der Bund zu vertreten hat, wenn es um Kontrolle und die Verwendung von öf­fentlichen Mitteln geht. Das ist aber das Ergebnis, das sich die Sportwelt, die Verbände für die Ausübung ihres Spitzensportes, für ihre Sportlerinnen und Sportler gewünscht haben, und ich glaube schon, dass es sich der österreichische Sport verdient hat, dass wir ihnen diesen Vertrauensvorschuss auch geben.

Auf der anderen Seite wurde daraufhin auch ein entsprechendes Begutachtungsverfah­ren geführt, und ich sehe nicht ein, wie man bei dieser intensiven Einbindung der Sport­welt, in weiterer Folge bei dieser intensiven Befassung im Bereich der Begutachtung über­haupt auf die Idee kommen kann, jetzt wieder eine Begutachtung zu machen. Das ist ja


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 50

gerade das Problem in diesem Bereich: Wir diskutieren dann monatelang und jahre­lang Dinge, und in Wirklichkeit verändert sich nichts.

Wenn man bei einer Sachlage erkannt hat, dass man Handlungsbedarf hat, dann muss man die Dinge auch angreifen, man muss sie annehmen und auch versuchen, zu ver­ändern. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf der Abg. Steger.)

Ich habe es eingangs angesprochen: Ich nehme für mich nicht in Anspruch, dass die­ses Gesetz vollständig richtig ist, dass wir alles, was wir uns vielleicht wünschen, alle Ziele, die wir uns vorgenommen haben, damit auch abdecken konnten. Das ist mir durch­aus bewusst, das ist immer so. Bei jeder Entwicklung einer Organisation – das betrifft hier den Sport, das betrifft aber auch ein zweites Thema, das Bundesheer – muss man sich ständig hinterfragen. Man muss hinterfragen, ob das die richtigen Schritte waren, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt und wo nicht, und man muss auch zukünftig da­ran arbeiten. Das bedeutet für mich nicht, dass dieses Sportgesetz jetzt final ist, dass das das Gesetz für die nächsten Jahre und der Modus für die nächsten Jahrzehnte ist, son­dern dass man die Größe haben muss, sich zu hinterfragen und auch Änderungen, wenn sie erforderlich sind, zukünftig vorzunehmen. (Abg. Steger: Genau dasselbe wurde 2013 gesagt!)

Ich habe schon in allen Ausschusssitzungen erlebt, dass es einen gewissen Schröcks­nadel-Komplex in diesem Haus und in diesem Kreis gibt, das ist mir schon bewusst, das habe ich schon bemerkt. Eines möchte ich an dieser Stelle aber auch sagen: Peter Schröcksnadel hat vor Jahren und Jahrzehnten einen Österreichischen Skiverband über­nommen, der defizitär war, und hat diesen Skiverband in eine wirtschaftlich ausge­zeichnete Situation geführt, er hat ihn zu sportlichen Erfolgen geführt. (Zwischenruf des Abg. Brosz.) Wir brauchen nur zu schauen, wie sich seit dem Zeitpunkt, als Peter Schröcksnadel diesen Skiverband übernommen hat, die sportlichen Erfolge in Öster­reich darstellen. Wir sind eine Skination, aber das würde man sich sicherlich auch für andere Bereiche wünschen.

Daher muss man, glaube ich, da die Möglichkeiten in der Art und Weise, wie wir sie heu­te auf den Tisch gelegt haben, schaffen, muss den Verbänden und den Sportlern den Vertrauensvorschuss geben, damit sie dieses Gesetz auch leben können.

Abschließend sei auch von meiner Seite den Mitarbeitern gedankt, vor allem auch der BSO, die sich in der Entstehung, vor allem in der Diskussion mit den Fachverbänden sehr verdient gemacht haben, und ich bin überzeugt davon, dass dieses Gesetz den Weg eröffnet, dass der österreichische Sport in der Zusammenwirkung von Verbänden bis hin zu den Sportlern – dort soll ja das Geld, dort sollen ja die Mittel ankommen – die richtige Basis hat. – Herzlichen Dank. (Beifall bei der SPÖ.)

10.47


Präsidentin Doris Bures: Als Nächste zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Gusenbau­er-Jäger. – Bitte.

 


10.48.04

Abgeordnete Marianne Gusenbauer-Jäger (SPÖ): Frau Präsidentin! Herr Bundesmi­nister! Hohes Haus! Bevor ich in die Debatte eingehe, darf ich im Namen des Abgeord­neten Jürgen Schabhüttl die Volksschule Siget in der Wart aus dem Südburgenland mit ihrem Bürgermeister Josef Halper sehr herzlich begrüßen. (Allgemeiner Beifall.)

Auch heute könnte ich damit beginnen, dass die Tinte, mit der etwas unterzeichnet wird, noch nicht trocken ist und schon wieder die ersten Unkenrufe und die erste Kritik begin­nen. Der Herr Bundesminister hat auch vorhin bestätigt, und ich finde es auch wichtig und richtig, dass ein Gesetz, das gemacht wird, nicht in Stein gemeißelt sein kann, son­dern dass nach einer bestimmten Zeit evaluiert wird und dann natürlich auch eine No­vellierung stattfinden muss. Das finde ich sehr gut so.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 51

Der Bund, in diesem Fall die Bundeseinrichtung, wandelt sich vom Amt zum Dienst­leister. Diese Nachricht wird mit der heutigen Novelle beschlossen, so hoffe ich zumin­dest.

Die bisherige Förderpraxis für Sportverbände und Veranstaltungen hat gezeigt, dass es einige Probleme und Hemmschwellen gibt. Aus diesem Grund hat unser Sportmi­nister Hans Peter Doskozil mit Unterstützung der Bundes-Sportorganisation einen ra­dikalen Schnitt gemacht und Verbesserungen erarbeitet.

Ich darf hier einige Punkte aufzählen: Die Mehrgleisigkeiten werden abgeschafft. Die Ab­wicklung wird künftig in eine schlanke GmbH ausgelagert. Alle Förderungsangelegen­heiten werden im Sinne eines One-Stop-Shops erledigt. Die Öffentlichkeit wird über In­ternet informiert, dadurch entsteht eine gesteigerte Transparenz. Die Förderzeiträume werden auf vier Jahre ausgedehnt, dadurch können die Vereine und die Sportverbände sicherer planen.

ExpertInnen der neuen Bundes Sport GmbH begegnen jetzt den FunktionärInnen der Sportverbände auf Augenhöhe und beraten diese in Förderangelegenheiten und bei Groß­veranstaltungen. Die Bundes Sport GmbH übernimmt auch die Koordination der Bun­dessporteinrichtungen, der sportmedizinischen und sportwissenschaftlichen Betreuung des Bundes.

Was mich an der optimierten Struktur besonders freut, ist der Umstand, dass in weite­rer Folge eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Breitensport und dem Leistungs- und Spitzensport stattfindet und auch mit dem Behindertensport eine Verbindung her­gestellt wird. Wir schaffen hiermit gute Voraussetzungen, unter denen österreichische Sportlerinnen und Sportler ihre Leistungen unter Beweis stellen können. – Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

10.51


Präsidentin Doris Bures: Als Nächste zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Weigers­torfer. – Bitte.

 


10.51.18

Abgeordnete Ulrike Weigerstorfer (STRONACH): Frau Präsidentin! Herr Minister! Wer­tes Hohes Haus! Wir alle wissen, dass Sport gesellschaftlich unheimlich wichtig ist, und wir alle wissen, dass der Sport ohne Unterstützung aus der Wirtschaft und vor allem auch aus der Politik sehr schwer überleben kann.

Jetzt soll mit diesem neuen Bundes-Sportförderungsgesetz eine umfassende Reform der Sportförderung auf den Weg gebracht werden – insoweit ist das gut. Ich darf auch die gut gemeinten Worte des Herrn Ministers aus einem Interview vom 2. Juni erwäh­nen, der klarstellte, dass er mit diesem Gesetz endlich Licht ins Dickicht des Förder­dschungels bringen möchte und dieses Gesetz für mehr Effizienz, Transparenz und Nach­haltigkeit sorgen soll. Der Sportler sollte wieder in den Mittelpunkt kommen.

Das heißt, wir sehen schon, dass es durch dieses „wieder“ auch ein bisschen eine Klar­stellung war, dass das offensichtlich nicht immer so war. Jetzt nehme ich das einmal sehr positiv und sage, dass der Herr Minister da tatsächlich etwas ändern will. Die Fra­ge ist, ob es mit diesem Gesetz auch gelungen ist. Viele Vorredner haben es schon ge­sagt, und ich muss mich leider auch anschließen und in die gleiche Kerbe schlagen: Ich denke nicht, dass mit diesem neuen Gesetz wirklich die Mittel zum Endverbraucher, zum Sportler kommen, sondern wieder sehr viele Dinge am Weg dorthin verlorengehen. Das sind Dinge, die jetzt nicht nur die Oppositionsparteien hinterfragen, sondern auch der Rechnungshof hat diesbezüglich auch schon mehrfach aufgezeigt.

Drei Punkte möchte ich explizit herausnehmen, die ich in der Umsetzung sehr, sehr falsch finde, dass nämlich nach wie vor der Fördergeber der Fördernehmer ist. Da ist


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 52

einfach ein inakzeptabler Missstand vorhanden. Ähnliches gilt auch für die Zusammen­setzung der Kommissionen, nämlich aus je zwei Vertretern aus den Ministerien und je vier Vertretern aus der BSO mit einem Beschlussquorum von zwei Dritteln. Da weiß jeder, dass es natürlich eher sehr schwierig sein wird, optimal zu agieren.

Auch die Zusammenlegung von Grund- und Projektförderung schafft nach wie vor In­transparenz. Der für mich persönlich wichtigste Punkt ist aber, warum mit diesem Ge­setz nicht endlich die Sportförderdatenbank mitimplementiert worden ist. Das ist eine Da­tenbank, die bereits seit 2013 im Bundes-Sportförderungsgesetz gesetzlich festgelegt ist. Man hätte jetzt wirklich die Möglichkeit nützen können, mit diesem BundesSportför­derungsgesetz auch die rechtliche Grundlage für diese so wichtige Transparenzdaten­bank zu schaffen. Das ist eigentlich persönlich mein größter Kritikpunkt.

Die anderen Kritikpunkte, fürchte ich, wird man auch nicht wegdiskutieren können. Das ist schade, weil letztendlich der Sport, jeder einzelne Sportler der Verlierer sein wird, und das finde ich nicht richtig und nicht gut. Indirekt sehe ich ja auch durch Sie, Herr Minister, die Bestätigung, dass Sie selber noch nicht zufrieden sind. Die Frage ist, wa­rum man dann das Gesetz so verabschiedet.

Bitte noch einmal zurück zur Schulbank, hier nachschärfen und dann ein Gesetz ins Parlament bringen, das auch sicher mehrheitlich mitgetragen wird, damit wirklich der Sport der Gewinner ist! – Danke schön. (Beifall beim Team Stronach.)

10.55


Präsidentin Doris Bures: Als Nächster zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Ertlschwei­ger. – Bitte.

 


10.55.21

Abgeordneter Rouven Ertlschweiger, MSc (ÖVP): Frau Präsidentin! Werter Herr Bun­desminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Her­ren! Der ehemalige Generalstaatsanwalt von Kalifornien, Earl Warren hat einmal gesagt: Ich lese die Sportseite in der Zeitung immer zuerst, denn sie verzeichnet menschliche Höchstleistungen. Auf den ersten Seiten findet man nur die Fehlleistungen. – Zitatende. Das stimmt im Falle des Bundes-Sportförderungsgesetzes nicht.

Meine Damen und Herren! Für mich ist das Bundes-Sportförderungsgesetz eigentlich ein Paradebeispiel dafür, wie politische Prozesse de facto ablaufen sollten, nämlich sachlich, fair, im gegenseitigen Respekt und vor allem zielorientiert. Alle betroffenen Or­ganisationen und Gruppierungen wurden im Vorfeld eingebunden, haben wertvolle Bei­träge und auch Sichtweisen eingebracht. Natürlich kann man es nicht jedem recht ma­chen, und auch Kritik ist, sofern sie sachlich vorgetragen wird, immer angebracht und wichtig. In dem Fall ist sie meiner Meinung nach nicht ganz gerecht, denn dieses Bun­des-Sportförderungsgesetz ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wir sind sicher noch nicht am Ende angekommen.

Auch beim Sicherheitspolizeigesetz wird es Novellierungen geben, bei der Straßenver­kehrsordnung wird es Novellierungen geben, ganz einfach deswegen, weil sich die Welt weiterentwickelt und auch immer wieder Adaptierungen notwendig sind.

Die Schwerpunkte des Bundes-Sportförderungsgesetzes wurden heute schon mehrfach erwähnt. Mehrgleisigkeiten werden abgeschafft, es wird eine gemeinnützige GmbH ge­schaffen und es gibt eine One-Stop-Shop-Lösung, an einer Stelle wird alles konzentriert. Summa summarum soll es weniger Bürokratie für die Verbände geben, eine raschere Umsetzung für deren Anliegen, was prinzipiell sehr lobenswert und auch gut ist.

Meine Damen und Herren! Die Förderung des Sports ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, mit diesem Bundes-Sportförderungsgesetz machen wir den Schritt in die rich­tige Richtung. Kritik ist angebracht, nur: Von vornherein immer alles schlechtzureden, ist auch nicht hilfreich.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 53

Deswegen sage ich einmal: Setzen wir es um, packen wir es im Sinne des österrei­chischen Sportes an! Danke an den Herrn Minister und an unsere Fraktion, an Johannes Rauch, der das wirklich sehr gut verhandelt hat. – Danke schön. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

10.57


Präsidentin Doris Bures: Als Nächster zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Ing. Hö­bart. – Bitte.

 


10.57.51

Abgeordneter Ing. Christian Höbart (FPÖ): Sehr geehrter Herr Minister! Werte Kolle­ginnen und Kollegen! Hohes Haus! Gleich vorweg möchte ich eine FPÖ-Bezirksgruppe bei uns auf der Galerie begrüßen, nämlich die Bezirksgruppe Geidorf, FPÖ-Graz, und den Seniorenring der Stadt Graz. Herzlich willkommen hier im Hohen Haus! (Beifall bei der FPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Sehr geehrte Damen und Herren! Jetzt zum neuen Bundes-Sportförderungsgesetz. Was wir da in den letzten Minuten gerade von roter und schwarzer Seite zu hören be­kommen haben, ist ja genau der Hintergrund, warum in dieser Republik nichts mehr wei­tergeht. Apparatschiks regieren diese Republik! Man hat von keinem Abgeordneten – und ich muss ganz offen sagen, auch von Ihnen, Herr Minister, nicht – gehört, dass es um die Sportler geht, sondern wir haben nur von Dachverbänden gehört, vom Verband hier, von der Bundes-Sportorganisation da, wie dieser Gesetzwerdungsprozess ent­standen ist. Es hat sich einmal mehr bewiesen, dass es Rot und Schwarz nur um eines geht, nämlich um Packelei. Das ist auch der Hintergrund bei diesem neuen oder an­geblich neuen Bundes-Sportförderungsgesetz. (Beifall bei der FPÖ. – Ruf bei der ÖVP: Das haben wir gestern bei Rot und Blau gehabt!)

Meine Kollegin Petra Steger wurde hier kritisiert. Sehr geehrte Damen und Herren, Pet­ra Steger ist die einzige Spitzensportlerin in diesem Hohen Haus, und sie versteht et­was von der Sache. Man hätte sehr wohl genau auf meine Kollegin hören können, statt dass man nur versucht, den eigenen Beton anzurühren. Gerade dann stehen da immer wieder Abgeordnete, die genau in diesem Beton auch einbetoniert sind, Herr Kollege Krist, zum Beispiel, als Präsident des ASKÖ. (Beifall bei der FPÖ.) Ihnen geht es in Wirklichkeit immer nur um den eigenen Verband, das ist das Allerwichtigste. Das ist für Sie, Herr Krist, das Allerwichtigste (Abg. Krist: 4 000 Vereine!): Beton anrühren und dass alles so bleibt, wie es ist! Ich kann es ja auch inhaltlich begründen. (Abg. Krist: Alle eh­renamtlich!) – Ja, ja, ehrenamtlich. Wir kennen das eh von roter und schwarzer Seite.

Gehen wir einmal inhaltlich auf das neue Bundes-Sportförderungsgesetz ein. (Zwischen­ruf des Abg. Matznetter.) Es wird hier eine Bundes Sport ... (Abg. Matznetter: Was ist mit Hellas-Kagran? – Abg. Neubauer: Was ist mit Rapid, die kriegen Millionen!) – Frau Präsidentin, das ist gerade ein bisschen unangenehm.

Es wird jetzt eine Bundes Sport GmbH eingerichtet, bei der letztendlich der Bundesmi­nister ein Weisungsrecht hat und die eine 100-prozentige Tochter des Bundes ist. Wo, Herr Minister, findet da Entpolitisierung statt? – Es gibt keine Entpolitisierung! Und in Wirklichkeit wissen wir schon, wer die Geschäftsführer dieser Bundes Sport GmbH wer­den sollen. Ich möchte jetzt keine Namen nennen, auch die kursieren bereits (Zwischen­ruf des Abg. Matznetter), aber dreimal darf das Publikum raten, wer die Geschäftsfüh­rer dieser Bundes Sport GmbH werden sollen – mit Sicherheit ein Roter und ein Schwar­zer!

Sehr geehrte Damen und Herren! Wir fragen uns, warum es Neuwahlen gibt. – Bleibt doch beieinander, führt die Republik weiterhin so schlecht wie bisher, dann werdet ihr nämlich von der Bevölkerung bei den nächsten Wahlen wirklich vertrieben werden von der politischen Macht, wie man so schön sagt! (Zwischenruf des Abg. Matznetter.)


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 54

Aber das ist doch in Wirklichkeit der einzige Hintergrund, das hält euch zusammen: die Macht, die Funktionäre, die Apparatschiks. Das ist genau der Hintergrund, genau das, wofür dieses Bundes-Sportförderungsgesetz Neu sein soll: zum Einbetonieren der ei­genen Macht. Die Funktionärsstrukturen werden so beibehalten wie bisher, zwar in ei­ner neuen GmbH, aber, wie gesagt, mit Weisungsrecht des Bundesministers und als 100-prozentige Tochter des Bundes. Hier gibt es keinerlei Neuerungen! (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Matznetter: Warum haben Sie dann Martin Graf bei Hellas-Kagran ...? – Zwischenrufe bei der FPÖ.)

11.01


Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Antoni. – Bitte.

 


11.01.29

Abgeordneter Konrad Antoni (SPÖ): Sehr geschätzte Frau Präsidentin! Herr Bundes­minister! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Ein Wort zu meinem Vorredner: Eigentlich müssten wir ja Danke sagen, denn je populistischer hier die Kritik vorgetra­gen wird, desto mehr haben wir die Gewissheit, dass wir heute hier ein sehr, sehr gu­tes Sportförderungsgesetz diskutieren. (Beifall bei der SPÖ.)

Geschätzte Damen und Herren! Ein wesentlicher Punkt, warum ich, warum wir diesem Gesetz unsere Zustimmung geben, ist: Am Ende des Tages muss mit diesem Sportför­derungsgesetz die Förderung bei der Sportlerin, beim Sportler ankommen. Es müssen bessere Bedingungen für den Zugang zum Sport ermöglicht werden. (Präsident Kopf übernimmt den Vorsitz.)

Ein besserer Zugang zum Sport wäre zum Beispiel die Möglichkeit, wohnortnahe, in den Schulen, aber zumindest in der Region Sport auszuüben. Ich denke, nur so können wir gute Sportlerinnen und Sportler entdecken, nur so können wir Sportlerinnen und Sportler fördern, fordern und deren Leistungswillen auch massiv unterstützen, denn wir alle ken­nen die Entwicklung der heutigen, sagen wir, digitalen Gesellschaft und deren Auswir­kungen, nämlich den vorhandenen Mangel an Bewegung, speziell bei den jungen Men­schen. Wir brauchen daher ein breites Angebot im Sport und im Bereich der Bewegungs­möglichkeiten. Ein solches Angebot ist in meinen Augen wirklich essenziell und wichtig für die Bevölkerung, und es ist notwendig, dieses in den Fokus zu bringen. Und genau deshalb ist es wichtig, dass die Sportverbände und die Vereine gut aufgestellt sind, dass sie möglichst unbürokratisch und transparent gefördert werden, weil sie auch in den Re­gionen und Gemeinden immer ein wesentlicher Bestandteil im Bereich des Sports wa­ren und sind.

Es ist daher wichtig, dass die Förderungen für die Verbände auf solide Beine gestellt werden. Das ist aus unserer Sicht sehr, sehr gut gelungen, denn – seien wir einmal ehr­lich! – was nützen uns Förderungen, wenn diese Förderungen nicht abgeholt werden, weil die Förder- und Abrechnungsrichtlinien nicht mehr zeitgemäß sind? Das heißt, die Fördermodalitäten werden so vereinfacht, dass die Förderungen künftig zielgerichtet bei den Sportlerinnen und den Sportlern ankommen – das muss und wird das oberste Ziel sein.

Ich darf abschließend ein sehr, sehr herzliches Danke an meinen Kollegen Hermann Krist für die Konsequenz in den Verhandlungen aussprechen. Ich bedanke mich sehr herzlich bei Herrn Bundesminister Doskozil und bei all jenen, die daran mitgewirkt ha­ben, dass wir dieses Bundes-Sportförderungsgesetz heute beschließen können. – Dan­ke. (Beifall bei der SPÖ sowie der Abg. Diesner-Wais.)

11.04


Präsident Karlheinz Kopf: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Doppler. – Bitte.

 


11.04.23

Abgeordneter Rupert Doppler (ohne Klubzugehörigkeit)|: Herr Präsident! Herr Minis­ter! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich darf zuerst allen Sportfunktio-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 55

närinnen und Sportfunktionären ein Dankeschön für ihre hervorragende Arbeit, die sie leisten, aussprechen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Sportförderung soll auf neue Beine ge­stellt werden. Die heimische Sportförderung wird also nach der Reform von 2013 er­neut auf neue Beine gestellt oder soll auf neue Beine gestellt werden, geht es nach der ÖVP und nach der SPÖ. Die Fördertöpfe kommen in Zukunft in eine Hand, um eine mögliche Doppelförderung abzustellen.

Gebündelt werden sollen die Fördervergaben in einer neu zu schaffenden GesmbH. Eine neue Sport GesmbH und noch eine GesmbH, eine Tochtergesellschaft der ersten GesmbH – hier werden die Bürokratie und die Verwaltung noch einmal so richtig aufge­bläht.

Das Geld, meine sehr geehrten Damen und Herren, soll zu den Sportlern, zu den Athle­ten, zu der Jugend und dem Nachwuchs gehen und nicht in die Verwaltung. Ausbe­zahlt soll in Zukunft vermehrt nach Leistung, nach Leistungskriterien werden. Der För­derzeitraum wird auf vier Jahre verlängert.

Ich glaube, meine Damen und Herren, mit diesen Maßnahmen kommt das Geld nicht dort an, wohin es gehört, nämlich zu den Sportlerinnen und Sportlern, sondern es ver­sickert in der Bürokratie und in der Verwaltung. Deshalb ist diese Vorgangsweise nicht in Ordnung. – Danke. (Beifall bei Abgeordneten von FPÖ und Team Stronach.)

11.06


Präsident Karlheinz Kopf: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Jank. – Bitte.

 


11.06.05

Abgeordnete Brigitte Jank (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Mein kleingeistiger Kollege vom Regierungspartner hat bei der Aufzählung der Behindertensportorganisationen in diesem Land den Österreichi­schen Behindertensportverband vergessen, was ich allerdings gerne nachhole.

Herr Bundesminister, herzlichen Dank dafür, dass Sie für die Behindertensportverbän­de hier in Österreich eine ausreichende Basisfinanzierung sichergestellt haben. Dies er­möglicht uns neben den für uns natürlich weiterhin notwendigen Spenden- und Sponso­rengeldern, unserer Arbeit gerecht zu werden!

Es ist mehr als schwierig, im Behindertensport der Aufgabe gerecht zu werden, und es bedarf einer Unzahl an ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Beschaf­fung der Geräte ist oft mit sehr viel Aufwand verbunden. Wir entwickeln zurzeit gerade eine neue Sportart, den E-Rolli Fußball, die vor allem auch Schwerstbehinderten die Mög­lichkeit gibt, sportlich tätig zu sein. Der E-Rolli, ein spezieller Rollstuhl, mit dem man die­sen Sport ausüben kann, kostet 10 000 €. Damit auch wirklich eine Mannschaft zustan­de kommen kann, braucht es mehrere solcher Geräte. Sie können sich jetzt vielleicht ei­ne Vorstellung davon machen, was es bedeutet, Behindertensport zu betreiben. Aber nichts ist wichtiger als das, weil das für viele Menschen der Weg zurück ist, wenn sie zum Beispiel nach einem Unfall oder aufgrund einer Erkrankung behindert sind – der Weg zurück in die Normalität des Lebens.

Ich bedanke mich daher bei allen Funktionärinnen und Funktionären, die hier tätig sind. Ich bedanke mich für die vielen unbezahlten Stunden, die dafür aufgewendet werden, dass wir auch Staatsmeisterschaften ausrichten können – vergangene Woche die Tisch­tennisstaatsmeisterschaft, nächste Woche die Leichtathletikstaatsmeisterschaft –, die notwendig sind, damit sich unsere Sportler qualifizieren können: zur Teilnahme an Eu­ropameisterschaften, an Weltmeisterschaften und bei den Paralympischen Spielen. Und


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 56

dass sie dabei erfolgreich sind, das zeigen die Ergebnisse der letzten Paralympischen Sommerspiele: eine Gold-, vier Silber-, vier Bronzemedaillen. – Danke. (Beifall bei der ÖVP.)

11.08

11.08.28

 


Präsident Karlheinz Kopf: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Wir kommen zur Abstimmung. (Abg. Gerhard Schmid spricht mit den Bediensteten auf dem Präsidium.) – Herr Kollege Schmid, würden Sie bitte auch an der Abstimmung teil­nehmen? (Abg. Gerhard Schmid begibt sich zu seinem Sitzplatz.)

Wir kommen zur Abstimmung.

Abstimmung über den Antrag der Abgeordneten Steger, den Gegenstand an den Aus­schuss für Sportangelegenheiten rückzuverweisen.

Ich bitte jene Damen und Herren, die diesem Antrag zustimmen, um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit. Abgelehnt.

In diesem Falle kommen wir zur Abstimmung über den Gesetzentwurf samt Titel und Eingang in 1744 der Beilagen.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dem ihre Zustimmung geben wollen, um ein Zei­chen. – Das ist mit Mehrheit angenommen.

Wir kommen sogleich zur dritten Lesung.

Wer stimmt auch in dritter Lesung zu? – Das ist wiederum die Mehrheit. Somit ist der Gesetzentwurf auch in dritter Lesung angenommen.

11.09.572. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2170/A der Abgeordneten Dr. Chris­toph Matznetter, Peter Haubner, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bun­desgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988 (EstG 1988) geändert wird (1721 d.B.)

3. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2231/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Dietmar Keck, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Körperschaft­steuergesetz 1988, das Stiftungseingangssteuergesetz, das Aktiengesetz und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz geändert sowie aktienrechtliche Son­derregelungen über die planmäßige Abgabe von Aktien einer Arbeitgebergesell­schaft erlassen werden (Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsgesetz 2017 – Mitarbei­terBetStG 2017) (1722 d.B.)

4. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2237/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Körperschaft­steuergesetz 1988, das Umsatzsteuergesetz 1994 und das Alternative Investment-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 57

fonds Manager-Gesetz geändert werden (Mittelstandsfinanzierungsgesellschaf­tengesetz 2017 – MiFiGG 2017) (1723 d.B.)

5. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2238/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Tabaksteuergesetz 1995 und das Tabakmono­polgesetz 1996 geändert werden (1724 d.B.)

6. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2239/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Normverbrauchsabgabegesetz geändert wird (1729 d.B.)

7. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1663 d.B.): Verein­barung gemäß Art. 15a B-VG über die Erprobung des Bildungskompasses im Land Oberösterreich im Kindergartenjahr 2017/18 (1731 d.B.)

 


Präsident Karlheinz Kopf: Wir kommen nun zu den Punkten 2 bis 7 der Tagesord­nung, über welche die Debatte unter einem durchgeführt wird.

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Erste Rednerin: Frau Abgeordnete Lichtenecker. – Bitte.

 


11.11.44

Abgeordnete Dr. Ruperta Lichtenecker (Grüne): Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Werte Damen und Herren! Ein wesentlicher Punkt, der jetzt hier beschlossen werden soll, ist die Erhöhung der Forschungsprämie. Österreich hat ein bewährtes Sys­tem an direkter und indirekter Forschungsförderung, und bei der indirekten Forschungs­förderung, der Forschungsprämie, ist bereits in den letzten Jahren eine 50-prozentige Er­höhung erfolgt.

Es ist keine Frage, die Forschung ist für uns ein ganz wichtiger und zentraler Punkt, um entsprechende Lösungen für und Antworten auf die großen Herausforderungen un­serer Zeit zu finden, sei das der Klimawandel, seien das so große Themen wie die digi­tale Entwicklung. Und es ist selbstverständlich wichtig, die Forschung, sowohl die Grund­lagenforschung als auch die angewandte Forschung, massiv zu forcieren, um den Wis­sensstandort und den Wirtschaftsstandort Österreich entsprechend zu stärken; das be­deutet natürlich auch Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen.

Ja, die Forschungsprämie wurde in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent erhöht. Und jetzt steht die nächste Erhöhung, so beabsichtigen das ÖVP und SPÖ, ante portas. Es gibt keine Expertise, es gibt keine wissenschaftliche Grundlage und keine Evaluierung, die de facto ausführt, dass wir diese Forschungsprämie wieder in dieser undifferenzier­ten Form erhöhen sollen.

Ich glaube, dass es längst an der Zeit ist, hier eine intelligente Differenzierung vorzu­nehmen; eine Differenzierung, die de facto den kleinen und mittelständischen Unterneh­mungen zugute kommt, die die Start-ups unterstützt, besser in die Forschungsschiene zu kommen, und selbstverständlich auch die entsprechenden Kooperationen der klei-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 58

nen und mittelständischen Unternehmungen mit den größeren unterstützt. Es ist ganz wesentlich, auch einen Fokus auf die verschiedenen Zukunftsfelder zu legen, so bei­spielsweise auf die Energie- und Umwelttechnik, auf das Thema Cybersicherheit.

Das alles sind Gründe dafür, dass wir einen entsprechenden Antrag zu dieser intelli­genten Differenzierung der Forschungsprämie einbringen, den ich jetzt verlese:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Ruperta Lichtenecker, Kolleginnen und Kollegen zum Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2170/A der Abgeordneten Dr. Christoph Matznet­ter, Peter Haubner, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988 (EStG 1988) geändert wird (1721 d.B.)

Antrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

Der Antrag 2170/A der Abgeordneten Dr. Christoph Matznetter, Peter Haubner, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuer­gesetz 1988 (EStG 1988) geändert wird, in der Fassung des Berichtes des Finanzaus­schusses (1721 d.B.) wird wie folgt geändert:

1. Z1 lautet:

„1. In § 108c wird nach Absatz (9) folgender Absatz (10) angefügt:

‚(10) Die Forschungsprämie nach Absatz 1 beträgt unter den folgenden Voraussetzun­gen 18% der prämienbegünstigten Forschungsaufwendungen (-ausgaben):

1. für Unternehmen, die die Prämie erstmals geltend machen bzw. während der letzten fünf Jahre nicht geltend gemacht haben; oder

2. für prämienbegünstigte Forschungsaufwendungen (-ausgaben) in Zusammenhang mit Umwelttechnik, Energietechnik, Ressourcenmanagement, und/oder Cybersicherheit; oder

3. für prämienbegünstigte Forschungsaufwendungen (-ausgaben) in Zusammenhang mit Kooperationsprojekten zwischen mindestens einem Klein- und Mittelunternehmen gemäß Definition der Empfehlung der Kommission vom 6. Mai 2003 (K(2003) 1422) ei­nerseits und mindestens einem Großunternehmen andererseits.‘ “

2. Z2 lautet:

„2. In § 124b wird nach Z 322 folgende Ziffer 323 angefügt:

‚323. § 108c Abs. 10 ist anzuwenden

a) für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2017 beginnen sowie für

b) ein abweichendes Wirtschaftsjahr 2017/2018. Dabei ist die Bemessungsgrundlage li­near den Kalendermonaten des Jahres 2017 und 2018 zuzuordnen. Auf den Anteil der Bemessungsgrundlage, der auf das Kalenderjahr 2018 entfällt, ist der Prämiensatz von 18% anzuwenden.‘ “

*****

Die intelligente Differenzierung bedeutet nichts anderes, als dass wir genau diese klei­nen und mittelständischen Unternehmungen, die Start-ups, die zentralen Forschungs­bereiche wie Energie, Umwelttechnik, Ressourcenmanagement und Cybersicherheit in


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 59

dieser Form wesentlich mehr und fokussiert fördern, nämlich mit 18 Prozent im Vergleich zu den derzeitigen 12 Prozent. Und wir sind davon überzeugt, dass das ein guter, ein gangbarer und kluger Weg ist, und so sehen das auch viele Expertinnen und Experten in der Innovationslandschaft, in der Forschungslandschaft. Insofern richte ich das Ersu­chen an Sie, diesen unseren Antrag heute zu unterstützen. (Beifall bei den Grünen.)

11.16


Präsident Karlheinz Kopf: Der von Frau Abgeordneter Lichtenecker eingebrachte Ab­änderungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Ruperta Lichtenecker, Freundinnen und Freunde zum Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2170/A der Abgeordneten Dr. Christoph Matznet­ter, Peter Haubner, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988 (EStG 1988) geändert wird (1721 d.B.)

Antrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

Der Antrag 2170/A der Abgeordneten Dr. Christoph Matznetter, Peter Haubner, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuerge­setz 1988 (EStG 1988) geändert wird, in der Fassung des Berichtes des Finanzaus­schusses (1721 d.B.) wird wie folgt geändert:

1. Z1 lautet:

„1. In § 108c wird nach Absatz (9) folgender Absatz (10) angefügt:

‚(10) Die Forschungsprämie nach Absatz 1 beträgt unter den folgenden Voraussetzun­gen 18% der prämienbegünstigten Forschungsaufwendungen (-ausgaben):

1. für Unternehmen, die die Prämie erstmals geltend machen bzw. während der letzten fünf Jahre nicht geltend gemacht haben; oder

2. für prämienbegünstigte Forschungsaufwendungen (-ausgaben) in Zusammenhang mit Umwelttechnik, Energietechnik, Ressourcenmanagement, und/oder Cybersicherheit; oder

3. für prämienbegünstigte Forschungsaufwendungen (-ausgaben) in Zusammenhang mit Kooperationsprojekten zwischen mindestens einem Klein- und Mittelunternehmen gemäß Definition der Empfehlung der Kommission vom 6. Mai 2003 (K(2003) 1422) einerseits und mindestens einem Großunternehmen andererseits.‘ “

2. Z2 lautet:

„2. In § 124b wird nach Z 322 folgende Ziffer 323 angefügt:

‚323. § 108c Abs. 10 ist anzuwenden

a) für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2017 beginnen sowie für

b) ein abweichendes Wirtschaftsjahr 2017/2018. Dabei ist die Bemessungsgrundlage li­near den Kalendermonaten des Jahres 2017 und 2018 zuzuordnen. Auf den Anteil der Bemessungsgrundlage, der auf das Kalenderjahr 2018 entfällt, ist der Prämiensatz von 18% anzuwenden.‘ “


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 60

Begründung

Die Forschungsprämie ist ein wichtiger und zentraler Bestandteil der österreichischen Forschungsförderlandschaft.

In den letzten fünf Jahren wurde diese bereits um 50 Prozent erhöht. Zuletzt erfolgte eine Erhöhung im Jahr 2016.

Die Ergebnisse der Evaluierung der Forschungsprämie ergeben ein differenziertes Bild: es zeigt sich, dass vor allem Großunternehmen profitieren – so erhalten die zehn größ­ten Unternehmen rund ein Drittel der Gesamtförderungen, während Kleinunternehmen nur rund 2 Prozent der Gesamtmittel erhalten.

Die Studie kommt weiters zum Schluss, dass die Forschungsprämie kaum Anreize für zusätzliche F&E Aktivitäten von Unternehmen setzt, die bisher wenig oder gar keine For­schung betreiben.

Gerade vor dem Hintergrund von Automatisierung und Digitalisierung stehen vor allem auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen vor großen Herausforderungen. F&E sind dabei zentrale Triebfedern, um die Betriebe in ihrer Innovationskraft zu stär­ken und damit Arbeitsplätze in Österreich zu schaffen und zu sichern.

Aus Sicht der Antragstellerin ist es auf Grund der Ergebnisse der Evaluierung der For­schungsprämie daher angebracht, an Stelle einer globalen Erhöhung, die mit ge­schätzten Mehrkosten von € 120 Millionen jährlich verbunden wäre, eine zielgerichtete Erhöhung zu implementieren.

Damit soll mehreren Zielen Rechnung getragen werden:

- einerseits sollen vor allem Zukunftsbrachen mit hoher Wachstumsdynamik, hoher volks­wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz und hohem Beschäftigungspotential ge­fördert werden, wie Umwelttechnik, Ressourcenmanagement, Energietechnik und Cyber­sicherheit

- andererseits sollen innovative Klein- und Mittelbetriebe, die bisher in relativ geringem Ausmaß von der Forschungsprämie profitieren, verstärkt gefördert werden: dies soll ei­nerseits durch eine verstärkte Förderung von Kooperationsprojekten zwischen KMUs und Großbetrieben, andererseits durch eine verstärkte Förderung bei erstmaliger Inanspruch­nahme der Forschungsprämie erreicht werden.

Durch diese Maßnahmen soll es auch für KMUs attraktiver werden, in Forschung und Entwicklung zu investieren.

*****

 


Präsident Karlheinz Kopf: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Mag. Groiß. – Bitte.

 


11.16.43

Abgeordneter Ing. Mag. Werner Groiß (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Mi­nister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer! Der heutige Tag ist der Wirtschaft gewidmet. Wir beschließen heute eine Vielzahl von Gesetzen, die den Standort Österreich stärken, die für den Standort Österreich wichtig sind. Ne­ben Gewerbeordnung, Berufsgesetzen, Sozialgesetzen und der Absicherung der klei­nen Energieversorger schlagen wir auch im Finanzbereich Pflöcke für die Wirtschaft ein.

Wie bereits von der Kollegin angesprochen, erhöhen wir die Forschungsförderung von 12 auf 14 Prozent. Damit wird der Standort Österreich für internationale Forschung we­sentlich attraktiver und es kommt noch mehr Know-how nach Österreich.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 61

Wir unterstützen die Großbetriebe und deren Mitarbeiter durch das Mitarbeiterbeteili­gungsstiftungsgesetz. Durch dieses Gesetz wird steuerlich begünstigt ermöglicht, dass ein Kernaktionär geschaffen wird, dass feindliche Übernahmen verhindert werden und dass die Mitarbeiter auch zum unternehmerischen Denken geführt werden, da sie Teil des Unternehmens sind.

Wir haben hier aber auch schon vernünftige funktionierende Belegschaftsstiftungen, und diese würden nach dem vorliegenden Antrag noch nicht begünstigt werden. Daher brin­ge ich folgenden Antrag ein:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen

zum Antrag 2231/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Dietmar Keck, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuerge­setz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Stiftungseingangssteuergesetz, das Aktiengesetz und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz geändert sowie aktien­rechtliche Sonderregelungen über die planmäßige Abgabe von Aktien einer Arbeitge­bergesellschaft erlassen werden (Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsgesetz 2017 – Mitar­beiterBetStG 2017), in der Fassung des Ausschussberichtes (1722 d.B.)

Der Nationalrat wolle in 2. Lesung beschließen:

Der oben genannte Gesetzestext wird wie folgt geändert:

I. Artikel 1 (Änderung des Einkommenssteuergesetzes 1988) wird wie folgt geändert:

1. Z 5 lit. c lautet:

„c) In Z 8 wird die Wortfolge ‚Privatstiftung im Sinne des § 4 Abs. 11 Z 1 lit. c bis zu ei­nem Betrag von 1 460 Euro [20.000 S] jährlich‘ durch die Wortfolge ‚Belegschaftsbetei­ligungsstiftung im Sinne des § 4d Abs. 3 bis zu einem Betrag von 4 500 € jährlich‘ er­setzt.“

2. Z 6 lautet:

„6. In § 27 Abs. 5 Z 7 zweiter Teilstrich wird die Wortfolge ‚Privatstiftungen im Sinne des § 4 Abs. 11 Z 1 bis zu einem Betrag von 1 460 Euro jährlich‘ durch die Wortfolge ‚Belegschaftsbeteiligungsstiftungen im Sinne des § 4d Abs. 3 bis zu einem Betrag von 4 500 Euro jährlich‘ ersetzt.“

II. Artikel 2 (Änderung des Körperschaftsteuergesetzes 1988) wird wie folgt geändert:

In Z 2 wird der Betrag „1 460 Euro“ durch den Betrag „4 500 Euro“ ersetzt.

*****

Weiters beschließen wir das Mittelstandsfinanzierungsgesellschaftengesetz. Das be­deutet auf der einen Seite die Unterstützung der Großbetriebe, auf der anderen Seite aber auch, dass mittelständische Unternehmen leichter die Möglichkeit haben, Eigen­kapital zu bekommen, sprich, dass es Beteiligungsmöglichkeiten gibt, speziell im Wachs­tum und in der Gründungsphase. Es wird angeregt, dass potenzielle Investoren leichter Geld in Österreich anlegen können und in diese MiFiGs, aber auch in andere Fonds investieren. Innerhalb der MiFiGs werden Ausschüttungen bis 15 000 € steuerfrei ge­stellt.

Aber auch der Antrag zur Tabaksteuer und zum Tabakmonopolgesetz hilft dem Wirt­schaftsstandort Österreich. Er hilft, dass die kleinen Trafikanten überleben können, dass


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 62

die Versorgungssicherheit da ist, dass die Nahversorgung sichergestellt ist. Durch die Erhöhung der Mindesthandelsspanne ist das für das nächste Jahr sichergestellt.

Last but not least: Auch die Änderung in der Normverbrauchsabgabe zeigt, dass uns der Wirtschaftsstandort wichtig ist, denn eine Veränderung in der Verwaltung der EU würde einen Mehraufwand bei den Kastenwagen bedeuten, dem wir hier entgegentre­ten.

Es werden heute wahrscheinlich viele Anträge eingebracht. Das wurde uns gestern schon mitgeteilt, dass man an uns herantreten wird in Bezug auf die vorliegenden Ge­setzentwürfe mit Wünschen, sei es in Bezug auf die kalte Progression, auf die Valori­sierung und auf viele andere Punkte, sodass wir dementsprechend mitstimmen können. Ich danke für diese Anträge, denn das zeigt, dass unsere Anträge, die wir in den letz­ten Jahren und in letzter Zeit ausgearbeitet haben, mehrheitsfähig sind. Doch ein guter Wirtschaftsstandort braucht auch Rechtssicherheit, Verlässlichkeit und Handschlagqua­lität. Daher wollen wir uns an das halten, was wir ausgemacht haben, und gemeinsam mit unserem Koalitionspartner die Themen ausarbeiten und zur Abstimmung bringen. Es freut mich aber, dass wir diese Anträge aufnehmen und ab dem 15. Oktober in neue Re­gierungsverhandlungen mitnehmen können.

Ich danke, dass wir heute so viel zum Wirtschaftsstandort und zur Finanzpolitik beitra­gen und viel für Wirtschaft und Arbeitsplätze tun können. Ich bitte daher um große Zu­stimmung für diese Gesetzesinitiativen. – Danke. (Beifall bei der ÖVP.)

11.21


Präsident Karlheinz Kopf: Der von Herrn Abgeordnetem Groiß eingebrachte Abände­rungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Mag. Werner Groiß, Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen

zum Antrag 2231/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Dietmar Keck, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuerge­setz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Stiftungseingangssteuergesetz, das Aktiengesetz und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz geändert sowie aktien­rechtliche Sonderregelungen über die planmäßige Abgabe von Aktien einer Arbeitgeber­gesellschaft erlassen werden (Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsgesetz 2017 – Mitarbei­terBetStG 2017), in der Fassung des Ausschussberichtes (1722 d.B.)

Der Nationalrat wolle in 2. Lesung beschließen:

Der oben genannte Gesetzestext wird wie folgt geändert:

I. Artikel 1 (Änderung des Einkommenssteuergesetzes 1988) wird wie folgt geändert:

1. Z 5 lit. c lautet:

„c) In Z 8 wird die Wortfolge „Privatstiftung im Sinne des § 4 Abs. 11 Z 1 lit. c bis zu ei­nem Betrag von 1 460 Euro [20.000 S] jährlich" durch die Wortfolge „Belegschaftsbetei­ligungsstiftung im Sinne des § 4d Abs. 3 bis zu einem Betrag von 4 500 € jährlich" er­setzt.“

2. Z 6 lautet:

„6. In § 27 Abs. 5 Z 7 zweiter Teilstrich wird die Wortfolge "Privatstiftungen im Sinne des § 4 Abs. 11 Z 1 bis zu einem Betrag von 1.460 Euro jährlich“ durch die Wortfolge „Belegschaftsbeteiligungsstiftungen im Sinne des § 4d Abs. 3 bis zu einem Betrag von 4 500 Euro jährlich" ersetzt.“


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 63

II. Artikel 2 (Änderung des Körperschaftsteuergesetzes 1988) wird wie folgt geändert:

In Z 2 wird der Betrag „1 460 Euro“ durch den Betrag „4 500 Euro“ ersetzt.

Begründung:

Der vorliegende Gesetzesentwurf zur Schaffung einer zusätzlichen Möglichkeit für die begünstigte Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmen, zur Stärkung der Eigenka­pitalbasis der betroffenen Unternehmen sowie zum Schutz vor feindlichen Übernah­men ist sehr zu begrüßen, da dadurch auch die Mitarbeiterbeteiligungsstiftung als Kern­aktionär gestärkt wird.

Um auch für das bestehende, praxiserprobte Modell der Belegschaftsbeteiligungsstif­tung neue Anreize zu setzen, soll eine betragsmäßig entsprechende Erhöhung vorge­nommen werden, sodass ab 2018 Gewinnanteile bis zu 4.500 € als Einkünfte aus Kapi­talvermögen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergegeben werden können.

*****

 


Präsident Karlheinz Kopf: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Krai­ner. – Bitte.

 


11.22.04

Abgeordneter Kai Jan Krainer (SPÖ): Sehr geschätzter Herr Präsident! Wir beschlie­ßen heute eine Reihe von wichtigen Finanzgesetzen. Kollege Groiß hat schon darauf hingewiesen, wie wir kleinen Trafikanten das Überleben sichern können: durch die Er­höhung der Mindesthandelsspanne, über die Gleichstellung von Belegschaftsstiftungen mit Mitarbeiterstiftungen, durch eine gerechtere und bessere Konzernbesteuerung – al­so durch eine Reihe von wichtigen Gesetzen.

Ich muss Ihnen, Herr Finanzminister, aber ehrlich sagen, vor ein paar Tagen musste ich einmal laut auflachen, als ich in meinem Handy Ihr Foto gesehen habe: Sie wollen der Stadt Wien Nachhilfe geben. – Ich habe geglaubt, ich lese die Tagespresse, und ha­be dann gesehen, dass es ja gar nicht satirisch gemeint ist, sondern dass Sie es an­geblich ernst meinen. Da habe ich mir gedacht, komisch, Ihre Wahlheimat ist ja Nieder­österreich, aber als ein damals noch relativ junger Umweltlandesrat zig Millionen Euro der niederösterreichischen Umweltanstalt verspekuliert hat, habe ich nichts von Ihnen ge­hört, so in dem Sinne, dass Sie sich Sorgen machen oder jemandem Nachhilfe geben wol­len. Als derselbe später und nicht mehr ganz so jung Finanzlandesrat wurde und dort dann Hunderte Millionen Euro nach eigentlich demselben Modell, nämlich an Wohnbau­geldern, verspekuliert hat, habe ich von Ihnen nichts von irgendwelchen Sorgen gehört oder dass Sie irgendjemandem Nachhilfe geben wollen. (Zwischenbemerkung von Bun­desminister Schelling.)

Vor wenigen Tagen ist nun der Rechnungshofbericht aus Niederösterreich gekommen, in dem zu lesen ist, wie Förderungen in Niederösterreich vergeben werden und dass dort drei Viertel der Förderungen nicht einmal dokumentiert sind. Man muss nicht ein­mal ein schriftliches Ansuchen stellen, so in dem Sinne: Ich hätte gerne eine Förderung! Es gibt auch keine Abrechnungen, gar nichts. Da habe ich nicht gehört, dass Sie da je­mandem Nachhilfe geben wollen. (Neuerliche Zwischenbemerkung von Bundesminis­ter Schelling.) – Ja, ich weiß, dass Ihnen das unangenehm ist. (Bundesminister Schel­ling: Nein, überhaupt nicht!) Da habe ich nicht gehört, dass Sie jemandem Nachhilfe ge­ben wollen oder dass Sie sich Sorgen machen würden. (Weitere Zwischenbemerkung von Bundesminister Schelling.)


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Obwohl man sieht, dass zum Beispiel Ihre Wahlheimat, Ihr Wahlbundesland Nieder­österreich die doppelte Pro-Kopf-Verschuldung von Wien hat, habe ich nicht gehört, dass Sie sich Sorgen um Niederösterreich machen oder dergleichen. Ich glaube, das mit der Nachhilfe haben Sie gar nicht ernst gemeint. Das konnten Sie gar nicht ernst ge­meint haben. (Beifall bei der SPÖ.)

Der Verantwortliche für all diese Sachen sitzt jetzt neben Ihnen auf der Regierungsbank. Er ist nicht da, aber sein Sitzplatz ist neben Ihnen. Es handelt sich um den jetzigen In­nenminister Sobotka. Deswegen verstehe ich auch, wieso Sie persönlich keine Nach­hilfe in Wien geben können, da Sie alle Hände voll zu tun haben, Ihrem Nachbarn Nach­hilfe zu geben (Zwischenbemerkung von Bundesminister Schelling), sodass er die Schä­den, die er in Niederösterreich angerichtet hat, nicht jetzt womöglich auf Bundesebene noch einmal verursacht. (Beifall bei der SPÖ. – Bundesminister Schelling: Wir sind ja re­sistent …!) Aber wie? (Neuerliche Zwischenbemerkung von Bundesminister Schelling.) Sie schicken Ihre Beamten nach Wien? Wie soll dieses Gespräch ablaufen?

Sie gehen nach Wien, dort stellt man fest, dass in wenigen Jahren, also nächstes, über­nächstes Jahr, 100 Jahre Rotes Wien gefeiert wird und die Bundesbeamten dort sagen müssen: Liebes Rote Wien, in hundert Jahren sind hier weniger Schulden gemacht wor­den als beim Bund in einem Jahr.

Der Rechnungsabschluss liegt jetzt vor. (Zwischenbemerkung von Bundesminister Schel­ling.) Da sind die Schulden, die Sie in einem Jahr gemacht haben, höher als die des Ro­ten Wien in hundert Jahren. (Zwischenrufe bei ÖVP und FPÖ.) – Und Sie wollen je­mandem Nachhilfe geben? – Ich bitte, das ist doch lächerlich! (Beifall bei der SPÖ.)

Was sollen die Beamten dort sagen? (Anhaltende Rufe und Gegenrufe zwischen ÖVP und SPÖ.) Ihre Beamten müssen sich dort hinstellen und sagen: Blöd, wir haben alles ver­kauft! Die BUWOG-Wohnungen haben wir verkauft, alle unsere Beteiligungen haben wir verkauft, wir haben unser gesamtes Familiensilber verkauft! Und die Wiener haben noch immer die 220 000 Gemeindewohnungen, die haben noch immer 100 Prozent am Ener­gieversorger. Die haben nicht privatisiert, die haben nicht verscherbelt. – Was soll das für ein Gespräch sein? (Abg. Tamandl: Die haben das immer ausgelagert …! – Rufe und Ge­genrufe zwischen FPÖ und SPÖ.)

Zur Schuldenentwicklung: Das, was Wien vor der Krise gemacht hat, ist etwas, was Sie keinen Tag geschafft haben. Die haben nämlich bis vor der Krise Schulden zurückbe­zahlt; und ja, seit der Krise sind die Schulden gestiegen. (Zwischenbemerkung von Bun­desminister Schelling.  Abg. Schieder: Keine Zwischenrufe von der Regierungsbank!) – Aber ganz ehrlich, wenn Sie sich da Sorgen machen: Nur weil einer Ihrer Vorgänger Karl-Heinz Grasser war, heißt das noch lange nicht, dass man sich als Finanzminister alles erlauben kann. Sie können sich persönlich lächerlich machen, aber bitte, Sie haben auch ein Amt inne und Verantwortung für dieses Finanzministerium! Machen Sie das Finanz­ministerium und die Beamten dort nicht auch noch lächerlich! Es ist wirklich zum Schä­men. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Amon: Unerhört! – Ruf bei der ÖVP: Letztklassig!)

11.26


Präsident Karlheinz Kopf: Kollege Krainer, bringt den Entschließungsantrag jemand anderer ein? (Abg. Krainer: Ich habe nicht vorgehabt, einen Entschließungsantrag ein­zubringen!) – Gut.

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Fuchs zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


11.27.06

Abgeordneter MMag. DDr. Hubert Fuchs (FPÖ): Herr Präsident! Herr Finanzminister! Hohes Haus! Werte Zuseherinnen und Zuseher! – Also es ist schon sehr eigenartig, wenn ein Vertreter der SPÖ hier herausgeht und den Finanzminister beflegelt, als ob der Finanzminister die Schulden gemacht hätte. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.) Die Schulden


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hat nicht der Finanzminister gemacht, sondern mit maßgeblicher Unterstützung seitens Ihrer Fraktion, das heißt von Rot und Schwarz, wurden die Schulden fabriziert. (Beifall bei der FPÖ.)

Aber nun zum Thema Mittelstandsfinanzierungsgesellschaftengesetz 2017: Die Neure­gelung des Steuerregimes für Mittelstandsfinanzierungsgesellschaften wird den Zielset­zungen aus den Erläuternden Bemerkungen nur teilweise gerecht, und zwar insbeson­dere was die regulatorischen Beschränkungen betrifft.

Negativ ist anzumerken, dass weiterhin lediglich Kapitalgesellschaften als Mittelstands­finanzierungsgesellschaft fungieren können. Personengesellschaften sind weiterhin mas­siv benachteiligt, obwohl transparente Personengesellschafts- und Fondsstrukturen so­wohl in der österreichischen Praxis als auch im internationalen Bereich vorherrschend sind. Transparente Fondsstrukturen ermöglichen einerseits einen raschen Kapitalabruf bei Vorliegen einer Beteiligung und ermöglichen andererseits eine rasche Rückzahlung des Kapitals nach einer Beteiligungsveräußerung. Diese Möglichkeiten sind bei einer Kapitalgesellschaft nicht gegeben. Von einem Finanzminister würde ich mir eigentlich er­warten, dass er sich hinsichtlich der Rechtsform von Mittelstandsfinanzierungsgesellschaf­ten an den Bedürfnissen der Wirtschaft orientiert und nicht Rahmenbedingungen schafft, die den Bedürfnissen der Wirtschaft nicht gerecht werden. (Beifall bei der FPÖ.)

Zum Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsgesetz 2017: Jedes Gesetz, welches die Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen ihrer Arbeitgeber steuerlich begünstigt, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Mein Hauptkritikpunkt am Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsgesetz ist aber, dass dadurch ausschließlich Mitarbeiter von Aktiengesellschaften gefördert wer­den. Das ist ein reines Minderheitenprogramm, Herr Finanzminister! Alle Mitarbeiter, die nicht von Aktiengesellschaften beschäftigt werden, sind auch weiterhin steuerlich be­nachteiligt. Diese rechtsformabhängige steuerliche Benachteiligung, Herr Finanzminis­ter, muss beseitigt werden! (Beifall bei der FPÖ.)

Abschließend darf ich auf eine weitere steuerliche Ungerechtigkeit verweisen, und zwar auf die kalte Progression. Obwohl SPÖ und ÖVP in der Vergangenheit immer wieder erklärten, dass die kalte Progression abgeschafft werden muss, fehlte der rot-schwar­zen Bundesregierung bis dato der Mut, aber auch die Fairness, dies zu tun. Die ÖVP schiebt die Schuld auf die SPÖ, und die SPÖ begründet ihre ablehnende Haltung mit der sogenannten Budgethoheit. In Wirklichkeit will die SPÖ weiterhin die Möglichkeit haben, im Rahmen von Steuerreformen Geld zu verteilen, das sie den Steuerzahlern vor­her abgeknöpft hat.

Damit es in Zukunft nicht mehr die Möglichkeit gibt, Steuerreformen auf Kosten der Steu­erzahler zu machen, stelle ich folgenden Antrag zur Abschaffung der kalten Progression:

Zusatz- und Abänderungsantrag

der Abgeordneten DDr. Hubert Fuchs, Kolleginnen und Kollegen zu TOP 2: Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2170/A der Abgeordneten Dr. Christoph Matz­netter, Peter Haubner, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988 (EStG 1988) geändert wird (1721 d.B.)

Der Nationalrat wolle in 2. Lesung beschließen:

Der eingangs bezeichnete Gesetzesantrag wird wie folgt geändert:

1. Ziffer 1 lautet:

1. In § 33 wird folgender Abs. 1a eingefügt:

„(1a) Der Bundesminister für Finanzen wird ermächtigt, zur Abgeltung der Inflation die Tarifstufen des Abs. 1 einmal jährlich im Verordnungsweg zu erhöhen. Die Verordnung


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ist spätestens bis 31. Juli eines jeden Kalenderjahres im Bundesgesetzblatt kundzuma­chen und gilt für die jeweiligen Tarifstufen ab 1. Jänner des Folgejahres der Kundma­chung.

2. Die bisherigen Ziffern 1 und 2 werden zu 2 und 3.“

*****

(Beifall bei der FPÖ.)

11.31


Präsident Karlheinz Kopf: Der von Herrn Abgeordnetem Dr. Fuchs soeben einge­brachte Zusatz- und Abänderungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht mit in Ver­handlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Zusatz- und Abänderungsantrag

der Abgeordneten DDr. Hubert Fuchs, KO Heinz-Christian Strache und weiterer Ab­geordneter zu TOP 2, Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2170/A der Ab­geordneten Dr. Christoph Matznetter, Peter Haubner, Kolleginnen und Kollegen be­treffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988 (EStG 1988) geändert wird (1721 d.B.)

Der Nationalrat wolle in 2. Lesung beschließen:

Der eingangs bezeichnete Gesetzesantrag wird wie folgt geändert:

1. Ziffer 1 lautet:

1. In § 33 wird folgender Abs. 1a eingefügt:

„(1a) Der Bundesminister für Finanzen wird ermächtigt, zur Abgeltung der Inflation die Tarifstufen des Abs. 1 einmal jährlich im Verordnungsweg zu erhöhen. Die Verordnung ist spätestens bis 31. Juli eines jeden Kalenderjahres im Bundesgesetzblatt kundzuma­chen und gilt für die jeweiligen Tarifstufen ab 1. Jänner des Folgejahres der Kundma­chung.“

2. Die bisherigen Ziffern 1 und 2 werden zu 2 und 3.

Begründung

Zu § 33 Abs. 1a EStG 1988:

Die bisher fixen Steuer-Tarifstufen im Einkommensteuergesetz (EStG 1988) bringen dem Finanzminister auf Grund der „kalten Progression“ jedes Jahr ein Körberlgeld in Milliardenhöhe. Viele Steuerzahler bekommen nämlich jährlich eine Lohnerhöhung, die sich an der Teuerungsrate orientiert. Das bedeutet zwar nominell einen höheren Lohn, aber real nur den Erhalt der Kaufkraft. Ohne also real mehr zu verdienen, rutschen vie­le Steuerzahler in die nächsthöhere Steuerklasse und zahlen somit mehr Steuern. Un­term Strich bedeutet das weniger Kaufkraft für den Einzelnen und Mehreinnahmen beim Finanzminister. Dies ist eine Enteignung des Steuerzahlers bzw. eine jährliche Steuer­erhöhung ohne Gesetzesbeschluss.

Diese Ungerechtigkeit muss beendet werden. Die Steuer-Tarifstufen sind daher an die Inflation zu koppeln und automatisch zu valorisieren.

Auch die sogenannte Steuerreform 2015/2016 (BGBl. I 2015/118) ändert nichts an der Notwendigkeit, die kalte Progression mit sofortiger Wirkung abzuschaffen. Durch die


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Steuerreform 2015/2016 werden nämlich den Steuerzahlern seit 1. Jänner 2016 jene Milliarden Euro teilweise zurückgegeben, die man ihnen in der Vergangenheit – insbe­sondere seit 2009 – durch die kalte Progression bereits weg-genommen hat. Im Übri­gen führen Lohnerhöhungen im Jahr 2016 sowie in den Folgejahren dazu, dass die kalte Progression bereits wieder zuschlägt und die durch die Steuerreform erzielten Effekte spätestens 2019 wieder beseitigt sind.

Der Bundesminister für Finanzen soll demnach mit sofortiger Wirkung gesetzlich er­mächtigt werden, zur Abgeltung der Inflation die Tarifstufen des § 33 Abs. 1 EStG 1988 einmal jährlich im Verordnungsweg zu erhöhen.

Die Verordnung ist spätestens bis 31. Juli eines jeden Kalenderjahres im Bundesge­setzblatt kundzumachen und gilt für die jeweiligen Tarifstufen ab 1. Jänner des Folge­jahres der Kundmachung.

Die Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate soll zum ersten Mal zum 31. Dezem­ber 2016 festgestellt werden. Die an die Inflation angepassten Tarifstufen sollen im Rah­men der erstmaligen Anpassung bis zum 31. Juli 2017 im Bundesgesetzblatt kundge­macht werden und ab 1. Jänner 2018 gelten. In der Folge soll die die Anpassung der Tarifstufen an die Inflation jährlich vorgenommen werden.

Die zeitliche Verzögerung in der Anpassung dient dazu, der EDV die nötige Vorlaufzeit für allfällige Umprogrammierungen bzw. Umstellungen zu geben.

*****

 


Präsident Karlheinz Kopf: Als Nächster ist Herr Klubobmann Ing. Lugar zu Wort ge­meldet. – Bitte, Herr Klubobmann.

 


11.32.13

Abgeordneter Ing. Robert Lugar (STRONACH): Herr Präsident! Hohes Haus! Wir im Hohen Haus haben gerade etwas gelernt, und zwar nicht nur, dass ÖVP und SPÖ sich einfach nicht mögen – das haben wir schon gewusst. Wir haben auch nicht nur gelernt, dass die beiden einfach miteinander nicht mehr arbeiten können – auch das haben wir gewusst. Genauso haben wir gewusst, dass wir, wenn es in unserer Republik so wei­tergeht und nur jeder dem anderen etwas auszurichten versucht, letztlich unser ganzes Land verspielen. Das alles haben wir schon gewusst. Was wir aber noch nicht gewusst haben und was der Kern der Sache ist – da hat uns der Herr Krainer sehr geholfen, in­dem er auseinanderdividierte, was tatsächlich der Kern der Sache ist –: dass Schulden an sich positiv sind.

Man kommt nicht überein, dass Schulden etwas Schlechtes sind und wir damit letztlich die Zukunft Österreichs verspielen. Herrn Krainer geht es nur darum, wer diese Schul­den macht. Wenn die Schulden in Wien von der SPÖ gemacht werden und nicht den Wienern, sondern der SPÖ zugutekommen, dann sind es gute Schulden, wenn aber die ÖVP Schulden in ihren Bundesländern oder im Bund macht, sind es böse Schulden. In Wirklichkeit heißt das: Für die SPÖ sind Schulden dann gut, wenn sie für die eigene Par­tei gut sind, und für die ÖVP sind Schulden dann gut, wenn es für die ÖVP einen Vor­teil bringt, so nach dem Motto, das Herr Pröll in Niederösterreich damals ausgesprochen hat: Geht es der ÖVP gut, geht es Österreich gut! – Das ist die Logik, nach der hier ge­arbeitet wird! (Beifall beim Team Stronach und bei Abgeordneten der FPÖ.)

Das heißt, man nimmt nicht nur Steuergeld, das wir schon haben, sondern auch sol­ches, das in Zukunft unseren Bürgern in Form von zusätzlichen Steuern abgepresst wird. Man nimmt also Schulden auf, um sich Vorteile zu verschaffen, die dann hoffentlich da­zu führen, dass man wiedergewählt wird.


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Das ist das Problem, vor dem wir in dieser Republik stehen, nämlich: Wenn wir jetzt tatsächlich Neuwahlen haben und dabei wieder das herauskommt, was wir jetzt schon seit Jahrzehnten haben, nämlich wieder eine, wenn auch nicht mehr so große Koalition aus SPÖ und ÖVP, dann wird Österreich – und das kann ich Ihnen garantieren – noch weiter im internationalen Vergleich zurückfallen. (Zwischenruf des Abg. Matznetter.)

Letztlich werden unsere Kinder und Kindeskinder – ich habe Kinder, ich weiß nicht, wie es Ihnen dabei geht – die Rechnung bezahlen und die Schulden begleichen müssen, die Sie heute machen, wobei es den Kindern komplett egal ist, ob es gute Schulden sind, die die Wiener SPÖ macht, oder ob es böse Schulden sind, die die ÖVP macht. Das spielt dann keine Rolle mehr. (Zwischenruf des Abg. Matznetter.) – Herr Matznet­ter, ich weiß, Sie sind ein großer Freund von Schulden. (Abg. Matznetter: Sie werden ja nicht mehr kandidieren!) – Sie wollen nicht mehr kandidieren? (Abg. Matznetter: Sie wollen nicht mehr kandidieren!) – Das wäre eine gute Nachricht. Da freue ich mich. (Bei­fall bei Abgeordneten der FPÖ.) Da gibt es einen Sonderapplaus im Parlament, wenn Sie nicht mehr kandidieren, denn Sie sind der Oberschuldenmacher in dieser Republik. (Beifall bei Team Stronach und FPÖ.)

Ich glaube, dass man endlich mit diesem permanenten Schuldenmachen auf Kosten un­serer Kinder und Kindeskinder aufhören muss, denn das genau ist das Problem. (Abg. Matznetter: Stronach hat sich dagegen verwahrt, dass man seinen Namen verwen­det!) – Herr Matznetter, seien Sie ruhig! Melden Sie sich zu Wort, wenn Sie etwas sa­gen wollen, und belästigen Sie uns nicht mit Zwischenrufen! (Abg. Bayr: Sie werden ihm nicht den Mund verbieten!) Na sicher verbiete ich ihm den Mund, weil ich hier am Rednerpult stehe und spreche. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Wenn Sie etwas zu sagen haben, dann kommen Sie heraus und sprechen Sie hier vom Rednerpult aus.

Deshalb kann ich nur alle Österreicher bitten, bei der nächsten Wahl bitte nicht Rot oder Schwarz zu wählen, denn das wäre eine Katastrophe für Österreich! Herr Krainer hat heute den Beweis dafür geliefert. (Beifall beim Team Stronach und bei Abgeordneten der FPÖ. – Anhaltende Zwischenrufe bei der SPÖ.)

11.36


Präsident Karlheinz Kopf: Herr Abgeordneter Matznetter, Zwischenrufe: ja!, aber kei­ne Dauerzwischenrufe, bitte.

Nächster Redner ist Herr Klubobmann Strolz. – Bitte, Herr Klubobmann.

 


11.36.44

Abgeordneter Mag. Dr. Matthias Strolz (NEOS): Herr Präsident! Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Wir haben eine ganze Pa­lette von Gesetzesnovellen im Finanzbereich, im Steuerbereich unterwegs. Ich möchte im Kontext des TOP 3 einen Vorschlag einbringen, der uns sehr wichtig ist und dessen Umsetzungen jetzt im Rahmen des freien Spiels der Kräfte hoffentlich auch möglich ist, nämlich die Abschaffung der kalten Progression, die Abschaffung der schleichenden Steu­ererhöhung.

Wir halten die schleichende Steuererhöhung für ungehörig, wir halten sie für inakzep­tabel. Wir halten sie für eine schwere Belastung für ein Land von Bürgerinnen und Bür­gern, die ohnehin schon eine der höchsten Steuerabgabenbelastungen auf diesem Pla­neten haben. Deswegen gehört die kalte Progression weg.

Ich bringe daher folgenden Abänderungsantrag ein:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Strolz, Kolleginnen und Kollegen

Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen:


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 69

Der dem Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2231/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Dietmar Keck, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bun­desgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Körperschaftsteuerge-
setz 1988, das Stiftungseingangssteuergesetz, das Aktiengesetz und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz geändert sowie aktienrechtliche Sonderregelungen über die planmäßige Abgabe von Aktien einer Arbeitgebergesellschaft erlassen werden (Mitar­beiterbeteiligungsstiftungsgesetz 2017 – MitarbeiterBetStG 2017) (1722 d.B.), ange­schlossene Gesetzesentwurf wird wie folgt geändert:

In Art. I wird nach Z. 6 folgende Z. 6a eingefügt:

„Z. 6a Nach § 134 wird folgender § 135 angefügt:

„§ 135. Beginnend mit dem 1. Jänner 2018 vermindern oder erhöhen sich die in § 33 Abs. 1 angeführten Betragsgrenzen jedes Jahr jeweils ab dem 1. Jänner in dem Maß, das sich aus der Veränderung des von der Bundesanstalt Statistik Österreich verlaut­barten Jahresdurchschnittswerts des Verbraucherpreisindex 2015 des jeweils vorver­gangenen Jahres gegenüber dem Indexwert 100,9 (Durchschnittswert des Jahres 2016) ergibt. Bei der Berechnung der neuen Betragsgrenzen sind Beträge, die einen halben Euro nicht übersteigen, auf den nächstniedrigeren ganzen Euro abzurunden und Beträ­ge, die einen halben Euro übersteigen, auf den nächsthöheren ganzen Euro aufzurun­den. Der Bundesminister für Finanzen hat die geänderten Betragsgrenzen jeweils un­verzüglich nach Verlautbarung des Jahresdurchschnittswerts des Verbraucherpreisin­dex 2015 im Bundesgesetzblatt kundzumachen.“

2. In Art. I wird in Z. 7 nach lit b) folgende lit c) angefügt:

„c) § 135 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. xxx/2017 ist erstmals auf den Veranlagungszeitraum 2019 anzuwenden.“

*****

Soweit klingt das ja technisch. Was heißt das, meine Damen und Herren? – Wir wollen damit die kalte Progression, die schleichende Steuererhöhung, mit 1. Jänner 2018 ab­schaffen. Die FPÖ bringt dazu auch einen Vorschlag ein. Es gibt aber einen kleinen Un­terschied in unseren Vorschlägen. Ich finde Ihren auch okay, aber ich glaube, wir haben einen, der noch präziser ist. Die FPÖ will eine Verordnungsermächtigung für den Fi­nanzminister regeln, wir hingegen legen ganz klar fest, mit welchem Mechanismus wir die kalte Progression abschaffen wollen. Wir sind uns nach der ersten Prüfung nicht si­cher, ob Ihr Vorschlag dem Determinierungsgebot des Artikels 18 B-VG entspricht, und deswegen haben wir das konkreter vorgenommen.

Also: Weg mit der kalten Progression! Weg mit der schleichenden Steuererhöhung! Herr Finanzminister, Sie waren an und für sich auch immer ein Fan davon, haben das mehrfach versprochen, also: Machen wir es! (Beifall bei den NEOS.)

11.40


Präsident Karlheinz Kopf: Der von Herrn Klubobmann Strolz eingebrachte Abände­rungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Dr. Matthias Strolz, Kolleginnen und Kollegen zum Bericht des Fi­nanzausschusses über den Antrag 2231/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Dietmar Keck, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Ein-


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kommensteuergesetz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Stiftungseingangs­steuergesetz, das Aktiengesetz und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz geän­dert sowie aktienrechtliche Sonderregelungen über die planmäßige Abgabe von Aktien ei­ner Arbeitgebergesellschaft erlassen werden (Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsgesetz 2017 – MitarbeiterBetStG 2017) (1722 d.B.)

Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen:

Der dem Bericht des Finanzausschusses über den Antrag 2231/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Dietmar Keck, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bun­desgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988, das Körperschaftsteuerge­setz 1988, das Stiftungseingangssteuergesetz, das Aktiengesetz und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz geändert sowie aktienrechtliche Sonderregelungen über die planmäßige Abgabe von Aktien einer Arbeitgebergesellschaft erlassen werden (Mitar­beiterbeteiligungsstiftungsgesetz 2017 – MitarbeiterBetStG 2017) (1722 d.B.), ange­schlossene Gesetzesentwurf wird wie folgt geändert:

In Art. I wird nach Z. 6 folgende Z. 6a eingefügt:

„Z. 6a Nach § 134 wird folgender § 135 angefügt:

„§ 135. Beginnend mit dem 1. Jänner 2018 vermindern oder erhöhen sich die in § 33 Abs. 1 angeführten Betragsgrenzen jedes Jahr jeweils ab dem 1. Jänner in dem Maß, das sich aus der Veränderung des von der Bundesanstalt Statistik Österreich verlaut­barten Jahresdurchschnittswerts des Verbraucherpreisindex 2015 des jeweils vorver­gangenen Jahres gegenüber dem Indexwert 100,9 (Durchschnittswert des Jahres 2016) ergibt. Bei der Berechnung der neuen Betragsgrenzen sind Beträge, die einen halben Euro nicht übersteigen, auf den nächstniedrigeren ganzen Euro abzurunden und Be­träge, die einen halben Euro übersteigen, auf den nächsthöheren ganzen Euro aufzu­runden. Der Bundesminister für Finanzen hat die geänderten Betragsgrenzen jeweils unverzüglich nach Verlautbarung des Jahresdurchschnittswerts des Verbraucherpreis­index 2015 im Bundesgesetzblatt kundzumachen.“

2. In Art. I wird in Z. 7 nach lit b) folgende lit c) angefügt:

„c) § 135 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. xxx/2017 ist erstmals auf den Veranlagungszeitraum 2019 anzuwenden.“

Begründung

Die kalte Progression bezeichnet eine versteckte jährliche Steuererhöhung. Sie entsteht, weil die Einkommen zwar Jahr für Jahr steigen, die Steuerstufen aber nicht an die In­flation angepasst werden. Somit erhöhen sich der Durchschnittssteuersatz und die Steu­erschuld stärker als die Inflation. D.h. die kalte Progression betrifft also alle Lohnsteu­erpflichtigen und, entgegen der gängige Auffassung, nicht nur jene, die aufgrund der In­flationsabgeltung in die nächst höhere Steuerstufe rutschen. Wenn der Bruttolohn steigt, steigt auch der Durchschnittssteuersatz – jener Anteil des Einkommens, der an den Fi­nanzminister geht, nimmt also zu.

In Österreich sind die einkommensbezogenen Abgaben in Steuern und Sozialversiche­rung (SV) zu unterteilen. Entscheidend ist dabei, dass bei der Berechnung des ver­steuerbaren Einkommens die Beiträge zur Sozialversicherung (SV) vom Bruttolohn ab­gezogen werden. Dabei werden Aufwertungsfaktoren angepasst (geregelt im Allgemei­nen Sozialversicherungsgesetz § 108). Die Freibetragsgrenze, Absetzbeträge und Steu­ertarifeckwerte im Steuersystem werden jedoch nicht angepasst.

Die kalte Progression entsteht sobald das zu versteuernde Einkommen einer Person an die Inflation angepasst wird und in der Folge zumindest den ersten Grenzsteuersatz von 25 Prozent überschreitet.


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Durch die kalte Progression verändert sich nicht nur die Steuerbelastung, sondern auch deren Verteilung. Das kann zu einer einkommensbezogenen Steuerverteilung füh­ren, die in dieser Form niemals vom Gesetzgeber legitimiert wurde. Wissenschaftler des Münchner ifo Institutes fassen dies in einem Papier so zusammen: „Durch das Hinein­rutschen in höhere Grenzsteuersätze kommt es zu einer Stauchung der gesellschaftli­chen Steuerlastverteilung und somit zu einer Abweichung von den ursprünglich vom Ge­setzgeber intendierten Verteilungswirkungen des Steuersystems. Diese Änderungen der Steuerlastverteilung sind zudem nicht explizit demokratisch legitimiert.“ (Quelle: Fuest, Clemens, Björn Kauder, Luisa Lorenz, Martin Mosler, Niklas Potrafke und Florian Dorn, Heimliche Steuererhöhungen – Belastungswirkungen der Kalten Progression und Entlas­tungswirkungen eines Einkommensteuertarifs auf Rädern, ifo Forschungsberichte 76, ifo Institut, 2016) Forscher des selbigen Instituts ziehen in einem aktuellen Papier zur kal­ten Progression folgende Schlussfolgerung: „Das Phänomen der (...) Kalten Progres­sion jedoch muss als "Irrtum" des Steuersystems aufgefasst werden. Die Kalte Progres­sion schwächt die Verteilungswirkungen des Steuersystems und führt zu einer Auswei­tung der Steuerquote, die sich der demokratischen Kontrolle entzieht. Es ist deshalb wünschenswert, die Kalte Progression zu beseitigen.“ (Quelle: Dorn, Florian; Clemens Fuest; Björn Kauder; Luisa Lorenz; Martin Mosler und Niklas Potrafke, "Steuererhöhun­gen durch die Hintertür – fiskalische Aufkommenswirkungen der Kalten Progression", ifo Schnelldienst 70 (02), 2017, 51-58)

Bei der Verteilung der Last geht es aber nicht nur um die Verteilung zwischen den ver­schiedenen Einkommensklassen, sondern um die Aufteilung von erwirtschafteten Er­trägen zwischen privat und öffentlich. Die zusätzlichen Mittel, welche an die öffentliche Hand gehen, sind auch aus ökonomischer Sicht problematisch – vor allem vor dem Hintergrund der zweithöchsten Abgabenbelastung auf den Faktor Arbeit in ganz Euro­pa. Es mangelt dem mit der kalten Progression verbundenen Anstieg der Steuerquote an Rechtfertigung. Auch aus ökonomischer Sicht ist es nicht schlüssig, warum eine schleichende Steuererhöhung im Sinne der Bürger_innen wäre, ohne dass der Gesetz­geber darlegt, dass die Nachfrage nach öffentlichen Gütern schneller steigt als die Nach­frage nach privaten Gütern - nur eine solche Nachfrageverschiebung würde eine Er­höhung der Steuerbelastung rechtfertigen.

D.h. eine Diskussion über eine Belastungsverteilung steht dem Gesetzgeber in jeder Form zu, diese sollte aber unabhängig von einer illegitimen, automatisierten Zusatzbe­lastung stattfinden. Fakt ist jedenfalls: Durch die kalte Progression kommt es zu einer Steuererhöhung, welche nicht vom Parlament beschlossen werden muss und welche somit nur selten das Ergebnis einer öffentlichen politischen Debatte ist. Diese Debatte ist aber dringend zu führen.

Durch die immer größer werdende Steuerbelastung sinkt auch der Arbeitsanreiz, vor allem in den unteren Einkommensklassen. Denn nur wenn der Unterschied zwischen dem arbeitsfreien Einkommen und dem Nettoeinkommen groß genug ist, wird der An­reiz zu arbeiten groß genug sein. Mit derselben Argumentation rechtfertigt Kanzler Kern auch seine Forderung nach einer Erhöhung des Mindestlohns. Konkret ist in dessen "Plan A" zu lesen: "Mit einem Mindestlohn von 1.500 Euro wird auch gleich der Ab­stand zu arbeitsfreiem Einkommen größer. (...) Weil uns Arbeit das wert sein muss und weil sich Arbeit lohnen muss." Auch die Sozialdemokratie erkennt also an, dass sich der Unterschied zwischen arbeitsfreiem Einkommen und Arbeitseinkommen vergrößern soll und nicht verkleinern, wie es durch die kalte Progression passieren kann.

Das ist aber nicht nur bei unteren Einkommen entscheidend. Bei größer werdender Steuerbelastung auf den Faktor Arbeit sinkt der Arbeitsanreiz auch bei höheren Steu­erklassen. Diese Erkenntnis ist auch dem BMF bekannt. Dieses bewarb die Steuerre­form auch wegen der Arbeitsanreize, wie im Budgetbericht von 2016 zu lesen ist: "... die erhöhten Arbeitsanreize durch Senkung der Steuerbelastung heben auch nachhal-


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tig Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit an. Diese Effekte haben auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Gutachten bestätigt."

In den meisten OECD Ländern ist eine vergleichbare Indexierung bereits durchgesetzt.

*****

 


Präsident Karlheinz Kopf: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Mag. Zakostelsky. – Bitte.

 


11.40.36

Abgeordneter Mag. Andreas Zakostelsky (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine verehrten Damen und Herren auf den Rängen, vor den Bild­schirmen! Verehrter Regierungspartner SPÖ! Es ist schon recht interessant: Wir haben heute eine ganze Reihe von wichtigen, interessanten und tatsächlich auch gut gelösten Gesetzesmaterien zu behandeln, und deswegen bin ich völlig überrascht, dass es ei­nem Regierungspartner da offensichtlich nicht darum geht, die gemeinsame gute Ar­beit positiv darzustellen und zu verkaufen. (Abg. Lugar: Überrascht Sie das wirklich?)

Kollege Krainer, der jetzt leider nicht mehr im Raum ist, von dem ich auch schon sach­liche Reden gehört habe (Rufe bei der SPÖ: Er ist da!), hat heute einen – da ist er – Rundumschlag getätigt, der mich wirklich überrascht hat. Jetzt sage ich einmal: Man kann den Finanzminister persönlich mögen oder nicht mögen, der Schnauzbart kann einem gefallen oder nicht, aber dass er Kompetenz hat, das ist wirklich unbestritten. Ich kann mir einen solchen Ausritt nur durch die guten Umfragewerte der ÖVP mit Sebastian Kurz erklären, die zu einer solchen Nervosität aufseiten der SPÖ führen. (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Bleiben wir bei den Gesetzesthemen. Es gäbe eine ganze Reihe von wirklich interessanten Punkten, die man ansprechen könnte. Die Erhöhung der Forschungsprämie hat Kollege Groiß schon angezogen; eine wirklich wichtige Maß­nahme.

Zwei Themen, die mir persönlich sehr am Herzen liegen, sind die Mitarbeiterbeteili­gungsstiftung und die Neueinführung des Mittelstandsfinanzierungsgesellschaftengeset­zes. Das erste angesprochene Thema, die Mitarbeiterbeteiligungsstiftung, hat einen we­sentlichen Zweck für die Unternehmungen in unserem Lande, aber auch für die Arbeit­nehmerinnen und Arbeitnehmer, nämlich die Bildung und Stärkung von Kernaktionären in den heimischen Aktiengesellschaften, um diese damit einigermaßen gegen sogenann­te feindliche Übernahmen abzusichern, um diesen Terminus zu verwenden. Vorgesehen ist, dass in Zukunft Unternehmungen, Kapitalgesellschaften, ihren Mitarbeitern pro Jahr für 4 500 € steuer- und sozialversicherungsfrei Aktien zur Verfügung stellen können. Die­se werden in der Mitarbeiterbeteiligungsstiftung gebündelt. Sie verwaltet die Aktien treu­händig, was auch zu einem gepoolten Stimmverhalten führt.

Meine Damen und Herren! Das ist ein unschätzbarer Vorteil, und wir sollten das wirk­lich nicht geringschätzen. Das stärkt die Position der Unternehmungen und damit den heimischen Wirtschaftsstandort, sichert so Arbeitsplätze und ist damit natürlich ein gro­ßer Vorteil für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Da mir die Zeit davonläuft, noch kurz zum Thema der Mittelstandsfinanzierungsgesell­schaft. Diese gab es ja bereits; das ist 2003 ausgelaufen. Ich sehe in der vorliegenden Gesetzesmaterie eine wesentliche Modernisierung, eine wesentlich flexiblere Handha­bung der geplanten Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft. Kurz erklärt: Investoren be­teiligen sich an einer solchen Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft. Diese fungiert als Finanzintermediär und stellt ganz gezielt Un­ternehmungen, die zum Beispiel in einer frühen Wachstumsphase sind, Risikokapital zur Verfügung, und jeder, der sich ein bisschen damit beschäftigt hat, weiß, dass Risiko-


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kapital eine wesentliche Voraussetzung für Innovationen ist. Innovationen brauchen wir in unserem Lande, und in diesem Sinne kann das Kapital alloziert werden. Für private In­vestoren ergibt sich daraus aufgrund der Gesetzeslage die Möglichkeit, dass ausgeschüt­tete Gewinne bis zu einem Ausmaß von 15 000 € jährlich steuerfrei lukriert werden kön­nen.

Meine Damen und Herren! Begrüßen wir gemeinsam im Sinne des Wirtschaftsstand­ortes, im Sinne unserer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beide Gesetzesmaterien und danken wir dem Finanzminister, der mit seiner vollen Kompetenz dafür gesorgt hat, dass wir zur Umsetzung kommen. – Danke schön. (Beifall bei der ÖVP.)

11.44


Präsident Karlheinz Kopf: Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Gusenbauer-Jä­ger. – Bitte.

 


11.45.00

Abgeordnete Marianne Gusenbauer-Jäger (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Ich darf einen Punkt hervorheben, der mir besonders wichtig ist – Herr Zakostelsky, auch Sie haben einige hervorgehoben –, und zwar den Bil­dungskompass, das Pilotprojekt, das dazu in Oberösterreich eingeführt werden soll. Mit dem Bildungskompass setzen wir ein deutliches Zeichen dafür, dass der Kindergarten bereits die erste Bildungseinrichtung und somit eine wertvolle Institution ist.

Es ist mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Bildungskompass im Rahmen der Bil­dungsreform umgesetzt wird, deren Kernelemente bereits von der damaligen Unter­richtsministerin Heinisch-Hosek initiiert worden sind. In Oberösterreich wird das Pilot­projekt realisiert, gestützt auf dessen Erkenntnisse es dann auf das ganze Bundesge­biet ausgerollt werden soll. Die Aufgaben teilen sich das Charlotte Bühler Institut, das Land Oberösterreich und natürlich auch die ElementarpädagogInnen.

Was bringt der Bildungskompass? – Für alle Kinder ab dreieinhalb Jahren wird ein indi­vidueller Bildungskompass durch die KindergartenpädagogInnen erstellt. Das Lernen er­folgt nicht schulartig, es soll spielerisch, erlebnisorientiert, individuell und in keine be­sondere Zeitstruktur eingebunden sein. Darin enthalten sind auch Sprach- und Entwick­lungsscreenings. Dadurch soll frühzeitig erkannt werden, welches Kind in welchem Be­reich Förderung braucht und nach dem Motto „Stärken stärken“ auch – besonders wich­tig –, wo die Talente des Kindes liegen. Selbstverständlich sind auch die Eltern in die­sen Prozess sehr intensiv eingebunden.

In weiterer Folge soll durch den Kompass der Einstieg in die Volksschule besser gelin­gen. Er soll bis zum 14. Lebensjahr ausgedehnt werden, also bis zum Ende der Pflicht­schulzeit, sodass man dann immer noch die Aufzeichnungen seit dem Kindergarten zur Verfügung hat. Ich bin überzeugt, dass dadurch auch einige Aspekte der Integration bestens umgesetzt werden können. – Danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

11.47


Präsident Karlheinz Kopf: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dr. Kassegger. – Bitte.

 


11.47.32

Abgeordneter MMMag. Dr. Axel Kassegger (FPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesmi­nister! Hohes Haus! Ich spreche über die Erhöhung der Forschungsprämie. Wir wissen ja, und das ist eine Binsenweisheit, Forschung und Entwicklung sind ganz wichtig für die Arbeitsplätze, für den Standort und für die Republik. Wir wissen auch, dass wir, was den Input, also die Aufwendungen betrifft, mit ungefähr 3 Prozent des BIP europaweit an der Spitze liegen. Wir wissen aber auch, dass wir es seit Jahren nicht schaffen, von der Gruppe der Innovation Follower in die Gruppe der Innovation Leader zu kommen. Und


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da gibt die Evaluierung der Forschungsprämie doch Hinweise darauf, woran es krankt, woran es mangelt. Es sind zwei große Bereiche, in denen wir erheblichen Verbesse­rungsbedarf haben.

Der eine ist: Wir haben viel zu wenig privat finanzierte Grundlagenforschung. Sie findet im Wesentlichen in multinational tätigen Konzernen statt, angelehnt an eine universitä­re Infrastruktur, die wir ja haben. Wir haben eine ausgezeichnete universitäre Infrastruk­tur in Österreich, wir sind allerdings nicht in der Lage, international tätige Konzerne da­zu zu bringen, ihre Headquarters nach Österreich zu verlegen. Es gibt ein klares Unter­scheidungsmerkmal zwischen guten und nicht guten Konzernen. Aus unserer Sicht sind die guten Konzerne jene, die ihre Headquarters mit angelehnter, starker, privat finan­zierter Forschung in Österreich haben. Die bösen, schlechten Konzerne sind jene, die ihre Headquarters in Steueroasen haben und dadurch Wettbewerbsvorteile insbeson­dere gegenüber klein- und mittelständischen Unternehmen in Österreich haben, was wir so nicht akzeptieren wollen.

Die Erhöhung der Forschungsprämie ist durchaus sinnvoll, um die Standortattraktivität Österreichs zu erhöhen. Ich würde sie weniger als klassische Forschungsinvestition se­hen, sondern vielmehr als eine Investition in die Standortattraktivität Österreichs. Wir wis­sen aus der Erfahrung der letzten Jahre, dass das für größere Unternehmen, Konzerne bei der Standortauswahl durchaus ein Kriterium ist und dass sie ein Plus für Österreich darstellt.

Der zweite Bereich, in dem es nicht funktioniert: Wir tun zu wenig für Start-ups, Klein- und Mittelständler. Wir schaffen den Sprung nicht, diesen Nukleus für innovative Tätig­keiten, innovative Produkte. Die Politik unterstützt das zu wenig, die Regierung macht da zu wenig. Das geht also etwas zulasten der klein- und mittelständischen Unternehmen.

Vielleicht noch eine Anmerkung zum Vorschlag der Kollegin Lichtenecker und der Grü­nen betreffend eine Erhöhung auf 18 Prozent. Unseres Erachtens ergibt die Evaluie­rung, dass die indirekte Förderung gerade bei klein- und mittelständischen Unterneh­men eben nicht diese Effekte hat, eben nicht greift. Daher halten wir eine Erhöhung auf 18 Prozent für wenig zielführend, weil sie nicht die Effekte erzielen wird, die wir uns davon erhoffen. Da müsste man sich über andere Unterstützungsmöglichkeiten, etwa im Rahmen der direkten Förderungen, für die klein- und mittelständischen Unternehmen Gedanken machen. Deswegen werden wir diesem Abänderungsantrag der Grünen nicht zustimmen.

Ich fasse zusammen: Dem Grunde nach ist es eine gute Sache. Auch die Evaluierung hat ergeben, dass das eine gute Sache ist. Das Volumen wird auf ungefähr 120 Mil­lionen € geschätzt. Das ist in Relation zu Ausgaben, die wir für andere Bereiche täti­gen, ein durchaus erträglicher, angemessener Betrag. Insofern können wir dem zustim­men. (Beifall bei der FPÖ.)

11.51


Präsident Karlheinz Kopf: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dr. Hable. – Bitte.

 


11.51.28

Abgeordneter Dr. Rainer Hable (NEOS): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Ich möchte in der Kürze der mir zur Verfügung stehenden Zeit zum Mitarbeiter­beteiligungsstiftungsgesetz sprechen. Aktien sollen also jetzt bis zu einem Betrag von 4 500 € steuer- und sozialversicherungsfrei an Mitarbeiter übergeben werden können. Mitarbeiterbeteiligung ist eine wichtige und gute Sache. Sie ermöglicht eine gleichmä­ßigere Verteilung des von Unternehmen und Mitarbeitern geschaffenen Unternehmens­werts. Natürlich bedeutet sie auch eine höhere Konkurrenzfähigkeit für das Unterneh­men durch flexiblere Löhne, und insgesamt steigt natürlich bei den Mitarbeitern die Mo­tivation, wenn sie durch die Beteiligung Mitunternehmer sind. – So weit zu den positi­ven Aspekten.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 75

Was gefällt uns weniger an der Novelle? – Nun, dass die Mitarbeiterbeteiligung über Stiftungen abgewickelt wird. Faktisch sind die Mitarbeiter also nicht persönlich am Un­ternehmen beteiligt, sondern sie sind nur Begünstigte einer Stiftung. Daher fehlt das we­sentliche Element einer echten Beteiligung, eines Mitunternehmertums, nämlich die Ver­fügungsgewalt über die Anteile. In gut geübter, also in geübter, aber nicht so guter ös­terreichischer Praxis werden diese Stiftungen dann im Regelfall von den üblichen Ver­dächtigen verwaltet, also von Interessenvertretern, von Betriebsräten, das heißt von der Sozialpartnerschaft. Was wäre die Lösung? – Wenn wir das schon über Stiftungen ma­chen, müssen die Stiftungsvorstände von unabhängigen Personen und nicht von Betriebs­räten oder sonstigen Interessenvertretern besetzt werden.

Ein zweiter Einwand ist, dass eine solche Form – Weitergabe von Aktien – Großunter­nehmen vorbehalten bleibt. Andere Formen der Mitarbeiterbeteiligung haben größere Re­levanz, bleiben hier aber draußen. Sie wären allerdings auch richtig.

Insgesamt sagen wir: Die Vorteile überwiegen die Nachteile, daher werden wir mitstim­men. Wir sehen allerdings Nachbesserungsbedarf, den wir uns für die Zukunft jeden­falls wünschen würden. – Danke schön. (Beifall bei den NEOS.)

11.54


Präsident Karlheinz Kopf: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Prinz. – Bitte.

 


11.54.15

Abgeordneter Nikolaus Prinz (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesmi­nister! Meine Damen und Herren! Ich darf kurz Bezug nehmen auf den Tagesordnungs­punkt 7. Es geht um die Vereinbarung gemäß Artikel 15a B-VG des Landes Oberöster­reich mit dem Bund den Bildungskompass betreffend, der im Kindergartenjahr 2017/18 erprobt werden wird. Die Einführung eines Bildungskompasses im elementarpädagogi­schen Bereich für über dreieinhalbjährige Kinder wurde bereits im Zuge der Bildungsre­form diskutiert und vorgeschlagen, und genau darum geht es jetzt.

Aus diesem Grunde wurde vom Bundesministerium für Familie und Jugend bereits im Jahr 2016 ein Konzept erstellt beziehungsweise beauftragt, wie man das umsetzen kann. Das Land Oberösterreich mit Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer – er war damals ja Bildungsreferent der Oberösterreichischen Landesregierung – hat sich dazu bereit er­klärt, ein entsprechendes Pilotprojekt umzusetzen. Die Umsetzung wird in 50 Kindergar­tengruppen erfolgen, und es werden alle vier- bis fünfjährigen Kinder einbezogen. Es wird eine strukturierte Erfassung und Dokumentation ihrer Lerndisposition geben. Die Ergeb­nisse werden anschließend natürlich evaluiert, bevor das vielleicht auf ganz Österreich ausgerollt wird.

Wichtig ist, dass das Land Oberösterreich vom Bundesministerium für Familie und Ju­gend in Kooperation mit dem Finanzministerium mit rund 164 000 € eine gewisse Un­terstützung dafür erhält. Damit all das mit Beginn des Kindergartenjahres 2017/18 um­gesetzt werden kann, sind die Beschlüsse heute notwendig. Es ist eine wertvolle zu­kunftsträchtige Initiative, und Oberösterreich geht im positiven Sinne mit dem Pilotpro­jekt voran. (Beifall bei der ÖVP.)

11.56


Präsident Karlheinz Kopf: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Kirchgatterer. – Bitte.

 


11.56.12

Abgeordneter Franz Kirchgatterer (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Ho­hes Haus! Meine Damen und Herren! Vorweg darf ich die Schülerinnen und Schüler der Berufsschule Schärding sehr herzlich begrüßen. Die Lehrlinge sind uns sehr, sehr willkommen, wir schätzen sie sehr. Im Namen der Kollegin Gusenbauer-Jäger: Herzlich willkommen! (Allgemeiner Beifall.)


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 76

Meine Damen und Herren! Ich möchte zu Punkt 5 der Tagesordnung sprechen, zum Tabaksteuergesetz und Tabakmonopolgesetz. Die Spannenanpassung ist notwendig für die 2 400 Trafikanten mit ihren Fachgeschäften und den 3 300 Verkaufsstellen. Das zeigen die Ertragsvergleichszahlen bisher eindeutig. Das spüren die Trafikantinnen und Trafikanten Monat für Monat hautnah. Nicht wenige haben sehr zu kämpfen, sowohl auf dem Land, in den Stadtteilen als auch in manchen Stadtkernen.

Ich danke ausdrücklich den Koalitionspartnern, allen Fraktionen, die der Spannenan­passung zustimmen. Ich verhehle nicht, dass ich persönlich sehr, sehr froh bin, dass die­se Anpassung heute hier beschlossen wird. Es ist eine Gesetzesvorlage, die das Ta­bakeinzelhandelsmonopol stärkt, und das ist gut so. Die österreichischen Trafikanten bie­ten kontrollierte Qualität, das österreichische Tabakmonopol garantiert und steht für ge­prüfte Ware, und das bundesweit, auch in allen Grenzgebieten. Ohne Einzelhandelsmo­nopol wäre es in Österreich so wie in Berlin, wie im Ruhrgebiet, wo die Hälfte der kon­sumierten Tabakwaren geschmuggelt sind und unversteuert, ohne Tabaksteuer, ohne Mehrwertsteuer bleiben. Geschmuggelte Ware trägt gute Namen, beliebte Markennamen, aber der Inhalt ist von minderer oder, richtiger gesagt, von fragwürdiger Zusammenset­zung. Von Qualität kann keine Rede sein!

Neben Maßnahmen gegen gewerbsmäßigen Schmuggel von Tabakwaren ist die An­gleichung der Tabaksteuer auf EU-Ebene ein wichtiges Anliegen, eine vordringliche Auf­gabe, weil die Differenz, der Unterschied zu groß ist.

Meine Damen und Herren! In keiner anderen Branche findet man so viele Menschen mit Beeinträchtigungen als Selbständige, die ihr Einkommen mit ihrer Arbeit selbst ver­dienen. Früher waren es Kriegs- und KZ-Opfer, jetzt sind es durch Krankheit oder Un­fall gesundheitlich beeinträchtigte Menschen. Mit Stand Jänner dieses Jahres sind es mehr als 3 700 Personen. Ihr Anteil steigt kontinuierlich, der Prozentsatz wird laufend höher; in den letzten drei Jahrzehnten hat sich ihr Anteil verdoppelt.

Meine Damen und Herren! Ich darf darauf hinweisen, dass es in der Vergangenheit ge­lungen ist, dieses System zu erhalten. Ich erinnere an den Solifonds, der sehr vielen zu­gutegekommen ist und die österreichische Struktur gerettet hat, die im Ausland als vor­bildlich gesehen wird. Dr. Matznetter hat sich dafür ganz besonders eingesetzt, und ihm gebührt herzlicher Dank dafür. (Beifall bei der SPÖ.)

Wir werden uns den Herausforderungen von heute und morgen laufend stellen. Es ist heute ein guter Tag für die Trafikantinnen und Trafikanten, es ist aber auch ein guter Tag für kontrollierte Qualität.

Ich darf noch folgenden Antrag einbringen:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Vereinheitlichung der Packungsgröße für Zigaretten

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Gesetzesvorlage zuzu­leiten, mit der die im Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetz ver­ankerte Verpackungsgröße für Zigaretten, nach entsprechender Notifikation gemäß Art. 24 Abs. 2 der Richtlinie 2014/40/EU, ab 1. April 2018 gesetzlich mit 20 oder 25 Stück Zi­garetten je Packung festgelegt wird.“

*****


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 77

Dies soll zur Übersichtlichkeit und zur Vergleichbarkeit beitragen beziehungsweise die­se garantieren, und das wollen die Trafikanten: Arbeit leisten, die geschätzt wird und die auch hundertprozentig korrekt ist. Danke schön. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

12.01


Präsident Karlheinz Kopf: Der soeben von Herrn Abgeordnetem Kirchgatterer einge­brachte Entschließungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Mag. Werner Groiß, Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen

betreffend Vereinheitlichung der Packungsgröße für Zigaretten

im Zuge der Debatte zu Tagesordnungspunkt 5 über den Bericht des Finanzausschus­ses über den Antrag 2238/A der Abgeordneten Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Tabaksteuerge­setz 1995 und das Tabakmonopolgesetz 1996 geändert werden (1724 d.B.)

Nach der derzeit gültigen Rechtslage muss die Verpackungsgröße für Zigaretten min­destens 20 Stück betragen. Dies ermöglicht der Industrie den Vertrieb unterschiedlichs­ter Packungsgrößen, beispielsweise 23 oder 27 Stück, wobei durch eine leichte Varia­tion der enthaltenen Stückzahl (Herausnahme einzelner Zigaretten bei unverändertem Packungspreis) eine tatsächliche Preiserhöhung für die einzelne Zigarette verschleiert werden kann. Auch aus gesundheitlicher Sicht sind größere, insbesondere variierende, Packungsgrößen der gesundheitspolitischen Zielsetzung bei der Prävention des Ziga­rettenkonsums entgegenlaufend. Gemäß Art. 24 Abs. 2 der Richtlinie 2014/40/EU steht es Mitgliedstaaten zu, aus gesundheitspolitischen Gründen weitere Anforderungen betref­fend die Vereinheitlichung der Verpackungen von Tabakerzeugnissen zu treffen, weitere Gründe sind Jugend- und Konsumentenschutz. Für die bessere Vergleichbarkeit der Pro­dukte im Interesse der VerbraucherInnen und TrafikantInnen, vor allem betreffend die Preisgestaltung, aber auch aus Gründen der Verwaltungsvereinfachung, soll die Packungs­größe auf 20 oder 25 Stück gesetzlich festgelegt werden.

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher nachstehenden

Entschließungsantrag:

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Gesetzesvorlage zuzu­leiten, mit der die im Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetz ver­ankerte Verpackungsgröße für Zigaretten, nach entsprechender Notifikation gemäß Art. 24 Abs. 2 der Richtlinie 2014/40/EU, ab 1. April 2018 gesetzlich mit 20 oder 25 Stück Zi­garetten je Packung festgelegt wird.“

*****

 


Präsident Karlheinz Kopf: Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Wurm. – Bitte.

 


12.01.24

Abgeordneter Peter Wurm (FPÖ): Herr Präsident – nachträglich noch alles Gute zum Geburtstag von dieser Stelle aus! Herr Minister! Hohes Haus! Ich möchte mich auch auf Tagesordnungspunkt 5 – ein Bundesgesetz, mit dem auch das Tabakmonopolgesetz ge­ändert wird beziehen. Es enthält eine leichte Verbesserung der Spannensituation für


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 78

Trafikanten. Ich darf aber doch ausdrücklich sagen, das kommt a) zu spät und fällt b) zu gering aus. Das heißt, es gibt im Bereich der Trafikanten ein echtes Problem.

Ein paar Zahlen: Es gab vor wenigen Jahrzehnten noch über 10 000 Trafikanten in Ös­terreich, mittlerweile stehen wir bei knapp 2 500. (Abg. Kogler: Wir können ja nicht im­mer weniger tschicken und immer mehr Trafikanten haben!) Rot und Schwarz haben also die Trafikanten nahezu ausgerottet, um es brutal zu sagen (Beifall bei der FPÖ), und diese Entwicklung wird leider weitergehen, weil die Spanne für Trafikanten nicht ausrei­chend ist, um am Markt überleben zu können.

Es sollte auch noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass 54 Prozent der Trafikanten behinderte Menschen sind. Das heißt, Sie haben in den letzten Jahren Zigtausenden behinderten Menschen in Österreich die Möglichkeit zur Selbständigkeit genommen – das ist Rot-Schwarz in Reinkultur!

Ich komme jetzt aber zu einem Thema, das Trafikanten, Raucher und Gastronomen be­trifft, und zwar zu dem drohenden absoluten, totalen Rauchverbot ab Mai 2018 in Ös­terreich. Ich möchte noch einmal alle Österreicher darauf hinweisen: Das haben Sie der ÖVP, der SPÖ und den Grünen zu verdanken, die in einer für mich nicht nachvoll­ziehbaren Brutalität ein Gesetz auf den Weg gebracht haben, das ab Mai 2018 nicht nur in der Gastronomie jede Möglichkeit des Rauchens abschafft, sondern auch im Pri­vatbereich und im Bürobereich.

Von uns aus ist eine Botschaft ganz klar, und das ist wichtig und eine eindeutige Aus­sage: Sollten wir Regierungsverantwortung übernehmen, dann werden wir dieses ab­solute Rauchverbot wieder abschaffen. (Beifall bei FPÖ und Team Stronach.)

Diese Freiheit auszuleben muss meiner Meinung nach, unserer Meinung nach erwach­senen Menschen in Österreich erlaubt sein. Sie ruinieren mit dieser Entscheidung ab Mai 2018 nicht nur Tausende Unternehmer im Gastronomiebereich, Sie ruinieren auch die jahrhundertealte Tradition des Gasthauses im ländlichen Bereich. Das heißt, spe­ziell der ländliche Bereich wird da noch einmal ganz, ganz stark in Mitleidenschaft ge­zogen, und wir werden diese Entwicklung mit Sicherheit zu verhindern versuchen.

Vielleicht ganz kurz noch ein kleines Beispiel hier aus dem Parlament: Es gibt hier im Parlament noch ein Raucherzimmer, da ganz hinten. Das ist auch im Parlament, wenn Sie mich fragen, der letzte mögliche Ort, an dem noch parteiübergreifend Kommunika­tion stattfindet. (Heiterkeit bei Abgeordneten von SPÖ und Grünen. Abg. Lichten­ecker: Das haben wir hier herinnen!) Und diese Kommunikation schaffen Sie in Wirk­lichkeit auch ab. (Ruf bei der SPÖ: Der einzige Raum, das ist ja überhaupt ...! Abg. Kogler: Es gehört viel mehr getschickt!)

Ich möchte noch folgenden Antrag einbringen:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Peter Wurm, Kolleginnen und Kollegen betreffend Abschaffung des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zuzu­leiten, die eine Rücknahme des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie ab Mai 2018 zum Inhalt hat und dadurch die berufliche Existenz der Trafikanten und der Gastrono­men auf der Grundlage des Tabakmonopolgesetzes weiterhin unterstützt.“

*****

Danke. (Beifall bei FPÖ und Team Stronach.)

12.05



Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 79

Präsident Karlheinz Kopf: Der von Herrn Abgeordnetem Wurm eingebrachte Ent­schließungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

des Abgeordneten Peter Wurm und weiterer Abgeordneter

betreffend Abschaffung des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie

eingebracht im Zuge der Debatte über den Tagesordnungspunkt 5, Bericht des Finanz­ausschusses über den Antrag 2238/A der Abg. Ing. Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krai­ner, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Tabaksteuer­gesetz 1995 und das Tabakmonopolgesetz 1996 geändert werden (1724 d.B.) in der 190. Sitzung des Nationalrats am 30.06.2017

Die Tabakgesetznovellen 2015 und 2016 bringen für die österreichischen Trafikanten, die im Tabakmonopolgesetz die Grundlage ihrer Berufsausübung finden, aber auch für die österreichischen Gastronomen durch die Einführung eines absoluten Rauchverbots ab Mai 2018 erhebliche Nachteile für Umsatz und Deckungsbeiträge (§ 40 Tabakmo­nopolgesetz: Verkauf von Tabakerzeugnissen in Gaststätten). Durch den Wegfall der Wahlmöglichkeit für die Konsumenten, einen räumlich getrennten Raucher- oder Nicht­raucherbereich in der Gastronomie in Anspruch zu nehmen, wird auch die traditionelle österreichische Wirtshauskultur existentiell gefährdet.

Der Weiterbestand einer Wahlmöglichkeit, einen räumlichen Raucher- und Nichtrau­cherbereich zu führen, ermöglicht es den Trafikanten gemäß Tabakmonopolgesetz wei­terhin entsprechende Absatzmöglichkeiten über die Gastronomie für ihre Tabakwaren zu erhalten und den Gastronomen Zusatzgeschäfte über die verkaufte Tabakware zu ma­chen. Gleichzeitig wird auch die österreichische Wirtshauskultur, die seit rund 200 Jah­ren das Rauchen in der Gastronomie ermöglicht, erhalten.

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zu­zuleiten, die eine Rücknahme des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie ab
Mai 2018 zum Inhalt hat und dadurch die berufliche Existenz der Trafikanten und der Gastronomen auf der Grundlage des Tabakmonopolgesetzes weiterhin unterstützt.“

*****

 


Präsident Karlheinz Kopf: Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Bernhard. – Bitte.

 


12.06.00

Abgeordneter Michael Bernhard (NEOS): Herr Präsident! Herr Minister! Werte Kolle­ginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Meine Ausführungen beziehen sich auf die Erprobung des Bildungskompasses im Land Oberösterreich – an sich ein un­terstützenswertes Vorhaben, ein sehr kleiner Schritt in die richtige Richtung, allerdings ist das tatsächlich viel zu wenig. Ich möchte kurz auf die Entstehungsgeschichte dieses Gesetzes eingehen, damit man versteht, warum wir Kritik üben.

Im Ministerrat vom 17. November 2015 hat es geheißen: „Der Kindergarten ist die erste Bildungseinrichtung, in der die wesentlichen Grundlagen für die Entwicklung der Kinder


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 80

gelegt werden. Potential-, Begabungs- und Sprachförderung beginnen schon dort. Das Fundament für den weiteren Bildungsweg der Kinder wird gebaut. Dafür braucht es gu­te Rahmenbedingungen und gut ausgebildete und engagierte Pädagoginnen und Pä­dagogen.“ – Eh klar, versteht sich von selbst. Man ist damals von bundeseinheitlichen Qualitätsstandards ausgegangen. Es soll natürlich ein Kind in Vorarlberg nicht anders als ein Kind in Oberösterreich und nicht anders als ein Kind in Wien oder in der Stei­ermark aufwachsen, im Kindergarten betreut werden und das richtige Rüstzeug mitbe­kommen.

Was ist seit 2015 geschehen? – Der Plan war, das Ganze 2016 umzusetzen und dann von 2016 bis 2025 auch in bundeseinheitliche Standards überzuführen – nichts! Das, was jetzt herausgekommen ist, mit dem Vorhaben, dass man diese bundeseinheitli­chen Standards stufenweise bis 2025 einführt und umsetzt, war tatsächlich die Erpro­bung des Bildungskompasses im Land Oberösterreich. Schwarz und Rot betreiben da eine Blockadepolitik auf dem Rücken der Kleinsten in dem Wissen, dass die Qualität in vielen Kindergärten heute nicht dort ist, wo sie der Bund sehen möchte. Wir bezahlen für Leistungen, mit denen auch die Eltern nicht zufrieden sein können.

Aus diesem Grund bringe ich folgenden Entschließungsantrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Mag. Dr. Matthias Strolz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Er­möglichung eines verbindlichen bundesweit einheitlichen Qualitätsrahmens für elemen­tarpädagogische Einrichtungen

Der Nationalrat wolle beschließen:

Die Bundesregierung und insbesondere die Bundesministerin für Bildung wird aufge­fordert, dafür Sorge zu tragen, dass wenigstens folgende Forderung aus dem Vortrag des Ministerrats vom 17. November 2015 hinsichtlich der Elementarpädagogik noch zeit­gerecht umgesetzt wird:

Bundesweit einheitliche Mindest-Qualitätsstandards werden gemeinsam zwischen Bund und Ländern bis Ende 2017 erarbeitet, beschlossen und in einem Stufenplan bis 2025 umgesetzt (Bildungsreformkommission: Vortrag an den Ministerrat. Jahreszahl von 2016 auf 2017 adaptiert, da Frist bereits abgelaufen).

*****

Das ist das Mindeste, was man fordern muss. Wir geben damit der aktuellen Bundes­regierung ein Jahr mehr Zeit, als sie sich selbst gegeben hat. Es geht um die Kinder, es geht um die nächste Generation, verlieren Sie keine Zeit! Danke schön. (Beifall bei den NEOS.)

12.08


Präsident Karlheinz Kopf: Der von Herrn Abgeordnetem Bernhard eingebrachte Ent­schließungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Matthias Strolz, Michael Bernhard, Kolleginnen und Kollegen

betreffend Ermöglichung eines verbindlichen bundesweit einheitlichen Qualitätsrahmens für elementarpädagogische Einrichtungen


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 81

eingebracht im Zuge der Debatte über den Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1663 d.B.): Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG über die Erpro­bung des Bildungskompasses im Land Oberösterreich im Kindergartenjahr 2017/18 (1731 d.B.) – TOP 7

Die Vorhaben im Elementarpädagogik-Bereich, die noch im November 2015 angekün­digt wurden, konnte bisher kaum umgesetzt werden. Die Regierung hinkt hier dem ei­genen Zeitplan hinterher, obwohl im Vortrag an den Ministerrat vom 17.11.15 zu lesen ist: „Der Kindergarten ist die erste Bildungseinrichtung, in der die wesentlichen Grund­lagen für die Entwicklung der Kinder gelegt werden. Potential-, Begabungs- und Sprach­förderung beginnen schon dort. Das Fundament für den weiteren Bildungsweg der Kinder wird gebaut. Dafür braucht es gute Rahmenbedingungen und gut ausgebildete und engagierte Pädagoginnen und Pädagogen“ (Bildungsreformkommission: Vortrag an den Ministerrat).

Auch im Rahmen der aktuellen Bildungsreform findet die Elementarpädagogik kaum Berücksichtigung, obwohl die Entwicklung eines verbindlichen bundesweit einheitlichen Qualitätsrahmens in Abstimmung mit den Ländern bereits bis Ende 2016 passieren hätte sollen. Diese Verzögerungen sind nicht mehr länger hinzunehmen. Wir brauchen endlich verlässliche Qualität statt Länder-Willkür und planlosen Wildwuchs (vgl. zuletzt die Skandale in Wiener Kindergärten). Dafür brauchen wir klare und österreichweit ein­heitliche Qualitätsstandards, die gemeinsam im Parlament beschlossen werden. Diese Standards müssen sich an den Bedürfnissen der verschiedenen Altersgruppen orien­tieren. Denn: Je jünger ein Kind ist, umso kleiner müssen Gruppe und Betreuungsschlüs­sel sein. In einem ersten Schritt wäre also – wie seit Jahren von der Regierung ange­kündigt – ein verbindlicher bundesweit einheitlicher Qualitätsrahmen zu etablieren.

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung und insbesondere die Bundesministerin für Bildung wird aufge­fordert, dafür Sorge zu tragen, dass wenigsten folgende Forderung aus dem Vortrag des Ministerrats vom 17. November 2015 hinsichtlich der Elementarpädagogik noch zeitge­recht umgesetzt wird:

Bundesweit einheitliche Mindest-Qualitätsstandards werden gemeinsam zwischen Bund und Ländern bis Ende 2017 erarbeitet, beschlossen und in einem Stufenplan bis 2025 umgesetzt“ (Bildungsreformkommission: Vortrag an den Ministerrat. Jahreszahl von 2016 auf 2017 adaptiert, da Frist bereits abgelaufen).

*****

 


Präsident Karlheinz Kopf: Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Dr. Matznetter. – Bitte.

 


12.08.41

Abgeordneter Dr. Christoph Matznetter (SPÖ): Herr Präsident! Herr Finanzminister! Geschätzte Damen und Herren im Hohen Haus, auf der Besuchergalerie und soweit Sie ORF III schauen! Es gibt einen gewissen Robert Lugar aus dieser Partei, die sich Team Stronach nennt, hereingebracht von einem Milliardär namens Frank Stronach, der sich inzwischen schon heftigst dagegen wehrt, dass sein Name da weiter verwendet wird, weil er Reputationsschäden befürchtet; er hat vor ein paar Tagen per Fernzuschal­tung verordnet, dass die gar nicht mehr antreten sollen.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 82

Herr Lugar, manche hier werden Sie dann unter Umständen vermissen. – Ich gebe zu, ich werde Sie nicht vermissen, obwohl ich zugeben muss, das Vergnügen wird unter Umständen manchmal geringer sein, weil kaum ein anderer Kollege so viele Dinge, die bar jeder Substanz sind, hervorbringt.

Sie stellen sich hierher und erklären, auf welchem Abstiegspfad Österreich sei, dass Österreich herunterfalle. – Sagen Sie, lesen Sie manchmal die Zeitung, Herr Lugar?! (Abg. Neubauer: Welche denn?) – Vor ein paar Tagen, am 7. Juni, hätten Sie selbst in der „Presse“, die ja wohl kein sozialistisches Kampforgan ist, lesen können, dass wir beim Wirtschaftswachstum in Europa unter den Top 3 liegen; vor uns liegen nur Zy­pern, das nach den Verlusten in der Finanzkrise aufholt, und Rumänien, das einen lan­gen Weg aufzuholen hat. Unter den entwickelten Staaten innerhalb der EU ohne gra­vierende Bankenkrise wie in Zypern sind wir Nummer eins, Herr Lugar! – Und Sie ste­hen hier und erklären, wir fallen zurück! Wachen Sie einmal auf!

Es ist wirklich kein Schaden, wenn Sie nicht mehr kandidieren. Das ist die weiseste Äußerung, die Sie in der letzten Zeit getätigt haben: Wir treten einfach nicht mehr an! (Abg. Tamandl: Überheblich ist das schon! – Abg. Auer: Matznetter! Man müsste sinn­erfassend lesen können! Zwischenruf des Abg. Steinbichler.Na gut, okay, aber lesen kann er schon. Ich glaube, das wird er schon zusammenbringen. (Abg. Auer: Er nicht!) Ich habe es ihm gesagt.

Kommen wir dazu, warum es so ist, dass Österreich heuer ein Wachstum von 2,4 Pro­zent haben wird! (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Steinbichler.) Wenn er auf der WIFO-Seite nachlesen könnte, der Herr Lugar, dann würde er sehen, dass wir heuer arbeitszeitbereinigt – nämlich um die Arbeitstage – 2,6 Prozent Nettowachstum haben werden. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Vor einem Jahr haben die Ökonomen gesagt, das wer­den wir strukturell nie mehr erreichen. Ihr habt erklärt, wie schlecht die Regierung sei. Sagts einmal, wie geht’s euch?! Wir sind vorne! Das Land ist super, die Wirtschaft hat sich nach den Problemen der letzten zwei Jahre erholt! Die Arbeitslosigkeit sinkt! Und Sie erklären, wir haben es schlecht gemacht! Das ist absurd! (Zwischenrufe bei der FPÖ. Abg. Steinbichler: Herr Präsident, normal gibt es einen Ruf zur Sache!) Ma­chen Sie bessere Vorschläge! Es hat gut funktioniert! (Beifall bei der SPÖ und bei Ab­geordneten der ÖVP.) Und auch wenn die Regierung jetzt auseinandergegangen ist: Wir machen weiter auf dem Weg! (Heiterkeit und Zwischenrufe bei der FPÖ. – Abg. Stein­bichler: Das ist eine Androhung!)

Die Forschungsprämie, die wir jetzt in ein paar Minuten beschließen werden, bedeutet, dass wir, obwohl wir bereits von 1 Prozent vor 20 Jahren auf 3,14 Prozent F&E-Quote gestiegen sind, unter den Top-Ländern und Industrienationen weiter steigen werden – eine völlig richtige Maßnahme, die gut für die Entscheidung ist, wo Konzerne ihre For­schung und Entwicklung ansiedeln.

In diesem Sinne werbe ich dafür: Zustimmen, akzeptieren, wenn die Leistung gut ist! Auch wenn Wahlkampf ist: Das Land ist ein gutes Land, es ist gut verwaltet, wir sind top! (Abg. Kassegger: Haben Sie mir zugehört?) Schlechtzureden brauchen Sie es auch nicht mehr. Wir werden es uns ersparen, das anzuhören, weil Herr Lugar ja dann nicht mehr da ist. Ich freue mich auf diese Zeit. – Danke. (Beifall bei der SPÖ und bei Abge­ordneten der ÖVP.)

12.12


Präsident Karlheinz Kopf: Herr Klubobmann Ing. Lugar hat sich ein zweites Mal zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


12.12.35

Abgeordneter Ing. Robert Lugar (STRONACH): Ja, Herr Matznetter, wenn Sie sich freuen, freue ich mich natürlich mit Ihnen, keine Frage, aber schauen wir uns einmal


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 83

an, was Sie zur Sache gesagt haben. Ich habe vorhin auch zur Sache gesprochen. – Sie zwar relativ wenig, aber schauen wir uns an, was Sie gesagt haben.

Sie haben allen Ernstes gesagt, Österreich stehe gut da, und Sie haben das damit be­gründet, dass Sie eine Zeitung gelesen haben und in dieser Zeitung gestanden ist, Ös­terreich stehe gut da. (Zwischenrufe der Abgeordneten Hauser und Peter Wurm.) –Dann schauen wir uns einmal an, wo Sie das herhaben! Ich kenne diese Zeitung nicht (Abg. Matznetter: Die „Presse“!), aber Sie werden mir sicher noch sagen, ob diese Zeitung das deshalb geschrieben hat, weil Sie darin inseriert haben – selbstverständlich mit Steu­ergeld –, oder ob das tatsächlich stimmt.

Dann schauen wir uns einmal die Fakten an! Die Fakten sind, und das haben Sie, Herr Matznetter, in Ihrem Traum- beziehungsweise Luftschloss vergessen, das sich Wirt­schaftskammer nennt, wo Sie Funktionär sind. Kein Mensch weiß, was Sie dort ma­chen, aber es soll so sein. (Abg. Schopf: Sie wissen das vielleicht? Sie wissen das!)

Und dort haben Sie wahrscheinlich noch nicht mitbekommen, dass die Österreicher, vor allem jene, die wenig verdienen, seit dem Jahr 2000 einen realen Lohnverlust von 35 Prozent hinnehmen mussten, und zwar deshalb, weil Sie auf der einen Seite die Steu­ern permanent erhöhen, permanent Ideen haben, wie man Steuern erhöhen kann, weil immer dann, wenn es um eine Steuerreform geht, am Ende des Tages eine Steuerer­höhung herauskommt, und weil auf der anderen Seite die Inflation in keiner Weise ab­gegolten wurde.

Und dann gibt es die sogenannte kalte Progression, die Sie auch nicht abschaffen wol­len, die dazu führt, dass die Österreicher de facto einen Einkommensverlust haben. Da­von spreche ich! Ich spreche nicht davon, was Sie in irgendwelchen Zeitungen lesen, sondern ich spreche davon, dass Österreich den Bach runtergeht. Wenn Sie sagen, wir haben jetzt ein Wirtschaftswachstum, das besser ist als die Jahre davor, dann stimmt das (Zwischenruf des Abg. Matznetter), nur muss man sich den ganzen Zeitraum an­sehen. Und wenn man sich den Zeitraum ansieht, dann sieht man, dass Österreich ab­sandelt, wie das Ihr Chef bei der Wirtschaftskammer immer wieder sagt, was Sie aber anscheinend nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

Aber natürlich, wenn ein Sozialist hier ans Rednerpult tritt, dann findet er alles großar­tig, weil Sie als Sozialisten ja ohnehin schon vergessen haben, wie es den Menschen draußen geht. (Beifall bei Team Stronach und FPÖ.) Und denen geht es nun einmal schlecht, und zwar deshalb, weil sie sich – gerade in Wien, wo Sie doch vorher so ge­lobt haben, wie toll das in Wien läuft – die Wohnungen nicht mehr leisten können, weil sie sich die Betriebskosten nicht mehr leisten können. – Das ist alles Ihre Schuld, weil Sie mit dieser falschen Politik alle nach Wien locken, weil durch die falsche Baupolitik in Wien nur 10 000 Wohnungen gebaut werden und jedes Jahr 100 000 dazukommen, denen Sie dann hinten das Geld der braven Steuerzahler hineinstecken. – So schaut es nämlich aus, Herr Matznetter! (Beifall bei Team Stronach und FPÖ.)

Das machen Sie in Wien, und dann stellen Sie sich hier heraus, beflegeln uns und freu­en sich auch noch diebisch, wenn es jemand nicht ins Hohe Haus schaffen sollte. Ich weiß ja nicht, wer es schafft. Ich weiß auch nicht, ob Sie es schaffen werden, denn Sie müssen ja gewählt werden! (Beifall bei der FPÖ.)

Sie müssen vom Bürger gewählt werden, und ich kann den Bürgern – ich hoffe, es hö­ren einige zu – nur eines empfehlen: Wählen Sie bitte nicht Rot und Schwarz und bitte nicht den Matznetter (Heiterkeit bei der FPÖ), denn der Matznetter hat in seinem Glas­palast, der Wirtschaftskammer, die Bodenhaftung verloren, und er weiß gar nicht mehr, wie es den Menschen da draußen geht. – So schaut es nämlich aus. Deshalb: Wählen Sie weder Rot noch Schwarz, sondern wählen Sie die Zukunft, und da ist der Matznet-


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ter hoffentlich nicht dabei! – Vielen Dank. (Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. Abg. Matz­netter: Lugar ... Vorzugsstimmen ...! Bei seiner Beliebtheit!)

12.16


Präsident Karlheinz Kopf: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Keck. – Bitte.

 


12.16.21

Abgeordneter Dietmar Keck (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Ich versu­che, wieder auf die sachliche Ebene zurückzukommen, und möchte zum Tagesordnungs­punkt 3 sprechen.

Meine Damen und Herren! Nach der derzeitigen Rechtslage konnten Dienstnehmer steu­erlich begünstigte Anteile am Unternehmen des Dienstgebers erwerben; dies war bis zu einem Betrag von 3 000 € per annum steuerlich begünstigt. Diese Regelung war äu­ßerst unflexibel, weswegen wir jetzt ein Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsgesetz beschlie­ßen werden. Mit der Einführung dieses Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsgesetzes setzen wir wirklich wichtige volkswirtschaftliche Maßnahmen, die den Wirtschaftsstandort Ös­terreich weiter stärken und festigen werden. Es geht im Kern darum, einen gesetzlichen Rahmen zur Verfügung zu stellen, der es ermöglicht, die Mitarbeiterbeteiligung in einem Unternehmen besser umzusetzen.

Sinn und Zweck der Mitarbeiterbeteiligungsstiftung ist insbesondere die Bildung bezie­hungsweise die Stärkung eines Kernaktionärs und damit einhergehend die Vermeidung einer feindlichen Übernahme eines österreichischen Unternehmens sowie die Siche­rung von Arbeitsplätzen am jeweiligen Standort. Dafür sollen die Aktien für die Mitar­beiter und Mitarbeiterinnen von der Mitarbeiterbeteiligungsstiftung treuhänderisch ver­wahrt und verwaltet werden.

Der Vorteil dieser treuhänderischen Verwaltung ist eine einheitliche Stimmrechtsaus­übung und die Sicherstellung der Mitarbeiterbeteiligungsstiftung als Kernaktionär. Um die Rolle als Kernaktionär möglichst rasch erfüllen zu können und eine Grundausstat­tung der Mitarbeiterbeteiligungsstiftung mit Aktien im Sinne eines relevanten Beteili­gungsstocks sicherstellen zu können, soll auch die Mitarbeiterbeteiligungsstiftung selbst zusätzliche Aktien am Unternehmen halten können, was ja bisher auch nicht möglich war. Diese Aktien müssen aber dann sukzessive an die Mitarbeiter und Mitarbeiterin­nen abgegeben werden und sodann von der Mitarbeiterbeteiligungsstiftung treuhände­risch verwahrt werden.

Die Anzahl der Aktien, die diese Mitarbeiterbeteiligungsstiftung selbst halten darf, ist je­doch mit 10 Prozent der Stimmrechte am Unternehmen eingeschränkt. Die Aktien sol­len auf Dauer der Betriebszugehörigkeit von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Mitarbeiterbeteiligungsstiftung zur treuhänderischen Verwaltung und Verwahrung be­lassen werden.

Meine Damen und Herren! Eine solche Konstruktion hat die Mitarbeiterbeteiligungsstif­tung der voestalpine, die ja im Jahr 2000 errichtet wurde. Die beiden größten Einzel­aktionäre der voestalpine, die Mitarbeiterbeteiligungsstiftung und die Raika Oberöster­reich, halten gemeinsam 30 Prozent. Das ist der Garant dafür, dass dieses Unternehmen in Oberösterreich bleibt, seinen Standort in Österreich hält und Arbeitsplätze für die Mit­arbeiter sichert.

Daher ist es wichtig, dieses Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsgesetz zu beschließen – wich­tig für die Mitarbeiter, wichtig für den Standort Österreich und wichtig für die Wirtschaft in Österreich. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

12.19


Präsident Karlheinz Kopf: Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Steinbichler. – Bitte.

 



Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 85

12.19.24

Abgeordneter Leopold Steinbichler (STRONACH): Herr Präsident! Geschätzte Kol­leginnen und Kollegen! (Der Redner stellt eine Tafel mit der Aufschrift „OÖWOHNBAU“ und dem entsprechenden grün-blauen Logo auf das Rednerpult.) Sehr verehrte Zuse­herinnen und Zuseher auf der Besuchergalerie und vor den Fernsehgeräten! Einen gu­ten Appetit jenen, die jetzt ihr wohlverdientes Mittagessen einnehmen!

In dieser doch etwas wahlkampfbetonten Debatte erlaube ich mir, auf einen Punkt be­treffend dieses vorliegende Gesetz hinzuweisen: Gestern bei der Finanz- beziehungs­weise Rechnungshofdiskussion hat Kollegin Gabriela Moser schon den Bereich der ge­meinnützigen Wohnbauträger erwähnt. Diesen Bereich möchte ich erwähnen, weil in die­sem Gesetz auch das Körperschaftsteuergesetz verpackt ist, und ich denke, es ist ganz wesentlich, dass wir da einen Gleichstand schaffen.

Ich habe damals im Zusammenhang mit OÖ Wohnbau schon auf diese politischen Be­setzungen, auf die Versorgungspositionen hingewiesen. Es geht aber auch um diese Ge­pflogenheit, dass zunehmend günstig gekauft wird – wie in dem gestern erwähnten Fall bei der Stadt Wien – und nachher sogenannte gemeinnützige Wohnbauträger diese Pro­jekte erwerben und veredeln und darin gewaltige Gewinnsteigerungen versteckt haben.

Herr Finanzminister, ich glaube, das ist ein Bereich, wo circa 2 Milliarden € Steuerein­nahmen für dich zu lukrieren wären. Das muss man sich einmal genauer anschauen, das wird eine Aufgabe in der nächsten Gesetzgebungsperiode sein.

Ich erlaube mir noch ganz kurz, auf diese, ich würde sagen doch nicht sehr der Würde des Hauses entsprechenden, Einwürfe des Kollegen Matznetter einzugehen: Herr Kol­lege, ich darf dir sagen, wir werden diese Bilanz legen, wie viele Anfragen, wie viele Ge­setzesanträge, sinnvolle Vorschläge wir für die Zukunft der Bürgerinnen und Bürger hier in diesem Haus in dieser Periode eingebracht haben und in den nächsten Sitzungen noch einbringen werden.

Wie oft aber von den beiden Regierungsparteien gegen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger gestimmt wurde, bestätigt alleine der Antrag zur Öffentlichkeit der Ausschüs­se, zu direkter Demokratie. Lassen wir die Bürgerinnen und Bürger an dieser Politik teil­haben, damit sie wissen, was in diesem Hohen Haus läuft, damit sie wissen, welche The­men, die ihnen unter den Fingernägeln brennen, hier diskutiert werden, und damit sie auch, wenn sie interessiert sind, ihre Verbesserungsvorschläge in die laufende politische Ar­beit einbringen können! Ich glaube, das ist das ganz Wesentliche. Das ist gelebte De­mokratie. Das ist unser politisches Ziel: den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen.

Regionalisierung dient den Menschen. Regionalisierung sichert regionale Arbeitsplät­ze, schafft regionale Kaufkraft. Ihr habt die Statistik vergessen, die Arbeitnehmer haben 17 Prozent Kaufkraftverlust! Diese 17 Prozent fehlen der heimischen Wirtschaft, denn das Geld, das die Arbeitnehmer und die Familien nicht kriegen, können sie nicht inves­tieren, können sie nicht ausgeben. Das fehlt dem Turbomotor Wirtschaft.

Bleiben wir also bei den Fakten! Das dient der Zukunft unserer Kinder und unserer En­kel. Ich glaube, das muss das Ziel unserer Arbeit sein. – Danke. (Beifall beim Team Stro­nach. – Abg. Fekter: Nimm’s Taferl mit!)

12.22

12.22.51

 


Präsident Karlheinz Kopf: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Ich sehe keinen Wunsch der Berichterstatter auf ein Schlusswort.

Damit kommen wir zur Abstimmung, die über jeden Ausschussantrag getrennt erfolgt.

Abstimmung über Tagesordnungspunkt 2: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988 geändert wird, in 1721 der Beilagen.


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Hiezu liegen ein Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag der Abgeordneten Dr. Fuchs, Kolleginnen und Kollegen sowie ein Abänderungsantrag der Abgeordneten Dr. Lichten­ecker, Kolleginnen und Kollegen vor.

Ich werde daher zunächst über den erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungs­antrag, danach über den erwähnten Abänderungsantrag und schließlich über den Ge­setzentwurf in der Fassung des Ausschussberichtes abstimmen lassen.

Die Abgeordneten Dr. Fuchs, Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- bezie­hungsweise Abänderungsantrag eingebracht, der die Einführung einer neuen Z 1 so­wie die entsprechende Änderung der Ziffernbezeichnung betrifft.

Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit und da­mit abgelehnt.

Die Abgeordneten Dr. Lichtenecker, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abände­rungsantrag betreffend Z 1 und Z 2 eingebracht.

Wer spricht sich dafür aus? – Das ist wiederum die Minderheit und somit abgelehnt.

Somit kommen wir schließlich zur Abstimmung über den Gesetzentwurf samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes.

Wer spricht sich dafür aus? – Das ist mit Mehrheit angenommen.

Wir kommen zur dritten Lesung.

Wer spricht sich auch in dritter Lesung dafür aus? – Das ist wiederum die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend Mitarbeiterbeteiligungs­stiftungsgesetz 2017 in 1722 der Beilagen.

Hiezu liegen ein Zusatzantrag der Abgeordneten Dr. Strolz, Kolleginnen und Kollegen, sowie ein Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Groiß, Krainer, Kolleginnen und Kollegen vor.

Daher lasse ich zunächst über den Zusatzantrag, anschließend über die vom Abände­rungsantrag betroffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abge­stimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen.

Die Abgeordneten Dr. Strolz, Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatzantrag be­treffend Einfügung einer neuen Z 6a und Z 7 lit. c in Art. 1 eingebracht.

Wer spricht sich dafür aus? – Das ist die Minderheit und somit abgelehnt.

Die Abgeordneten Mag. Groiß, Krainer, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abän­derungsantrag betreffend Art. 1 und Art. 2 eingebracht.

Wer spricht sich dafür aus? – Das ist die Mehrheit.

Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussbe­richtes.

Wer spricht sich dafür aus? – Das ist wiederum mit Mehrheit angenommen.

Wir kommen zur dritten Lesung.

Wer spricht sich auch in dritter Lesung dafür aus? – Das ist wiederum die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend Mittelstandsfinanzierungs­gesellschaftengesetz 2017 samt Titel und Eingang in 1723 der Beilagen.

Wer spricht sich dafür aus? – Das ist die Mehrheit.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 87

Wir kommen zur dritten Lesung.

Wer stimmt in dritter Lesung zu? – Das ist wiederum die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit in dritter Lesung angenommen.

Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Tabaksteuergesetz 1995 und das Tabakmonopolgesetz 1996 geändert wer­den, samt Titel und Eingang in 1724 der Beilagen.

Wer spricht sich dafür aus? – Das ist die Mehrheit und somit angenommen.

Wir kommen zur dritten Lesung.

Wer stimmt in dritter Lesung zu? – Das ist wiederum die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit in dritter Lesung angenommen.

Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Groiß, Krainer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Vereinheitlichung der Packungsgröße für Zigaret­ten.

Wer spricht sich dafür aus? – Das ist die Mehrheit und somit angenommen. (E 215.)

Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Peter Wurm, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend Abschaffung des absoluten Rauchverbots in der Gastro­nomie.

Wer spricht sich hierfür aus? – Das ist die Minderheit. Dieser Antrag ist abgelehnt.

Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Normverbrauchsabgabegesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 1729 der Beilagen.

Wer spricht sich dafür aus? – Das ist einstimmig angenommen.

Wir kommen zur dritten Lesung.

Wer stimmt in dritter Lesung zu? – Das ist wiederum einstimmig. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: der Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG über die Erprobung des Bildungskompasses im Land Oberösterreich im Kindergarten­jahr 2017/18 in 1663 der Beilagen die Genehmigung zu erteilen.

Wer spricht sich dafür aus? – Zustimmung von allen, somit einstimmig angenommen.

Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Strolz, Kollegin­nen und Kollegen betreffend Ermöglichung eines verbindlichen bundesweit einheitlichen Qualitätsrahmens für elementarpädagogische Einrichtungen.

Wer spricht sich dafür aus? – Hierfür spricht sich nur eine Minderheit aus. Dieser An­trag ist somit abgelehnt.

12.28.318. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1662 d.B.): Bun­desgesetz, mit dem das Bundesgesetz über das Wirksamwerden der Verord-
nung (EU) 2016/1011 über Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanzkon­trakten als Referenzwert oder zur Messung der Wertentwicklung eines Investment­fonds verwendet werden (Referenzwerte-Vollzugsgesetz – RW-VG) erlassen wird und mit dem das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz, das Verbraucherkreditge­setz und das Hypothekar- und Immobilienkreditgesetz geändert werden (1726 d.B.)


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9. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1659 d.B.): Bundes­gesetz über den Verzicht des Bundes auf den die Abschlagszahlung übersteigen­den Anteil der Forderungen gegen den Fonds „Sondervermögen Kärnten in Ab­wicklung“ (SvK-Verzichtsgesetz) (1727 d.B.)

10. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1661 d.B.): Bundes­gesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Wertpapier- und allgemeinen Waren­börsen 2018 und das Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 erlassen werden und das Abschlussprüfer-Aufsichtsgesetz, das Aktiengesetz, das Alternative Investment­fonds Manager-Gesetz, das Alternativfinanzierungsgesetz, das Bankwesengesetz, das Bausparkassengesetz, das Betriebliche Mitarbeiter- und Selbständigenvorsor­gegesetz, das Bilanzbuchhaltungsgesetz 2014, das Bundesfinanzierungsgesetz, das Bundesgesetz zur Schaffung einer Abbaueinheit, das E-Geldgesetz 2010, das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz, das Energie-Cont­rol-Gesetz, das EU-Verschmelzungsgesetz, das Finanzkonglomerategesetz, das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz, das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz, die Gewerbeordnung 1994, das Glücksspielgesetz, das Hypothekenbankgesetz, das Immobilien-Investmentfondsgesetz, die Insolvenzordnung, das Investmentfonds­gesetz 2011, das Kapitalmarktgesetz, das Kontenregister- und Konteneinschau­gesetz, das Körperschaftsteuergesetz, das Maklergesetz, das Pensionskassen­gesetz, das Pfandbriefgesetz, das Ratingagenturenvollzugsgesetz, das Rech­nungslegungs-Kontrollgesetz, das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz, das SE-Gesetz, das SFT-Vollzugsgesetz, das Spaltungsgesetz, das Sparkassengesetz, das Übernahmegesetz, das Unternehmensgesetzbuch, das Versicherungsaufsichts­gesetz 2016, das Zahlungsdienstegesetz, das Zentrale Gegenparteien-Vollzugsge­setz und das Zentralverwahrer-Vollzugsgesetz geändert werden (1728 d.B.)

 


Präsident Karlheinz Kopf: Somit kommen wir zu den Punkten 8 bis 10 der Tages­ordnung, über welche die Debatte unter einem durchgeführt wird.

Ich sehe keinen Wunsch nach mündlicher Berichterstattung. Somit gehen wir in die De­batte ein.

Ich weise darauf hin, dass es nur fünf Redner gibt, danach folgt wieder eine Abstim­mung, meine Damen und Herren!

Erster Redner: Herr Abgeordneter Angerer. – Bitte.

 


12.29.56

Abgeordneter Erwin Angerer (FPÖ): Herr Präsident! Herr Minister! Hohes Haus! Ge­schätzte Damen und Herren! Bei diesem Themenblock geht es wieder einmal um die Hypo, um die HETA-Abwicklung. Herr Finanzminister, ich muss schon sagen, was Sie uns da mit diesem Sondervermögen-Kärnten-Verzichtsgesetz vorlegen, ist schon aben­teuerlich, das muss ich ehrlich sagen. Das ist eine Fortsetzung der Intransparenz, was die gesamte Abwicklung betrifft.

Schauen wir uns einmal an, was der Inhalt dieses Gesetzes ist: Kärnten soll zusätzlich zu den 1,2 Milliarden € noch 67 Millionen € zahlen. Wie begründet das der Bund? – Der Bund begründet das damit, dass er im Zuge der Verstaatlichung, nach der Verstaatlichung, Haftungen, entsprechende Bürgschaften übernommen hat und dass Abgabenforderun­gen bestehen. Dann sage ich jetzt: Okay, wenn diese Abgabenforderungen zu Recht be­stehen würden, würde man das ja noch einsehen.


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Es werden jetzt aber Forderungen von 1,7 Milliarden € in den Raum gestellt, und der Herr Finanzminister schreibt selbst in sein Gesetz hinein, es sei nicht klar, ob diese For­derungen zu Recht bestehen, und man müsste das auf dem Rechtsweg klären.

Jetzt macht man offensichtlich einen Deal mit den Kärntnern, mit dem Topteam Kaiser und Schaunig, und ich verstehe nicht, warum dieses Topteam diesem Deal zustimmt. Ich weiß nicht, wer auf dieses Topteam mehr Druck ausübt: der Herr Finanzminister oder der Herr Justizminister? Sonst ist es eigentlich unverständlich, dass Kärnten die­sen Deal macht und zusätzlich 67 Millionen € gegenüber dem Bund abliefern soll, ob­wohl nicht sicher ist, ob diese Forderungen überhaupt zu Recht bestehen.

Es ist wichtig und ganz richtig, dass unsere Kollegen in Kärnten schon eine Prüfung durch den Bundesrechnungshof gemeinsam mit dem Landesrechnungshof angeregt und in die Wege geleitet haben. Dieses gesamte Abwicklungsverfahren ist von Anfang an intransparent gelaufen; wir haben zuerst von 6 Milliarden € Erlös gesprochen, jetzt sind wir bei 9 Milliarden € Erlös. Das wird nicht transparent geführt.

Die Einzigen, die sich seit der Verstaatlichung – wobei wir bis heute noch nicht wissen, warum die Herren Pröll und Schieder diese Bank übernommen haben – den Bauch vor Lachen halten, sind die Bayern, denn sie haben seit 2008 aus der Bank sage und schreibe rund 4 Milliarden € zurückbekommen.

Der österreichische Steuerzahler – und da zähle ich ja wohl den Kärntner noch immer da­zu – blutet und zahlt noch immer. Das ist unverständlich, und für Kärnten im Konkreten gilt leider ein chinesisches Sprichwort: Lächelt und seid froh, es könnte schlimmer kom­men. Und sie lächelten und waren froh, und es kam schlimmer. (Beifall bei der FPÖ.)

12.32


Präsident Karlheinz Kopf: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Tamandl. – Bitte.

 


12.32.51

Abgeordnete Gabriele Tamandl (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Finanzminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kolle­gen! Dieser Tagesordnungspunkt hätte viel zu bieten, ich werde dann auch noch da­rauf eingehen, aber man kann natürlich das, was Kollege Angerer hier gesagt hat, nicht so stehenlassen.

Dieses Gesetz – Liquidation des Sondervermögens, Ausgleichszahlung an den Bund – ist natürlich ein weiterer Schritt zur Abwicklung der den österreichischen Steuerzahlern und Steuerzahlerinnen vom Land Kärnten umgehängten Haftung. Über 20 Milliarden € an Haftungen ist das Land Kärnten mit der Kärntner Landesholding eingegangen – und keine Idee davon, dass das jemals bedient werden kann! Sie waren lang genug selbst im Untersuchungsausschuss: Die Verstaatlichung war alternativlos, und die Haftungen hat dann der Bund übernommen. (Abg. Angerer: ... die Frau Griss damals!) Es ist nur gut und richtig, dass sich das Land Kärnten mit einem Anteil beteiligt, denn das Land Kärnten hat ja immerhin auch – und das haben Sie verschwiegen – Geld von der OeBFA bekommen; auch die Gläubiger mussten ja bedient werden.

Sie haben Landeshauptmann Kaiser angesprochen: Der muss das jetzt ausbaden, was das System Haider in Kärnten und in der ganzen Republik angerichtet hat, Herr Kolle­ge Angerer. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ. – Zwischenruf des Abg. Angerer.)

Zu diesem Tagesordnungspunkt gehört noch die Umsetzung einer EU-Richtlinie, MiFID II. Wir haben in diesem Gesetzeswerk Folgendes geregelt: beispielsweise im Börsegesetz einen erleichterten Zugang zu Kapital für Klein- und Mittelbetriebe, genau auf die Be­dürfnisse von Klein- und Mittelbetrieben zugeschnitten; eine Stärkung der Aufsicht durch erweiterte Aufsichtsmaßnahmen – ich glaube, auch das ist in unser aller Interesse; im


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Wertpapieraufsichtsgesetz einen besseren Anlegerschutz, mehr Transparenz und mehr Information für Anleger, auch Telefonaufzeichnungen bei Geschäften mit Anlegern, das betrifft also Wohlverhaltensregeln für Kreditinstitute, et cetera. Ich glaube, gerade im Sin­ne des Anlegerschutzes ist das eine ganz gute Sache.

Erfreulicherweise findet sich im Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz ein Abgehen vom Kumulationsprinzip; Kumulationsprinzip bedeutet nichts anderes, als dass man für ein und dasselbe Vergehen mehrmals bestraft wird. Davon geht man ab, und die Verhän­gung einer einzigen Strafe ist dann auf das höchste Strafausmaß begrenzt, es wird nur ein einziges Verfahren geben. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.)

Ich denke, das sollte ein erster Schritt zum gesamten Abgehen vom Kumulationsprin­zip in verschiedenen Bereichen des Verwaltungsstrafrechts sein, beispielsweise bei der Falscheinstufung von Gehältern bei mehreren Dienstnehmern oder bei mehreren Ver­gehen im Lohnverrechnungsbereich, die aber eigentlich ein Vergehen sein sollten. In diesen Bereichen gehört vom Kumulationsprinzip abgegangen. Das ist ein erster guter Schritt und wir hoffen, dass wir auch in anderen Bereichen künftig vom Kumulations­prinzip abgehen können, denn oft geht es um ein Vergehen, das nicht irgendwie be­absichtigt, nicht vorsätzlich ist. Dahin gehend gehört das Unternehmertum, gehören die Unternehmer gestärkt. (Beifall bei der ÖVP.)

12.36


Präsident Karlheinz Kopf: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dr. Hable. – Bitte.

 


12.36.58

Abgeordneter Dr. Rainer Hable (NEOS): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Die Hypo Alpe-Adria und deren Abwicklung beschäftigt wieder einmal das Par­lament, diesmal in Form eines Bundesgesetzes, mit dem der Bund auf rund 1,7 Milliar­den € gegenüber dem Fonds „Sondervermögen Kärnten in Abwicklung“ verzichtet und dafür 67 Millionen € Gegenleistung bekommt. Das ist natürlich kein gutes Geschäft, ins­besondere ist es kein gutes Geschäft für die Steuerzahler, und das nicht nur für die Ver­gangenheit und für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft.

Warum? – Weil diese Jahrhundertchance nicht genutzt wurde. Die Finanzgebarung in Kärnten war mit Haftungsübernahmen in Milliardenhöhe desaströs. Es ist immer nur am Rande erwähnt worden, sollte aber nicht vergessen werden, dass auch fast alle ande­ren Bundesländer für die Emissionen der Hypo Alpe-Adria mitgehaftet haben, im Jahr 2009 noch mit 10 Milliarden €. Das wäre die Chance gewesen, über die Finanzen, über das Geld in diesem Land endlich eine seit Jahrzehnten nicht umgesetzte Föderalismusreform anzustoßen! Weil man diese Chance eben nicht genutzt hat, ist natürlich genau das pas­siert, was zu erwarten war, nämlich gar nichts. Es sind keine Reformen umgesetzt wor­den, insbesondere zum Beispiel auch nicht ein Insolvenzrecht für Bundesländer.

Herr Finanzminister, im Konkreten haben wir Sie auch letzte Woche im Finanzaus­schuss gefragt, woraus sich denn die 1,7 Milliarden €, auf die der Bund verzichtet, ge­nau zusammensetzen. Es ist uns eine schriftliche Beantwortung versprochen worden, die wir bis dato nicht bekommen haben. Insofern ist es natürlich schon allein aus die­sem Grund unmöglich, angesichts der vorhandenen Intransparenz, die uns aber bei der Abwicklung der HETA immer schon begleitet hat, zuzustimmen.

Das Einzige, was wir wissen, ist, dass auch auf Haftungsentgelte für die sogenannte Phönix-Garantie verzichtet werden soll. Vielleicht erinnert sich noch jemand: Das ist je­ne Garantie gewesen, von der wir unter anderem auch im Untersuchungsausschuss fest­stellen mussten, dass der Bund für besonders schlechte Anteile des Hypo-Alpe-Adria-Portfolios eine Haftung übernommen hat und dementsprechend nicht ganz überraschend zum Handkuss kommt.


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Es wird auf die Haftungsentgelte verzichtet. Wir wollten allerdings wissen – und da ha­be ich Sie eben auch im Ausschuss vor zwei Wochen gebeten, uns das doch genau zu sagen –, welcher Vergleich denn bei dieser sogenannten sehr problematischen Phoe­nix-Bürgschaft abgeschlossen wurde. Das haben Sie uns beantwortet, allerdings muss ich leider feststellen, nicht sehr aufschlussreich, denn das Einzige, was Sie sagen, ist: Ja, es waren Sachen strittig und deswegen hat man einen Vergleich geschlossen. Das war uns schon klar. Es fehlt ein Datum, es fehlen konkrete Zahlen, es fehlen Grundla­gen, warum Sie einen Vergleich geschlossen haben. In Wirklichkeit haben Sie also gar nichts beantwortet. Das zieht sich, wie ich schon gesagt habe und wie auch Kollege Angerer gesagt hat, wie ein roter Faden durch den ganzen Abwicklungsprozess der Hy­po Alpe-Adria: Intransparenz von Anfang bis zum Ende.

Das lässt natürlich nichts Gutes vermuten, wenn nicht mit offenen Karten, mit Transpa­renz gespielt wird. Transparenz sieht anders aus, sorgsamer Umgang mit Steuergeld genauso. Von uns kann es in diesem Sinne keine Zustimmung geben. – Danke. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der FPÖ.)

12.40


Präsident Karlheinz Kopf: Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Knes. – Bitte.

 


12.41.02

Abgeordneter Wolfgang Knes (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Geschätz­te Kolleginnen und Kollegen! Kollege Hable spricht hier von einem roten Faden. Ich meine, die Hypo Alpe-Adria, sprich HETA, hat einen eindeutigen Faden, und der ist blau, das wissen wir. Wir wissen auch, wo dieser blaue Faden herrührt, Herr Kollege Ange­rer. Wir wissen alle, welcher Anstrengung es aller Fraktionen in diesem Haus bedurfte, um die Liquidität von Kärnten aufrechtzuerhalten. Und du stellst dich als Abgeordneter aus Kärnten hier heraus und sprichst gegen dieses Verzichtsgesetz? – Dann hast du in der Mathematik irgendetwas verpasst.

Es steht klar drinnen: Kärnten verpflichtet sich zu einer Abschlagszahlung von 67 Mil­lionen € – hast du auch angesprochen (Zwischenruf des Abg. Grillitsch) –, im Gegen­zug muss aber der Bund auf 1,71 Milliarden € verzichten. Genauso steht es auch in die­sem Gesetz, da wird nämlich Rechtssicherheit gegenüber den Gläubigern hergestellt. Somit ist auch Kärnten endlich frei von diesen ursprünglich aushaftenden Anteilen von 24 Milliarden €, die uns nur die blau-schwarze Regierung in Kärnten eingebrockt hat! (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenrufe bei der FPÖ.)

Übrigens, Herr Kollege Angerer: Sieht man heute diese damalige Regierung an, ist von dieser damaligen blau-schwarzen Regierung ein einziges Regierungsmitglied nicht rechts­kräftig verurteilt. Oh, Gott sei Dank, Herr Angerer, du sitzt noch straffrei hier in diesen Reihen, weil du nicht im Land Kärnten tätig warst. Alle deine anderen Kollegen sind rechtskräftig verurteilt, und auch Herr Dörfler wird daraus noch seine Lehren ziehen. (Abg. Mölzer: Herr Kollege, das ist ja ungeheuerlich!) – Nein, das ist nicht ungeheu­erlich! Das tut weh, klar, weil das von der blauen Regierung unter Haider eingebrockt wurde. So ist es zu diesem ganzen Hypo-Skandal gekommen. Wir haben nur zusammen­geräumt.

Wenn du, Herr Kollege Angerer, jetzt hergehst und in die Ecke schaust – hier wäre auch noch ein Staubkörnchen und das gehört auch noch zusammengekehrt –, dann hast du den ganzen Sinn und Zweck dieses Verzichtsgesetzes, nämlich für die Freiheit des Lan­des Kärnten, nicht verstanden. Wir werden im Wahlkampf darauf hinweisen, dass du das Land Kärnten deinem Redebeitrag nach eigentlich in die Insolvenz schicken willst. (Abg. Kassegger: Das ist eine Hausnummer, die 67 Millionen!)

Von Hable rede ich gar nicht mehr, er hat sowieso ein neoliberales Verhalten. Also der würde eigentlich jeden Bürger in Österreich gerne in der Insolvenz sehen, aber das möch­te ich gar nicht beurteilen.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 92

Ich habe aber noch einen Auftrag erhalten. Ich möchte den Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Werner Groiß, Kai Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen zur Re­gierungsvorlage (1661 der Beilagen) eines Bundesgesetzes, mit dem das Bundesge­setz über die Wertpapier- und allgemeinen Warenbörsen 2018 und das Wertpapierauf­sichtsgesetz 2018 erlassen werden und mehrere Gesetze geändert werden, einbringen.

Der Antrag müsste eigentlich im Saal verteilt worden sein, weshalb ich ihn der Ge­schäftsordnung entsprechend nur in seinen Grundzügen erläutere. Erstens: Bei der Än­derung des Wertpapieraufsichtsgesetzes wird die Oesterreichische Nationalbank von der allgemeinen Meldepflicht ausgenommen. Zweitens: Beim Übernahmegesetz wird ein Schreibfehler berichtigt. Drittens: Im Versicherungsaufsichtsgesetz wird klargestellt, dass die unionsrechtlichen Bestimmungen zur Anwendung technischer Standards für die Ver­sicherungs- und Rückversicherungsunternehmen und der durch die EU-Verordnung ge­regelten Anpassungsmechanismen für die Berechnung des Aktienrisikos unmittelbar an­wendbar sind.

Herzlichen Dank. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

12.44


Präsident Karlheinz Kopf: Der von Herrn Abgeordnetem Knes soeben in seinen Grund­zügen erläuterte Abänderungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht daher mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Mag. Werner Groiß, Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen

zur Regierungsvorlage (1661 der Beilagen) eines Bundesgesetzes, mit dem das Bun­desgesetz über die Wertpapier- und allgemeinen Warenbörsen 2018 und das Wertpa­pieraufsichtsgesetz 2018 erlassen werden und das Abschlussprüfer-Aufsichtsgesetz, das Aktiengesetz, das Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz, das Alternativfi­nanzierungsgesetz, das Bankwesengesetz, das Bausparkassengesetz, das Betriebli­che Mitarbeiter- und Selbständigenvorsorgegesetz, das Bilanzbuchhaltungsgesetz 2014, das Bundesfinanzierungsgesetz, das Bundesgesetz zur Schaffung einer Abbaueinheit, das E-Geldgesetz 2010, das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz, das Energie-Control-Gesetz, das EU-Verschmelzungsgesetz, das Finanzkonglomera­tegesetz, das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz, das Finanzmarkt-Geldwäschege­setz, die Gewerbeordnung 1994, das Glücksspielgesetz, das Hypothekenbankgesetz, das Immobilien-Investmentfondsgesetz, die Insolvenzordnung, das Investmentfondsge­setz 2011, das Kapitalmarktgesetz, das Kontenregister- und Konteneinschaugesetz, das Körperschaftsteuergesetz, das Maklergesetz, das Pensionskassengesetz, das Pfand­briefgesetz, das Ratingagenturenvollzugsgesetz, das Rechnungslegungs-Kontrollgesetz, das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz, das SE-Gesetz, das SFT-Vollzugsgesetz, das Spaltungsgesetz, das Sparkassengesetz, das Übernahmegesetz, das Unternehmens­gesetzbuch, das Versicherungsaufsichtsgesetz 2016, das Zahlungsdienstegesetz, das Zentrale Gegenparteien-Vollzugsgesetz und das Zentralverwahrer-Vollzugsgesetz ge­ändert werden, in der Fassung des Ausschussberichtes (1728 der Beilagen)

Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen:

Die oben genannte Regierungsvorlage (1661 d.B.) in der Fassung des Ausschussbe­richtes (1728 d.B.), wird wie folgt geändert:

A. Artikel 3 ( Wertpapieraufsichtsgesetz 2018) wird wie folgt geändert:

§ 2 Abs. 1 Z 7 lautet:


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 93

„7. die Oesterreichische Nationalbank sowie andere Mitglieder des Europäischen Sys­tems der Zentralbanken;“

B. Artikel 42 (Änderung des Übernahmegesetzes) wird wie folgt geändert:

In Z 8 wird in § 27e Abs. 7 erster Satz das Wort „Bedingung“ durch das Wort „Been­digung“ ersetzt.

C. Artikel 44 (Änderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes 2016) wird wie folgt ge­ändert:

1. Die Z 1 erhält die Bezeichnung 1a. Vor der neuen Z 1a wird folgende Z 1 eingefügt:

„1. Im Inhaltsverzeichnis wird nach dem Eintrag zu § 179 folgender Eintrag eingefügt:

„§ 179a Berechnung des Untermodul Aktienrisiko: symmetrischer Anpassungsmecha­nismus““

2. Nach Z 5 wird folgende Z 5a eingefügt:

„5a. In § 168 Abs. 1 wird folgender Schlussteil eingefügt:

„Wenn Technische Standards (EU) mit den in diesem Absatz genannten technischen Informationen von der Europäischen Kommission gemäß Art. 77e Abs. 2 der Richt­linie 2009/138/EG erlassen werden, haben die Versicherungs- und Rückversicherungs­unternehmen diese technischen Informationen für die Berechnung der versicherungs­technischen Rückstellungen gemäß Z 1 bis 3 zu verwenden.““

3. Nach der Z 5a wird folgende Z 5b eingefügt:

„5b. Nach § 179 wird folgender § 179a samt Überschrift eingefügt:

„Berechnung des Untermodul Aktienrisiko: symmetrischer Anpassungsmechanismus

§ 179a. (1) Das mit der Standardformel berechnete Untermodul Aktienrisiko schließt ei­ne symmetrische Anpassung der Kapitalanforderung für Aktienanlagen zur Bedeckung des mit Veränderungen des Aktienkursniveaus verbundenen Risikos ein.

(2) Die symmetrische Anpassung der gemäß § 175 Abs. 3 kalibrierten Standardkapital­anforderung für Aktienanlagen zur Bedeckung des mit Veränderungen der Aktienkurse verbundenen Risikos wird als Funktion der aktuellen Höhe eines geeigneten Aktienin­dexes und eines gewichteten Durchschnitts dieses Indexes berechnet. Der gewichtete Durchschnitt wird über einen angemessenen Zeitraum ermittelt, der für alle Versiche­rungs- und Rückversicherungsunternehmen gleich ist.

(3) Die symmetrische Anpassung der Standardkapitalanforderung für Aktienanlagen zur Bedeckung des mit Veränderungen der Aktienkurse verbundenen Risikos darf nicht zur Anwendung einer Kapitalanforderung für Aktienanlagen führen, die mehr als 10 vH über oder unter der Standardkapitalanforderung für Aktienanlagen liegt.““

4. Z 7 lautet:

„7. Dem § 340 wird folgender Abs. 4 angefügt:

„(4) § 8 Abs. 3, § 24 Abs. 3, § 94 Abs. 8, § 98 Abs. 1, § 123 Abs. 7, § 269, § 342 Abs. 1 Z 18 und 42 sowie § 342 Abs. 3 Z 11 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. XX/2017 treten mit 3. Jänner 2018 in Kraft. § 168 Abs. 1, § 179a sowie die Änderun­gen des Inhaltsverzeichnisses in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. XX/2017 treten mit dem der Kundmachung folgenden Tag in Kraft.““

Begründung

Zu Artikel 3 (Wertpapieraufsichtsgesetz 2018):

Die in der Regierungsvorlage enthaltene Gegenausnahme hat zu entfallen, da der Oes­terreichischen Nationalbank gemäß der Verordnung (EU) Nr. 600/2014 keine Melde-


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pflichten auferlegt werden können. Die FMA benötigt die Meldungen auch nicht, da die Transaktionen von der jeweiligen Gegenpartei gemeldet werden.

Zu Artikel 42 (Änderung des Übernahmegesetzes):

Hier ist ein Schreibfehler zu berichtigen.

Zu Artikel 44 (Änderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes 2016):

Die Europäische Kommission hat am 14. Juni 2017 ein Aufforderungschreiben wegen der Vertragsverletzung-Nr. 2017/2078 hinsichtlich der Umsetzung der Richtlinie 2009/138/EG betreffend die Aufnahme und Ausübung der Versicherungs- und der Rückversicherungs­tätigkeit (Solvabilität II), ABl. L 335 vom 17.12.2009, S 1 in der Fassung der Richtlinie (EU) 2016/2314 über die Tätigkeiten und die Beaufsichtigung von Einrichtungen der be­trieblichen Altersversorgung (EbAV), ABl. L 354 vom 23.12.2016, S 37 übermittelt.

Die Europäische Kommission führt aufgrund ihrer Bewertung der Umsetzungsmaßnah­men aus, dass die nachstehend aufgeführten Bestimmungen nicht im Versicherungs­aufsichtsgesetz 2016 – VAG 2016, BGBl. I Nr. 34/2015, in der Fassung des Bundesge­setzes Nr. 118/2017, umgesetzt wurden:

– Art. 77e Abs. 3 Unterabsatz 1 der Richtlinie 2009/138/EG: bezüglich der zwingenden Nutzung technischer Informationen und

– Art. 106 der Richtlinie 2009/138/EG: bezüglich des symmetrischen Anpassungsme­chanismus bei der Berechnung des Aktienrisiko-Untermoduls.

Bei den angesprochenen Punkten handelt es sich um Regelungen, die aufgrund unmit­telbar anwendbarer unionsrechtlicher Bestimmungen im Inland ohnedies zur Anwen­dung gelangen. Aus diesem Grund ist es zweckmäßig, die von der Europäischen Kom­mission geforderten Klarstellungen umzusetzen und so ein Vertragsverletzungsverfah­ren gegen die Republik Österreich zu vermeiden.

Zu Z 2 (§ 168 VAG 2016):

Mit dieser redaktionellen Anpassung wird klargestellt, dass die Versicherungs- und Rück­versicherungsunternehmen die unmittelbar anwendbaren Verordnungen der Europäi­schen Kommission anzuwenden haben, die diese in regelmäßigen Intervallen gemäß Art. 77e Abs. 2 der Richtlinie 2009/138/EG erlässt. Grundlage für diese Verordnungen sind die von der EIOPA veröffentlichten technischen Informationen.

Zu Z 1 und 3 (§ 179a VAG 2016):

Der in Art. 106 der Richtlinie 2009/138/EG geregelte symmetrische Anpassungsmecha­nismus für die Berechnung des Untermoduls Aktienrisiko wurde ursprünglich nicht in das VAG 2016 übernommen, da dieser Mechanismus vollständig in Art. 172 der Dele­gierten Verordnung (EU) 2015/35 geregelt ist, die unmittelbar anwendbar ist. Durch die redaktionelle Übernahme dieses Artikels tritt daher keine Änderung der Rechtslage für die Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen ein.

*****

 


Präsident Karlheinz Kopf: Zu Wort gelangt nun Herr Abgeordneter Mag. Kogler. – Bitte.

 


12.45.00

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Präsident! Es sind wieder mehrere Gesetze unter einem hier zu besprechen und anschließend abzustimmen. Wir werden diesem angesprochenen Kärnten-Teil, auch wenn es den einen oder die andere über­raschen sollte, zustimmen, weil da in letzter Konsequenz die Abarbeitung der Anleihen


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mit Bundeshaftungen im Zentrum steht und das eine gewisse Logik hat, obwohl wir na­türlich mit den ganzen Geschehnissen keine Freude haben.

Es sind aber noch andere Materien hier drinnen, die den Zusammenhang zu den Un­tersuchungen rund um die Hypo Alpe-Adria wunderbar herstellen werden, nämlich jene über die Wirtschaftsprüfer und mögliche Verbesserung von deren Arbeit sowie über de­ren möglicherweise zu verbessende Unbestechlichkeit.

Wie gehen die Zusammenhänge? – Wenn Sie sich schon Sorgen um die Verschuldens­kette für das größte Finanzverbrechen der Zweiten Republik machen, dann werde ich jetzt einmal die Farben weglassen, aber Sie können den Bericht des Verfahrensrichters anschauen. Ich empfehle natürlich speziell jenen der Grünen Fraktion. Für alle, die sonst zuschauen: Gehen Sie auf die Homepage!

Ich empfehle aber auch besten Gewissens – wir haben heute das erste Mal ein leicht abweichendes Abstimmungsverhalten, sehr geschätzter Kollege Hable hat ja hier schon gesprochen – ausdrücklich den Bericht der NEOS. Vielen Dank für die gute Arbeit im Un­tersuchungsausschuss!

Schauen Sie sich das an, liebe Zuseherinnen und Zuseher, da werden Sie Folgendes erkennen: Der Ursprung dieses größten Finanzverbrechens der Zweiten Republik liegt in Kärnten und bei der dortigen Landesregierung, weil nämlich unverantwortliche Leute in die diversen Firmen geschickt wurden, zuerst in die Landesholding und in weiterer Folge in das Bankmanagement. Dort sind, mit Anlauf und erkennbar, semikorrupte Bur­schen hineingesetzt worden, die mitgewirkt haben, dass uns vom Balkan aus die Mil­liarden unter dem Hintern weggefladert worden sind. So ist es, und das ist ein Versa­gen der Organe in Kärnten.

Es hat aber auch Bundesorganversagen gegeben, denn diese ganzen dicken, fetten Aufsichtsbehörden, die wir konstruiert haben, hätten das erkennen müssen und hätten damals schon genug Möglichkeiten gehabt, einzuschreiten, haben sie aber nicht. In der Konsequenz wurden diese Möglichkeiten verbessert, aber auch kaum genutzt. Wir un­tersuchen ja schon seit was weiß ich wie vielen Jahren gemeinsam, und ich werde es nicht zulassen, auch wenn es vielleicht wahltaktisch angenehmer wäre für uns, dass man dauernd so tut, als ob dafür nur eine einzige Partei verantwortlich wäre. Das ist nicht richtig. (Beifall bei Grünen und FPÖ.)

Die Sache war kompliziert. Richtig ist aber auch, dass in der Folge in der Bundesre­gierung, und zwar als die FPÖ schon aus der Bundesregierung draußen war, seriell grandiose Fehler mit Maximalschadenspotenzial durchgezogen wurden. Sowohl die um­nachtete Verstaatlichung als auch das anschließende Nichtstun haben den Milliarden­schaden geradezu potenziert.

Wenn wir im Nachhinein in den Untersuchungsberichten feststellen – es soll keiner sa­gen, da ist nichts herausgekommen –, dass selbst die Republik im Vorgehen gegenüber dem Freistaat Bayern moniert hat, dass damals schon, als wir „verstaatlicht“ haben – un­ter Anführungszeichen –, ein 11-Milliarden-€-Loch drinnen war, wir das aber gleichzei­tig nicht richtig anmahnen können, weil wir nämlich zu blöd waren, es zu durchschauen und deshalb die Gerichtschancen so gering sind, dann hat ja die Finanzprokuratur be­wiesen, dass unsere Bundesregierung in der Verhandlungsnacht und in der Vorberei­tung einfach total versagt hat, um jetzt nichts Schlimmeres vorzubringen. (Beifall bei Grü­nen und FPÖ.)

Das ist aber eine vielfärbige Angelegenheit, geradezu ein bunter Abend, in dem Fall eine bunte Nacht. Tragisch, ja, wir wollen das Stück nicht ins Lächerliche ziehen. Die Folgen der Untersuchungen sind leider nicht so streng gekommen, wie damals alle ge­tönt haben. Auch der Verfahrensrichter hat sich wesentlich mehr gewünscht. Größere Teile waren der Meinung, wir brauchen schön langsam – und das ist Aufgabe des Jus-


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tizministeriums – die Insolvenzordnung für die Bundesländer, und was das Wichtigste ist – und da haben wir gerade ein Gesetz zur Novelle –, eine Änderung bei den Bank- und Wirtschaftsprüfern.

Auch die haben versagt. Es war nicht nur die staatliche Aufsicht logischerweise. Alle Jahre wird das ganze Zeug testiert, aber da ist nie etwas passiert. Wenn wir eine kür­zere Rotation dieser Prüfer hätten, hätten wir zumindest die Chance, dass sich das ver­bessert. Was heißt das? Nicht alle zehn bis 24 Jahre, so wie Sie das Gesetz jetzt noch verwässert haben, soll die Wechselordnung angesiedelt sein, sondern alle sechs Jahre.

Deshalb gibt es abschließend folgenden Antrag der grünen Fraktion:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Mag. Werner Kogler, Kolleginnen und Kollegen zum Tagesordnungs­punkt 10 – das ist ein ewiger Gesetzestitel, deshalb gehe ich, Herr Präsident, nur auf die monierten Änderungen ein.

Der Nationalrat wolle beschließen:

„1. In Artikel 43 (Änderung des Unternehmensgesetzbuches) wird folgende Z 5a. ein­gefügt:

„5a. § 270a lautet:

‚§270a. Bei Gesellschaften im Sinne des § 189a Z 1 darf weder das erste Mandat ei­nes bestimmten Abschlussprüfers noch dieses Mandat in Kombination mit erneuerten Mandaten die Höchstlaufzeit von sechs Jahren überschreiten.‘ “

2. In Artikel 43 wird in Z 6. nach der Zeichenfolge „§ 267b“ die Zeichenfolge „sowie §270a“ eingefügt.“

*****

Die Begründung habe ich vorhin vorgebracht und auch eingemahnt. Geben Sie sich ei­nen Ruck, damit bei den Untersuchungen wenigstens irgendetwas herauskommt, denn es ist enttäuschend, was Rot und Schwarz für Konsequenzen ziehen, nämlich fast kei­ne. Setzen, sofern Sie nicht ohnehin schon sitzen! (Beifall bei den Grünen sowie bei Ab­geordneten von FPÖ und NEOS.)

12.51


Präsident Karlheinz Kopf: Der von Herrn Abgeordnetem Mag. Kogler eingebrachte Abänderungsantrag ist ausreichend unterstützt und steht daher mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Werner Kogler, Ruperta Lichtenecker, Freundinnen und Freunde zum Bericht des Finanz-Ausschusses über die Regierungsvorlage (1661 d.B.) Bundes­gesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Wertpapier- und allgemeinen Waren­bör­sen 2018 und das Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 erlassen werden und das Abschluss­prüfer-Aufsichtsgesetz, das Aktiengesetz, das Alternative Investmentfonds Manager-Ge­setz, das Alternativfinanzierungsgesetz, das Bankwesengesetz, das Bausparkassen­gesetz, das Betriebliche Mitarbeiter- und Selbständigenvorsorgegesetz, das Bilanzbuch­haltungsgesetz 2014, das Bundesfinanzierungsgesetz, das Bundesgesetz zur Schaf­fung einer Abbaueinheit, das E-Geldgesetz 2010, das Einlagensicherungs- und Anle-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 97

gerentschädigungsgesetz, das Energie-Control-Gesetz, das EU-Verschmelzungsgesetz, das Finanzkonglomerategesetz, das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz, das Finanz­markt-Geldwäschegesetz, die Gewerbeordnung 1994, das Glücksspielgesetz, das Hy­pothekenbankgesetz, das Immobilien-Investmentfondsgesetz, die Insolvenzordnung, das Investmentfondsgesetz 2011, das Kapitalmarktgesetz, das Kontenregister- und Konten­einschaugesetz, das Körperschaftsteuergesetz, das Maklergesetz, das Pensionskassen­gesetz, das Pfandbriefgesetz, das Ratingagenturenvollzugsgesetz, das Rechnungsle­gungs-Kontrollgesetz, das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz, das SE-Gesetz, das SFT-Vollzugsgesetz, das Spaltungsgesetz, das Sparkassengesetz, das Übernahmege­setz, das Unternehmensgesetzbuch, das Versicherungsaufsichtsgesetz 2016, das Zah­lungsdienstegesetz, das Zentrale Gegenparteien-Vollzugsgesetz und das Zentralverwah­rer-Vollzugsgesetz geändert werden (1728 d.B.)

Antrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

Die Regierungsvorlage betreffend ein Bundesgesetz, Bundesgesetz, mit dem das Bun­desgesetz über die Wertpapier- und allgemeinen Warenbörsen 2018 und das Wertpa­pieraufsichtsgesetz 2018 erlassen werden und das Abschlussprüfer-Aufsichtsgesetz, das Aktiengesetz, das Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz, das Alternativfinan­zierungsgesetz, das Bankwesengesetz, das Bausparkassengesetz, das Betriebliche Mit­arbeiter- und Selbständigenvorsorgegesetz, das Bilanzbuchhaltungsgesetz 2014, das Bundesfinanzierungsgesetz, das Bundesgesetz zur Schaffung einer Abbaueinheit, das E-Geldgesetz 2010, das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz, das Energie-Control-Gesetz, das EU-Verschmelzungsgesetz, das Finanzkonglomerategesetz, das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz, das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz, die Ge­werbeordnung 1994, das Glücksspielgesetz, das Hypothekenbankgesetz, das Immobi­lien-Investmentfondsgesetz, die Insolvenzordnung, das Investmentfondsgesetz 2011, das Kapitalmarktgesetz, das Kontenregister- und Konteneinschaugesetz, das Körperschaft­steuergesetz, das Maklergesetz, das Pensionskassengesetz, das Pfandbriefgesetz, das Ratingagenturenvollzugsgesetz, das Rechnungslegungs-Kontrollgesetz, das Sanie­rungs- und Abwicklungsgesetz, das SE-Gesetz, das SFT-Vollzugsgesetz, das Spaltungs­gesetz, das Sparkassengesetz, das Übernahmegesetz, das Unternehmensgesetzbuch, das Versicherungsaufsichtsgesetz 2016, das Zahlungsdienstegesetz, das Zentrale Ge­genparteien-Vollzugsgesetz und das Zentralverwahrer-Vollzugsgesetz geändert werden (1728 d.B.) in der Fassung des Berichtes des Finanz-Ausschusses über die Regie­rungsvorlage (1661 d.B.) wird wie folgt geändert:

1. In Artikel 43 (Änderung des Unternehmensgesetzbuches) wird folgende Z 5a. einge­fügt:

„5a. § 270a lautet:

‚§ 270a. Bei Gesellschaften im Sinne des § 189a Z 1 darf weder das erste Mandat ei­nes bestimmten Abschlussprüfers noch dieses Mandat in Kombination mit erneuerten Mandaten die Höchstlaufzeit von sechs Jahren überschreiten.‘ “

2. In Artikel 43 wird in Z 6. nach der Zeichenfolge „§ 267b“ die Zeichenfolge „sowie § 270a“ eingefügt.

Begründung

Hypo-Debakel sowie andere Banken- und Wirtschaftsskandale haben Österreich deut­lich vor Augen geführt, wie wichtig aussagekräftige Jahresabschlüsse von Unterneh­men sind. In dieser Hinsicht sind qualitativ hochwertige Abschlussprüfungen von be-


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sonderer Bedeutung. Sie dienen der Nachvollziehbarkeit und Richtigkeit von Unterneh­mensbilanzen und nehmen dadurch sowohl für die geprüften Unternehmen, als auch für den Finanzmarkt und die Gesellschaft als Ganzes eine unverzichtbare Kontroll- und Warnfunktion wahr.

Grundbedingung dafür ist die Unabhängigkeit der Abschlussprüfer von ihren Auf­traggebern, den zu prüfenden Unternehmen, wie auch die EU-Kommission in ihrem 2010 veröffentlichten Grünbuch schreibt, in dem sie jahrzehntelange Mandatierung als Grundübel der mangelnden Unabhängigkeit der Abschlussprüfer erkennt.

Einer der wichtigen Faktoren zur Sicherstellung dieser Unabhängigkeit ist die externe Rotation der Abschlussprüfer, also die zeitliche Beschränkung der Laufzeit der Abschluss­prüfungsmandate sowie der regelmäßige Wechsel der Abschlussprüfer bzw. der Un­ternehmen, die Abschlussprüfungen durchführen. In einem ersten Verordnungsentwurf hat die EU-Kommission daher eine maximale Laufzeit der Prüfungsmandate von sechs Jahren vorgesehen. Durch massiven Lobbyismus der Beraterindustrie wurde diese Re­gelung jedoch aufgeweicht.

Die von der EU tatsächlich verabschiedete Abschlussprüferverordnung (Nr. 537/2014) sieht im Regelfall als maximale Obergrenze nun nicht mehr sechs Jahre, sondern zehn Jahre vor, ermöglicht jedoch Mitgliedstaaten davon abzugehen und kürzere Laufzeiten von Abschlussprüfungsmandaten festzulegen.

Es ist dringend notwendig, dass aus dem Hypo-Debakel die Konsequenzen gezogen werden und der Nationalrat die Gelegenheit einer radikalen Verbesserung der Qualität von Abschlussprüfungen wahrnimmt, in dem der Freiraum der Abschlussprüferverord­nung genutzt und kürzere Rotationsfristen für Abschlussprüfer festgesetzt werden.

Die Abgeordneten zum Nationalrat treten damit sichtbar – und damit bewusst auch ge­genüber den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern – für qualitativ hochwertige Abschluss­prüfungen, die Stärkung des Finanzplatzes Österreich und die Vermeidung zukünftiger Milliardengräber zu Lasten der Öffentlichkeit, ein.

*****

 


Präsident Karlheinz Kopf: Ein zweites Mal zu diesem Tagesordnungspunkt zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Angerer. – Bitte.

 


12.51.30

Abgeordneter Erwin Angerer (FPÖ): Herr Präsident! Herr Minister! Hohes Haus! Ge­schätzte Damen und Herren! Herr Kollege Knes, zuerst möchte ich aufs Schärfste zu­rückweisen, dass im Zusammenhang mit der Hypo alle meine Kollegen in Kärnten ver­urteilt worden wären und ich nur deshalb nicht verurteilt worden wäre, weil ich nicht in Kärnten tätig war. – Also das ist nicht dein Niveau, das solltest du zurücknehmen, dafür solltest du dich entschuldigen. (Beifall bei der FPÖ. – Zwischenruf des Abg. Knes.)

Vielleicht hast du das Gesetz nicht gelesen. Ich lese dir einmal zwei Teile daraus vor, damit klar wird, warum wir das ablehnen: „Zwischen dem Bund, dem Land Kärnten und dem SvK“ – Sondervermögen Kärnten – „sind im Rahmen der Abwicklung bestimmte Rechtsfragen im Zusammenhang mit Abgaben- und Haftungsforderungen des Bundes strittig. Deren abschließende juristische Beurteilung könnte nur auf dem Prozesswege erfolgen.“

Das heißt, es ist einfach nicht klar, ob diese Forderung des Bundes gegenüber dem Land besteht. Und das noch Schlimmere ist: Diese 67 Millionen €, die der Herr Minister da hineinschreibt, hat jemand offensichtlich einfach irgendwie erfunden, fiktiv angenom­men, denn die konkrete Anfrage von uns wurde nicht beantwortet – weder im Finanz­ausschuss noch schriftlich.


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Hier steht: „Für den Fall, dass der Bund nicht verzichtet, wäre eine Insolvenz des Son­dervermögens Kärnten zu erwarten. Im Fall einer Insolvenz wäre der Bund Insolvenz­gläubiger und würde seine Forderungen nur anteilig im Rahmen der Insolvenzquote er­halten; diese wäre geringer zu erwarten als die Abschlagszahlung,“ – des Landes – „die daher aus Sicht des Bundeshaushaltes vorteilhafter ist.“

Jetzt erkläre mir einmal: Ist es ein super Vorteil für Kärnten, wenn da steht, dass es vor­teilhaft für den Bund ist? Und zum Zweiten: Wie kann man sagen, dass die Insolvenz­quote geringer wäre, wenn man es nie gerechnet hat? Der Herr Finanzminister hat uns nämlich erklärt, er hat es nicht gerechnet, das ist zu kompliziert. Deshalb kann man dem Gesetz auch nicht zustimmen. – Danke. (Beifall bei der FPÖ. – Zwischenbemerkung von Bundesminister Schelling.)

12.53

12.53.18

 


Präsident Karlheinz Kopf: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Ich erkenne keinen Wunsch auf abschließende Worte der Berichterstatter.

Wir kommen zur Abstimmung.

Zunächst Abstimmung über Tagesordnungspunkt 8: Entwurf betreffend ein Bundesge­setz, mit dem das Bundesgesetz über das Wirksamwerden der Verordnung (EU) 2016/1011 über Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten als Referenzwert oder zur Messung der Wertentwicklung eines Investmentfonds verwendet werden erlassen wird und mit dem das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz, das Verbraucherkreditge­setz und das Hypothekar- und Immobilienkreditgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 1662 der Beilagen.

Wer sich hiefür ausspricht, gebe bitte ein Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen.

Wir kommen sogleich zur dritten Lesung.

Wer ist auch in dritter Lesung dabei? – Das ist wiederum einstimmig. Somit ist der Ge­setzentwurf auch in dritter Lesung angenommen.

Abstimmung über Tagesordnungspunkt 9: Entwurf betreffend SvK-Verzichtsgesetz samt Titel und Eingang in 1659 der Beilagen.

Ich bitte um Ihre Zustimmung. – Das ist die Mehrheit und somit angenommen.

Wir kommen sogleich zur dritten Lesung.

Wer stimmt hier zu? – Das ist wiederum die Mehrheit und somit auch in dritter Lesung angenommen.

Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Wertpapier- und allgemeinen Warenbörsen 2018 und das Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 erlassen werden und das Abschlussprüfer-Aufsichts­gesetz, das Aktiengesetz, das Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz sowie wei­tere Gesetze geändert werden, in 1661 der Beilagen.

Hierzu liegen folgende Zusatz- beziehungsweise Abänderungsanträge vor:

Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Groiß, Krainer, Kol­leginnen und Kollegen und Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag der Abgeord­neten Mag. Kogler, Kolleginnen und Kollegen.

Ich lasse zunächst über die von den erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungs­anträgen betroffenen Teile, der Systematik des Gesetzes entsprechend, und schließ­lich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 100

Die Abgeordneten Mag. Groiß, Krainer, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abän­derungsantrag betreffend die Artikel 3 und 42 eingebracht.

Wer hiefür eintritt, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist die Mehrheit und somit an­genommen.

Die Abgeordneten Mag. Kogler, Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- bezie­hungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 43 eingebracht.

Wer hiefür eintritt, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit. Dieser Antrag ist abgelehnt.

Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fas­sung der Regierungsvorlage. – Das ist mit Mehrheit angenommen.

Die Abgeordneten Mag. Groiß, Krainer, Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 44 eingebracht.

Wer stimmt dem zu? – Das ist wiederum die Mehrheit und somit angenommen.

Schließlich gelangen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung der Regierungsvor­lage.

Wer stimmt hier zu? – Das ist wiederum die Mehrheit und somit angenommen.

Wir kommen sogleich zur dritten Lesung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die auch in dritter Lesung diesem Gesetzentwurf zu­stimmen wollen, um ein Zeichen. – Das ist wiederum die Mehrheit. Somit ist der Ge­setzentwurf auch in dritter Lesung angenommen.

12.57.0011. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1660 d.B.): Bundes­gesetz, mit dem ein Bundesgesetz über die Einrichtung eines Registers der wirt­schaftlichen Eigentümer von Gesellschaften, anderen juristischen Personen und Trusts (Wirtschaftliche Eigentümer Registergesetz – WiEReG) erlassen wird und das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz, das Finanzstrafgesetz, die Notariatsordnung, die Rechtsanwaltsordnung, das Devisengesetz, das Bankwesengesetz, die Bun­desabgabenordnung, das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz und das Energie­abgabenvergütungsgesetz geändert werden (1725 d.B.)

12. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1672 d.B.): Bundes­gesetz über österreichische Beiträge an internationale Finanzinstitutionen (IFI-Bei­tragsgesetz 2017) (1730 d.B.)

13. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1670 d.B.): Mehrsei­tiges Übereinkommen zur Umsetzung steuerabkommensbezogener Maßnahmen zur Verhinderung der Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung (1732 d.B.)

14. Punkt

Bericht des Finanzausschusses über die Regierungsvorlage (1638 d.B.): Abkom­men zwischen der Regierung der Republik Österreich und der Regierung des Staa-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 101

tes Israel zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und der Verhinderung der Steu­erumgehung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen samt Protokoll (1733 d.B.)

 


Präsident Karlheinz Kopf: Nun kommen wir zu den Punkten 11 bis 14 der Tagesord­nung, über welche die Debatte unter einem durchgeführt wird.

Es besteht kein Wunsch auf eine mündliche Berichterstattung.

Somit gehen wir in die Debatte ein.

Als Erster ist Herr Abgeordneter Dr. Fuchs zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


12.58.16

Abgeordneter MMag. DDr. Hubert Fuchs (FPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Finanzminister! Hohes Haus! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Die Einrichtung eines Wirtschaftliche Eigentümer Registergesetzes ist ein längst überfälliger Schritt. Das Fir­menbuch gibt unter anderem darüber Auskunft, in wessen zivilrechtlichem Eigentum ei­ne Gesellschaft steht, das Grundbuch gibt unter anderem darüber Auskunft, in wessen zivilrechtlichem Eigentum ein Grundstück steht, und das Register der wirtschaftlichen Eigentümer gibt eben darüber Auskunft, in wessen wirtschaftlichem Eigentum ein Rechts­träger steht.

Das Firmenbuch und das Grundbuch sind öffentlich zugängliche Register. Niemand kä­me auf die Idee, die Daten des Firmenbuches oder des Grundbuches aus Datenschutz­gründen geheim zu halten – außer unser Finanzminister. Dem Finanzminister ist es ein ganz großes Anliegen, dass die Daten des Registers der wirtschaftlichen Eigentümer nicht öffentlich zugänglich sind. Der Datenschutz und wieder einmal die EU dienen dem Finanzminister hier als fadenscheinige Ausrede. (Präsident Hofer übernimmt den Vorsitz.)

Das erinnert mich an die Diskussion im Plenum anlässlich der Beschlussfassung des Verrechnungspreisdokumentationsgesetzes. Da hat sich der Finanzminister auch ganz dezidiert gegen eine öffentliche länderbezogene Berichterstattung, das sogenannte Coun­try-by-Country-Reporting ausgesprochen, und damals diente dem Finanzminister das Völ­kerrecht als Ausrede.

In diesem Zusammenhang darf ich auf einen Richtlinienvorschlag im Hinblick auf die Offenlegung von Ertragsteuerinformationen durch bestimmte Unternehmen verweisen, welcher derzeit in Brüssel diskutiert wird. Diese Richtlinie würde wesentlich zur Erhö­hung der öffentlichen Transparenz bei der Zahlung von Ertragsteuern durch multinatio­nale Großkonzerne führen.

Und was sagt unser Finanzminister dazu? – Ich zitiere aus dem „Kurier“ vom 31. Mai 2017: „Noch sperrt sich allerdings der Rat der EU-Finanzminister, darunter auch Hans-Jörg Schelling.“

Herr Finanzminister, die Erhöhung der Steuertransparenz wäre ein ganz wichtiger Schritt hin zur Steuergerechtigkeit. (Beifall bei der FPÖ.)

Herr Finanzminister, mit Ihrer Blockadehaltung gegen öffentliche Transparenz schüt­zen Sie die multinationalen Großkonzerne zulasten der heimischen Steuerzahler. Ei­nem vernünftigen Gesetz wie dem Wirtschaftliche Eigentümer Registergesetz wurden von Ihnen bereits vor Inkrafttreten die Zähne gezogen. Sie, Herr Finanzminister, bewei­sen uns immer wieder, dass Sie von öffentlicher Transparenz und von Steuergerechtig­keit überhaupt nichts halten. (Beifall bei der FPÖ. – Zwischenbemerkung von Bundes­minister Schelling.)


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 102

13.01


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt nun Herr Abgeordneter Auer. – Bitte.

 


13.01.12

Abgeordneter Jakob Auer (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminis­ter! Meine sehr verehrten Damen und Herren, auch jene auf der Galerie! Mit besonde­rer Genehmigung des Präsidenten heiße ich eine Besuchergruppe aus Kirchberg in Ti­rol besonders herzlich willkommen!

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Kollege Fuchs hat bereits auf die Inhalte des Gesetzes Bezug genommen. Es verwundert nicht, dass es da unterschiedliche Sicht­weisen gibt. Tatsache ist, dass die Umsetzung dieser Gesetzesregelung einen wesent­lichen Beitrag zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung leisten kann. Dieses Register soll im Finanzministerium angesiedelt werden. Das Finanzminis­terium ist daher gleich Registerbehörde und soll letztlich auch Ausgangspunkt für die Feststellung und Überprüfung der Identität der wirtschaftlichen Eigentümer sein.

Es ist gut und rechtens, wenn Geldwäscherei bekämpft wird, aber alles mit Maß und Ziel. Klar ist, dass diese zu bekämpfen ist, aber ich glaube, dass man im ursprünglichen Entwurf überschießend unterwegs war. Die vorgesehenen Regelungen gingen ein biss­chen zu weit.

Ich freue mich daher, dass es gelungen ist, folgenden Abänderungsantrag zu formu­lieren:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Mag. Werner Groiß, Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen zur Re­gierungsvorlage (1660 d.B.) betreffend ein Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über die Einrichtung eines Registers der wirtschaftlichen Eigentümer von Gesellschaf­ten, anderen juristischen Personen und Trusts (Wirtschaftliche Eigentümer Registerge­setz – WiEReG) erlassen wird und das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz, das Finanz­strafgesetz, die Notariatsordnung, die Rechtsanwaltsordnung, das Devisengesetz, das Bankwesengesetz, die Bundesabgabenordnung, das Finanzmarktaufsichtsbehördenge­setz und das Energieabgabenvergütungsgesetz geändert werden (1725 d.B.)

Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen:

„Die oben genannte Regierungsvorlage (1660 d.B.) in der Fassung des Ausschussbe­richtes (1725 d.B.) wird wie folgt geändert:

Artikel 2 (Bundesgesetz über die Einrichtung eines Registers der wirtschaftlichen Ei­gentümer von Gesellschaften, anderen juristischen Personen und Trusts (Wirtschaftli­che Eigentümer Registergesetz – WiEReG) wird wie folgt geändert:

In § 9 Abs. 1 wird in der Z 14 der Punkt durch einen Strichpunkt ersetzt und folgende Z 15 angefügt:

‚15. die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur.‘

Artikel 3 (Änderung des Finanzmarkt-Geldwäschegesetzes) wird wie folgt geändert:

1) Nach der Z 2 wird folgende Z 2a eingefügt:

‚2a. In § 11 Abs. 1 wird folgender Schlussteil angefügt:

‚Wenn die wirtschaftlichen Eigentümer des Kunden gemäß § 2 Z 1 lit. b sublit. cc WiEReG ermittelt wurden, ist Z 2 im Falle von inländischen politisch exponierten Personen nicht anzuwenden, wenn keine Risikofaktoren vorliegen, die ein erhöhtes Risiko indizieren.‘‘

2) Z 5 lautet:

‚5. In § 43 wird folgender Abs. 3 angefügt:


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 103

‚(3) § 2 Z 3, Z 6, lit. g, § 11 Abs. 1 Schlussteil, § 23 Abs. 3 und § 44 Abs. 1 Z 22 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. xxx/2017 treten mit dem der Kundmachung folgenden Tag in Kraft.‘‘“

*****

Meine Damen und Herren! Ich bitte, gerade auch im Hinblick auf verschiedenste kleine Vereine oder Genossenschaften, zu sehen, dass dieser Abänderungsantrag eine we­sentliche bürokratische Erleichterung bringt. Es wäre doch ein bisschen fatal, wenn ein Mandatar, gleich welcher Fraktion, bei einem Leader-Vorstand tätig ist und daher die­ser Leader-Vorstand – weil der Mandatar eine politisch exponierte Person ist – von der Bank entsprechend zu beleuchten wäre, weil dort ja das Risiko der Terrorismusfinanzie­rung und anderer Bereiche besteht; oder auch in einer kleinen Wassergenossenschaft, wo sich 15 Mitglieder ehrenamtlich engagieren, hätte die Bank, wenn sie auf eine poli­tisch exponierte Person im Vorstand träfe, die Aufgabe, den gesamten Vorstand zu durch­leuchten.

Daher bedanke ich mich dafür bei den beiden Kollegen, nämlich bei Jan Krainer und Werner Groiß, dass es möglich war, diesen Abänderungsantrag einzubringen. – Ich be­danke mich für die Zustimmung. (Beifall bei der ÖVP.)

13.05


Präsident Ing. Norbert Hofer: Der Abänderungsantrag ist ausreichend unterstützt, er ist ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Mag. Werner Groiß, Jan Krainer, Kolleginnen und Kollegen

zur Regierungsvorlage (1660 d.B.) betreffend ein Bundesgesetz, mit dem ein Bundes­gesetz über die Einrichtung eines Registers der wirtschaftlichen Eigentümer von Ge­sellschaften, anderen juristischen Personen und Trusts (Wirtschaftliche Eigentümer Re­gistergesetz – WiEReG) erlassen wird und das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz, das Finanzstrafgesetz, die Notariatsordnung, die Rechtsanwaltsordnung, das Devisengesetz, das Bankwesengesetz, die Bundes­abgabenordnung, das Finanzmarktaufsichtsbehör­dengesetz und das Energieabgabenvergütungsgesetz geändert werden (1725 d.B.)

Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen:

Die oben genannte Regierungsvorlage (1660 d.B.) in der Fassung des Ausschussbe­richtes (1725 d.B.), wird wie folgt geändert:

Artikel 2 (Bundesgesetz über die Einrichtung eines Registers der wirtschaftlichen Ei­gentümer von Gesellschaften, anderen juristischen Personen und Trusts (Wirtschaftli­che Eigentümer Registergesetz – WiEReG) wird wie folgt geändert:

In § 9 Abs. 1 wird in der Z 14 der Punkt durch einen Strichpunkt ersetzt und folgende
Z 15 angefügt:

„15. die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur.“

Artikel 3 (Änderung des Finanzmarkt-Geldwäschegesetzes) wird wie folgt geändert:

1) Nach der Z 2 wird folgende Z 2a eingefügt:

„2a. In § 11 Abs. 1 wird folgender Schlussteil angefügt:


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 104

„Wenn die wirtschaftlichen Eigentümer des Kunden gemäß § 2 Z 1 lit. b sublit. cc WiEReG ermittelt wurden, ist Z 2 im Falle von inländischen politisch exponierten Per­sonen nicht anzuwenden, wenn keine Risikofaktoren vorliegen, die ein erhöhtes Risiko indizieren.““

2) Z 5 lautet:

„5. In § 43 wird folgender Abs. 3 angefügt:

„(3) § 2 Z 3, Z 6 lit. g, § 11 Abs. 1 Schlussteil, § 23 Abs. 3 und § 44 Abs. 1 Z 22 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. xxx/2017 treten mit dem der Kundmachung folgenden Tag in Kraft.““

Begründung

Zu Artikel 2 (§ 9 WiEReG):

Mit dieser Änderung wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur gemäß § 1 Abs. 3 Bundesfinanzierungsgesetz, BGBl.
Nr. 763/1992, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 53/2017, Teile des Finanzmarkt-Geldwäschegesetzes (FM-GwG), BGBl. I Nr. 118/2016 anzuwenden hat. Insbesondere trifft die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur die Verpflichtung zur Feststellung und Überprüfung der wirtschaftlichen Eigentümer gemäß § 6 Abs. 1 Z 2 FM-GwG. Es ist daher erforderlich auch der Österreichische Bundesfinanzierungsagen­tur eine Einsicht in das Register gemäß § 9 Abs. 1 zu gewähren.

Zu Artikel 3 (§ 11 FM-GwG):

Mit dieser Änderung soll erreicht werden, dass auf Vereine nicht in jedem Fall ver­stärkte Sorgfaltspflichten angewendet werden müssen, wenn ein organschaftlicher Ver­treter des Vereines eine politisch exponierte Person ist. In diesen Fällen sollen nur dann verstärkte Sorgfaltspflichten angewendet werden, wenn bei der Geschäftsbeziehung zu dem Verein tatsächlich ein erhöhtes Risiko besteht. Diese Regelung nimmt zum Teil schon den aktuellen Verhandlungsstand zu dem Vorschlag der Europäischen Kom­mission für eine Richtlinie zur Änderung der Richtlinie (EU) 2015/849 zur Verhinderung der Nutzung des Finanzsystems zum Zwecke der Geldwäsche und der Terrorismusfi­nanzierung und zur Änderung der Richtlinie 2015/101/EG, COM(2016) 450 final (idF Kommissionsvorschlag), vom 6. Juli 2016 vorweg. Gemäß dem Verhandlungsmandat des Rates vom 19. Dezember 2016, könnten in einem neu eingefügten Abs. 2 in Art. 20 der Richtlinie (EU) 2015/849 Erleichterungen für politisch exponierte Personen vorge­sehen werden, die ihren Wohnsitz in einem Mitgliedstaat haben. Zudem könnte sich aus den Trilogverhandlungen ergeben, dass gemäß § 2 Z 1 lit. b sublit. cc WiEReG fest­gestellte Personen nicht mehr als wirtschaftliche Eigentümer gelten. Diese Regelungen sollen in einem angemessenen Maß vorweg genommen werden, um eine zielgerichte­te Anwendung der verstärkten Sorgfaltspflichten zu ermöglichen.

Bei Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, die grundsätzlich keine gemeinnützi­gen Zwecke verfolgen, ist eine vergleichbare Regelung nicht indiziert. Es sollte aber dem Umstand Rechnung getragen wer-den, dass eine hohe Zahl an ehrenamtlichen Mitglie­dern in den Vorständen der inländischen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften tä­tig sind. Da die ehrenamtlichen Vorstände keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik der Genossenschaft nehmen, werden gemäß § 6 Abs. 3 WiEReG nur die Geschäftsleiter als wirtschaftliche Eigentümer in das Register übernommen. Es wäre daher nicht sach­gerecht, wenn aufgrund der Definition des wirtschaftlichen Eigentümers gemäß § 2 WiEReG die verstärkten Sorgfaltspflichten des § 11 Abs. 1 Z 2 auf sämtliche Vorstands­mitglieder von Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften anzuwenden wären.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 105

Daher sollten die Verpflichteten bei der Anwendung der Sorgfaltspflichten zur Feststel­lung und Überprüfung der wirtschaftlichen Eigentümer eine nähere Bestimmung der obers­ten Führungsebene einer Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften vornehmen kön­nen. So sollte die oberste Führungsebene auf-grund der jeweiligen Funktionsbezeich­nung (bspw. Geschäftsleiter), näher eingrenzt werden können.

*****

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt nun Herr Abgeordneter Mag. Ross­mann. – Bitte.

 


13.05.34

Abgeordneter Mag. Bruno Rossmann (Grüne): Herr Präsident! Herr Minister! Hohes Haus! Immer dann, wenn Transparenz im Spiel ist, geht in Sachen Betrugsbekämp­fung, Steuerbetrugsbekämpfung und -vermeidung etwas weiter. All die Leaks, von Lux-Leaks über Panama-Leaks bis Bahamas-Leaks, haben das eindeutig belegt.

Heute geht es um ein Register, das wirtschaftliche Eigentümer ausweisen soll, aber ein wesentliches Element in diesem Register fehlt, nämlich der öffentliche Zugang zu die­sem Register, und Transparenz ist wirklich eine der zentralen Maßnahmen.

Herr Minister, da Sie sich in den letzten Tagen als Vorreiter in Sachen Steuerbetrugs­bekämpfung und Steuervermeidung hingestellt haben, muss ich Ihnen eines sagen: Ja, es ist einiges in Österreich passiert, das stimmt, aber immer nur auf Druck der Öffent­lichkeit – die erwähnten Leaks –, aber in Sachen Öffentlichkeit ist man in sehr vielen Fäl­len nicht weit genug gegangen. Das betrifft das sogenannte Country-by-Country-Repor­ting, das heißt die Meldung von Unternehmensdaten an die Finanzbehörden – Öffentlich­keit ausgeschlossen. Das betrifft aber auch die Sonderabsprachen, die sogenannten Tax Rulings, die zwischen Finanzbehörden auf der einen Seite und Großkonzernen auf der anderen Seite abgeschlossen wurden: Was fehlt, ist wiederum die Öffentlichkeit. Und beim Wirtschaftliche Eigentümer Registergesetz ist es auch wieder die Öffentlich­keit, die fehlt. Die Öffentlichkeit hat nämlich keine Möglichkeit, in dieses Register hi­neinzuschauen, um zu sehen, welche wirtschaftlichen Eigentümer jeweils dahinterstehen.

Man hat eine Konstruktion gewählt, die so ausschaut, dass man sagt, es muss ein be­rechtigtes Interesse vorliegen. Das berechtigte Interesse ist aber so zu verstehen, dass nachgewiesen werden muss, dass bereits erfolgreiche Aktivitäten zur Verhinderung von Geldwäsche vorliegen.

Herr Minister, restriktiver geht es nicht mehr! De facto ist damit die Öffentlichkeit aus­geschlossen, und dass man damit auch hinter jenen Entwurf der Richtlinie zurückge­fallen ist, den die Kommission nach Panama-Papers veröffentlicht hat, ist vermutlich wohl darauf zurückzuführen, dass heftig interveniert wurde. Da ist nämlich vorgesehen ge­wesen, dass Öffentlichkeit zugelassen wird. Nunmehr ist das – das haben Sie selbst im Ausschuss gesagt – im Ratsbeschluss nicht mehr vorgesehen.

Wir haben uns aber andere Regelungen angeschaut, nämlich die deutsche Regelung. Diese deutsche Regelung zeigt ganz eindeutig, dass man die vorliegende Richtlinie doch weiter gehender interpretieren kann und eine liberalere Fassung bezüglich Öffentlich­keit zulassen kann. Da hätte auch Österreich deutlich liberaler sein können. Im Übrigen sagt auch Tax Justice Network, dass es liberaler geht. Länder wie Großbritannien, die Niederlande und Dänemark gehen weiter.

Warum wenden Sie sich immer gegen die Transparenz? – Sie sagen, diese Daten könn­ten von der Öffentlichkeit fehlinterpretiert werden. Das sind lächerliche Argumente, Herr Finanzminister! Was Sie aber sehr wohl immer tun, ist, dass Sie immer wieder – das sagen die Steuerexperten in Brüssel – in entscheidenden Dingen blockieren und brem­sen.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 106

Ich zitiere aus dem Handelsblatt: Irland gehört neben Malta und Österreich zu jenen Län­dern, die hinter den Kulissen regelmäßig Einspruch erheben, wenn die EU-Schlupflöcher in der Steuergesetzgebung geschlossen werden sollen. – Zitatende.

Von Vorreiterrolle, Herr Finanzminister, kann ich in Wirklichkeit nichts erkennen. Wa­rum geben Sie nicht Auskunft über die wirtschaftlichen Eigentümer? – Sie haben ein­mal im Ausschuss zu mir gesagt, Sie wollen die wirtschaftlichen Eigentümer vor mir schützen. – Das sind doch lächerliche Argumente! Andererseits haben Sie gesagt, es sei im österreichischen Firmenbuch hinsichtlich Privatstiftungen ohnehin alles so super­transparent. Das stimmt alles nicht, Herr Minister, da man über Zusatzurkunden alles verschleiern kann. Sie sind auch ein Minister, der versucht, zu verschleiern.

Daher bringe ich einen Entschließungsantrag betreffend die Umsetzung eines kon­kreten Aktionsplans für faire Beiträge von Konzernen ein.

Im Wesentlichen habe ich den Antrag erläutert: Ein zentrales Argument ist die Trans­parenz, ein weiteres Argument ist natürlich die Steuerharmonisierung, das heißt die Not­wendigkeit, dass Gewinne von Konzernen dort zu besteuern sind, wo sie erwirtschaftet werden. Das setzt a) eine Vereinheitlichung der Steuerbemessungsgrundlage im Un­ternehmensbereich und b) Mindeststeuersätze voraus.

Der Entschließungsantrag sollte Ihnen vorliegen. – Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen.)

13.10


Präsident Ing. Norbert Hofer: Der Entschließungsantrag wurde gemäß § 53 Abs. 4 GOG an die Abgeordneten verteilt. Er ist ordnungsgemäß eingebracht und steht mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Bruno Rossmann, Werner Kogler, Freundinnen und Freunde

betreffend Umsetzung eines konkreten Aktionsplans für faire Beiträge von Konzernen

eingebracht im Zuge der Debatte Bericht des Finanzausschusses über die Regierungs­vorlage (1660 d.B.): Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über die Einrichtung ei­nes Registers der wirtschaftlichen Eigentümer von Gesellschaften, anderen juristischen Personen und Trusts (Wirtschaftliche Eigentümer Registergesetz - WiEReG) erlassen wird und das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz, das Finanzstrafgesetz, die Notariatsord­nung, die Rechtsanwaltsordnung, das Devisengesetz, das Bankwesengesetz, die Bun­desabgabenordnung, das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz und das Energieabga­benvergütungsgesetz geändert werden (1725 d.B.)

Begründung

1.000 Mrd Euro pro Jahr verlieren die EU-Mitgliedstaaten durch Steuervermeidung, be­trug und hinterziehung. Das entspricht etwa dem Dreifachen der gesamten österreichi­schen Wirtschaftsleistung. Dieses Geld fehlt in den Gesundheits-, Sozial-, und Bildungs­budgets und für die dringend notwendigen Investitionen für den Klimaschutz.

Multinationale Konzerne nutzen jede gesetzliche Lücke aus, um ihre Steuerleistung zu "minimieren". Die Gewinne werden in Niedrigststeuerländer verschoben und die Bemes­sungsgrundlagen verringert um die Steuerleistung so gering wie möglich zu halten. Die­ses schädliche Steuerdumping nach unten findet nicht nur in Übersee statt, sondern auch mitten in der EU. Bekannte Beispiele für die so genannte "aggressive Steuerplanung" sind multinationale Konzerne wie Google, Apple, Amazon, Ikea oder Starbucks.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 107

Die Liste der Skandale wird immer länger. Sie reicht von Swiss Leaks, Lux Leaks über Panama Papers bis hin zu den jüngst bekannt gewordenen Malta Files. Gemeinsam haben diese Skandale eines: Sie gelangten durch Whistleblower an die Öffentlichkeit und wurden durch internationale Kooperationen von JournalistInnen aufgearbeitet. Da­rüber hinaus leisten NGOs wie "Tax Justice Network" einen wichtigen Beitrag zur Auf­klärung.

Bereits zwei Drittel des grenzüberschreitenden Handels erfolgen innerhalb von Konzer­nen und mehr als die Hälfte des Welthandels fließt über Steueroasen. Das sollte ein Alarmsignal sein, das international aufgegriffen werden muss, um ein faires System der Besteuerung zu schaffen. Den Nationalstaaten sind im Rahmen ihrer Gesetzgebung Grenzen gesetzt. Die Mitgliedstaaten der EU, die G20 und die OECD setzen sich lau­fend mit Fragen der internationalen Steuervermeidung auseinander. Deren Aktionsplä­ne (wie z.B. BEPS) sind zwar sehr zu begrüßen, greifen jedoch zu kurz, weil die in der OECD stattfindenden Verhandlungen nicht frei von Eigeninteressen der Mitgliedstaaten und dem Lobbying von Großkonzernen sind. BEPS zielt lediglich auf eine Reparatur des bestehenden internationalen Steuerregimes ab, nicht aber auf dessen grundlegen­de Änderung, etwa des Begriffs der Betriebsstätte. Die Gelegenheit, die die Enthüllun­gen über Steuervermeidung bieten, sollte daher nicht ungenutzt bleiben und für eine In­tensivierung der Bemühungen im Kampf gegen die aggressive Steuerplanung genutzt werden. Es gilt einerseits, die Interessen der europäischen Bürgerinnen und Bürger vor jene steuervermeidender Großkonzerne zu stellen. Andererseits geht es auch darum, Wettbewerbsverzerrungen gegenüber europäischen klein- und mittelständischen Unter­nehmen zu beseitigen, die nicht multinational organisiert sind. So etwa kann ein Wie­ner Kaffeehaus seine Gewinne im Gegensatz zu einem multinationalen Konzern wie Starbucks nicht von einem Land zum nächsten verschieben. Es braucht daher einen fairen Aktionsplan gegen "aggressive Steuerplanung", damit alle faire Beiträge für die Finanzierung des Sozialstaates leisten.

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Finanzen, wird aufgefor­dert, sämtliche Maßnahmen des nachstehend dargestellten konkreten Aktionsplans für faire Beiträge von Konzernen auf nationaler, supranationaler und internationaler Ebene mit Nachdruck voranzutreiben:

1. Durchsetzung bestehender Steuergesetze

Sämtliche Leaks (von Swiss-Leaks bis zu den zugespielten maltesischen Datensätzen) auswerten und auf unzulässige steuerliche Beihilfen bzw Steuervermeidung/-hinterzie­hung prüfen

Vor allem Luxemburg, die Niederlande und Irland haben spezielle Deals mit Konzernen geschlossen, damit diese sich dort ansiedeln. Darunter dürften auch unzulässige Bei­hilfen sein, die von den Unternehmen konsequent zurückgefordert werden sollten.

Gegen Steuertricks auch in Mitgliedstaaten vorgehen

Konzerne haben allein zum Zweck der Steueroptimierung Gesellschaften in verschie­denen Mitgliedstaaten gegründet, z.B. in Malta. Diese Praxis sollte auch in den Natio­nalstaaten dringend abgeschafft werden.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 108

2. Ausweitung der Transparenzbestimmungen - Meldungen an die Finanz greifen zu kurz

Öffentliche Transparenz für Unternehmensgewinne schaffen

Modelle zur "aggressiven Steuerplanung" verschleiern, in welchem Land die Gewinne erwirtschaftet werden. Die Antwort darauf ist vollständige Transparenz. Für Berichte im Rahmen des "Country by Country-Reporting" besteht eine Veröffentlichungspflicht mit kostenlosem Zugang. Die Berichtsschwelle ist von derzeit 750 Mio Euro auf 40 Mio Eu­ro zu reduzieren, und die Berichtspflicht hat getrennt für alle Staaten zu erfolgen, in de­nen ein multinationaler Konzern Niederlassungen hat.

Öffentliche Transparenz von Steuerdeals

Alle Sonderabsprachen zwischen Konzernen und Finanzbehörden der Mitgliedstaaten müssen veröffentlicht werden, um eine ungerechte Bevorzugung zu vermeiden. Eine Mel­dung an die Finanzbehörden greift zu kurz.

Kostenlose, öffentlich zugängliche Register über die wirtschaftlich Letztbegünstigten

Einkommen wird häufig in Firmen, Trusts und Privatstiftungen mit komplizierten Besitz-Strukturen ("verdeckte Treuhandschaften") versteckt. Es braucht daher in einem ersten Schritt kostenlose, öffentlich zugängliche Register über die wirtschaftlichen Nutznießer, um die Möglichkeit für gesetzeswidrige Umgehungsgeschäfte und Missbrauch zu er­schweren. Der zweite Schritt zielt auf weltweit vernetzte öffentliche Register der wirt­schaftlich Letztbegünstigten.

Implementierung eines wirksamen Sanktionsregimes

Implementierung eines wirksamen Sanktionsregimes gegen Länder, die nicht den Ver­einbarungen der Staatengemeinschaft im Zusammenhang mit dem automatischen Aus­tausch von Konto-, Steuer- und Unternehmensdaten entsprechen, wie etwa Einschrän­kungen des Kapitalverkehrs oder Handelsverbote.

3. Steuerharmonisierung statt schädlichem Steuerdumping

Gewinne von multinationalen Konzernen dort besteuern, wo sie erwirtschaftet werden

Multinational tätige Konzerne müssen mit ihren komplexen Strukturen steuerlich als ei­ne Einheit angesehen und dort besteuert werden, wo die Gewinne erwirtschaftet wer­den. Dafür ist es notwendig die Definition der Betriebsstätte, die derzeit für die Besteue­rung zentral ist, zu erweitern. Denn vor allem bei IT-Konzernen greift diese nicht.

Vereinheitlichung der Bemessungsgrundlage für die Unternehmensbesteuerung in der EU vorantreiben

Bisher unterscheidet sich von Land zu Land, worauf Unternehmen Steuern zahlen müs­sen. Deswegen sollte eine einheitliche Bemessungsgrundlage der Körperschaftsteuer in den EU-Mitgliedstaaten eingeführt werden. Das bedeutet eine Harmonisierung der Körperschaftsteuerbemessungsgrundlage, wie sie von der Europäischen Kommission in einem Vorschlag befürwortet wird.

Mindeststeuersätze für die EU-Unternehmensbesteuerung

Eine Gleichstellung der steuerlichen Bemessungsgrundlage ermöglicht die Vergleich­barkeit der nominellen Steuersätze. Eine notwendige Ergänzung ist daher ein Mindest­steuersatz auf europäischer Ebene.

Verstärkung der Steuerkooperation und Teilnahme aller Staaten am lückenlosen auto­matischen Informationsaustausch von Steuerdaten


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 109

Sind innerhalb der EU alle Lücken gestopft, müssen im nächsten Schritt auch Wege über Drittstaaten verhindert werden. Dazu ist es notwendig, dass alle Staaten am auto­matischen Informationsaustausch von Steuerdaten teilnehmen. Für ärmere Länder sind Übergangsregelungen erforderlich, da sie die Standards derzeit noch nicht erfüllen kön­nen. Es braucht "wasserdichte" Lösungen, um bestehende Lücken zu schließen. Steu­erbehörden müssen grenzüberschreitend stärker kooperieren.

*****

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt nun Frau Abgeordnete Bayr. – Bitte.

 


13.10.48

Abgeordnete Petra Bayr, MA MLS (SPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren! Mir ist es ein Bedürfnis, auf das IFI-Beitragsgesetz einzugehen, mit dem wir festlegen, welche Bei­träge wir an internationale Finanzinstitutionen leisten. Im konkreten Fall sind das fünf un­terschiedliche Programmlinien mit in Summe 233,8 Millionen € bis zum Jahr 2021.

Mir ist auch wichtig, zu sagen, dass eine multilaterale Entwicklungszusammenarbeit ei­ne sehr sinnvolle und gute Ergänzung zu einer bilateralen ist, weil man damit viel grö­ßere Projekte angehen kann, als es auf einer bilateralen Ebene der Fall wäre.

Im Parlament haben wir uns in letzter Zeit relativ intensiv mit den IFIs beschäftigt: Der Herr Finanzminister war im Unterausschuss zur Entwicklungspolitik, wir hatten eine re­lative breite Aussprache mit Axel van Trotsenburg, dem Vizedirektor der Weltbankgrup­pe, und darüber hinaus sieht dieses Gesetz auch vor, dass wir jeweils zur Mitte und zum Ende der Finanzierungsperiode im Parlament einen Bericht über die Effekte der Bemühungen der IFIs bekommen, den wir dann im Finanzausschuss diskutieren.

Sehr geehrte Damen und Herren! Eine verlässliche Finanzierung von entwicklungspoli­tischen Projekten, sei es auf bilateraler oder auf multilateraler Ebene, wie etwa der in­ternationalen Finanzinstitutionen, ist unerlässlich, um Armut zu bekämpfen und um Men­schen, vor allem im globalen Süden, eine sinnvolle Lebensperspektive vermitteln zu kön­nen. Ebenso relevant wie die Finanzierung von Entwicklungszusammenarbeit ist aber schlicht und ergreifend eine gute und kohärente, wirkliche Entwicklungspolitik. Das heißt, dass wir zum Beispiel darauf achten, dass unterschiedliche Politiken in unterschiedli­chen Bereichen – Ministerien, Ausschüssen – wirklich das Ziel verfolgen, Entwicklung möglich zu machen, wirtschaftliche wie soziale Entwicklung, individuelle wie kollektive Entwicklung. Wir müssen dafür eine Brille bekommen und das bei ganz vielen Berei­chen mitdenken!

Es ist ebenso notwendig, mit viel Ambition die nachhaltigen Entwicklungsziele der Ver­einten Nationen zu verfolgen und zu schauen, dass wir diesen Fingerzeig, wohin sich die Welt bis zum Jahr 2030 entwickeln soll – übrigens auch Österreich –, ernst nehmen und da auch unseren Impetus hineinlegen.

Zum Dritten ist es auch ganz besonders wichtig, einen gesamtstaatlichen Ansatz in der Entwicklungspolitik zu verfolgen. Dazu wäre zum Beispiel – das würde das Regierungs­programm eigentlich auch vorsehen – eine entwicklungspolitische Gesamtstrategie der Bundesregierung notwendig. Minister Kurz hat das in den letzten vier Jahren nicht zu­stande gebracht, aber ich bin optimistisch, dass wir das in der nächsten Gesetzgebungs­periode einfach ohne ihn machen werden. – Danke sehr. (Beifall bei der SPÖ.)


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 110

13.13


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt nun Herr Abgeordneter Dr. Hable. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


13.13.44

Abgeordneter Dr. Rainer Hable (NEOS): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Ich möchte in meiner Wortmeldung wieder zum Wirtschaftliche Eigentümer Re­gistergesetz zurückkommen. In der Grundrichtung ist das natürlich ein positiver Schritt. Es ist notwendig, dass die wirtschaftlichen Eigentümer von Rechtsträgern bekannt sind.

Das ist erstens für eine funktionierende Marktwirtschaft notwendig, denn für eine funk­tionierende Marktwirtschaft ist Transparenz notwendig, schließlich möchte man wissen, mit wem man es im Wirtschaftsverkehr zu tun hat. Zweitens ist das natürlich notwen­dig, um das Geschäftsmodell Anonymität hintanzuhalten; das kann man durchaus so bezeichnen. Manche Offshorezentren betreiben ja tatsächlich ein solches Geschäftsmo­dell, das nicht per se rechtswidrig ist, aber das natürlich zu Missbrauch einlädt und auch dafür verwendet wird.

Es ist natürlich erstaunlich, dass das in Österreich auf eine Art und Weise umgesetzt wird, die eben nicht Transparenz schafft. Es ist eben kein öffentliches Register, wie es notwendig wäre, es ist kein öffentliches Register, wie wir es beim Grundbuch haben, es ist kein öffentliches Register, wie es beim Firmenbuch Standard ist, sondern es ist ein Register, das vom Finanzministerium geführt wird und in das die Öffentlichkeit nicht ein­sehen kann.

Da kann ich nur sagen: Ich verstehe es nicht, warum man das macht, weder aus marktwirtschaftlichen Überlegungen heraus noch aus den Lektionen, die wir aus Lux-Leaks lernen sollten, die wir aus den Panama-Papers lernen sollten, die wir aus der Hy­po Alpe-Adria lernen sollten, wo genau diese anonymen Verschleierungskonstruktio­nen verwendet worden sind, missbraucht worden sind, um im Fall der Hypo Alpe-Adria letztlich zum Schaden der österreichischen Steuerzahler Millionen und Milliarden abzu­zweigen und den Verbleib dieser Gelder zu verschleiern. – Also nichts aus Panama-Leaks gelernt, nichts aus der Hypo Alpe-Adria gelernt!

Ich habe vorhin in meinem Debattenbeitrag gesagt: Das zieht sich wie ein roter Faden durch, das Umgehen mit diesem Desaster, dass die notwendigen Reformen, die uns allen bekannt sind und die unter anderem durch den Untersuchungsausschuss ganz klar aufgezeigt worden sind, nicht und nicht umgesetzt werden. Warum im konkreten Fall diese anonymen Verschleierungskonstruktionen weiterhin geschützt werden, wa­rum Sie, Herr Finanzminister, dafür eintreten, warum das von den Abgeordneten der ÖVP und von den Abgeordneten der SPÖ unterstützt werden wird, warum diese ano­nymen Verschleierungskonstruktionen weiterhin ermöglicht werden, weiterhin geschützt werden, das verstehe wer will, ich tue es nicht. Die Bevölkerung, die Bürger werden es auch nicht tun. Aber diesen Erklärungsbedarf haben Sie dann. – Danke schön. (Beifall bei den NEOS. – Bundesminister Schelling: Sie nicht mehr, weil Sie kandidieren nicht mehr!)

13.17


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Mag. Zakostels­ky. – Bitte.

 


13.17.09

Abgeordneter Mag. Andreas Zakostelsky (ÖVP): Herr Präsident! Meine sehr verehr­ten Damen und Herren! Schüler auf der Galerie! Einige Kolleginnen und Kollegen sind auch noch im Saal anwesend. Wir haben heute schon einiges zum Wirtschaftliche Ei­gentümer Registergesetz gehört. Ich glaube, das Wesentliche ist, dass der Hintergrund die 4. Geldwäscherichtlinie ist, welche die EU da vorgibt. All diese Themen, die dort ge­fordert werden, werden natürlich vom vorliegenden Gesetz abgebildet.

Wir wissen, dass nicht nur große Gesellschaften, sondern auch kleine Vereine – Kolle­ge Auer hat es angesprochen –, natürlich auch Stiftungen, da miteinzubeziehen sind.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 111

Wir müssen schon aufpassen, denn ich glaube, es ist nicht ungeschickt, Gesetze für die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land zu machen und nicht immer mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.

Wir haben in den letzten Jahren oft gehört, dass sowohl die EU als auch wir auf natio­naler Ebene deutlich zur Überreglementierung neigen. – Man kann sich vor jedem Risi­ko zu Tode fürchten oder man kann es sinnvoll managen.

Meine Damen und Herren! Die Beispiele, die Abgeordneter Auer angeführt hat, nämlich bei kleinen Vereinen gleich die große Geldwäsche zu vermuten – ich glaube, da bedarf es einiger vernünftiger Regelungen, statt des ewigen Gold Platings doch eher den gol­denen Mittelweg zu gehen. Wir müssen Grundsätze wie die Proportionalität einhalten – wie gesagt, nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Wir brauchen eine gewisse Pra­xisbezogenheit und wir brauchen keine Überreglementierung, sondern Bürgernähe.

Meine Damen und Herren! Das vorliegende Gesetz bildet alles, was in der EU-Geldwä­scherichtlinie vorgesehen ist, ab. Wir brauchen nicht noch päpstlicher zu sein als der Papst. Seien wir froh, dass es der Regierungskoalition zu dem Zeitpunkt auch gelun­gen ist, das Gesetz hier auf den Weg zu bringen, es hier ins Hohe Haus zu bringen, denn ansonsten hätte dem Staat Österreich ein Vertragsverletzungsverfahren gedroht.

In diesem Sinne ist es wieder einmal ein Beispiel dafür, dass man konstruktiv gemein­sam am meisten zustande bringt. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der ÖVP.)

13.19


Präsident Ing. Norbert Hofer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Vavrik. – Bitte.

 


13.19.21

Abgeordneter Mag. Christoph Vavrik (ÖVP): Herr Präsident! Hohes Haus! Herr Bun­desminister! Liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen! Ich möchte auch ein paar Worte über das IFI-Beitragsgesetz verlieren. Es handelt sich immerhin um ein Paket von insge­samt 560 Millionen €, das wir heute verabschieden.

Die Auszahlung an die internationalen Finanzinstitutionen erstreckt sich natürlich über mehrere Jahre, aber durch vorherige Gesetze und einige kleine, die noch beschlossen werden müssen, ergibt sich, dass Österreich vom Jahr 2017 bis inklusive 2020 insge­samt jährlich ziemlich genau 250 Millionen an diese internationalen Finanzinstitutionen auszahlen wird. Das ist ein gutes Gesetz, es hilft uns, das Ziel zu erreichen, 0,7 Pro­zent des Bruttonationaleinkommens im Sinne der öffentlichen Entwicklungszusammen­arbeit auszugeben.

Dazu noch die drei anderen Säulen: Es wird oft von der bilateralen gesprochen; die be­wegt sich in der Größenordnung von 100 Millionen € jährlich. Die zweite Säule bilden natürlich unsere Beiträge über den Europäischen Entwicklungsfonds, auch in der Grö­ßenordnung von etwa knapp über 100 Millionen €. Die dritte Säule bilden, ziemlich un­gewollt und ungeplant, die Kosten der Asylbetreuung im Inland, die auch auf die ODA anrechenbar sind und im letzten Jahr fast eine halbe Milliarde Euro betrugen. Und die vierte, auch wesentliche Säule bilden die Beiträge an die IFIs. Diese sind damit ein we­sentlicher Bestandteil der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.

Es ist ein gutes Gesetz, weil diese internationalen Finanzinstitutionen Ziele verfolgen, die sich sehr stark mit den Zielen der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit de­cken, nämlich unter anderem Armutsbekämpfung. Insbesondere die IDA, die Internatio­nal Development Association, die Organisation für Entwicklungszusammenarbeit – man nennt sie auch den Weltbankfonds für die Ärmsten –, vergibt im wesentlichen Kredite an die Ärmsten der Armen, und auch der Afrikanische Entwicklungsfonds vergibt Kredi-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 112

te an Länder, die sich nicht einmal die Kredite der Afrikanischen Entwicklungsbank leis­ten können. Diese Institutionen finanzieren sich zum Teil aus Rückflüssen und zum Teil aus Wiederauffüllungen, weil ein Teil dieser Kredite eben Zuschüsse sind.

Es ist auch deswegen gutes Geld, weil abgesehen von den Zielen zwei wesentliche Ef­fekte erwirkt werden. Und zwar ist das einerseits eine Bündelung von Mitteln. Um nur das Beispiel der IDA zu nennen: Die IDA wird in den nächsten drei Jahren einen Be­trag von 75 Milliarden Dollar zur Verfügung haben, von dem 27 Milliarden von den Ge­berländern zur Verfügung gestellt werden und ein großer Teil aus Rückflüssen kommt. Zum ersten Mal wird auch die IDA eigene Anleihen begeben. Der zweite Punkt ist nicht nur ein Effekt der Bündelung, sondern zusätzlich der Hebelung von privatem Geld.

Der Beitrag Österreichs ist ziemlich signifikant: Unser Anteil am Afrikanischen Entwick­lungsfonds beträgt 2,2 Prozent, unser Anteil an der Internationalen Entwicklungsorga­nisation 1,6 Prozent; also Österreich ist da gut aufgestellt. Ich ersuche um breite Zu­stimmung. – Danke. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.)

13.23


Präsident Ing. Norbert Hofer: Als vorerst letzter Redner dieser Debatte zu Wort ge­meldet ist Herr Abgeordneter Mag. Hanger. – Bitte.

 


13.23.12

Abgeordneter Mag. Andreas Hanger (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Ich darf im Namen meiner Kollegin Fich­tinger einleitend die ÖVP-Frauen des Bezirks Horn sehr herzlich im Haus begrüßen. – Herzlich willkommen! (Allgemeiner Beifall.)

Wir debattieren unter diesem Tagesordnungspunkt Maßnahmen zur Vermeidung von Ge­winnverschiebungen und des internationalen Steuerbetruges, und mir ist es wichtig, da­rauf hinzuweisen, dass die Maßnahmen, die wir heute hoffentlich beschließen werden, nur ein eigentlich relativ kleiner Teilaspekt eines Planes sind, den der Herr Bundesfinanz­minister vor Kurzem vorgelegt hat.

Da geht es um weitreichende Maßnahmen, und ich bin manchmal erstaunt, wie un­terschiedlich der gleiche Sachverhalt beurteilt wird. Was ist angedacht? Was ist bereits umgesetzt? – Abzugsverbot für Zinsen und Lizenzen, Umsetzung Country-by-Country Reporting, automatischer Informationsaustausch, Taskforce Offshore, Aufstockung Groß­betriebsprüfung, Spezialeinheit für Verrechnungspreise, Experteneinheit im BMF für mul­tinationale Großkonzerne, und, und, und. Das ist ein weitreichendes Programm, das prä­sentiert worden ist, und ich persönlich bin sehr davon überzeugt, dass Österreich damit eine Vorreiterrolle im gesamten europäischen Raum übernommen hat.

Das ist sehr wichtig, weil es ein ganz wesentlicher Beitrag zur Steuergerechtigkeit ist. Wir haben eine sehr hohe Abgabenquote in Österreich, und es ist für die Menschen wichtig, zu erkennen, dass gerade im Bereich der internationalen Konzerne etwas ge­tan wird.

Einen Aspekt, der mir persönlich sehr wichtig ist, möchte ich noch herausgreifen: Das Internet verändert unser Leben, gar keine Frage, Geschäftsprozesse, Konsumprozes­se. Ein Mietwagen, ein Taxi wird mit einer Handy-App gebucht, Musik wird downgeloa­det, Videos werden gestreamt und Hotels werden über Buchungsplattformen gebucht. Es ist oft so, dass das Dienstleistungen sind, die von internationalen Konzernen, die in Österreich keine Betriebsstätte haben, angeboten werden. Die zahlen dann sehr wohl Mehrwertsteuer, aber keine Gewinnsteuern. Mit diesem Ansatz der digitalen Betriebs­stätte wird konkret überlegt, dass dort, wo die Wertschöpfung passiert, dort, wo die Um­sätze gemacht werden, auch der Gewinn besteuert werden soll.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 113

Das sind erste, sehr konkrete Ansätze. Da hat Österreich eine Vorreiterrolle übernom­men, darauf können wir auch ein klein wenig stolz sein. – Danke sehr. (Beifall bei der ÖVP.)

13.25

13.25.20

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Wir gelangen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vor­nehme.

Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über die Einrichtung eines Registers der wirt­schaftlichen Eigentümer von Gesellschaften, anderen juristischen Personen und Trusts erlassen wird und das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz, das Finanzstrafgesetz, die No­tariatsordnung sowie weitere Gesetze geändert werden, in 1660 der Beilagen.

Hiezu haben die Abgeordneten Ing. Mag. Groiß, Krainer, Kolleginnen und Kollegen ei­nen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag eingebracht. Ich werde daher zu­nächst über die von dem erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag be­troffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen.

Die Abgeordneten Ing. Mag. Groiß, Krainer, Kolleginnen und Kollegen haben einen Zu­satz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend die Artikel 2 und 3 eingebracht.

Wer dem seine Zustimmung erteilt, den bitte ich um ein bejahendes Zeichen. – Das ist mehrheitlich angenommen.

Schließlich komme ich zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung der Regierungsvor­lage.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dazu ihre Zustimmung geben, um ein bejahendes Zeichen. – Auch das ist mehrheitlich angenommen.

Somit kommen wir zur dritten Lesung.

Ich bitte jene KollegInnen, die auch in dritter Lesung für den vorliegenden Gesetzent­wurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Auch das ist die Mehrheit. Der Gesetz­entwurf ist in dritter Lesung angenommen.

Wir gelangen zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Ross­mann, Kolleginnen und Kollegen betreffend Umsetzung eines konkreten Aktionsplans für faire Beiträge von Konzernen.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zei­chen der Zustimmung. – Der Antrag ist abgelehnt.

Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Entwurf betreffend IFI-Beitragsgesetz 2017 samt Titel und Eingang in 1730 der Beilagen.

Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Entwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mehrheitlich angenommen.

Wir kommen zur dritten Lesung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein bejahendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 114

Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 13: dem mehrseitigen Über­einkommen zur Umsetzung steuerabkommensbezogener Maßnahmen zur Verhinde­rung der Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung in 1670 der Beilagen gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG die Genehmigung zu erteilen.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dazu ihre Zustimmung geben, um ein bejahendes Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen.

Schließlich gelangen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 14: dem Abkom­men zwischen der Regierung der Republik Österreich und der Regierung des Staates Israel zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und der Verhinderung der Steuerumge­hung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen samt Proto­koll in 1638 der Beilagen gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG die Genehmigung zu erteilen.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dazu ihre Zustimmung geben, um ein bejahendes Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen.

13.28.4215. Punkt

Bericht des Verfassungsausschusses über die Regierungsvorlage (1664 d.B.): Bun­desgesetz, mit dem das Bundes-Verfassungsgesetz geändert, das Datenschutz­gesetz erlassen und das Datenschutzgesetz 2000 aufgehoben wird (Datenschutz-Anpassungsgesetz 2018) (1761 d.B.)

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Wir gelangen zum 15. Punkt der Tagesordnung.

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Mag. Stefan. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


13.29.07

Abgeordneter Mag. Harald Stefan (FPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehr­ter Herr Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Datenschutz ist ein sehr sen­sibles Thema. Es gibt eine Verordnung, die Grundsatzverordnung der Europäischen Uni­on, die umgesetzt werden muss. Das weiß man schon länger. Es gibt schon länger ei­ne Diskussion darüber, dennoch wird dieses Gesetz jetzt in einer bisher in dieser Re­publik einmaligen Art und Weise durchgesetzt und umgesetzt. Es ist nämlich so, dass noch vor Ende der Begutachtungsfrist dieses Gesetzes ein Beschluss im Ministerrat er­lassen wurde, damit dieses Gesetz beschlossen und damit umgesetzt werden kann.

Es wurde dann, zwei Tage nach dem Ende der Begutachtungsfrist, dem Verfassungs­ausschuss zur Beschlussfassung vorgelegt, und einen Tag davor wurde ein Abände­rungsantrag im Umfang von 57 Seiten vorgelegt. Das heißt, es war nicht möglich, se­riös zu prüfen, inwiefern die Begutachtung in das jetzt vorliegende Gesetz eingeflossen ist.

Es gab viele Kritikpunkte, auch von unserer Seite, vonseiten der Wirtschaft, aber auch vonseiten der Datenschützer, und es ist aus unserer Sicht, aus Sicht der freiheitlichen Fraktion, aber auch der Opposition überhaupt – davon gehe ich aus –, tatsächlich nicht seriös, diesem Gesetz zuzustimmen, weil wir es nicht prüfen konnten. Wir halten also fest: Wenn die Regierungsparteien nicht wollen, dass die Opposition zustimmt, dann ist das eben so gelaufen, aber seriös ist das nicht.

In Zusammenhang mit dem Datenschutz steht auch ein Punkt, der immer wieder dis­kutiert wird, und das ist die Frage des Bargeldes beziehungsweise der Abschaffung des Bargeldes. Es wird immer wieder gesagt, na ja, das sei reine Polemik, das sei Populis­mus und kein Mensch wolle das. – Wenn man sich aber anschaut, wie diese Diskus­sion läuft, dann sieht man, dass man sich auch in Kreisen der österreichischen Ban-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 115

ken – zum Beispiel der Österreichische Sparkassenverband – sehr massiv zu diesem The­ma äußert.

Andreas Treichl selbst geht davon aus, dass Bargeld eigentlich ein Auslaufmodell ist und es gar nicht unbedingt die Banken sind, die das Bargeld abschaffen wollen, son­dern in Wirklichkeit die Politik, denn wenn man das Bargeld abschafft, fällt auch ein we­sentlicher Teil der Freiheit weg, und die Transparenz oder sprich: die Überwachungs­möglichkeiten des Einzelnen werden damit viel größer. Wenn es kein Bargeld mehr gibt, wenn alles über Konten läuft, kann man jede Bewegung jederzeit einsehen.

Es gibt auch die Möglichkeit der Enteignung der Bürger: Ich brauche dazu bei Konten nur minimal Minuszinsen zu verrechnen – wir haben ja derzeit schon Minuszinsen. Wenn es die Möglichkeit, Bargeld abzuziehen, nicht gibt, dann kann ich das ohne je­den Widerstand oder ohne jede Möglichkeit des Widerstands durchsetzen. Es gibt noch viele Argumente mehr.

Es gibt da auch maßgebliche Stimmen, auch aus der österreichischen Politik. Harald Mahrer zum Beispiel hat sich sehr für die Rettung des Bargelds eingesetzt. Es gibt schon seit Langem Anträge von uns, insbesondere auch von Norbert Hofer, um ein Zei­chen zu setzen. Wenn die österreichische Politik – so, wie sie das immer wieder tut – tatsächlich dafür ist, dass das Bargeld erhalten bleibt, dann sollten wir das auch durch­aus als Staatszielbestimmung in die Verfassung schreiben, um all unseren Vertretern auf europäischer Ebene, in der Europäischen Zentralbank und so weiter, ganz klar mit­zugeben: Ihr habt euch dort dafür einzusetzen, dass das Bargeld erhalten bleibt.

Es gibt sehr viele Lippenbekenntnisse in diese Richtung, und daher bringe ich jetzt ei­nen Antrag ein, der wie folgt lautet:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Schaffung eines Bundesverfassungsgesetzes über die Freiheit zur unbeschränkten Verwendung von Bargeld im Zahlungsverkehr

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat ehest möglich eine Regierungs­vorlage zuzuleiten, die eine verfassungsrechtliche Verankerung des Rechts auf Barzah­lung beinhaltet. Weiters wird die Bundesregierung aufgefordert, sich für eine entspre­chende Verankerung im EU-Recht einzusetzen“.

*****

Ich bitte um Zustimmung bei diesem wichtigen Punkt.

Dem Datenschutzgesetz selbst werden wir aus den angeführten Gründen nicht zustim­men. (Beifall bei der FPÖ.)

13.33


Präsident Ing. Norbert Hofer: Der Entschließungsantrag ist ausreichend unterstützt, ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Ing. Hofer, Mag. Stefan, und weiterer Abgeordneter

betreffend Schaffung eines Bundesverfassungsgesetzes über die Freiheit zur unbe­schränkten Verwendung von Bargeld im Zahlungsverkehr


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 116

eingebracht im Zuge der Debatte über den Bericht des Verfassungsausschusses über die Regierungsvorlage (1664 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Bundes-Verfassungs­gesetz geändert, das Datenschutzgesetz erlassen und das Datenschutzgesetz 2000 aufgehoben wird (Datenschutz-Anpassungsgesetz 2018) (1761 d.B.) in der 190. Sit­zung des Nationalrates, am 29.06.2017.

Diese Staatszielbestimmung („Recht auf Barzahlung“) stellt klar, dass die Beschrän­kung der Verwendung von Bargeld im Zahlungsverkehr einen nicht zu rechtfertigenden Eingriff in die Freiheitsrechte der Bürger nämlich in die Vertragsfreiheit bzw in die Privat­autonomie und in das Recht auf Datenschutz darstellt. Im Sinne einer Vertrauensbil­dung sollen weder auf österreichischer Ebene noch auf Ebene der Europäischen Union Maßnahmen gesetzt werden, die das Vertrauen der Bürger in die Bargeldbereitstellung und in das Recht auf Barzahlung erschüttern könnten.

Dem Recht auf Barzahlung steht der Annahmezwang für Banknoten bzw für Scheide­münzen gegenüber (siehe § 61 Nationalbankgesetz und § 8 Scheidemünzengesetz). Der Annahmezwang soll abseits von Onlinegeschäften grundsätzlich nicht im Rahmen der privatrechtlichen Vertragsautonomie eingeschränkt werden können.

Die Abschaffung des 500-Euro-Scheins und die Einführung von Bargeldlimits sind die ersten Schritte der EU zur kompletten Abschaffung des Bargeldes. Obwohl der Präsi­dent der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi unlängst vor dem Wirtschafts­ausschuss des Europäischen Parlaments versichert hat, dass ein Ende des 500-Euro-Scheins nichts mit einer Begrenzung des Bargelds zu tun habe, sind die Aussagen von Spitzenrepräsentanten der EU mit großer Vorsicht zu genießen, wie die folgenden zwei Zitate des derzeitigen Präsidenten der Europäischen Union Jean-Claude Juncker zei­gen (https://de.wikiquote.org/wiki/JeanClaude_Juncker):

„Wenn es ernst wird, muss man lügen.“ (Juncker auf einer Abendveranstaltung zur Eu­ro-Krise in Brüssel im April 2011).

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meis­ten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Unter dem Deckmantel der Bekämpfung der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzie­rung wird immer wieder versucht, die Freiheitsrechte der Bürger einzuschränken. EZB-Präsident Draghi: „Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten.“ Das Problem ist jedoch nicht das Bargeld, wie Draghi behauptet, sondern die Feinde von Freiheit und Vermögen und die sitzen in Brüssel in der EZB. Beim Bargeld wird so ge­tan, als gäbe es in der digitalen Welt keine Kriminellen und keine Terroristen.

In einer Welt ohne Bargeld, in der alles, was man bargeldlos kauft und konsumiert, ver­folgbar ist („digitaler Fingerabdruck“), gibt es keine Freiheit und keine Privatheit mehr; denn die bargeldlose Zahlung ermöglicht die totale Kontrolle durch die EU und durch die Nationalstaaten. Das Ergebnis einer Welt ohne Bargeld ist der finanziell entmündigte und gläserne Bürger. Der Bevormundung des Bürgers wären keine Grenzen mehr ge­setzt. Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob ein Bürger freiwillig einen digitalen Fin­gerabdruck hinterlässt oder ob er mangels Bargeld gar keine andere Wahl hat. Diese Wahlfreiheit muss auch in Zukunft gegeben sein. Bargeld ist gedruckte Freiheit.

In Wirklichkeit geht es der EZB um die Erhöhung der Negativzinsen („Strafzinsen“), da­mit die hochverschuldeten Staaten insbesondere in Südeuropa zulasten der Sparer ent­schuldet werden können. Derzeit verlangt die EZB für Geldeinlagen der Banken einen Strafzins von 0,3%. Die Tresorkosten also die Kosten der Aufbewahrung der Bankno­ten implizieren eine natürliche Obergrenze für den Strafzins. Wenn die Banken nun ge­zwungen werden, statt der 500-Euro-Scheine die etwas kleineren 200-Euro-Scheine zu


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halten, steigen die Tresorkosten und damit die Negativzinsen (vgl Hans-Werner Sinn, Präsident des deutschen ifo-lnstituts für Wirtschaftsforschung, FAZ-Gastbeitrag vom 7.2.2016). Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Banken diese Straf- bzw Negativzinsen an ihre Kunden bzw Sparer weitergeben werden. Ohne Bargeld wären aber die Sparer den Negativzinsen der Banken schutzlos ausgeliefert, weil die Sparer das Geld nicht mehr abheben könnten. Anstatt Zinsen für ihre Schulden zahlen zu müssen, erhalten die hochverschuldeten Staaten aufgrund der Negativzinsen Geld von den Sparern. Die Schul­den werden also paradoxerweise nicht mehr vom Schuldner getilgt, sondern vom Spa­rer. Durch die Negativzinsen kommt es somit zu einer Umverteilung des Vermögens von den Gläubigern bzw Sparern zu den Schuldnern.

Der Plan die Bargeldzahlung einzuschränken oder auch abzuschaffen ist kein Gerücht mehr:

Kronen Zeitung“ vom 14.05.2015 Seite: 2

Ressort: Politik

Abend

Bekenntnis von Staatssekretär Harald Mahrer:

ÖVP will das Bargeld retten

„Harald Mahrer will Bargeld sichern.

Wien. – Wie von der „Krone“ schon seit einiger Zeit thematisiert, macht sich jetzt auch die ÖVP für die Rettung des Bargelds stark. Wirtschafts-Staatssekretär Harald Mahrer legte dazu ein klares Bekenntnis ab. „Verschiedene Lobbying-Gruppen planen eine EU-weite Initiative zur Abschaffung des Bargelds“, sagt Mahrer. Das widerspreche den An­sprüchen eines Rechtsstaats westlicher Prägung, der den Schutz der Bürger sicher­stellt. Daher werde er dagegen kämpfen.“

Oberösterreichische Nachrichten" vom 16.06.2017 Seite: 1

Ressort: Seite 1

Bargeld abschaffen? Die Österreicher wehren sich

„Kritik an den Plänen der EU, Barzahlungen einzuschränken Österreicher erledigen acht von zehn Einkäufen in bar.

Linz/Wien. Die Debatte um die mögliche Abschaffung von Bargeld gewinnt an Brisanz. Bis Ende Mai lief eine Online-Befragung der EU-Kommission über die Einführung von Obergrenzen bei Bargeldzahlungen. Diese wird nun ausgewertet.

„Wehret den Anfängen“, sagt Franz Portisch, Generalsekretär des Österreichischen Spar­kassenverbands. Obergrenzen könnten letztlich zu einer Bargeld-Abschaffung führen.

Die Ausgabe des 500-Euro-Scheins wird, wie berichtet, tatsächlich 2018 eingestellt. Und einige Länder haben die Prägung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen gestoppt.

Die Österreicher wollen aber persönliche Freiheit und Anonymität beim Bezahlen, wie aus einer Studie der Nationalbank hervorgeht. Demnach werden in Österreich immer noch 82 Prozent der Einkäufe in bar bezahlt, obwohl es auch schon rund eine halbe Milliarde Kartenzahlungen pro Jahr gibt.

Portisch warnt davor, den Menschen „einen wesentlichen Teil der Privatsphäre“ zu rau­ben, da jede elektronische Zahlungsform Datenspuren hinterlasse“.

„Tiroler Tageszeitung“ vom 12.06.2017 Seite 23

Ressort: Leserforum

Diskussion um Abschaffung des Bargeldes.

Ausgabe Innsbruck, Tirol Aktuell Unterland, Tirol Aktuell Oberland, Ausgabe Osttirol


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Bargeld bleibt Zahlungsmittel

„Die Banken wollen die lästigen Zettel loswerden, um nur mehr mit Giralgeld, also Bu­chungsgeld (Zahl auf einem Konto) jonglieren zu können. Was viele nicht wissen: ge­setzliches Zahlungsmittel ist ausschließlich Bargeld. Rein theoretisch könnte man statt einer Überweisung auf der Zahlung mit Bargeld bestehen. Das heißt, dass sich der heutige Geldverkehr eigentlich in einer Grauzone abspielt. Die meisten Politiker wissen über das Schuldgeldsystem und die Geldschöpfung der Privatbanken mittels Krediten nicht Bescheid. In der Eurozone existieren ca. 800 Milliarden in Banknoten und Mün­zen, aber fast 4000 Milliarden als Zahl auf einem Konto. Die Ausgabe von Banknoten und Münzen ist noch die verbliebene Geldschöpfung des Staates.Scheinbar ist das den Banken ein Dorn im Auge. Dass Überweisungen im Euroraum ab einer Höhe von 3000 Euro vorgeschrieben werden sollen (oder schon sind),ist rechtlich also gar nicht gedeckt. Wir brauchen endlich Politiker, die nicht Handlanger der Bankenoligarchie sind, sondern echteVolksvertreter, die das Ganze im Auge haben Andreas Schlorhaufer, 6020 Innsbruck“

Sparkassenverband lobbyiert für Bargeld

Utl.: Verlust von Privatsphäre droht - Umfrage der EU-Kommission zeigte massive Ab­lehnung von Obergrenzen für Bargeldzahlungen

Wien (APA) -

„Der Österreichische Sparkassenverband (ÖSPV) lobbyiert für den Erhalt von Bargeld. Es gehe nicht nur um die persönliche Entscheidungsfreiheit der Österreicher, sondern auch um den Erhalt der Privatsphäre, hält ÖSPV-Generalsekretär Franz Portisch in ei­ner Aussendung fest. Der Sparkassenverband sei auch gegen eine Obergrenze für Bar­geldzahlungen.

Die Abschaffung von Bargeld sei ein Problem für den Datenschutz: „Big brother lässt grüßen und raubt den Menschen einen wesentlichen Teil der Privatsphäre, da jede elek­tronische Zahlungsform Datenspuren hinterlässt“, so Portisch. „Bargeld ist noch immer das am besten funktionierende und am leichtesten zugängliche Zahlungsmittel. Es ist wichtig, gebräuchlich und vor allem für Privatpersonen und Klein- und Mittelbetriebe, die das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft darstellen, das Zahlungsmittel der Wahl.“ Internetbanking werde „nie den Menschen und nie das Bargeld ersetzen können und wollen“. (…)

Bis Ende Mai hatte die EU-Kommission eine Umfrage laufen, in der es um eine Harmo­nisierung der Obergrenze für Bargeldzahlungen ging. Zwar dürfte die EU-Institution erst im Herbst ihre Schlüsse daraus publizieren, die Wünsche der Teilnehmer sind aber ein­deutig: 95 Prozent wollen keine Obergrenze, geht aus den auf der Homepage publi­zierten Ergebnissen hervor. Gut 30.000 Antworten erhielt die EU-Kommission auf ihre Fragen, darunter waren die Österreicher mit 5.724 Antworten (18,88 Prozent) weit über­proportional vertreten: Deutschland und Frankreich mit jeweils mehr als einem Drittel der Antworten machen den Löwenanteil aus. 94 Prozent der Antwortenden gaben sich als Privatpersonen aus.

Die Befürworter von Bargeld verweisen vor allem auf die Privatsphäre (87 Prozent) und darauf, dass Bargeld praktisch sei (67 Prozent). (…) 86 Prozent der Befragten glauben auch nicht, dass Obergrenzen für die Bargeldzahlung im Kampf gegen Terrorismus hel­fen würden. Knapp zwei Drittel glauben auch nicht, dass die Maßnahme gegen Steuer­hinterziehung, organisierte Kriminalität, Geldwäsche oder andere Machenschaften hel­fen würde.“

„Vorarlberger Nachrichten“ vom 30.05.2017

Ressort: VN-D


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 119

Andreas Treichl, seit 1997 Chef der Erste Bank, über Zinsen, Bargeld und Politik.

„Die Politik will Bargeld abschaffen, nicht wir“

VN-Gespräch. Andreas Treichl (64), CEO Erste Group

„Banker Andreas Treichl ist auch überzeugt, dass das Bargeld ein Auslaufmodell ist. „Die Transparenz wird immer größer, die Privatsphäre eingeschränkt.“ Irgendwann wer­de es kein Bargeld mehr geben, „aber nicht weil die Banken oder die Menschen das wollen, sondern weil die Politik das will.“ Seine Bank sei total dagegen, doch das spiele keine Rolle.(…)“

Vor diesem Hintergrund stellen die unterfertigten Abgeordneten folgenden

Entschließungsantrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat ehest möglich eine Regie­rungsvorlage zuzuleiten, die eine verfassungsrechtliche Verankerung des Rechts auf Bar­zahlung beinhaltet. Weiters wird die Bundesregierung aufgefordert, sich für eine ent­sprechende Verankerung im EU-Recht einzusetzen“

*****

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Nächster Redner ist Herr Dr. Wittmann. – Bitte, Herr Ab­geordneter.

 


13.33.38

Abgeordneter Dr. Peter Wittmann (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehr­ter Herr Bundesminister! Hohes Haus! Der Gesetzwerdungsprozess des Datenschutz-Anpassungsgesetzes ist deswegen etwas zügiger gewesen, weil die Datenschutz-Grund­verordnung mit 25. Mai 2018 in Kraft tritt und daher auch das Datenschutz-Anpassungs­gesetz in Kraft treten soll, damit sich die Normadressaten rechtzeitig und umfangreich auf dieses Gesetz vorbereiten können, weil es eine sehr umfangreiche Veränderung des ge­samten Datenschutzbereiches darstellt.

Im Wesentlichen haben wir alle Fristen eingehalten, es hat auch eine Begutachtung ge­geben, sodass der Gesetzwerdungsprozess all unseren Vorschriften und Usancen ent­sprochen hat, aber es ist natürlich eine umfangreiche Veränderung, das gebe ich schon zu.

Die meisten Kritikpunkte inhaltlicher Art betreffen jedoch gar nicht unser Gesetz, son­dern die grundsätzliche Datenschutz-Grundverordnung, die auf europäischer Ebene be­schlossen wurde und die grundsätzlich direkt anwendbar ist. Wir haben sie auch nicht wortwörtlich in das Gesetz hineingenommen, da sie von sich aus für alle europäischen Länder gilt. Gleichzeitig wurde aber eine Richtlinie beschlossen, die für die Teile des In­nen- und Justizbereiches eine eigene Umsetzung erfordert, so ist ein Großteil der ge­troffenen Regelung die Umsetzung dieser Richtlinie.

Die anderen Teile dieser Umsetzung betreffen die Behörden selbst, den Rechtsweg, die Haftung und andere Maßnahmen, die innerstaatlich zu regeln sind. Das heißt, der in­haltliche Teil ist uns im Wesentlichen durch die Datenschutz-Grundverordnung der Euro­päischen Union vorgegeben. Es ist lediglich der formelle Teil der Umsetzung der Be­hörden von uns zu vollziehen und die Umsetzung der Richtlinie. In beiden Teilen bei der Umsetzung, die dem nationalen Bereich entspricht, haben wir darauf Bezug genommen, dass es auch spezifische Ausnahmen gibt. Dort, wo es Öffnungsklauseln gibt, im Be-


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reich der Wissenschaft und auch bei Bildaufnahmen, haben wir davon Gebrauch ge­macht, und letztendlich haben wir alle Kriterien erfüllt.

Die Kritikpunkte sind, wie immer in so einem Bereich: Den Datenschützern ist es zu wenig Datenschutz, den Firmen oder Betrieben ist es zu viel Datenschutz. Wer sich ins­besondere beklagt hat, sind die Geheimdienste, die sagen, es wird wesentlich schwie­riger, weil die Daten natürlich besser geschützt sind, auch im Bereich der Strafverfolgung und der Verfolgungsbehörden.

Es gibt in Zukunft eine Löschungsverpflichtung, das heißt, wenn das Verfahren einge­stellt wird, müssen der Adressat verständigt und die gesammelten Daten gelöscht wer­den.

Im Wesentlichen ist das eine sehr moderate, mit Augenmaß durchgeführte Einbindung der Datenschutz-Grundverordnung und Umsetzung in nationales Recht, und sie erfüllt letztendlich alle Voraussetzungen. Betrachtet man die einen auf der einen Seite, die sich zu wenig bedient fühlen, und die anderen auf der anderen Seite, die sich zu viel bedient fühlen, dann wird man wohl mit dem Mittelmaß das richtige Augenmaß bewiesen haben. Daher glaube ich, dass das eine richtige, rechtzeitige und auch überschaubare Umset­zung dieser Grundverordnung ist. (Beifall bei der SPÖ.)

13.37


Präsident Ing. Norbert Hofer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Steinhau­ser. – Bitte, Herr Klubobmann.

 


13.37.35

Abgeordneter Mag. Albert Steinhauser (Grüne): Sehr geehrte Damen und Herren! Das vorliegende Gesetz ist jener Teil der Umsetzung im Bereich der Richtlinie und der Datenschutz-Grundverordnung, wo Österreich Umsetzungsbedarf hat. Man muss ganz grundsätzlich sagen, die Datenschutz-Grundverordnung ist ein europäisches Regelwerk, das beim Datenschutz wesentliche Verbesserungen in der Rechtsdurchsetzung bringt. Es ist federführend durch den deutschen EU-Abgeordneten der grünen Fraktion Jan Phi­lipp Albrecht verhandelt worden und sicher ein Meilenstein in der europäischen Daten­schutzpolitik.

Kein Meilenstein ist das Zustandekommen dieses Gesetzes, weil damit alle Usancen ge­brochen worden sind, die für einen qualitativ hochwertigen Gesetzgebungsprozess not­wendig sind. Das macht es uns schwer, dieses Gesetz zu beurteilen, weil die Vorgangs­weise die Zeit dafür nicht lässt.

Die Begutachtungsfrist wäre bis Freitag, den 23. Juni 2017, gegangen, aber die Regie­rungsvorlage ist, völlig unüblich, schon am 7. Juni 2017 fertiggestellt worden, und das heißt, die Begutachtung, bei der sich Expertinnen und Experten einbringen können, wäre noch fast zweieinhalb Wochen gegangen. Die Regierung hat gesagt, das interessiert uns nicht mehr, wir machen unseren Gesetzesvorschlag fertig. Man muss sich vorstel­len, allein in den letzten drei Tagen der Begutachtung, als die Regierungsvorlage schon lange fertig war, sind noch 46 Stellungnahmen eingelangt.

Damit nicht genug, hat man am Freitag, zwei Tage vor dem Ausschuss, einen umfas­senden Abänderungsantrag vorgelegt. Das heißt, die Opposition hätte eine an sich kom­plexe Materie zwei Tage vor dem Ausschuss noch einmal mit einem Abänderungsan­trag prüfen müssen. Wenn man am Freitag um 15 Uhr einen Abänderungsantrag bekommt und am Montag der Ausschuss stattfindet, dann weiß jeder, dass es da keine Chance gibt, solche Abänderungsvorschläge noch mit Expertinnen und Experten zu diskutieren. Dass wir zur Not am Wochenende arbeiten, ist in Ordnung, aber dass man uns jede Chance nimmt, mit Fachexpertinnen, Fachexperten Rücksprache zu halten, zeugt nicht von einem ordentlichen Gesetzgebungsprozess. (Beifall bei den Grünen sowie des Abg. Scherak.)


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 121

Daher war es uns – und, wie ich denke, den anderen Fraktionen ebenso – auch gar nicht möglich, am Montag ein endgültiges Urteil über dieses Gesetz abzugeben. Ich glau­be, dass es inhaltlich wahrscheinlich gar nicht so schlecht ist, die Frage ist allerdings – und da möchte ich den Beamtinnen und Beamten, die sicher unter Zeitdruck gearbeitet haben, auch nichts unterstellen –: Ist es ein Werk, das legistisch passt und das auch für die Anwender eine ordentliche Rechtsanwendung zulässt, oder ist es das nicht? – Die­se Beurteilung war schlicht nicht möglich.

Natürlich gibt es auch inhaltliche Kritikpunkte, und ich möchte stellvertretend zwei nen­nen.

Der eine ist die fehlende Verbandsklage. Die wäre nach der Datenschutz-Grundverord­nung möglich, auf die hat Österreich aber verzichtet. Was heißt das im Ergebnis? – Nicht-österreichische NGOs können österreichische Unternehmen vor nicht-österreichischen Gerichten klagen, wir verzichten aber darauf, dass österreichische NGOs nicht-öster­reichische Unternehmen klagen können. – Das verstehe ich nicht! Warum vergibt man sich da eine Chance? Das ist völlig unnötig! Das schafft eine Ungleichheit: Österreichi­sche Unternehmen können von nicht-österreichischen NGOs geklagt werden, aber ös­terreichische NGOs können nicht aktiv werden. Das ist völlig unverständlich und ist auch nicht erklärbar.

Ein zweiter Punkt, der jedenfalls zu kritisieren ist, ist die formlose Einstellung des Be­schwerdeverfahrens. Jetzt kann man durchaus sagen, es macht einen gewissen Sinn, dass man nicht immer gleich straft – dafür bin ich zu haben! –, ich halte es nur für ein Problem, wenn per se die Möglichkeit geschaffen wird, dass man zuerst einmal aus­reizt, was rechtlich geht, und wenn dann die Behörde kommt und sagt: Das geht nicht!, dann ändert man alles und kommt völlig straffrei davon, es wird nicht einmal etwas fest­gestellt und es gibt keine generalpräventive Wirkung. Das halte ich nicht für sonderlich geschickt. Wir werden beobachten, wie sich das entwickelt.

Alles in allem tut es mir sehr leid, dass wir heute nicht zustimmen können, weil diese Datenschutz-Grundverordnung, ich habe es schon gesagt, grundsätzlich ein Fortschritt ist. Ich kann aber nicht die Verantwortung für ein Gesetz übernehmen, das in einer der­artigen Geschwindigkeit durch das Parlament gejagt wird und gegen alle parlamentari­schen Usancen in der Begutachtung und Beschlussfassung ist. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen.)

13.41


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Himmelbauer. – Bitte.

 


13.42.01

Abgeordnete Eva-Maria Himmelbauer, BSc (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Es wurde schon angesprochen: Der vorlie­gende Gesetzentwurf hat zwei Grundlagen, nach denen wir uns richten: zum einen die Richtlinie betreffend die Verarbeitung personenbezogener Daten für Zwecke der Sicher­heitspolizei und zum anderen die Datenschutz-Grundverordnung.

Ich möchte auch gleich bei dieser bleiben, denn die Verordnung tritt mit 25. Mai 2018 in Kraft und bedeutet für den Einzelnen mehr Rechte hinsichtlich seiner persönlichen Da­ten – vom Namen über die Adresse über die Kontakte bis hin zu sensiblen Daten wie medizinische, biometrische Daten, unsere Vorlieben und unsere Suchanfragen –, all je­ne Daten, die uns zuordenbar sind und die wir halt preisgeben, wenn es um den Bezug von Dienstleistungen und Produkten geht. Und ich denke, wir sind uns da alle einig, dass all jene Daten, die uns zuordenbar sind, also diese persönlichen Daten, auch schüt­zenswert sind.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 122

Wir leben in einer Zeit, in der aufgrund unserer Angaben, der Vielzahl an Daten und auch verschiedenster Algorithmen ein umfassendes Bild von uns bekannt ist. Ich möchte das nicht unbedingt schlechtmachen, denn ich habe selbst in einer Organisation gear­beitet, die Betreuungsleistungen zu Hause oder auch im Pflegeheim angeboten hat; da ist oft ein umfassendes Bild notwendig, eine Vielzahl an Daten, um bestimmte Betreu­ungsleistungen auch an den persönlichen Umständen ausrichten zu können.

Worum es wirklich geht, ist, dass es ein Bewusstsein gibt und dass wir wissen, was mit unseren Daten passiert, dass wir selbst entscheiden können, was mit unseren Daten gemacht wird, und dass wir unsere Meinung auch ändern können hinsichtlich löschen und ändern oder auch, dass wir die Zustimmung wieder entziehen.

Für Unternehmen bedeutet die Verordnung aber vor allem ein Mehr an Verantwortung und Bürokratie: Zukünftig müssen Unternehmen auch erfassen, welche Daten sie zu welchem Zweck verarbeiten, das in einem sogenannten Verfahrensverzeichnis spei­chern und auch eine Risikoanalyse durchführen. Darüber hinaus müssen sie techni­sche und organisatorische Maßnahmen setzen und im Fall der Fälle auch einen Daten­schutzbeauftragten bestellen.

Das Wesen der Verordnung ist, dass sie ohne nationale Anpassung in Kraft tritt; wir setzen heute aber Anpassungen und nutzen vor allem Öffnungsklauseln, um Spielräu­me zu nutzen und im österreichischen Gesetzesrahmen auch Verbesserungen zu set­zen. Wir tun das vor allem, weil es für Unternehmen ein massiver Aufwand ist, sich nach dieser Verordnung zu richten.

Wir beschließen das Gesetz bereits jetzt, weil es für die Unternehmen hinsichtlich die­ser Öffnungsklausel und hinsichtlich der Vorbereitungen bis zu diesem Mai 2018 auch der Rechtssicherheit bedarf. Das passiert dadurch, dass wir klarstellen, dass Behörden auch beratend tätig sind, dass sie im Zuge der Kontrolle auch beraten, bevor sie stra­fen. Wir machen das aber auch im Sinne von Einwilligungen zur Datenverarbeitung, in­dem klargestellt wird, dass Einwilligungen auch Bestand haben – und wir tun das jetzt auch mit einem zusätzlichen Abänderungsantrag, den ich kurz verlesen darf:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Dr. Peter Wittmann, Eva-Maria Himmelbauer, Kolleginnen und Kol­legen zur Regierungsvorlage (1664 der Beilagen) eines Bundesgesetzes, mit dem das Datenschutzgesetz 2000 geändert wird (Datenschutz-Anpassungsgesetz 2018) in der Fassung des Ausschussberichtes (1761 d.B.)

Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen:

Oben bezeichnete Vorlage wird wie folgt geändert:

1. Dem § 69 Abs. 9 in der Fassung der Z 7 wird folgender Satz angefügt:

„Nach dem Datenschutzgesetz 2000 erteilte Zustimmungen bleiben aufrecht, sofern sie den Vorgaben der DSGVO entsprechen.“

*****

Auch das schafft Rechtssicherheit.

Wir haben auch die Stellungnahmen, die aus der Wissenschaft und aus dem Forschungs­bereich gekommen sind, sehr ernst genommen und haben dazu im Ausschuss auch ei­ne Feststellung beschlossen, dass diesbezüglich in weiteren Materiengesetzen vor al­lem weitere Regelungen getroffen werden, damit Datenschutz mit der Forschung in Ein­klang gebracht wird, vor allem wenn man an medizinische Forschung denkt, die insbe­sondere dem Wohle der Gesellschaft dient, sodass dafür ein Rahmen geschaffen wird.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 123

Datenschutz und Datensicherheit sind wichtig, und es ist gut, dass wir selbstbestimmt sind, wenn es um die Verwendung unserer Daten geht, vor allem gegenüber den gro­ßen Internetkonzernen, die selten europäisch sind.

Ich möchte aber auch betonen, dass damit der bürokratischen Belastung für Unterneh­men, gerade für die Klein- und Mittelbetriebe, nicht Einhalt geboten wird, sondern diese sogar ausgebaut wird.

Daher auch mein Appell, Herr Minister – gerade jetzt wieder wurde die ePrivacy-Ver­ordnung im Europäischen Parlament auf den Weg gebracht –, an Sie, aber auch an al­le unseren europäischen Abgeordneten gerichtet: Wir brauchen Lösungen – wir brau­chen aber Lösungen, die unsere Klein- und Mittelbetriebe nicht belasten. – Danke. (Bei­fall bei der ÖVP.)

13.47


Präsident Ing. Norbert Hofer: Der Abänderungsantrag ist ausreichend unterstützt, er ist ordnungsgemäß eingebracht und steht in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Dr. Peter Wittmann, Eva-Maria Himmelbauer, Kolleginnen und Kol­legen zur Regierungsvorlage (1664 der Beilagen) eines Bundesgesetzes, mit dem das Datenschutzgesetz 2000 geändert wird (Datenschutz-Anpassungsgesetz 2018) in der Fassung des Ausschussberichtes (1761 d.B.)

Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen:

Oben bezeichnete Vorlage wird wie folgt geändert:

1. Dem § 69 Abs. 9 in der Fassung der Z 7 wird folgender Satz angefügt:

„Nach dem Datenschutzgesetz 2000 erteilte Zustimmungen bleiben aufrecht, sofern sie den Vorgaben der DSGVO entsprechen.“

Begründung:

Zu Z 1 (§ 69 Abs. 9):

Bisher erteilte Zustimmungen gelten als Einwilligungen iSd DSGVO fort, sofern sie der Art nach den Bedingungen der DSGVO entsprechen (Erwägungsgrund 171 Satz 3 der DSGVO). Bisher rechtswirksame Zustimmungen erfüllen grundsätzlich diese Bedingung.

*****

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt nun Herr Abgeordneter Dr. Scherak. – Bitte.

 


13.47.19

Abgeordneter Dr. Nikolaus Scherak (NEOS): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Ja, es ist insbesondere, wenn jetzt noch diese Abänderungsanträge hineinkommen, die ja nicht nur ihre sachliche Berechtigung haben, sondern auch sehr gut sind, umso trauri­ger, dass es zu dem Gesetz so kommen musste, wie es gekommen ist, denn ja, es geht um die notwendigen Umsetzungsschritte der Datenschutz-Grundverordnung, um das, was nicht sowieso direkt gilt.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 124

Natürlich gab es am Anfang einige Probleme, die man jetzt zumindest teilweise aus­merzen konnte, aber was so schade an dem Ganzen ist, ist, dass dieser parlamenta­rische Prozess im Endeffekt so verhunzt war.

Wir haben nun die Möglichkeit der Übergangsregelungen für die entsprechenden jetzt schon gültigen Einwilligungen bei Unternehmen. Es wird so sein, dass die Datenschutz­behörde auch eine Servicefunktion wahrnehmen wird, was ich gleichfalls sehr begrüße, weil dadurch insbesondere KMUs sehr geholfen wird.

Was immer noch fehlt, ist mehr Einbindung von und mehr Fokus auf Open Data, was natürlich gerade für Start-ups ein wesentlicher Punkt ist. Und was weiterhin aus rechts­staatlicher Sicht sehr problematisch ist, ist, dass immer noch nicht geklärt ist, ob es überhaupt möglich sein kann, dass eine Behörde so hohe Strafen ausspricht. Sie wis­sen, dass gerade das im Zusammenhang mit der Finanzmarktaufsicht vor dem VfGH ist, das heißt, ich halte das für problematisch – genauso wie ich übrigens den fehlen­den Anwaltszwang in einem so grundrechtssensiblen Bereich für problematisch erachte.

Das wirklich große Problem ist aber, wie das parlamentarisch vor sich gegangen ist. Kollege Steinhauser hat es schon angesprochen: Es gab eine Begutachtung, und es ist etwas passiert, was zumindest in der Zeit, in der ich im Parlament bin, noch nie pas­siert ist, nämlich dass man, bevor die Begutachtung zu Ende ist, bevor man alle Stel­lungnahmen hat, eine Regierungsvorlage macht. In Wirklichkeit können wir uns das gan­ze Begutachtungsverfahren gleich sparen, wenn ich ohnehin einmal ignoriere, was da kommt!

Ja, ich gebe zu, es sind nachher über den Abänderungsantrag Dinge eingearbeitet wor­den, aber auch da ist es parlamentarisch, wie gleichfalls schon angesprochen wurde, ei­nigermaßen schwierig, wenn man am Freitagnachmittag solch einen Abänderungsan­trag bekommt. Auch wir haben kein Problem, übers Wochenende zu arbeiten und uns das anzuschauen (Abg. Steinhauser: Die NEOS schon gar nicht!) – wir schon gar nicht, das ist vollkommen richtig! –, nichtsdestotrotz entspricht es weder den parlamentarischen Gepflogenheiten noch hat es, ehrlich gesagt, mit ernst zu nehmender, qualitativ hoch­wertiger Arbeit, die gerade in dem Bereich so dringend notwendig wäre, etwas zu tun.

Ja, ich gestehe zu, es sind jetzt noch gute Schritte gemacht worden, ich glaube aber trotzdem, dass hier immer noch Dinge fehlen. Ich halte es einfach für keine sinnvolle Va­riante, wenn das österreichische Parlament so arbeitet. Ich denke, dass dem Parlamen­tarismus damit nicht gedient ist, und ich denke, dass wir hier viel selbstbewusster auf­treten sollten.

Was natürlich stimmt, ist, dass es notwendig ist, hier so rasch wie möglich zu einer sinn­vollen Regelung zu kommen, damit sich Unternehmerinnen und Unternehmer darauf einstellen können, nichtsdestotrotz geht es um den Mai 2018: Es ist noch knapp ein Jahr bis dorthin!

Ich glaube, wenn wir die entsprechenden Stellungnahmen noch mehr berücksichtigt und eingearbeitet hätten, hätten wir bis zum Herbst eine noch bessere Lösung hinbekom­men können, und dann, so meine ich, wäre die Umstellungszeit immer noch ausreichend lang, damit sich alle auch wirklich darauf einstellen können. Dem Parlamentarismus ist mit so einer Vorgehensweise sicher nicht gedient. (Beifall bei den NEOS.)

13.50


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu einer Stellungnahme hat sich Herr Bundesminister Mag. Drozda zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Bundesminister.

 


13.50.20

Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien Mag. Thomas Drozda: Ich möchte mich hier jetzt inhaltlich nicht verbreitern, weil vieles ohnehin schon von den


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 125

Vorrednern erwähnt wurde. Dass es sich um eine Verordnung handelt, die direkt an­wendbar ist, um eine Umsetzung auf österreichischer Ebene, dass wir dieser Richtlinie im Rat nicht zugestimmt, sondern uns enthalten haben, erwähne ich der guten Ord­nung halber.

Klar ist nur, was die Frage der Ernsthaftigkeit des Begutachtungsverfahrens betrifft, le­ge ich schon Wert auf die Feststellung – auch vor dem Hintergrund dessen, dass ich weiß, wie intensiv unsere Beamtinnen und Beamten sich da bemüht haben, alles ein­zuarbeiten –, dass alles berücksichtigt wurde und dass die maßgeblichen Stellungnah­men eingearbeitet wurden. Sie erkennen das am Umfang des Abänderungsantrages, der in diesem Zusammenhang ja auch kritisiert wurde, und Sie erkennen es an der Tat­sache, dass wir noch heute einen Abänderungsantrag in der Frage der Verarbeitung der bereits vorhandenen Daten eingebracht haben.

Dass wir das unter großem Zeitdruck gemacht haben, ist, glaube ich, nicht in Abrede zu stellen, auf der anderen Seite möchte ich schon für uns alle in Anspruch nehmen, dass wir uns bestmöglich um eine Berücksichtigung all dieser Dinge bemüht haben. – Der guten Ordnung halber erwähne ich schon noch, dass es ja nicht die sozialdemo­kratische Fraktion war, die die Regierungszusammenarbeit beendet und dadurch ge­wisse zeitliche Probleme verursacht hat.

Ich glaube, wir haben unter den gegebenen Umständen im Verfassungsausschuss, aber auch im Rahmen des Begutachtungsverfahren das Bestmögliche getan und können Ih­nen heute etwas vorschlagen, wo Sie, wenn Sie – was Sie zweifellos getan haben – die letzten drei Tage genützt haben, um sich anzusehen, was heute beschlossen wird, sich einen Ruck geben und dem wohl auch zustimmen könnten. – Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ.)

13.52


Präsident Ing. Norbert Hofer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Troch. –Bitte.

 


13.52.32

Abgeordneter Dr. Harald Troch (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine Damen und Herren! Das Internet schafft den gläsernen Menschen. Jeder Mensch hat natürlich sensible Daten, hat ein starkes Recht auf Datenschutz, und ich sage das des­halb eingangs hier, um auch darauf hinzuweisen, dass bei der Regierungsvorlage und vor allem bei dem Abänderungsantrag sehr wohl sehr gewissenhaft vorgegangen wurde.

Es liegt an uns, diesen Handlungsbedarf in Bezug auf personenbezogene Daten ak­tuell zu regeln, und wir sagen mit dem Datenschutzgesetz ein klares Ja zum Schutz der persönlichen Daten. Es ist ja schon gesagt worden: Wir setzen eine EU-Verordnung und eine EU-Richtlinie um, aber die Umsetzung in nationales Recht bietet einige Mög­lichkeiten, und ich freue mich, hier feststellen zu können, dass wir diese Möglichkeiten beim nationalen österreichischen Recht gut nützen.

In der Begutachtungsfrist sind 109 Stellungnahmen eingegangen. Zugegebenermaßen war es eine Mammutaufgabe für die Beamten, diese in einen 59-seitigen Abänderungs­antrag einzuarbeiten, der dem Verfassungsausschuss dann tatsächlich am Montag vor­gelegt wurde.

Das Gesetz hat mit diesem Abänderungsantrag enorm an Qualität gewonnen. Ein Bei­spiel ist die Datenschutzbehörde: Im Abänderungsantrag regeln wir ganz klar, dass die Prüfbefugnis der Datenschutzbehörde, die im Bundeskanzleramt angesiedelt sein wird, nun ausgeweitet wird. Es kann generell geprüft werden und nicht nur bei begründetem Verdacht.

Die Whistleblower-Hotline, die vom EU-Recht her ein bisschen infrage gestellt wurde, wenn es um das Problem der Verarbeitung strafrechtlich relevanter Daten durch ano-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 126

nyme Anzeigen geht, regeln wir im nationalen Recht eindeutig. Die Whistleblower-Hot­lines sind ja ein ganz wesentliches Instrument in der Korruptionsbekämpfung, und das haben wir für Österreich hier klar geregelt.

Das Datenschutzgesetz regelt auch die Bestimmungen für ausländische Unternehmen, die Sitz oder Niederlassung in Österreich haben: Für sie gilt ganz klar österreichisches Recht, was in der EU-Verordnung nicht so geklärt war. Damit haben ausländische Un­ternehmen in Österreich keinen Wettbewerbsvorteil gegenüber inländischen Unterneh­men, weil sie vielleicht durch heimatliches Recht geschützt wären. Ich halte das für sehr gut.

Ich finde, SPÖ und ÖVP haben mit dieser Gesetzesvorlage ihre Hausaufgaben ge­macht, vor allem auch mit einem Punkt, nämlich dass der Missbrauch von personenbe­zogenen Daten in Gewinn- und Schädigungsabsicht ganz klar unter Strafrecht gestellt wird. Auch das entspricht unserem ganz klaren Wollen des Schutzes von personenbe­zogenen und sensiblen Daten.

In diesem Sinn: ein gutes Gesetz mit hoher Qualität. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

13.55


Präsident Ing. Norbert Hofer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Hagen. – Bitte schön.

 


13.56.00

Abgeordneter Christoph Hagen (STRONACH): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Herr Bundesminister, Sie haben es ja selbst angedeutet: Es hat laufend Abänderungsanträge zu diesem Gesetz gegeben. Einer der Abänderungsanträge ist am Freitagnachmittag, um 15 Uhr, im Klub eingelangt, da war ich bereits mit dem Auto auf dem Heimweg, ich konnte ihn also nicht lesen. Am Samstag hatte ich einen 24-Stun­den-Dienst bei der Polizei, am Sonntag bin ich wieder nach Wien gefahren, und am Montag hatten wir den Verfassungsausschuss. – Jetzt kann man sich ungefähr vorstel­len, wie die Regierung da gearbeitet hat.

Nun will ich nicht einmal negativ über den Inhalt des Gesetzes sprechen, aber es ist schier unmöglich für einen kleinen Klub mit wenigen Mitarbeitern und mit einem Abge­ordneten, der vielleicht extrem beschäftigt ist, weil er in sehr vielen Ausschüssen ist – Sie sehen ja, wie viele Punkte in diesen zwei Tagen auf der Tagesordnung sind –, der das alles verarbeiten muss. Auch mein Tag hat nur 24 Stunden, Herr Minister!

Die Vorgangsweise beim Zustandekommen dieser Vorlage hat Kollege Wittmann sehr nett ausgedrückt. Er hat gesagt, der Gesetzwerdungsprozess ist ein bisschen zügiger gewesen. – Ja, ein bisschen zu zügig, denn wir haben uns damit nicht wirklich zu 100 Pro­zent befassen können. Und wenn ich nicht weiß, was in einem Gesetz konkret drinnen steht, brauche ich Zeit, vor allem, wenn darin von da auf dort verwiesen wird und von dort wieder dahin – und das alles mit irgendwelchen Paragraphen und Zeilen und Sei­ten. Das muss man sich zuerst einmal zusammensuchen! Ich glaube, so viel Platz ha­ben wir hier herinnen gar nicht, dass wir das alles auflegen könnten, wenn wir es lesen möchten. – Nur so viel dazu, damit die Zuschauer einmal wissen, was da abgeht.

Das ist das, was ich Ihnen vorwerfe, Herr Minister – nicht der Inhalt, der Inhalt mag in Ordnung sein, das weiß ich aber nicht zu 100 Prozent –, und deswegen kann meine Fraktion beim besten Willen nicht zustimmen – und den hätten wir, das können Sie mir glauben, weil ich doch denke, dass da einige gute Sachen drinnen sind, was ich in den Teilstücken, die wir in der kurzen Zeit durcharbeiten konnten, gesehen habe. Ich kann aber nicht sagen, ob da irgendetwas Verstecktes drinnen ist. Ich erinnere Sie daran, dass es schon viele Gesetze gegeben hat, die man sehr, sehr schnell durchgezogen hat und bei denen es dann immer wieder zu Komplikationen gekommen ist. Denken wir


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 127

an das Beamten-Dienstrecht, das jetzt immer wieder vom Europäischen Gerichtshof aufgehoben wird und das wir wieder neu beschließen müssen.

So etwas möchte ich jetzt da drinnen nicht haben, und deswegen können wir leider nicht zustimmen, auch wenn es mir innerlich ein bisschen wehtut. – Danke. (Beifall beim Team Stronach sowie des Abg. Doppler.)

13.58


Präsident Ing. Norbert Hofer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Maurer. – Bitte.

 


13.58.31

Abgeordnete Sigrid Maurer (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Kollege Albert Steinhauser hat bereits erläu­tert, wie viele andere auch, wie das sehr fragwürdige Zustandekommen dieses Geset­zesvorschlags zu beurteilen, zu bewerten ist. Ich möchte auf einen weiteren Punkt ein­gehen, der damit zusammenhängt.

Uns liegt jetzt nur mehr ein Rumpfgesetz vor: Ursprünglich wäre das eine Zweitdrittel­materie gewesen, bei der natürlich auch wir Grüne hätten mitverhandeln können; jetzt sind die Zweidrittelteile weg, was uns wieder zur grundsätzlichen Frage führt, wie gut durchdacht dieses Paket tatsächlich ist – auch hier wieder der Verweis auf die kurze Dauer der Begutachtung, der Einarbeitungszeit et cetera.

Der Wegfall der Zweidrittelteile ist jetzt aus meiner Sicht als Wissenschaftssprecherin aus einer bestimmten Perspektive insofern kein Schaden, als die ursprüngliche Version dieses Gesetzes einen großen Einschnitt, eine große Einschränkung für die österrei­chische Wissenschafts- und Forschungslandschaft bedeutet hätte.

Sie wissen, die Grünen sind eine Datenschutzpartei (Abg. Schönegger: Welche Grü­nen? Die vom Pilz oder ...?), es ist uns extrem wichtig, dass die Rechte von Betroffe­nen und von Einzelpersonen gewahrt sind. Wir sind aber auch eine Wissenschaftspar­tei, und das bedeutet, es muss klar sein, dass für wissenschaftliche Forschung Daten verwendet werden können und das nicht durch überzogene Vorgaben eingeschränkt wird.

Genau das wäre der Fall gewesen. Es gibt die Kritik vonseiten der Universitäten, der uniko, der Medizinischen Universitäten, auch der Biobankeninfrastruktur, die in Wien an­gesiedelt ist und für die dieser Gesetzentwurf mitunter bedeutet hätte, dass sie weg müssen, weil die gesetzliche Basis die wissenschaftliche Arbeit so stark erschwert hät­te, dass sie in Österreich nicht mehr durchführbar gewesen wäre.

Es gibt öffentliche Interessen, speziell im medizinischen Bereich, aber auch sonst, wo es extrem wichtig ist, dass mit großen Datenmengen, mit Big Data gearbeitet werden kann – immer unter Einhaltung ethischer und wissenschaftlicher Grundsätze. Dazu gibt es auch eigene Kommissionen an den Universitäten, und diese Grundsätze werden auch eingehalten. Da wäre aber fast etwas verunmöglicht worden, beziehungsweise es be­steht auch jetzt, mit dem jetzigen § 7, der in Bezug auf die wissenschaftliche Forschung sehr schlecht formuliert ist, dasselbe Problem.

Wir haben im Ausschuss eine Ausschussfeststellung beschlossen, dass ein zusätzli­ches Gesetz vom Wissenschaftsministerium kommen muss, mit dem für den Wissen­schaftsbereich genau diese Dinge geregelt werden. Ich appelliere ganz stark an die zu­ständigen Beamtinnen und Beamten, das sauber zu machen, damit wir im internationa­len Vergleich in der Wissenschaft und in der Forschung keinen Wettbewerbsnachteil ha­ben. – Danke. (Beifall bei den Grünen.)

14.01

14.01.31

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 128

Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Wir gelangen nun zur Abstimmung über den Gesetzentwurf samt Titel und Eingang in 1761 der Beilagen.

Hiezu haben die Abgeordneten Dr. Wittmann, Himmelbauer, Kolleginnen und Kollegen einen Abänderungsantrag eingebracht.

Ich werde daher zunächst über den vom Abänderungsantrag betroffenen Teil und an­schließend über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes ab­stimmen lassen.

Die Abgeordneten Dr. Wittmann, Himmelbauer, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Z 7 eingebracht.

Wer dem seine Zustimmung erteilt, den bitte ich um ein bejahendes Zeichen. – Das ist mehrheitlich angenommen.

Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussbe­richtes.

Ich bitte jene Damen und Herren, die hierfür ihre Zustimmung erteilen, um ein bejahen­des Zeichen. – Auch das ist mehrheitlich angenommen.

Wir kommen zur dritten Lesung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die auch in dritter Lesung für den vorliegenden Ge­setzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetz­entwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abge­ordneten Ing. Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Schaffung eines Bundesver­fassungsgesetzes über die Freiheit zur unbeschränkten Verwendung von Bargeld im Zah­lungsverkehr.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zei­chen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt.

14.03.3216. Punkt

Bericht und Antrag des Verfassungsausschusses über den Entwurf eines Bun­desverfassungsgesetzes über die Genehmigung des Protokolls Nr. 15 zur Kon­vention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten und dessen Er­klärung zum Bundesverfassungsgesetz (1762 d.B.)

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Wir gelangen zum 16. Punkt der Tagesordnung.

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Dr. Jarolim. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


14.04.10

Abgeordneter Dr. Johannes Jarolim (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Mei­ne Damen und Herren! Ich kann mich kurz halten: Es ist eine relativ sinnlose Materie im Verfassungsrang. Wir beschließen hier die Umsetzung des Protokolls Nr. 15 zur Men­schenrechtskonvention, das sich inhaltlich eigentlich dadurch auszeichnet, dass das Al­ter der Richter festgelegt wird und das Subsidiaritätsprinzip zum x-ten Mal wiedergege­ben wird.

Wir haben nebenbei eine Möglichkeit gefunden, auch mit Unterstützung der neuen Grü­nen, hier eine Art Beschäftigungsprogramm aufzusetzen, indem wir entgegen der ur-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 129

sprünglichen Absicht, das hier in einem zu beschließen, eine zweigliedrige Vorgangs­weise schaffen, indem wir heute eine Grundlage für die im Herbst dann erneut vorzu­nehmende weitere Beschlussfassung schaffen.

Das ist vielleicht kommunikativ, aber es wäre nicht unbedingt notwendig gewesen. Man kann es auch als innovativ bezeichnen, wenn man will. Wir werden dem daher jeden­falls zustimmen. – Danke. (Beifall bei Abgeordneten der SPÖ.)

14.05


Präsident Ing. Norbert Hofer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Vetter. – Bit­te, Herr Abgeordneter.

 


14.05.19

Abgeordneter Dr. Georg Vetter (ÖVP): Grüß Gott, Herr Präsident! Hohes Haus! Ich versuche, dem Ganzen ein bisschen mehr Sinn zu geben, als mein Vorredner hier an­gedeutet hat.

Als ich studiert habe, hat man die Frage, wo man die österreichische Verfassung findet, dahin gehend beantwortet, dass es Verfassungsgesetze gibt, dass es Verfassungsbe­stimmungen in einfachen Gesetzen gibt und dass es Staatsverträge gibt. Der dritte Punkt ist irgendwann einmal so sehr zersplittert, dass der Bundesverfassungsgesetzgeber im Jahr 2008 gesagt hat, dass auch die Staatsverträge, die verfassungsändernd sind, mit eigenen Bundesverfassungsgesetzen zu regeln sind. Das ist die Ausgangslage dafür, dass wir auch dieses 15. Zusatzprotokoll in Form eines Bundesverfassungsgesetzes be­schließen müssen und sollen.

Jetzt war die erste Idee, dass man ein Staatsverträge-Bundesverfassungsgesetz macht, in dem alle Staatsverträge, die die Verfassung ändern, drinnen stehen. Das war eine ko­härente Idee, die wir leider aus den Gründen, die der Kollege schon genannt hat, hier nicht zum Durchbruch gebracht haben. Das hätte zur leichteren Lesbarkeit der Staats­verträge, die die Verfassung ändern, beigetragen.

Nun machen wir es in einem zweistufigen Verfahren, das ebenfalls nicht notwendig ist – da hat der Herr Kollege recht –, nämlich indem wir zuerst jetzt ein Bundesverfassungs­gesetz beschließen, mit dem wir das 15. Zusatzprotokoll genehmigen können – das heißt, wir machen jetzt einen ersten Schritt –, und machen dann ... (Abg. Steinhauser: Wa­rum ist der nicht notwendig? – Das ist notwendig!) – Ich glaube, das könnte man in ei­nem machen; aber Sie werden dann sagen, Herr Kollege, warum Sie es nicht glauben. Ich glaube, es wäre gegangen, dass man beides in einem Schritt macht, nämlich die Ge­nehmigung und auch das 15. Zusatzprotokoll beschließt.

Herr Kollege Jarolim hat vorhin ein paar Punkte erwähnt, die in diesem 15. Zusatzpro­tokoll drinnen stehen werden, und ich möchte noch einen ganz wichtigen, nämlich viel­leicht sogar den wichtigsten, herausgreifen, nämlich die Fristverkürzung von sechs auf vier Monate. Darüber werden nämlich einige stolpern, wenn sie zum ersten Mal sehen, was da drinnen steht, beziehungsweise wenn sie Zurückweisungen erhalten. Also das ist ganz wichtig, dass wir nur noch eine viermonatige Frist nach rechtskräftiger Beendi­gung des innerinstanzlichen Verfahrens haben.

Meine Damen und Herren! Ich nehme diesen Tagesordnungspunkt aber auch selbstkri­tisch zum Anlass, um hier einmal die Frage zu stellen, ob diese völlige Zersplitterung der Verfassung denn wirklich im Interesse von uns allen, den Richtern und der Bevöl­kerung ist. Wir haben gerade die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes gelesen, der den Bescheid hinsichtlich der dritten Piste aufgehoben hat. Wenn wir eine österrei­chische Verfassung haben, die zersplittert ist und sich in den verschiedensten Gesetzen findet, dann darf es uns auch nicht wundern, dass Leute verwirrt sind, und dies selbst dann, wenn es Richter und rechtskundige Personen sind.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 130

Vor zwei Tagen ist anlässlich des Geburtstages unseres Zweiten Nationalratspräsiden­ten der österreichische Nobelpreisträger Hayek erwähnt worden. Der ist einmal sogar so weit gegangen, dass er die Entkoppelung von einfachem Gesetzgeber und Verfas­sungsgesetzgeber gefordert hat, da der einfache Gesetzgeber immer versucht ist, die­ses Instrument der Macht, nämlich die Verfassungsgesetze, in einem inflationären Sin­ne zu verwenden.

Was ich hier sagen möchte, ist: Wir sollten uns an der Nase nehmen und nicht zu sehr von diesem Instrument Gebrauch machen, und wenn wir es tun, dann in einer kohä­renten Art und Weise, sodass man die Verfassung lesen kann, damit wir auch noch wissen, was dort wirklich drinnen steht. Eine Harmonisierung des Bundes-Verfassungs­gesetzes wäre also wünschenswert, und wenn wir mit der Harmonisierung der Staats­verträge anfangen würden, wäre das, glaube ich, ein guter Anfang. – Danke schön. (Bei­fall bei der ÖVP.)

14.09


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt nun Herr Klubobmann Mag. Steinhau­ser. – Bitte, Herr Klubobmann.

 


14.09.36

Abgeordneter Mag. Albert Steinhauser (Grüne): Sehr geehrte Damen und Herren! Manchmal sind parlamentarische Debatten große Redeschlachten, und manchmal sind es große rechtliche Details, die wir hier diskutieren, aber es ist auch notwendig, diese rechtlichen Details zu diskutieren, und ich schätze zum Beispiel am Kollegen Vetter von der ÖVP, dass er das mit Hingabe macht.

Ich versuche aber, das für unsere Zuhörer ein bisschen zu übersetzen: Worum geht es? – Wir müssen ein Zusatzprotokoll zur Europäischen Menschenrechtskonvention be­schließen, und dieses Zusatzprotokoll ändert die Verfassung, weil die Europäische Men­schenrechtskonvention im Verfassungsrang steht.

Jetzt haben wir folgendes rechtliches Problem: Die Regierungsparteien haben einen Vor­schlag gemacht, der bedeutet hätte, dass man dieses Zusatzprotokoll mit einfacher Mehr­heit annimmt – obwohl es Verfassungsrecht ändert – und den Beschluss danach mit Zwei­drittelmehrheit in der Verfassung fasst.

Das ist eine unbefriedigende Lösung. Warum? – Weil die Situation entstehen könnte, dass das Zusatzprotokoll mit einfacher Mehrheit genehmigt würde, wir damit völker­rechtlich verpflichtet werden, aber später keine Zweidrittelmehrheit zusammenbekom­men. Das ist der Grund, warum diese Vorgangsweise aus unserer Sicht verfassungs­rechtlich und parlamentarisch falsch war.

Wir haben daher einen anderen Vorschlag gemacht, und dieser besagt, es muss zu­erst die verfassungsrechtliche Grundlage geben – die mit Zweidrittelmehrheit zu be­schließen ist –, und dann kann man auch mit Zweidrittelmehrheit, vielleicht auch mit ein­facher Mehrheit, das gebe ich zu, das Zusatzprotokoll beschließen, weil dann die ver­fassungsgesetzliche Grundlage steht und wir nicht das Problem bekommen, dass wir dann völkerrechtlich verpflichtet sind, aber vielleicht keine Mehrheit haben.

So, das machen wir jetzt, und das ist richtig; und warum ich glaube, dass die Gleich­zeitigkeit nicht geht, hat einen einfachen Grund: Weil natürlich die verfassungsrechtli­che Rechtsgrundlage zuerst auch Rechtskraft erlangen muss – nachdem auch der Bun­desrat und der Bundespräsident damit befasst waren. Erst wenn die verfassungsrecht­liche Grundlage steht, kann man dann in einem zweiten Schritt auch das Zusatzpro­tokoll annehmen. Das ist alles sehr juristisch, aber aus diesem Grund kommt die Gleich­zeitigkeit eigentlich nicht infrage und ist die Vorgangsweise, die wir gewählt haben, die juristisch und verfassungsrechtlich saubere Lösung. Dies war uns wichtig, denn so et­was hat ja auch immer Präjudizwirkung für die Zukunft.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 131

Ich bin aber froh darüber, dass wir uns in dieser sehr trockenen Materie darauf einigen konnten, diese Vorgangsweise zu wählen, was uns aber nicht davon befreit, in aller Ru­he darüber zu reden – was Sie, Herr Kollege Vetter, angesprochen haben –, wie wir in Zukunft damit umgehen, damit die Verfassung eine gewisse Geschlossenheit, Lesbar­keit und Übersichtlichkeit hat. Da wäre ich jetzt gar nicht so weit weg von Ihnen. Wie dann eine Lösung ausschaut, muss man in aller Ruhe diskutieren. – Danke schön. (Bei­fall bei den Grünen.)

14.12

14.12.14

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Wir gelangen zur Abstimmung über den Gesetzentwurf samt Titel und Eingang in 1762 der Beilagen.

Da es sich bei dem vorliegenden Gesetzentwurf um ein Bundesverfassungsgesetz han­delt, stelle ich zunächst im Sinne des § 82 Abs. 2 Z 1 der Geschäftsordnung die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit der verfassungsmäßig vorgesehenen Anzahl der Abgeordneten fest.

Ich bitte nunmehr die Damen und Herren, die diesem Gesetzentwurf zustimmen, um ein bejahendes Zeichen. – Das ist mehrheitlich angenommen.

Ausdrücklich stelle ich die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehrheit fest.

Wir kommen sogleich zur dritten Lesung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Auch das ist die Mehrheit.

Wiederum stelle ich ausdrücklich die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehr­heit fest.

Der Gesetzentwurf ist somit in dritter Lesung angenommen.

14.13.2117. Punkt

Bericht des Verfassungsausschusses über den Antrag 2213/A der Abgeordneten Mag. Helene Jarmer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das ORF-Gesetz, BGBl. Nr. 379/1984, zuletzt geändert mit BGBl. I Nr. 120/2016, geändert wird (1763 d.B.)

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Wir gelangen zum 17. Punkt der Tagesordnung.

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Dr. Cap. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


14.13.56

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ): Herr Präsident! Hohes Haus! Ich weiß, Sie ha­ben wieder Sehnsucht nach einer positiven ORF-Darstellung. Sie sind ja selbst Seher und Hörer. Aber heute geht es doch materiell um etwas anderes. Es geht darum, dass wir hier einen Schritt setzen in Bezug auf den Publikumsrat, in Bezug auf die Vertre­tung behinderter Menschen, damit sie die Möglichkeit haben, quasi sich selbst zu ver­treten, und nicht immer andere Experten – aus Pflegeberufen oder von sonst wo – die­se Vertretung übernehmen, sondern dass sie im Endeffekt selbst die besten Experten dafür sind.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 132

Ich möchte aber bei dieser Gelegenheit schon auch darauf hinweisen, was die Pro­bleme der Zeit sind und wo man auch den ORF aufgrund der technischen Veränderun­gen sozusagen näher an seine Nutzer, an seine Hörer, an seine Seher bringen kann, denn manche gesetzliche Regelungen wurden getroffen, als bestimmte Entwicklungen noch nicht stattgefunden hatten. Eine dieser Entwicklungen ist der Markteintritt der so­genannten ersten iPad-Generation, der letztlich dazu geführt hat, dass man sich auch da eine gesetzliche Anpassung überlegen muss. Jetzt ist es ja so, dass faktisch nur nor­male TV-Sendungen online gestellt werden – „linear“ sagt man dazu in der Fachspra­che –, und das übersetzt sich dann eben und ist on Demand online abrufbar.

Und jetzt ist es, glaube ich, wichtig, dass man auf dieses neue Verhalten der User – das sind nicht nur junge Menschen – stärker eingeht. Ein großer Teil der Österreiche­rinnen und Österreicher konsumiert heute ORF-Produkte über Online-Dienste. Und zu Recht muss man sich eigentlich jetzt überlegen, ob nicht der Versorgungsauftrag des ORF auch diese Bereiche insofern erfassen sollte, als der ORF im Online-Bereich ei­genständigen Bewegtbild-Content anbieten kann – das wäre doch einmal ein Fortschritt! – und dass es für den ORF möglich sein soll, sein gesamtes Programm über Abrufdiens­te on Demand online anbieten zu können.

Ich finde, das wäre doch etwas, was man sich in der nächsten Gesetzgebungsperiode gleich weiter für die Zukunft überlegen sollte, dass hier Schritte zu setzen wären, die zeit­gemäß sind, die dem ORF sozusagen die Möglichkeit bieten, das zu erfüllen, was die User und die Gebührenzahler und Gebührenzahlerinnen von ihm erwarten, nämlich dass er auf dem letzten Stand der Dinge – der Technik, aber auch der Möglichkeiten – ist; das Ganze natürlich auch in Übereinstimmung mit den Interessen der Konkurrenzmedien, sage ich gleich einmal dazu, damit nicht gleich der VÖZ und andere anrufen, und auch in Übereinstimmung mit dem europäischen Recht. – Ich glaube, das soll man noch da­zusagen.

Ansonsten: Wir werden dieser Initiative – Kollegin Jarmer, die sich da besonders ein­gebracht hat, wird sich dann, glaube ich, ohnehin noch zu Wort melden –, dass man hier versucht, diesen Schritt zu setzen, zustimmen. Damit ist dann auch die Repräsentativi­tät des Publikumsrates letztendlich angehoben. Und ich denke, dass damit die Akzep­tanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, des ORF, in der gesamten Bevölkerung – eine Akzeptanz, die ja so hoch ist wie in kaum einem anderen europäischen Land – weiter abgesichert und weiter ausgebaut werden kann. (Beifall bei der SPÖ sowie der Abg. Jarmer.)

14.17


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt nun Herr Abgeordneter Mag. Gerstl. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


14.17.38

Abgeordneter Mag. Wolfgang Gerstl (ÖVP): Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bun­desminister! Ich glaube, niemand in Österreich wünscht sich das, was wir hier machen, nämlich eine Überreglementierung, weil der normale Hausverstand nicht beachtet wird.

Laut dem ORF-Gesetz ist der Bundeskanzler dazu verpflichtet, aus verschiedenen Ge­sellschaftsgruppen Leute in den Publikumsrat zu entsenden. Unter anderem hat er auch Vorschläge aus dem Bereich der behinderten Menschen einzuholen.

Was hat der Bundeskanzler gemacht? – Er hat seinen Chef der Volkshilfe dorthin ent­sandt, der natürlich nicht aus dem Bereich der behinderten Menschen kommt. Hätte er einen Behindertenvertreter entsandt, müssten wir heute gar nicht hier stehen und eine neue gesetzliche Regelung schaffen. (Abg. Brosz: Wen hat der Schüssel entsandt?)

Jetzt müssen wir eine gesetzliche Regelung machen, damit das Selbstverständlichste vom Selbstverständlichen auch noch festgeschrieben wird, nämlich dass ein Behinder-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 133

tenvertreter auch aus einer Behindertenorganisation kommen muss und selbst Behin­derter sein soll (Abg. Brosz: Wen hat der Schüssel entsandt? Das würde mich jetzt in­teressieren!) – denn Sie wollen ja auch nicht, Herr Kollege Brosz, dass Frauen durch Män­ner vertreten werden, sondern Frauen auch durch Frauen vertreten werden. Ebenso ist es auch selbstverständlich, dass Behinderte durch Behinderte vertreten werden sollen. (Abg. Brosz: Sagen Sie, wen der Schüssel entsandt hat!)

Und so können wir heute hier dafür danken, dass nicht nur unser Behindertenvertreter Franz-Joseph Huainigg das gefordert hat, sondern dass auch Frau Kollegin Jarmer ge­sagt hat, dass wir jetzt eine gesetzliche Regelung schaffen müssen.

Aber ich sage Ihnen, liebe Damen und Herren und liebe Zuseherinnen und Zuseher: Wenn wir weniger direkte Regelungen im Gesetz hätten, wäre es mir lieber, und wenn mehr der Hausverstand obsiegen würde, sodass wir nicht ein Gesetz bräuchten, um den Bundeskanzler dazu aufzufordern, zum Behindertenvertreter auch wirklich einen Behin­derten auszuwählen. – Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Cap: Aber der Schüs­sel? – Abg. Brosz: Wen hat der entsandt? – Rufe: Genau! Wen hat der entsandt? – Der Gusenbauer nicht? – Abg. Wöginger: Der war selber drinnen!)

14.19


Präsident Ing. Norbert Hofer: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Mag. Jarmer. – Bitte.

 


14.19.57

Abgeordnete Mag. Helene Jarmer (Grüne) (in Übersetzung durch einen Gebärden­sprachdolmetscher): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Duzdar! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Vorredner haben es bereits teilweise erklärt, ich sage nur: Gott sei Dank, endlich – end­lich! – darf ein Mensch mit Behinderung Menschen mit Behinderungen vertreten! Wir sind also auf dem richtigen Weg.

Die KollegInnen und meine VorrednerInnen haben auch schon betont, dass es mit den Almosen und mit dem Mitleid, das diese Menschen brauchen, weil sie sich ja selbst nicht vertreten können, vorbei ist. Ja, sie können sich selbst vertreten! Aber ich muss auch dazusagen, dass diese Geschichte und diese Thematik nicht mit diesem Schritt beendet ist, sondern dass es nur ein Schritt in die richtige Richtung ist.

Es ist auch wichtig, dass im öffentlich-rechtlichen Bereich, auch beim ORF, Menschen mit Behinderungen sichtbar gemacht werden und dass dieses Leben als normal nach außen getragen wird und nicht in der Weise, dass Menschen nach einem Schicksals­schlag, beispielsweise einem Sportunfall, vor die Kamera kommen und erzählen dür­fen, dass sie eine Behinderung erworben haben, und dann gesagt wird: Ach, wie schlimm, wie traurig, mein Beileid!, et cetera, et cetera.

Nein, das sind Menschen in unserer Gesellschaft, die einen normalen Beruf haben, die einen normalen Alltag haben und die auch an politischen Diskussionen, an Debatten teil­nehmen müssen – auch im Fernsehen. Und sie sollten zu allen verschiedenen Themen im Fernsehen und auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einen Platz bekommen. Das soll eine Selbstverständlichkeit werden, diese Inklusion soll gelebt werden!

Ich möchte mich auch bei allen, die diesen Antrag unterstützen, bedanken. Es ist ein kleiner Schritt, und zwar in die richtige Richtung. – Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten von SPÖ und ÖVP.)

14.21


Präsident Ing. Norbert Hofer: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Doppler. – Bitte.

 



Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 134

14.21.48

Abgeordneter Rupert Doppler (ohne Klubzugehörigkeit): Herr Präsident! Herr Minis­ter! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren! Das ORF-Gesetz soll geändert wer­den. Es ist ein guter und richtiger Ansatz, dass jenes Mitglied im Publikumsrat des ORF, das die Interessen behinderter Menschen vertritt, selbst auch aus dem Bereich der Be­troffenen kommt.

Bereits vor der letzten Bestellung des ORF-Publikumsrates hat es fünf qualifizierte Men­schen mit Behinderung gegeben, welche auch nominiert wurden. Trotzdem ist es zu ei­ner Bestellung eines nicht behinderten Vertreters gekommen, was auch ganz klar der UN-Behindertenrechtskonvention, die den Grundsatz der Selbstvertretung von behin­derten Menschen in allen sie betreffenden Gremien vorsieht, widerspricht. – Und das ist auch richtig so. Hätte man damals darauf Rücksicht genommen, wäre dieses Gesetz heu­te überflüssig.

Betreffend die Gebührensenkung des ORF für Menschen mit eingeschränktem Sehver­mögen – ich glaube, das wurde vom Kollegen Cap angesprochen – ist zu sagen: Auch das ist ein richtiger Ansatz! Für unsere Mitmenschen, die leider behindert sind, muss das, was in Deutschland möglich ist, auch in Österreich möglich sein. – Herzlichen Dank. (Beifall des Abg. Hagen.)

14.23

14.23.08

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Wir gelangen zur Abstimmung über den Gesetzentwurf samt Titel und Eingang in 1763 der Beilagen.

Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zei­chen der Zustimmung. – Das ist einstimmig angenommen.

Wir kommen zur dritten Lesung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Auch das ist ein­stimmig. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

14.23.5018. Punkt

Bericht des Verfassungsausschusses über die Anträge 2247/A der Abgeordneten Otto Pendl, Mag. Bernd Schönegger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bun­desgesetz, mit dem das Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 geändert wird, und

175/A der Abgeordneten Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz vom 27. Juni 1979 über das Dienst­recht der Beamten (Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 – BDG 1979) geändert wird (1764 d.B.)

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Wir kommen nun zum 18. Punkt der Tagesordnung.

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Als Erster zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Pendl. – Bitte.

 


14.24.23

Abgeordneter Otto Pendl (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Frau Staats­sekretärin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hohes Haus! Meine Damen und Herren auf der Galerie und vor den Fernsehapparaten! Eingangs möchte ich mich be-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 135

danken, bei allen miteinander, die sich über viele Jahre als Einzelkämpfer, als Einzel­fraktion dafür eingesetzt haben. Ich stehe nicht an, an so einem Tag zu sagen: Danke! Ich glaube, alle, die sich mit dieser Materie beschäftigt haben, wissen, dass seit dem Jahr 2005, nämlich seit dem Pensionsanpassungsgesetz, diese Frage offen ist. Heute werden wir – ich darf es so formulieren – Gerechtigkeit für rund 17 000 Menschen herbei­führen. Das war eine sachliche, gute Diskussion, auch im Verfassungsausschuss. Viel­leicht gelingt ja die Beschlussfassung. Na ja, viele Grüne sind nicht da! (Abg. Wenin­ger: Der Pilz kommt gleich! – Abg. Schmuckenschlager: Der ist nicht mehr grün! – Zwi­schenruf des Abg. Schönegger.) Im Verfassungsausschuss wurde formuliert, dass sie nicht aus inhaltlichen Gründen nicht mitstimmen, sondern weil sie noch keine Zeit hat­ten, sich die Anträge anzusehen. Jetzt bin ich neugierig auf die Beschlussfassung.

Frau Staatssekretärin, ich darf mich auch bei dir und deinem Team bedanken, dass wir doch auf eine eher unkomplizierte Art und Weise am Schluss versucht haben, diese Ge­rechtigkeitsfrage, wenn ich es so formulieren darf, auch noch rasch zu lösen. Wir sind durch die Diskussion im Verfassungsausschuss draufgekommen – und das ist auch wich­tig –, dass es sein könnte, dass in den unterschiedlichsten Lehrergesetzen, derer wir meh­rere haben, und vielleicht auch im Bereich der Staatsanwälte und der Richter irgendwo noch ein ehemaliger zvS-ler steht. Wir haben uns dann dahin gehend verständigt, dass wir hier gemeinsam mit einem Abänderungsantrag versuchen werden, auch diese Grup­pen einzufangen, damit nach menschlichem Ermessen überhaupt kein Bereich übrig­bleibt, der vielleicht von einer guten Regelung ausgeschlossen sein sollte, denn ob bei dieser Zahl der eine oder andere übrigbleibt, ist, glaube ich, wirklich eine reine Solidari­tätsfrage.

Daher darf ich also folgenden Abänderungsantrag einbringen:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Otto Pendl, Mag. Bernd Schönegger, Mag. Günther Kumpitsch, Kol­leginnen und Kollegen

zum Bericht des Verfassungsausschusses (1764 d.B.) betreffend den Antrag der Abge­ordneten Otto Pendl, Mag. Bernd Schönegger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 geändert wird (2247/A)

Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen:

Die oben bezeichnete Vorlage wird wie folgt geändert – ich bitte um Verständnis, ich muss das vorlesen, das geht nicht anders –:

1. Nach Z 1 wird folgende Z 1a eingefügt:

„1a. Dem § 236b Abs. 2 Z 3 wird folgender Satz angefügt:

„Diese Bestimmung gilt sinngemäß im Anwendungsbereich des Landeslehrer-Dienst­rechtsgesetzes –LDG 1984, BGBl. Nr. 302/1984, des Land- und forstwirtschaftlichen Lan­deslehrer-Dienstrechtsgesetzes – LLDG 1985, BGBl. Nr. 296/1985 und des Richter- und Staatsanwaltschaftsdienstgesetzes – RStDG, BGBl. Nr. 305/1961.““

2. Nach Z 2 wird folgende Z 2a eingefügt:

„2a. Dem § 236d Abs. 2 Z 3 wird folgender Satz angefügt:

„Diese Bestimmung gilt sinngemäß im Anwendungsbereich des Landeslehrer-Dienst­rechtsgesetzes –LDG 1984, BGBl. Nr. 302/1984, des Land- und forstwirtschaftlichen Lan­deslehrer-Dienstrechtsgesetzes – LLDG 1985, BGBl. Nr. 296/1985 und des Richter- und Staatsanwaltschaftsdienstgesetzes – RStDG, BGBl. Nr. 305/1961.““

*****


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 136

Meine geschätzten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich würde mich freuen und die 17 000 Menschen wahrscheinlich auch. Ich weiß nicht, Kollege Stein­hauser, ich habe gerade das gesagt, was du im Ausschuss gesagt hast. (Abg. Stein­hauser: Es ist so!) – Freut mich, dann haben wir also im Sinne der Solidarität und der Gerechtigkeit einen einstimmigen Beschluss. Die Kolleginnen und Kollegen, in welchen Bereichen sie auch sind, werden sich sicherlich sehr freuen. Ich bedanke mich aus­drücklich bei Ihnen! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

14.29


Präsident Ing. Norbert Hofer: Der Abänderungsantrag ist ausreichend unterstützt, ord­nungsgemäß eingebracht und steht mit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Abänderungsantrag

der Abgeordneten Otto Pendl, Mag. Bernd Schönegger, Mag. Günther Kumpitsch, Kol­leginnen und Kollegen

zum Bericht des Verfassungsausschusses (1764 d.B.) betreffend den Antrag der Abge­ordneten Otto Pendl, Mag. Bernd Schönegger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 geändert wird (2247/A)

Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen:

Die oben bezeichnete Vorlage wird wie folgt geändert:

1. Nach Z 1 wird folgende Z 1a eingefügt:

„1a. Dem § 236b Abs. 2 Z 3 wird folgender Satz angefügt:

„Diese Bestimmung gilt sinngemäß im Anwendungsbereich des Landeslehrer-Dienst­rechtsgesetzes –LDG 1984, BGBl. Nr. 302/1984, des Land- und forstwirtschaftlichen Lan­deslehrer-Dienstrechtsgesetzes – LLDG 1985, BGBl. Nr. 296/1985 und des Richter- und Staatsanwaltschaftsdienstgesetzes – RStDG, BGBl. Nr. 305/1961.““

2. Nach Z 2 wird folgende Z 2a eingefügt:

„2a. Dem § 236d Abs. 2 Z 3 wird folgender Satz angefügt:

„Diese Bestimmung gilt sinngemäß im Anwendungsbereich des Landeslehrer-Dienst­rechtsgesetzes –LDG 1984, BGBl. Nr. 302/1984, des Land- und forstwirtschaftlichen Lan­deslehrer-Dienstrechtsgesetzes – LLDG 1985, BGBl. Nr. 296/1985 und des Richter- und Staatsanwaltschaftsdienstgesetzes – RStDG, BGBl. Nr. 305/1961.““

*****

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt nun Herr Abgeordneter Mag. Schön­egger. – Bitte.

 


14.29.22

Abgeordneter Mag. Bernd Schönegger (ÖVP): Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich denke, man kann heute ohne Übertreibung sagen, dass wir endlich eine völlig absurde Situation – Otto Pendl hat es angesprochen – im Bereich von über 17 000 Zeitsoldaten beenden. Es ist eigentlich ein unwürdiges Schauspiel, das jetzt über viele Jahre zwischen Landesverteidigungs­ministerium und Sozialministerium hin und her gegangen ist.

Da gibt es Menschen in Uniform, die einen wertvollen Dienst für die Republik geleistet haben und die jetzt auf einmal – im Rahmen der Zustellung der Erstgutschrift des Pen-


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sionskontos – draufgekommen sind, dass ihnen Pensionszeiten nicht angerechnet wur­den. Diese Situation gilt es zu beenden, diese Situation werden wir heute beenden, ich glaube sogar einstimmig, und das freut mich sehr.

Dieser Sieg der Vernunft hat natürlich viele Väter. Ich bedanke mich bei allen, die am Ende noch mitgeholfen haben, dass wir das jetzt schaffen. Ich möchte vor allem auch die Bundesheergewerkschaft hervorheben, die über viele, viele Jahre diesen Punkt wirk­lich angeprangert hat. Es freut mich, dass wir diese Situation heute hier beenden kön­nen. Die Koalition arbeitet ja in wesentlichen Punkten dann doch sehr gut zusammen, auch in diesen turbulenten Zeiten. – Danke. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Weninger: Ich glaube, wir sollten gar nicht wählen! – Abg. Pendl: Noch haben wir keinen Auflösungs­beschluss gefasst!)

14.30


Präsident Ing. Norbert Hofer: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dr. Bösch. – Bitte.

 


14.30.46

Abgeordneter Dr. Reinhard Eugen Bösch (FPÖ): Herr Präsident! Frau Staatssekre­tärin! Meine Damen und Herren! Wir Freiheitlichen haben es kaum für möglich gehal­ten, dass wir diesen Antrag noch durch den Ausschuss und durch das Plenum bringen werden. Gerade unsere freiheitlichen Personalvertreter, auch die freiheitliche Gewerk­schaft und wir freiheitlichen Abgeordnete versuchen seit Jahren, diesen Antrag durch die Abstimmungen zu bringen, und er ist immer wieder von den beiden Regierungspar­teien vertagt worden. Deshalb freuen wir uns ganz besonders, dass wir heute diesen An­trag hier haben und sicherstellen können, dass die Zeitsoldaten – und es sind ja viele Tausend, wie Kollege Schönegger bereits ausgeführt hat – in der Pensionsberechnung nicht mehr mit 30 Monaten gedeckelt sind, sondern die volle Anrechnung ihrer Arbeit, die sie für die Republik geleistet haben, bekommen.

Ich halte das für besonders wichtig, weil die Personalfrage – wir konnten das ja heute in der Früh in der Fragestunde mit dem Herrn Bundesminister schon diskutieren – für die Entwicklung der österreichischen Streitkräfte wie auch für die österreichische Sicher­heitspolitik eine entscheidende ist – denn jede Regierung, egal, wie sie zusammenge­setzt sein wird, die die Sicherheitspolitik ernst nimmt, muss sich nicht nur um die Poli­zei, sondern auch um die Mitarbeiter des Bundesheeres kümmern. Und es wird not­wendig sein, die Mitarbeiter des Bundesheeres auch anständig zu behandeln, egal, ob es sich um aktive oder um ehemalige Mitarbeiter handelt, oder um solche, die zukünftig eintreten werden.

Das österreichische Bundesheer muss ein attraktiver Arbeitgeber werden und sein, um die Durchführung der Aufgaben sicherstellen zu können. Das ist ein guter Schritt in die­se Richtung. – Danke. (Beifall bei der FPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

14.32


Präsident Ing. Norbert Hofer: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Hagen. – Bitte.

 


14.32.45

Abgeordneter Christoph Hagen (STRONACH): Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Meine Damen und Herren! Wir vom Team Stronach sind auch froh darü­ber, dass dieses Problem mit den Zeitsoldaten jetzt gelöst werden konnte. Kein Mensch hat verstanden, dass man, wenn man für den Bund arbeitet, nur eine gedeckelte Pen­sionszeit von 30 Monaten berücksichtigt bekommt und der Rest verfällt. Das fehlt ei­nem dann irgendwo im Arbeitsleben. Zum Vergleich: Wenn heute jemand eine Straftat verübt hat und im Gefängnis sitzt, dann wird ihm das weiter bezahlt. Da frage ich mich: Wo ist da die Gerechtigkeit, meine Damen und Herren?


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Ich bin froh darüber, dass wir das lösen können. Ich hoffe, dass vielleicht auch die Grü­nen da zur Einsicht kommen. (Abg. Steinhauser: Wir stimmen eh zu!) – Stimmt ihr eh zu? Na wunderbar, dann sind wir uns alle einig – also eine gute Sache.

Das Zweite, was hier beschlossen wird, ist, dass die Leiter von Polizei- und Fachins­pektionen eine neue Zuordnung bekommen, das heißt, da wird aufgewertet. Dazu ein kleiner Appell an Sie, Frau Staatssekretärin, ein Appell, den ich immer wieder ausspre­che – ich hoffe, dass wir auch da einmal zu einer guten Lösung kommen –, betreffend die Exekutivbeamten. Polizeibeamte werden immer noch nach dem Schema eines Hilfs­dienstes der Behörden beziehungsweise der Gerichte bezahlt, entsprechend niedrig ist das Grundgehalt. Das wirkt sich dann auch negativ auf die Pension aus. Alles andere ist mit Zulagen gedeckelt oder ausgearbeitet, das heißt, wenn man keine Stunden macht, wenn man im Urlaub ist, dann hat man nur ein sehr niedriges Gehalt, wenn man krank ist sowieso, und das stellt ein großes Problem dar. Auch die Einstiegsgehälter bei der Exekutive, speziell bei der Polizei, sind sehr gering, die bewegen sich im Bereich der Mindestsicherung.

Besucht man die Polizeischule, dann verdient man um die 900 €. Das bedeutet im End­effekt, dass jemand, der eine Familie hat, diesen Beruf eigentlich gar nicht mehr ergrei­fen kann, da man sich eine Familie nicht leisten kann. Da müsste man schon etwas auf der hohen Kante haben, damit man trotzdem diesen Beruf ergreifen kann. Ich glaube, das geht in die falsche Richtung.

Frau Staatssekretärin, ich habe viele, viele Vorschläge gemacht. Sie wissen – ich habe es im Ausschuss ohnehin gesagt –, ich werde meine politische Karriere beenden, aber ich möchte Ihnen dieses Problem für die Zukunft mitgeben. Momentan ist das Problem halt einfach das, dass man in Hochpreisländern wie in Vorarlberg, wo eine 3-Zimmer-Wohnung mindestens 1 000 € kostet, mit diesem Gehalt keine Chance hat. Das ist ge­nau das, was ich ansprechen möchte. Wir müssen das Gehalt anheben, damit wir wie­der mehr Exekutivbeamte bekommen. Wir haben die Nähe zur Schweiz, ein Hochge­haltsland, weshalb sehr viele sagen: In der Schweiz verdiene ich in der Fabrik, wenn ich am Fließband stehe, wesentlich mehr als bei der Polizei in Vorarlberg.

Wenn wir gut ausgebildete Polizeibeamte haben wollen, die auf unsere Sicherheit schau­en, dann müssen wir sie auch entsprechend bezahlen. Das ist mein Appell zum Ab­schluss. Ich hoffe, dass sich hier in Bälde auch etwas tut, dass wir gemeinsam oder der neue Nationalrat dann positiv abstimmt, damit dieses Problem auch gelöst werden kann. (Beifall beim Team Stronach sowie der Abgeordneten Doppler und Gerhard Schmid– Abg. Matznetter: ... gute Erfahrungen wie in Mistelbach!)

14.36


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt nun Herr Abgeordneter Mag. Kum­pitsch. – Bitte.

 


14.36.28

Abgeordneter Mag. Günther Kumpitsch (FPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Die Motivation der Kollegen Pendl und Schönegger war offensichtlich, dass man die Strukturreform im Verteidigungsministerium und beim Bundesheer stützen wollte, fördern wollte und dem Rechnung tragen wollte. Das ist auch gut so.

Minister Doskozil hat heute aufgezeigt, was alles zu tun ist: Man will jetzt endlich die Militärkommanden stärken, man schafft endlich eine klare Aufgabenzuweisung für den Grundwehrdienst, für die Miliz und für den Katastrophenschutz und man denkt auch ei­ne besoldungsrechtliche Anpassung oder Besserstellung an die zukünftige Situation an. – Das ist auch gut so und dringend notwendig, trotzdem möchte ich auch in Erinnerung ru­fen, was in den vergangenen Jahren passiert ist: Man hat das Heer kaputtgespart und für die Grundwehrdiener und Zeitsoldaten in Wirklichkeit nichts übrig gehabt.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 139

Deshalb sind wir Freiheitlichen natürlich auch für diesen Antrag, damit man eine Unge­rechtigkeit, die früheren Grundwehrdienern und Zeitsoldaten widerfahren ist, beseitigt. Diese mussten nämlich erleben, dass sie für die Beiträge, die sie in einen Ausgleichs­fonds eingezahlt haben, nur eine Leistung für 30 Monate bekommen sollten, tatsäch­lich aber viele Jahre, vielleicht auch noch darüber hinaus, in ihrer alten Funktion waren.

Da muss ich sagen: Danke! – auch wenn es unser Antrag war, den wir im Jahr 2014 schon gestellt haben, und zwar war das mein Vorgänger Mario Kunasek. Auch wenn wir das immer wieder gefordert haben, jetzt sind wir so weit. Daher sage ich in diesem Sinne auch zur ÖVP und SPÖ: Danke, dass wir so weit sind und dass wir jetzt in der Lage sind, auch anderen Betroffenen wie Lehrern, Richtern und Staatsanwälten mit der Abänderung eine sogenannte Gerechtigkeit widerfahren zu lassen!

Abschließend möchte ich nur eines betonen: Wir müssen trotzdem daran denken, dass das nur ein erster Schritt zu einer wirklichen besoldungsrechtlichen Anerkennung sein kann, nämlich für alle Soldaten und Mitarbeiter in den Ressorts für die Arbeit, die sie ge­leistet haben und die sie in Zukunft noch leisten werden. – Danke. (Beifall bei der FPÖ und bei Abgeordneten der SPÖ.)

14.39


Präsident Ing. Norbert Hofer: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Doppler. – Bitte.

 


14.39.08

Abgeordneter Rupert Doppler (ohne Klubzugehörigkeit): Herr Präsident! Frau Staats­sekretär! Hohes Haus! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Beamten-Dienst­rechtsgesetz soll geändert werden. Das ist ein ganz wichtiger und richtiger Punkt, ein ganz großes Anliegen, vor allem betreffend die Zeitsoldaten. Mit diesem Gesetzentwurf wird der Strukturreform im Verteidigungsministerium und beim Bundesheer Rechnung getragen.

Insbesondere geht es aber auch um die Änderung des Richtverwendungskatalogs. Ei­ne klare Aufgabenzuordnung auf allen Ebenen soll die optimale Zusammenarbeit der militärischen und zivilen Organisationen gewährleisten.

Ganz wichtig ist auch, wie wir heute schon gehört haben, dass den ehemaligen und jet­zigen Zeitsoldaten bei Inanspruchnahme der Hacklerregelung die gesamte Tätigkeit beim Bundesheer zur Gänze angerechnet wird. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Bisher konn­te man nämlich maximal 30 Monate des Präsenzdienstes als beitragsgedeckte Dienst­zeit geltend machen. Der 30-Monate-Deckel wird nun gestrichen beziehungsweise fin­det er sich im neuen Gesetz nicht mehr. Auch das ist vollkommen richtig und notwen­dig. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie Mario Kunasek um diese Rege­lung gekämpft hat. Jetzt ist diese Forderung auch von den Regierungsparteien gekom­men und wird im Sinne der Soldaten umgesetzt. – Ein herzliches Danke dafür. (Beifall bei Abgeordneten der FPÖ.)

14.40

14.40.48

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Nun gelangen wir zur Abstimmung über den Gesetzentwurf in 1764 der Beilagen.

Hierzu haben die Abgeordneten Pendl, Mag. Schönegger, Mag. Kumpitsch, Kollegin­nen und Kollegen einen Zusatzantrag eingebracht.

Ich werde daher zunächst über den erwähnten Zusatzantrag und anschließend über den Gesetzentwurf abstimmen lassen.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 140

Die Abgeordneten Pendl, Mag. Schönegger, Mag. Kumpitsch, Kolleginnen und Kolle­gen haben einen Zusatzantrag betreffend Einfügung neuer Ziffern 1a und 2a eingebracht.

Wer hierfür eintritt, den bitte ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig angenommen.

Nun kommen wir zur Abstimmung über den Gesetzentwurf samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes.

Ich bitte jene Damen und Herren, die sich dafür aussprechen, um ein bejahendes Zei­chen. – Auch das ist einstimmig angenommen.

Wir kommen sogleich zur dritten Lesung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die auch in dritter Lesung für den vorliegenden Ge­setzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig. Der Gesetz­entwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

14.41.5719. Punkt

Bericht des Verfassungsausschusses über den Antrag 2227/A der Abgeordneten Dr. Peter Wittmann, Mag. Wolfgang Gerstl, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das E-Government-Gesetz geändert wird (1765 d.B.)

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Wir kommen zum 19. Punkt der Tagesordnung.

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Mag. Stefan. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


14.42.22

Abgeordneter Mag. Harald Stefan (FPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretär! Sehr geehrte Damen und Herren! Es geht beim Tagesordnungs­punkt 19 um eine Änderung des sogenannten E-Government-Gesetzes. Österreich ist damit vielen anderen Staaten sehr weit voraus. Es ist auch begrüßenswert, dass wir die­se Gesetzesmaterie hier weiterentwickeln.

Es wird mit diesem heutigen Gesetz ein sogenannter elektronischer Identitätsnachweis geschaffen. Dieser soll die Bürgerkarte und die Handysignatur ersetzen; ein grundsätz­lich richtiger Schritt. Wir werden allerdings heute gegen dieses Gesetz stimmen, weil wir einige Punkte daran kritisieren, was wir darauf zurückführen, dass dieses Gesetz nicht ausreichend diskutiert wurde und daher unsere Eingaben und unsere Anmerkun­gen nicht berücksichtigt wurden. Ich hoffe, dass man das im Nachhinein noch teilweise reparieren kann, und werde daher dann auch einen entsprechenden Entschließungsan­trag einbringen.

Nun zu den Kritikpunkten: Die Zertifikate und identitätsstiftenden Daten, die jetzt für je­den Bürger gesammelt werden, werden von sogenannten Vertrauensdiensteanbietern gehalten und verwaltet. Das sind private Gesellschaften. Ich bin der Überzeugung, dass ein derartig sensibler Vorgang wie die Verwaltung dieser Daten ein grundsätzlich ho­heitlicher Akt ist. Es ist also eine Kernaufgabe des Staates, solche Dinge zu verwalten. Daher ist es falsch, die Verwaltung solcher Daten an private Gesellschaften zu überge­ben. Und auch wenn man dann sagt: Na die unterstehen der Kontrolle des Innenminis­teriums oder sonst etwas!, ist es trotzdem grundlegend falsch, denn das ist eine typi­sche kritische Infrastruktur, wenn man so will, und daher sollte das staatlich verwaltet werden. – Das ist der erste Kritikpunkt.

Der zweite Kritikpunkt ist: So ein derartiger elektronischer Vorgang hat immer das Pro­blem, dass Dinge protokolliert werden. Das heißt, es ist nachvollziehbar, was da pas-


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 141

siert ist, und daher macht man es, wenn man es richtig macht, üblicherweise mit einer zweifachen Codierung, indem man das zweimal anonymisiert, damit nicht nachvollzieh­bar ist, wer welche Anfrage zu welchem Zeitpunkt gestellt hat und sich daher wo be­wegt hat. Zum Beispiel: Ein junger Mensch will in eine Diskothek hinein und möchte nach­weisen, welches Alter er hat. Dann muss nicht im Innenministerium letztendlich ein Pro­tokoll aufscheinen, wo es heißt, der Herr Sowieso war am Soundsovielten bei dieser Diskothek und hat eine Anfrage gestellt. Das ist etwas, was nicht gewollt ist und was nicht sinnvoll ist.

Wir haben das im Ausschuss diskutiert, und man hat offenbar nicht verstanden, was ich damit gemeint habe. Denn: Zu Recht hat uns eine Auskunftsperson vom Bundes­kanzleramt erklärt, dass eben zweimal anonymisiert wird und daher dieses Protokoll nicht gemacht wird. Ich glaube auch, dass es vielleicht so gemacht wird, aber im Ge­setz steht es nicht drinnen. Es steht nicht im Gesetz drinnen, dass die technischen Vo­raussetzungen geschaffen werden, dass so eine Protokollierung nicht stattfindet. Das ist das, was ich will. Ich will, dass es im Gesetz steht, denn wenn es faktisch vielleicht anders gemacht wird, dann könnte man das aber aufgrund des Gesetzes jederzeit wie­der ändern und sehr wohl so eine Protokollierung durchführen. Das sollte unbedingt drin­nen stehen. Auch darauf zielt mein Entschließungsantrag, den ich gleich einbringen wer­de, ab.

Der dritte Kritikpunkt ist: Das Gesetz sieht an sich eine Freiwilligkeit vor. Das heißt, ich muss als Bürger so einen elektronischen Identitätsnachweis nicht haben, sondern ich kann ihn haben. Ich bekomme ihn freiwillig oder sollte ihn freiwillig bekommen. Tatsa­che ist aber, dass künftig, wenn jemand einen Pass beantragt, er automatisch einen solchen Identitätsnachweis bekommt, sofern er sich nicht dagegen wehrt. Das heißt in Wirklichkeit, man bekommt, wenn man einen Pass will, ein Formular, füllt es aus, und so­bald man eine Mobiltelefonnummer angegeben hat, hat man automatisch einen Iden­titätsnachweis. Das ist so klassisch: Man kann rausoptieren, aber in Wirklichkeit findet das nicht statt. Ich weiß auch nicht, ob es dann überhaupt eine Belehrung der Bürger gibt, indem man sagt: Das müssen Sie gar nicht, das ist freiwillig!, sondern ich glaube, es wird einfach automatisch ablaufen. Aber wenn etwas freiwillig sein soll, dann muss es umgekehrt laufen, dann muss man hineinoptieren und ausdrücklich erklären, dass man das will, und nicht umgekehrt.

Diese drei Punkte wollen wir geändert haben. Das Wichtigste aber ist vor allem, dass diese Protokollierung technisch unmöglich gemacht wird.

Daher bringe ich folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Mag. Harald Stefan, Kolleginnen und Kollegen betreffend E-Govern­ment

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat ehest möglich eine Regie­rungsvorlage zuzuleiten, die folgende Punkte beinhaltet:

Verwaltung der identitätsstiftenden Daten und die Zertifikate der Bürger als zentrale ho­heitliche Tätigkeit im Bundesministerium für Inneres oder Bundeskanzleramt,

Schaffung der technischen Voraussetzungen, damit eine zentrale Protokollierung aller elektronischen Bewegungen durch die Verwendung der E-ID technisch unmöglich ge­macht wird, sowie


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 142

Opt-In Regelung für den Erhalt einer E-ID und umfangreiche Aufklärung über die Ver­wendung der E-ID.“

*****

Ich ersuche darum, diesem Antrag zuzustimmen. Sein Inhalt ist grundvernünftig. Wir wollen mit diesem Entschließungsantrag einen Rahmen zu dem Gesetz schaffen, das jetzt ja wohl beschlossen werden wird, und ich hoffe, wenn auch nicht heute, dass die Diskussion darüber weitergeht und es später zumindest dazu kommt, dass wir uns da­rauf einigen, dass es diese technischen Voraussetzungen geben muss. (Beifall bei der FPÖ.)

14.48


Präsident Ing. Norbert Hofer: Der Entschließungsantrag ist ausreichend unterstützt, ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung.

Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Mag. Stefan, Mag. Kumpitsch und weiterer Abgeordneter betreffend E-Government

eingebracht im Zuge der Debatte über den Bericht des Verfassungsausschusses über den Antrag 2227/A der Abgeordneten Dr. Peter Wittmann, Mag. Wolfgang Gerstl, Kol­leginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das E-Government-Ge­setz geändert wird (1765 d.B.)

Mit dem Initiativantrag der Regierungsparteien wird die Änderung des E-Government-Gesetzes beschlossen. Kernpunkt ist, dass an Stelle der Bürgerkarte und der Handy­signatur der Elektronische Identitätsnachweis (E-ID) kommt. Die Bürgerkarte war nur ein sehr mäßiger Erfolg, daher soll dieses Thema forciert werden. Künftig wird bei jedem Passantrag automatisch eine E-ID vergeben, wenn man nicht hinausoptiert. Die E-ID ist zwar theoretisch freiwillig. Defacto wird sie aber jedem aufgedrängt werden.

Die wesentlichen Kritikpunkte sind folgende:

– die identitätsstiftenden Daten und die Zertifikate der Bürger werden von privaten Un­ternehmen sogenannten Vertrauensdiensteanbietern (z.B. A-Trust) verwaltet, obwohl das eine zentrale hoheitliche Tätigkeit ist. Technisch ist das nicht besonders aufwendig und könnte auch vom BMI direkt verwaltet werden. Misstraut man dem Staat bei der Datenverwaltung und vertraut stattdessen Privaten (Banken, Kammern usw. die solche Vertrauensdienstanbieter zu Verfügung stellen)?

– Es ist zu befürchten, dass diese E-ID eine zentrale Protokollierung aller elektroni­schen Bewegungen im Innenministerium bringt, also ein sogenanntes Verwendungs­protokoll. Das heißt alle elektronischen Anträge, Verträge, Anfragen zB. Ausweiskon­trollen bei Trafiken, Bars, Bestellung von Medikamenten, usw. werden im Innenminis­terium gespeichert. Jedenfalls sieht das Gesetz NICHT vor, dass eine solche Protokol­lierung technisch unmöglich sein muss.

Mit solchen Protokollierungen könnten die Gewohnheiten, politische Einstellungen usw. der Bürger leichter erfasst werden. Eine derart undurchsichtige Überwachungsmaßnah­me soll jetzt noch vor der Wahl durchgedrückt werden.

Vor diesem Hintergrund stellen die unterfertigten Abgeordneten folgenden


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 143

Entschließungsantrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat ehest möglich eine Regie­rungsvorlage zuzuleiten, die folgende Punkte beinhaltet:

Verwaltung der identitätsstiftenden Daten und die Zertifikate der Bürger als zentrale ho­heitliche Tätigkeit im Bundesministerium für Inneres oder Bundeskanzleramt,

Schaffung der technischen Voraussetzungen, damit eine zentrale Protokollierung aller elektronischen Bewegungen durch die Verwendung der E-ID technisch unmöglich ge­macht wird, sowie

Opt-In Regelung für den Erhalt einer E-ID und umfangreiche Aufklärung über die Ver­wendung der E-ID.“

*****

 


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Lueger. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


14.48.23

Abgeordnete Angela Lueger (SPÖ): Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Werte Kol­leginnen und Kollegen! Eine digitale Sicherheitspartnerschaft zwischen Bürgern, Wirt­schaft und Verwaltung ist das, was wir bei Government 4.0 einfordern, und das ist auch das, was in Zukunft für uns ein effizientes Weiterentwickeln ist, und zwar auch in der Verwaltung, wo immer wieder eine Reform gefordert wird. Aber die oberste Prämisse muss sein, dass es benutzerfreundlich sein muss und dass es der technischen Sicher­heit entsprechen muss.

Ziel ist es, die Digitalisierung zu fördern, Potenziale für BürgerInnen viel mehr zu er­schließen und Chancen für die Wirtschaft zu schaffen. Wir haben hier schon Gesetze be­schlossen, mit denen wir die Wirtschaft verpflichtet haben, dass sie bis 2023 ihre Geschäf­te auch online abwickeln können müssen und dass auch die Einhaltung der persönli­chen Datensicherheit gewährleistet ist. Die Nachvollziehbarkeit, das haben Sie jetzt be­krittelt, Herr Kollege Stefan, ist durch dieses Protokoll gegeben. Es gibt ein transparen­tes Protokoll, und da kann man genau nachschauen, wer, wann und wofür nachge­schaut hat und welche Daten weitergegeben wurden.

Dieses E-Government-Gesetz, das Punkt 19 der Tagesordnung ist, soll die gesetzliche Grundlage für einen elektronischen Identitätsausweis schaffen und vor allem auch die Möglichkeit für Bürger, sicher im Netz ihre Identität nachzuweisen.

Wir haben einen Anpassungsbedarf insofern, als das Ganze an zwei Vorgaben ge­knüpft ist. Einerseits gibt es auf europäischer Ebene die eIDAS- Verordnung, wo man angleichen muss, weil man eine innerstaatliche Lösung, aber auch eine überregionale für ganz Europa haben möchte. Es gibt dann auch den Vorteil für die Wirtschaft, dass die Dinge grenzüberschreitend anerkannt werden, und das kann ja nur zum Vorteil ge­reichen. Das muss letztendlich einmal geschaffen werden, und dafür legen wir heute den Grundbaustein.

Andererseits braucht man ein für dieses technische Segment sicheres, modernes und digitales Identitätsmanagement, denn es soll dann die Möglichkeit geben, dass man Dinge über das Amt erledigt, aber nicht mehr auf das Amt gehen muss, das Amt aber sicher sein kann, dass es sich wirklich um jene Person handelt, die die Daten beantragt hat. Da sind, denke ich, die Sicherheitsmerkmale sehr gut gelungen.


Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll190. Sitzung / Seite 144

Ausstellen werden diese neue eID-card nur die öffentlichen Stellen, und zwar derzeit die Passbehörde und die Landespolizeiinspektion. Und was ändert sich? – Sie haben es selbst gesagt: Wenn man einen Reisepass beantragt, muss man sich die eID-card nicht nehmen, man kann herausoptieren. Es besteht keine Verpflichtung dazu, und so­mit hat man als Bürgerin und Bürger die freie Wahl.

Ich glaube, dass das ein guter Weg in die digitale Zukunft ist, und ich glaube, dass es auch ein sicherer Weg ist. Man muss das Ganze natürlich auch durch weitere Maßnah­men begleiten, man kann es auch evaluieren, und ich bin überzeugt davon, dass die technische Entwicklung auch voranschreiten wird, sodass man es vielleicht wieder an­passen muss, aber ich denke, dass es ein guter elektronischer Fortschritt sein wird. (Bei­fall bei der SPÖ.)

14.51


Präsident Ing. Norbert Hofer: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Maurer. – Bitte.

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